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BDK – Fachseminar
„POLIZEI UND GESELLSCHAFT - DAS SPANNUNGSFELD ZWISCHEN
RECHTSBEWAHRER UND POLITISCHER ERFÜLLUNGSGEHILFE?“
im Schloss Wendgräben




In „alter“ Tradition, seit 1999, veranstaltete der Landesverband Sachsen-Anhalt vom
10.09. – 12.09.2010 sein jährliches Fachseminar in den Räumlichkeiten des
Bildungszentrums Schloss Wendgräben der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Nach Themen der vergangenen Jahre, wie forensische Medizin, Jugendkriminalität,
Rechtsradikalismus, Islamismus und internationale Rechtshilfe wandten wir uns in
diesem Jahr einem ganz anderen Thema zu. Diesmal stand die Geschichte der
Polizei im Mittelpunkt der Betrachtungen. Es war auch eine neue Herausforderung
für die Organisatoren. Musste doch eine ganz andere Klientel als Vortragende
gesucht und gefunden werden. Anerkannte Historiker – nicht nur aus unserem
Bundesland – konnten aber für dieses schwierige Thema gewonnen werden. Ging es
doch vor allem auch darum, die Organisation und Arbeit der Polizei in
unterschiedlichen Systemen im gesellschaftlichen Kontext zu werten.
Nach der Begrüßung durch die Tagungsleiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung, Frau
Christin Wenzel, und einleitenden Worten durch unseren Landesvorsitzenden Hanno
Schulz kamen wir sofort zur Sache.
Zu Beginn des Seminars führte unser Verbandmitglied und Hobbyhisoriker Norbert
Postler in die Problematik ein. Hier fügte es sich gut, dass er seine geschichtlichen
Ausführungen mit seinen früheren Erfahrungen als Angehöriger der Kriminalpolizei
verbinden konnte. Scherzhaft machte er uns natürlich auf seine vorliegende
Veröffentlichung zu diesem Thema aufmerksam.
(nachträgliche Anmerkung LaVo , Spaß muss auch sein, aber das Buch von Norbert
Postler zur sehr interessanten Geschichte der Polizei in der Stadt Köthen ist sehr zu
empfehlen und kann bei Interesse über die LGS SnA erworben werben.)


Ganz zu Beginn des Vortrages „Die Polizei und das Gemeinwesen“ kam schon die
Kompliziertheit der Materie zum Ausdruck. Ob in der Kaiserzeit, in den Zeiten der
Weimarer Republik oder während des „Dritten Reiches“, die Polizei war im System
eingebunden. Anhand zahlreicher Beispiele zeigte er, wie die Polizei staatliche
Vorgaben ordnungspolitisch umsetzte.
Nach dem Mittagessen setzte der Historiker Dr. Alexander Sperk mit seinem Vortrag,
„Die Geheime Staatspolizei in Magdeburg (1933 -1936), die Veranstaltung fort. In
seinem konzentrierten Beitrag machte er deutlich, dass die Geheime Staatspolizei
zur Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft ihren Beitrag leistete, das System zu
erhalten und zu festigen. Er zeigte aber auch auf, dass diese Organisationseinheit
nicht so allgegenwärtig war, wie sie sich selbst darstellte.
Und vielleicht als Schmankerl nur ein Leitthema der Gestapo: „Qualifikation durch
Rotation“. Unter anderem in diesem Sinne wurden auch
Qualifikationseinschätzungen der Arbeit der Gestapo durch den Referenten
getroffen.


Nach einer kurzen Kaffeepause warteten wir mit Spannung auf den nächsten
Seminarschwerpunkt. Auf der Tagesordnung stand: “Entnazifizierung und
Personalpolitik in der Köthener Polizei“. Noch einmal war Dr. Alexander Sperk
gefordert.
Zu Beginn seines Vortrages stellte er die personalpolitische Umwälzung nach dem
Zusammenbruch des faschistischen Systems anhand der Köthener Polizei dar. Er
zeigte auf, dass in der Endkonsequenz alle Polizisten - durch die amerikanische und
später nachrückende sowjetische Militäradministration - entlassen worden waren.
Zuerst wurden die Polizisten entlassen, die vor 1933 bereits in der NSDAP waren.
Die anderen folgten später. In der anschließenden Diskussion bildete die Zeit der
Wende 1989/90 den Schwerpunkt. Ein Vergleich bot sich förmlich an.
Gestärkt durch da Abendessen klang der der Abend, dank der Gastfreundschaft des
Weingutes Butz, mit einer gemütlichen Weinverkostung aus.


Nach dem Frühstück ging es am zweiten Tag mit dem Seminar weiter. Noch einmal
war unser Verbandsmitglied Norbert Postler gefordert. Mit seinem Beitrag „Die
Sittenpolizei – Polizei und Moralbegriff“ führte er uns in eine Zeit, in der die Polizei
auch über die sittlichen Prozesse der Gesellschaft zu wachen hatte. Zahlreiche Fotos
aus alten Polizeiakten, angereichert mit Anekdoten aus der Zeit von 1880 bis 1945,
führte uns in eine Facette der polizeilichen Arbeit, die heute auch nur in Ansätzen
nicht mehr denkbar ist.
Ein gelungener Vortrag. Deshalb war es nur logisch, dass der Referent mit viel Beifall
verabschiedet wurde.


Anschließend begrüßte uns Herr Dr. Andreas Vorwerk, Historiker aus dem sachsen-
anhaltischen Zörbig. Sein Thema hatte die Überschrift: „Polizeiorgane im Freistaat
Anhalt in der Weimarer Republik – Die Bekämpfung innerer Unruhen durch die
anhaltische Polizei“. In seinem Beitrag – einem Höhepunkt – stellte er die
gesellschaftspolitische Bedeutung der Polizei zwischen den zwei Weltkriegen dar.
Die Darstellung der polizeilichen Arbeit in den Wirren der Weimarer Republik machte
uns deutlich, dass und wie Polizeiarbeit dem Machterhalt des jeweiligen Systems
dient. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt im Freistaat Anhalt relativ ruhig war, hatten
doch die gesellschaftspolitischen Ereignisse in Mitteldeutschland ihren Einfluss.


Nach der Mittagspause setzte Dr. Vorwerk seine Vortragstätigkeit fort. In seinem
Vortrag „Protest gegen das DDR-System oder gewalttätige Randale? –
Ausschreitungen von Jugendlichen und der Einsatz von Sicherheitskräften auf dem
Berliner Alexanderplatz am 7. Oktober 1977“ wurde ein zu DDR-Zeiten
„totgeschwiegener“ Polizeieinsatz dargestellt. Beispielhaft schilderte Dr. Vorwerk, wie
sich aus einem friedlichen Volksfest anlässlich des Jahrestages der DDR eine
Massenschlägerei zwischen Jugendlichen und der Polizei entwickelte. Mehrere
Verletzte auf beiden Seiten, die in die Krankenhäuser der Stadt untergebracht
werden mussten und ein demolierter Alexanderplatz waren die Resultate. Besonders
nachdenklich wurden wir, als der Vortragende uns deutlich machte, wie es durch
Missverständnisse und einer falschen Polizeitaktik zu einer derartigen Eskalation
kommen kann.


Nach einer Kaffeepause und einem Waldspaziergang konzentrierten wir uns auf den
Höhepunkt des Tages. Es galt, „20 Jahre BDK-Landesverband Sachsen-Anhalt“ zu
feiern. Pünktlich um 18.00 Uhr begann der Festakt, zu dem zahlreiche Gäste
eingeladen und erschienen waren. Unter anderen waren der Innenminister und alle
Innenpolitischen Sprecher der im Landtag vertretenen Parteien unsere Gäste.
Besonders freuten wir uns auch über die Teilnahme unseres ersten
Landesvorsitzenden, Herrn Volker Hirth, der es sich zu vorgerückter Stunde nicht
nehmen ließ, eine oder mehrere Runden – ich weiß es nicht mehr genau – „zu
schmeißen“.
Neben einem Resümee der in unserem Landesverband geleisteten Arbeit, bedankte
sich der LaVo Hanno Schulz bei allen Mitgliedern für geleistete Initiativen, die die
Verbandsarbeit in den zurückliegenden Jahren vorangetrieben hatten.
(weiter siehe Festrede)



Eindruck hinterließen sicher auch die Grüße unseres Ehrenmitgliedes Kurt Lehr,
welche verlesen wurden, da Kurt aus persönlichen Gründen diesmal leider verhindert
war. (weiter siehe Brief Kurt Lehr)
Beeindruckend war auch die aus Anlass des Jubiläums vom Landesverband kreierte
Tasse „20 Jahre BDK Sachsen- Anhalt“.




Der Übergang vom „alten“ zum „neuen“ Maskottchen ist sicher gelungen.
Am nächsten Morgen eröffnete Uwe Hillmer vom SED-Forschungsverbund an der
Freien Universität Berlin den dritten Tag unserer Veranstaltungsreihe. Mit dem
Thema „Polizei in der DDR“ wurde eine neue Facette des Seminarthemas eröffnet.
Anhand von Beispielen zeigte er auf, wie auch die Deutsche Volkspolizei in die
Überwachung der DDR-Bürger eingebunden war. Dieses Thema regte viele Zuhörer
zum Nachdenken und Diskutieren an.


In unserem Abschlussgespräch wurde einhellig festgestellt, dass es ein gelungenes
Fachseminar war. Die Referenten auf hohem Niveau ausführten und wir viel Wissen
aus der früheren Polizeigeschichte mit nach Hause nehmen, um die tägliche
Polizeipraxis ständig neu zu durchdenken. Auch unsere Tagungsleiterin, Frau
Christin Menzel, der wir auf diesem Wege noch einmal unseren Dank aussprechen
möchten, fand, es war eine gelungene Veranstaltung.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen wurde noch ein Gruppenfoto geschossen.
Dann machten wir uns zufrieden auf den Heimweg.


P.S.
Übrigens waren wir dieses Jahr bei der Fachtagung ausgebucht, wie es in den
Anfangsjahren immer der Fall war.
Und der neue Termin für nächstes Jahr steht schon fest, das Thema noch nicht.


Bitte vormerken:
Freitag, 28.10.2011- Sonntag, 30.10.2011




Norbert Postler

								
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