Ochratoxin A in Oelsamen und Schalenobst – nur selten positiv

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					17.01.2013




Ochratoxin A in Ölsamen und Schalenobst -
nur selten positiv -
Untersuchungen aus dem Jahr 2012


Ein Bericht aus unserem Laboralltag




Zusammenfassung
Im Jahr 2012 wurden am CVUA Stuttgart 89 Proben Ölsamen (Mohn,
Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Leinsamen) sowie Pistazien und Pi-
nienkernen aus den Regierungsbezirken Stuttgart und Karlsruhe auf ihren
Gehalt an Ochratoxin A untersucht.


          Höchstmengen für Ochratoxin A in Ölsamen und Schalenobst sind
          weder auf EU-Ebene noch national festgelegt (zur Orientierung:
          die EU-weit geltende Höchstmenge nach der EU-Verordnung
          1881/2006 für Ochratoxin A in getrockneten Weintrauben beträgt
          10 µg/kg und für Getreide und Getreidemehle 3 µg/kg)
          In den 14 untersuchten Mohn- und Pinienkernen wurde kein
          Ochratoxin A nachgewiesen.
          In 46 von 50 Pistazienproben und in 11 von 14 Sonnenblumen-
          kernproben wurde kein Ochratoxin A nachgewiesen.
          Die höchsten Ochratoxin A-Gehalte wurden in einer Probe Son-
          nenblumenkerne mit 20,6 µg/kg und in einer Pistazienprobe mit
          12,2 µg/kg nachgewiesen.
Damit gibt die Rückstandssituation insgesamt keinen Anlass zu Besorg-
nis.


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Hintergrund
Das Mykotoxin Ochratoxin A (OTA) wird von verschiedenen Spezies nie-
derer Pilze der Gattungen Penicillium und Aspergillus gebildet, die in der
Natur weltweit verbreitet vorkommen. Unter unzureichenden Lagerbedin-
gungen von pflanzlichen Lebensmitteln können sich die entsprechenden
Toxinbildner, im Gegensatz zu den aflatoxinbildenden Spezies, auch in
gemäßigten Klimazonen entwickeln.
OTA tritt fast ausschließlich in pflanzlichen Lebensmitteln wie Getreide,
Hülsenfrüchten, Kaffee, Bier, Weintrauben und daraus hergestellte Er-
zeugnissen (z.B. getrocknete Weintrauben, roter Traubensaft, Rotwein),
Kakao, Nüssen und Gewürzen überall auf der Welt auf.
Problematisch ist die lange Halbwertszeit von OTA im tierischen und
menschlichen Organismus; nach dem Verzehr kontaminierter Produkte
wird das Toxin nur sehr langsam aus dem Körper ausgeschieden.
Nach derzeitigem Kenntnisstand gilt es insbesondere als nierenschädi-
gend und immunsuppressiv. Im Tierversuch zeigt OTA kanzerogene und
teratogene Wirkungen. Die International Agency for Research on Cancer
(IARC) hat OTA als möglicherweise karcinogen für den Menschen einge-
stuft.


Nach Berichten über Ochratoxin A-Befunde in Pistazien, u.a. aus Kalifor-
nien, wurden am CVUA Stuttgart in 2012 alle Pistazienproben und weitere
Ölsamen und Nüsse, neben den Untersuchungen auf Aflatoxine, auch auf
ihren Gehalt an Ochratoxin A untersucht.
Eine Vorschau auf diese Untersuchungen beinhaltet der Beitrag „Mykoto-
xine in Pistazien“ vom 22.06.2012.


Einleitung
Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie Pistazien werden gerne geknab-
bert und als Snack verzehrt. Mohn wird überwiegend in Mehlspeisen und
Backwaren verarbeitet.
Sonnenblumenkerne werden auch zur Herstellung von Sonnenblumenöl
verwendet. Vor allem in Osteuropa werden die Sonnenblumenkerne als
Imbiss für unterwegs verzehrt.
Dasselbe gilt für Kürbiskerne, die sowohl der Kürbiskernöl-Gewinnung
dienen als auch in Gebäck verarbeitet und als Snack verzehrt werden.
Pistazien wachsen auf einem immergrünen Laubbaum, der mehrere hun-
dert Jahre alt werden kann und sie werden botanisch zu den Steinfrüchten
gezählt. Da weibliche und männliche Blüten auf unterschiedlichen Bäu-
men wachsen, kann die Befruchtung, und somit eine Ernte, nur stattfinden
wenn weibliche und männliche Bäume auf einer Plantage stehen, bzw.
können Zweige des männlichen Baumes auf weibliche Bäume gepfropft
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werden. Pistazien gedeihen in trockenen, wüstenähnlichen Gebieten. Die
Hauptanbaugebiete liegen im Iran, den USA und in der Türkei. Pistazien
kommen meist geröstet und gesalzen als Knabberei in den Handel. Der
Geschmack ist süßlich, mandelartig und gleichzeitig kräftig-würzig. Grüne,
ungeröstete Pistazien werden in der Süßwarenproduktion (Mozartkugeln,
Pralinen, Baklava), zur Speiseeisherstellung und in der Wursterzeugung
(Mortadella, Jagdwurst) verwendet.
Pinienkerne werden in der mediterranen, türkischen und arabischen Kü-
che zum Backen, in Reisgerichten oder zum Knabbern verwendet. Da die
Kerne der Mittelmeerkiefer sehr teuer sind, werden häufig Samen der Ko-
rea-Kiefer aus China, Pakistan oder Korea importiert. Diese asiatischen
Kiefernsamen sind an ihrer eher dreieckigen Form und ihrer dunklen Spit-
ze gut zu erkennen. Sie schmecken im Vergleich zu den südeuropäischen
Kernen eher weniger aromatisch und sind noch fetthaltiger. Beim Verzehr
der Samen der asiatischen Kiefer wird ein bitterer, metallischer Ge-
schmack beschrieben und häufig wurde von ernsthaften aber vorüberge-
henden Geschmacksstörungen berichtet, die einige Tage bis wochenlang
anhalten können.
Schlafmohnsamen enthalten geringe Mengen an Opiaten. In Deutschland
sind nur zwei Sorten mit einem sehr geringen Morphingehalt zum geneh-
migungspflichtigen Anbau zugelassen, während in Österreich der Anbau
von Schlafmohn aufgrund einer langen Tradition völlig legal ist und sich
Mohn in vielen Rezepten zu Mehlspeisen wiederfindet. Aufgrund der ho-
hen Nachfrage für die Herstellung von Backwaren wird haute auch Mohn
aus anderen Ländern im Handel angeboten, dessen Morphingehalt stark
erhöht sein kann. Durch den Backvorgang können die Opiate unschädlich
gemacht werden. (nähere Informationen in folgendem Beitrag: „Mohn im
Haushalt richtig verwenden - aber wie?")
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Ergebnisse
In der nachfolgenden Tabelle sind die Ochratoxin A - Ergebnisse der
untersuchten Proben dargestellt.

Tabelle 1
Auflistung der Ochratoxin A-Ergebnisse in verschiedenen Ölsamen und
Schalenobstprodukten
                                             Mittelwert    Höchster
                                Anzahl Pro-
                    Anzahl Pro-              (der Proben ermittelter
Ochratoxin A                    ben mit Ge-
                    ben                      mit Gehalten) Gehalt
                                halten > BG*
                                             [µg/kg]       [µg/kg]
Geröstete Pistazien      45                3 (6,7%)    4,8    12,2
Grüne Pistazien          5                 1 (20%)     0,24   0,24
Sonnenblumenkerne 14                       3 (21,4%)   8,9    20,6
Kürbiskerne              3                 2 (66,7%)   3,4    6,0
Pinienkerne              10                0           -      -
Mohn                4                      0           -      -
Sonstige (4 Studen-
tenfutter, 2 Erd-
nussprodukte,     1 8                      3 (37,5%)   0,34   0,38
Leinsamen, 1 Nüs-
se)
* BG Bestimmungsgrenze Ochratoxin A: 0,4 µg/kg.


Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Produkte eher wenig mit
OTA belastet sind. Lediglich in 8 % aller 50 untersuchten Pistazienproben
wurde OTA bestimmt. Häufiger ist die Belastung in Sonnenblumenkernen,
hier wurde in 21,4 % der Proben OTA über der Bestimmungsgrenze ermit-
telt. Dagegen wurde in keiner der 10 untersuchten Pinienkern- und 4
Mohn-Proben OTA bestimmt. Da lediglich 3 Proben Kürbiskerne unter-
sucht wurden ist hier keine repräsentative Aussage zur Belastung mit OTA
möglich.
Die Pistazienprobe mit der höchsten OTA-Belastung (12,2 µg/kg) stammte
aus der Türkei. In dieser Probe wurde auch Aflatoxin B1 mit 6,1 µg/kg und
Gesamtaflatoxin mit 6,7 µg/kg bestimmt; die Gehalte liegen jedoch unter
der nach EU-Verordnung 1881/2006 gesetzlich festgelegten Höchstmen-
ge von 6 bzw. 10 µg/kg für Aflatoxin B1 bzw. Gesamtaflatoxine.
Die Kürbiskernprobe mit 6,0 µg/kg Ochratoxin A stammte aus China, die
Sonnenblumenkerne mit 20,6 µg/kg aus der Ukraine. In beiden genannten
Proben wurden keine Aflatoxine nachgewiesen.
Für OTA in Ölsamen und Nüssen sind bislang werden national noch auf
EU-Ebene Höchstmengen festgelegt. In seiner Stellungnahme vom
26.09.2012 zur toxikologischen Bewertung von Ochratoxin A in Schalen-
obst und Ölsaaten erwartet das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR
jedoch keine gesundheitlichen Effekte beim Verzehr von Pistazien mit
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einem Ochratoxin A-Gehalt von 12,2 µg/kg und von Sonnenblumenkernen
mit einem Ochratoxin A-gehalt von 20,6 µg/kg.


Literatur

[1]      Wikipedia Online-Lexikon.

[2]      IARC 1993: International Agency for research on Cancer, 1993.
         Ochratoxin A (Group 2B). Summaries and Evaluations 56: 489.
         Lyon, France. http://www.inchem.org/documents/iarc/vol56/13-
         ochra.html [19.09.2012].

[3]      Toxikologische Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewer-
         tung BfR von Rückständen an Ochratoxin A in Schalenobst und
         Ölsaaten vom 26.09.2012.



Bildernachweis:
Pistazien, Sara Hegewald, Pixelio.de, Image-ID= 586731.
Kürbiskernknäcke, w.r.wagner, Pixelio.de, Image-ID= 214046.


Autorin:
Dr. Renate Schnaufer.

				
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Description: Im Jahr 2012 wurden am CVUA Stuttgart 89 Proben Oelsamen (Mohn, Sonnenblumenkerne, Kuerbiskerne, Leinsamen) sowie Pistazien und Pinienkernen aus den Regierungsbezirken Stuttgart und Karlsruhe auf ihren Gehalt an Ochratoxin A untersucht.