BMI – Ist die Body Mass Index Formel falsch?

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					BMI – Ist die Body Mass Index Formel
falsch?
Der BMI (Body Mass Index) wird seit über 100 Jahren in Populations-Studien, von
Ärzten, Personal-Trainern und anderen Medizinalpersonen verwendet, wenn es darum
geht, herauszufinden, ob jemand übergewichtig ist oder nicht. Der BMI hat aber eine
grosse Schwäche: er berücksichtig nur das Gewicht und nicht das Verhältnis von Fett zu
fettfreier Körpermasse.

Der Body Mass Index, eine simple mathematische Formel, wurde 1830 von Lambert Adolphe
Jacques Quetelet (1796-1874), einem belgischen Astronomen, Mathematiker, Statistiker und
Soziologen, eingeführt. Der BMI dient dazu, eine Aussage über das Verhältnis von
Körpergrösse zu Gewicht zu geben, indem das Körpergewicht durch die Körpergrösse im
Quadrat geteilt wird. Dies führt jedoch schnell mal zu Fehlern, wenn nämlich die untersuchte
Person zwar klein, aber sehr muskulös und damit sehr schwer ist.

Nick Trefethen, ein Professor für Numerische Analyse am Universitätsinstitut für Mathematik
in Oxford schrieb in einem Brief an The Economist, dass die BMI Formel falsch sei und
lediglich eine ungefähre Abschätzung dafür liefere, ob eine Person ein gesundes Gewicht
habe oder nicht.

Trefethen meinte: “Wenn alle drei Dimensionen eines Menschen sich bei einer Zunahme
gleich verhielten, dann müsste die Formel als Gewicht/Grösse3 dargestellt werden. Das tun sie
aber nicht! Gewicht/Grösse2 ist aber hingegen auch nicht realistisch.

Eine bessere Annäherung an die komplexe Realität könnte so aussehen: Gewicht/Grösse2.5.
Wenn man nämlich das durchschnittliche Gewicht von Personen gegen ihre Grösse
aufzeichnet, so kommt das Resultat einer Formel näher, bei der die Grösse mit Hoch 2.5 als
mit Hoch 2 Eingang findet.”

Die gegenwärtige BMI Formel führt zu Verwirrung und Missinformation




       Selbst die Gelehrten streiten sich darüber, wie der BMI genau zu bestimmen ist

Trefethen glaubt, dass der Term Grösse2 in der Formel das Gewicht zu stark dividiert, wenn
die Leute klein sind und zu wenig, wenn die Leute gross sind. Das Resultat ist, dass gemäss
BMI kleine Leute dünner rauskommen, als sie tatsächlich sind, während die grossen Leute als
dicker dargestellt werden, als sie in der Realität sind.
Als Quételet die BMI Formel vorschlug, gab es weder Computer noch Taschenrechner noch
sonst irgendwelche elektronischen Hilfsmittel. Er musste also eine einfache und
alltagstaugliche Formel erfinden. Trefethen fragt sich allerdings in seinem Brief, warum auch
heute noch im Zeitalter der Elektronik die ganze Welt eine solch veraltete Formel verwendet.

Vielleicht will niemand an etwas althergebrachtem rütteln, vermutet er. Es ist für gewöhnlich
einfacher, an einer Übereinstimmung festzuhalten, die alle kennen und respektieren, als etwas
Neues einzuführen. Das grandiose Scheitern bei der Einführung von Kilojoul anstelle der
traditionellen Kilokalorien kann hier als Beispiel dienen.

Ausserdem, so mögen viele sagen, gibt es vermutlich noch manch andere falsche Formel in
der Welt der Wissenschaften. Die BMI-Formel ist aber so falsch, dass sie aus der Masse
hervorsticht – und das nicht zuletzt vor dem Hintergrund einer immer dicker werdenden
Population.

Trefethen schlägt eine Alternative zum bestehenden BMI vor

Trefethen sagt: “Angenommen, wir ändern den Exponenten von 2.0 auf 2.5 und adjustieren
die Konstante so, dass eine durchschnittlich grosse Person keine Veränderung des BMI
erfährt. Dann würden plötzlich Millionen von Leuten, die ungefähr 1.50 m gross sind, einen
Punkt auf der BMI Skala dazu gewinnen und Millionen andere, die ca. 1.80 m gross sind,
einen Punkt auf der Skala verlieren.

Er schlägt daher eine neue Formel vor:

BMI = 1.3*Gewicht(kg)/Grösse(m)2.5.

„In unserer übergewichtigen Welt, würden solche Veränderungen ein paar Kleingewachsene
beunruhigen und ein paar Grossgewachsene beruhigen, aber das Wesentliche dabei wäre, dass
die Nummer, mit der sie von diesem Moment an arbeiten würden, näher an der Realität ist, als
der BMI und das würde sich langfristig positiv auf ihre Gesundheit auswirken,“ meinte
Trefethen dazu.

Quételet hätte die Veränderung seiner Formel vermutlich gutgeheissen, meint Alai Goriely,
Professor für Mathematische Modellierungen am Mathematischen Institut der Universität
Oxford. Offenbar hat Quételet bereits geahnt, dass seine Formel nicht ganz korrekt ist. Er
schrieb nämlich 1942 in der Publikation Treatise on man and the Development of his
Faculties:
       Bereits Quételet wusste, dass sein Body Mass Index nicht ganz korrekt war

“Wenn der Mensch in allen Dimensionen gleich wachsen würde, wäre sein Gewicht zu
verschiedenen Zeitpunkten im Leben gleich dem Kubik seiner Grösse, d.h. sein Gewicht wäre
gleich seiner Grösse hoch drei. Nun, das ist nicht das, was wir in der Realität sehen. Die
Gewichtszunahme ist langsamer, ausser im ersten Jahr nach der Geburt, wo die Proportion
von Grösse und Gewicht ziemlich genau der oben beschriebenen Formel entspricht.

Danach hingegen bis nahe an die Pubertät wächst das Gewicht beinahe im Quadrat zur
Grösse. In der Pubertät selbst nimmt das Gewicht dann wieder deutlich schneller zu und
kommt praktisch zu einem kompletten Stopp nach dem 20. Lebensjahr. Generell liegen wir
nicht wirklich falsch, wenn wir davon ausgehen, dass sich während des Wachstums die
Quadrate des Gewichts zu unterschiedlichen Zeitpunkten gleich verhalten wie die fünfte
Potenz der Grösse; was uns natürlich zur Schlussfolgerung führt, dass wir, unter
Berücksichtigung der spezifischen Gravitationskonstante, mehr in die Höhe wachsen als in
die Breite.“

Goriely sagte dazu: „Gemäss Quételet wäre also der Faktor für Babies 3 (Babies sind
Kugeln), für Kinder 2 (Kinder wachsen eher wie Sellerie-Stangen, wie wir wissen) und
5/2=2.5 für Erwachsene. Es scheint, dass sich Quételet keine grossen Gedanken zu
Übergewicht und Adipositas gemacht hat (kein grosses Problem Anfang des 19.
Jahrhunderts).“

Ein Beispiel dafür, wo der BMI falsche Aussagen liefert:

Wenn man zwei Personen über ihr Körpergewicht aufklären müsste:

   •   Der träge Müssiggänger
       Er ist 1.83 m gross, war noch nie in einem Fitnesscenter und macht auch sonst nur das
       Nötigste und wiegt 92 Kilo.
       Sein BMI ist 27
   •   Der Athlet
       Er ist ein Olympionike, 1.83 m gross, trainiert täglich mehrere Stunden und wiegt 96
       Kilo.
       Sein BMI ist 28
       Usain Bolt hat soviele Muskeln, dass er gemäss BMI übergewichtig wäre

Wenn man nun lediglich die BMI-Formel zu Rate ziehen würde, müsste man dem
Müssiggänger ein besseres Körpergewicht zugestehen, als dem Athleten, denn sein BMI ist ja
mit 27 niedriger als derjenige des Olympioniken – was natürlich völliger Unfug ist. Der
Fehler hier ist, dass der BMI eben nur die Körpergrösse zum Gewicht in Relation stellt und
über den Anteil Fett respektive fettfreier Körpermasse keinerlei Aussage zulässt.

Im konkreten Fall ist es natürlich so, dass der Müssiggänger übergewichtig ist und der Athlet
nicht. Der Athlet hat trotzdem einen hohen BMI weil er sehr viel Muskel hat, die zum hohen
Gewicht beitragen.

Was wäre also das Idealgewicht?

Es wäre ideal, wenn es eine Formel dafür gäbe, die uns genau sagt, wie schwer wir sein
sollten. Unglücklicherweise gibt es das nicht.

Man kann nicht einfach sein gesundes Gewicht aus irgendeiner Tabelle ablesen – zu viele
Faktoren spielen dabei eine Rolle: Grundgesundheit, Grösse, Muskelmasse, Fettmasse,
Knochendichte, Fettverteilung, Geschlecht, Alter.

Den BMI zu kennen ist sicherlich nicht schlecht, weil es einem eine ungefähre Idee gibt, wo
man gewichtsmässig stehen sollte. Aufgrund der oben genannten Kriterien kann jeder
zusätzlich eine Feinabstimmung des Wertes an die Realität vornehmen. Grundsätzlich ist der
BMI aber eher dafür gedacht, grosse Populationen zu untersuchen und hat für den Einzelnen
nur eine beschränkte Aussagekraft.

BMI + Hüftumfang = Körper Gewichts Status

Forscher von der University of Toronto und dem Hospital for Sick Children in Ontario haben
in der Fachzeitschrift Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine berichtet, dass der BMI
zusammen mit dem Hüftumfang bei übergewichtigen Teenagern mit den Blutfetten und dem
Blutdruck korreliert.

Was die kanadischen Forscher an Teenagern bestätigen konnten, gilt heute in der
Übergewichts-Medizin als der neue Weg. Eher eine Kombination aus verschiedenen Formeln
oder Werten als nur der BMI geben Auskunft über den Körperstatus und somit das
Gesundheitsrisiko jedes Einzelnen.
In Zukunft wird man daher vermutlich immer häufiger auf mehrere Formeln stossen, die für
ein bestimmtes Individuum angewendet werden. Der BMI – ob in der jetzigen Form oder in
einer modifizierten – wird seine Gültigkeit behalten, aber nur noch bedingt.

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