Yersinia enterocolitica in Hunden und Katzen

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Yersinia enterocolitica in Hunden und Katzen Powered By Docstoc
					24.01.2013




Yersinia enterocolitica in Hunden und Katzen
Ein Bericht aus unserem Laboralltag

Erfolgreiche Zusammenarbeit in einer umfangreichen Multi-
Methoden Studie mit dem Vet Med Labor (IDEXX), Ludwigsburg


Yersinia enterocolitica ist einer der wichtigsten bakteriellen Erreger
von Durchfallerkrankungen (Gastroenteritiden) des Menschen. Als
wichtigste Kontaminationsquelle gelten rohes Schweinefleisch und
die daraus hergestellten Lebensmittel. Haustiere können sich über
ihr Futter ebenfalls mit dem Erreger infizieren, ggf. erkranken und
möglicherweise das Bakterium an den Menschen weitergeben.



             Infokasten
             Yersinia enterocolitica
             Die Yersiniose, eine akute Durchfallerkrankung, gehört zu den sogenannten
             Zoonosen. Dies sind Infektionen die vom Tier auf den Menschen übertragen
             werden. Einige Varianten von Y. enterocolitica sind dabei der wichtigste Auslö-
             ser dieser oft Kinder betreffenden Erkrankung [4].

             Als Hauptinfektionsquelle für Y. enterocolitica gilt der Verzehr kontaminierter
             tierischer Lebensmittel, insbesondere Schweinefleisch und Rohmilch, sowie




i
             kontaminiertes Wasser [5].

             Y. enterocolitica ist ein Gram-negatives, fakultativ anaerobes Stäbchen und
             gehört zur Familie der Enterobacteriaceae. Es werden nach ihren Stoffwechsel-
             leistungen Biovare und nach der Reaktion mit Antiseren Serovare unterschie-
             den. Bestimmte Bioserovare werden dabei besonders häufig im Zusammen-
             hang mit humanen Yersiniosen nachgewiesen (in Deutschland die Bioserovare
             4/O:3, 2/O:9 und 2/O:5,27). Bei diesen Typen findet sich in der Regel auch der
             Ail-Faktor, ein Protein, das für die Anheftung an die Darmwand - und damit für
             die Pathogenität - entscheidend sein soll [5].

             Das CVUA Stuttgart ist in Baden-Württemberg für die mikrobiologische Unter-
             suchung von Lebensmitteln zuständig, die im Zusammenhang mit humanen
             Erkrankungen erhoben werden. Y. enterocolitica gehört zu den Krankheitserre-
             gern auf die wir routinemäßig entsprechende Proben untersuchen.




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Eine gemeinsame umfangreiche Prävalenzstudie mit der Vet Med Labor
                                         GmbH, IDEXX Laboratories, Ludwigs-
                                         burg konnte nun zeigen, dass erkrank-
                                         te Hunde und Katzen in größerem Um-
                                         fang als bisher bekannt Träger ver-
                                         schiedener      Y.     enterocolitica-Typen
                                         sind - darunter im großen Anteil poten-
                                         tiell humanpathogener Varianten [1].



Für die Untersuchung von fast 7000 diagnostischen Kotproben ergänzten
sich dabei die Techniken, die in unserer Kooperation zur Verfügung stan-
den:
Nach der speziellen Anreicherung wurden verdächtige Bakterienisolate
per MALDI-TOF MS (Matrix-unterstützte Laserdesorptions/Ionisations-
Flugzeit-Massenspektrometrie) als Y. enterocolitica identifiziert. Von den
mehr als 180 erhaltenen Isolaten wurde anschließend der Bioserotyp
bestimmt und die Isolate per Infrarotspektroskopie (FT-IR) und mit einer
molekularbiologischen Methode (PCR) näher charakterisiert [2, 3]. Hierbei
stand besonders der Nachweis des Adhäsions- und Invasions-Faktors im
Vordergrund (ail-Gen), einer der Hauptfaktoren der Y. enterocolitica-
Pathogenität.


Durch die Kombination moderner spektroskopischer Methoden - der
MALDI-TOF MS und der FT-IR - konnten die aus einem kurzen Zeitfenster
stammenden Isolate, schnell und verlässlich bearbeitet werden.
                                       Die Kotproben waren zur Diagnosestel-
                                       lung vom behandelnden Tierarzt bei
                                       verschiedenen          Durchfallerkrankungen
                                       der Tiere an das Vet Med Labor, Lud-
                                       wigsburg eingesandt worden.



Yersinien auf Selektiv-Nährboden (Cefsulodin-Irgasan-Novobiocin-Agar; CIN-Agar).


In 4,6% von 4325 Proben vom Hund und 0,3% der 2624 Proben von Kat-
zen wurden Y. enterocolitica über MALDI-TOF MS identifiziert.


Die Bestätigung und die nähere Charakterisierung der über 180 Isolate
wurden dann am CVUA Stuttgart durchgeführt: Über 90% der näher un-
tersuchten Y. enterocolitica Isolate vom Hund waren dabei Träger des ail-
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Gens, wobei die Isolate aus Proben jüngerer Hunde hier überwiegen. Bei
allen sieben Katzenisolaten wurde dieses Pathogenitäts-Gen ebenfalls
nachgewiesen.          Die   drei   am     meisten    gefundenen      Bio/Serotyp-
Kombinationen (4/O:3, 2/O:9 und 2/O:5,27) entsprechen denen, die auch
                                      bei den meisten Yersiniosen des Men-
                                      schen gefunden werden. Häufig wurden
                                      in den Haustierproben auch der Biosero-
                                      typ 3/O:3 und wesentlich seltener der Typ
                                      5/O:3 nachgewiesen. Diese sind als
                                      Krankheitserreger beim Menschen weni-
                                      ger von Bedeutung.
Y. enterocolitica Kolonien unter dem Mikroskop.


Die Ergebnisse zeigen, dass unsere beliebtesten Haustiere ein Reservoir
von möglicherweise auch human-pathogenen Y. enterocolitica-Varianten
sein können. Dies gilt insbesondere, wenn die Tiere selber Durchfallsymp-
tome zeigen. In der Vergangenheit sind Y. enterocolitica aber auch von
Haustieren ohne Symptome isoliert worden. Dies ist problematisch, da der
Tierbesitzer über die mögliche Yersinien-Trägerschaft seines tierischen
Hausgenossen nichts weiß. Erst nach einer entsprechenden Laborunter-
suchung auf pathogene Y. enterocolitica kann eine entsprechende Bera-
tung des Tierbesitzers durch den behandelnden Tierarzt erfolgen, um dem
möglichen Infektionsrisiko zu begegnen.


Quellen:
         [1] Stamm I., M. Hailer, B. Depner, P. A. Kopp, J. Rau (2013):
             Yersinia enterocolitica in Diagnostic Fecal Samples from European
             Dogs and Cats: Identification by Fourier Transform Infrared Spectros-
             copy and Matrix-Assisted Laser Desorption Ionization–Time of Flight
             Mass Spectrometry.
             J. Clinic. Microbiology 51: (published ahead of print 02.01.2013,
             doi:10.1128/JCM.02506-12)
             http://jcm.asm.org/content/early/2013/01/02/JCM.02506-12.abstract.
         [2] Infrarotspektroskopie zum Nachweis von pathogenen Yersinia
             enterocolitica; Internet-Beitrag des CVUA Stuttgart vom 22.09.2009.
             http://www.ua-
             bw.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=2&ID=1210&Pdf=No.
         [3] Kuhm, A., D. Sutter, R. Felleisen, J. Rau (2009):
             Identification of Yersinia enterocolitica on Species and Subspecies
             Level by Fourier Transform Infrared Spectroscopy.
             Appl. Environm. Microbiol. 75: 5809-5813
             http://aem.asm.org/content/75/18/5809.full.
         [4] Rosner B., K. Stark, M. Höhle, D. Werber (2012):
             Yersiniose – Risikofaktoren in Deutschland. Epid. Bull. 2012(6): 47-
             51.
         [5] Bundesinstitut für Risikobewertung: Yersinien. Seite aufgerufen am
                15.01.2012. http://www.bfr.bund.de/de/yersinien-54364.html
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Bildernachweis:
Jörg Rau (CVUA S).
Ivonne Stamm (Vet Med Labor, IDEXX, Ludwigsburg).


Autor(en):
Jörg Rau (CVUA S).
Ivonne Stamm (Vet Med Labor, IDEXX, Ludwigsburg).

				
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Description: Yersinia enterocolitica ist einer der wichtigsten bakteriellen Erreger von Durchfallerkrankungen (Gastroenteritiden) des Menschen. Als wichtigste Kontaminationsquelle gelten rohes Schweinefleisch und die daraus hergestellten Lebensmittel. Haustiere koennen sich ueber ihr Futter ebenfalls mit dem Erreger infizieren, ggf. erkranken und moeglicherweise das Bakterium an den Menschen weitergeben.