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Band46

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					Zivilschutz-
Forschung
Schriftenreihe der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern
Herausgegeben vom Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz –
im Auftrag des Bundesministerium des Innern
                                                  Neue Folge Band    46


Fritz Gehbauer
Susanne Hirschberger
Michael Markus



Methoden der Bergung
Verschütteter aus
zerstörten Gebäuden




ISSN 0343-5164
ZIVILSCHUTZFORSCHUNG
     Neue Folge Band 46
Zivilschutz-
Forschung
Schriftenreihe der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern
Herausgegeben vom Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz –
im Auftrag des Bundesministerium des Innern
                                                  Neue Folge Band    46


Fritz Gehbauer
Susanne Hirschberger
Michael Markus



Methoden der Bergung
Verschütteter aus
zerstörten Gebäuden




ISSN 0343-5164
Herausgeber: Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz –
Deutschherrenstraße 93-95, 53177 Bonn
Telefon: (0 18 88) 358-0
Telefax: (0 18 88) 358-58 03
Internet: www.bundesverwaltungsamt.de
Die Beiträge geben die Meinungen der Autoren wieder. Sie stellen keine
Äußerung des Herausgebers dar und sind auch nicht als solche auszulegen.




© 2001 by Bundesverwaltungsamt – Zentralstelle für Zivilschutz – Bonn
Satz und Druck: Druckhaus Dresden GmbH


4
Der Forschungsbericht „Methoden der Bergung Verschütteter aus zerstörten
Gebäuden“ ist Frau cand. ing. Michaela Eichenlaub gewidmet. Sie war an den Vor-
bereitungen zu diesem Forschungsvorhaben beteiligt. Gleichzeitig konnte sie Ihre
Kenntnisse als Bauexpertin des Technischen Hilfswerks beim Wiederaufbau zer-
störter Gebäude in Bosnien einsetzen. Ihr Arbeitsbereich war Mostar und die
umliegenden Ortschaften. Ihr besonderes Interesse galt der Schule Nr. 7 in Mostar.
Frau Eichenlaub verunglückte tödlich während dieses Einsatzes bei einem tragi-
schen Verkehrsunfall im Januar 1996.




                                                                                5
6
Kurzfassung


Ziel dieser Arbeit, die im Juli 1999 abgeschlossen wurde, ist die Verbesserung der
technischen Durchführung von Rettungs- und Bergungsmaßnahmen aus zerstör-
ten Gebäuden. Es wurden Schadensberichte von Gebäudeeinstürzen und Einsatz-
berichte von Rettungsmaßnahmen gesammelt und ausgewertet. Aufbauend auf die
Systematik von Maack wurden Schadenselemente ergänzt, um den Versagensfor-
men Rechnung zu tragen, die durch den vermehrten Gebrauch von Stahlbeton ent-
stehen. Für die Beurteilung der Resttragfähigkeit geschädigter Gebäude wurden
Kriterien und ein fünfstufiges Bewertungsschema entwickelt.
Teile von Trümmerstrukturen wurden so aufgebaut, dass vergleichende Erprobun-
gen von Geräten und Verfahren unter wiederholbaren realistischen Randbedingun-
gen möglich waren. Dabei war der Wand- und Deckendurchbruch durch Beton-
strukturen, der Umgang und das Anheben flächiger und schwerer Trümmerstücke,
das Vordringen in Schichtungen sowie das Vordringen in Trümmerschutt von Inter-
esse. Verfahren und Hilfsmittel des Technischen Hilfswerkes sowie weitere Geräte
wurden an den Versuchsaufbauten erprobt, Leistungsmessungen und Messungen
der Einwirkung auf die Trümmerstruktur, auf Retter und Verschüttete wurden
durchgeführt.
Darauf aufbauend wurden Hinweise auf die Auswahl und Verwendung von techni-
schen Hilfsmitteln bei der Rettung von Personen aus zerstörten Gebäuden
zusammengestellt und der Entwicklungsbedarf spezieller Rettungsgeräte aufge-
zeigt.
Dieser Forschungsbericht und seine Anhänge wurden mit größtmöglicher Sorgfalt
erstellt. Die Nutzung der Informationen kann jedoch nur in eigener Verantwortung
erfolgen, jedwede Haftung muss ausgeschlossen werden.

Karlsruhe, im Februar 2002
Die Verfasser




                                                                                7
8
Inhaltsverzeichnis


        Kurzfassung..............................................................................................7
1       Einleitung ..............................................................................................13
1.1     Beschreibung der Teilziele .....................................................................15

2       Dokumentation von Gebäudeeinstürzen............................................17
2.1     Schadensberichte....................................................................................18
2.2     Fragebogen .............................................................................................20
2.3     Trümmerstrukturen ................................................................................25
2.3.1   Mauerwerksbau, Tafelbau ......................................................................26
2.3.2   Skelettbau...............................................................................................31
2.3.3   Zusammenfassung..................................................................................36
2.4     Piktogramme ..........................................................................................36

3       Versuche ................................................................................................46
3.1     Ziele........................................................................................................46
3.2     Übersicht ................................................................................................47
3.3     Aufbau 1 - Wanddurchbruch ..................................................................48
3.3.1   Aufbau....................................................................................................49
3.3.2   Durchführung .........................................................................................52
3.3.3   Leistungsermittlung ...............................................................................53
3.3.4   Ergebnisse ..............................................................................................59
3.4     Aufbau 2 - Bewegen schwerer und großer Lasten .................................73
3.4.1   Aufbau....................................................................................................73
3.4.2   Durchführung .........................................................................................75
3.4.3   Ergebnisse ..............................................................................................76
3.5     Aufbau 2b - Anheben und Abtransport von großen
        Betontrümmerteilen ...............................................................................78
3.5.1   Durchführung .........................................................................................79
3.5.2   Ergebnisse ..............................................................................................80
3.6     Aufbau 3 - Horizontale Schichtung........................................................81
3.6.1   Aufbau....................................................................................................81
3.6.2   Durchführung .........................................................................................82
3.6.3   Ergebnisse ..............................................................................................83
3.7     Aufbau 4 - Trümmerschutt .....................................................................86
3.7.1   Aufbau....................................................................................................87
3.7.2   Überblick Durchführung ........................................................................89
3.7.3   Durchführung senkrechtes Vordringen...................................................90
3.7.4   Ergebnisse senkrechtes Vordringen........................................................90
3.7.5   Durchführung Stollen.............................................................................93
3.7.6   Ergebnisse Stollen ..................................................................................94


                                                                                                                     9
3.8      Bewehrungssuchgerät.............................................................................96
3.8.1    Durchführung .........................................................................................97
3.8.2    Ergebnisse ..............................................................................................97

4        Geräte ....................................................................................................99
4.1      Fahrzeugkrane ........................................................................................99
4.1.1    Mobilkrane ...........................................................................................100
4.1.2    Autokrane.............................................................................................101
4.1.3    Geländekrane........................................................................................101
4.1.4    Raupenkrane.........................................................................................101
4.2      LKW - Ladekrane ................................................................................101
4.2.1    Anschluss der Anbaugeräte des THW-Bergungsräumgerätes ..............102
4.3      Teleskoplader........................................................................................103
4.4      Radlader -Bergungsräumgerät des THW .............................................105
4.5      Hydraulikbagger...................................................................................106
4.6      Baggeranbaugeräte und Zubehör .........................................................108
4.6.1    Betonfräse ............................................................................................108
4.6.2    Abbruchzange und Hydraulikscheren..................................................109
4.6.3    Greifer ..................................................................................................110
4.6.4    Neu zu entwickelnde Anbaugeräte für den Rettungseinsatz ................111
4.6.5    Grabenverbausysteme ..........................................................................112
4.7      Spezialbagger .......................................................................................113
4.7.1    Eignung für den Bergungseinsatz ........................................................113
4.7.2    Kaiser Schreit-Mobil-Bagger ...............................................................114
4.8      Vergleich Bergungsräumgerät, Spezialbagger und Teleskoplader .......115
4.9      Saugbagger...........................................................................................120
4.10     Arbeitsbühnen ......................................................................................122
4.11     Handgeführte Kernbohrgeräte..............................................................124
4.12     Hydraulisches Spaltgerät......................................................................125
4.13     Bolzenschubwerkzeuge........................................................................126
4.14     Säbelsägen............................................................................................126
4.15     Sauerstoffkernlanze..............................................................................127
4.16     Abrasivwasserstrahlschneiden .............................................................127
4.17     Hydraulische Rettungsgeräte ...............................................................129
4.18     Rettungstunnel......................................................................................131
4.18.1   Beschreibung des Prototypen...............................................................132
4.18.2   Ermittlung der Materialkennwerte des kevlarverstärkten Gummis .....133
4.19     Rettungsschachtsystem ........................................................................135
4.20     Förderbänder ........................................................................................136
4.21     Holzbearbeitung ...................................................................................136
4.21.1   Akkuschrauber .....................................................................................136
4.21.2   Druckluftnagler ....................................................................................137
4.21.3   Sägeböcke ............................................................................................137
4.21.4   Kettensäge ............................................................................................137
4.22     Belüftungsgeräte bei Explosionsgefahr ...............................................138
4.23     Zubehör ................................................................................................138
4.23.1   Diamanttrennscheibe............................................................................138


10
4.23.2 Schwenkanker zum Anschlagen von Trümmerteilen ...........................138
4.23.3 Endoskope ............................................................................................139
4.24   Horizontales Vordringen, Persönliche Schutzausstattung ....................139

5          Verfahren.............................................................................................142
5.1        5-Phasentaktik ......................................................................................143
5.2        Schadenselemente ................................................................................145
5.2.1      Halber Raum / Rutschfläche ................................................................145
5.2.2      Schichtung............................................................................................146
5.2.3      Ausgefüllter Raum ...............................................................................152
5.2.4      Horizontale Schichtung........................................................................152
5.2.5      Versperrter Raum .................................................................................155
5.2.6      Angeschlagener Raum .........................................................................157
5.2.7      Trümmerkegel, Randtrümmer. .............................................................157
5.2.8      Gebäudeumsturz...................................................................................158
5.2.9      Schäden in großer Höhe.......................................................................159
5.3        Maßnahmen beim Retten Verschütteter ...............................................160
5.3.1      Wanddurchbruch ..................................................................................160
5.3.2      Arbeiten mit einem Kernbohrgerät ......................................................164
5.3.3      Erstellen von Durchbrüchen mit Diamantsägen ..................................167
5.3.4      Erstellen von Stollen und Schacht........................................................169
5.4        Einsatz von Kranen ..............................................................................171
5.4.1      Kranauswahl.........................................................................................171
5.4.2      Das Anschlagen....................................................................................173
5.4.3      Anheben von Trümmerteilen................................................................174
5.4.4      Anschlagmittel, Gehänge .....................................................................175
5.4.5      Schutt-Transport...................................................................................177
5.4.6      Schnellabstützung ................................................................................177
5.5        Abstützungen........................................................................................177
5.6        Abbruch von Spannbeton.....................................................................178
5.7        Sicherungsmaßnahmen ........................................................................181
5.7.1      Schutznetze ..........................................................................................181
5.7.2      Schutzdächer ........................................................................................182
5.7.3      Regenschutz .........................................................................................182
5.8        Anmieten von Geräten und Bedienpersonal ........................................182
5.9        Beobachter Reststabilität......................................................................183

6          Resttragfähigkeit ................................................................................185
6.1        Gliederung Resttragfähigkeit ...............................................................185
6.2        Vorgehensweise ....................................................................................187
6.3        Geschädigte Gebäude...........................................................................188
6.4        Horizontale Schichtung........................................................................189
6.5        Gebäudeumsturz...................................................................................190
6.6        Trümmerkegel ......................................................................................191




                                                                                                                11
7     Zusammenfassung und Ausblick.......................................................193

8     Abbildungsverzeichnis .......................................................................196

9     Tabellenverzeichnis ............................................................................201

10    Literaturverzeichnis...........................................................................203


Anhänge:

A     Gefahren durch beschädigte Ver- und Entsorgungsleitungen ........211

B     Abstützungen ......................................................................................216




12
1      Einleitung


Seit die menschlichen Behausungen aufwendiger als Zelte und Laubhütten gewor-
den sind, können bei ihrem Einsturz Menschen verschüttet werden, sodass ihre
Befreiung nur mit fremder Hilfe möglich ist. Für Rettungspersonal ergeben sich
während des Rettungseinsatzes sehr schwierige und zeitaufwendige Aufgaben,
denn Verschüttete und auch Retter sind während der Arbeiten erheblichen Gefah-
ren durch sich bewegende Trümmerteile ausgesetzt. Gebäudeeinstürze können
durch natürliche oder anthropogene Ereignisse hervorgerufen werden. Als natürli-
che Ursachen stehen weltweit die Anzahl der Stürme und Überschwemmungen an
der Spitze der Katastrophen, gefolgt von Erdbeben [sigma, 1996], wobei die häu-
figsten Gebäudeschäden mit den größten Verlusten durch Erdbeben verursacht
werden. Die Häufigkeit sowohl natürlicher als auch Man-made-Katastrophen
nimmt zu [sigma, 1995]. Das hängt zum einen damit zusammen, dass von Natur-
ereignissen gefährdete Gebiete besiedelt bzw. dichter besiedelt werden, zum ande-
ren ermöglicht die zunehmende technische Entwicklung erst Störungen. Durch die
fortschreitende Wertekonzentration nehmen solche Störungen leicht große oder
sogar katastrophale Ausmaße an [Gehbauer, 1995].

Als natürliche Auslöser sind in der Bundesrepublik Deutschland Stürme, wie der
Tornado 1968 in Pforzheim, und Überschwemmungen, wie das Weihnachtshoch-
wasser an Rhein und Mosel 1993 und das Hochwasser der Oos 1998, zu verzeich-
nen. Bei den von Menschen ausgelösten Schadensereignissen sind technische
Störfälle, Terroranschläge und der Verteidigungsfall zu nennen. Die meisten
Gebäudeeinstürze der letzten 50 Jahre in Deutschland wurden durch Gasexplosio-
nen verursacht. Flugzeugabstürze wie in Amsterdam 1992 oder Bombenanschläge
wie in Oklahoma City 1996 sind in Deutschland durchaus möglich.

Die aktuellen Ereignisse in Jugoslawien und in der jüngeren Vergangenheit im Irak
zeigen die Taktik der „Nadelstiche“, die Kriegsschäden werden durch Einzelschä-
den bestimmt. Flächenbombardements sind kaum noch zu erwarten. Die Schäden
in einem Verteidigungsfall sind mit denen in Friedenszeiten vergleichbar.
„‚Moderne‘ Katastrophen und ‚moderne‘ Kriege gleichen sich von der Wirkung her
(nicht von den Intentionen) wie ein Ei dem anderen“ [Dombrowsky, 1992].

Es zeigt sich, dass bei Gebäuden in Abhängigkeit der Bauweisen und Schadensur-
sachen immer wieder gleichartige Zerstörungsformen auftreten. Durch eine Syste-
matik der Schäden können die Erfahrungen vorangegangener Rettungseinsätze
genutzt werden, indem diese gleichartigen Schadensbilder, die sich aus Schadens-
elementen zusammensetzen, unabhängig von den auslösenden Faktoren miteinan-
der verglichen werden. Diese Vorgehensweise wurde bereits von Maack [Maack,
1942] beschrieben. Aufbauend auf die Schadenselementesystematik können welt-
weit alle detaillierten Dokumentationen von Bergungen aus zerstörten Gebäuden
zur Auswertung herangezogen werden.



                                                                              13
Die Maack’sche Schadenselementesystematik dient immer noch international den
meisten Handbüchern und Ausbildungsunterlagen als Vorbild, jedoch beruht sie
auf den Schadensformen von Mauerwerksgebäuden mit Holzdecken. In der
Zwischenzeit sind jedoch Stahlbetonbauweisen immer häufiger anzutreffen und
auch im Mauerwerksbau werden häufig Stahlbetondecken verwendet, so ergeben
sich einerseits neue Schadensformen, andererseits bedürfen aber auch bekannte
Schadensformen durch die Eigenschaften der hinzugekommenen Baustoffe ande-
rer Vorgehensweisen und Geräte für die Rettung. Durch die Weiterentwicklung der
Technik werden neuartige Anwendungen im Rettungseinsatz möglich. Deshalb ist
es notwendig, diese Systematik der Gebäudeschäden, die im Hinblick auf Ret-
tungsarbeiten entwickelt wurde, fortzuschreiben und Aussagen über geeignete
Verfahren und Geräte zu machen.

Für die Wahl der Maßnahmen bei der Rettung Verschütteter aus zerstörten Gebäu-
den ist es von großer Bedeutung, welche Ressourcen an Personal und Gerät für
einen Schadensfall zur Verfügung stehen. Erst bei einer gleichzeitigen Bearbeitung
von mehreren Schadensfällen durch eine begrenzte Anzahl von Rettungskräften
müssen die vorhandenen Ressourcen so zugeteilt werden, dass ein Maximum an
Personen gerettet werden kann [vgl. Rickers, 1998]. Im Fall ausreichender
Ressourcen ist es das Ziel, alle Verschütteten zu retten bzw. zu bergen. Diese Unter-
scheidung ist bei „modernen“ Kriegen genauso zu treffen wie bei „modernen“ Kata-
strophen. Die Gefährdung der Rettungskräfte ist dabei immer zu minimieren. Somit
kann der Zivilschutz für seine vier Arbeitsbereiche: Verteidigungsfall, technische
Risiken, Naturkatastrophen und gesellschaftliche Instabilität [Pfenninger, Birk-
holz, 1993] bei gleichen Schadensformen die gleichen Methoden anwenden.

Dieses im Juli 1999 abgeschlossene Forschungsvorhaben zur Schaffung zeitgemä-
ßer Grundlagen für den Bergungsdienst war nicht nur vom oben genannten Fort-
schritt in Technik und Bauwesen gefordert, sondern auch durch das Neukonzept
des Technischen Hilfswerkes (THW), dem ausführenden Organ des Zivilschutzes,
erforderlich. Die Neustrukturierung des THW richtet sich nach den drei gleich-
wertigen gesetzlichen Aufgaben des THW: Technische Hilfe im Zivilschutz, tech-
nische Hilfe bei der Gefahrenabwehr auf Anforderung der zuständigen Stellen und
Technische Hilfe im Ausland im Auftrag der Bundesregierung. Um zu einem
umfassenden und autarken Instrument des Bundes zu werden, benötigt das THW
eine zukunftsorientierte und aufgabengerechte Ausstattung der THW-Einheiten
[THW Sonderheft, April 1995, Seite 4].

Nach den Definitionen in der Literatur versteht man unter Retten das Abwenden
einer Lebensgefahr von Mensch und Tier. Dies geschieht zum einen durch lebens-
rettende Sofortmaßnahmen, die sich auf die Erhaltung bzw. Wiederherstellung von
Atmung, Kreislauf und Herztätigkeit richten, zum anderen durch Befreiung aus
einer lebensbedrohenden Zwangslage durch technische Rettungsmaßnahmen.
Unter Bergen wird das Einbringen von Leichen, Kadavern oder gefährdeten Sach-
werten verstanden [DIN 14011]. Dahingegen wird im Katastrophenschutzgesetz
und in dem Genfer Abkommen vom 12.08.1949 unter Bergen auch das Befreien
von Menschen und Tieren aus einer Gefahrenlage im Sinne von „Retten“ verstan-


14
den, jedoch wird diese Definition im vorliegenden Bericht nicht verwendet. Als
schwere Rettung/Bergung werden diejenigen Maßnahmen definiert, die eines
erheblichen Aufwandes an Zeit oder Technik bedürfen und im Allgemeinen mit
der Bewegung schwerer Trümmerteile oder großer Trümmermengen einhergehen.
Der Begriff entspricht dem englischen „heavy rescue“.

Der vorliegende Bericht befasst sich mit technischen Rettungs- und Bergungs-
maßnahmen nach Gebäudeschäden und hat zum Ziel, Ansatzpunkte für eine Ver-
besserung der Sicherheit von Helfern und Opfern nach Gebäudezusammenbrü-
chen und des Erfolges von Rettungsmaßnahmen zu liefern. Die Behandlung der
Thematik in der KatS-LA 261 [KatS-LA 261, 1986] und in Feydt [Feydt, 1971]
wird durch diesen Bericht ergänzt. Die Ortung Verschütteter ist nicht Thema die-
ser Arbeit und wird nur gestreift. Jedoch zeigt die Praxis, dass effektive Ortung die
Voraussetzung für Rettungsarbeiten mit großer Leistung und geringer Gefährdung
Verschütteter ist.


1.1     Beschreibung der Teilziele
Folgende Ziele des Forschungsprojektes „Methoden der Bergung Verschütteter
aus zerstörten Gebäuden“ wurden gesetzt:

1. Bildung einfacher Kriterien zur Ermittlung der Reststabilität von Gebäuden.

2. Entwicklung von Verfahren zum optimalen Einsatz der Geräte des THW.

3. Analyse, welche Großgeräte, die requiriert werden können, geeignet sind.




Abbildung 1.1: Gliederung des Forschungsvorhabens



                                                                                  15
Zu Beginn musste zum Erreichen dieser Ziele der aktuelle Stand bezüglich der
Rettungsgeräte und der Verfahren bei der Rettung und Bergung aus zerstörten
Gebäuden ermittelt werden. Dazu wurden die vorhandene Literatur und die Doku-
mentationen von Schadensereignissen und Rettungsmaßnahmen ausgewertet. Da
nur wenige detaillierte Informationen über die technische Durchführung von Ret-
tungs-/Bergungsmaßnahmen zur Verfügung standen, wurde eine internationale
Umfrage zur Beschaffung der relevanten Informationen eingeleitet.

Aufgrund des Bedarfs an detaillierteren Untersuchungen wurden auf dem insti-
tutseigenen Versuchsgelände modellhafte Schadenssituationen aufgebaut. An den
vier Versuchsaufbauten wurden Versuche durchgeführt, um Verfahren und Geräte
zu erproben und zu optimieren. Dabei wurden sowohl Verfahren und Geräte vom
THW und von der Schnellen Einsatzeinheit Bergung Ausland (SEEBA) benutzt
als auch solche, die bis jetzt dort keine Verwendung finden.

Aufbauend auf die Auswertung der Gebäudeschäden wurden Hilfsmittel zur
schnellen und einfachen Abschätzung der Resttragfähigkeit von geschädigten
Gebäuden und Trümmerstrukturen entwickelt.




16
2      Dokumentation von Gebäudeeinstürzen


Gebäudeeinstürze, die Rettungs- und Bergungseinsätze erfordern, treten sowohl in
der Bundesrepublik Deutschland als auch weltweit so unregelmäßig auf, dass die
einzelnen Einsatzkräfte keine ausreichende Erfahrung aus eigener Anschauung
sammeln können. Deshalb müssen zur Erweiterung des Wissens Berichte aus dem
In- und Ausland herangezogen werden. Diese Berichte über Rettungseinsätze
informieren jedoch zu selten über die Details der technischen Durchführung der
Einsätze, um daraus Lehren bezüglich Geräteausstattung und Arbeitsmethoden
ziehen zu können. Von besonderem Interesse ist der Zusammenhang zwischen
Bauweisen und Zerstörungsformen sowie zwischen Zerstörungsformen und Ret-
tungsverfahren bzw. Rettungsgeräten. Denn nur vor dem Hintergrund dieser
Zusammenhänge ist eine bedarfsgerechte Bestimmung des Vorgehens am Einsatz-
ort sowie eine gezielte Entwicklung und Auswahl von Rettungsverfahren und
Geräten zu verwirklichen.

Da umfassende Aufzeichnungen für die Retter bei Einsätzen eine zusätzliche
Belastung darstellen und auch detaillierte Beschreibungen aufgrund fehlender
Informationen mit anderen Schadensereignissen schwer vergleichbar sind, wurde
ein Fragebogen entwickelt und weltweit an Rettungs- und Bergungskräfte ver-
sandt. Der Fragebogen hat den Vorteil, dass er schneller bearbeitet werden kann
und dass die für die Auswertung relevanten Details erfragt werden. Folgende Zie-
le hatte der Fragebogen:

• Ermittlung des Versagensverhaltens und der Versagensformen von Gebäuden
  neuer Bauweise,

• Ermittlung der Geräte und Verfahren, die sich bei diesen Schäden bewährt
  haben,

• Ermittlung von neuartigen Geräten und Verfahren für „konventionelle“ Schäden,

• Ermittlung der Gefahren bei Rettungs-/Bergungseinsätzen.

Zusätzlich wurden diese Informationen zur Erstellung von Schadensszenarien
genutzt. Anhand dieser lassen sich wahrscheinliche Ereignisse üben, speziell dafür
geeignete Geräte bestimmen und Verfahren entwickeln.

Auf die Vielzahl von Einzelaussagen über die Eignung von Geräten, deren Ver-
wendung sowie über erfolgreiche Verfahren, die sich aus Interviews, Einsatzbe-
richten und den Fragebögen ergab, soll hier nicht eingegangen werden. Diese Hin-
weise wurden in Abschnitt 4 Geräte und Abschnitt 5 Verfahren verwertet sowie
beim Aufbau und der Durchführung der Versuche in Abschnitt 3 berücksichtigt.




                                                                               17
2.1    Schadensberichte
Die häufigsten Gebäudeschäden mit den meisten Opfern wurden in der letzten
Zeit durch Erdbeben verursacht. Das Erdbeben von Kobe 1995 mit mindestens
6.000 Toten, das Erdbeben in Mexico City 1985 mit etwa 10.000 Toten, das Erd-
beben in Tang-shan 1976 mit ca. 665.000 Toten sind nur wenige Ereignisse, die
das Ausmaß der Katastrophen zeigen. Die meisten Menschen haben dabei in oder
durch einstürzende Gebäude ihr Leben verloren. Derartig große Erdbeben sind in
Mitteleuropa kaum zu erwarten. Da sich vergleichbare Schadensformen durch
unterschiedliche Schadensursachen ergeben, wird die große Anzahl der durch Erd-
beben geschädigten Gebäude herangezogen, um Aussagen über die Schadensfor-
men machen zu können, die in Mitteleuropa durch die hier auftretenden Scha-
densursachen zu erwarten sind. Dabei sind jedoch die Versagensmechanismen zu
berücksichtigen, die bei Erdbeben andersartig als bei vielen anderen Schadensur-
sachen sind.

Als Schadensauslöser in Mitteleuropa sind zu erwarten:

• Bombeneinwirkung von innerhalb oder außerhalb des Gebäudes

• Sturm

• Erdbeben

• Gasexplosion, Staubexplosion

• Hangrutschung

• Mechanische Einwirkung durch Fahrzeug- oder Flugzeugunfälle

• Überlastung des Bauwerks durch mangelhafte Bauausführung oder zu hohe Ver-
  kehrslasten

• Überschwemmung, Freispülen des Fundaments, Eindrücken von Wänden

• Versagen nach Brandeinwirkung

Bei Erdbeben sind die Horizontalkräfte, die auf die gesamte Struktur einwirken,
im Wesentlichen schadensauslösend. Bei Explosionen, Sturm, Hangrutschung und
Überschwemmung spielen Horizontalkräfte ebenfalls eine grosse Rolle. Ein Bei-
spiel für solch erdbebenähnliche Schadensursachen und damit auch Schadensfor-
men zeigt der Auszug aus einem Schadensbericht einer Hangrutschung in Thred-
bo, Australien.

„In einem Skigebiet in New South Wales im Südwesten Australiens lösten sich
Ende Juli 1997 ca. 4000 t Geröll von einem Hang infolge starken Regens und
prallten auf 2 Skihotels. Dabei gab es 17 Tote, ein Mann wurde Tage später unter


18
Deckenplatten noch lebend gerettet. Der Erdrutsch schob das Gebäude 1 auf das
Gebäude 2, führte zu einer horizontalen Schichtung mit einer großen Anzahl von
Trümmern vor dem Gebäude 3, nur einige Fundamente/Stützwände blieben übrig.
Wegen der Horizontalkräfte des Erdrutsches gab es durch das Umkippen und Weg-
rutschen der Stahlbetonplatten kaum Öffnungen in den Decken, nur Risse. Dies
machte es schwierig, zu den Opfern zu gelangen, jede Decke musste extra durch-
brochen werden. Die meisten Opfer befanden sich zwischen horizontal geschich-
teten Decken(teilen). Am Hang waren teilweise noch Hohlräume vorhanden. Meh-
rere Betonplatten mussten wegen der Abrutschgefahr stabilisiert werden“ [Zieger,
1998].

Es war also ein Gebäude mit Stahlbetondecken betroffen, das in einer horizontalen
Schichtung versagte. Diese Art der Einstürze wird häufig bei Erdbeben beobach-
tet, doch sind hier selten detaillierte Angaben über die Rettungseinsätze zu finden,
da meist mit wenig Personal unter großem Zeitdruck gearbeitet wurde [Agbadi-
an/Borcherdt/Filson, 1989, Aiken/De Angelis/Bertero, 1990, Cole/Philipps, 1991,
Comartin/Greene/ Tubessing, 1995, Horne, 1998]. Genauere Angaben über die Ein-
sätze der Schweizer Rettungskette in Ägion, Griechenland, und El Salvador fin-
den sich zum Beispiel in [Eidg. Department, 1995, KLK-EMD, 1986].

Als Beispiel eines detaillierten Einsatzberichtes sei der Artikel von Heinz W. Mül-
ler in Zivilschutz [Müller, 1986] genannt, in dem der Einsatz von Luftschutzsol-
daten der Schweizer Rettungskette SRK nach dem Erdbeben in Mexico City 1986
beschrieben wird. Hier werden vorbildlich Einzelmaßnahmen mit Zeitbedarf und
verwendetem Gerät beschrieben. Die Erfahrungen werden zusammengefasst und
Schlüsse für die Ausbildung und Ausstattung der Rettungseinheiten gezogen.
Jedoch kann der Zusammenhang von Bauweise, Zerstörungsgrad und Zerstö-
rungsform nicht hergestellt werden, da diese nicht beschrieben werden. „Diesen
Augenblick werde ich bestimmt nie wieder vergessen“, meinte Högger, „ein
zwölfstöckiges Hochhaus von ursprünglich etwa 40 m Höhe war noch knapp 10 m
hoch. Ich stand vor einem immensen Trümmerhaufen und wusste vorerst einmal
nicht, was ich tun sollte. Denn dort, wo die Katastrophenhunde angezeigt hatten,
waren die Trümmerteile sehr labil und überhängend“ [Müller, 1986]. In diesem
Beispiel wird zwar die Situation eindrucksvoll dargestellt, die ursprüngliche Bau-
weise, die Baustoffe und die Beschreibung der Trümmerstruktur fehlen jedoch.

Bei Einzelschäden in Europa sind mehr Informationen aufgezeichnet worden, die
Auswertungen werden zum Teil veröffentlicht, wie z.B. über den Einsatz nach dem
Einsturz des „Roten Turms“ in Jena [Stadt Jena, 1995], bei dem Kräne zum Anhe-
ben schwerer Betondecken verwendet wurden oder über Einsätze nach Gasexplo-
sionen [Thielen, Köhler, Cimolino, 1995] und [Dörmann, 1997] und nach Erdbe-
ben [Amman, 1982].




                                                                                 19
2.2    Fragebogen
Die Auswertung der publizierten Schadens- und Erfahrungsberichte (Abschnitt
2.1) ergab in vielen Fällen keine ausreichend detaillierten Informationen über die
technische Durchführung der Rettungs-/Bergungseinsätze. Waren technische
Details angegeben, fehlten wiederum Informationen über die Bauweise des zer-
störten Gebäudes und über die Trümmerstrukturen. Für verlässliche Aussagen
über die Einsätze mussten die Informationen systematisiert und damit vergleich-
bar gemacht werden.

Deshalb wurde ein Fragebogen zusammengestellt, der die folgenden zwei Aufga-
benbereiche abdecken sollte.

1. Systematische Erfassung vorliegender Schadensberichte

2. Aufnahme neuer Schadensereignisse

Ziel dabei war es, die technische Durchführung von Rettungs- und Bergungsein-
sätzen in vergleichbarer Form zusammenzufassen und eine gezielte Beschaffung
von Informationen zu ermöglichen. Dazu wurden Angaben über den Gebäude-
schaden abgefragt (Abbildung 2.1), Informationen über eingesetztes Personal und
Gerät sowie die angewandten Verfahren. Einzelne Arbeiten, deren Zeit- und Per-
sonalbedarf sowie die damit gemachten Erfahrungen wurden ebenso erfragt.
Zusätzlich sollten Einsatzberichte und Berichte aus der Presse beigefügt werden,
um weitere Informationen zu erfassen.

Die organisatorischen und technischen Aspekte wurden wie folgt abgefragt:

• Ort und Zeitpunkt des Schadensereignisses

• Angaben über die Rettungseinheit, Aufgaben bei dem vorliegenden Einsatz,
  Einsatzzeitraum und Personalstärke der Einheit, die den Fragebogen beantwortet

• Angaben über Einsatzleiter und andere Organisationen, die am Einsatz beteiligt
  waren

• Klimatische Randbedingungen

• Informationsquellen während des Einsatzes

• Verwendete Ortungsmethoden

• Verwendete Geräte (befragte Einheit und gesamt am Einsatzort)

• Anzahl geretteter und geborgener Personen




20
• Detaillierte Beschreibung von Einzelmaßnahmen (Personalbedarf, Zeit)

• Psychologische Betreuung

• Bewertungen und Schlussfolgerungen




Abbildung 2.1: Abgefragte Informationen zur Klassifizierung des Gebäudeschadens

Es konnten bis zum Abschluss des Berichtes im Juli 1999 135 Einzelereignisse
bearbeitet werden. Die Erfassung der Fragebogendaten erfolgt mit Hilfe des
Microsoft Programms Excel, die Auswertung mit Hilfe von Makros, die eine leicht
zu bedienende Benutzeroberfläche aufweisen, damit ein möglichst großer Nutzer-
kreis angesprochen wird. Bei der Programmierung wurde Wert darauf gelegt, dass
weitere Daten eingegeben werden können und auch die Auswertungsmöglichkei-
ten ohne großen Aufwand zu ergänzen sind. Das Programm zusammen mit der
Dokumentation und den Daten werden weiter gepflegt.



                                                                                  21
Abbildung 2.2: Verteilung der statistisch ausgewerteten Ereignisse

Die in Abbildung 2.2 dargestellte Verteilung der erfassten Ereignisse zeigt, dass
Gasexplosionen und Erdbeben einen großen Stellenwert einnehmen. In Tabelle 2.1
und Tabelle 2.2 sind die Schadensbilder und Vorgehensweisen in Abhängigkeit
von den Bauweisen dargestellt. Die Anzahl der erfassten Ereignisse muss weiter
ausgebaut werden, besonders bei Fertigteil- und Stahlskelettbauweisen können
durch die geringe Anzahl der bis jetzt erfassten Ereignisse noch keine gesicherten
Aussagen getroffen werden, jedoch lassen sich bei den übrigen Bauweisen deutli-
che Tendenzen erkennen.




Tabelle 2.1: Verteilung der Schadensbilder in Abhängigkeit von der Bauweise

Die meisten ausgewerteten Einstürze betreffen Mauerwerksgebäude mit System-
decken, wobei hierzu auch Gebäude mit Holzdecken hinzugerechnet werden. Die-
se meist älteren Bauwerke wurden zu 92% durch Gasexplosionen zerstört, wobei
die Berichte aus Italien, Frankreich, Großbritannien und zum größten Teil aus


22
     Tabelle 2.2: Ergebnisse der Fragebogenauswertung, Übersicht




23
Deutschland vorliegen. Die sich ergebenden Schadensbilder waren zum größten
Teil durch Randtrümmer und Trümmerkegel gekennzeichnet (Tabelle 2.1). Diese
Situation ist die Standardsituation, die seit dem 2. Weltkrieg häufig beschrieben
wurde. Hier wurden Probleme mit den Holzdecken als Hauptschwierigkeit bei den
Bergungsarbeiten genannt, doch an zweiter Stelle stand der Umgang mit schweren
und zusammenhängenden Teilen. Bei den untersuchten Gebäuden mit Stahlbeton-
decken bereiteten die Stahlbetondecken die meisten Probleme, gefolgt von großen
und zusammenhängenden Trümmerteilen. Für den Umgang mit diesen Bauteilen
waren Krane meist unentbehrlich. Für das Zerlegen und Anheben wurden leis-
tungsfähige Geräte benötigt, manuelle Verfahren genügten nicht mehr. Der Anteil
der Gebäude mit Stahlbetondecken nimmt ständig zu, wie auch aus dem Rücklauf
der Fragebogen zu erkennen war. Gerade für Stahlbetondecken bedarf es des Ein-
satzes leistungsfähiger Geräte, die unter Bedingungen, wie sie nach Einstürzen
vorzufinden sind, zu erproben sind, um Aussagen über deren Eignung und die
geeigneten Verfahren für diese Situationen zu ermöglichen.

Häufig traten Schwierigkeiten auf, weil in großer Höhe gearbeitet werden musste,
sodass z.B. in Amsterdam 1992 nach dem Absturz einer Boeing 747 Hubschrauber
eingesetzt wurden, doch wurden durch Lärm und Staub die Bergungsarbeiten
beeinträchtigt.

Bei dem Vordringen innerhalb eingestürzter Gebäude waren Bestandteile der
Haustechnik wie Lüftungskanäle aus Stahl- und Aluminiumblech oder Heizkörper
meist schwer zu bearbeitende Hindernisse, ebenso aber auch Matratzen, Kühl-
schränke und ähnliche Einrichtungsgegenstände, die aus vielen unterschiedlichen
Materialien bestehen. Probleme wurden in Schichtungen mit schweren und sperri-
gen Werkzeugen und Geräten verzeichnet.

Auf diese Punkte wird in den folgenden Abschnitten eingegangen. Häufige Pro-
bleme, die nicht Gegenstand dieses Berichtes sind, war die Zusammenarbeit unter-
schiedlicher Rettungseinheiten untereinander. Häufig ergaben sich Probleme, weil
Informationen nicht weitergegeben wurden, weil Verantwortungsbereiche und ver-
antwortliche Personen nicht klar definiert oder nicht überall bekannt oder erkenn-
bar waren. Die professionelle psychologische Betreuung der Helfer wurde von den
meisten als dringend notwendig erkannt, besonders auch die Nachbetreuung. Hier
werden bereits viele Programme durchgeführt, die gerne angenommen werden.
Die psychologische Betreuung muss jedoch flächendeckend zur Verfügung stehen
und automatisch bei größeren Ereignissen anlaufen.




24
2.3    Trümmerstrukturen
Die Kenntnis der Trümmerstrukturen, die sich bei den heute gebräuchlichen Bau-
weisen beim Versagen einstellen, ist für alle weiteren Überlegungen, die für die
Rettung Verschütteter notwendig sind, von grundlegender Bedeutung. Umfangrei-
ches Bildmaterial der Beschädigungen und Zertrümmerungen von Gebäuden nach
unterschiedlichen Schadensereignissen wurde für dieses Forschungsvorhaben
bearbeitet. Dazu wurde, um einige zu nennen, Archivmaterial vom THW, Fotogra-
fien von THW- und IMB-Mitarbeitern bei Einsätzen, Material aus Archiven und
Veröffentlichungen der Münchener Rückversicherung, Veröffentlichungen der
Schweizer Rückversicherung, Material aus dem Karlsruher Stadtarchiv, Veröffent-
lichung des Innenministeriums Baden-Württemberg und Bilder aus der Tagespresse
verwendet.

Ob ein Gebäude bei zu großen Belastungen nur Schäden erleidet oder ob es
zusammenbricht, hängt von der Standfestigkeit und Stabilität des Bauwerkes und
von der Intensität der Schadenseinwirkung ab. Das Schadensausmaß ist ebenso
davon abhängig, welche Bauteile unmittelbar betroffen sind und ob durch diese
Schädigung eventuell eine Kettenreaktion ausgelöst wird. Die Überlegung, wie
eine Schädigung das Gebäude zum Einsturz gebracht hat, ist äußerst wichtig, um
Verschüttete aufzufinden. Die eigentliche Struktur der Trümmer, die Zusammen-
setzung aus großen oder kleinen, aus zusammenhängenden oder losen Teilen,
hängt hauptsächlich von der Bauweise und dem Baumaterial selbst ab. Bei geschä-
digten älteren Gebäuden mit Mauerwerkswänden und Holzdecken finden sich die
schon von Maack 1942 erkannten Strukturen (siehe Abbildungen 2.3 2 und 2.16).
Obwohl die Anfänge des Stahlbetonbaus in Deutschland, der damals noch Eisen-
betonbau genannt wurde, in die achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts fiel, wurde
diese Bauweise zunächst hauptsächlich für Ingenieur- und Repräsentationsbauten
eingesetzt. Bei seinen Betrachtungen hat Maack (Maack, 1942) die Beton- und
Skelettbauweise deshalb bewusst weggelassen. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts
wurde Stahlbeton im Wohn- und Verwaltungsbau verstärkt eingesetzt. Bei diesen
Gebäuden neueren Datums, bei denen die Decken und auch Wände aus Stahlbeton
sind oder die tragende Struktur ein Stahlbetonskelett ist, sehen die Zertrümmerun-
gen völlig anders aus.

Bauteile aus Mauerwerk und Bauteile aus Stahlbeton haben unterschiedliche
Eigenschaften. Mauerwerk und Mauersteine reagieren auf Belastung steif, sie ver-
sagen spröde, d.h. plötzlich. Stahlbeton dagegen kann elastisch reagieren, beim
Versagen ist es duktil, es zeigt durch Verformungen den Bruch an. Diese Eigen-
schaften bleiben auch bei den Trümmern dieser Bauteile teilweise erhalten. Die
noch zusammenhängenden und auch die Einzelteile des Mauerwerks werden steif
und spröde reagieren, erhaltene Stahlbetonteile dagegen noch elastisch und duktil.

Im folgenden werden die Auswirkungen, die ein Bauteilausfall auf die heute wich-
tigsten Bauweisen hat und die für die Bauweisen charakteristischen Trümmer-
strukturen betrachtet.



                                                                               25
2.3.1   Mauerwerksbau, Tafelbau




                                               2


1




3                                              4




5                                              6

Abbildung 2.3: Beispiele für Trümmerstrukturen an Mauerwerks- und Beton- bzw. Tafelbau-
               ten: 1) Rutschfläche in Schwäbisch Gmünd, Gasexplosion 1966 [Hilberath,
               1996], 2) Trümmerkegel in Berlin, Gasexplosion 1998 [Internet-Seite der
               Berufsfeuerwehr Berlin, 1998], 3) Hausumsturz in Mexiko, Erdbeben 1985
               [Münchener Rück, Seite 48, 1986], 4) Zerstörte Fertigdecken in Leninakan,
               Armenien, Erdbeben 1988 [Hilberath, 1996], 5) Zerstörungen an einem Stahl-
               betongebäude in Griechenland, Erdbeben 1981 [Münchener Rück, 1996], 6)
               Teilzerstörtes Gebäude in Tafelbauweise in Saudi-Arabien, Sturm, [Münchener
               Rück, 1996]
26
1                                               2




3

                                                4




5                                     6

Abbildung 2.4: Beispiele für Trümmerstrukturen an Mauerwerksbauten: 1) Horizontale
               Schichtung im Erdgeschoss, 2) Geneigte Schichtung, 3) Trümmerkegel mit
               horizontaler Schichtung, 4) geneigte Schichtung, 5) Trümmerkegel, 6) Schich-
               tung mit Auflager aus Hausrat, alle Beispiele in Dinar, Türkei, Erdbeben 1995
               [Gerhold, 1999]


                                                                                          27
Im Wohnungsbau und auch bei Verwaltungsgebäuden ist der Mauerwerksbau eine
gebräuchliche Bauweise. Dabei sind die vertikalen Tragstrukturen überwiegend
gemauerte Wände, die Decken und Treppenläufe werden heute aus Stahlbeton her-
gestellt. Betonwände werden aus Gründen der Dichtigkeit für die unterirdischen
Geschosse oder an hochbelasteten Stellen im Gebäude verwendet. Nichttragende
Wände können auch aus Holzwerkstoffen oder Gips sein. Stützen aus Stahlbeton
oder Holz und Pfeiler aus Mauerwerk finden Verwendung. Unterzüge und Stürze
werden aus Stahlbeton, bewehrtem Mauerwerk oder Holz ausgeführt. Die Decke
und Treppenläufe können vollständig vor Ort hergestellt sein. Es finden auch
Betonfertigteile oder vorgefertigte Teile, die an der Einbaustelle mit Bewehrung
und Beton ergänzt werden, Verwendung. Bei sachgerechtem Einbau der vorgefer-
tigten Deckenbauteile entspricht die fertige Decke in ihrer Wirkungsweise einer
Ortbetondecke. Außer der vertikalen Plattenbelastung aus Eigengewicht, Nutzlast
und der Belastung durch Zwischenwände erträgt die Decke als Scheibe zusätzlich
die horizontalen Belastungen, die zur Gebäudeaussteifung nötig sind.

Beim Tafelbau sind sowohl die Wände als auch die Decken aus Beton. Die Wände
werden aus Stahlbeton, Leichtbeton oder in Sandwich-Bauweise vorgefertigt. Die
Innenwände sind aus einem Fertigteil, die Außenwände können größer sein und
über mehrere Geschosse oder mehrere Räume in einem Geschoss durchlaufen.
Die Decken können raumgroße Fertigteile sein oder sie werden aus Streifen von
der Breite des Raumes zusammengesetzt. Sie können auch nur teilweise vorgefer-
tigt und mit Aufbeton versehen werden. Die zusammengesetzten Decken müssen
als Scheiben ausgebildet werden. Eine raumgroße Decke wirkt immer als Scheibe.

Werden jetzt horizontale und/oder vertikale Belastungen größer, als das Bauwerk
ertragen kann, versagt ein Bauteil oder es können mehrere Bauteile versagen. Bei
einer Überbelastung eines Mauerwerkgebäudes wird zuerst das Mauerwerk versa-
gen. Bei zu großer vertikaler Belastung knickt eine Wand oder ein Pfeiler aus. Für
eine Belastung senkrecht zur Wandfläche (Belastung als Platte) ist Mauerwerk
ungeeignet und es wird durch Beulen versagen. Bei zu großer horizontaler Belas-
tung in Richtung der Wandfläche (Belastung als Scheibe) versagt meist zuerst das
Verbundmaterial, der Mörtel. Beim Versagen des Mauerwerks entstehen Trüm-
merteile. Dabei können sich Mauerteile noch an ihrem ursprünglichen Einbauort
befinden oder auch als zusammenhängende Teile an anderen Stellen angetroffen
werden. In vielen Fällen wird sich der Verbund zwischen den Mauersteinen gelöst
haben, da der Mörtel Zug- und Scherkräften kaum widerstehen kann. Das bedeu-
tet, dass die meisten Trümmer Mauersteingröße haben werden. Die Trümmerteile
werden sowohl auf die sich darunter befindende Decke als auch nach draußen
gestürzt sein. Falls eine Mauerwerkswand schief steht, wird sie nicht nur durch
Druckkräfte, sondern auch durch Biegung in Plattenebene beansprucht. Wie oben
erwähnt, versagt Mauerwerk unter dieser Belastung früh. Für das Verhalten von
Decken oder Dächern, die sich über zerstörten Wänden bzw. Pfeilern/Stützen
befinden, ist maßgeblich, ob es tragende Bauteile waren. Auf den Wegfall von
nichttragenden Teilen werden die sich darüber befindenden nicht reagieren. Wenn
die zusätzliche Trümmerbelastung von den darunterliegenden Bauteilen ertragen
werden kann, werden auf das primäre Schadensereignis keine weiteren Schadens-


28
auslöser folgen. Ist das verbliebene Auflager einer Decke, die über ein Feld
gespannt ist, eine Stahlbetonwand, so kann diese Wand trotz der geänderten Belas-
tung stehen bleiben und die Decken mit ihnen verbunden sein. Bei einem solchen
Schaden hängt die Decke an diesem Auflager. Dieser Versagensfall kann auch in
mehreren Geschossen eintreten (siehe Abbildungen 2.9, 2.17 rechts und 2.18
links). Die Decken hängen dann übereinander. Die jeweiligen Fußpunkte können
dabei auf Trümmer lagern oder auch frei hängen.

Das Bauteil Decke kann durch den Verlust von einem oder mehreren Auflagern
oder infolge von Überbelastung zusammenbrechen. Je nachdem, wie die bau-
lichen Gegebenheiten aussehen und wie sich das Schadensereignis auswirkt, wird
die Decke auf einer oder beiden Seiten gleichzeitig oder nacheinander ihre Aufla-
ger verlieren. Sie kann durch das Herabfallen geschädigt, jedoch als Decke noch
erhalten, horizontal oder geneigt auf einem tieferen Niveau zu liegen kommen.
Wenn ein Auflager erhalten bleibt, was, wie oben erwähnt, bei einer Stahlbeton-
wand oder auch bei einer Mauerwerkswand mit mehreren Querwänden der Fall
sein kann, wird die Decke als Rutschfläche eine schräge Lage einnehmen (siehe
Abbildungen 2.3-1, 2.3-5). Sie kann auch V-förmig auseinander brechen und zwei
Rutschflächen bilden, die gegeneinander laufen (siehe Abbildung 2.7). Wenn die
darunter liegenden Decken diese zusätzliche Belastung nicht ertragen oder eben-
falls durch das primäre Schadensereignis ihre Auflager verloren haben, werden
mehrere Decken übereinander zu liegen kommen. Diese können horizontal
geschichtet sein (siehe Abbildung 2.4-3). Wenn die unterste Decke schräg zu lie-
gen kommt, mit einer Seite zum Beispiel an einer Wand gelagert, werden alle
Decken geneigt darauf liegen (siehe Abbildungen 2.4-4, 2.4-6 und 2.9). Die
Abstände der Decken richten sich nach den dazwischen liegenden Trümmern,
Haustechnik und Hausrat (siehe Abbildungen 2.4-1, bis 2.4-4, 2.4-6). Ein Teil der
Wände wird nach außen gefallen sein und als Trümmer verstreut liegen (siehe
Abbildung 2.17 rechts). Wurden bei einem solchen Gebäude Decken aus vorge-
fertigten Teilen verwendet, deren Verbund sich beim Zusammenbrechen löst, wer-
den statt geschichteter Platten, zerstreute stabförmige Teile zu finden sein (siehe
Abbildung 2.3-4). Ist die Decke über mehrere Auflager gespannt, kann sie den Ver-
lust eines Auflagers überstehen. Ertragen die verbliebenen Auflager die zusätzli-
che Belastung und wird beim Verlust eines äußeren Auflagers der entstandene
Kragarm durch eine Auflast gehalten, wird es zu keinen weiteren Schäden kom-
men. Ein konventionelles Hausdach mit Gebälk und Dachziegeln kann als Ganzes
zusammenhängend erhalten bleiben, in sich zusammenbrechen oder von seinen
Auflagern abgleiten und außerhalb des Hauses zu liegen kommen. Wenn das Dach
seinen Zusammenhalt verliert, wird sich eine Ansammlung von Trümmern aus
Dachziegeln, Holzbalken und Holzlatten bilden.

Bei einem vollständigen Zusammenbruch eines Gebäudes mit Mauerwerkswän-
den können geschichtete Stahlbetondecken und dazwischen liegende und ver-
streute Mauerwerkstrümmer vorgefunden werden (siehe Abbildungen 2.4-3,
2.4-6). Die meisten Mauerwerkstrümmer werden in der Größe der Mauersteine
sein, einige werden aus noch zusammenhängendem Mauerwerk gebildet, andere
werden zerbrochene Mauersteine sein. Es kann sich auch ein Trümmerkegel aus


                                                                                29
den Deckenplatten oder Teilen derselben und Mauerwerkstrümmern ausbilden
(siehe Abbildung 2.4-5). Stahlbetontreppenläufe können an den Decken hängen
und auch untereinander durch die Podeste verbunden sein. Sind in einem vollstän-
dig zusammengebrochenen Gebäude auch Betonwände vorhanden, so können die-
se und die Decken mit der Bewehrung aneinander hängen (siehe Abbildung 2.4-6).
Falls die Decken nach außen stürzen, werden sie außerhalb des Hauses als Rutsch-
fläche oder wenn sie beim Aufprall auseinanderbrechen als Trümmerkegel mit
größeren Stahlbetonteilen zu liegen kommen. Mauerwerkstrümmer, Haustechnik
und Hausrat werden die Zwischenräume zwischen den Stahlbetontrümmern aus-
füllen oder sie werden verstreut liegen (siehe Abbildung 2.4-5). Gebäude vollstän-
dig aus Ortbeton oder aus Betonfertigteilen, sogenannte Tafelbauweise, können
durch eine Schädigung umfallen und auf der Seite zu liegen kommen (siehe Abbil-
dungen 2.3-3 und 2.14 links). Bricht ein Gebäude in Tafelbauweise an den jeweili-
gen Bauteilauflagern auseinander, wird sich eine Ansammlung plattenartiger Bau-
teile ergeben, die übereinander geschichtet liegen (siehe Abbildung 2.3-6). Sind
die Decken aus Fertigteilstreifen zusammengesetzt, deren Verbund sich löst, wird
ein Teil der Trümmer aus diesen Streifen oder deren Teilen bestehen. Die kleineren
Trümmer werden aus Haustechnik und Einrichtungsgegenständen gebildet. Bre-
chen bei einem Gebäude in Tafelbauweise die Wand- und Deckentafeln auseinan-
der, kann statt einer Schichtung ein Trümmerkegel entstehen.




30
2.3.2   Skelettbau




                                               2
1




3                                              4
Abbildung 2.5: Beispiele für Trümmerstrukturen bei Stahlbetonskelettgebäuden:
               1) Weiches Geschoss im Rathaus in Kobe, Japan, Erdbeben 1995 [Risk Manag-
               ment Solutions, Inc., Seite 36, 1995], 2) Schichtung in Mexico City; Erdbeben
               1985 [Tiedemann, S. 421, 1992], 3) Horizontale Schichtung in Mexiko, Erd-
               beben 1985 [Münchener Rück , S. 52, Holer, 1986], 4) Geschichtete Unter-
               geschosse in Mexico City, Erdbeben 1985 [Tiedemann, S. 417, 1992]




                                                                                         31
1
                                               2




3




5                                              4
Abbildung 2.6: Beispiele für Trümmerstrukturen bei Stahlbetonskelettgebäuden:
               1) Gebäudeumsturz in Mexiko, Erdbeben 1985 [Tiedemann, Seite 409, 1992],
               2) Horizontal geschichtetes Gebäude in Südafrika, Erdbeben 1976 [Münche-
               ner Rück, Seite 31, Africamera, 1982], 3) Geschichtete Obergeschosse in Mexi-
               ko, Erdbeben 1985 [Tiedemann, Seite 416, 1992], 4) Schichtung der Oberge-
               schosse in Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener Rück, Seite 54, Holer, 1986],
               5) Stahlbeton-Trümmerkegel in Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener Rück,
               Seite 47, Frenzel, 1986]


Stahlbetonskelettbauten können aus Ortbeton, Fertigteilen oder einer Kombina-
tion aus beiden Bauweisen bestehen. Letztendlich reduzieren sich alle Skelettbau-
ten auf drei verschiedene statische Systeme. Als erstes wird die Ausführung mit
biegesteifen Rahmen genannt. Wobei es für die Fußpunkte mehrere Anschluss-
möglichkeiten gibt. Die zweite Ausführung sieht eine Kombination aus einem stei-


32
fen Kern und daran gelenkig angeschlossenen Riegeln und Stützen vor. Ist kein
steifer Kern oder sind nicht mindestens drei aussteifende Wände pro Geschoss, die
über alle Geschosse durchlaufen, vorhanden, handelt es sich mit großer Wahr-
scheinlichkeit um eine biegesteife Ausführung. Bei diesen beiden Ausführungen
können die Steifigkeiten auch über Abmessungen und Bewehrung der Querschnit-
te von Stützen und Riegeln variiert werden. Als drittes sind die Gebäude mit Flach-
decken zu nennen. Bei dieser Bauweise sind die Decken nur von schlanken Stüt-
zen unterstützt. Es sind keine sichtbaren oder deckengleichen Riegel vorhanden.
Die Gebäude sollten wieder durch mindestens drei Scherwände über alle Geschos-
se oder mindestens einen steifen Kern ausgesteift sein.

Skelettbau mit biegesteifen Rahmen
Bei Skelettbauten mit biegesteifen Rahmen werden die vertikalen Lasten von den
Decken in die Riegel der biegesteifen Rahmen abgetragen, von dort in die Stützen
und jeweils in die darunter liegenden Stützen bis in den Baugrund. Sowohl die bie-
gesteifen Rahmen als auch die Decken dienen zur horizontalen Aussteifung des
Bauwerkes. Die Bauweise mit biegesteifen Rahmen kommt in zwei Ausführungen
vor. Eine Version wird mit eingespannten Stützen, d.h. lauter biegesteifen Knoten,
ausgeführt. Bei der zweiten Bauart werden biegesteife Rahmen mit gelenkigen
Fußpunkten übereinander gestapelt. Der Anschluss in die Fundamente erfolgt
auch gelenkig. Vor Ort ist es schwierig diese beiden Versionen voneinander zu
unterscheiden, da die dafür maßgebende Bewehrung nicht sichtbar ist. Außer von
der Bewehrung ist es auch von den Querschnittsverhältnissen abhängig, welches
Bauteil als eingespannt zu betrachten ist. Schlanke Bauteile können in massige
eingespannt sein, jedoch nicht umgekehrt. Eine Wand im Stahlbetonskelettbau ist
meist nur raumabschließend eingesetzt, sie kann je nach Ausführung und Steifig-
keitsverhältnissen jedoch auch aussteifend wirken, d.h. zur Weiterleitung der hori-
zontalen Belastung innerhalb des Gebäudes herangezogen werden.

Ist bei einem Wandversagen die Aussteifung durch die biegesteifen Rahmen bzw.
andere Wände gewährleistet, wird das Bauwerk nur durch die entstandenen Trüm-
mer zusätzlich belastet. Ertragen die betroffene Decke und die zugehörigen Riegel
und Stützen diese nicht planmäßige Belastung, so wird es keine Folgeschäden
geben. Beim Ausfall einer Stütze wird der restliche Rahmen mit eingespanntem
Fuß nach statischen Gesichtspunkten gerade noch stehen bleiben. Werden die ver-
größerten Belastungen jedoch nicht ertragen, so wird er genauso zusammenbre-
chen wie derjenige mit den gelenkigen Fußpunkten. Die Trümmer werden die dar-
unter liegende Decke belasten und die zugehörigen biegesteifen Rahmen. Die
Schiefstellung einer Stütze hat meist auch Zerstörungen am Anschluss zur bie-
gesteifen Rahmenecke und am Stützenfuß zur Folge. Es besteht die Gefahr, dass
der ganze Rahmen umkippt. Wenn die anderen Rahmen im Geschoss diese zusätz-
liche Belastung nicht ertragen können, droht das ganze Stockwerk zu versagen.
Versagt eine Decke oder eine Dachdecke durch Trümmerbelastung oder durch den
Verlust eines Auflagers, so wird sie herunterfallen, wenn sie nur über ein Feld
gespannt ist. Verliert sie beide Auflager, kann sie in der Mitte auseinander und V-
förmig herunterbrechen oder horizontal auf der nächsten Decke zu liegen kom-
men. Ihre Teile werden auf jeden Fall die darunter liegende Decke belasten. Ist die


                                                                                33
Decke, eventuell durch Aufbeton, über mehrere Felder durchlaufend hergestellt
worden, kann der auskragende Teil erhalten bleiben oder bricht zusammen wie in
Abbildung 2.5-2. Infolge eines Riegelversagens durch die Bildung von Fließge-
lenken aufgrund zu großer Belastung oder die direkte Zerstörung des Riegels
durch die Schadensursache, verliert die darüberliegende Decke ein Auflager. Läuft
diese Decke über mehrere Felder durch, hat das nicht unbedingt ihr Versagen zur
Folge. Eine Einfeld-Decke dagegen wird wie oben beschrieben herunterfallen.

Durch das Versagen aller Rahmen in einem Geschoss wird die darüberliegende
Decke als horizontale Schichtung auf der Decke darunter zu liegen kommen. Ein
Teil der Rahmen und der Deckenfelder kann auch nach außen stürzen. Die verbin-
dende Bewehrung kann abreißen oder aus dem Beton gezogen werden, dann wer-
den die Teile außerhalb des Gebäudes zu liegen kommen. Die Teile können auch
miteinander durch die Bewehrung verbunden bleiben. Versagen mehrere obere
Geschosse auf diese Weise, so kommt es zu einer Schichtung, die pilzförmig über-
hängt (siehe Abbildung 2.6-3). Geschossweises Versagen kann auch nur in einem
oder mehreren Geschossen stattfinden, während die anderen Stockwerke erhalten
bleiben (siehe Abbildungen 2.5-1, 4 und 2.6-4 und 2.11 rechts, 2.12, 2.13). Versagt
das ganze Gebäude, wird es als mehr oder weniger horizontale Schichtung (siehe
Abbildung 2.6-2) zu liegen kommen. Die Zwischenräume zwischen den geschich-
teten Decken werden mit Rahmenteilen, zerstörten Wänden, Installation und
Hausrat gefüllt sein. Teile des zerstörten Gebäudes oder das ganze Gebäude kann
auch einen Trümmerkegel bilden. Dieser wird dann aus stabförmigen Teilen des
Rahmens und flächigen Deckenteilen bestehen (siehe Abbildungen 2.6-5 und
2.15). Wurden Fertigdecken verwendet, deren Verbund auseinander bricht, werden
die Teile entsprechend kleiner sein. Ein Gebäudeumsturz ist auch möglich (siehe
Abbildung 2.6-1).

Skelettbau mit steifem Kern
Als steife Kerne werden im Skelettbau Fahrstuhlschächte, Treppenhäuser, innen
liegende Sanitärbereiche oder andere schachtartige Bauteile herangezogen. Die
Aussteifung kann auch durch Scherwände erfolgen. Ausführungen in Tafelbau-
weise oder noch größeren Fertigteilen werden auch angetroffen. Bei dieser Bau-
weise sind die Stützen und Riegel meist gelenkig miteinander und mit den aus-
steifenden Bauteilen verbunden und werden deshalb oft aus Fertigteilen
zusammengesetzt. Die Riegel werden dabei wie ein Balken auf zwei Stützen belas-
tet, die Stützen können nur Normalkräfte abtragen. Das Bauwerk wird durch die
Decken ausgesteift, indem die horizontale Belastung von den Decken in den stei-
fen Kern, bzw. die Scherwände und von dort in den Baugrund weitergeleitet wird.
Werden Fertigdecken verwendet, müssen diese schubsteif durch Anschlussbeweh-
rung oder Bewehrungszulagen miteinander verbunden werden.

Wände, die nicht Scherwände sind oder zum aussteifenden Kern gehören, sind
nichttragende Wände. Beim Versagen dieser nichttragenden Wände wird das Bau-
werk lediglich durch die Trümmer belastet. Bei dieser Bauweise führt ein Stützen-
verlust zwangsläufig zum Versagen der darüberliegenden Bauteile. Bei einer
Schiefstellung der Stütze werden die Lasten exzentrisch eingeleitet und daraus


34
resultiert in der Stütze zusätzlich zur Normalkraftbelastung eine Momentenbelas-
tung. Bei einer gelenkigen Konstruktion können weder am Stützenfuß noch am
Stützenkopf Momente übertragen werden. Andererseits ist die Konstruktion durch
die Decke ausgesteift und kann sich an den steifen Kern, bzw. die Scherwände
„anlehnen“. Diese Situation ist auf jeden Fall gefährlich, da entweder eine Stütze
versagen kann oder sich alle Stützen eines Geschosses schief stellen können. Da
die Decken das Gebäude aussteifen, müssen beim Verlust einer Decke andere Bau-
teile, z.B. die Riegel, diese Funktion übernehmen können. Die Trümmer einer zer-
störten Decke oder Dachdecke werden die darunter liegende Decke belasten. Da
der Riegel ein Deckenauflager bildet, wird die Decke, wenn sie über ein Feld
gespannt ist, beim Versagen des Riegels ebenfalls versagen. Decken, die über
mehrere Felder durchlaufen, können den Ausfall eines Auflagers überstehen. Die
darunter liegende Decke muss die Riegeltrümmer und gegebenenfalls auch die der
Decke ertragen.

Bei einem vollständigen Versagen können die Verbindungen der Decken zum stei-
fen Kern erhalten bleiben und diese Decken kommen als geneigte Schichtung zu
liegen. Von dieser Versagensform können nur die oberen oder alle Decken betrof-
fen sein. Löst sich die Verbindung zum aussteifenden Kern, werden die Decken
eher horizontal aufeinander liegen. Aber auch dann ist ein Versagen nur eines unte-
ren oder mittleren Stockwerkes eher unwahrscheinlich, da sich dazu alle Decken
und Riegelverbindungen in den darüberliegenden Stockwerken ebenfalls lösen
müssten. Je nach Abfolge des Zusammenbruchs kann das Gebäude oder das Teil-
gebäude auch einen Trümmerkegel bilden, dieser wird aus stabförmigen Teilen der
Stützen und Riegel und aus den Deckenplatten oder Teilen der Deckenplatten
bestehen. Wobei die Verbindungen der Stützen und Riegel sich gelöst haben wer-
den, da diese gelenkig verbunden waren und deshalb eine durchgehende Beweh-
rung fehlt. Die Deckenteile können untereinander und mit den Riegeln Anschluss-
bewehrung haben und deshalb zusammenhängen.

Skelettbau aus Flachdecken und schlanken Stützen
Die Decken bei dieser Bauweise sind immer zweiachsig gespannt und gegen
Durchstanzen der Stützen durch die Decke ist meist eine zusätzliche Bewehrung
angeordnet. Die Stützen können gelenkig oder biegesteif mit diesen Decken ver-
bunden sein. Decken, die deckengleiche Unterzüge oder Überzüge in darüberlie-
genden Wänden haben, sind keine Flachdecken. Da diese Bewehrung, die Schub-
bewehrung in der Flachdecke und der Stützenanschluss nicht sichtbar sind, ist die
Einschätzung dieses Tragwerkes schwierig. Flachdeckengebäude sollten mit stei-
fen Kernen oder einem System aus Scherwänden ausgesteift sein.

Der Ausfall einer Wand, die zur Aussteifung des Gebäudes herangezogen wurde,
kann das Versagen zumindest ihres Geschosses nach sich ziehen. Das Versagen
nur raumabschließender Wände wird zu Trümmern auf den Decken und auch nach
draußen gestürzten Trümmern führen. Wenn die betroffenen Decken diese zusätz-
liche Belastung ertragen, kommt es zu keinen weiteren Schäden. Beim Versagen
einer Stütze verlieren die angrenzenden Deckenfelder ein Auflager. Es wäre denk-
bar, dass nur diese in einer schrägen Lage, hängend oder aufstehend, verbleiben.


                                                                                35
Wahrscheinlich werden die anderen Stützen diese Belastung nicht ertragen und
das ganze Geschoss wird versagen. Bei Schiefstellung einer Stütze muss diese die
zusätzliche Belastung aus der Ausmittigkeit der Lasteinleitung ertragen, sonst
wird sie versagen. Wenn alle Stützen in einem Geschoss schief stehen, ist der
Zusammenbruch dieses Geschosses sehr wahrscheinlich. Eine Decke oder eine
Dachdecke wird mit Durchstanzen der Stütze, bzw. der Stützen, versagen. Diese
Versagensform tritt plötzlich ein. Die darunter liegende Decke wird die zusätzli-
che Belastung wahrscheinlich nicht ertragen und ebenfalls versagen.

Da diese Bauweise kaum zusätzliche Belastungen aufnehmen kann, werden schon
Ausfälle einzelner Bauteile ein vollständiges Versagen des Gebäudes nach sich
ziehen. Dies kann mit Durchstanzen der Stützen erfolgen. Dabei bleiben die Stüt-
zen kaum beschädigt an ihrem ursprünglichen Einbauort erhalten, während die
Decken eine horizontale Schichtung bilden, deren Abstände nur von Haustechnik
und Hausrat bestimmt wird (siehe Abbildung 2.5-3 und 2.10). Bei einer anderen
Versagensform kommen die Stützen zwischen den Decken zu liegen und schaffen
mit Ihren Trümmern größere Hohlräume zwischen den geschichteten Decken.
Flachdecken werden auch aus vorgefertigten Teilen erstellt, die sich beim
Zusammenbrechen auflösen können. Diese Trümmerteile werden eher in Form
eines Trümmerkegels als in Form einer Schichtung zusammenbrechen.


2.3.3   Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle Gebäude mit Betondecken horizon-
tale oder geneigte Schichtungen bilden oder auch in Form eines Trümmerkegels
zusammenbrechen können. Der Abstand zwischen den Betondecken kann durch
Trümmer vertikaler Bauteile, durch Haustechnik und Hausrat offen gehalten wer-
den. Je großformatiger die Teile eines Trümmerkegels sind, desto größere Hohl-
räume können sie bilden. In Trümmerkegeln aus ähnlich großen Trümmerteilen
können sich auch Gewölbe ausbilden. Die Hohlräume können in beiden Fällen
jedoch auch mit kleinformatigem Schutt gefüllt sein.


2.4     Piktogramme
In den Trümmerstrukturen geschädigter und zerstörter Häuser können immer
wiederkehrende Schadenselemente bzw. Schadensbilder erkannt werden. Für die
Kommunikation bei der Rettung und Bergung Verschütteter werden sie in leicht
verständliche Piktogramme umgesetzt. Den Schadenselementen werden direkt die
Rettungsverfahren zugeordnet. Die Schadenselemente bei zerstörten Gebäuden
aus Mauerwerk mit Holzdecken wurden erstmals 1942 von Maack in „Baulicher
Luftschutz“ [Maack, 1942] beschrieben und später durch Piktogramme veran-
schaulicht. Es sind 12 Piktogramme gebräuchlich, die auch international von den
Rettungs- und Bergungskräften benutzt werden. Bei den zeitgemäßen Bauwerken
wird, verglichen mit den Bauten von 1942, mehr Beton eingesetzt, z.B. für
Geschossdecken, Treppenhäuser und zum Teil auch für die Wände, außerdem sind


36
Stahlbetonskelettbauten verbreitet. Beim Versagen dieser Gebäude durch natürli-
che oder anthropogene Ereignisse, wie Erdbeben, Sturm oder Gas- und Bombenex-
plosionen, zeigen sich ebenso immer wiederkehrende Schadenselemente bzw.
Schadensbilder, die jedoch andere Strukturen bilden, als diejenigen der Mauer-
werksgebäude mit Holzdecken.

Die Begriffe Schadenselement und Schadensbild werden hier so verstanden, dass
das gesamte zerstörte Bauwerk ein Schadensbild darstellt, das sich aus mehreren
Schadenselementen zusammensetzen kann. Ist das gesamte Gebäude von einem
Schadenselement betroffen, so sind Schadenselement und Schadensbild identisch,
das ist der Fall beim Gebäudeumsturz und das kann vorkommen bei der horizon-
talen Schichtung und beim Trümmerkegel. Dabei können trotzdem noch andere
Schadenselemente, zum Beispiel der versperrte Raum, angetroffen werden.

Der jahrzehntelange praktische Einsatz der Piktogramme hat einige Rettungs-/
Bergungskräfte (THW, Rettungskette Schweiz) veranlasst, diese zusammenzufas-
sen, da nicht alle Unterscheidungen für die weiteren Maßnahmen wichtig sind.
Nach Auswertung der Berichte und Fotodokumentationen zahlreicher Schadens-
ereignisse wurden im Rahmen dieses Forschungsvorhabens neue Piktogramme für
die Schadenselemente entworfen, die für die heutigen Bauweisen typisch sind. Die
Schadenselemente werden in drei Gruppen nach der Größe des zu betrachtenden
Teilbereichs, bzw. nach dem Anteil der zerstörten Bauteile, gegliedert. Für die Ret-
tung und Bergung ist es äußerst wichtig, dass zu den Schadenselementen die Bau-
materialien der einzelnen Elemente vermerkt werden. Nur mit diesen Angaben
können die Maßnahmen, Personal und Maschinen richtig disponiert werden. Im
Folgenden werden die Trümmerstrukturen und die sie vereinfacht darstellende
Piktogramme vorgestellt. Auf die Bauweisen und deren typischen Zertrümmerun-
gen wurde im vorigen Abschnitt 2.3 Trümmerstrukturen ausführlich eingegangen.
Die Bildbeispiele in beiden Abschnitten ergänzen sich.

Die erste Gruppe beinhaltet Schadenselemente einzelner Räume. Dies sind im
Wesentlichen die von Maack beschriebenen Schadenselemente in zusammenge-
fasster Form. Diese Schadenselemente sind bei allen Bauweisen anzutreffen,
wobei die Baumaterialien der betroffenen Bauteile und der Trümmer je nach Bau-
weise wechseln. Zum einen werden diese Schadenselemente in einzelnen Räumen
innerhalb eines sonst intakten Bauwerkes, in dem die meisten Konstruktionsteile
ihre Lasten noch in ihrer ursprünglichen Funktion abtragen, vorgefunden. Zum
anderen befinden sich die Räume, die diesen Schadenselementen entsprechen, in
einem total zerstörten Gebäude, in und unter einem Trümmerkegel.




                                                                                 37
                                               Abbildung 2.7:
                                               Halber Raum hier mit V-förmig herunterge-
                                               brochener Decke [Bednarek, Marciniak, Seite
                                               22, 1995]




Abbildung 2.8: Versperrter Raum und ausgefüllter Raum [Bednarek, Marciniak, Seite 23, 22,
               1995]




38
Abbildung 2.9: Schichtung im Vordergrund, hängende Rutschflächen hinten, Beirut, Kriegs-
               einwirkungen 1982 [Hilberath, 1996]

Die zweite Gruppe besteht aus zwei Schadenselementen, die den Einsturz ganzer
Stockwerke/ganzer Gebäude durch das Versagen einzelner Konstruktionsteile dar-
stellen. Stockwerke in Gebäuden oder auch ganze Bauwerke sind geschädigt durch
das Versagen von einzelnen oder einer Serie von gleichartigen tragenden Teilen.
Die anderen Konstruktionsteile bleiben in ihrer Form weitgehend erhalten.



       Horizontale Schichtung

Bei der horizontalen Schichtung bleiben die Decken oder auch komplette Stock-
werke erhalten. Diese Versagensform tritt bei Skelettbauten auf, wobei das Skelett
aus Stahlbeton oder aus Holz sein kann. Bei Mauerwerksbauten mit Stahlbeton-
decken ist dieses Schadensbild ebenso zu beobachten wie bei Gebäuden in Tafel-
bauweise. In den betroffenen Stockwerken versagen die Stützen bzw. die Wände
oder bei Flachdeckenkonstruktionen die Stützenauflager, indem sich die Stützen
durch die Decken durchstanzen. Wenn vertikale tragende Bauteile, Stützen oder
Wände zuerst versagen und deren Trümmer auf die Decken fallen oder wenn sta-
bile Haustechnik- oder Hausratgegenstände als Auflager dienen können, sind die
Deckenabstände entsprechend dieser Hindernisse größer. Beim Durchstanzen der
Flachdecken und beim gleichzeitigen Fehlen von tragfähigen Auflagern aus Haus-
technik und Hausrat können die Decken direkt aufeinander zu liegen kommen.



                                                                                      39
Abbildung 2.10: Schichtung von Flachdecken: Mexico City, Erdbeben 1985, [Tiedemann, Seite
                416, 1992 und Münchener Rück, Seite 52, 1986]

Die Versagensform der horizontalen Schichtung kann auch nur einzelne Geschos-
se betreffen. In diesen so genannten weichen Geschossen (soft storey) sind, um
Läden, Parkplätze oder auch Versammlungsräume zu schaffen, weniger Stützen
oder Wände vorhanden. Diese weniger steifen Geschosse versagen bei zu großen
horizontalen Belastungen zuerst. Steifigkeitsprünge in einem Stockwerk können
auch ein Versagen dieses Geschosses verursachen. Sie können durch einen Wech-
sel der Stützenstärke, einen Wechsel des Baumaterials oder schon durch Übergrei-
fungsstöße bei Bewehrungsanschlüssen verursacht werden. Auch wenn nur einzel-
ne Stützen in einem Geschoss eine andere Steifigkeit aufweisen, kann dies zum
Zusammenbruch des Geschosses führen. In diesem Fall versagen zuerst die steife-
ren Bauteile infolge einer Lastkonzentration und geringerer Verformungsmöglich-
keit. Darüber und darunter liegende Geschosse können erhalten bleiben und tragen
die Lasten noch in ihrer ursprünglichen Funktion als Wände, Stützen, Decken ab.
Durch Risse können die Decken geschwächt sein, durch Trümmerauflagerungen
erhalten die Decken zusätzliche Lasten.

Schichtung im Erdgeschoss




Abbildung 2.11: Schichtung im Erdgeschoss: San Francisco, Holzskelettbau, Erdbeben 1989,
                [Münchener Rück, Seite 22, 1994] und Stahlbetonskelettbau, El Asnam, Alge-
                rien, Erdbeben 1980 [Tiedemann, Seite 485, 1992]




40
Schichtung im Mittelgeschoss




Abbildung 2.12: Schichtung im Mittelgeschoss: Kobe, Japan, Erdbeben 1995, [Münchener
                Rück, Seite 7, 1995] und Mexico City, Erdbeben 1985 [Tiedemann, Seite 443,
                1992]

Schichtung der oberen Geschosse




Abbildung 2.13: Schichtung der oberen Geschosse: Mexico City, Erdbeben 1985 [Münchener
                Rück, Seite 44, Dr. Berz, 1986]




                                                                                         41
        Gebäudeumsturz

Bei einem Gebäudeumsturz, der bei Stahlbetonskelettbauten und bei Gebäuden
ganz aus Beton vorkommt, kippt das Gebäude in Folge eines Stockwerks- oder
Fundamentversagens um. Die Gebäudeteile, die ursprünglich aufwärts der Versa-
gensstelle waren, bleiben erhalten. Die Beanspruchung der Bauteile hat sich
jedoch geändert. Die Decken können dabei die Funktion als Wand durchaus über-
nehmen, da sie im intakten Gebäude schon als Scheibe wirken. Die Wände, die
jetzt als Decken belastet sind, und die Verbindungen der Bauteile untereinander
sind jedoch wegen Überbelastung gefährdet.




Abbildung 2.14: Gebäudeumsturz: Kobe, Japan, Erdbeben 1995 [Schweizer Rück, Seite 21,
                1995], und Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener Rück, Seite 55, 1986]


Die dritte Gruppe wird von den Schadenselementen Trümmerkegel und Rand-
trümmer gebildet. Bei diesen Schadenselementen sind alle Bauteile betroffen. Die
Bauteile tragen die Belastungen nicht mehr in ihrer ursprünglichen vorgesehenen
Funktion ab.



        Trümmerkegel

Trümmerkegel entstehen beim Einsturz von Gebäudeteilen, den oberen Stockwer-
ken oder ganzer Gebäude durch das Versagen aller Bauteile. Dabei werden entwe-
der alle Konstruktionsteile durch das Schadensereignis selbst zerstört oder das
Versagen einzelner Teile hat den Zusammenbruch der anderen Teile nach sich
gezogen. Auch beim Durchstanzen der Stützen durch Flachdecken kommt es vor,
dass sich keine Schichtung ausbildet, sondern die Decken nur noch aus Beton-
brocken bestehen, die miteinander durch den Bewehrungsstahl verbunden sind
und einen Trümmerkegel bilden. Dieses Schadenselement kann aus großformati-
gen Betonelementen, Fertigteilen oder auch aus kleinbrockigen Teilen wie Mauer-
werk oder aus einer Mischung verschiedener Trümmer bestehen.


42
Abbildung 2.15: Großbrockiger Stahlbeton-Trümmerkegel, Griechenland, Erdbeben 1981 [Tie-
                demann, Seite 433, 1992]

                                                  Abbildung 2.16:
                                                  Großbrockiger Mauerwerks-Trümmer-
                                                  kegel, Berlin, Gasexplosion 1998 [Inter-
                                                  net-Seite der Berufsfeuerwehr Berlin,
                                                  1998]




                                                                                       43
       Randtrümmer

Randtrümmer entstehen, wenn zerstörte Bauteile außerhalb des Gebäudes zu lie-
gen kommen. Der Übergang vom Trümmerkegel zu den Randtrümmern ist flie-
ßend. Dieses Schadenselement kann wie der Trümmerkegel ebenfalls aus großfor-
matigen Betonelementen, Fertigteilen, aus kleinbrockigen Teilen wie Mauerwerk
oder aus einer Mischung dieser Teile bestehen.




Abbildung 2.17: Geschosshohe Randtrümmer: Oklahoma City, Bombenanschlag 1995
                [The Oklahoma Department of Civil Emergency Management, 1995] und
                Rumänien, Erdbeben 1977 [Münchener Rück, 1996]




44
Da bei vielgeschossigen Gebäuden die geschädigten Teile nicht immer über Trep-
penhäuser oder Nachbargebäude erreicht werden können, sind besondere Hilfs-
mittel wie Autokrane, Hubarbeitsbühnen etc. nötig. Um diese zusätzliche Schwie-
rigkeit bei der Rettung Verschütteter zu verdeutlichen, werden Schäden in großer
Höhe in Doppelpiktogrammen dargestellt.
Die Beispiele zeigen wie diese Zerstörung vor Ort und die zugehörigen Pikto-
gramme aussehen können.


               Schadenselement in großer Höhe und eines
               der oben genannten Schadenselemente




Abbildung 2.18: Schadensbild in großer Höhe: Schichtung in großer Höhe, wobei hier auch das
                Erdgeschoss versagte, Bukarest, Erdbeben 1977 [Münchener Rück, 1996] und
                Trümmerkegel und Schichtung in großer Höhe, Mexico City, Erdbeben 1985
                [Münchener Rück, Seite 46, Frenzel, 1986]

Bei der Verwendung der Piktogramme müssen unbedingt, wie eingangs schon
erwähnt, die Materialien der einzelnen Bauteile angegeben werden. Sie sind
notwendig zur Festlegung der Vorgehensweise, Auswahl der Rettungsgeräte und
-Maschinen. Da die neuen Piktogramme die Trümmerstrukturen, die sich bei den
zeitgemäßen Bauweisen einstellen, genau beschreiben, werden sie schnell Eingang
in die Rettungs- und Bergungspraxis finden.




                                                                                        45
3      Versuche


3.1    Ziele
Der Einsatzleiter oder seine Stellvertreter müssen bei einem Rettungs-/Bergungs-
einsatz entscheiden, welche Geräte und Verfahren zum Vordringen zu Verschütte-
ten anzuwenden sind. Hauptfaktoren für die Auswahl der Verfahren sind:

• Bedarf an Personal und Geräten

• Zeitbedarf

• Auswirkung auf Verschüttete

• Belastung des Rettungspersonals

• Auswirkung auf die Trümmerstruktur, Gefahr weiterer unkontrollierter Trüm-
  merbewegung.

Wegen der großen Bandbreite möglicher Situationen bei Rettungseinsätzen wird
die Abschätzung dieser Faktoren immer eine große Herausforderung für den Ent-
scheidungsträger darstellen, jedoch lässt sich mit der Kenntnis der Leistungen und
des Ressourcenbedarfs der möglichen Verfahren die Auswahl vereinfachen und
die Gefahr, grundsätzliche Fehler zu begehen, verringern.

Um klarere Aussagen zu den unterschiedlichen Verfahren zu ermöglichen, wurden
während diesem Forschungsvorhaben vergleichende Versuche durchgeführt.
Wegen der Vielzahl möglicher Situationen wurden geeignete Referenzsituationen
ausgewählt und nachgebildet. Diese Referenzsituationen wurden anhand der
Schadens- und Einsatzberichte, vgl. Abschnitt 2.1, ausgewählt und sollen
besonders die Rettungs-/Bergungsaufgaben abdecken, die durch neuartige Bau-
weisen bedingt sind und nicht von der Maack’schen Systematik erfasst werden
oder bei denen neuartige Verfahren oder Geräte Verbesserungen versprechen.
Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass die Referenzsituationen immer wie-
der gleich nachgebildet werden konnten.

Messungen und Beobachtungen bei der Durchführung der Versuche ermöglichten
einen direkten Vergleich der Verfahren und Geräte untereinander. Dabei wurden
folgende Ziele angestrebt:

• Bestimmung von Personal, Geräten und Zeitbedarf von Rettungs-/Bergungsver-
  fahren

• Vergleichende Messungen von Belastungen von Helfern und Verschütteten



46
• Vergleichende Messungen zur Bestimmung der Gebäudebelastungen

• Vergleich von Rettungsverfahren

• Verbesserung der Verfahren

• Anwendung neuartiger Geräte.


3.2     Übersicht
Die Versuchsaufbauten stellen Situationen nach, die im Rettungseinsatz aus zer-
störten Gebäuden besondere Schwierigkeiten bereiten. Bei der Auswahl dieser
Situationen wurde der Untersuchungsbedarf berücksichtigt, der sich aus Aussagen
von Rettern und aus Einsatzberichten ergab. Dieser Untersuchungsbedarf bestand
zum einen, weil der Baustoff Stahlbeton beim Einsatz neue Anforderungen an
Geräte und Verfahren stellt, zum anderen, weil mit neuen Geräten, wie z.B. dem
Saugbagger, andere Ansätze bei den Rettungsmaßnahmen in Trümmerstrukturen,
für die seit langem Verfahren und Geräte bekannt sind, zu entwickeln sind.

Es wurden folgende Versuchsaufbauten realisiert:




Tabelle 3.1: Aufstellung der Versuchsaufbauten




                                                                            47
3.3    Aufbau 1 – Wanddurchbruch
In den letzten 50 Jahren ist eine deutliche Zunahme von Stahlbeton als Baustoff
von Gebäuden zu verzeichnen. Auch einfache Mauerwerksbauten werden zum
größten Teil mit Stahlbetondecken ausgestattet. Bei mehrgeschossigen Gebäuden
ist Stahlbeton als Werkstoff nicht mehr wegzudenken. Bedingt durch diese Ent-
wicklung ist bei den typischen Schadensformen die horizontale Schichtung hinzu-
gekommen (vgl. Abschnitt 2.3 und 2.4), bei der das Vordringen häufig nur noch
mittels Deckendurchbruch oder nach Durchbruch von Unterzügen oder Stahlbe-
tonwänden möglich ist.

Die Rettungs-/Bergungsaufgabe des Wanddurchbruchs spielte in der Vergangen-
heit in Deutschland eine untergeordnete Rolle, was bei Feydt [Feydt, 1971] und in
THW-internen Richtlinien [KatS-LA 261, 1985] deutlich wird. Dies ergab sich
auch aus der Auswertung zeitlich zurückliegender Schadensberichte in Deutsch-
land (vgl. Abschnitt 2.1). Da wie oben aufgezeigt immer mehr Stahlbeton einge-
setzt wird, ist in Zukunft jedoch häufiger mit Schäden an Gebäuden mit Stahlbe-
tonbauteilen zu rechnen. Solche Schäden sind im Verteidigungsfall oder bei
Unfällen, wie zum Beispiel dem Absturz eines Transportflugzeugs in ein Wohn-
haus (Amsterdam, 1992) oder auch bei Terroranschlägen (Oklahoma City, 1996),
in Deutschland zu erwarten. Erfahrungen aus Erdbebeneinsätzen (Abschnitt 2.2)
zeigen, dass das Durchdringen von Betonteilen dabei oft notwendig wird. Da hier-
für Spezialwerkzeug erforderlich ist, die Arbeiten sehr zeitaufwendig sind und mit
erheblichen Belastungen für die zu Rettenden und die Helfer sowie auch auf die
Trümmerstruktur zu rechnen sind, wurde der Betonwanddurchbruch für die ver-
gleichenden Versuche ausgewählt.

Zur Ergänzung der maschinellen Verfahren wurden auch drei unterschiedliche
Sprengverfahren untersucht. Wegen der realistischen Verteilung der Massen im
Versuchsaufbau und der für Sprengungen relativ dünnen Wand waren die Voraus-
setzungen für die Versuche günstig, denn üblich waren bisher bei Rettungsorgani-
sationen und beim Militär nur Einbruchsprengungen in Bunkerwände. Das Ret-
tungssprengen zum schnellen Vordringen zu Verschütteten ist grundsätzlich bei
Schadensfällen in Standardgebäuden aus Stahlbeton und in Brandfällen interes-
sant, deshalb wurden die Auswirkungen auf das Gebäude und darin befindliche
Personen untersucht. Dabei wurden drei beim THW bekannte Verfahren ange-
wandt, Bohrlochladung, aufgelegte Ladung und Schneidladung. Ziel war es, die
Tauglichkeit der Verfahren zu überprüfen, nicht aber, diese weiterzuentwickeln.

Aus der Literatur bekannte Versuche mit Sprengverfahren, die zumeist im militä-
rischen Bereich durchgeführt wurden, haben sich mit ganz speziellen Fragestel-
lungen auseinandergesetzt und wurden auch nur dahingehend ausgewertet [Schu-
mann u.a., 1986, FMB, 1979, Girnau u.a., 1967]. Experimentelle Untersuchungen
berücksichtigen meist nicht die Wirkung auf die Lagerung von Bauteilen, da die-
se geringer ist als direkt am Explosionsort. Die vom Bauteil übertragenen Erschüt-
terungen können meist durch plastische Verformungen aufgenommen werden und
führen dann nicht zum direkten Versagen der Struktur [Eibl, 1988]. Werden


48
Sprengungen an teilweise zerstörten Gebäuden durchgeführt, müssen zusätzliche
Belastungen so weit wie möglich vermieden werden, da auch kleine Lasten zu
einer weiteren Destabilisierung der Trümmerstruktur führen können. Da sich die
gemessenen Ergebnisse [FMB, 1979] und Rechnungen [Pingli Yi, 1991] kaum auf
den vorgegebenen Versuchsaufbau übertragen lassen, und da keine experimentel-
len Untersuchungen von Schneidladungen und deren Wirkung auf Stahlbetonplat-
ten, die für den Versuchsaufbau zutreffen, bekannt sind, wurden die Versuche zum
Vergleich mit den maschinellen Verfahren ausgeführt.


3.3.1   Aufbau

Ein möglichst realistischer Versuchsaufbau wurde geschaffen, der immer wieder
in seinen Ursprungszustand zurückgeführt werden konnte. An diesem Aufbau
wurden verschiedene Verfahren vergleichend erprobt und Messungen durchge-
führt. Ausgangssituation ist ein Raum, zu dem der Zugang mit Hilfe eines Wand-
durchbruchs hergestellt werden muss (Abbildung 3.1). Der Raum hat eine Grund-
fläche von 5,92 m × 2,84 m und eine mittlere Höhe von 2,15 m. Der Raum ist mit
schallschluckendem Material versehen, um übermäßige Resonanzen bei den
Schallpegelmessungen zu vermeiden. Das Volumen beträgt 36,15 m2 und ent-
spricht dem eines mittleren Wohnraumes. Dies ist für realistische Werte der Staub-
konzentration und der Raumluftzusammensetzung geboten. Als zu durchbrechen-
de Wand wurden die Alternativen Stahlbetonwand und Kalksandsteinwand
gewählt. Die jeweils eingebaute Wand ist horizontal verschieblich gelagert und
über Kraftmessdosen an die Raumstruktur angeschlossen. Die Krafteinleitung
erfolgt über eine Stahlkonstruktion.

Um die Situation einer senkrecht oder geneigt stehenden Decke mit einzubeziehen
und auch den bei Schichtungen häufig vorkommenden Deckendurchbruch zu
berücksichtigen, wurden baugleiche Stahlbetonfertigdecken verwendet, die deut-
lich stärker bewehrt sind als Betonwände und somit dem Durchbruch einen grö-
ßeren Widerstand entgegensetzen.




Abbildung 3.1: Versuchsaufbau 1 - Wanddurchbruch


                                                                               49
Im Folgenden sind weitere Details des Aufbaus zusammengestellt:

Betonwand: Es wurden Filigrandecken verwendet, die bereits im Werk auf ihre
volle Deckenstärke betoniert wurden und die Maße 6,00 m × 2,42 m × 0,18 m
haben. Als Beton wurde B25 verwendet, Zuschlagstoff Rheinkies. Die Bewehrung
ist zweilagig aufgebaut, dazwischen Gitterträger vom Typ GT 813. Ein Gitterträ-
ger befand sich jeweils horizontal verlaufend in dem zu durchbrechenden Bereich.
Die zuerst zu durchtrennende Betonstahllage (obere Bewehrung der Platte) war
eine Baustahlmatte der Gitterweite 15 cm und der Stärke 6 mm (Q188). Die
Betonüberdeckung auf beiden Plattenseiten war 2,5 cm. Als letzte zu durchtren-
nende Stahllage der Wand (untere Bewehrung der Platte) war horizontal verlau-
fender Baustahl Ø 12 mm, Achsabstand 15 cm (Hauptbewehrung) und vertikal
verlaufender Baustahl Ø 8 mm, Achsabstand 20 cm (Verteiler) eingebaut.

Alternative Kalksandsteinwand: Die Wand besteht aus Kalksandvollsteinen KS-
R 10 DF/240 mit dem Steinmaß b × d × h: 300 × 240 × 238 mm, ca. 12 mm Fugen-
stärke. Die Höhe des Mauerwerks beträgt 2,00 m, die Breite: 5,58 m. Die Wand ist
zwischen zwei Betonträgern mit 300 × 300 mm Querschnitt eingespannt. Durch
vier Gewindestangen M20 wird die Wand senkrecht vorgespannt mit einer
Gesamtkraft von 222 kN. Dies entspricht der Belastung, die sich für eine Wand
eines Raumes mit 5 × 5 m Grundfläche und allseitig tragenden Wänden ergibt,
wenn ein Stockwerk mit durchschnittlicher Verkehrslast und mit zwei Stahlbeton-
decken aufliegt. Diese Vorspannung wird aufgebracht, um ein der Realität ent-
sprechendes Verhalten der Mauerwerkswand beim Anfertigen eines Durchbruchs
zu erreichen und hat zusätzlich den Vorteil, dass das Wandelement so sicher mit
dem Kran transportiert werden kann.

Lagerung: Die Wände wurden auf zwei zweiachsig horizontal verschieblichen
Lagern gehalten und über Kraftmessdosen in ihrer Lage horizontal fixiert. Dabei
sorgten Rollenlager mit geschliffenen Laufflächen für geringe Reibungskräfte in
Messrichtung senkrecht zur Wand. Die horizontale Verschieblichkeit parallel zur
Wand wurde benötigt, um mehrere Durchbrüche jeweils in der gleichen Position
zum Versuchsraum an einer Wand ausführen zu können. Die Wand wurde nach
Erstellen eines Durchbruchs verschoben, sodass ein weiterer Durchbruch möglich
war.

Position und Größe des zu erstellenden Durchbruchs: ein quadratisches Loch
mit 50 cm × 50 cm Kantenlänge mit einem Abstand von 50 cm von der unteren
Kante der Versuchswand war herzustellen. Die horizontale Position wurde immer
mittig zu dem hinter der Wand befindlichen Versuchsraum festgelegt. Zur besse-
ren Erkennung des Arbeitsfortschritts und zur späteren optischen Auswertung der
Lochgröße anhand von Fotografien wurde ein Messraster mit 10 cm Rasterweite
an dem zu bearbeitenden Wandbereich eingezeichnet.

Der quadratische Durchbruch wurde gewählt, um immer die gleiche Anzahl von
horizontal verlaufendem Bewehrungsstahl in dem Durchbruchbereich zu erhalten.
Der Arbeitsumfang entspricht etwa dem des in Abschnitt 3.3.3 dargestellten


50
Durchbruchs mit 60 × 45 cm Abmessung, welcher in den meisten Fällen für den
Transport von Verletzten genügt. Die Größe des Durchlasses ist jeweils individuell
zu bestimmen und abhängig von der Art des Verletztentransports. Eine Kranken-
trage hat z.B. eine Breite von 50 cm, der Schleifkorb 60 cm [KatS-LA 220, 1984].
Als Richtmaße gibt die DIN 33402-4 [DIN 33402-4, 1986] eine Körperbreite von
560 mm und eine Körpertiefe von 376 mm an. Bei hochgestreckten Armen redu-
ziert sich die Breite auf 414 mm. Das Mindestmaß des Durchbruchs ist auch
abhängig von dem zur Verfügung stehenden Raum vor und nach dem Durchgang,
wenn es z.B. gilt, den Tragekorb um eine Kurve zu schwenken. Ist kein Verletz-
tentransport notwendig, genügen als Mindestmaß zum Durchkriechen auch 50 cm
Breite und 35 cm Höhe.

Pro Wand wurden zwei bis vier Durchbrüche so erstellt, dass immer an ungerisse-
nem und nicht beschädigtem Beton gearbeitet werden konnte. Die Durchbrüche
wurden jeweils wieder zubetoniert, um die homogene Massenverteilung der Wand
beizubehalten. Aufgrund des symmetrischen Aufbaus des Betonfertigteils konnte
die Wand gedreht werden, sodass der untere Bereich nach oben kommt. Dies
ermöglichte es, weitere zwei bis vier Durchbrüche anzubringen.

Begrenzter Arbeitsraum: Der Querschnitt des Arbeitsraumes für die Helfer wur-
de, soweit dies das Arbeitsverfahren zuließ, auf 80 cm Breite und 90 cm Höhe
begrenzt. Diese Einschränkung entspricht der Situation, den Durchbruch von einer
Schichtung aus oder nach einem Stollenvortrieb durchzuführen. Nach DIN 33402-
4 [DIN 33402-4, 1986] ist für einen Durchlass in kniender Haltung eine Breite von
560 mm und eine Höhe von 798 mm notwendig. Zum Arbeiten wird allerdings
mehr Platz benötigt. Bei einer kleineren Höhe als 70 cm und einer kleineren Brei-
te als 60 cm ist das Arbeiten je nach Verfahren entweder kaum noch möglich oder
die Leistung sinkt rapide ab. Der Arbeitsraumboden wurde durch Dielen gebildet,
eine seitliche und die obere Begrenzung durch eine Plane bedeckt und eine Seite
zur Beobachtung durch Maschendraht begrenzt.

Messeinrichtungen: Alle Messwerte wurden über Messverstärker (Hottinger KWS
6A-5) und Messwandlerkarte auf eine PC-Festplatte gespielt. Dabei betrug die
Abtastrate 1000 Hz. Aufgezeichnet wurden:




                                                                               51
Tabelle 3.2: Messaufnehmer beim Aufbau 1 Wanddurchbruch



3.3.2   Durchführung

Es wurden die anschließend aufgeführten vergleichenden Versuche durchgeführt.




52
Tabelle 3.3: Durchgeführte Versuche + Arbeitsgerät am Versuchsaufbau 1 Wanddurchbruch



3.3.3   Leistungsermittlung

Um die unterschiedlich erreichten Durchbruchgrößen in Beziehung zu setzen,
wurde eine Durchbruchgröße, die den normalen Erfordernissen entspricht, festge-
legt und aus den ermittelten Aufbrechleistungen für die unterschiedlichen Werk-
zeuge die Arbeitszeiten zur Erstellung eines Referenzdurchbruchs hochgerechnet.



                                                                                        53
Dieser Referenzdurchbruch hat untenstehende Abmessungen, um problemloses
Durchkriechen oder Durchschieben einer Trage zu ermöglichen. Unnötige Beton-
bearbeitung wird so vermieden. Der rautenförmige Querschnitt aus der Fibel
[Fibel, 1988, S. II/7 47] ist aus statischen Gründen in Stahlbeton nicht notwendig.
                                                          Abbildung 3.2:
                       60                                 Abmessungen des Referenz-
                                                          durchbruches FDurchbr,2
                  10        40      10

                                               10

     45                                        25

                                               10

              5        50             5

Die Abmessungen des am Objekt auszuführenden Durchbruchs richten sich nach
dem individuellen Bedarf und sollen durch die Maße des Referenzdurchbruchs
nicht vorgegeben werden.

Die bei den Versuchen ermittelten Leistungswerte für den 50 × 50 cm großen
Wanddurchbruch werden im Folgenden zur Ermittlung des Zeitbedarfs je nach
Gerätetyp auf unterschiedliche Weise herangezogen.

Die bei den Versuchen zu bearbeitete Fläche ist
FDurchbr,1 = 50 cm × 50 cm = 2500 cm2.

Die abzubrechende Betonmenge ist VDurchbr,1 = 2500 cm2 × 18 cm = 45000 cm3.

Da das Erstellen eines solch exakten Durchbruchs nicht realistisch ist, wurde ein
10 cm Raster auf die Wandfläche eingezeichnet und der fertige Durchbruch mit
dem Raster fotografiert. Die Bilder wurden eingescannt und in ein CAD-Pro-
gramm importiert. Die Durchbruchfläche konnte exakt nachgezeichnet werden.
Der Flächeninhalt wurde mit Hilfe des CAD-Programms bestimmt. Als Referenz
wird eine Rechteckfläche der aufgezeichneten Rasterung bestimmt. Anhand dieser
bekannten Fläche kann die absolute Querschnittsfläche, die bei dem jeweiligen
Versuch erzeugt wurde, bestimmt werden.

Bohr- und Aufbruchhämmer

Die bei dem Referenzdurchbruch zu bearbeitende Fläche ergibt sich nach Abbil-
dung 3.2 zu:
FDurchbr,2 = 60 x 45 cm2 - 10 × 10 cm2 - 10 × 5 cm2 = 2550 cm2



54
Abbildung 3.3:
Querschnitt des Durchbruches




Da ein Durchbruch mit Aufbruchhämmern jedoch konisch ausgeführt wird und
die zu erfüllenden Lochabmessungen im kleinsten Querschnitt erstellt werden
müssen, wird im Folgenden mit FDurchbr,2 = 2600 cm2 gerechnet. Daraus ergibt
sich eine Betonmenge bei 18 cm Wandstärke von VDurchbr,2 = 46800 cm3.

Zur Zeitermittlung bei beengten Verhältnissen wird die zu bearbeitende Beton-
menge des Referenzdurchbruchs in Relation zur tatsächlich im Versuch wegge-
brochenen Betonmenge gesetzt.

Zur Zeitermittlung bei nicht beengtem Arbeitsraum werden die Angaben von Ose-
bold [Osebold, 1981] herangezogen. Die Angaben werden mit den Leistungswer-
ten des Hydraulikhammers (JCB) verglichen, welcher der von Osebold [Osebold
1981] aufgeführten Klasse entspricht und mit einem Wert von ca. 650 cm3/min in
beengten Verhältnissen bei starker Bewehrung eine Leistungssteigerung von ca.
20% in nicht beengten Verhältnissen erfährt. Die Leistungsverhältnisse der Geräte
untereinander werden aus den Versuchen in beengten Verhältnissen ermittelt. Die-
se Leistungserhöhung wurde durch einen Versuch ohne Arbeitsraumbegrenzung
bestätigt.

Hydraulisches Spaltgerät und Pneumatikbohrhammer

Die im Versuch bearbeitete Fläche war FDurchbr,1 = 2000 cm2 bei einer Wandstärke
von 18 cm. Dies ergibt eine Betonmenge von VDurchbr,1 = 36000 cm3.

Diese Betonmenge wurde in 43 min abgebrochen. Aufgrund der Lochgeometrie
und der schräg angesetzten Bohrungen wird, wie bereits unter Bohr-/und Auf-
bruchhammer erläutert, mit FDurchbr,2 = 2600 cm2 gerechnet, was bei 18 cm eine
Betonmenge von VDurchbr,2 = 46800 cm3 ergibt.

Für nicht beengte Verhältnisse wird von einer Leistungszunahme von 10% ausge-
gangen. Dies ergibt sich aus der schwierigen Handhabung des 22 kg schweren
hydraulischen Spaltgerätes, welches im Freien einfacher in die Bohrlöcher einzu-
setzen war und der beobachteten schnelleren Bohrlochherstellung bei ausreichen-
dem Arbeitsraum.




                                                                              55
Bohrhammer und mechanische Spaltgeräte

Die zu bearbeitende Betonmenge ergibt sich wie zuvor zu VDurchbr,2 = 46800 cm3.
Im Versuch wurden 27558 cm3 in einer Zeit von 246 min bearbeitet.

Die Durchführung des Versuches war jedoch mit großen Schwierigkeiten wegen
des für das Spaltgerät hohen Bewehrungsgrades verbunden. Die Spaltgeräte setz-
ten sich häufig fest und konnten nur unter großem Aufwand wieder entfernt wer-
den. Der Einsatz des mechanischen Spaltgerätes ist nur bei nicht oder nur schwach
bewehrtem Beton sinnvoll. Für den Fall etwas geringerer Bewehrung wurde ein
Teil der Unterbrechungen wegen festgeklemmter Werkzeuge nicht berücksichtigt,
was einer Verringerung der Arbeitszeit um etwa 15% entspricht.

Die Zeitermittlung bei unbeengten Verhältnissen ergab im Vergleich zu anderen
Geräten eine relativ große Leistungszunahme von 25%. Durch die einfachere
Handhabung des Fäustels ohne räumliche Einschränkung konnte effektiver und
ermüdungsfreier gearbeitet werden.

Trennschleifer + Bohr-/Aufbruchhammer

Um die wegzubrechende Betonmenge zu ermit-                         7,5 cm
teln, wurde bei einer Wanddicke von 10 cm eine
Breite des abzubrechenden Schlitzes von 7,5 cm
angesetzt. Nimmt die Wandstärke zu, so steigt
auch die erforderlich Schlitzbreite, bzw. muss der
Schlitz „abgetreppt“ werden, um weiteres Arbeiten
mit dem Trennschleifer zu ermöglichen.

Die Schlitzbreite direkt vor dem letzten Trenn-          Abbildung 3.4: Schlitzbreite
schleifereinsatz sollte ca. 7,5 cm betragen. Die
nächsten Stufenbreiten gehen mit 10 cm, 12,5 cm
usw. in die Berechnung der Abbruchmenge ein.

Im Versuch ist für einen Trennschleifer (mit 8 cm
Schnitttiefe) bei einer Schnittfläche von FSchnitt,1 =
4 × 50 cm x 8 cm = 1600 cm2 eine Zeit von 6 min
ermittelt worden.

Mit FSchnitt,2 = (2 x 60 cm + 2 x 45 cm) x 8 cm =
1680 cm2 werden folgende Arbeitszeiten für ver-
schiedene Schnitttiefen angenommen:
                                                         Abbildung 3.5:
                                                         Abgetreppter Schlitz




56
Tabelle 3.4: Arbeitszeit für unterschiedliche Schnitttiefen eines Trennschleifers

Somit ergeben sich für die Wandstärken folgende Schlitzbreiten und Trennschnitte:




Tabelle 3.5: Schlitzbreiten für Trennschleifer

Im Versuch zeigte sich eine um ca. 20% reduzierte Aufbrechleistung des Auf-
brechhammers im engen Schlitz.

Zur Zeitermittlung in freien Verhältnissen wurde die Leistung des Trennschleifers
unverändert gelassen, die Aufbruchleistung des Bosch 1 kW Bohr- und Aufbrech-
hammers für unbeengte Verhältnisse herangezogen und entsprechend um 20 %
abgemindert.


Kernbohrgeräte
Elektrisches Kernbohrgerät Gölz mit Bohrständer

Bei dem Versuch mit diesem Kernbohrgerät wurden insgesamt 17 Bohrungen mit
unterschiedlichen Durchmessern ausgeführt. Dafür wurde 145 min Bohrzeit benö-
tigt. Der Bohrfortschritt hängt stark davon ab, ob und in welcher Lage Beweh-
rungsstahl angeschnitten wird, denn Stahl wird von den diamantbestückten Bohr-
kronen nur schlecht abgeschliffen. Nach Osebold [Osebold, 1981] hat die Wahl
des Durchmessers kaum Einfluss auf den Bohrfortschritt. Dies kann durch die Ver-
suche nur eingeschränkt bestätigt werden. Der Bohrfortschritt ist bei gleicher
Schleifgeschwindigkeit und bei gleichem Anpressdruck unabhängig von dem
Durchmesser. Da bei einem größeren Durchmesser die Anpressfläche ebenso
zunimmt, muss eine größere Anpresskraft ausgeübt werden. Die Reibungskräfte
nehmen zu und es ist eine größere Bohrleistung erforderlich. Bei zu geringer
Antriebsleistung muss der Anpressdruck reduziert werden. Bei den Versuchen
ergaben sich unterschiedliche mittlere Vortriebsgeschwindigkeiten, abhängig vom


                                                                                    57
Bohrkronendurchmesser. Die Antriebsleistung des elektrischen Bohrmotors war
offensichtlich nicht ausreichend für einen ebenso schnellen Vortrieb mit 150 mm
Bohrkronendurchmesser wie mit 42 mm Bohrkronendurchmesser.

Der Bohrmotor war mit einer optischen Überlastanzeige ausgestattet, die aller-
dings bei den Versuchen durch den Bediener häufig übersehen wurde, da sie für
die Arbeitsposition schlecht angebracht war. Die Überlastung führte am Ende des
Versuchs zu einem Versagen der Kohlebürsten. Für beengte Verhältnisse wurde ein
durchschnittlicher Bohrfortschritt von 1,75 cm/min ermittelt. Für freie Verhält-
nisse ergaben sich 1,9 cm/min. Der Unterschied liegt nicht im Bohrvorgang, son-
dern in der längeren Umbauzeit. Die Werte beziehen sich auf einen Bohrkronen-
durchmesser von 150 mm, welcher mindestens 11 Bohrungen erfordert (vgl.
Abschnitt 5.3.2). Danach kann entweder ein zusätzliches Gerät den stehen geblie-
benen Steg entfernen oder das Kernbohrgerät muss abmontiert und außerhalb des
Durchbruches für die zwölfte und letzte Bohrung neu befestigt werden.

Kernbohrgerät hydraulisch, KB 600 (SEEBA)

Mit diesem Gerät wird nur eine Bohrung mit 600 mm Durchmesser ausgeführt.
Die Versuchswerte haben bei einer Wandstärke von 18 cm eine Bohrzeit von 57
min ergeben, sodass ein Bohrfortschritt von 0,32 cm/min angesetzt werden kann.
Dieser Wert kann mit Hilfe eines leistungsfähigeren Aggregates übertroffen werden.

Betonsägen

Bei Betonsägen wird als Bezugsgröße nicht die Betonmasse, sondern die erstellte
Schnittfläche herangezogen.

Im Versuch war dies
                                                                  60
FSchnitt,1 = 4 × 50 cm × 18 cm = 3600 cm2.

Da Betonsägen nur gerade Schnitte ausführen kön-
nen und häufiges Ansetzen vermieden werden soll,         45
wird hier die volle Lochgröße von 60 × 45 cm
erstellt. Daraus ergibt sich bei 18 cm Wanddicke
eine Schnittfläche von
                                                       Abbildung 3.6:
FSchnitt,2 = (2 × 60 + 2 × 45) × 18 = 3780 cm2.        Schnittlänge bei Betonsägen

Betonkettensäge

Im Versuch wurden 45 min zur Erstellung einer Schnittfläche von 3600 cm2 benö-
tigt, sodass sich eine Zeit von 12,5 min für 1000 cm2 bzw. eine Schnittfläche von
80 cm2/min ergibt. Es stellte sich heraus, dass der erste Bediener die Kettensäge
nicht richtig einsetzte. Es sind also noch bessere Schnittleistungen zu erwarten, als
die ohnehin guten gemessenen Werte. Voraussetzung ist allerdings ein guter Aus-
bildungsstand des Bedieners.


58
Zur Zeitermittlung in unbeengten Verhältnissen wurden die ermittelten Zeitwerte
aus beengten Verhältnissen um 15% abgemindert. Die im Vergleich zu Bohr- und
Aufbruchhämmern geringere Leistungszunahme liegt darin begründet, dass eine
Betonkettensäge sehr viel weniger Ellenbogenfreiheit erfordert als ein Aufbruch-
hammer, daher ist mit einer halb so großen Leistungszunahme zu rechnen. Das
Herausbrechen des Reststückes ist bei freien Verhältnissen um vieles leichter,
sodass hier insgesamt eine Zeitersparnis von 15% gewählt wurde.

Ringsäge

Für die Ringsäge wurde im Versuch für eine Schnittfläche von 3600 cm2 eine Zeit
von 63 min benötigt. Das ergibt eine Schnittleistung von 57 cm2/min. Zur Zeiter-
mittlung bei unbeengten Verhältnissen wurden die ermittelten Werte aus den sel-
ben Gründen wie bei der Betonkettensäge um 15% abgemindert.

Bergungsräumgerät mit Hydraulikmeißel

Als Lochquerschnitt war FDurchbr,1 = 2500 cm2 gefordert und auch für die Leis-
tungsberechnung angesetzt. Die tatsächliche Querschnittsfläche war zwar größer,
jedoch sollte diese nicht geforderte Vergrößerung nicht in die Leistungsberech-
nung zur Erstellung eines Durchbruchs mit eingerechnet werden. Der Einfluss
wäre auch gering gewesen, denn der größte Anteil wurde durch die Rüstzeit bean-
sprucht. Es wurde eine Betonbearbeitungszeit von 10 min gemessen. Es ist also in
10 min eine Betonmenge von VDurchbr,1 = 45000 cm3 weggebrochen worden. Dar-
aus ergibt sich eine bearbeitbare Betonmenge pro Minute von 4500 cm3. Die
ermittelten Werte je Wanddicke beziehen sich auf FDurchbr,2 = 2600 cm2 (vgl.
Bohr- und Aufbruchhammer).


3.3.4   Ergebnisse

3.3.4.1 Personal- und Zeitbedarf

Der angegebene Personalbedarf ist als Mindestbesetzung anzusehen, mit der die
angegebenen Leistungen erreicht werden können. Neben den direkt am Arbeitsge-
rät beschäftigten Helfern muss noch Personal für die Ablösung, die Überwachung
des Generators und sonstige Hilfsarbeiten vorhanden sein. Eine Person sollte
immer die Arbeiten überwachen um das weitere Vorgehen festzulegen, den Wech-
sel am Arbeitsgerät zu bestimmen, Abstützmaßnahmen einzuleiten und eventuell
weiteres Personal anzufordern. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Helfer
sich zu sehr nur auf die Durchbrucharbeit konzentrieren, Gefahren nicht erkennen
und zu lange arbeiten, sodass die Leistung sinkt. Die Arbeiten sind teilweise sehr
anstrengend und die Helfer können unterschiedlich lange die notwendige Leistung
liefern, bevor wieder eine Erholungsphase notwendig wird. Im Versuch wurden
die in Spalte 3 „Einzel ArbZeit“ (Tabelle 3.6) angegebenen Zeiten festgehalten.
Für die Rüstarbeiten wie Aufstellen des Aggregats, Verlegen von Kabeln und
Schläuchen, Schaffung eines Arbeitsplatzes, wird abhängig von den örtlichen Ver-
hältnissen mehr als das angegebene Personal benötigt. Für die Gesamtarbeitszei-

                                                                               59
ten ergeben sich somit die folgenden Werte für beschränkten Arbeitsraum und
unbeschränkten Arbeitsraum.




Tabelle 3.6: Vergleichswerte der verschiedenen Geräte für den Einsatz in beengten Verhältnissen
             bei unterschiedlicher Dicke von Stahlbetonhindernissen, Typenbezeichnung siehe
             Tabelle 3.3

1 Der Gesamtzeitbedarf für die Sprengung ist im Wesentlichen abhängig von der Anfahrtszeit für
Sprengmaterial und ausgebildetes Personal, von dem Grad der Vorbereitung der Sprengmittel und dem
Zeitbedarf für das Absperren und Räumen des Gefahrenbereichs. Die geringen Rüstzeiten der aufge-
legten Ladung und der Hohlladung sind nur möglich, wenn entsprechende Rahmen bereits vorgefertigt
mitgeführt werden und nur noch befestigt, angeschlossen und verdämmt werden müssen. Die Zeit zur
Absperrung des Gefahrenbereichs ist nicht in der Rüstzeit enthalten.

2 Der große Zeitbedarf für die Bohrlochsprengung ergab sich aus der Tatsache, dass wegen der gerin-
gen Dicke der Wand und der kleinen anzuwendenden Wirkungsradien 12 Bohrungen notwendig
erschienen. In den Lehrgangsunterlagen der Katastrophenschutzschule von 11/84 wurde für dickere zu
sprengende Wände angegeben, dass drei oder fünf Bohrungen anzubringen sind. Der Zeitaufwand ist
stark von der Anzahl der Bohrungen abhängig, da das Bohren, Vorbereiten der Sprengschnur und Ver-
kabeln je Bohrung anfällt. Die Sprengwirkung zeigte jedoch, dass die Bemessung der Ladung und die
Anzahl der Bohrungen für die Wandstärke falsch waren und ein anderes Bemessungsverfahren für die-
sen Anwendungsfall notwendig ist. Sind nur noch drei oder fünf Bohrungen auszuführen, verringert
sich die Rüstzeit etwa um 30 – 50%.




60
Bei den Werten ist besonders der Vergleich der Arbeitszeiten untereinander von
Interesse. Die angegebenen absoluten Werte können als Richtwerte für Decken
und stark bewehrte Wände verwendet werden. Die Arbeitszeiten hängen von vie-
len Parametern, wie Bewehrungsgrad, Zugänglichkeit, Verwendung von Atem-
schutz usw. ab. Deshalb können sich die Arbeitszeiten für andere Randbedingun-
gen gegenüber den gemessenen Zeiten verkürzen oder verlängern. Für die
Auswahl der Geräte ist das Verhältnis der Arbeitsleistungen, die hier unter glei-
chen Bedingungen ermittelt wurden, ausschlaggebend.




Tabelle 3.7: Vergleichswerte der verschiedenen Geräte für den Einsatz in nicht beengten Verhält-
             nissen bei unterschiedlicher Dicke von Stahlbetonhindernissen

Die Abhängigkeit von der Wandstärke wurde in Abschnitt 3.3.3 Leistungsermitt-
lung bestimmt und wird in Abbildung 3.7 und Abbildung 3.8 dargestellt.




                                                                                            61
Abbildung 3.7: Zeitaufwand zur Erstellung eines Standarddurchbruchs durch Stahlbeton bei
               beengten Verhältnissen in Abhängigkeit von der Bauteildicke




Abbildung 3.8: Zeitaufwand zur Erstellung eines Standarddurchbruchs durch Stahlbeton bei
               nicht beengten Verhältnissen in Abhängigkeit von der Bauteildicke




62
Bei labilen Trümmerstrukturen sind Schwingungen und Stöße nach Möglichkeit
zu vermeiden, da nie bekannt sein wird, ab welcher Amplitude oder bei welchem
Impuls es zu einer Destabilisierung und weiteren Zusammenbrüchen der Trüm-
merstruktur kommen wird. Die zulässigen Belastungen sind natürlich von der
Trümmerstruktur abhängig. Bei freistehenden Mauerwerkswänden, wenn die
Standsicherheit stehen gebliebener Gebäudeteile gering ist, oder bei Schichtungen
mit der Gefahr des Abrutschens werden nach Möglichkeit erst Abstützungsmaß-
nahmen ergriffen oder aber der Gefahrenbereich wird abgesperrt bevor die Arbeiten
weitergeführt werden, da kleinste Erschütterungen wie etwa von vorbeifahrenden
Zügen oder LKW zu weiterem Versagen führen können. Horizontale Schichtungen
sind im Gegensatz dazu meist sehr stabil, sodass auch größere Schwinggeschwin-
digkeiten ertragen werden. Hier sind die Bauteile oder Einrichtungsgegenstände,
die als Auflager zwischen den einzelnen Decken dienen, für die Standsicherheit
maßgebend.

Auf jeden Fall sollten die Trümmer ständig beobachtet werden, ob sich Risse bil-
den oder erweitern, ob sich die Neigung von Bauteilen verändert oder sich Trüm-
merteile verschieben. Je nach den personellen Möglichkeiten sollte mindestens
eine Person für die Beobachtung abgestellt werden.

Die unterschiedliche Belastung der Trümmerstruktur durch die einzelnen Geräte
und Verfahren muss bei der Auswahl in diesem Zusammenhang herangezogen
werden. Es wurden folgende Messungen ausgeführt:

1. Die Summe der maximal von der Wand auf die Lagerung in horizontaler
   Richtung ausgeübten Kräfte. Dies entspricht der Belastung der Trümmer-
   struktur am Anschluss zum bearbeiteten Trümmerteil. Welche Kräfte hier auf-
   genommen werden können, ist von der Trümmersituation abhängig. Die Fol-
   gen zu großer Kräfte oder zu langer Einwirkdauer können nicht nur das
   Versagen der Lagerung des bearbeiteten Bauteils und somit ein lokaler Ein-
   sturz im Arbeitsbereich sein, sondern schon bei geringen Kräften können labi-
   le Trümmerstrukturen im Einflussbereich einstürzen sowie Staub und feiner
   Schutt sich lösen und Verschüttete ersticken.

2. Die maximalen horizontalen Schwinggeschwindigkeiten im Messraum.
   Wegen den Standardverhältnissen im Wohnungsbau entsprechenden Massen-
   und Größenverteilung des Versuchsaufbaus können die Messwerte, die nach
   DIN 4150 ermittelt wurden, direkt mit den Vorgaben dieser DIN [DIN 4150,
   Teil 3, 1986] verglichen werden, die zulässige Schwinggeschwindigkeiten ν
   [mm/s] in nicht erheblich beschädigten Gebäuden angibt. Diese DIN gibt als
   Richtwert für kurzzeitige Erschütterungen ν ≤ 20 mm/s und für stationäre
   Schwingungen ν ≤ 10 mm/s in Deckenmitte an. Die Schwingungen infolge der
   Bearbeitung der Betonwand sind mit Ausnahme der Sprengung durchweg als
   stationäre Schwingungen anzusehen. Die Gebäudeschwingungen in Decken-
   ebene des obersten Vollgeschosses können nach DIN 4150 in Industriebauten
   und gewerblich genutzten Bauten ν ≤ 40 mm/s, in Wohngebäuden ν ≤ 20 mm/s
   und in erschütterungsempfindlichen oder besonders erhaltenswerten Gebäu-


                                                                              63
     den ν ≤ 8 mm/s betragen. Die Werte sind in dem Zusammenhang als Ober-
     grenze anzusehen, bei denen keine Schäden zu erwarten sind. Im Einzelfall
     können vollständige Gebäude auch weit höhere Lasten als die angegebenen
     ertragen. Im Gegensatz dazu können weit geringere Werte in instabilen Trüm-
     merlagen zu weiteren Zusammenbrüchen führen. Da die Erschütterungen nicht
     über das Fundament sondern über Gebäudeteile eingeleitet wurden, wurden
     die Messungen nicht am Fundament sondern auf der unteren Decke des Mess-
     raumes durchgeführt. Die Auswirkungen der Schwingungen sind wiederum
     die Labilisierung der Trümmerstruktur und Erstickungsgefahr durch Schutt
     und Staub bis zum Zusammenbruch.

Die Ergebnisse sind im starken Maße von der Gebäude- oder Trümmerstruktur
abhängig. Da die Vertikalbeschleunigungen stark von der Resonanzfrequenz der
Decke, der Deckenart und -form abhängen, wurden nur die Horizontalschwingun-
gen zum Vergleich herangezogen.

In der nachfolgenden Grafik sind die Werte logarithmisch dargestellt. Das Ver-
hältnis der gemessenen Schwinggeschwindigkeiten zur Horizontalkraft ist ein
Maß für die Übertragung der Belastung auf das Gebäude.

Es lassen sich drei Hauptgruppen erkennen. In der ersten Gruppe sind die handge-
führten Bohr- und Aufbrechgeräte. Der Aufbrechhammer TE 75 von Hilti fällt mit
geringeren Kräften auf, obwohl bessere Aufbrechleistungen erzielt wurden als mit
dem beim THW verwendeten Aufbrechhammer mit der gleichen elektrischen Leis-
tung. Dies liegt sicherlich an dem elektropneumatischen Arbeitsprinzip des Hilti-
Aufbrechhammers. Wegen der geringeren Belastung der Trümmerstruktur ist die-
ses Arbeitsprinzip von Vorteil. Im gleichen Maße ist das leichtere Gerät durch den
geringeren notwendigen Anpressdruck besser zu handhaben. Die pneumatischen
und hydraulischen Aufbrechhämmer weisen Trümmerbelastungen in der Größen-
ordnung des Bosch UBH 12/50 (1 kW) auf, dies aber mit mehr als doppelt so gro-
ßer Aufbrechleistung. Die großen Horizontalkräfte, die mit dem Bosch 2 kW Auf-
brechhammer erreicht wurden, resultieren daraus, dass das eigentlich für die
Arbeitsrichtung senkrecht nach unten entwickelte Gerät mit zwei Personen hori-
zontal gegen die Wand gepresst wurde. Auf diese Art ergaben sich Aufbrechleis-
tungen, die mit den pneumatischen und hydraulischen Aufbrechhämmern erreicht
wurden, die jedoch weit besser zu bedienen sind.

Die zweite Gruppe beinhaltet die schleifenden Verfahren, die naturgemäß geringere
Belastungen auf die Trümmerstruktur erzeugen. Die Kräfte setzten sich zusammen
aus dem Anpressdruck bei handgeführten Geräten und aus Schwingungen, die
sich aus der Reibung ergaben. Die Werte können allesamt als unbedenklich einge-
stuft werden. Mit handgeführten Geräten, speziell der Betonkettensäge, handge-
führten Kernbohrgeräten und Trennschleifgeräten kann das Werkzeug verkanten
und so zu Belastungen der Trümmer führen. Diese Kräfte erreichen nur etwa 20%
der Kräfte des Bohr- und Aufbrechhammers 1 kW von Bosch und treten nicht
regelmäßig auf. Sollten selbst bei diesen Erschütterungen schädliche Folgen an
besonders labilen Trümmerstrukturen beobachtet werden, ist ein Kernbohrgerät


64
Abbildung 3.9: Messwerte der maximalen Horizontalkräfte und der horizontalen Schwingge-
               schwindigkeiten am Versuchsaufbau 1 – Wanddurchbruch


mit Bohrständer (Bohrlafette) günstiger, da hierbei kein Verkanten eintritt. Aller-
dings muss hierfür ein Befestigungsdübel gesetzt werden. Alternativ kann ein
Bohrständer mit Vakuumansaugfuß verwendet werden.

Als dritte große Gruppe sind die Sprengverfahren zu nennen. Es tritt nur eine kurz-
zeitige Belastung auf, die Kräfte übertreffen die der handgeführten Geräte noch
einmal um den Faktor 50. Diese kurzfristig auftretenden Kräfte können bei intak-
ten Gebäuden von den Anschlüssen der Wand ertragen werden. Eventuell kommt
es dabei zu plastischen Verformungen. Auch horizontale Schichtungen sind meist
so stabil gelagert, dass solche Kräfte aufgenommen werden können, wenn durch


                                                                                    65
die Bergungsarbeiten keine Änderungen vorgenommen wurden. Ansonsten ist
davon auszugehen, dass Trümmerstrukturen labilisiert werden (siehe auch
Abschnitt 3.3.4.4).

Die Sauerstofflanze gehört zu keiner dieser Gruppen. Hiermit wurden Bohrungen
entlang dem Rand des späteren Durchbruchs hergestellt. Die Belastung durch
Stickoxide und Kohlenoxide sowie die Sauerstoffkonzentration hinter der Wand
wurden bei dem Versuch mit der Sauerstoffkernlanze zusätzlich aufgezeichnet.
Bedingt durch das bohrende Verfahren wurde jeweils nur kurzfristig die offene
Flamme in den Raum geleitet. Dabei übertraf der gemessene CO2- Wert jeweils
den zulässigen Wert von 0,5 % um mehr als das Zehnfache. Genauere Angaben
sind nicht mehr möglich, da die CO2-Konzentrationen über dem (eigentlich groß-
zügigen) Messbereich von 0 bis 5 % lagen. Die anderen Werte lagen unterhalb der
Grenzwerte. Die Sauerstoffkonzentration nahm nicht ab, da mit Sauerstoffüber-
schuss gebrannt wird. Das Verfahren ist nur in Ausnahmesituationen denkbar, da
der Aufwand groß ist und die Gefahr besteht, dass ein Brand entsteht, da Schla-
ckespritzer sich auch in Ritzen festsetzen können oder durch Spalten in andere Räu-
me geraten können. Wandkräfte treten nur in sehr geringem Maße auf, abgesehen
von den Belastungen durch das Herausnehmen des zu entfernenden Wandstücks.

Die Frequenzen der übertragenen Kräfte sind im Wesentlichen vom Resonanzver-
halten der Wand in der entsprechenden Lagerung und dem Erreger, also dem
bewegten Werkzeug, abhängig. Zwei Beispiele (Abbildung 3.10 und Abbildung
3.11) verdeutlichen die Unterschiede der von der Wand an die Lagerung weiterge-
gebenen Kräfte zwischen dem Bergungsräumgerät und dem Drucklufthammer
von Atlas-Copco.




Abbildung 3.10: Frequenzspektrum der Horizontalkräfte Wand-Lagerung des Bergungsräum-
                gerätes mit Hydraulikmeißel


66
Beim Bergungsräumgerät stammt die Überhöhung bei 0 Hz von der Anpresskraft,
die bereits ohne Meißelwirkung verhältnismäßig groß ist. Frequenzen im Bereich
15, 30 und 60 Hz dominieren. Im Gegensatz dazu liegen die Resonanzfrequenzen
bei dem handgeführten Gerät bei 60, 120 und 240 Hz.




Abbildung 3.11: Frequenzspektrum der Horizontalkräfte Wand-Lagerung, Drucklufthammer
                Atlas-Copco TEX 8 HS


Das Frequenzspektrum der Kräfte beeinflusst die Übertragung der Schwingungen
im Gebäude und das Nachrieseln von feinkörnigem Material. Dieser komplexe
Zusammenhang konnte im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht weiter untersucht
werden.


3.3.4.2 Staub

Bei einem Gebäudeeinsturz wird Staub in großem Maße aufgewirbelt. Aber auch
bei den darauf folgenden Rettungsarbeiten werden oft große Mengen an Staub
erzeugt. Die Berufsgenossenschaften haben bereits Staub an Arbeitsplätzen unter-
sucht und Grenzwerte festgelegt, die sich auf Gesundheitsschäden bei regelmäßig
wiederholter Exposition beziehen.

Als allgemeiner Staubgrenzwert gilt eine Gesamtstaubkonzentration von 6 mg/m3.
Dieser Wert soll die Beeinträchtigung der Funktion der Atmungsorgane infolge
einer allgemeinen Staubwirkung verhindern und ist in jedem Fall in Ergänzung
stoffspezifischer Luftgrenzwerte einzuhalten. Er ist z.Zt. in Überarbeitung. Vorge-
schlagen wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft:


                                                                                 67
• eine Feinstaubkonzentration von 1,5 mg/m3,

• eine Gesamtstaubkonzentration von 4,0 mg/m3,

• Der Grenzwert von Quarzstaub liegt bei 0,15 mg/m3.

Diese Staubgrenzwerte [DFG 1973, DFG 1983, TrgA 1995] gelten als Langzeit-
werte für eine Staubexposition von einem Jahr. Die Beeinträchtigung der
Atmungsorgane durch die vorstehend genannten Stäube und Rauche sind Lang-
zeiteffekte und hängen maßgeblich von der Staubdosis ab, die durch die über einen
längeren Zeitraum einwirkende mittlere Feinstaubkonzentration bestimmt wird.
Grenzwerte für bereits verletzte Verschüttete können nur individuell von einem
Spezialisten festgelegt werden. Da meist die genaue Position der Verschütteten,
die Verletzungen und die Belastung durch Trümmer ungewiss sind, sollten nach
Möglichkeit zusätzliche Belastungen wie erhöhte Staubexposition vermieden wer-
den. Von gesunden Personen kann im Normalfall auch eine starke Staubkonzen-
tration abgehustet werden. Die Arbeiten sollten oberhalb der Grenzwerte der
Berufsgenossenschaften mit Atemschutz ausgeführt werden, sonst ist mit geringe-
rer Leistungsfähigkeit zu rechnen. Die Staubkonzentrationen wurden bei diesem
Messverfahren über die Messzeit, die der jeweiligen Arbeitszeit entsprach,
gemittelt. Die Messergebnisse werden in nachfolgender Grafik zusammengestellt.

Die Quarzstaubexposition ist von den verwendeten Betonzuschlägen abhängig,
ist aber bei fast allen Verfahren am Arbeitsplatz weit größer als der Grenzwert. Da
Erkrankungen wie Silikose bei Langzeitbelastung zu erwarten sind, sollte bei
wiederholter Exposition Atemschutz verwendet werden. Da Feinstaub die Atmung
erschwert und damit die Leistungsfähigkeit herabsetzt, sollte bei Belastung größer
dem Grenzwert von 1,5 mg/m3 Atemschutz verwendet werden.

Besonders mit Trennschleifern wurden extreme Feinstaubkonzentrationen von
17 und 24 mg/m3 gemessen, die ohne Atemschutz nur schwer zu ertragen sind. Die
Aufbrechhämmer erzeugten mit steigender Leistung mehr Staub, allesamt soviel,
dass Atemschutz zu empfehlen ist. Aber auch die schleifenden Verfahren mit Was-
serspülung wie Betonkettensäge und handgeführte Kernbohrgeräte überschreiten
den Grenzwert, da feine Wassertröpfchen mit Feinstaub eingeatmet werden. Diese
erhöhten Expositionen waren bei der Arbeit jedoch nicht hinderlich. Für die Ver-
schütteten waren diese Verfahren mit den geringsten Staubbelastungen verbunden.
Die höchsten Feinstaubbelastungen der Verschütteten von 18 und 38 mg/m3 wur-
den bei den beiden pneumatischen Aufbrechhämmern festgestellt. Der bei den
Meißelarbeiten anfallende Staub wurde zu einem großen Teil mit der Druckluft in
den Innenraum eingeblasen. Verletzten oder in der Atmung eingeschränkten Ver-
schütteten im Bereich der Staubwolke sollte versucht werden, Atemschutz zu
geben. Ist dies nicht möglich, ist abhängig vom Grad der Verletzung ein weniger
staubintensives Verfahren heranzuziehen.




68
                                                                         3



                                                                         3



                                                                         3



                                                                         3




                          3                                              3




Abbildung 3.12: Gemessene Staubwerte Versuchsaufbau 1 – Wanddurchbruch

Sehr große Feinstaubkonzentrationen im Innenraum konnten bei den Arbeiten mit
der Sauerstoffkernlanze beobachtet werden. Staubmessungen lagen nicht vor,
jedoch wäre Atemschutz für Verschüttete bei diesem Verfahren dringend zu emp-
fehlen.


3.3.4.3 Lärm

Die gehörschädigende Wirkung von Lärm ist durch den arbeitsplatzbezogenen
Beurteilungspegel gekennzeichnet, der sich auf einen Zeitraum von acht Stunden
bezieht. Bei einem Beurteilungspegel von über 85 dB(A) besteht die Gefahr einer
Gehörschädigung, die zu einer Lärmschwerhörigkeit führen kann. Diese tritt um
so schneller ein, je größer die Überschreitung dieses Grenzwertes ist. Der
Zusammenhang von Einwirkungsdauer und Beurteilungspegel wird in der folgen-
den Gegenüberstellung deutlich:



                                                                             69
Tabelle 3.8: Maximale tägliche Schallexposition, die von Berufsgenossenschaften toleriert wird


• Bei Verdoppelung des Beurteilungspegels (Erhöhung um 3 dB(A)) halbiert sich
  die Einwirkungsdauer für Gehörschädigungen.

• Um gesundheitliche Risiken für die Helfer zu vermeiden, sollte bei 85 dB(A)
  Gehörschutz zur Verfügung gestellt werden. Bei 95 dB(A) muss auf jeden Fall
  Gehörschutz verwendet werden.

• Ab 140 dB Spitzenschalldruckpegel ist von bleibenden Gehörschäden auszuge-
  hen [Price 1979]. Nach [Seidel, Bittighofer 1997] ist mit einem Knalltrauma bei
  einer Einwirkzeit unter 1,5 ms oder mit einem Explosionstrauma bei längerer
  Einwirkzeit ab 135 dB(A) zu rechnen, dabei häufig mit bleibenden Schäden.

• Lärm kann bei Verschütteten Personen zu Panik führen, wenn diese keine
  Informationen über die Lärmquelle besitzen. Besonders bereits verletzte Per-
  sonen können extrem reagieren.

Die Messungen ergaben für alle (!) Verfahren 95db(A) oder mehr am Arbeitsplatz,
gemessen in Ohrnähe des Helfers. Allein das hydraulische Spaltgerät ist unbe-
denklich, die Lärmwerte entstanden bei dem Bohrvorgang. Es muss also aus-
nahmslos Gehörschutz getragen werden. Besonders die druckluftgetriebenen
Werkzeuge, aber auch die schleifenden Verfahren wiesen Schallpegel von zum Teil
deutlich über 120 dB(A) auf.

Im Übrigen sei noch auf die Explosionsschutz-Regeln des Hauptverbandes der
gewerblichen Berufsgenossenschaften [ZH1/10, 1998] hingewiesen, die sich mit
dem Erkennen von Explosionsgefahr und Arbeiten in explosionsgefährdeten
Bereichen befasst.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Verfahren mit handgeführten
Geräten mit erheblichen physischen und auch psychischen Belastungen verbunden
sind. Dies gilt besonders für Arbeiten in beengten Räumen. Die Belastungen füh-
ren zu einer schnellen Verringerung der Arbeitsleistung, Verletzungsgefahr und
der Tendenz, Gefahren schlechter einschätzen zu können. Nach Möglichkeit sind
die Bediener bereits nach ca. 10 Minuten abzulösen. Die Ablösung muss vollstän-
dig mit persönlicher Schutzausrüstung ausgestattet sein, um möglichst kurze
Wechselintervalle zu gewährleisten. Ein Helfer muss den Arbeitsfortschritt stän-
dig beobachten, um den Überblick zu bewahren und Gefahren frühzeitig zu erken-
nen. Er leitet den Gerätebediener mit kurzen und eindeutigen Anweisungen an und
lässt bei Verringerung der Arbeitsleistung ablösen.




70
Abbildung 3.13: Gemessene Lärmwerte Versuchsaufbau 1 – Wanddurchbruch



3.3.4.4 Sprengversuche

Die Kraftmessungen bei den drei durchgeführten Sprengversuchen ergaben ver-
gleichsweise große Werte, die selbst mit dem Hydraulikmeißel des Bergungs-
räumgerätes nicht erreicht wurden. Dabei wurden teilweise Kraftmessdosen zer-
stört. Die Einwirkzeit war gering. Somit besteht bei Durchführung vergleichbarer
Sprengungen in instabilen Trümmerstrukturen die erhebliche Gefahr weiterer Ein-
stürze und Verschiebungen der Trümmerstruktur.

Sind jedoch hierdurch keine Gefährdungen zu erwarten, da die Lage der zu Ret-
tenden bekannt ist und diese nicht durch herabfallende, umstürzende oder sich ver-
schiebende Teile gefährdet sind, ist eine Sprengung in Erwägung zu ziehen. Dies
ist bei Rettung aus Bunkern oder geschlossenen ungeschädigten Stahlbetonkon-


                                                                               71
struktionen durchaus möglich, wie dies bereits von dem Sprengsachverständigen
Karl Schnait in Österreich gezeigt wurde. Dabei ist jedoch eine genaue Kenntnis
des zu sprengenden Materials und der Sprengwirkung vorauszusetzen. Ein Durch-
brechen der Sprengung, wie dies im Versuch mit der Bohrlochladung erfolgte,
muss im Hinblick auf den Druckstoß und umherfliegende Teile unbedingt vermie-
den werden. Von Schnait wurde zwar berichtet, dass das Durchschlagen keine gro-
ße Wirkung habe, dies gilt jedoch nur für leichtes Überladen. Bei der anhand der
allerdings nicht für die nur 18 cm starke Wand vorgesehenen Ausbildungsunterla-
ge des THW durchgeführten Bohrlochsprengung ergab sich sehr wohl eine große
Verletzungsgefahr im Rauminnern durch Betonsplitter, die an der 6 m entfernten
Stahltür noch bis zu 5 mm starke Einkerbungen hinterließen.

Idealerweise soll die Wand im Bereich des geplanten Durchbruchs nur zermürbt
werden, wie dies bei dem dritten Sprengversuch erfolgte. Hier konnte nach der
Sprengung das Betonmaterial mittels Hammer leicht entfernt werden. Anschlie-
ßend konnte die Bewehrung herausgetrennt werden.

Bei einer eventuellen Weiterentwicklung des Verfahrens sind folgende Punkte zu
berücksichtigen:

• Eine Sprengung im Bereich von labilen Trümmerstrukturen (Schichtungen,
  überlastete Strukturen, herabhängende Trümmerteile, freistehende Wände...)
  darf nur durchgeführt werden, wenn sich durch den Zusammenbruch derselben
  keine Gefahr für Helfer und alle Verschütteten ergibt. Vollständige Ortungsmaß-
  nahmen im gesamten Bereich sind in diesem Fall Voraussetzung.

• Die Position der zu rettenden Personen im Bereich des Durchbruchs muss
  bekannt sein. Probebohrung durchführen. Die Personen müssen sich im
  „Sprengschatten“ des geplanten Durchbruchs befinden, also in einem Winkel
  größer 60 bis 70 Grad zur Wirkungslinie der Sprengung.

• Die Personen sollten vorgewarnt werden, um sich schützen zu können. Schutz-
  maßnahmen und die akustische Signale zum genauen Bestimmen des Zeit-
  punktes der Detonation müssen der Person im Innern bekannt sein.

• Insbesondere für Wandstärken unter 40 cm sind genaue Bemessungsverfahren
  für die Sprengladung zu entwickeln.

• Überladen ist zu vermeiden, bei unzureichend genauer Kenntnis über Wandstär-
  ke und Materialfestigkeit sollte mit geringer Ladung begonnen werde. Die
  Ladung kann dann weiter erhöht werden.

• Sprengfachkräfte, bereits vorbereitete Sprengmittel und Zubehör müssen flä-
  chendeckend und schnell zur Verfügung stehen, um durch Einbruchsprengung
  Vorteile gegenüber anderen Verfahren zu erreichen.

• Alle Sicherheitsvorkehrungen sind im Übrigen nach den gesetzlichen Bestim-
  mungen und Vorschriften auszuführen.


72
Da es nicht der Intention des Forschungsauftrags entsprach, die Technik der Ein-
bruchsprengung weiterzuentwickeln, wurden keine weiteren Versuche unternom-
men.

Die bei den Versuchen gewonnenen Erkenntnisse über Verfahren und Geräte wer-
den in Abschnitt 4 Geräte und 5 Verfahren zusammengefasst.


3.4     Aufbau 2 – Bewegen schwerer und großer Lasten
Die zunehmende Verwendung von Stahlbeton als Baustoff wirkt sich auf die zu
erwartenden Trümmerstrukturen aus (siehe Abschnitt 2). Großflächige Trümmer-
teile wie Stahlbetondecken oder -wände stellen dabei eine besondere Herausfor-
derung für die Rettungskräfte dar, wenn darunter eingeklemmte Personen befreit
werden müssen oder ein Zugang zwischen und unter den Teilen hindurch geschaf-
fen werden muss. Diese Teile lassen sich nur mit großem technischen Aufwand
bewegen und es besteht eine erhöhte Gefahr für Helfer und Verschüttete, darunter
eingeklemmt oder verletzt zu werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es
jedoch nötig werden, solche Trümmerteile zu bewegen. Es können sich auch Vor-
teile gegenüber anderer Verfahren ergeben, die zum Umgang mit schweren Trüm-
merteilen führen. Beispiele hierfür sind:

• Es ist keine andere Zugangsmöglickeit vorhanden als das Entfernen/Bewegen
  der Trümmerteile,

• unter Zeitdruck werden andere Verfahren (z.B. Wanddurchbruch) als zeitauf-
  wendiger eingeschätzt,

• andere Verfahren bedeuten einen noch größeren Eingriff in die Statik der Trüm-
  merstruktur,

• es sind keine geeigneten Geräte für andere Verfahren vorhanden.

Da der Umgang mit schweren und großflächigen Trümmerteilen, besonders unter
Verwendung von Kränen und Baumaschinen, in der Literatur und den Dienstvor-
schriften wenig behandelt wird, jedoch bei zukünftigen Rettungseinsätzen einen
größeren Stellenwert haben werden, sollte diese Situation genauer untersucht wer-
den. Ziel war hierbei, Detailprobleme zu erkennen, Geräte zu erproben und Ver-
fahren zur Lösung der Rettungsaufgaben zu entwickeln.


3.4.1   Aufbau

Zwischen zwei mit Streben abgestützten Fertigwänden wurde als Rutschfläche ein
Stahlbetondeckenelement mit der Größe 6,00 m × 2,42 m × 0,18 m und einer Mas-
se von 6,5 t einseitig auf einen Stahlrahmen mit 2,00 m Höhe aufgelegt. Das ande-
re Ende der Platte konnte wahlweise auf eine Betonplatte zwischen den senkrech-


                                                                              73
Abbildung 3.14: Prinzipskizze Versuchsaufbau 2 – Bewegen schwerer und großer Lasten

ten Fertigwänden oder auf Trümmerschutt außerhalb der Wände aufgelegt wer-
den. Wie bei einer derartigen Einsatzsituation in der Realität bestand die Gefahr,
dass die Platte bei den Anhebearbeiten in Richtung der arbeitenden Helfer herab-
rutscht und diese verletzt. Ein schlaffes Stahlseil diente als Begrenzung für diese
Bewegung (Abbildung 3.15), sodass diese im Einsatz höchst gefährliche Ab-
rutschbewegung bei den Versuchen ermöglicht wurde, die arbeitenden Helfer al-
lerdings durch die Begrenzung dieser Bewegung geschützt waren.




Abbildung 3.15: Sicherung der Rutschfläche, Versuchsaufbau 2 – Bewegen schwerer und großer
                Lasten




74
3.4.2    Durchführung

Es wurden die folgenden vergleichenden Versuche durchgeführt:




Tabelle 3.9: Arbeitsgeräte und Sicherungsmethode, Versuchsaufbau 2 – Bewegen schwerer und
             großer Lasten




                                                                                      75
3.4.3   Ergebnisse

Das Bewegen von schweren Trümmerteilen ist mit großen Gefahren für Retter und Ver-
schüttete verbunden. Wie sich auch bei der Durchführung der Versuche gezeigt hat,
sollten wenn möglich große und schwere Trümmerteile in ihrer Lage belassen werden.

Um große Trümmerteile zu bewegen, müssen entsprechend große Kräfte aufge-
bracht werden. Besonders mit hydraulischen Geräten ist dies gut möglich. Jedoch
dürfen die Reaktionskräfte, die etwa bei Abstützungen in den Boden abgeleitet
werden müssen, nicht unterschätzt werden. Sind Kraftangriffsrichtung und Bewe-
gungsrichtung nicht parallel, müssen die Kraftkomponenten senkrecht zur Bewe-
gungsrichtung möglicherweise abgestützt werden. Diese destabilisierenden Kom-
ponenten werden umso größer, je mehr Kraft- und Bewegungsrichtung differieren
und je größer die Anhebekraft ist. Von den meisten Bergungsgruppen, die aus ver-
schiedenen Ortsverbänden des THW an diesem Versuchsaufbau arbeiteten, wurde
nicht aus eigenem Antrieb eine Sicherung der Platte gegen Abrutschen hergestellt.
Dies ist zum einen mit dem Modellcharakter der Versuche zu erklären, zum ande-
ren aber auch mit mangelnder Erfahrung im Umgang mit solchen Situationen und
der daraus resultierenden Schwierigkeiten, die Kräfte, Richtungen, Effekte und
Gefahren richtig einschätzen zu können. Ungewollte Bewegungen solch großer
Trümmerteile sind auf jeden Fall zu vermeiden, um das Risiko für Verschüttete
und Retter klein zu halten. Gründlich geplantes Vorgehen ist besonders hier nötig.

Grundsätzlich sind zu unterscheiden: das Anheben durch Pressen (z.B. Hydraulik-
presse) und durch Zug (z.B. Mobilkran). Dabei ist zu beachten:

• Veränderung der Schwerpunktlage des Trümmerteils beim Anheben oder
  Schwenken führt zur Änderung der Auflagekräfte.

• Veränderung der Belastung und Schwerpunktlagen der Trümmerstruktur kann
  deren Einsturz zur Folge haben.

• Alle mechanischen Verbindungen (z.B. Bewehrungsstahl) zwischen Trümmer-
  struktur und Trümmerteil müssen beachtet werden (Entfernen, Festigkeit
  abschätzen, Kräfte auf Struktur usw.).

Speziell bei pressenden Verfahren:

• Tragfähigkeit der Auflagefläche des Presswerkzeuges beachten.

• Kraftangriffslinien und deren Veränderung beim Anheben beachten. Es droht
  sonst die Gefahr des Verrutschens der Last.

• Trümmerteile nach Möglichkeit gegen seitliches Verschieben sichern. Es
  besteht sonst die Gefahr, dass die Last verrutscht.




76
Abbildung 3.16: Arbeitsbereiche von Hebegeräten

In Abbildung 3.16 sind die Arbeitsbereiche der beim THW gebräuchlichen Hebe-
geräte dargestellt, die bei den Versuchen erprobt wurden.

Häufig müssen schmale Spalte zum Anheben von Trümmerteilen verwendet wer-
den. Nach Möglichkeit sollte der Hebevorgang bis 40-50 cm Höhe in einem
Arbeitsgang durchgeführt werden. Traglasten bis 100 kN sollten ebenfalls bewäl-
tigt werden. Diese Forderungen konnten von keinem Gerät gleichzeitig erfüllt wer-
den. Besondere Probleme bereitete das erste Anheben, da die Einschubmaße der
meisten Geräte bei 7-8 cm liegen. Ist der Spalt wenige Zentimeter nach hinten ver-
setzt, kann er von Hebegeräten wie dem Zahnstangenheber oder Hydraulikhebern
nicht erreicht werden. Besser können solche schmalen Spalte mit Hebekissen und
hydraulischen Spreizern bzw. Kombigerätes, die Kombinationen aus Schere und
Spreizer sind, erreicht werden. Jedoch rutschten die Geräte wegen der Spreizergeo-
metrie teilweise aus dem Spalt heraus, zudem bestand die Gefahr des seitlichen
Ausweichens. Dieses Thema wird in Abschnitt 4.17 behandelt.

Hebekissen können bei schmalen Spalten eingesetzt werden und haben eine große
Grundfläche, sodass die Last flächig in das Trümmerteil eingeleitet wird, sie sind
aber unter beengten Verhältnissen schwer einzusetzen. Häufig müssen zum Errei-
chen ausreichender Hubhöhen zwei Hebekissen aufeinander gesetzt werden. Es
fehlt dann an seitlicher Führung. Es sollte also während des Hebevorgangs das
Trümmerteil mit Balken oder Trümmerteilen so unterlegt werden, sodass es nur
wenig absacken kann.




                                                                               77
Bei Anhebevorgängen mit Kranen ergaben sich die folgenden Notwendigkeiten
(siehe auch Abschnitt 5.4):

• Sicheres Anschlagen des Trümmerteils unter Berücksichtigung des abgeschätz-
  ten Gewichts, geeigneter Anschlagmittel, Anschlagpunkte und deren Tragfähig-
  keit, Festigkeit des Trümmerteils, Lastverteilung, Sicherheit bei Versagen eines
  Aufhängepunktes.

• Kraftangriffslinien beachten. Beim Anheben geht die Reibungskraft der Aufla-
  gefläche des Trümmerteils verloren, Horizontalbewegungen können dadurch
  freigegeben werden.

Es hat sich bei den Versuchen weiterhin als sinnvoll herausgestellt:

• Schwerpunkte, Anschlagpunkte, Anschlagmittel, Hebezeuge, Seilverlauf usw.
  in etwa maßstäblich zu skizzieren, um Lasten und Reaktionskräfte abschätzen
  zu können und eventuell zu berechnen,

• anhand der Skizze die Veränderungen beim Heben, Schwenken oder Kippen
  abzuschätzen.

Nach Möglichkeit den Fußpunkt sichern und die Platte oben anheben, da dann für
die Fußpunktsicherung nur eine einfache Sicherung gegen Abrutschen notwendig
wird.

Anschlagpunkte
Große Trümmerteile können durch Hebebänder oder Stahlseilschlingen ange-
schlagen werden. Besteht Gefahr des Herausrutschens oder kann das Teil nicht
umschlungen werden, sind auch Schwerlastdübel geeignet. Das Gewicht des
Trümmerteils muss abgeschätzt werden. Die Tragfähigkeit von Standardschwer-
lastdübeln liegt zwischen 750 kg bis 2 t, es müssen also in der Regel mehrere
Dübel kombiniert werden. Dabei ist auf gleichmäßige Lastverteilung zu achten.
Schwerlastdübel sind nicht gut für gerissenes Betonmaterial geeignet, da sie darin
nur begrenzte Tragfähigkeiten erreichen. Ein Vorschlag für eine besser geeignete
Dübelform wird in Abschnitt 4.23.2 aufgeführt.


3.5    Aufbau 2b – Anheben und Abtransport von großen
       Betontrümmerteilen
Die Notwendigkeit des Abtransports von großen Trümmerteilen ist bei zukünfti-
gen Ereignissen öfter als bisher zu erwarten. Erfolgt dies maschinell, können weit
größere Leistungen erreicht werden als beim Zerlegen der Trümmerteile. Es sind
jedoch die Betriebsgrenzen der verwendeten Geräte zu beachten und möglichst
nicht am Einsatzort zu „experimentieren“.




78
Abbildung 3.17: Aufbau 2b – Anheben und Abtransport großer Betontrümmerteile

Auf jeden Fall müssen die Lasten sicher gehalten werden. Beim Abgleiten der Last
werden in der Nähe befindliche, eventuell noch nicht geortete Opfer gefährdet.
Zusätzlich besteht die Gefahr, dass eine labile Trümmerstruktur durch die Erschüt-
terung unkontrolliert nachgibt und weiter zusammenstürzt. Ein sensibles Bewegen
der Lasten ist auch erforderlich, da Trümmerteile häufig noch miteinander ver-
bunden sind und erst nach Anschlagen oder Aufnehmen voneinander getrennt wer-
den können. Zum Vergleich verschiedener Verfahren zum Anheben und Abtrans-
port von schweren Trümmerteilen wurde eine einfache reproduzierbare
Schichtung aus Betonteilen bis zu 3,5 t Gewicht ohne Verbindung untereinander
aufgebaut. Ziel war nur der Vergleich der Anschlag-, Hebe- und Transportvorgän-
ge. Das Trennen der Bauteile, falls notwendig, oder das Entfernen von Schutt soll-
te hierbei nicht berücksichtigt werden.


3.5.1   Durchführung

Die Schichtung aus bis zu 3,5 t schweren Trümmerteilen wurde zum Vergleich mit
dem Teleskoplader FDI Sambron T 30130 Multiscopic, dem Liebherr Autokran LT
1030 des Instituts, dem Anbaukran Palfinger PK 11000 an MAN Fahrgestell und
dem Bergungsräumgerät ZL 1801 mit Schaufel abgeräumt und in einem Abstand




                                                                               79
                                                           .




Tabelle 3.10: Geräte und Verfahren bei Versuchsaufbau 2b

von mindestens 15 m gestapelt. Es wurden die jeweils geeigneten bzw. in der Aus-
stattung vorhandenen Anschlagmittel verwendet. Die Baumaschinen sollen als
Vertreter ihrer Kategorien angesehen werden. Besonders bei Autokranen gibt es
eine breite Palette verschiedener Geräte und zulässiger Lastmomente. Für die
jeweilige Anwendung im Einsatz sind die entsprechenden Lastdiagramme heran-
zuziehen.


3.5.2   Ergebnisse

Das Bergungsräumgerät war weniger für die Aufgabe geeignet, da es dicht an die
Trümmerteile herangefahren werden musste. Um die Ausladung von 2,30 m
(gemessen ab Vorderkante Reifen) zu erreichen, wurden die Kettengehänge gegen
die Vorschriften über die Zähne geführt. Mit dem Baggervorsatz können ebenfalls
Trümmerteile angehoben werden, doch bei aufgesetztem Hubgestell ist die Reich-
höhe gering, die maximalen Lasten reichen bei weitem nicht an die des Ladekrans
heran.

Mit dem Teleskoplader konnten alle Lasten problemlos mit der Ladegabel abtrans-
portiert werden. Liegt der Schwerpunkt der Last außerhalb der Ladegabel kann
mit dem Kranarm weitergearbeitet werden, welcher über Schnellwechselvorrich-
tung aufgenommen werden kann.

Der Anbaukran ist zwar in seiner Leistung begrenzt, hat sich aber in beiden Situa-
tionen als durchaus tauglich erwiesen. So kann er schneller am Einsatzort sein als
Autokrane und reicht in vielen Fällen für mögliche Aufgaben aus oder ist zumin-
dest eine sinnvolle Ergänzung.

Wenn an einer Einsatzstelle Abstützarbeiten oder Materialtransporte durchgeführt
werden, ist ein Autokran in den meisten Fällen sehr nützlich. Gerade bei Rettungs-/



80
Bergungsarbeiten die oft mehr als einen Tag in Anspruch nehmen, gibt es fast
immer Verwendung für einen Kran. Ein frühzeitiges Anfordern kann so die Arbei-
ten sehr beschleunigen.


3.6     Aufbau 3 – Horizontale Schichtung
Die Auswertung der Schadensberichte (Abschnitt 2.1) ergab, dass häufig in
Schichtungen eingedrungen werden muss, um Personen zu befreien. Horizontale
Schichtungen und geneigte Schichtungen sind zu unterscheiden. Die bei den
Stahlbetonbauweisen häufig vorkommenden horizontalen Schichtungen bilden
meist eine stabile Trümmerstruktur, die Überlebensmöglichkeiten in Hohlräumen
bietet und das Vordringen zwischen den Schichten ermöglicht.

Beim Vordringen stellen Einrichtungsgegenstände ernste Hindernisse dar, deren
Beseitigung unter den in der Schichtung vorherrschenden beengten Bedingungen
sich als mühsam und zeitaufwendig erweist. Durchbrüche durch Betonteile wur-
den im ersten Versuchsaufbau bereits unter beengten Verhältnissen erprobt und
wurden hier nicht mehr untersucht. Beim dritten Versuchsaufbau wurde das Vor-
dringen in Schichtungen und engen Hohlräumen untersucht. Ziel war der Ver-
gleich unterschiedlicher Geräte und Verfahren und die Ermittlung der Anforde-
rungen an die Helfer.


3.6.1   Aufbau




Abbildung 3.18: Prinzipskizze zum 3. Versuchsaufbau

In die Schichtung wurde für jeden Versuch ein Elektroherd, ein Heizkörper, Rohr-
leitungen sowie eine Federkernmatratze mit Holzrahmen eingebracht. Dazu wur-
de die obere Betondecke mit dem Autokran des Instituts angehoben, das Material


                                                                             81
an die festgelegten Positionen gebracht und zusätzlich gegen einfaches Herauszie-
hen durch Baustahlstäbe gesichert. Außerdem wurde Schutt in den Hohlräumen
verteilt. Die Betondecke wurde wieder aufgelegt und die Einbauten damit festge-
presst.

Der Abstand der Platten war im Bereich des Zugangs auf 60 cm eingestellt, zum
gegenüberliegenden Ende verringerte sich der Abstand auf 30 cm. Die Breite zwi-
schen den Auflagern betrug 1,80 m, die Plattenlänge 6,00 m.


3.6.2    Durchführung

Zur Beseitigung der Hindernisse wurden die folgenden Geräte und Werkzeuge
eingesetzt:

•   Schere S 30, Weber
•   Schere S 90, Weber
•   Spreizer SP 30 LS, Weber
•   Schneidbrenner
•   Bolzenschneider
•   Hebeisen
•   Zangen
•   Eisensäge
•   Kombiwerkzeug LKS 30, handbetrieben, Lukas
•   Kombiwerkzeug LKS 35c, externes Hydraulikaggregat
•   Kombiwerkzeug LKE 50, akkubetrieben, Lukas
•   Kombiwerkzeug LKE 70, akkubetrieben, Lukas




Abbildung 3.19: Verwendung der Hydraulikschere S90 der Fa. Weber im Versuchsaufbau 3 –
                Vordringen in Schichtungen




82
3.6.3    Ergebnisse

Das Vordringen in Schichtungen lässt sich kaum quantitativ erfassen, da eine gro-
ße Anzahl an Parametern wie Schichtungshöhe, Füllungsgrad, Art der Füllung,
Stabilität der Schichtung usw. vorliegen. Für Teilaufgaben werden unterschiedli-
che Werkzeuge benötigt. Jedoch konnten die verschiedenen Werkzeuge an einer
reproduzierbaren Situation eingesetzt werden, was einen direkten Vergleich
ermöglichte. Es wurden einige qualitative Erkenntnisse für das Vordringen in einer
Schichtung gesammelt, die im Abschnitt 4 Geräte und im Abschnitt 5 Verfahren
verwertet wurden.

Im Durchschnitt wurden für die 6 m lange Strecke 106 min benötigt. Als wesent-
liche Erkenntnisse konnte Folgendes festgehalten werden:


3.6.3.1 Vordringen in Schichtungen allgemein

Zunächst sind horizontale Schichtungen von Schichtungen mit einem Neigungs-
winkel von größer ca. 10° zu unterscheiden. Horizontale Schichtungen sind im
Normalfall stabiler als geneigte Schichtungen (näheres in Abschnitt 5.2.4). Zu
berücksichtigen sind die Auflager der Schichten, Auflager bildende Trümmerteile,
Risse in den Decken selbst und darüber sowie darunter liegende Trümmerteile. Bei
geneigten Schichtungen besteht in stärkerem Maße die Gefahr, dass die Schichten
abgleiten. Dadurch würden auch Abstützungen und Sicherungen zwischen den
Ebenen kippen und versagen, sodass nur geringe Überlebenschancen für Helfer
und Verschüttete zwischen den Ebenen bestehen. Aus diesem Grund sind die
Ergebnisse der horizontalen Schichtung nicht grundsätzlich auf geneigte Schich-
tungen zu übertragen, auch wenn Gemeinsamkeiten zwischen den zwei Schadens-
formen bestehen.

Als erste Grundregel sollten Gegenstände und Trümmer in Schichtungen zum Vor-
dringen möglichst nicht bearbeitet werden. Das Bearbeiten ist immer mit dem Ein-
leiten von Kräften verbunden, die eventuell die Trümmerstruktur labilisieren.
Wenn Teile entfernt oder geschwächt werden, ändert sich eventuell der Kräftever-
lauf in den Trümmern und es kommt zu Überbeanspruchungen und weiteren Ein-
stürzen. Stattdessen sollen bereits vorhandene Durchlässe gesucht werden. Dies
kann eventuell zu einer Verlängerung des Weges zwischen den Trümmern führen,
ist meist aber schneller zu bewerkstelligen, als Teile zu bearbeiten. Es lassen sich
auch häufig aus der Raumaufteilung mögliche Durchlässe erahnen, die unter
Schutt verborgen sind. Schutt, der nicht als Auflager dient, kann leicht beiseite
geräumt werden.

Fallen größere Mengen Schutt an, haben sich in den Versuchen neben Eimern auch
Schuttwannen aus Blech bewährt. Mit ca. 50 cm Breite, 80 cm Länge und 10 cm
Höhe lassen sie sich unter beengten Verhältnissen gut befüllen und transportieren.
Auch ein Schleifkorb oder eine Bergeschleppe ist hierfür geeignet.



                                                                                 83
Mit einem Sauglader (Abschnitt 4.9) lassen sich schnell auch größere Mengen
Schutt aus der Schichtung entfernen. Dazu ist eine Schlauchverlängerung mit Ein-
zelelementen notwendig. Ein Gittervorsatz wird benötigt, um Verletzungen und
das Einsaugen von zu großen Teilen, die den Schlauch verstopfen würden, zu ver-
meiden. Eine Fernsteuerung oder Sprachverbindung nach außen (Abschnitt 4.24)
ist für diese Anwendung zu empfehlen.

Ist es notwendig, Hindernisse wie Betten, Möbel, Einrichtung aus Stahl oder
Blech oder Teile der Haustechnik zu bearbeiten oder zu entfernen, sollte dies nur
erfolgen, wenn diese Gegenstände nicht als Auflager für die darüberliegenden Tei-
le dienen, da sich sonst Veränderungen in der Statik ergeben, die zu Einstürzen
führen können. Für Abstützungen in der Schichtung eignen sich kurze Bausprie-
ßen, Stützböcke oder Holzstempel. Beim Abstützen dürfen die darüberliegenden
Teile jedoch nicht angehoben werden, da es sonst zu Lastumlagerungen und even-
tuell zum Einsturz kommen kann. Die statischen Verhältnisse sind im Einzelfall zu
prüfen. Auch mit Hydraulikwerkzeugen, wie Hydraulikzylindern, Scheren und
Spreizern können unbemerkt sehr große Kräfte in die Trümmerstruktur eingeleitet
werden, die Trümmerteile angehoben oder verschoben werden und so Einstürze
verursacht werden. Die Erfahrungen mit diesen Geräten sind in Abschnitt 4.17
zusammengefasst. Selbst beim Durchtrennen von Heizungsrohren oder Beweh-
rungsstahl sind die Auswirkungen auf die Trümmerstrukturen vorher zu klären
und gegebenenfalls zu verhindern.

Zum Schutz vor Einstürzen sollte sich ein Helfer in der Schichtung immer neben
tragfähigen Bauteilen oder Einrichtungsgegenständen aufhalten bzw. sich beim
Vordringen parallel zu tragfähigen Elementen bewegen, um bei einem Einsturz in
einem Hohlraum mit meist dreieckigem Querschnitt zwischen Decken oder Wän-
den und dem abstandhaltenden Bauteil (Abbildung 3.20) überleben zu können.
Decken mit großen Spannweiten, geschädigte Decken oder Bereiche ohne abstüt-
zende Elemente sind zu meiden oder schnell zu durchqueren.


3.6.3.2 Persönliche Schutzausrüstung

Bei den Versuchen wurde der Bedarf an spezieller persönlicher Schutzausrüstung
für Arbeiten in Schichtungen festgestellt: Kopfschutz, Augenschutz und Schutz-
kleidung sowie Kommunikationseinrichtungen müssen den besonderen Erforder-
nissen entsprechen. Dies wird in Abschnitt 4.24 zusammengefasst.


3.6.3.3 Anforderung an Geräte

Besondere Anforderungen in beengten Verhältnissen werden an die Geräte
gestellt. Dies sind insbesondere:

• Platzbedarf: Dies gilt zum einen für die Ausmaße des Gerätes, das durch die
  Schichtung geschoben oder gezogen werden muss. Zum anderen der Platzbedarf


84
  für die Arbeit mit dem Gerät. Um das Gerät in der Schichtung handhaben zu
  können, darf es nicht länger als 50-70 cm sein. Ein üblicher Bolzenschneider mit
  ca. 90 cm Länge muss 1 m bis 1,20 m weit geöffnet werden, mit einem Hammer
  muss ausgeholt werden, beides ist unter beengten Verhältnissen oft nicht mög-
  lich.

• Gewicht: Da die Geräte häufig im Liegen und nach vorne gehalten benutzt wer-
  den müssen und der Transport durch die Schichtung bei hohem Gewicht schwie-
  rig wird, sind leichte Geräte zu bevorzugen. Es kann hilfreich sein, das Gerät bei
  der Arbeit zu unterstützen. Arbeiten mit Hydraulikgeräten wie Schere und Sprei-
  zer sind in liegender Position sehr anstrengend, Ablösung für den Bediener soll-
  te je nach Anwendung etwa alle 10 Minuten bereitgestellt werden.

• Versorgungsleitungen: Für Hydraulik-, Druckluft-, oder Elektrogeräte sowie
  für Brenngeräte sind in der Schichtung Versorgungsleitungen nachzuziehen.
  Wegen der begrenzten Länge und der teilweise starren Leitungen führt dies häu-
  fig zu Verzögerungen oder macht gar deren Einsatz unmöglich. Elektrokabel
  können noch am einfachsten verlegt werden. Als Alternative bietet sich bei
  Hydraulikgeräten Handbetrieb an. Bei den Versuchen zeigte sich, dass die Pum-
  pe nicht direkt am Gerät sein sollte, da ansonsten der Platzbedarf zur Bedienung
  zu groß wird und das gleichzeitige Führen des Arbeitsgerätes und Betätigen der
  Pumpe meist nicht möglich ist (Abschnitt 4.17). Akkugeräte kommen ebenso
  ohne Anschlussleitung aus und sind sehr gut für Schichtungen geeignet. Größe-
  re Geräte wie Spreizer und Scheren sollten aber aus Gründen des Platzbedarfs
  und der Handhabung über einen externen Akkumulator verfügen.

• Emissionen: Brennschneider und verbrennungsmotorbetriebene Geräte erzeu-
  gen schädliche Abgase, die unter beengten Verhältnissen Rettungskräfte und
  Verschüttete belasten. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Abgase mit Saug-
  lader, Gebläse oder Ähnlichem abzusaugen oder mit einem an den Auspuff
  angeschlossenen Schlauch ins Freie zu leiten. Ebenso können Rauch und Gas,
  die durch Brand oder Leckage erzeugt wurden, abgesaugt oder verdrängt wer-
  den. Entsprechende Belüftungs- oder Absauggeräte sollten in diesem Fall vor-
  handen sein, da mit Pressluftatmer das Vordringen und Arbeiten in der Schich-
  tung kaum möglich ist.

• Zu bearbeitendes Material: Es herrscht oft ein Verbund aus verschiedenen Stof-
  fen vor, die bearbeitet werden müssen, z.B. Kühlschränke aus Blech, Kunststoff
  und Isolation oder Betten aus Holz, Stoff, Schaumstoff und Federstahl. Entspre-
  chend muss eine Auswahl an Werkzeugen mitgeführt werden und Kombigeräte
  für verschiedene Stoffe verwendet werden. Hydraulische Scheren mit großer
  Spannweite wie etwa Weber S90 oder Kombigeräte wie Lukas LKS 35c eignen
  sich zum Bearbeiten von Stahl, Holz und anderen Stoffen. Säbelsägen
  (Abschnitt 4.14) sind gut unter beengten Verhältnissen einzusetzen und können
  bei Holz, Stahl und Mauerwerk verwendet werden.




                                                                                 85
3.7     Aufbau 4 – Trümmerschutt
Um in einem Trümmerkegel oder zwischen Schuttmassen zu überleben, muss sich
ein Hohlraum gebildet haben (Abbildung 3.20). Die Verschütteten müssen vor-
sichtig in Handarbeit ausgegraben werden. Sie sind dabei durch herabrieselndes
Material und Schuttumlagerung gefährdet. Der überlebensnotwendige Hohlraum
darf keinesfalls zerstört oder beschädigt werden. Ein weiterer Anlass für das Vor-
dringen durch Trümmerschutt ist die Schaffung eines Zugangs zu einem versperr-
ten Raum. Die Möglichkeiten zum Vordringen durch die Trümmer mit geringst-
möglicher Gefährdung für Verschüttete und Helfer sollten anhand eines
Versuchsaufbaus in vergleichenden Versuchen untersucht werden.




Abbildung 3.20: Entsprechende Bergesituationen nach [Coburn, Spence, 1992]


Das horizontale Vordringen durch Trümmerschutt ist eine Alternative zum kom-
pletten Abräumen des aufliegenden Schutts. Letzteres ist zeitaufwendig und mit
einer großen Gefährdung von darunter Verschütteten verbunden, da sich das stati-
sche System des aufliegenden inhomogenen Trümmergemischs beim Abräumen
ändern muss und damit die Gefahr besteht, dass lebenserhaltende Hohlräume
zusammenbrechen.

Im zweiten Weltkrieg wurden Stollen häufig zu gut erhaltenen Luftschutzräumen
vorgetrieben, da dort mit Überlebenden zu rechnen war. Dies ergab sich zum einen
aus den begrenzten Personal- und Geräteressourcen, die kein ausreichend schnel-
les Abräumen und Abtransportieren von Trümmerschutt ermöglichten, zum ande-
ren aus der großen Wahrscheinlichkeit, nur in Schutz- oder Kellerräumen auf
lebend Verschüttete zu stoßen. Vorherrschende Bauweise war dabei Mauerwerks-
bau mit Holz-, Kappen- oder Systemdecken [Maack, 1942].

Da diese Bauweise immer noch häufig anzutreffen ist, wurde das Vorantreiben von
Stollen und Schächten in Trümmermaterial untersucht. Dabei wurde eine Puppe
und die Sensoren in einem leicht zu zerstörenden, aus Brettern aufgebauten Hohl-
raum unter den Trümmern platziert. Empfindliche Messtechnik und eine Videoka-
mera wurden geschützt unter einer Stahlbetonplatte angebracht. Von dort aus war
auch ein sicherer Zugang zu dem Hohlraum möglich. Der Versuchsaufbau deckt


86
die Fälle „Stollen oder Schacht durch Trümmer direkt zu einem Verschütteten“
und „Stollen und Schacht zu einer Wand mit nachfolgendem Wanddurchbruch“
ab.

Die Versuche wurden auch im Hinblick auf die Tatsache durchgeführt, dass gera-
de beim Anlegen von Stollen in den letzten Jahren keine praktischen Erfahrungen,
weder auf Übungen noch bei Einsätzen im deutschen Zivilschutz, gemacht wur-
den. Gründe dafür sind der große Zeitaufwand und die Gefährdung der Helfer. Die
Fragestellung lautet, ob der Stollen bei den zu erwartenden Schadensszenarien in
Deutschland nicht durch bessere Verfahren ersetzt werden kann.


3.7.1   Aufbau




Abbildung 3.21: Prinzipskizze des Unterbaus zum 4. Versuchsaufbau

Der Versuchsaufbau diente dazu, gleiche und sichere Randbedingungen für die
Bergungsversuche aus Trümmerschutt herzustellen. In dem mit einer Betonplatte
geschützten Hohlraum waren die Messwandler und eine Videokamera unterge-
bracht. Dort konnten auch die Einflüsse auf die Puppe während der Arbeiten am
Trümmerkegel beobachtet werden.

Bei den Versuchsterminen wurde die Puppe mit Brettern abgedeckt, wobei zwi-
schen den Brettern Spalte freigelassen wurden. Die Lage der Bretter war an allen
Versuchsterminen gleich. Es wurde jeweils der gleiche kleinbrockige Trümmer-
schutt mit großem Feinkornanteil (Körnung entsprechend Sand) verwendet. Wie
aus Erlebnisberichten Geretteter nach Gebäudezusammenbrüchen hervorgeht,
führt nachrieselndes Material zu lebensbedrohlichen Situationen mit der Gefahr
des Erstickens.

An der Position der Puppe wurde die temporäre Menge des herabrieselnden Mate-
rials mit zwei Staubsammlern sowie die Auflast auf die Puppe gemessen. Die
Daten wurden aufgezeichnet. Gleichzeitig hielt eine Videokamera die Einflüsse


                                                                             87
Abbildung 3.22: links: Staubsammler, Menge wird online gemessen, durch extreme Schuttbewe-
                gung übergelaufen, zwei Stück gleichzeitig im Einsatz, rechts: Blick unter die
                Betonplatte auf Verschüttetendarstellerpuppe unter den Trümmern, Belastung
                des Verschütteten wurde mit Videokamera aufgezeichnet


der Bergungsarbeiten auf die Puppe fest. Eine zweite Kamera zeichnete die Aktio-
nen der Helfer auf. Durch diese Messung und die Überwachung konnte überprüft
werden, welche Handlungen bei den Bergungsmaßnahmen zu einer Gefährdung
des fiktiven Opfers geführt hätten.

                                                                                                                 100
                                                                                                    97,46
                                                                                       94,14        94,11
                                                                          91,44        92,44
                                                                                                    90,44        90
                                                              87,74       88,3         87,7
                                                  85,09                                             85,89
                                                              83,56       84,05        83,3         84,28
                                    80,04         80,17       79,89       79,88        80,93                     80
                                                  76,77       76,15       76,56
                                    74,8
                                                  73,2        72,09
                                    70,71                                                                        70
                                                                                                                       Siebdurchgang in Massen - %




                                    69,15         68,61


                                    58,84                                                                        60

                                                                                               Probe1
                        50,84                                                                                    50
                                                                                               Probe2
                        45,2                                                                   Probe3
                        43,32
                        43,03
                                                                                               Probe4            40
                                                                                               Mittel
                        32,76
                                                                                                                 30


                                                                                                                 20
              18,01
              15,24
              14,44
              13,4
              11,11                                                                                              10


     0                                                                                                           0
 <0,25     0,25       0,5       1             2           4           8           16           32           64
                                            Maschenweite [mm]




Abbildung 3.23: Sieblinie Trümmerschutt bis Körnung 64 mm: 71,1% Gewichtsanteil
                Rest: Natursteine, Ziegelmauerstein, Holz usw.: 28,9%




88
Das Feinkornmessgerät arbeitete auf optischer Basis und war in einem stabilen
Gehäuse untergebracht, sodass es auch nach Zusammenbruch des Hohlraumes
wieder verwendet werden konnte. Die Auflagekraft wurde über den Innendruck
einer wassergefüllten Luftmatratze ermittelt. Dabei war die Bestimmung des Zeit-
punktes einer Laständerung von eigentlichem Interesse, um die Konsequenz der
Rettungsarbeiten für den Verschütteten zu bestimmen. Der Drucksensor befindet
sich in einem sicheren Bereich außerhalb der Trümmer. Die „Sensorfläche“ könn-
te bei Überlastung beschädigt werden, was allerdings in Kauf genommen wurde.
Beide Messmethoden können auch bei Übungen in Abbruchgebäuden Verwen-
dung finden.


3.7.2   Überblick Durchführung

Es wurden folgende Versuche durchgeführt.




Tabelle 3.11: Durchgeführte Versuche am Versuchsaufbau 4 – Trümmerschutt

Die Belastungen der Verschüttetenpuppe wurden gemessen und beobachtet. Die
Bewertung erfolgt nach folgendem Zusammenhang:




                                                                             89
Tabelle 3.12: Beurteilung der Belastung von Personen unter Trümmerschutt


3.7.3   Durchführung senkrechtes Vordringen

Ausgangssituation für das senkrechte Vordringen war die Lage eines Verschütteten
in einem aus losen Brettern gebildeten Hohlraum unter 2 m starkem Trümmer-
schutt mit der oben genannten Konsistenz. Diese Situation ist häufig bei Rettungs-/
Bergungseinsätzen anzutreffen. Hierbei wird in den meisten Fällen von oben abge-
graben, was jedoch für den Verschütteten mit der Gefahr des Erstickens durch her-
abrieselndes feines Material und Quetschung bei Schuttumlagerung verbunden ist.

Der Abtrag wurde bei gleichen Randbedingungen ohne befestigte Schachtwände
mit Hilfe eines Saugbaggers der Firma VMB, Rheinstetten, (Abschnitt 4.9) und an
einem weiteren Versuchstermin nur manuell durchgeführt.

In einer weiteren Versuchsreihe wurde ein senkrechter befestigter Schacht einge-
bracht. Dabei wurde davon ausgegangen, dass die Lage des Verschütteten durch
Ortung (Video, Endoskope, Radar) auf etwa 50 cm genau bekannt war. Der
Schacht wurde jeweils seitlich versetzt zu der Verschüttetenpuppe eingebracht, um
diesmal die Gefährdung des Verschütteten zu verringern. Die Schachtwandung
war aus einem einfachen System aufgebaut, das sich schnell vor Ort aus Stan-
darddielen mit Querschnitt 28 × 4,5 cm herstellen lässt. Der Schacht wurde
manuell sowie mit dem THW-Bergungsräumgerät mit Baggeranbau und Zwei-
schalengreifer abgeteuft.


3.7.4   Ergebnisse senkrechtes Vordringen

3.7.4.1 Vergleich Saugbagger - Handabtrag

Der Saugbagger wurde von einer Person bedient, unterstützt von drei Helfern, die
größere Teile von Hand abtragen mussten. In dieser Konfiguration wurde eine
Abtragsleistung erreicht, die fast dreimal so groß war wie beim Abtrag mit Hand,
bei dem im Schnitt 12 Personen beteiligt waren. Die Erschütterungen durch das
Stoßen des Saugrohres waren größer als beim Abtrag per Hand, jedoch war die
Menge des nachrieselnden Materials beim Handabtrag weit größer, da das Materi-
al bei fortschreitender Annäherung an den Hohlraum nicht zurückgehalten werden


90
Abbildung 3.24: Saugbagger Firma Vesta, Rheinstetten, auf dem Versuchsgelände

konnte. Im Gegensatz dazu wurde mit dem Saugbagger das gelöste Material sofort
abgesaugt und gelangte so nicht zu dem Verschütteten.

Beim Abtrag des Schutts von Hand wurden zwar sobald als möglich die Puppe mit
einer Plane vor herabrieselndem Material geschützt, jedoch war dies erst möglich,
nachdem ein Zugang geschaffen war, sodass bereits eine große Menge zur Puppe
durchgedrungen war, die eine große Erstickungsgefahr bedeutet hätte.




Abbildung 3.25: Draufsicht Rahmenverbau aus Dielenelementen für den Aufbau eines Schach-
                tes und Lage des Verschütteten in einem Hohlraum unter Brettern und Schutt


                                                                                       91
Bei den Versuchen wurde Trümmerschutt von einem Abbruchgebäude verwendet.
Der Schutt bestand zu 28,9 % Gewichtsanteil aus größeren Trümmerteilen und zu
71,1 % aus Feinteilen von 0 bis 64 mm Durchmesser. Dieser Feinanteil des bei den
Versuchen verwendeten Schutts war relativ groß, doch ist die Gefährdung durch
nachrieselndes Material bei Rettungsaktionen belegt und trat bei den Versuchen
auch offensichtlich auf. Durch den hohen Feinstoffanteil und die gleichmäßige
Verteilung wurden zufallsbedingte Differenzen minimiert und die Ergebnisse der
Versuche so besser vergleichbar.

Bei dem manuellen Abteufen des Schachts mit seitlichem Versatz konnte der Vor-
gang bis zum endgültigen Befreien der Verschüttetenpuppe durchgeführt werden.
Dabei wurde eine nur geringe Belastung des Verschütteten gemessen. Der Schacht
wurde mit einem Rahmen aus Dielenstücken gesichert (Abbildung 3.26), die von
oben eingeschoben wurden. Dabei konnten die Rahmenseiten unabhängig vonein-
ander mit Hammerschlägen eingetrieben werden. Im Schutz des Verbaus aus den
bereits eingebauten Rahmenelementen konnte jeweils 30 cm tief unter dem letzten
Rahmen ausgegraben werden. Die Rahmenelemente wurden dann eingesetzt
(Abbildung 3.25), wobei ein Element nur mit einer Knagge versehen war, die nach
Einschwenken des letzten Elements angeschraubt oder angenagelt wurde. Auf die-
se Weise war ein erschütterungsarmes und sicheres Anlegen eines Schachtes mög-
lich.




Abbildung 3.26: Schachtverbau mit Rahmen aus Dielen

Die Methode mit seitlichem Versatz und Sicherung mit Rahmenelementen erwies
sich für das senkrechte Vordringen als die beste Lösung. Im Versuch wurden dafür
bis zum Öffnen des Hohlraumes ca. 173 Minuten benötigt. Es wurden 3,7 t Schutt


92
bewegt. Unter den gleichen Bedingungen dauerte das direkte Vordringen ohne
Verbau einschließlich Öffnung des Hohlraumes 134 Minuten, war jedoch mit
erheblich größeren Belastungen für den Verschütteten verbunden, da direkt ober-
halb der Puppe gearbeitet wurde.

Beim Abtragen mit dem Bergungsräumgerät mit Baggeranbau und Zweischalen-
greifer ergab sich eine so große Belastung durch Staub und durch aufliegendes
Material, dass ein Überleben an dieser Stelle unwahrscheinlich gewesen wäre. Der
Versuch diente jedoch als Vergleich zum manuellen Abteufen des Schachts. Das
Bergungsräumgerät kann jedoch gut eingesetzt werden, wenn keine Verschütteten
in dem Bereich zu erwarten sind.


3.7.5   Durchführung Stollen

Durch das lose, oben beschriebene Schuttmaterial wurde ein Stollen mit bergmän-
nischem Verbau, siehe Abbildung 3.29, nach KatS-LA 261 [KatS-LA 261, 1986,
S.102 ff.] angefertigt. Die THW-Helfer hatten keine praktische Erfahrung im Vor-
trieb eines solchen Stollens. Die gesamte per Stollen zurückzulegende Strecke zu
der Verschüttetenpuppe betrug 3,45 m.

Als Ausbaumaterial wurden Dielen 28 × 4,5 cm als Vortriebselemente gewählt,
Kantholz 8 × 8 cm bis 10 × 10 cm als Kopfholz und Stempel. Besonders zeitauf-
wendig war der Anfang des Stollens aufgrund des nachrieselnden Materials.
Durch Vortreiben der Vortriebselemente und seitliche Getriebesicherung durch
Bretter musste das Nachrieseln gestoppt werden. Der erste Türstock musste unbe-
dingt durch Abstützungen gegen Schwenken in Vortriebsrichtung gesichert wer-




Abbildung 3.27: Stollenvortrieb im Versuchsaufbau 4 durch Trümmerschutt bis zu einem Hohl-
                raum

den. Durch das Vortreiben der Getriebepfähle sind Erschütterungen unvermeid-
lich, die den nicht verdichteten Trümmerschutt weiter destabilisierten.



                                                                                        93
Probleme bereitet das Aufrechterhalten der Getriebebreite, die durch das Innen-
maß des vorletzten Türstocks begrenzt ist, sowie Hindernisse vor den Getriebe-
pfählen, deren Entfernen nachrutschendes Material und eine Destabilisierung des
Trümmerhaufens zur Folge hatte. Der Vortrieb wurde nach 7 h 20 min und insge-
samt nur 2,65 m Stollenvortrieb im Trümmerhaufen 80 cm vor dem Ziel abgebrochen
(Abbildung 3.27). Im Bereich der Verschüttetenpuppe wurden keine Belastungs-
veränderungen durch Auflast festgestellt. Nur geringe Mengen nachrieselnden
Materials wurden bei der verschütteten Puppe gemessen.

Mit einem dachförmigen
Verbau, der sich an einen
Vorschlag von Coburn [Co-
burn, Spence, 1992] anlehnt
und verfeinert wurde, wurde
nur ein ca. 75 cm kurzes
Stück in dem gleichen Trüm-
merschutt zurückgelegt. Hier
konnte der Rahmen nicht
weit genug in das anstehende
Trümmermaterial eingescho-
ben werde, sodass von oben
Trümmermaterial nachriesel-
te und ein weiteres Vordrin-   Abbildung 3.28: Dachförmiger Stollenverbau mit Abstüt-
gen unmöglich machte.                          zung des Eingangsbereichs


Dieser Aufbau ist einfacher als der des bergmännischen Verbaus, die Form wird
durch den Zuschnitt der Dielen erreicht. Im Versuch bereitete es jedoch Schwie-
rigkeiten, den 90 Grad Öffnungswinkel beizubehalten. Zudem lässt sich nur in
standfestem Boden arbeiten, sobald sich im vorderen Bereich durch loses Materi-
al eine Böschung einstellt, ist dieses Verfahren nicht mehr geeignet.


3.7.6   Ergebnisse Stollen

Der bergmännische Vortrieb bedarf Übung und Erfahrung und erscheint als einzig
gangbare Lösung, wenn durch stark fließendes oder rolliges Material horizontal
vorgearbeitet werden muss. Sehr problematisch ist das Verfahren, wenn Hinder-
nisse in Form von Holzbalken, großen Steinen oder Stahlträgern den Weg versper-
ren. Die Anweisungen der KatS-LA 261 [KatS-LA 261, 1986, S.102 ff.] sind
umsetzbar. Als Getriebepfähle sind angespitzte, auf halbe Breite zugesägte Stan-
darddielen mit Ausgangsquerschnitt 45 × 280 mm gut geeignet. Auf entsprechend
nach oben gerichtetes Einstechen durch unterschiedliche Türstockhöhe ist zu ach-
ten. Die Einschränkung des Arbeitsraumes durch das Türstockprofil und die Ver-
schalungen sind bei der Dimensionierung des Verbaus zu beachten. Für einen sehr
kleinen Arbeitsraumquerschnitt von 70 × 70 cm muss in Abhängigkeit des Ver-
baumaterials ein Querschnitt von mindestens 90 × 95 cm abgetragen werden.
Durch Vortreiben der Vortriebselemente und seitliche Getriebesicherung durch


94
Bretter muss das Nachrieseln gestoppt werden. Der erste Türstock muss unbedingt
durch Abstützungen gegen Schwenken in Vortriebsrichtung gesichert werden.

Die Verwendung des Pfändholzes
erscheint nicht notwendig bei etwa 1
bis 1,20 m kurzen Getriebepfählen,
wenn der mittlere Türstock (T2)
frühzeitig im zweiten Schritt wieder
entfernt wird. Dies erleichtert auch
das Einbringen der Getriebepfähle
auf gesamter Türstockbreite.

Ein sehr nützliches Hilfsmittel wäre
ein Akkuschrauber, um die Tür-
stockelemente ohne Erschütterung
im Stollen zu verbinden.

Für den Stollenvortrieb sollten eini-
ge wenige Spezialisten in Deutsch-
land ausgebildet sein, die mit der
dafür notwendigen persönlichen
Schutz- und Arbeitsausrüstung aus-
gestattet sind (Abschnitt 4.24).

Die geringen Belastungswerte des
Verschütteten sprechen für ein hori-
zontales Vordringen, wenn dessen
genaue Lage bekannt ist, und bei
einem Vordringen von oben Ersti-
cken durch herabrieselndes Material
oder Quetschungen durch Lastumla-
gerung im Trümmerhaufen zu
erwarten sind.

Trümmerschutt ist ein äußerst unge-
eignetes Material, um darin einen
Stollen vorzutreiben. Ist das Anle-
gen eines Stollens notwendig, so
sollte er nach Möglichkeit durch
gewachsenen Boden vorgetrieben
werden, wo der Ausbau auch durch Abbildung 3.29: Vortrieb Stollenverbau nach
die leichter zu handhabenden Ver-                    [KatS-LA 261, 1986, S. 104, 105]
fahren mit Pionierrahmen oder mit
dem dachförmigen Verbau (Abb. 3.28) erfolgen kann. Ist ein offener Einschnitt
möglich, ist dieser dem Stollen vorzuziehen, der sich schneller und sicherer mit
einem Hydraulikbagger ausheben und mit einem Rahmenverbausystem (z.B.
Krings-Verbau) sichern lässt.


                                                                                  95
3.8     Bewehrungssuchgerät
Die Arbeitszeiten bei der Betonbearbeitung sind in großem Maße von dem Beweh-
rungsgrad und der Lage der Bewehrung abhängig. Da zur Erstellung eines Wand-
und Deckendurchbruchs häufig dessen Position gewählt werden kann, ist es von
Vorteil, den Durchbruch in schwacher bewehrten Bereichen durchzuführen. Bei
Decken mit Unterzügen sollte zur Verkürzung der Arbeitszeit und zum Erhalt der
Tragwirkung zwischen den Unterzügen durchgebrochen werden. Allerdings ist
der Aufbau von oben nicht zu erkennen. In der Regel ist die oberste Stahleinlage
in der Decke eine Matte. Darunter und speziell in den Unterzügen erst in größerer
Tiefe liegen dann die Baustähle mit größerem Durchmesser. Gut wäre es, wenn
zumindest ein Unterschied zwischen den Feldern und den Bereichen der Unterzü-
ge detektierbar wäre. Auch können anhand der gemessenen Stärke der Bewehrung
Rückschlüsse auf die Belastbarkeit eines Bauteils gezogen werden. Dabei wäre es
ideal, wenn die Lage und Stärke aller in einem Betonstück verteilter Bewehrungs-
stähle ermittelt werden könnte.

Die Lage des Bewehrungsstahls kann mit Bewehrungssuchgeräten ermittelt wer-
den. Um deren Tauglichkeit für den Rettungseinsatz zu ermitteln und einen Ver-
gleich durchführen zu können, wurde ein Prüfblock aus Beton (Abbildung 3.30)
gegossen, in dem sich unterschiedliche Bewehrungsstäbe in einer Anordnung
befanden, die zur Ermittlung der Auflösung der Messgeräte dienen sollte. Das
wesentliche Element war ein diagonal verlaufender Bewehrungsstab mit 12 mm
Durchmesser zwischen zwei Matten.




Abbildung 3.30: Aufbau des Prüfblocks aus Stahlbeton für den Vergleich von Bewehrungssuch-
                geräten

Zusätzlich wurde zum Vergleich eine Stahlbetonstütze und eine Decke mit Unter-
zügen herangezogen.



96
3.8.1   Durchführung

Es wurden die folgenden Bewehrungssuchgeräte verglichen:




Tabelle 3.13: Bewehrungssuchgeräte

Alle Geräte waren dazu vorgesehen, die Betonüberdeckung bei bekanntem
Bewehrungsstahldurchmesser festzustellen. Zusätzlich kann auch der Durchmes-
ser ermittelt werden.


3.8.2   Ergebnisse

Die Geräte haben hauptsächliche Unterschiede in der Darstellung und der Spei-
cherung der Messungen, leichte Unterschiede zeigten sich auch in der Trenn-
schärfe. Das Messprinzip ist jeweils das Gleiche und basiert auf der Änderung der
Induktivität einer Spule in einer Messsonde. Die Tauglichkeit für den beschriebe-
nen Einsatzfall ist annähernd gleich, denn die wesentliche Eigenschaft und auch
das wesentliche Unterscheidungsmerkmal der Messgeräte liegt in der Messgenau-
igkeit und der Darstellung der Betonüberdeckung bei bekanntem Bewehrungs-
durchmesser. Die genaue Lage und den genauen Durchmesser von Bewehrungs-
stäben hinter Baustahlmatten oder in der Nähe von anderen Bewehrungsstäben
konnte nicht bestimmt werden.

Zum einen musste der diagonal verlaufende Stab durch die obere Matte hindurch
detektiert werden. Dies war auch bei Wissen um die Lage des Bewehrungsstabes
mit keinem Gerät möglich. Die zweite Aufgabe war, den Durchmesser des Stabes
zu bestimmen und die Tiefe des Stabes von der Seite des Blocks aus zu messen.
Von der Seite aus gesehen war weder vor noch hinter diesem Stab eine weitere
Bewehrung. Lediglich in einem Seitenabstand von 20 cm befanden sich die beiden
Matten. Der Durchmesser bei geringer Überdeckung (bis etwa 5 cm) konnte gut
bestimmt werden. Die Überdeckung konnte jedoch nur bis ca. 15 cm Tiefe gemes-
sen werden, da danach der Einfluss der seitlich liegenden Matten überwog.

Bei verschiedenen Betonsäulen konnte die Lage und der Durchmesser der Beweh-
rung bestimmt werden. Bei einem Balkon mit Unterzügen konnte die Lage der
Unterzüge ermittelt werden.



                                                                              97
Die Bestimmung der Lage einzelner Baustähle gelang insgesamt sehr gut und bei
direktem Einzeichnen auf dem Beton kann man sich einen guten Überblick über
die Bewehrung verschaffen. Wegen der großen seitlichen Streuung und aufgrund
des Messprinzips ist das Auffinden von Baustählen mit großen Durchmessern hin-
ter oder in der Nähe von weiteren Baustählen nur mit viel Übung oder gar nicht
möglich. Durchmessermessungen an Kreuzungsstellen zweier Stäbe oder Tiefen-
messungen bei falsch angenommenen Durchmessern oder in der Nähe weiterer
Stäbe sind schlecht möglich. Jedoch ist je nach Verteilung der Bewehrung mit
Erfahrung und möglichst dem Wissen über den Aufbau der Betonstruktur das Auf-
finden von Unregelmäßigkeiten wie Unterzügen möglich.

Dafür ist jedoch ein so hoch spezialisiertes Gerät wie das von Hilti oder von Pro-
ceq bei Rettungs- und Bergungseinsätzen nicht notwendig. Von Messgeräten, die
auf dem induktiven Prinzip basieren, können im Zusammenhang mit Rettungsein-
sätzen nur die folgenden Eigenschaften erwartet werden:

• Feststellung von stärkerem Gesamtbewehrungsgrad etwa bei Unterzügen oder
  bei lokalen Verstärkungen.

• Ermittlung der Lage und des Durchmessers einzelner Stäbe, wenn keine stören-
  de Bewehrungslage (z.B. Baustahlmatte) sich zwischen Stab und Messgerät
  befindet. Exakte Durchmesserbestimmungen können nicht bei einer Tiefe grö-
  ßer 10 cm und unbekannten Störeinflüssen (Bewehrung in der Nähe) erwartet
  werden.

Somit hat man mit entsprechender Übung eine Entscheidungshilfe bei der Festle-
gung von Bohrungen und von Durchbrüchen in Stahlbetonbauteilen. Ein entspre-
chendes Messgerät sollte für weniger als 2000 DM erhältlich sein.




98
4      Geräte


Aus den Versuchen und aus der Auswertung der Schadensberichte ergeben sich
Möglichkeiten für die Verwendung von Geräten, die noch nicht allgemein bei Ret-
tungs-/Bergungseinsätzen Verwendung finden, die in den Katastrophenschutzvor-
schriften nicht erwähnt sind oder deren Verwendung noch verbessert werden soll-
te. Allgemein werden Geräte für folgende Aufgaben bei der Durchführung von
Rettungs-/Bergungsmaßnahmen eingesetzt:

• Aufbrechen und Abtragen, Wand- oder Deckendurchbruch

• Abgreifen

• Demontieren

• Zerkleinern von Trümmerteilen

• An- oder Abheben

• Abstützen oder Sichern

• Erstellen von Graben oder Schacht

• Erstellen von Stollen

• Vordringen durch Trümmer

Dabei kann zwischen handgeführten Geräten, Anbaugeräten, stationären und
mobilen, mit Fahrwerk ausgestatteten Geräten unterschieden werden. Die im Fol-
genden betrachteten Geräte lassen sich für unterschiedliche Arbeiten und unter
verschiedenen Voraussetzungen verwenden. Deshalb werden sie getrennt betrachtet.


4.1    Fahrzeugkrane
Obwohl Fahrzeugkrane eine wichtige Komponente bei Rettungs-/Bergungseinsät-
zen darstellen, werden sie in der KatS-LA 261 nicht erwähnt. Es gibt unterschied-
liche Varianten mit einem breiten Leistungsspektrum, jedoch sind die Fahrzeug-
krane, die nach Gebäudezusammenbrüchen benötigt werden, überall in
Deutschland schnell verfügbar. Die Rüstzeiten liegen allesamt im Bereich von 10
bis 25 Minuten, selbst wenn noch Ballastgewichte aufgenommen werden müssen.
Wegen der geringen Rüstzeiten, der Möglichkeit auf eigener Achse zur Schadens-
stelle zu fahren oder im Bereich der Schadensstelle die Position zu ändern, sind
Fahrzeugkrane den Turmdrehkranen oder anderen stationären Kranen vorzuzie-



                                                                              99
hen. Als Ausnahme ist lediglich die Situation denkbar, dass schon an der Scha-
densstelle ein funktionstüchtiger und für die Lasten und Ausladungen ausreichen-
der stationärer Kran vorhanden ist.

Die für den Bergungseinsatz relevanten Fahrzeugkrane lassen sich einteilen in
Mobilkrane, Autokrane, Geländekrane und Raupenkrane. Die Krane werden nach
den maximalen Lastmomenten in Tonnenmeter eingeteilt. Jedoch lassen sich die
Kranleistungen erst durch Lastdiagramme beschreiben, die von der Ballastierung
und von den Auslegervarianten abhängig sind.

Von Rettungsorganisationen wie den Feuerwehren oder dem Technischen Hilfs-
werk werden Krane mit bis zu drei Achsen angeschafft. Dies genügt meist zur Ber-
gung von Fahrzeugen und anderen Gütern. Für den Einsatz nach Gebäudeeinstür-
zen kann schnell ein größerer Kran notwendig werden, dessen Anschaffung für
Rettungseinheiten nicht mehr sinnvoll sein kann. Hier muss auf Krane und Perso-
nal von spezialisierten Firmen zurückgegriffen werden. Fast immer ist der Einsatz
von Kranen bei Rettungsarbeiten in Gebäudetrümmern nützlich, meist auch not-
wendig, sodass frühzeitig die Entscheidung für den Kraneinsatz, den Aufstellort
und das Aufgabengebiet gefällt werden muss, um gleich den richtigen Kran zu
organisieren. Die Anschlagmittel, insbesondere verstellbare Ketten, Rundschlin-
gen und Hebebänder, die richtigen Anschlagtechniken sowie besonders geschultes
Personal sind beim Rettungs-/Bergungseinsatz von besonderer Bedeutung. Dies
wird näher in Abschnitt 5.4.2 behandelt. Neben dem Anheben von Lasten ist auch
der Personentransport in große Höhen und die Schnellabstützung (Abschnitt
5.4.6) von Bauteilen und Wänden möglich.


4.1.1   Mobilkrane

Diese Fahrzeugkrane werden am häufigsten verwendet. Das Fahrgestell hat eine
eigene Fahrerkabine, zwei bis acht Achsen, die Höchstgeschwindigkeiten liegen
bei 65 bis 80 km/h. Meist sind alle Achsen lenkbar, Manövrieren im Hundegang
ist möglich. Der Oberwagen ist 360° drehbar. Üblich sind Teleskopausleger, die
während der Fahrt nach vorne über die Fahrerkabine gelegt werden und eventuell
mit fest oder wippbar anzubringenden Gittermastspitzen ausgestattet sind. Die
Lastmomente decken einen Bereich von etwa 70 bis 5500 tm ab, wobei Mobilkra-
ne mit etwa 500 bis 1000 tm Lastmoment noch häufig zu finden sind. Bei unteren
und mittleren Baureihen bis etwa 300 tm werden die Ballastgewichte, zumindest
zum Teil, bereits mitgeführt. Ansonsten ist ein gesonderter Antransport der Ballas-
tierung notwendig. Das Aufnehmen der Ballastgewichte benötigt jedoch wenig
Zeit. Krane mit sehr großen Lastmomenten ab ca. 2000 tm fahren ohne Teleskop-
ausleger zum Einsatzort und werden erst dort mit Ausleger und Ballastgewichten
versehen. Der Einsatz dieser Krane ist wegen der längeren Aufstellzeit und dem
großen Platzbedarf nach Möglichkeit zu vermeiden. Sie können jedoch bei extre-
men Anforderungen, wie dem Anheben kompletter Brückenteile, benötigt werden.
Grundsätzlich sind Mobilkrane bei richtiger Auswahl durch ihre geringen Anfahrt-



100
und Rüstzeiten und ihrem breiten Typenspektrum mit entsprechenden Leistungen
für den Rettungs-/Bergungseinsatz sehr gut geeignet.


4.1.2   Autokrane

Der Kranoberwagen ist hier auf handelsüblichen LKW-Fahrgestellen montiert.
Durch die Begrenzung des Gewichts ist ein maximales Lastmoment von bis zu
120 tm üblich, also weniger als bei Mobilkranen. Dafür sind etwas höhere Fahrge-
schwindigkeiten möglich. Die Autokrane sind etwas günstiger in der Anschaffung
und im Betrieb. Sind die Kranleistungen wie maximales Gewicht, Ausladung,
Hubhöhe ausreichend für eine spezielle Einsatzsituation, spricht nichts gegen
deren Verwendung. Die größere Bauhöhe und die etwas geringere Wendigkeit sind
zu berücksichtigen, insbesondere wenn Hofeinfahrten passiert werden müssen.


4.1.3   Geländekrane

Diese Krane haben meist ein Fahrgestell mit zwei Achsen und Geländebereifung.
Sie besitzen kein separates Fahrerhaus für den Fahrbetrieb und sind auf Lastmo-
mente bis zu 350 tm beschränkt. Die Höchstgeschwindigkeiten liegen bei 30 bis
40 km/h. Die Fahrzeuge sind nicht immer für den Straßenverkehr zugelassen. Nur
bei ausgedehnten Schadensstellen, die zusätzlich schlecht befahrbar sind, ist ein
Geländekran dem Mobilkran vorzuziehen.


4.1.4   Raupenkrane

Diese Krane sind für extreme Lastmomente bis zu 20.000 tm ausgelegt, also z.B.
1000 t mit 20 m Ausladung. Sie müssen zum Straßentransport demontiert werden.
Häufig werden Gittermastausleger verwendet und Hubhöhen bis zu 220 m oder
Ausladungen bis zu 160 m erreicht. Diese Spezialgeräte werden kaum bei Ret-
tungs-/Bergungsaufgaben zum Einsatz kommen, höchstens wenn sie bereits in
unmittelbarer Nähe zum Schadensort betrieben werden und die Anfahrt möglich
ist.


4.2     LKW – Ladekrane
LKW-Ladekrane kommen in der Bauindustrie immer häufiger zum Einsatz, da sie
unabhängig, flexibel einzusetzen und schnell aufzubauen sind. Zum Aufstellen
genügen je nach Umgebung und Personal ca. 5-10 Minuten. Die verschiedenen
LKW-Ladekrane, die bereits bei Hilfsorganisationen vorhanden sind, können zur
Unterstützung beim Umgang mit Trümmerteilen herangezogen werden. Die Ver-
suche auf dem institutseigenen Freigelände zeigten die Einsatztauglichkeit. Die
möglichen Lasten und Reichweiten sind geringer als bei reinen Autokranen, das
Einsatzspektrum genügt jedoch bei vielen Anwendungen.


                                                                             101
Anhand des Lastdiagramms (Bei-
spiel eines mittelschweren An-
baukranes: Palfinger PK 11001 B)
lassen sich die Verwendungsmög-
lichkeiten gut abschätzen. Es kann
hiermit z.B. ein 2 m2 großes Stück
einer 18 cm starken Betondecke (ca.
1 t) in 8 m horizontaler Entfernung
und 8 m Höhe abgehoben werden.

Für Arbeiten und Personenrettung in
Höhen bis etwa 15 m können Hubar-
beitskörbe für Ladekrane genutzt
werden, die z.B. von Atlas Weyhau-
sen angeboten werden. Der Ladekran
erhält somit eine weitere Anwen-
dungsmöglichkeit.

Mehrere verschiedene Anschlagmit-
tel sind für die Handhabung unter-
schiedlicher Trümmerteile notwendig.
Insbesondere verstellbare Ketten,
Rundschlingen und Hebebänder ha-
ben sich bei den Versuchen bewährt
(Abschnitt 5.4.4).

Zusammenfassend lässt sich emp-
fehlen, dass die bei den Einheiten Abbildung 4.1: Lastdiagramm LKW-Ladekran
schon vorhandenen LKW-Ladekra-                      Palfinger PK 11001 B
ne, die sich gut bei Gebäudeeinstür-
zen geringer Ausdehnung eignen, für die ersten Arbeiten vor dem Eintreffen eines
Mobilkranes und später für unterstützende Arbeiten herangezogen werden. Eine
breit gefächerte Ausstattung an Anschlagmitteln ist hierfür notwendig. Hubar-
beitskörbe sind eine sinnvolle Ergänzung.

Lastkraftwagen mit Ladekranen sollten für Gebäudeeinstürze in die Alarmpläne
aufgenommen werden und frühzeitig ausrücken. Die Ausbildung der Kranführer
im Umgang mit Trümmerteilen, insbesondere zur Verwendung von Anschlagmit-
teln, sollte an realistischen Übungssituationen geprobt werden.


4.2.1   Anschluss der Anbaugeräte des THW-Bergungsräumgerätes

Die Anbaugeräte Polypgreifer und Zweischalengreifer für den Baggeranbau des
Bergungsräumgerätes können auch für THW-Anbaukrane verwendet werden. Für
den Anbaukran Palfinger PK 11000 sind bereits entsprechende Anbausätze ent-
wickelt (Fa. Kinshofer, Marienstein). Es müssten zusätzliche Hydraulikleitungen


102
verlegt werden. So wäre eine Vergrößerung der Reichweite und der Reichhöhe im
Vergleich zu der des Zettelmeyer möglich. Besonders der Zugewinn an Reichhöhe
ist bei den zu erwartenden Trümmerstrukturen notwendig. Ein weiterer Vorteil
wäre, dass bereits beim THW vorhandene Anbaugeräte bei Gebäudeschäden in
größerem Umfang zum Einsatz kommen könnten.


4.3     Teleskoplader
Teleskoplader kann man als Radlader mit teleskopierbarer Geräteaufnahme anse-
hen. Sie haben ein breites Fahrwerk und oft ausfahrbare Abstützungen für ein
hohes Standmoment und ersetzen auf Baustellen schon teilweise den Kran. Die
typische Hubhöhe entspricht etwa drei Stockwerken. Für das Retten/Bergen kom-
men das Anheben von Lasten, das Anheben von Arbeitsbühnen, der Betrieb als
Schaufellader, Abstützen von Trümmerteilen und Verwendung als Geräteträger in
Frage.




Tabelle 4.1: Vergleich der Teleskopmaschinen der Firmen JCB, Merlo und FDI-Sambron

Der auf dem Versuchsgelände erprobte Teleskoplader der Firma Sambron konnte
an den verschiedenen Versuchsaufbauten mit viel Erfolg eingesetzt werden. Kom-
bigeräte dieser Bauart kommen im Hochbau immer häufiger zum Einsatz, da
damit viele verschiedene Aufgaben bewältigt werden können. Folgende Einsatz-
gebiete sind typisch:

• Als Radlader, durch teleskopierbaren Ausleger, können auch hohe Fahrzeuge
  beladen werden, Material kann über Hindernisse hinweggehoben werden.

• Zum Be- und Entladen von LKW oder Flugzeugen mit Ladegabel. Das gelände-
  gängige Fahrwerk richtet den Teleskoplader automatisch oder manuell horizon-
  tal aus.


                                                                                     103
• Zum Transport von Material
  bis ca. 3 t in Höhen von ca. 12-
  15 m mit Lasthaken, Ladega-
  bel oder Schaufel auch von
  unebenem Gelände aus.

• Mit Kranausleger und Winde
  als Anbaugerät.

• Mit Arbeitsbühne am Teles-
  koparm.

• Teleskoplader sind nicht geeig-
                                     Abbildung 4.2: Teleskoplader mit Arbeitsbühne
  net zum Ausheben von Gräben
  und Schächten. Als Zusatzaus-
  stattung werden Heckbagger
  angeboten.

Folgende Eigenschaften des Ge-
rätes fielen bei den Versuchen
auf:

• Seitliches Schwenken der Last
  ist abhängig vom Teleskopla-
  dertyp nur bis etwa 1m mög-
  lich. Es muss sonst mit Fahr- Abbildung 4.3: Teleskoplader kippt zur Aufnahme
  bewegung gearbeitet werden.                  der Last
  Ist der Kranbetrieb oder die
  Arbeit mit dem Hubarbeitskorb häufig vorgesehen, sollte ein Teleskoplader mit
  drehbarem Oberwagen gewählt werden. Diese Maschinen sind allerdings höher
  und teuerer.

• Wegen des Teleskopauslegers ist das Bewegen des Arbeitsgerätes hinter Hinder-
  nisse wie zum Beispiel freistehende Mauern nur eingeschränkt möglich. Verein-
  zelte Teleskopmaschinen verfügen über Teleskopausleger mit zusätzlichem
  Schwenkarm.

• Manuelles und automatisches Schwenken des Fahrzeugs um die Längsachse
  ermöglicht den Einsatz in unebenem Gelände, wie es sich bei Einstürzen schnell
  ergibt.

• Die große Hubhöhe und Auslage ist für den Einsatz in Trümmern gut geeignet.

• Ein schneller Austausch der Anbaugeräte mit Schnellwechselvorrichtung ist
  möglich.




104
• Kleine Außenabmessungen ermöglichen Durchfahrten durch schmale, niedrige
  Hofeinfahrten.

• Wendig durch Allradlenkung (innerer Wenderadius 790 mm, äußerer 3580 mm),
  Hundegang ist möglich.

Ein Vergleich der Teleskoplader mit anderen Maschinen erfolgt in Abschnitt 4.8.


4.4    Radlader – Bergungsräumgerät des THW
Das Bergungsräumgerät zum Räumen von Schadensstellen wird als normaler
Radlader eingesetzt und ist für diese Aufgabe sehr gut geeignet. Die Klappschau-
fel bietet im Vergleich zur Seitenkippschaufel bei geringeren Kosten und unemp-
findlicherer Mechanik zusätzlich die Möglichkeit, Trümmerteile zu greifen. Unter
beengten Verhältnissen und für Durchfahrten mit Höhenbeschränkung sind jedoch
kleinere Radlader, wie sie auf vielen Baustellen Verwendung finden, besser geeig-
net.

Für die eigentliche Rettung/Bergung kann das Bergungsräumgerät mit der Bag-
gereinrichtung in Verbindung mit dem Hydraulikmeißel zum Zerlegen von Trüm-
merteilen und zur Schaffung von Durchbrüchen verwendet werden. Die Aufbrech-
leistung (vergleiche Abschnitt 3) ist im Gegensatz zu der handgeführter Verfahren
hervorragend, Hydraulikmeißel und die Baggereinrichtung sind für diese Verwen-
dung gut geeignet und entsprechend aufeinander abgestimmt.

Mit der Baggereinrichtung in Verbindung mit dem Tieflöffel, dem Zweischalen-
oder dem Polypgreifer ist die Verwendung des Bergungsräumgerätes zum Anhe-
ben und zum Abtransportieren einzelner Trümmerteile möglich. Jedoch ist die
Arbeitshöhe begrenzt auf 4 m abzüglich der Höhe des jeweiligen Greifers und des
Drehrotors, sodass mit dem Polypgreifer kein Kipper beladen werden kann. Die
Arbeiten können von einem erhöhten Standort aus durchgeführt werden, doch ist
nicht immer Material, Platz oder Zeit zum Aufschütten einer Rampe vorhanden.
Die Begrenzung der Arbeitshöhe folgt aus der Empfehlung des Herstellers des
Anbaubaggers, diesen aus Standsicherheitsgründen nur im abgestützten Zustand
zu betreiben. Nach überschlägiger Rechnung ist die Standsicherheit auch im
angehobenen Zustand gewährleistet. Dies und die Belastung des Hubgestells müs-
ste vom Hersteller des Radladers überprüft werden. Mit einer Freigabe für den
Betrieb im angehobenen Zustand würden sich die Einsatzmöglichkeiten mit ca.
3,3 m Zugewinn an Höhe stark erweitern.

Das Anheben oder Transportieren von Trümmerteilen mit dem am Hubgestell vor-
handenen Lasthaken wird nur in Ausnahmefällen möglich sein, da hier nur eine
Ausladung von ca. 1m (abhängig von der Hubhöhe) von der Vorderkante der
Räder aus zur Verfügung steht.




                                                                             105
Der Anschluss des Arbeitsgerätes
bzw. der Baggereinrichtung an das
Hubgestell erfolgt über Passbolzen.
Dies kann bei unebenem Gelände,
leichtem Verzug des Hubgestells
und Verschmutzung oder Korrosion
zu Zeitverzögerungen beim Werk-
zeugwechsel führen. Für den Ein-
satz mit verschiedenen Geräten, wie
es ursprünglich für das Bergungs-
räumgerät angestrebt war, wäre eine
Schnellwechselvorrichtung vorteil-     Abbildung 4.4: Bergungsräumgerät mit modifi-
haft.                                                 ziertem Lasthaken (Vorschlag)


Für das Anheben und Transportieren von Trümmern wäre ein Anbaulasthaken mit
ca. 2,5 bis 3 m Ausladung sicher sehr sinnvoll. Damit müsste nicht ganz so weit in
die bereits durchsuchten Trümmer hineingefahren werden, es ergäben sich auch
größere Hubhöhen von etwa 5 m. Mit dem in Abbildung 4.4 gezeigten Vorschlag
eines Lasthakenträgers werden noch Teile von ca. 2 t anzuheben sein.

Eine relativ kostengünstige Erweiterung der Einsatzmöglichkeiten des Bergungs-
räumgerätes ist mit einer Ladegabel zu erreichen. Sie kann zum Anheben und
Abtransport von Trümmerteilen aus dem Randbereich der Trümmerstruktur ver-
wendet werden. Durch die geringe Höhe der Zinken kann in schmale Spalte zwi-
schen Trümmerteile gefahren werden und es kann mit großen Hubkräften gearbei-
tet werden. Allerdings ist eine genaue Kontrolle der Trümmerteile nur mit
zusätzlichen Hilfsmitteln wie Spanngurten möglich, da die Trümmerteile leicht
auf der glatten Gabel verschieblich sind und abhängig von Schwerpunktlage und
Auflagefläche auch leicht von der Gabel kippen können. Abhilfe wäre mit einer
zusätzlichen Baumklammer möglich. Da jedoch die Einsatzmöglichkeiten in
Trümmern unbekannten Inhalts durch die geringe Reichweite begrenzt sind, wird
diese Einrichtung mehr bei Räumarbeiten, bei denen Schuttnachrutschungen und
Veränderungen der Trümmerstruktur tolerierbar sind, zum Zuge kommen.

Zusätzlich ließen sich aber mittels der Ladegabel Aufgaben erfüllen, die sich auch
außerhalb reiner Rettungs-/Bergungsarbeiten immer häufiger stellen. Beispiele
hierfür sind der Güterumschlag an Unfallorten oder in Katastrophengebieten, das
Entladen verunfallter LKWs sowie das Entfernen brennbarer Güter aus dem
Brandbereich.


4.5    Hydraulikbagger
Hydraulikbagger sind besonders vielseitige Erdbaumaschinen, die häufig verwen-
det werden. Sie können im Bergungseinsatz zum Anheben von Lasten und Trüm-
mern, zum Anlegen von Gräben und Schächten und als Geräteträger für spezielle



106
Abbruchgeräte verwendet werden. Die Einteilung nach dem Betriebsgewicht ist
üblich.

Minibagger und Kompaktbagger bis maximal 10 t Gewicht werden auf beengten
Baustellen verwendet oder wenn nur Erdbauarbeiten geringeren Umfangs ausge-
führt werden müssen. Leichte Hydraulikbagger kommen auch bei Abbrucharbei-
ten als Geräteträger zum Einsatz. Sie können durch Türöffnungen in Räume oder
mittels Kran auf Dachflächen gelangen.

Bagger von 10 bis etwa 25 t finden Verwendung, wenn unterschiedliche Aufgaben
wie Grabarbeiten und Hubarbeiten ausgeführt werden müssen und der Einsatz
großer Bagger nicht wirtschaftlich ist. Sie werden als Mobilbagger mit Radfahr-
werk und als Raupenbagger ausgeführt. Mobilbagger können schneller auf der
Baustelle umgesetzt werden und können auf eigener Achse mit einer Geschwin-
digkeit von etwa 20 km/h zur Baustelle gelangen. Raupenbagger üben etwa eine
Bodenbelastung von 30-90 N/cm2 aus und sind so auf weniger tragfähigem Unter-
grund einsetzbar. Sie sind durch die große Aufstandsfläche wenig kippempfind-
lich und können Horizontallasten besser in den Boden weiterleiten. Die Anfahrt
zur Baustelle muss per Tieflader erfolgen. Das Umsetzen auf der Baustelle ist zeit-
aufwendiger als bei Mobilbaggern, der Straßenbelag kann durch das Fahrwerk
geschädigt werden. Neben der üblichen Ausführung mit dreiteiligem Verstellaus-
leger, die meist bei Baggern bis etwa 20 t Baggergewicht verwendet wird, und den
Monoblockauslegern gibt es auch Hydraulikbagger mit Teleskopausleger, die
hauptsächlich unter Tage und zum Anlegen von Böschungen verwendet werden.
Bagger mit Teleskopauslegern benötigen weniger Raum oberhalb des Auslegers
und können deshalb eingesetzt werden, wenn die Arbeitshöhe begrenzt ist. Jedoch
kann damit nur beschränkt über Hindernisse hinweg gearbeitet werden.

Da die sichere Bedienung von Hydraulikbaggern viel Übung auf dem speziellen
Typ erfordert und die Ausstattung von Rettungseinheiten mit Baggern kaum flä-
chendeckend sein wird, ist es auch hier notwendig, dass Informationen zum Lei-
hen von Hydraulikbaggern lokal zusammengetragen werden und Vorgespräche
mit Baufirmen und Vermietungsfirmen geführt werden. Möglichst sollte das
Bedienpersonal zur Baumaschine gestellt werden.

Unabhängig davon ist es zu begrüßen, wenn Hydraulikbagger von Rettungsein-
heiten angeschafft werden. Dies dient nicht nur dem direkten Einsatz nach Gebäu-
deschäden, sondern auch der Ausbildung von Bedienpersonal der jeweiligen Ret-
tungseinheit, sodass auch andere geliehene Baggertypen genutzt werden können.
Weiterhin können Führungskräfte mit den Einsatzmöglichkeiten vertraut gemacht
werden. Denn nur durch Übung der Einsatzsituation lassen sich die Anwendungs-
möglichkeiten und -grenzen realisieren, sodass es bei einem Einsatz nicht zu Fehl-
einschätzungen kommt.

Zur Anschaffung bieten sich Hydraulikbagger mit 12 bis 18 t Betriebsgewicht an,
da diese relativ kostengünstig und universell einsetzbar sind. Da zu dem Hydrau-
likbagger ein Tieflader-Anhänger für den Antransport sinnvoll ist und auf häufiges


                                                                              107
großräumiges Umsetzen auf der Einsatzstelle verzichtet werden sollte, sollte ein
Raupenfahrwerk gewählt werden. Hiermit ist ein sicheres und standfestes Arbeiten
auch zwischen Trümmern möglich. Alternativ zu der Anschaffung eines Standard-
baggers bieten sich die in den folgenden Abschnitten beschriebenen Spezial- bzw.
Schreitbagger an. Auch Teleskoplader bieten im Rettungseinsatz Vorteile, haben
jedoch ein anderes Einsatzspektrum und können als Ergänzung angesehen wer-
den.


4.6     Baggeranbaugeräte und Zubehör
Neben dem bekannten Tieflöffel stehen eine Vielzahl von Anbaugeräten für
Hydraulikbagger zur Verfügung, die sich bei Rettungsarbeiten verwenden lassen.
Besonders Anbaugeräte für den Güterumschlag, wie Mehrschalengreifer, und für
den Abbruch, wie Hydraulikmeißel oder dreh- und schwenkbare Greifer, sind
geeignet. Auch wenn es genormte Anschlüsse gibt, können Anbaugeräte nicht
ohne weiteres von verschiedenen Trägergeräten genutzt werden. Hydraulikverbin-
dungen und mechanische Anschlüsse stimmen meist nicht überein, hydraulische
Drücke und Leistungen sowie die benötigten Hubkräfte des Trägergeräts müssen
geeignet sein. Aus diesen Gründen sollte nur bereits in der Funktion überprüfte
Kombination Geräteträger-Anbaugerät zum Einsatz kommen. Das bedeutet, dass
Anbaugeräte zwar von Rettungsorganisationen ohne Trägergerät angeschafft wer-
den können, dass die für den Einsatz in Frage kommenden Trägergeräte jedoch
bekannt sein müssen.


4.6.1   Betonfräse

Betonfräsen als Anbaugeräte von Hydrau-
likbaggern werden für Abbrucharbeiten
verwendet. Sie bestehen aus einem Hydrau-
likmotor mit Getriebe, mit horizontal nach
beiden Seiten abgehenden Achsen, auf
denen kreisförmig hartmetallbestückte
Zähne sitzen. Es können bewehrte, beliebig
starke Betonstücke erschütterungsarm
abgefräst werden. Allerdings sind hohe
Anpresskräfte notwendig. Als Trägergeräte
bieten sich mittlere bis große Hydraulik-
bagger mit etwa 16 bis 40 t Gesamtgewicht
an. Der Einsatz von Betonfräsen bei Ret-
tungs-/Bergungseinsätzen kann sinnvoll
werden, wenn umfangreiche Abtragarbei-
ten an Stahlbetonstrukturen, wie z.B. Bun- Abbildung 4.5:
ker, notwendig werden und Erschütterun- Betonfräse Fa. Boart Longyear
gen vermieden werden sollen. Betonfräsen werden nur von speziellen
Abbruchunternehmen verwendet und sind weniger weit verbreitet.


108
4.6.2   Abbruchzange und Hydraulikscheren

Für Abbrucharbeiten wird eine große Band-
breite zangen- oder scherenförmiger An-
baugeräte angeboten. Meist sind Greif- und
Scherenfunktion kombiniert. Diese Gat-
tung der Anbaugeräte wird zum Abgreifen
und Bewegen von Trümmerstücken, zum
Durchschneiden von Wänden und Decken
und deren Bewehrung sowie zum Zerdrük-
ken (Pulverisieren) von Betonstücken ver-
wendet. Aber auch zum Sortieren und Zer-
schneiden von Schrott werden spezielle
Geräte angeboten.

Im Rettungs-/Bergungseinsatz lassen sich
diese Anbaugeräte zum gezielten Manipu-
lieren und Zerkleinern von Trümmerteilen
aus Stahlbeton, Stahl und Holz verwenden.
Mauerstücke können eingerissen und be-
dingt auch abgegriffen werden. Bei Objek-
ten mit hohem Stahlbetonanteil, wenn das
Zerlegen von großen Trümmerteilen zum Abbildung 4.6:
                                             Abbruchzange Fa. Rammer, Wiesbaden
Abtransport oder Sichern notwendig wird
und wenn unter schwierigen Bedingungen in großen Höhen gearbeitet werden
muss, ist der Einsatz von Abbruchzangen, -scheren und Greifern anzuraten. Dabei
sollten hydraulisch drehbare Anbaugeräte verwendet werden, da diese flexibler
einzusetzen sind.

Als Trägergeräte werden wieder mittlere bis schwere Hydraulikbagger (16 - 40 t
Gesamtgewicht) verwendet. Mit spezieller Abbruchausrüstung (Baggerarm) kann
so in Höhen bis 20 m, bei einzelnen Typen auch bis 25 m gezielt gearbeitet wer-
den. Obwohl diese Anbaugeräte häufiger als Betonfräsen bei Abbruchunterneh-
men vorhanden sind, ist die Verfügbarkeit in Verbindung mit einem speziellen
Abbruchbagger für Rettungs- und Bergungseinsätze weit geringer als die von
Standardhydraulikbaggern. Der Transport spezieller Abbruchbagger erfolgt meist
mit mehreren Tiefladern. Das Zerlegen und die Montage am Einsatzort wird not-
wendig. Der Einsatz dieser Abbruchbagger wird bei Einstürzen von Gebäuden mit
hohem Stahlbetonanteil und Trümmerhöhen von mehr als 10-12 m soweit Vorteile
bringen, dass die Transportzeit in Kauf genommen werden kann. Die exakten
Randbedingungen sind zu prüfen.

Üblicherweise werden Abbruchzangen an Trägergeräten mit Kettenfahrwerk
wegen der geringen Bodenpressung und der größeren Standsicherheit verwendet.
Wenn Bagger mit Kettenfahrwerk bei Rettungseinheiten vorhanden sind, bietet
sich die Anschaffung einer Kombination von Greifer und Schere an, da hierdurch
die gezielte Manipulation von Trümmerteilen und das erschütterungsarme Abtrennen


                                                                            109
möglich wird. Aber auch in Verbindung mit Spezialbaggern mit Radfahrwerk wer-
den Abbruchzangen eingesetzt. Hierfür ist eine Pratzenabstützung empfehlens-
wert. Bei Standardhydraulikbaggern bis etwa 20 t Betriebsgewicht ist von einer
Arbeitshöhe von ca. 6 bis 10 m auszugehen.


4.6.3   Greifer

Übliche Greifer für Bagger sind Zweischalen-
greifer und Mehrschalengreifer (Polypgreifer).
Der Erste wird zum Ausheben von schmalen
Gräben und Schächten und zum Umschlag von
rolligem Material eingesetzt, der Zweite zum
Greifen langer oder ungeordneter Gegenstände
insbesondere Schrott. Für den Rettungs-/Ber-
gungseinsatz dabei von Vorteil ist die Möglich-
keit, Trümmerteile fest zu greifen. Folglich
wurden diese Anbaugeräte auch in den Geräte-
satz des Bergungsräumgerätes mit aufgenom-
men. Ein Drehservo ermöglicht die Drehbewe-
gung der Greifer um die Hochachse. Da die
Greifer kardanisch aufgehängt sind, können
Trümmerteile nur von oben gegriffen werden.
Eine horizontal liegende Platte lässt sich nicht
greifen. Es kommt mit den kardanisch aufge-
hängten Greifern schnell zum Pendeln und zu
unkontrollierten Bewegungen.

Besser für den Bergungseinsatz geeignet sind Abbildung 4.7:
Greifer, deren Position um alle Achsen geführt Sortiergreifer der Fa. Kinshofer,
wird. So lassen sich die Bewegungen genauer Waarkirchen
kontrollieren und auch andere Positionen, z.B.
herabhängende Teile, erreichen (Abbildung 4.7). Als weitere Möglichkeit zum
Greifen von Trümmerteilen bieten sich zusätzliche hydraulisch betätigte Klam-
mern oder Halter in Verbindung mit Tieflöffeln oder Ladegabeln an. Diese Kom-
binationen sind jedoch nicht mittels Servomotor zu drehen, bieten aber ebenso
Halt gegen Herausrutschen gegriffener Trümmerteile. Im Gegensatz zu Abbruch-
zangen können auch labile Trümmerstücke wie Mauerstücke und Schutt gehand-
habt werden.

Da diese Anbaugeräte im Warenumschlag verwendet werden, wird die Möglich-
keit des Mietens oder Leihens im Einsatzfall stark von den örtlichen Gegebenhei-
ten abhängen. Sind Hydraulikbagger bei Rettungseinheiten vorhanden, bietet sich
die Anschaffung eines voll positionierbaren Zweischalengreifers an. Auch wenn
Bagger nur leihweise zur Verfügung stehen, ist die Anschaffung zu erwägen.
Dabei ist darauf zu achten, dass der Anschluss an die zur Verfügung stehenden
Hydraulikbagger mechanisch wie hydraulisch möglich ist.


110
4.6.4   Neu zu entwickelnde Anbaugeräte für den Rettungseinsatz

Die vorgestellten Baumaschinen und deren Anbaugeräte wurden für den Erdbau,
den Materialumschlag, für Montage und für Abbrucharbeiten optimiert. Es bieten
sich hiermit Einsatzmöglichkeiten, die es noch auszuschöpfen gilt. Jedoch sind
auch Neuentwicklungen von Anbaugeräten wünschenswert, die spezielle Ret-
tungsaufgaben erfüllen können. Ein Schritt in diese Richtung wurde bereits mit
dem Bergungsräumgerät des THW gegangen.

Aufgaben für Anbaugeräte sind:

• Erschütterungsarmer Durchbruch durch Stahlbetonstrukturen

• Manipulation von Trümmerteilen, die schlecht zugänglich und schwer sind

• Schaffung von Vordringöffnungen in Trümmerschutt mit gleichzeitigem Abstüt-
  zen

Dabei sollten die Anbaugeräte bzw. die Trägergeräte Kräfte messen und begrenzen
können, um nicht unerwünscht große Kräfte in labile Trümmerstrukturen einzu-
leiten. Die Anbaugeräte sind auf die Trägergeräte abzustimmen, für die sich drei
unterschiedliche Klassen besonders eignen:

1. Mittelgroße Hydraulikbagger, Kettenfahrwerk mit langem Abbruchausleger
   für die Manipulation von Trümmerteilen und das Schaffen von Öffnungen über
   große Distanzen hinweg. Sie ermöglichen die Manipulation von Betontrüm-
   merteilen auch in großer Höhe und sind besonders geeignet für Gebäude bis
   ca. 7 Stockwerke Höhe. Diese Bagger werden zum Transport in Grundgerät,
   Ballastgewicht und Abbruchausleger zerlegt. Eventuell muss die Fahrwerks-
   breite für den Transport verstellt werden. Der Transport zum Einsatzort ist auf-
   wendig.

2. Kleine Allroundbagger oder Teleskoplader mit zusätzlichen Bewegungsmög-
   lichkeiten des Auslegers zur Anfahrt an schwierig zugängliche Arbeitsstellen.
   Geringe Bauhöhe und kleine Wendekreise werden bei Hofeinfahrten und zum
   dichten Heranfahren an das eingestürzte Gebäude benötigt. Diese Baumaschi-
   nen können häufiger eingesetzt werden als große Abbruchbagger, stoßen aller-
   dings bei Gebäuden ab 3 Stockwerken (Teleskoplader ab 4-5 Stockwerken) an
   ihre Grenzen und haben insgesamt geringere Tragfähigkeiten.

3. Minibagger und Geräteträger können selbstfahrend oder per Kran in die Trüm-
   mer gelangen. Sie sind besonders geeignet für tragfähige Trümmerstrukturen,
   zur Bearbeitung von Beton und in Kombination mit einem Kran. Hierfür gibt
   es Anbaugeräte zur Betonbearbeitung, zum Anheben von Trümmerteilen und
   zum Erstellen von stabilisierten Öffnungen in Trümmerschutt.




                                                                              111
In Kombination mit einem fernsteuerbaren Geräteträger und einer Kameraüber-
wachung lässt sich ein spezielles Rettungsgerät zusammenstellen. Als Geräteträ-
ger ist besonders ein Abbruchgeräteträger oder Minibagger geeignet, der in Räu-
me eindringen kann, um so die Gefährdung für das Rettungspersonal zu redu-
zieren.

Für den erschütterungsarmen Durchbruch bieten sich Fräsen, wie in Abschnitt
4.6.1 gezeigt, sowie Kernbohrgeräte als Anbaugeräte an, wobei die letzteren eben-
so gut von einer Hubarbeitsbühne aus betätigt werden können. Diese Anbaugeräte
wären für alle drei Geräteträgervarianten geeignet. Die Fräse müsste über mehre-
re gegenläufige Fräsköpfe verfügen, um die Summe der eingeleiteten Kräfte paral-
lel zur Wand zu minimieren. Dieses Verfahren sollte jedoch nur an gut befestigten
oder horizontal mit sicherer Auflage liegenden Decken oder Wänden durchgeführt
werden, da Druck und Schubkräfte eingeleitet werden.

Ein weiteres Anbaugerät für den erschütterungsarmen Durchbruch ist ein Kern-
bohrgerät zur Erstellung eines Mannloches mit der Möglichkeit der Fixierung des
Bohrkernes. Dies hätte den Vorteil, dass in verschiedene Arbeitsrichtungen ohne
Erstellung eines Gerüstes oder Räumarbeiten ein Mannloch hergestellt werden kann
und der Bohrkern direkt aus dem Bohrloch entfernt werden kann, wodurch Ver-
schüttete geschützt werden. Es sollte so gestaltet werden, dass zwar das Bohrgerät
gegen den Untergrund fixiert wird, dies jedoch nur durch Anpressen eines Fußteils
gegen das zu bearbeitende Wand- oder Deckenstück erfolgt.

Da häufig mit unterschiedlichen Arbeitsgeräten gearbeitet werden muss, ist eine
vollautomatische Schnellwechselvorrichtung für Werkzeuge wie Diamantsäge,
Hydraulikmeißel, Bohrhammer, Hydraulikschere, Greifer und hydraulisches
Spaltgerät für ein spezielles fernbedientes Rettungsgerät wünschenswert, wobei
die Werkzeuge durch den Geräteträger mitzuführen wären, um so jeglichen Ein-
griff von Personal im Gefahrenbereich zu vermeiden.


4.6.5   Grabenverbausysteme

Diese Verbausysteme werden zum Verbau von Gräben und Schächten verwendet
und sind in Verbindung mit einem Hydraulikbagger einzusetzen. Sie bestehen aus
zwei Platten und verstellbaren Abstandselementen dazwischen und werden bei
standfestem Boden nach Aushub des Grabens mit dem Hydraulikbagger in den
Graben gesetzt. Dieser Vorgang ist erheblich schneller umzusetzen als der manuel-
le Einbau eines Verbaus aus Bohlen und Balken, der immer zum Schutz der Arbei-
ter nur Zug um Zug mit dem Aushub erfolgen kann. Aber auch in nichtbindigem
Boden kann das Verbausystem wechselseitig mit dem Aushub abgesenkt werden.

Besonders zeitsparend kann das Verbausystem eingesetzt werden, wenn ein
Zugang zu einem Kellergeschoss hergestellt werden muss. Hierfür wird ein Gra-
ben senkrecht zur Kellerwand an diese anstoßend ausgehoben und mit dem Ver-
bausystem gesichert. Da Verbausysteme eingesetzt und mittels Baggerarm einge-


112
presst werden, entstehen keine Erschütterungen mit negativen Auswirkungen auf
die Trümmerstruktur. Die Anschaffung eines Verbausystems ist für Rettungsein-
heiten nur in Verbindung mit einem Hydraulikbagger sinnvoll. Da jedoch Hydrau-
likbagger und Verbausysteme sehr verbreitet sind, ist der Einsatz von geliehenem
Gerät und eventuell Personal empfehlenswert. Dafür müssen die Leihmöglichkei-
ten im Vorfeld untersucht werden.


4.7     Spezialbagger
Für kleine und beengte Baustellen wurden Spezialbagger entwickelt, die auch im
Laderbetrieb arbeiten können. Als Beispiel werden die Bagger der Firma Mecalac
betrachtet. Es handelt sich um Hydraulikbagger mit Knickgelenk-Rahmen und
Radfahrwerk. Der Motor mit Hydraulikpumpe sitzt im Fahrgestell. Der Oberwa-
gen ist um 360° drehbar. Die vordere Achse ist starr, die hintere Achse ist als ver-
riegelbare Pendelachse ausgeführt. Alle vier Räder sind über Kardanwelle und
Sperrdifferential angetrieben. In Fahrtrichtung sind beidseitig Abstützungen vor-
handen, die zur Seite teleskopiert werden können.

Der Ausleger erreicht durch ein spezielles Hebelsystem einen Schwenkwinkel von
142°. Ein um 33° schwenkbares Versatzsystem erlaubt das Ausheben eines Gra-
bens mit maximal 2,30 m Versatz zur Drehachse. An die Schnellwechselvorrich-
tung können Tieflöffel, Zweischalengreifer, Schaufel, Ladegabel, Kranhaken,
Arbeitsbühne, Hydraulikhammer, Abbruchzange und weitere Anbaugeräte aufge-
nommen werden.


4.7.1   Eignung für den Bergungseinsatz

Anheben von Trümmerteilen und Lasten
Die Bagger eignen sich zum Anheben von Trümmerteilen mit Kranhaken, Zwei-
schalengreifer und Ladegabel. Die Leistungen entsprechen denen von Baggern
ihrer Gewichtsklasse von ca. 6 t bis 14 t, wobei die Ladegabel zusätzliche Anwen-
dungen ermöglicht. Der um 360° drehbare Oberwagen und die Versatzkinematik
ermöglichen einen großen Arbeitsbereich. Es können ebenfalls Lasten unter
Niveau aufgenommen werden. Hindernisse wie Wände können übergriffen wer-
den. Der Zweischalengreifer ist kardanisch aufgehängt, das heißt, er hängt über
Bolzenverbindungen senkrecht nach unten. Eine Schwenkvorrichtung für den
Greifer ist nicht vorgesehen.

Bearbeiten von Trümmern
Mittels Hydraulikhammer lassen sich Trümmer bearbeiten. Für die üblichen Auf-
gaben beim Bergungseinsatz genügt die Leistung vollauf. Nur für große Betontei-
le, die vollständig zerkleinert werden müssen, wie z.B. Stahlbetonbrücken, sollten
Trägergeräte über 20 t Betriebsgewicht und entsprechende Hydraulikhammer ver-
wendet werden. Die Arbeitshöhe ist je nach Modell auf bis zu 7 m beschränkt.



                                                                               113
Auch Abbruchzangen werden ange-
boten. Da hiermit häufiger in gro-
ßen Höhen gearbeitet wird als mit
Hydraulikmeißeln und Stahlbeton-
gebäude meist mehr als drei Stock-
werke aufweisen, werden die maxi-
malen 7 m Arbeitshöhe im Einsatz
schnell überschritten und andere
Trägergeräte werden nötig.

Das Umschlagen von Ware mittels
Ladegabel ist vorgesehen, Anbauge-
räte, die direkt an den Löffelstiel
angeschlossen werden, existieren
bereits.
                                        Abbildung 4.8: Spezialbagger Fa. Mecalac



Ausheben von Gräben und Schächten
Hier entsprechen die Leistungen in etwa denen gleich schwerer Hydraulikbagger.
Von Vorteil ist der geringe Drehradius des Oberwagens mit Werkzeug und die
Möglichkeit, Graben versetzt anzulegen. Dies ermöglicht das Arbeiten in beeng-
ten Umgebungen, wie es häufig im Rettungs-/Bergungseinsatz vorkommt.


4.7.2   Kaiser Schreit-Mobil-Bagger

Aus Liechtenstein stammt ein
außergewöhnlicher Mobilbagger,
der zwar ein Radfahrwerk besitzt,
aber sich auch ähnlich dem Gehen
fortbewegen kann. Jedes Rad sitzt
an einer einzeln zu betätigenden
Lafette. An zwei Lafetten sind
zusätzlich Tatzen angebracht. Mit
Hilfe des Baggerarms kann die Bau-
maschine angehoben werden, sodass
5 „Beine“ für die Fortbewegung zur Abbildung 4.9: Schreitbagger Fa. Kaiser
Verfügung stehen. Auf diese Weise
kann auch auf stark geneigtem Gelände gearbeitet werden. Hindernisse können
überstiegen und Spalte überwunden werden. Die Kabine ist kippbar, sodass Nei-
gungen der Maschine ausgeglichen werden können. Der Bagger kann sich ohne
weitere Hilfsmittel auf die Ladefläche eines LKW bewegen. Für den Bagger sind
Anbaugeräte, wie Zweischalengreifer, Betonzange, Abbauhammer, Kranarm,
Seilwinde, Bohrlafette und Asphaltfräse bereits angepasst. Der Zweischalengrei-
fer ist um alle Achsen geführt, das heißt, er kann nach vorne oder oben greifen. Ein
ähnlicher Bagger wird von der Firma Schaeff in Langenburg angeboten.


114
4.8     Vergleich Bergungsräumgerät, Spezialbagger und Teleskoplader

Nachfolgend sollen die genannten Baumaschinen, die für einen großen Einsatzbe-
reich entwickelt wurden, miteinander verglichen werden.




Tabelle 4.2: Vergleich von Spezialbaggern und Teleskopladern für den Rettungseinsatz




                                                                                       115
Es handelt sich bei diesen Baumaschinen um baggerähnliche oder laderähnliche
Geräte, die aufgrund ihrer variablen Verwendungsmöglichkeiten für Rettungs- und
Bergungsarbeiten geeignet sind und als Ausstattung für Rettungsorganisationen in
Betracht kommen.

Die zwei Teleskoplader sind als Beispiel aus einer großen Auswahl von unter-
schiedlichen Typen anzusehen. Das Bergungsräumgerät ist mit seiner Ausstattung
einmalig, den Mecalac und Kaiser Bagger gibt es noch in wenigen unterschied-
lichen Größen.

Anheben und Manipulation von Trümmerteilen und Lasten
Hierfür sind Reichweite, Reichhöhe und die Lasten sowie die dazugehörigen
Anbaugeräte wie Seilwinde, Ladegabel oder Zweischalengreifer von Interesse.
Zusätzlich interessiert, wenn sich Hindernisse zwischen Standpunkt und anzuhe-
bendem Trümmerteil befinden, ob sich Gelenke im Ausleger befinden. Teleskop-
lader sind hier in der Verwendung den Kranen ähnlicher, da sie große Reichweiten
und Höhen haben und mit einer Seilwinde ausgestattet werden können, jedoch
nicht über einen gelenkigen Ausleger verfügen, der für die Manipulation von
Trümmern besonders geeignet ist, da auch über Hindernisse hinweg und unterhalb
des Standortes gearbeitet werden kann. Ein zusätzlicher beweglicher Arm kann
jedoch angeschlossen werden. Ein drehbarer Oberwagen ist für das genaue Posi-
tionieren der Lasten von Vorteil. Die hier aufgeführten Bagger haben im Gegen-
satz dazu geringere Reichweiten, sind aber für den Anschluss von Greifern besser
geeignet. Hier steht die Manipulation im Vordergrund. Die Tragfähigkeit und Aus-
ladung des Bergungsräumgerätes sind für das Anheben und Manipulieren von
Lasten weniger gut geeignet, mit einem Greifer und Drehservo können nur noch
vergleichsweise geringe Lasten bewegt werden. Eine Freigabe des Radladerher-
stellers zum Anheben des Anbaubaggers unter Last wäre für die Verwendungs-
möglichkeiten besonders hilfreich. Auch ein Hakenausleger mit Winde würde die
Einsatzmöglichkeiten in diese Richtung erweitern.

Bearbeiten von Trümmern
Die Bewertungskriterien sind wie die zum Anheben von Trümmerteilen, zusätz-
lich ist von Interesse, welche Arbeitsgeräte bereits für das Trägergerät vorhanden
sind, welche Hydraulikleistungen bereitgestellt werden können, wie viele
Anschlüsse zur Verfügung stehen und welche Bewegungsmöglichkeiten vom Trä-
gergerät realisiert werden können. Weiterhin müssen auch Stöße und horizontale
Lasten von Hydraulikhämmern übertragen werden können.

Besonders sinnvoll sind Hydraulikmeißel und Abbruchzangen. Die Teleskoplader
sind grundsätzlich geeignet, sollten jedoch mit einem schwenkbaren Ausleger aus-
gestattet sein, so können auch große Höhen erreicht werden. Neben den Hydrau-
likmeißeln werden Abbruchzangen für die betrachteten Bagger angeboten. Ist
allerdings in Höhen über 7 m abzugreifen oder Beton zu schneiden, sind schwere
Abbruchbagger notwendig.




116
Umschlagen von Ware
Mit Ladegabel ist ein schneller Warenumschlag möglich. Neben einem ausrei-
chenden Arbeitsbereich von mindestens 3 m Hubhöhe ist in unebenem Gelände
ein Neigungsausgleich sinnvoll. Das Bergungsräumgerät ist grundsätzlich dafür
geeignet. Neigungsausgleich zur Querachse ist möglich, zur Längsachse nicht.
Das Bergungsräumgerät benötigt ausreichend Platz zum Rangieren. Die Anschaf-
fung einer Ladegabel ist sicher lohnend. Größere Hindernisse und Höhenunter-
schiede können mit den kleineren und wendigeren Teleskopladern überbrückt wer-
den. Deren Ladekapazität ist groß, Neigungsausgleich ist möglich. Teleskoplader
sind bei schwierigem Gelände sehr gut für den Warenumschlag geeignet. Der
Schreitbagger ist bei relativ ebenen Gelände geeignet, wenn Transportwege
zurückgelegt werden müssen. In unebenem Gelände ist das Auf- und Abladen von
einem Standpunkt sehr gut möglich. Sind dort Fahrbewegungen notwendig, ist die
Tauglichkeit von der Fahrwerksvariante abhängig (Ausstattung Gator eignet sich
gut). Der Spezialbagger der Firma Mecalac eignet sich gut für den Warenum-
schlag, der Neigungsausgleich zur Längsachse fehlt allerdings.

Ausheben von Gräben und Schächten
Dies ist mit Teleskopladern nur mit Zusatzausstattung am Teleskop oder als Bag-
geranbau möglich. Die Ausladung, Grabtiefe und das Löffelvolumen des Anbau-
baggers des Bergungsräumgerätes sind bei weit größerem Fahrzeuggewicht und
Größe wesentlich geringer als die der aufgeführten Baggervarianten von Mecalac
und Kaiser. Diese sind bezüglich der Baggerleistung ähnlich und eignen sich am
besten von den verglichenen Baumaschinen.

Radlader
Die beste Leistung wird mit dem Bergungsräumgerät erreicht, doch bei engen Ver-
hältnissen oder wenn Hofeinfahrten zu passieren sind, ist das Gerät zu groß.
Wegen der hohen Fahrgeschwindigkeit und der großen Ladekapazität eignet sich
der Lader auch für Förderaufgaben über mehrere hundert Meter (Wenn keine
LKW zur Verfügung stehen). Die Teleskoplader sind wendiger und besser für
beengte Verhältnisse geeignet. Sie können mit der großen Reichweite und Reich-
höhe auch zusätzliche Aufgaben erledigen. Die Bagger werden im Laderbetrieb
geringe Leistungseinbußen haben, können jedoch wie auch der Teleskoplader mit
drehbarem Oberwagen ohne Fahrbewegung ein Fahrzeug beladen.




                                                                           117
 THW Bergungsräumgerät Zettel-
 meyer ZL 1801 mit Schaeff Anbau-
 bagger HT12




 Teleskoplader Merlo
 Panoramic Evolution P40.16 EVS




 Zusatzschwenkarm „Space System“
 für Arbeitsbühne



118
  Teleskoplader Sambron TD 45180
  (drehbarer Oberwagen)
  Arbeitsbereich abgestützt, 360°
  endlos drehbar




  Kaiser Schreit-/Mobilbagger
  S2 Knickfuß 4(4




  Spezialbagger Mecalac 14 MXT


Tabelle 4.3: Vergleich der Arbeitsbereiche der Spezialbagger und Teleskoplader



                                                                                 119
Zur Anfahrt sollte ein Tiefladeanhänger verwendet werden, denn die Baumaschi-
nen werden nie so dicht stationiert sein, dass die Anfahrtszeit mit 40 km/h oder
weniger im gesamten Einzugsbereich zu tolerieren ist. Am Einsatzort selbst genü-
gen dann Fahrgeschwindigkeiten um 10 km/h.

Es ist immer schwierig, ein multifunktionales Gerät zu entwickeln, das in allen
Bereichen den entsprechenden spezialisierten Geräten ebenbürtig ist. Jedoch lohnt
sich die Anschaffung von multifunktionellen Geräten für Rettungseinheiten
besonders, da schnell auf unterschiedliche Situationen reagiert werden kann und
erst zur Ausweitung des Einsatzes bei Bedarf auf Mietgeräte oder Bauunterneh-
men zurückgegriffen werden muss.

Die vorgestellten Multifunktionsgeräte sind alle geeignet. Teleskoplader müssten
allerdings für Grabarbeiten zusätzlich ausgestattet werden. Reichweite, Reichhöhe
und Hubkraft des Bergungsräumgerätes sind zu gering. Die Auswahl sollte nach
lokalen Prioritäten erfolgen.

So ist das Bergungsräumgerät hauptsächlich als Radlader für große Schuttmengen
geeignet. Die Teleskoplader sind hauptsächlich als Radlader mit großer Reichhö-
he und Reichweite, Krane und Träger von Arbeitsbühnen einsetzbar. Die vorge-
stellten Bagger lassen sich zum Verladen von Schutt, zum Ausheben von Gräben
und Schächten und als Geräteträger verwenden.


4.9    Saugbagger
Der bei den Versuchen verwendete
Saugbagger hat im Vergleich zur
Handschachtung mit 12 beteiligten
Helfern etwa dreifach höhere För-
derleistung erbracht. Zusätzlich
ergab sich eine geringe Belastung
des Verschütteten durch herabrie-
selndes Material. Jedoch ist der Ein-
satzbereich bei der Bergung durch
den kurzen Saugschlauch und die
Neigung des Systems, bei größeren
Stücken zu verstopfen, einge-           Abbildung 4.10:
schränkt. Die Beseitigung der quer-     Saugbagger Firma Vesta, Rheinstetten
liegenden Teile dauert etwa 5 bis 30
Minuten.

Besondere Vorteile des Verfahrens sind:
• einfacher und wirkungsvoller Abtransport des Materials

• schnelles Freilegen der unter dem Schutt vorhandenen Tragstrukturen und
  Trümmerstücke


120
• Absaugen des feinen Materials,
  das zum Ersticken führen kann

• geringere Belastung des Trüm-
  merkegels durch weniger Helfer
  und damit geringere Gefahr der
  Trümmerumlagerung

• explosionsfähiges Gas wird abge-
  saugt und so stark verdünnt, dass
  es nicht mehr zur Explosion kom-
  men kann.                           Abbildung 4.11: Sauglader Fa. Wieland, Erlangen

Die unter anderem bei den Versu-
chen gesammelten Erfahrungen
sprechen für den unterstützenden
Einsatz durch Saugförderer mit
hoher Druckdifferenz, bei der zwar
nicht so große und schwere Teile
gefördert werden können, jedoch
große Entfernungen mit einem
leicht zu handhabenden Schlauch
überbrückt werden. Größere Trüm-
merteile müssen auch bei Saugbag-
gern auf andere Art abtransportiert
werden. Hierfür bieten sich neben
der Helferkette Förderbänder oder
an einen Kran gehängte Schuttmul- Abbildung 4.12:
den an. Es sollte auf jeden Fall ein Einfacher Siebvorsatz für Saugschläuche
einfaches Einlasssieb vorgesehen
werden, das Teile mit größerer Körnung (z.B. ab ∅ 40 mm) nicht passieren lässt.
Der Einlass darf sich nicht nur in einer Ebene befinden, damit beim Ansaugen von
flächigen Gegenständen kein zu großer Unterdruck entsteht (Verletzungsgefahr).

Vorbehalte gegen dieses Verfahren könnten wegen Beweissicherung oder der
Sicherung persönlichen Eigentums eingeräumt werden, jedoch kann mit einem
Siebvorsatz das Einsaugen größerer Gegenstände verhindert werden und manuell
vorsortiert werden, was eingesaugt werden soll.

Grundsätzlich können zwei Formen von Saugbaggern/Saugladern unterschieden
werden.




                                                                                121
Tabelle 4.4: Vergleich von Beispielen für Saugförderer-Varianten und Saugbaggern


4.10 Arbeitsbühnen
Arbeitsbühnen dienen zur Aufnah-
me von Personen und Arbeitsmitteln
um sicheres Arbeiten in sonst unzu-
gänglichen Bereichen zu ermög-
lichen.

Scherenarbeitsbühnen sind fahrbare
Arbeitsbühnen mit einer Tragfähig-
keit von 120 kg bis etwa 1000 kg
und Bühnenflächen bis etwa 2 × 5 m,
sodass mehrere Personen mit größe-
ren Materialmengen die Bühnen
gleichzeitig benutzen können. Platt-
formhöhen erreichen etwa 12 m.
Scherenarbeitsbühnen sind nicht für
unebenes Gelände geeignet. Die
Bühne führt die Hubbewegung nur
senkrecht nach oben aus und lässt
sich je nach Modell bis ca. 1,5 m
horizontal aus der Aufstandsfläche         Abbildung 4.13: Teleskoparbeitsbühne auf
herausschieben. Aus diesen Grün-                           LKW-Fahrgestell, Beispiel



122
den werden Scherenarbeitsbühnen
nur in Sonderfällen bei Rettungsein-
sätzen verwendet werden können.
Der Einsatz ist möglich, wenn die
Anfahrt bis zum Arbeitsort frei ist,
wie etwa bei horizontalen Schich-
tungen mit wenigen oder bereits ent-
fernten Randtrümmern. Hierbei
wären Arbeitsbühnen mit großen
Arbeitsflächen von Vorteil.            Abbildung 4.14:
                                       drehbarer Korb und Vorteile eines Korbarmes
Universeller geeignet sind Ge-
lenk-Teleskoparbeitsbühnen, die in
selbstfahrender Ausführung auf
Anhänger montiert oder auf LKW-
Fahrgestell angeboten werden. Hier-
mit sind größere seitliche Reichwei-
ten möglich. Der Arbeitskorb ist
meist für maximal 2 Personen aus-
gelegt. Für den Rettungs- und Ber-
gungseinsatz sind Arbeitsbühnen
auf LKW-Fahrgestell besonders ge-
eignet, da diese die maximalen Hub-
höhen und Tragfähigkeiten errei-
chen, besonders wenn Abstütz- oder
Trümmermaterial am Arbeitskorb
mittransportiert werden muss. Platt-
formhöhen von 50 m und mehr ste-
hen zur Verfügung. Vorteilhaft ist
ein langer Korbarm, sodass über
Hindernisse hinweg gesteuert wer-
den kann. Diese Möglichkeit und
die hohe Zuladung sind die ent-
scheidenden Vorteile von Gelenk-
Teleskoparbeitsbühnen (Abbildung
4.14) gegenüber Feuerwehrdrehlei-
tern. Im Gegensatz zu Einsätzen bei Abbildung 4.15: Telemastbühnen der Feuerwehr
Bränden sind bei Rettungs-/Ber-                        Landau [Bumb, 1999]
gungseinsätzen häufig umfangrei-
chere Arbeiten von Arbeitskörben aus notwendig und größere Lasten sind mitzu-
führen. Ist dies zu erwarten, bietet es sich an, Gelenkarbeitsbühnen anzufordern.
Da diese von Vermietungsdiensten angeboten werden, ist die kurzfristige Anfor-
derung meist unproblematisch.

Ist in einem großen Bereich oder an verschiedenen Stellen parallel in der Höhe zu
arbeiten, eignen sich selbstfahrende Gelenk-Teleskoparbeitsbühnen, da diese nicht
abgestützt werden müssen und nur eine kleine Standfläche benötigen (je nach Typ


                                                                                123
bis 3 × 2,5 m). Hiermit wird eine gegenseitige Behinderung der Arbeitsbühnen,
Krane und Feuerwehrdrehleitern vermieden, die jeweils aufgrund der Abstützun-
gen eine große Standfläche benötigen.


4.11 Handgeführte Kernbohrgeräte
Zwei der elektrisch und hydraulisch angetriebenen handgeführten Kernbohrgeräte
der Firma Gölz (Abschnitt 3.3.2) wurden an der Betonwand zum Erstellen von
Beobachtungs- und Versorgungsbohrungen und für das Befestigen von Lastauf-
nahmeeinrichtungen benutzt. Im beschränkten Arbeitsraum ließen sich die Geräte
gut bedienen. Die Bohrleistungen mit dem hydraulischen Gerät waren deutlich
besser als die des elektrisch betriebenen, jedoch muss der Zeitaufwand zum Auf-
bau des Aggregats mit berücksichtigt werden.

Die Geräte lassen sich mit dem Kernbohrgerät Gölz CD 2000 A mit Motor Dia-
mant 6, Bohrkronen 42 mm - 150 mm Durchmesser, von Funktion und Leistung
vergleichen.

Im Gegensatz zu dem CD 2000 A kommen die beiden getesteten Geräte mit der
Typenbezeichnung Cardi Diamant 2 l man und Gölz MAG 10 ohne Bohrständer
aus. Das ist besonders vorteilhaft, wenn lediglich einzelne Bohrungen zur Erkun-
dung oder Versorgung der Opfer oder für Anschlagmittel gebohrt werden müssen.
Die Vorteile der handgeführten Geräte im Vergleich zu Modellen mit Bohrstän-
dern sind:

• geringer Platzbedarf, flexibel einsetzbar

• Zeit für Transport und Anbringen des Bohrständers mittels Dübel wird einge-
  spart

• keine ausreichend große ebene Wandfläche zum Anbringen des Bohrständers
  notwendig

• Bohrständer für Mauerwerkswände in der Regel nicht notwendig

• einzelne Bohrungen können in Beton ebenfalls ohne Bohrständer ausgeführt
  werden

Ein Nachteil ist, dass das Bohrgerät präzise geführt werden muss, da die Bohrkro-
ne nicht verkantet werden darf und die Arbeit auf Dauer ermüdend ist. Für große
Öffnungen sind die Betonkettensäge oder ein hydraulisch betriebenes Bohrgerät
mit großer Bohrkrone (bis 600 mm) besser geeignet. Muss trotzdem ein Durch-
bruch aus mehreren Löchern nebeneinander hergestellt werden, sollte nach Mög-
lichkeit mit einem Bohrständer gearbeitet werden.




124
Das Kernbohrgerät CD 2000A mit maximal 150 mm Bohrkronendurchmesser, das
zur Anschaffung erprobt wird, ist zum Erstellen einzelner Bohrungen wie etwa
Beobachtungsbohrungen gedacht. Diese Aufgaben können mit den handgeführten
Geräten einfacher und schneller durchgeführt werden.

Da für die handgeführten Geräte, die die oben genannten Vorteile haben, auch
Bohrständer angeboten werden, können sowohl flexible schnelle als auch umfang-
reiche Arbeiten durchgeführt werden. Durch elektronische Strombegrenzungsre-
gelungen konnten die Leistungen handgeführter elektrischer Kernbohrgeräte in
letzter Zeit auf mehr als 2 KW gesteigert werden. Hiermit sind gute Bohrleistun-
gen auch in bewehrtem Beton möglich.


4.12 Hydraulisches Spaltgerät
Das hydraulische Spaltgerät wird für
Abbrucharbeiten verwendet, wenn
gezielt und ohne Einsatz von
Hydraulikbaggern Betonteile zer-
legt werden müssen. Abhängig von
der Bewehrungsstärke werden ent-
lang der gewünschten Bruchlinie
Bohrungen mit ca. 45 mm Durch-
messer gebohrt. Ein oder mehrere
Spaltzylinder werden mit ihren
Spalteinsätzen in die Bohrungen
eingesetzt. Dabei kann die Richtung
der Kraftwirkung gewählt werden.

Das Gerät arbeitet ohne Erschütte-
rungen, Staubentwicklung und
Lärm und kann von einer Person ge-
tragen werden, sodass auch schlecht
zugängliche Stellen erreicht werden
können. Die Spaltrichtung und der
Spaltverlauf ist durch die Lage der Abbildung 4.16: Hydraulisches Spaltgerät der
                                                       Fa. Darda, Blumberg
Bohrungen und den Spaltzylinder zu
bestimmen. Der Spaltvorgang kann sofort abgebrochen werden, wenn eine Gefahr,
etwa die Überlastung der Trümmerstruktur, erkannt wird. Bei den Versuchen wur-
de das Gerät zum Erstellen eines Wanddurchbruchs verwendet. Dies ist nicht die
reguläre Verwendung, da normalerweise Trümmerstücke zum Rand hin abgebro-
chen werden. Jedoch konnten bei überdurchschnittlich hoher Aufbrechleistung
sehr geringe Staub- und Erschütterungswerte gemessen werden. Durch die Funk-
tionsweise wurden im Inneren der Wand Druckkräfte aufgebracht, die zu einer
Verformung der gesamten Wand führten. Bei der im Versuchsaufbau realisierten
allseitigen Lagerung ergab sich somit eine statische Belastung der Lagerung. Dies



                                                                            125
ist nicht der Fall bei einseitiger Lagerung oder wenn einzelne Trümmerstücke
abgebrochen werden.

Das Gerät eignet sich für viele Einsatzmöglichkeiten im Zusammenhang mit der
Zerkleinerung von Mauerwerk, Fels oder Betonstrukturen im Rettungseinsatz.
Eine interessante Möglichkeit bietet sich, wenn große Trümmerteile zerteilt oder
zerlegt werden müssen, um sie mit dem Kran zu entfernen. Dies ist sehr schnell
und erschütterungsfrei möglich. Die Trennlinie ist dabei uneben, was bei Ret-
tungsarbeiten keine Rolle spielt.


4.13 Bolzenschubwerkzeuge
Diese Werkzeuge werden zum schnellen Fixieren von Schalungen und zur endgül-
tigen Montage von Rohrhaltern, Trennwänden und anderen wenig belasteten Ele-
menten verwendet. Es können Nägel oder Gewindebolzen in Stahl, Beton oder
andere Baustoffe getrieben werden. Für Rettungsarbeiten bieten sie sich zum Fixie-
ren von Abstützungen und Versteifungen an. Die Werkzeuge benötigen keine Ver-
sorgungsleitungen und sind wegen ihres geringen Gewichts (ca. 3 kg) und ihrer klei-
nen Abmessungen (ca. 400 mm) auch unter beengten Verhältnissen einzusetzen.


4.14 Säbelsägen
Säbelsägen eignen sich für das Vordringen unter
beengten Verhältnissen zum Schneiden unter-
schiedlicher Materialien wie Holz, Stahl und
Mauerwerk. Der Bedarf zeigte sich beim Anlegen
von Stollen und Schacht, wenn Trümmerteile
durchtrennt werden mussten und das Arbeiten
mit Bügelsägen unmöglich war. Fuchsschwanz-
sägen oder ähnliche Werkzeuge waren besser
geeignet, konnten unter beengten Verhältnissen
aber nur mühsam eingesetzt werden und belaste-
ten die Trümmerstruktur beim Verhaken. In der
Schichtung sind häufig Trümmerteile aus Holz
oder Stahl zu bearbeiten. Bei den engen Verhält-
nissen kann der Helfer jedoch oft nicht genug mit
Handwerkzeugen leisten. Mit einer Säbelsäge
können schwer zugängliche Trümmerteile durch-
schnitten werden. Die flexiblen Sägeblätter sind
unempfindlich und können beim Schneiden auch
seitlich verbogen werden.

Elektrisch betriebene Geräte sind schwerer und
unhandlicher als pneumatisch betriebene, jedoch     Abbildung 4.17:
lassen sich die Anschlusskabel schneller verlegen   Säbelsäge der Fa. Atlas-Copco



126
und besser in Schichtungen und Stollen hinterherziehen. Akkugeräte sind etwas
unhandlicher aber schneller einsatzbereit und flexibler zu handhaben. Sie sind mit
Wechselakkus ausgestattet. Die Arbeitszeiten, die mit einem Wechselakku mög-
lich sind, wurden nicht ermittelt.


4.15 Sauerstoffkernlanze
Dieses Verfahren wird wegen der Brandgefahr in Trümmersituationen weniger
häufig zum Einsatz kommen. Die Ausstattung samt Schutzbekleidung ist beim
THW in einzelnen Ortsverbänden vorhanden. Es werden mindestens drei gut aus-
gebildete Bediener benötigt sowie Stromanschluss 220 Volt für die Ventilheizung
an den Gasflaschen. Die Vereisung kann durch Parallelschalten mehrerer Flaschen
verhindert werden. Wenn kein Stromanschluss vorhanden ist, muss ein Helfer das
Ventil mit heißem Wasser von außen am Vereisen hindern.

Mit dem Verfahren können nur Bohrungen, jedoch keine Schnitte ausgeführt wer-
den. Zum Erstellen eines Durchbruchs oder zum Trennen eines Stahlbetonteils
werden Bohrungen von ca. 2-3 cm Durchmesser mit einem Abstand von ca. 2 cm
hergestellt. Der verbleibende Spalt aus geschwächtem Beton, eventuell mit
Bewehrung kann mit einem Aufbrechhammer, z.B. Bosch UBH 12/50, entfernt
werden oder mit der Sauerstoffkernlanze vom Bohrloch aus abgebrannt werden.
Wenn sofort beim Brennen der Bohrungen bei Erreichen des Durchbruchs der
Brennvorgang abgebrochen wird, dringen nur geringe Mengen an Funken oder
Lava in den Raum hinter der Wand. Da der Raum in diesem Moment nicht zugäng-
lich ist, besteht jedoch Brandgefahr.

In dem Raum, zu dem ein Zugang geschaffen wird oder allgemein bei Arbeiten in
Räumen, ergibt sich eine erhebliche Belastung durch Rauch. Der Rauch kann
abgesaugt werden oder es müssen Atemschutzfiltermasken getragen werden. Zum
Schutz vor Funkenflug, der hauptsächlich in Richtung Bediener austritt, können
Personen oder Gegenstände mit Blechen oder Schweißschutzdecken geschützt
werden. Es muss verhindert werden, dass das flüssige Lava durch Öffnungen in
unterhalb gelegene Räume tropft und dort einen Brand verursachen kann.


4.16 Abrasivwasserstrahlschneiden
Bei Abbrucharbeiten wird das Schneiden von Beton mittels Hochdruckwasser-
strahl von etwa 2500 bar und Abrasivzusatz bereits erfolgreich angewandt.
Zumeist wird die Düse über eine Schiene geführt, wegen der geringen Reaktions-
kräfte wird die Düse aber auch von Hand geführt. Es werden abhängig von Beton-
dicke und Art der Bewehrung bis 10 cm Schnittgeschwindigkeit pro Minute
erreicht. Kriterien für die Auswahl des Verfahrens:




                                                                             127
• Geringe Geräuschent-
  wicklung

• Keine Erschütterungen
  und Vibrationen außer
  beim Anbringen der Schie-
  ne mittels Dübel

• Wenig bis kein Staub

• Genaues Arbeiten möglich

• Anlage zur Druckerzeu-
  gung schwerer als 2 t,
  Druckleitung bis 100 m
  möglich

• Geringe Gefährdung des
  Bedieners (schienenge-
  führte Düse),                 Abbildung 4.18: Schnittgeschwindigkeit und Schnitttiefe
  Gefährdung im handge-         in Stahlbeton, Bewehrung Ø 16 mm [Konno, 1988]
  führten Modus

• Auslasswasser nach dem Schnitt birgt Verletzungsgefahr für Personen (Ver-
  schüttete), die sich nicht entfernen können

• Anfall von Schlamm und Wasser (bei 200 cm Schnittlänge wie bei den Durch-
  bruchversuchen ergeben sich ca. 600-800 Liter Flüssigkeit hinter der Wand bei
  etwa 30 min Arbeitszeit

Abbildung 4.18 zeigt die Messergebnisse von Schnittversuchen [Konno, 1988],
dabei wurde ein Aggregat von 2.700 kg verwendet, das einen Wasserdruck von
2.800 bar bei einem Volumenstrom von 21 Liter/min Wasser und 3 kg Abrasiv/min
Garnet #36 und einer Motorleistung von 150 kW lieferte.

Es sind Rüstzeiten von 15 bis 20 min zu erwarten. Das Verfahren eignet sich gut,
wenn die Lage der Verschütteten bekannt ist. Von der Schnittleistung ist das Abra-
sivwasserstrahlschneiden bei einem weit größeren Aufwand etwas besser als die
erprobte Betonkettensäge. Es lässt sich jedoch besser in schwer zugänglichen
Bereichen anwenden. Sind umfangreiche Arbeiten zum Trennen von Beton bei
einem Einsatz vorgesehen, sollte in Erwägung gezogen werden, Spezialunterneh-
men der Abbruchbranche mit diesen Geräten hinzuzuziehen. Voraussetzung sind
Kontakte vor dem Einsatz zur Abklärung der Details der Beschaffung.




128
4.17 Hydraulische Rettungsgeräte
Insgesamt stellte sich heraus, dass
die hydraulischen Rettungsgeräte,
besonders die beim THW vorhan-
denen der Firma Weber, von ihrer
Bauweise eher für den Einsatz an
Fahrzeugen und Stahlstrukturen
optimiert wurden. Aus den besonde-
ren Anforderungen bei Bergung aus
Gebäuden ergeben sich zusätzliche
Anforderungen und Gefahrenmo-
mente.

Wird der hydraulische Spreizer an
Fahrzeugen eingesetzt, ist der grö-
ßere Teil der Verformung der Karos-
serie plastisch. Nur die elastische
Verformung geht zurück, wenn der
Spreizer geschlossen wird oder
wenn er herausspringt, die plasti-
sche bleibt. Beim Anheben von
Trümmern kann das Trümmerteil im
Gegensatz dazu den gesamten Hub-
weg wieder zurückfallen, da meist
keine plastische Verformung vor-
liegt. Aus diesem Grund muss der
entstehende Spalt durch Einschie-      Abbildung 4.19:
ben von Kantholz oder anderer          Gefährdung beim Einsatz eines Spreizers zum
Abstützungen schon während des         Anheben von Trümmerteilen
Hebevorganges gesichert werden.

Zum Anheben und Verschieben von Lasten ist eine Verschiebung senkrecht zu
parallelen Auflageflächen eines Gerätes notwendig. Die Schwenkbewegung der
Spreizer entspricht dieser Forderung nicht. Dadurch ergeben sich Gefahren wie
Hereinrutschen des Spreizers in den Spalt bzw. Abrutschen des Trümmerteils bei
zu weit geöffneten Spreizerarmen oder das seitliche Wegkippen unter der Last.
Durch die Keilform der Spreizerarme ergibt sich eine Wirkungsrichtung des Sprei-
zers in einem nicht senkrechten Winkel zur Auflagefläche. Dies kann zu unge-
wollten Bewegungen des anzuhebenden oder zu verschiebenden Gegenstands füh-
ren. Breite Auflageflächen sind notwendig für einen stabilen Halt des Gerätes. Ein
Schutz gegen zum Bediener hin abrutschende Lasten ist notwendig. Dies kann mit
Anschlägen an der Spreizerspitze erreicht werden.

Eine grobe Verzahnung der Auflagefläche des Spreizers ist bei Trümmermaterial
besser geeignet als die feine Verzahnung z.B. des Weber SP 30. Bei den üblichen
Spitzengeometrien rutscht der Spreizer häufig aus einem engen Spalt heraus. Die


                                                                                 129
Geometrien der Kombigeräte der Fa.
Lukas entsprechen besser den
genannten Anforderungen, doch
haben die Kombigeräte nicht den
Spreizern entsprechende Spreizkräf-
te. Die breiten Spitzen der Lukas
Kombigeräte haben sich im Umgang
mit     Betontrümmerteilen      gut
bewährt, doch ist bei den Versuchen
infolge asymmetrischer Belastung
eine Ecke einer Spitze weggebro-
chen. Ein Spreizer sollte über die
Möglichkeit verfügen, Rohre zu
quetschen, um sie verschließen oder
verbiegen zu können.

Zum Durchtrennen von Betonstahl
und Schneiden unter beengten Ver-
hältnissen haben sich die unter-
schiedlichen Pedalschneider der Fir-
ma Lukas und Weber bewährt, mit
S90-Scheren konnten beim Bearbei-
ten von Stahlbetonbewehrung auch
noch gute Erfolge erzielt werden. Abbildung 4.20:
Die Scheren des S90-Typs waren in Modell eines für die Trümmerumgebung geeigne-
                                       ten hydraulischen Hebegerätes
der Lage, auch größere Teile wie
Möbelstücke, Heizkörper usw. zu bearbeiten. Ein Pedalschneider ist eine sinnvol-
le Ergänzung, kann aber auch für die erprobten Einsätze nicht die Schere mit grö-
ßeren Öffnungsweiten ersetzen.

Das Kombigerät hat Schneidkräfte entsprechend der S90 Norm, die breiten Sprei-
zerspitzen können aber beim Schneiden stören. Für das Kombiwerkzeug ist ein
Pedalschneider die ideale Ergänzung.

In Abschnitt 3.4.3 wird deutlich, dass ein Bedarf an Hebegeräten mit einem gerin-
gen Einschubmaß von 2 bis 5 cm und einer Hubhöhe von mindestens 40 cm
besteht. Dies sollte standfest sein und parallele Auflageflächen besitzen, die auch
beim Anhebevorgang parallel bleiben. In Abbildung 4.20 ist ein Modell eines sol-
chen Hebers dargestellt. An den Spitzen sollte eine grobe Verzahnung zum Schutz
gegen Herausrutschen sein.

Zum Erweitern eines Spaltes müsste das Gerät eingeschoben werden und schritt-
weise angehoben, das Trümmerteil unterlegt, das Gerät abgesenkt und nachge-
schoben werden. Sinnvoll wäre es zusätzlich, wenn der vordere geneigte Bereich
des mittleren Hebeelementes in der ersten Phase des Anhebens in horizontale Posi-
tion schwenken würde.



130
4.18 Rettungstunnel
Nach Gebäudezusammenbrüchen oder
Grubenunglücken arbeiten sich die
Bergungsmannschaften üblicher-
weise in handgeschachteten Stollen
zu Verschütteten vor, wobei sie sich
selber aufgrund des nicht fest an-
stehenden Materials einem hohen
Risiko aussetzen (Müller, 1986).
Auch können sich Schichtungen ver-
schieben oder ihre Lage zueinander
ändern und bergen so große Gefah-
ren für Retter und Verschüttete, die
sich zwischen den Trümmern auf-
halten. Bei Durchführung der Versu-
che Schacht/ Stollen (Abschnitt 3.7)
wurde ebenfalls der Bedarf an ei-      Abbildung 4.21:
nem Verbausystem festgestellt, das     Rettungstunnel aus Schlauchringelementen
sich an die Trümmerstrukturen an-
paßt und ein sukzessives Absichern
ermöglicht.

Darum wurde die Idee eines aufblasbaren Rettungstunnels entwickelt. Welche
Spannungszustände und Verformungen sich in diesem Stützkörper in Abhängig-
keit seiner Geometrie, des Innendruckes und der aufgebrachten Last ergeben
sowie die optimale Lage der Faserbewehrung war Ziel der weiteren Untersuchun-
gen. Der Rettungstunnel besteht aus einzelnen Ringschlauchelementen, die anein-
ander gebaut werden können. Die Ringelemente werden im unbefüllten Zustand
durch den Tunnel nach vorne gebracht und können schrittweise dem Fortschritt der
Grabarbeiten folgend mit Druckluft befüllt werden. Als Wandungsmaterial wurde
kevlarverstärktes Gummi gewählt, wie es in Hebekissen Verwendung findet. Die
Ergebnisse einer ersten Untersuchung mit Hilfe der Finite-Elemente-Methode
waren viel versprechend. So kann ein Tunnel aus Schlauchringen mit einem Innen-
durchmesser von 500 mm und einem Außendurchmesser von 800 mm bei einem
Innendruck von 10 bar eine verteilte Last von etwa 1000 kN pro Meter Tunnellän-
ge aufnehmen. Der gleiche Schlauchring erträgt nach der Rechnung eine auf 9 cm2
verteilte Außenlast von ca. 25 kN. Um die FE-Rechnungen zu verifizieren und das
qualitative Verhalten unter Last zu überprüfen, wurde ein Schlauchring von der
Firma Vetter hergestellt. Dieser Prototyp wurde aus Fertigungsgründen aus einem
anderen Material als die Vetter-Hebekissen gebaut. Nach Herstellerangaben war
mit einem maximalen Fülldruck von 1,5 bar zu rechnen. Für das neue Material
mussten die Werkstoffdaten neu erfasst werden. Die Ergebnisse der FE-Simulation
wurden so mit dem an einem Versuchsaufbau gemessenen Kraft-Verformungsver-
halten des Prototypen verglichen. Es ergaben sich gute Übereinstimmungen, die
Differenzen konnten mit dem speziellen Werkstoffverhalten des Prototypen (Krie-
chen, geometrische Imperfektion...) erklärt werden.


                                                                                  131
4.18.1    Die Beschreibung des Prototypen

Der Prototyp ist aus zwei ebenen Scheiben des gummierten Aramidfasergewebes
zusammengesetzt, die wiederum aus je vier Segmenten bestehen. An den Nähten
sind die Einzelteile mit einem 4 cm breiten Streifen des gleichen Materials ver-
klebt. Der Verlauf der Faserrichtungen ist in Abbildung 4.22 durch die Schraffur
dargestellt.


                        B      Segment            A
                             Verklebungen




                                                                                23 cm
                                                                                49 cm
                                                            95 cm
                              Innere
                            Verklebung




                                                                                23 cm




                                   Äußere Verklebung
    gummiertes
    Fasergewebe
                        B                         A
                    Frontansicht                                    Seitenansicht       Schnitt
                                                                         A-A             B-B


Abbildung 4.22: Darstellung des luftleeren Prototypen eines Rettungstunnelringes

Der Reifen hat im luftleeren Zustand einen Außendurchmesser von 95 cm und
einen Innendurchmesser von 49 cm. Laut Herstellerfirma hält der Reifen einem
Innendruck bis zu 1,5 bar stand.

Durch die Segmentbauweise des Reifens und den daraus resultierenden Klebestel-
len ergeben sich beim Aufblasen Falten und Verwerfungen. Erst mit zunehmendem
Innendruck, etwa ab 0,1 bar, glättet sich die Oberfläche.

Im aufgeblasenen Zustand schnürt sich der Reifen an den Stellen, an denen die
Oberflächensegmente mit dem 4 cm breiten Streifen verklebt wurden, ein. Ein


132
Grund dafür ist sicher die doppelte Materialstärke an diesen Stellen, die nur eine
geringe Dehnung zulässt.

Der Umfang des Schlauches variiert deshalb. An den verklebten Stellen liegt der
Umfang des Schlauches bei ca. 49,1 cm, der maximale Umfang liegt bei 54 cm.
Der Mittelwert wurde aus 20 Messungen an verschiedenen Stellen ermittelt, und
liegt bei 51,0 cm. Diese Werte wurden bei einem Innendruck von 0,7 bar gemessen.


4.18.2 Ermittlung der Materialkennwerte des kevlarverstärkten Gummis

Der Schlauchring besteht aus
gummiertem Aramidfaserge-
webe. Das Gewebe ist ortho-
trop mit 12 Fasern pro 1 cm
und hat mit Gummibeschich-
tung im Mittel 0,75 mm
Wandstärke.

Mittels Zugversuchen wur-
den von jeweils 12 Proben
des Wandmaterials mit dia-
gonaler und paralleler Aus-
richtung der Gewebelagen
zur Zugrichtung in einer
Zugprüfmaschine UTS Euro
Test 300 das Last-Dehnungs-
verhalten bis zum Probenver-
sagen aufgezeichnet. Die Ge-
samtlänge der Proben betrug
20 cm, die Breite im Mess-
querschnitt 30 mm. Die Pro-
ben hatten Markierungen zur
optischen Bestimmung der
Querkontraktionszahl. Die-
ses Verfahren wurde speziell
für den Probentyp entwi- Abbildung 4.23:
ckelt, da große Dehnungen Proben des aramidfaserverstärkten Gummis, Faserrich-
und geringe Steifigkeiten die tung Typ 1: senkrecht/parallel, Typ 2: ± 45°
Wahl anderer Verfahren aus-
schließen, aber mit diesem Verfahren hinreichend genaue Messungen zur Bestim-
mung der Querkontraktionszahl möglich sind.




                                                                             133
Die Querkontraktionszahl
     εx
ν=
     εy

ergibt sich aus dem Quotien-
ten der gemessenen Dehnung
quer zur Lastrichtung durch
die gemessene Dehnung
längs der Kraftrichtung.

Die mittlere Querkontrak-
tionszahl für den Probentyp 1
liegt bei ν = 0,3827 und für
Probentyp 2 bei ν = 0,878.

In Abbildung 4.25 wird das
Spannungs-Dehnungs-Dia-
gramm des Probentyps 1 und
2 dargestellt. Das Diagramm
zeigt, dass beide Probenty- Abbildung 4.24:
pen bei der gleichen Span- Aufbau zur Bestimmung der Querkontraktionszahl
nung versagen, trotz der
unterschiedlichen Lage des Gewebes. D.h. die Lage des Gewebes wirkt sich nur
auf das Dehnverhalten des Materials aus, nicht aber auf die maximal aufnehmbare
Kraft.




Abbildung 4.25: Spannungs-Dehnungsdiagramm der beiden Probentypen



134
4.19 Rettungsschachtsystem
Das Rettungsschachtsystem der
Berufsfeuerwehr Karlsruhe (Abbil-
dung 4.26) wurde für den Einsatz in
Schüttgut, z.B. in Kies, entwickelt.
Auch in Silos ist der Einsatz denk-
bar. Das Vordringen läuft wie folgt
ab. Der erste Ring wird auf den
Boden gelegt, das Material unter-
halb abgegraben oder abgesaugt.
Dabei wird der Ring abgesenkt.
Erreicht die Ringoberkante den
Boden, wird ein zweiter Ring mit
kleinerem Durchmesser innen wei-
ter abgesenkt. Dies kann noch zwei-
mal wiederholt werden. Der Vorteil
ist ein schnelles Vordringen ohne
große Rüstzeiten geringes Gewicht
und einfache Bedienung. Ein Nach-
teil ist die Begrenzung auf Schüttgü-
ter und rollige Böden, da nur gleich-
mäßige Umfangslasten ertragen
werden. Der Durchmesser bietet nur
einer Person mit einer kleinen
Schaufel oder einem Eimer Platz,        Abbildung 4.26:
Richtungsänderungen sind nicht          Rettungsschachtsystem Berufsfeuerwehr
möglich.                                Karlsruhe


Vorteile beim Vordringen in Trümmern:
• schnelles Vordringen durch geringe Rüstzeiten
• geringes Gewicht
• einfache Bedienung

Nachteile:
• Begrenzung auf Schüttgüter und rollige Böden
• kleiner Durchmesser, beengtes Arbeiten
• keine Richtungsänderungen möglich

Fazit: Der Einsatz des Schachtsystems bei der Rettung/Bergung nach Gebäude-
schäden in Trümmern ist eingeschränkt auf Hilfsschächte in rolligen Böden oder
kleinbrockigen Trümmern. Zum direkten Vordringen ist eine genaue Ortung not-
wendig. Wenn direkt über dem Verschütteten gegraben wird, besteht eine große
Erstickungsgefahr durch herabrieselndes Material. Nach Möglichkeit seitlich ver-
setzt abteufen, dann Erstversorgung und Absicherung gegen Verlagerung der
Trümmer und herabrieselndes Material durchführen, bevor der Verschüttete befreit
wird.


                                                                                135
4.20 Förderbänder
Förderbänder werden bei Abbrucharbeiten verwendet, um den Transport von
Abbruchmaterial über unebenes Gelände oder durch kleine Öffnungen effektiv
durchführen zu können. Bei begrenzten Schadensereignissen ist meist genug Per-
sonal für den Transport von Trümmerteilen mittels Helferketten vorhanden.
Jedoch ist der Einsatz von Förderbändern sinnvoll, um die Trümmerstruktur nicht
durch eine Vielzahl von Helfern zu belasten und um unter beengten Verhältnissen
effektiv abtragen zu können. Dabei ist die Verwendung kleiner vollständiger För-
derbandmodule zu bevorzugen, die einfach aufzustellen und leicht an die örtlichen
Gegebenheiten anzupassen sind. Besonders zum Transport von Schutt aus Räu-
men werden z.B. von der Fa. Lissmac Miniförderbänder angeboten, die von 2 Per-
sonen zu tragen sind und auch durch Tür- oder Fensteröffnungen verlegt werden
können.

Bei den Bergungsarbeiten nach der Gasexplosion in der Krahestraße in Düsseldorf
1997 wurden von der Feuerwehr Düsseldorf zwei eigene etwa 6 m lange Förder-
bänder mit Elektroantrieb erfolgreich eingesetzt. Größere Förderbänder waren bei
einem ähnlichen Einsatz in Berlin Lepsiusstr. 1998 zwar am Einsatzort, wurden
aber wegen ihrer Größe und ihres Gewichts nicht verwendet.


4.21 Holzbearbeitung
4.21.1 Akkuschrauber

Bei Arbeiten in Trümmerstrukturen müssen oft Abstützungen oder Aussteifungen
angebracht werden. Dafür müssen Konstruktionsteile aus Holz miteinander ver-
bunden werden. Bei dieser Arbeit ist zu beachten:

• Labile Trümmerstrukturen: Erschütterungen sind zu vermeiden

• Enger Arbeitsraum: Arbeitsgeräte mit wenig Platzbedarf werden benötigt

• Mögliche Zugbelastung der Verbindungsmittel

Bei der üblichen Verbindung mit Nägeln entstehen unvermeidlich Erschütterun-
gen, die die Trümmerstruktur belasten. Es können nicht überall Verbindungen
angebracht werden, da zum Ausholen des Hammers Platz benötigt wird. Akku-
schrauber sind eine sehr sinnvolle Alternative. Es kann ohne großen Kraftaufwand
und mit geringem Platzbedarf in jeder Position und ohne Erschütterungen gear-
beitet werden. Die Pflege der Akkus muss allerdings gewährleistet sein.

Der Bedarf hat sich bei den Versuchen mit Stollen- und Schachtvortrieb und bei
den Absicherungsmaßnahmen bei den Versuchen „Umgang mit schweren Trüm-
merteilen“ (Abschnitt 3.4 und 3.6) gezeigt. Im THW OV Hückelhoven wurden bei
Abstützmaßnahmen gute Erfahrungen gemacht [Blockhaus, 1998].


136
4.21.2 Druckluftnagler

Diese Geräte benötigen eine Druckluftversorgung und sind für umfangreiche
Holzverbindungsarbeiten gut geeignet. Im Gegensatz zu Akkuschraubern treten
größere Erschütterungen auf, sodass sich diese Geräte besser für vorbereitende
Arbeiten außerhalb des Gebäudes eignen, jedoch können größere Leistungen und
längere Arbeitszeiten als mit einem Akkuschrauber erzielt werden. Holzverbin-
dungen mittels Stahlblech-Holz-Nagelverbindern lassen sich auf diese Weise
schnell herstellen. Eine Auswahl von Kammnägeln und Verbindungsblechen muss
vorhanden sein.


4.21.3 Sägeböcke

Holz ist als einfach anzupassendes und leichtes Material für Abstützarbeiten
unentbehrlich. Beim Zusägen wird eine feste Auflage benötigt, um effektiv und
sicher arbeiten zu können. Holzböcke sind hierfür besonders geeignet, benötigen
zum Transport jedoch Platz. Zusammenlegbare Holzböcke können vorab herge-
stellt werden und ermöglichen ein schnelleres Arbeiten am Einsatzort. Sie sollten
bereits vorgefertigt in den Holzlagern bzw. auf vorbereiteten Anhängern oder
Abrollcontainern der Rettungsorganisationen vorhanden sein. Ebenfalls geeignet
sind klappbare Metallarbeitsböcke.


4.21.4 Kettensäge

Benzingetriebene Kettensägen sind unabhängig von einer Stromversorgung und
damit flexibel einsetzbar. Sie sind darum unverzichtbar. Bei den Versuchen wur-
den jedoch häufig Motorprobleme beobachtet, die bei leichten Zweitaktmotoren
häufig vorkommen, wenn sie nicht regelmäßig benutzt werden. Darum ist der Ent-
schluss zur Ausstattung des GKW 2 des THW mit einer Elektrokettensäge zu
begrüßen.

In den Versuchen wurden Kettensägen zum Durchtrennen von Balken und Bret-
tern in Trümmerschutt verwendet. Dabei wird die Kette sehr schnell stumpf, wenn
unbeabsichtigt in den Schutt eingesägt wird. Wird unter beengten Verhältnissen
gearbeitet, so ist die Kettensäge unhandlich, es besteht Verletzungsgefahr, die
Abgase sind in geschlossenen Räumen schädlich. Für diese Anwendung eignet
sich eine Säbelsäge (Abschnitt 4.14) oder auch eine Hydraulikschere weit besser.
Das Einstechen von Kettensägen in Holz ist gefährlich, da die Säge zurückschla-
gen kann. Geeignete Schutzkleidung ist unbedingt notwendig. Durch eine speziel-
le Formgebung des Schwertes kann die Gefahr des Zurückschlagens drastisch
reduziert werden. Da im Rettungseinsatz auch unter beengten Verhältnissen gear-
beitet wird, ist diese Ausführung besonders zu empfehlen.




                                                                            137
4.22 Belüftungsgeräte bei Explosionsgefahr
Bei Beton- oder Steinbearbeitung mit allen schlagenden Verfahren, mit trocken
schleifenden Verfahren und sogar unter Verwendung einer Betonkettensäge ist mit
Funkenbildung zu rechnen. Ausnahmen sind lediglich für Arbeiten in ex-gefähr-
deten Bereichen zugelassenen Geräte, wobei es sich um Kernbohrgeräte mit
Hydraulik- oder Druckluftantrieb und Spülwasser handelt. Hydraulische Spaltge-
räte sind ebenfalls geeignet, müssten allerdings noch für Arbeiten im ex-Bereich
zugelassen werden.

Um auch bei Explosionsgefahr eine Weiterarbeit zu ermöglichen, kann der
Arbeitsbereich durch Frischluftzufuhr gesichert werden. Hierzu geeignete Belüf-
tungsgeräte werden üblicherweise von der Feuerwehr verwendet. Diese Geräte
werden außerhalb des ex-gefährdeten Bereichs abgestellt und bringen über einen
Druckschlauch frische Luft an die Arbeitsstelle.

Das Absaugen explosionsgefährlicher Gasgemische über herkömmliche Saugla-
der (Saugaufbau auf LKW) ist nicht zu empfehlen, da es im Auffangbehälter zu
einer Explosionen kommen kann. Im Gegensatz hierzu sind spezielle explosions-
geschützte Sauggeräte (z.B. Fa. Wieland, Erlangen) und Saugbagger mit großen
Volumenströmen, (z.B. Fa. Vesta, Rheinstetten) eher geeignet.


4.23 Zubehör
4.23.1 Diamanttrennscheibe

Als Zubehör für die Winkelschleifer des GKW sind konventionelle Trennscheiben
für die Steinbearbeitung vorgesehen. Bei dem Versuch am 10.08.1996 wurden
sechs Scheiben ∅ 230 mm, 3 mm stark, Rotofix, zum Einschnitt der äußeren
Begrenzung des Durchbruchs mit einer mittleren Schnitttiefe von 50 mm und
einer Gesamtlänge von 130 cm verbraucht. Nachteil dieser Scheiben im Einsatz ist
der große Verschleiß, der Arbeitspausen zum Scheibenwechsel bedingt. Mit einer
zum Teil abgenutzten Scheibe können nicht mehr so große Schnitttiefen erreicht
werden. Als Alternative bieten sich diamantbestückte Trennscheiben an, die zwar
teuerer sind, jedoch größere Standzeiten aufweisen.


4.23.2 Schwenkanker zum Anschlagen von Trümmerteilen

Das Anschlagen von Trümmerteilen ist besonders diffizil, weil die Teile meist
schlecht zugänglich sind, um Hebebänder darunter hindurch zu führen und in sich
nicht mehr tragfähig sein können und so beim Anheben zerbrechen können. Als
Alternative hierzu wurde zum Anschlagen von Trümmerteilen ein Schwenkanker
entworfen, der in eine Durchgangsbohrung mit 40 mm Durchmesser eingesetzt
wird. Durch exzentrische Aufhängung bzw. Federwirkung schwenkt der Riegel in
eine geneigte Position. Beim Anheben liegt er von unten am Trümmerteil an und


138
leitet die Hebekraft durch Druck ein.
Zum Herausnehmen wird einseitig
ein gekrümmtes Blech parallel zum
Anker eingeschoben. Mit einem
Prototypen konnte ein 4 t schweres
Teil problemlos mit einem Anker
angehoben werden.


4.23.3 Endoskope

Zum Schutz Verschütteter, zu deren Abbildung 4.27:
Ortung und zur Überwachung der Schwenkanker, im Rahmen der Versuche entwor-
Arbeiten werden häufig Beobach- fen und erprobt
tungsbohrungen ausgeführt. Um den dahinterliegenden Raum betrachten zu kön-
nen, ist zumindest ein einfaches Periskop oder Endoskop und eine Beleuchtung
notwendig. Alternativ ist eine spezielle Minikamera bzw. Suchkamera [Craft,
1987] geeignet z.B. Searchcam der Firma Tecfen, Santa Barbara.

Wärmebildkameras wurden bereits 1985 erfolgreich bei den Rettungsarbeiten in
Mexico City benutzt [Horner, 1995, S. 9]. Sie sind eine vorzügliche Möglichkeit,
im Verbund mit Endoskopen mit Quarzglasoptik Verschüttete auch unter Trüm-
mern und Staub ohne Lichtquelle zu orten. Wärmebildkameras ohne spezielle
Kühlung sind besser geeignet.


4.24   Horizontales Vordringen, Persönliche Schutzausstattung

Die Erfahrungen aus den eigenen durchgeführten Versuchen sowie Berichte [Mül-
ler, 1986, Faulding, 1995, Craft, 1987 ] ergeben deutlich die Forderung nach einer
speziellen persönlichen Schutzausstattung für Spezialisten, die in Trümmerstruk-
turen eindringen und den folgenden Belastungen und Verletzungsgefahren ausge-
setzt sind:

• Kriechen durch enge Durchgänge

• Scharfe spitze Gegenstände und Hindernisse

• Herabfallende Gegenstände

• Quetschgefahr

• Umgebungstemperatur

• Funkenflug, fortfliegende Bruchstücke

• Arbeit mit lärm- und staubintensiven Geräten


                                                                             139
• Spritzwasser

• Giftige Gase

• Elektrischer Strom

• Dunkelheit

• Körperliche Anstrengung

Die Ausstattung sollte aus den folgenden Teilen bestehen:

• Schutzhelm                    eng am Kopf mit sicherer Befestigung durch
                                Kinnriemen, kein Bauhelm, besser Bergsteiger-
                                helm

• Overall                       leicht, abriebsfest, flammhemmend, extra Schutz
                                an Knien, Ellbogen und Unterarmen

• darunter Kevlaranzug          Schutz gegen Schnitt/Stichverletzungen

• Thermokleidung

• Schutzbrille                  rundum geschlossen, Antibeschlag

• Schutzhandschuhe              kevlarverstärkt

• Sicherheitsstiefel            mit Stahlkappe, durchtrittsicher

• Gehörschutz                   Stöpsel

• Staubschutzmaske              nach Norm

• Anseilschutz                  Auffanggurt, Seilkürzer mit Falldämpfer bei
                                Absturzgefahr

• Lampe                         für Helm

• eventuell Sprechverbindung Kopfhörer und Mikrofon im Helm integriert,
                             Kabelverbindung [http://www.con-space.com]
                             (Rückzugsweg durch Kabel markiert) oder auch
                             Funkverbindung (Störung bei Stahlbeton, Metal-
                             len)

Diese Ausstattung ist nur für spezielle Einheiten sinnvoll und wird bei Einstürzen
von Stahlbetongebäuden oder Bauwerken mit Stahlbetonanteil häufig benötigt, da
diese bei Zusammenbrüchen größere Hohlräume hinterlassen, die eher die Mög-


140
lichkeit des Vordringens bieten. Hier sind die oben geschilderten Gefahren zu
erwarten. Da im Friedensfall diese Spezialisten schnell auch aus größerer Entfer-
nung innerhalb Deutschlands zum Einsatz kommen können, und die Situationen
mit großer Wahrscheinlichkeit bei internationalen Einsätzen z.B. nach Erdbeben
zu erwarten sind, kommen z.B. Einheiten wie die SEEBA des THW oder andere
noch zu schaffende Spezialeinheiten dafür in Frage.

Ist ein lang anhaltender Verteidigungsfall zu erwarten, bei dem die wenigen spezi-
alisierten Rettungseinheiten nicht für das gesamten Bundesgebiet zur Verfügung
stehen, müssten nach deren Vorbild eine größere Anzahl von Einheiten mit dieser
speziellen Ausrüstung ausgestattet werden.




                                                                             141
5       Verfahren


Bei eingestürzten Stahlbetonkonstruktionen ergeben sich Trümmerstrukturen, die
sich stark von denen nach einem Einsturz von Mauerwerksgebäuden unterschei-
den. Bei der Weiterentwicklung der Rettungsverfahren ist dies besonders zu
beachten. Krimgold [Krimgold, 1988] führte eine detaillierte Analyse der Ret-
tungsarbeiten am Juarez Krankenhaus nach dem Erdbeben von Mexico City, 1985
durch. Das Stahlbetongebäude wurde durch das Beben total zerstört, 179 Personen
wurden gerettet, 561 Personen konnten nur noch tot geborgen werden. Die Anzahl
der Geretteten nahm jeweils zu nach dem Eintreffen professioneller Rettungsein-
heiten nach ca. 24 h und nach dem Eintreffen der internationalen Rettungseinhei-
ten nach 5 Tagen. Zu diesem Zeitpunkt wurden große Trümmerteile bereits ent-
fernt. Die letzte Lebendrettung erfolgte am 8. Tag nach dem Erdbeben. Viele Tote
wurden nach dem Öffnen des Treppenturms mit Fahrstuhlschacht am 24. Tag nach
dem Beben entdeckt, die bei sofortigem Vordringen zu diesem Gebäudeteil eine
Überlebenschance gehabt hätten.




Abbildung 5.1: Verlauf der Rettungsarbeiten an einem Stahlbetongebäude nach [Krimgold,
               1988 und Schuler, 1995]

Besonders bei Stahlbetongebäuden kann noch bis zu zwei Wochen nach dem
Ereignis mit der Rettung Überlebender gerechnet werden [siehe auch Coburn,
Spence, 1992, S.62], wobei gezielt nach Hohlräumen gesucht werden muss. Durch
das Anheben schwerer Trümmerteile konnten zusätzlich Personen gerettet werden,
die durch normales Vordringen nicht erreicht wurden. Es traten häufig zusätzliche
Verletzungen der Verschütteten durch die Rettungsmaßnahmen auf [Krimgold,
1988].



142
Wie bei jedem betrachteten Großereignis wird von organisatorischen Problemen
berichtet, die durch die Zusammenarbeit vieler unterschiedlicher Organisationen
und das Fehlen von Befehlsstrukturen entstanden. Die Eigensicherung der Ret-
tungskräfte ist eine wichtige Aufgabe bei den Rettungsarbeiten. Bei dem erwähn-
ten Erdbeben in Mexico City starben mehr als 100 Retter bei weiteren Einstürzen
während der Rettungsarbeiten [Tiedemann, 1992].

Zum Vordringen in Trümmerstrukturen bedient man sich der 5-Phasentaktik. Sie
kann als Standard für das Vorgehen zur Rettung und Bergung nach Gebäudeschä-
den angesehen werden und hat sich international durchgesetzt [KatS-LA 261,
1986, US ACE, 1991]. International werden Schadenselemente, verdeutlicht durch
Piktogramme, zur Verständigung verwendet. Die Schadenselemente dienen zur
Systematisierung der Maßnahmen und damit dem Einsatz von Werkzeugen und
Maschinen. Anschließend werden Aspekte der 5-Phasentaktik und der Schadens-
elemente behandelt. Auf die einzelnen Verfahren wird in den darauf folgenden
Abschnitten eingegangen. Dabei werden die Themen behandelt, die als Ergebnisse
der Versuche, der Literaturauswertung und der Fragebogenaktion über die
üblichen Handbücher [Fibel, 1988, KatS-LA 261, 1986] hinausgehen. Es werden
hier auch solche Themen aufgegriffen, die zwar in diesen Handbüchern enthalten
sind, im Einsatz jedoch nur eingeschränkt berücksichtigt werden.


5.1    5-Phasentaktik
Bei Rettungs-/Bergungseinsätzen kann häufig beobachtet werden, dass die Phase
V [Feydt, 1971], restlose Beräumung der Trümmer, vor dem Abschluss der Phase
IV, Durchforschung von Trümmern und Bergung schwer Verschütteter, begonnen
wird. In Phase IV sollen alle möglichen Überlebensräume und alle Lebenszeichen
gezielt untersucht werden, bevor in Phase V die Trümmer systematisch abgeräumt
werden, um alle noch Verschütteten zu bergen. Die Wahrscheinlichkeit, in Phase V
noch Überlebende zur retten, ist gering. Da aber diese Möglichkeit weiterhin
besteht, wird auch in dieser Phase mit größter Vorsicht vorgegangen. Der Aufent-
haltsort dieser Überlebenden ist jedoch nicht bekannt und dadurch ihr Risiko, von
sich verlagernden Trümmern erdrückt oder von herabrieselndem Material erstickt
zu werden, besonders hoch. Bei begrenzten Ressourcen ist zu erwägen, ob die
zeit- und personalaufwendige Phase V überhaupt begonnen wird oder ob die
Ressourcen nicht Erfolg versprechender an einer anderen Schadensstelle einge-
setzt werden können. Es wird also der Tod noch nicht entdeckter Überlebender in
Kauf genommen, wenn die Rettungschancen an einer anderen Schadenstelle grö-
ßer erscheinen. Im Falle begrenzter Ressourcen ist darum eine scharfe Trennung
der beiden letzten Phasen dringend notwendig.

Aber auch für den Fall ausreichender Ressourcen ergibt sich die Problematik der
Trennung zwischen Rettungs- und Räumarbeiten, denn intensive Rettungsarbei-
ten, die in Schichtungen und innerhalb eines Gebäudes stattfinden, werden von
Zuschauern nicht wahrgenommen. Daraus folgt schnell die Kritik von Außenste-
henden an der Einsatzleitung, die dann versucht ist, mit personalintensiven Räum-


                                                                             143
arbeiten zu beginnen. Dieses Problem wurde bereits von Maack [Maack, 1942] im
zweiten Weltkrieg beschrieben: „Im Allgemeinen gilt bei mit Blätterteig ausge-
pressten Räumen im Keller oder Erdgeschoss, dass die dem Laien recht gekünstelt
erscheinenden Bergungsmethoden von der Seite oder von unten her dennoch eher
zum Ziel führen als ein späteres Blättern nach Fortschaffen starker oben aufla-
gernder Trümmermassen. Es ist dieses eine der Erfahrungen, die folgerichtig zu
Ende gedacht, des öfteren zur so genannten Leere einer Schadensstelle führen inso-
fern, als selbst eifrigste Arbeit von der Straße her kaum wahrgenommen wird. Man
kommt aus rein technischen Überlegungen häufig zu solchen Leeren. Sie sind
indessen aus psychologischen Gründen (Auswirkung auf die Bevölkerung oder
betroffenen Angehörige Verschütteter, [...]) nicht tragbar. Ohne in ein Markieren
verfallen zu müssen, kann das frühzeitige Beginnen mit gewissen Randarbeiten,
wie Aufräumen der Straße, vorbereiten des Einsatzes von Maschinen usw., hier ein
Gegengewicht bilden.“ Die von Maack erkannte Problematik verstärkt sich heute
noch durch die Anwesenheit von Reportern, die besonders dramatische visuelle
Eindrücke sammeln. Dies darf aber nicht dazu verleiten, mit der Rettungsphase V
zu beginnen, bevor alle Möglichkeiten, zu eventuellen Hohlräumen bzw. lebend
Verschütteten zu gelangen, untersucht wurden. Die Öffentlichkeit sollte durch
dafür abgestelltes geschultes Personal mit Fachinformationen versorgt werden.
Die Ausarbeitung von Grafiken und Überblickzeichnungen für die Presse ist im
Übrigen auch für die Einsatzleitung, etwa für Lagebesprechungen gut geeignet.
Dieses Aufgabengebiet muss bereits vor einem Einsatz definiert sein. Kann eine
große Schadensstelle in Bereiche unterteilt werden, die keine Einflüsse der Trüm-
merstrukturen untereinander aufweisen, so kann unabhängig voneinander mit dem
vorsichtigen Beräumen der Trümmer begonnen werden, auch wenn in angrenzen-
den Bereichen noch Rettungsarbeiten fortgesetzt werden. Bei den Räumarbeiten
dürfen jedoch keine Erschütterungen verursacht werden, da dies zu Einstürzen in
den anderen Bereichen führen kann. Falls die Umstände das Arbeiten in Phase IV
und V nebeneinander zulassen, können Rettungskräfte und Maschinen effektiver
eingesetzt werden.

Durch das Herausziehen und auch durch ein Abheben von Trümmerteilen aus der
Trümmerstruktur wirken Kräfte auf die verbleibenden Trümmer bzw. lagern sich
Belastungen um. Dadurch können Schuttnachrutschungen und Zusammenbrüche
bestehender Trümmerstrukturen ausgelöst werden. Eine Ausnahme bilden hori-
zontale Schichtungen, da die Erfahrungen gezeigt haben, dass sie in den meisten
Fällen sehr stabil sind. Wenn alle Ortungsversuche nicht zum Erfolg geführt
haben, jedoch immer noch Verschüttete unter den Trümmern einer horizontalen
Schichtung erwartet werden oder wenn das Vordringen zu georteten Verschütteten
nicht möglich ist, können die geschichteten Bauteile vorsichtig abgehoben wer-
den. Diese Situation wird in [Klein-Hitpaß, 1992] beschrieben. Das Abheben
bedeutet ein hohes Risiko für den Verschütteten. In diesem Fall müssen die Trüm-
merteile so angeschlagen werden, dass sie nicht knicken, kippen oder brechen
können (Abschnitt 5.4.3).




144
5.2     Schadenselemente
Die Einteilung der Trümmerstrukturen in Schadenselemente ermöglicht es, die
geeigneten Verfahren zur Rettung Verschütteter aus dieser Situation zusammenzu-
stellen. Abhängig von den Baustoffen der Trümmer können dann Maschinen und
Geräte ausgewählt werden. Baustoffspezifische Probleme und Lösungen werden
genannt. Die Zusammenstellung berücksichtigt die Ergebnisse der Versuche, die
Erfahrungen aus Einsatzberichten und aus der Baupraxis. Die Einteilung der Scha-
denselemente folgt dem Abschnitt 2.4 Piktogramme.


5.2.1   Halber Raum / Rutschfläche




Abbildung 5.2: Einseitiges Anheben eines 6,5 t schweren Trümmerstücks mit einem Teleskop-
               lader
Eine Rutschfläche ist ein flächenhaftes Trümmerteil, das sich in oder auf der
Trümmerstruktur befindet. Häufig handelt es sich um eine Decke, die einseitig ihr
Auflager verloren hat. Überlebende können sich am Fußpunkt der Rutschfläche
oder unter der Rutschfläche in einem Hohlraum befinden. Rutschflächen wirken
meist stabilisierend und aussteifend auf die Trümmerstruktur und sollten nach
Möglichkeit nicht entfernt werden. Vor Beginn der Rettungsarbeiten ist die Stabi-
lität der Rutschfläche und der sie tragenden Bauteile zu untersuchen. Liegt sie
noch einseitig auf einer Wand auf oder lehnt an diese an oder ist sie noch über
Bewehrung mit der Wand oder einer anschließenden Decke verbunden, so wirken
Horizontalkräfte auf diese Wand. Das Abstützen dieser Wand kann notwendig
werden, besonders Mauerwerkswände werden durch Horizontalkräfte schnell
überlastet.




                                                                                      145
    frei liegend,
                          frei hängend      angeschlossen        angeschlossen
  oder eingebettet
                                              aufliegend          eingebettet



Abbildung 5.3: Lage von Rutschflächen

Die von einer Rutschfläche belastete Decke erfährt eine zusätzliche Linienbelas-
tung und muss eventuell unterstützt werden. Bei Betondecken ist der Zuwachs zur
normalen Belastung bedingt durch das große Eigengewicht der heruntergebroche-
nen Decke größer als bei anderen Baumaterialien. So belastete Betondecken soll-
ten deshalb überprüft werden. Sowohl Betondecken als auch Holzdecken können
beim Herunterfallen und Aufschlagen erhalten bleiben oder auseinander brechen.
Dabei brechen Holzdecken meist parallel zu den Balken, Betondecken häufig
parallel zu der Auflagefläche. Die Decke kann auch in zwei Teile brechen und zwei
gegenläufige Rutschflächen bilden. Muss eine Rutschfläche angehoben oder bela-
stet werden, ist mit ihrem Zusammenbrechen zu rechnen. Die Spannrichtung
sowohl bei Stahlbeton- als auch bei Holzdecken ist beim Anschlagen zu berück-
sichtigen, damit die Decken beim Anheben entsprechend ihrer Spannrichtung
belastet sind. Stahlbetonwände sind weitaus geringer mit Baustahl bewehrt als
Decken und knicken leicht bei einer Belastung als Platte.

Die verschiedenen Vorgehensweisen, Verschüttete aus dem halben Raum oder am
Fuß der Rutschfläche zu retten, sind beim Schadenselement Schichtung angege-
ben.


5.2.2   Schichtung

Eine Schichtung kann bei der Zerstörung eines mehrgeschossigen Gebäudes ent-
stehen durch abgelöste Geschossdecken, die sich geneigt übereinander stapeln.
Eine Schichtung kann auch aus umgestürzten Wänden gebildet werden, bzw. aus
einer Kombination von Wänden und Geschossdecken. Oft gibt der Neigungswin-
kel der Schichten Aufschluss über die Menge der eingelagerten Kleintrümmer.
Steilere Schichtungen weisen geringere Schuttfüllung auf als flachere Schichtun-
gen, da die Decken mehr Zeit für die Drehbewegung benötigen, während der zwi-
schen den Decken befindliche Gegenstände herausfallen können. Verschüttete
können am Fuß der obersten Schicht liegen, zwischen den Schichten eingeklemmt
sein oder im Hohlraum unter der untersten Schicht gefunden werden. Gegenüber
dem halben Raum bzw. der Rutschfläche hat dieses Schadenselement die
Erschwernis, dass mehrere großflächige Trümmer übereinander liegen. Wie bei
der Rutschfläche sind die durch die Trümmer belasteten Bauteile, also Decke
unterhalb und abstützende Wand, auf ihre Tragfähigkeit und Risse hin zu untersu-
chen und abzustützen.

146
In dem Sonderfall, dass der Verschüttete am Fuß der
obersten Schicht liegt, muss die Schichtung nicht
bearbeitet werden, sondern der Verletzte kann direkt
geborgen werden. Es muss jedoch auf die Stabilität der
Schichten geachtet werden, und die Schichtung sollte
erst von Helfern betreten werden, wenn die Tragfähig-
keit festgestellt wurde.

                            Abbildung 5.4: Verschütteter am Fußpunkt einer Schichtung

Die Trümmer am Fußende der Schichtung wirken meist stabilisierend. Bevor sie
entfernt werden, müssen die großflächigen Trümmerteile gegen Nachrutschen
gesichert werden. Als Sicherung können Bausprießen oder Holzstempel verwen-
det werden. Die Last ist flächig in das Trümmerteil und in die Baustruktur einzu-
leiten. Ebenfalls möglich ist die Verankerung am Boden. Dazu können Erdnägel
verwendet werden, die in Bohrungen gesteckt werden.

Bei allen anderen Lagen des Verschütteten hat das seitliche Eindringen Priorität
bei der Wahl der Vorgehensweise. Keinesfalls die Trümmer betreten, wenn darun-
ter Verschüttete vermutet werden! Ist es nicht möglich, direkt zwischen die
Schichten zu gelangen, wird ein seitlicher Wanddurchbruch durchgeführt. Hierzu
sollten sich die Rettungskräfte mittels Probe- und Sichtbohrungen zuerst einen
Einblick verschaffen. Minikameras und Endoskope sind dafür besonders geeignet,
weil nur kleine Öffnungen geschaffen werden müssen, die weniger aufwendig sind
und einen geringeren Einfluss auf die Statik haben als große Beobachtungsdurch-
brüche. Um ein Abrutschen, ausgelöst durch Erschütterungen während der Arbei-
ten zu verhindern, muss die oberste Schicht am Fußpunkt gesichert werden. Bei
Stahlbetonwänden kann auch ein Durchbruch durch die die Schichtung tragende
Wand geführt werden, da eine 60 cm × 60 cm große Öffnung sie nicht sehr
schwächt, wenn sie nicht bereits durch andere Einflüsse geschädigt ist. Diese
Wand sollte in jedem Fall durch Querwände genügend ausgesteift sein, damit sie
die zusätzliche horizontale Belastung durch die geschichteten Decken ertragen
kann. Falls sie kippgefährdet ist, muss sie ausgesteift werden. Je nach Lage des
Verschütteten oder wenn die Wände nicht durchbrochen werden können, kann
man sich auch für eine Bearbeitung der Schichten entscheiden. Eine weitere Mög-
lichkeit ist ein Deckendurchbruch vom darunter liegenden Geschoss aus. Wobei
diese Decke schon durch die große zusätzliche Last geschwächt ist und abgestützt
werden muss.

Beim vollständigen Entfernen großer Trümmerteile muss überprüft werden, ob
diese noch über Bewehrungsstahl oder anderweitig mit der Gebäudestruktur ver-
bunden sind. Es besteht die Gefahr, dass die Struktur beschädigt wird, oder dass
Trümmerteile beim Anheben nachgeben und rutschen.




                                                                                147
Liegt der Verschüttete unter der obersten Schicht, so
kann, wenn ein Wanddurchbruch (1), nicht möglich                   2
ist, die oberste Schicht umgeklappt (2), angehoben                     4
(3), sie kann entfernt (4) oder durchbrochen (5) wer-                      5
                                                             6                     3
den.

                                                                               1
       Abbildung 5.5: Verschütteter zwischen den Schichten
Befindet sich der Verschüttete unter mehreren Schichten, so ist ein Anheben der
Schichten am Fußpunkt nicht sinnvoll, da dies nicht genügend Raum zur Bearbei-
tung der nächsten Schicht bietet. Es verbleiben die Möglichkeiten eines seitlichen
Durchbruchs, das Aufklappen der einzelnen Schichten sowie die Schichten zu
durchdringen. Eine Schicht kann auch entfernt werden. Hierzu ist ein geeignetes
Hebegerät wie z.B. ein Fahrzeugkran erforderlich.

Insgesamt sollten so wenig wie möglich Trümmer bewegt werden. Die Trümmer-
teile sind stets gegen Herabrutschen und Verschiebung zu sichern. Dies ist über
Holzkonstruktionen möglich, die schnell und individuell angefertigt werden kön-
nen. Als Verbindung sind Gewindestangen und Schraubverbindungen besonders
geeignet, da das Herstellen der Verbindung vor Ort erfolgen kann und keine
Erschütterungen verursacht. Bausprießen sind zwar schneller einzusetzen, müssen
aber noch zusätzlich stabilisiert oder fixiert werden, damit sie bei Bewegung der
Trümmer gegeneinander nicht abrutschen.




148
149
150
      Tabelle 5.1: Vergleich unterschiedlicher Vorgehensweisen bei Rutschfläche und Schichtung




151
5.2.3   Ausgefüllter Raum

Dieses Schadenselement wird auch
als ausgegossener Raum bezeichnet
und nach der Art des ausfüllenden
Materials unterschieden. Es gibt ge-
ringe Überlebenschancen, bei Flüs-
sigkeiten sehr geringe.

Das Schadensbild tritt häufig in ei- Abbildung 5.6:
nem Untergeschoss auf, dabei kön- Piktogramme „Ausgefüllter Raum“
nen benachbarte Räume freibleiben.
Abhängig von der Lage der Trümmerteile besteht die Gefahr, dass die Wand zum
freigebliebenen Raum einstürzt. Abstützungen sind vorzusehen. Befindet sich ein
intaktes Stockwerk unterhalb, ist zusätzlich von unten abzustützen, da die Decken-
last höher als die Verkehrslast sein wird.

Flüssigkeiten, meistens Löschwasser, Leitungswasser aus einem Leck oder
Regenwasser sollten so schnell als möglich abgesaugt werden. Die weitere Vorge-
hensweise ist in den folgenden Abschnitten über Schichtung und Trümmerkegel
beschrieben. Der Zugang ist nach Möglichkeit von der Seite zu wählen und es ist
parallel zu den Schichten vorzudringen. Da der Raum meist dicht ausgefüllt ist,
sollten Beobachtungsbohrungen in die den ausgefüllten Raum umschließende
Wand gesetzt werden. Mit einem Endoskop oder einer speziellen Suchkamera
sollte dann überprüft werden, an welcher Stelle überlebensnotwendige Hohlräume
einen Wanddurchbruch rechtfertigen.


5.2.4   Horizontale Schichtung

Das Schadenselement der horizontalen Schichtung wird zum einen bei Gebäuden
mit Stahlbetondecken, das sind solche in Skelettbauweise, Mauerwerksbauweise
oder Tafelbauweise angetroffen. Zum anderen können auch Holzskelettgebäude
mit diesem Schadenselement zusammenbrechen. Eine horizontale Schichtung
kann durch das Versagen von Stützen oder tragenden Wänden entstehen. Bei
Gebäuden mit Flachdecken entsteht sie indem sich die Stützen durch die Decken
durchstanzen. Dabei kann nur ein einzelnes Geschoss vom Erdgeschoss bis zum
obersten Stockwerk betroffen sein oder mehrere Geschosse oder das ganze Gebäu-
de bricht mit horizontal geschichteten Decken zusammen. Abhängig vom Stock-
werk, in dem sich eine horizontale Schichtung gebildet hat und von den Zugangs-
möglichkeiten, werden unterschiedliche Maßnahmen zur Rettung Verschütteter
ergriffen werden. Sind nach dem Einsturz noch Stockwerke oberhalb oder unter-
halb der Schichtung erhalten geblieben, ist deren Zustand zu untersuchen und
gegebenenfalls Abstützmaßnahmen einzuleiten.

Bei vielen Schadensereignissen hat sich gezeigt, dass horizontale Schichtungen
sehr stabil sind. Erschütterungen, die durch den nachträglichen Einsturz von


152
umliegenden Gebäuden herrühren, können jedoch Schichtungen gefährden. Wei-
tere Zusammenbrüche können auch durch das Entfernen von Trümmerteilen ver-
ursacht werden. Deshalb sollten die Trümmer in einer Schichtung, die als Auflager
für die darüberliegenden Teile dienen, nicht entfernt oder geschwächt werden.
Wenn die Schichtung auf einem oder mehreren erhaltenen Stockwerken ruht, lie-
gen die Trümmerteile meist direkt auf der obersten Decke der erhaltenen Stock-
werke. Somit wird diese Decke zusätzlich auf Biegung beansprucht. Die ursprüng-
lichen Belastungen, die von den Wänden oder Stützen in die darunter liegenden
vertikalen Bauteile weitergeleitet wurden, müssen jetzt von der Decke ertragen
werden. Schon bei flach geneigten Schichtungen sollte untersucht werden, ob ein
Gleiten zuverlässig durch Trümmerteile, Anschlussbewehrung etc. behindert wird
oder ob Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Auch wenn das ganze
Gebäude in einer horizontalen Schichtung zusammengebrochen ist, können sich
noch Kellergeschosse darunter befinden, die unversehrt sind.

Diejenigen Bauteile oder Trümmerteile, die für den Abstand zwischen den einzel-
nen Schichten verantwortlich sind, sind zu identifizieren, um deren Versagensge-
fahr abzuschätzen. Versagen kann Zusammenbrechen, Knicken oder seitliches
Wegkippen bedeuten. Schichtungen, in denen Unterzüge oder liegende Stützen die
Deckenauflager bilden, sind meist stabil. Halten Einrichtungsgegenstände den
Abstand der Decken untereinander, können diese ohne Vorwarnung versagen. Hier
sind nach Möglichkeit Abstützungen anzubringen. Veränderungen der Trümmer-
struktur müssen genau beobachtet werden.

Grundsätzlich kann parallel zu den Schichten in das Gebäude eingedrungen wer-
den oder mittels Deckendurchbruch von oben oder von unten.

Voraussetzung für umfangreiche Arbeiten in der Schichtung und die Wahl des Ein-
stiegspunktes ist die vorherige Ortung oder auch nur die Abschätzung der wahr-
scheinlichen Lage eventueller Über-
lebender anhand von Tageszeit,
Nutzungsart des Gebäudes und
Raumaufteilung der Stockwerke.

Der seitliche Zugang in die
Schichtung ist meist einfacher als
mittels Deckendurchbruch. In gro-
ßen Höhen muss unter Verwendung
von Drehleiter, Hubarbeitskorb oder
nach Abseilen von oben an den Ein-
stiegsort gelangt werden. Auch ein
Einstieg nach einem Wanddurch-        Abbildung 5.7:
bruch von einem Nachbargebäude        Eindringen in eine Schichtung parallel zu Unter-
aus ist möglich. Meist ist nur das    zügen, liegenden Stützen oder Wänden größerer
                                      Dicke (z.B. Brandwände)
Vordringen parallel zu umgestürzten
Stützen oder Unterzügen möglich.
Ein Durchbruch durch diese Ele-


                                                                                  153
mente innerhalb der Schichtung ist äußerst zeitaufwendig, da diese Elemente stark
bewehrt sind. Zudem ist eine Veränderung tragender Elemente der Trümmerstruk-
tur zu vermeiden. Die schweren Durchbrucharbeiten sind unter beengten Platz-
verhältnissen nur langsam möglich. Wenn kein anderer Zugang zu einem georte-
ten Verschütteten möglich ist, muss aber auch ein Durchbruch erwogen werden.

Grundsätzlich gilt für das horizontale Vordringen in Trümmerstrukturen:

• Geeignete Schutzausstattung tragen (Abschnitt 4.24).

• Immer dicht an tragfähigen Bauteilen oder Einrichtungsgegenständen bleiben,
  sodass beim Einsturz der darüberliegenden Decke ein Überlebensraum mit
  dreieckigem Querschnitt verbleibt.

• Veränderung wie Verschieben, Schwächen oder Zerstören tragender Elemente
  der Trümmerstruktur möglichst unterlassen.

• Besser Hindernisse umgehen als entfernen; vorhandene Öffnungen gezielt
  suchen.

• Eventuell Abstützungen (Holz, kurze Stahlsprieße, Trümmerteile, Hydraulikhe-
  ber) anbringen, bei Rissbildung, großer Spannweite der Decke oder schwächer
  tragender Trümmerstruktur zwischen den Decken.

• Kontakt zum Team außerhalb durch Schnur, Sprechverbindung (Funk oder
  Kabel), optisch und per Zuruf.

• Möglichst mit zwei Personen zur gegenseitigen Beratung und Unterstützung
  vorgehen.

• Lagepläne und Skizzen der Räum-
  lichkeiten und der durchsuchten
  Räume erstellen.

Für das senkrechte Eindringen in
die horizontale Schichtung von un-
ten oder von oben müssen Decken-
durchbrüche hergestellt werden. Bei
einem Durchdringen der horizonta-
len Schichtung von oben kann jeder
Durchbruch um eine Standfläche
kleiner ausgeführt werden als der
vorherige. So können Leitern oder
andere Steighilfen eingespart wer-
den. Ein Vordringen von unten
bringt die Gefahren des Überkopfar-   Abbildung 5.8: Durchbruch von oben [Rettungs-
beitens für die Retter mit sich.      kette Schweiz, 1986]



154
Decken enthalten mehr und stärkere Bewehrung als Wände, die durchtrennt wer-
den muss. Durch Probebohrungen sollte festgestellt werden, ob sich auf der ande-
ren Seite ein Hohlraum befindet oder ob an dieser Stelle gerade ein Auflager ist.

Die horizontalen Elemente können auch mit einem Kran abgehoben werden.
Dies sollte jedoch erst dann begonnen werden, wenn alle Möglichkeiten, die
Schichtung zu durchsuchen erschöpft sind oder wenn Hinweise dafür sprechen,
dass eine sofortige Rettung aus medizinischer Sicht notwendig ist. Das Abheben
der Schichtungselemente ist mit großen Risiken für Personen innerhalb der
Schichtung verbunden. Die angehobenen Trümmerteile können beim Anheben
zerbrechen, die Trümmerstrukturen können sich umlagern. Meist sind die Trüm-
merteile noch untereinander verbunden und müssen erst voneinander getrennt
werden. Dies kann eventuell von innerhalb der Schichtung mit hydraulischen
Werkzeugen geschehen, meist muss eine Decke jedoch dazu ein Stück weit ange-
hoben werden. Die Kranarbeiten müssen zwischen Rettungspersonal und dem
Kranführer exakt abgesprochen werden. Durch die besonderen Umstände sind
umfangreichere Sicherungsmaßnahmen notwendig. Die instabilen Trümmer müs-
sen mit einem höheren Aufwand mit mehr und unterschiedlichen Anschlagmitteln
angeschlagen werden, als das bei einem regulären Kraneinsatz zu Montagezwecken
üblich ist.


5.2.5   Versperrter Raum

Der versperrte Raum ist ein in seinem Inneren im Wesentlichen unbeschädigt
gebliebener Raum, wobei jedoch die natürlichen Zugänge durch Trümmer ver-
sperrt sind. Dieses Schadenselement wird vor allem in erhalten gebliebenen Kel-
lerräumen unter Schichtungen oder Trümmerkegeln angetroffen. Prinzipiell kann
es jedoch in allen Stockwerken vorkommen.

Vorgehen
Zuerst muss überprüft werden, ob diese Räume über ihre natürlichen Zugänge zu
erreichen sind und welcher Aufwand durch das Freiräumen zu erwarten ist. Sind
die Zugänge nicht bekannt, sind Nachbarn usw. zu befragen oder es können auch
Baupläne zu Rate gezogen werden. Folgende Alternativen zum Erreichen eines
versperrten Raumes sind gegeben.




                                                                             155
Tabelle 5.2: Vergleich der Zugangsvarianten zu einem versperrten Raum


Bei den Durchbruchvarianten ist zu beachten:




Tabelle 5.3: Vergleich der Durchbruchrichtungen zu einem versperrten Raum




156
5.2.6   Angeschlagener Raum

Beim Schadenselement des angeschlagenen Raumes sind Wände und/oder Decke
des Raumes teilweise zerstört und die Trümmer in den Raum gefallen. Oft ist der
Raum über natürliche Zugänge erreichbar, sodass ein schnelles Eindringen in den
Raum möglich ist. Heruntergefallene Trümmer können jedoch die natürlichen
Zugänge versperren. In diesem Fall kann der Raum eventuell über die entstandene
Lücke in der Wand/Decke betreten werden. Einsturzgefährdete Wände und Deck-
en, auch im Stockwerk darunter, abstützen. Ist dies nicht möglich, muss wie beim
versperrten Raum vorgegangen werden. Das Freiräumen des Zugangs sollte dem
Durchbruch vorgezogen werden.


5.2.7   Trümmerkegel, Randtrümmer

Alle Bauweisen können in einem Trümmerkegel zusammenbrechen. Randtrüm-
mer werden die Trümmeransammlungen genannt, die sich außerhalb des Gebäu-
degrundrisses befinden. Trümmerkegel und Randtrümmer können ineinander
übergehen. Verschüttete können sich auf, in oder unter einem Trümmerkegel
befinden. Durch die Stahlbetonbauweise ergeben sich zunehmend auch Trümmer-
kegel mit großen Trümmerstücken, die miteinander verbunden sind. Es können
sich so zwar stabilere Überlebensräume für Verschüttete ergeben, das Abräumen
ist jedoch mit einer erheblichen Belastung und Umlagerung der Trümmerstruktur
verbunden.

Vorgehensweisen
Unter einer dünnen Schicht von Trümmern können häufig Verschüttete von oben
geborgen werden. Befindet sich ein Verschütteter unter einem Trümmerkegel in
einem versperrten Raum oder in einem der anderen hier möglichen Überlebens-
räume, so ist die Vorgehensweise bereits oben genannt. Eine der schwierigsten
Rettungssituationen ist das Vordringen zu Verschütteten in einem Trümmerkegel.
Zum Überleben hat sich in der Trümmerstruktur ein Hohlraum gebildet. Das kann
eines der bekannten Schadenselemente sein oder die Trümmer bilden ein Gewöl-
be. Das Freilegen eines solcherart Verschütteten senkrecht von oben ist mit der
großen Gefahr verbunden ist, dass dieser an herabrieselndem Material erstickt
oder durch die Verlagerung instabil gewordener Trümmer erdrückt wird. Mit den
Messungen und Beobachtungen zu den entsprechenden Versuchen (Abschnitt 3.7)
konnte deutlich eine vergleichsweise hohe Belastung des Verschütteten bei dieser
Vorgehensweise festgestellt werden. Auch Erfahrungsberichte von Verschütteten
bezeugen dies [Durkin u.a., 1988]. Die entsprechenden Erfahrungen, die im zwei-
ten Weltkrieg mit Verschütteten in zertrümmerten Mauerwerksgebäuden gemacht
wurden, waren in ihrer Vielzahl und Dichte so eindeutig, dass sie als Grundlage
angesehen werden dürfen. Sind größere Trümmermengen aufliegend, gilt für Mau-
erwerks- und ähnliche Trümmer bereits seit Maack „Die Bergung Verschütteter
von oben her durch den Schuttkegel ist fast immer falsch, zumal man dabei meist
den Weg des größten Widerstandes zurückzulegen hätte und weil das Wesen des
Grenzzustandes ständig Schwierigkeiten mit sich bringt.“ [Maack, 1942].


                                                                            157
Für die erfolgreiche Rettung eines solcherart Verschütteten ist dessen genaue
Ortung maßgeblich. So kann gezielt durch Abteufen eines seitlich versetzten
Schachtes oder durch horizontales Vordringen von einem Wanddurchbruch oder
einem anderen Zugang aus der Verschüttete geschützt und die Trümmer stabilisiert
werden. Das Vorgehen entspricht dem der bereits beschriebenen in Schichtungen.
Zusätzlich kann feinkörniger Trümmerschutt mit Hilfe eines Saugladers entfernt
werden (Abschnitt 4.9). Beim horizontalen Vordringen dürfen unter keinen
Umständen tragende Teile bearbeitet, d.h. weder herausgezogen noch zerschnitten
werden. Auch dürfen keine großen Kräfte in die Struktur eingebracht werden. Alle
benutzten Keile und Abstützungen sollten daher nur untergelegt werden, um ein
Absacken zu verhindern. Auch der Einsatz von Hydraulikhebern muss mit äußer-
ster Vorsicht erfolgen, da sie dem Benutzer kein Gefühl für die eingesetzten Kräf-
te vermitteln. Daher besteht die Gefahr, dass ungewollt große, die Trümmerstabi-
lität gefährdende Kräfte erzeugt werden.

Bleibt nur die Möglichkeit, den Trümmerkegel von oben abzuräumen, so sollten
die Belastungen so gering wie möglich gehalten werden. Das bedeutet, keine
Trümmer zwischen umgebenden herausziehen, statt vielen Helfern auf den Trüm-
mern den Abtransport des Schutts über Förderbänder, einen Sauglader oder eine
an einen Kran gehängte Schuttmulde durchführen.

Besonders der Einsatz eines Saugladers ist zu empfehlen, weil damit der schwer zu
fassende feinkörnige Trümmerschutt schnell entfernt werden kann, um große
Trümmerteile freizulegen und die Erstickungsgefahr eines Verschütteten zu min-
dern.


5.2.8   Gebäudeumsturz

Ein Umstürzen kann bei Gebäuden
in Stahlbetonskelettbauweise oder
bei Gebäuden ganz aus Beton auch
solchen in Tafelbauweise durch das
Versagen der Fundamente oder
eines Stockwerkes vorkommen.
Besondere Beachtung müssen die
Wände, die jetzt als Decken Lasten
abtragen und die Verbindungen der
Bauteile untereinander erfahren, da
sie für die jetzigen Belastungen
nicht ausgelegt sind. Mauerwerks-      Abbildung 5.9:
ausfachungen und andere wandbil-       Gebäudeumsturz nach Grundbruch
dende Materialien, die jetzt Räume     [Berz, MüRück, 1985]
überspannen, sind vom Versagen
bedroht.




158
5.2.9   Schäden in großer Höhe

Jedes der zuvor genannten Schadenselemente kann sich auch in großer Höhe in
oder auf einem Gebäude befinden. An Abbildung 5.10 sind sehr gut die besonde-
ren Probleme bei einer in großer Höhe liegenden Schichtung erkennbar. Es kann
hier eventuell nicht aus einem Nachbarraum oder Nachbargebäude in die Schicht
eingedrungen werden. Durch die Schräglage und große Höhe ist das Betreten der
Schicht für die Retter nur mit Sicherung möglich. Arbeitsplätze oder Einstiegs-
punkte in großer Höhe können über Feuerwehrdrehleitern erreicht werden. Flexib-
ler einzusetzen sind Teleskoparbeitsbühnen (Abschnitt 4.10), da größere Höhen
erreicht werden und auch über Hindernisse hinweg gearbeitet werden kann. Sehr
große Höhen lassen sich mit hochziehbaren Personenenaufnahmemitteln bzw.
Arbeitsbühnen erreichen, die an einen Kran gehängt werden. Auch mit Hub-
schraubern kann gearbeitet werden, wobei jedoch Rettungs- und Ortungsarbeiten
durch Wind und Lärm beeinträchtigt werden.

Bei der Auswahl der Krane sind Hindernisse und die benötigte Reichweite und
Reichhöhe besonders zu berücksichtigen. Eventuell muss eine wippbare Mastspit-
ze am Kran vorhanden sein (Abschnitt 5.4 und 4.1). Da unterschiedliche Arbeiten
anfallen, die mit Kranen unterstützt werden, sollten entsprechend der Situation
mindestens zwei Krane mit der entsprechenden Reichhöhe und Reichweite einge-
setzt werden.

Rettungspersonal sollte bei Absturzgefahr mit Auffanggurten, Falldämpfern und
Anschlagseilen, eventuell Seilkürzer oder Höhensicherungsgeräten gesichert wer-
den (ZH1/709, 1998). Wenn kein sicherer An-
schlagpunkt vorhanden ist, kann ein Kran zum
Sichern verwendet werden.

Es ist entsprechend der 5-Phasentaktik vorzuge-
hen. Die Trümmer sind gegen weitere Bewegung
mit Abstützungen (Abschnitt 5.5) und mit hori-
zontal wirkenden Sicherungen, wie Bausprie-
ßen, Holzkonstruktionen, Stahlseilen oder Ket-
ten gegen weitere Bewegung zu sichern
(Abschnitt 5.2.2). Nur wenn dies nicht möglich
ist und eine Bedrohung von den ungesicherten
Teilen ausgeht, sollten die Teile bereits abge-
räumt werden, wenn noch Verschüttete unter den
Trümmern vermutet werden. Andernfalls ist die
Trümmerstruktur ohne sie in der Statik zu verän-
dern zu durchsuchen. Zum Vordringen mit
maschineller Unterstützung eignen sich im
Schadensfall „in großer Höhe“ hauptsächlich
handgeführte Geräte mit möglichst geringer         Abbildung 5.10:
Erschütterungswirkung wie Kernbohrgeräte           Schichtung in großer Höhe, Buka-
(auch mit Bohrlafette), Betonkettensäge, Trenn-    rest [Münchener Rück 3-77, S. 9]



                                                                                159
schleifer mit 350 mm Durchmesser und Spülwasserzufuhr, hydraulische Rettungs-
werkzeuge und eventuell Säbelsägen. Bei stabilen Schichtungen können Geräte-
träger und Minibagger mit dem Kran auf die Trümmer gehoben werden. Ist der
Feinkornanteil des Trümmerschutts groß, kann mit Saugladern mit entsprechender
Schlauchlänge bis in große Höhen gearbeitet werden.

Sind die Vordringmöglichkeiten erschöpft, kann damit begonnen werden Trüm-
merteile anzuheben oder abzuheben (Abschnitt 5.2.1). Dabei ist besonders auf
deren Sicherung gegen ungewollte Bewegungen zu achten. Große Trümmerteile
können zum Abheben durchtrennt werden. Dazu eignen sich besonders hydrauli-
sche Spaltgeräte, Wandsägen oder selbstfahrende Fugenschneider mit Diamant-
kreissägeblätter oder auch Trennschleifer.


5.3     Maßnahmen beim Retten Verschütteter

5.3.1   Wanddurchbruch

Ein Wand- oder Deckendurchbruch kann bei unterschiedlichen Schadenselemen-
ten erforderlich werden. Die Wahl von Verfahren und Gerät ist situationsabhängig.
Die folgenden Merkmale sind zu erfassen:

Beim Herstellen eines Durchbruches in einen angeschlagenen Raum muss durch
Probebohrungen sichergestellt werden, dass auf der anderen Seite der Wand/Decke
nicht große Trümmermassen oder Einrichtungsgegenstände zu unnötigen Räumar-
beiten führen, oder gar ein Eindringen verhindern. Durch den Druck anliegender
Trümmer oder durch eine hohe vertikale Last kann die Wand versagen, wenn sie
zusätzlich durch einen Wanddurchbruch geschwächt wird. Außerdem sind (siehe
Anlage A) im unteren Bereich Elektro, Gas oder Wasserleitungen zu erwarten.

Ein Wanddurchbruch sollte wegen der zu
erwartenden Leitungen immer ca. 70 cm
ab Unterkante Wand durchgeführt werden.
Ergibt die Probebohrung, dass Trümmer-
material auf der anderen Seite liegt, muss
weiter oben neu versucht werden. Bei
Stahlbetonwänden sind im Bereich bis zu
einem Meter ab Unterkante Wand Über-
greifungsstöße der Bewehrung angeordnet,
d.h. dort wird die senkrechte Bewehrung in
doppelter Menge angetroffen.
                                             Abbildung 5.11:
                                             Lage eines Wanddurchbruches




160
Tabelle 5.4: Zu beachtende Merkmale bei einem Wand- bzw. Deckendurchbruch


Betonwanddurchbruch mit einem Aufbrechhammer
Die Durchbruchversuche (Abschnitt 3.3) wurden von THW-Helfern an einer
Betondecke teilweise unter beengten Bedingungen ausgeführt. Hier wurden mit
dem Bohr- und Aufbrechhammer Bosch UBH 12/50 zusammen mit dem Spalt-
werkzeug die geringsten Leistungen erbracht, da mit dem Fäustel nicht ausrei-
chend ausgeholt werden konnte und aufgrund der Bewehrungsmatten das Spalt-
werkzeug immer wieder festsaß. Als Alternative lässt sich der Wanddurchbruch
auch mit Bohrhammer und Aufbrechhammer ausführen. Dabei wird folgenderma-
ßen vorgegangen.

                                                                            161
Zuerst wird ein Durchgangsloch (1) in der
oberen Hälfte des Durchbruchs erstellt wer-
den, da das Arbeiten an der Unterkante
                                                     4           3
leichter fällt. Danach werden Schollen
                                                                 2
schräg weggemeißelt (2), wobei die Schol-                        1 Arbeitsrichtung
lendicke je nach Gerät variiert. Dies wird           4           2
wiederholt, bis die andere Wandseite                             3
erreicht ist (3). Nun können relativ pro-                        5
blemlos Schollen auf der Wandrückseite
abgeschlagen werden (4). Es wird so lange
weiter verfahren, bis im kleinsten Quer-
schnitt die erforderlichen Lochabmessun-         Abbildung 5.12:
gen erreicht sind (5).                           Wanddurchbruch mit Aufbrechhammer


      1                 2                  3                4                 5


                                                                               erforderlicher
                                                                               Lochquerschnitt




Abbildung 5.13: Stufenweise Darstellung der Methode ohne Spaltwerkzeug

Der große Vorteil dieser Methode ist, dass das Loch einer gewünschten Form
angepasst werden kann und so nur die nötige Materialmenge abgebrochen wird.
Stellt sich während der Arbeit heraus, dass die Öffnung nicht an einer geeigneten
Position liegt, kann sie entsprechend verlagert werden. Durch das schichtweise
Vorarbeiten ist es möglich, jedes Gerät nach seiner jeweiligen Leistungsfähigkeit
optimal einzusetzen, da die abzubrechende Schollendicke variiert werden kann. In
den durchgeführten Versuchen eignete sich diese Methode am besten für den stark
bewehrten Beton.




Abbildung 5.14: Eisentrenngeräte [Fibel, 1988]




162
Bei Verwendung von Aufbruchhämmern oder Spaltgeräten muss ein zusätzliches
Gerät zum Durchtrennen der Bewehrungseisen vorhanden sein. Dies kann ein Bol-
zenschneider (Abb. 5.14.1), eine Hydraulikschere oder ein Trennschleifer (Abbil-
dung 5.14.2) sein. Der Bolzenschneider muss an den Griffen ca. 1-1,20 m weit
geöffnet werden und eignet sich so nicht für beengte Verhältnisse. Mit dem Trenn-
schleifer entsteht Funkenflug und damit Explosionsgefahr. Die hydraulischen
Scheren mit der Größe S30 und S90 eigneten sich gut für diese Aufgabe, Beton-
stahl mit 20 mm Durchmesser konnte von beiden geschnitten werden. Allerdings
darf die Schere nicht verkanten, da sonst die Messer abbrechen können.

Wenn die genaue Lage des Durchbruchs festgelegt ist und Staub erzeugt werden
darf, kann mit dem Trennschleifer entlang dem eingezeichneten Rand des Durch-
bruchs in den Beton eingeschnitten werden. Damit wird die erste Bewehrungslage
bereits getrennt und die Meißelarbeiten sind einfacher durchzuführen. Da Trenn-
scheiben schnell verschleißen und damit sich die Schnittiefe verringert sowie
Arbeitspausen für den Scheibenwechsel anfallen, sollten die Einschnitte mit dia-
mantbesetzten Trennscheiben ausgeführt werden.

Danach können noch einige gerade Schnitte ange-
legt werden. Dieses Vorgehen erleichtert das späte-
re Herausbrechen des Betons, da der Aufbruch-
hammer gut neben den Schlitzen angesetzt werden
kann und die oberste Bewehrungslage bereits
durchtrennt ist.


                                                                         Abbildung 5.15:
                                    Vorschneiden des Durchbruchs mit einem Trennschleifer

Eine weitere Möglichkeit ist, mit
dem Trennschleifer den Schnitt
zu erstellen und danach diesen
Schnitt mit dem Aufbruchham-
mer und einem Gerät zum Eisen-
durchtrennen (Durchtrennen der
hinteren Bewehrungslage) zu be-
arbeiten, bis die gesamte Wand-
stärke durchbrochen ist und das
freigelegte Wandstück entfernt        Abbildung 5.16: Durchbruch mit Trennschleifer und
werden kann.                                                      zusätzlichen Geräten

Dies ist besonders sinnvoll, wenn das Wandstück stark bewehrt ist, nur ein Auf-
brechhammer mit geringer Leistung (bis zu 1kW) zur Verfügung steht und eine
Möglichkeit besteht, die Bewehrung zu durchschneiden. Schneidbrenner (even-
tuell Plasmaschneider) können eingesetzt werden, wenn Brandgefahr und Vergif-
tungsgefahr nicht relevant sind.



                                                                                    163
Ein Vorteil dieser Methode ist, dass das herausgetrennte Wandstück zur Helfersei-
te herausgebrochen werden kann, wenn ein Durchfallen verhindert werden soll.
Hierfür ist nur eine entsprechende Befestigung von Seilen oder Ketten mittels
Haken nötig, mit denen das Wandstück herausgezogen wird. Dies erfordert zwei
oder mehr Helfer.

Es hat sich in den Versuchen gezeigt, dass bei einem Einsatz von leistungsstärke-
ren Aufbruchhämmern ein Vorgehen nach der zuletzt genannten Methode nicht
sinnvoll ist, da durch das Arbeiten in einem Schlitz ihre Leistungsfähigkeit nur zu
ca. 2/3 ausgenutzt werden kann.

Um im Bergungseinsatz einen unnötigen Bedarf an Zusatzgeräten, die dann an
anderer Stelle fehlen könnten, zu vermeiden, ist es sinnvoll, Geräte mit gleicher
Antriebsart zu kombinieren. Dies verhindert auch ein mehrfaches Verlegen von
Versorgungsleitungen. Nach Möglichkeit sollten diamantbesetzte Trennscheiben
verwendet werden, da diese längere Standzeiten, weniger Arbeitspausen sowie
eine konstante Schnitttiefe erreichen. Für umfangreiche Arbeiten sind Trennschlei-
fer mit etwa 350 mm Scheibendurchmesser und Wasserspülung besser geeignet,
da diese größere Schnitttiefen, größere Schnittleistungen und eine geringere
Staubbelastung ergeben.


5.3.2   Arbeiten mit einem Kernbohrgerät

Erstellung eines Durchbruches mit einem Kernbohrgerät mit aneinander
gereihten Bohrungen
Der Bohrständer wird am Mittelpunkt des zu erstellenden Durchbruchs angedü-
belt, um das zeitaufwendige Umsetzen zu vermeiden. Abhängig vom verwendeten
Bohrständer kann der Bohrungsabstand von diesem Dübel aus variiert werden und
so von der Kreisform des Durchbruchs abgewichen werden. Zuerst sollten die
Abmessungen des zu erstellenden Loches angezeichnet und der Mittelpunkt mar-
kiert werden.

Danach muss mit einem Bohrer ein Bohr-
loch (1.) im Mittelpunkt angefertigt wer-                      3.
den, in welches ein passender Dübel einge-
setzt wird. Die Gewindestange wird in das
Bohrloch eingebracht und das Führungs-           2.
profil des Kernbohrgerätes darauf montiert.                  1.
Nun kann das Kernbohrgerät auf das Füh-
rungsprofil gesteckt und die Bohrkrone
montiert werden. Die folgenden Kernboh-
rungen (2.) werden nun kreisförmig oder
variiert um den Mittelpunkt herum ausge-      Abbildung 5.17:
führt.                                        Anlegen der einzelnen Kernbohrungen
                                              kreisförmig oder nach Bedarf




164
Mit einem Bohrkronendurchmesser von 150 mm sind etwa 12 Bohrungen nötig,
um die geforderte Lochgröße herzustellen. Eine oder zwei obenliegende Bohrungen
(3.) werden ausgespart, sodass das ausgeschnittene Wandstück an in diesem Steg
verlaufender Bewehrung hängen bleibt. Die letzten Bohrungen werden erst nach
einer erneuten Befestigung des Bohrständers außerhalb des zu erzeugenden
Durchbruchs durchgeführt. Bei beengten Platzverhältnissen ist es auch möglich,
das Kernbohrgerät nur abzumontieren und den stehen gebliebenen Steg mit einem
anderen Gerät zu entfernen. Hierzu kann ein handgeführtes Kernbohrgerät oder
ein Aufbruchhammer benutzt werden. Um ein Herunterfallen des Reststückes zu
verhindern, sollten zwei oder drei Bohrkerne im unteren Bereich in die entstande-
nen Bohrlöcher gelegt werden und eventuell noch mit Holzkeilen oder Ähnlichem
unterfüttert werden, bevor der letzte Steg entfernt wird.

Diese Methode eignet sich nur bedingt für den Durchbruch durch eine Mauer-
werkswand, da bei üblichen Mauerwerkswänden mit einem Aufbruchhammer
schneller ein Durchbruch erstellt werden kann. Zum Erstellen einzelner Bohrun-
gen, etwa Beobachtungsbohrungen, ist ein Kernbohrgerät jedoch gut geeignet, da
nur geringe Erschütterungen erzeugt werden und die kreisförmige Bohrung eine
geringe Schwächung der Wand ergibt.

Soll von unten nach oben gearbeitet wer-
den, muss das Reststück gegen plötzliches
Herunterfallen mit Hilfe von festgedübel-
ten Kanthölzern oder Stahlprofilen gesi-
chert werden. Dazu sollten vier Kernboh-
                                              Fixierung
rungen ausgeführt werden, über die die                           Kantholz/ Stahlprofil
Kanthölzer/Stahlprofile gelegt werden kön-
nen, sodass diese die weiteren Bohrungen
nicht behindern.                             Abbildung 5.18:
                                             Sicherung eines Deckenstückes
Die Arbeitsrichtung von oben nach unten
hat den Nachteil, dass die Bohrkerne nach unten fallen, da man meist nicht in den
Raum unterhalb gelangen kann, um Auffangmaßnahmen zu ergreifen, wie etwa
eine stabile Kunststoffwanne von unten mit einer Bausprieße gegen die Decke zu
pressen.

Das Durchfallen von Bohrkernen kann vermieden werden, wenn zuerst eine Boh-
rung schräg unter die erste zu erstellende Bohrung gesetzt wird und ein Stahlstab
eingesetzt wird. Der Bohrkern wird so gehalten und kann nicht nach unten durch-
fallen. Für alle weiteren Bohrungen wird ein nach Abbildung 5.19 zurechtgeboge-
ner Rundstahl oder Flachstahl zum Halten des Bohrkerns verwendet.

Das auszubrechende Deckenstück wird sobald als möglich mit Dübeln oder unten
durchgeführten Rundschlingen gegen Herabfallen gesichert. Es werden drei bis
vier gleichmäßig verteilte Stege bis zuletzt stehen gelassen.




                                                                                 165
Das hohe Gewicht des ausgebrochenen
Deckenstückes muss beim Sichern und
                                                 1.
Herausheben berücksichtigt werden. So hat
ein kreisförmiges Betonstück mit 60 cm
Durchmesser und 18 cm Dicke eine Masse
von ca. 130 kg. Hebezeugeinsatz ist darum
zu empfehlen.

Erstellen eines Mannloches in einem
Arbeitsgang
Steht ein Kernbohrgerät mit einem Bohr-
kronendurchmesser von mehr als 500 mm            2.
zur Verfügung, kann ein Mannloch mit
einer Bohrung erstellt werden. Zu beachten
ist dabei zusätzlich:

Beim horizontalen Bohren bleibt der
Bohrkern in der Bohrkrone und kann mit
der Bohrkrone aus der Bohrung gezogen
werden. Dabei sollte die Bohrkrone unter-
stützt werden, damit sie nicht beim Heraus-
ziehen die Befestigung des Bohrständers         Abbildung 5.19:
überlastet.                                     Kernbohrungen in eine Decke von oben

Beim Bohren von oben sind zuerst an dem späteren Bohrkern Dübel zum heraus-
ziehen zu erstellen. Dann sollten drei bis vier Bohrungen ähnlich Abbildung 5.19
um den Umfang verteilt mit dem Bohrhammer gesetzt werden. Dabei darf die
Bohrung nicht die spätere Schnittfläche der Kernbohrung schneiden, sollte aber
möglichst dicht daran liegen. In die Bohrungen werden Stahlstäbe eingesetzt, die
den Bohrkern auffangen sollen.

Beim Bohren von unten füllt sich die Bohrkrone zuerst mit dem Spülwasser, spä-
ter fällt der Bohrkern in die Bohrkrone. Diese Belastungen können von dem Kern-
bohrgerät und dem Bohrständer in der Regel ertragen werden. Jedoch muss die
Befestigung des Bohrständers dementsprechend ausgelegt sein. Am besten ist eine
Abstützung des Bohrständers von unten aus, z.B. mit einer Bausprieße. Mehrere
Ankerbohrungen (Dübelbohrungen) sind auch geeignet, doch vermindert sich die
Tragfähigkeit des einzelnen Ankers, wenn ein anderer in der Nähe gesetzt wurde.
Die Herstellerangaben sind zu beachten. Zusätzlich kann der Bohrständer mit
einem Stahlseil, einer Kette oder einem Stahlträger gegen die Decke befestigt werden.




166
Tabelle 5.5: Allgemeine Hinweise zu Kernbohrgeräten

5.3.3   Erstellen von Durchbrüchen mit Diamantsägen

Diamantbesetzte Sägen schneiden Mauerwerk, Beton und Stahlbeton. Der Vorteil
dieser Geräte ist, dass sie nicht mit anderen Geräten kombiniert werden müssen,
um einen Durchbruch zu erstellen, sondern mit ihnen alle Materialien ohne Zuhil-
fenahme anderer Geräte durchtrennt werden können. Auch befinden sich am
geführten Schnitt keine Überstände, was die Verletzungsgefahr beim Durchkrie-
chen verringert. Die Schnitte erfolgen erschütterungsarm. Für den Rettungsein-
satz sind Betonkettensägen besonders geeignet, da mit geringen Rüstzeiten und
geringem Platzbedarf Schnitte hergestellt werden können. Die folgenden
Beschreibungen beziehen sich im Wesentlichen auf handgeführte Sägen. Bei
schienengeführten Wandsägen und bei Fugenschneidern können die Schnitte
meist auch senkrecht ausgeführt werden, wenn die Sicherung des Ausschnittes
gegen Hereinfallen tragfähig genug hergestellt wurde.

Beim Anlegen eines Wanddurchbruches
muss der unten liegende Schnitt (1) als erstes                        4
ausgeführt werden, um ein Einklemmen der
Säge zu vermeiden. Danach wird, wie in                        3                 2
Abbildung 5.20 dargestellt, weiter verfahren.
Schnitt (2) und (3) können auch in umgekehrter                        1
Reihenfolge durchgeführt werden. Nach Fer-
tigstellung aller Schnitte kann das Lochinnere        Abbildung 5.20:
herausgezogen oder in Ausnahmefällen (der             Reihenfolge der Schnitte bei Beton-
Schnitt muss entsprechend ausgeführt werden,          sägen
vgl. unten) auch zur anderen Wandseite heraus-
gedrückt werden.
                                                              3                 2
Es hat sich in den durchgeführten Versuchen als
sinnvoll erwiesen, die Schnitte 2 und 3 (siehe
Abbildung 5.21) so anzulegen, dass das heraus-
zunehmende Teil konisch ist, da so das Verkanten
vermieden werden kann und Angriffsfläche für
ein Brecheisen oder ähnliches Werkzeug zum            Abbildung 5.21:
Heraushebeln vorhanden ist.                           Draufsicht auf das Reststück



                                                                                      167
Beim Durchbrechen einer Decke müssen eben-
                                                            Verankerung
falls zwei gegenüberliegende Schnitte konisch                             Kantholz
ausgeführt werden. Dies verhindert ein plötzli-
ches Herausfallen und erleichtert das Heraus-
nehmen des Reststückes. Wird in vertikaler
Richtung gearbeitet, sollten immer zuerst die
konischen Schnitte ausgeführt werden, unab-
hängig davon, ob von oben nach unten oder         Abbildung 5.22:
umgekehrt vorgegangen wird um zu vermei-          Sicherung des Reststückes
den, dass beim Absacken das Sägeblatt einge-
klemmt wird.
                                                   Sicherungsleine
Wird von oben nach unten gearbeitet, kann das
Reststück mit festgedübelten Kanthölzern am                                Dreibein
zu starken Absacken gehindert werden, sodass
das Einklemmen der Säge verhindert wird (siehe
Abbildung 5.22). Es sollten wiederum zwei
Schnitte senkrecht und zwei Schnitte schräg aus-
geführt werden. Nachdem alle Schnitte ausge-
                                                   Abbildung 5.23:
führt worden sind, kann das Reststück an einge- Herausnehmen des Reststückes
schraubten Haken herausgehoben werden. Da
das Reststück ein hohes Gewicht aufweist, bietet sich der Einsatz eines Hebegerätes
(z.B. Kettenzug) an (siehe Abbildung 5.23).

Wird von unten nach oben gearbeitet, muss das Reststück entweder wieder mit
Holzbalken am Herunterfallen gehindert werden oder es muss mit einer Bausprie-
ße gestützt werden. Aufgrund des hohen Gewichtes (etwa 100 - 200 kg) ist das
Herausnehmen des Reststückes wieder aufwendig. Bei entsprechender Raumhöhe
können die Arbeiten mit einem Arbeitsgerüst beschleunigt werden.

Verwendung einer Betonkettensäge
Die Betonkettensäge ist nur von einer Person
zu bedienen und aufgrund kurzer Rüstzeit
schnell einsatzbereit. Ein Werkzeug zum
Schneiden des Betonstahls ist nicht notwendig.
Eine Druckwasserversorgung oder eine Was-
serpumpe mit ausreichend Druck wird benö-
tigt. Voraussetzung für den Durchbruch ist eine
Beobachtungsbohrung oder genaue Kenntnis
über die Situation hinter der Wand, da eine grö- Abbildung 5.24:
ßere Menge Wasser in den Raum hinter der Mögliche Schnittrichtungen der
Wand eintritt, im Versuch wurden 42 l gemes- Betonkettensäge
sen und Verletzungsgefahr besteht. Mit der
Betonkettensäge kann senkrecht in den Beton eingestochen werden. Wie bei
Motorsägen für die Holzbearbeitung erfolgt der Vorschub unter Zuhilfenahme des
Krallenanschlages.



168
Betonstahl lässt sich weit schlechter als Beton schneiden. Stahlstäbe sollten nicht
unter einem spitzen Winkel oder parallel zur Längsachse angeschnitten werden, da
sonst die Schnittfläche im Stahl zu groß wird. Mit einem Bewehrungsortungsgerät
kann man dies vermeiden. Stellt man während des Schneidens fest, dass ein Stahl-
stab längs angeschnitten wird, ist es meist günstiger, den Schnitt mit Versatz
weiterzuführen.

Wird die Kette vor der Fertigstellung des Durchbruches gewechselt, besteht die
Gefahr, dass sich die neue Kette beim Ansetzen verklemmt.

Verwendung eines hydraulischen Spaltgerätes zum Erstellen eines
Durchbruches
Bei Verwendung eines hydraulischen Spaltgerätes für einen Durchbruch können
die Bohrlöcher in einem größeren Abstand angelegt werden als bei Verwendung
eines Spaltwerkzeuges, da erheblich mehr
Druckkraft entwickelt wird. Drei Bohrungen
werden mit jeweils 20 bis 40 cm Abstand                              Spaltgerät
konisch aufeinander zulaufend angebracht. Mit
dem Spaltgerät wird dann der Beton zwischen
den Bohrungen herausgepresst. Nun können
weitere Bohrungen senkrecht in die Wand bzw.
Decke ausgeführt werden um von dort aus in Abbildung 5.25:
Richtung entstandener Öffnung weitere Beton- Ansetzen des Spaltgerätes
teile herauszubrechen.

Das Verfahren ist auch zum Bearbeiten von stark bewehrtem Beton geeignet. Der
Betonstahl wird zum Teil zerrissen. Werden ganze Betonstücke im Randbereich
einer Platte abgetrennt oder werden Platten geteilt, können alle Stahlstäbe zerris-
sen werden.


5.3.4   Erstellen von Stollen und Schacht

Ein Stollen soll zum Erreichen eines bestimmten Punktes in Boden oder Trüm-
merschutt vorangetrieben werden, wenn dieses Ziel nur mit großem Arbeitsauf-
wand, Beeinträchtigung der Trümmerstruktur oder Gefährdung Verschütteter über
einen offenen Einschnitt zu erreichen ist. Das Anlegen eines Stollens ist sehr zeit-
aufwendig, wie schon von Maack [Maack, 1942] beschrieben wurde und es sich
bei den durchgeführten Versuchen herausgestellt hat. Das Erstellen eines Ret-
tungsstollens erfordert Übung und Erfahrung und wird zur Zeit in Deutschland
sehr selten praktiziert.

Trümmerschutt kann aus unterschiedlichen Bestandteilen bestehen. Feinkörniges
Material ergibt sich aus zerstörten Mauerfugen, Putz und besonders aus Füllungen
von Holzdecken. Einrichtungsgegenstände und Konstruktionsteile aus Holz und
Stahl und gemischten Materialien werden ebenso vorhanden sein wie Mauerstücke,
Mauersteine und Betontrümmerstücke. Der Trümmerschutt liegt lose, besonders


                                                                               169
das feinkörnige Material muss durch
Verschalungen zurückgehalten werden.
Gleichzeitig sollen große oder lange
Trümmerstücke nicht durchbrochen wer-
den, da es sonst zum Freisetzen von
Spannungen und einer Schuttumlagerung
kommen kann. Darum ist besonders das
Vordringen durch gemischten Schutt
schwierig bis unmöglich. Das Vorgehen
ist in Abschnitt 3.7.3 und 3.7.5 be-
schrieben.

Bei dem Vordringen in großstückigen
Trümmern wird kein Stollen sondern
ein Kriechgang angelegt [KatS-LA 261,
1986, S.99]. Es werden nur einzelne Ab-
stützungen gesetzt, Hindernisse werden Abbildung 5.26:
möglichst umgangen. Dies entspricht Pionierrahmen bzw. Schurzholzrahmen zum
auch dem Vordringen in Schichtungen Stollenverbau nach [Lischke, 1990]
mit Hohlräumen. Ist Erdboden zu durch-
dringen, kann einfacher als mit bergmännischem Verbau der Vortrieb durch Pio-
nierrahmen bzw. Schurzholzrahmen gesichert werden (Abbildung 5.26).

Ziel eines Stollens ist es häufig, die Kellerwand zu erreichen, um dort einen
Durchbruch auszuführen. Meist wird es wesentlich schneller sein, die Randtrüm-
mer in diesem Bereich zu durchsuchen und einen Graben oder Schacht neben der
Kellerwand anzulegen. Dies kann mit Hilfe eines Hydraulikbaggers oder des Ber-
gungsräumgerätes mit Baggeranbau erfolgen. Liegen Leitungen in dem Bereich,
muss vorsichtig gegraben werden. Eine Person mit Schaufel muss den Vorgang
unterstützen und den Baggerfahrer einweisen. Mit einem Saugbagger können Lei-
tungen sensibler freigelegt werden. Der Graben oder Schacht kann mit einem Gra-
benverbausystem (Abschnitt 4.6.5.) weit schneller gesichert werden, als mit den
üblichen Verbaumethoden [DIN 4124].

In Abschnitt 3.7.4 wurden die Ergebnisse der Versuche zum Anlegen von Schäch-
ten dargestellt. Das Vorgehen ist stark von der jeweiligen Situation abhängig,
jedoch sollte beim Anlegen eines Schachtes in Trümmerschutt zum Befreien eines
Verschütteten nach Möglichkeit der Schacht seitlich von ihm versetzt angelegt
werden, um keine tragenden Strukturen oberhalb des Verschütteten zu zerstören
und ihn vor herabrieselndem Staub und Schutt zu bewahren.




170
5.4     Einsatz von Kranen
Mobilkrane sind in Deutschland für Last-
momente von ca. 500 tm bis 1000 tm
schnell verfügbar und für ein vollständi-
ges und sensibles Abräumen großer
Trümmerstücke, wie sie bei der Verwen-
dung von Stahlbeton entstehen, unerläss-
lich. Auch zur Unterstützung bei konven-
tionellen Trümmerstrukturen werden sie
häufig mit Erfolg hinzugezogen (z.B.
Düsseldorf Krahestraße, 1997, Berlin
Lepsiusstraße, 1998).

Bei der Feststellung von erheblichen
Schäden an der tragenden Struktur soll-
ten die üblicherweise bei den Feuerweh-
ren vorhandenen Mobilkrane sofort
angefordert werden. Diese genügen aber
in den meisten Fällen wegen ihrer Last-
momente von maximal 30-50 tm nicht
den gesamten Anforderungen, die sich
bereits bei weniger umfangreichen Ein-
sätzen ergeben. Darum wird in den meis-
ten Fällen zusätzlich ein Mobilkran Abbildung 5.27
angemietet oder im Verteidigungsfall Kraneinsatz nach einer Gasexplosion in Ber-
auch requiriert werden. Der Einsatzleiter lin Lepsiusstraße [Berufsfeuerwehr Berlin,
sollte bereits frühzeitig den Bedarf 1998]
ermitteln, da die Aufstellfläche freige-
halten bzw. freigeräumt werden muss und die gesamte (Baustellen)-Einrichtung
abhängig von dem Kranaufstellort ist [Lennerts, 1996]. Dabei ist darauf Wert zu
legen, dass bereits von Anfang an die richtige Krangröße geordert wird, da ein
Wechsel des Krans oder die Bestellung des Krans erst beim Auftauchen eines kon-
kreten Problems zeitliche Verzögerungen mit sich bringt, die nicht zu verantwor-
ten sind, wenn es um Menschenrettung geht.


5.4.1   Kranauswahl

Für die Auswahl des Krans sind die zu erwartenden Lasten abzuschätzen und die
räumlichen Verhältnisse zu berücksichtigen. Aus Traglasttabellen der verschiede-
nen zur Verfügung stehenden Krane wird ermittelt, welcher Kran für die vorlie-
gende Aufgabe am besten geeignet ist. Dafür sind folgende Kenngrößen möglichst
für verschiedene Lastfälle zu ermitteln:




                                                                               171
Traglast (Gewicht des zu hebenden Trümmerstücks) G [t]

Arbeitsradius, Abstand zwischen Drehachse des         r [m]
Kranes und Mittelpunkt der zu hebenden Last

Möglichst mehrere Lastmomente angeben!                G · r [t m]

Höhe Kranhaken über Standpunkt Kran,                  hkranhaken [m]
Gehänge (Traverse...) berücksichtigen

Lage von Hindernissen                                 dHindernis [m], hHindernis [m]

Maximale Arbeitshöhe                                  hmax [m]

Zufahrt, Durchfahrtshöhenbegrenzung, Steigung, enge Kurven, maximales Fahr-
zeuggewicht

Aufstellort, Flächenbedarf, Untergrund (Grundbruchgefahr, Einbrechen in Tief-
garagen, Kanäle usw.)


Stahlbetonfertigteile wiegen normalerweise unter 10 t, häufig weniger als 5 t.
Stahlbetondecken, die als Ganzes oder als großes Trümmerteil entfernt werden
sollen, können schnell bis zu 50 t Gewicht haben. Ist die Beschaffung eines Kra-
nes für die größten zu erwartenden Trümmerteile zu aufwendig oder nicht mög-
lich, so müssen die Teile vor Ort so weit zerlegt werden, dass ein Anheben möglich
wird. Es können auch zwei oder drei Krane parallel verwendet werden, was für die
Kranfahrer eine anspruchsvolle Aufgabe bedeutet. Dies wird bei großen und
schweren Lasten durchgeführt. Der Vorteil ist neben der Erhöhung der Traglasten
die Möglichkeit, die Neigung und Position des angehängten Teils exakt steuern zu
können. Dies vereinfacht ein sensibles Anheben von Trümmerteilen. Bei
besonders schwierigen Situationen ist auch der Einsatz dreier Krane möglich, um
die Neigung des Trümmerteils in zwei Richtungen exakt zu beeinflussen. Durch
unterschiedliche Abstände von Anhängepunkt zum Schwerpunkt des Teils können
auch unterschiedliche Lasten für die einzelnen Krane ermöglicht werden. So hat es
sich beim Anheben eines Teils mit zwei Kranen auch als sinnvoll erwiesen, mit
einen Kran schwerpunktnah anzuschlagen, um das Hauptgewicht zu tragen und
mit einem kleineren Kran schwerpunktfern angeschlagen die genaue Position
(Drehung, Neigung) zu kontrollieren.

Hindernisse oder große Arbeitshöhen können die Verwendung einer Gitterspitze,
fest angebaut oder wippbar, bedingen. Dabei verringert sich jedoch die maximale
Traglast.




172
Abbildung 5.28: Zu erfassende Daten für den Kraneinsatz

5.4.2   Das Anschlagen

Durch falsches Anschlagen oder instabile
Bauteile besteht immer die Gefahr des
Herabfallens der Lasten oder Teile davon.
Pendelnde Lasten ergeben sich aus der
Transportbewegung oder durch zum
Schwerpunkt      versetztes Anheben.
Besonders gefährdet sind Helfer in
absturzgefährdeter Position, mit einge-
schränkter Bewegungsfreiheit oder ohne
Blickkontakt zur Last bzw. zum Kranha-
ken. Versperrte Sicht des Kranführers ist
ebenfalls häufig Unfallursache [Barth,
Hamacher, Kliemt, 1993]. Die Unfälle
ereignen sich häufig beim Anschlagen
und Führen der Last. Für einen sicheren
Kraneinsatz bei Rettungs-/Bergungsar-
beiten sind die folgenden Punkte zu
beachten:



Abbildung 5.29: Anschlagen von Trümmerteilen

                                                          173
• Derjenige, der die Lasten anschlägt, sollte dafür speziell ausgebildet sein. Vor-
  zugsweise wird er vom Kranbetreiber gestellt. Er überwacht das Anschlagen und
  Anheben der Lasten und gibt die Kommandos. Dieser Helfer soll nur in größe-
  ren Zeitabständen ausgetauscht werden und anderen Beteiligten in Funktion und
  Verantwortung bekannt sein. Die Kenntnis der Handzeichen ist Voraussetzung.

• Helm, Sicherheitsschuhe und Schutzhandschuhe sind für diesen Helfer selbst-
  verständlich. Aber auch der Umgang mit dem persönlichen Anseilschutz muss
  beherrscht werden, wenn in Höhen, teilweise unter Absturzgefahr, gearbeitet
  wird.

• Der Kranführer und derjenige, der die Lasten anschlägt, sollten dafür verant-
  wortlich sein, dass die Last sicher befestigt ist, nicht über Personen geschwenkt
  wird, nicht schräggezogen wird und weder an Personen noch anderswo anstößt.

• Oftmals besteht kein Sichtkontakt zwischen Kranführer und Last. Dann müssen
  die Anweisungen mit Funkgeräten über-
  mittelt werden.


5.4.3   Anheben von Trümmerteilen

Der Kraneinsatz ist in Phase IV als Unter-
stützung der Rettungsarbeiten auch zum
Sichern, Anheben und Transport großer            Schwenken der Rutschfläche
Trümmerteile zu befürworten. Dazu muss
das Trümmerteil so angeschlagen werden,
dass sich seine Lage während des Anhebens         Falsch!
nicht verändert, da dies zu zusätzlichen
Belastungen der Trümmerstruktur führt.
Abbildung 5.32 zeigt, wie nach einem
Gebäudeeinsturz eine 54 t schwere Decken-
platte angehoben wurde. Sie wurde zwar an        Anheben mit senkrechter Siche-
vier verschiedenen Punkten angeschlagen,         rung ergibt Horizontalkraft im
änderte aber beim Anheben die Lage und           oberen Auflager
belastete dabei die Trümmerstruktur erheb-
lich. Zum Anschlagen sind verstellbare
Ketten, Kettenzüge oder eventuell ein
Greifzug geeignet (Abbildung 5.29, 5c).
Der Kranhaken muss sich über dem
Schwerpunkt des Trümmerteils befinden,
sonst schwenkt das Teil beim Anheben,
kann Helfer oder Verschüttete einklemmen
und schleift über die Auflagefläche. Groß-       Anheben mit Weber
flächige Teile können durchbiegen und            Hydraulikpressen und
                                                 schräger Sicherung
Abbildung 5.30: Einseitiges Anheben



174
durchbrechen. Deshalb sollte die Belastung möglichst gleichmäßig über mehrere
Anschlagpunkten verteilt werden und möglichst senkrecht belastet werden (Abbil-
dung 5.29, 1b, 2b). Dazu sind Traversen besonders geeignet. Alternativ kann mit
mehreren Kranen gearbeitet werden oder es können lange Verbindungsmittel ver-
wendet werden.

Wird ein Trümmerteil nur einseitig angehoben, um z.B. Zugang zu einer verschüt-
teten Person zu erhalten, kann dies in Folge von Schrägzug, aber auch infolge
geneigter Auflageflächen abrutschen (Abbildung 5.29, 4a, 4b). Hier sollten unbe-
dingt zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden, damit keine ungewoll-
ten Bewegungen erfolgen (Abbildung 5.30).

Häufig sind Trümmerteile untereinander oder mit der Gebäudestruktur verbunden.
Sie sollten, bevor die Verbindung getrennt wird, an den Kran angehängt und entlas-
tet werden, sodass nach dem Durchtrennen der Verbindung das Trümmerteil nicht
absacken kann. Zusätzlich sollte das Teil mit Führungsleinen oder Ähnlichem
gesichert werden, damit es nach dem Lösen der Verbindung nicht pendeln kann.
Zur Sicherung des Helfers und eventueller Verschütteter ist es unbedingt notwen-
dig, unkontrollierte Bewegungen der Trümmerteile zu vermeiden.


5.4.4   Anschlagmittel, Gehänge

Trümmerteile können aus Stahl, Holz,
Stahlbeton oder Mauerwerk sein. Ebenso
können Einrichtungsgegenstände, Lagergut
oder Haustechnik mit einem Kran aus dem
Trümmerbereich herausgehoben werden
müssen. Diese Teile sind häufig in sich
instabil, schwer und haben keine Möglich-
keit, mit Lasthaken direkt angeschlagen zu
werden. Rundschlingen oder Hebegurte
können unter dem Trümmerteil durchge- Abbildung 5.31:
führt oder durchgezogen werden. Zum Anheben eines Bauteiles
Durchziehen sind Betonstahlstäbe, z.B.
∅ 6 mm, besonders geeignet. Wird das eine Stabende auf ca. 10 cm Länge um ca.
20-30° abgewinkelt und das andere Ende um 180°, so kann beim Durchschieben
des Stabes durch Drehen Einfluss auf die Richtung genommen werden. Ebenso
können Ketten unter Trümmerteilen hindurch und durch Öffnungen oder Bohrun-
gen durchgezogen werden. Abhängig von der Situation sollten die Gurte oder Ket-
ten gegen seitliches Verschieben an der Last gesichert werden, etwa durch ange-
dübelte Schrauben, mit Seilen oder Spanngurten.

Als Anschlagpunkte können auch Stahlträger oder Holzbalken hinter Öffnungen
des Trümmerteils positioniert werden (Abbildung 5.31) und mit Gurten, Schlingen
oder Ketten umschlungen werden.



                                                                             175
Schwerlastanker können als Anschlagpunkte gesetzt werden und sind bis etwa 15 kN
Tragfähigkeit üblich, dies aber nur für ungerissenen Beton oder Beton in der
Druckzone. Schwerlastanker für Hinterschnitt benötigen zum Anbringen der Boh-
rung spezielle Werkzeuge, sind dann jedoch unempfindlicher gegen Anriss des
Betons im Bohrungsbereich. Werden mehrere Anker gesetzt, müssen diese in
einem gewissen, vom Hersteller angegebenen Abstand gesetzt werden, andernfalls
bilden sich Risse entlang der Bohrungen aus. Eine Abminderung der Tragfähigkeit
in Abhängigkeit des Bohrungsabstandes muss nach Herstellerangaben ermittelt
werden. Bei Trümmerteilen ist jedoch meist davon auszugehen, dass schon feine
Risse vorhanden sind. Beim Anheben werden sich auf jeden Fall die Anker in der
Zugzone des Trümmerteils befinden. Einer Alternative hierzu in Form eines
Schwenkankers wird in Abschnitt 4.23.2 vorgestellt.

Für eine möglichst senkrechte
Krafteinleitung in das Trümmer-
teil sollten Traversen benutzt
werden. Der Neigungswinkel
des Trümmerteils sollte beim
Abheben unbedingt eingehalten
werden (Abschnitt 5.4.3). Dazu
muss die Lage des Schwerpunk-
tes des anzuhebenden Teiles ein-
geschätzt werden, um den Kran-
haken darüber positionieren zu
können und die Verbindungsmit- Abbildung 5.32:
tel sind so zu wählen oder einzu- Kraneinsatz nach Einsturz des „Roten Turms“
stellen, dass das Trümmerteil von Jena [Thüringer, 1996]
beim Anheben den Neigungs-
winkel beibehält. Ein Eckpunkt oder Anschlagpunkt kann mit einem Verbin-
dungsmittel fester Länge angeschlagen werden. Alle übrigen sollten in der Länge
angepasst werden. Bevorzugt kann dies mit verstellbaren Ketten beziehungsweise
mit Ketten mit Verkürzungseinheiten geschehen.

Zum sicheren Anschlagen von Trümmerteilen und zur Vermeidung von Trümmer-
umlagerung ist eine Vielzahl unterschiedlicher Anschlagmittel und Gehänge mit
unterschiedlichen Tragfähigkeiten bis zu 50 kN, Ketten auch bis etwa 100 kN not-
wendig. Bei der Ausstattung von Einsatzkranen ist dies zu berücksichtigen. Eben-
so sollte bei der Bestellung von Kranen der Verleiher unbedingt darauf hingewie-
sen werden, möglichst viele und unterschiedliche und möglichst verstellbare
Anschlagmittel und Gehänge an den Einsatzort mitzubringen. Zum Längenaus-
gleich können sehr gut auch Handkettenzüge oder Ratschzüge verwendet werden.
Diese sind in der Verwendung den Greifzügen ähnlich, jedoch für kürzere Distan-
zen, rauheren Betrieb und größere Lasten geeignet.




176
5.4.5   Schutt-Transport

Schuttmulden, Absetzmulden oder ähnliche Behälter können mit dem Kran an die
Stelle gebracht werden, an der größere Mengen an Trümmerschutt abgetragen
werden müssen (Abbildung 5.27). Die Belastung der Trümmerstruktur kann so
beim Abräumen begrenzt werden, die Transportleistung lässt sich erhöhen. Die
Behälter dürfen jedoch nicht auf Trümmern unbekannten Inhalts abgesetzt wer-
den. Das Verfahren ist besonders geeignet, wenn Trümmer in großer Höhe abge-
tragen werden müssen.


5.4.6   Schnellabstützung

Hat sich eine Wand stark ausgebeult,
kann sie versagen und muss umge-
hend abgestützt werden. Dies kann
schnell mit einem Teleskopkran er-
folgen, obwohl Krane für solche
Belastungen eigentlich nicht zuge-
lassen sind. Im Kranbetrieb müssen
jedoch Horizontalkräfte in geringem
Umfang, wie etwa bei Pendelbewe-
gungen oder nicht exakt über dem Abbildung 5.33:
Lastschwerpunkt eingehängten Kran- Schnellabstützung einer Hausecke mit zwei
haken immer ertragen werden. Eine Teleskopkranen
lastverteilende und schnell zu erstel-
lende Holzkonstruktion wird am Kranausleger eines Teleskopkrans befestigt. Der
Lastverteiler (z.B. Holzpalette) wird mit Hilfe des Krans gegen den Bereich mit
der größten Ausbeulung gepresst. Dabei darf die Kraft nur so groß gewählt wer-
den, dass die Wand sich nicht weiter ausbeult. Es soll nicht versucht werden die
Auslenkung rückgängig zu machen, denn dafür werden zu große Kräfte in die
Trümmer eingeleitet, die dann zu anderen Schäden führen können. Wegen der
leicht zu schädigenden Trümmerstruktur und wegen der für den Kran unzulässigen
Belastung ist äußerst feinfühliges Vorgehen des Kranfahrers notwendig.


5.5     Abstützungen
Beim Abstützen einsturzgefährdeter vertikaler Bauteile ist zu unterscheiden, ob
das Bauteil nur nach außen stürzen kann, weil es z. B. durch Trümmer nach außen
gedrückt wird, oder ob es wie eine freistehende Wand in verschiedene Richtungen
stürzen kann. Der Strebstützbock, der im THW verwendet wird, basiert auf den
Angaben der Fibel des THW II/10 Seite 20-36 [Fibel, 1984] und der KatS-LA 261,
S. 68-75 [KatS-LA 261, 1986] und ist nur für Druckkräfte ausgelegt. Zugkräfte
müssen durch gesonderte Befestigung des Bockes mit der Wand aufgenommen
werden. Durch Gurte, Seile oder durch individuell angepasste zangenförmige
Holzkonstruktionen können auch Zugkräfte aufgenommen werden. Allerdings


                                                                            177
müssen die Verbindungen am Strebstützbock auch zugbelastbar ausgeführt wer-
den. Sind größere Zugkräfte zu erwarten als durch das Eigengewicht des Streb-
stützbockes abgefangen werden können, muss der Bock am Boden verankert wer-
den oder es müssen Gewichte an der Treiblade befestigt werden. Wird der
Strebstützbock durch Anpressdruck belastet, ergeben sich vertikale Kräfte, die den
Bock in Höhe des Streichbalkens abheben können. Diese Vertikalkräfte können
abhängig von der Höhe der eingeleiteten Horizontalkräfte einen größeren Betrag
als diese Horizontalkräfte erreichen. Aus diesem Grund müssen ebenfalls Maß-
nahmen gegen das Abheben ergriffen werden. Möglich sind auf Höhe des Streich-
balkens an der Treiblade befestigte Gewichte, Verankerung im abzustützenden
Bauteil mit Schwerlastankern oder einer Gewindestange mit Durchgangsbohrung
im Trümmerteil. Auch das Setzen von Knaggen unter Tür- und Fensterstürze ist
möglich. Der Aufbau des Strebstützbockes nach [Fibel, 1985] ist zeitaufwendig
und bedarf der Übung und Erfahrung. Von Blockhaus wurde ein vorgefertigtes
Strebstützsystem entwickelt [Blockhaus, 1998], das wesentlich schneller zu mon-
tieren ist und bereits in mehreren Einsätzen erfolgreich aufgebaut wurde.

Abstützungen sind auch durch Systemgerüste oder Fertigschalungskomponenten
zu realisieren. Hier sind Kontakte und Vorgespräche mit den jeweiligen in Frage
kommenden Firmen vor Ort durchzuführen. Besonders auch die Versorgung mit
zusätzlichen Bausprießen muss abgeklärt werden, da häufig mehrere hundert
Sprießen benötigt werden. Ergänzende Details zur Ausführung senkrechter
Abstützungen sind in Anhang B genannt.


5.6    Abbruch von Spannbeton
In Spannbetonteilen ist Energie ge-
speichert, die beim Abbrechen frei wird. Es
sind grundsätzlich zwei Vorspannungsarten
zu unterscheiden. Die Vorspannung, die
beim Betonieren des Bauteils aufgebracht
wird und Vorspannung, die nach dem Beto-
nieren des Bauteils erfolgt, im Folgenden
nach [Atlas-Copco, 1985] nachgespannt
genannt.

Vorgespannte Bewehrung, Litzenvorspan-
nung, wird bei Fertigteilen eingesetzt. Die
Vorspannung erfolgt im so genannten
Spannbett während des Betoniervorgangs.
Die Spannkräfte werden im fertigen
Zustand über die ganze Länge der Beweh-
rungsstähle auf den Beton übertragen. Es
gibt keine äußeren Anzeichen für diese Vor-   Abbildung 5.34:
spannung. Fertigteile, die auf Biegung        Spannkopf im Schnitt und nachgespannte
beansprucht werden, wie Decken bzw.           Brücke [Matthes, Weber, Zilch 1997]



178
Deckenstreifen oder Träger sind meist vorgespannt Die Verbindungen zwischen
den Fertigteilen können gelöst werden. Die vorgespannten Bauteile selbst sollten
nach Möglichkeit am Stück belassen werden. Müssen sie zerkleinert werden,
besteht bei Teilen bis etwa 7 m Länge keine besondere Gefahr [Atlas-Copco,
1985]. Allerdings können sich diese Bauteile beim Abbruch verformen oder ver-
winden. Darum sollten nach Möglichkeit die Betonteile nicht in einem Arbeits-
gang schlagartig sondern schrittweise zerlegt werden.

Nachgespannte Bauteile haben meist
eine große Spannweite. Typisch für
diese Bauweise sind die Träger von
Stahlbetonbrücken. Bei sehr großen
Brücken können die Träger auch
begehbar sein. In einem von der
Festigkeitsentwicklung des verwen-
deten Betons abhängigen Zeitraum
nach dem Betonieren des Baukör-
pers wird der Spannstahl in die
Spannkanäle eingefädelt und die
Spannung aufgebracht. Die Enden
des Spannstahls werden verankert
(Abbildung 5.34 oben) und die
Spannkanäle werden meist zum
Schutz vor Korrosion mit Mörtel
verpresst. Abbildung 5.34 unten zeigt Abbildung 5.35:
eine offene Bauweise. Nachgespannte Progressiv nachgespannter Träger [Atlas-Copco,
Bauteile lassen sich an den Spann- 1986]
schlössern erkennen, die allerdings
hinter Abdeckungen verborgen sein können oder einbetoniert werden. Auch die
Schlankheit eines Bauwerkes weist darauf hin, dass ein Teil der Belastung durch
eine Vorspannung ertragen wird. Da die Kraftübertragung der Zugkräfte über die
Spannanker erfolgt, wird große Energie schlagartig frei, wenn das Bauteil, der
Spannstahl oder der Spannanker beschädigt wird. Darum sollten nachgespannte
Bauteile nur am Stück entfernt werden. Zum Anheben sind die Bauteile in der
Nähe der Auflagerpunkte anzuschlagen, da andernfalls die Umkehrung der Belas-
tung zum Versagen des Bauteils führt. Vor Abbruch eines nachgespannten Bauteils
ist unbedingt ein Spezialist hinzuzuziehen, der gegebenenfalls die Spannstähle ent-
spannen kann. Bei Spannbetonbauwerken, die aus Fertigteilen zusammengesetzt
sind, können außer der nachträglich aufgebrachten Spannung bereits die Fertigteile
im Spannbett vorgespannt sein. Die nachträglich aufgebrachte Spannung ist um
ein vielfaches größer als die im Spannbett aufgebrachte.

Progressiv nachgespannte Bauteile sind wie nachgespannte Bauteile zu behan-
deln. In Abbildung 5.35 wird ein Beispiel gezeigt. Diese Bauteile werden bei
zunehmender Belastung im Zuge des Baufortschritts gespannt. Wird die Belas-
tung reduziert, was nach einem Teileinsturz oder bei Abbrucharbeiten der Fall sein
kann, zerstört sich das Bauteil infolge der reduzierten Last durch die Spannkräfte


                                                                              179
Tabelle 5.6: Vergleich der Abbruchverfahren für Spannbeton




180
selbst. Das Bauteil knickt nach oben aus und zerstört noch erhaltene darüberlie-
gende Gebäudeteile.

Dieses Problem mit unter Zugspannung stehenden Bauteilen ergibt sich auch beim
Durchtrennen von ganzen Stahlbetonteilen oder von freiliegendem Bewehrungs-
stahl, wenn diese Bauteile belastet sind. Wobei bereits die Belastung aus Eigenge-
wicht ausreicht. Bei Bauteilen in einem Trümmerkegel ist die Art der Belastung
selten eindeutig erkennbar. Bei den Räumungsarbeiten des THW in Armenien
1988 ist diese Situation wiederholt aufgetreten. Auf jeden Fall muss das abzutra-
gende Trümmerteil mit Hilfe von verstellbaren Anschlagmitteln und möglicher-
weise Traversen so angeschlagen und angehoben werden, dass höchstens geringe
Lasten von diesem Teil in die anderen Trümmer weitergeleitet werden. Da dies oft
nur schwer einzuschätzen ist, muss das Teil stückweise herausgetrennt werden,
wobei immer mit einer plötzlichen Bewegung zu rechnen ist. Sind die Risiken
einer ungewollten Bewegung beim Anheben zu groß, kann das Trümmerteil mit
Hilfe von ungefähr horizontal verlaufenden Seilen in Position gehalten werden.
Hierfür bieten sich die beim THW verwendeten Greifzüge an.


5.7     Sicherungsmaßnahmen
5.7.1   Schutznetze

An der Schadenstelle besteht häufig die Gefahr herabfallender Trümmerteile. Dies
sind insbesondere Mauerstücke, Verkleidungsteile und Einrichtungsgegenstände.
Da an verschiedenen Stellen gearbeitet wird, besteht auch die Gefahr, dass diese
Teile erst durch die Arbeiten gelöst werden oder ein Werkzeug herunterfällt und
so unterhalb arbeitende Helfer gefährdet werden. Neben der Koordinierung der
Arbeiten durch den verantwortlichen Einsatz- oder Abschnittsleiter und der Ver-
wendung persönlicher Schutzausstattung (Schutzhelm, Sicherheitsschuhe) können
Gefahrenstellen zusätzlich mit Schutznetzen gesichert werden. Hierzu wurden
durch Blockhaus, OV Hückelhoven, Versuche durchgeführt. Dabei sind zwei Stan-
dards zu unterscheiden. Zum einen Auffangnetze, die bei Montagearbeiten Ver-
wendung finden und mit einer Maschenweite von ca. 5 cm gebräuchlich sind. Sie
sind durch eine stumpfe aus 6 m Höhe herabfallende Masse von 130 kg belastbar.
Zum zweiten Schutznetze gegen herabfallende Gegenstände, die mit einer
Maschenweite bis zu 2 cm eingesetzt werden. Diese haben eine geringere Belast-
barkeit, als die weitmaschigen Netze. Werden die feinmaschigen Netze auf den
tragenden Netzen befestigt, können sowohl kleine als auch schwere Gegenstände
aufgefangen werden. Ein Nachteil dieser Netze ist, dass sie von scharfkantigen
Objekten, auch schon bei geringeren Fallhöhen und Massen als die der oben
genannten Prüfbedingungen, zerschnitten werden und diese dann durchfallen.
Hier helfen feste Planen oder Matten, die auf den Auffangnetzen befestigt werden.

Schutznetze sollten möglichst dicht an der Entstehungsstelle der Gefahr ange-
bracht werden. Sie können waagerecht gespannt werden oder senkrecht vor Wän-
de gespannt werden. Zum Aufhängen können Feuerwehrdrehleitern oder Teles-
koparbeitsbühnen benutzt werden. Schwerlastanker sind nützlich, wenn keine

                                                                             181
anderen Aufhängepunkte vorhanden sind. Die verbliebene Tragfähigkeit der Hal-
testruktur muss dabei berücksichtigt werden.


5.7.2    Schutzdächer

Schutzdächer dienen dem gleichen Ziel wie die Schutznetze. Am schnellsten las-
sen sie sich aus Systemgerüstbauteilen herstellen. So können gefährdete Arbeits-
plätze wie bei Wanddurchbrüchen oder Eingangsbereiche gesichert werden. Die
Schutzwirkung ist zwar begrenzt aber für die meisten Fälle ausreichend. Der
Bedarf zeigte sich auch in Vincent [Vincent, 1988], in dem Todesfälle von Feuer-
wehrmännern nach Teilzusammenstürzen von Gebäuden beschrieben werden, die
durch Schutzdächer hätten verhindert werden können.


5.7.3    Regenschutz

Bei starken Niederschlägen, geborstenen Wasserleitungen oder Löschwasseranfall
besteht die Gefahr des Ertrinkens von Verschütteten. Wenn möglich sind die Ursa-
chen abzuschalten und das Wasser ist aus den Räumen abzupumpen. Bei starkem
Niederschlag ist es darum empfehlenswert, Planen über das Gebäude zu spannen,
um das Regenwasser vom Gebäude fortzulenken. Zum Anbringen sind Feuerwehr-
drehleiter oder Teleskoparbeitsbühnen geeignet. Greifzugseile und Systemgerüste
eignen sich als Haltestruktur. Der Kraneinsatz kann jedoch behindert werden.


5.8      Anmieten von Geräten und Bedienpersonal
Das Anmieten von Geräten, die nicht vorgehalten werden können, ist eine übliche
Praxis in der Bauwirtschaft und wird auch von den Feuerwehren praktiziert. Dafür
werden in den Einsatzzentralen die Informationen über die ausleihbaren Geräte
bereitgehalten. Die Art der Erfassung ist abhängig von der jeweiligen Feuerwehr,
                                    .
erfolgt aber zunehmend mittels EDV Die Listen sollten nach Geräteart aufgebaut
sein. Der Abgleich der Daten sollte mindestens jährlich erfolgen und auch organi-
satorisch vorgesehen werden. Als wesentliche Daten sind zu ermitteln:

•   Firma
•   Adresse
•   Telefon, möglichst auch Mobiltelefon
•   Geschäftszeiten
•   Ansprechpartner zu Geschäftszeiten
•   Ansprechpartner/Telefon außerhalb der Geschäftszeiten
•   Vorhandene Geräte, technische Daten
•   Geräte werden zur Verfügung gestellt mit/ohne Personal
•   Selbständiger Antransport zum Schadensort möglich
•   Bemerkungen, z.B. Atemschutzausbildung von Bedienern, Bereitschafts-
    dienst...


182
THW-Einheiten verfügen über speziell ausgebildetes Personal, spezielle Werkzeu-
ge und Hilfsmittel für den Rettungs-/Bergungseinsatz nach Gebäudeschäden. Als
Spezialisten sollten sie in der Lage sein und die Kompetenz besitzen, weitere spe-
zialisierte „Subunternehmer“ mit dem Ziel eines optimalen Einsatzes mit einzu-
beziehen. Im Abschnitt 4 wurden geeignete Geräte zusammengefasst, die auch
geliehen oder angemietet werden können. Eine Beschleunigung der Rettungsein-
sätze ist zu erwarten, wenn bereits im Vorfeld ein Kontakt zwischen diesen Ret-
tungseinheiten und Verleihern (Spezialunternehmen, Baufirmen, Baugerätever-
mieter usw.) hergestellt wurde, um während des Einsatzes eine genaue Vorstellung
von den lokal zur Verfügung stehenden Geräten und Hilfsmitteln und deren
Anwendungsmöglichkeiten zu haben. Darum müssen dem THW-Einsatzleiter
Listen mit dem von ihm benötigten Spezialgerät vorliegen.

Als Beispiel seien Mobilkrane, Hydraulikbagger und Saugbagger genannt. Mit
einer genauen Kenntnis über Anbieter, Kontaktpersonen und Gerätedaten kann der
auf schwere Rettung/Bergung spezialisierte Einsatzleiter des THW schnell und
zielgerichtet die passende Unterstützung anfordern. Dies wird über die Gesamt-
einsatzleitung erfolgen, ist aber schneller und sicherer als wenn von dem Spezialis-
ten eine Arbeitsleistungen angefordert wird und die Gesamteinsatzleitung das
dafür ihrer Meinung nach geeignete Gerät auswählt und anfordert.

Die Kooperation mit lokalen Anbietern geeigneter Geräte sollte bereits im Vorfeld
geübt werden. Die Kosten können auf Spendenbasis gering gehalten werden.
Saugförderfahrzeuge z.B. können zum Abtrag kleinbrockigen Schutts eine große
Hilfe sein, ein entsprechender Siebvorsatz, der das Einsaugen von Trümmerstü-
cken oder gar Körperteilen verhindert, muss allerdings vorhanden sein oder von
Anwenderseite gebaut und angepasst werden und anlässlich einer Übung lokal
erprobt werden.

Da für schwere Bergungs-/Rettungsmaßnahmen Stunden bis Tage benötigt wer-
den, ist das Heranholen von Spezialisten aus großen Entfernungen oder von
schwerem Gerät von Privatfirmen auch trotz des höheren Zeitbedarfs für die
Anfahrt in Betracht zu ziehen, da bereits mit den vor Ort vorhandenen Mitteln
begonnen werden kann und nach Eintreffen der zusätzlichen Kräfte die Arbeiten
beschleunigt werden. Dabei sollte die Entscheidung für das Heranholen von Ver-
stärkung durch Spezialisten (z.B. SEEBA) oder private Anbieter (z.B. Mobilkran)
frühzeitig erfolgen.


5.9     Beobachter Reststabilität
Aus Abschnitt 6 zeigt sich der Bedarf an einer standardisierten Vorgehensweise
bei der Beurteilung und Beobachtung einsturzgefährdeter Bauteile und Strukturen
während der Rettungsmaßnahmen.

Verantwortlich für die Sicherheit sind alle in der Hierarchie vom Helfer bis zum
Einsatzleiter. Der Helfer muss sorgfältig arbeiten, bei Gefahr sofort handeln und


                                                                               183
Beobachtungen an seinen Vorgesetzten weitergeben, der dann die in seinem Ver-
antwortungsbereich liegenden Maßnahmen ergreift und wiederum weitermeldet.

Der Einsatzleiter wird einen Sachverständigen heranziehen, der anhand der
Baupläne und seiner Beobachtungen auf mögliche Gefahren hinweist und zu
beobachtende Details vorschlägt. Da sich die Trümmerstruktur während der Ber-
gungsmaßnahmen meist verändert und neue Beobachtungen die Gefährdungs-
einschätzung beeinflussen können, wird eine ständige Betreuung durch einen Bau-
sachverständigen in vielen Fällen angeraten sein.

Da jedoch die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen nicht nur auf der Beobach-
tung der Trümmerstruktur liegen kann, ist bei einer Gefährdung eine ständige
Beobachtung durch einen eigens hierfür abgestellten Helfer angeraten. Hilfsmittel
wie Lote und Markierungen oder optische Vermessung unterstützen seine Arbeit.
Die Aufgaben und Beobachtungspunkte müssen genau definiert sein. Bei Ände-
rungen muss er sich an den Verantwortlichen seines Beobachtungsbereichs wen-
den und Meldung machen.




184
6      Resttragfähigkeit
Für die Einsatzkräfte, die in geschädigte Gebäude vordringen um Verschüttete zu
retten, ist das Erkennen des Tragwerkes des betreffenden Gebäudes und die Ein-
schätzung seiner verbliebenen Tragfähigkeit äußerst wichtig. Bei zerstörten
Gebäuden muss die neue Tragstruktur, die sich aus den Trümmerteilen gebildet
hat, sowie die Tragfähigkeit dieser Trümmerteile abgeschätzt werden.

Um über Abriss oder Sanierung von betroffenen Gebäuden nach Einzelschäden
und auch nach großen Schadensereignissen zu entscheiden, werden nach der Ret-
tung und Bergung der Verschütteten Fachleute zu Rate gezogen, die sich mit die-
sen Gebäuden ausführlich und dann ohne großen Zeitdruck auseinandersetzen und
die verbliebene Tragfähigkeit auch rechnerisch bestimmen [Park, u.a., 1985, Rou-
faiel, Mayer, 1987]. Mit der Absicht, die Erdbebenkarten zu verbessern, bestim-
men Hampe, Schwarz und Grünthal [Hampe, Schwarz, 1991, Grünthal, 1993] die
Stärke eines Erdbebens über die vorhandenen Zerstörungen im Bebengebiet unter
Beachtung der Gebäudeanfälligkeit. Auch diese Betrachtungen erfolgen nicht
unmittelbar nach dem Schadensereignis. Die Ergebnisse der verschiedenen Unter-
suchungen können zur Abschätzung der verbliebenen Tragfähigkeit mit verwendet
werden, sind jedoch nicht für die Entscheidung, welche Gebäudeteile noch betre-
ten werden können oder in welche Trümmerstrukturen eingedrungen werden kann,
aufbereitet.

Deshalb wird dringend als Basis für notwendige Rettungsmaßnahmen eine schnel-
le Abschätzung der verbliebenen Tragfähigkeit der Bauteile bzw. des Gebäudes am
Schadensort benötigt. Die zukünftige Verwendung des Gebäudes spielt dabei kei-
ne Rolle. Idealerweise erfolgt die Beurteilung der Tragfähigkeit direkt vor Ort
durch Mitglieder der Rettungsmannschaften mit entsprechender fachlichen Quali-
fikation.


6.1    Gliederung Resttragfähigkeit
Die Abhandlung über die Beurteilung der Resttragfähigkeit ist ein neuartiges
Werkzeug, das speziell zu diesem Thema hergestellt wurde. Sie ist in drei Teile (A,
B und C) gegliedert. Der Teil A, Grundlagen zum Verständnis von Tragwerken,
wurde für alle Interessierten zusammengestellt, die sich in dieses Themengebiet
einarbeiten wollen, aber keine Ausbildung in dieser Richtung haben. Es werden
beginnend mit der Wirkungsweise von Kräften und Momenten über die Werk-
stoffeigenschaften, die Tragwerksplanung und die Konstruktion von Standard-
bauteilen bis hin zu den theoretischen Grundlagen von Bogen und Gewölben die
baustatischen Grundlagen behandelt. Spezielle Phänomene wie Momentenumla-
gerung und die Bildung plastischer Gelenke werden ebenfalls erklärt. Diese
Kenntnisse werden zur Beurteilung der Beanspruchung von Bauteilen und Bau-
werken dringend benötigt.




                                                                              185
Im Teil B werden zuerst die verschiedenen Bauweisen und ihre Bauteile vorge-
stellt, um die ursprüngliche Lastabtragung von Tragwerken und die möglichen
Traglastreserven beurteilen zu können. Dabei wird besonders auf solche aus Stahl-
beton eingegangen. Diese Zusammenstellung ist als Ergänzung zu den KatS-LA
261 [KatS-LA 261, Seite 9 bis 24, 1986] und zu Teil II/10 der Fibel des Techni-
schen Hilfswerks [Fibel, Seite 1 bis 50, 1988] zu verstehen. Dann werden die
Schädigungen an den einzelnen Bauteilen für die verschiedenen Baustoffe aus-
führlich diskutiert. Dabei zeigt sich, dass es zur Beurteilung eines Schadens kein
genau zu definierendes Rissbild oder eine solche Rissbreite oder Durchbiegung
gibt. Vielmehr müssen alle diese Kriterien zusammen mit der Gesamterscheinung
gewertet werden. Danach wird an einfachen Beispielen für die einzelnen Bauwei-
sen dargestellt wie sich Bauteilausfälle auswirken können. Diese Betrachtung
führt zur Skizzierung eines Rundgangs durch den jeweiligen Gebäudequerschnitt
bei den verschiedenen Bauweisen. Die Bauteile, die sich auf diesem Rundgang
befinden, sind das Minimum der genauer zu untersuchenden Bauteile bei dieser
Schädigung. Die Trümmerstrukturen, in die sich die verschiedenen Bauweisen bei
totalem Versagen auflösen, werden im darauf folgenden Kapitel beschrieben.
Dabei wird auch auf den möglichen Kräfteverlauf bei der horizontalen Schichtung
und beim Trümmerkegel eingegangen. An Beispielen werden grundsätzliche
Gedanken zu Gewölben aus Trümmern festgehalten. Zur Definition des Zerstö-
rungsgrades eines Bauteils oder eines Gebäudes werden die Schadensklassen von
1 bis 5 wie international üblich vorgeschlagen, wobei 1 geringfügiger Schaden und
5 kompletter Schaden mit Einsturz bedeutet. Die Schadensklassen werden jeweils
durch ein gut einzuprägendes Schlagwort charakterisiert. Einzelne Bauteile und
das Gesamtgebäude werden dabei mit den gleichen Bezeichnungen klassifiziert.
Die Schadensklassen werden den Bauteilen und in einem Überblick den Gebäuden
zugeordnet. Die Schadensklassen der Gebäude geben Auskunft über die Dring-
lichkeit von Abstützmaßnahmen zur Durchführung von Rettungsarbeiten. Die
Angabe einer Schadensklasse für das ganze Gebäude wird nur für großflächige
Schädigungen, wie einer Großschadensstelle oder einem Schadensfeld notwendig,
um einen Überblick zu erhalten.

Im Teil C, dem Wegweiser für den Gebrauch vor Ort, werden die Schadensklassen
den einzelnen Bauteilen mit Bildern und Kurzbeschreibungen zugeordnet. Um
alle für die verschiedenen Bauweisen gebräuchlichen Bauteile aufzuzeigen, wer-
den die Bauteile für die Bauweisen jeweils gesondert zusammengestellt. Deshalb
sind z.B. Stahlbetonstützen bei den vertikalen Bauelementen, die alle auch im
Mauerwerksbau vorkommen können, aufgeführt und werden noch einmal bei den
drei verschiedenen Stahlbetonskelett-Bauweisen, mit biegesteifen Rahmen, mit
steifem Kern und mit Flachdecken, genannt. Zu Beginn der Abhandlung über die
Resttragfähigkeit stand die Idee zu diesem Wegweiser. Damit die aufgeführten
Schäden an Bauteilen jedoch auch richtig eingeordnet werden können, ist das Stu-
dium der Teile A – Grundlagen – und B – Beurteilung der Resttragfähigkeit – drin-
gend erforderlich.




186
6.2    Vorgehensweise
Bei der Beurteilung der Resttragfähigkeit sollte immer nach einem gleichen Sche-
ma vorgegangen werden. Von der ersten Besichtigung bis zu den Vorarbeiten zur
Rettung Verschütteter und den Beobachtungen, die neben der eigentlichen Rettung
notwendig sind, erfolgen alle Maßnahmen in einer noch festzulegenden Reihen-
folge. Die folgenden Punkte zur Gesamtsituation und zu den Bauteilen sind zu klä-
ren. Da bei aneinander gebauten Häusern die Nachbargebäude oft ebenfalls
betroffen sind und in die Betrachtung mit einbezogen werden, ist festzustellen ob
das geschädigte bzw. zerstörte Gebäude ein Einzelbauwerk oder ein Gebäude in
Reihen- oder Blockbebauung ist. Die Zerstörung nach einem Schadensereignis
kann sich bei allen Bauweisen auf einzelne Stellen im Gebäude beschränken,
Gebäudeteile, einzelne Stockwerke oder das ganze Gebäude betreffen. Es können
auch Bereiche mit unterschiedlich starker Schädigung angetroffen werden. Ein
Gebäude kann auch offensichtlich nach Bereichen, z.B. verschiedenen Bauab-
schnitten, getrennt reagieren. Deshalb kann es sinnvoll sein zur Wahl der Vorge-
hensweise bei der Rettung bzw. zur Wahl des Rettungsweges die einzelnen Gebäu-
debereiche den tatsächlichen Schadensklassen zuzurechnen. Die Zuordnung eines
Gebäudes, wie sonst üblich, in nur eine Schadensklasse ist für die Rettung von
Verschütteten viel zu grob. Bei starker Schädigung ist zu klären, ob das Gebäude
vom Einsturz bedroht ist oder nur Bauteile eingestürzt sind. Um die Schäden beur-
teilen zu können und die tragenden Bauteile zu lokalisieren, ist bei geschädigten
Gebäuden die Bauweise oder sind die Bauweisen zu erkennen. Unter Zuhilfenah-
me des Wegweisers werden die unmittelbar betroffenen Bauteile und mindestens
diejenigen, die der Rundgang für die entsprechende Bauweise vorschlägt, mit den
international gebräuchlichen Schadensklassen 1 bis 5 beurteilt. Bei zerstörten
Gebäuden ist den Bauteilen ihre neue statische Funktion zuzuordnen. Die Schäden
werden mit Hilfe der Kapitel 1 und 2, horizontale und vertikale Bauelemente, des
Wegweisers eingeschätzt. Diese Abschätzung der verbliebenen Tragfähigkeit eines
geschädigten Bauteils setzt gute Kenntnisse des typischen Bruchverhaltens dieses
Bauteils voraus. Jeder Schadensfall ist individuell zu behandeln, die Erschei-
nungsformen der Schädigung können durch ihre Vorgeschichte erheblich vonein-
ander abweichen. Deshalb ist zu den Baumaterialien das Rissbild, die Rissbreite,
die Durchbiegung und die Gesamtsituation mit einzubeziehen. Um diesen Fragen-
katalog schnell abzuarbeiten und die Ergebnisse auch weitergeben zu können,
werden die Punkte sinnvollerweise in ein Formblatt eingetragen. Für Großscha-
densstellen und Schadensfelder ist eine abschließende Bewertung des Gebäudes
nötig. Eventuelle Sicherungsmaßnahmen (Entlastung, Abstützung) für das Bau-
werk/Bauwerksteil zur Durchführung der Rettungsarbeiten müssen eingeleitet
werden. Während der Rettungsaktion ist es unerlässlich, dass die Schäden und die
Verformungen der Gebäudestruktur fortwährend beobachtet werden.




                                                                            187
6.3    Geschädigte Gebäude
Der Kräfteverlauf in einem geschädigten Gebäude entspricht dem des ursprüng-
lichen Bauwerkes, wenn auch mit Bauteilausfällen und höher als geplant belaste-
ten Bauteilen gerechnet werden muss. Haben tragende Teile eines Gebäudes ver-
sagt und das Bauwerk selbst bleibt erhalten, dann hat sich die ursprüngliche
Belastung umgelagert. Diese Umlagerung und die zusätzliche Belastung durch die
Trümmer der zerstörten Teile führt zu einer Mehrbelastung anderer Bauteile. Die
geänderte Beanspruchung kann dauerhaft oder aber nur für kurze Zeit ertragen
werden. Vor der Rettung Verschütteter oder vor Eingriffen in die Baustruktur soll-
te, um Retter und zu Rettende möglichst wenig zu gefährden, für die betroffenen
Bauteile und mindestens diejenigen, die der in Teil C konzipierte Rundgang für die
jeweilige Bauweise vorsieht, die verbleibende Tragfähigkeit abgeschätzt werden.
Dazu werden die für das Baumaterial, das Bauteil und die Belastung typischen
Rissbilder herangezogen. Ebenfalls ist die Durchbiegung stark belasteter horizon-
taler Bauteile zu berücksichtigen. Allerdings gibt es bei allen Baustoffen keine
ausgewiesene Rissbreite, Rissbilder oder Durchbiegungen, mit denen sich ein
kurzfristiges Versagen ankündigt, deshalb müssen neben diesen Aspekten auch die
Gesamtsituation der Schädigung und möglichst viel Erfahrung in die Beurteilung
einfließen.

In dem Anhang „Beurteilung der Resttragfähigkeit“ werden Bauteile aus Holz,
Mauerwerk und Stahlbeton behandelt. Die Baustoffeigenschaften von Holz wer-
den von der Holzsorte und -güte beeinflusst, zudem wirken sich Unregelmäßig-
keiten im Wuchs aus. Bei Überbelastung treten vielfach unbefriedigende Zustän-
de wie grosse Risse, Setzungen, Verformungen und Lageverschiebungen der
Bauteile auf. Solange die Verbindungen funktionstüchtig sind, neigen Holzkon-
struktionen weniger zum Versagen als andere Bauweisen. Eine überlastete Holz-
konstruktion zeigt durch übermäßige Verformungen und Knistergräusche im letz-
ten Stadium vor dem Bruch rechtzeitig ihr Versagen an [Mönck, 1995].

Die Schädigungen von gemauerten Wänden fallen je nach Ausführungsart und
-qualität unterschiedlich aus. Deshalb lässt die Rissweite auch in einem Mauer-
werk nur bedingt Rückschlüsse auf die verbleibende Tragfähigkeit der Wand zu.
Schon bei geringer horizontaler Belastung werden sich Fugenrisse ausbilden und
erst bei einer zusätzlichen hohen Auflast kommt es zu Steinrissen. Mit zunehmen-
der Auflast können Mauerwerkswände größere horizontale Belastungen ertragen.

Für den Baustoff Stahlbeton konnten Zahlenwerte für Rissbreiten bei Erreichen
der Elastizitätsgrenze in der Literatur gefunden werden. Die wenigen Maßangaben
sind in der Beurteilung der Resttragfähigkeit auf Seite 172 aufgeführt. Die breite
Streuung der genannten Maße hängt sicher auch davon ab, dass bei Stahlbeton-
bauteilen die Rissbreite von der Betongüte, der Verbundwirkung zwischen Stahl
und umgebenden Beton, dem Bewehrungsgrad und weiteren Faktoren abhängt.
Für die Beurteilung der Rissbreiten, die im Teil B im Kapitel Schadensklassen der
Bauteile und im Teil C vorgenommen werden, werden die Rissbreiten nach Mitzel
[Mitzel u. a., Seite 21, 1981] verwendet. Die Elastizitätsgrenze (=Streckgrenze)


188
eines Stahlbetonbauteils nach Mitzel ist erreicht, wenn die Rissbreite von 0,5 mm
bis 2,0 mm erreicht ist. Das Fließen des Stahls findet an einer oder zwei Stellen im
Feld statt, während die anderen Risse haarfein bleiben. Vor dem Bruch kann die
Rissbreite mehr als 10 mm betragen. Falls sich in Stahlbetonbauteilen Fließgelen-
ke ausgebildet haben, ist zur Beurteilung der verbliebenen Tragfähigkeit unbe-
dingt das statische System zu erkennen, denn die Anzahl der möglichen Fließge-
lenke vor einem Zusammenbruch infolge eines kinematisch gewordenen
statischen Systems, hängt von der statischen Unbestimmtheit desselben ab. Als
Wegweiser zur Beurteilung der verbliebenen Tragfähigkeit der einzelnen Bauteile
kann im Teil C der allgemeine Teil über die horizontalen und vertikalen Bauteile
herangezogen werden oder wenn die Bauweise erkannt wurde auch die unter den
jeweiligen Bauweisen aufgeführten Bauteile. Danach sind vor der Rettung der Ver-
schütteten eventuelle Abstützungen, Sicherungen, Entlastungen vorzunehmen.


6.4     Horizontale Schichtung
Horizontale oder fast horizontale Schichtungen (siehe dazu Abbildungen 2.10,
2.11, 2.12, 2.13 und 2.18 rechtes Bild) betreffen nur einzelne Räume, einzelne
Geschosse oder das ganze Gebäude. Dabei kann jedes Stockwerk, das Erdge-
schoss, das oberste oder ein oder mehrere der dazwischen liegenden Geschosse
eingestürzt sein. Horizontale Schichtungen entstehen bei Holzskelettbauten und
bei Stahlbetonskelettbauten mit biegesteifen Rahmen oder steifem Kern und bei
Mauerwerksgebäuden mit Stahlbetondecken durch Zerstören oder Umkippen der
vertikalen Bauteile. Bei Skelettbauten mit Flachdecken bildet sich die horizontale
Schichtung indem sich die Stützen durch die Decken durchstanzen. Begünstigt
wird das Stockwerksversagen durch Steifigkeitssprünge im Tragsystem.

Die Decken in einer horizontalen Schichtung werden noch weitgehend wie Decken
auf Biegung beansprucht. Ihre Tragfähigkeit wird sich durch Beschädigungen
beim Zusammenbruch und Aufprall vermindert haben. Die Auflagersituation wird
auch verändert sein. Die neuen Auflager werden durch die Trümmerteile, die sich
unter der Decke befinden, gebildet. Beim Massivbau mit gemauerten Wänden
werden das die Mauerreste, einzelne Steine und zerbrochene Steine sein, sodass
die Decke eine ziemlich gleichmäßige flächenhafte Auflagerung erhält. Dazwi-
schen befinden sich eventuell auch größere Zonen, die überspannt werden. Beim
Stahlbetonskelettbau werden Riegel und Stützen, Teile der Wandausfachungen aus
Mauerwerk und Beton die Auflager sein. Bei Flachdeckengebäuden, die mit
Durchstanzen versagen, werden sich zwischen den Deckenplatten gar keine Bau-
teile, sondern nur Haustechnik- und Einrichtungsgegenstände befinden. Massive
Haustechnik- und Einrichtungsteile können als Auflager fungieren. Die überspan-
nenden Bereiche der Decken müssen nach ihrem Gesamtzustand beurteilt werden.
Dazu können das Rissbild und die Rissbreite unter Zuhilfenahme des Wegweisers
aus Teil C der Beurteilung der Resttragfähigkeit verwendet werden. Herabgestürz-
te Riegel und umgefallene Stützen werden in einer Schichtung auf Druck senk-
recht zur Bauteillängsachse oder auch auf Biegung beansprucht. Wände werden
als Platte gelagert und belastet sein. Die Riegel, die durch Zerstörungen sicher


                                                                               189
auch von ihrer Tragfähigkeit verloren haben, haben eventuell jetzt kürzere Spann-
weiten zu überbrücken oder sind sogar flächig aufgelagert. Stützen und Wände aus
Stahlbeton können auch Lasten als Balken oder Platten abtragen. Die Zerstörun-
gen an den Bauteilen und die Auflagersituation sind bei der Beurteilung der Trag-
fähigkeit zu berücksichtigen. Bei vielen Schadensereignissen hat sich gezeigt,
dass horizontale Schichtungen sehr stabil sind. Erschütterungen, die durch den
nachträglichen Einsturz von umliegenden Gebäuden herrühren, können jedoch die
Schichtungen gefährden. Weitere Zusammenbrüche können auch durch das Ent-
fernen von Trümmerteilen verursacht werden. Deshalb sollten die Trümmer in
einer Schichtung, die als Auflager für die darüberliegenden Teile dienen, nicht ent-
fernt oder geschwächt werden. Anschließende Bauteile, insbesondere erhaltene
Stockwerke oberhalb und unterhalb sind genau zu untersuchen und gegebenenfalls
abzustützen. Schon bei flach geneigten Schichtungen sollte untersucht werden, ob
ein Gleiten zuverlässig durch Trümmerteile, Anschlussbewehrung etc. behindert
wird oder ob Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden müssen. Auch wenn das
ganze Gebäude in einer horizontalen Schichtung zusammengebrochen ist, können
sich noch Kellergeschosse darunter befinden, die unversehrt sind.


6.5     Gebäudeumsturz
Gebäude mit einem guten Zusammenhalt von Decken und Wänden können infol-
ge von Fundamentversagen oder dem Versagen eines Stockwerkes als Ganzes
umstürzen (siehe dazu Abbildung 2.14). Diese Versagensform wird bei Stahlbe-
tonskelettgebäuden und bei Gebäuden vollständig aus Stahlbeton, auch solchen in
Tafelbauweise beobachtet. Da die Decken bei diesen Bauweisen als Platte und als
Scheibe ausgebildet sind, können sie auch als Wandscheibe Lasten abtragen. Eine
Stahlbetonwand kann infolge ihrer konstruktiven Bewehrung Biegung senkrecht
zur Plattenebene, also eine Belastung als Deckenplatte, zumindest kurzzeitig
ertragen, sie ist jedoch dafür nicht ausgelegt. Für eine Scheibenwirkung ist sie auf
jeden Fall bewehrt. Bei den jetzt als Decke fungierenden Bauteilen und besonders
bei den Anschlüssen zwischen Decken und Wänden ist mit Versagen zu rechnen.
Eine Stahlbetonskelettwand oder ein Stahlbetonrahmen jeweils mit Mauerwerks-
ausfachung, die jetzt als Decke zu liegen kommen, können eine Scheibenwirkung
ertragen. Eine Plattenbelastung der ehemaligen Mauerwerkswand infolge der
Belastung mit Trümmern oder Hausrat kann jedoch nicht ertragen werden. Das
Versagen einer horizontal gespannten Mauerwerkswand schon unter ihrem Eigen-
gewicht ist wahrscheinlich. Auch andere Wandmaterialien und besonders die
Anschlüsse zwischen Rahmen und Ausfachung bzw. die Befestigungen der vorge-
hängten Wandelemente sind für diese Belastung nicht konzipiert. Die Wände, die
nach einem Hausumsturz als Decken belastet sind und die Anschlüsse der Bautei-
le untereinander müssen bei einem Gebäudeumsturz beobachtet werden.




190
6.6    Trümmerkegel
Alle Bauweisen können bei totalem Versagen der Konstruktion entweder durch die
Schadensursache selbst oder als Folge des Versagens einzelner Teile in einem
Trümmerkegel zusammenbrechen (siehe dazu Abbildung 2.15, 2.16 und 2.18
rechtes Bild). Der Trümmerkegel kann auch nur die oberen Stockwerke eines
Gebäudes betreffen. Abhängig von den verwendeten Baustoffen reicht das Spek-
trum der Trümmerteile von kleinstückig bis großformatig.

Bei Trümmerkegeln aus unterschiedlich großen Trümmerteilen kann oft erkannt
werden, welche Teile die Lasten abtragen. Mit Hilfe einfacher Hebelgesetze wird
abgeschätzt welche Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Bei gleichmä-
ßig kleinbrockigen, gleichmäßig großbrockigen oder an der Bewehrung
zusammenhängenden Trümmerteilen müssen andere Überlegungen zum Kräfte-
verlauf herangezogen werden. Das Tragverhalten eines solchen Trümmerkegels
kann mit dem Tragverhalten von Bögen verglichen werden. Diese Bögen können
Gewölbe (achsensymmetrisch) oder Kuppeln (rotationssymmetrisch) bilden.
Dabei kann der Bogen selbst verschiedene Formen angenommen haben. Ein
Kreisbogen, der auf einer Geraden verschoben wird, bildet ein Tonnengewölbe.
Ein Bogen aus Materialien wie Naturstein, künstlichen Steinen oder Trümmerma-
terial kann nur Druckkräfte abtragen. In diesem Fall muss die Bogen- oder Gewöl-
beform der Belastung angepaßt sein. Wird bei einem solchen Bogen die Belastung
verändert, z.B. durch Windlasten, so wird er nicht mehr ideal nur durch Druckkräfte
in seiner Systemlinie (=Querschnitts-Schwerachse) belastet. Der Bogen muss
zusätzlich ein Moment, das entlang der Bogenachse unterschiedlich groß ist, ertra-
gen. Wird diese Momentenbelastung auf der Zugseite größer als die Druckbelas-
tung, ergibt die Resultierende eine Zugkraft, die nicht aufgenommen werden kann.
Die Auflagerkräfte des Bogens bzw. des Gewölbes müssen sicher weitergeleitet
werden können. Die horizontale Komponente der Auflagerkraft, der Kämpfer-
schub, ist umso größer je flacher der Bogen ist. Bogen und Gewölbe werden trag-
fähiger, indem entweder der Querschnitt vergrößert oder indem er mit anderen
Bauelementen gekoppelt wird. Die zweite Methode wird bei Brücken durch die
Aufständerung der Fahrbahn auf einen Bogen erreicht. Das Kraggewölbe, das
eigentlich eine Kuppel ist, kann auch zur Erklärung einer Hohlraumbildung aus
Trümmern herangezogen werden. Das Kraggewölbe wird aus horizontalen Stein-
ringen gebildet. Jede neue Steinlage kragt über die darunter liegende Schicht. Der
Durchmesser der Ringschichten wird also immer kleiner, bis die verbleibende Öff-
nung im Scheitel geschlossen werden kann. Die Druckkräfte entsprechend der
Stützlinie des Bogens treffen geneigt auf die horizontalen Fugen zwischen den
einzelnen Steinschichten. Die daraus resultierende horizontale Komponente muss
in diesen Fugen infolge Reibung aufgenommen werden können. Zu große hori-
zontale Kräfte werden umlaufenden Zugbändern zugewiesen.

Es kann davon ausgegangen werden, dass wenn sich in einem Trümmerkegel aus
ähnlich großen Teilen ein Hohlraum in Form eines Gewölbes gebildet hat, dieses
nur unter der gerade vorhandenen Auflast stabil sein kann. Kleinste Veränderun-
gen, sowohl Belastungen als auch Entlastungen müssen zum Einsturz dieses


                                                                              191
Gewölbes führen. Unter dem Gesichtspunkt der Tragfähigkeit soll an einem
Gewölbe, in welchem Verschüttete vermutet werden, weder an der Auflast noch an
den Widerlagern Veränderungen vorgenommen werden. Auch Stützmaßnahmen
sind nicht sinnvoll. Bei allen Trümmerkegeln muss einem Abrutschen von Trüm-
merteilen mit geeigneten Sicherungen begegnet werden. Ein großes Hindernis bei
der Beurteilung des Tragverhaltens von Trümmerkegeln ist, dass diese nur von
außen betrachtet werden können. Demzufolge ist es äußerst schwierig den Kräfte-
verlauf zu erkennen, um unbelastete Teile zu entfernen.




192
7      Zusammenfassung und Ausblick


Die Bauweisen und Schadensursachen haben sich seit den Beschreibungen von
Maack soweit geändert, dass neue Verfahren und Hilfsmittel für einen effektiven
Rettungseinsatz nach dem Einsturz von Gebäuden notwendig sind. Die Ergebnisse
einer Umfrage bei den Rettungseinheiten, die solcherart Rettungseinsätze durch-
geführt haben und die Analyse von Einsatzberichten bestätigen den Handlungsbe-
darf. Horizontale Schichtungen, große und schwere Trümmerteile, insbesondere
Stahlbetondecken und Trümmerstrukturen mit zusammenhängenden Trümmertei-
len stellen die Rettungskräfte vor Aufgaben, die nur durch einen verstärkten
Maschineneinsatz und spezielle Verfahren zu bewältigen sind. Glücklicherweise
sind in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Abschluss dieses Berichtes im
Juli 1999 nur wenige Großschadensfälle mit neuartigen Gebäuden aufgetreten.
Doch Störfälle wird es immer geben und die Beispiele Oklahoma City und
Amsterdam zeigen, dass Unfälle und Terroranschläge Gebäude zum Einsturz brin-
gen können.

Diese neu hinzugekommenen Gebäudeschäden machten es erforderlich, die Ein-
teilung der Trümmerstrukturen in Schadenselemente zu aktualisieren, die seit den
Maack´schen Untersuchungen 1942 nahezu unverändert verwendet wurden.
Ebenso wurden die bei der Rettung/Bergung Verschütteter zur Verständigung ver-
wendeten Piktogramme den heutigen Verhältnissen angepasst. Die Weiterführung
der Analyse technischer Einsatzberichte ist notwendig.

Zur Beurteilung der Resttragfähigkeit geschädigter Gebäude wurde als ein neuar-
tiges Werkzeug eine dreiteilige Abhandlung angefertigt, die als Anhang zu diesem
Schlussbericht seit Januar 1999 vorliegt. Abhängig von der Bauweise wurde ange-
geben, welche Beobachtungen durchzuführen sind und wie die einzelnen Kriterien
zur Abschätzung der Resttragfähigkeit zu interpretieren sind. Hierzu wurde ein
fünfstufiges Bewertungsschema entwickelt. Die Stahlskelettbauweise und die
Schiefstellung ganzer Gebäude müssen noch weiter untersucht werden.

Die Trümmerstrukturen, die sich beim Einsturz von Stahlbetongebäuden bilden,
weisen häufig stabile und große Hohlräume auf, in denen Personen den Einsturz
nur gering oder unverletzt überleben können. So wurden nach Erdbeben aus
modernen Stahlbetongebäuden häufig Überlebende nach zehn oder mehr Tagen
gerettet. Dies bedeutet nicht, dass Rettungsarbeiten langsamer durchgeführt wer-
den können, denn die Überlebenswahrscheinlichkeit Verschütteter sinkt kontinu-
ierlich. Aber aufwendige Rettungsaktionen unter Zuhilfenahme moderner Bauma-
schinen und Werkzeuge sind mehr und mehr gerechtfertigt durch lange
Überlebenszeiten in Trümmerstrukturen, schwer zu bearbeitende Stahl- und Stahl-
betonstrukturen, große Trümmermengen und Gewichte der Trümmerstücke sowie
häufig große Arbeitshöhen.




                                                                            193
Um klarere Aussagen über Rettungsmethoden und Geräteeinsatz zu ermöglichen,
wurden vergleichende Versuche durchgeführt. Wegen der Vielzahl möglicher Situ-
ationen wurden geeignete Referenzsituationen ausgewählt und nachgebildet. Die-
se Referenzsituationen wurden anhand der Schadens- und Einsatzberichte ausge-
wählt und sollten besonders die Rettungs-/Bergungsaufgaben abdecken, die durch
neuartige Bauweisen bedingt sind und nicht von der Maack’schen Systematik
erfasst werden oder bei denen neuartige Verfahren oder Geräte Verbesserungen
versprechen. Dabei wurde besonders darauf geachtet, dass die Schadenssituatio-
nen jeweils rekonstruiert werden konnten, um einen Vergleich zu ermöglichen.

Es stellte sich heraus, dass es keine „idealen“ Geräte und Verfahren für bestimmte
Aufgaben gibt. Die Entscheidung für die Vorgehensweise ist stark von der jeweili-
gen Situation abhängig. Es wurden jedoch Auswahlkriterien für den Geräteeinsatz
ermittelt. Regeln für die auf die spezielle Rettungssituation angepassten Vorge-
hensweisen wurden aufgestellt. Der Bedarf an speziellem Rettungsgerät wurde
festgestellt. So eignen sich für die Rettungsarbeiten unter anderem handgeführte
Kernbohrgeräte, Betonkettensägen und hydraulische Spreizer besonders. Der Ein-
satz von Kranen ist fast immer notwendig und bedarf spezieller Anschlagtechni-
ken und Anschlagmittel, um Trümmerstrukturen möglichst wenig zu belasten und
damit die Gefährdung von Verschütteten zu minimieren. Personen, die unter klein-
brockigem Schutt verschüttet sind, sind stark durch Lastveränderungen der Trüm-
mer und herabrieselndes feinkörniges Material gefährdet, sodass nach Möglich-
keit nicht direkt oberhalb gegraben werden sollte.

Die aufwendigen Rettungsmaßnahmen erfordern ein geplantes Vorgehen. Der Ein-
satz von Mobilkranen und Baumaschinen ist frühzeitig einzuleiten. Der Einsatzort
benötigt ähnlich wie bei großen Bauprojekten eine Baustelleneinrichtung mit der
notwendigen Infrastruktur. Mit Arbeitszeiten von mehr als 10 Stunden von der
Ortung einer Person bis zum Retten eines Verschütteten muss gerechnet werden.
Häufiger Wechsel von Rettungspersonal und bedachtes Vorgehen sind notwendig.

Die Versuchsaufbauten und die speziell dafür angepasste Messtechnik stehen für
weitere Erprobungen von Geräten und Verfahren zur Verfügung. Von zusätzlichem
Interesse ist der Einsatz der vorhandenen Messtechnik in Trümmerstrukturen, die
z.B. durch Sprengen von Gebäuden erzeugt wurden. Sind sich wiederholende
Gebäudestrukturen enthalten, können vergleichende Versuche durchgeführt wer-
den.

Neben der Bereitstellung von technischen Rettungsmannschaften mit einer großen
Bandbreite an durchführbaren Arbeiten wie bisher ist eine Spezialisierung einzel-
ner lokaler Einheiten notwendig, um den neuartigen Anforderungen gerecht zu
werden. Diese spezialisierten Einheiten können zusätzlich zu den lokalen Einhei-
ten auch aus größerer Entfernung zum Einsatzort anfahren. Längere Anfahrten
sind sinnvoll, wenn die Zielrichtung nicht mehr nur auf Kriegsszenarien mit groß-
flächigen Schäden und zerstörter Infrastruktur beschränkt bleibt, sondern auch
Einzelschäden oder begrenzte Schadensgebiete vorsieht.



194
Als Spezialisierungsrichtung sind Gebäudeabstützungen, Arbeiten in großen
Höhen, Vordringen in beengten Verhältnissen und Umgang mit großen Trümmer-
teilen wünschenswert. Je nach lokalem Bedarf und in Abstimmung mit Rettungs-
einheiten aus dem Umkreis sollten diese Spezialisierungen ermöglicht werden,
wobei die Anschaffung einiger der für diese speziellen Aufgaben erforderlichen
Geräte zu ermöglichen wäre.

Die Nutzung von speziellem Gerät wie Autokranen, Hubarbeitsbühnen und
Abbruchgeräten wird besonders bei Trümmerstrukturen aus Stahlbeton zuneh-
mend erforderlich. Dabei muss auf Leihfirmen und ausführende Unternehmen
zurückgegriffen werden. Frühzeitig müssen Firmen, deren Angebot, Erreichbar-
keit (auch nachts) und Vertragsmodalitäten abgeklärt werden. Die Rettungskräfte
müssen mit den Verwendungsmöglichkeiten und den Geräteeigenschaften vertraut
sein. Die Fachkompetenz und die Hauptarbeit sollte dabei bei den jeweiligen Ret-
tungsorganistionen verbleiben. Das benötigte Wissen für den Umgang und Einsatz
von Gerät, das nicht im Bestand der Rettungsorganisation ist, sollte bei Übungen
und in der Ausbildung erworben werden.

Die Informationen, die in diesem Projekt gesammelt wurden, werden in Form
eines Expertensystems nutzbar gemacht, mit dessen Hilfe auch zu Schulungs-
zwecken Schadensszenarien durchgespielt werden können.

Die verwendete Technik und die besonderen Verhältnisse bei der technischen Ret-
tung/Bergung erfordern eine fundierte und umfangreiche Ausbildung. Neben der
Ausbildung an den einzelnen Geräten ist die Übung an möglichst realistischen
Trümmerstrukturen von entscheidender Bedeutung. Nur hier kann das Zu-
sammenspiel innerhalb der Rettungseinheit und von verschiedenen Einheiten
untereinander geübt werden und Erfahrungen in einzelnen Arbeitstechniken
gesammelt werden. Für die technischen Detailprobleme können so Lösungsstrate-
gien entwickelt werden. Die Ausstattung und die Grundausbildung wird dabei
überprüft. Einzelne Aufgaben sollten auch einen realistischen Arbeitsumfang ein-
nehmen. Denn schwere Rettungs-/Bergungsmaßnahmen erfordern im Schnitt je
Opfer über 10 h und können nicht durch eine Übungssituation abgetan werden, die
weniger als eine Stunde für die Einzelmaßnahme benötigt. Ein besonderes Prob-
lem bei realistischen Übungen ist die Unfallgefahr, die sich aus den Trümmer-
strukturen ergibt und auch durch sehr sicheres Vorgehen nicht ganz ausgeschlos-
sen werden kann. Hier können aber häufig die Trümmerstrukturen durch zusätzli-
che Sicherungsmaßnahmen präpariert werden. Dies kann ähnlich wie bei den
beschriebenen Versuchseinrichtungen etwa mit Stahlseilen oder Anschlägen erfol-
gen, die die Verschiebung der Teile nicht behindern aber auf ein sicheres Maß
begrenzen.

Gemeinsame Übungen mit anderen Rettungseinheiten, möglichst auch von ande-
ren Rettungsorganisationen, verbessern die Zusammenarbeit und die Motivation
bei der Durchführung der Übung. Viele Einsatzberichte und Interviews bestätigen
den Bedarf an einer routinierteren Zusammenarbeit der Rettungsorganisationen
untereinander.


                                                                            195
8       Abbildungsverzeichnis


Abbildung 1.1:   Gliederung des Forschungsvorhabens                                  15
Abbildung 2.1:   Abgefragte Informationen zur Klassifizierung
                 des Gebäudeschadens                                                 21
Abbildung 2.2:   Verteilung der statistisch ausgewerteten Ereignisse                 22
Abbildung 2.3:   Beispiele für Trümmerstrukturen an Mauerwerks- und
                 Beton- bzw. Tafelbauten: 1) Rutschfläche in Schwäbisch Gmünd,
                 Gasexplosion 1966 [Hilberath, 1996], 2) Trümmerkegel in Berlin,
                 Gasexplosion 1998 [Internet-Seite der Berufsfeuerwehr Berlin,
                 1998], 3) Hausumsturz in Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener
                 Rück, Seite 48, 1986], 4) Zerstörte Fertigdecken in Leninlaken,
                 Armenien, Erdbeben 1988 [Hilberath, 1996], 5) Zerstörungen an
                 einem Stahlbetongebäude in Griechenland, Erdbeben 1981
                 [Münchener Rück, 1996], 6) Teilzerstörtes Gebäude in Tafelbau-
                 weise in Saudi-Arabien, Sturm [Münchener Rück, 1996]                26
Abbildung 2.4:   Beispiele für Trümmerstrukturen an Mauerwerksbauten:
                 1) Horizontale Schichtung im Erdgeschoss, 2) Geneigte Schichtung,
                 3) Trümmerkegel mit horizontaler Schichtung, 4) geneigte Schich-
                 tung, 5) Trümmerkegel, 6) Schichtung mit Auflager aus Hausrat,
                 alle Beispiele in Dinar, Türkei, Erdbeben 1995 [Gerhold, 1999]      27
Abbildung 2.5:   Beispiele für Trümmerstrukturen bei Stahlbetonskelettgebäuden:
                 1) Weiches Geschoss im Rathaus in Kobe, Japan, Erdbeben 1995
                 [Risk Managment Solutions, Inc., Seite 36, 1995], 2) Schichtung
                 in Mexico City; Erdbeben 1985 [Tiedemann, S. 421, 1992],
                 3) Horizontale Schichtung in Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener
                 Rück , S. 52, Holer, 1986], 4) Geschichtete Untergeschosse in
                 Mexico City, Erdbeben 1985 [Tiedemann, S. 417, 1992]                31
Abbildung 2.6:   Beispiele für Trümmerstrukturen bei Stahlbetonskelettgebäuden:
                 1) Gebäudeumsturz in Mexiko, Erdbeben 1985 [Tiedemann, Seite
                 409, 1992], 2) Horizontal geschichtetes Gebäude in Südafrika,
                 Erdbeben 1976 [Münchener Rück, Seite 31, Africamera, 1982],
                 3) Geschichtete Obergeschosse in Mexiko, Erdbeben 1985 [Tiede-
                 mann, Seite 416, 1992], 4) Schichtung der Obergeschosse in
                 Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener Rück, Seite 54, Holer,
                 1986], 5) Stahlbeton-Trümmerkegel in Mexiko, Erdbeben 1985
                 [Münchener Rück, Seite 47, Frenzel, 1986]                           32
Abbildung 2.7:   Halber Raum hier mit V-förmig heruntergebrochener Decke
                 [Bednrek, Marciniak, Seite 22, 1995]                                38
Abbildung 2.8:   Versperrter Raum und ausgefüllter Raum [Bednarek, Marciniak,
                 Seite 23, 22, 1995]                                                 38
Abbildung 2.9:   Schichtung im Vordergrund, hängende Rutschflächen hinten,
                 Beirut, Kriegseinwirkungen 1982 [Hilberath, 1996]                   39




196
Abbildung 2.10:   Schichtung von Flachdecken: Mexico City, Erdbeben 1985
                  [Tiedemann, Seite 416, 1992 und
                  Münchener Rück, Seite 52, 1986]                                  40
Abbildung 2.11:   Schichtung im Erdgeschoss: San Francisco, Holzskelettbau, Erd-
                  beben 1989, [Münchener Rück, Seite 22, 1994] und Stahlbeton-
                  skelettbau, El Asnam, Algerien, Erdbeben 1980 [Tiedemann,
                  Seite 485, 1992]                                                 40
Abbildung 2.12:   Schichtung im Mittelgeschoss: Kobe, Japan, Erdbeben 1995,
                  [Münchener Rück, Seite 7, 1995] und Mexico City, Erdbeben
                  1985 [Tiedemann, Seite 443, 1992]                                41
Abbildung 2.13:   Schichtung der oberen Geschosse: Mexico City, Erdbeben 1985
                  [Münchener Rück, Seite 44, Dr. Berz, 1986]                       41
Abbildung 2.14:   Gebäudeumsturz: Kobe, Japan, Erdbeben 1995 [Schweizer Rück,
                  Seite 21, 1995], und Mexiko, Erdbeben 1985 [Münchener Rück,
                  Seite 55, 1986]                                                  42
Abbildung 2.15:   Großbrockiger Stahlbeton-Trümmerkegel, Griechenland,
                  Erdbeben 1981 [Tiedemann, Seite 433, 1992]                       43
Abbildung 2.16:   Großbrockiger Mauerwerks-Trümmerkegel, Berlin, Gasexplosion
                  1998 [Internet-Seite der Berufsfeuerwehr Berlin, 1998]           43
Abbildung 2.17:   Geschosshohe Randtrümmer: Oklahoma City, Bombenanschlag
                  1995 [The Oklahoma Department of Civil Emergency
                  Management, 1995] und Rumänien, Erdbeben 1977
                  [Münchener Rück, 1996]                                           44
Abbildung 2.18:   Schadensbild in großer Höhe: Schichtung in großer Höhe,
                  wobei hier auch das Erdgeschoss versagte, Bukarest, Erdbeben
                  1977 [Münchener Rück, 1996] und Trümmerkegel und Schich-
                  tung in großer Höhe, Mexico City, Erdbeben 1985 [Münchener
                  Rück, Seite 46, Frenzel, 1986]                                   45
Abbildung 3.1:    Versuchsaufbau 1 - Wanddurchbruch                                49
Abbildung 3.2:    Abmessungen des Referenzdurchbruches                             54
Abbildung 3.3:    Querschnitt des Durchbruches                                     55
Abbildung 3.4:    Schlitzbreite                                                    56
Abbildung 3.5:    Abgetreppter Schlitz                                             56
Abbildung 3.6:    Schnittlänge bei Betonsägen                                      58
Abbildung 3.7:    Zeitaufwand zur Erstellung eines Standarddurchbruchs durch
                  Stahlbeton bei beengten Verhältnissen in Abhängigkeit von der
                  Bauteildicke                                                     62
Abbildung 3.8:    Zeitaufwand zur Erstellung eines Standarddurchbruchs durch
                  Stahlbeton bei nicht beengten Verhältnissen in Abhängigkeit
                  von der Bauteildicke                                             62
Abbildung 3.9:    Messwerte der maximalen Horizontalkräfte und der horizontalen
                  Schwinggeschwindigkeiten am Versuchsaufbau 1 – Wand-
                  durchbruch                                                       65
Abbildung 3.10:   Frequenzspektrum der Horizontalkräfte Wand-Lagerung des
                  Bergungräumgerätes mit Hydraulikmeißel                           66
Abbildung 3.11:   Frequenzspektrum der Horizontalkräfte Wand-Lagerung,
                  Drucklufthammer Atlas-Copco TEX 8 HS                             67


                                                                                   197
Abbildung 3.12:   Gemessene Staubwerte Versuchsaufbau 1 – Wanddurchbruch              69
Abbildung 3.13:   Gemessene Lärmwerte Versuchsaufbau 1 – Wanddurchbruch               71
Abbildung 3.14:   Prinzipskizze Versuchsaufbau 2 – Bewegen schwerer und großer
                  Lasten                                                              74
Abbildung 3.15:   Sicherung der Rutschfläche, Versuchsaufbau 2 – Bewegen
                  schwerer und großer Lasten                                          74
Abbildung 3.16:   Arbeitsbereiche von Hebegeräten                                     77
Abbildung 3.17:   Aufbau 2b – Anheben und Abtransport großer Betontrümmerteile 79
Abbildung 3.18:   Prinzipskizze zum 3. Versuchsaufbau                                 81
Abbildung 3.19:   Verwendung der Hydraulikschere S90 der Fa. Weber im
                  Versuchsaufbau 3 – Vordringen in Schichtungen                       82
Abbildung 3.20:   Entsprechende Bergsituationen nach [Coburn, Spence, 1992]           86
Abbildung 3.21:   Prinzipskizze des Unterbaus zum 4. Versuchsaufbau                   87
Abbildung 3.22:   links: Staubsammler, Menge wird online gemessen, durch
                  extreme Schuttbewegung übergelaufen, zwei Stück gleichzeitig
                  im Einsatz, rechts: Blick unter die Betonplatte auf Verschütteten-
                  darstellerpuppe unter den Trümmern, Belastung des Verschütteten
                  wurde mit Videokamera aufgezeichnet                                 88
Abbildung 3.23:   Sieblinie Trümmerschutt bis Körnung 64 mm: 71,1% Gewichts-
                  anteil, Rest: Natursteine, Ziegelmauerstein, Holz usw.: 28,9%       88
Abbildung 3.24:   Saugbagger Firma Vesta, Rheinstetten, auf dem Versuchsgelände       91
Abbildung 3.25:   Draufsicht Rahmenverbau aus Dielenelementen für den Aufbau
                  eines Schachtes und Lage des Verschütteten in einem Hohlraum
                  unter Brettern und Schutt                                           91
Abbildung 3.26:   Schachtverbau mit Rahmen aus Dielen                                 92
Abbildung 3.27:   Stollenvortrieb im Versuchsaufbau 3 durch Trümmerschutt
                  bis zu einem Hohlraum                                               93
Abbildung 3.28:   Dachförmiger Stollenverbau mit Abstützung
                  des Eingangsbereichs                                                94
Abbildung 3.29:   Vortrieb Stollenverbau nach [KatS-LA 261, 1986, S. 104, 105]        95
Abbildung 3.30:   Aufbau des Prüfblocks aus Stahlbeton für den Vergleich von
                  Bewehrungssuchgeräten                                               96
Abbildung 4.1:    Lastdiagramm LKW-Ladekran Palfinger PK 11001 B                     102
Abbildung 4.2:    Teleskoplader mit Arbeitsbühne                                     104
Abbildung 4.3:    Teleskoplader kippt zur Aufnahme der Last                          104
Abbildung 4.4:    Bergungsräumgerät mit modifiziertem Lasthaken (Vorschlag)          106
Abbildung 4.5:    Betonfräse Fa. Boart Longyear                                      108
Abbildung 4.6:    Abbruchzange Fa. Rammer, Wiesbaden                                 109
Abbildung 4.7:    Sortiergreifer der Fa. Kinshofer, Waarkirchen                      110
Abbildung 4.8:    Spezialbagger Fa. Mecalac                                          114
Abbildung 4.9:    Schreitbagger Fa. Kaiser                                           114
Abbildung 4.10:   Saugbagger Firma Vesta, Rheinstetten                               120
Abbildung 4.11:   Sauglader Fa. Wieland, Erlangen                                    121
Abbildung 4.12:   Einfacher Siebvorsatz für Saugschläuche                            121
Abbildung 4.13:   Teleskoparbeitsbühne auf LKW-Fahrgestell, Beispiel                 122
Abbildung 4.14:   Drehbarer Korb und Vorteile eines Korbarmes                        123
Abbildung 4.15:   Telesmastbühnen der Feuerwehr Landau [Bumb, 1999]                  123


198
Abbildung 4.16:   Hydraulisches Spaltgerät der Fa. Darda, Blumberg                   125
Abbildung 4.17:   Säbelsäge von Fa. Atlas-Copco                                      126
Abbildung 4.18:   Schnittgeschwindigkeit und Schnitttiefe in Stahlbeton,
                  Bewehrung Ø 16 mm [Konno, 1988]                                    128
Abbildung 4.19:   Gefährdung beim Einsatz eines Spreizers zum Anheben von
                  Trümmerteilen                                                      129
Abbildung 4.20:   Modell eines für die Trümmerumgebung geeigneten
                  hydraulischen Hebegerätes                                          130
Abbildung 4.21:   Rettungstunnel aus Schlauchringelementen                           131
Abbildung 4.22:   Darstellung des luftleeren Prototypen eines Rettungstunnelringes   132
Abbildung 4.23:   Proben des aramidfaserverstärkten Gummis, Faserrichtung
                  Typ1: senkrecht/parallel, Typ 2: ± 45°                             133
Abbildung 4.24:   Aufbau zur Bestimmung der Querkontraktionszahl                     134
Abbildung 4.25:   Spannungs-Dehnungsdiagramm der beiden Probentypen                  134
Abbildung 4.26:   Rettungsschachtsystem Berufsfeuerwehr Karlsruhe                    135
Abbildung 4.27:   Schwenkanker, im Rahmen der Versuche entworfen und erprobt         139
Abbildung 5.1:    Verlauf der Rettungsarbeiten an einem Stahlbetongebäude nach
                  [Krimgold, 1988 und Schuler, 1995]                                 142
Abbildung 5.2:    Einseitiges Anheben eines 6,5 t schweren Trümmerstücks
                  mit einem Teleskoplader                                            145
Abbildung 5.3:    Lage von Rutschflächen                                             146
Abbildung 5.4:    Verschütteter am Fußpunkt einer Schichtung                         147
Abbildung 5.5:    Verschütteter zwischen den Schichten                               148
Abbildung 5.6:    Piktogramme „Ausgefüllter Raum“                                    152
Abbildung 5.7:    Eindringen in eine Schichtung parallel zu Unterzügen, liegenden
                  Stützen oder Wänden größerer Dicke (z.B. Brandwände)               153
Abbildung 5.8:    Durchbruch von oben [Rettungskette Schweiz, 1986]                  154
Abbildung 5.9:    Gebäudeumsturz nach Grundbruch [Berz, MüRück, 1985]                158
Abbildung 5.10:   Schichtung in großer Höhe, Bukarest
                  [Münchener Rück 3-77, S. 9]                                        159
Abbildung 5.11:   Lage eines Wanddurchbruches                                        160
Abbildung 5.12:   Wanddurchbruch mit Aufbrechhammer                                  162
Abbildung 5.13:   Stufenweise Darstellung der Methode ohne Spaltwerkzeug             162
Abbildung 5.14:   Eisentrenngeräte [Fibel, 1988]                                     162
Abbildung 5.15:   Vorschneiden des Durchbruchs mit einem Trennschleifer              163
Abbildung 5.16:   Durchbruch mit Trennschleifer und zusätzlichen Geräten             163
Abbildung 5.17:   Anlegen der einzelnen Kernbohrungen kreisförmig
                  oder nach Bedarf                                                   164
Abbildung 5.18:   Sicherung eines Deckenstückes                                      165
Abbildung 5.19:   Kernbohrungen in eine Decke von oben                               166
Abbildung 5.20:   Reihenfolge der Schnitte bei Betonsägen                            167
Abbildung 5.21:   Draufsicht auf das Reststück                                       167
Abbildung 5.22:   Sicherung des Reststückes                                          168
Abbildung 5.23:   Herausnehmen des Reststückes                                       168
Abbildung 5.24:   Mögliche Schnittrichtungen der Betonkettensäge                     168
Abbildung 5.25:   Ansetzen des Spaltgerätes                                          169



                                                                                     199
Abbildung 5.26:   Pionierrahmen bzw. Schurzholzrahmen zum Stollenverbau
                  nach [Lischke, 1990]                                           170
Abbildung 5.27:   Kraneinsatz nach einer Gasexplosion in Berlin Lepsiusstraße
                  [Berufsfeuerwehr Berlin, 1998]                                 171
Abbildung 5.28:   Zu erfassende Daten für den Kraneinsatz                        173
Abbildung 5.29:   Anschlagen von Trümmerteilen                                   173
Abbildung 5.30:   Einseitiges Anheben                                            174
Abbildung 5.31:   Anheben eines Bauteiles                                        175
Abbildung 5.32:   Kraneinsatz nach Einsturz des „Roten Turms“ von Jena
                  [Thüringer, 1996]                                              176
Abbildung 5.33:   Schnellabstützung einer Hausecke mit zwei Teleskopkranen       177
Abbildung 5.34:   Spannkopf im Schnitt und nachgespannte Brücke
                  [Matthes, Weber, Zilch 1997]                                   178
Abbildung 5.35:   Progressiv nachgespannter Träger [Atlas-Copco, 1986]           179
Abbildung A.1:    Beispiel für die Anordnung von Ver- und Entsorgungsleitungen
                  im Straßenkörper nach DIN 1998                                 211
Abbildung A.2:    Beispiel für die Anordnung von Ver- und Entsorgungsleitungen
                  unter der Fahrbahn [Braam 1993, S. 301]                        212
Abbildung A.3:    Installationszonen und Vorzugsmaße (unterstrichen) für Räume
                  ohne Arbeitsflächen an den Wänden [DIN 18015-3, S. 2]          213
Abbildung A.4:    Installationszonen und Vorzugsmaße (unterstrichen) für Räume
                  mit Arbeitsflächen an den Wänden, z.B. Küchen
                  [DIN 18015-3, S. 2]                                            213
Abbildung A.5:    Beispiel für die Anordnung von Elektroleitungen in Decken
                  bzw. Böden [Vogler, 1994, S. 388]                              214
Abbildung B.1:    Überbelastete Decke, Armenien, Leninakan, 1988
                  [Hilberath, 1996]                                              217
Abbildung B.2:    Vervielfachung der Belastung durch Unterstützung(en)
                  für Einfeldbalken                                              218
Abbildung B.3:    Thyssen-Hünnebeck Stahlrohrstütze mit Schnellabsenkung
                  [Thyssen-Hünnebeck]                                            224




200
9        Tabellenverzeichnis


Tabelle 2.1:    Verteilung der Schadensbilder in Abhängigkeit von der Bauweise          22
Tabelle 2.2:    Ergebnisse der Fragebogenauswertung, Übersicht                          23
Tabelle 3.1:    Aufstellung der Versuchsaufbauten                                       47
Tabelle 3.2:    Messaufnehmer beim Aufbau 1 – Wanddurchbruch                            52
Tabelle 3.3:    Durchgeführte Versuche + Arbeitsgerät am Versuchsaufbau 1 –
                Wanddurchbruch                                                          53
Tabelle 3.4:    Arbeitszeit für unterschiedliche Schnittiefen eines Trennschleifers     56
Tabelle 3.5:    Schlitzbreiten für Trennschleifer                                       56
Tabelle 3.6:    Vergleichswerte der verschiedenen Geräte für den Einsatz in beengten
                Verhältnissen bei unterschiedlicher Dicke von Stahlbetonhindernissen,
                Typenbezeichnung siehe Tabelle 3.3                                      60
Tabelle 3.7:    Vergleichswerte der verschiedenen Geräte für den Einsatz in nicht
                beengten Verhältnissen bei unterschiedlicher Dicke von
                Stahlbetonhindernissen                                                  61
Tabelle 3.8:    Maximale tägliche Schallexposition, die von Berufsgenossenschaften
                toleriert wird                                                          70
Tabelle 3.9:    Arbeitsgeräte und Sicherungsmethode, Versuchsaufbau 2 – Bewegen
                schwerer und großer Lasten                                              75
Tabelle 3.10:   Geräte und Verfahren bei Versuchsaufbau 2b                              80
Tabelle 3.11:   Durchgeführte Versuche am Versuchsaufbau 4 – Trümmerschutt              89
Tabelle 3.12:   Beurteilung der Belastung von Personen unter Trümmerschutt              90
Tabelle 3.13:   Bewehrungssuchgeräte                                                    97
Tabelle 4.1:    Vergleich der Teleskopmaschinen der Firmen JCB, Merlo und
                FDI-Sambron                                                             103
Tabelle 4.2:    Vergleich von Spezialbaggern und Teleskopladern
                für den Rettungseinsatz                                                 115
Tabelle 4.3:    Vergleich der Arbeitsbereiche der Spezialbagger und Teleskoplader       118
Tabelle 4.4:    Vergleich von Beispielen für Saugförderer-Varianten
                und Saugbaggern                                                         122
Tabelle 5.1:    Vergleich unterschiedlicher Vorgehensweisen bei Rutschfläche und
                Schichtung                                                              149
Tabelle 5.2:    Vergleich der Zugangsvarianten zu einem versperrten Raum                156
Tabelle 5.3:    Vergleich der Durchbruchrichtungen zu einem versperrten Raum            156
Tabelle 5.4:    Zu beachtende Merkmale bei einem Wand- bzw. Deckendurchbruch            161
Tabelle 5.5:    Allgemeine Hinweise zu Kernbohrgeräten                                  166
Tabelle 5.6:    Vergleich der Abbruchverfahren für Spannbeton                           180
Tabelle B.1:    Tabelle zur Gewichtsbestimmung von Decken                               219
Tabelle B.2:    Gewichtsbestimmung von Mauerwerkswänden
                für Stockswerkshöhe H = 2,5 m                                           220
Tabelle B.3:    Gewichtsbestimmung von Mauerwerkswänden
                für Stockswerkshöhe H = 3,0 m                                           220
Tabelle B.4:    Gewicht gelagerter Materialien, ausgewählt aus
                Schneider Bautabellen [Schneider, 1984]                                 221


                                                                                        201
Tabelle B.5:   Schema zum Abschätzen der Belastung aus mehreren
               zusammengestürzten Stockwerken                                223
Tabelle B.6:   Zulässige Belastung nach Euronorm einiger Thyssen-Hünnebeck
               Stahlrohrstützen [Thyssen-Hünnebeck]                          224
Tabelle B.7:   Anzahl Stahlrohrstützen für mittige Unterstützung             225
Tabelle B.8:   Anzahl Stahlrohrstützen für zweireihige Unterstützung         225
Tabelle B.9:   Anordnung der Unterstützungen bei verschiedenen Deckentypen   226




202
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210
A       Gefahren durch beschädigte Ver- und
        Entsorgungsleitungen


Nachfolgend einige Ergänzungen zu den Ausführungen ab Seite 76 der KatS-LA
261 [KatS-LA 261, 1986] zur Lage der Ver- und Entsorgungsleitungen im Stra-
ßenraum.

Versorgungseinrichtungen in Städten und Ortschaften sind meist außerhalb der
Fahrbahn im Bereich Gehweg, Radweg, Parkbucht, Grünstreifen in einer Tiefe ab
0,50 m anzutreffen (vgl. Abbildung A.1), während die Entsorgungsleitungen
(Regenwasser- und Schmutzwasserkanal oder Mischwasserkanal) unter der Fahr-
bahn verlaufen.




                                                             E    Stromleitung

                                                             G    Gasleitung
                                                             W    Frischwasserleitung

                                                             P    Fernmeldekabel

                                                             HW Hauptleitung für Wasser
                                                             KM Mischwasserkanal



Abbildung A.1: Beispiel für die Anordnung von Ver- und Entsorgungsleitungen im Straßenkör-
               per nach DIN 1998

Bei beidseitigen Gehwegen, die jedoch schmaler als 3 m sind, findet die Verlegung
von Wasser und Gas jeweils nur auf einer Gehwegseite statt. Ab 1,50 m oder noch
schmaleren Gehwegen wird jedes Kabel bzw. jede Leitung nur einmal verlegt. Bei
der Anordnung von Parkbuchten werden diese zum Bereich Gehweg addiert und
die Verlegung findet nach Abbildung A.1 statt. Bei Gesamtbreiten größer 3 m werden
die Zonen der Versorgungsleitungen entsprechend breiter. [DIN 1998, 1978, S. 3]

Bei beengten Verhältnissen außerhalb der Fahrbahn, sowie bei Anliegerwegen,
können Ver- und Entsorgungsleitungen unter der Fahrbahn verlegt sein (vgl. Ab-
bildung A.2).




                                                                                        211
                                                           E    Stromleitung

                                                           G    Gasleitung

                                                           W    Frischwasserleitung

                                                           P    Fernmeldekabel

                                                           KM Mischwasserkanal




Abbildung A.2: Beispiel für die Anordnung von Ver- und Entsorgungsleitungen unter der Fahr-
               bahn [Braam 1993, S. 301]



A.1     Lage der Elektroleitungen in Gebäuden
Im Kapitel 6.3.1 der KatS-LA 261, S. 77 [KatS-LA 261, 1986] sollte ergänzt wer-
den, daß Hochspannungsleitungen auch in Hochhäusern bzw. in größeren Gebäu-
dekomplexen vorkommen.

Fachmännisch verlegte Elektroleitungen liegen nach der VDE-Vorschrift 0100
[VDE 0100, 1973] waagerecht und senkrecht, also rechtwinklig zwischen Vertei-
lerdosen, Schaltern, Steckdosen und Verbraucheranschlüssen. Die DIN 18015
[DIW 18015-3, 1999] gibt die Installationszonen vor (siehe Abbildung A.3 und
Abbildung A.4). Wenn ausreichend Wandfläche zur Verfügung steht, läuft die obe-
re waagerechte Installationszone über dem Fenster durch (siehe Abbildung A.4).




212
Abbildung A.3: Installationszonen und Vorzugsmaße (unterstrichen) für Räume ohne Arbeits-
               flächen an Wänden [ DIN 18015-3, S. 2]




Abbildung A.4: Installationszonen und Vorzugsmaße (unterstrichen) für Räume mit Arbeitsflä-
               chen an Wänden, z.B. Küchen (Nicht angegebene Maße wie in Abbildung A.3)
               [DIN 18015-3, S. 2]


                                                                                      213
Waagerechte Installation (ZW) 30 cm breit:

• ZW-o: Obere waagerechte Installationszone von 15 bis 45 cm unter der fertigen
  Deckenfläche

• ZW-m: Mittlere waagerechte Installationszone von 90 bis 120 cm über der fertigen
  Fußbodenfläche. Die mittlere waagerechte Installationszone (ZW-m) wird nur
  für Räume festgelegt, in denen Arbeitsflächen an den Wänden vorgesehen sind
  (z.B. in Küchen)

• ZW-u: Untere waagerechte Installationszone von 15 bis 45 cm über der fertigen
  Fußbodenfläche

Senkrechte Installationszone (ZS) 20 cm breit:

• ZS-t: Senkrechte Installationszone an Türen von 10 bis 30 cm neben Rohbau-
  kanten

• ZS-f: Senkrechte Installationszone an Fenstern von 10 bis 30 cm neben Roh-
  baukanten

• ZS-e: Senkrechte Installationszone an Wandecken von 10 bis 30 cm neben Roh-
  baukanten

Die senkrechten Installationszonen reichen jeweils von Deckenunterkante bis
Fußbodenoberkante. Für Fenster, zweiflügelige Türen und Wandecken werden die
senkrechten Installationszonen beidseitig, für einflügelige Türen jedoch nur an der
Schloßseite festgelegt.

Die Lage der Leitungen innerhalb von Decken bzw. Böden ist nicht vorgeschrie-
ben. Sie verlaufen oft quer durch die Decke auf kürzestem Weg (vgl. Abbildung
A.5). Allerdings ist es wahrscheinlich, daß die Elektroleitungen von der Wandsei-
te kommen in der sich die Tür befindet, da dort der Schalter angebracht ist. Dies
muß aber nicht so sein!




Abbildung A.5: Beispiel für die Anordnung von Elektroleitungen in Decken bzw. Böden
               [Vogler, 1994, S. 388]


214
Elektroleitungen können auch an anderen Stellen verlegt sein. In welchen Fällen
von den Installationszonen abgewichen werden darf, regelt die DIN 18015 Teil 3
[DIN 18015-3, 1999].


A.2    Lage der Gasleitungen und der Wasserleitungen in
       Gebäuden
Diese Leitungen sind geradlinig und rechtwinklig zu den Wänden und Decken
verlegt. Über die genaue Lage kann nur, falls vorhanden, der Revisionsplan Aus-
kunft geben. Dieser liegt beim Hauseigentümer oder beim Architekten.

Bei neuen Gasversorgungen in Baden-Württemberg ist über der Hauseinführungs-
leitung an der Grundstücksgrenze bzw. am Haus eine Fünfmarkstück große Mar-
kierung angebracht.

In manchen Städten und Gemeinden kann jede Wasseranschlussleitung auf dem
Grundstück abgesperrt werden. Das Absperrorgan ist nicht beschildert, aber mit
der gleichen runden Straßenkappe wie in Gehwegen und Fahrbahnen versehen und
dadurch leicht auffindbar.




                                                                           215
B       Abstützungen


In der Praxis des Rettens und Bergens ergeben sich immer wieder Schadenssitua-
tionen, bei denen Decken oder Unterzüge zusätzliche Auflasten infolge Trümmer-
schuttes ertragen müssen. Soll diese Decke bzw. dieser Unterzug um ein Versagen
zu verhindern, unterstützt werden, muss der Ort der Unterstützung und die Anzahl
der Stützen bestimmt werden. Dazu muss zuerst die Belastung dieser Decke/Unter-
zug, d.h. Auflast + Eigengewicht, ermittelt werden.

Die Rechenbeispiele zu Beginn zeigen am Beispiel eines Balkens wieviel mehr
dieser Balken tragen kann, wenn die Spannweite verkürzt wird. Dabei ist zu
beachten, dass bei mittiger Unterstützung, die bestehenden Auflager um die Hälfte
entlastet werden. Bei einer Unterstützung in den Drittelspunkten werden die beste-
henden Auflager noch mehr entlastet. Auf der anderen Seite müssen die Auflager-
kräfte, die den zusätzlichen Abstützungen zugewiesen werden, eventuell in darun-
terliegende Decken ein- und weitergeleitet werden. Es ist von der Gesamtsituation
abhängig, ob es günstiger ist in der Mitte oder in den Drittelspunkten oder noch
häufiger abzustützen.

Das Deckengewicht bzw. das Gewicht der geschichtet darauf liegenden Decken
und das dazwischen liegende Mauerwerk wird tabellarisch in t/m2 angegeben. Zur
leichteren überschläglichen Rechnung wird für einzelne Deckengrößen dieses
Gewicht auch in t angegeben. Anhand eventuell vorhandener Randtrümmer kann
abgeschätzt werden wieviel des Mauerwerks der Stockwerke nach außen gefallen
ist und danach das Mauergewicht abgemindert werden. Bei den gelagerten Mate-
rialien muss die Lagerhöhe noch berücksichtigt werden. Mit dem Schema der
Tabelle B.5 sollte es leicht sein, die Belastung der betroffenen Decke zu errechnen.

Für die Stahlrohrstütze Europlus 300 von Thyssen Hünnebeck wurde beispielhaft
für eine zulässige Belastung von 3 t je Stück die Stützenanzahl für 10, 20, 25, 30m3
Deckenfläche errechnet. Diese Tabellen ermöglichen das einfache Ablesen der
benötigten Anzahl an Stützen. Zwischenwerte können interpoliert werden. Diese
Stahlrohrstütze wurde hier ausgewählt, da in der KatS-LA 261 [KatS-LA 261,
1986, Seite 60] eine Stahlrohrstütze System Hünnebeck genannt wurde, allerdings
dort mit anderen zulässigen Belastungen. Die Stütze und ihre Belastungstabelle
nach EUROPLUS des Herstellers zeigen Tabelle B.6 und Abbildung B.3.




216
B.1     Rechenbeispiel zur Wirksamkeit von Abstützungen bei
        Einfeld-Balken




Abbildung B.1: Überbelastete Decke, Armenien, Leninakan, 1988 [Hilberath, 1996]




Ohne Durchlaufwirkung




                                                                                  217
Abbildung B.2: Vervielfachung der Belastung durch Unterstützung(en) für Einfeldbalken

Wenn eine Durchlaufwirkung des Balkens berücksichtigt werden kann, ist die
Tragfähigkeit noch höher, jedoch die Belastung der Zwischenstützen wird größer.

Mit Durchlaufwirkung




218
Hilfreich zur Abschätzung der jetzigen Auflast sind die spezifischen Gewichte der
Baumaterialien:




Tabelle B.1: Tabelle zur Gewichtsbestimmung von Decken

Angenommen der Raum unter oder über einer Decke wird allseitig von Wänden
gleicher Stärke und gleichem Material umschlossen, so kann für eine Stockwerks-
höhe die Fläche der Umfassungswände berechnet werden.

Angenommen diese Wände stürzen nach innen auf die zugehörige Decke, so ent-
hält die folgende Tabelle die Belastung für die Decke:




                                                                             219
Tabelle B.2: Gewichtsbestimmung von Mauerwerkswänden für Stockwerkshöhe H= 2,5 m




Tabelle B.3: Gewichtsbestimmung von Mauerwerkswänden für Stockwerkshöhe H= 3,0 m




220
221
Tabelle B.4: Gewicht gelagerter Materialien, ausgewählt aus Schneider Bautabellen
             [Schneider, 1984]


Sind nach den vorausgehenden Tabellen die Gewichte der Decken/Wände und
gegebenenfalls des gelagerten Materials bestimmt, kann mit dem folgenden Sche-
ma das Gesamtgewicht errechnet werden:




 222
Tabelle B.5: Schema zum Abschätzen der Belastung aus mehreren zusammengestürzten Stock-
             werken

Wenn eine Decke mit Stahlrohrstützen unterstützt werden muß, so können je nach
Auszugslänge der Stütze unterschiedliche Gewichte (zul. Belastungen) ertragen
werden.




                                                                                  223
                                                  Abbildung B.3:
                                                  Thyssen-Hünnebeck Stahlrohrstütze mit
                                                  Schnellabsenkung [Thyssen-Hünnebeck]

Tabelle B.6:
Zulässige Belastung nach Euronorm einiger Thyssen- Hünnebeck Stahlrohrstützen
[Thyssen-Hünnebeck]




224
Stahlrohrstützen Europlus 300 Thyssen Hünnebeck




Tabelle B.7: Anzahl Stahlrohrstützen für mittige Unterstützung




Tabelle B.8: Anzahl Stahlrohrstützen für zweireihige Unterstützung

Zwischen Stahlrohrstützen und Betondecke lastenverteilende Holzbalken anord-
nen, sonst droht die Gefahr des Durchstanzens. Für Balken bzw. Unterzüge meist
nicht notwendig.

                                                                          225
Tabelle B.9: Anordung der Unterstützungen bei verschiedenen Deckentypen


Sind in einem sehr hohen Gebäude zerstörungsbedingt zu große Auflasten auf
einer Decke, so ist es nicht sinnvoll wie bei wenigen Geschossen von unten nach
oben abzustützen. In diesem Fall wird die betroffene Decke direkt entlastet, d.h.
ein Teil der Last auf die nächste Decke und in deren Auflager weitergeleitet. Die-
ser Vorgang wird mehrmals für die jeweils darunterliegende Decke wiederholt.
Zum Festlegen der Anzahl der Stockwerke, die unterhalb der Schadensstelle abge-
sprießt werden sollen, kann folgende Überlegung helfen. Ziel ist es den größten
Teil der Belastung in die Wände einzuleiten, da sie dort ursprünglich abgetragen
wurden, wobei den einzelnen Decken eine Auflast in Höhe der Verkehrslast zuge-
wiesen werden kann.




226
                             Zivilschutz-Forschung, Neue Folge
                                    Schriftenreihe der Schutzkommission beim Bundesminister des Innern
                                                              Herausgegeben vom Bundesverwaltungsamt
                                                                          – Zentralstelle für Zivilschutz –
                                                                                         ISSN 0343-5164
                                                           im Auftrag des Bundesministeriums des Innern




Band 50                   – in Vorbereitung –        Band 43
R. Zech                                              D. Ungerer, U. Morgenroth
Entgiftung von Organophosphaten durch Phos-          Empirisch-psychologische Analyse des men-
phorylphosphatasen und Ethanolamin                   schlischen Fehlverhaltens in Gefahrensituatio-
2002, Broschur                                       nen und seine verursachende und modifizieren-
                                                     den Bedingungen sowie von Möglichkeiten zur
Band 49                                              Reduktion des Fehlverhaltens
G. Matz, A. Schillings, P. Rechenbach                2002, 300 Seiten, Broschur
Task Force für die Schnellanalytik bei großen
Chemieunfällen und Bränden                           Band 42
2002, 188 Seiten, Broschur                           45., 46. und 48. Jahrestagung der Schutzkom-
                                                     mission beim Bundesminister des Innern
Band 48                                              – Vorträge –
Zweiter Gefahrenbericht der Schutzkommission         2000, 344 Seiten, Broschur
beim Bundesminister des Innern
Bericht über mögliche Gefahren für die Bevöl-        Band 41
kerung bei Großkatastrophen und im Verteidi-         W. König, M. Köller
gungsfall                                            Einfluss von Zytokinen und Lipidmediatoren auf
2001, 92 Seiten, Broschur                            die Kontrolle und Regulation spezifischer Infekt-
                                                     abwehr bei Brandverletzung
Band 47                                              2002, 76 Seiten, Broschur
J. Rasche, A. Schmidt, S. Schneider, S. Waldtmann
Organisation der Ernährungsnotfallvorsorge           Band 40
2002, 88 Seiten, Broschur                            Institut der Feuerwehr Sachsen-Anhalt
                                                     Entwicklung von Dekontaminationsmitteln und
Band 46                                              -verfahren bei Austritt von Industriechemikalien
F. Gehbauer, S. Hirschberger, M. Markus              2002, 124 Seiten, Broschur
Methoden der Bergung Verschütteter aus zer-
störten Gebäuden                                     Band 39
2002, Broschur                                       TÜV Energie und Umwelt GmbH
                                                     Optimierung des Schutzes vor luftgetragenen
Band 45                                              Schadstoffen in Wohngebäuden
V. Held                                              2002, 108 Seiten, Broschur
Technologische Möglichkeiten einer möglichst
frühzeitigen Warnung der Bevölkerung                 Band 38
– Kurzfassung –                                      W. Kaiser, M. Schindler
2001, 144 Seiten, Broschur                           Rechnergestütztes Beratungssystem für das
                                                     Krisenmanagement bei chemischen Unfällen
Band 44                                              (DISMA®)
E. Pfenninger, D. Hauber                             1999, 156 Seiten, Broschur
Medizinische Versorgung beim Massenanfall
Verletzter bei Chemikalienfreisetzung                Band 37                      – in Vorbereitung –
2002, 140 Seiten, Broschur                           K.-J. Kohl, M. Kutz
                                                     Entwicklung von Verfahren zur Abschätzung
                                                     der gesundheitlichen Folgen von Großbränden


                                                                                                     227
Band 36                                                Band 28
M. Weiss, B. Fischer, U. Plappert und T. M. Fliedner   R. Zech
Biologische Indikatoren für die Beurteilung mul-       Wirkungen von Organophosphaten
tifaktorieller Beanspruchung                           1997, 110 Seiten, Broschur
Experimentelle, klinische und systemtechnische
Untersuchung                                           Band 27
1998, 104 Seiten, Broschur                             G. Ruhrmann, M. Kohring
                                                       Staatliche Risikokommunikation bei Katastro-
Band 35                                                phen
K.Amman, A.-N. Kausch, A. Pasternack, J. Schlo-        Informationspolitik und Akzeptanz
bohm, G. Bresser, P. Eulenburg                         1996, 207 Seiten, Broschur
Untersuchung der Praxisanforderungen an Atem-
und Körperschutzausstattung zur Bekämpfung             Band 26
von Chemieunfällen                                     43. und 44. Jahrestagung der Schutzkommission
2002, Broschur                                         beim Bundesminister des Innern
                                                       – Vorträge –
Band 34                                                1997, 326 Seiten, Broschur
W. Heudorfer
Untersuchung der Wirksamkeit von Selbst-               Band 25
schutzausstattung bei Chemieunfällen                   K. Buff, H. Greim
1998, Broschur                                         Abschätzung der gesundheitlichen Folgen von
                                                       Großbränden
Band 33                                                – Literaturstudie – Teilbereich Toxikologie
J. Bernhardt, J. Haus, G. Hermann, G. Lasnitschka,     1997, 138 Seiten, Broschur
G. Mahr, A. Scharmann
Laserspektrometrischer Nachweis von Stron-             Band 24
tiumnukliden                                           42. Jahrestagung der Schutzkommission beim
1998, 128 Seiten, Broschur                             Bundesminister des Innern
                                                       – Vorträge –
Band 32                                                1996, 205 Seiten, Broschur
G. Müller
Kriterien für Evakuierungsempfehlungen bei             Band 23
Chemiekalienfreisetzungen                              K. Haberer, U. Böttcher
1998, 244 Seiten + Faltkarte, Broschur                 Das Verhalten von Umweltchemikalien in Boden
                                                       und Grundwasser
Band 31                                                1996, 235 Seiten, Broschur
G. Schallehn und H. Brandis
Beiträge zur Isolierung und Indentifizierung           Band 22
von Clostridium sp. und Bacillus sp. sowie zum         B. Gloebel, C. Graf
Nachweis deren Toxine                                  Inkorporationsverminderung für radioaktive
1998, 80 Seiten, Broschur                              Stoffe im Katastrophenfall
                                                       1996, 206 Seiten, Broschur
Band 30
G. Matz                                                Band 21
Untersuchung der Praxisanforderung an die Ana-         Arbeiten aus dem Fachausschuß III: Strahlen-
lytik bei der Bekämpfung großer Chemieunfälle          wirkungen – Diagnostik und Therapie
1998, 192 Seiten, Broschur                             1996, 135 Seiten, Broschur

Band 29                                                Band 20
D. Hesel, H. Kopp und U. Roller                        Arbeiten aus dem Fachausschuß V
Erfahrungen aus Abwehrmaßnahmen bei che-               I. – D. Henschler: Langzeitwirkungen phosphororga-
mischen Unfällen                                       nischer Verbindungen
1997, 152 Seiten, Broschur                             II. – H. Becht: Die zellvermittelte typübergreifende
                                                       Immunantwort nach Infektion mit dem Influenza-
                                                       virus


228
III. – F. Hoffmann, F. Vetterlein, G. Schmidt;       III. – T. M. Fliedner, W. Nothdurft: Präklinische
Die Bedeutung vasculärer Reaktionen beim akuten      Untersuchungen zur Beschleunigung der Erholungs-
Nierenversagen nach großen Weichteilverletzungen     vorgänge in der Blutzellbildung nach Strahlenein-
(Crush-Niere)                                        wirkung durch Beeinflussung von Regulationsme-
1996, 127 Seiten, Broschur                           chanismen
                                                     IV. – G. B. Gerber: Radionuklid Transfer
Band 19                                              1993, 268 Seiten, Broschur
Radioaktive Strahlungen
I. – B. Kromer unter Mitarbeit von K. O. Münnich,    Band 13
W. Weiss und M. Zähringer:                           H. Mönig, W. Oehlert, M. Oehlert, G. Konermann
Nuklidspezifische Kontaminationserfassung            Modifikation der Strahlenwirkung und ihre Fol-
II. – G. Hehn:                                       gen für die Leber
Datenaufbereitung für den Notfallschutz              1993, 90 Seiten, Broschur
1996, 164 Seiten, Broschur
                                                     Band 12
Band 18                                              Biologische Dosimetrie
L. Clausen, W.R. Dombrowsky, R.L.F. Strangmeier      I. – H. Mönig, Wolfgang Pohlit, Ernst Ludwig Satt-
Deutsche Regelsysteme                                ler: Einleitung: Dosisabschätzung mit Hilfe der Bio-
Vernetzungen und Integrationsdefizite bei der        logischen Dosimetrie
Erstellung des öffentlichen Gutes Zivil- und         II. – Hans Joachim Egner et al.: Ermittlung der Strah-
Katastrophenschutz in Europa                         lenexposition aus Messungen an Retikulozyten
1996, 130 Seiten, Broschur                           III. – Hans Mönig, Gerhard Konermann: Strahlenbe-
                                                     dingte Änderung der Chemilumineszenz von Granu-
Band 17                                              lozyten als biologischer Dosisindikator
41. Jahrestagung der Schutzkommission beim           IV. – Paul Bidon et al.: Zellmembranänderungen als
Bundesminister des Innern                            biologische Dosisindikatoren. Strahleninduzierte
– Vorträge –                                         Membranänderung im subletalen Bereich. Immun-
1996, 197 Seiten, Broschur                           bindungsreaktionen an Lymphozyten
                                                     1993, 206 Seiten, Broschur
Band 16
F. E. Müller, W. König, M. Köller                    Band 11                                    vergriffen
Einfluß von Lipidmediatoren auf die Pathophy-        Beiträge zur Katastrophenmedizin
siologie der Verbrennungskrankheit
1993, 42 Seiten, Broschur                            Band 10
                                                     W. R. Dombrowsky
Band 15                                              Bürgerkonzeptionierter Zivil- und Katastrophen-
Beiträge zur dezentralen Trinkwasserversorgung       schutz
in Notfällen                                         Das Konzept einer Planungszelle Zivil- und Kat-
Teil II: K. Haberer und M. Drews                     astrophenschutz
1. Einfache organische Analysenmethoden              1992, 79 Seiten, Broschur
2. Einfache Aufbereitungsverfahren
1993, 144 Seiten, Broschur                           Band 9                               vergriffen
                                                     39. und 40. Jahrestagung der Schutzkommission
Band 14                                              beim Bundesminister des Innern
Beiträge zu Strahlenschäden und Strahlen-
krankheiten                                          Band 8                                vergriffen
I. – H. Schüßler: Strahleninduzierte Veränderungen   Beiträge zur dezentralen Trinkwasserversorgung
an Säugetierzellen als Basis für die somatischen     in Notfällen
Strahlenschäden                                      Teil I: K. Haberer und U. Stürzer
II. – K. H. von Wangenheim, H.-P. Peterson, L.E.
Feinendegen: Hämopoeseschaden, Therapieeffekte       Band 7                                     vergriffen
und Erholung                                         E. Pfenninger und F. W. Ahnefeld
                                                     Das Schädel-Hirn-Trauma




                                                                                                     229
Band 6                                 vergriffen
O. Messerschmidt und A. Bitter
Neutronenschäden

Band 5                              vergriffen
R. E. Grillmaier und F. Kettenbaum
Strahlenexposition durch Ingestion von radio-
aktiv kontaminiertem Trinkwasser

Band 4                            vergriffen
W. R. Dombrowsky
Computereinsatz im Zivil- und Katastrophen-
schutz

Band 3
B. Lommler, E. Pitt, A. Scharmann und R. Simmer
Der Nachweis schneller Neutronen in der Kat-
astrophendosimetrie mit Hilfe von Ausweisen aus
Plastikmaterial
1990, 66 Seiten, Broschur

Band 2                             vergriffen
Gammastrahlung aus radioaktivem Niederschlag
Berechnung von Schutzfaktoren

Band 1                               vergriffen
L. Clausen und W. R. Dombrowsky
Zur Akzeptanz staatlicher Informationspolitik
bei technischen Großunfällen und Katastrophen



 Katastrophenmedizin – Leitfaden für die
 ärztliche Versorgung im Katastrophenfall
 Neuauflage 2001, Broschur




 Broschüren und eine komplette Liste aller
 bisher erschienenen und bereits vergriffenen
 Bände können kostenlos bezogen werden bei:

       Bundesverwaltungsamt
        – Zentralstelle für Zivilschutz –
          Deutschherrenstraße 93–95
                 53177 Bonn


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Notizen




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