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Bericht ueber das Oekomonitoringprogramm 2012 by cvuas

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Das Oekomonitoring-Programm ist ein Gemeinschaftsprojekt der 4 Chemischen und Veterinaeruntersuchungsaemter Baden-Wuerttembergs (CVUA), wobei die Koordination und der Bericht vom CVUA Stuttgart uebernommen wird.

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									Ökomonitoring 2012
ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNGEN VON LEBENSMITTELN

           AUS ÖKOLOGISCHEM LANDBAU
◆
                                                                                 G R U S SWO RT D E S M I n I STE R S




                                                                                                                               Ö KO M O N I TO R I N G 2012
                                          Liebe Leserinnen,
                                          liebe Leser,
                                          das Land Baden-Württemberg hat das Ökomonitoring auch 2012 fortge-
                                          setzt. Mit unserem Bericht über dieses einzigartige Programm wollen wir
                                          Ihnen die Ergebnisse vorstellen.



Der Biomarkt boomt. Im Jahr 2012 ist der Umsatz von           Alle Proben werden durch die amtliche Lebensmittelüber-
Bio-Produkten in Deutschland um sechs Prozent auf rund        wachung von den Lebensmittelkontrolleuren der Stadt-
sieben Milliarden Euro im Jahr gestiegen. Dies zeigt, dass    und Landkreise auf allen Stufen der Produktion und des
das Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher an         Handels entnommen. Die notwendigen Maßnahmen zur
nach ökologischen Kriterien hergestellten Lebensmitteln       Beseitigung von Mängeln werden von den örtlich zustän-
weiterhin stetig wächst. Die Verbraucherinnen und Ver-        digen Lebensmittelüberwachungsbehörden oder von der
braucher erwarten zu Recht, dass die Produkte, die sie kau-   Öko-Kontrollbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe
fen, einwandfrei, sicher und richtig gekennzeichnet sind.     veranlasst.
Dies muss natürlich auch und in besonderem Maße auf
Bio-Lebensmittel zutreffen. Diese Erwartungen bestärken       Mein herzlicher Dank gilt an dieser Stelle allen Mitarbei-
uns in dem Willen, das Ökomonitoring in Baden-Württem-        terinnen und Mitarbeitern der Lebensmittelüberwachung
berg fortzuführen. Denn das Ökomonitoring legt einen ge-      und der Ökokontrolle des Landes, die sich mit großem
zielten Untersuchungsschwerpunkt auf Öko-Lebensmittel         Engagement an dem Programm beteiligt haben.
und durchleuchtet diese systematisch. Damit trägt die Lan-
desregierung dem Täuschungsschutz Rechnung, der ne-
ben dem Gesundheitsschutz die zweite Säule der Lebens-
mittelüberwachung ist. Das Ökomonitoring-Programm des
Landes ist bundesweit einmalig – auch aus anderen euro-
päischen Ländern ist Vergleichbares nicht bekannt. Es wird
als Gemeinschaftsprojekt der vier Chemischen und Veteri-
näruntersuchungsämter (CVUAs) in enger Verbindung mit
der Öko-Kontrollbehörde im Regierungspräsidium Karls-
ruhe durchgeführt. Die Ergebnisse des Ökomonitorings          Alexander Bonde
haben in der Vergangenheit in einzelnen Produktions- und      Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
Verarbeitungsbereichen immer wieder Handlungsbedarf           Baden-Württemberg
aufgezeigt, der dann in Projekten abgearbeitet wurde, um
Mängel dauerhaft abstellen zu können.                         Stuttgart, im Juli 2013

Im vergangenen Jahr haben die CVUAs knapp 1.600 Pro-
ben mit Bio-Siegel untersucht und begutachtet. Mehr als
die Hälfte dieser Proben wird im Rahmen von Ökomoni-
toring-Projekten außerdem mit entsprechender Ware aus
konventioneller Produktion verglichen. Auch im Jahr 2012
bestätigte sich dabei der Trend der vergangenen Jahre:
Bio-Produkte schneiden besser ab, und wo Bio draufsteht,
ist in aller Regel auch Bio drin.




                                                                                                                           3
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                                                                                         I n H A LTS VE R Z E I C H n I S




                                                                                                                                Ö KO M O N I TO R I N G 2012
A Einführung und Überblick                                                                                           7


B Zusammenfassung                                                                                                    8
Gentechnisch veränderte (GV-) Pflanzen                                                                               8
Schimmelpilze (Mykotoxine)                                                                                           8
Rückstände von Pflanzenschutzmitteln (Pestizide) in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs                             8
Organische Kontaminanten, Pflanzenschutzmittel (Pestizide) und Biozide in Lebensmitteln tierischer Herkunft          9
Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln                                                                      9
Herstellungsbedingte Kontaminanten                                                                                  10
Düngung bei pflanzlichen Lebensmitteln                                                                              10
Biowurst ohne Phosphat?                                                                                             11
Varroatose-Bekämpfungsmittel in Biohonig                                                                            11
Schwarze Oliven – geschwärzt, konserviert, kontaminiert?                                                            11



C      Ergebnisse                                                                                                  12
1      Gentechnisch veränderte (GV-) Pflanzen                                                                      12
1.1    Mais und Maiserzeugnisse                                                                                    12
1.2    Soja und Sojaerzeugnisse                                                                                    13

2      Schimmelpilzgifte (Mykotoxine)                                                                              14
2.1    Ochratoxin A in Röstkaffee                                                                                  14
2.2    Ochratoxin A in Kakaopulver                                                                                 14
2.3    Fusarientoxine in Vollkornteigwaren                                                                         15

3      Pflanzenschutzmittel (Pestizide)                                                                            16
3.1    Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs                                16
3.2    Mittlere Pflanzenschutzmittelgehalte                                                                        18
3.3    Übersicht Beanstandungen                                                                                    19
3.4    Übersicht nach Herkunft                                                                                     21
3.5    Übersicht nach Warengruppen                                                                                 22
3.6    Exkurs: Im Öko-Landbau zugelassene und im Jahr 2012 nachgewiesene Wirkstoffe                                24

4      Organische Kontaminanten, Pflanzenschutzmittel und Biozide in Lebensmitteln tierischer Herkunft 26
4.1    Schafs-/Ziegenkäse                                                                              27
4.2    Rindfleisch                                                                                     28

5      Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln                                                             30
5.1    Kuhmilch                                                                                                    30
5.2    Rindfleisch                                                                                                 32
5.3    Fazit                                                                                                       33

6      Herstellungsbedingte Kontaminanten                                                                          34
6.1    Furan in verzehrsfertigen Cerealien                                                                         34
6.2    3-MCPD-Ester und Glycidylesterin Speiseölen und Speisefetten                                                35

7      Düngung bei pflanzlichen Lebensmitteln                                                                      36
7.1    nachweis der Verwendung von Stickstoff-Mineraldünger                                                        36
7.2    Auswertung der Ergebnisse                                                                                   37

8      Biowurst ohne Phosphat?                                                                                     38

9      Varroatose-Bekämpfungsmittel in Honig                                                                       39

10     Schwarze Oliven – geschwärzt, konserviert, kontaminiert?                                                    40
10.1   Künstliche Schwarzfärbung                                                                                   40
10.2   Konservierung                                                                                               41
10.3   Kontamination                                                                                               41

       Impressum                                                                                                  42        5
    w



6
                                                                                                     XXXXXXXX




Einführung und Überblick




                                                                                                                            Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Das Land Baden-Württemberg führt seit dem Jahr 2002          n Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebens-
ein spezielles Überwachungsprogramm im Bereich der             mitteln pflanzlichen Ursprungs
ökologisch erzeugten Lebensmittel durch. Das Ökomo-
nitoring-Programm steht im Zusammenhang mit der              n Organische Kontaminanten und Pflanzenschutzmittel
vom Ministerrat des Landes beschlossenen Gesamtkon-            in Schafs-/Ziegenkäse und Rindfleisch
zeption zur Förderung des ökologischen Landbaus und
erfolgt im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwa-          n Dioxine und dioxinähnliche PCB in Kuhmilch und
chung. Lebensmittel aus ökologischem Anbau werden              Rindfleisch
hier systematisch auf Rückstände und Kontaminanten
sowie bezüglich weiterer Fragestellungen untersucht.         n Herstellungsbedingte Kontaminanten: Furan in
Ziel des Ökomonitoring-Programms ist es, in dem weiter         Cerealien, 3-MCPD-Ester und Glycidylester in Speise-
stark expandierenden Marktsegment Verbrauchertäu-              ölen und Speisefetten
schungen besser zu erkennen und das Verbraucherver-
trauen in die Qualität ökologisch erzeugter Lebensmittel     n Stabilisotopenverhältnisse des Stickstoffs (15n/14n)
zu stärken. Wo BIO draufsteht, muss auch BIO drin sein.        als Indikator für die Art der Düngung bei Tomaten

Zielsetzungen sind daher:                                    n Phosphathaltige Zusatzstoffe in Fleischerzeugnissen

n Statuserhebung der Belastung ökologisch erzeugter          n Varroatose-Bekämpfungsmittel in Biohonig
  Lebensmittel mit Rückständen (zum Beispiel Pflanzen-
  schutzmittel) und Kontaminanten (zum Beispiel Dioxinen),   n Zusatzstoffe (eisenhaltige Stabilisatoren zur Schwarz-
                                                               färbung und Konservierungsmittel) sowie Kontaminan-
n Vergleich von Öko-Lebensmitteln aus einheimischer            ten (Blei und Cadmium) in schwarzen Oliven
  Produktion mit Öko-Produkten anderer Herkunft, insbe-
  sondere Drittländern,                                      Die Untersuchungsergebnisse zu jedem Themenbereich
                                                             werden im Teil B in einer Zusammenfassung und im Teil C
n Feststellung von Verbrauchertäuschungen aufgrund           detailliert dargestellt.
  falscher Bio-Kennzeichnung: „Ist Bio drin, wo Bio
  draufsteht?“,                                              Alle Ergebnisse werden jährlich in einem speziellen Öko-
                                                             monitoring-Bericht für Baden-Württemberg im Internet
n Vergleich von ökologisch erzeugter Ware mit konven-        veröffentlicht. Außerdem wurde im Jahr 2011 im Rahmen
  tioneller Ware und                                         des 10-jährigen Bestehens des Ökomonitoring-Programms
                                                             die Gesamtbilanz 2002 bis 2011 vorgestellt.
n Stärkung des Verbrauchervertrauens in die Qualität
  ökologisch erzeugter Lebensmittel durch eine effiziente       Informationen zum Ökomonitoring und die Berichte
  und glaubwürdige Kontrolle sowie Transparenz der           sind auf der Homepage der CVUAs unter http://www.ua-
  Ergebnisse.                                                bw.de oder direkt unter http://oekomonitoring.cvuas.de
                                                             abrufbar.
Das Ökomonitoring ist ein Gemeinschaftsprojekt der 4
Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter Baden-
Württembergs (CVUAs) in enger Zusammenarbeit mit der
Öko-Kontrollbehörde im Regierungspräsidium Karlsruhe,


                                                                          	
  
wobei das CVUA Stuttgart die Koordination und Organisa-
tion übernimmt.
                                                             Alle Ökomonitoringberichte abrufen
Im Jahr 2012 wurden folgende Themenfelder bearbeitet:

n Gentechnisch veränderte Pflanzen: Untersuchung von
  Mais- und Sojaprodukten

n Mykotoxine: Ochratoxin A in Röstkaffee und Kakao-                        	
  
  pulver, Fusarientoxine in Vollkornteigwaren                Weitere Informationen zum Ökomonitoring


                                                                                                                        7
    ÖKOMOnITORInG 2012




    B Zusammenfassung                                              Planzenschutzmittel
                                                                   (Pestizide)
    Gentechnisch
                                                                   Rückstände von Pflanzenschutz-
    veränderte (GV-) Pflanzen                                      mitteln in Lebensmitteln pflanzlichen
                                                                   Ursprungs
    Wie in den Vorjahren waren gentechnische Veränderungen
    als Verunreinigung von Biolebensmitteln lediglich bei Soja     Wie in den Vorjahren unterscheidet sich ökologisches Obst
    festzustellen. Aber auch hier sind sowohl der Anteil positi-   und Gemüse sehr deutlich von konventionell erzeugter
    ver Proben als auch deren Verunreinigungsgrad durch GV-        Ware, sowohl bezüglich der Häufigkeit von Rückstands-
    Soja deutlich geringer als bei konventioneller Ware.           befunden als auch der Rückstandsgehalte chemisch-
                                                                   synthetischer Pestizide. Bei der überwiegenden Anzahl an
                                                                   Proben aus ökologischem Anbau waren keine Rückstände
                                                                   an Pflanzenschutzmitteln nachweisbar. Sofern Rückstände

    Schimmelpilzgifte                                              festgestellt wurden, handelte es sich in der Regel nur um
                                                                   Rückstände einzelner Wirkstoffe im Spurenbereich (kleiner
    (Mykotoxine)                                                   0,01 mg/kg) und damit um Gehalte, die deutlich unterhalb
                                                                   der Konzentrationen liegen, die üblicherweise nach An-
    Im Berichtsjahr wurden in Baden-Württemberg insgesamt          wendung entsprechender Wirkstoffe im Erntegut festge-
    50 Röstkaffees und 20 Proben Kakaopulver auf das Myko-         stellt werden.
    toxin Ochratoxin A (OTA) untersucht und die Gehalte von
    Ware aus ökologischer Erzeugung mit den Gehalten von           Der mittlere Gehalt an Pflanzenschutzmitteln in allen un-
    Ware aus konventioneller Erzeugung verglichen. In keinem       tersuchten Obstproben aus ökologischem Anbau lag bei
    der untersuchten Kaffees wurde die gesetzlich festgelegte      0,15 mg/kg, wenn alle als ökologisch bezeichneten Proben
    Höchstmenge für OTA überschritten, die mittlere Belastung      (auch solche mit irreführender Öko-Kennzeichnung) in die
    war bei beiden Erzeugungsarten vergleichbar niedrig. Für       Berechnung einfließen. Er lag bei 0,001 mg/kg, wenn die
    Kakaopulver wurde bislang noch keine Höchstmenge für           Berechnung unter Ausschluss der beanstandeten Proben
    OTA festgelegt. Sowohl der höchste ermittelte Gehalt als       erfolgte, bei denen der Verdacht bestand, dass es sich um
    auch die mittlere Belastung an OTA in Kakaopulver aus          konventionelle Ware oder um einen Verschnitt mit kon-
    konventioneller Erzeugung lagen unter den entsprechen-         ventioneller Ware handelte und auch unter Ausschluss der
    den Gehalten der untersuchten Röstkaffees. Aufgrund der        Phosphonsäurebefunde. Rückstände von Phosphonsäure
    niedrigen Probenzahl von Kakao aus ökologischer Erzeu-         können als Folge der Anwendung des fungiziden Pflanzen-
    gung ist das Ergebnis allerdings nicht aussagekräftig.         schutzmittelwirkstoffes Fosetyl sowie durch die Anwen-
                                                                   dung eines Pflanzenstärkungsmittels auftreten. Die Gehalte
    Insgesamt 15 Vollkornteigwaren aus ökologischer bezie-         lagen hier zum Teil über 1 mg/kg. Konventionelles Obst
    hungsweise konventioneller Erzeugung wurden auf die Fu-        enthält dagegen im Mittel 0,52 mg Pflanzenschutzmittel-
    sarientoxine Deoxynivalenol (DOn) und Zearalenon (ZEA)         rückstände pro kg (ohne Oberflächenbehandlungsmittel).
    untersucht.
                                                                   Bei Gemüse aus ökologischem Anbau lag der mittlere
    Unabhängig von der Erzeugungsart lagen alle ermittelten        Pflanzenschutzmittelgehalt bei 0,009 mg/kg, wenn alle
    DOn-Gehalte unter der in der VO (EG) nr. 1881/2006             als ökologisch bezeichneten Proben in die Berechnung
    festgesetzten Höchstmenge. Die DOn-Gehalte der Voll-           einflossen. Er lag bei 0,001 mg/kg, wenn die Berechnung
    kornteigwaren aus ökologischer Erzeugung lagen im Mittel       unter Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgte, bei
    unter den Gehalten von Erzeugnissen aus konventioneller        denen der Verdacht bestand, dass es sich um konventi-
    Produktion.                                                    onelle Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller
                                                                   Ware handelte, und auch unter Ausschluss der Proben, die
    In keiner der untersuchten Proben war Zearalenon nach-         Rückstände an Dithiocarbamaten (berechnet als CS2) auf-
    weisbar. Für dieses Toxin ist in Teigwaren bislang noch        wiesen. Bei bestimmten Pflanzen (unter anderem Rucola)
    keine Höchstmenge festgesetzt.                                 sind Blindwerte bis zu 2 mg/kg durch natürliches, phyto-
                                                                   genes CS2 (in Form von Senfölen) möglich. Konventionelles
    Der Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bei     Gemüse enthält dagegen im Mittel 0,40 mg an Pflanzen-
    ökologischer Erzeugung der oben genannten Produktgrup-         schutzmittelrückständen pro kg (ohne Bromid).
    pen hatte erfreulicherweise keine höhere Belastung durch
    die untersuchten Mykotoxine zur Folge.



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                                                                                        B ZU S A M M E n FA S SU n G




                                                               Organische Kontaminanten,




                                                                                                                                 Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Im Berichtsjahr waren aufgrund erhöhter Rückstände an
Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC) viele Beanstan-
dungen bei Öko-Bananen (5 Fälle, 28 %) zu verzeichnen.
                                                               Pflanzenschutzmittel und
Rückstände an DDAC können unter anderem aus einer An-          Biozide in Lebensmitteln
wendung im Pflanzenschutz (Anwendung nicht gelisteter
DDAC-haltiger Pflanzenstärkungsmittel; quartäre Ammo-          tierischer Herkunft
niumverbindungen als Beistoffe in Pflanzenschutzmitteln;
Anwendung von in Drittländern zugelassenen Pflanzen-           Im Berichtsjahr lag der Schwerpunkt auf den Produktgrup-
schutzmitteln) als auch aus einer Anwendung als Biozid         pen Schafs- oder Ziegenkäse und Rindfleisch.
(durch eine Kreuzkontamination bei der Verarbeitung) re-
sultieren. In der gesamten restlichen Ökofrischware gab es     Wie die Auswertungen der unterschiedlichen Lebensmit-
nur wenige Beanstandungen. Ebenso waren keine Auffäl-          telgruppen tierischer Herkunft zeigen, ergeben sich insge-
ligkeiten bei weiteren einzelnen Kulturen auszumachen.         samt keine signifikanten Unterschiede zwischen ökologisch
                                                               und konventionell erzeugten Produkten, wobei Rindfleisch
Insgesamt hat sich die Beanstandungsquote in den letz-         aus ökologischer Erzeugung haltungsbedingt etwas höhere
ten Jahren bei allen frischen Öko-Erzeugnissen auf einem       Rückstandsgehalte aufweist. Die Belastung dieser Lebens-
niedrigen Stand stabilisiert, ist aber 2012 im Vergleich zu    mittel mit chlor- und bromorganischen Kontaminanten und
den Vorjahren wieder leicht angestiegen: 4,2 % 2012,           Pflanzenschutzmitteln sowie nitromuschusverbindungen
2,1 % 2011, 1,3 % 2010, 1,0 % 2009, 4,9 % 2008, 7,5 %          hat sich in den letzten 25 Jahren generell deutlich redu-
2007 und 4,9 % 2006. Hintergrund für diese leicht höhe-        ziert, wobei DDT und PCB sowie teilweise HCB noch die
ren Prozentzahlen waren vor allem Rückstände an DDAC.          höchsten Konzentrationen aufweisen. Die durchschnittli-
Der Wirkstoff wurde im Jahr 2012 erstmals untersucht und       che mittlere Hintergrundbelastung liegt für diese langlebi-
in zahlreichen konventionellen sowie auch einigen ökolo-       gen Kontaminanten und nicht mehr zugelassenen Pflan-
gisch produzierten Proben nachgewiesen.                        zenschutzmittel (sogenannte Organochlorpestizide) bei
                                                               diesen Warengruppen derzeit unter 10 µg/ kg Fett.
Im Jahr 2012 wurden insgesamt 6 Proben (5,0 %) frisches
Obst, 4 Proben frisches Gemüse (3,1 %) und 1 Probe
frische Pilze aus ökologischem Anbau beanstandet. Bei die-
sen Proben wurde die Bezeichnung „Öko“ wegen erhöhter          Dioxine und dioxinähnliche
Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als irreführend beur-
teilt. Bei 8 von 261 (3,1 %) Proben aus unverarbeiteten
                                                               PCB in Lebensmitteln
Erzeugnissen war zudem die gültige Höchstmenge nach
Verordnung (EG) nr. 396/2005 für einen Wirkstoff über-         Dioxine und PCB sind Umweltkontaminanten, die sich über
schritten.                                                     die nahrungskette im Fettgewebe von Tieren anreichern;
                                                               bei Milch und Eiern erfolgt die Anreicherung im Fettanteil.
Bei verarbeiteten Erzeugnissen aus ökologischem Anbau          Zwischen Lebensmitteln aus ökologischer und konventio-
lag die Beanstandungsquote mit 3,4 % etwa in der glei-         neller Erzeugung werden erfahrungsgemäß eher geringe
chen Größenordnung wie bei frischen Erzeugnissen, aber         Unterschiede in Gehalten von organischen Kontaminanten
deutlich niedriger als die Quoten der Jahre 2011 (8,1 %) und   festgestellt, da sie durch Verunreinigungen der Luft, des
2010 (6,3 %). Bei diesen Erzeugnissen müssen zum Teil          Bodens oder durch Futtermittel eingebracht werden.
gültige Verarbeitungsfaktoren für die jeweiligen Wirkstoffe
miteinbezogen werden, da es bei der Verarbeitung der           Im Jahr 2012 wurden im Rahmen des Ökomonitoring-
frischen Urprodukte zu einer Verminderung beziehungs-          Programms 52 Kuhmilch- und 39 Rindfleischproben auf
weise Erhöhung der Rückstände kommen kann. Bean-               ihre Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (dl-PCB)
standungen waren im Jahr 2012 bei insgesamt 3 Proben           untersucht. Alle untersuchten Proben wiesen Gehalte an
(7,5 %) verarbeiteter Obsterzeugnisse, 2 Proben (29 %)         Dioxinen und dl-PCB unterhalb der zulässigen Höchstge-
Wein und 1 Probe (20 %) teeähnlicher Erzeugnisse zu ver-       halte auf. Der für dl-PCB in Rindfleisch seit 2012 gültige
zeichnen. Bei diesen Proben wurde die Bezeichnung „Öko“        Auslösewert wurde von einer Probe numerisch, von einer
wegen erhöhter Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als         weiteren Probe auch unter Berücksichtigung der statisti-
irreführend beurteilt. Bei den verarbeiteten Erzeugnissen      schen Sicherheit überschritten. Beide Proben stammten
wurden von 179 Proben 2 (1,1 %) mit jeweils einem Wirk-        aus ökologischer Erzeugung. Die in den Proben festgestell-
stoff über der Höchstmenge nach der Verordnung (EG)            ten Gehalte liegen überwiegend in Bereichen, die nicht auf
nr. 396/2005 beurteilt.                                        spezielle Quellen hinweisen.




                                                                                                                             9
     ÖKOMOnITORInG 2012




     Bei den Untersuchungen im Berichtsjahr waren die mitt-         Düngung bei pflanzlichen
     leren Dioxin- und dl-PCB-Gehalte der Milchproben aus
     konventioneller und ökologischer Erzeugung vergleichbar.
                                                                    Lebensmitteln
     Rindfleischproben aus ökologischer Erzeugung wiesen,
     wie auch in den vorherigen Jahren, tendenziell etwas hö-       Immer wieder auftauchende Berichte über angeblich falsch
     here Gehalte an Dioxinen und dl-PCB auf. Zu berücksich-        deklarierte Bio-Produkte zeigen den Bedarf an Analysen-
     tigen ist hierbei die niedrige Zahl an untersuchten Rind-      methoden, die geeignet sind, konventionelle von biolo-
     fleischproben aus ökologischer Erzeugung.                      gisch erzeugten Lebensmitteln zu unterscheiden. Bereits
                                                                    seit 2008 wird daher im Rahmen des Ökomonitorings ein
                                                                    Untersuchungsprogramm durchgeführt mit dem Ziel, die
                                                                    Einhaltung der Rechtsvorschriften der EU zum Einsatz von

     Herstellungsbedingte                                           Stickstoffdünger im ökologischen Landbau zu überprüfen.
                                                                    Dabei kam eine neuartige Untersuchungsmethode zum
     Kontaminanten                                                  Einsatz, die bei Bioprodukten Hinweise auf eine unzulässi-
                                                                    ge Verwendung von Stickstoff-Mineraldünger geben kann.
                                                                    In den Jahren 2008 bis 2011 lag der Schwerpunkt der Un-
     Furan in verzehrsfertigen Cerealien                            tersuchungen auf der Sammlung von Vergleichsdaten als
                                                                    Grundlage für eine Beurteilung (siehe Ökomonitoringbe-
     Verzehrfertige Cerealien wie Frühstückscerealien erfreu-       richte dieser Jahre). Im Jahr 2012 wurde ein Sonderunter-
     en sich großer Beliebtheit. In den Jahren 2011 und 2012        suchungsprogramm mit Tomaten durchgeführt, bei dem
     wurde im Rahmen des Ökomonitorings der Frage nachge-           die Proben anhand der Vergleichsdaten beurteilt wurden.
     gangen, ob sich Bio-Cerealien hinsichtlich des Gehaltes an     Insgesamt 10 von 63 untersuchten Bio-Tomatenproben
     Furan von herkömmlichen Cerealien unterscheiden. Die vor-      waren im Labor auffällig, und es bestanden aufgrund der
     liegende Datenbasis ist für eine Differenzierung noch nicht    Untersuchungsergebnisse Zweifel, ob die Früchte tatsäch-
     ausreichend.                                                   lich − wie angeboten − aus Bioanbau stammten. Aufgrund
                                                                    der auffälligen Ergebnisse sollen die Untersuchungen fort-
     3-MCPD-Ester und Glycidylester                                 gesetzt und auf andere Kulturarten wie Paprika ausgedehnt
     in Speiseölen und Speisefetten                                 werden. Hierfür wurde das CVUA Freiburg durch das Mi-
                                                                    nisterium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
     Im Rahmen des Ökomonitoring-Programms 2012 wurden              Baden-Württemberg mit der Durchführung eines For-
     insgesamt 35 Proben Bratfette/-öle und Margarine unter-        schungsvorhabens beauftragt. Damit soll das Potenzial der
     sucht, davon 12 Proben aus ökologischer und 23 Proben          neuen Methode in diesem wichtigen Bereich zum Schutz
     aus konventioneller Erzeugung.                                 der Verbraucher vor Täuschung bestmöglich ausgeschöpft
                                                                    werden.
     In beiden Gruppen war eine starke Streuung festzustellen,
     dies liegt sicherlich nicht an der ökologischen oder konven-
     tionellen Herkunft der Rohstoffe, sondern vielmehr an der
     Art der Raffination und an Unterschieden in der Fettzusam-
     mensetzung der einzelnen Proben. Auffällig war aber der
     Befund, dass einige Bio-Margarinen sehr hohe Gehalte an
     3-MCPD-Estern aufwiesen.




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                                                               B ZU S A M M E n FA S SU n G




                                                                                                       Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Biowurst ohne Phosphat?                                                                       ◆



Die Verwendung von phosphathaltigen Zusatzstoffen
ist bei konventionell hergestellten Fleischerzeugnissen
(hauptsächlich Brühwürsten und Kochpökelwaren) weit
verbreitet. Bei Biofleischerzeugnissen ist der Einsatz von
phosphathaltigen Zusatzstoffen dagegen nicht erlaubt. Im
Berichtsjahr wurden zwischen Oktober und Dezember 17
Ökobrühwursterzeugnisse hinsichtlich der Verwendung
von phosphathaltigen Zusatzsoffen untersucht. Bei keiner
der untersuchten Proben konnte ein Phosphatzusatz che-
misch-analytisch nachgewiesen werden.




Varroatose-Bekämpfungsmittel
in Biohonig
Im Berichtsjahr wurden 21 Honige auf die gemäß der Öko-
Verordnung (EG) nr. 889/2008 zugelassenen organischen
Säuren und ätherischen Öle untersucht. Alle Honige waren
als unauffällig zu beurteilen. Ein tendenzieller Unterschied
zwischen Honigen mit oder ohne Bio-Auslobung war an-
hand der untersuchten Proben nicht festzustellen.




Schwarze Oliven – geschwärzt,
konserviert, kontaminiert?
Im Rahmen des Ökomonitorings wurden im Berichtsjahr
43 Proben „schwarze Oliven“ untersucht, davon 16 mit
Bio- oder Öko-Bezeichnung. Keines der 16 Bioprodukte
war unzulässigerweise geschwärzt oder konserviert. Für
konventionelle Ware ist beides zulässig und wird auch re-
gelmäßig angewandt. Hinsichtlich der Kontamination mit
Blei und Cadmium unterscheidet sich Bioware nicht signi-
fikant von konventioneller Ware. Alle untersuchten Proben
lagen unterhalb der für diese Schwermetalle festgelegten
Höchstgehalte.




                                                                                                  11
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                                  C 1 ERGEBnISSE




     C Ergebnisse
     1        Gentechnisch veränderte (GV-) Pflanzen
     Bio-Soja und Bio-Mais – alle Proben weit unter 0,9 %-Schwellenwert
     Für Bio-Produkte gilt ein generelles Verwendungsverbot für GV-Pflanzen und daraus hergestellte Produkte. Al-
     lerdings sind wie bei konventionellen Lebensmitteln Verunreinigungen durch Bestandteile aus zugelassenen GV-
     Pflanzen bis zu 0,9 % erlaubt, sofern sie „technisch unvermeidbar“ oder „zufällig“ sind. Für die Praxis haben
     sich in der Überwachung produktspezifische Beurteilungswerte als sehr hilfreich erwiesen. So wurden bei den
     Untersuchungen von Bio-Mais- und -Sojaprodukten in den vergangenen 5 Jahren niemals GV-Anteile über 0,1 %
     festgestellt. Es wird daher davon ausgegangen, dass höhere Anteile als „technisch zu vermeiden“ anzusehen sind.



                                                                           1.1        Mais und Maiserzeugnisse

                                                                           Wegen des geringen Angebotes am Markt wurden nur
                                                                           wenig Bio-Maiserzeugnisse beprobt. Keine der 11 unter-
                                                                           suchten Proben enthielt gentechnisch veränderte Bestand-
                                                                           teile.

                                                                           In den vergangenen 5 Jahren wurden bei Bio-Maiser-
                                                                           zeugnissen (insgesamt 93 Proben) keine gentechnisch
                                                                           veränderten Bestandteile festgestellt, während bei 4 %
                                                                           der konventionellen Erzeugnisse (insgesamt 753 Proben)
                                                                           zumindest Spuren von GV-Mais nachgewiesen wurden.
                                                                           Allerdings sind bei Grenzwertüberschreitungen nur
                                                                           „Exoten“ betroffen, zum Beispiel Taco-Chips von den
      ◆
                                                                           Philippinen.

     Untersuchung von Mais und Maiserzeugnissen auf gentechnisch veränderte Bestandteile, Proben aus den Jahren 2008 - 2012.
     Differenzierung nach festgestelltem Anteil an GV-Mais.

                                             Maiserzeugnisse und Gentechnik, 2008 - 2102

      konventionell (insgesamt 735 Proben)                                              96                                     22



     bio (insgesamt 93 Proben)                                                         100



     alle (insgesamt 846 Proben)                                                        97                                      21




                                             0%            20 %               40 %             60 %               80 %         100 %

                                                                          Anteil der untersuchten Proben


                 Anteil an gentechnisch verändertem Mais          nicht nachweisbar       ≤ 0,1 %          > 0,1 % - 0,9 %     > 0,9 %




                                                                                                                                     ◆

12
                                                                        G E n T E C H n I S C H V E R ä n D E R T E (GV-) P F L A n Z E n




                                                                                                                                                               Ö KO M O N I TO R I N G 2012
1.2      Soja und Sojaerzeugnisse                                                                       nachweisgrenze (ca. 0,1%) und da-
                                                                                                        runter toleriert.
Sieben von 37 Proben aus Bio-Soja enthielten Spuren der
GV-Soja Roundup Ready, jeweils jedoch deutlich unter                                               In den Ergebnissen der letzten 5
0,1 %. Der Anteil positiver Bio-Sojaproben erhöhte sich                                            Jahre zeigten diese Produkte ei-
damit gegenüber dem Vorjahr (19 % gegenüber 9 %).                                                  nen mit Bio-Soja vergleichbaren
Aufgrund des relativ geringen Stichprobenumfangs sind                      Logo für Lebensmittel   Verunreinigungsgrad an GV-Soja,
aber keine pauschalen Aussagen zu Tendenzen möglich.                       „ohne Gentechnik“       auch hier wurden keine Proben mit
Der Anteil positiver Proben war bei konventioneller Soja                                           GV-Soja über 0,1 % festgestellt. Al-
nicht deutlich höher (24 von 100 Proben), allerdings gab                   lerdings gab es bei Bio-Soja mit 22 % gegenüber 11 % ei-
es wie in den Vorjahren nur bei konventioneller Ware Be-                   nen deutlich höheren Anteil an positiven Proben. Dagegen
funde über 0,1 %. Dies deckt sich mit den Ergebnissen                      enthielten in den vergangenen 5 Jahren immerhin 11 % der
der letzten 5 Jahre, die in Abbildung 2 dargestellt sind.                  konventionellen Sojaprodukte Anteile an GV-Soja über 0,1 %,
                                                                           insgesamt wurden bei 37 % konventioneller Erzeugnisse po-
In der Abbildung sind zusätzlich die Untersuchungsergebnis-                sitive Befunde bei GV-Soja festgestellt.
se konventioneller Soja-Erzeugnisse dargestellt, die mit dem
Hinweis „ohne Gentechnik“ beworben wurden. Anzutreffen
ist dieser Hinweis bei einem kleinen Marktsegment von Tofu,
Sojadrinks und Sojaerzeugnissen für die vegetarische Ernäh-
rung („Fleischersatz“ auf Sojabasis). Für derartig beworbene
                                                                                                                                                      ◆
Erzeugnisse werden nur Spuren an GV-Soja im Bereich der

Untersuchung von Soja und Sojaerzeugnissen auf gentechnisch veränderte Bestandteile. Proben aus den Jahren
2008-2012. Differenzierung nach festgestelltem Anteil an GV-Soja. Vergleich bio / konventionell / „ohne Gentechnik“.

                                             Sojaerzeugnisse und Gentechnik, 2008 - 2102
  „ohne Gentechnik"“
                                                                               78                                             22
  (insgesamt 54 Proben)

  konventionell (insgesamt 528 Proben)                                         65                                23                  10        2


  bio (insgesamt 227 Proben)                                                   89                                                     11


 alle (insgesamt 755 Proben)                                                   73                                      19                 7    1



                                           0%              20 %                40%              60 %                  80%                     100 %

                                                                          Anteil der untersuchten Proben

                Anteil an gentechnisch veränderter Soja           nicht nachweisbar         ≤ 0,1 %         > 0,1 % - 0,9 %               > 0,9 %




Untersuchung von Soja und Sojaerzeugnissen auf gentechnisch veränderte Bestandteile. Anteile (in %) positiver Proben
im Verlauf von 2002 - 2012.
         Gentechnische Veränderung in Soja und -erzeugnissen                                                  konventionell            ökologisch
  45 %
                        46                                                47
  40 %                                                                                43
                                                            42
  35 %                                                                                            38                        38
                                                 37
  30 %
           30                      29
  25 %
                                        23
  20 %                       20                                                                                                                24
                                                                                                              22 18                                 19

  15 %                                                15                       15
                                                                  13
                                                                                                       11
  10 %          10                                                                                                               09
                                                                                           07
  05 %

   0%

           2002         2003        2004          2005       2006         2007        2008        2009         2010           2011              2012




                                                                                                Hans-Ulrich Waiblinger, CVUA Freiburg


                                                                                                                                                          13
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                  C 2 ERGEBnISSE




     2 Schimmelpilzgifte                                          OTA-Gehalt der positiv getesteten Proben 1,4 µg/kg. Der
                                                                  höchste ermittelte Gehalt von 4,3 µg/kg lag unter dem ge-
       (Mykotoxine)                                               setzlich festgelegten Grenzwert von 5 µg/kg für Röstkaffee.

     2.1 Ochratoxin A in Röstkaffee                               Mit 54 % war in mehr als der Hälfte der Proben aus öko-
                                                                  logischer Erzeugung OTA bestimmbar. Die mittlere Belas-
     Im Berichtsjahr wurden in Baden-Württemberg 50 Pro-          tung der positiv getesteten Proben lag mit 1,3 µg/kg kaum
     ben Röstkaffee auf das Mykotoxin Ochratoxin A (OTA)          unter der Belastung der Erzeugnisse aus konventionellem
     untersucht und die Gehalte von Ware aus ökologischer         Anbau. Der höchste ermittelte Gehalt war mit 3,2 µg/kg
     Erzeugung mit den Gehalten von Ware aus konventionel-        niedriger als der höchste ermittelte Gehalt in Röstkaffee
     ler Erzeugung verglichen (s. Tabelle). In keinem der un-     aus konventioneller Erzeugung. Der Verzicht auf den Ein-
     tersuchten Röstkaffees wurde die gesetzlich festgelegte      satz von Pflanzenschutzmitteln hatte demnach keine hö-
     Höchstmenge für OTA von 5 µg/kg überschritten.               here Belastung durch das Mykotoxin OTA zur Folge.

     In 35 % der untersuchten Röstkaffee-Proben aus konventio-      Ein ausführlicher Bericht ist im Internet veröffentlicht:
     neller Erzeugung war OTA bestimmbar. Im Mittel betrug der    www.ua-bw.de > Bericht vom 31.08.2012




                                                                                            ◆

     Gegenüberstellung der Ochratoxin A-Gehalte in Röstkaffee aus ökologischer und konventioneller Erzeugung

      Ochratoxin A                            Anzahl             Anzahl Proben     Mittelwert           höchster
                                              der Proben         mit Gehalten      der Proben mit       ermittelter
                                                                 > BG*             Gehalten [µg/kg]     Gehalt [µg/kg]
       ökologische Erzeugung                         13                 7                  1,3                 3,2

       konventionelle Erzeugung                      37                13                  1,4                 4,3

     * BG Bestimmungsgrenze: 0,4 µ g/kg



     2.2 Ochratoxin A in Kakaopulver

     Insgesamt wurden 2012 in Baden-Württemberg 20
     Proben Kakaopulver auf ihren Gehalt auf Ochratoxin A
     (OTA) untersucht. Von diesen Proben stammten nur 4 aus
     ökologischer Erzeugung.

     Bislang ist weder auf EU-Ebene noch national eine Höchst-
     menge für OTA in Kakaopulver festgelegt. Zur Orientierung
     werden die nach der Verordnung (EG) nr. 1881/2006
                                                                                                                     ◆
     geltenden Höchstmengen für Röstkaffe (5 µg/kg) und für
     Getreide und Getreidemehle (3 µg/kg) herangezogen.

14
                                                                           S C H I M M E L P I L ZG I F T E (M Y KOTOX I n E )




                                                                                                                                      Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Bei Kakaopulver aus konventionellem Anbau war nur eine           konventioneller Erzeugung Ochratoxin A bestimmbar war.
Probe frei von OTA, in 15 Proben war dieses Mykotoxin            Der mittlere Gehalt betrug 0,9 µg/kg OTA, der höchste ge-
nachweisbar. Dagegen war lediglich in einer der 4 Proben         messene Gehalt betrug 1,6 µg/kg. Die Rückstandssituation
aus ökologischer Erzeugung OTA enthalten. Aufgrund der           hinsichtlich OTA ist insgesamt positiv zu bewerten.
geringen Probenzahl ist dieses Ergebnis allerdings nicht
aussagekräftig.                                                    Ein ausführlicher Bericht ist im Internet veröffentlicht:
                                                                 www.ua-bw.de > Bericht vom 10.01.2013
Aus diesen Ergebnissen ist ersichtlich, dass in fast allen
(d.h. in 94 %) der untersuchten Kakaopulver-Proben aus


Gegenüberstellung der Ochratoxin A-Gehalte in Kakaopulver aus ökologischer und konventioneller Erzeugung

 Ochratoxin A                                Anzahl             Anzahl Proben     Mittelwert              höchster
                                             der Proben         mit Gehalten      der Proben mit          ermittelter
                                                                > BG*             Gehalten [µg/kg]        Gehalt [µg/kg]
  ökologische Erzeugung                              4                 1                    -                     0,9

  konventionelle Erzeugung                          16                15                  0,9                     1,6

* BG Bestimmungsgrenze: 0,4 µ g/kg



2.3     Fusarientoxine
        in Vollkornteigwaren

Im Berichtsjahr wurden insgesamt 15 Vollkornteigwaren
auf das Trichothecen Deoxynivalenol (DOn) und auf Zea-
ralenon (ZEA) untersucht. Die Ware stammte sowohl aus
ökologischer als auch aus konventioneller Erzeugung.

nach den Ergebnissen der DOn-Untersuchungen war in al-
len untersuchten Vollkornteigwaren, unabhängig von der Art
der Erzeugung, das Trichothecen DOn nachweisbar. Doch
selbst die höchsten ermittelten Gehalte liegen deutlich unter
der in der Verordnung (EG) nr. 1881/2006 festgesetzten                                                                     ◆
Höchstmenge von 750 µg/kg in trockenen Teigwaren.


Gegenüberstellung der DON-Ergebnisse in Vollkornteigwaren aus ökologischer und konventioneller Erzeugung

  DON                                        Anzahl             Anzahl Proben      Mittelwert             höchster
                                             der Proben         mit Gehalten       der Proben mit         ermittelter
                                                                > BG*              Gehalten [µg/kg]       Gehalt [µg/kg]
  ökologische Erzeugung                             11                11                   95                     341

  konventionelle Erzeugung                           4                 4                  137                     196

* BG Bestimmungsgrenze: 8 µ g/kg


Der höchste gemessene Gehalt von 341 µg/kg wurde in             lichten Ergebnissen hinsichtlich der Mykotoxin-Untersu-
einer Vollkornteigware aus ökologischer Erzeugung er-           chungen von Teigwaren allgemein:
mittelt. Trotz dieses ermittelten DOn-Gehaltes weisen die
Vollkornteigwaren aus ökologischer Erzeugung im Mittel          www.ua-bw.de > Bericht vom 29.06.2012
einen niedrigeren Gehalt auf als die Vollkornteigwaren
aus konventioneller Erzeugung. Wegen der sehr geringen          In keiner der untersuchten Proben war Zearalenon nach-
Probenzahl der untersuchten konventionell erzeugten Voll-       weisbar. Für dieses Toxin ist in Teigwaren bislang noch
kornteigwaren ist diese Aussage als nicht repräsentativ         keine Höchstmenge festgesetzt.
anzusehen.

Diese Untersuchungsergebnisse decken sich jedoch auch
mit den vom CVUA Stuttgart 2012 im Internet veröffent-                           Margit Kettl-Grömminger, CVUA Stuttgart


                                                                                                                                 15
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                       C 3 PESTIZIDE




     3 Pflanzenschutzmittel                                        4,9 % 2006. Hintergrund für die leicht höheren Prozentzah-
                                                                   len im Jahr 2012 waren vor allem gefundene Rückstände
       (Pestizide)                                                 des Wirkstoffs Didecyldimethylammoniumchlorid (DDAC),
                                                                   der im Jahr 2012 neu in das analytische Wirkstoffspektrum
     3.1    Rückstände von Pflanzenschutz-                         aufgenommen wurde und in zahlreichen konventionellen
            mitteln in Lebensmitteln pflanz-                       sowie auch einigen ökologisch produzierten Proben nach-
            lichen Ursprungs                                       gewiesen wurde.

     Im Berichtsjahr wurden insgesamt 440 Proben von               Im Berichtsjahr war aufgrund der DDAC-Rückstände eine
     Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft aus ökologischem          Häufung von Beanstandungen bei Öko-Bananen (5 Fälle)
     Anbau auf Rückstände an Pflanzenschutzmitteln unter-          zu verzeichnen. Rückstände an DDAC können unter ande-
     sucht.                                                        rem aus einer Anwendung im Pflanzenschutz (Anwendung
                                                                   nicht gelisteter DDAC-haltiger Pflanzenstärkungsmittel;
     Wie in den Vorjahren schnitt ökologisch erzeugtes Obst und    quartäre Ammoniumverbindungen als Beistoffe in Pflanzen-
     Gemüse deutlich besser ab als Ware aus konventionellem        schutzmitteln; Anwendung von in Drittländern zugelassenen
     Anbau. Bei knapp 70 % der Proben aus ökologischem An-         Pflanzenschutzmitteln) oder aus einer Anwendung als Biozid
     bau waren keine Pestizidrückstände nachweisbar. Sofern        (durch eine Kreuzkontamination im Rahmen der Verarbei-
     Rückstände festgestellt wurden, handelte es sich in der       tung) resultieren.
     überwiegenden Zahl der Fälle nur um Rückstände einzel-
     ner Wirkstoffe im Spurenbereich (< 0,01 mg/kg) und da-        In der restlichen Ökofrischware war keine Häufung von Be-
     mit um Gehalte, die deutlich unterhalb der Konzentrationen    anstandungen zu verzeichnen, auch waren keine Auffällig-
     liegen, die üblicherweise nach Anwendung entsprechender       keiten bei weiteren einzelnen Kulturen zu erkennen. In den
     Wirkstoffe im Erntegut festgestellt werden können. Vergli-    Jahren vor 2009 waren immer wieder punktuell Auffälligkei-
     chen mit den Vorjahren (2009, 2010 und 2011) hat sich         ten bei mehreren bestimmten Kulturen aufgetreten: Herbizi-
     die Rückstandssituation bei frischem Öko-Obst und Öko-        de bei italienischem Brokkoli und italienischen Karotten, das
     Gemüse leicht verschlechtert. Bei Öko-Gemüse stieg die        Fungizid Fosetyl bei Gurken verschiedener Herkunft, aber
     Beanstandungsquote von 1,6 % im Jahr 2011 auf 3,1 %           auch Rückstände von Oberflächenbehandlungsmitteln und
     im Berichtsjahr 2012. Bei Öko-Obst lagen die Zahlen bei       Akariziden bei Zitrusfrüchten sowie Keimhemmungsmittel
     2,6 % im Jahr 2011 und bei 5,0 % im Jahr 2012. Insge-         bei Kartoffeln. Diese Probleme sind aber mittlerweile alle er-
     samt hat sich die Beanstandungsquote in den letzten Jah-      folgreich beseitigt worden.
     ren bei allen frischen Öko-Erzeugnissen auf einem niedrigen
     Stand stabilisiert, ist aber 2012 im Vergleich zu den Vor-    Insgesamt wurde im Jahr 2012 bei 6 Proben frischem
     jahren wieder leicht angestiegen: 4,2 % 2012, 2,1 % 2011,     Öko-Obst, 4 Proben frischem Öko-Gemüse und einer
     1,3 % 2010, 1,0 % 2009, 4,9 % 2008, 7,5 % 2007 und            Probe frischer Öko-Pilze die Bezeichnung „Öko“ wegen




                                                                                                                            w



16
 RÜCKSTänDE VOn PFL AnZEnSCHUT ZMI T TELn In LEBEnSMI T TELn PFL AnZLICHEn URSPRUnGS




                                                                                                                                Ö KO M O N I TO R I N G 2012
erhöhter Rückstände an Pflanzenschutzmitteln als irre-        te zu einer Erhöhung oder Verminderung der Rückstände
führend bezeichnet beanstandet. Hinzu kommt noch eine         kommen kann (siehe Infokasten).
Probe frischer Cranberries, die zwar frei von Rückständen
an Pflanzenschutzmitteln war, aber auf einem Werbeblatt       Im Beanstandungsfall zeigten nachforschungen der Öko-
mit Aussagen beworben wurde, die nicht den lebensmit-         Kontrollstellen bisher, dass, wenn in einem Betrieb sowohl
telrechtlichen Vorschriften entsprachen. Die Probe wurde      ökologisch als auch konventionell erzeugte Rohware ver-
aufgrund unzulässiger krankheitsbezogener Angaben und         arbeitet und/oder gelagert wird, nicht immer genügend
wissenschaftlich nicht hinreichend gesicherter gesundheits-   Sorgfalt aufgewendet wurde, um eine Vermischung bezie-
bezogener Angaben ebenfalls als irreführend bezeichnet        hungsweise Kontamination bei Lagerung und Verarbeitung
beanstandet.                                                  zu vermeiden. Es ist notwendig, in diesem Bereich noch
                                                              sorgfältiger zu arbeiten, um Vermischungen und Kontami-
Bei verarbeiteten Erzeugnissen lag die Beanstandungsquote     nationen zu minimieren.
mit 3,4 % etwa in der gleichen Größenordnung wie bei fri-
schen Erzeugnissen, aber deutlich niedriger als die Quoten
der Jahre 2011 (8,1 %) und 2010 (6,3 %). Zu beachten ist
hierbei allerdings, dass bei verarbeiteten Öko-Erzeug-
nissen von Jahr zu Jahr unterschiedliche Schwer-
punkte gesetzt und gezielte kurzfristige Projekte
durchgeführt werden. Die Beanstandungsquote bei
verarbeiteten Ökoerzeugnissen ist somit von Jahr
zu Jahr nur bedingt vergleichbar. Bei den verarbei-
teten Erzeugnissen waren in den Vorjahren (2010
und 2011) vor allem Obsterzeugnisse (getrocknet,
TK-Ware, Konserven), Weine sowie Hülsenfrüchte (Lin-
sen) mit erhöhten Beanstandungsquoten aufgefallen, im
Berichtsjahr 2012 war erfreulicherweise keines der Unter-
suchungsfelder auffällig. Dabei müssen bei den untersuch-
ten verarbeiteten Erzeugnissen zum Teil auch die
gültigen Verarbeitungsfaktoren für die jeweiligen
Wirkstoffe miteinbezogen werden, da es bei der
Verarbeitung der eingesetzten Ursprungsproduk-                                                                         ◆




    Berücksichtigung von                                      heißt der im Gesamtprodukt (Kirschen plus Aufguss)
    Verarbeitungsfaktoren                                     festgestellte Rückstandsgehalt wird bezogen auf das
                                                              rohe unverarbeitete Produkt (Kirschen) zurückge-
    Die Verordnung (EG) nr. 396/2005 regelt die zuläs-        rechnet und dieser theoretisch ermittelte Gehalt mit
    sigen Höchstgehalte an Pestiziden in der Regel für        der für das unverarbeitete Produkt gültigen Rück-
    unverarbeitete Lebensmittel. Die Höhe der Rückstän-       standshöchstmenge verglichen. ähnlich verhält es
    de von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in und auf         sich bei Wein. Hier muss über Verarbeitungsfaktoren
    unverarbeiteten Lebensmitteln kann sich unter dem         auf die frischen Keltertrauben zurückgerechnet wer-
    Einfluss von Verarbeitungsprozessen verändern. Bei        den, da bei der Weinbereitung für sehr viele Wirk-
    der rechtlichen Beurteilung der festgestellten Rück-      stoffe eine Reduzierung der Rückstände eintritt. Bei
    standsgehalte an Pflanzenschutzmittelwirkstoffen in       Trockenobst liegt durch die Trocknung dagegen eine
    verarbeiteten Lebensmitteln ist gemäß den Vorgaben        Anreicherung des Wirkstoffes im Obst vor, d.h. der
    der VO (EG) nr. 396/2005 die durch die Verarbei-          Rückstandsgehalt war im Ausgangsprodukt niedriger
    tung bewirkte Veränderung der Pestizidrückstands-         als der im Trockenobst festgestellte Gehalt. Im Falle
    gehalte (z.B. die Veränderung durch die Herstellung       der Kirschkonserven konnte teilweise keine abschlie-
    von Trockenobst, Konserven, Säften oder Wein) zu          ßende Beurteilung erfolgen, da für bestimmte Stof-
    berücksichtigen. Handelt es sich beispielsweise nicht     fe keine Verarbeitungsfaktoren bekannt waren oder
    um Sauerkirschen, sondern um daraus hergestellte          diese zwar für den Stoff, jedoch nur für ähnliche Pro-
    Konserven, so muss ein Verarbeitungsfaktor berück-        dukte bekannt waren. Bei geringen Wirkstoffgehalten
    sichtigt werden, da bei der Herstellung der Konserve      im Erzeugnis ergibt sich zudem eine größere rechne-
    meist eine Reduzierung der Rückstände erfolgt. Das        rische Unsicherheit.



                                                                                                                           17
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                                              C 3 ERGEBnISSE




     3.2            Mittlere Pflanzenschutzmittelgehalte

     Als Anhaltspunkt für das Vorkommen von Pflanzenschutzmitteln kann auch die Berechnung ihrer mittleren Gehalte dienen
     (siehe Grafik).


     Mittlerer summarischer Gehalt der nachgewiesenen Pflanzenschutzmittelrückstände pro Probe (in mg/kg)
                                                                                                                                                 0,520
                      Gemüse - Vergleich öko-konventionell                               Obst - Vergleich öko-konventionell
            0,500



            0,450        0,450                                                                       0,440


                                                                                                                 0,390
            0,400                                                            0,400



                                           0,360      0,360
            0,350

                                                                                                                          0,340     0,340
            0,300                0,330


                                                                                           0,280
            0,250



            0,200
                                                                   0,220


            0,150                                                                             konventionell erzeugte Proben (ohne Oberflächen-
                                                                                              behandlungsmittel bzw. Konservierungsstoffe)
                           konventionell erzeugte Proben (ohne Bromid)                        Ökoproben ohne beanstandete Proben 1 2
                           Ökoproben ohne beanstandete Proben 1 2                             und ohne Phosphonsäure 3
            0,100


                                                                                                                                              „Orientierungs-
                                                                                                                                              wert“ 0,01 mg/kg
            0,050


                         0,001    0,001     0,002     0,003          0,001   0,001       0,002        0,001      0,002    0,002     < 0,001      0,001
           0 ,010


                         2007     2008      2009       2010          2011    2012           2007      2008       2009     2010       2011        2012

     1
         ohne Gibberellinsäure (kann von verschiedenen Pflanzen auf natürliche Weise gebildet werden), ohne Bromid
     2
         beanstandete Proben = Proben, die wegen der irreführenden Bezeichnung „Öko“ beanstandet wurden
     3
         ohne Phosphonsäure (kann aus zugelassenen Pflanzenstärkungsmitteln stammen, erst ab 2012 untersucht)



     Der mittlere Pestizidrückstandsgehalt aller untersuchten                        geschrieben. In der Verordnung (EG) nr. 396/2005 ist die
     Öko-Obstproben lag bei 0,15 mg/kg, wenn alle als „Öko“                          Substanz als Summenparameter Fosetyl-Al (Summe aus
     oder „Bio“ bezeichneten Proben in die Berechnung ein-                           Fosetyl und Phosphonsäure und deren Salzen, ausge-
     fließen. Er lag bei 0,14 mg/kg, wenn die Berechnung unter                       drückt als Fosetyl) erfasst. Der Wirkstoff Phosphonsäure ist
     Ausschluss der beanstandeten Proben erfolgte, bei denen                         erst seit 2012 im Untersuchungsspektrum. Im Berichtsjahr
     der Verdacht bestand, dass es sich um konventionelle                            wurden teilweise Gehalte über 1 mg/kg gefunden, eine
     Ware oder um einen Verschnitt mit konventioneller Ware                          Übersicht über die nachgewiesenen Gehalte zeigt die Ta-
     handelte und bei 0,001 mg/kg, wenn die Berechnung zu-                           belle. Weil die Gehalte auch aus zugelassenen Pflanzen-
     dem ohne die Proben mit Phosphonsäure-Rückständen                               stärkungsmitteln stammen können, wurden diese Proben
     erfolgte. Phosphonsäure wird eine fungizide Wirkung zu-                         nicht beanstandet.


     Phosphonsäurerückstände bei Proben aus ökologischem Anbau
         Herkunftsland                      Probenart                                                 Phosphorsäuregehalt (in mg/kg)
          Deutschland                       Haferkörner ( 1 x)                                        0,18

                                            Keltertrauben ( 3 x)                                      0,24-0,3

                                            Kräuterseitling ( 1 x)                                    0,056

                                            Tafelweintraube ( 1 x)                                    6,8

          Italien                           Tafelweintrauben ( 2 x)                                   0,94-9,2



18
                       M I T T L E R E P F L A n Z E n S C H U T Z M I T T E LG E H A LT E · Ü B E R S I C H T B E A n S TA n D U n G E n




                                                                                                                                                       Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Konventionelles Obst enthielt dagegen im Mittel 0,52 mg/kg                 einen Verschnitt mit konventioneller Ware handelte und
an Pflanzenschutzmittelrückständen (ohne Oberflächen-                      bei 0,001 mg/kg, wenn die Berechnung zudem unter
behandlungsmittel).                                                        Ausschluss derjenigen Proben erfolgte, die Rückstände
                                                                           an Dithiocarbamaten (berechnet als CS2) aufwiesen. Bei
Bei Öko-Gemüse lag der mittlere Pestizidrückstands-                        bestimmten Pflanzen der Gattungen Brassicaceen und Li-
gehalt bei 0,009 mg/kg, wenn alle als ökologisch be-                       liaceen (u.a. Rucola) sind Blindwerte bis zu 2 mg/kg durch
zeichneten Proben in die Berechnung einfließen. Er lag bei                 natürliches, phytogenes CS2 (in Form von Senfölen) mög-
0,006 mg/kg, wenn die Berechnung unter Ausschluss der                      lich. Konventionelles Gemüse enthielt dagegen im Mittel
beanstandeten Proben erfolgte, bei denen der Verdacht                      0,40 mg/kg an Pflanzenschutzmittelrückständen (ohne
bestand, dass es sich um konventionelle Ware oder um                       Bromid).

3.3        Übersicht Beanstandungen

Die Tabelle gibt eine Übersicht über alle im Jahr 2012 auf Rückstände an Pflanzenschutzmitteln untersuchten Ökoproben
und eine Übersicht über ihre Beanstandungsquoten, beide jeweils aufgeschlüsselt nach Warengruppen.

Übersicht über die im Jahr 2012 untersuchten Ökoproben

    Probenart                 Proben     Proben mit        Proben mit          Proben mit                Proben            Stoffe über
                              zahl 1     Rückständen       Mehrfach-           Rückständen               über              der HM 5
                                         Anzahl (Anteil)   Rückständen         >0,01mg/kg 3 4            der HM 5
                                                           Anzahl (Anteil)
    Gemüse                      128          34 (27 %)         7 (13 %)            5 (4 %)                3 (2,3 %)    Tetramethrin, DDAC (2 x)
    frische Pilze                  3         3 (-)             1 (-)               1 (-)                  0 (-)        0
    Gewürze (Ingwer)               5         3 (60 %)          0 (0 %)             1 (20 %)               0 (0 %)      0
    Kartoffeln                     6         1 (17 %)          1 (17 %)            0 (0 %)                0 (0 %)      0
    Obst                        119          37 (31 %)         6 (5 %)             7 (6 %)                5 (4,2 %)    DDAC (5 x)
    Summe
    Urprodukte                  261          77 (30 %)         25 (10 %)           14 (5 %)               8 (3,1 %)    8
    Obsterzeugnisse,             40          23 (58 %)         15 (38 %)           8 (20 %)               0 (0 %)      0
    verarbeitet                                                                    5 (12,5 %)        2


    Gemüseerzeugnisse,           14          6 (43 %)          0 (0 %)             0 (0 %)                0 (0 %)      0
    verarbeitet
    Wein                           7         4 (57 %)          3 (43 %)            2 (29 %)
                                                                                   2 (29 %)      2
                                                                                                          0 (0 %)      0
    Hülsenfrüchte                43          13 (30 %)         4 (9 %)             0 (0 %)                0 (0 %)      0
    Getreide und                 45          12 (27 %)         2 (4 %)             2 (4 %)                1 (2,2 %)    Dichlorvos
    Getreideerzeugnisse                                                            2 (4 %)   2


    teeähnliche                    5         3 (60 %)          3 (60 %)            2 (40 %)               1 (20 %)     Thiophanatmethyl
    Erzeugnisse                                                                    1 (20 %)      2


    pflanzliche Öle                6         4 (67 %)          2 (33 %)            2 (33 %)               0 (0 %)      0
                                                                                   0 (0 %) 2

    Säuglingsnahrung/            13          0 (0 %)           0 (0 %)             0 (0 %)                0 (0 %)      0
    Kleinkindnahrung
    Sonstige (Keltertrauben
    Glühwein,                      6         5 (83 %)          4 (67 %)            0 (0 %)                0 (0 %)      0
    Luzernenkeimling)

    Summe verarbeitete          179          70 (39 %)         33 (18 %)           16 (9 %)               2 (1,1 %)    2
    Erzeugnisse                                                                    10 (12 %) 2
    alle untersuchten           440          147 (33 %)        58 (13 %)           30 (7 %)               10 (2,3 %)   10
    Proben                                                                         24 (7,0%) 2


1
     kein prozentualer Anteil für Probenzahlen < 5
2
     nach Berücksichtigung von Verarbeitungsfaktoren bei Weinen, Ölen, Getreideerzeugnissen, teeähnlichen Erzeugnissen und
     verarbeitetem Obst
3
     ohne Azadirachtin, Piperonylbutoxid, Pyrethrum, Rotenon und Spinosad (sind im ökologischen Landbau zugelassen)
4
     ohne Gibberellinsäure (kann von verschiedenen Pflanzen auf natürliche Weise gebildet werden), Phosphonsäure (kann aus
     zugelassenen Pflanzenstärkungsmitteln stammen) und ohne Bromid (kann auch geogenen Ursprungs sein, Gehalte < 5 mg/kg
     werden als „natürliche“ Gehalte bewertet)
5
     HM = Höchstmenge nach der Verordnung (EG) Nr. 396/2005


                                                                                                                                                  19
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                            C 3 ERGEBnISSE




                                                                           „Öko“ oder „Bio“ für Erzeugnisse, die deutliche Mengen
                                                                           an Pflanzenschutzmittelrückständen enthielten. In 9 Fällen
                                                                           (1 Probe Rucola, 1 Probe Petersilienblätter und 5 Proben
                                                                           Bananen, jeweils mit DDAC, 1 Probe Gurken mit Tetramethrin
                                                                           und 1 Probe Kamillenblütentee mit Thiophanat-methyl) war
                                                                           zusätzlich die gültige Höchstmenge nach der Verordnung
                                                                           (EG) nr. 396/2005 für einen Wirkstoff überschritten.
                                                                           Zudem wies 1 Probe Bio-Gerste Rückstände an dem
                                                                           Vorratsschutzmittel Dichlorvos knapp über der gesetzlichen
                                                                           Höchstmenge von 0,01 mg/kg auf. Diese Höchstmenge
                                                                           war allerdings unter Berücksichtigung der Messunsicherheit
                                                                    ◆
                                                                           von 50 % ebenso wie auch des Orientierungswertes für
                                                                           Rückstände in Öko-Lebensmitteln von 0,01 mg/kg nicht
     Beanstandungen waren bei frischem Gemüse (4 Fälle), bei               gesichert überschritten. Bei dieser Probe wurde die zustän-
     frischen Pilzen (1 Fall), bei frischem Obst (6 Fälle), verar-         dige Öko-Kontrollstelle in Form eines Hinweisgutachtens
     beiteten Obsterzeugnissen (3 Fälle), Weinen (2 Fälle) und             auf den leicht erhöhten Rückstandsgehalt hingewiesen.
     teeähnlichen Erzeugnissen (1 Fall) zu verzeichnen (siehe
     Tabelle). Bei allen aufgeführten Fällen handelte es sich              Beanstandungsquoten über 10 % fanden sich bei Wein
     um Beanstandungen wegen der irreführenden Angabe                      und teeähnlichen Erzeugnissen.


     Beanstandungsquoten bei Öko-Lebensmitteln im Jahr 2012

         Probenart                    Proben-      beanstandete           Proben                                   Proben mit
                                      zahl         Proben                 Herkunftsland                            Hinweisgutachten
                                                   Anzahl (Anteil) 1                                               Anzahl 2
         Gemüse                          128            4 (3,1 %)         Fenchel / Italien                              1
                                                                          Gurken / Deutschland
                                                                          Petersilienblätter / Deutschland
                                                                          Rucola / Deutschland

         frische Pilze                     3            1 (-)             Kräuterseitling / Deutschland                  0
         Gewürze (Ingwer)                  5            0 (0 %)                                                          1
         Kartoffeln                        6            0 (0 %)                                                          0
                                                                          Aprikosen/Italien
         Obst                            119            6 (5,0 %)         Bananen/Dominikanische Republik (4 x)
                                                                          Bananen/Ecuador                                1
         Summe
         landwirtschaftliche            261             11 (4,2 %)                                                       3
         Urprodukte
         Obsterzeugnisse,                 40            3 (7,5 %)         TK-Himbeeren/unbekannt                         2
         verarbeitet                                                      Sauerkirsch-Konserven/unbekannt (2 x)
         Gemüseerzeugnisse,               14            0 (0 %)                                                           0
         verarbeitet

         Wein                              7            2 (29 %)          Wein/Deutschland (2 x)                          0
         Hülsenfrüchte                    43            0 (0 %)                                                           0
         Getreide und                     45            0 (0 %)                                                           2
         Getreideerzeugnisse

         teeähnliche Erzeugnisse           5            1 (20 %)          Kamillenblütentee/ ägypten                      0
         pflanzliche Öle                   6            0 (0 %)                                                           0
         Säuglingsnahrung/                13            0 (0 %)                                                           0
         Kleinkindnahrung
         Sonstige (Keltertrauben,
         Glühwein,                         6            0 (0 %)                                                           0
         Luzernenkeimling)
         Summe verarbeitete             179             6 (3,4 %)                                                        4
         Erzeugnisse

         alle untersuchten Proben       440             17 (3,9 %)                                                       7

     1
         Formal beanstandete Proben wegen Irreführung
     2
         Im Gutachten wurde auf erhöhte Rückstandsgehalte hingewiesen, eine formale Beanstandung erfolgte nicht.


20
                                                                                              Ü B E R S I C H T n AC H H E R K U n F T




                                                                                                                                              Ö KO M O N I TO R I N G 2012
3.4           Übersicht nach Herkunft                                  ebenfalls nicht zulässigen Vorratsschutzmaßnahme direkt
                                                                       beim Einzelhändler. Die Rucola- und Petersilienblattprobe
In der Tabelle sind die Proben mit Rückständen über                    wiesen jeweils Rückstände an DDAC auf. Hier konnte im
0,01 mg/kg differenziert nach Herkunftsland dargestellt. Die           Rahmen von nachforschungen festgestellt werden, dass die-
Tabelle zeigt, dass in der Zwischenzeit sehr viele Länder              se Rückstände auf die Anwendung eines zu dieser Zeit noch
Öko-Erzeugnisse nach Deutschland liefern. Hier ist jedoch              zugelassenen Pflanzenstärkungsmittels (Vi-Care) zurückzu-
auch zu berücksichtigen, dass das Herkunftsland bei verar-             führen waren. Allerdings war nicht bekannt und gekenn-
beiteten Erzeugnissen nicht unbedingt dem Produktionsland              zeichnet, dass dieses Mittel DDAC als Inhaltsstoff enthielt.
der Rohware entspricht. Darüber hinaus ist bei vielen ver-             nach dem Bekanntwerden wurde das Inverkehrbringen des
arbeiteten Produkten das Herkunftsland meistens nur sehr               Mittels Vi-Care in Deutschland im Laufe des Jahres 2012
schwer oder gar nicht erkenntlich, was die größere Anzahl              untersagt. Der erhöhte Anteil an beanstandeten Proben von
an Proben mit unbekannter Herkunft erklärt. Von den 128                50 % (4 von 8 untersuchten Proben) bei Ökoware aus der
untersuchten einheimischen Ökoproben waren 6 zu bean-                  Dominikanischen Republik ist samt und sonders auf die be-
standen. Hier handelte es sich um 2 Proben Wein sowie je 1             reits oben erwähnten Rückstände an DDAC in Bananen zu-
Probe Gurken, Kräuterseitlinge, Rucola und Petersilienblätter.         rückzuführen. Das CVUA Stuttgart hat über die Rückstände
nachforschungen bei der Gurkenprobe ergaben, dass die                  an quarternären Ammoniumverbindungen (zu denen DDAC
hier gefundenen Rückstände an Tetramethrin und Phenothrin              gehört) in frischem Obst und Gemüse am 03.07.2012 in ei-
nicht aus einer Anwendung im Rahmen der Erzeugung                      nem Internetbericht informiert (www.ua-bw.de) und hierbei
stammten, sondern aus einer bei ökologischer Produktion                auch Hintergründe und Herkünfte beleuchtet.


Proben mit Rückständen über 0,01 mg/kg differenziert nach Herkunftsland

                                    Probenzahl 1    Proben mit Rückständen        beanstandete Proben
                                                    > 0,01 mg/kg 2
    Herkunftsland                     Anzahl            Anzahl (Anteil)           Anzahl (Anteil)        Art der Proben
                                                                                                         Gurke
                                                                                                         Kräuterseitling
    Deutschland                         128               7 (5,5 %)               6 (4,7 %)              Petersilienblätter
                                                                                                         Rucola
                                                                                                         Wein (2 x)
    unbekannt                            83               7 (8,4 %)               3 (3,6 %)              Sauerkirsch-Konserven ( 2 x)
                                                                                                         TK-Himbeeren
    Italien                              66               4 (6,1 %)               2 (3,0 %)              Aprikosen
                                                                                                         Fenchel

    Spanien                              46               0 (0 %)                 0 (0 %)
    Israel                               13               0 (0 %)                 0 (0 %)
    Türkei                               12               4 (33 %) 3              0 (0 %)
    Frankreich                           12               0 (0 %)                 0 (0 %)
    Dominikanische Republik               8               4 (50 %)                4 (50 %)               Bananen (4x)
    niederlande                           8               0 (0 %)                 0 (0 %)
    Südafrika                             8               0 (0 %)                 0 (0 %)
    China                                 6               1 (17 %)                0 (0 %)
    ägypten                               5               1 (20 %)                1 (20 %)               Kamillenblütentee
    Marokko                               5               0 (0 %)                 0 (0 %)
    Argentinien, Peru, Ungarn           je 4              0 (-)                   0 (-)
    Ecuador                               3               1 (-)                   1 (-)                  Bananen
    Griechenland                          3               1 (-)                   0 (-)
    Bulgarien, Kasachstan               je 3              0 (-)                   0 (-)
    Costa Rica, Mexico,                 je 2              0 (-)                   0 (-)
    Österreich, Serbien
    Burkina Faso, Kanada,
    Portugal, Rumänien, Thailand,       je 1              0 (-)                   0 (-)
    Tunesien, Ukraine, USA
1
    kein prozentualer Anteil für Probenzahlen < 5
2
    ohne Azadirachtin, Piperonylbutoxid, Pyrethrum, Spinosad und Rotenon (sind im ökologischen Landbau zugelassen), Gibberellinsäure
    (kann von verschiedenen Pflanzen auf natürliche Weise gebildet werden), Phosphonsäure (kann auch aus zugelassenen Pflanzen-
    stärkungsmitteln stammen) und ohne Bromid (kann auch geogenen, „natürlichen“ Ursprungs sein)
3
    Gehalte über 0,01 mg/kg in Proben türkischer Herkunft wurden nicht beanstandet, da es sich um getrocknete Proben handelte, bei
    denen die Rückstände durch Trocknung aufkonzentriert wurden.


                                                                                                                                         21
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                             C 3 ERGEBnISSE




     3.5         Übersicht nach Warengruppen

     In aller Regel bringt der ökologische Landbau Erzeugnisse hervor, die nur zu einem geringen Anteil Rückstände über
     0,01 mg/kg aufweisen. Die Öko-Erzeugnisse unterscheiden sich daher hinsichtlich der Pestizidrückstände signifi-
     kant von konventioneller Ware, wie die beiden nachfolgenden Tabellen (Vergleich ökologischer und konventioneller
     Ware, aufgeschlüsselt nach Warengruppen) deutlich zeigen.


     Pflanzenschutzmittelrückstände in frischen Erzeugnissen im Vergleich: ökologisch - konventionell

         Anbauart            Anzahl      mit              mit Rück-         Proben über        Stoffe über          Proben mit
                             Proben 1    Rückständen      ständen über      der HM 4           der HM 4             Mehrfach-
                                                          0,01 mg/kg 2 3                                            rückständen
         Blattgemüse

         ökologisch               47       20 (43 %)          3 (6,4 %)          2 (4,3 %)           DDAC ( 2x)        8 (17 %)

         konventionell            353      308 (87 %)         222 (63 %)         22 (6,2 %)          27                273 (77 %)

         Fruchtgemüse

         ökologisch               62       10 (16 %)          1 (1,6 %)          1 (1,6 %)           Tetramethrin      6 (9,7 %)

         konventionell            425      337 (79 %)         258 (61 %)         33 (7,8 %)          45                278 (65 %)

         Sprossgemüse

         ökologisch               15       4 (27 %)           1 (6,7 %)          0 (0 %)             0                 3 (20 %)

         konventionell            82       60 (73 %)          34 (41 %)          1 (1,2 %)           1                 35 (43 %)

         Wurzelgemüse

         ökologisch               4        0 (-)              0 (-)              0 (-)               0                 0 (-)

         konventionell            34       29 (85 %)          16 (47 %)          1 (2,9 %)           1                 24 (71 %)

         Kartoffeln

         ökologisch               6        1 (17 %)           0 (0 %)            0 (0 %)             0                 1 (17 %)

         konventionell            31       27 (87 %)          18 (58 %)          1 (3,2 %)           1                 27 (87 %)

         frische Pilze

         ökologisch               3        2 (-)              1 (-)              0 (-)               0                 1 (-)

         konventionell            77       70 (91 %)          61 (79 %)          6 (7,8 %)           6                 54 (70 %)

         Gewürze (= frischer Ingwer)

         ökologisch               5        3 (60 %)           1 (20 %)           0 (0 %)             0                 1 (-)

         konventionell            13       11 (85 %)          11 (85 %)          3 (23 %)            4                 3 (23 %)

         Beerenobst

         ökologisch               51       15 (29 %)          0 (0 %)            0 (0 %)             0                 2 (3,9 %)

         konventionell            270      255 (94 %)         231 (86 %)         12 (4,4 %)          14                234 (87 %)

         Kernobst

         ökologisch               11       5 (45 %)           0 (0 %)            0 (0 %)             0                 2 (18 %)

         konventionell            88       85 (97 %)          79 (90 %)          0 (0 %)             0                 81 (92 %)

         Steinobst

         ökologisch               4        1 (-)              1 (-)              0 (-)               0                 1 (-)

         konventionell            158      146 (92 %)         124 (78 %)         3 (1,9 %)           4                 129 (82 %)

         Zitrusfrüchte

         ökologisch               26       4 (15 %)           0 (0 %)            0 (0 %)             0                 0 (0 %)

         konventionell            132      130 (98 %)         122 (92 %)         8 (6,1 %)           9                 120 (91 %)

         Exotische Früchte

         ökologisch               27       12 (44 %)          6 (22 %)           5 (19 %)            DDAC (5x)         1 (3,7 %)

         konventionell            151      121 (80 %)         99 (66 %)          13 (8,6 %)          18                99 (66 %)

     1
         kein prozentualer Anteil für Probenzahlen < 5
     2
         ohne Azadirachtin, Piperonylbutoxid, Pyrethrum, Rotenon und Spinosad (sind im ökologischen Landbau zugelassen)
     3
         ohne Gibberellinsäure (kann von verschiedenen Pflanzen auf natürliche Weise gebildet werden), Phosphonsäure (kann aus
         zugelassenen Pflanzenstärkungsmitteln stammen) und ohne Bromid (kann auch geogenen Ursprungs sein, Gehalte < 5 mg/kg
         werden als „natürliche“ Gehalte bewertet)
     4
         HM = Höchstmenge nach der Verordnung (EG) Nr. 396/2005




22
                                                                                        Ü B E R S I C H T n AC H WA RE n G RU P P E n




                                                                                                                                              Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Pflanzenschutzmittelrückstände in verarbeiteten Erzeugnissen im Vergleich: ökologisch - konventionell

    Anbauart          Anzahl           mit             mit Rück-             Proben über          Stoffe über        Proben mit
                      Proben 1         Rückständen     ständen über          der HM 4             der HM 4           Mehrfach-
                                                       0,01 mg/kg 2 3                                                rückständen
    Obsterzeugnisse, verarbeitet

    ökologisch                40          23 (58 %)        8 (20 %)             0 (0 %)                0                15 (38 %)

                                                           5 (12,5 %) 2

    konventionell             15          12 (80 %)        6 (40 %)             1 (6,7 %)              1                8 (53 %)

    Gemüseerzeugnisse, verarbeitet

    ökologisch                14          6 (43 %)         0 (0 %)              0 (0 %)                0                0 (0 %)

    konventionell             59          51 (86 %)        39 (66 %)            9 (15 %)               30   5
                                                                                                                        38 (64 %)

    Wein

    ökologisch                7           4 (57 %)         2 (29 %)             0 (0 %)                0                3 (43 %)

                                                           2 (29 %) 2

    konventionell             25          21 (84 %)        14 (56 %)            0 (0 %)                0                20 (80 %)

    Hülsenfrüchte

    ökologisch                43          13 (30 %)        0 (0 %)              0 (0 %)                0                4 (9,3 %)

    konventionell             8           2 (25 %)         2 (25 %)             0 (0 %)                0                0 (0 %)

    Getreide und Getreideerzeugnisse

    ökologisch                45          12 (27 %)        2 (4,4 %)            1 (2,2 %)              Dichlorvos       2 (4,4 %)

                                                           2 (4,4 %) 2

    konventionell             55          31 (56 %)        25 (45 %)            0 (0 %)                0                15 (27 %)

    Teeähnliche Erzeugnisse

    ökologisch                5           3 (60 %)         2 (40 %)             1 (20 %)               Thiophanat-      3 (60 %)

                                                           1 (20 %)      2
                                                                                                       methyl

    konventionell             19          19 (100 %)       17 (89 %)            3 (16 %)               3                19 (100 %)

    Pflanzliche Öle

    ökologisch                6           4 (67 %)         2 (33 %)             0 (0 %)                0                2 (33 %)

                                                           0 (0 %)   2



    konventionell             17          14 (82 %)        13 (76 %)            0 (0 %)                0                13 (76 %)

    Säuglingsnahrung/Kleinkindernahrung

    ökologisch                13          0 (0 %)          0 (0 %)              0 (0 %)                0                0 (0 %)

    konventionell             2           0 (-)            0 (-)                0 (-)                  0                0 (-)

1
    kein prozentualer Anteil für Probenzahlen < 5
2
    nach Berücksichtigung von Verarbeitungsfaktoren bei Weinen, Ölen, Getreideerzeugnissen, teeähnlichen Erzeugnissen und
    verarbeitetem Obst
3
    ohne Azadirachtin, Piperonylbutoxid, Pyrethrum und Spinosad (sind im ökologischen Landbau zugelassen), Phosphonsäure
    (kann auch aus zugelassenen Pflanzenstärkungsmitteln stammen), Bromid (kann auch geogenen, „natürlichen“ Ursprungs sein)
4
    HM = Höchstmenge nach der Verordnung (EG) Nr. 396/2005
5
    25 dieser Höchstmengenüberschreitungen betrafen 4 Proben Weinblätter


Eine ausführliche Darstellung der Rückstandssituation in konventionellen Erzeugnissen im Jahr 2012 findet sich in den aktu-
ellen Internetbeiträgen des CVUA Stuttgart vom 04.04.2013, 08.04.2013 und 10.04.2013 (www.ua-bw.de).




                                                                                                                                     ◆



                                                                                                                                         23
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                C 3 ERGEBnISSE




       3.6    Exkurs: Im Öko-Landbau zugelassene und im Jahr 2012
              nachgewiesene Wirkstoffe

       Zu den Wirkstoffen, welche gemäß der Verordnungen (EG) Nr. 834/2007 und Nr. 889/2008 (Positivliste in
       Anhang II) im ökologischen Landbau zugelassen sind, auf die geprüft wird und welche regelmäßig nachge-
       wiesen werden, gehören die Insektizide Azadirachtin A, Pyrethrum (Pyrethrine), Rotenon, Spinosad und der
       Synergist Piperonylbutoxid.

          Azadirachtin A
          Stammpflanze: Azadirachta indica (deutsch: niembaum).
          Herkunft: Der tropische niembaum (engl. neem) ist in Asien, Afrika und Amerika verbreitet.
          Inhaltsstoffe: Wichtigster Bestandteil des niembaums ist das Triterpenoid Azadirachtin.
          Verwendung: Die aus den Samen des niembaumes gewonnenen Extrakte können als natürlicher
          Fraßhemmer und Insektizid im Pflanzenschutz eingesetzt werden. niem wird auch im Vorratsschutz als
          vielversprechender naturstoff angesehen.



          Pyrethrum (Pyrethrine)
          Stammpflanze: Chrysanthemum-Arten (vor allem Chrysanthemum cinerariaefolium)
          Herkunft: Pyrethrum wird aus den Blüten von Chrysanthemen-Arten durch Pulverisieren oder Extraktion ge-
          wonnen. Hauptausfuhrländer sind Kenia, Tansania, Ecuador, Kolumbien, neuguinea und Japan. Pyrethrum
          wird seit alters her in Asien als natürliches Insektenvernichtungsmittel (Insektizid) verwendet.
          Insektizide Bestandteile: Pyrethrin, Cinerin und Jasmolin.
          Verwendung: Pyrethrum ist in zahlreichen Mitteln besonders gegen Hygiene- und Vorratsschädlinge ent-
          halten. Das Pyrethrin wird entweder allein oder als Mischung mit einem chemischen Zusatz- beziehungs-
          weise Beistoff (Piperonylbutoxid) zur Bekämpfung saugender, teils auch beißender Insekten, wie Blattläuse,
          Weiße Fliegen, Kohlweißlinge und Spinnmilben verwendet.



          Piperonylbutoxid (Synergist)
          Der Synergist Piperonylbutoxid wird halbsynthetisch aus Saflor hergestellt. Er verstärkt als Beistoff die
          Wirkung bestimmter Insektizide (wie zum Beispiel Pyrethrum, Pyrethroide oder Rotenon), hat aber selbst
          keinerlei insektizide Wirkung.



          Rotenon
          Stammpflanze: Derris spp., Lonchocarpus spp. und Terphrosia spp.
          Herkunft: Das Mittel wird aus den Wurzeln von bestimmten, in tropischen Regionen heimischen
          Leguminosen-Pflanzen gewonnen.
          Insektizider BestandteiI: Rotenon
          Verwendung: Außerhalb Deutschlands wird Rotenon wird als Pulver oder Flüssigkeit (teilweise in
          Kombination mit Pyrethrum) gegen verschiedene Insekten im Freiland und im Vorratsschutz eingesetzt.



          Spinosad
          Stammorganismus: Bodenbakterium Saccharopolyspora spinosa
          Herkunft: Spinosad ist die Bezeichnung für eine Mischung aus den Metaboliten Spinosyn A und Spinosyn
          D des Bodenbakteriums Saccharopolyspora spinosa. Sie werden durch Fermentation gewonnen.
          Verwendung: Spinosad dient der Regulierung des Kartoffelkäfers im ökologischen Landbau. Präparate
          mit dem Wirkstoff Spinosad wirken auch gegen andere Schadinsekten, wie zum Beispiel Lepidoptera
          (Schmetterlinge), Diptera (Fliegen), Hymenoptera (Hautflügler), Thysanoptera (Fransenflügler) oder
          Coleoptera (Käfer). Es hat jedoch keine Wirkung auf saugende Insekten.




24
           I M Ö KO - L A n D B AU ZU G E L A S S E n E U n D I M JA H R 2012 n AC H G E W I E S E n E W I R K S TO F F E




                                                                                                                                 Ö KO M O N I TO R I N G 2012
  Die nachfolgende Tabelle zeigt die Befunde der im ökologischen Landbau zugelassenen Stoffe:



  Befunde der im Öko-Landbau zugelassenen Wirkstoffe im Berichtsjahr 2012
      Wirkstoff                         Häufigkeit            Produkt                              Gehalt [mg/kg]
      Azadirachtin A                             3            Heidelbeere                              0,012
                                                              Kerbel                                   0,038
                                                              Petersilienblätter                       0,086
      Pyrethrum (Pyrethrine)                     2            Petersilienblätter                       0,050-0,10
      Rotenon                                    0
      Piperonylbutoxid (Synergist)               5            Dinkelmehl                               0,003-0,006
                                                              Petersilienblätter                       0,006
                                                              Süßkartoffel                             0,003
                                                              Tafeltraube                              0,001
      Spinosad                                 18             Banane                                   0,001
                                                              Bataviasalat                             4,7
                                                              Birnen                                   0,001-0,004
                                                              Cherimoya                                0,001
                                                              Gemüsepaprika                            0,004
                                                              Kopfsalat                                0,004
                                                              Sultaninen                               0,007-0,009
                                                              Tafeltrauben                             0,001-0,014
      Summe                                    28



   Bei insgesamt 440 untersuchten Proben ergibt sich eine nachweishäufigkeit für diese Stoffe von 6,4 %. Dieser Wert
   liegt leicht über dem der Vorjahre (5,2 % 2011 und 4,2 % 2010).
   Weitere im ökologischen Landbau zugelassene Stoffe, wie natürliche Öle, Schwefel, Kupfer- oder Eisensalze wurden
   im Rahmen der durchgeführten Untersuchungen nicht erfasst.

   Quelle: Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen ( www.jki.bund.de ) > Themenportal
   Ökologischer Landbau (http://oekologischerlandbau.jki.bund.de)



Eine detaillierte Auflistung der Ergebnisse aller im Jahr 2012 im Rahmen des baden-württembergischen Ökomonitoring-
Programms untersuchten Öko-Proben mit nachweisbaren Rückständen an Pflanzenschutzmittelwirkstoffen ist auf der
Internetseite der CVUAs unter http://www.ua-bw.de oder direkt unter http://oekomonitoring.cvuas.de zu finden.




                                                                                                                     ◆



Marc Wieland, Anne Wolheim, Kathi Hacker, Carmen Wauschkuhn, Dr. Ingrid Kaufmann-Horlacher, Dr. Diana Kolberg,
                                                                             Ellen Scherbaum, CVUA Stuttgart


                                                                                                                            25
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                    C 4 ERGEBnISSE




     4      Organische Kontaminanten,
            Pflanzenschutzmittel und Biozide in Lebensmitteln
            tierischer Herkunft
     Auch im Berichtsjahr 2012 wurden wieder zwei Lebensmittelgruppen tierischer Herkunft mit insgesamt 87 Proben
     schwerpunktmäßig auf Pflanzenschutzmittelrückstände und organische Kontaminanten untersucht. In diesem Jahr
     lag der Schwerpunkt auf den Produkten Schafs- oder Ziegenkäse und Rindfleisch. Das Analysenspektrum umfasste
     eine Vielzahl von aktuell in der Landwirtschaft eingesetzten Pflanzenschutzmittelwirkstoffen. Weiterhin wurde auch
     auf langlebige fettlösliche Pestizide untersucht. Deren Einsatz ist zwar seit vielen Jahren verboten, aber aufgrund
     ihrer Bioakkumulation kommen sie noch heute in der Umwelt vor und bleiben für die Analytik relevant. Zusätzlich
     wird bei den tierischen Lebensmitteln auf fettlösliche Kontaminanten geprüft, die nicht absichtlich und zielgerichtet
     eingesetzt werden, sondern als Hintergrundkontamination in der Umwelt vorkommen oder während beziehungs-
     weise nach der Produktion in das Lebensmittel gelangen.

                                                                   drastisch zurückgegangen. Die polybromierten Diphenyl-
                                                                   ether (PBDE, Summe aus BDE 28, 47, 99, 100, 153 und
                                                                   154) wurden in der Vergangenheit als Flammschutzmittel in
                                                                   Kunststoffen und Textilien eingesetzt.

                                                                   Bei den genannten Stoffen handelt es sich um langlebige
                                                                   organische Schadstoffe (engl. persistent organic pollutants,
                                                                   POPs), die sich über die nahrungskette und über die Um-
                                                                   welt im Fettgewebe von Tieren anreichern. Lebensmittel
                                                                   tierischer Herkunft stellen daher die Hauptquelle für die
                                                                   Aufnahme dieser Stoffe durch den Verbraucher dar. Da es
                                                                   keine Stoffe sind, die zur Produktion von Lebensmitteln ein-
                                                                   gesetzt werden, sondern durch Verunreinigungen der Luft,
                                                                   des Wassers, des Bodens oder der Futtermittel einbracht
                                                          w        werden, sind ökologisch erzeugte Lebensmittel in der Regel
                                                                   nicht weniger betroffen als konventionelle Produkte.

     Die Proben wurden auf über 170 einzelne Verbindungen          Die Verordnung (EG) nr. 834/2007 über die ökologische/
     aus den Gruppen der Organochlorverbindungen, Pyrethro-        biologische Produktion und die Kennzeichnung entspre-
     ide, Phosphorsäureester sowie nitromoschusverbindungen        chender Erzeugnisse regelt die Anforderungen, die an Er-
     (synthetische Duftstoffe) und einer größeren Anzahl polarer   zeugnisse gestellt werden, die mit Hinweis auf ökologische/
     Pflanzenschutzmittel untersucht.                              biologische Produktion vermarktet werden. Sie regelt hierbei
                                                                   ausschließlich die Produktionsweise. Anforderungen an die
     Wie schon in früheren Berichten werden auch hier die Er-      Rückstandsfreiheit des Produktes, die über die allgemein
     gebnisse mit den besonders relevanten und repräsentativ       geltenden Höchstmengenregelungen hinausgehen, sind
     geltenden Schadstoffen in den Grafiken dargestellt. Die Or-   nicht enthalten.
     ganochlorpestizide Hexachlorbenzol (HCB), Lindan, Gesamt-
     DDT, Dieldrin und Endosulfan sind als Pflanzenschutzmittel    Da die Hintergrundbelastung von Lebensmitteln oder Fut-
     nicht mehr zugelassen. Bei den polychlorierten Biphenylen     termitteln die ökologisch erzeugten Produkte in vergleich-
     (PCB, Summe aus PCB 28, 52, 101, 138, 153 und 180)            barem Ausmaß betrifft wie die konventionellen Erzeugnis-
     handelt es sich um Kontaminanten, die bis in die 1980er       se, treten im Einzelfall in Ökoprodukten durchaus Gehalte
     Jahren unter anderem als Hydraulikflüssigkeit, in elektri-    an einer Umweltkontaminante auf, die über der derzeitigen
     schen Kondensatoren sowie als Weichmacher in Lacken,          durchschnittlichen Hintergrundbelastung für die Stoff/Mat-
     Dichtungsmassen und Kunststoffen eingesetzt wurden und        rix-Kombination liegen. Dass der Verbraucher für ökologisch
     heute noch in der Umwelt nachweisbar sind. Moschuske-         erzeugte Lebensmittel in der Regel geringere – aber zumin-
     ton ist ein Vertreter der nitromoschusverbindungen, die in    dest keine höheren – Rückstände als in einem entsprechen-
     der Kosmetik- und Waschmittelherstellung als künstliche       den Produkt aus einem konventionellen Betrieb erwartet,
     Duftstoffe eine Rolle spielten und über das Abwasser in die   bleibt dabei unberücksichtigt. Danach kann der Gehalt an
     Umwelt gelangten. nach dem Verwendungsverzicht der            einer Umweltkontaminante in einem ökologisch erzeugten
     kosmetischen Industrie ist in Deutschland die Belastung der   Produkt nicht als Qualitätskriterium für die ökologische Pro-
     Lebensmittel mit Moschusketon in den letzten 20 Jahren        duktionsweise dienen.

26
  O RG A n I S C H E KO n TA M I n A n T E n , P F L A n Z E n S C H U T Z M I T T E L U n D B I OZ I D E I n L E B E n S M I T T E L n
                                                                                                     T I E RI S C H E R H E R K U n F T




                                                                                                                                                                                   Ö KO M O N I TO R I N G 2012
4.1                          Schafs-/Ziegenkäse                                              niveau, das heißt, alle deutlich unter 10 µg/kg Fett. Die
                                                                                             höchsten Gehalte konnten bei dem seit Jahrzehnten ver-
Im Berichtsjahr wurden insgesamt 48 Proben Schafs- und                                       botenen Pflanzenschutzmittel DDT ermittelt werden. Hier
Ziegenkäse untersucht. Davon kamen 23 Proben aus öko-                                        wurden mittlere Gehalte von 4,4 µg/kg Fett bei konven-
logischer und 25 Proben aus konventioneller Erzeugung.                                       tionell und 3,1 µg/kg Fett bei ökologisch erzeugten Pro-
neben dem traditionellen Feta-Käse (8 Proben), der in                                        dukten bestimmt. Die gesetzliche Höchstmenge liegt mit
Griechenland aus Schaf- und/oder Ziegenmilch herge-                                          1.000 µg/kg Fett (Verordnung (EG) nr. 396/2005) deutlich
stellt wird, kamen 17 Proben Schafs- oder Ziegenkäse aus                                     höher. Das zeigt, dass die Belastung seit dem Verbot von
Deutschland zur Untersuchung, 15 aus den niederlanden                                        DDT deutlich zurückgegangen ist. Vergleichbares gilt auch
und 4 aus Frankreich, jeweils eine Probe kam aus Bulgarien                                   für die Kontaminanten der polychlorierten Biphenyle (PCB),
und Italien, 2 Proben waren unbekannter Herkunft.                                            hier wird die Höchstmenge mit 40 µg/kg Fett (Verordnung
                                                                                             (EG) nr. 1881/2006) von allen Proben deutlich unterschrit-
Ein deutlicher Unterschied zwischen ökologisch und kon-                                      ten. Die mittleren Gehalte von 2,0 µg/kg bei konventionell
ventionell erzeugten Produkten zeigte sich nicht. Die Mittel-                                und 1,8 µg/kg bei ökologisch erzeugten Produkten liegen
werte und Mediane bezogen auf Fett lagen auf niedrigem                                       auf gleichem niveau.

Vergleich organischer Kontaminanten in Schafs- und Ziegenkäse aus ökologischer und konventioneller Produktion

                                                                                                                                                  n.n. = nicht nachweisbar
                             5,0

                             4,5

                             4,0

                             3,5

                             3,0
  Mittelwerte (µg/kg Fett)




                             2,5

                             2,0

                             1,5

                             1,0
                                    2,1
                                          2,2




                                                  n.n.
                                                         n.n.




                                                                4,4
                                                                      3,1




                                                                                 2,0
                                                                                       1,8




                                                                                                0,1
                                                                                                      0,1




                                                                                                                   0,1
                                                                                                                         0,5




                                                                                                                                    n.n.
                                                                                                                                           n.n.




                                                                                                                                                          n.n.
                             0,5                                                                                                                                 n.n.

                              0

                                     HCB         Lindan          DDT            Summe           Dieldrin           Endo-           Moschus-              Summe
                                                                                  PCB                              sulfan           keton                 PBDE

                                                                      konventionelle Produktion (25 Proben)                    ökologische Produktion (23 Proben)




Vergleicht man die Ergebnisse nach Herkunftsländern, ergibt                                  was auf eine erhöhte Hintergrundbelastung in der dortigen
sich folgende Tendenz: die niedrigsten HCB-, DDT- und PCB-                                   Umwelt hinweist. Die PCB als typische Industriekontami-
Gehalte finden sich in den Käseprodukten aus Frankreich                                      nanten fanden sich dagegen in Griechenland unterhalb der
und den niederlanden. In den Proben griechischer Herkunft                                    Bestimmungsgrenze, während in Deutschland die höchsten
waren die höchsten mittleren Gehalte an DDT nachweisbar,                                     mittleren Gehalte bestimmt wurden.


Vergleich organischer Kontaminanten in Schafs- und Ziegenkäse nach Herkunftsländern 2012

                                                                                                                                                  n.n. = nicht nachweisbar
                             7,0

                             6,0
  Mittelwerte (µg/kg Fett)




                             5,0

                             4,0
                                   2,9
                                   2,7
                                   1,3
                                   1,3


                                                n.n.
                                                n.n.
                                                n.n.
                                                n.n.


                                                                5,9
                                                                2,1
                                                                0,9
                                                                1,6


                                                                              n.n
                                                                              3,0
                                                                              0,4
                                                                              0,4


                                                                                               0,1
                                                                                              n.n.
                                                                                              n.n.
                                                                                               0,1


                                                                                                                0,5
                                                                                                                0,6
                                                                                                                n.n.
                                                                                                                n.n.


                                                                                                                                  n.n.
                                                                                                                                  n.n.
                                                                                                                                  n.n.
                                                                                                                                  n.n.


                                                                                                                                                       n.n.
                                                                                                                                                       n.n.
                                                                                                                                                       n.n.
                                                                                                                                                       n.n.




                             3,0

                             2,0

                             1,0

                              0

                                     HCB         Lindan          DDT            Summe           Dieldrin           Endo-           Moschus-              Summe
                                                                                  PCB                              sulfan           keton                 PBDE

                                   Griechenland (8 Proben)            Deutschland (17 Proben)               Frankreich (4 Proben)                   Niederlande (15 Proben)



                                                                                                                                                                              27
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                                                        C 4 ERGEBnISSE




     Weiterhin wurden alle Proben auf eine Vielzahl von mittel-                               Umwelt anreichern. Sie könnten aber über das als Futter-
     polaren und polaren Pflanzenschutzmitteln untersucht, die                                mittel verwendete Getreide von den Tieren aufgenommen
     aktuell in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Diese Pflan-                            und so in das tierische Lebensmittel gelangen. In keiner der
     zenschutzmittel zeichnen sich dadurch aus, dass sie relativ                              analysierten Proben konnte ein positiver Befund ermittelt
     schnell wieder abgebaut werden und sich somit nicht in der                               werden.




     4.2                           Rindfleisch

     Die regelmäßige Untersuchung von Rindfleisch wurde im                                    10 µg/kg Fett (mittlerer PCB-Gehalt für Öko-Rindfleisch:
     Berichtsjahr fortgeführt. Im Rahmen des Ökomonitorings                                   8 µg/kg Fett, für konventionelles Rindfleisch: 4,2 µg/kg Fett).
     kamen 32 Proben aus konventioneller Produktion und 7                                     Je 3 Proben aus ökologischer Produktion und aus konven-
     Proben aus ökologischer Produktion zur Untersuchung. Ins-                                tioneller Produktion wiesen etwas höhere Gehalte auf. Der
     gesamt liegt die Belastung auf niedrigem niveau. So be-                                  höchste ermittelte Gehalt lag bei 18,0 µg/kg.
     trägt der mittlere Gehalt für Gesamt-DDT 4,3 µg/kg Fett für
     Rindfleisch aus ökologischer Erzeugung und 1,8 µg/kg Fett                                Im Vergleich der mittleren Gehalte von ökologisch und
     für Rindfleisch aus konventioneller Erzeugung. Überwie-                                  konventionell erzeugtem Rindfleisch aus den Jahren 2003
     gend liegen die Einzelgehalte dieser Proben unterhalb der                                bis 2006 mit den Daten aus den Jahren 2009 und 2012
     durchschnittlichen Hintergrundbelastung von 10 µg/kg Fett.                               zeigt sich eine einheitliche Auffälligkeit, die bei den PCB
     Es gibt jedoch immer wieder Einzelfälle, bei denen höhere                                am stärksten ausgeprägt ist. Innerhalb eines Auswertungs-
     Gehalte an diesen Stoffen in Rindfleisch ermittelt werden.                               zeitraumes sind die Rückstandsgehalte von HCB, DDT und
     Eine Probe aus konventioneller Produktion wies einen Ge-                                 PCB in Rindfleischproben aus ökologischer Produktion hö-
     halt von 18 µg DDT/kg auf, bei einer Probe aus ökologi-                                  her als die aus konventioneller Produktion. Das könnte sich
     scher Produktion konnte ein Gehalt von 15 µg/kg ermittelt                                daraus erklären, dass die ökologisch erzeugten Rinder das
     werden. Die Werte liegen aber deutlich unter der gesetzli-                               Jahr über länger im Freiland gehalten werden als die kon-
     chen Höchstmenge von 1.000 µg/kg Fett (Verordnung (EG)                                   ventionellen Rinder. Da mit der Grasfütterung auf der Wei-
     nr. 396/2005). Bei den PCB zeigte sich ein ähnliches Bild.                               de von den Tieren auch immer Erde aufgenommen wird,
     Bei einem Hauptteil der Proben lag der ermittelte Gehalt                                 die in der Regel stärker belastet ist als das Gras, führt die
     unterhalb der durchschnittlichen Hintergrundbelastung von                                Freilandhaltung zu höheren Rückständen im Fleisch.




     Vergleich organischer Kontaminanten in Rindfleisch aus ökologischer und konventioneller Erzeugung
                                                                                                                                  n.n. = nicht nachweisbar


                                  9,0

                                  8,0

                                  7,0

                                  6,0
       Mittelwerte (µg/kg Fett)




                                  5,0

                                  4,0

                                  3,0

                                  2,0
                                        5,9




                                                          n.n.




                                                                                        4,2
                                              3,1




                                                    0,1




                                                                 4,3
                                                                       1,8




                                                                                  8,0




                                                                                                 1,3
                                                                                                       0,0




                                                                                                               n.n.
                                                                                                                      0,3




                                                                                                                                 n.n.
                                                                                                                                        n.n.




                                                                                                                                                n.n.
                                                                                                                                                       n.n.




                                  1,0

                                   0

                                         HCB        Lindan        DDT            Summe           Dieldrin      Endo-            Moschus-        Summe
                                                                                   PCB                         sulfan            keton           PBDE

                                                                       konventionelle Produktion (25 Proben)                ökologische Produktion (23 Proben)




28
 O RG A n I S C H E KO n TA M I n A n T E n , P F L A n Z E n S C H U T Z M I T T E L U n D B I OZ I D E I n L E B E n S M I T T E L n
                                                                                                    T I E RI S C H E R H E R K U n F T




                                                                                                                                                 Ö KO M O N I TO R I N G 2012
                                                                                                              ◆



Rindfleisch öko - konventionell im zeitlichen Vergleich
                                                                                                                 n.n. = nicht nachweisbar



                             9,0

                             8,0

                             7,0

                             6,0
  Mittelwerte (µg/kg Fett)




                             5,0

                             4,0

                             3,0
                                                                                                                          n.n.
                                                                                                                          n.n.
                                                                                                                          n.n.
                                                                                                                          n.n.
                                                                                                                          n.n.
                                   5,0
                                   7,0

                                   5,9



                                                   1,0
                                                   1,0
                                                    0,1
                                                    0,1
                                                    0,1
                                                   n.n.


                                                              7,0
                                                              6,0
                                                              3,9
                                                              5,5
                                                              4,3
                                                              1,8


                                                                         8,0
                                                                         5,0
                                                                         7,1
                                                                         4,9
                                                                         4,1
                                                                         1,8


                                                                                        1,0

                                                                                        n.n.
                                                                                        n.n.
                                                                                        1,3
                                                                                        n.n.


                                                                                                       n.n.
                                                                                                       n.n.
                                                                                                       0,3
                                                                                                        0,1
                                                                                                       n.n.
                                                                                                       0,3


                                                                                                                          2,0
                                   6,0


                                   6,1

                                   3,1




                                                                                        3,0




                             2,0

                             1,0

                              0

                                           HCB       Lindan       DDT      Summe       Dieldrin      Endo-          Summe
                                                                             PCB                     sulfan          PBDE

                                   2003-2006 öko     2003-2006 konv     2009 öko      2009 konv       2012 öko           2012 konv




                                                                               Biljana Trajkovska und Dr. Karin Kypke, CVUA Freiburg


                                                                                                                                            29
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                 C 5 ERGEBnISSE




     5       Dioxine und dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln

     Der Schwerpunkt der Dioxin- und PCB-Untersuchungen von Lebensmitteln im Rahmen des Ökomonitorings lag im
     Jahr 2012 auf den Lebensmittelgruppen Kuhmilch und Rindfleisch. Insgesamt wurden 52 Proben Kuhmilch und 39
     Proben Rindfleisch auf ihre Gehalte an Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (dl-PCB) untersucht. Die Rindfleischproben
     wurden auch auf organische Kontaminanten und Pflanzenschutzmittel untersucht. Die Ergebnisse hierzu sind im Ka-
     pitel „Organische Kontaminanten, Pflanzenschutzmittel und Biozide in Lebensmitteln tierischer Herkunft“ dargestellt.




                                                                                                   §
     5.1    Kuhmilch


         Rechtliche Regelungen für Kuhmilch

         Dioxine und PCB reichern sich ganz allgemein im Fett an; bei Milch erfolgt somit die Anreicherung im Milchfett.
         Die Höchstgehalte werden daher auf den Fettanteil der Erzeugnisse bezogen.

         Die Verordnung (EG) nr. 1881/2006 setzt für Rohmilch und Milcherzeugnisse einen Höchstgehalt von 2,5 pg
         WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett für Dioxine und einen Höchstgehalt von 5,5 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ2005 /g Fett
         für die Summe aus Dioxinen und dl-PCB (Gesamt-TEQ) fest. Diese Höchstgehalte gelten seit Januar 2012 und
         wurden mit angepassten Toxizitätsäquivalenzfaktoren aus dem Jahr 2005 (TEF2005) unter Zugrundelegung neuer
         Vorkommensdaten erstellt. Zeitgleich wurde ein Höchstgehalt für die Summe von sechs Indikator-PCB (PCB 28,
         52, 101, 138, 153 und 180) eingeführt, der für Rohmilch und Milcherzeugnisse bei 40 ng/g Fett liegt.

         In Ergänzung zu den Höchstgehalten wurde in der Empfehlung der Kommission vom 23. August 2011 zur Re-
         duzierung des Anteils von Dioxinen, Furanen und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln (2011/516/EU) für
         Rohmilch und Milcherzeugnisse ein Auslösewert von 1,75 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett für Dioxine und von
         2,0 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett für dl-PCB bestimmt, bei dessen Überschreitung die Kontaminationsquelle ermit-
         telt und Maßnahmen zur Eindämmung oder Beseitigung der Kontamination ergriffen werden sollen.



                                                                  Untersuchungsergebnisse in der Übersicht
                                                                  Im Jahr 2012 wurden im Rahmen des Ökomonitoring-
                                                                  Programms 52 Proben Milch auf Dioxine und dl-PCB
                                                                  untersucht: 26 Proben aus ökologischer Erzeugung und zum
                                                                  Vergleich 26 aus konventioneller Produktion. Bei 23 Proben
                                                                  handelte es sich um Rohmilch, die direkt beim landwirt-
                                                                  schaftlichen Erzeugerbetrieb erhoben wurden, bei 27 Pro-
                                                                  ben um Milch aus dem Einzelhandel.

                                                                  Alle Milchproben wiesen Gehalte an Dioxinen und dl-PCB
                                                                  deutlich unterhalb der zulässigen Höchstgehalte auf. Der
                                                                  höchste Gehalt von 1,9 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ2005 /g
                                                                  Fett wurde in einer Probe Rohmilch aus konventioneller Er-
                                                                  zeugung bestimmt. Auch die für Dioxine und dl-PCB fest-
                                                                  gesetzten Auslösewerte wurden von keiner Probe über-
                                                                  schritten. Die mittleren Gehalte der Proben an Dioxinen
                                                                  (0,2 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett) und an dl-PCB
                                                                  (0,6 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett) liegen in Bereichen, die
                                                                  für die Hintergrundbelastung von Milch und Milcherzeugnis-
                                                                  sen üblich sind. Zum Vergleich: In den im CVUA Freiburg
                                                                  zwischen 1994 und 2009 untersuchten 2.876 Proben Milch
                                                                  und Milcherzeugnisse wurden mittlere Gehalte an Dioxinen
                                                          ◆       von 0,4 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett und an dl-PCB von
                                                                  0,6 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett ermittelt.

30
                                    D I OX I n E U n D D I OX I n ä H n L I C H E P C B I n L E B E n S M I T T E L n · K U H M I LC H




                                                                                                                                              Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Gegenüberstellung der Ergebnisse aus ökologischer und konventioneller Erzeugung
Die mittleren Gehalte an Dioxinen, dl-PCB und dem Gesamt-TEQ sind bei den untersuchten Milchproben aus konventio-
neller und ökologischer Erzeugung vergleichbar


Dioxine, dl-PCB und Gesamt-TEQ (Summe aus Dioxinen und dl-PCB) der untersuchten Milchproben –
Vergleich ökologische und konventionelle Erzeugung
 Parameter                    Herkunft          Probenzahl Minimum          Median     Mittelwert     95 % - Perzentil     Maximum
                              gesamt                 52           0,09        0,24          0,30              0,47             0,50
 Dioxine
                              ökologisch             26           0,09        0,25          0,26              0,42             0,47
 [pg WHO-PCDD/F-TEQ/g Fett]
                              konventionell          26           0,10        0,24          0,25              0,48             0,50

                              gesamt                 52           0,35        0,64          0,70              1,31             1,67
 dl-PCB
                              ökologisch             26           0,35        0,66          0,67              0,95             1,14
 [pg WHO-PCB-TEQ/g Fett]
                              konventionell          26           0,38        0,62          0,75              1,36             1,67

                              gesamt                 52           0,47        0,92          1,00              1,53             1,92
 Gesamt-TEQ
                              ökologisch             26           0,50        0,95          0,94              1,30             1,39
 [pg WHO-Gesamt-TEQ/g Fett]
                              konventionell          26           0,47        0,84          1,01              1,70             1,92




Gegenüberstellung der Ergebnisse von Rohmilch aus dem Erzeugerbetrieb und Milch aus dem Einzelhandel
Rohmilchproben aus dem Erzeugerbetrieb können im Einzelfall höhere Gehalte an verschiedenen Parametern aufweisen,
die in Konsummilch aus dem Einzelhandel durch Vermischung von Milch aus verschiedenen Erzeugerbetrieben verdünnt
werden. Daher ist es zweckmäßig, solche Rohmilch auf mögliche erhöhte Gehalte zu prüfen.

Ein deutlicher Unterschied der Gehalte zwischen den 23 untersuchten Rohmilchproben und den 27 Milchproben, die im
Einzelhandel erhoben wurden, war nicht vorhanden.


Dioxine, dl-PCB und Gesamt-TEQ (Summe aus Dioxinen und dl-PCB) der untersuchten Milchproben –
Vergleich Milch aus dem Erzeugerbetrieb und aus dem Einzelhandel

 Parameter                    Entnahmeort Probenzahl Minimum                Median      Mittelwert     95 % - Perzentil     Maximum
 Dioxine                      Erzeugerbetrieb         23          0,09         0,23         0,25               0,44             0,50
 [pg WHO-PCDD/F-TEQ/g Fett]
                              Einzelhandel            27           0,12        0,25         0,27               0,48             0,48

 dl-PCB                       Erzeugerbetrieb         23          0,45         0,81         0,83               1,36             1,67
 [pg WHO-PCB-TEQ/g Fett]
                              Einzelhandel            27          0,35         0,59         0,63               0,89             0,97

 Gesamt-TEQ                   Erzeugerbetrieb         23          0,56         1,01         1,08               1,72             1,92
 [pg WHO-Gesamt-TEQ/g Fett]
                              Einzelhandel            27          0,50         0,85         0,90               1,36             1,39




Zeitliche Entwicklung der Gehalte in Kuhmilch
In den Jahren 2003 bis 2006 waren im Rahmen des Ökomonitoring-Programms bereits insgesamt 328 Kuhmilchproben
auf Dioxine und davon 159 Proben zusätzlich auf dl-PCB untersucht worden. 27 der Proben stammten aus ökologischer,
301 Proben aus konventioneller Erzeugung. Die Daten können herangezogen werden, um die zeitliche Entwicklung der
Dioxin- und PCB-Gehalte in Milch abzuschätzen.

Zu beachten ist hierbei, dass die Proben mit den damals gültigen Toxizitätsäquivalenzfaktoren aus dem Jahr 1998 (TEF1998)
und nicht mit den seit 2012 gültigen TEF aus dem Jahr 2005 berechnet wurden. Durchschnittlich weisen mit TEF1998
berechnete Daten im Vergleich zu mit TEF2005 berechneten Daten zirka 10 bis 15 % höhere Werte auf.

Die mittleren Gehalte der 2003 bis 2006 untersuchten Milchproben lagen mit 0,3 pg WHO-PCDD/F-TEQ1998 /g Fett für
Dioxine und 0,8 pg WHO-PCB-TEQ1998 /g Fett für dl-PCB nur leicht oberhalb der mittleren Gehalte (Dioxine: 0,2 pg WHO-
PCDD/F-TEQ2005 /g Fett; dl-PCB: 0,6 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett) derjenigen, die in den 2012 untersuchten Proben
gefunden wurden. Unter Berücksichtigung der genannten Berechnung mit unterschiedlichen Toxizitätsäquivalenzfaktoren
kann aus den vorliegenden Daten keine zeitliche Abnahme der Gehalte abgeleitet werden.


                                                                                                                                         31
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                   C 5 ERGEBnISSE




                                                                                                     §
     5.2    Rindfleisch


        Rechtliche Regelungen für Rindfleisch

        Für Fleisch von Wiederkäuern (Rinder, Schafe) werden in der Verordnung (EG) nr. 1881/2006 Höchstgehalte von
        2,5 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett für Dioxine, von 4,0 pg WHO-PCDD/F-PCB-TEQ2005 /g Fett für die Summe
        aus Dioxinen und dioxinähnlichen PCB (Gesamt-TEQ) und von 40 ng/g Fett für die Summe der 6 Indikator-PCB
        festgelegt. Diese Höchstgehalte gelten wie bei Milch seit Januar 2012.

        In Ergänzung zu den Höchstgehalten wurde in der Empfehlung der Kommission vom 23. August 2011 zur Redu-
        zierung des Anteils von Dioxinen, Furanen und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln (2011/516/EU) für Fleisch
        von Wiederkäuern (Rinder, Schafe) ein Auslösewert von 1,75 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett für Dioxine und
        von 1,75 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett für dl-PCB bestimmt, bei dessen Überschreitung die Kontaminationsquelle
        ermittelt und Maßnahmen zur Eindämmung oder Beseitigung der Kontamination ergriffen werden sollen.




     Untersuchungsergebnisse in der Übersicht                      Insgesamt 5 Proben (2 aus ökologischer und 3 aus kon-
     Insgesamt wurden im Jahr 2012 39 Proben Rindfleisch im        ventioneller Erzeugung) wiesen einen Fettgehalt unterhalb
     Rahmen des Ökomonitorings auf Dioxine und dl-PCB un-          von 2 % auf. Bei derartigen Proben sind gemäß VO (EU)
     tersucht. Bei 32 Proben handelte es sich um konventionell     nr. 1259/2011 die Höchstgehalte bezogen auf das gesam-
     erzeugte Lebensmittel, lediglich 7 Proben stammten aus        te Erzeugnis (und nicht auf den Fettanteil) anzuwenden. Die
     ökologischer Erzeugung. Die Proben waren sowohl deut-         Ergebnisse dieser Proben wurden daher ausschließlich be-
     scher als auch ausländischer Herkunft, weiterführende In-     zogen auf das gesamte Erzeugnis berechnet und sind in
     formationen, zum Beispiel zur Haltungsform der Tiere, lagen   den nachfolgenden Auswertungen nicht enthalten.
     überwiegend nicht vor.
                                                                   Die mittleren Gehalte der Proben lagen für Dioxine bei
                                                                   0,2 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g Fett und für dl-PCB bei
                                                                   0,7 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett.

                                                                   Sämtliche untersuchten Rindfleischproben wiesen Dioxin-
                                                                   und dl-PCB-Gehalte unterhalb der zulässigen Höchstge-
                                                                   halte auf. Der für Dioxine festgesetzte Auslösewert wurde
                                                                   ebenfalls von keiner Probe überschritten. Eine Probe über-
                                                                   schritt den für dl-PCB gültigen Auslösewert numerisch, eine
                                                                   weitere Probe auch unter Berücksichtigung der statistischen
                                                                   Sicherheit. Beide Proben stammten aus ökologischer Erzeu-
                                                                   gung.

                                                                   Gegenüberstellung der Ergebnisse aus ökologi-
                                                                   scher und konventioneller Erzeugung
                                                                   Bei den konventionell erzeugten Rindfleischproben lag der
                                                                   mittlere Dioxingehalt bei 0,2 pg WHO-PCDD/F-TEQ2005 /g
                                                                   Fett, der mittlere dl-PCB-Gehalt bei 0,7 pg WHO-PCB-
                                                                   TEQ2005 /g Fett. Mit einem Median von 0,4 pg WHO-PCDD/
                                                                   F-TEQ2005 /g Fett für Dioxine beziehungsweise von 1,1 pg
                                                                   WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett für dl-PCB wiesen die unter-
                                                                   suchten Erzeugnisse aus ökologischer Erzeugung, wie auch
                                                                   in den vorherigen Jahren, tendenziell etwas höhere Gehalte
                                                                   an Dioxinen und dl-PCB auf. Bei diesem Vergleich ist die
                                                                   niedrige Zahl an Proben aus ökologischer Erzeugung (nur
                                                                   5 Proben in der Auswertung enthalten) zu berücksichtigen.

                                                          n



32
                                D I OX I n E U n D D I OX I n ä H n L I C H E P C B I n L E B E n S M I T T E L n · RI n D F L E I S C H




Dioxine, dl-PCB und Gesamt-TEQ (Summe aus Dioxinen und dl-PCB) der 2012 im Rahmen des Ökomonitorings untersuchten




                                                                                                                                                Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Rindfleischproben – Vergleich ökologische und konventionelle Erzeugung
 Parameter                    Herkunft         Probenzahl Minimum              Median   Mittelwert      95 % - Perzentil     Maximum
                              gesamt                  34          0,03          0,22         0,26               0,55             0,87
 Dioxine
                              ökologisch               5          0,24          0,35         0,38               0,56             0,59
 [pg WHO-PCDD/F-TEQ/g Fett]
                              konventionell           29          0,03          0,21         0,24               0,51             0,87

                              gesamt                  34          0,01          0,75         0,88               1,72             2,87
 dl-PCB
                              ökologisch               5          0,65          1,10         1,51               2,69             2,87
 [pg WHO-PCB-TEQ/g Fett]
                              konventionell           29          0,01          0,70         0,77               1,47             1,58

                              gesamt                  34          0,07          1,03         1,14               2,24             3,45
 Gesamt-TEQ
                              ökologisch               5          1,00          1,41         1,89               3,20             3,45
 [pg WHO-Gesamt-TEQ/g Fett]
                              konventionell           29          0,07          0,99         1,01               1,97             2,30


Vergleich mit Ergebnissen                                                von der Mehrzahl der bis zum Jahr 2012 untersuchten
aus früheren Untersuchungen                                              Rind- und Kalbfleischproben, unabhängig davon, ob öko-
Die im Rahmen des Ökomonitoring-Programms 2003 bis                       logische oder konventionelle Erzeugung, nicht eingehalten
2008 untersuchten 123 Proben Rind- und Kalbfleisch wie-                  worden. Die Ursachenermittlungen vor Ort blieben jedoch
sen mittlere Gehalte an Dioxinen von 0,4 pg WHO-PCDD/                    in der Regel ergebnislos. Der seit 2012 gültige Auslösewert
F-TEQ1998 /g Fett und an dl-PCB von 1,5 pg WHO-PCB-                      für dl-PCB wurde nun so festgesetzt, dass er von Rind-
TEQ1998 /g Fett auf. Die Ergebnisse der 2009 untersuchten                fleischproben, die Gehalte im Bereich der üblichen Hinter-
25 Rindfleischproben lagen in einem vergleichbaren Be-                   grundbelastung enthalten, unterschritten wird.
reich (Median Dioxine: 0,5 pg WHO-PCDD/F-TEQ1998 /g
Fett, Median dl-PCB: 1,7 pg WHO-PCB-TEQ1998 /g Fett).                    5.3     Fazit

Die Gehalte an dl-PCB der damals untersuchten Proben                     Alle im Rahmen des Ökomonitorings untersuchten 52 Kuh-
liegen somit etwas höher als bei den 2012 untersuchten                   milch- und 39 Rindfleischproben wiesen Gehalte an Dioxi-
Proben (0,7 pg WHO-PCB-TEQ2005 /g Fett). Wie bereits im                  nen und dl-PCB unterhalb der zulässigen Höchstgehalte auf.
Kapitel Kuhmilch beschrieben, ist hierbei die Berechnung                 Die festgestellten Gehalte liegen überwiegend in Bereichen,
mit unterschiedlichen Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEF1998              die nicht auf spezielle Quellen hinweisen. Der für dl-PCB in
bzw. TEF2005 ) zu beachten. Die Berechnung von Daten mit                 Rindfleisch seit 2012 gültige Auslösewert wurde von einer
TEF1998 statt mit TEF2005 führt zu durchschnittlich zirka 10 bis         Probe numerisch, von einer weiteren Probe auch unter Be-
15 % höheren Werten.                                                     rücksichtigung der statistischen Sicherheit überschritten.

Für einen tatsächlichen Vergleich mit Ergebnissen aus frü-               Dioxine und PCB reichern sich über die nahrungskette
heren Untersuchungen müssten darüber hinaus weitere                      im Fettgewebe von Tieren an. Bei Milch erfolgt die An-
Faktoren, wie beispielsweise Herkunft und Haltungsform der               reicherung im Milchfett. Dioxine und PCB sind Umwelt-
Tiere berücksichtigt werden, die einen nicht unerheblichen               kontaminanten, die durch Verunreinigungen der Luft, des
Einfluss auf die Gehalte haben können. Diese Informationen               Bodens oder durch Futtermittel eingebracht werden. Da-
liegen für die vorliegenden Daten jedoch nur teilweise vor.              her werden zwischen Lebensmitteln aus ökologischer und
                                                                         konventioneller Erzeugung eher geringe Unterschiede in
Anpassung des Auslösewertes                                              Gehalten von organischen Kontaminanten festgestellt.
für dioxinähnliche PCB
Die seit Januar 2012 gültigen Höchstgehalte und Auslöse-                 Bei den Untersuchungen im Berichtsjahr waren die mitt-
werte wurden mit angepassten Toxizitätsäquivalenzfaktoren                leren Dioxin- und dl-PCB-Gehalte der Milchproben aus
aus dem Jahr 2005 (TEF2005) unter Zugrundelegung neuer                   konventioneller und ökologischer Erzeugung vergleichbar.
Vorkommensdaten festgesetzt. Aus Gründen des gesund-                     Rindfleischproben aus ökologischer Erzeugung wiesen,
heitlichen Verbraucherschutzes wurden die neuen Höchst-                  wie auch in den vorherigen Jahren, tendenziell etwas hö-
gehalte und Auslösewerte überwiegend niedriger als die                   here Gehalte an Dioxinen und dl-PCB auf. Zu berücksichti-
bisher gültigen festgesetzt. Eine Ausnahme stellt der Aus-               gen ist hierbei die niedrige Zahl an Rindfleischproben aus
lösewert für dl-PCB in Fleisch von Wiederkäuern dar: Dieser              ökologischer Erzeugung.
wurde von 1,0 pg WHO1998 -PCB-TEQ/g Fett auf 1,75 pg
WHO2005-PCB-TEQ/g Fett angehoben. Diese Anpassung war                    Aus den vorliegenden Daten können keine zeitlichen Ten-
erforderlich, da die vorgefundene Hintergrundbelastung von               denzen der Dioxin- und dl-PCB-Gehalte (weder Zu- noch
Rindfleisch mit dl-PCB höher liegt als die damals zur Fest-              Abnahme) abgeleitet werden.
setzung der Höchstgehalte und Auslösewerte verwendete
Datenbasis. Daher war der für dl-PCB zulässige Auslösewert                                              Kerstin Wahl, CVUA Freiburg


                                                                                                                                           33
                     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                              C 6 ERGEBnISSE




                      6 Herstellungsbedingte Kontaminanten
                     6.1        Furan in verzehrsfertigen Cerealien           Verzehrfertige Cerealien wie Frühstückscerealien er-
                                                                              freuen sich großer Beliebtheit. Die Vielfalt reicht von
  Bezeichnung                            Bio    Konventionell   Furangehalt   reinen Getreideflocken über Mischungen mit Früchten
 Honey Wheast                                        x            204 µg/kg   oder Nüssen bis hin zu Flakes und Pops. Auch Puff-
 Saltoos-Vollkorn Dinkelringe                        x             79 µg/kg   reis wird häufig gesalzen als sogenannte Reiswaffeln in
 Bio Canihua-Pops                                    x             37 µg/kg   den Verkehr gebracht. In den Jahren 2011 und 2012
 Dinkel Crunchy                                      x               n.b.     wurde im Rahmen des Ökomonitoring-Programms der
 Früchte Müsli                                       x               n.b.     Frage nachgegangen, ob sich derartige Bio-Cerealien
 Früchte Müsli Vollkorn                              x               n.b.     hinsichtlich des Furangehaltes von herkömmlichen Ce-
 Früchte Müsli Vollkorn                              x               n.b.     realien unterscheiden.
 Haferflocken                                        x               n.b.
 Knusper Müsli                                       x               n.b.     Furan wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO
 Knuspermüsli Früchte                                x               n.b.     als ein für den Menschen mögliches Karzinogen eingestuft,
 Müsli Früchte und nüsse                             x               n.b.     von einer akuten Gesundheitsgefahr ist jedoch nicht aus-
 Vollkorn Müsli                                      x               n.b.     zugehen. Die Bildung der Kontaminante Furan erfolgt unter
 Bircher Müsli                                       x               n.n.     Hitzeeinwirkung aus Kohlenhydraten, Aminosäuren, Ascor-
 Haferflocken                                        x               n.n.     binsäure, mehrfach ungesättigten Fettsäuren oder Vorläu-
 Haferflocken                                        x               n.n.     fersubstanzen, wie etwa 2-Furancarbonsäure.
 Haferflocken                                        x               n.n.
 Haferflocken                                        x               n.n.     In den beiden Jahren wurden insgesamt 36 verzehrfer-
 Haferflocken Großblatt                              x               n.n.     tige Cerealien aus dem Handel auf Furan untersucht (s.
 Knuspermüsli                                        x               n.n.     Tabelle). 13 Proben davon waren aus ökologischer Pro-
 Sechskorn-Müsli mit vollem Korn                     x               n.n.     duktion. Auch im zweiten Untersuchungsjahr wiesen
 Trauben-nuss Müsli Vollkorn                         x               n.n.     die untersuchten Müsli auf Basis von Körnern, Früchten
 Vollkorn Müsli                                      x               n.n.     und nüssen keine bestimmbaren Furangehalte auf (29
 Vollkorn Trauben nuss Müsli                         x               n.n.     Proben), während extrudierte oder gepoppte Cerealien
 Reiswaffeln mit Hirse und Meersalz        x                      224 µg/kg   37 µg/kg bis 224 µg/kg (7 Proben) aufwiesen. Zukünftig
 Reiswaffeln mit Amaranth und Meersalz     x                      124 µg/kg   wird deshalb der Schwerpunkt auf extrudierte beziehungs-
 Bio-Dinkel-Honig-Pops                     x                       81 µg/kg   weise gepoppte Produkte gelegt. Bei den wenigen furan-
 Dinkel Bips                               x                      54 µg/kg    haltigen Produkten waren keine Unterschiede zwischen
 Beeren Müsli                              x                         n.b.     denjenigen aus ökologischer Produktion und denjenigen
 Bio Müsli Hafer Crunchy                   x                         n.b.     aus konventioneller Produktion festzustellen. Eine mögliche
 Amaranth Schoko-Müsli                     x                         n.n.     Differenzierung zwischen herkömmlichen und Bio-Cerea-
 Basis-Müsli                               x                         n.n.     lien kann eventuell vorgenommen werden, wenn weitere
 Früchte-Müsli                             x                         n.n.     Untersuchungsergebnisse vorliegen.
 Früchte-Müsli                             x                         n.n.
 Knusper-Müsli                             x                         n.n.
 Multikorn Flocken                         x                         n.n.
 Schoko Müsli                              x                         n.n.

n.n. = kleiner Nachweisgrenze (< 3 µ g/kg)                                                            Thomas Kuballa, CVUA Karlsruhe
n.b. = kleiner Bestimmungsgrenze (< 9 µ g/kg)




    34
                                                                  H E R S T E L LU n G S B E D I n G T E KO n TA M I n A n T En




                                                                                                                                       Ö KO M O N I TO R I N G 2012
6.2      3-MCPD-Ester und Glycidylester in Speiseölen und Speisefetten

Fettsäureester von 3-Chlor-1,2-propandiol (3-MCPD-                Raffination ist die sogenannte Desodorierung. Bei diesem
Ester) und von Glycidol (Glycidylester) sind toxikolo-            Verfahren wird nahezu die gesamte Menge an 3-MCPD-
gisch nicht ganz unproblematische Substanzen, die vor             Estern und Glycidylestern gebildet.
allem bei der Raffination von Speisefetten und Speise-
ölen gebildet werden.                                             Auch ökologisch erzeugte Speiseöle dürfen raffiniert wer-
                                                                  den, insbesondere, wenn sie als Bratöle oder zur Herstellung
Bei der Fettraffination werden in einem mehrstufigen Pro-         von Margarine verwendet werden sollen.
zess unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe und
toxische Substanzen wie Pestizide, Schwermetalle, giftige         Im Rahmen des Ökomonitoring-Programms 2012 wurden
Pflanzeninhaltsstoffe, Mykotoxine und PAK aus den rohen           insgesamt 12 Bratfette/-öle und 23 Margarinen untersucht.
Ölen entfernt. Ohne Raffination könnte ein großer Anteil          12 der Proben waren aus ökologischer und 23 aus konven-
der weltweit erzeugten Fette und Öle nicht für die mensch-        tioneller Produktion.
liche Ernährung genutzt werden. Der letzte Teilschritt der




                                                                                                                             ◆



3-MCPD-Ester/Glycidylester
 Parameter                        Herkunft           Probenzahl         Median              Minimum             Maximum
 3-MCPD                           ökologisch              12                  2,00             < 0,15                11,10
 [mg/kg Fett]*
                                  konventionell           23                  1,08               0,54                4,42

 Glycidol                         ökologisch              12                  0,26             < 0,15                2,00
 [mg/kg Fett]*
                                  konventionell           23                  0,23             < 0,15                2,00

* Angabe bei Margarine bezogen auf den Fettanteil.



In beiden Gruppen war eine starke Streuung festzustellen, dies liegt sicherlich nicht an der ökologischen oder konventionellen
Herkunft der Rohstoffe, sondern vielmehr an der Art der Raffination und an Unterschieden in der Fettzusammensetzung der
einzelnen Proben.

Auffällig war aber der Befund, dass einige Bio-Margarinen sehr hohe Gehalte an 3-MCPD-Estern aufwiesen. Dies könnte
darauf zurückzuführen sein, dass diese Produkte Palmöl enthalten, das bei konventioneller Herstellung in der Regel im Verlauf
der Raffination mit natronlauge chemisch entsäuert wird. Bei Produkten aus ökologischer Erzeugung ist eine chemische Ent-
säuerung nicht zulässig, sie benötigen daher unter Umständen höhere Temperaturen oder längere Erhitzungszeiten bei der
Desodorierung, was zu einer stärkeren Bildung von 3-MCPD-Estern und Glycidylestern führen kann.

                                                                                       Dr. Rüdiger Weißhaar, CVUA Stuttgart


                                                                                                                                  35
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                                  C 7 ERGEBnISSE




     7       Düngung bei pflanzlichen Lebensmitteln
     Ist die Tomate wirklich „bio“?

                             Immer wieder auftauchende Berichte über angeblich falsch deklarierte Bio-Produkte zeigen
                             den Bedarf an Analysenmethoden, die geeignet sind, konventionelle von biologisch erzeugten
                             Lebensmitteln zu unterscheiden. Bereits seit 2008 wird daher im Rahmen des Ökomonito-
                             rings ein Untersuchungsprogramm durchgeführt mit dem Ziel, die Einhaltung der Rechtsvor-
                             schriften der EU zum Einsatz von Stickstoffdünger im ökologischen Landbau zu überprüfen.
     Dabei kommt eine neuartige Untersuchungsmethode zum Einsatz, die Hinweise auf eine bei Bioprodukten unzuläs-
     sige Verwendung von Stickstoff-Mineraldünger geben kann. In den Jahren 2008 bis 2011 lag der Schwerpunkt der
     Untersuchungen auf der Sammlung von Vergleichsdaten als Grundlage für die Beurteilung (siehe Ökomonitoringbe-
     richte dieser Jahre). Im Jahr 2012 wurde ein Sonderuntersuchungsprogramm mit Tomaten durchgeführt, bei dem
     die Proben anhand der eigenen sowie weiterer veröffentlichter Vergleichsdaten beurteilt wurden.

     Insgesamt 10 von 63 untersuchten Bio-Tomatenproben waren daraufhin im Labor auffällig und es bestanden aufgrund
     der Untersuchungsergebnisse Zweifel, ob die Früchte tatsächlich − wie angeboten − aus Bioanbau stammten. Aufgrund
                                                                 der auffälligen Ergebnisse sollen die Untersuchungen fort-
                                                                 gesetzt und auf andere Kulturarten wie Paprika ausgedehnt
                                                                 werden. Hierfür wurde das CVUA Freiburg durch das Mi-
                                                                 nisterium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
                                                                 Baden-Württemberg mit der Durchführung eines For-
                                                                 schungsvorhabens beauftragt. Damit soll das Potenzial der
                                                                 neuen Methode in diesem wichtigen Bereich zum Schutz
                                                                 der Verbraucher vor Täuschung bestmöglich ausgeschöpft
                                                                 werden.

                                                                  7.1 Nachweis der Verwendung von
                                                                  Stickstoff-Mineraldünger

                                                                  Die Vermeidung des Einsatzes leichtlöslicher Stickstoffdün-
                                                                  ger gilt als wichtiges Ziel des ökologischen Landbaus. Die
                                                                  europaweit geltende Verordnung zur ökologischen Produk-
                                                                  tion (Verordnung (EG) nr. 834/2007) verbietet aus diesem
                                                                  Grund explizit die Verwendung von mineralischen Stick-
                                                                  stoffdüngern. Zugelassen sind ausschließlich Dünger orga-
                                                                  nischen Ursprungs, die in einem beschränkten Verzeichnis
                                                                  geführt werden.




         Unterscheidung über Stickstoff-Isotope
         Der Labornachweis beruht auf der Unterscheidung von mineralischer und organischer Stickstoff-Düngung mit-
         hilfe der sogenannten Stabilisotopen-Massenspektrometrie. Der im Dünger enthaltene Stickstoff (n) liegt in
         Form verschiedener stabiler Isotope, 14n und 15n, vor. Organische Dünger sind im Vergleich zu mineralischem
         Dünger üblicherweise im schwereren 15n-Isotop gegenüber dem leichteren 14n-Isotop angereichert. Eine Aus-
         nahme stellen Leguminosen-Gründünger dar, bei denen, wie auch bei der Herstellung von mineralischem
         Stickstoff-Dünger, Luft als Stickstoffquelle dient.

         Der Unterschied im δ15n-Wert des Düngers überträgt sich, insbesondere bei schnell wachsenden und stark zehren-
         den Pflanzen wie Tomaten, auch auf die gedüngte Pflanze. Daher kann das Stabilisotopenverhältnis des Stickstoffs
         (15n/14n) der Tomate als Indikator dienen, ob ein mineralischer oder ein organischer Dünger eingesetzt wurde.

         Die Angabe des Stickstoff-Stabilisotopenverhältnisses erfolgt als δ-Wert in ‰ und bezeichnet die normalisierte Ab-
         weichung δ von einem international vereinbarten Standard (AIR als Standard für Stickstoff) und kann auch negative
         Werte annehmen.



36
                                                                                          D Ü n G U n G B E I P F L A n Z L I C H E n L E B En S M I T T E L n




                                                                                                                                                                                  Ö KO M O N I TO R I N G 2012
                        Im Rahmen verschiedener wissenschaftlicher Studien wurde gezeigt, dass ökologisch erzeugte Tomaten gegenüber
                        konventionell angebauten Tomaten einen erhöhten δ15 n-Wert aufweisen. Bateman et al. geben in ihrer Studie einen
                        δ15 n-Wert von 1,7 ‰ an, unterhalb dessen die Anwendung eines organischen Düngers statistisch unwahrscheinlich ist 1.

                        Eine Ausnahme stellt der Einsatz von bestimmten Düngern auf Basis von Pilzbiomasse dar, welche derzeit für den
                        ökologischen Landbau zugelassen sind und einen untypisch niedrigen δ15 n-Wert aufweisen. Auch dieser Proble-
                        matik soll im Rahmen des bereits erwähnten Forschungsvorhabens nachgegangen werden. Das CVUA Freiburg
                        wird neben den Untersuchungen von authentischen Referenzlebensmittelproben heimischer Erzeuger begleitende
                        Untersuchungen der im Gemüseanbau eingesetzten Dünger durchführen, um abzuklären, welche im Bioanbau
                        zugelassenen Düngemittel gegebenenfalls die Laborergebnisse verfälschen. Würden solche Düngemittel verwen-
                        det, wäre mit der angewandten Methode eine Unterscheidung zwischen „bio“ und konventionell nicht möglich. In
                        diesen Fällen könnten auffällige Befunde nur durch aufwendige Überprüfungen der Dokumente und Ermittlungen
                        beim Erzeuger den Verdacht aus dem Labor bestätigen oder widerlegen.


7.2 Auswertung der Ergebnisse

In der folgenden Tabelle sind die Ergebnisse der Stickstoff-Stabilisotopenwerte der im Berichtsjahr untersuchten Toma-
tenproben und in der Grafik die seit 2008 ermittelten Ergebnisse dargestellt.

Stickstoff-Stabilisotopenverhältnis δ 15 N [‰] Tomatenproben 2012
    Produktgruppen                        Anbauart               Anzahl der      Minimum               Median                  Mittelwert              Maximum
                                                                 Proben          δ 15 N AIR [‰]        δ 15 N AIR [‰]          δ 15 N AIR [‰]          δ 15 N AIR [‰]
                                          ökologisch                63                  -1,4                    3,8                      3,6                 12,8
    Tomaten
                                          konventionell             10                  -4,9                    0,4                      0,4                  5,8


Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarf einer statistischen Herangehensweise, basierend auf einer umfangreichen Da-
tenbank mit verlässlichen Vergleichsdaten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass erhöhte δ15n-Werte auch bei konventionell
angebauten Tomaten möglich sind, da auch diese mit organischem Dünger behandelt werden können. Für weitere Unter-
suchungen ist geplant, die Datenbasis zu erweitern und auf weitere Produktgruppen auszudehnen.

Unterscheidung von Tomaten bio - konventionell 2008-2012

                        22
                                                                                                                                               Anbauart: konventionell
                        20                                                                                                                     (gesamt 34 Proben)

                        18
                                                                                                                                               Anbauart: ökologisch
                         16                                                                                                                    (gesamt 107 Proben)
    Anzahl der Proben




                         14

                         12

                        10

                         8

                         6
                              1
                              0

                                    0
                                    0

                                           1
                                           0

                                                   5
                                                   2

                                                            7
                                                            4

                                                                    8
                                                                   11

                                                                           3
                                                                           6

                                                                                   3
                                                                                  12

                                                                                            2
                                                                                           23

                                                                                                    0
                                                                                                   12

                                                                                                           1
                                                                                                          19

                                                                                                                      1
                                                                                                                      7

                                                                                                                           2
                                                                                                                           7

                                                                                                                                   0
                                                                                                                                   2

                                                                                                                                               0
                                                                                                                                               1

                                                                                                                                                    0
                                                                                                                                                    0

                                                                                                                                                            0
                                                                                                                                                            0

                                                                                                                                                                    0
                                                                                                                                                                    1




                         4

                         2

                         0

                               -5    -4     -3         -2   -1      0       1       2          3   4        5          6   7         8         9     10      11         12

                                                                         Stickstoff-Stabilisotopenverteilung ( δ N) [‰]
                                                                                                                  15



Häufigkeitsverteilung der Stickstoff-Stabilisotopenwerte; Tomatenproben 2008 bis 2012
statistischer Unterscheidungswert nach Bateman et al. (δ15N = 1,7 ‰)1.
1
 A.S. Bateman et al. (2007) Nitrogen Isotope Composition of Organically and Conventionally Grown Crops. J. Agric.
Food Chem. 55, 2664.

Weiterführende Informationen zu Untersuchungen auf Herkunft und Echtheit sind auf der Internetseite des CVUA Freiburg
unter www.ua-bw.de veröffentlicht.

                                                   Dr. Eva Annweiler, Thomas Huber, Andreas Probst, Hans-Ulrich Waiblinger, CVUA Freiburg


                                                                                                                                                                             37
     ÖKOMOnITORInG 2012                                             C 8 FLEISCHERZEUGnISSE · C9 HOnIG ERGEBnISSE




     8       Biowurst ohne Phosphat?

     Phosphate sind natürliche Bestandteile von Lebensmitteln. Bei Fleischerzeugnissen verlieren die im Fleisch vor-
     kommenden Phosphate im Muskel relativ rasch ihre natürliche Wirkung. Im Muskelfleisch des lebenden Tieres ist
     der für die Muskelkontraktion notwendige Energieträger Adenosin-tri-Phosphat (ATP) enthalten, der im schlacht-
     warmen Fleisch für eine hohe Wasserbindung des Fleisches quasi als natürlicher Stabilisator sorgt. Nach dem
     Schlachten wird es zügig durch fleischeigene Enzyme abgebaut. Das zugesetzte Phosphat ersetzt diese ursprüng-
     liche Wirkung und verhindert bei Brühwürsten das Absetzen von Gelee oder Fett.




     Bei konventionell hergestellten Fleischerzeugnissen dürfen     Im Berichtsjahr wurden zwischen Oktober und Dezember
     phosphathaltige Zusatzstoffe verwendet werden. Sie wer-        im Rahmen des Ökomonitoring-Programms insgesamt 17
     den hauptsächlich wegen ihrer technologischen Auswirkun-       Brühwursterzeugnisse aus ökologischer Produktion hinsicht-
     gen auf die Textur und das Wasserbindungsvermögen der          lich der Verwendung von phosphathaltigen Zusatzsoffen
     Erzeugnisse (überwiegend Brühwürste und Kochpökelwa-           untersucht. 10 der untersuchten Produkte stammten aus
     ren) eingesetzt. Gerade bei vorgeschnittenen, verpackten,      industrieller und 7 aus handwerklicher Produktion. Hierbei
     konventionell hergestellten Fleischerzeugnissen ist der Ein-   wurden sowohl Fertigpackungen als auch lose Ware aus der
     satz von phosphathaltigen Zusatzstoffen häufig zu sehen.       Metzgertheke als Proben erhoben.

     nach der Verordnung (EG) nr. 834/2007 in Verbindung            Bei keiner der untersuchten Proben konnte die Verwendung
     mit der Verordnung (EG) nr. 889/2008 dürfen bei Lebens-        von phosphathaltigen Zusatzstoffen chemisch-analytisch
     mitteln, die unter den Regelungsbereich dieser Verordnung      nachgewiesen werden.
     fallen, nur bestimmte Zusatzstoffe bei der Herstellung ver-
     wendet werden. Bei Biofleischerzeugnissen sind demnach         Fazit
     phosphathaltige Zusatzstoffe von der Verwendung ausge-
     schlossen.                                                     Obwohl bei den untersuchten Erzeugnissen keine Auffällig-
                                                                    keiten hinsichtlich der Verwendung von phosphathaltigen
                                                                    Zusatzstoffen zu verzeichnen waren, werden auch in den
                                                                    kommenden Jahren die Untersuchungen von Biofleischer-
                                                                    zeugnissen stichprobenweise fortgeführt.

                                                                    Das Hauptaugenmerk wird auf Brühwursterzeugnissen und
                                                                    Kochpökelwaren liegen. Jedoch auch andere Fleischer-
                                                                    zeugnisse, wie zum Beispiel Rohwürste sollen einbezogen
                                                                    werden.



                                                                                                Jürgen Glatz, CVUA Freiburg

38
                   B I O W U R S T O H n E P H O S P H AT · VA R ROATO S E - B E K ä M P F U n G S M I T T E L I n H O n I G




9       Varroatose-Bekämpfungsmittel in Honig




                                                                                                                                        Ö KO M O N I TO R I N G 2012
Bei der ökologischen Bienenhaltung gelten spezifische Vorschriften für die Krankheitsvorsorge und die tierärztli-
che Behandlung gemäß der Verordnung (EG) Nr. 889/2008 mit Durchführungsvorschriften zur Verordnung (EG)
Nr. 834/2007 hinsichtlich der ökologischen/biologischen Produktion, Kennzeichnung und Kontrolle. So dürfen
gemäß Artikel 25 Absatz 6 dieser Verordnung bei Befall der Bienen mit Varroa destructor nur bestimmte organische
Säuren, wie beispielsweise Ameisensäure und Oxalsäure sowie die ätherischen Öle Menthol, Thymol, Eukalyptol
oder Kampfer zur Bekämpfung der Milben verwendet werden.

Bei unsachgemäßem Einsatz sowie bei Anwendung zum
falschen Zeitpunkt können diese Stoffe in den Honig über-
gehen und, in Abhängigkeit von der Konzentration der
Stoffe und der jeweiligen Honigtracht, geschmacklich her-
vortreten, was nach der Honigverordnung nicht zulässig
ist. Bei der Beurteilung von Honigproben ist zu beachten,
dass je nach Trachtzusammensetzung des Honigs die zur
Varroatose-Behandlung zugelassenen Stoffe auch natürli-
cherweise im Honig in unterschiedlichen Konzentrationen
vorkommen können.

Im Berichtsjahr wurden im Rahmen des Ökomonitoring-
Programms 21 Honige, davon 12 Biohonige, auf das Vor-
handensein der oben aufgeführten ätherischen Öle sowie
auf die Gehalte an Ameisensäure und Oxalsäure untersucht.
Die Probenahme erfolgte überwiegend direkt bei Imkern in
Baden-Württemberg (16 Proben) sowie in Verkaufsstellen
und im Einzelhandel.

Die ätherischen Öle Menthol, Thymol, Eukalyptol und
Kampfer waren in 20 von 21 Proben (95 %) nicht nach-
weisbar. Ihre Gehalte lagen bei einer Biohonigprobe aus
dem Einzelhandel (Herkunft: Mischung von Honig aus
EG-Ländern und nicht-EG-Ländern) unter der analyti-
schen Bestimmungsgrenze des jeweiligen Stoffes (0,08 bis
0,13 mg/kg). Bei einer konventionellen Honigprobe, die
einen Anteil an Lindenblütenhonig aufwies, wurde ein ge-
ringer Gehalt an Thymol von 0,16 mg/kg festgestellt. Diese
Probe wurde als unauffällig beurteilt, da nach verschiede-
nen Quellenangaben 1, 2 Lindenblütenhonige natürlicher-
weise Thymol in Gehalten von bis zu 0,70 mg/kg enthalten
können. In der Schweiz gilt ein Toleranzwert von 0,80 mg
                                                                                                                               ◆
Thymol/kg Honig.

Bei der Untersuchung der Honigproben auf die oben er-           1
                                                                  http://www.kantonslabor-bs.ch/files/berichte/
wähnten organischen Säuren wurden Gehalte bis 61 mg             HonigBericht02.pdf (Internetrecherche vom 04.04.13)
Ameisensäure pro kg Honig und Oxalsäure-Gehalte zwi-            2
                                                                  http://www.imkerhof-salzburg.at/portal/index.
schen 17 und 139 mg/kg festgestellt. Auch hier hat die          php?option=com_content&task=view&id=55&Itemid=98
Tracht des Honigs einen Einfluss auf die Konzentration der      (Internetrecherche vom 04.04.13)
verschiedenen Säuren im Honig. nach Literaturangaben3           3
                                                                  T.A. Tran et al. (2010): Vergleich von Ameisen- und
sind in Honigen Ameisensäuregehalte bis zu 500 mg/kg            Oxalsäuregehalten in konventionellen und Biohonigen,
und Oxalsäuregehalte bis zu 180 mg/kg von natur aus             Lebensmittelchemie Vol. 64, S. 135
möglich. Die Proben waren somit als unauffällig zu beur-
teilen. Eine tendenzielle Unterscheidung zwischen konven-
tionellen und Biohonigen war anhand der untersuchten
Proben nicht festzustellen.                                                            Marc Ohmenhäuser, CVUA Freiburg


                                                                                                                                   39
     ÖKOMOnITORInG 2012                                                                           C 10 SCHWARZE OLIVEn




      10 Schwarze Oliven – geschwärzt, konserviert, kontaminiert?

     Der Verbraucher hat die Wahl: Im Handel befinden sich verschiedene Arten von zubereiteten Oliven, die sich an-
     hand ihres Aussehens in die beiden Kategorien „grüne“ und „schwarze“ Oliven einteilen lassen. Früh geerntete
     Oliven sind grün. Sie schmecken nach Entbitterung kräftig und sind durch eine leicht bittere, etwas scharfe Note
     charakterisiert. Werden die Früchte erst nach vollständiger Reife geerntet, weisen sie eine dunkelviolette Farbe auf,
     sind weicher und schmecken milder. Umgangssprachlich werden sie „schwarze Oliven“ genannt.



     10.1     Künstliche Schwarzfärbung

     Für die maschinelle Verarbeitung, beispielsweise Entsteinen, sind grüne Oliven aufgrund ihrer höheren Festigkeit besser
     geeignet. Um aus den grün geernteten Oliven trotzdem „schwarze“ Oliven zu erhalten, werden diese nachträglich „ein-
     gefärbt“. Die dunkle Farbe entsteht durch Oxidation, wobei die Zusatzstoffe Eisen-II-gluconat (E 579) oder Eisen-II-lactat
     (E 585) als Stabilisatoren zugesetzt werden. Dies ist unter Kenntlichmachung („geschwärzt“) beziehungsweise unter An-
     gabe des Zusatzstoffs erlaubt – nicht jedoch bei Erzeugnissen, die als „Bio“ oder „Öko“ deklariert sind.

     Bei 16 untersuchten schwarzen Bio-Oliven (1 lose Ware, 15 Fertigpackungen) war in keiner Probe ein Zusatz von Eisen-
     salzen und somit auch keine „Schwärzung“ nachweisbar. Dagegen waren etwa drei Viertel der konventionell erzeugten
     „schwarzen Oliven“ in Fertigpackung geschwärzt (13 von 17 Proben), bei lose abgegebener Ware die Hälfte (5 von 10
     Proben), was ordnungsgemäß kenntlich gemacht war.




     links: naturgereifte, „schwarze“ Oliven mit Stein; rechts: geschwärzte Oliven ohne Stein


40
                                                                D Ü n G U n G B E I P F L A n Z L I C H E n L E B En S M I T T E L n




                                                                                                                                            Ö KO M O N I TO R I N G 2012
10.2       Konservierung

Auch die bei Bioware unzulässigen Konservierungsstoffe
waren in Bioproben nicht nachweisbar. Im Gegensatz dazu
waren 16 % der 25 untersuchten konventionellen Proben
mit Sorbin- oder Benzoesäure konserviert und wurden auf-
grund fehlender Kenntlichmachung der Konservierungs-
stoffe beanstandet.



10.3       Kontamination

Weiterhin wurden die Erzeugnisse auf die Kontaminanten
Blei und Cadmium untersucht. Für diese Schwermetalle
sind Höchstgehalte von 0,1 mg Blei/kg beziehungsweise
0,05 mg Cadmium/kg bezogen auf das Frischgewicht fest-
gelegt. In allen untersuchten Bioproben war Cadmium nicht
bestimmbar (< 0,005 mg/kg), ebenso bei der konventio-
nellen Ware. Auch die Gehalte an Blei unterschieden sich
im Mittel nicht signifikant. Die Gehalte bei Bioware lagen
tendenziell etwas höher, in konventioneller Ware dagegen                                                            ◆
wurden vereinzelt höhere Gehalte bestimmt, jedoch keine
gesicherte Höchstmengenüberschreitung.


Schwermetalle in schwarzen Oliven - Vergleich öko - konventionell
 Produktgruppen       Herkunft          Proben         Mittelwert          Median               Minimum              Maximum
                                        Anzahl         [mg/kg]             [mg/kg]              [mg/kg]              [mg/kg]
 Cadmium              ökologisch             16               n.b.                n.b.                    -                   -
 [mg/kg]              konventionell          25               n.b.                n.b.                    -                   -

 Blei                 ökologisch             16              0,042              0,040                < 0,01              0,062
 [mg/kg]              konventionell          25              0,034              0,032                < 0,01              0,11 *

n.b. = nicht bestimmbar (Bestimmungsgrenze: < 0,005)
* Gehalte im verzehrfertigen Produkt, Höchstgehalte jedoch bezogen auf Frischgewicht



                                                                     Fazit

                                                                     Somit erfüllten alle untersuchten schwarzen Oliven mit
                                                                     der Bezeichnung „Öko“ beziehungsweise „Bio“ die Be-
                                                                     stimmungen der VO (EG) nr. 832/2007 hinsichtlich der
                                                                     Verwendung von Konservierungsmitteln und von Eisen-
                                                                     verbindungen zur „Schwärzung“. Die Höchstgehalte an
                                                                     Schwermetallen nach der VO (EG) nr. 1881/2006 wurden
                                                                     ebenfalls eingehalten.

                                                                     Die Untersuchungen von Bioprodukten hinsichtlich unzu-
                                                                     lässiger Verwendung von Zusatzstoffen sowie Kontami-
                                                                     nanten werden auch zukünftig stichprobenartig durchge-
                                                                     führt.




                                                         ◆                                     Kerstin Zietemann, CVUA Stuttgart



                                                                                                                                       41
     LEBEnSMIT TELÜBERWACHUnG BW                                                                                                       IMPRESSUM




     Herausgeber:
     Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR)
     Abteilung Verbraucherschutz und Ernährung
     Kernerplatz 10, 70182 Stuttgart
     Telefon: 0711.126 - 0
     poststelle@mlr.bwl.de
     www.mlr.baden-wuerttemberg.de

     Redaktion:
     Birgit Bienzle, MLR

     Lektorat:
     Beate Wörner, Fellbach

     Grafik Design + Prepress:
     Friedrich Don BDG - Don Design, Waiblingen
     www.don-design.de

     Druck:
     Pfitzer GmbH + Co KG, Renningen

     Bezugsquelle:
     Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz

     Diese Druckschrift wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung Baden-Württemberg herausgegeben. Sie ist
     nicht zum gewerblichen Vertrieb bestimmt. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerbern oder Wahlhelfern während eines
     Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt für Landes-, Bundestags-, Kommunal- und Europa-
     wahlen.
     Missbräuchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsständen der Parteien sowie das Einlegen,
     Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel.
     Unabhängig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift dem Empfänger zugegangen ist, darf sie auch
     ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme der Landes-
     regierung zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden wird.


     Fotos:
     Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter für
     das zur Verfügung gestellte Bildmaterial.
     Weiteres markiertes Bildmaterial von ◆ shutterstock (Titelbilder) · w Don Design · n www.oekolandbau.de



     © 2013 Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg
     Drucknummer: MLR 11-2013-36

42
◆
Herausgeber
Ministerium für
Ländlichen Raum
und Verbraucherschutz
Baden-Württemberg (MLR)
Kernerplatz 10
70182 Stuttgart

Für eventuelle Rückfragen
Telefon: 0711.126 - 0
www.mlr.baden-wuerttemberg.de

								
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