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„Schlank im Schlaf“? - Eiweissbrote, der neue Trend beim Baecker

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„Schlank im Schlaf“? - Eiweissbrote, der neue Trend beim Baecker Powered By Docstoc
					08.01.2013




„Schlank im Schlaf“? – Eiweißbrote,
der neue Trend beim Bäcker

Ein Bericht aus unserem Laboralltag




Hintergrund der Untersuchung
Immer mehr Bäcker bieten neuerdings sogenannte „Eiweißbrote“ an. Die-
se Brote sollen beim Abnehmen helfen, wenn nicht sogar die Pfunde im
Schlaf purzeln lassen.


Kohlenhydratreduzierte Diäten wie die „Low carb-Diät“, „Trennkost-Diät“,
„Atkins-Diät“ oder auch die „Schlank im Schlaf-Diät“ haben den neuen
Trend zum Eiweißbrot ausgelöst. Brot besteht üblicherweise aus Mehl,
welches wiederum hauptsächlich aus Kohlenhydraten (z.B. Stärke) be-
steht. Somit hat Brot normalerweise einen hohen Kohlenhydrat- und einen
eher geringen Eiweißanteil. Weizenmischbrot enthält ca. 42 % Kohlenhyd-
rate und ca. 7 % Eiweiß. Durch „Eiweißbrot“ soll nun trotz Verzehr von
Brot eine geringe Kohlenhydrataufnahme möglich sein.



Untersuchung und Ergebnisse
Am CVUA Stuttgart wurden 14 „Eiweißbrote“ untersucht. Sofern eine Be-
werbung vorhanden war, wurde diese außerdem auf ihre Rechtmäßigkeit
geprüft.
Um einen hohen Eiweißanteil zu erhalten, wird den Broten Weizen-, Soja-
und / oder Lupineneiweiß, häufig in Form von fertigen „Eiweißkonzentrat-
mischungen“ zugesetzt. Vielfach verwendet der Bäcker gleich eine fertige
Backmischung. Die Brote enthalten zur nochmaligen Erhöhung des Ei-
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 TELEFON +49 711 3426 - 1234                         INTERNET www.cvua-stuttgart.de
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weiß- bzw. Proteinanteils meist noch weitere Soja- oder Lupinenerzeug-
nisse. Soja und Lupine sind als Hülsenfrüchte generell proteinhaltig. Als
Mehlanteil wird häufig Vollkornmehl in Form von Weizen-, Roggen- oder
Dinkelvollkornmehl verwendet. Insgesamt wird jedoch viel weniger Mehl
verwendet als bei normalem Brot.
Alle 14 untersuchten Brote waren außerdem mit sehr vielen Sonnenblu-
menkernen und Leinsamen gebacken, einige zudem mit Sesam und
Mohn. Die vielen Ölsaaten sind unter anderem aus Geschmacksgründen
zugesetzt. So schmecken die Brote nämlich hauptsächlich nach Ölsaaten
und erinnern geschmacklich an Sonnenblumen oder Leinsamenbrot. Der
Geschmack der Krume allein erinnert dagegen wenig an Brot: Er weist nur
wenig typischen Getreidegeschmack auf, schmeckt speckig, pappig, kleb-
rig. Auch die Konsistenz ist viel feuchter und klebriger als bei üblichem
Brot. Drückt man auf die Krume bleibt eine Delle.


Analytisch untersucht wurde bei den Eiweißbroten der Fett-, Eiweiß-, Koh-
lenhydrat- und Ballaststoffgehalt. Im Mittel enthielten die Brote 12,5 % Fett
(7-20,5 %). Als Vergleich hierzu enthalten Körnerbrötchen, Leinsamenbrot
oder Vollkornbrot mit Sonnenblumenkerne Fettgehalte um die 5 %, Rog-
genvollkornbrot hat nur ca. 1 g Fett pro 100 g Brot. Anhand der Fettsäure-
verteilung ließ sich außerdem feststellen, dass der Großteil des hohen
Fettanteils der untersuchten Brote auf den sehr hohen Ölsaatenanteil der
Brote zurückzuführen ist.
Die Eiweißgehalte lagen im Mittel bei 21 %. Alle Brote erfüllten die rechtli-
chen Vorgaben zur Auslobung als Eiweißbrot, dabei müssen mindestens
12 % des Brennwertes (Energiegehalts) auf den Proteinanteil entfallen.
Herkömmliche Brote mit Ölsaaten weisen ca. 7 % Eiweiß auf.
Die Kohlenhydratgehalte lagen im Mittel bei ca. 12 %. Alle 14 Brote erfül-
len auch hier die rechtlichen Vorgaben für eine Auslobung als „kohlenhyd-
ratreduziert“. Hierfür muss der Kohlenhydratgehalt gegenüber einem ver-
gleichbaren Produkt um mindestens 30 % reduziert sein. Der Kohlenhyd-
ratgehalt herkömmlicher, ölsaatenhaltiger Brote liegt bei ca. 40 %.
Im Mittel enthielten die untersuchten Brote 12 % Ballaststoffe. Der Ballast-
stoffgehalt erklärt sich ebenfalls aus dem sehr hohen Ölsaatenanteil und
den Vollkornanteilen. Roggenvollkornbrot enthält im Vergleich dazu ca.
8 % Ballaststoffe, Roggenvollkornbrot mit Sonnenblumenkerne um die 10
% Ballaststoffe. Nach den rechtlichen Vorgaben muss ein Lebensmittel für
eine Auslobung als „ballaststoffreich“ mindestens 6 g Ballaststoffe pro 100
g Lebensmittel enthalten.
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Beurteilung der Werbeaussagen
Als schwieriger gestaltete sich die Bewertung der oft in Form von Flyern,
Banderolen oder Plakaten angebrachten Bewerbung der Eiweißbrote, v.a.
bezüglich ihrer scheinbar gewichtsverringernden Eigenschaften.
Unumstritten ist die Tatsache, dass der Verzehr eines „Eiweißbrotes“ an-
stelle eines „normalen Brotes“ nicht zum Gewichtsverlust führt. Dieser ist
allein schon aufgrund des hohen Fett- und damit Energiegehaltes der Bro-
te ausgeschlossen. Nicht immer geht das jedoch deutlich genug aus der
Bewerbung hervor. Namen oder Slogans wie „Rank und Schlank“ oder
„Schlank im Schlaf“, die direkt mit dem Produkt in Verbindung gebracht
werden, können beim Verbraucher den Eindruck erwecken, das Brot
selbst mache „schlank“. Derartige Bewerbung der Eiweißbrote wurde so-
mit auch in drei Fällen als irreführend beurteilt. In einem Fall wurde sogar
damit geworben, das Brot habe „weniger Kalorien“, auch diese Aussage
ist eindeutig als irreführend zu beurteilen. Rechtlich unzulässig ist zudem
die Angabe „Low carb“. Bei drei Broten wurde unzulässigerweise mit die-
ser Angabe geworben. Auch Hinweise auf Ärzte sind lebensmittelrechtlich
verboten. Bei vier Broten wurde auf das „Schlank im Schlaf Prinzip“ nach
Dr. Pape, einmal zusätzlich auf Dr. Worm verwiesen. Diese Bewerbung
wurde beanstandet. Bei Aussagen, die Eiweißbrote können im Rahmen
von kohlenhydratreduzierten Diäten („Low carb“, „Trennkost“, „Schlank im
Schlaf“ usw.) zur Gewichtsreduktion beitragen, handelt es sich gemäß der
EU-Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über
Lebensmittel,   um     gesundheitsbezogene      Angaben     (VO(EG)     Nr.
1924/2006). Bislang galt, dass diese Aussagen wissenschaftlich hinrei-
chend gesichert sein müssen und ansonsten als irreführend zu beanstan-
den sind. Seit Dezember 2012 dürfen gesundheitsbezogene Angaben nur
noch verwendet werden, wenn sie, nach wissenschaftlicher Prüfung durch
die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA), von der EU zu-
gelassen wurden und in einer Gemeinschaftsliste veröffentlicht sind (VO
(EG) 432/2012). In dieser Liste finden sich keine zugelassenen Angaben,
die eiweißreiche Lebensmittel oder kohlenhydratreduzierte Lebensmittel
mit gewichtsreduzierenden Eigenschaften in Verbindung bringen. Einige
zur Prüfung eingereichte gesundheitsbezogene Angaben, auch „Claims“
genannt, sind aufgrund nicht hinreichender wissenschaftlicher Absiche-
rung von der EU abgelehnt worden. Darunter auch die Angabe „Protein-
reiche Nahrung/Mahlzeiten/Diäten führen zu länger anhaltender Sättigung
und helfen dabei eine Gewichtsreduktion zu erreichen“. Derartige Bewer-
bungen für Eiweißbrote sind somit nicht mehr zulässig.
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Fazit:
Wer Eiweißbrot kauft und verzehrt sollte wissen, dass der Verzehr von
Eiweißbrot allein auf gar keinen Fall eine schlankmachende Wirkung hat.
Eiweißbrot hat im Vergleich zu herkömmlichen Brot mehr Fett und mehr
Kalorien und führt somit eher zu einer höheren Energieaufnahme!


Eiweißbrote sind somit höchstens für Verbraucher geeignet, die im Rah-
men von kohlenhydratreduzierten Diäten ihre Kohlenhydrataufnahme ein-
schränken wollen und dabei trotzdem „Brot“ essen wollen. Doch auch
hierbei ist Vorsicht geboten: Die Theorie, die hinter den kohlenhydratredu-
zierten Diäten steckt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Ein zu hoher
Fett- und Eiweißkonsum kann außerdem negative gesundheitliche Aus-
wirkungen haben. Zudem schmecken die Eiweißbrote gewöhnungsbedürf-
tig und sind vergleichsweise teuer.


Unbestritten bleibt die Tatsache, dass man nur abnimmt, wenn man mehr
Energie verbraucht als man zu sich nimmt. In diesem Sinne ist es der
Gewichtsreduktion vermutlich dienlicher, zu Fuß zum Bäcker zu gehen
und herkömmliches Brot zu essen, als mit dem Auto zum Bäcker zu fah-
ren und Eiweißbrot zu essen.


Bildernachweis:
CVUA Stuttgart.
Frau mit einem Maßband, Benjamin Thorn, Pixelio.de, Image-ID= 610127.
Alle Jahre wieder…., Marianne J., Pixelio.de, Image-ID= 623207.


Autorin:
Dorothee Doludda.

				
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posted:1/16/2013
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