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Attributionstheorie

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Attributionstheorie Powered By Docstoc
					“Videotape and the attribution
process: Reversing actors’ and
  observers’ points of view”

               M.D. Storms

      Referenten: Michael Gräf und Kerstin Polchow
                                                     1
            Gliederung
1. Theoretischer Hintergrund
2. Studie
  1. Hypothesen
  2. Methoden
  3. Ergebnisse
3. Zusammenfassung
4. Diskussion
                               2
    1. Theoretischer Hintergrund
Stellt euch vor…

… ihr seid durch die Sozialpsychologie-Prüfung gefallen.


                Was war die Ursache?

 Wie werden solche „Warum“-Fragen beantwortet?
 Welche Informationen werden dabei verwendet und wie
  werden diese verarbeitet?
 Welche Folgen ergeben sich aus den Erklärungen?          3
    1. Theoretischer Hintergrund
 Attributionstheorie („attribution theory“)

• Konzeptueller Rahmen, innerhalb dessen sich die
  Sozialpsychologie mit Erklärungen für
  Verhalten beschäftigt, wie sie von Laien bzw. mit
  gesundem Menschenverstand vorgenommen
  werden

     Schließt Kausalattributionen für das Verhalten
      anderer Menschen und Selbstattributionen ein 4
    1. Theoretischer Hintergrund
 Kausalattribution („causal attribution“)

• Beschreibt den Schlussfolgerungsprozess, durch
  den Beobachter einen Effekt auf eine oder
  mehrere Ursachen zurückführen

    Kausalerklärungen für soziale Ereignisse
     einschließlich der eigenen Verhaltensweisen
     und der anderen Menschen
                                                   5
    1. Theoretischer Hintergrund
 Eine Leitfrage der Attributionsforschung:


Auf welche verschiedene Weise erklären Akteure
       und Beobachter dasselbe Verhalten?

 Beim Erklären eines Verhaltens werden zwei
  Komponenten berücksichtigt:

    a) personelle Dispositionen des Akteurs
    b) umgebender und umweltbezogener Kontext
                                                6
    1. Theoretischer Hintergrund
                Grundannahme

•   Der Akteur will sein eigenes Verhalten verstehen
•   Der Beobachter will das Verhalten des Akteurs
    (des Beobachteten) verstehen

 Akteure und Beobachter können unterschiedliche
  Erklärung für dasselbe Verhalten des Akteurs
  haben
                                                   7
   1. Theoretischer Hintergrund
               Erklärungsweise

Akteur:
• Verhalten wird eher mit externalen,
   umweltbezogenen Ursachen erklärt

Beobachter:
• Verhalten wird eher mit internalen, personellen
   Ursachen erklärt                                 8
 1. Theoretischer Hintergrund


Die Unterschiede zwischen Akteur
   und Beobachter resultieren aus
     den Unterschieden in der
     Sichtweise der Situation.

                                    9
    1. Theoretischer Hintergrund
              Sichtweise des Akteurs

•   Kann sich nicht selbst handeln sehen

•   Kann nicht gleichzeitig vergangenes, gegenwärtiges und
    zukünftig geplantes Verhalten berücksichtigen

•   Um Kontrolle über die unmittelbaren Ereignisse zu
    erlangen, wird er vermeiden sich zu viele Gedanken über
    das eigene Verhalten zu machen
                                                          10
    1. Theoretischer Hintergrund
           Sichtweise des Beobachters

•   Beobachtet vorrangig den Akteur

•   Kann nicht Akteur und Situation gleichzeitig beobachten

•   Für effiziente Ereignisvorhersage ist es für ihn wichtiger
    den Akteur als die Situation zu beobachten


                                                             11
  2.1 Studie – Hypothesen


Attributionen von Akteuren und
 Beobachtern können verändert
 oder sogar umgekehrt werden,
 wenn ihre visuelle Orientierung
          geändert wird.
                                   12
          2.1 Studie – Hypothesen
     Natürliche visuelle Orientierung
40
35
30
25                                      Differenz von
20                                      Personeller
                                        Disposition und
15
                                        Situation
10
 5
 0
          Akteur        Beobachter              13
          2.1 Studie – Hypothesen
     Veränderte visuelle Orientierung
40
35
30
25                                      Differenz von
20                                      Personeller
                                        Disposition und
15
                                        Situation
10
 5
 0
          Akteur       Beobachter               14
       2.1 Studie – Hypothesen
     Einflüsse, die die Veränderung der
       visuellen Orientierung bedingen

• Erhalt völlig neuer Informationen

• Veränderung der Salienz bereits verfügbarer
  Informationen


                                                15
        2.2 Studie – Methoden
                  Teilnehmer

• 120 männliche Yale-Studenten in 30 Gruppen à 4
  Leuten

• Teilnehmer kannten sich vorher nicht

• Zufällige Zuordnung zu den Rollen als Akteur
  bzw. Beobachter                                  16
        2.2 Studie – Methoden
                   Aufgabe

Entweder:
• Teilnahme an einer kurzen Kennlern-Unterhaltung
  mit einem anderen Fremden (Akteur)

Oder:
• Beobachtung der Konversation (Beobachter)
                                                17
        2.2 Studie – Methoden
Laboraufbau




                                18
         2.2 Studie – Methoden
         Das Design ermöglicht folgende
             Untersuchungsgruppen

             No          Same        New
             videotape   orientation orientation
Akteur         Kon-
               troll-     Experimentalbedingung
Beobachter     bedin-
               gung
                                               19
               2.2 Studie – Methoden
                Experimentalbedingung

• Für alle Versuchsteilnehmer immer Verwendung der
  Kameraaufzeichnung von Akteur 1
 Akteur 1        Akteur 2      Beobachter 1   Beobachter 2
 New             Same          Same           New
 orientation     orientation   orientation    orientation
• Nach Darbietung der Videoaufnahme erfolgte Ausgabe
  von Fragebögen
                                                            20
         2.2 Studie – Methoden
                      Messungen

• Beantwortung von Fragen über eigenes Verhalten bzw.
  Verhalten des beobachteten Akteurs in der Konversation

• Beschreibung des Verhaltens mit den Dimensionen
  Freundlichkeit, Gesprächigkeit, Nervosität und Dominanz

• Es wurde eingeschätzt, inwiefern diese Verhaltensweisen
  durch personelle Charakteristiken und durch
  Charakteristiken der Situation hervorgerufen wurden     21
         2.2 Studie – Methoden

• Wichtig für die Hypothese ist die relative Stärke von
  dispositionalen vs. situationsbezogenen Attributionen

• Bildung der Differenz dieser Attributionen


   dispositional-situational index

   Je höher Index, desto mehr dispositionale und desto
    weniger situationsbezogene Attribution
                                                          22
         2.2 Studie – Methoden

• Weiteres erhobenes Maß war die Einschätzung des
  allgemeinen Verhaltens des Akteurs

• Vergleich dieser Antworten mit den Einschätzungen des
  Verhaltens bei der vorherigen Konversation


   present-behavior-general-behavior index

   Je höher Index (größere Diskrepanz), desto mehr
                                                          23
    situationsbezogene Attribution
         2.3 Studie – Ergebnisse
            Erster Test für Hypothese

• Akteure attribuieren eher auf Aspekte der Situation und
  Beobachter eher auf Aspekte der Disposition

 Beweise für diese Hypothese unter der no videotape und
  der same orientation Bedingung zu finden

 Sowohl für Akteure als auch für Beobachter keine
  signifikanten Unterschiede zwischen diesen Bedingungen
                                                            24
2.3 Studie – Ergebnisse




                          25
         2.3 Studie – Ergebnisse
           Testen der Haupthypothese

• In der new orientation Bedingung attribuieren Akteure
  eher auf Aspekte der Disposition und Beobachter eher auf
  Aspekte der Situation

 Bei Betrachtung des dispositional-situational index
  signifikante umgekehrte Effekte in dieser Bedingung

 Bei Betrachtung der einzelnen Attributionen sind Effekte
  jedoch nur signifikant für Situation, nicht für Disposition   26
             2.3 Studie – Ergebnisse
        No videotape                            New orientation
30,00                                   30,00
25,00                                   25,00
20,00                                   20,00
15,00                                   15,00
10,00                                   10,00
 5,00                                    5,00
 0,00                                    0,00
         Akteur            Beobachter            Akteur            Beobachter
          Situational                             Situational
          Dispositional                           Dispositional
          Dispositional-Situational               Dispositional-Situational
                                                                              27
         2.3 Studie – Ergebnisse
          Zweites Maß der Attribution

• Ergebnisse des present-behavior-general-behavior index
  bekräftigen Befunde

 Signifikante umgekehrte Effekte in der new orientation
  Bedingung

 Jedoch keine signifikanten Effekte bei individuellen
  Vergleichen zwischen den Zellen
                                                           28
         2.3 Studie – Ergebnisse




 Ergebnisse für indirektes Maß gehen in gleiche Richtung
  wie bei Hauptmaß, sind aber generell schwächer            29
           3. Zusammenfassung
• Aufgrund unterschiedlichen Blickwinkels führen Akteure
  ihre Handlungen eher auf Situation und Beobachter
  dieselben Handlungen eher auf Disposition zurück

• Im Experiment wurde Gespräch auf Video aufgenommen,
  um anschließend den Aufmerksamkeitsfokus von Akteuren
  und Beobachtern zu variieren

• Studie unterstützt die Hypothese, dass Attributionen
  geändert werden können, indem die Perspektive der
  Menschen verändert wird
                                                           30
           3. Zusammenfassung

• Jedoch hatten alle Teilnehmer mehr Attributionen auf
  Disposition als auf Situation


   fundamentaler Attributionsfehler

• Gebiet nicht nur von theoretischem Interesse, sondern auch
  im therapeutischen Bereich bei der Überbrückung
  interpersoneller Lücken relevant

                                                          31
                                   4. Diskussion
Worauf bezieht sich die Hypothese wirklich?

        „harte“ Hypothese                                     „weiche“ Hypothese
30,00                                                 30,00
25,00                                                 25,00
20,00                                                 20,00
15,00                                                 15,00
10,00                                                 10,00
 5,00                                                  5,00
 0,00                                                  0,00
          Akteur   Akteur mit Beobachter Beobachter             Akteur   Akteur mit Beobachter Beobachter
        ohne Video   Video    ohne Video mit Video            ohne Video   Video    ohne Video mit Video


                                                                   Situation        Disposition
              Situation       Disposition                                                           32
                                                                   Differenz

				
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posted:10/28/2012
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