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Vorlesung 1-revppt.ppt

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					          Willkommen im Wintersemester
         Vorlesung: Donnerstag, 10.15 – 11.45




Wo finden Sie uns: http://www.uni-jena.de/svw/compsy/
                Einführung 1:
Wie wir die Welt bebildern – Irritationen.
1.   Neil Postman ist tot.
2.   Wort und Bild und Irrtum: Vom Anfang
3.   Irritationen
4.   Bilder und alphabetische Codes
5.   Was kennzeichnet die neuen Bilder und was macht
     sie so eindrucksvoll? – Beispiele
6.   Ende. Wir brauchen Bilder. Warum?
7.   Plan der Veranstaltungen




 www.verdirosi.com
Neil Postman ist tot.




             Der amerikanische Medienwissenschaftler Neil Postman
             ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Postman, der vor
             allem das kommerzielle Fernsehen kritisiert hat, starb
             am 5.10.2003 in seinem Wohnort Flushing in der Nähe
             von New York an Krebs, berichtet die New York Times.
2. Wort und Bild und Irrtum: Vom Anfang

„Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im
Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde
ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“




 Wormser Machzor, Fol. 130v: Schavuot, zweiter Tag, Morgengebet. Der Abschnitt beginnt mit "eine
 liebende Hirschkuh, eine Gabe vom Sinai". Die "liebende Hirschkuh" ist eine Personifikation Israels - sie
 wird von einem Teufel mit schwarzen Krallenfüßen und einem Horn gejagt.
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.
Und die Erde war wüst und leer, und es
war finster auf der Tiefe; und der Geist
Gottes schwebte auf dem Wasser.
Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es
ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht
gut war. Da schied Gott das Licht von der
Finsternis und nannte das Licht Tag und
die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend
und Morgen der erste Tag.“
Im Schaufenster hängt ein Bild von Moses.
Ein galizischer Jude tritt herein - was sieht er?
Der Kellner ist glatt rasiert (nach jüdischem Ritus verboten!)
Der Jude fragt misstrauisch: "Ist das hier wirklich koscher?"
Kellner: "Natürlich, sehen Sie nicht das Bild von Moses im Fenster
hängen?„
Der Jude: "Das schon. Aber offen gestanden: Wenn Sie im Fenster
hingen und Moses servieren würde, dann hätte ich mehr Vertrauen."
Der Ausgangspunkt:
Menschen schaffen Wirklichkeit, sie benennen das, was sie
geschaffen haben, sie reden über das Geschaffene und sie
versuchen das Geschaffene zu erklären.
In ihren Erklärungen können Menschen sich aber auch irren.




  www.verdirosi.com
3. Irritationen
Die Erste
Irritation
Die Zweite

„... ich will nicht leben, um den Boden zu küssen vor des Knaben Malcolm Fuß, und um
gehetzt zu werden von des Pöbels Flüchen. Mag Birnams Wald anrücken gegen Dunsinan,
magst du dich mir auch entgegenstellen, du nie vom Weibe Geborener, doch will ich noch
das letzte versuchen“.




 Welche Wirkung hat das bebilderte Morden auf jene, die diese Bilder
 anschauen?
Irritation
Die Dritte


             Jeder aufmerksame Mensch hat ein
             anderes Bild von Zurwehme und jeder
             meint dann auch Zurwehme gesehen
             zu haben, wenn das eigene Schema
             auf die gesehene Person, die meist
             nicht Zurwehme ist, passt.
Es geht um sich selbsterfüllende
Prophezeiungen (self-fulfilling prophecies):


Man bestätigt durch sein Verhalten die eigenen
ursprünglichen Erwartungen über das
Verhalten anderer Menschen.
4. Bilder und alphabetische Codes




   Felskunst in der Höhle von
           Altamira,




                                 Tiermensch von Les Trois Frères

Ein Bild ist die Darstellung oder Vorstellung von etwas oder
jemandem auf einer Fläche (ein Tafelbild, Zeichnung,
Graphik, Photographie usw.) oder in plastischer Gestalt,
mag diese materieller (z.B. eine Marmorstatue) oder                  Sonnensymbol in
                                                                   Aspeberget/Schweden
immaterieller Natur (z.B. ein kinematographisches
Bewegtbild) sein.
Eine mögliche Antwort:
Wir bebildern die Wirklichkeit, indem wir die Wirklichkeit abbilden.
Platons Höhlengleichnis




                                 Platon (428 - 348 v. u. Z.)




Eine weitere Antwort: Die Bilder, die wir uns von der Wirklichkeit machen,
gewinnen ein Eigenleben. Der Bezug zu Welt mag zwar noch vorhanden sein,
scheint aber fast sekundär.
Wir bebildern die Wirklichkeit so, dass unsere Emotionen ansprechen.
Eine kleine Geschichte der schriftlichen Kommunikation:
Um 3000 v. Chr.
In Mesopotamien entstehen Tontafeln und Sinnbilder.


Um 3000 v. Chr.
Im Vorderen Orient entsteht die Keilschrift, Schriftart des Altertums.


Seit 2900 v. Chr.
Hieroglyphen, Schriftzeichen mit erkennbar bildhaftem Charakter.


1184 v. Chr.
Der griechische Dichter Aischylos erwähnt in seinem Drama „Agamemnon", dass
Rauchtelegraphen den Fall der Stadt Troja nach Argos melden.


Um 150 v. Chr.
Im Römischen Reich besteht ein Rauchtelegraphennetz von 4500 km Ausdehnung.


50 v. Chr.
Die Schriftrolle wird als Medium genutzt.


Um 1450
Der Mainzer Goldschmied Johannes Gutenberg erfindet den Buchdruck mit
beweglichen Lettern.
Jede/r sieht offenbar die Welt so, wie er/sie sie sieht.
Menschen bilden die Welt, in der sie leben, nicht einfach ab.
Sie konstruieren sich vor dem Hintergrund bereits               gemachter
Erfahrungen ihre eigenen Bilder über die Wirklichkeit.
1829
Die Fotografie konserviert reale Abbildungen.
1876
Der Schotte Alexander Graham Bell erfindet das erste praktisch nutzbare Telefon (Echtzeit-
Kommunikation).
Seit 1877
Die deutsche Zeitungslandschaft wächst rapide, Gründerboom bei Tageszeitungen.
1887
Emil Berliner erfindet das Grammophon mit drehbarer Schallplatte.
1895
Mit dem Film können bewegte Bilder reproduziert werden.
1925
Die Entwicklung des Fernsehens beginnt.
1950
Tonbandgerät
1967
Einführung des Farbfernsehens in Deutschland.
1969
Das Netzwerk ARPANET wird vom US-Verteidigungsministerium realisiert. Dies gilt als die
Geburtsstunde des Internets.
1990
Digitaler Mobilfunk
1992
Am CERN in der Schweiz wird mit dem WWW (World Wide Web) als Bestandteil des
Internets der Weg ins multimediale Zeitalter geöffnet.
1994
Das Internet wird zentrales Kommunikationsthema in Deutschland.
        5. Was kennzeichnet die neuen Bilder und was macht sie so
                        eindrucksvoll? – Beispiele



5. 1. Die neuen Bilder sind Teil einer Ästhetisierung der Alltagswelt
 Individuelle Selbst-Inszenierungen als Teil der Ästhetisierung
                 unserer bebilderten Alltagswelt




Wir inszenieren uns und unserem Alltag, um uns gut darzustellen und andere zu beeinflussen.
Auch das gehört zur neuen Bilderwelt.
5. 2. Die neuen Bilder sind kurzlebig und lassen sich recyceln.




                                 „Das Medium, welches die ‚Message der
                                 Postmoderne‘     enthält,  ist   das    Videoband.
                                 Videobänder können immer wieder neu überspielt
                                 werden ... Falls die Produktion von neuen Dingen
                                 das Motto der Moderne war, dann ist ‚Recycling‘ das
                                 Motto der Postmoderne” (Bardmann, 1997, S. 127f.).
5. 3. Die neuen Bilder erzählen klischeehafte Geschichten.




                                             Umberto Eco: „Zwei Klischees sind
                                             lächerlich, hundert Klischees sind
                                             ergreifend“.
5. 4. Die neuen Bilder dominieren unsere Weltsicht




                                                     Flut der Bilder?
5. 5. Die neuen Bilder und die Dominanz der Bildmedien
  verändern unsere kulturellen Kompetenzen




                                      Goethes Novelle „Die Leiden
                                      des jungen Werthers“ löste
                                      vor über 200 Jahren eine
                                      Suizidwelle aus. Heute finden
                                      sich Jugendliche im Internet,
                                      in den Chatrooms, zu
                                      Selbstmordforen zusammen,
                                      in denen Anleitungen zum
                                      frühzeitigen Freitod gegeben
                                      werden.




  Kultivierungsthese: Gerbner, L. & Goss, G. (1976). Living with Television: The violence Profile. In:
  Journal of Communication Vol.26/1976
6. Ende. Wir brauchen Bilder. Warum?

„Um eine Ordnung herzustellen, das heißt, die Sinnlosigkeit der Welt und den Tod zu
leugnen. Alle Kommunikation hat diese Absicht, die man auch positiv beschreiben kann
als Absicht, der Welt einen Sinn zu geben, unsterblich zu werden“ (Vilem Flusser).

Menschen machen sich Bilder, um den Tod zu vergessen;
sie tun es, um sich ihrer Einsamkeit zu entledigen;
sie machen sich Bilder, um der Welt einen Sinn zu geben und
und sie tun es, um Ordnung herzustellen.
7. Plan der Veranstaltungen
Vorlesung ist Teil von Modul 1


Inhalte und Qualifikationsziele   In dieser theoretischen Veranstaltung werden
des Moduls                        wissenschaftstheoretische Grundlagen, zentrale
                                  kommunikationspsychologische Theorien (z.B.
                                  Theorien der interindividuellen Kommunikation, der
                                  Kommunikation in und zwischen Gruppen und der
                                  mediierten Kommunikation) und entsprechende
                                  empirische Befunde erarbeitet und vertieft.

Lehrformen                        Vorlesung und Seminar

Voraussetzungen für die           Vordiplom
Teilnahme

Voraussetzungen für die Vergabe   Als Voraussetzung für die Vergabe der
von Leistungspunkten sowie Art    Leistungspunkte gilt die regelmäßige Teilnahme an
der Prüfungsleistungen            Vorlesung und Seminar, ein mündlicher
                                  Seminarbeitrag im Seminar und die aktive Teilnahme
                                  Die Veranstaltung schließt mit einer mündlichen
                                  Prüfung ab.

Häufigkeit des Angebots von       Die Grundlagenveranstaltung wird jeweils im WS
Modulen                           angeboten.

Arbeitsaufwand und Dauer der      Für das Modul werden 60 Stunden Präsenzzeit (30
Module                            Stunden Vorlesung, 30 Stunden Seminar). Hinzu
                                  kommen 60 Stunden für selbständiges
                                  Literaturstudium und die Vorbereitung eines
                                  Seminarbeitrages und 30 Stunden für eigenständiges
                                                                                       Prüfung über
                                  Literaturstudium und Prüfungsvorbereitung            Vorlesungs- und
                                  vorgesehen.
                                                                                       Seminarstoff am
Formalitäten der Anmeldung für    Eintragung in eine Teilnehmerliste zu Beginn des
ein Modul                         Semesters                                            Ende des Semesters
Die Themen unserer Vorlesung im Wintersemester

http://dtserv2.comp
sy.uni-                        Termine    Themen: Einführung, Geschichte, Theorien und Empirie der interpersonalen und
jena.de/ws2003/ko              WS 03/04   intergruppale Kommunikation (Dialoge)
mpsy_uj/kommpsy
ch/content.nsf/start           16.10.03   Einführung 1: Wie wir die Welt bebildern – Irritationen.
seite/$first?OpenD             23.10.03   Einführung 2:Wie wir kommunizieren - Unwägbarkeiten.
                                          Kommunikationsmetaphern, Kommunikationsbegriff, Kommunikationspsychologie
ocument
                               30.10.03   Geschichte:
                                          Allgemeine und psychologische Kommunikationstheorien
                               06.11.03   Ausfall: Dienstreise
                               12.11.03   Dialoge und Diskurse: Kommunikation – das Mittel zwischen individuellen und sozialen
                                          Konstruktionen: ein theoretisches Modell
                               20.11.03   Dialoge 1:
                                          Sprachliche Kommunikation
                               27.11.03   Dialoge 2:
                                          Nonverbale Kommunikation
                               04.12.03   Dialoge 3:
                                          Erschließen, Attribuieren und Verstehen
                               11.12.03   Ausfall: Dienstreise
                               18.12.03   Dialoge 4:
                                          Self Disclosure und Impression Management
                               09.01.04   Dialoge 5:
                                          Formale und informale Kommunikation
                               15.01.04   Dialoge 6:
                                          Intergruppen-Kommunikation: Konvergenzen und Divergenzen
                               22.01.04   Dialoge 7:
                                          Intergruppen-Kommunikation: Soziale Identität, soziale Dominanz, Terror Management
                               29.01.04   Dialoge 8:
                                          Intime Kommunikation und ein Versuch über die Liebe
                               06.02.04   Diskurse 1:
                                          Mediale Kommunikation – Was ist ein Medium? Mediale Phänomene und Medientheorien
                                          – Vorbereitung auf das Sommersemester




                       www.verdirosi.com
Literatur zur Vorlesung 1



 http://www.heise.de
 http://members.aol.com/pwfoto/kuge21.htm
 http://www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/Hoehlen.htm
 Bauman, Z. (1997). Postmoderne als Chance der Moderne. In Th. M. Bardmann
 (Hrsg.). Zirkuläre Positionen. Opladen/Wiesbaden. Westdeutscher Verlag.
 Faßler, M. (1997). Was ist Kommunikation?. München: W. Fink.
 Faulstich, W. (1998). Grundwissen Medien. München: Fink.
 Flusser, V. (1996). Kommunikologie. Mannheim: Bollmann.
 Lyotard, J.-F. (1986). Das postmoderne Wissen. Graz, Wien: Böhlau.
 Merten, K., Schmidt, S. J. & Weischenberg, S. (1994). Die Wirklichkeit der Medien.
 Opladen: Westdeutscher Verlag.
 Watzlawick, P. (1987). Anleitung zum Unglücklichsein. In: Ad libitum, Nr.5. Berlin:
 Volk und Welt.
 Platon, Der Staat, Leipzig 1988

				
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