Aflatoxine in Haselnuessen und Mandeln – Eine Gegenueberstellung der Untersuchungsergebnisse ganzer und zerkleinerter Ware - Untersuchungen aus dem Jahr 2012

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					08.02.2013




Aflatoxine in Haselnüssen und Mandeln – Eine
Gegenüberstellung der Untersuchungsergebnisse ganzer und
zerkleinerter Ware - Untersuchungen aus dem Jahr 2012

Ein Bericht aus unserem Laboralltag




Zusammenfassung
Im Jahr 2012 wurden am CVUA Stuttgart 93 Proben ganze und zerkleinerte
Haselnüsse und Mandeln auf ihren Gehalt an Aflatoxinen untersucht.
          Aflatoxine wurden in keiner der 26 untersuchten Proben „Ganze
          Haselnüsse“ nachgewiesen.
          Dagegen wurden in 52% der untersuchten Proben „Zerkleinerte
          Haselnüsse“ Aflatoxine nachgewiesen. Eine dieser Proben wurde wegen
          Überschreitung der gesetzlich festgelegten Höchstmenge für Aflatoxin B 1
          beanstandet.
          In 2 (10%) von 20 untersuchten Proben „Ganze Mandeln“ wurden
          Aflatoxine nachgewiesen. Die ermittelten Konzentrationen lagen über
          denen, die im Mittel in zerkleinerten Mandeln gefunden wurden. Die
          Aflatoxin-Belastung der Proben „Zerkleinerte Mandeln“ mit Aflatoxinen
          war geringer aber breiter angelegt als in ganzen Mandeln, d.h. dieses
          Toxin wurde in mehr Proben aber in geringeren Konzentrationen
          nachgewiesen. Die ermittelten Aflatoxingehalte lagen aber alle unter den
          aktuell geltenden gesetzlichen Höchstmengen.


Insgesamt stellt sich die Situation hinsichtlich der Belastung von Haselnüssen
und Mandeln mit Aflatoxinen positiv dar.


Hintergrund
Aflatoxine sind natürliche, sogenannte sekundäre Stoffwechselprodukte, die von
den Schimmelpilzen Aspergillus flavus und Aspergillus parasiticus gebildet wer-
den und bei Menschen und Tieren eine toxische Wirkung zeigen. Insbesondere
Aflatoxin B1 gilt als das im Tierversuch am stärksten karzinogen wirkende Schim-
melpilzgift. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass Aflatoxine auch beim
 ADRESSE Schaflandstraße 3/2 70736 Fellbach          E-MAIL Poststelle@cvuas.bwl.de
 TELEFON +49 711 3426 - 1234                         INTERNET www.cvua-stuttgart.de
 +49 711 3426 - 1727 (Diagnostik)                    ÖFFENTL. VERKEHRSMITTEL S-Bahn S2 und S3
 FAX +49 711 588176 +49 711 3426-1729 (Diagnostik)   Bus 60, 67 und 212 Haltestelle Fellbach Bahnhof
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Menschen eine solche Wirkung ausüben. Aflatoxine werden hauptsächlich in
feuchtwarmen bis feuchtheißen Klimazonen gebildet. Daher stammen aflatoxin-
belastete Lebensmittel und Lebensmittelrohstoffe meist aus subtropischen und
tropischen Anbaugebieten, weniger aus Gebieten der gemäßigten Zonen. Eine
große Rolle für die Belastung mit diesen Toxinen spielen u.a. die Wetterbedin-
gungen während der Ernte. Regen und damit feuchte Früchte bieten optimale
Voraussetzungen für ein Wachstum der Pilze. Die Aflatoxine werden zu den sog.
„Lagertoxinen“ gerechnet, da sie erst nach der Ernte bei unsachgemäßer Lage-
rung (warm und feucht) produziert werden.


Um eine Gefährdung der Gesundheit durch aflatoxinbelastete Lebensmittel zu
vermeiden, wurden EU-weit und national Höchstmengen für diese Toxine festge-
setzt.
Nach Artikel 1 Abs. 1 der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 dürfen die im Anhang
der Verordnung genannten Erzeugnisse nur in den Verkehr gebracht werden,
wenn ihre Gehalte an Kontaminanten die dort genannten Höchstgehalte nicht
überschreiten.
Nach dem Anhang der genannten, aktualisierten Verordnung gilt EU-weit für
Mandeln eine Höchstmenge von 8,0 µg/kg Aflatoxin B1 und 10,0 µg/kg für Ge-
samtaflatoxine (Summe Aflatoxin B1, B2, G1 und G2), sowie für Haselnüsse eine
Höchstmenge von 5,0 µg/kg Aflatoxin B1 bzw. 10,0 µg/kg für Gesamtaflatoxine.


Haselnüsse und Mandeln, die vorwiegend aus der Türkei und den USA stammen,
werden v.a. in der Vorweihnachtszeit über die Supermärkte in große Mengen für
die Weihnachtsbäckerei angeboten. Aus Zeitmangel mahlen viele Verbraucher
die ganzen Mandeln und Nüsse nicht mehr selbst, sondern greifen auf bereits
industriell zerkleinerte Ware zurück.


Ergebnisse
In den nachfolgenden Tabellen sind die Aflatoxin-Ergebnisse der untersuchten
Haselnuss- und Mandel-Proben dargestellt.

Tabelle 1:Gegenüberstellung der Aflatoxin B1-Ergebnisse in Mandeln und Haselnüssen

                                                            Mittelwert           Höchster
                                 Anzahl Proben
                                                           (der Proben           ermittelter
  Aflatoxin        Anzahl Proben mit Gehalten >
                                                           mit Gehalten)           Gehalt
                                      BG*
                                                               [µg/kg]            [µg/kg]
Ganze Man-
deln                       20              2 (10%)               2,5                 3,5
Zerkleinerte
Mandeln                    26             6 (23,1%)              0,86                1,85
Ganze Hasel-
nüsse                      26                    0                 -                  -
Zerkleinerte
Haselnüsse                 21            11 (52,4%)              1,22                5,3

* BG Bestimmungsgrenze Aflatoxin B1: 0,2 µg/kg
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Die Ergebnisse zeigen, dass in 23,1% der untersuchten Proben „Zerkleinerte
Mandeln“ Aflatoxin B1 nachgewiesen wurde, aber lediglich in 10% der Proben
„Ganze Mandeln“. Weitaus deutlicher fällt der Unterschied bei den Haselnüssen
aus: hier wurden in 52,4% der Proben „Zerkleinerte Haselnüsse“ Aflatoxine
nachgewiesen, dagegen in keiner der Proben „Ganze Haselnüsse“.
Die Aflatoxin-Konzentrationen in den beiden Befunden der Proben „Ganze
Mandeln“ sind allerdings deutlich höher als in den zerkleinerten Mandeln; hier
zeigen die Ergebnisse, dass die Kontamination niedriger aber breiter angelegt ist.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass für die Herstellung der
zerkleinerten Ware Rohstoffe eingesetzt wurden, die qualitativ nicht so
hochwertig waren wie bei den ganzen Früchten.


Bis Anfang März 2010 lagen die Aflatoxin-Grenzwerte für Nüsse und Mandeln
einheitlich bei 2 µg/kg für Aflatoxin B1 und 4 µg/kg für Gesamtaflatoxine und
wurden mit der Verordnung (EU) Nr. 165/2010 vom 26.02.2010 auf die o.g. Werte
heraufgesetzt.
Die Probe „Ganze Mandeln“ mit einem Gehalt von 3,5 µg/kg Aflatoxin B1 stammte
aus Spanien. Vor der Aktualisierung der Höchstmengen durch die genannte
Verordnung         (EU)    Nr.        165/2010     wäre   die   Probe     wegen    einer
Höchstmengenüberschreitung beanstandet worden.
Die    EU       berücksichtigt   in     ihren    Gesetzgebungsverfahren   die   globalen
Bestrebungen zur Harmonisierung von Höchstmengen, v.a. in der internationalen
Arbeit des Codex alimentarius. Hier werden auch die Möglichkeiten von
Entwicklungsländern und Drittstaaten berücksichtigt. In der Regel bedeutet dies
für den hiesigen Verbraucher, dass Höchstmengen eher höher angesetzt werden.
Die Probe „Gemahlene Haselnüsse“ mit 5,3 µg/kg Aflatoxin B1 stammte aus der
Türkei; mit diesem ermittelten Gehalt überschreitet sie auch die EU-weit geltende,
neue und höhere Höchstmenge.


Literatur
VO (EG) 1881/2006: Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 der Kommission vom 19.
      Dezember 2006 zur Festsetzung der Höchstgehalte für bestimmte Kon-
      taminanten in Lebensmitteln (ABl. L 364/5), zuletzt geändert durch die
      Verordnung (EU) Nr. 1058/2012 vom 12. November 2012 (ABl. L 313/14)


Bildernachweis:
Haselnüsse, Andreas Morlok, Pixelio.de, Image-ID=542257,
Mandelkerne, Rainer Sturm, Pixelio.de, Image-ID=502323.


Autorin:
Renate Schnaufer

				
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Description: Im Jahr 2012 wurden am CVUA Stuttgart 93 Proben ganze und zerkleinerte Haseln�sse und Mandeln auf ihren Gehalt an Aflatoxinen untersucht. Aflatoxine wurden in keiner der 26 untersuchten Proben „Ganze Haseln�sse“ nachgewiesen. Dagegen wurden in 52% der untersuchten Proben „Zerkleinerte Haseln�sse“ Aflatoxine nachgewiesen. Eine dieser Proben wurde wegen �berschreitung der gesetzlich festgelegten H�chstmenge f�r Aflatoxin B1 beanstandet. In 2 (10%) von 20 untersuchten Proben „Ganze Mandeln“ wurden Aflatoxine nachgewiesen. Die ermittelten Konzentrationen lagen �ber denen, die im Mittel in zerkleinerten Mandeln gefunden wurden. Die Aflatoxin-Belastung der Proben „Zerkleinerte Mandeln“ mit Aflatoxinen war geringer aber breiter angelegt als in ganzen Mandeln, d.h. dieses Toxin wurde in mehr Proben aber in geringeren Konzentrationen nachgewiesen. Die ermittelten Aflatoxingehalte lagen aber alle unter den aktuell geltenden gesetzlichen H�chstmengen. Insgesamt stellt sich die Situation hinsichtlich der Belastung von Haseln�ssen und Mandeln mit Aflatoxinen positiv dar.