Ich m�chte nur unter Bedachtnahme auch auf die Zielsetzungen by tJpe17BZ

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									                               Sitzungsbericht
       21. Sitzung der Tagung 2009/10 der XVII. Gesetzgebungsperiode
                              des Landtages von Niederösterreich
                                Donnerstag, den 21. Jänner 2010



Inhalt:
1.     Eröffnung durch Präsident Ing. Penz (Seite              betreffend Tätigkeitsbericht der NÖ Landes-
       318).                                                   kliniken-Holding für das Jahr 2008.
                                                               Berichterstatter: Abg. Dipl.Ing. Eigner (Seite
2.     Mitteilung des Einlaufes (Seite 318).                   330).

3.     Ltg. 462/S-5/20 – Antrag des Wirtschafts-               Redner zu 5.1. – 5.2.: Abg. Onodi (Seite
       und Finanz-Ausschusses zur Vorlage der                  330), Abg. Mag. Mandl (Seite 331), Abg. Dr.
       Landesregierung betreffend International                Krismer-Huber mit Resolutionsantrag betref-
       Anti-Corruptions Academy Laxenburg, Aus-                fend Danube Private University – Diplom
       bau und Renovierung.                                    Studium Zahnmedizin (Seite 333), Abg. Ing.
       Berichterstatter: Abg. Schuster (Seite 321).            Huber (Seite 335), Abg. Kernstock (Seite
       Redner: Abg. MMag. Dr. Petrovic (Seite                  337), Abg. Ing. Haller (Seite 339), Abg.
       322), Abg. Königsberger (Seite 323), Abg.               Dr. Krismer-Huber (Seite 340).
       Findeis (Seite 323), Abg. Hintner (Seite 324).          Abstimmung (Seite 340).
       Abstimmung (Seite 325).                                 (Ltg. 404/B-44/1 angenommen: Zustimmung
       (einstimmig angenommen.)                                ÖVP, SPÖ, Ablehnung FPÖ, Grüne;
                                                               Ltg. 418/B-49 angenommen: Zustimmung
4.     Ltg. 463/S-5/21: Antrag des Wirtschafts- und            ÖVP, SPÖ, FPÖ, Ablehnung Grüne;
       Finanz-Ausschusses zur Vorlage der Lan-                 Resolutionsantrag Abg. Dr. Krismer-Huber
       desregierung betreffend Landesstraße B4,                zurückgezogen.)
       Baulos "PPP B4 – Umfahrung Maissau", km
       28,1 - 44,2.                                       6.   Ltg. 420/B-51: Antrag des Gesundheits-Aus-
       Berichterstatter: Abg. Maier (Seite 325).               schusses zur Vorlage der Landesregierung
       Redner: Abg. Enzinger MSc (Seite 325),                  betreffend Änderung des NÖ Bestattungs-
       Abg. Razborcan (Seite 326), Abg. Lem-                   gesetzes 2007.
       bacher (Seite 327), Abg. Enzinger MSc                   Berichterstatter: Abg. Kernstock (Seite
       (Seite 328), Abg. Waldhäusl (Seite 329).                340).
       Abstimmung (Seite 329).                                 Abstimmung (Seite 341).
       (einstimmig angenommen.)                                (einstimmig angenommen.)

5.1.   Ltg. 404/B-44/1: Antrag des Gesundheits-           7.   Ltg. 436/E-7: Antrag des Europa-Ausschus-
       Ausschusses zum Bericht der Landesre-                   ses zur Vorlage der Landesregierung be-
       gierung betreffend Geschäftsbericht des NÖ              treffend NÖ EVTZ-Gesetz.
       Gesundheits- und Sozialfonds für das Jahr               Berichterstatterin: Abg. Rinke (Seite 341).
       2008.                                                   Redner: Abg. Sulzberger (Seite 341), Abg.
       Berichterstatter: Abg. Grandl (Seite 330).              Razborcan (Seite 342), Abg. Maier (Seite
                                                               343).
5.2.   Ltg. 418/B-49: Antrag des Gesundheits-Aus-              Abstimmung (Seite 343).
       schusses zum Bericht der Landesregierung                (einstimmig angenommen.)




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


8.1.   Ltg. 465/B-1: Antrag des Rechnungshof-Aus-               ding GmbH (Seite 363), Abg. Dr. Krismer-
       schusses zum Bericht des Rechnungshof-                   Huber (Seite 366), Abg. Schuster (Seite
       Ausschusses Nr. 6 der XVII. Gesetzgebungs-               366), Abg. Mag. Riedl mit Resolutionsantrag
       periode.                                                 betreffend Veröffentlichung von Rohberichten
       Berichterstatter: Abg. Ing. Hofbauer (Seite              der Rechnungshöfe vor Stellungnahme der
       343).                                                    Landesregierung (Seite 369), LHStv. Dr.
                                                                Leitner (Seite 372), Abg. Mag. Riedl (Seite
8.2.   Ltg. 448/B-2/4: Antrag des Rechnungshof-                 372), Abg. Mag. Leichtfried (Seite 373).
       Ausschusses zum Bericht des Rechnungs-                   Abstimmung (Seite 373).
       hofes über das Land Niederösterreich,                    (Geschäftsstück angenommen: Zustimmung
       Jahrestätigkeitsbericht 2009, Nachfragever-              ÖVP, Ablehnung SPÖ, FPÖ, Grüne;
       fahren 2008 (Reihe Niederösterreich 2009/7).             Resolutionsantrag Abg. Dr. Krismer-Huber
       Berichterstatter: Abg. Ing. Hofbauer (Seite              abgelehnt: Zustimmung SPÖ, Grüne, Ableh-
       344).                                                    nung ÖVP, FPÖ;
                                                                Resolutionsantrag Abg. Mag. Leichtfried
8.3.   Ltg. 382/B-5/4: Antrag des Rechnungshof-                 abgelehnt: Zustimmung SPÖ, FPÖ, Ableh-
       Ausschusses zum Bericht des Rechnungs-                   nung ÖVP, Grüne;
       hofes über klimarelevante Maßnahmen der                  Resolutionsantrag Abg. Mag. Riedl ein-
       Länder im Bereich Energie (Reihe Nieder-                 stimmig angenommen.)
       österreich 2009/6).
       Berichterstatter: Abg. Ing. Hofbauer (Seite       9.a.   Ltg. 474/A-3/19: Antrag der Abgeordneten
       344).                                                    Waldhäusl, Dr. Krismer-Huber u.a. betreffend
       Redner zu 8.1. – 8.3.: Abg. Abg. Tauchner                Einsetzung eines Untersuchungsausschus-
       (Seite 344), Abg. Kernstock (Seite 345), Abg.            ses zu den Veranlagungen der NÖ Wohn-
       Königsberger (Seite 346), Abg. Ing. Pum                  baugelder.
       (Seite 347), Abg. Onodi (Seite 348), Abg. Dr.            Redner: siehe TOP 9.
       Krismer-Huber mit Resolutionsantrag betref-              Namentliche Abstimmung (Seite 374).
       fend klimarelevante Maßnahmen bei der                    (Antrag abgelehnt: Zustimmung 10 Stimmen
       Wohnbausanierung und öffentlichen Gebäu-                 (FPÖ, Grüne), Ablehnung 44 Stimmen (ÖVP,
       den (Seite 349), Abg. Ing. Huber (Seite 351),            SPÖ).
       Abg. Findeis (Seite 352), Abg. Sulzberger
       (Seite 353), Abg. Mag. Leichtfried (Seite         10.    Ltg. 437/A-3/17: Antrag des Bau-Ausschus-
       354), Abg. Edlinger (Seite 355).                         ses zum Antrag der Abgeordneten Wald-
       Abstimmung (Seite 356).                                  häusl u.a. betreffend Neuregelung hinsicht-
       (alle Geschäftsstücke einstimmig angenom-                lich Bauten von außergewöhnlicher Architek-
       men;                                                     tur oder Größe sowie publikumsintensiven
       Resolutionsantrag Abg. Dr. Krismer-Huber                 Veranstaltungsstätten.
       abgelehnt:    Zustimmung      SPÖ,    Grüne,             Berichterstatter: Abg. Mold (Seite 374).
       Ablehnung ÖVP, FPÖ.)                                     Redner: Abg. Waldhäusl (Seite 375), Abg.
                                                                MMag. Dr. Petrovic (Seite 376), Abg. Ing.
9.     Ltg. 469/B-53/1: Antrag des Wirtschafts- und             Huber (Seite 377), Abg. Jahrmann (Seite
       Finanz-Ausschusses zum Bericht der Lan-                  378), Abg. Dipl.Ing. Eigner (Seite 378), Abg.
       desregierung betreffend Veranlagung des                  Waldhäusl (Seite 379).
       Landes Niederösterreich, Richtlinien, Be-                Namentliche Abstimmung (Seite 380).
       richte.                                                  (Antrag angenommen: Zustimmung 46
       Berichterstatter: Abg. Moser (Seite 356).                Stimmen (ÖVP, SPÖ, Grüne), Ablehnung 6
       Redner: Abg. Dr. Krismer-Huber mit Reso-                 Stimmen (FPÖ).
       lutionsantrag betreffend Neuregelung der
       Rahmenbedingungen für die Veranlagungen           11.    Ltg. 409/B-34/1: Antrag des Rechts- und
       des Landes Niederösterreich (Seite 357),                 Verfassungs-Ausschusses zum Bericht der
       Abg. Waldhäusl mit Antrag TOP 9.a (Seite                 Landesregierung Tätigkeitsbericht des Unab-
       360), Abg. Mag. Leichtfried mit Resolutions-             hängigen Verwaltungssenates im Land
       antrag betreffend umgehende Maßnahmen                    Niederösterreich für das Jahr 2008.
       zum Rohbericht des Bundesrechnungshofes                  Berichterstatter: Abg. Mag. Karner (Seite
       über das Veranlagungsmanagement der                      381).
       Erlöse aus der Verwertung der WBF-Dar-                   Redner: Abg. MMag. Dr. Petrovic (Seite
       lehen und den Verkauf der Beteiligungen des              381), Abg. Mag. Renner (Seite 381), Abg. Dr.
       Landes an die NÖ Landes-Beteiligungshol-                 Michalitsch (Seite 382), Abg. Präs. Ing. Penz




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Landtag von Niederösterreich      Tagung 2009/10 der XVII. Periode       21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


      (Seite 383), Abg. Mag. Schneeberger mit                Berichterstatter: Abg. Dworak (Seite 385).
      mündlichem Zusatzantrag (Seite 384).                   Redner zu 12.1. – 12.7.: Abg. Dr. Krismer-
      Abstimmung (Seite 384).                                Huber mit Resolutionsantrag betreffend Ein-
      (Geschäftsstück angenommen: Zustimmung                 haltung des Krankenanstalten-Arbeitszeitge-
      ÖVP, SPÖ, FPÖ, Ablehnung Grüne;                        setzes in den Spitälern der NÖ Landes-
      Zusatzantrag Abg. Mag. Schneeberger ange-              kliniken-Holding und Resolutionsantrag be-
      nommen: Zustimmung ÖVP, SPÖ, Grüne,                    treffend Danube Private University – Diplom
      Ablehnung FPÖ.)                                        Studium Zahnmedizin (Seite 386), Abg.
                                                             Kernstock (Seite 387), Abg. Dr. Michalitsch
12.1. Ltg. 456/D-1/3: Antrag des Rechts- und Ver-            (Seite 388).
      fassungs-Ausschusses zur Vorlage der Lan-              Abstimmung (Seite 388).
      desregierung betreffend Änderung der                   (alle Geschäftsstücke einstimmig angenom-
      Dienstpragmatik der Landesbeamten 1972                 men;
      (DPL 1972).                                            Resolutionsantrag Abg. Dr. Krismer-Huber
      Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing (Seite             betreffend Einhaltung des Krankenanstalten-
      384).                                                  Arbeitszeitgesetzes in den Spitälern der NÖ
                                                             Landeskliniken-Holding abgelehnt: Zustim-
12.2. Ltg. 457/L-1/1: Antrag des Rechts- und Ver-            mung SPÖ, Grüne, Ablehnung ÖVP, FPÖ;
      fassungs-Ausschusses zur Vorlage der Lan-              Resolutionsantrag Abg. Dr. Krismer-Huber
      desregierung betreffend Änderung des Lan-              betreffend Danube Private University –
      des-Vertragsbedienstetengesetzes (LVBG).               Diplom Studium Zahnmedizin einstimmig an-
      Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing (Seite             genommen.)
      385).
                                                       13.   Ltg. 447/A-8/25: Antrag der Abgeordneten
12.3. Ltg. 455/L-35/4: Antrag des Rechts- und Ver-           Ing. Huber u.a. gem. § 40 LGO 2001 auf Ab-
      fassungs-Ausschusses zur Vorlage der Lan-              haltung einer Aktuellen Stunde zum Thema:
      desregierung betreffend Änderung des NÖ                „Keine Minarette in Niederösterreich“.
      Landes-Bedienstetengesetzes (NÖ LGB).                  Redner: Abg. Ing. Huber (Seite 388), Abg.
      Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing (Seite             MMag. Dr. Petrovic (Seite 390), Abg. Sulz-
      385).                                                  berger (Seite 390), Abg. Gartner (Seite 392),
                                                             Abg. Dipl.Ing. Eigner (Seite 393).
12.4. Ltg. 454/V-15: Antrag des Rechts- und Ver-
      fassungs-Ausschusses zur Vorlage der Lan-
      desregierung betreffend Änderung des Ge-         14.   Ltg. 450/A-8/26: Antrag der Abgeordneten
      setzes über den Unabhängigen Verwaltungs-              Mag. Schneeberger u.a. gem. § 40 LGO
      senat im Land Niederösterreich (NÖ UVSG).              2001 auf Abhaltung einer Aktuellen Stunde
      Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing (Seite             zum Thema: „Regionale Politik versus
      385).                                                  Zentrale Politik – Niederösterreich am Weg
                                                             zur Vorzeigeregion für Wissenschaft und
12.5. Ltg. 458/S-1: Antrag des Gesundheits-Aus-              Technologie“.
      schusses zur Vorlage der Landesregierung               Redner: Abg. Mag. Schneeberger (Seite
      betreffend Änderung des NÖ Spitalsärzte-               394), Abg. Rinke (Seite 396), Abg. Dr.
      gesetzes 1992 (NÖ SÄG 1992).                           Krismer-Huber (Seite 397), Abg. Waldhäusl
      Berichterstatter: Abg. Mag. Wilfing (Seite             (Seite 398), Abg. Erber (Seite 399), Abg.
      385).                                                  Dworak (Seite 401), Abg. Mag. Hackl (Seite
                                                             403).
12.6. Ltg. 461/G-3: Antrag des Kommunal-Aus-
      schusses zur Vorlage der Landesregierung         15.   Ltg. 471/A-2/17: Dringlichkeitsantrag der
      betreffend Änderung der NÖ Gemeinde-                   Abgeordneten Cerwenka u.a. betreffend drin-
      beamtengehaltsordnung     1976      (GBGO-             gend erforderliches Investitionspaket für NÖ
      Novelle 2010).                                         Gemeinden.
      Berichterstatter: Abg. Dworak (Seite 385).             Berichterstatter: Abg. Dworak (Seite 405).
                                                             Redner: Abg. Dr. Krismer-Huber (Seite 408),
12.7. Ltg. 460/G-4/1: Antrag des Kommunal-Aus-               Abg. Sulzberger (Seite 408), Abg. Antoni
      schusses zur Vorlage der Landesregierung               (Seite 409), Abg. Moser (Seite 411).
      betreffend Änderung des NÖ Gemeinde-                   Abstimmung (Seite 413).
      Vertragsbedienstetengesetzes 1976 (GVBG-               (abgelehnt: Zustimmung SPÖ, Ablehnung
      Novelle 2010).                                         ÖVP, FPÖ, Grüne.)




                                                     317
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode          21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


16.1. Ltg. 431/A-4/130: Debatte über die Beant-                tions- und Mobbingskandal im Landes-
      wortung der Anfrage der Abgeordneten                     klinikum St.Pölten.
      Onodi und Kernstock an Landeshauptmann                   Redner zu 16.1. – 16.2.: Abg. Kernstock
      Dr. Pröll betreffend Interventions- und                  (Seite 413), Abg. Dr. Krismer-Huber (Seite
      Mobbingskandal im Landesklinikum St.                     414), Abg. Tauchner (Seite 415), Abg. Dr.
      Pölten.                                                  Michalitsch mit Antrag, die Anfragebeant-
                                                               wortung zur Kenntnis zu nehmen (Seite 416),
16.2. Ltg. 432/A-4/104: Debatte über die Beant-                Abg. Onodi (Seite 416).
      wortung der Anfrage der Abgeordneten                     Abstimmung (Seite 417).
      Onodi und Kernstock an Landeshaupt-                      (Antrag angenommen: Zustimmung ÖVP,
      mannstv. Mag. Sobotka betreffend Interven-               Ablehnung SPÖ, FPÖ, Grüne.)



                                                       ***
     Präsident Ing. Penz (um 13.00 Uhr): Hohes                Hinsichtlich der seit der letzten Sitzung bis zum
Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich          Ablauf des gestrigen Tages eingelaufenen Ver-
eröffne die 21. Sitzung des NÖ Landtages. Von der        handlungsgegenstände, deren Zuweisung an die
heutigen Sitzung haben sich entschuldigt Frau            Ausschüsse, der Weiterleitung von Anfragen und
Landesrätin Dr. Petra Bohuslav, Herr Klubobmann          der eingelangten Anfragebeantwortungen verweise
Abg. Cerwenka, der krank ist, und bis 16.00 Uhr ist      ich auf die elektronische Bekanntmachung der Mit-
Herr Abgeordneter Thumpser entschuldigt infolge          teilung des Einlaufes. Diese wird in den Sitzungs-
eines Begräbnisses. Ich stelle die Beschlussfähig-       bericht der heutigen Landtagssitzung aufgenom-
keit der heutigen Sitzung fest.                          men.
                                                             Einlauf:
    Das Protokoll der letzten Sitzung ist geschäfts-
ordnungsmäßig aufgelegen. Es ist unbeanstandet           Ltg. 446/E-1/3 -    Eingabe der Initiative für Nieder-
geblieben und gilt demnach als genehmigt.                                    österreich und der Landeszahn-
                                                                             ärztekammer vom 16.12.2009
     Bevor wir in die Tagesordnung eingehen,                                 betreffend Wahrung der Qualität
meine sehr geehrten Damen und Herren, möchte                                 der zahnärztlichen Behandlung
ich ausdrücklich festhalten, dass die Erdbebenka-                            und Ausbildung in Niederöster-
tastrophe von Haiti, die unzähligen Menschen das                             reich – wurde am 7.1.2010 dem
Leben gekostet hat und eine noch weitaus größere                             Gesundheits-Ausschuss zuge-
Anzahl in Not und Elend gestürzt hat, auch in unse-                          wiesen und am 14.1.2010 im
rem Land große Betroffenheit auslöst. Ich möchte                             Gesundheits-Ausschuss         erle-
daher anlässlich der heutigen Landtagssitzung                                digt.
auch namens der NÖ Volksvertretung den Opfern
                                                         Ltg. 447/A-8/25 -   Antrag der Abgeordneten Ing.
dieser Naturkatastrophe, den hinterbliebenen An-
gehörigen unser Mitgefühl zum Ausdruck bringen.                              Huber u.a. gemäß § 40 LGO
Dieses Mitgefühl gilt in gleicher Weise den Angehö-                          2001 auf Abhaltung einer Aktu-
                                                                             ellen Stunde in der Landtagssit-
rigen und Freunden, die im Erdbebengebiet um
                                                                             zung am 21.1.2010 zum Thema:
Vermisste trauern oder über deren Schicksal im
                                                                             „Keine Minarette in Niederöster-
Ungewissen sind.
                                                                             reich“.

      Ich möchte bei dieser Gelegenheit aber auch        Ltg. 448/B-2/4 -    Bericht des Rechnungshofes
all jenen Niederösterreicherinnen und Niederöster-                           vom 18.12.2009 über das Land
reichern namens des Landtages Danke sagen, die,                              Niederösterreich,   Jahrestätig-
ob als Einzelpersonen oder Institutionen, dem Auf-                           keitsbericht 2009, Nachfrage-
ruf zur Hilfeleistung für die Erdbebenopfer Folge                            verfahren 2008 (Reihe Nieder-
geleistet haben. Sie haben damit nicht nur materiell                         österreich 2009/7) - wurde am
geholfen, sondern auch ein wichtiges Zeichen in-                             7.1.2010 dem Rechnungshof-
ternationaler Solidarität gesetzt. Vielen herzlichen                         Ausschuss zugewiesen und
Dank dafür!                                                                  steht auf der Tagesordnung.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Ltg. 450/A-8/26 -   Antrag der Abgeordneten Mag.       Ltg. 459/B-53 -     Bericht der Landesregierung
                    Schneeberger u.a. gemäß § 40                           vom 12.1.2010 betreffend Be-
                    LGO 2001 auf Abhaltung einer                           richt über die Veranlagung des
                    Aktuellen Stunde in der Land-                          Landes Niederösterreich, Richt-
                    tagssitzung am 21.1.2010 zum                           linien – wurde am 13.1.2010
                    Thema: „Regionale Politik ver-                         dem Wirtschafts- und Finanz-
                    sus Zentrale Politik – Nieder-                         Ausschuss zugewiesen und
                    österreich am Weg zur Vorzei-                          steht auf der Tagesordnung.
                    geregion für Wissenschaft und
                    Technologie“.                      Ltg. 460/G-4/1 -    Vorlage der Landesregierung
                                                                           vom 12.1.2010 betreffend Ände-
Ltg. 454/V-15 -     Vorlage der Landesregierung                            rung des NÖ Gemeinde-Ver-
                    vom 12.1.2010 betreffend Ände-                         tragsbedienstetengesetzes
                    rung des Gesetzes über den                             1976 (GVBG-Novelle 2010) -
                    Unabhängigen Verwaltungsse-                            wurde am 13.1.2010 dem
                    nat im Land Niederösterreich –                         Kommunal-Ausschuss zugewie-
                    wurde am 13.1.2010 dem                                 sen und steht auf der Tagesord-
                    Rechts- und Verfassungs-Aus-                           nung.
                    schuss zugewiesen und steht
                    auf der Tagesordnung.              Ltg. 461/G-3 -      Vorlage der Landesregierung
                                                                           vom 12.1.2010 betreffend Ände-
Ltg. 455/L-35/4 -   Vorlage der Landesregierung                            rung der NÖ Gemeindebe-
                    vom 12.1.2010 betreffend Ände-                         amtengehaltsordnung       1976
                    rung des NÖ Landes-Bediens-                            (GBGO-Novelle 2010) - wurde
                    tetengesetzes (NÖ LGB) –                               am 13.1.2010 dem Kommunal-
                    wurde am 13.1.2010 dem                                 Ausschuss zugewiesen und
                    Rechts- und Verfassungs-Aus-                           steht auf der Tagesordnung.
                    schuss zugewiesen und steht
                    auf der Tagesordnung.              Ltg. 462/S-5/20 -   Vorlage der Landesregierung
                                                                           vom 12.1.2010 betreffend Inter-
Ltg. 456/D-1/3 -    Vorlage der Landesregierung                            national   Anti    Corruptions
                    vom 12.1.2010 betreffend Ände-                         Academy Laxenburg, Ausbau
                    rung der Dienstpragmatik der                           und Renovierung - wurde am
                    Landesbeamten 1972 – wurde                             13.1.2010 dem Wirtschafts- und
                    am 13.1.2010 dem Rechts- und                           Finanz-Ausschuss zugewiesen
                    Verfassungs-Ausschuss zuge-                            und steht auf der Tagesord-
                    wiesen und steht auf der Ta-                           nung.
                    gesordnung.
                                                       Ltg. 463/S-5/21 -   Vorlage der Landesregierung
Ltg. 457/L-1/1 -    Vorlage der Landesregierung                            vom 12.1.2010 betreffend Lan-
                    vom 12.1.2010 betreffend Ände-                         desstraße B4, Baulos „PPP B4
                    rung des Landes-Vertragsbe-                            – Umfahrung Maissau“, km 28,1
                    dienstetengesetzes - wurde am                          - 44,2 - wurde am 13.1.2010
                    13.1.2010 dem Rechts- und                              dem Wirtschafts- und Finanz-
                    Verfassungs-Ausschuss zuge-                            Ausschuss zugewiesen und
                    wiesen und steht auf der Ta-                           steht auf der Tagesordnung.
                    gesordnung.
                                                       Ltg. 464/L-3 -      Vorlage der Landesregierung
Ltg. 458/S-1 -      Vorlage der Landesregierung                            vom 12.1.2010 betreffend Ände-
                    vom 12.1.2010 betreffend Ände-                         rung des NÖ Straßengesetzes
                    rung des NÖ Spitalsärztegeset-                         1999 – wird am 21.1.2010 dem
                    zes 1992 (NÖ SÄG 1992) –                               Bau-Ausschuss zugewiesen.
                    wurde am 13.1.2010 dem
                    Rechts- und Verfassungs-Aus-       Ltg. 465/B-1 -      Bericht des Rechnungshof-Aus-
                    schuss zugewiesen und steht                            schusses Nr.6 der XVII. Ge-
                    auf der Tagesordnung.                                  setzgebungsperiode – wurde




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode          21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


                    am 14.1.2010 im Rechnungs-            Ltg. 451/A-4/109 - Anfrage   der    Abgeordneten
                    hof-Ausschuss behandelt und                              MMag. Dr. Petrovic an Landes-
                    steht auf der Tagesordnung.                              hauptmann Dr. Pröll betreffend
                                                                             Sitzung der NÖ Landesregie-
Ltg. 466/A-3/18 -   Antrag     der   Abgeordneten                            rung vom 12.01.2010.
                    Königsberger u.a. betreffend
                    Stopp der Verfolgung von              Ltg. 452/A-4/110 - Anfrage    des      Abgeordneten
                    pflichtbewussten Polizeibeam-                            Weiderbauer an Landeshaupt-
                    ten durch Dienstbehörde und                              mannstellvertreter Mag. Sobotka
                    Staatsanwaltschaft – wird am                             betreffend Pompöser Spaten-
                    21.1.2010 dem Rechts- und                                stich in Amstetten.
                    Verfassungs-Ausschuss zuge-
                    wiesen.                               Ltg. 453/A-5/83 -   Anfrage   des      Abgeordneten
                                                                              Weiderbauer an Landessrat
Ltg. 469/B-53/1 -   Bericht der Landesregierung                               Mag. Heuras betreffend Pompö-
                    vom 19.1.2010 betreffend Ver-                             ser Spatenstich in Amstetten.
                    anlagung des Landes Nieder-
                    österreich, Richtlinien, Berichte
                                                          Ltg. 467/A-5/84 -   Anfrage    der  Abgeordneten
                    – wurde am 19.1.2010 dem
                                                                              Enzinger MSc an Landesrat
                    Wirtschafts- und Finanz-Aus-
                                                                              Mag. Heuras betreffend B6 als
                    schuss zugewiesen, wurde im
                                                                              künftige LKW-Ausweichroute.
                    Ausschuss am 21. Jänner 2010
                    behandelt und steht auf der Ta-
                    gesordnung.                           Ltg. 468/A-4/111 - Anfrage   der    Abgeordneten
                                                                             MMag. Dr. Petrovic an Landes-
Ltg. 470/S-5/22 -   Vorlage der Landesregierung                              hauptmann Dr. Pröll betreffend
                    vom 19.1.2010 betreffend Lan-                            Sitzung der NÖ Landesregie-
                    despflegeheim Mautern, vorläu-                           rung vom 19.01.2010.
                    fige Endabrechnung für den Zu-
                    bau des Betten- und Wirt-                  Anfragebeantwortungen zu Ltg. 417/A-5/75
                    schaftstraktes und Abbruch des        von Frau Landesrätin Mag. Scheele, zu Ltg. 421/A-
                    Alttraktes – wird am 21.1.2010        4/101 von Herrn Landeshauptmannstellvertreter
                    dem Wirtschafts- und Finanz-          Mag. Sobotka, zu Ltg. 422/A-5/76 von Herrn Lan-
                    Ausschuss zugewiesen.                 desrat Dr. Pernkopf, zu Ltg. 431/A-4/103 von Herrn
                                                          Landeshauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 432/A-4/104
    Anfragen:                                             von Herrn Landeshauptmannstellvertreter Mag.
                                                          Sobotka, zu Ltg. 438/A-4/105 von Herrn Landes-
Ltg. 443/A-5/80 -   Anfrage  des    Abgeordneten          hauptmannstellvertreter Mag. Sobotka, zu Ltg.
                    Razborcan an Landesrat Mag.           439/A-4/106 von Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll,
                    Heuras betreffend Inseraten-          zu Ltg. 441/A-5/78 von Frau Landesrätin Rosen-
                    kampagne „Waldviertelbus“.            kranz, zu Ltg. 442/A-5/79 von Herrn Landesrat Dr.
                                                          Pernkopf, zu Ltg. 443/A-5/80 von Herrn Landesrat
Ltg. 444/A-4/108 - Anfrage   der    Abgeordneten          Mag. Heuras, zu Ltg. 444/A-4/108 von Herrn Lan-
                   MMag. Dr. Petrovic an Landes-          deshauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 445/A-5/81 von
                   hauptmann Dr. Pröll betreffend         Frau Landesrätin Mag. Mikl-Leitner, zu Ltg. 451/A-
                   Sitzung der NÖ Landesregie-            4/109 von Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll, zu
                   rung vom 15.12.2009.                   Ltg. 453/A-5/83 von Herrn Landesrat Mag. Heuras.

Ltg. 445/A-5/81 -   Anfrage    des  Abgeordneten               Heute sind weiters noch eingelangt die Anfra-
                    Weiderbauer an Landesrätin            gebeantwortungen zu Ltg. 440/A-4/107 und Ltg.
                    Mag. Mikl-Leitner betreffend          452/A-4/110 von Herrn Landeshauptmannstellver-
                    Förderungen von Seniorenver-          treter Mag. Sobotka.
                    bänden nach dem NÖ Senio-
                    rengesetz.                                Ich teile weiters mit, dass der Wirtschafts- und
                                                          Finanz-Ausschuss am 14. Jänner das Geschäfts-
Ltg. 449/A-5/82 -   Anfrage    der    Abgeordneten        stück Ltg. 328/S-5/16 mit der Vorlage Ltg. 462/S-
                    MMag. Dr. Petrovic betreffend         5/20 erledigt hat und diese auf der heutigen Tages-
                    Steinbruch Steinegg.                  ordnung steht.




                                                        320
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2009/10 der XVII. Periode       21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Heute tagte noch der Wirtschafts- und Finanz-      haben die Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a.
Ausschuss mit dem Geschäftsstück Ltg. 469/B-           zum Thema „Regionale Politik versus zentrale Poli-
53/1, Bericht der Landesregierung betreffend Ver-      tik - Niederösterreich am Wege zur Vorzeigeregion
anlagung des Landes Niederösterreich – Richtli-        für Wissenschaft und Technologie“ gestellt.
nien.
                                                            In der Präsidialkonferenz am 12. Jänner 2010
     Vorbehaltlich der Zustimmung des Landtages        wurde einvernehmlich vereinbart, dass die beiden
gemäß § 42 Abs.1 LGO, Abgehen von der 24-              Aktuellen Stunden am Ende der Landtagssitzung
Stundenfrist, setze ich dieses Geschäftsstück an       abgehalten werden. Die anders lautenden Anträge
Stelle des Geschäftsstückes Ltg. 459/B-53 auf die      gelten daher als zurückgezogen. Die beiden Aktu-
heutige Tagesordnung. Gibt es dagegen einen            ellen Stunden stehen daher als Punkt 21 und 22
Einwand?                                               auf der Tagesordnung.

                                                            Für die heutige Sitzung sind folgende Rede-
    (Abg. Waldhäusl: Wir sind gegen das Abgehen
                                                       zeitkontingentierungen zwischen den Vertretern der
von der Frist!)
                                                       Klubs einvernehmlich festgelegt worden. Die Ge-
                                                       samtredezeit beträgt 463 Minuten ohne die beiden
    Das heißt, gegen die Stimmen der Freiheitli-       Aktuellen Stunden. Auf Grund des zitierten Land-
chen Partei findet mein Vorschlag die Zustimmung.
                                                       tagsbeschlusses kommen demnach der ÖVP 204
                                                       Minuten, der SPÖ 120 Minuten, der FPÖ 74 und
     Eingebracht wurde heute weiters Ltg. 471/A-       den Grünen 65 Minuten zu. Für die beiden Aktuel-
2/17, Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten            len Stunden gilt gemäß Redezeitmodell die Vertei-
Cerwenka u.a. betreffend dringend erforderliches       lung von je 100 Minuten zwischen den Fraktionen
Investitionspaket für Niederösterreichs Gemeinden.     im Verhältnis 44:26:16:14. Wobei für die als erste
Gemäß § 33 LGO wird beantragt, dass dieser An-         Antragsteller unterfertigten Abgeordneten jeweils
trag im Landtag ohne Ausschusssitzung zur Bera-        noch 15 Minuten hinzutreten. Ich halte fest, dass
tung gelangen möge. Ich werde diesen Dringlich-        die Berichterstattungen, Wortmeldungen zur Ge-
keitsantrag nach Erledigung der Tagesordnung,          schäftsordnung, tatsächliche Berichtigungen und
also nach Abhaltung der Aktuellen Stunden, auf die     die Ausführungen des am Vorsitz befindlichen Prä-
Tagesordnung setzen.                                   sidenten nicht unter die Redezeitkontingente fallen.
     Die Abgeordneten Cerwenka u.a. haben ge-              Ich ersuche Herrn Abgeordneten Schuster, die
mäß § 39 Abs.7 LGO beantragt, dass über die An-        Verhandlung zu Ltg. 462/S-5/20 einzuleiten.
fragebeantwortungen von Landeshauptmann Dr.
Pröll zu Ltg. 431/A-4/103 und von Herrn Landes-            Berichterstatter Abg. Schuster (ÖVP): Sehr
hauptmannstellvertreter Mag. Sobotka zu Ltg.           geehrter Herr Präsident! Werte Mitglieder der Lan-
432/A-4/104 betreffend Interventions- und Mob-         desregierung! Hoher Landtag! Ich berichte zur In-
bingskandal im Landesklinikum St. Pölten eine          ternational Anti-Corruption Academy Laxenburg,
Debatte durchgeführt wird. Es wurde beantragt, die     Ausbau und Renovierung.
Debatte in der heutigen Sitzung durchzuführen.
Gemäß § 39 Abs.8 hat der Landtag hierüber ohne              Das Geschäftsstück ist in den Händen der Ab-
Debatte zu entscheiden. Wer für die Debatte der        geordneten. Es geht hier um die Gesamterrich-
Anfrage noch in dieser Sitzung stimmen möge, den       tungskosten und die Finanzierung in der Höhe von
ersuche ich um ein Handzeichen. (Nach Abstim-          10,990.000 Euro. Ich darf daher den Antrag des
mung:) Dafür stimmen alle Fraktionen dieses Hau-       Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses stellen über
ses. Ich werde daher diese Debatte über die Anfra-     die Vorlage der Landesregierung betreffend Inter-
gebeantwortung am Ende der Sitzung durchführen.        national Anti-Corruption Academy Laxenburg, Aus-
                                                       bau und Renovierung (liest:)
    Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es
sind zwei Anträge auf Abhaltung einer Aktuellen            „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Stunde in der Landtagssitzung am 21. Jänner 2010
eingelangt. Den ersten Antrag gemäß § 40 LGO auf           Das Bauvorhaben Ausbau und Renovierung
Abhaltung einer Aktuellen Stunde, Ltg. 447/A-8/25      der International Anti-Corruption Academy in
haben die Abgeordneten Ing. Huber u.a. zum             Laxenburg mit Errichtungskosten von höchstens €
Thema „Keine Minarette in Niederösterreich“ ein-       10.990 Mio exklusive Umsatzsteuer wird geneh-
gebracht.                                              migt.“

     Den zweiten Antrag auf Abhaltung einer Aktu-          Ich bitte, die Debatte einzuleiten und eine Ab-
ellen Stunde gemäß § 40 LGO, Ltg. 450/A-8/26,          stimmung durchführen zu lassen.




                                                     321
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Präsident Ing. Penz: Danke für die Berichter-        in Größenordnungen, die man sich ja als Normal-
stattung. Wir kommen zur Debatte. Ich erteile Frau        sterbliche gar nicht mehr vorstellen kann, wenn ich
Dr. Petrovic als Erstrednerin das Wort.                   dann aus den Medien entnehme, dass Familien mit
                                                          klingenden Namen in Österreich hier auch mögli-
    Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsi-          cherweise vielleicht privat extreme Vorteile gezo-
dent! Sehr geehrte Herren Präsidenten! Herr Lan-          gen haben, für die letztlich dann die Steuerzahle-
desrat! Hohes Haus!                                       rinnen und Steuerzahler gerade stehen müssen,
                                                          und wenn dann auch Namen in diesem Kontext
     Eine wichtige internationale Einrichtung wird in     fallen wie Flick oder die diesbezügliche Stiftung
Niederösterreich ausgebaut. Es wird ein Objekt            oder ein Name wie Veit Sorger, dann denke ich mir,
dafür instand gesetzt und adaptiert. Wir werden           es ist dringend notwendig, dass so eine Einrichtung
diesem baulichen Projekt selbstverständlich unsere        – und zwar ohne irgendwelche Rücksichtnahme
Zustimmung geben. Ich möchte nur unter Bedacht-           eben auf die klingenden Namen und die guten
nahme auch auf die Zielsetzungen, die dem Letter          Kontakte – hier für Aufklärung sorgt.
of intend zu entnehmen sind, der dieser Vorlage
angeschlossen ist, entsprechend doch ein paar                  Und in diesem Zusammenhang merke ich noch
Anmerkungen noch dazu geben. Und es ist mir               an, dass es mich gerade jetzt auch immer wieder
wichtig, dass das eben auch in den Protokollen des        wundert, wo und wie die Republik in Sachen Terror-
Hauses aufscheint.                                        und Korruptionsbekämpfung ihre Ressourcen ein-
                                                          setzt. Weil wir gehen jetzt ins zweite, wir sind schon
      Es heißt hier, dass unter Bedachtnahme auf          mitten im zweiten Jahr der Observierungen von
die Wichtigkeit der Probleme, die sich durch die          Tierschutzorganisationen bis hin in sehr konserva-
Korruption für die Stabilität und die Sicherheit der      tive, etablierte Vereine, bis hin zu Einrichtungen
Gesellschaften ergeben können, dass dadurch               des Wiener Tierschutzvereins, wo dem Vernehmen
Institutionen unterminiert werden und die Werte der       nach nach wie vor über 30 Spitzenkräfte der Exe-
Demokratie und der Gerechtigkeit, und dass da-            kutive nahezu rund um die Uhr beschäftigt sind,
durch eine nachhaltige Entwicklung und die                derartige Organisationen zu observieren, jedes
Rechtsstaatlichkeit gefährdet werden können. Ich          Telefongespräch abzuhören, jedes Email zu lesen.
glaube, das ist wirklich zu unterstreichen.               Und dann wundert es mich wenig, wenn im Bereich
                                                          der ganz großen Steuerhinterziehung, im Bereich
     Ich denke, wir haben ja gerade in den letzten        von Insidergeschäften - billig kaufen, wenig später
Wochen, Monaten und Jahren leider auch in Öster-          sehr teuer und öffentlich verkaufen -, wenn solche
reich Beispiele erfahren, dass sich diese Gefahren        Dinge möglich sind!
in alle möglichen Bereiche des Wirtschafts- und
Gesellschaftslebens hinein ziehen können. Und ich              Es wird am 2. März ein wirklich bemerkens-
hoffe sehr, dass die Anti-Korruptionsakademie in          werter und auch in den internationalen Medien
Laxenburg diese Bereiche wirklich mit der nötigen         durchwegs kritisch erwähnter Prozess gegen 10, in
Härte und Schärfe angehen und aufgreifen wird.            der Folge 30 Tierschützerinnen und Tierschützer
                                                          stattfinden. Und zwar mit strengsten Strafdrohun-
     Das setzt aber auch voraus, dass von Seiten          gen, mit dem Vorwurf der Bandenbildung, wobei
der Gesetzgebung und von Seiten der maßgebli-             kein einziges irgendwie handfestes Delikt hier in
chen politischen Kräfte im Lande der Wille besteht,       der Anklage ist, sondern eben nur, sie wollen die
dass wirklich in allen Bereichen lückenlos Aufklä-        Gesellschaft verändern. Sie wollen bessere Le-
rung möglich ist. Ganz egal ob das sich in hohe           bensbedingungen für Tiere. Das ist der Vorwurf im
Bankenetagen hineinzieht, ob es ein ganzes Bun-           Wesentlichen. Und sie wollen in diesem Sinne auch
desland, wie soeben Kärnten, und damit indirekt die       die Wirtschaft und die Produktion verändern. Und
Republik, betrifft und ob es auch maßgebliche Per-        ich kann sagen, ja, ich denke, das will sogar eine
sönlichkeiten aus der Politik betrifft. Ich habe          Mehrheit der Österreicherinnen und Österreicher.
gerade dem Mittagsjournal entnommen, der FPÖ-             Und jetzt steht dieser Tage auch im Parlament eine
Parteiobmann glaubt dem Herrn Scheuch. Das ist            neuerliche Verschärfung von §§ 278 ff zur Diskus-
sein gutes Recht, das kann er ja. Aber ich denke,         sion, die nur darauf abzielt, NGOs, Umweltorgani-
mir wäre es lieber, wenn so eine Einrichtung wie          sationen, Tierschutzorganisationen, Hilfsorganisati-
Laxenburg sich das wirklich unter allen Aspekten          onen möglicherweise zu kriminalisieren. Und zwar
mit der Lupe genau anschaut und da prüft, was da          genau dann, wenn sie erfolgreich sind.
wirklich los war.
                                                              Ich hoffe sehr - das sind Vorschusslorbeeren
   Meine Damen und Herren. Ich denke, gerade              von mir - dass diese Einrichtung in Laxenburg nicht
wenn wir den letzten Skandal uns vor Augen führen         diese Linie verfolgen wird, sondern dass sie wirklich




                                                        322
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode       21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


die großen Fische, die internationale Kriminalität      geben. Ich möchte aber auch beim Stichwort
unter die Lupe nimmt. Und dass wir in Österreich        Korruption, Korruptionsbekämpfung und Prävention
vielleicht wieder einmal dazu kommen dass wir           auf eines eingehen. Und zwar gleich einmal in
sagen, zur Demokratie gehört Veränderung. Und           Bezug auf dieses ehemalige BIA, das Büro für
Veränderung geschieht nur durch gesellschaftli-         interne Angelegenheiten. Es gab da einen Ge-
chen Pluralismus, durch Widerspruch, auch durch         setzesbeschluss im Nationalrat, im Juli 2009, zur
gewaltfreien Widerstand und durch das demokrati-        Errichtung eines Bundesamtes zur Korruptionsbe-
sche Spiel der Kräfte.                                  kämpfung.

     In diesem Sinne, hoffe ich, wird diese Organi-          Dahin wurde dieses ehemalige BIA im Jänner
sation tätig sein. Und ich würde mir schon auch         2010 übergeführt. Wir betrachten diesen Gesetzes-
wünschen, dass Sie vielleicht, die Sie jetzt so ein     beschluss, muss ich Ihnen sagen, nicht unbedingt
bisschen weghören, weil das sind ja unangenehme         als großen Wurf. Wir hätten uns da etwas anderes
Botschaften, dass Sie vielleicht auch Ihre Stimme       erwartet. Nämlich eine weisungsfreie Behörde, eine
erheben in dem Sinne, dass man hier keinen              unabhängige Behörde, im Idealfall mit Vertretern
Schauprozess gegen Tierschutzorganisationen             aus Polizei, Finanz und Justiz.
einrichtet, wo doch die wirklich große Kriminalität
ganz woanders sitzt. (Beifall bei den Grünen.)               Aber wir hätten uns nicht das erwartet, dass
                                                        man nur ein anderes Türschild auf das Eingangstor
     Präsident Ing. Penz: Ich freue mich, dass ich      hängt mit dem Namen BAK statt BIA. Dass der
auch Gäste bei uns auf der Galerie willkommen           Leiter weiter am Gängelband der Frau Ministerin
heißen darf. Und zwar die Musikhauptschule Neun-        hängt, die Weisungen erteilt. Diese Funktion ist ja
kirchen, den 2., 3. und 4. Jahrgang unter der Lei-      zur Zeit ausgeschrieben. Wenn ich mir hier diese
tung von Frau Hauptschuloberlehrerin Gabriele           Profilanforderung ansehe bei dieser Ausschrei-
Heizmann. (Beifall im Hohen Hause.)                     bung, dann war die maßgeschneidert auf den Ex-
                                                        BIA-Chef Kreutner zugeschnitten.
     Als nächster Redner gelangt Herr Abgeordne-
ter Königsberger zu Wort.                                    Der hat sich zwar inzwischen nicht einmal be-
                                                        worben, aus guten Gründen, nehme ich an. Aber
    Abg. Königsberger (FPÖ): Sehr geehrter Herr         wie wirksam diese Ämter sein werden, das wird
Präsident! Sehr geehrte Frau Landesrätin! Herr          sich erst zeigen wenn es solche Ausschreibungen
Landesrat! Hoher Landtag!                               nicht mehr gibt. Wenn das Hearing, die Leistung
                                                        zählt und solche Ausschreibungen beinhalten für
     Zur Anti-Korruptionsakademie in Laxenburg.         uns bereits wieder den Keim der Korruption, meine
So wie meine Vorrednerin schon, begrüßen auch           Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
wir diese Einrichtung. Sie begründet sich auf ein
Abkommen zwischen dem Bundesministerium für                  Daher: Wir halten Laxenburg für wichtig und
Inneres, dem Land Niederösterreich und Interpol         richtig. Korruption politischer Postenschacher, Be-
aus dem Jahr 2006. Es soll dort eine Anti-Korrupti-     günstigungen gehören in Österreich abgestellt und
onsakademie mit universitärem Standard errichtet        bekämpft und aufgeklärt. Genauso wie unsere
werden. Das begründet sich auch auf ein Überein-        Grenzen gesichert gehören, dass wir unsere Krimi-
kommen der Republik Österreich mit Interpol aus         nalität in Österreich senken. Und eines muss auch
dem Jahr 2007 zur Begründung eben eines Amts-           sichergestellt werden: Parteien wie ÖVP, SPÖ,
sitzes.                                                 denen muss es künftig unterbunden werden, ihren
                                                        Günstlingen Posten zuzuschanzen und diese mit
     Sie wird 200 Ausbildungsplätze haben. Der          Posten zu versorgen. Danke schön! (Beifall bei der
Ausbau erfolgt im Palais Kaunitz in Laxenburg. Das      FPÖ.)
Palais steht im Eigentum der NÖ Landesimmobi-
liengesellschaft. Wird schon, wie gesagt, zu diesem        Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
Zweck ausgebaut mit Schwerpunkten Trockenle-            Abgeordneter Findeis.
gung, Erneuerung der technischen Anlagen, Um-
bauten, Schulungsräume, Verwaltung, Sportplatz,             Abg. Findeis (SPÖ): Sehr geehrte Herren
Energieeffizienzmaßnahmen. Die Kosten wurden            Präsidenten! Frau Landesrätin! Herr Landesrat!
auch schon erwähnt, 10,990.000 Euro. Als Inbe-          Meine sehr geehrten Damen und Herren! Hohes
triebnahmedatum ist der September 2010 vorge-           Haus!
sehen. Und wie schon erwähnt, wir begrüßen diese
Errichtung, diese Akademie. Wir werden diesem                Wenn uns heute eine Regierungsvorlage hin-
Vorhaben auch deshalb unsere Zustimmung gerne           sichtlich des Ausbaues und der Renovierung der




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


internationalen Anti-Korruptionsakademie vorliegt,         Schritt um der Korruption Herr zu werden. Die Er-
so möchte ich in meinen Ausführungen vorausschi-           richtungskosten für die internationale Korruptions-
cken, dass wir dieser selbstverständlich und sehr          akademie in Laxenburg von rund 11 Millionen Euro,
gerne unsere Zustimmung erteilen können. Denn              mit denen wesentliche bauliche Maßnahmen wie
dieses Institut ist ein weiterer Schritt zur Verbesse-     die Trockenlegung des Mauerwerks, die Erneue-
rung und zum Ausbau der internationalen Zusam-             rung der technischen Anlagen und natürlich die
menarbeit im Bereich der Sicherheit. Und es ist ein        notwendigen Umbaumaßnahmen finanziert werden,
weiteres Element um Österreich als internationalen         sind hervorragend investiertes Geld.
Bildungsstandort zu etablieren.
                                                                Denn sie ermöglichen einerseits die Errichtung
     Wir haben ja schon bisher hervorragende Er-           dieser wichtigen internationalen Ausbildungsstätte
fahrungen mit der internationalen Zusammenarbeit           in Niederösterreich und sie tragen außerdem dazu
gemacht. Ich möchte hier nur als ein Beispiel an die       bei, einem wertvollen historischen Gebäude neues
Polizeikooperationsstelle in Drasenhofen erinnern.         Leben einzuhauchen. Ein in jeder Hinsicht begrü-
Hier arbeiten seit 2006 tschechische und österrei-         ßenswertes Projekt, dem wir, wie bereits eingangs
chische Polizistinnen und Polizisten Seite an Seite        gesagt, gerne unsere Zustimmung geben und dem
für mehr Sicherheit in beiden Ländern. Es ist daher        ich an dieser Stelle auch alles Gute wünschen
absolut begrüßenswert, dass ein Gebäude des                möchte. Danke! (Beifall bei der SPÖ.)
Landes Niederösterreich, das historische Palais in
Laxenburg, als Sitz dieser Akademie auserkoren                  Präsident Ing. Penz: Ich freue mich auch,
wurde.                                                     dass ich Schülerinnen und Schüler der Handels-
                                                           akademie und Handelsschule aus Waidhofen a.d.
     Denn, meine sehr geehrten Damen und Her-              Thaya bei uns hier im Landtagssaal begrüßen darf.
ren, Hohes Haus. In Zeiten der Globalisierung und          (Beifall im Hohen Hause.)
der immer enger werdenden internationalen Ver-
netzungen wird auch die Kriminalität immer mehr                 Zu Wort gelangt der bereits am Rednerpult
zum internationalen Phänomen und zu einem inter-           sich befindliche Hans Hintner.
nationalen Problem. Wer wüsste das besser als wir
hier in Niederösterreich.                                      Abg. Hintner (ÖVP): Sehr geehrter Herr Prä-
                                                           sident! Hohes Haus!
     Gestatten Sie mir aus aktuellem Anlass einen
kleinen Exkurs. Leider wird unser Bundesland im-                 Lassen Sie mich einmal allgemein danken dem
mer stärker zum auserwählten Ziel internationaler          öffentlichen Dienst, allen Mitarbeiterinnen und Mit-
Banden, die in Niederösterreich auf Beutezug ge-           arbeitern des öffentlichen Dienstes, natürlich spe-
hen. Um diesem Problem Herr zu werden, wird                ziell bei uns in Niederösterreich. Denn nur ein funk-
allerdings auch eine noch so gute internationale           tionierender, gut gehender öffentlicher Dienst ist ein
Zusammenarbeit nicht ausreichend sein, so lange            Bollwerk gegen die Korruption. Gegen die Korrup-
nicht die Personalsituation der Exekutive im eige-         tion, die wir international sehen können. Korruption,
nen Land endlich verbessert wird. Denn wie die             die in manchen Staaten zu Hause ist, denen an
aktuelle Kriminalitätsstatistik von 2009 zeigt, die        oberster Stelle Förderungen internationaler Organi-
Zahl der Delikte steigt, geht die Zahl der Beamtin-        sationen verwehrt werden. Das ist etwas, ein leid-
nen und Beamten weiter zurück. Alleine heuer ge-           geprüftes Phänomen in den internationalen Bezie-
hen in Niederösterreich rund 100 Kolleginnen und           hungen, aber das macht eben die Qualität auch
Kollegen in den wohl verdienten Ruhestand, aber            eines Standortes aus. Nämlich dort, wo der öffentli-
nur 50 junge Beamtinnen und Beamte stehen in               che Dienst funktioniert, dass dort Korruption keine
Ausbildung. Dass die Aufklärungsquote gesteigert           Chance hat.
werden konnte, ist der hervorragenden Arbeit der
Polizei, und damit komme ich auch wieder zurück                 Wenn wir von Korruption sprechen, dann spre-
zur internationalen Zusammenarbeit, diese Steige-          chen wir ja vom Erwerb eines Vorteils durch Zu-
rung der Aufklärungsquote ist zu einem nicht uner-         wendung. Diese Zuwendung die kann, aber muss
heblichen Teil auch auf die gute Kooperation mit           nicht, materiell sein. Sie kann natürlich auch ideo-
den Kolleginnen und Kollegen der Nachbarstaaten            logisch motiviert sein. Die Redezeit, der heutige
zurückzuführen.                                            Tag ist viel zu kurz um all die manigfaltigen Mög-
                                                           lichkeiten der Korruption anzuführen. Einige dieser
      Wenn es nun in Hinkunft in Niederösterreich          Dinge haben wir gehört. Aber grundsätzlich muss
eine internationale Ausbildungsstätte für hochquali-       man dazu sagen, gewisse Dinge gehören schon ins
fizierte Beamtinnen und Beamte zur Bekämpfung              richtige Licht gerückt. Gerade das hat ja auch die
von Korruption geben wird, so ist das ein wichtiger        jüngste Diskussion gezeigt um die heimischen Anti-




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Landtag von Niederösterreich          Tagung 2009/10 der XVII. Periode          21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Korruptionsgesetze, wo plötzlich die Schale Kaffee,              Berichterstatter Abg. Maier (ÖVP): Sehr ge-
das eine Glaserl Wein, die eine Essensrechnung               ehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Geschätzte
plötzlich in den Geruch von korrupten Vorgängen              Frau Landesrätin! Ich berichte zu Ltg. 463/S-5/21,
gewesen wäre. Eine Lächerlichkeit, die ich für alle          Landesstraße B4, Baulos „PPP B4 – Umfahrung
hier nur zurückweisen kann.                                  Maissau“, Vorhabensbericht an den Landtag.

      Zum Anderen muss man auch sagen, man                       Es handelt sich hier um den Bau und die Fi-
muss Gleiches mit Gleichem betrachten. Natürlich,            nanzierung der Umfahrung Maissau. Im Antrag
alle hier im Haus und in Niederösterreich würden             enthalten ist die Bauplanung, der Bau und Fahr-
und werden sich für die Verbesserung des Tier-               spurzulegung bei Ravelsbach sowie die Brücken
schutzes in unserem Land einsetzen. Worum es                 und Nebenbauwerke und des Weiteren die bauliche
hier geht, ist ja die Frage der Mittel. Ist es so fried-     und betriebliche Erhaltung mit Ausnahme des Stre-
fertig wie hier gesprochen wurde? War es nicht so,           cken- und Winterdienstes. Dieser verbleibt im Auf-
dass das eine oder andere Mal eingebrochen                   gabenbereich des NÖ Straßendienstes.
wurde? War es nicht so, dass das eine oder andere
                                                                 Es handelt sich bei der Finanzierung um Ge-
Mal Buttersäure verwendet wurde? Die eine oder
                                                             samtkosten von 95 Millionen Euro. Ich darf den
andere Drohung, und, und, und? Das sind ja die
                                                             Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses
Dinge, warum einige der Damen und Herren vor
                                                             über die Vorlage der Landesregierung betreffend
Gericht stehen! Aber bitte doch nicht, weil man sich
                                                             Landesstraße B4, Baulos „PPP B4 – Umfahrung
für die armen Viecherln einsetzt. (Beifall bei der
                                                             Maissau“, km 28,1 – 44,2 verlesen (liest:)
ÖVP.)
                                                                  „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
     Als Abgeordneter des Bezirkes Mödling, und
ich denke, diese Freude teilt Martin Schuster mit            1.   Das Projekt ‚PPP B4 – Umfahrung Maissau’
mir, freut es mich natürlich, dass unsere Liese                   mit Gesamtkosten von € 95.000.000,- wird
Prokop im Jahr 2006 die dementsprechenden Ge-                     genehmigt. In diesem Betrag (Nominalwert)
spräche geführt hat um die Anti-Korruptionsakade-                 enthalten sind die Baukosten (Straße und
mie nicht nur nach Niederösterreich, sondern in den               Brücken) zur Errichtung der UF Maissau und
Bezirk Mödling, ins schöne Laxenburg zu bringen.                  der Fahrspurzulegung Ravelsbach, die Kosten
Laxenburg, überhaupt eine Stätte internationaler                  für die bauliche Erhaltung des Abschnittes der
Beziehungen. Und es freut mich auch, und er ist                   B4 von km 28,1 bis km 44,2 bis zum Jahr
hier, dass Dr. Gerhard Tretzmüller mit seinem                     2037, die Kosten für die betriebliche Erhaltung
Team einmal mehr seine Verbundenheit zum schö-                    (mit Ausnahme des Strecken- und Winter-
nen Bezirk Mödling zeigen konnte. Er ist ja mittler-              dienstes, dieser verbleibt im Aufgabenbereich
weile hier schon der Sicherheitsspezialist, wenn ich              des NÖ Straßendienstes) des Abschnittes der
an die Kriminalabteilung denke. Und wir hoffen                    B4 von km 28,1 bis km 44,2 bis zum Jahr
auch alle gemeinsam, dass die Fortschritte jetzt so               2037, die Finanzierungskosten aller dieser
gehen werden, dass wir auch die Termine koordi-                   Maßnahmen und die Umsatzsteuer.
nieren können und rasch zu einer Eröffnung kom-
men werden. Ein herzliches Dankeschön an alle                2.   Die Finanzierung auf Basis eines PPP (Public
beteiligten Personen! (Beifall bei der ÖVP.)                      Private Partnership) Modells wird genehmigt.

    Präsident Ing. Penz: Die Rednerliste ist er-             3.   Die NÖ Landesregierung wird ermächtigt, die
                                                                  zur Durchführung des Beschlusses erforder-
schöpft. Ich frage den Berichterstatter, ob er ein
                                                                  lichen Maßnahmen zu treffen.“
Schlusswort wünscht.

    Berichterstatter Abg. Schuster (ÖVP): Ich                    Ich bitte um Einleitung der Debatte und Ab-
verzichte!                                                   stimmung.

     Präsident Ing. Penz: Er verzichtet. Wir                     Präsident Ing. Penz: Ich eröffne die Debatte.
kommen daher zur Abstimmung. (Nach Abstim-                   Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Enzinger.
mung über den vorliegenden Antrag des Wirt-
schafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg. 462/S-5/20:)               Abg. Enzinger MSc (Grüne): Sehr geehrte
Ich stelle fest, dass dieser Antrag einstimmig ange-         Präsidenten! Frau Landesrätin! Geschätzte Kolle-
nommen wurde.                                                ginnen und Kollegen!

    Ich ersuche Herrn Abgeordneten Maier, die                    Maissau, der Verkehr und die unendliche Ge-
Verhandlung zu Ltg. 463/S-5/21 einzuleiten.                  schichte. Seit über zirka 15 Jahren wird nachge-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


dacht, wie man dem Verkehr in Maissau Herr wer-               Öffentlicher Verkehr heißt weniger CO2, weni-
den könnte. 15 Jahre lang ist nachgedacht worden,        ger Lärm und auch eine gesündere Umwelt. 95
geschehen ist inzwischen noch nicht viel, außer          Millionen Euro sollen investiert werden mit einem
dass zirka 300.000 Euro an Planungsgeldern aus-          PPP-Modell. Es ist fraglich, ob es dabei bleibt oder
gegeben worden sind. Im öffentlichen Bereich hat         ob da nicht schlussendlich erst wieder die öffentli-
es keine Verbesserungsmaßnahmen gegeben.                 che Hand alles finanziert. Soll investiert werden in
Jetzt liegt der Antrag vor auf Finanzierung der Um-      Beton.
fahrungsstraße durch PPP.
                                                               Was ist eigentlich mit den Konzepten, die es
      Wir Grünen werden diesem Projekt zustimmen.        bereits gibt? Es gibt ein Konzept mit Sammelan-
Allerdings möchte ich schon kritisch anmerken,           ruftaxis. Das liegt vor, ist nicht umgesetzt. Also ich
dass alleine der Bau einer Umfahrungsstraße nicht        gehe davon aus und ich wünsche mir, dass, wenn
die Bevölkerung entlasten wird, nicht die Infra-         jetzt 95 Millionen Euro in den Bau einer Umfah-
struktur verbessern wird und auch die Lebensqua-         rungsstraße investiert werden, dass auch etliche
lität nicht erhöhen wird. Man muss gleichzeitig          tausend Euro - vielleicht auch hunderttausend
Maßnahmen setzen, dass man auch im öffentlichen          Euro, das wäre super - in den öffentlichen Verkehr
Verkehr von A nach B kommt. Sprich konkret, man          investiert werden. Weil das würde dann auch hei-
kann von Maissau nach Hollabrunn nur mit dem             ßen, das Land, der Landtag, die Landesregierung
Bus fahren und man muss einmal umsteigen. Das            ist innovativ, denkt in die Zukunft. Im Moment sehe
sind 22 km und man ist bis zu einer Stunde unter-        ich da noch nicht viel Innovatives.
wegs. Das glaubt einem niemand. Aber das ist
Tatsache. Öffentlich kommt man in die Bezirks-                Ja, und was ich auch noch anmerken möchte:
hauptstadt nur mit dem Bus, mit einmal umsteigen         Es ist 15 Jahre lang nachgedacht worden, wie
und man braucht über eine Stunde. Das gehört auf         könnte man die Verkehrssituation verbessern? Wir
alle Fälle sofort korrigiert! (Abg. Mag. Schnee-         stehen heute da, wir beschließen die Umfahrungs-
berger: Ihr fährt eh mit dem Radl!)                      straße. Tatsache ist aber auch, dass bereits be-
Das gehört natürlich dazu, ein Verkehrskonzept,          gonnen worden ist. Da kann man sich auch fragen,
das einen Fahrradweg inkludiert. Das gibt es auch        warum beschließen wir das erst jetzt? Warum ist
nicht. Das sollte kommen.                                das nicht schon vorab beschlossen worden? Und
                                                         warum wird es im Nachhinein beschlossen wer-
    Wenn man sich anschaut, wie man von                  den? Danke! (Beifall bei den Grünen.)
Maissau nach Wien kommt: Mit der Franz Josefs
Bahn braucht man 2 Stunden, 2,5 Stunden. Das ist            Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
auch unzumutbar. Mit zwei- bis dreimal umsteigen.        Abgeordneter Razborcan.
(Abg. Lembacher: Aber geh!)
                                                             Abg. Razborcan (SPÖ): Sehr geehrter Herr
    Es gibt in der Früh, man kann sich das bei           Präsident! Hoher Landtag!
ÖBB ’runterladen, in der Früh um 7.15 Uhr und um
6 Uhr eine Verbindung, die dauert 50 Minuten. An-             Die B4, die Horner Straße, ist eigentlich ein
sonsten braucht man zwei Stunden mit zwei- bis           Teilstück der großräumigen Verbindung zwischen
dreimal umsteigen. Ist für jeden nachlesbar. Und         Wien und Prag sowie der Route des internationalen
der letzte Zug von Wien nach Maissau fährt um            Durchreiseverkehrs Wien-Prag, eben der Europa-
18.00 Uhr. Wenn man um 20.00 Uhr wegfahren               straße E49. Und andererseits eine wichtige Infra-
möchte von Wien nach Maissau braucht man 8               strukturverbindung von Wien in das Zentrum des
Stunden – laut ÖBB.                                      Waldviertels.

      Was gehört noch getan? Wenn man den öf-                 Auf Grund der ökonomischen und politischen
fentlichen Verkehr ausbaut heißt das auch weniger        Umwälzungen der letzten 20 Jahre in Europa wur-
Lärm. Weil wenn man eine Umfahrungsstraße baut           den neue Strukturen und Wettbewerbsverhältnisse
ist ja deswegen der Lärm nicht weg. Er ist ja trotz-     geschaffen, die auch Niederösterreich und seine
dem vorhanden. Der Verkehr wird nicht weniger. In        Entwicklung beeinflussen. Die Bewältigung der
Zeiten wie diesen, die Rohstoffe werden knapper,         Verkehrssituation wurde gerade durch diese Ent-
das Geld wird möglicherweise knapper, es kann            wicklung zu einer immensen Herausforderung eben
sich nicht jeder ein oder zwei Autos leisten, muss       für die Ostregion. In Zukunft ist sicherlich mit einem
man auch in Zukunftsprojekte investieren. Und das        weiteren Ansteigen des überregionalen Verkehrs zu
ist der öffentliche Verkehr.                             rechnen. Wobei hier Niederösterreich auf Grund




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


seiner geografischen Lage eine sehr wichtige              günstiger sein als landesinterne Vergleichswerte,
Position einnimmt. Betrachtet man die Situation auf       dann erfolgt die Finanzierung aus dem Budget un-
der B4, so zeigt sich, dass täglich mehr als 10.000       ter nachträglicher Berichterstattung an den Land-
Fahrzeuge mit einem Lkw-Anteil von 10 Prozent             tag. Daher wird meine Fraktion auch diesem Ta-
über die Horner Straße fahren. Alleine in den             gesordnungspunkt die Zustimmung erteilen. Dan-
letzten 10 Jahren hat die Steigerung des Verkehrs         keschön! (Beifall bei der SPÖ.)
13 Prozent ausgemacht.
                                                             Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau
     Wie wir alle wissen, führt die B4 mitten durch       Abgeordnete Lembacher.
das Zentrum vieler Gemeinden oder hat durch ge-
führt, was eine große Lärm- und Staubbelästigung              Abg. Lembacher (ÖVP): Herr Präsident! Ho-
für die Bevölkerung bedeutet hat. Von zahlreichen         her Landtag! Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Unfällen mit Fußgängern und Kindern ganz zu               Frau Landesrätin!
schweigen. In den letzten Jahren wurde daher in
diese Hauptverkehrsachse des Waldviertels sehr                Die B4 ist ein wichtiges Teilstück der Verbin-
viel Geld investiert. Geld, das die Attraktivität der     dung zwischen Wien und Prag und eine bedeu-
Region steigert, die Sicherheit der Menschen in den       tende Verkehrsachse von Wien ins Weinviertel, ins
Gemeinden erhöht und die Lebensqualität der Be-           Waldviertel und zurück. Viele Pendler und Lkws,
wohner an der B4 steigert.                                Firmen, passieren diese Straße. In den vergange-
                                                          nen Jahren wurden über 45 Millionen Euro in den
     Nach dem Bau der Umfahrung von Ziersdorf,            Ausbau dieser Straße investiert. Eine große
Mörtersdorf, Mold, Seitzersdorf, Wolfpassing und          Summe, mit denen letztendlich die Umfahrungen –
der Anbindung Horn-Ost wird die Umfahrung                 und der Kollege hat es schon gesagt – Ziersdorf,
Maissau jetzt auch die Bewohnerinnen und Bewoh-           Mörtersdorf, Mold, Anbindung Horn-Ost geschaffen
ner von Maissau entlasten.                                worden sind. Und die Bewohnerinnen und Bewoh-
                                                          ner dieser Orte sind vom Verkehr entlastet worden.
      Dieses Projekt wird von der gesamten Bevöl-
kerung sehr begrüßt. Ich finde es daher ein biss-              Nun wird die neue Umfahrung von Maissau -
chen schade, dass dieses Projekt nicht schon frü-         es ist die Letzte an der B4 - die Menschen, die in
her realisiert werden konnte. Wir haben gehört            Maissau leben, entlasten. Derzeit sind bis zu
eben im Gemeinderat von Maissau wurde ein SPÖ-            10.000 Fahrzeuge mit einem 11-prozentigen Anteil
Antrag damals mit den Stimmen der ÖVP abge-               an Schwerverkehr durch Maissau unterwegs. Die
lehnt. Natürlich kann man gescheiter werden. Das          neue Anbindung und Umfahrung wird nordöstlich
ist ja natürlich auch sehr gut. Und daher ist es gut,     von Maissau verlaufen und beginnt rund 1,5 km vor
dass dieses Projekt jetzt umgesetzt wird.                 dem südöstlichen Ortsbeginn mit der Anschluss-
                                                          stelle Maissau-Ost. Dann erfolgt eine Überquerung
    Übrigens, und da bin ich nicht der Meinung von        des Weitenbaches und danach gibt es die Anbin-
der Kollegin Enzinger, in Einverständnis mit der          dungen an Landesstraßen L50 und B35. Die An-
Wirtschaft dort, mit der Gastronomie, die sich auf        bindung und die Umfahrung geht an der Amethyst-
den Maissauer Berg dort angesiedelt hat. Also die-        welt vorbei und mündet 2 km nach dem nordwestli-
ses Projekt wird insgesamt befürwortet.                   chen Ortsende in die bestehende B4 ein. Insge-
                                                          samt ist die Umfahrungsstraße 6 km lang, die
     Und interessant grundsätzlich ist auch für mich      Fahrbahnbreite beträgt 12,5 m. Zur Erhöhung der
die Möglichkeit der Finanzierung dieses Straßen-          Verkehrssicherheit wird auf der gesamten Strecke
bauvorhabens als PPP-Projekt. International wer-          eine so genannte 2+1-Markierung vorgesehen.
den nämlich in zunehmendem Ausmaße Infra-                 Dadurch ist ein sicheres Überholen leichter mög-
strukturprojekte aller Art in Form solcher PPP-Mo-        lich. Begleitwege für den landwirtschaftlichen Ver-
delle realisiert. Und diese PPP-Projekte stellen          kehr werden, wo es notwendig ist, errichtet.
Partnerschaften zwischen der öffentlichen Hand
und einem privaten Partner dar.                               Meine sehr verehrten Damen und Herren!
                                                          Wenn von der Kollegin Enzinger und vom Kollegen
     Sie nutzen die Vorteile des öffentlichen und         Razborcan angesprochen worden ist, dass es eher
des privaten Sektors und haben damit eine ausge-          lange gedauert hat, dann hat es einen langen Dis-
wogene Chance, eine Risikoverteilung nach dem             kussionsprozess gegeben. Das kann ich sagen.
Prinzip, dass jeder die Aufgabe übernimmt die er          Also es war alles ein Für und Wider. Und zwar wa-
am besten kann. Und das Land Niederösterreich             ren es auf der einen Seite die Anrainer, die gesagt
wendet eben bei diesem Vorhaben besondere Vor-            haben, wir wollen sofort eine Umfahrung. Und auf
sicht an. Denn sollte die PPP-Finanzierung un-            der anderen Seite waren es die Gewerbebetriebe,




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die Heurigenbetriebe, die Gastgewerbebetriebe, die        dass das etwas sehr, sehr Positives ist. Bei diesen
befürchtet haben, durch eine Umfahrung kommen             95 Millionen Euro, wenn das auch kritisiert worden
weniger Gäste her und letztendlich gibt’s große           ist, da ist ja nicht nur die Umfahrung Maissau dabei.
wirtschaftliche Einbußen.                                 Da gibt’s eine Fahrspurzulegung Ravelsbach. Es
                                                          gibt die gesamte betriebliche und bauliche Erhal-
    Und wir leben halt einmal in einer Demokratie.        tung bis zu 44,2 km. Und für uns ist das etwas sehr,
Und es kann niemand verordnen, der Landes-                sehr Positives.
hauptmann oder irgendwer, die Umfahrung wird
gebaut oder nicht gebaut. Sondern die Gemeinde-                Und was auch wichtig ist, die Strecke bleibt
bürgerinnen von Maissau und die Gemeindebürger            auch in Zukunft dem Land Niederösterreich, im
haben letztendlich sich dafür entschieden, dass           Besitz des Landes. Wir haben den Zugriff dazu. Wir
diese Umfahrung gebaut wird.                              haben den Strecken- und Winterdienst. Und wir
                                                          können sagen, dass unser Straßendienst sehr, sehr
     Landeshauptmann Dr. Pröll hat aber auch je-          erfahren ist, auch in diesem Bereich. Das funktio-
nen, die befürchtet haben, dass es wirtschaftliche        niert immer wieder. Und durch dieses Modell der
Nachteile geben wird, Hilfe zugesagt. Er hat ge-          Finanzierung kann das Projekt bereits jetzt begon-
sagt, es wird in Zukunft auch die bestehende, also        nen werden. Es ist ungefähr so wie wenn ich sage,
die Ortsdurchfahrt, ausgebaut werden. Und mittler-        ich mach einen Bausparvertrag, ich nehme den in
weile haben wir die Amethystwelt Maissau gebaut,          Anspruch, oder einen Wohnbaukredit des Landes.
mit einer Investitionssumme von 5 Millionen Euro,         Ich brauch’ das Geld nicht auf einmal ausgeben,
mit zirka 50 Prozent Anteil, Kostenanteil der öffent-     nicht warten, bis ich es habe, sondern kann begin-
lichen Hand. Und mittlerweile kommen 140.000              nen mit dem Bau und kann dann im Laufe der Zeit
Menschen jährlich in diese Amethystwelt. Das sind         das auch immer wieder dann bezahlen.
Vorteile für die Gastronomie, für das Gastgewerbe
usw. Und wir haben hervorragende Betriebe. Und                 Die Straßen sind eben günstiger. Warum? Der
der Kollege Hofbauer hat gerade gesagt, sag’ mir ja       Kollege hat es schon gesagt, weil es ganz einfach
dazu, dass die Betriebe am Maissauer Berg sehr            auch möglich ist, dass die Firmen selber flexibler
gut sind. Und wir haben vor ein paar Jahren auch          bauen. Dass sie so bauen wie sie es auch am
dafür gekämpft, dass es eine Kriechspur am                besten können. Wir haben aber auch die Möglich-
Maissauer Berg gibt, was teilweise eine Entlastung        keit, das Vergabeverfahren zu stoppen wenn wir
bedeutet und wo auch unser Landeshauptmann                errechnen – und es gibt Vergleichsrechnungen –,
und das Land Hilfe geboten haben.                         wenn berechnet wird, dass dieses Modell nicht
                                                          günstiger sein sollte, was unwahrscheinlich ist, aber
     Aber es wird in Zukunft sicher so sein, dass         wir können stoppen.
sich diese Betriebe verstärkt bemühen werden, die
Gäste zu halten damit die auch wieder kommen.                  Aber es gibt auch strikte Vertragsauflösungs-
Ein Beispiel, das sicher positiv ist, ist die Grasl-      kriterien. Das Land bezahlt nur das, was tatsächlich
Wirtin in Mörtersdorf. Vielleicht kennen sie einige.      gebaut wird. Verehrte Kolleginnen und Kollegen!
Trotz der Umfahrung sind die Gäste dort. Und das          Mit der Umfahrung Maissau, und das ist die letzte
wird uns auch in Maissau gelingen.                        Umfahrung an der B4, wird die Straße leistungsfä-
                                                          higer sein, den wirtschaftlichen Gegebenheiten wird
     Wenn der öffentliche Verkehr angesprochen            besser Rechnung getragen und die Menschen an
worden ist: Liebe Kollegin Enzinger, du glaubst           der B4 können an der wirtschaftlichen Entwicklung
wahrscheinlich, dass die Maissauer, … dass die            stärker teilnehmen und sie erhalten auch wesent-
Franz Josefs Bahn auch über Deutsch Wagram                lich mehr Sicherheit und Lebensqualität in ihren
fährt. Die fährt direkt hinein und von zwei oder vier     Orten. (Beifall bei der ÖVP.)
Stunden kann keine Rede sein. Das muss ich dir
schon sagen! (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Enzinger            Präsident Ing. Penz: Zu einer tatsächlichen
MSc: Nein!)                                               Berichtigung gelangt Frau Abgeordnete Enzinger
                                                          zu Wort.
     Was natürlich auch notwendig ist, ist eine
leichte Zu- und Anbindung eben an dieser B4 für               Abg. Enzinger MSc (Grüne): Meine tatsächli-
Maissau und das wird es geben. Dieses Public              che Berichtigung. Ich meinte nicht, wie die Kollegin
Private Partnership-Modell soll eine leichtere Fi-        Lembacher meinte, den Weg von Maissau über
nanzierung ermöglichen. Und zwar auch Maastricht          Deutsch Wagram nach Wien, sondern ich meinte
konform. Weil wir nicht am Anfang diese Finanzie-         den Weg von Maissau nach Wien laut ÖBB-Aus-
rungsspitze haben, sondern die Kosten teilen sich         kunft. Dauert zwei bis zweieinhalb Stunden mit
eben auf diese 27,5 Jahre auf. Und ich denke mir,         zwei- bis dreimal umsteigen. Kann jeder nachlesen.




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Die meisten sind online. Es gibt eine einzige Ver-         men zum Zug. Vor allem jene Bieter, die hier aus
bindung, die 50 Minuten dauert, das ist die um 6.00        Niederösterreich kommen. Gesamtkosten von 95
Uhr in der Früh und eine am Nachmittag gibt’s.             Millionen sind Wirtschaftsimpulse für eine Region,
Aber die meisten Verbindungen dauern leider, und           die es dringend braucht, dringend notwendig hat.
das ist traurig genug, zweieinhalb Stunden. Danke!
(Beifall bei den Grünen. – Abg. Ing. Hofbauer: Das              Ich möchte zum Thema Umfahrung noch et-
war wie die Tullner Brücke gesperrt war!)                  was anmerken: Diese Umfahrung wird sicherlich,
                                                           glaube ich, eine sehr gute werden. Die letztgebaute
    Präsident Ing. Penz: Als nächster gelangt              Mörtersdorf ist auch eine sehr gute. Ich habe aber
Herr Klubobmann Waldhäusl zu Wort.                         leider in Erinnerung eine sehr schlechte, die Um-
                                                           fahrung Ziersdorf. Das ist ein Negativbeispiel, wie
    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Werter Herr Präsi-               man nie Umfahrungen bauen sollte. Und da braucht
dent! Werte Kollegen des Landtages!                        man kein Wissenschafter sein und kein Experte,
                                                           sondern man spricht mit jenen Menschen, die dort
      Auch von mir eine kurze Stellungnahme zu             tagtäglich fahren und die haben wirklich gesagt –
diesem Projekt Baulos PPP B4 Umfahrung                     und ich wiederhole es – welche Trotteln haben das
Maissau. Ich darf gleich zu Beginn dem Abgeord-            zu verantworten?
neten Kollegen der SPÖ Recht geben, indem du
gesagt hast, ein gutes Projekt aber leider Gottes               Drei Abfahrten, ich weiß, dass der Landes-
viel, viel zu spät.                                        hauptmann eine gebraucht hat. Aber Geschwindig-
                                                           keitsbeschränkungen … Man braucht jetzt länger
     Für viele Pendler des oberen Waldviertels war         bei der Umfahrung Ziersdorf als wenn man bei der
es immer ein Anliegen, dass die Umfahrungen so             Ortschaft durchfährt. Weil jetzt in der Ortschaft
schnell wie möglich gebaut werden. Die notwendige          weniger Verkehr ist, ist ganz klar. Das heißt, solche
Autobahn oder Schnellstraße bekommen wir auf               Blödheiten wollen die Pendler nicht mehr. Ich hoffe,
Grund der ÖVP-Mehrheit nicht. Mit dem müssen               dass bei Maissau sehr viel besser geplant wurde.
die Pendler leben. Die Ortsumfahrungen kommen              Wer verantwortlich dafür ist, dass es in Ziersdorf
schleppend. Sie kamen schleppend und sie kamen             nicht so ist, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass drei
viel zu spät. Und wenn man davon spricht, Kollegin         Abfahrten für so ein kleines Teilstück auf alle Fälle
Lembacher, dass das jetzt ein Schritt ist zu einer         zu viel ist.
Hochleistungsstraße, dann, glaube ich, bist du die
Strecke schon lange nicht gefahren. Die ist schon              Im Interesse der Pendler werden wir natürlich
lange keine Hochleistungsstraße mehr. Du fährst            diesem Bauvorhaben zustimmen. Weil es notwen-
dort hinter oder zwischen den Lkws und kannst              dig war, schon lange. Und hoffen weiter und wer-
über 80, 90 km/h, du kannst nicht einmal die mögli-        den nicht Ruhe geben, auch eine Waldviertler Au-
chen 100 km/h fahren. Weil du keine Möglichkeiten          tobahn durchzusetzen. (Beifall bei der FPÖ.)
mehr hast zu überholen.
                                                               Präsident Ing. Penz: Die Rednerliste ist er-
     Aber das ist dein Zugang zu dieser Thematik.          schöpft. Der Berichterstatter hat das Schlusswort.
Weil der liebe Erwin sagt, es ist so, und bleibt im-
mer so so lange ich bin, sagt auch die Marianne,                Berichterstatter Abg. Maier (ÖVP): Ich ver-
gut, wenn’s der Erwin sagt, dann bleibts so. Ich           zichte!
sage, diese Umfahrung kommt zu spät. Und nur
eine Waldviertel-Autobahn ist wirklich eine Entlas-             Präsident Ing. Penz: Er verzichtet. Wir kom-
tung für die Pendler. (Beifall bei der FPÖ.)               men zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über den
                                                           vorliegenden Antrag des Wirtschafts- und Finanz-
     Dieses Modell zeigt natürlich oder leider auch        Ausschusses, Ltg. 463/S-5/21:) Ich stelle die ein-
die finanzielle Situation des Landes auf. Denn mit         stimmige Annahme dieses Antrages fest.
diesem Projekt können wir natürlich uns Schulden
ersparen und budgetwirksam nur immer wieder die                 Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsich-
Rückzahlungen bis zum Jahr 2037 bedienen.                  tige ich die Geschäftsstücke Ltg. 404/B-44/1 und
                                                           Ltg. 418/B-49 wegen des sachlichen Zusammen-
     Gut finde ich es aber vor allem deswegen, weil        hanges gemeinsam zu verhandeln. Berichterstat-
jetzt die Möglichkeit besteht …, und ich weiß es,          tung und Abstimmung werden jedoch getrennt er-
dass viele Waldviertler, Weinviertler Betriebe hier        folgen. Wird gegen diese Vorgangsweise ein Ein-
noch immer in Bieterverfahren sind. Und ich sage           wand erhoben? Das ist nicht der Fall. Ich ersuche
es als Patriot, als Niederösterreich-Patriot: Hoffent-     Herrn Abgeordneten Grandl zuerst zum Geschäfts-
lich kommen hier viele niederösterreichische Fir-          stück Ltg. 404/B-44/1 und danach Herrn Dipl.Ing.




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Eigner zum Geschäftsstück Ltg. 418/B-49 zu be-           zum Antrag des Gesundheits-Ausschusses kom-
richten.                                                 men (liest:)

     Berichterstatter Abg. Grandl (ÖVP): Sehr                „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
geehrter Herr Präsident! Hohes Haus! Geschätzte
Damen und Herren! Ich berichte zum Geschäftsbe-               Der Bericht der Landesregierung betreffend
richt des NÖ Gesundheits- und Sozialfonds für das        Tätigkeitsbericht der NÖ Landeskliniken-Holding für
Jahr 2008.                                               das Jahr 2008 wird zur Kenntnis genommen.“

     Der Geschäftsbericht für das Jahr 2008. Die              Sehr geehrter Herr Präsident, ich bitte um
Rechtsgrundlage für diesen Bericht, ist das              Einleitung der Debatte und Abstimmung.
NÖGUS-Gesetz 2006. Es gibt in diesem Bericht
drei Schwerpunkte. Den kontinuierlichen Schwer-              Präsident Ing. Penz: Ich eröffne die Debatte.
punkt der Tätigkeit des NÖGUS im Jahr 2008 bil-          Zu Wort gelangt Frau Abgeordnete Onodi.
dete weiterhin die Finanzierung des NÖ Kranken-
anstaltenwesens.                                             Abg. Onodi (SPÖ): Werte Präsidenten! Sehr
                                                         geehrte Damen und Herren!
      Der zweite Schwerpunkt lag in der Fortsetzung
der im Jahr 2006 begonnenen Arbeiten für die Um-              Wie schon berichtet wurde, geht es hier um
setzung der Gesundheitsreform 2005. Und der              den Geschäftsbericht des NÖ Gesundheits- und
dritte Schwerpunkt bildete die Tätigkeit der Agentur     Sozialfonds für das Jahr 2008. Im Wesentlichen
für Gesundheitsvorsorge und Prävention. Für die          handelt es sich hier um zwei Arbeitsschwerpunkte,
Wahrnehmung der NÖGUS-Aufgaben organisieren              die ich näher erläutern will und wovon ich glaube,
die Mitarbeiter der Geschäftsstelle die Sitzungen        dass gute Arbeit geschehen ist. Das ist eben die
der Organe des Fonds, darüber hinaus wirken sie          Fortsetzung der Gesundheitsreform und sicherlich
in einer Vielzahl von Gremien auf Bundes- und            aber auch die Gesundheitsvorsorge und die Prä-
Länderebene mit, wo sie die Landesinteressen             vention.
vertraten.
                                                             Bei der Fortsetzung der Gesundheitsreform
    Ich komme daher zum Antrag (liest:)                  geht es vor allem um die Reform der Poolprojekte.
                                                         Und zwar wurden hier einige Projekte in den ver-
    „Antrag des Gesundheits-Ausschusses über             schiedenen Regionen unseres Bundeslandes aus-
den Bericht der Landesregierung betreffend Ge-           gearbeitet und sozusagen als Pilotprojekte vorge-
schäftsbericht des NÖ Gesundheits- und Sozial-           sehen, wie zum Beispiel die Kardiologische Versor-
fonds für das Jahr 2008.                                 gung, aber auch Diabetes Management bzw. die
                                                         Zentrale interdisziplinäre Aufnahmestation, aber
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                  auch eine integrierte Hospiz- und Palliativversor-
                                                         gung.
     Der Bericht der Landesregierung betreffend
Geschäftsbericht des NÖ Gesundheits- und Sozi-                Diese Projekte wurden alle im 2. Halbjahr 2008
alfonds für das Jahr 2008 wird zur Kenntnis ge-          evaluiert und es gab hier ein sehr gutes Ergebnis.
nommen.“                                                 Alle haben positive ökonomische und qualitative
                                                         Effekte gebracht. Bei den zwei Projekten Palliativ-
     Sehr geehrter Herr Präsident, ich bitte Sie um      versorgung und auch Diabetesmanagement war
Einleitung der Debatte und um Abstimmung.                sozusagen eine Zwischenevaluierung notwendig,
                                                         weil das Langzeitprojekte sind und die immer wie-
     Berichterstatter Abg. Dipl.Ing. Eigner (ÖVP):       der auch verbessert werden sollen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen
und Herren des Hohen Hauses! Ich berichte zum                 Ein Teilprojekt, wo es darum geht, dass ein
Tätigkeitsbericht der NÖ Landesklinikenholding für       besseres Aufnahmemanagement stattfindet, wird
das Jahr 2008.                                           hier sicherlich auch noch in anderer Form realisiert.
                                                         Es gibt aber auch einige Projekte mit Kooperati-
    Dieser Tätigkeitsbericht der NÖ Landesklini-         onsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Zahnbehand-
kenholding für das Jahr 2008 wurde in der 35. Hol-       lung in Narkose oder aber auch Wochenenddienst
dingversammlung der NÖ Landesklinikenholding             in den Zahnambulatorien, oder Qualitätskriterien
am 13. Mai 2009 in der vorliegenden Form geneh-          speziell auch im niedergelassenen Bereich. Ein
migt und auch beschlossen. Ich darf daher gleich         weiterer Schwerpunkt, und hier sicherlich auch




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


etwas, worauf wir stolz sein können, sind hier die             Gerade hier wurde ja schon vor langer Zeit
von der EU kofinanzierten Projekte, wie zum               eine Kooperation mit dem Dachverband der Selbst-
Beispiel die grenzüberschreitende Gesundheitsver-         hilfegruppen Niederösterreich begonnen. Und hier
sorgung. Hier gibt es Projekte von Niederösterreich       ist sicherlich Niederösterreich in der Vorreiterrolle.
mit Südbömen oder Niederösterreich mit Süd-               Es ist auch sehr wichtig. Dieser Dachverband und
mären. Und dann ist aber auch als dritter Punkt hier      diese Kooperation beinhaltet einige Punkte, wie
angedacht, dass wir uns strategische regionale            zum Beispiel Vorbereitung und Durchführung von
Lösungen für den demografischen Wandel überle-            Regionalkonferenzen, aber auch das Projekt
gen.                                                      Selbsthilfe, freundliches Krankenhaus, für das es
                                                          einige Bewertungskriterien gibt, Auszeichnungen
     Ein weiterer Punkt, der mir besonders auch           gibt, wo man dann auch sagen kann, jawohl, hier
immer am Herzen liegt und für den sicherlich auch         passt die Kooperation und hier fühlen sich dann
sehr notwendig ist, dass man hier voraus plant und        auch die Patienten gut aufgehoben. Daher ist das
voraus denkt, ist die Ausbildung an den Gesund-           weitere Ziel sicherlich die Kooperation in den Regi-
heits- und Krankenpflegeschulen. Die Schulförde-          onen zwischen den Selbsthilfegruppen und den
rungsrichtlinien wurden ja bereits 2006 umgewan-          Gesundheitseinrichtungen.
delt in eine mehrjährige Ausbildungsrichtlinie. Und
hier ist vor allem wesentlich, dass vom NÖGUS                   Ein weiterer Punkt, gerade jetzt im Jahr 2010,
Schritte gesetzt worden sind, damit es eine modu-         ist ein Ausbau der Bürostrukturen des Dachverban-
lare Ausbildung gibt. Das heißt, dass damit das           des der NÖ Selbsthilfegruppen als Servicestelle.
Jahr überwunden werden kann bis man dann auch             Vor 10 Jahren hat der Dachverband seine Ver-
die Krankenpflegeausbildung absolvieren kann.             einstätigkeit aufgenommen und sich als zuverlässi-
                                                          ger Partner des NÖ Gesundheitswesens bewährt.
     Ein Anliegen von uns, und das ist sicher sehr        Und dazu beigetragen, dass Niederösterreich eben
wesentlich, und damit haben die jungen Menschen           seine Vorreiterrolle zur Förderung der Selbsthilfe
die Möglichkeit, gleich eine zusammenhängende             entwickelt hat. Wir wollen diese Vorreiterrolle weiter
Ausbildung zu machen. Helfen tut natürlich sicher-        erhalten und den neuen Entwicklungen und Fach-
lich auch das Angebot, dass man die Matura kos-           standards in der Selbsthilfeunterstützung gerecht
tenlos nachmachen kann bzw. dass in Krems ein             werden. Und daher soll nun das Büro Dachverband
Bachelor-Studiengang eingerichtet worden ist.             der NÖ Selbsthilfegruppen zu der zentralen Lan-
                                                          desservicestelle der Selbsthilfe umgebaut werden.
     Weiters ist sicherlich auch ein Erfolgsrezept,
dass verschiedene Ausbildungen angeboten wer-                  Ich finde das eine gute Entwicklung, weil es
den an den Fachhochschulen, wie in der Fach-              dadurch einen Ansprechpartner gibt, hier selbst in
hochschule Wr. Neustadt, St. Pölten und auch              St. Pölten, in unserem Landhaus, wo eben die ver-
Krems zum Beispiel Radiotechnologie, Ergothera-           einzelten Selbsthilfevereine auch Ansprechpartner,
pie, Logotherapie oder die Physiotherapie in St.          Service finden und so ihre Patienten entsprechend
Pölten oder auch in Krems Physiotherapie und              gut betreuen und beraten können. Danke! (Beifall
Hebammenausbildung.                                       bei der SPÖ.)

     Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn man                 Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
das komplexe Gesundheitssystem sieht und man              Abgeordneter Mag. Mandl.
sich ständig auch mit der Finanzierung des Ge-
sundheitssystems beschäftigt, gibt es vielleicht              Abg. Mag. Mandl (ÖVP): Sehr geehrter Herr
einen kleinen Teil, dem man dann nicht diese Wer-         Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hoher
tigkeit gibt. Darauf möchte ich aber heute Ihr Au-        Landtag!
genmerk lenken. Das sind nämlich die Selbsthilfe-
gruppen. Weil ich glaube, dass es für die betroffe-            Das Jahr auf das sich die Berichte beziehen,
nen Patienten wichtig ist, dass es hier Ansprech-         das Jahr 2008 war das erste Jahr in dem die NÖ
partner gibt, speziell wenn man eine unheilbare           Landesklinikenholding alle 27 Klinikstandorte unter
Krankheit hat oder aber auch, wenn man eine sel-          ihr Dach genommen hat. Und das ist schon bemer-
tene Krankheit hat. Da ist es sicherlich gut, man hat     kenswert, weil so ein großes Projekt dahinter steht.
nach dem Krankenhausaufenthalt einen Ansprech-            Weil es nicht nur eine politische Meisterleistung
partner, wo man sich hinwenden kann, wo man               war, das zustande zu bringen im Interesse der Be-
Erfahrungen austauschen kann und hier sozusagen           völkerung, der Patientinnen und Patienten, sondern
auch die Hilfe zur Selbsthilfe bekommt.                   auch weil es in der Detailarbeit in der Landesklini-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


kenholding und an den einzelnen Standorten so                  Wenn ich die Gruppe der Gebührenzahlerin-
viel Hingebung und Liebe zur Sache und zu den             nen, Gebührenzahler, der Steuerzahlenden in die-
Menschen erfordert, das auch auf die Beine zu             sem Land angesprochen habe, dann ist zweifellos
stellen. Was hier gelingt, über Jahre hinweg. Und         auch das Geld ein Thema. Sind die Kosten unseres
es wurde auch im Jahr 2008, auf das sich die Be-          Gesundheitswesens in Niederösterreich ein Thema.
richte beziehen, die Grundlage gelegt für das bei-        Und wenn wir beachten, dass innerhalb von 10
spiellose Ausbauprogramm, das jetzt läuft, wieder         Jahren die Kosten an den Spitalsstandorten um
im Interesse der Menschen.                                Sage und Schreibe 100 Prozent gestiegen sind,
                                                          sich also verdoppelt haben, und die Kosten bei den
      Wenn wir diese Berichte vorliegen haben,            niedergelassenen Medizinern nur um 50 Prozent
sollten wir uns dessen bewusst werden, für wen wir        gestiegen sind, dann ist völlig klar, in welche Rich-
Gesundheitspolitik machen, für wen wir Verant-            tung das Land Niederösterreich in Zukunft gehen
wortung tragen gerade im Bereich Gesundheit. Das          muss. Nämlich in die Richtung, ich sage das klar,
sind sicher in allererster Linie die Patientinnen und     das Gespräch mit den Kassen zu suchen. Da es so
Patienten. Das sind aber auch die Steuerzahlerin-         nicht sein kann, dass die Kostensteigerungen im
nen, die Steuerzahler, die Gebührenzahler, die das        weit überwiegenden Ausmaß auf die Kliniken ab-
Ganze finanzieren. Und das sind natürlich auch die        gewälzt werden und im niedergelassenen Bereich
rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an           man sich letztlich fast – ich sage fast – aussucht,
den einzelnen Standorten, die das erst möglich            welche Leistungen man erbringt und welche nicht.
machen, was hier tagtäglich jetzt zur Stunde auch         Das ist nicht der Zustand, den wir uns wünschen
geschieht in den Ambulanzen, in den Spitälern.            können für unser Gesundheitssystem. Und das
Was da an Spitzenleistungen erbracht wird, das            dient letztlich auch nicht der Qualität der Versor-
letztlich dazu führt, dass die Patientenzufriedenheit     gung der Patientinnen und Patienten, die als erste
so hoch ist.                                              Gruppe angesprochen.

     Und dafür, dass die Patientenzufriedenheit                 Ich habe schon gesagt, den Mitarbeiterinnen
hoch ist, bedarf es nicht nur einer exzellenten fach-     und Mitarbeitern vor Ort ist zu danken. Ich betone
lichen Kompetenz des medizinischen Fachperso-             das ganz besonders, weil ich durch viele Besuche
nals, das ist selbstverständlich und unbedingt not-       an Spitalsstandorten sehe, mit wie viel Hingabe
wendig. Es bedarf auch einer hohen sozialen Kom-          weit über die Pflicht hinaus hier gearbeitet wird.
petenz, einer hohen menschlichen Kompetenz im             Und wie viel Empathie da auch dabei ist in der Zu-
Miteinander mit den Patientinnen und Patienten.           sammenarbeit mit den Patientinnen und Patienten
Auch schon in der Diagnose, in der Möglichkeit            im Zugehen auf die Patientinnen und Patienten.
festzustellen, wo drückt’s wirklich, wie kann ich         Den Menschen, die so vor Ort agieren, müssen wir
diesem einzelnen Patienten, der einzelnen Patien-         auch von politischer Seite den Rücken stärken. Den
tin als Mensch begegnen. Und wie weiß ich und wie         Menschen, die so agieren, können wir ehrlich
mach’ ich mir immer wieder bewusst, kein Fall ist         danke sagen und wir sollten sie auch motivieren,
nur ein Fall und kein Fall ist gleich wie der andere.     weiterhin so zu agieren. Niemals das als Massen-
Sondern jede Patientin, jeder Patient, die/der            verwaltung zu sehen, nicht als Abwicklung von
kommt, hat ein besonderes Anliegen und bedarf             unheimlich vielen Fällen, sondern auf jede Patien-
auch einer speziellen Würdigung und eines spe-            tin, auf jeden Patienten einzeln einzugehen.
ziellen Eingehens auf die besondere Situation.
                                                                Letztlich ist auch die Prävention ein wichtiges
     In diesem Sinne wurde auch 2008 ein großes           Thema. Ich lade Sie alle ein, und ich bitte auch das
Personalentwicklungsprogramm gestartet. Die Bro-          weiter zu sagen, machen Sie sich ein Bild von der
schüre, die alle Bildungsprogramme und Bildungs-          Arbeit der Landeskliniken. Wer das nicht ohnehin
angebote beinhaltet, trägt nicht zu Unrecht den Titel     ständig tut, am 27. Februar, am Tag der offenen
„Für dich als Mensch“ und richtet sich an die Mitar-      Tür, wo einmal nach außen gekehrt wird was da an
beiterinnen und Mitarbeiter an den einzelnen              Leistungen erbracht wird. Wo das auch jede und
Standorten. Weil genau das so wichtig ist. Es gibt        jeder sehen kann, wo man sich davon überzeugt
hier keine Massenverwaltung, es gibt ein Eingehen         kann. Nützen Sie auch diese Gelegenheit, von
auf die einzelne Patientin und den einzelnen Pati-        politischer Seite denen, die die Leistungen vor Ort
enten. Darauf müssen wir immer wieder hinweisen           erbringen, Danke zu sagen. Denn das kostet nichts,
und dafür müssen wir uns bedanken bei den ein-            das Danke sagen. Aber es motiviert ungemein. Und
zelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort.         die Motivation der Medizinerinnen und Mediziner,
Dafür ist heute auch eine gute Gelegenheit.               des gesamten Personals, wirkt sich direkt auf die




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Gesundheit der Bevölkerung, auf die Zufriedenheit         diesen Bericht haben darf, der eben auch als Über-
der Patientinnen und Patienten in unserem Ge-             schrift im NÖGUS-Bericht drinnen war. Der ist mir
sundheitssystem aus. Und darum muss es uns                nicht ausgehändigt worden. Also der kommt ir-
letztlich gehen. (Beifall bei der ÖVP.)                   gendwie an die Öffentlichkeit, wir hier bekommen
                                                          ihn nicht. Und das hat auch System in Niederöster-
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau              reich.
Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
                                                               Ein zweites: Sie sind gar nicht darauf einge-
     Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-             gangen, hat uns aber auch schon hier länger be-
ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und         schäftigt, die ganze „tut gut“- und Vereinsmeierei im
Kollegen!                                                 Land Niederösterreich. Wenn Sie sagen, die Kos-
                                                          ten explodieren, dann müsste ich eigentlich mit
     Ich glaube, es ist jetzt sehr passend wenn ich       einer redlichen Politik sagen, wo kann ich einspa-
ein bisschen auf den Debattenbeitrag vom Kollegen         ren? Und da muss ich mir ganz genau überlegen,
Mandl eingehe. Herr Kollege Mandl, in Niederöster-        wo macht Vorsorge, sind die effizient, die Mittel die
reich sind hier im Landtag einstimmige Beschlüsse         ich einsetze oder ist es PR? Und ich sage Ihnen, in
getroffen worden, dass man im Unterschied zu den          Niederösterreich könnten wir Millionen sparen wenn
anderen Bundesländern dazu übergegangen ist,              wir auf diese PR-Schienen verzichten würden.
dass man Gesundheitspolitik – also wir reden hier         (Beifall bei den Grünen.)
von Spitalspolitik – als Landespolitik sieht. Das war
einstimmig. Da stehen alle dahinter. Das ist sozu-             Und wenn Sie uns dann vom Rednerpult aus
sagen nicht nur die Mehrheitspartei gewesen.              noch erklären, dass das alles so toll ist mit unseren
                                                          Spitälern. Wissen Sie, was im Industrieviertel die
     Es gibt ein paar Dinge, ich habe Ihnen jetzt         ÖVP … Also die ÖVP hat in einem wirklich versagt
ganz genau zugehört, wo ich Ihnen schon sage,             in dem Land. Wenn ich als Landeshauptmannstell-
das Lobhudeln geht halt auch nicht immer. Wenn            vertreter die einmalige historische Chance habe,
Sie darüber reden, dass wir eine hohe Patienten-          diese Chance hat politisch noch niemand gehabt, in
zufriedenheit haben, bei einer Umfrage, die jeder         ganz Österreich, in keiner Region. Ich habe das
Statistiker belächelt, dann müssen wir uns im Ge-         Industrieviertel und habe die historische Chance,
genzug auch anschauen, wie schaut es mit dem              eine neu aufgesetzte gesundheitspolitische Infra-
Beschwerdemanagement aus? Wie steigen die                 struktur zu legen. Was meine ich damit? Mödling
Zahlen beim Patientenanwalt? Und was tut sich             wird neu gebaut, Baden wird neu gebaut. Neustadt
sozusagen auf der anderen Seite?                          muss neu gebaut werden, de fakto Neunkirchen
                                                          neu gebaut.
     Und da sieht man, da ist eine Dynamik drin-
nen. Die Menschen sind mündiger geworden. Und                 Wenn ich hier, und das sind die großen Re-
sie trauen sich auch, und das ist gut, zu einem           formprojekte, die wir brauchen, wirklich eine der
öffentlichen Gesundheitswesen auch zu sagen, ich          größten Regionen Österreichs gemeinsam mit dem
habe so das Gefühl, da bin ich nicht ordentlich be-       Bund vorgezeigt hätte, dass wir eben den Bereich
handelt worden. Das dient der Verbesserung im             der niedergelassenen und des Spitals, und hier
System in Niederösterreich und auch mit den Om-           Spital völlig neu denken müssen, als Sozialzent-
budsmännern jetzt in den Spitälern, also vor Ort,         rum, als Versorgungszentrum, hätte man die Kraft,
wird das durchaus in eine richtige Richtung weiter-       den Mut haben müssen, das zu realisieren. Was
getrieben.                                                die ÖVP gemacht hat, ist, weiterhin uns für die
                                                          nächsten 30 Jahre hier im Spitalsbereich einzuze-
     Aber es ist noch gar nicht so lange her, dass        mentieren. Und das ist Landes gemacht. Das kann
ich hier auch mit einem Antrag vor Ihnen gestanden        ich auch nicht der NÖ Gebietskrankenkasse oder
bin, wonach wir uns klar als Ziel definieren müssen,      dem Bund umhängen. Das ist eine regionale nie-
wir brauchen gläserne Spitäler. Ich brauch keine          derösterreichische Entscheidung gewesen. Und
Patientenzufriedenheits-Abfrage. Ich brauch ganz          das finde ich schade für die Zukunft des Landes.
klare statistische Fakten, wie schauts aus im Be-         Das war nicht mutig! (Beifall bei den Grünen.)
reich Chirurgie? Wie schaut’s dort aus? Und jetzt
sage ich Ihnen eines zum NÖGUS-Bericht: Der                    Der zweite Bericht, der Bericht der Holding. Ich
NÖGUS lässt solche Studien machen. Kriegen Sie            gehe jetzt nicht darauf ein, dass ich das einfach für
die als Landtagsabgeordneter? Es gab einen gro-           unmöglich erachte, wie wir hier in Niederösterreich
ßen Bericht Chirurgie, der in den Bundesmedien            aufgestellt sind, aber ich ruf’ das noch einmal in
war, von Kurt Langbein. Ich habe angefragt beim           Erinnerung, wie hier Holding, NÖGUS …, wie auch
NÖGUS, ob ich als Landtagsabgeordnete bitte               hier wir mehrheitlich gesetzlich beschlossen haben.




                                                        333
Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode          21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Es fehlt mir hier einfach die ganz klare Trennung.          seit letzter Woche, Studierende in der Abteilung
Es ist jetzt auch dieser IT-Bereich noch mehr ver-          MKG-Chirurgie im Landesklinikum St. Pölten sind.
zahnt worden. Aber eines, da muss ich jetzt die             Also die famulieren dort, die nehmen öffentliche
Holding für das Jahr 2008 in die Pflicht rufen, das         Sachleistungen. Da gibt’s Mediziner, die ihnen was
ist die Petition, die wir im Ausschuss behandelt            beibringen. Also das sind ja Kosten, die damit an-
haben: 6.274 Menschen aus der Region Krems                  fallen.
haben Sorge, dass die zahnmedizinische Behand-
lung sich ändern wird, wenn es eben in Krems                    Wenn wir mehrheitlich das nicht unterstützen
diese private zahnmedizinische Universität gibt.            wollen in Niederösterreich, dann möchte ich jetzt
                                                            eben folgenden Antrag einbringen (liest:)
     Sie haben zuerst immer groß gesagt, wir brau-
chen motivierte Menschen auf der einen Seite,                                  „Resolutionsantrag
sprich Ärztinnen und Ärzte, und wir brauchen Men-
schen, Patientinnen, die sich in guten Händen füh-              der Abgeordneten Dr. Helga Krismer-Huber,
len. So. Jetzt haben wir 6.274 Patientinnen und             Ing. Huber, Dr. Madeleine Petrovic, Emmerich
Patienten, die Angst haben und sehen, hier gibt’s           Weiderbauer und Amrita Enzinger MSc gemäß § 60
einen Systembruch. Es gibt plötzlich bei einer Aus-         LGO 2001 betreffend Danube Private University –
bildung, wo Österreich nach wie vor einen guten             Diplom Studium Zahnmedizin zum Verhandlungs-
Ruf hat … Wir haben Standorte in der Republik, wo           gegenstand Ltg. 418/B-49 Bericht der Landesregie-
man die Ausbildung zum Mediziner oder zum                   rung betreffend Tätigkeitsbericht der Landesklini-
Zahnmediziner, -medizinerin machen kann. Und in             ken-Holding für das Jahr 2008.
Krems gibt es eine private Universität. Und zu
Recht fragt man sich dann, wie sehr sind dort öf-                Seit August 2009 ist die DPU (Danube Private
fentliche Gelder, im Besonderen niederösterreichi-          University) als private Universität akkreditiert. Im
sche Gelder, im Spiel? Und der Umgang mit einer             Oktober 2009 haben 44 StudentInnen mit der Aus-
Petition, da, wo die Menschen was von uns wollen            bildung begonnen, die 12 Semester dauern soll und
als NÖ Landtag, das nicht einmal hier hereinzubrin-         € 12.000 pro Semester (€ 144.000 für das gesamte
gen, das halte ich nicht für in Ordnung. Das habe           Studium) kostet.
ich Ihnen schon im Ausschuss gesagt. Mittels eines
Resolutionsantrages möchte ich jetzt das noch                    Die DPU bietet ein Diplom-Studium Zahnmedi-
einmal debattieren mit der ÖVP. Weil ich das für            zin mit der Ausbildung zum Dr. med. dent. an und
wichtig erachte und auch diese Menschen ernst               bewirbt dieses Studium an dieser Privatuniversität
nehme, in dem welche Sorgen sie haben.                      damit, dass mit erfolgreichem Abschluss dieses
                                                            Studiums eine Niederlassung als Zahnarzt ge-
     Für alle jetzt, weil viele das nicht wissen: Diese     währleistet sei. Sie beruft sich auf Kooperations-
Universität ist akkreditiert, das heißt, sie darf sozu-     verträge zwischen der DPU und den Landeskran-
sagen seitens des Ministeriums unterrichten. Seit           kenanstalten Niederösterreich für Famulaturen und
August 2009. Die Studierenden müssen dort im                Praktika und behauptet in ihrem Akkreditierungs-
Semester 12.000 Euro bezahlen. Das Ganze dau-               antrag, dass sie über entsprechende Personal-,
ert sechs Jahre. So. Na gut! Werden halt Jugendli-          Raum- und Sachausstattung verfüge.
che, Kinder, junge Erwachsene von höheren Ein-
kommensklassen sein, würd ich meinen. Mag ja                     Die DPU behauptet zunächst auf ihrer Home-
auch noch sein.                                             page www.dp-uni.ac.at, dass sie junge Studierende
                                                            ‚zu exzellenten ZahnärztInnen’ ausbilden würde.
     Aber die Kernfrage ist, was bietet jetzt das           Dies impliziert die Vorstellung, dass mit erfolgrei-
Land Niederösterreich dieser Universität an?                chem Abschluss der DPU die Niederlassung zu
Meistens gibt’s da immer Kooperationen. Ich habe            einem österreichischen Zahnarzt gewährleistet
Ihnen im Ausschuss zukommen lassen zwei Letter              wäre. Dies ist unrichtig. Nach Auskunft der österrei-
of intent, die die Landesklinikenholding in Person          chischen Zahnärztekammer besteht keine Rechts-
des Geschäftsführers unterfertigt hat. Eine aus             grundlage dafür, AbsolventInnen der DPU in die
2007 und eine aus 2008.                                     Zahnärztelisten einzutragen. Dies wiederum be-
                                                            deutet, dass Absolventen der DPU nicht berechtigt
    Ich verstehe einfach noch immer nicht, warum            sind, den zahnärztlichen Beruf in Österreich (und
man nicht offen sagen kann, wie weit das jetzt ge-          somit auch nicht in der europäischen Union) aus-
diehen ist. Soweit ich das jetzt eruieren konnte vom        zuüben.
Herrn Landeshauptmannstellvertreter Sobotka,
eigentlich nichts. Auf der anderen Seite weiß ich               Auf der Homepage der DPU findet sich unter
aber jetzt, dass seit kurzem, und zwar eben schon           der Überschrift ‚Die Danube Private University




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


(DPU) – Grundstudium Zahnmedizin’ der ausdrück-          geht. Ich sage das so, „hausieren geht“. (Beifall bei
liche Hinweis: ‚Praxis voll gesichert – Mit den Lan-     den Grünen.)
deskrankenanstalten Niederösterreich […] beste-
hen Kooperationsverträge für Famulaturen und                 Die werben Studierende auf der Homepage
Praktika.’ Die Betreiber behaupten überdies, dass        und überall an und tun so, als hätten sie eine Ko-
die DPU Verträge über Lehrpraxen abgeschlossen           operation mit dem Land Niederösterreich. Also wir
habe. Beides ist unwahr.                                 haben eine Marke und ich würde meinen, wenn wir
                                                         das nicht wollen, dann sollten wir das auch unter-
     In Beantwortung der Anfrage der Abg. Dr.            binden.
Krismer hat der zuständige Landeshauptmann-
Stellvertreter NÖ, Herr Mag. Wolfgang Sobotka an               In dem Sinne wird die grüne Fraktion den An-
den Präsidenten des NÖ Landtages am 6.11.2009            trag des NÖGUS und den Bericht der NÖ Landes-
die eindeutige Antwort gegeben, dass es zwischen         klinikenholding nicht zur Kenntnis nehmen. Danke!
der Landeskliniken-Holding und der DPU kein              (Beifall bei den Grünen.)
Übereinkommen gäbe und sich auch der NÖGUS
(als zuständiger Verband) in keiner Sitzung mit             Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
einer Kooperation mit der DPU beschäftigt habe.          Abgeordneter Ing. Huber.
Vorliegende, von Organen der Landeskliniken-Hol-
ding unterzeichnete Kooperationsvereinbarungen               Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrter Herr
müssen daher ohne Wissen des Landeshaupt-                Präsident! Hoher Landtag!
mann-Stellvertreters erfolgt sein.
                                                             Zur Landesklinikenholding. Es ist vieles ge-
    Trotzdem erfolgt in dieser Woche ein Prakti-         schafft, alle Kliniken sind unter einem Dach. Eine
kum der Studierenden der DPU an der Abteilung für        langjährige Forderung der Freiheitlichen umgesetzt
MKG-Chirurgie am LKH St. Pölten unter der Lei-           und ich glaube auch, auf einem guten Weg. Das
tung des Abteilungsvorstandes Prof. Dr. Franz            Zusammenwachsen dieser Krankenanstalten wird
Watzinger.                                               noch eine große Aufgabe sein. Es wird noch vieles
                                                         zu verbessern sein. Es wird noch viel Arbeit kosten.
    Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
                                                             Doch gerade im Medizinbereich sollte uns je-
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                  der Cent Wert sein, der dort eingesetzt wird. Aber
                                                         ich glaube, wir müssen als Abgeordnete dieses
    Die Landesregierung wird aufgefordert                Hauses auch darauf schauen, dass dieser Cent
                                                         auch dort ankommt, wo er gebraucht wird. Man
        offenzulegen,       ob      Vereinbarungen      muss Strukturen schaffen, man muss einheitliche
         zwischen der NÖ Landeskliniken Holding          Abläufe sichern, darf aber den Menschen nicht
         und der DPU ohne Wissen des zu-                 vergessen.
         ständigen        Landeshauptmannstellver-
         treters geschlossen werden konnten                   Damit sind wir schon beim Kern der Sache, der
        bestehende Kooperationsverträge für un-         Mensch. Er wird behandelt. Aber es gibt dort tau-
         gültig zu erklären und somit widerrecht-        sende Angestellte, die dies möglich machen, dass
         liche Praktika an Einrichtungen des             die Niederösterreicher, die in Not sind bzw. verletzt,
         öffentlichen Gesundheitswesens zu unter-        krank sind, ihre Versorgung sicherstellen. Die mit
         binden                                          täglichem Einsatz sehr vielen Überstunden, sehr
        dafür Sorge zu tragen, dass die Betreiber       vielen privaten Leistungen die Versorgung der Nie-
         der DPU nicht länger mit Kooperations-          derösterreicher sicherstellen, die sie verdienen.
         verträgen werben, die es laut Aussage           Daher nochmals ein herzliches Dankeschön.
         des zuständigen Landeshauptmannstell-
         vertreters nicht gibt, sowie                         Was man aber auch bei dieser Zusammenle-
        die Bundesregierung aufzufordern, die           gung bzw. Übernahme der Landeskliniken in die
         Akkreditierung der DPU unter den geän-          Holding immer wieder beobachten kann, ist, dass
         derten Voraussetzungen neu prüfen zu            Parteipolitik in diesen Krankenhäusern, jetzt ein
         lassen.“                                        bisschen eine Umfärbung, stattfindet. Wir kennen
                                                         das von unzähligen Debatten aus dem Exekutivbe-
    Also wenn es in der Tat so ist, dass wir das         reich, wo es schon nicht angebracht war, wo es
mehrheitlich politisch nicht wollen, dann geht das       unsere Sicherheit ausgehöhlt hat. Wo wir Zustände
auch nicht an, dass eine private Universität mit dem     haben, in denen Kriminalitätsraten sagenhafte Stei-
Namen des Landes Niederösterreich hausieren              gerungsraten erreichen. Ich glaube, auch wie in der




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Kriminalität bzw. im Exekutivbereich, Parteipolitik              Ich glaube, das ist auch eine Forderung zu-
hat im Kranken- bzw. Gesundheitsbereich nichts              sätzlich, dass man diese länderübergreifende Zu-
verloren! (Beifall bei der FPÖ.)                            sammenarbeit noch intensivieren kann. Ich glaube,
                                                            es hat da schon mehrere Fälle gegeben, gerade im
     Man kann sich selbst darüber hinwegtäuschen            Süden von Wien, wo es auch Todesfälle gegeben
indem man sich freut, wenn man bei Personalver-             hat.
tretungswahlen tolle Ergebnisse einfährt. Aber ich
weiß nicht, mittlerweile, wenn ich so das ganze                   Es ist nämlich nicht einzusehen: Die Gänsern-
Geschehen an einigen Anstalten beobachte, ob                dorfer Bürger zahlen oder Gemeinden zahlen ge-
das unbedingt ein Zeichen ist der Zufriedenheit mit         nauso viel Kopfquote von zirka 150.000 Euro wie
der ÖVP-Politik. Es könnte auch sein, dass Angst            jeder andere Niederösterreicher. Das sind für den
um den Arbeitsplatz mitspielt. Man ist ja einiges           Bezirk Gänserndorf 14 Millionen Euro. Ich glaube,
gewöhnt in diesem Land.                                     hier sollte wirklich das Ziel sein, auch Gänserndorf
                                                            mit einem Krankenhaus zu versorgen. Das Donau-
     Sparen in der Verwaltung, ich glaube, das ist          spital, das SMZ, ist, glaube ich, eine sehr gute An-
ein großes Ziel, das wir angehen müssen. Es muss            stalt. Aber es gibt immer wieder Ablehnungen bei
jeder Cent in die Versorgung und in die Ausbildung          Notfällen und das kann man den Gänserndorfer
eingebracht werden. Ich glaube, die Ausbildung …,           Bürgern nicht zumuten.
man sieht teilweise, dass Ausbildung in Amstetten
im Krankenhaus, das haben wir schon vor ein paar                Dann kommen wir ein bisschen zum NÖGUS-
Monaten diskutiert. Da ist noch vieles notwendig,           Bericht. Zum NÖGUS-Bericht kann man eigentlich
dass die Ausbildungsplätze derart gestaltet werden,         nur eines sagen: Wo Sobotka draufsteht, stehen
dass die jungen Menschen ihre Ausbildung so ab-             Finanzprobleme an und es gibt aber einen Haufen
schließen können, dass sie den Patienten zugute             Vereine. Das ist kurz zusammengefasst Sobotkas
kommen kann.                                                Landespolitik. Ich darf da ein paar Sachen …,
                                                            möchte ein bisschen was zitieren was uns da an
     Auch hört man immer wieder so in Gesprächen            Schriftstücken vorliegt.
von Pflegern und Personal, dass es Einsparungen
gibt. Aber nicht Einsparungen in der Verwaltung,                  Anbei einige Unterlagen zu unappetitlichen Ak-
nein, es gibt auch Einsparungen bei der Nachver-            tivitäten der Agentur für Gesundheitsvorsorge,
sorgung, gerade bei Operationen. Ich glaube hier,           nunmehr Gesundes Österreich. Eine Organisation,
wenn man da nur ein bisschen was hört davon, ist            die vor allem zur Darstellung und Bewerbung der
dringender Handlungsbedarf. Denn hier darf nicht            Marke Landesrat Sobotka dient.
gespart werden.
                                                                Vordergründig wird behauptet, die Agentur
    Wir haben jetzt eigentlich eine große flächen-          wurde geschaffen um die vielfältigen unstrukturier-
deckende Versorgung mit Krankenanstalten, aber              ten Angebote im Bereich der Gesundheitsvorsorge
nur ein Bezirk, der jahrzehntelang eigentlich ein           im Land Niederösterreich zu koordinieren, aufein-
Grenzbezirk war, jetzt, wie immer so groß seitens           ander abzustimmen und qualitativ zu vereinheitli-
der ÖVP behauptet wird, ins Zentrum Europas ge-             chen. Ich glaube, da sind wir uns alle einig. Diese
rückt ist durch die EU-Erweiterung, der Bezirk              Vorgaben sind toll, sollten umgesetzt werden, kön-
Gänserndorf, da gibt es keine Krankenanstalt. Da            nen wir alles unterstützen.
wird den Bürgern einfach noch immer zugemutet
oder erklärt, Mistelbach ist ja nicht so weit entfernt.           Aber wie funktioniert das dann? Da geht’s
                                                            weiter in dem Schreiben: Neben mehr oder weniger
     Natürlich ist Mistelbach für einen Teil des Be-        ineffizienten Alibiaktivitäten zu einzelnen Themen-
zirkes nicht weit entfernt. Aber wenn man dann              bereichen in der Vorsorge, welche an besagten
anschaut die Gemeinden Groß Enzersdorf,                     Zielen jedoch meilenweit vorbei laufen, waren die
Deutsch Wagram, Strasshof, haben miteinander                Aktivitäten bislang vornehmlich davon geprägt,
zirka 32.000 Einwohner. Und für die ist Mistelbach          politische Günstlinge, Sympathisanten des Landes-
eindeutig zu weit entfernt um eine qualitativ not-          rates mit Finanzmitteln zu bedecken. Dungl, Barian,
wendige Versorgung sicherzustellen. Auch Wien ist           Studien an der Donau Uni Krems, unnötige Sympo-
mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer gut            sien zu finanzieren, Mozart und Science in Baden,
erreichbar. Und es können die Probleme, die wir             zweifelhafte und unerwünschte Aktivitäten von Ex-
haben, bei länderübergreifenden Besuchen, gerade            gattinnen zu unterstützen und Exbürgermeistern
bei Notfällen, hat es schon mehrere Fälle gegeben,          lukrative Nebengeschäfte, so genannte Konsulen-
funktioniert diese Zusammenarbeit mit Wien noch             tenverträge zukommen zu lassen. Ob eventuell
immer nicht.                                                Genehmigungsverfahren unter Freunden problem-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


los über die Bühne zu bringen sind, ob die Über-         ganzen „tut gut“-Aktionen, verwendet. Hier wird
weisung von Sponsorbeiträgen an das Moorbad              Geld verwendet für politische Günstlinge, Freunde,
Harbach, an den Verein der Gesundheitsförderung          Sympathisanten. Und das, glaube ich, kann es
und Prävention zu besagtem Verfahren im Zusam-           nicht sein.
menhang steht, steht noch nicht fest.
                                                               Es ist Kostentransparenz gefragt im Gesund-
     Sie werden jetzt sagen, ja, das hat irgendwer       heitswesen. Es muss jeder Cent wirklich dort hin-
geschrieben und hat uns geschickt usw., aber da          kommen wo er hinkommt. Sinnlose Aktivitäten sind
gibt’s ja auch sehr viele Beilagen zu diesem             zu beenden. Ich fordere das Land auf, diese Sa-
Schreiben. Da gibt’s ein E-mail Beratungsvertrag         chen, diese Vorgänge aufzuklären. Denn gerade im
NÖGUS: Sehr geehrter Herr Hölzl! Anbei finden Sie        Gesundheitsbereich mit unseren Mitbürgern zu
wie vereinbart den Beratungsvertrag mit dem NÖ           spielen, mit deren Vermögen in Form von Steuer-
Gesundheits- und Sozialfonds. Ich ersuche Sie,           geld, da kann man eigentlich nur sagen, das ist
diesen nach Durchsicht in zweifacher Ausfertigung        pfui.
unterzeichnet an den NÖGUS zu übermitteln. Mit
freundlichen Grüßen.                                          Wichtig ist auch ein anderes Thema, das uns
                                                         am Herzen liegt: In jeder Gemeinde kommt der
     Dann gibt’s ein weiteres Schreiben von Dr.          Rettungsschilling zur Diskussion. Ich glaube, von
Johannes Püspök: Nun ist es soweit. Wir haben            der im Landesgesetz vorgeschriebenen Höhe des
den ständigen Ausschuss terminisiert. Was machen         Rettungsschillings sind wir schon weit, weit weg. Es
wir mit dem TCM- Dungl? In der Anlage hast du            gibt immer wieder Ankündigungen, dass es zu gro-
eine Analyse der uns zugegangenen Unterlagen.            ßen Konferenzen kommt, wo endlich dieses Prob-
Schick und ich haben uns das Konvolut angese-            lem erörtert wird. Ich habe gehört, dass im Frühjahr
hen. Ergebnis siehe Beilage. Folgende Problema-          eine weitere Sitzung angesagt ist. Ich hoffe, dass
tik: Das Projekt ist schlicht und einfach nicht gut      es hier zu einer Lösung kommt. Denn die Finanzie-
geplant, die Zielsetzung ist fraglich, die Durchfüh-     rung des Rettungswesens ist endlich durchzuset-
rung sehr unkorrekt. Es sind also eine Menge             zen.
Probleme, die sich im Zuge einer politischen Dis-
kussion ergeben könnten. Das heißt konkret, will             Es ist nicht einzusehen, dass hier auch Ver-
der Landesrat das Projekt unbedingt, dann muss           säumnisse der Bundes- und der Landespolitik auf
man das politisch absichern. Denn bohrende Fra-          die Gemeinden abgewälzt werden. Die Gemeinden
gen lassen uns dann schlecht ausschauen. (Un-            unter Druck gesetzt werden, dass sie natürlich die-
ruhe bei der ÖVP.)                                       sen Rettungsschilling erhöhen auf mittlerweile,
                                                         glaube ich, 13, 14, 15, 17 Euro. Es macht jede Ge-
     Es geht noch weiter! Wenn ja, dann müssen           meinde, aber es ist nicht die Aufgabe der Gemein-
wir die Entscheidungen haben, ob wir das NÖGUS-          den, hier Versäumnisse sicherzustellen.
Projekt oder als Strukturmittelprojekt einbringen
sollen. Die alten Entscheidungen haben das nicht              Anbei ein Dank an alle, die im Rettungsdienst
definiert, budgetär haben wir nichts aktuell vorge-      tätig sind. Die viele tausend freiwillige Stunden
sehen. Wenn Strukturmittel, dann können wir erst         jedes Jahr leisten und die unser Gesundheitssys-
2009 bezahlen, da wir für heuer noch keine Wid-          tem damit noch aufrecht erhalten. (Beifall bei der
mung haben bzw. müssten in einer Sitzung Struk-          FPÖ.)
turmittel beschließen. Und dann das Projekt,
Klammer, schaut das gut aus. Noch dazu weiß                   Präsident Ing. Penz: Als nächster Redner
man, dass unsere Freunde mit Argusaugen diese            gelangt Herr Abgeordneter Kernstock zu Wort. Ich
Strukturmittel beobachten. Und so weiter. Und dann       darf aber in der Zwischenzeit Gäste bei uns auf der
die abschließende Frage: Kannst du bitte die Fra-        Galerie willkommen heißen. Und zwar eine Delega-
gestellung dringend an den Landesrat herantra-           tion von 60 Personen des Pensionistenverbandes
gen? Denn wenn er Eile anordnet, dann müssen             Ternitz. Herzlich willkommen hier im NÖ Landtags-
wir das kommende Woche erledigen, in drei Wo-            sitzungssaal! (Beifall im Hohen Hause.)
chen ist Ausschuss.
                                                             Abg. Kernstock (SPÖ): Sehr geehrter Herr
     Es gibt sehr viele, ein ganzes Konvolut (zeigt      Präsident! Frau Landesrätin! Kolleginnen und Kol-
Konvolut) solcher Schreiben und Stellungnahmen.          legen!
Ich glaube, hier ist dringend Aufklärung notwendig.
Denn hier werden Gelder, die für die Bürger da                Unserem Haus liegt nunmehr der Tätigkeitsbe-
sind, die Bürger zahlen durch ihre Beiträge Gelder       richt der NÖ Landeskliniken-Holding für das Jahr
für die Bewerbung des Landesrates mit seinen             2008 zur Beschlussfassung vor. Es ist wieder, wie




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


alle Jahre, ein sehr, sehr umfangreicher Bericht         Mitte Mostviertel, die Thermenregion, Waldviertel
geworden, wie auch schon aus der kurzen Zusam-           und Weinviertel.
menfassung der Geschäftsführung zu entnehmen
ist. Wie wir alle wissen, der 1. Jänner 2008 war und          Das Budget zur Bewältigung der vielen Aufga-
ist heute eigentlich noch ein markantes Datum für        ben in unseren Häusern beträgt jährlich zirka
das Klinikenwesen in Niederösterreich. Sind doch         1.740,000.000 Euro. Zirka 17.500 Beschäftigte
zu diesem Zeitpunkt alle 27 Kliniken Niederöster-        finden in den 27 Kliniken Arbeit. Wie uns allen be-
reichs unter der Rechtsträgerschaft des Landes           kannt ist, beträgt das Budgetvolumen für die Berei-
Niederösterreich vereint worden.                         che Soziales und Gesundheit bereits zirka 50 Pro-
                                                         zent des niederösterreichischen Landesbudgets.
      Natürlich ist für die Mitarbeiterinnen und die
Mitarbeiter der Holding dies eine große Herausfor-           Meine sehr geehrten Damen und Herren! Aus-
derung geworden. Ging es doch darum, optimale            zugsweise bringe ich Ihnen nun Schwerpunkte für
Strukturen aller Häuser zu schaffen, wie zum Bei-        die Modernisierungsoffensive bei den Landesklini-
spiel die betriebswirtschaftliche Führung, Aufbau        ken in Niederösterreich. Allerdings mit Stand 2008.
einer gemeinsamen Datenstruktur, die Erarbeitung         Niederösterreich Mitte, Klinikum St. Pölten, Neu-
von gemeinsamen Einkaufsstrategien, Aufbau von           bauten für Eltern-Kind-Zentrum, Chirurgie und
Controlling Mechanismen, Erarbeitung einer ein-          Kopfzentrum, Diagnosezentrum und Organisations-
heitlichen Finanzstruktur, Erstellen von Dienstpos-      zentrum.
tenplänen, Einführung von SAP und die Umstellung
auf das Rechnungslegungsgesetz und vieles an-                 Im Klinikum Krems Neustrukturierung und
dere mehr.                                               Standardanpassung des Klinikums. In der Ther-
                                                         menregion Neubau der Häuser, wir haben es heute
     Dazu möchte ich bitte ein Zitat der Geschäfts-      schon gehört, Baden, Mödling, Wr. Neustadt und
führung zur Kenntnis bringen, das eigentlich sehr        Neunkirchen. Weinviertel: Standardanpassung des
markant für all diese Punkte ist. Die Geschäftsfüh-      Klinikums Mistelbach. Erst vor kurzem haben wir
rung sagt: Entscheidend für eine menschlich, medi-       die Beschlussfassung erlebt, 178 Millionen Euro
zinisch und kaufmännisch erfolgreiche Zukunft ist        werden dafür aufgewendet. Zu- und Umbauten des
ein einheitliches Verständnis und die Zusammenar-        Klinikums Hollabrunn. Im Waldviertel Erweiterung
beit nach gemeinsamen Führungsgrundsätzen und            des Klinikums Zwettl, Neustrukturierung Gmünd. Im
-methoden in der NÖ Landeskliniken-Holding Zent-         Mostviertel Neustrukturierung des Klinikums
rale und in den NÖ Landeskliniken. Ich glaube,           Amstetten-Mauer, Neugestaltung der Ambulanz in
meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und            Scheibbs. Neugestaltung der öffentlichen und infra-
Kollegen, dem ist nichts hinzuzufügen.                   strukturellen Bereiche des Klinikums Waidhofen
                                                         a.d. Ybbs, um hier eigentlich von mir nur einige
     Es ist gelungen, die gemeinsamen Ziele zu er-       Beispiele zu nennen.
reichen. Dennoch gibt es noch viel Arbeit um die
optimalen Voraussetzungen für die beschäftigten              Zirka drei bis vier Milliarden Euro werden für
Personen sowie natürlich für die Patientinnen und        die baulichen Umsetzungen der von mir zitierten
Patienten zu schaffen. Daran wird ständig gearbei-       Bereiche noch notwendig sein. Das Land Nieder-
tet und permanent nach Verbesserungen gesucht.           österreich bekennt sich aber zu den Aus-, Um- und
                                                         Neubauplänen zum Wohle der niederösterreichi-
     Damit unsere Bediensteten in den Kliniken den       schen Bevölkerung.
einheitlichen Bildungsstand haben, werden immer
wieder Aus- und Weiterbildungen angeboten. Unter              Man könnte zum vorigen Tätigkeitsbericht noch
dem Titel „für dich als Mensch“ werden qualitativ        vieles sagen und noch mehr in die Tiefe gehen.
hochwertige Ausbildungsschienen für Projekt- und         Tatsache ist, dass wir mit unseren Vorstellungen
Prozessmanagement, Konfliktmanagement, inter-            und Modernisierungen auf allen Ebenen in der Pa-
disziplinäre Teamarbeit, Stressbewältigung und           tientenzufriedenheit richtig liegen. Wie sonst ist es
Gesprächsführungen in schwierigen Situationen            zu erklären, dass über 90 Prozent der befragten
angeboten.                                               Personen sich mit der ärztlichen sowie mit der pfle-
                                                         gerischen Qualität in unseren Häusern zufrieden
     Die NÖ Landeskliniken-Holding Zentrale ist          zeigen? Dies zeigt uns, dass wir den richtigen Weg
folgendermaßen aufgebaut bzw. eingeteilt: In die         beschritten haben. Natürlich gibt es hier auch Miss-
medizinische Geschäftsführung mit ihren verschie-        stände, keine Frage. Aber für diese Missstände ist
denen Untergliederungen, in die kaufmännische            auch der Patientenanwalt da und mit diesem halten
Geschäftsführung und in die Versorgungsregionen.         wir eigentlich regen Kontakt. Durch die vielen
Und diese darf ich nun zitieren: Versorgungsregion       baulichen Maßnahmen, gemeinsame Einkaufs-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


strategien trägt die NÖ Landeskliniken-Holding              Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
wesentlich zum Erhalt vieler Arbeitsplätze in den        Abgeordneter Ing. Haller.
Regionen bei. Auch werden viele Impulse in die
heimische Wirtschaft gesetzt und damit einiges zur           Abg. Ing. Haller (ÖVP): Geschätzter Herr Prä-
Kaufkraftstärkung beigetragen.                           sident! Geschätzte Damen und Herren Landtags-
                                                         abgeordnete!
     Abschließend, meine sehr geehrten Kollegin-
nen und Kollegen, möchte ich mich namens der                 Globalisierung, Wirtschaftskrise, das sind die
Sozialdemokratischen Partei im NÖ Landtag bei            Modeworte der heutigen Zeit. Und damit schwierige
allen Personen in unseren Kliniken, wie Ärzte, Pfle-     Situationen für die Menschen eigentlich auf dem
gepersonal, Verwaltungspersonal, aber auch bei           ganzen Globus.
den Damen und Herren der NÖ Landeskliniken-
Holding für die gute Arbeit zum Wohle der nieder-             Daher, glaube ich, ist es hoch interessant und
österreichischen Bevölkerung bedanken. (Beifall          wichtig, wie schauen die sozialen Absicherungen in
bei der SPÖ.)                                            unserem Bundesland Niederösterreich aus? Und
                                                         wie schaut es mit dem NÖ Gesundheits- und Sozi-
    Der Tätigkeitsbericht 2008 wird positiv zur          alfonds aus, wie ist die Qualität unserer nieder-
Kenntnis genommen und diesem von unserer Seite           österreichischen Krankenhäuser?
natürlich auch zugestimmt.
                                                              Und ich glaube, hier gilt wieder, wie schon so
     Meine Damen und Herren! Zum vorliegenden            oft: Der Vergleich mit anderen Bundesländern oder
Resolutionsantrag der Grünen, Dr. Helga Krismer,         gar mit anderen Regionen Europas, macht uns
Dr. Madeleine Petrovic, Emmerich Weiderbauer             sicher, dass wir hier in Niederösterreich sehr, sehr
und Amrita Enzinger möchte ich dazu sagen, ich           gut unterwegs sind. Wenngleich auch Verbesse-
stimme vollinhaltlich mit dem Inhalt dieses Resolu-      rungen gerade im niedergelassenen Bereich für
tionsantrages überein. Möchte auch gerne diesem          Niederösterreich oder für unser Gesundheitssystem
Resolutionsantrag beitreten. Ich habe auch schon         kostensparend und angebracht wären.
in den diversen Vor-Sitzungen gesagt, dass mir
einige Punkte in diesem Bereich, betrifft das                Beim Gesundheits- und Sozialfonds wären fol-
Diplomstudium für die Zahnmedizin in Krems, doch         gende Arbeitsschwerpunkte hervorzuheben: Die
nicht gefallen.                                          Arbeitsschwerpunkte 2008 waren kontinuierlich die
                                                         Finanzierung des NÖ Krankenanstaltenwesens.
     Eines ist die Akkreditierung. Wir haben gehört,
und es ist eigentlich bekannt, dass in der Akkredi-            Zweitens auch ein Schwerpunkt, die Fortset-
tierungsphase das Wirtschaftsministerium zwar Ja         zung der begonnenen Arbeiten für die Gesund-
gesagt hat, das Gesundheitsministerium aber Nein         heitsreform 2005, für die die Rechtsgrundlagen
gesagt hat. Hier besteht eine große Diskrepanz.          eine Art 15a-Vereinbarung für unser Gesundheits-
Trotzdem wollen wir eigentlich diese Art und Weise       wesen ist. Der dritte Schwerpunkt war die Tätigkeit
unterstützen und dieses private Studium auch fi-         der Agentur für Gesundheitsvorsorge und Präven-
nanziell mittragen? Das sehe ich persönlich nicht        tion.
ein. (Abg. Dr. Krismer-Huber: Ihr wollt das? Die
Roten wollen die DPU? Habe ich das richtig ge-                Zur Entwicklung der regionalen Strukturge-
hört?)                                                   sundheitskonzepte wäre zu sagen, dass natürlich
Nicht wir, sondern eben die Mehrheitspartei. (Abg.       Schritt Eins die Isterhebung ist. Sie wird in Eigen-
Bader: Was jetzt?)                                       leistung der Krankenanstaltenträger vollbracht. Ein
Nicht wir, aber die Mehrheitspartei möchte dem zu-       Zweites ist die Sollplanung, die derzeit durchgeführt
stimmen. Ist doch so, oder nicht? Okay.                  wird von externen Planungsfirmen.

     Ein weiterer Punkt ist meines Erachtens, es              Die strategische planerische Aktivität der Ab-
könnte hier ein Überangebot an Zahnärzten gege-          teilung Gesundheitsreform wäre das NÖ Landes-
ben sein. Und ich stelle daher den Sinn in Frage.        entwicklungskonzept, die NÖ Gesundheitsziele und
Wenn ein Überangebot besteht, ob es überhaupt            das Erreichbarkeitsmodell auf Basis der Rasterzel-
tatsächlich sinnvoll ist, wenn dann auch keine           len. Und ich glaube, das funktioniert sehr gut hier in
einheitliche Ausbildungsform gewährleistet ist. In       Niederösterreich.
diesem Sinne nochmals die Bitte, dass ich diesem
Resolutionsantrag beitreten darf. Danke für die             Ein Erfolgsrezept ist auch die Ausbildung der
Aufmerksamkeit! (Beifall bei der SPÖ.)                   Gesundheits- und Krankenpflegeschulen in Nieder-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


österreich. Das kann ich auch aus meiner Region           schen der DPU oder dem Land Niederösterreich,
mit der Kranken- und Gesundheitspflegeschule              der Holding. Und es gibt daher auch keine Prakti-
Stockerau bestätigen. Ziel ist überhaupt die Koope-       kumsplätze mehr. Danke für die Aufmerksamkeit!
ration in den Regionen zwischen den Selbsthilfe-          (Beifall bei der ÖVP.)
gruppen und den Gesundheitseinrichtungen, also
Krankenanstalten, niedergelassener Bereich, mo-              Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau
bile Dienste. Dass man das stärkt und ausbaut.            Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.

     Aus den Erkenntnissen von Regionalkonferen-               Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-
zen werden Projekte zur Verbesserung der Ge-              ehrter Herr Präsident! Werte Mitglieder der Landes-
sundheitskommunikation in Niederösterreich entwi-         regierung! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
ckelt. Gesundheitsvorsorge, heute schon ein paar
Mal gefallen, ist natürlich sehr, sehr wichtig. Ge-            Herr Kollege Haller, der von mir eingebrachte
sundheitsförderung, primärer, sekundärer und terti-       Resolutionsantrag ist einerseits obsolet, weil ich ihn
ärer Gesundheitsbereich.                                  jetzt zurückziehe. Und zweitens ist er aktuell, weil
                                                          alle vier Parteien jetzt gemeinsam einen Resoluti-
     Interessant ist auch der zweite Bericht. Nach        onsantrag einbringen werden beim Tagesord-
Übernahme aller 27 Krankenhäuser des Landes               nungspunkt Spitalsärzte. Danke! (Beifall bei den
Niederösterreich ist natürlich das finanzielle Chaos      Grünen.)
vieler Städte und Gemeinden aus Niederösterreich
abgesichert worden. Das Land hat die Verantwor-               Präsident Ing. Penz: Die Rednerliste ist er-
tung aller 27 Krankenhäuser erstmalig 2008 über-          schöpft. Ich frage die Berichterstatter ob sie ein
nommen. Hier wäre der Aufgabenbereich der medi-           Schlusswort wünschen?
zinischen Geschäftsführung, das, glaube ich, ist
hervorragend passiert.                                         Berichterstatter Abg. Grandl (ÖVP): Ich ver-
                                                          zichte!
     Die kaufmännische Geschäftsführung hat zum
Ziel, dass vor allem Qualitätssteigerungen in der              Berichterstatter Abg. Dipl.Ing. Eigner (ÖVP):
Chirurgie passieren und vor allem hier Komplikatio-       Ich verzichte!
nen nach Verletzungen oder Re-Eingriffe oder
sonstige chirurgische Komplikationen angeschaut               Präsident Ing. Penz: Beide verzichten. Wir
und in Messgrößen vollzogen werden.                       kommen nun zur Abstimmung. (Nach Abstimmung
                                                          über den vorliegenden Antrag des Gesundheits-
     Dann die Intensiv-Häufigkeit, die Intensiv-Ver-      Ausschusses, Ltg. 404/B-44/1:) Ich stelle fest, dass
weildauer, die Verweildauer überhaupt in den Spi-         dieser Antrag mit den Stimmen der ÖVP und der
tälern. Hier, glaube ich, liegt auch das Hauptprob-       SPÖ angenommen wurde. (Zustimmung ÖVP,
lem, dass die Kosten der letzten Jahre um 100             SPÖ, Ablehnung FPÖ, Grüne.)
Prozent in den niederösterreichischen Spitälern
gestiegen sind. Weil viele Behandlungen in den                 (Nach Abstimmung über den vorliegenden An-
Spitälern gerne wahrgenommen werden und das zu            trag des Gesundheits-Ausschusses, Ltg. 418/B-
voller Zufriedenheit, aber diese nicht in den nieder-     49:) Dieser Antrag wurde mit den Stimmen der
gelassenen Bereich wechseln. Ich glaube, im nie-          FPÖ, der SPÖ und der ÖVP angenommen. (Zu-
dergelassenen Bereich besteht noch viel Aufholbe-         stimmung ÖVP, SPÖ, FPÖ, Ablehnung Grüne.)
darf und müsste man einfach mehr Arbeiten ausla-
gern um unser Gesundheitssystem leistbarer zu                  Ich ersuche Herrn Abgeordneten Kernstock,
machen und eigentlich abzusichern in der derzeiti-        die Verhandlung zu Ltg. 420/B-51 einzuleiten.
gen hohen Qualität.
                                                              Berichterstatter Abg. Kernstock (SPÖ): Sehr
     Zum Resolutionsantrag wäre zu sagen: Die             geehrter Herr Präsident! Frau Landesrätin! Kolle-
SPÖ-Fraktion hat sich eigentlich sehr positiv zur         ginnen und Kollegen!
Gesundheits- und Soziallage in Niederösterreich
bekannt. Die FPÖ hatte genörgelt, wie immer, das              Ich berichte zur Änderung des NÖ Bestat-
gipfelt ja im Land Kärnten. Und für die Grünen ist        tungsgesetzes 2007. Die Änderung bezieht sich auf
unverständlich, dass Frau Abgeordnete Krismer-            den § 21 Abs.2 Z.1. Hier wird der Beistrich durch
Huber einen Resolutionsantrag gestellt hat, der           das Wort „und“ ersetzt. Im § 21 Abs.2 Z.2 wird nach
eigentlich beantwortet wurde. Der eigentlich obsolet      dem Wort „wird“ ein Punkt gesetzt und es entfällt
ist. Denn es ist eigentlich diese Thematik schon          das Wort „und“. Und der § 21 Abs.2 Z.3 entfällt zur
behandelt und es bestehen keinerlei Verträge zwi-         Gänze.




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode       21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Ich komme daher zur Antragstellung (liest:)            Ich ersuche um Zustimmung zu dieser Geset-
                                                        zesvorlage.
    „Antrag des Gesundheits-Ausschusses über
die Vorlage der Landesregierung betreffend Ände-            Präsident Ing. Penz: Bevor wir zur Zustim-
rung des NÖ Bestattungsgesetzes 2007.                   mung kommen, eröffne ich die Debatte und erteile
                                                        Herrn Abgeordneten Sulzberger das Wort.
     Der Hohe Landtag wolle beschließen:
                                                            Abg. Sulzberger (FPÖ): Sehr verehrter Herr
1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-       Präsident! Sehr verehrte Frau Landesrätin! Ge-
     derung des NÖ Bestattungsgesetzes 2007 wird        schätzte Damen und Herren des Hohen Hauses!
     genehmigt.
                                                            Ich berichte zum vorliegenden Gesetzesent-
2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das        wurf, Europäischer Verbund für territoriale Zusam-
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses        menarbeit, Ltg. 436/E-7.
     Erforderliche zu veranlassen.“
                                                            Worauf basiert dieser Gesetzesentwurf? Er
     Herr Präsident, ich ersuche, die Debatte ein-      wurde am 5. Juli 2006 mit der Zahl 1082/2006, eine
zuleiten und die Abstimmung vornehmen zu lassen.        EG-Zahl, Europäisches Parlament und mit den
                                                        Stimmen des Rates verabschiedet im Zusammen-
     Präsident Ing. Penz: Danke für die Berichter-      hang mit der Reform der Regionalpolitik innerhalb
stattung, die so klar war, dass keine Wortmeldung       der EU.
vorliegt. Wir kommen daher zur Abstimmung. (Nach
Abstimmung über den vorliegenden Wortlaut des                Was wird dadurch geschaffen? Es wird die
Gesetzes sowie über den Antrag des Gesundheits-         Möglichkeit geschaffen, dass hier eine grenzüber-
Ausschusses, Ltg. 420/B-51:) Das ist einstimmig         schreitende Zusammenarbeit ermöglicht wird und
angenommen.                                             vor allem für neuartige juristische Personen mit
                                                        Teilnehmern aus allen EU-Mitgliedstaaten, aber zur
    Ich ersuche Frau Abgeordnete Rinke, die Ver-        Teilnahme mindestens zwei Mitgliedstaaten sozu-
handlung zu Ltg. 436/E-7 einzuleiten.                   sagen notwendig. Also das heißt, diese übergrei-
                                                        fenden Maßnahmen, gerade im Zusammenhang
     Berichterstatterin Abg. Rinke (ÖVP): Sehr          mit Projekten, nehmen wir den Fall zum Beispiel
geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich be-         her Österreich, Deutschland oder mit Frankreich
richte zum Entwurf eines NÖ EVTZ-Gesetz, Regie-         oder mit eben einem anderen Nachbarland inner-
rungsvorlage.                                           halb der EU.

     Das ist das Europäische Verbund für territori-         Die Rahmenbedingungen, die Rechtsvor-
ale Zusammenarbeit. Diese Regierungsvorlage             schriften, wie schaut’s aus, dass wir das auch ein
bildet den Gesetzesentwurf und somit eine Rechts-       bisschen erläutern. Die endgültig abgefasste und
grundlage für die Zusammenarbeit der Gemeinden          beschlossene und somit anwendbare Verordnung
mit grenzüberschreitender Zusammenarbeit, zu-           regelt und definiert für die Einrichtung eines derarti-
mindest zweier Mitgliedstaaten der EU. Um für           gen EVTZ den Kreis der möglichen Mitglieder so
diese Gemeinden einfach das Ganze zu erleichtern        wie gerade besprochen. Wer wird hier umfasst?
liegt diese Gesetzesvorlage, dieser Gesetzesent-        Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände
wurf uns hier vor und ist zu beschließen.               und auch öffentliche Einrichtungen.

    Deswegen stelle ich den Antrag des Europa-               Natürlich hat hier auch die begleitende Organi-
Ausschusses über die Vorlage der Landesregie-           sation und sind verfahrenstechnische Maßnahmen
rung betreffend des NÖ EVTZ-Gesetz (liest:)             der Mitgliedstaaten für die Teilnahme Vorausset-
                                                        zung und unterliegen dem jeweiligen Landes- sowie
     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:               dem Bundesrecht.

1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend NÖ            Was sind die eigentlichen Aufgaben des
     EVTZ-Gesetz wird genehmigt.                        EVTZ? In erster Linie einmal, und das ist sehr
                                                        wichtig für uns, die Umsetzung kofinanzierter Pro-
2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das        gramme oder Projekte für die territoriale Zusam-
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses        menarbeit. Die mögliche Tätigkeit des EVTZ wird in
     Erforderliche zu veranlassen.“                     der Verordnung selbst auf privatwirtschaftliche Tä-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


tigkeit eingeschränkt, weil hoheitliche Befugnisse       gut aus den Berichten über die finanziellen Auswir-
nicht ausgeübt werden dürfen. Bezogen jetzt auf          kungen des EU-Beitritts ablesen lässt. Wir können
das EVTZ.                                                mit Fug und Recht behaupten, dass es uns durch
                                                         ein rechtzeitiges Eingehen auf die Situation, Zu-
     Sie kann unbefristet gewährt werden, sie kann       sammenarbeit mit den Nachbarländern und durch
projektbezogen gewährt werden und stellt sicherlich      eine grenzüberschreitende Entwicklung gelungen
eine sinnvolle Regelung dar. Die möglichen Mitglie-      ist, betreffend EU-Förderungen mehr als positiv
der umfassen Gebietskörperschaften, wie schon            abzuschneiden.
einmal genannt, Bund, Länder, Gemeinden, Ge-
meindeverbände und eben auch als Ergänzung                     Heute werden wir hier im Landtag ein Gesetz
hinzu ausgegliederte Gesellschaften der öffentli-        für einen europäischen Bund für territoriale Zu-
chen Hand, Stiftungen, Fonds sowie Anstalten der         sammenarbeit beschließen. Mit dem EVTZ-Gesetz
Gebietskörperschaften.                                   wird in Zukunft ein Verbund zwischen Gebietskör-
                                                         perschaften verschiedener Mitgliedstaaten ermög-
     Ich denke, sehr verehrte Damen und Herren,          licht, ohne dass zuvor ein nationales Parlament ein
dass wir hier heute einen gemeinsamen Beschluss          ratifiziertes Abkommen unterzeichnen muss.
fassen werden. Es ist wirklich eine sinnvolle Rege-
lung. Und vor allem in der Zusammenarbeit, im                 Ein Gemeindeverbund in Niederösterreich
großen europäischen Wirtschaftsraum eine not-            kann also zum Beispiel mit einem Gemeindever-
wendige Sache. Ich danke für die Aufmerksamkeit!         bund aus einem anderen Land einen Zusammen-
(Beifall bei der FPÖ.)                                   schluss bilden um sich um europäische Fördermit-
                                                         tel für ein gemeinsames Projekt zu bewerben.
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr             Wichtigster Punkt dabei ist, dass der Zusammen-
Abgeordneter Razborcan.                                  schluss von den Gebietskörperschaften in Nieder-
                                                         österreich, somit Bund, Länder und Gemeinden
    Abg. Razborcan (SPÖ): Sehr geehrter Herr             sowie Gemeindeverbände über Rechtspersönlich-
Präsident! Sehr geehrte Frau Landesrätin! Hoher          keit verfügt. Es kann also Vermögen erworben und
Landtag!                                                 veräußert und auch Personal eingestellt werden.

     Wer kennt sie nicht, die oft gehörten Kritik-            Europapolitisch ist dieses EVTZ natürlich sehr
punkte an der Europäischen Union? Doch was               zu begrüßen, da hier grenzüberschreitend Regio-
Europa auch heißen kann, geht in der öffentlichen        nen unter vereinfachten administrativen Bedingun-
Wahrnehmung oft unter. Dass nämlich die EU               gen zusammen arbeiten können und sich besser
durch ihre grenzüberschreitenden Förderpro-              kennen und verstehen lernen können. EVTZ kann
gramme eine bestimmte Form der Zusammenarbeit            aber auch auf Maßnahmen der territorialen Zu-
anregt, bei der der direkte Nutzen für die Regionen,     sammenarbeit ausgedehnt werden, zum Beispiel
Städte und Gemeinden und ihre Bewohner im Mit-           grenzüberschreitende Verkehrsverbünde oder bi-
telpunkt steht.                                          nationale Kommunalbetriebe.

     Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinaus                 Ein Beispiel dafür gibt es bereits. Die franzö-
sollte in einem vereinten Europa zur Selbstver-          sisch-belgische Initiative Eurometropol wurde als
ständlichkeit werden. Denn nur gemeinsam lassen          allererste EVTZ im Jänner 2008 gestartet. Mitglie-
sich in Zeiten der Globalisierung Herausforderun-        der sind Partnereinrichtungen aus dem französi-
gen oder Probleme auch bewältigen. 2005 sind             schen Department Nord und aus belgischen Regio-
unsere Nachbarländer Tschechien, Slowakei und            nen. Der Verbund Eurometropol wird unter dem
Ungarn Mitglied der Europäischen Union geworden.         Stichwort Nachhaltigkeit Projekte in den Bereichen
Auch hier war eine gewisse Skepsis in der Grenz-         Entwicklung, Verkehr und Dienstleistungen ausar-
region spürbar. Heute können wir positiv zurück-         beiten. Das EVTZ-Gesetz, das nach den Bundes-
blicken: Wir haben eine positive Entwicklung und         ländern Kärnten, Oberösterreich und Vorarlberg
gemeinsam mit Partnern in Tschechien, in der             auch heute in Niederösterreich beschlossen wer-
Slowakei und in Ungarn konnten niederösterreichi-        den wird, stellt ein absolutes Novum dar. Erstmals
sche Projektträger wertvolle Akzente für die weitere     können zwei Regionen aus zwei verschiedenen
Entwicklung der Grenzregionen Waldviertel, Wein-         Staaten einen Zusammenschluss mit Rechts-
viertel, aber auch für das gesamte Bundesland            persönlichkeit bilden. Kurz gesagt, das EVTZ-Ge-
gesetzt werden.                                          setz vereinfacht die grenzüberschreitende Zusam-
                                                         menarbeit mit unseren Nachbarländern und es
   Niederösterreich ist es immer gelungen, seine         schafft auch die Möglichkeit, dafür Fördermittel zu
Chancen maximal zu nützen. Was sich auch sehr            lukrieren.




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    Die sozialdemokratische Fraktion wird daher           Vordergrund stellt, die Zusammenarbeit sucht, das
diesem Gesetzesentwurf die Zustimmung erteilen.           Zusammenwachsen. Und letztendlich auch für die
Dankeschön! (Beifall bei der SPÖ.)                        künftigen Generationen gute und sinnvolle Projekte
                                                          für die Zukunft umsetzt.
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
Abgeordneter Maier.                                           In diesem Sinne freue ich mich auf alles, was
                                                          dieses neue Gesetz auslösen wird. Und ich glaube,
    Abg. Maier (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsi-           dass alle Mitglieder hier im NÖ Landtag dieses
dent! Hoher Landtag!                                      Gesetz unterstützen können. (Beifall bei der ÖVP.)

     Auch ich darf mich zum EVTZ-Gesetz für die                Zweiter Präsident Nowohradsky: Die Red-
Möglichkeit, einen Europäischen Verbund für terri-        nerliste ist erschöpft, die Berichterstatterin hat das
toriale Zusammenarbeit zu schaffen, heute zu Wort         Schlusswort.
melden. Ich glaube, wir sind in Niederösterreich,
und vor allem in den Grenzregionen, mittlerweile               Berichterstatterin Abg. Rinke (ÖVP): Ich ver-
Profis der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.          zichte!
Ob es die Euregios sind, ob es die verschiedensten
Aktivitäten von Gemeinden, von Gebietskörper-                   Zweiter Präsident Nowohradsky: Sie ver-
schaften in der Zusammenarbeit sind, wir schaffen         zichtet. Daher kommen wir zur Abstimmung. (Nach
mit diesem neuen Gesetz eine Möglichkeit des              Abstimmung über den vorliegenden Wortlaut des
Verbundes für territoriale Zusammenarbeit, um             Gesetzes sowie über den Antrag des Europa-Aus-
eben auch eine juristische Person dafür zu schaffen       schusses, Ltg. 436/E-7:) Ich stelle Einstimmigkeit
um all diese Vorzügen, die meine Vorredner auch           fest.
schon anklingen haben lassen, um diese Vorzüge
auch auszunutzen.                                              Zum nächsten Tagesordnungspunkt beabsich-
                                                          tige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 465/B-1, Ltg.
      Ich glaube, das Wesentliche ist, dass hier eine     448/B-2/4 und Ltg. 382/B-5/4 wegen des sachli-
Grundlage geschaffen wird für diese Verbünde für          chen Zusammenhanges gemeinsam zu verhan-
territoriale Zusammenarbeit für die Gebietskörper-        deln. Berichterstattung und Abstimmung werden
schaften, für die Körperschaften öffentlichen             jedoch getrennt erfolgen. Wird gegen diese Vor-
Rechts. Für Gemeinden, für Länder und sonstige            gangsweise ein Einwand erhoben? Das ist nicht der
Verbände, dass wir die Zusammenarbeit forcieren,          Fall. Somit ersuche ich Herrn Abgeordneten Ing.
dass wir hier ganz neue Wege beschreiten können,          Hofbauer, zu den Geschäftsstücken Ltg. 465/B-1,
auch im öffentlichen Leben. Und dass wir vor allem        Ltg. 448/B-2/4 und Ltg. 382/B-5/4 zu berichten.
auch, und das, glaube ich, steht auch im Vorder-
grund, neben der Nutzung von den verschiedens-                  Berichterstatter Abg. Ing. Hofbauer (ÖVP):
ten Förderkulissen vor allem auch die Zusammen-           Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich
arbeit verstärken, intensivieren, das Gespräch mit-       berichte über die Tätigkeit des Rechnungshofes
einander suchen, das Gespräch intensivieren und           und die Beratungen im Ausschuss und darf zum
wir in diesem Bereich auf jeden Fall den richtigen        Geschäftsstück 465/B-1, den Sammelantrag des
Weg gehen.                                                Rechnungshof-Ausschusses über die Berichte des
                                                          NÖ Landesrechnungshofes betreffend
    (Zweiter Präsident Nowohradsky übernimmt              - Landesklinikum Krems (8/2009);
den Vorsitz.)                                             - Landesberufsschule Theresienfeld (9/2009);
                                                          - Landwirtschaftliche Fachschule Warth, Nachkon-
     Ich glaube, es ist schon vieles von meinen Vor-      trolle (10/2009)
rednern gesagt worden, dass die Ziele sehr klar           folgenden Antrag stellen (liest:)
sind, dass wir für die EU-kofinanzierten Programme
und Projekte diese territoriale Zusammenarbeit                 „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
suchen. Dass wir dieses Gesetz deshalb beschlie-
ßen, damit wir diese Verbünde letztendlich schaffen       1.   Die Berichte des Landesrechnungshofes wer-
können. Dass unsere Gemeinden an der Grenze                    den zur Kenntnis genommen.
auch den grenzüberschreitenden Aspekt noch stär-
ker forcieren. Und dass wir mit solchen Einrichtun-       2.   Die Landesregierung wird aufgefordert, durch
gen das Zusammenwachsen hier in Europa …, bei                  geeignete Maßnahmen Sorge zu tragen, dass
allem, was immer wieder – auch an Negativem – in               den in diesem Bericht dargelegten Auffassun-
der Europäischen Union man anklingen lässt. Dass               gen des Rechnungshof-Ausschusses entspro-
man gerade in diesem Bereich das Positive in den               chen wird.“




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Weiters darf ich berichten zum Geschäftsstück       erste Mal ist, dass sich der Landesrechnungshof
Ltg. 448/B-2/4, das ist ein Bericht des Bundesrech-      rügend zu Wort meldet. Immer wieder wird in den
nungshofes, der ebenfalls im Ausschuss behandelt         Stellungnahmen des Landes versichert, dem in
wurde. Und ich darf den Antrag des Rechnungshof-         Zukunft Rechnung zu tragen. Passiert ist jedoch
Ausschusses stellen und zwar über den Bericht des        bislang nichts.
Rechnungshofes über das Land Niederösterreich,
Jahrestätigkeitsbericht 2009, Nachfrageverfahren              Dem gegenüber steht, dass das Land bei Prü-
2008 (Reihe Niederösterreich 2009/7) (liest:)            fungen von Gemeindegebarungen stets als erstes
                                                         aufschreit, wenn nicht alle Vergabeausschreibun-
    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                 gen und Ausschreibekriterien dem Gesetz entspre-
                                                         chend gehandhabt werden. Das ist auch gut so.
    Der Bericht des Rechnungshofes über das              Aber selbst, wo man doch Vorbildwirkung haben
Land     Niederösterreich,   Jahrestätigkeitsbericht     sollte, ist man keinen Deut besser.
2009, Nachfrageverfahren 2009 (Reihe Nieder-
österreich 2009/7) wird zur Kenntnis genommen.“               Betreffend die Prognoserechnungen der
                                                         Schülerzahlen ist anzumerken, dass nur korrekt
    Und zum Geschäftsstück Ltg. 382/B-5/4, das           und periodisch durchgeführte Evaluierungen ein
ebenfalls im Ausschuss behandelt wurde, darf ich         Garant dafür sein können, möglichst genaue
den Antrag des Rechnungshof-Ausschusses über             Schätzungen abgeben zu können. Das ist beson-
den Bericht des Rechnungshofes über klimarele-           ders für die Ausstattung und den Personalstand an
vante Maßnahmen der Länder im Energiebereich             den Schulen unbedingt erforderlich. Geht man
zur Kenntnis bringen (liest:)                            nämlich den vorliegenden Bericht durch, wird deut-
                                                         lich, dass auf Grund falscher Prognosen bereits
    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                 heute viel zu wenig Lehrpersonal an der Berufs-
                                                         schule beschäftigt ist, was zu vermeidbaren Mehr-
     Der Bericht des Rechnungshofes über klima-          stundenleistungen des Personals führt.
relevante Maßnahmen der Länder im Bereich
Energie (Reihe Niederösterreich 2009/6) wird zur             Und das Thema Mitarbeitergespräche kennen
Kenntnis genommen.“                                      wir schon aus den Landeskliniken und Landes-
                                                         Pflegeheimen. Auch dort hat man es nicht ge-
     Ich ersuche den Herrn Präsidenten, die De-          schafft, die Vorgaben zeitgerecht umzusetzen. Es
batte einzuleiten und die vorgesehenen Abstim-           war also auch im Berufsschulbereich nicht anders
mungen durchzuführen.                                    zu erwarten.

     Zweiter Präsident Nowohradsky: Ich danke                 Ein weiteres Manko ist bei Dokumentationen in
für den Bericht. Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter       vielen Bereichen zu verzeichnen. Wenn diese auch
Tauchner.                                                bestimmt Mehrarbeit verursachen, sind die Einspa-
                                                         rungen und die Transparenz auf der anderen Seite
    Abg. Tauchner (FPÖ): Sehr geehrter Herr              sicher dazu angetan, die Abläufe und deren Über-
Präsident! Geschätzte Damen und Herren des Ho-           prüfbarkeit zu erleichtern.
hen Landtages!

     Für die heutige Sitzung wurde uns unter ande-           Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich
rem auch der Landesrechnungshofbericht über die          würde mir wünschen, dass bei Überprüfungen
Landesberufsschule Theresienfeld vorgelegt. Ge-          durch den Landesrechnungshof in Zukunft in Stel-
nerell kann man dazu sagen, dass die Landesbe-           lungnahmen des Landes zu beanstandenden
rufsschule Theresienfeld und ihr derzeitiger Zu-         Punkten nicht nur stets der Wortlaut der Beanstan-
stand als sehr gut betrachtet werden. Was sicher         dung übernommen und gleichzeitig versichert wird,
auch auf die ständigen Umbau- und Sanierungs-            die Missstände würden behoben, sondern auch
maßnahmen zurückzuführen ist.                            eine Prognose dazu, in welcher Form und in wel-
                                                         chem Zeitraum die Verbesserungen umgesetzt
     Es gibt jedoch auch zahlreiche Kritikpunkte.        werden könnten. Danke schön! (Beifall bei der
Allen voran zum –xten Male Verfehlungen bei Aus-         FPÖ.)
schreibungen, Auftragsvergaben und Auswahl von
Vergabeverfahren. Das ist umso ärgerlicher, meine            Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
sehr geehrten Damen und Herren, weil es nicht das        gelangt Herr Abgeordneter Kernstock.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Abg. Kernstock (SPÖ): Sehr geehrter Herr                  Lediglich die Anzahl der Betten weist eine Dif-
Präsident! Kolleginnen und Kollegen!                     ferenz von tatsächlich systemisierten von 472 auf
                                                         tatsächlich aufgestellte von 484 aus, also ein Mehr
     Der NÖ Landesrechnungshof hat Mitte des             von 12 Betten. Das wird noch einer genaueren
vergangenen Jahres das Landesklinikum Krems              Überprüfung unterzogen werden müssen, hängt
einer Überprüfung unterzogen. Geprüft wurden             aber auch von der Erstellung des regionalen
unter anderem, und ich zitiere eigentlich nur aus-       Strukturplanes Gesundheit ab. Die bauliche Struk-
zugsweise: Die Liegenschaft und die bauliche             tur des Klinikums wurde ebenfalls unter die Lupe
Struktur, die Organisation und Führung, die wirt-        genommen. Allerdings wurde hinsichtlich der Lage
schaftliche Entwicklung, Kostenrechnung, Control-        und der Nutzung der Objekte Brandschutz, Ausbil-
ling und Innenrevision.                                  dung der Mitarbeiter im Brandfalle, Fluchtwege
                                                         usw. kaum Mängel festgestellt, was wiederum die
     Es fehlen regionale Strukturpläne, Gesundheit,      Einhaltung der gesetzlichen Normierungen seitens
Neusystemisierung des Bettenstandes, Erarbeitung         der kaufmännischen Geschäftsführer widerspiegelt.
von Stellenbeschreibungen, Synergien im Konzept
für die landesweite onkologische Versorgung. Die              Es zieht sich wie ein roter Faden durch sämtli-
Innenrevision entspricht nicht den Bestimmungen          che Kliniken, die Stellenbeschreibungen: Einige
des NÖ Krankenanstaltengesetzes. Eine hohe An-           Male wurde seitens des Rechnungshofes bereits
zahl an Krankenstandstagen. Patienten liegen im          auf diese fehlenden Beschreibungen hingewiesen.
Gangbereich. Hohe Lebensmittelkosten, wirtschaft-        So auch im Klinikum Krems a.d. Donau. Daher
liche Probleme im Bereich Präventiv und Sportme-         fordert der NÖ Landesrechnungshof auch nach-
dizin.                                                   drücklich die Erarbeitung von Stellenbeschreibun-
                                                         gen für den ärztlichen Dienst, für alle Klinikstand-
     Wenn man diese Liste so hört - ich habe ge-         orte in Niederösterreich. Die NÖ Landesregierung
sagt, ich zitiere nur auszugsweise - dann ist es         reagierte aber auf die fehlenden Beschreibungen
wirklich eine stattliche Anzahl an Mängeln, die hier     mit der Antwort, dass mit der Personalabteilung B
vom Landesrechnungshof aufgezeigt wurden. Ei-            einheitlich strukturierte Stellenbeschreibungen er-
gentlich muss man dem Landesrechnungshof dan-            arbeitet werden. Die werden auch für alle Mitarbei-
ken, dass die Damen und Herren Prüfer immer              ter des Verwaltungsdienstes sowie des Pflege-
wieder aufmerksam machen, dass der Regionale             dienstes Gültigkeit haben. Negativ angemerkt
Strukturplan Gesundheit in Niederösterreich noch         wurde auch, dass im Klinikum Krems noch keine
immer fehlt. Immer wieder wird auf diesen Umstand        Kinderschutzgruppe eingerichtet worden ist. Es
hingewiesen.                                             fehlen auch die Mitglieder, die formal zu bestellen
                                                         sind. Dies wird aber ebenfalls demnächst umge-
     An der Erstellung des RSG wird aber seitens         setzt, so die Aussagen der Landesregierung.
des NÖGUS heftig gearbeitet, sodass wir noch im
heurigen Jahr, so hoffe ich stark, mit einem Ender-          Die Voranschlagssumme im Jahre 2008 wur-
gebnis rechnen können. Wenn der Strukturplan             den um zirka 1,5 Millionen Euro überschritten. Als
vorliegt, kann dann die NÖ Landesregierung einen         Vorstandsmitglied der Landeskliniken-Holding muss
Landeskrankenanstaltenplan, einen stationären            ich zu diesem Umstand aber sagen, dass diese
und einen ambulanten, dessen Basis der RSG ist,          Überschreitungen für den Ankauf von notwendigen
erlassen.                                                medizinischen Gerätschaften wie CT, Röntgensys-
                                                         tem, wie Flachdetektor unter anderem zustande
    Das Klinikum Krems erfüllt in der Region die         kamen und von der Holdingversammlung diskutiert
Aufgabe eines Schwerpunktkrankenhauses. Die              und in weiterer Folge auch einstimmig beschlossen
Zahlen des Jahres 2008 mit der Bettenanzahl von          wurden.
484 und 132.064 Belagstagen, der Behandlung von
75.006 ambulanten Fällen sowie der Anzahl von                 Ebenfalls eine permanente Forderung des
542 Geburten können sich schon sehen lassen.             Landesrechnungshofes ist, dass in den Landeskli-
                                                         niken umgehend gesetzeskonforme Innenrevisio-
     Im Vergleich zu 2006 stiegen diese Zahlen           nen einzurichten sind. Mehrmals wurde dazu schon
permanent an. Nur ein einziges Beispiel - der am-        Stellung genommen und mitgeteilt, dass seitens der
bulante Bereich: 2006 wurden hier 49.129 Patien-         Landesklinikenholding bereits eine Stabsstelle Re-
tinnen und Patienten versorgt, 2008 bereits die          vision eingerichtet worden ist und an der personel-
stolze Summe, und ich habe sie soeben erwähnt,           len Aufstockung der Stabsstelle gearbeitet wird.
von 75.006.                                              Hinsichtlich der weiteren Überprüfungen wie Institut




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


für Präventiv- und angewandte Sportmedizin, Ver-         Derivativgeschäften zu reinen Spekulationszwe-
und Entsorgung, die Anstaltsapotheke, diverse            cken laut Ansicht des Rechnungshofes nicht mehr
Küchenleistungen, Materialwirtschaft, Einkauf so-        gerechtfertigt werden. Den Satz soll sich der Herr
wie die Wäscheversorgung sind seitens der NÖ             Landeshauptmannstellvertreter Sobotka einmal
Landesregierung entsprechende Stellungnahmen             sehr genau durchlesen und merken, meine Damen
an den Landesrechnungshof ergangen, die alle-            und Herren. (Beifall bei der FPÖ.)
samt zu einer Verbesserung der zitierten Bereiche
führen werden. Dazu benötigt allerdings die Füh-             Weiters führt der Rechnungshof an, dass Ver-
rung des Hauses noch einige Zeit um all diese            anlagungen in komplexe Finanzprodukte, die hoch-
Punkte einer Erledigung zuführen zu können. Es           spezialisierte Risikoanalysen voraussetzen, ebenso
wird aber auch daran gearbeitet und versucht, auf-       in Zukunft vermieden werden. Ebenfalls etwas für
gezeigte Missstände schnellstens zu beseitigen.          Landeshauptmannstellvertreter zum Durchlesen
                                                         und Nachmachen.
      Werte Kolleginnen und Kollegen! Die Sozial-
demokratische Partei im Hohen Hause wird den                  Im Nachfrageverfahren wurden von 40 Emp-
umfangreichen Bericht des Landesrechnungshofes           fehlungen 15 umgesetzt, 11 zugesagt, 14 sind of-
zur Kenntnis nehmen und diesem auch die Zu-              fen. Auf der kommunalen Ebene wurden 73 Emp-
stimmung erteilen. Ich danke für die Aufmerksam-         fehlungen getätigt, 39 umgesetzt, 22 zugesagt, 12
keit! (Beifall bei der SPÖ.)                             sind offen.

    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                    Ich möchte Ihnen zwei Beispiele von der kom-
gelangt Herr Abgeordneter Königsberger.                  munalen Ebene anführen. Zwei Gemeinden, die da
                                                         nicht gut weg kommen und eher ein negatives Bei-
    Abg. Königsberger (FPÖ): Sehr geehrter Herr          spiel sind, wie man es nicht machen soll. Es ist
Präsident! Hoher Landtag!                                einmal, die beiden Kollegen sind leider nicht herin-
                                                         nen, die haben es schon geahnt, glaube ich, das ist
     Ein paar Worte zum Rechnungshofbericht, NÖ          die Stadtgemeinde Mödling. Da führt der Rech-
Jahrestätigkeitsbericht und Nachfrageverfahren           nungshof an: Mödling konnte in den Jahren 2001
2008. In dem Bericht wird zuerst die Tätigkeit des       bis 2005 keine wesentlichen Finanzierungsbeiträge
Rechnungshofes skizziert, auf Länderebene erör-          für Investitionen erwirtschaften. Dadurch musste
tert die Themen der öffentlichen Finanzkontrolle. Er     der außerordentliche Haushalt im Wesentlichen
geht auf die Ausweitung der Prüfungskompetenzen          durch Darlehen finanziert werden. Die Pro-Kopf-
ein, wie man am Beispiel Skylink gesehen hat. Und        Verschuldung liegt bei rund 2.225 Euro und liegt im
er behandelt die Neuordnung des Finanzmanage-            Spitzenfeld von Gemeinden mit vergleichbarer Ein-
ments der Gebietskörperschaften, den Stand der           wohnerzahl. Deswegen hat der Kollege Hintner
Verwaltungsreform und als Schwerpunktthemen              nicht umsonst den Namen „Schuldenkaiser“ be-
Wirkungsorientierung und Korruptionsbekämpfung.          kommen, meine Damen und Herren.

     Im Nachfrageverfahren informiert der Rech-               Und das zweite Beispiel ist dann die Stadtge-
nungshof über den Stand der Umsetzungen seiner           meinde Baden. (Abg. Waldhäusl: Ist auch schwarz,
Empfehlungen aus dem Jahr 2008 auf Landes- und           oder?)
Gemeindeebene. Er geht darauf ein, dass derzeit          Ich glaube.
bei den Gemeindeprüfungen nur Gemeinden mit
mindestens 20.000 Einwohnern überprüft werden                Baden konnte den außerordentlichen Haushalt,
können. Das betrifft derzeit 24 von 2.356 Gemein-        steht da, zwar ausgeglichen führen, musste aber
den. Und auf Grund dieser Datenlage kann man             die Investitionen über Einnahmen aus Rücklagen
leider keine verlässliche Aussage über die finan-        durch Veräußerung von Vermögen, also man hat
ziellen Lagen der Gemeinden machen.                      das Familiensilber verscherbelt, finanzieren.

    Meine Damen und Herren! Hier wäre eine Ein-               Und im Bereich der Personalbewirtschaftung
beziehung aller Gemeinden in die Kompetenz einer         fehlen Konzepte und Richtlinien, besonders bei
externen Finanzkontrolle wirklich anzustreben, wie       Aufnahmeverfahren, bei Stellenbesetzungen, bei
man es dann an ein paar Beispielen nachher auch          der Aus- und Weiterbildung und bei den Vor-
sehen wird.                                              rückungen.

    Im Finanzmanagement neu ist eine interes-                Da hoffe ich für die Kollegin Adensamer, dass
sante Bemerkung und Vorgabe des Rechnungs-               das kein Fall für das Bundesamt zur Korruptionsbe-
hofes. Da steht: Hier kann die Durchführung von          kämpfung ist oder wird. Weil wenn man im Auf-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


nahmeverfahren bei Stellenbesetzung keine Richt-          nahmen gesetzt, vor allem in Planungsvorgaben für
linien und Konzepte hat, wie geht das? Bei drei           die Landesgebäude waren natürlich ein wesentli-
Bauvorhaben führten in Baden unzureichende Er-            cher Bereich. Aber auch im Bereich der Wohn-
hebungen der Anforderung der Nutzer und des               haussanierung wurde vor allem sehr viel dazu bei-
Bauzustandes zu unnötigen Mehrkosten in der               getragen, Energieeinsparpotenziale gezielt umzu-
Höhe von mehr als einer halben Million Euro.              setzen.

    Also ich muss sagen, die liebe Frau Kollegin               In den nächsten Jahren sind wir besonders
Adensamer ist mit ihrer Wirtschaft dort wirklich          gefordert natürlich, bei der Verbrennung fossiler
gescheitert. Und der jetzt nachrückende Kollege           Brennstoffe zur Gebäudebeheizung einschnei-
Breininger, der wird es auch nicht besser machen.         dende Maßnahmen zu treffen. Auch das wurde
Das haben wir in der Vergangenheit gesehen.               wesentlich erläutert. Weitere Schwerpunkte sind
Danke schön! (Beifall bei der FPÖ.)                       natürlich der Einsatz von Biomasse und Solaranla-
                                                          gen, weiters auch die Stromerzeugung, natürlich
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                umweltfreundlich und nachhaltig gesetzt. Und viele,
gelangt Herr Abgeordneter Ing. Pum.                       viele andere alternative Maßnahmen. Vor allem
                                                          gehört natürlich auch die Beratung gestärkt und
    Abg. Ing. Pum (ÖVP): Geschätzter Herr Prä-            Förderungen gezielt als Steuerungselement einge-
sident! Werte Kollegen des Landtages!                     setzt um gerade in diesem Bereich der Energie-
                                                          relevanz auch zukünftig noch das Kyoto-Ziel auch
     Ich darf ebenfalls beginnen mit dem Bundes-          zu erreichen.
rechnungshof und vielleicht hier als ersten Bericht
kurz beleuchten die klimarelevanten Maßnahmen                 Ich darf weiters den Jahrestätigkeitsbericht
zur Energiesituation und darf daher auch den Bei-         2009 kurz erläutern. Der Rechnungshof prüft ja hier
trag, den das Land dafür leistet, beschreiben. Zum        die Gebarungsprüfungen von Bund, Ländern, von
Anderen die Energiefördermaßnahmen, die einen             den gesetzlichen beruflichen Vertretungen und der
wesentlichen Beitrag, Reduktionsbeitrag letztend-         Europäischen Union, die ich da benennen darf. Im
lich zur CO2-Reduktion mitverantworteten, und die         Jahr 2009 wurden vom Rechnungshof insgesamt
Mittel dafür beschreiben. Alleine eigene Mittel von       61 Gesetzes- und Verordnungsentwürfe der Länder
rund 265 Millionen Euro wurden im Jahr 2002 bis           Vorarlberg, Oberösterreich, Kärnten und Nieder-
2007 investiert. Niederösterreich hat rund 29 Millio-     österreich zur Stellungnahme geleitet, eingeleitet
nen Euro an Landesmitteln, kofinanziert von Bund          und zugeleitet. Ich darf aber hier erwähnen, Nie-
und EU mit rund 32 Millionen Euro, zur Verfügung          derösterreich wurde vor allem eingeschränkt auf die
gestellt.                                                 Krankenanstalten geprüft.

     Ausgangspunkt dafür war natürlich das Kyoto-              Beurteilt wurde die Darstellung und die finan-
Ziel zur Treibhausgasreduktion von 13 Prozent. Der        ziellen Auswirkungen der neuen rechtsetzenden
Ausgangswert 1990 wurde damals als Latte ge-              Maßnahmen sowie die Umsetzung von Empfehlun-
setzt. Die Realität schaut derzeit leider etwas an-       gen des Rechnungshofes. Und ich kann hier Kärn-
ders aus. Die Energieverbräuche steigen und wir           ten und Niederösterreich anführen, die zu 100 Pro-
reden dabei in Niederösterreich von rund 7,8 Pro-         zent eine ausreichend plausible Angabe gemacht
zent. Daher ist es auch notwendig, verstärkt Maß-         und umgesetzt haben.
nahmen zu setzen.
                                                               Weiters wurde das Unvereinbarkeitsgesetz und
     Der Einsatz von erneuerbaren Energieträgern          das Bezügebegrenzungsgesetz begutachtet. Der
ist dabei ein wesentlicher Punkt. Eine einheitliche       Einkommensbericht des Rechnungshofes wurde
Berechnungsmethode zur Erfassung der CO2-Re-              vorgelegt. Und vielleicht auch hier ein paar interes-
duktion in den Ländern ist zwar derzeit nicht gege-       sante Daten. Gerade im Vergleich in Niederöster-
ben, aber wenn man den Vergleich des Rech-                reich haben unselbständig Beschäftigte ein mittle-
nungshofes zugrunde legt, dann sind die Förder-           res Bruttojahreseinkommen im Jahr 2007 von
kosten im Jahr 2007 für CO2-relevante Maßnahmen           25.278 Euro, in Tirol dagegen von 21.913 Euro.
bei rund 14 Euro je Tonne eingesparter CO2 gele-          Selbständig Erwerbstätige erzielen in Vorarlberg
gen und der Ankauf von CO2-Zertifikaten liegt bei         mit 15.675 Euro das höchste, das Burgenland mit
rund 21 Euro je Tonne CO2.                                9.787 Euro das niedrigste Bruttojahreseinkommen.
                                                          Und die Pensionisten in diesem Vergleich liegen in
    Eingespart wurden in diesem Zeitraum von              Wien mit 18.627 Euro am höchsten und in Vorarl-
2002 bis 2007 rund 2 Millionen Tonnen CO2. Nie-           berg mit 13.716 Euro am niedrigsten. Niederöster-
derösterreich hat dabei viele verschiedene Maß-           reich bewegt sich hier dazwischen.




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Ein weiterer Schwerpunkt war die Überprüfung         sentlichen so umgesetzt. Und ich glaube, es ist
des Finanzierungs- und Veranlagungsmanage-                vorwiegend auch zu betonen, dass gerade die Ent-
ments. Wir haben es ja gerade gehört, welche Ge-          wicklung der Schülerzahlen, die eine klar steigende
meinden angeführt wurden. Ich kann hierbei nur            Tendenz aufweist, immerhin von 2004 bis 2008 um
sagen, es wird zukünftig noch schwerpunktmäßig            rund 24 Prozent zeigt, dass gerade auch die Inves-
Wert auf Beratung und Information gelegt. Und es          titionen in die Landesberufsschulen von großer
wird damit gerade den Gemeinden, auch speziell            Bedeutung sind.
bei Veranlagungen unter die Arme gegriffen und
damit das Risiko minimiert und versucht, natürlich            Der NÖ Landesrechnungshof erachtet daher
Veranlagungen bestmöglich langfristig auch zu             auch die vorgesehene Evaluierung der Prognose-
finanzieren.                                              berechnung zur Entwicklung der Schülerzahlen im
                                                          Hinblick auf künftige Personalplanungen sowie
     Zum Nachfrageverfahren 2008 darf ich erwäh-          Investitions- und Baumaßnahmen, für unbedingt
nen: Zwei Drittel der 40 Empfehlungen des Rech-           notwendig. Auch das sei in diesem Zusammenhang
nungshofes konnten mit einer besseren Wirkung             zu unterstreichen.
umgesetzt werden. Und ich glaube, das zeigt
schon, dass alleine diese Umsetzungsrate auch                  Im Bereich des Brandschutzes wurden keine
sehr positiv zu bewerten ist hier im Land Nieder-         gravierenden Mängel festgestellt. Es wurde ständig
österreich. Ich darf erwähnen, es wurden Verbesse-        an den laufenden Stand der Technik angepasst.
rungsvorschläge im Kinderbetreuungsangebot bei            Positiv ist beim Bedienstetenschutz hervorzuheben,
Betreuungseinrichtungen gemacht. Es wurde die             dass bis auf einen alle im Rahmen der Überprüfung
Nachhaltigkeit damit forciert. Mittel aus dem Katast-     festgestellten Mängel bereits behoben wurden.
rophenfonds brachten eine Erhöhung der Bewusst-
seinsbildung und damit natürlich auch eine Verrin-             Ich glaube, das zeigt, dass auch in diesem Be-
gerung der Schäden. Unterschiedliche gesetzliche          reich sehr, sehr gut gearbeitet wurde. Die Landes-
Regelungen und Kompetenzverflechtungen wurden             berufsschule Theresienfeld und Landesberufs-
daher auch mit ausreichenden Maßnahmen ge-                schule Waldegg, darf ich noch anführen, sind der-
setzt.                                                    zeit die einzigen Schulen, die Landessozialarbeits-
                                                          projekte anbieten. Auch da kann man sagen, der
    Die Umsetzung Natura 2000. Wesentliche                Erfolg ist für sich sprechend und wird natürlich auf
Schritte wurden in diesem Bereich gesetzt. Hoch-          andere Berufsschulen ausgeweitet und auch in
wasserschutz an der March. Das Ergebnis des               Niederösterreich damit umgesetzt um gerade einer
Rechnungshofes hat dazu geführt, Retentions-              vielfältigen Problematik im Jugendbereich auch hier
räume wurden zum Thema gemacht. Vielleicht ein            vorzubeugen. In dem Sinne glaube ich, diese Be-
Beispiel noch abschließend in diesem Bereich. Der         richte sind als solche sehr, sehr positiv zu werten
Gemeindeverband Schulgemeinde, Polyschule                 und wir werden dem auch die Zustimmung geben.
Krems. Auch hier hat es gerade durch die Rech-            (Beifall bei der ÖVP.)
nungshofauslegungen Verbesserungen in der Or-
ganisation und in der Aufgabenerfüllung gegeben.              Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort
Und die Überprüfung des Schulgebäudes konnte              gelangt Frau Abgeordnete Onodi.
somit auch Schäden minimieren. Also auch hier
eine sehr positive Bewertung, die letztendlich zu             Abg. Onodi (SPÖ): Sehr geehrter Herr Präsi-
Maßnahmen und Umsetzungen führt, die Einspa-              dent! Sehr geehrte Damen und Herren!
rungen und Nachhaltigkeit mit sich bringen.
                                                                Das Aus- und Umbauprogramm für die Berufs-
     Ich darf noch abschließend den Landesrech-           schulen in Niederösterreich, das wir vor einigen
nungshofbericht Landesberufsschule Theresienfeld          Jahren beschlossen haben, hat sich bewährt und
erläutern mit ein paar Bereichen. Ausgebildet wer-        hat wirklich auch in der Umsetzung gut funktioniert.
den hier Berufe wie Büro- und Großhandelskauf-            Und wir sehen das auch in dem Landesrechnungs-
mann, Lagerlogistik und viele Bereiche des Einzel-        hofbericht über die Landesberufsschule There-
handels. Und hervorzuheben ist vor allem, dass die        sienfeld. Es wurde der laufende Betrieb, die bauli-
Reduzierung des Energieverbrauchs und der Kos-            che Entwicklung, der aktuelle Bauzustand sowie
ten durch eine Wärmedämmung des oberen Ge-                Brand- und Bedienstetenschutz entsprechend kon-
schoßes des Schulgebäudes umgesetzt wird. Diese           trolliert. Und es konnte festgestellt werden, dass im
Maßnahme wird auch im Frühjahr 2010 durchge-              Prüfungszeitraum im Wesentlichen hier brandord-
führt. Weiters wird natürlich verstärkt auf die Ein-      nungsgemäß, bautechnisch und schulrechtlich den
haltung der vergaberechtlichen Vorschriften auch          Anforderungen entsprochen wird. Das gesamte
zukünftig zu achten sein. Auch das wird im We-            Objekt ist heute in seinem Wert, in seiner




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Gebrauchsfähigkeit gesichert. Was besonders auch          bildungsmaßnahmen in den NÖ Landesberufs-
wichtig ist.                                              schulen gestartet werden. Damit sind sie auch
                                                          Zentrum für die Region, bieten die Möglichkeit für
     Es wurde schon angesprochen, es gibt zwei            die Erwachsenen, dass sie hier Kurse besuchen
Pilotprojekte in den Berufsschulen Theresienfeld          können und dass sie hier auch Weiterbildungs-
und Waldegg. Und zwar geht es hier um die Schul-          maßnahmen besuchen können. Diese Entwicklung
sozialarbeit. Seit Februar 2007 wird in der Landes-       wird ausdrücklich vom Landesrechnungshof be-
berufsschule Theresienfeld diese Schulsozialarbeit        grüßt. In diesem Sinne möchte ich sagen, dass
angeboten. Und zwar werden zweimal wöchentlich            dieser Bericht ein sehr positiver Bericht ist. Dass
Beratungsstunden angeboten. Zusätzlich besteht            man sich dort, wo es noch einige Punkte der Kritik
aber die Möglichkeit für die Jugendlichen, mit Te-        gegeben hat, sehr bemüht, dies auch wieder aus-
lefon oder Email Kontakt mit den Mitarbeitern der         zubessern und an der Weiterentwicklung zu wer-
Sozialarbeit aufzunehmen. Im Bedarfsfall stellen          ken. Und damit ist auch gegeben, dass, wenn die
dann die Mitarbeiter der Sozialarbeit auch Kontakte       Hardware stimmt in den Landesberufsschulen,
mit externen Einrichtungen wie Krankenanstalten,          dass es dann auch die Möglichkeit gibt, eine sehr
Jugendämter und Fachärzten und dergleichen her.           gute Ausbildung zu genießen, was uns die Lehr-
Weiters werden aber auch Workshops und Grup-              linge immer wieder auch bestätigen. (Beifall bei der
penarbeiten angeboten.                                    SPÖ.)

     Diese beiden Pilotprojekte haben sich bewährt,           Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort
so wurden zum Beispiel in der Landesberufsschule          gelangt Frau Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
Theresienfeld in einem Schuljahr 400 Kontakte zur
Schulsozialarbeit registriert. Und das ist bemer-              Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-
kenswert! Daher fordert hier der Landesrechnungs-         ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und
hof eine konkrete Umsetzung der Schulsozialarbeit         Kollegen!
an allen Berufsschulen in Niederösterreich. Und
dazu kann man sagen, dass hier bereits diese Um-               Mein Debattenbeitrag wird sich auf den Bericht
setzung in vollem Gang ist. Die Standorte im In-          des Rechnungshofes über klimarelevante Maß-
dustrieviertel werden bereits voll versorgt. Die Imp-     nahmen der Länder im Bereich Energie erstrecken.
lementierung der Schulsozialarbeit im Mostviertel         Wir haben ja diesen Rechnungshofbericht schon
ist anhängig und bereits fast in Umsetzung. Und an        seit geraumer Zeit im Haus. Vielleicht kann sich
der Umsetzung an den Schulstandorten im Wald-             doch noch die eine oder andere daran erinnern,
und Weinviertel wird etappenweise im Jahr 2010            dass ich auch Auszüge davon im Zuge des Be-
gearbeitet.                                               richtes über die Energiesituation in Niederösterreich
                                                          verwendet habe.
     Erfreulich ist auch die Entwicklung der Schü-
lerzahlen in sämtlichen Landesberufsschulen. Vor               Alles was ich da seitens der ÖVP zu diesem
einiger Zeit haben wir doch auch die Befürchtungen        Bericht höre ist, dass wir in Niederösterreich gut
gehabt, dass die Schülerzahlen zurück gehen.              aufgestellt sind. Man geht so weit, dass man sich
Diese Befürchtung hat sich nicht bewahrheitet. Es         traut, auch öffentlich zu sagen, wir würden Klima-
gibt jetzt eben eine entsprechende Auflistung. Und        ziele erreichen. Viel mehr entspricht es der Wahr-
im Vergleich zum Schuljahr 2004 bis 2005 ist jetzt,       heit, dass natürlich auch Niederösterreich die
2008 bis 2009, in Theresienfeld alleine die Schüler-      Kyoto-Ziele nicht erreicht, so wie ganz Österreich
zahl um 24 Prozent gestiegen. Nämlich von 1.338           diese Ziele nicht erreicht.
auf 1.659. Diese Entwicklung können wir aber auch
in allen Landesberufsschulen sehen. Und daher ist              Ich glaube, jenen, die Wissen haben über die
es umso notwendiger, dass die Gebäude entspre-            Klimaentwicklungen, die Prognosen für die nächs-
chend gut umgebaut sind, dass sie erweitert sind          ten Jahre, Jahrzehnte, denen ging es ziemlich
und dass auch entsprechende Neubauten forciert            durch Mark und Pein was in Kopenhagen passiert
werden.                                                   ist. Nämlich dass nichts passiert ist! Wenn in
                                                          Kopenhagen 12.000 delegierte Menschen aus
     Eine weitere gute Entwicklung bei den Lan-           mehr als 120 Nationen, Staatschefs und –chefinnen
desberufsschulen ist sicherlich auch, dass die            gemeinsam übereinkommen sollten, dass es hier
Räumlichkeiten angeboten werden für Kurse, für            eigentlich um die Menschen geht. Die Welt wird das
ergänzende Angebote. Hauptsächlich natürlich für          überleben, die Welt wird es dann noch geben, aber
die Schüler und Schülerinnen die dort sind. Aber es       uns wird es nicht mehr geben. Dass es hier darum
laufen jetzt auch schon Untersuchungen, dass zu-          geht, dass wir gemeinsam und den nächsten Gene-
sätzliche Angebote an Weiter- und Erwachsenen-            rationen es noch ermöglichen, hier eine Welt, ein




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Klima vorzufinden, in dem man eben auch gut le-                            „Resolutionsantrag
ben kann.
                                                             der Abgeordneten Dr. Helga Krismer-Huber,
                                                         Dr. Madeleine Petrovic, Emmerich Weiderbauer
     Daher, auch so eine Vergleichszahl. Mich er-
                                                         und Amrita Enzinger MSc gemäß § 60 LGO 2001
schreckt es, wenn ich jetzt eben in dem Bericht
                                                         betreffend klimarelevante Maßnahmen bei der
lese, dass die Länder - da macht schon Nieder-
                                                         Wohnbausanierung und öffentlichen Gebäuden
österreich was, aber alle Länder gemeinsam, auch
kofinanziert mit dem Bund - im Zeitraum 2002 bis         zum Verhandlungsgegenstand Ltg. 382/B-5/4 -
2007 rund 430 Millionen Euro in die Hand genom-          Bericht des Rechnungshofes über klimarelevante
                                                         Maßnahmen der Länder im Bereich Energie (Reihe
men haben. Und wenn wir uns daran erinnern,
                                                         Niederösterreich 2009/6).
welche großen Konjunkturpakete wir in Nieder-
österreich geschnürt haben. Dass wir als Republik
für rund 100 Milliarden mittlerweile haften was die           Nach dem ernüchternden Verlauf der Klima-
Banken betrifft. Dann ist das eigentlich ein kleiner     konferenz von Kopenhagen, blickt die Welt nun
Tropfen auf einem sehr, sehr heißen Stein! Ein sehr      gespannt nach Mexiko City, wo im Dezember die
heißer Stein, der uns die Grad Celsius nur so in die     ‚16. Conference of the Parties’ (COP-16) stattfinden
Höhe treibt.                                             wird.

                                                              Während eine gut informierte Bevölkerung die
     Und wir können auch jetzt davon ausgehen,
                                                         katastrophalen Folgen einer nicht mehr aufzuhal-
dass eben das Versagen der Republik und damit
                                                         tenden Klimaveränderung sehr genau kennt, zögert
auch Niederösterreich … und am Ende, wenn
                                                         die Politik, allen voran die österreichische Bundes-
Kyoto ausläuft, wir die Zertifikate, also das heißt,
                                                         regierung, verbindliche Reduktionsziele festzulegen
dafür, dass wir es nicht geschafft haben, können
                                                         und gefährdet damit nicht weniger als die Zukunft
wir dann noch CO2-Tonnen zukaufen, wird uns das
                                                         der Menschheit. Es scheint, als würden alle wis-
im Staat mit rund einer Milliarde belasten. Und das
                                                         senschaftlichen Erkenntnisse über die Klimaverän-
wird sich natürlich wieder ’runterschlagen nicht nur
                                                         derung und deren dramatische Folgen bei den Poli-
bis zum Land Niederösterreich, sondern auch auf
                                                         tikern einfach nicht ankommen.
unsere Gemeinden.

     Das heißt, wir sind jetzt an einem Punkt ange-
kommen, wo man wirklich Geld in die Hand neh-
men muss. Das, was wir auf diesen Weg gebracht
haben im Bereich Wohnbauförderung, im Bereich
Gemeinden hinzubringen Energieautarkie-Kon-
zepte zu machen, auch Bilanzen zu machen, ja,
das müssen wir jetzt ernst nehmen. Das ist auch
das, was wir die nächsten fünf bis zehn Jahre in
Niederösterreich schaffen müssen, und zwar über
die Parteigrenzen hinweg. Wir können uns das
schlicht und ergreifend auch nicht leisten. Und zwar
die nächste Generation kann sich das nicht leisten!
(Beifall bei den Grünen.)

    Und ich glaube, so wie wir das auch beim
Ökostromgesetz gemacht haben, wo wir alle ge-
meinsam an die Bundesregierung appelliert haben,              2 Wochen lang verhandelten 15.000 Delegierte
sie möge uns ein vernünftiges Ökostromgesetz             und 120 Staatschefs in Kopenhagen, am Ende
präsentieren als eine Verordnung - das haben wir,        herrschte Katerstimmung im Bella Center. Lediglich
glaube ich, zweimal im NÖ Landtag gemacht. Der           ‚zur Kenntnis genommen’ haben die 193 Mitglieds-
Bund hat jetzt eine Verordnung erlassen, von der         staaten, dass sich die Erde maximal um 2° Celsius
ich glaube, dass Sie mehrheitlich nicht im Sinne         erwärmen soll. Verpflichtungen sind sie nicht ein-
von Niederösterreich ist. Und daher möchte ich           gegangen. Dabei sind die Folgen einer Tempera-
dem Hohen Landtag folgenden Antrag zum Be-               turerhöhung von nur 1,5° Celsius weithin bekannt
schluss vorlegen (liest:)                                und wissenschaftlich belegt.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Während Schweden eine CO2 Reduktion von                 Der Hohe Landtag wolle beschließen:
16% gelungen ist, hat sich der CO2 Ausstoß in
Österreich um 13% erhöht. Eine ernüchternde Bi-               Die Landesregierung wird aufgefordert in Ko-
lanz.                                                    operation mit der Bundesregierung, den Regierun-
                                                         gen der anderen Bundesländer, den Gemeinden
     Schätzungen von Greenpeace zufolge wird             und den in Österreich tätigen Umweltinstitutionen
das die Republik Österreich über € 1 Milliarde an        an der Erstellung eines wirksamen Konzeptes zur
Zertifikatankäufen kosten und zu einem Vertrags-         Erfüllung der internationalen Klimaverpflichtung
verletzungsverfahren führen.                             Österreichs sowie der selbst angestrebten Umwelt-
                                                         ziele mitzuwirken, die Beschlussfassung entspre-
     Will die Welt den unverbindlichen ‚Copenhagen       chender Normen auf Bundes- & Landesebene vor-
Accord’ umsetzen, die Erwärmung der Erde bei +2°         anzutreiben sowie Wirtschaft (Industrie und Ge-
Celsius zu begrenzen, müsste der Ausstoß an CO2          werbe) und Haushalte durch Informationen und
in den Industrieländern um 80% reduziert werden.         Anreize (Förderungen) in die Lage zu versetzen,
Wissenschafter sprechen bereits jetzt von einem          optimale Beitrage zu einer Verbesserung der öster-
irreversiblen Vorgang, der nur noch begrenzt, aber       reichischen Klimabilanz erbringen zu können.“
nicht mehr verhindert werden kann. Die Folgen bei
einer Erwärmung von ‚nur’ 2° plus bis zum Jahr                Es geht jetzt nicht darum, dass ich sage, wir
2100 für die Menschheit sind dramatisch:                 brauchen da Konzepte und als würde sie die nicht
                                                         geben. Was man braucht, ist, dass das Chefsache
   ein vermehrtes Auftreten von Wirbelstürmen,          ist und Chefinnensache in den Bundesländern. Und
    Fluten, Waldbränden und anderen Natur-               dass man da wirklich in alle Bereiche hineingehen
    katastrophen                                         muss. Wir wissen ganz genau, dass unser größter
   Dürre in Afrika und karge Ernten trotz Bevölke-      Energietreiber der Verkehr ist. Das sagt auch die
    rungswachstum mit Hungersnöten in bisher             Kollegin Enzinger immer. Und es gibt auch einige
    ungeahntem Ausmaß                                    aus anderen Fraktionen, die durchaus sehen, dass
   Abschmelzen der Polkappen                            wir da auf die Überholspur müssen. Wir müssen
                                                         weg vom individualisierten motorisierten Verkehr.
     Die Menschheit verursacht jährlich 8 Milliarden     Sondern wir müssen das auf die Schiene bringen.
Tonnen CO2 Emissionen, jede Österreicherin und           Und da müssen wir Geld in die Hand nehmen und
jeder Österreicher verursacht statistisch betrachtet     da hilft auch kein Jammern. Das, was wir heute
über 10 Tonnen CO2 pro Jahr. Es ist bei dieser           investieren, ist das, was die Zukunft braucht. Auf
Entwicklung, die den gesamten Planeten gleicher-         die Schiene und schauen, dass wir alle an Bord
maßen betrifft, aber wenig sinnvoll nach dem             haben. Dass die CO2-Reduktion auch endlich be-
Floriani Prinzip auf die Hauptverursacher China und      ginnt und nicht nur weiter die Steigerung im totalen
die USA zu deuten, jedermann und jedefrau-? ist          Energieverbrauch, wie es eben auch in dem Zeit-
angehalten bei sich selbst zu beginnen und mit           raum in Niederösterreich war mit plus 7,8 Prozent.
gutem Beispiel voran zu gehen.
                                                              In dem Sinne hoffe ich, dass wir gemeinsam
     Die Kosten für Klimaschutzmaßnahmen                 an die Bundesregierung appellieren können und
schätzt Brüssel auf € 100 Milliarden ab 2010. Jähr-      auch uns selber, die wir ja viele Gemeindevertrete-
lich. Ein Drittel davon soll die EU und damit auch       rinnen und –vertreter sind, auch selber in die Pflicht
Österreich zahlen. Diese Beträge die uns als Zah-        nehmen und das auf Schiene bringen. Danke!
lungen in der Zukunft drohen, jetzt in Klimaschutz-      (Beifall bei den Grünen.)
maßnahmen zu investieren ist zukunftsorientierte
Politik, die kommende Belastungen nicht aus-                 Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort
schließlich auf die nachfolgenden Generationen           gelangt Herr Abgeordneter Ing. Huber.
abwälzt.
                                                             Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrter Herr
     Um den unerfreulichen Entwicklung endlich           Präsident! Hoher Landtag!
effektive gegen zu steuern, sind unmittelbare und
umsetzbare Maßnahmen erforderlich, die auch                   Ich komme noch einmal zurück zum Landes-
positive wirtschaftliche Impulse schaffen und ein        rechnungshofbericht Landeskrankenhaus Krems.
Potential von rund 75,000 ‚green Jobs’ haben.            Kollege Kernstock hat eigentlich mit seiner Wort-
                                                         meldung, mit der Aufzählung der Ergebnisse auf-
    Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:      gezeigt, wie wichtig es ist, immer wieder unsere




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Landeskrankenhäuser zu überprüfen. Was auffällt           von 81 Prozent. Erlöse von 81.456 Euro stehen
ist eigentlich, wenn so Prüfberichte über die Lan-        Kosten von 432.000 Euro gegenüber. Alles kein
deskrankenhäuser vorliegen, dass man eigentlich           Problem. Gesundheit muss uns was wert sein. Nur
immer wieder auf die gleichen Mängel stößt. Und           allein die Personalkosten beliefen sich auf 319.000
die liegen eigentlich hauptsächlich im organisatori-      Euro. Das sind 74 Prozent von den Ausgaben.
schen Bereich.
                                                               Man ist dann auch weiterhin immer wieder ge-
    Ich möchte hier auch den Beamten des Lan-             warnt worden, dass hier wirklich eine Reorganisa-
desrechnungshofes danken, dass sie diese Auf-             tion notwendig ist. Und dass nur bei wirklich konse-
gabe auf sich nehmen und immer wieder mit ihren           quentem Vorgehen. Nur, es ist seither nichts pas-
Berichten zeigen, wie wichtig ihre Aufgabe ist.           siert. Mittlerweile hat eine Oberärztin faktisch die
                                                          Leitung übernommen, weil der Institutsleitung nach
     Ich möchte mich bei meiner Wortmeldung auf           eigener Definition wörtlich als Botschafter tätig ist
zwei Sachen kurz beziehen. Und zwar geht es um            und seine Aufgabe in der Vernetzung nach außen
die Gangbetten. Ich glaube, es ist in Krankenhäu-         sieht. Er hat dafür eine mobile EDV-Anlage be-
ser in den letzten Jahren derartig viel investiert        kommen, ein Mobiltelefon usw. (Abg. Rinke: Der ist
worden, dass es möglich sein muss, dass diese             in Pension! Den gibt’s ja gar nicht mehr!)
Gangbetten nicht mehr notwendig sind. Es wird
auch immer wieder versucht, es wird die Reduktion              Ich glaube, das ist nicht Aufgabe eines Insti-
der Gangbetten organisatorisch versucht zu verän-         tutsleiters. Hier entstehen Kosten, wenn auch keine
dern. Aber wenn man sich diesen Bericht anschaut,         Millionenbeträge. Aber es ist ein Sittenbild wie teil-
dann stimmt hier in der Organisation einiges nicht.       weise gearbeitet wird und wie Geld verschwendet
Es geht ganz klar hervor, die sechs Betten in der         wird.
Chirurgie waren im Zeitraum von Juli 2008 bis in-
klusive März 2009 nach Belagstagen nur zu 59,3                 Das ganze Positive an dem ganzen Bericht an
Prozent ausgelastet. Wenn man das auf die Chirur-         der angewandten Sportmedizin in Krems ist, dass
gie beschränkt, sind wir froh, dass sie nur so            der Leiter des Instituts pensionsbestimmt am 28.
schlecht ausgelastet waren. Bei der Urologie über-        Februar 2007 seine Funktion beendet. Wenn man
haupt nur 47 Prozent und bei anderen Stationen            sieht, 2006 wurde das sehr klar aufgezeigt. Aber
kam man annähernd auf 100 Prozent.                        man hat trotzdem gewartet, bis er seinen wohl ver-
                                                          dienten Ruhestand erleben darf und antreten darf.
     Trotzdem Gangbetten. Ich glaube, in Zeiten
wie diesen, in Zeiten, in denen wirklich viel Geld              Ich glaube wirklich, ein bisschen mehr Finger-
investiert wird, muss es auch die Organisation ei-        spitzengefühl in der Führung von Krankenhäusern
nes Krankenhauses ermöglichen, dass Gangbetten            würde das Geld dorthin bringen, wo es notwendig
nicht mehr notwendig sind.                                ist. (Beifall bei der FPÖ.)

     Eine zweite Sache, die mir am Herzen liegt, ist         Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
das Institut für Präventiv- und angewandte Sport-         gemeldet Herr Abgeordneter Findeis.
medizin am Landeskrankenhaus Krems. Es wurde
1993 sanitärbehördlich bewilligt und bescheidmäßig            Abg. Findeis (SPÖ): Sehr geehrter Herr Prä-
ein Leiter bestellt. Die Stellenbeschreibung bzw. die     sident! Meine Damen und Herren! Hohes Haus!
Aufgaben dieser Abteilung wurde vom Leiter mit 11.
Dezember 1990 beschrieben. Da steht sogar im                  Der Jahresbericht des Rechnungshofes zeigt
Bericht drinnen, das wurde eher allgemein gehal-          eindrucksvoll die vielfältige und umfassende Arbeit
ten. Es sind drei Schritte: Diagnose der Gesamt-          dieses wichtigen Kontrollorgans. Daher möchte ich
person, Analyse der bestimmenden Faktoren, Pro-           meinen herzlichen Dank am Anfang meiner kurzen
grammerstellung zur Verbesserung der Ausgangs-            Ausführungen stellen. Zum Einen möchte ich mich
situation.                                                herzlich bei allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
                                                          des Rechnungshofes bedanken, die immer wieder
    Wenn man mit so einer Argumentation, mit so           höchst gewissenhaft und mit größter Sorgfalt als
einem Konzept eine ganze Abteilung bekommt, gut,          wichtige Kontrollinstanz fungieren.
wenn man es sich leisten kann, ist es in Ordnung.
Es hat von Anfang an beträchtliche wirtschaftliche            Die Kontrollfunktion, aber auch die Empfehlun-
Probleme gegeben. Es wurden dann verschiedene             gen des Rechnungshofes, sind immer wieder ein
Studien erstellt um diese Probleme in den Griff zu        wichtiges Regulativ, aber auch ein wichtiger Im-
bekommen. Es zeigt die Analyse der Wirtschafts-           pulsgeber für viele Bereiche der öffentlichen Ver-
daten von 2006 einen negativen Deckungsbeitrag            waltung.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


      Der vorliegende Bericht des Rechnungshofes         bisschen Recht geben im Zusammenhang mit einer
über das Nachfrageverfahren über den Stand der           überaus positiven Berichterstattung. Ich verstehe
Umsetzung, der Empfehlungen aus dem Jahr 2008            das, du bist das deiner Anschauung und deiner
stellt den NÖ Gemeinden weitgehend ein recht             Fraktion schuldig, auch das hier zu sehen. Aber ich
gutes Zeugnis aus.                                       denke, dass wir schon insgesamt eines erkennen
                                                         müssen was dieser Bericht aussagt: Dass eben
     Auf kommunaler Ebene wurden in Niederöster-         hier die Ziele, die Kyoto-Ziele wirklich weit verfehlt
reich vom Rechnungshof insgesamt 73 Empfehlun-           wurden.
gen ausgesprochen, davon wurden mehr als die
Hälfte bereits umgesetzt. Bei einem weiteren Drittel          Und das Untersuchungsjahr, das eigentlich
wurde die Umsetzung zugesagt und lediglich 12            noch zur Ergänzung ist, das Jahr 2006: Ausgehend
Empfehlungen blieben offen. Diese bislang nicht          vom Jahr 1990, wo der Treibhausgasemissions-
umgesetzten Empfehlungen sind so etwas wie der           ausstoß von 79,2 Millionen Tonnen betrug, zu 91,1
Wermutstropfen in dem ansonsten durchaus er-             Millionen Tonnen im Jahr 2006 wurden natürlich
freulichen Bericht.                                      dramatisch überschritten. Das ist eine gewaltige
                                                         Tonnage an CO2-Ausstoß. Und hier ist es wirklich
     Es sollte daher der Ansporn sein, auch die          an der Zeit, künftighin in der Tat aktiv tätig zu wer-
noch ausständigen Punkte so rasch wie möglich zu         den.
erfüllen. Ich möchte mich deshalb angesichts dieser
guten Beurteilung, die der Rechnungshof den                   Sicherlich ist das auch teilweise seit dem Jahr
Kommunen in weiten Teilen gibt, aber bei den Ge-         2002 ein bisschen ungünstig gelaufen, wir wissen
meinden den politischen Verantwortungsträgern            das alle. Bund, Länder, Streitigkeiten. Teilweise
und –trägerinnen, aber vor allem auch bei den tau-       muss man dann wirklich sagen, in Kompetenz und
senden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den          wer schiebt wem den schwarzen Peter zu und wer
Gemeindestuben bedanken, ohne deren hervorra-            muss was machen und wer nicht, hat natürlich das
gende Arbeit eine solche gute Bewertung nicht            in die Länge gezogen. Obwohl 2004 und 2008 zu-
möglich wäre.                                            mindest einmal eine Konkretisierung der Maßnah-
                                                         men stattgefunden hat, die aber sozusagen einigen
    Denn die Gemeinden haben eine Vielzahl von           etwas gebracht haben und einiges auch umgesetzt
Aufgaben zu erledigen. Sie sind die unmittelbaren        wurde, auch das muss man sagen, aber trotzdem
und ersten Ansprechpartner der Bürgerinnen und           viel zu wenig weit gegangen sind.
Bürger. Die Kommunen sind ein wichtiger Wirt-
schaftsfaktor in den Regionen als Arbeitgeber wie             In absoluter Zahl ist es so, dass das Kyoto-Ziel
als Auftraggeber der Wirtschaftsbetriebe. Sie            um 22,3 Millionen Tonnen CO2, Untersuchungsjahr
gestalten maßgeblich unser aller unmittelbares           2006, weit verfehlt wurde. Und es ist hier schon
Lebensumfeld.                                            festzustellen, und ein bisschen nachdenklich an-
                                                         zumerken, dass diese Millionen Tonnen mehr CO 2-
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ho-           Ausstoß insgesamt so manche Lunge von Nieder-
her Landtag! Ich möchte meine Ausführungen nicht         österreicherinnen und Niederösterreichern brennen
über Gebühr in die Länge ziehen. Abschließend            hat lassen. Obwohl, ausgehend jetzt von den
möchte ich nur noch einmal meinen herzlichen             Rechtsnormen her, wie die Rechtsvorschriften der
Dank aussprechen für die hervorragende Arbeit, die       EU es bereits im Jahre 2002 mit der Zahl 385, die
der Rechnungshof auch im vergangenen Jahr ge-            Entscheidung des Rates vom 25. April über die
leistet hat. Danke! (Beifall bei der SPÖ.)               Genehmigung des Protokolles, also von hier weg
                                                         ist, EU-intern der so genannte Start, ja? Dann hat
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort               es gegeben die Nummer EG 2.291, Richtlinie des
gelangt Herr Abgeordneter Sulzberger.                    Europäischen Parlamentes und des Rates mit 16.
                                                         Dezember 2002 über Gesamtenergieeffizienz von
    Abg. Sulzberger (FPÖ): Sehr verehrter Herr           Gebäuden, das wir auch eben in diesem Hohen
Präsident! Geschätzte Damen und Herren des Ho-           Haus schon des Öfteren behandelt haben und in
hen Hauses!                                              dieser Richtung auch weitgehende Übereinstim-
                                                         mungen erzielt haben.
     Ich berichte zu Ltg. 382/B-5/4, Rechnungshof-
bericht klimarelevante Maßnahmen der Länder im                Dann in weiterer Folge im Jahr 2006 mit der
Bereich der Energie. Die Überprüfung wurde vom           Zahl 32 auch wieder vom Europäischen Parlament
Jahr 2002 bis 2007 in allen Bundesländern durch-         und des Rates mit Verordnung vom 5. April 2006
geführt. Geschätzter Kollege Pum, ich muss der           über die Energieeffizienz und Endenergiedienst-
Frau Abgeordneten Dr. Krismer-Huber schon ein            leistungen.




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Wir wissen alle mitsammen, dass sich Öster-          durch EU und Bund: Eine Gesamtaufwendung von
reich als Gemeinschaft und völkerrechtlich dazu           96,6 Millionen.
verpflichtet hat, eben die Reduktion um 13 Prozent
gegenüber dem Basisjahr 1990 durchzuführen.                    Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es
Aber es ist leider, wie schon gesagt, das Gegenteil       ist wirklich an der Zeit, dass das Land Niederöster-
eingetreten.                                              reich mit seinem Programm bis 2013 wirklich jetzt
                                                          einmal hier in die Umsetzungstat geht. Und ich
     Wir wissen, dass in diesem Zeitraum um ins-          denke, dass der Resolutionsantrag der Grünen, der
gesamt 8 Prozent der CO2-Ausstoß leider ange-             in vielen, vielen Punkten auch unsere Zustimmung
stiegen ist. Und einige Zahlen dazu: Der energeti-        hat, bezogen jetzt auf unser eigenes Programm
sche Endverbrauch betrug in Niederösterreich in           Niederösterreich, dass wir hier tätig werden sollen
Terrajoule 17.033, das ist ein Anteil sozusagen von       und unser Augenmerk in diese Richtung dann le-
7,8 Prozent. Wir liegen hier ungefähr so in der           gen, was in der Tat geschehen wird. Und derzeit
Mitte. Kärnten liegt wesentlich darüber mit 14 Pro-       eben keine Notwendigkeit besteht. Die Freiheitli-
zent und Wien mit den geringstem Ausstoß mit 4,3          chen werden diesen Antrag nicht unterstützen.
Prozent.                                                  Danke! (Beifall bei der FPÖ.)

     Das, was der Rechnungshof in seiner weiteren             Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
Ausführungen und Bericht noch darlegt, ist, dass es       gelangt Herr Abgeordneter Mag. Leichtfried.
fehlende Strategiepapiere gegeben hat, vor allem
in den Ländern Tirol, Steiermark und Burgenland.              Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Sehr geehrter
Das betrifft Gottseidank Niederösterreich nicht. Das      Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Landeshaupt-
ist zum Einen einmal lobenswert. Aber der Bericht         mannstellvertreter! Meine sehr geehrten Damen
sagt auch weiter, er konnte keine konkreten Ein-          und Herren des Hohen Hauses!
sparungspotenziale je Maßnahmenprogramm in
den Ländern hinsichtlich der CO2-Reduktion beur-                Ich darf ebenfalls zur Vorlage klimarelevante
teilen, da es, leider, im Ländervergleich unter-          Maßnahmen, zum Rechnungshofbericht kurz Stel-
schiedliche Anwendungen der Ermittlungsmetho-             lung nehmen. Nachdem einige meiner Vorredner
den gibt. Und das ist natürlich auch einmal eine          bereits zu diesem Bericht gesprochen haben und
wichtige Sache, dass hier auch der Bund in Vorlage        vieles bereits erörtert wurde, wozu ich ebenfalls
treten muss um hier eindeutige klare Ziele vor-           meine Zustimmung geben kann, kann ich das rela-
zugeben.                                                  tiv straff und kurz halten.

     Bezogen auf die Förderungseffizienz möchte                Ich bin zunächst einmal dem Rechnungshofbe-
ich noch anfügen, dass eben eine genaue Beurtei-          richt auch sehr dankbar, dass wir ein klares Zah-
lung, so heißt es im Bericht, der Fördereffizienz auf     lenmaterial haben. Ein klares Zahlenmaterial ha-
Grund fehlender einheitlicher Berechnungsmetho-           ben, das uns sehr deutlich vor Augen führt, dass
den auch nicht möglich war. Also auch hier ist ein        tatsächlich Österreich – und damit auch die Bun-
gewaltiger Verzug festzustellen und müssten unbe-         desländer – säumig sind. Säumig sind in der Be-
dingt Nachbesserungen hier, wenn man den Be-              kämpfung der Klimaveränderung. Wenn wir die
richt ernst nimmt, im heurigen Jahr sozusagen er-         Zahlen hernehmen und sehen, dass Österreich als
folgen.                                                   einziges Land der EU 15 sozusagen hier ein Plus
                                                          von 13 hat und alle anderen ein Minus haben, dann
    Die Förderausgaben von 2002 bis 2007 in Nie-          ist das nicht nur ein Alarmzeichen, sondern es
derösterreich waren an Landesmitteln 28,60 Millio-        sollte uns tatsächlich anregen, hier noch mehr als
nen Euro. Die Kofinanzierung von EU und vom               bisher zu machen.
Bund mit 31,82 ergibt eine Gesamtsumme von
60,420.000 Euro.                                               Ich bin nicht der, ich sage das immer wieder
                                                          hier, der sich hier herstellen wird und sagt, Nieder-
     Jetzt muss man schon zum Vergleich Ober-             österreich tut nichts. In Niederösterreich geschieht
österreich anführen. Also dort liegt die Zahl gewal-      einiges! Und das kommt auch aus diesem Rech-
tig höher. Und man kann Oberösterreich hier schon         nungshofbericht heraus, dass wir in vielen Berei-
beispielgebend aufzeigen. Und zwar wurden an              chen vielleicht sogar noch ein bisschen besser sind
Landesmitteln in Oberösterreich 63,94 Millionen           als die anderen Bundesländer. Das sollte uns aber
angewandt, also gegenüber 28,6 in Niederöster-            nicht dazu verleiten, die Hände in den Schoß zu
reich, und das sagt schon einiges aus. Ja? Also da        legen und zu sagen, bei uns ist alles in Ordnung.
muss sich Niederösterreich gewaltig anstrengen.           Wir brauchen nichts tun, die anderen Bundesländer
Die Kofinanzierungen liegen etwa gleich bei 32,72         sind mehr oder weniger gefordert.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Natürlich haben wir zwei Klimaprogramme be-               Abg. Edlinger (ÖVP): Sehr geehrter Herr Prä-
reits beschlossen. Natürlich haben wir es auch             sident! Herr Landeshauptmannstellvertreter! Werte
erreicht, gerade auch auf Drängen der anderen              Damen und Herren des Hohen Hauses!
Parteien hier in diesem Haus, und dann gemein-
sam erreicht, dass wir auch eine Evaluierung all                 Ich werde in meiner Stellungnahme zum Be-
dieser Maßnahmen haben, die hier in diesem Be-             richt des Landesrechnungshofes über das Landes-
reich gesetzt werden. Aber wir müssen auch fest-           klinikum Krems Stellung nehmen. Es geht hier um
stellen, dass auch Niederösterreich – und das ist          den Prüfzeitraum, des Rechnungsjahres 2008. Seit
schon gesagt worden – sein Ziel bei weitem nicht           dem Jahr 2008 sind ja alle NÖ Krankenhäuser un-
erreicht hat. Und der Rechnungshof hat sehr, sehr          ter dem Dach der Landeskliniken-Holding organi-
deutlich gemeint, die Länder sind säumig, es sind          siert. Wobei das Landesklinikum Krems hier schon
größere Anstrengungen erforderlich. Und der                seit 2006 bei der Landeskliniken-Holding unterge-
Rechnungshof hat auch gemeint, mehr Technolo-              bracht ist.
gieförderung, vor allem im Bereich der Energieeffi-
zienzprogramme ist notwendig.                                    Der wesentliche Kritikpunkt ist das Fehlen ei-
                                                           nes regionalen Strukturplanes, der mit dem nieder-
     Und ich denke mir, gerade wir in Niederöster-         gelassenen Bereich und dem Bereich der Landes-
reich, die wir sehr stolz sind und sagen, wir sind die     kliniken hier in Ausarbeitung ist. Das Ergebnis die-
Vorzeigeregion, wir sind das Vorzeigebundesland -          ses Planes wird für Mitte des heurigen Jahres erar-
und wir haben ja heute noch eine Aktuelle Stunde           beitet. Und das ist dann noch die Grundlage für den
vor uns, wo es darum geht, Niederösterreich als            neu zu erstellenden Landeskrankenanstaltenplan,
Vorzeigebundesland für Wissenschaft und Tech-              der hier den stationären und den ambulanten Be-
nologie hier zu präsentieren -, gerade auf diesem          reich mit den verschiedenen Fachabteilungen ent-
Sektor könnten wir aber jetzt wenn es darum geht –         sprechend regeln soll.
und das ist Technologie, das ist Wissenschaft – im
Bereich der Energieeffizienz, im Bereich des Ener-              Das heißt, dass mit der Übernahme aller Kran-
giesparens, im Bereich der Energiebereitstellung,          kenhäuser durch die Klinikenholding hier unter
im Bereich der Elektromobilität. In allen diesen           einem Dach erst in den kommenden Jahren auch
Bereichen könnten wir viel mehr in die Forschung           die Vorteile einer einheitlichen Führung hier zutage
investieren.                                               treten werden. Und dass in den einzelnen Häusern
                                                           mit dem erarbeiteten Krankenanstaltenplan und
     Und das müsste der zukünftige Weg sein. Es            auch in den einzelnen Häusern mit interdis-
würde uns damit auch gelingen, -zig tausende               ziplinären Bettenkontingenten die unbefriedigende
grüne Jobs, -zig tausende Ökojobs zu schaffen.             Situation von Gangbetten auch bald der Vergan-
Ökojobs, die tatsächlich nachhaltig sind. Ökojobs,         genheit angehören wird.
die Niederösterreich auch als Exportland positionie-
ren würden. Und ich denke, da sollten wir einen                 Eine ganze Reihe von Punkten wurde hier
gemeinsamen Nenner finden, in diesen Bereich               festgestellt vom Landesrechnungshof, die mittler-
auch tatsächlich in Zukunft tatkräftiger als bisher        weile bereits durchgeführt sind. Oder bei denen die
hineinzugehen. Sonst werden wir letztendlich diese         Umsetzung bereits eingeleitet wurde, von den ver-
Ziele nicht erreichen. Und auch daran beteiligt sein,      schiedensten Liegenschaftsunterlagen, Stellenbe-
wenn es um die Strafzahlungen geht. Auch daran             schreibungen und entsprechenden Vorgaben, etwa
beteiligt sein, wenn es darum geht auszugleichen           im Bereich Kinderschutzgruppe, Ausgabendynamik,
durch Kauf von Zertifikaten.                               aber auch der Innenrevision, die hier neu organi-
                                                           siert werden soll. Diese Punkte sind bereits in Um-
    Wir werden daher auch dem Antrag, der von              setzung oder bereits umgesetzt.
den Grünen gestellt wurde, diesem Resolutionsan-
trag natürlich, weil er genau unseren Intentionen              Ich komme daher zu einem weiteren Punkt, der
entspricht, auch die Zustimmung geben. (Beifall bei        vom Rechnungshof überprüft wurde. Und zwar die
der SPÖ.)                                                  Nachkontrolle der landwirtschaftlichen Fachschule
                                                           in Warth. Hier hat der Landesrechnungshof im Jahr
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                 2006 einen Bericht verfasst, der im vergangenen
gelangt Herr Abgeordneter Edlinger.                        Jahr nachkontrolliert wurde um den Stand der Um-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode       21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


setzung der Feststellungen hier zu überprüfen. Die           Zweiter Präsident Nowohradsky: Die Red-
meisten Feststellungen des Landesrechnungshofes         nerliste ist erschöpft. Der Berichterstatter hat das
wurden in der Zwischenzeit umgesetzt und eine           Schlusswort.
entsprechende Verbesserung hier erreicht und
auch in verschiedenen angeführten Punkten mitt-              Berichterstatter Abg. Ing. Hofbauer (ÖVP):
lerweile die Rechtssicherheit hergestellt.              Ich verzichte!

      Die Kritik an den noch nicht durchgeführten            Zweiter Präsident Nowohradsky: Er ver-
baulichen Sanierungs- und Reparaturarbeiten und         zichtet. Wir kommen daher zur Abstimmung. (Nach
der fehlenden Wartung vom Instandhaltungsplan           Abstimmung über den vorliegenden Sammelantrag
wurde in der Stellungnahme der NÖ Landesregie-          des Rechnungshof-Ausschusses, Ltg. 465/B-1:) Ich
rung mit dem mittlerweile hier im Landtag be-           stelle Einstimmigkeit fest.
schlossenen Ausbauprogramm für alle niederöster-
reichischen landwirtschaftlichen Fachschulen für             (Nach Abstimmung über den vorliegenden An-
die Jahre 2009 bis 2014 begründet. In diesem Pro-       trag des Rechnungshof-Ausschusses, Ltg. 448/B-
gramm sind für den Standort Warth insgesamt 7,86        2/4:) Ich stelle ebenfalls Einstimmigkeit fest.
Millionen Euro für die Generalsanierung veran-
schlagt. Das Konzept dafür sieht umfassende In-              (Nach Abstimmung über den vorliegenden An-
vestitionen in Schul- und Internatsgebäuden eben-       trag des Rechnungshof-Ausschusses, Ltg. 382/B-
falls vor wie die Sanierung und Modernisierung der      5/4:) Ich stelle ebenfalls Einstimmigkeit fest.
Lehrwerkstätten und der Wirtschaftsgebäude. Da-
mit werden für die Zukunft zeitgemäß ausgestattete          Nun kommen wir zum Resolutionsantrag der
Räumlichkeiten mit der entsprechenden Technik           Abgeordneten Dr. Helga Krismer-Huber u.a. betref-
den Schülerinnen und Schülern, dem Lehr- und            fend klimarelevante Maßnahmen bei der Wohnbau-
Wirtschaftspersonal auch am Standort Warth zur          sanierung und öffentlichen Gebäuden. (Nach Ab-
Verfügung stehen.                                       stimmung:) Ich stelle fest, dass dieser Antrag mit
                                                        den Stimmen der SPÖ und den Grünen nicht die
      In Summe kann man sagen, dass wir die Be-         Mehrheit hat, daher nicht angenommen wurde.
richte des Rechnungshofes zur Kenntnis nehmen
werden und dass an der Umsetzung der festge-                 Wir kommen nun zum Geschäftsstück Ltg.
stellten Maßnahmen bereits gearbeitet wird.             469/B-53/1. Es ist hiefür gemäß § 42 Abs.1 LGO
                                                        die Zustimmung des Landtages zum Abgehen von
     Zum Resolutionsantrag der Grünen darf ich          der 24-Stundenfrist für die Verteilung der Anträge
anführen, dass es richtig ist wie es hier gefordert     an die Damen und Herren Abgeordneten erforder-
wird, dass jeder seinen Beitrag leisten muss um         lich. Wird diesem Abgehen zugestimmt? Die Zu-
das Gesamtziel zu erreichen. Das Land Nieder-           stimmung besteht von SPÖ, ÖVP und Grünen,
österreich hat mit dem Klimaprogramm 2004 bis           gegen die Stimmen der FPÖ. Daher wird dieser
2008 und dem Fortsetzungsprogramm 2009 bis              Antrag angenommen. Ich ersuche Herrn Abgeord-
2012 267 Maßnahmen aufgezeigt und arbeitet an           neten Moser, die Verhandlungen zu Ltg. 469/B-
der Umsetzung dieser Maßnahmen. Und hat damit           53/1 einzuleiten.
dort, wo das Land selbst Einflussmöglichkeiten hat,
auch sehr wesentliche Punkte zur Erreichung der              Berichterstatter Abg. Moser (ÖVP): Herr
Klimaschutzziele bereits gesetzt. Von der Wohn-         Präsident! Geschätzte Damen und Herren! Ich be-
bauförderung, der Förderung erneuerbarer Ener-          richte zu Ltg. 469/B-53/1.
gieträger, Nah- und Fernwärmeanlagen um nur
einige Beispiele zu nennen, schon sehr wesentlich           Es geht hier darum, dass der Landtag von Nie-
dazu beigetragen, dass wir an der Erreichung der        derösterreich in der Sitzung vom 2. Juli 2009 den
Klimaschutzziele arbeiten, auch wenn die Ziele          Antrag betreffend Veranlagung des Landes Nieder-
noch nicht so erreicht werden und worden sind wie       österreich, Richtlinien zum Beschluss erhoben hat.
wir uns das vorgestellt haben. Aber dort, wo wir
Einfluss haben, haben wir gearbeitet. Wir fordern           Durch den am 2. Juli 2009 zum Beschluss er-
nicht nur, wir setzen auch um und werden daher          hobenen Antrag wurde in Ergänzung zu den vom
dieser Resolution nicht die Zustimmung geben.           NÖ Landtag bereits beschlossenen Eckpunkten die
Danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall bei der          Veranlagung weitere Vorgaben beschlossen. Ins-
ÖVP.)                                                   besondere ist bei der Veranlagung des Vermögens




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


des Landes Niederösterreich folgendes zu beach-            ihn mir jetzt wieder durchgelesen, weil - ich war
ten: Es sind hier im Antrag die vier Punkte ange-          damals noch nicht Mitglied dieses Hohen Hauses -
führt. Die Geschäftsstücke befinden sich in den            ich nicht glauben kann, wie weitläufig man hier
Händen der Damen und Herren Abgeordneten. Ich              einfach gesagt hat, ja, möge man machen. Da steht
darf daher zum Antrag kommen (liest:)                      noch nicht einmal etwas von dieser 5 Prozent Ren-
                                                           dite im Grundsatzbeschluss drinnen. Da hat eigent-
    „Antrag des Wirtschafts- und Finanz-Aus-               lich der Landtag gesagt, die Regierung möge ver-
schusses über den Bericht der Landesregierung              anlagen. Mehr war es eigentlich gar nicht.
über die Veranlagung des Landes Niederösterreich,
Richtlinien, Berichte.                                          2007 finden wir im Begründungstext dann
                                                           durchaus schon, ich zitiere: Aus der Veranlagung
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                    soll ein Ertrag in Höhe von etwa 5 Prozent erzielt
                                                           werden, wobei mittelfristig (5 Jahre) unter Hinzu-
     Der Bericht über die Veranlagung und der              rechnung der Ausschüttung insgesamt für die Ver-
Prüfungsbericht über die Einhaltung der Veranla-           anlagung des Landes ein kapitaler Erhalt anzustre-
gungsbestimmungen für das der Land Niederöster-            ben ist.
reich Vermögensverwaltung GmbH & Co OG über-
tragene Vermögen im Rechnungsjahr vom 1. No-                    Das war aber auch nicht wirklich Beschluss-
vember 2008 bis 31. Oktober 2009 werden zustim-            text. Das war sozusagen im Sachverhaltsbegrün-
mend zur Kenntnis genommen.“                               dungstext drinnen. Der Landtag hat das im engeren
                                                           Sinne eben so auch nie beschlossen. Das einzige,
   Ich darf den Herrn Präsidenten ersuchen, die            was der Landtag mehrheitlich genau in der Phase
Debatte einzuleiten und die Abstimmung vorneh-             bis 2007 und 2007 zum zweiten Mal beschlossen
men zu wollen.                                             hat, ist, na ja, Bericht will er keinen legen, der Herr
                                                           Landeshauptmannstellvertreter Sobotka, der ja
     Zweiter Präsident Nowohradsky: Danke                  schon damals für Finanzen zuständig war, aber –
schön für die Berichterstattung. Bevor ich die De-         das war dann der Vorschlag der ÖVP, des ÖVP-
batte eröffne, begrüße ich noch den Dorferneue-            Klubs – Informationsgespräche möge er doch ma-
rungsverein Grafenbach St. Valentin unter der Ob-          chen.
frau Dipl.Ing. Dr. Alexandra FarnleitnerÖtsch. Alles
Gute! (Beifall im Hohen Hause.                                 Und so gfretten wir uns jetzt als NÖ Landtag
                                                           ohne wirklichen parlamentarischen Rahmen Jahre
    Zum Wort gemeldet Frau Abgeordnete Dr.                 hindurch, auch noch im Jahr der Krise. Also viele
Krismer-Huber.                                             haben es schon Ende 2007 gespürt und gewusst,
                                                           2008. Und es hat diese netten Präsentationen ge-
    Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-               geben. Natürlich, schriftlich wurde in den Krisenjah-
ehrter Herr Präsident! Sehr geehrter Herr Landes-          ren nichts mehr ausgehändigt. Am Anfang hat es
hauptmannstellvertreter! Geschätzte Kolleginnen            durchaus noch ein paar Folien gegeben, die aus-
und Kollegen!                                              gehändigt wurden wenn man gefragt hat. Dann gab
                                                           es gar nichts mehr. Das war die Informationspolitik,
     Ich habe mir gedacht, ich nehme es einfach            wo es um Milliarden geht für die Mitglieder des NÖ
einmal mit, dass, ich weiß nicht, ob alle die Berichte     Landtages.
in den Händen halten. Aber das sind Berichte, nur,
dass man so ein bisschen ein Gefühl bekommt                     Im Zuge der Finanzkrise ist jetzt doch eines
(zeigt Konvolut), das sind Berichte, wo es um Milli-       gelungen, dass Berichte in den Landtag kommen.
arden geht. Also ich habe das schon gern wenn es           Sozusagen ist das heute der jungfräuliche Antrag
knapp und bündig ist. Das ist halt doch sehr dürr          eines Berichtes der Veranlagungen des Landes
und mager. Nicht so was die Inhalte sind. (Abg.            Niederösterreich. Und den hat es bis letzten Don-
Präs. Ing. Penz: Bis jetzt war das Argument auch           nerstag nicht gegeben. Also nur zum Verständnis,
mager!)                                                    warum die Kollegen von den Freiheitlichen jetzt
Zu mager. Ein bisschen fetter kann es sein. Das            nicht zugestimmt haben: Weil der ja so kurzfristig in
hätte ich schon gern noch ein bisschen fetter, ja?         den Landtag gekommen ist. Haben sie nicht ganz
                                                           unrecht. Ich bin heute etwas toleranter zu Jahres-
    Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kollegin-          beginn.
nen! Ich glaube, wir sollten einmal kurz inne halten
und uns überlegen, wie die Vorgeschichte war.                   Der Bericht, also dieser Bericht für die Öffent-
2001 der Grundsatzbeschluss, der hier bis auf die          lichkeit ist nichts anderes als die Präsentation der
grünen Stimmen beschlossen wurde. Und ich habe             Geschäftsführung der Vermögensverwaltung bzw.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


FIBEG gemeinsam mit dem Landesrat Sobotka. Da            sen ja, warum sich der Rohölpreis so entwickelt,
hat man Folien kopiert und ’reingegeben. (Abg.           einmal rauf, einmal runter, und das Land Nieder-
Waldhäusl: Vom 15. Dezember!)                            österreich ist dabei. Wollen wir das? Oder wollen
                                                         wir das nicht? Politisch hätte ich halt gern einmal,
     Genau! Vom 15. Dezember 2009. Und die               dass wir, hier ist es vielleicht zu groß, aber im Aus-
hätte es ja letzten Donnerstag vermutlich schon wo       schuss wirklich ordentlich dazu debattieren.
gegeben. Oder ich weiß nicht, ist da eine Festplatte
kaputt gegangen? Aber man hätte letzten Don-                  Ich möchte jetzt einen Schritt weiter gehen,
nerstag durchaus die paar Papiere schon in den           weil anscheinend bewegen sie sich derzeit gerade
Ausschuss bringen können. Nein! Die haben wir            ein bisschen bei der ÖVP. Also wenn man drängt
erst heute um 11.00 Uhr dann besprochen. Ge-             so wie letzten Donnerstag, und sagt nein, also 3
kommen sind sie eben, das meint er mit dieser 24-        Seiten Bericht ist zu wenig, bitte legt uns einen
Stundenfrist.                                            Bericht, dann kommt der ein paar Tage später,
                                                         obwohl es ihn schon lange gibt. Wenn man sagt,
      Also, liebe Kolleginnen und Kollegen von der       Veranlagungsbestimmungen wären nicht schlecht,
ÖVP, so informiert man den Landtag in Nieder-            dann macht sich eben der Gemeindebund auf den
österreich wirklich nicht! Wir haben zwar Fasching,      Weg und schaut sich das an. Und dann haben wir
aber zum Narren halten lassen wir uns nicht! (Bei-       eben Mitte letzten Jahres Veranlagebestimmungen
fall bei den Grünen, der SPÖ und der FPÖ.)               mehrheitlich beschlossen.

     Nur eines haben wir jetzt geschafft mit der                Ich glaube, wir sollten jetzt kurz innehalten.
Krise: Diese Kaffeekränzchenplauderei, die ist jetzt     Und, das ist als Opposition auch mein Auftrag in
hoffentlich vorbei. Ordentliches parlamentarisches       dem Land, zumindest bin ich dafür gewählt worden,
Arbeiten, ordentlich Berichte legen. Nicht weil Kol-     noch einmal eine Anregung zu geben, dass wir hier
leginnen und Kollegen so neugierig sind, ja? Ich bin     pro futuro neue Beschlüsse fassen werden müs-
extrem neugierig. Nein! Es geht darum, dass diese        sen. Und ich begründe das auch. Es gibt für mich
Berichte den Bürgerinnen und Bürgern öffentlich          nämlich den wichtigen Punkt, das ist diese 5 Pro-
zugänglich sind. Ja? Ich kann heute auf der Seite        zent-Rendite. Im Bericht auch nachzulesen. Wir
des NÖ Landtages mir Landtagsvorlagen an-                werden ein sehr moderates Wirtschaftswachstum
schauen. Und ich weiß in etwa, wie veranlagt wird.       haben. Wir wissen in der Tat nicht was los ist die
Das ist unser Auftrag. Wir sind hier keine Therapie-     nächsten 10, 20 Jahre. Was sich am Energiepreis-
gruppe. Sondern es geht darum, dass die Men-             markt tut, wie sich das alles weiter entwickelt. Ist
schen draußen informiert werden. (Beifall bei den        das vernünftig, wenn wir als NÖ Landtag, weil das
Grünen.)                                                 haben sie uns ja untergeschoben als hätten wir
                                                         beschlossen, 5 Prozent Rendite ist die Zielvorgabe.
     Jetzt wissen die Menschen, dass man irgend-         Wollen wir das mehrheitlich überhaupt noch? Oder
wie schnell in der Krise reagiert hat. Weil 2009         sagen wir nein, auch hier muss man ’runter gehen,
waren 24 Prozent der Gelder in Bargeld veranlagt         damit man eben nicht auf der anderen Seite … Für
und man hat dann geschaut, schon im Jahr 2009,           5 Prozent muss ich schon sehr risikoreich investie-
dass man hier ’runterkommt auf 11 Prozent. Wir           ren und anlegen. Wollen wir das? Ich stell’ das in
lesen daraus auch, dass man einmal vorsichtig in         den Raum. Haben wir noch nie gemeinsam disku-
die Anleihen hineingegangen ist. Welche Anleihen?        tiert.
Bankanleihen? Welche Banken? Das erfahren wir
natürlich nicht. Also ich glaube, gerade nach einer           Der nächste Punkt ist der, dass wir selbstver-
Finanzkrise wäre es nicht uninteressant gewesen          ständlich diese Veranlagebestimmungen verbes-
zu wissen, bei welchen Banken hat denn das Land          sern müssen. Sie wissen ganz genau, und da bin
Niederösterreich Anleihen? Da kann man ja sehr           ich nicht die Einzige hier im Hohen Haus, es muss
vieles auch herauslesen.                                 uns ja wichtig sein zu wissen, wo investiert wird.
                                                         Das ist eben dieser allgemeine Grundwertepunkt
     Was wir wissen ist, dass wir Rohstoffinvest-        der Veranlagungsbestimmungen: Menschenrechte,
ments machen nur in Höhe von 3 Prozent. Wir              internationale Abkommen, ökologische Standards.
hatten auch lange die Diskussion, wir wollen das         Da sage ich, liebe Kolleginnen und Kollegen, sollte
nicht in Lebendvieh und Weizen und Palmöl. Aber          das Makulatur bleiben, bleibt es da drinnen, ist das
da sind wir jetzt noch immer im Metall- und Ener-        nur eine Hülle oder befüllen wir das? Da höre ich
giebereich drinnen. Auch nicht uninteressant. Wir        jetzt sozusagen seit Monaten schon, dass das
haben zuerst gerade diskutiert klimarelevante Ziele.     kommen wird. Ich will jetzt wissen, wann kommt
Das Land Niederösterreich setzt drauf, dass man          das. Auch hier ganz klar, dass man das machen
mit Rohöl ganz toll spekulieren kann, ja? Wir wis-       sollte.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


      Und ein dritter Punkt, der nämlich 2001 abge-         den Veranlagungen auseinandergesetzt, was in
ändert wurde, das sind die begünstigten Tilgungen.          den Veranlagungsbestimmungen unter Pkt. 6 der
Jetzt sage ich Ihnen eines: Wenn wir heute als              Veranlagungsgrundsätze festgehalten ist: ‚Die Ver-
Konjunkturmotor die Möglichkeit hätten, begüns-             anlagung hat unter größtmöglicher Bedachtnahme
tigte Tilgungen – und zwar an die 50 Prozent – in           auf internationale Abkommen und Richtlinien be-
einem höheren Ausmaß zu sagen, ist in Ordnung,              züglich Umwelt, Menschenrechte und Korruption zu
weil ich damit die Wertschöpfung, die Umwegren-             erfolgen.’ Leider ist dieser Punkt noch Makulatur
tabilität in den Regionen lasse, dann glaube ich,           und war so auch nicht Gegenstand des ersten Be-
dass wir uns das noch einmal überlegen müssen.              richts der WirtschaftsprüferInnen an den NÖ Land-
Das ist natürlich jetzt nicht mehr so einfach, weil wir     tag.
ja die Darlehen sozusagen verkauft haben.
                                                                 Das Land Niederösterreich hat die gesell-
     Aber auch hier politisch sich was zu überlegen.        schaftliche Verantwortung, spekulative Blasen nicht
Was wir hier tun als Land Niederösterreich ist, wir         noch zu perpetuieren. Die Menschen im Land wol-
versuchen es auch über die Parteien hinweg,                 len nicht nur wissen mit welchem Risiko Einnahmen
Klaus, aber wir hängen ganz einfach konjunkturell           fürs Budget erzielt werden, sondern auch wie. Ein
an diesem ganzen Finanzmarktapparat. Und da                 Beispiel zum Verständnis: Auf Rohöl zu spekulieren
sind wir jetzt abhängig. Und ich glaube, wir sollten        und im Land Erneuerbare Energien damit zu för-
auch hier – das muss nicht morgen sein. Da unter-           dern, entspricht keiner nachhaltigen Politik.
scheide ich mich nämlich in der Tat auch von ande-
ren, die glauben, Opposition zu sein. Das können                 Der NÖ Landtag muss aufgrund der Finanz-
wir nicht morgen lösen. Aber es geht darum, auch            krise nicht nur die Informationsbereitschaft seitens
hier einmal eine Perspektive zu schaffen, ob das so         des verantwortlichen Regierungsmitgliedes verstär-
vernünftig ist so weiter zu tun, sage ich einmal die        ken, die Veranlagungsbestimmungen ständig
nächsten ein, zwei Dekaden. Daher bringe ich fol-           verbessern, sondern muss von der Zielvorgabe 5%
genden Resolutionsantrag ein (liest:)                       Rendite Abstand nehmen.

                   „Resolutionsantrag                           Vor dem Hintergrund einer sich moderat entwi-
                                                            ckelnden Wirtschaft und langfristigen ‚worst-case’
    der Abgeordneten Dr. Helga Krismer-Huber,               Szenarien bei einer Energiekrise muss von
        a
MMag. Dr. Madeleine Petrovic, Emmerich Weider-              ‚schnellen’ Einnahmen Abstand genommen wer-
bauer und Amrita Enzinger MSc, gemäß § 60 LGO               den, wenn Veranlagungen ethischen und ökologi-
2001 zum Verhandlungsgegenstand Ltg.-459/B-53               schen Grundsätzen treu bleiben möchten.
- Bericht der Landesregierung betreffend Bericht
über die Veranlagung des Landes Niederösterreich,
Richtlinien, betreffend Neuregelung der Rahmen-                  In diesem Zusammenhang muss auch auf die
                                                            Möglichkeit der Begünstigten Tilgung von Wohn-
bedingungen für die Veranlagungen des Landes
                                                            bauförderungsdarlehen hingewiesen werden. Denn
Niederösterreich.
                                                            die Umwegrentabilität mittels Wertschöpfung ist ein
                                                            Konjunkturmotor für Niederösterreich und über-
    Im Begründungstext des Landtagsbeschlusses
                                                            steigt die Einnahmen einer 5% Rendite um ein
vom 17.1.2007 ist festgehalten: ‚Aus der Veranla-
                                                            Vielfaches. Vor Beginn der Veranlagungen waren
gung soll ein Ertrag in Höhe von etwa 5% erzielt
                                                            Begünstigte Tilgungen bis 50% keine Rarität.
werden, wobei mittelfristig (5 Jahre) unter Hinzu-
rechnung der Ausschüttung insgesamt für die Ver-
anlagungen des Landes ein Kapitalerhalt anzustre-               Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
ben ist.’
                                                                Der Hohe Landtag wolle beschließen:
     Obwohl diese Zielvorgabe nie Gegenstand des
Beschlusstextes im engeren Sinne war, wurde es                   Die Niederösterreichische    Landesregierung
zur finanzpolitischen Vorgabe der Regierung und             wird aufgefordert,
damit der Land Niederösterreich Finanz- und Betei-
ligungsmanagement GmbH, respektive Land Nie-                        den Punkt I. 1. 6. der ‚Veranlagungs-
derösterreich Vermögensverwaltung GmbH & Co                          bestimmungen für das Land Niederöster-
OEG. Auch in Zeiten der Finanzkrise.                                 reich Vermögensverwaltung GmbH & CO
                                                                     OEG’ alsbald in objektivierbare, normative
    Sehr wohl hat sich der NÖ Landtag mit gesell-                    Richtlinien zu gießen und dem Landtag
schaftlichen Grundwerten im Zusammenhang mit                         zur Beschlussfassung vorzulegen




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


        von der Zielvorgabe einer 5% Rendite der               Aber jeder irgendwie redet auch darüber. Ich
         Veranlagungen Abstand zu nehmen.                 habe mir das jetzt noch einmal genau angeschaut.
         Diese Zielvorgabe findet sich weder im           Der Kollege Riedl, weil wir ja heute im Ausschuss
         Beschlussantrag aus 2001, noch jenem             darüber gesprochen haben. Also ich war immer der
         aus dem Jahr 2007. Lediglich im Begrün-          Meinung, der Kollege Riedl kennt diesen Rohbe-
         dungstext des Antrages 785/W-17-2007             richt. Weil das ist eine ÖVP OTS-Meldung, und die
         findet sich diese Formulierung.                  ÖVP, da ist nichts unterschoben worden, das ist
                                                          selber geschrieben worden, ich zitiere: Allen partei-
        Bestimmungen und Richtlinien für be-             politischen Attacken zum Trotz – der Rechnungshof
         günstigte Tilgungen von Wohnbauförde-            bestätigt den richtigen Weg, den wir mit der Veran-
         rungsdarlehen angesichts der schwieri-           lagung der NÖ Wohnbaugelder eingeschlagen
         gen Situation vieler NiederösterreicherIn-       haben. (Zwischenruf Abg. Mag. Schneeberger.)
         nen zu novellieren, damit die Familien           Also wenn ich so eine Aussage treffe, muss ich ja
         mehr verfügbare Mittel zur Stärkung der          wissen, was der Rechnungshof gesagt hat. Sonst
         regionalen Wertschöpfung haben. Gege-            kannst du, lieber Alfred Riedl ja nicht sagen, der
         benenfalls ist der Landtagsbeschluss 765/        Rechnungshof bestätigt den richtigen Weg. (Abg.
         W-17-2001 neu zu beschließen.“                   Mag. Schneeberger: Zeitung lesen! ORF hören!)
                                                          Aber alles was in den Zeitungen steht sollte man
      Das wird nämlich volkswirtschaftlich einfacher      nicht glauben, Herr Kollege. Also entweder es gibt
gehen als die Gelder sozusagen am Kapitalmarkt            die Variante, ich muss überall mitreden. Also ich
zu holen. Und wie es dann die ÖVP immer formu-            habe das versucht möglichst zu unterbinden, ja,
liert, die 150, 120 Millionen, die in das Landesbud-      oder ich glaub’ alles was in den Zeitungen steht.
get eingespült werden, für die mach ich wieder            (Abg. Mag. Schneeberger: So schaust nicht aus!)
Kindergartenplätze, für die fördere ich die Familien.     Aber, Herr Kollege Schneeberger, Sie sind ja ein
Es gibt vielleicht auch einfachere, durchaus kon-         halbwegs gescheiter Mann und Sie glauben ja nicht
servativere, aber ohne diesen ganzen Riesen-Ap-           alles was in den Zeitungen steht.
parat dazwischen.
                                                               Kurzum, ich würde sagen, gehen wir einen
     Und eines ist ja doch auch, da hat man sich ja       Schritt weiter. Wir werden den Bericht in der Form
bewegt: Nach der Krise ist, glaube ich, um minus          nicht zur Kenntnis nehmen. Ich hoffe, dass wir im
30 oder minus 40 Prozent der Fondsmanager wird            Rahmen der nächsten Wortmeldungen vielleicht
jetzt dasselbe Volumen gemanagt. Also man sieht,          doch auch noch ein bisschen Aufklärung rund um
dass auch hier sehr vieles zu korrigieren war.            diesen Rohbericht erhalten.

     Also man kommt aber natürlich in Tagen wie                Eines, und da hat die freiheitliche Fraktion un-
diesen nicht darum herum, über diesen ominösen            sere Unterstützung: Ich habe immer gesagt, es war
Rohbericht ein paar Worte zu, fast zu verschwen-          letztes Jahr so weit, ich habe gesagt als eben die
den.                                                      SPÖ und die FPÖ meinten, man braucht jetzt so
                                                          einen Untersuchungsausschuss, war die Haltung
      Für mich bleibt irgendwo der Kern über und der      der Grünen, alles mit der Ruhe, wir schauen uns
ist jener, mich ärgert das maßlos, wer auch immer         jetzt an, was der Bundesrechnungshof dazu sagt.
das war. Ob das gesetzlich jetzt, wie ja dann noch        Heute ist es für mich so weit. Eben, wenn ein Roh-
von der SPÖ ein Antrag kommt, sozusagen im                bericht da ist, den welche außerhalb kennen, ich
strafgesetzlichen Bereich hier Relevanz hat. Nur          herinnen aber nicht, dann möchte ich jetzt einen
eines, dass es einen Rohbericht gibt, den wir als         Untersuchungsausschuss, wo sicher auch das
Gewählte des Souveräns nicht kennen, und es gibt          geklärt werden soll. Danke! (Beifall bei den Grü-
in der Republik Journalistinnen und Journalisten,         nen.)
die ihn kennen, würde ich meinen, müssten wir uns
eigentlich zu einer Entscheidung kommen, wie                  Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
gehen wir damit um.                                       gelangt Herr Klubobmann Waldhäusl.

      Also wenn es nach mir ginge und das rechtlich           Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident! Herr
möglich ist, dann muss man das fast so starten und        Landeshauptmannstellvertreter! Werte Kollegen
sagen, gut, dann kommt der Rohbericht jetzt wirk-         des Landtages!
lich in den Ausschuss. Es ist eine Zumutung, dass
da draußen dieses Wissen ist, über das Abgeord-               Wir diskutieren den Rohbericht, den keiner
nete nicht verfügen.                                      kennt und eigentlich sollen wir über ein Geschäfts-




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stück diskutieren mit der Nummer 469, wo wir end-               Wir sprechen heute hier vom größten Finanz-
lich Unterlagen haben. Es wurde bereits von meiner         desaster, von der größten Finanzpleite in der Ge-
Vorrednerin einiges dazu angesprochen. Es gibt             schichte von Niederösterreich. Eine Milliarde ist
und gab jetzt Kritik dazu, ein Abgehen von der 24-         weg. Eine Milliarde fehlt. Hier hat eh der Klubob-
Stundenfrist und, und, und.                                mann gesagt, ihr sollt ein bisschen ruhig bleiben. Ist
                                                           ja kein Problem, es dauert ja nicht lang. Schaut auf
     Fakt ist, dass diese Berichte jetzt vorliegen.        die Uhr, wir haben einen zweiten Tagesordnungs-
Die Art und Weise, wie man hier mit den Abgeord-           punkt auch noch, wo wir reden müssen. Es wird 12
neten umgegangen ist, ist für mich nicht in Ord-           Minuten dauern. Das hältst auch du aus. Und wenn
nung. Doch sei es so. Man konnte nichts verhin-            nicht, gehst ’raus in den Schnee, kühlst dich ein
dern, oder, man kann es auch anders sagen: Auf             bisschen ab, kommst wieder ’rein und die Sache ist
Grund dessen, dass plötzlich ein Rohbericht in den         in Ordnung.
Medien war, Auszüge eines Rohberichtes, genau
zu diesem Thema, haben wahrscheinlich einige                    Eine Milliarde fehlt. Eine Milliarde ist weg. Der
Personen kalte oder nasse Füße bekommen. Und               Rechnungshof bestätigt das. Die Zielrenditen wur-
haben gesagt, jetzt müssen wir zumindest, weil da          den nicht erreicht. Rechnungshof bestätigt, wir
gibt’s ja doch Kritikpunkte mit der Transparenz etc.       hatten leider Recht. Die fünf Prozent wurden nicht
Da müssen wir zumindest schauen, dass wenigs-              erreicht. Information gleich null. Ebenso Bestäti-
tens am Donnerstag im Landtag dieser umfangrei-            gung durch den Rechnungshof. Zu risikoreich ver-
che, na ja, für so viele Milliarden wirklich sehr          anlagt. Knappe 40 Prozent im hochspekulativen
dünne, Bericht vorliegt. (Zeigt Bericht.)                  Bereich, unsere Kritik leider bestätigt. Kein Notfall-
                                                           plan. Was ist, wenn eine Wirtschaftskrise kommt?
     So weit, so gut. Die Art und Weise, wie es zu-        Unsere Kritik zu 100 Prozent bestätigt. Die Frage
stande gekommen ist, wurde von uns kritisiert.             des Kapitalerhalts. (Abg. Dr. Krismer-Huber: Woher
Über den Veranlagungsbericht kann ich relativ kurz         weißt du denn das alles?)
sprechen und meine Stellungnahme abgeben. Wir
haben schon immer gesagt, wir wollen hier eine                   Wie schauts aus? Rechnungshofbericht bestä-
Änderung, einen anderen Weg. Wir wollen nicht              tigt, auch in den Zeitungen nachlesbar, liebe Kolle-
darüber diskutieren ob wir ein bisschen, ein Zehntel       gin, bestätigt. Hier wurde leider nicht auf Kapitaler-
Prozent mehr/weniger erreichen kann, ein bisschen          halt gearbeitet, sondern hier wurde risikoreich auf
weniger, ein bisschen mehr risikoreich. Wir wollen         Gewinnmaximierung gearbeitet. Rechnungshof
wertgesichert, mündelsicher das Geld der Steuer-           bestätigt.
zahler hier veranlagt haben. Und wenn das nicht
möglich ist, dass das so passiert, dann muss man                 Alleingänge der Fondsmanager. Eine Frage,
hier soweit gehen, dass man sagt, man entzieht es          die zwar auch bestätigt ist, aber wo es noch Klä-
den Personen, ich habe Vertrauen zu der Landes-            rung geben muss. Die Gagen zu hoch. Bis zu 46
bank, lösen wir alles auf, das Konstrukt von FIBEG         Personen waren hier beschäftigt. Und wir haben bei
über alles was es gibt, geben wir das Geld unserer         jeder Diskussion immer wieder von der ÖVP ge-
Landesbank, schauen wir, dass wir es dort wertge-          hört, na, was wollt ihr denn? 120 Millionen jedes
sichert veranlagt haben, damit man auch jetzt noch         Jahr fürs Budget. Das ist ein Erfolg. Das ist es! Was
einen weiteren Schaden verhindern kann. Ist ein-           anderes zählt nicht! Rechnungshof sagt und bestä-
fach, ist klar. (Beifall bei der FPÖ.)                     tigt unsere Kritik, man kann doch nicht was heraus-
                                                           nehmen was nicht erwirtschaftet wurde. Das geht
     Aber ich will nicht sofort aussteigen, damit hier     zu Lasten hier der gesamten Veranlagung. Bestäti-
wirklich Geld verloren geht. Sondern ein geordneter        gung durch den Rechnungshof.
Rückzug, das wäre unsere freiheitliche Sicht der
Dinge.                                                          Unregelmäßigkeiten: Außerhalb des Rech-
                                                           nungskreises wurden Managementgehälter ausbe-
    Betreffend der Punkte, die wir in den letzten          zahlt. Ich habe ein paar Mal bei meinen Wortmel-
Jahren und Monaten immer stärker kritisiert haben,         dungen gesagt, ich würde mich nicht wundern,
wo es Sonderlandtage gegeben hat, wo es Diskus-            wenn am Ende der Diskussion wir auch darüber
sionen im Landtag gegeben hat, die wirklich sehr,          diskutieren müssen, dass vielleicht auch irgendwo
sehr heftig waren. Na da fühlen wir uns jetzt, wenn        in Parteikanäle hier Geld geflossen ist über dieses
wir hier in den Zeitungen lesen, was der Rech-             Konstrukt. (Abg. Erber: In Kärnten!)
nungshof hier auch sagt, fühlen wir uns natürlich          Sonst macht man diese Konstruktionen ja nicht.
bestätigt. Weil wir bestätigt sind.                        Und daher sprechen wir von der größten Finanz-




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pleite in der Geschichte von Niederösterreich. Es ist      aber den Bürger muss man überzeugen davon,
leider so. Eine Finanzpleite, die jetzt aufgezeigt,        warum man gegen Aufklärung ist. Das gilt für euch
bestätigt wurde. Und für mich gibt’s immer drei            und gilt vor allem für euch. (Beifall bei der FPÖ.)
Dinge, über die man auch politisch diskutiert und
dann aufklärt. Das ist erstens der Rechnungshof.                Und es gibt ja genug in diesem Hause, die sich
Da haben wir einstimmig in diesem Landtag                  noch erinnern können, dass dieses Thema auch
beschlossen, der Rechnungshof soll hier aufklären.         sehr emotional geführt und diskutiert wurde. Ich
                                                           möchte das auch heute erwähnen, weil ich der
     Punkt 2. Da gibt’s die Gerichte. Wenn strafbare       Meinung bin, dass jeder ein Recht hat, das auch zu
Dinge irgendwie vorliegen, dann sollen die arbeiten.       wissen. Als ich einmal sehr hart in den Worten,
Und dann gibt es die politische Verantwortlichkeit,        Landeshauptmannstellvertreter Sobotka, und ich
wer ist für die jetzt vom Rechnungshof bestätigten         sage es und ich wiederhole es deswegen, weil ich
Ungereimtheiten, Versäumnisses, für dieses Fi-             froh bin, dass diese Sache geklärt ist, im Zusam-
nanzdesaster politisch verantwortlich? Das wird der        menhang mit dem Umgang mit Steuergeldern als
Rechnungshof nicht eindeutig klären, das klären            Triebtäter bezeichnet hatte, weil er hier seinem
keine Gerichte. Dazu ist der Politiker, in diesem Fall     Trieb folgt. Ich wurde geklagt. Es wurde das Ver-
die Legislative, der Landtag, zuständig. Und daher         fahren eingestellt. Das Verfahren wurde eingestellt,
ist es nur richtig, dass wir auch die politisch Ver-       weil der Kläger, wahrscheinlich wegen Aussichtslo-
antwortlichen ausfindig machen.                            sigkeit, es zurückgezogen hat. Ich fühle mich des-
                                                           wegen jetzt nicht bestätigt und werde daher nie so
     Ich möchte keine Schuldzuweisung machen,              weit gehen, dass ich behaupte, okay, dann habe
weil ich es nicht weiß bevor wir untersuchen, ob           ich tatsächlich mit dem Recht gehabt. Nur, eines
tatsächlich das zuständige Regierungsmitglied alles        möchte ich schon in diesem Hause sehr wohl hier
im Alleingang gemacht hat. Ob der überhaupt                unterstreichen: Wäre das vor Gericht behandelt
Schuld trägt oder ob die Finanzmanager eigenhän-           worden, hätte es wahrscheinlich dann auch ein
dig gehandelt haben. Hier muss politisch geklärt           Gerichtsurteil dafür gegeben. Denn im Zusammen-
werden, wer trägt hier die politische Verantwortung.       hang mit dem Umgang mit Steuergeldern – und ich
(Beifall bei der FPÖ.)                                     werde es heute anders sagen, weil viele gesagt
                                                           haben, wo Sobotka drauf steht, was ist da drinnen?
     Und dafür gibt es die Möglichkeit in Form eines
                                                           Ich würde sagen, jedes Mal, wenn dieser Herr Lan-
Untersuchungsausschusses im Landtag, wo man                deshauptmannstellvertreter Sobotka mit Finanzen
diese Dinge ans Tageslicht bringen kann. Und das           etwas zu tun hat, gibt’s entweder Kostenüber-
ist ganz einfach. Man kann zudecken, man kann
                                                           schreitungen oder es fehlt Geld. Und das ist leider
weiter mauern und kann hoffen, dass man das
                                                           auch durch diesen Rechnungshofbericht, Rohbe-
irgendwie aussitzt noch ein Jahr und noch ein Jahr.
                                                           richt, bestätigt.
Und irgendwann wird das vorbei sein und die Bür-
ger vergessen ja eh so schnell und es kommt hof-
fentlich eine andere Diskussion, hoffentlich nicht               Und wir wollen daher eine Aufklärung. Wir
auch wieder in der gleichen Partei, es könnte ein-         wollen daher eine Aufklärung darüber, wer für diese
mal die anderen erwischen und man lenkt ab.                Hochrisikoveranlagungen tatsächlich verantwortlich
                                                           ist. Warum es keine Notfallstrategien gab? Bei wel-
     Oder man hat eine andere Strategie, die der           chen Managern tatsächlich die Unregelmäßigkeiten
SPÖ, die ich leider nicht kenne, weil ich gehört           aufgetreten sind und ob auch Veranlagungsgeld in
habe, dass der Untersuchungsausschuss, der An-             politische Kanäle geflossen ist. Das alles wollen wir
trag von uns, heute nicht die Zustimmung der SPÖ           geklärt wissen. Und daher ist es uns ein Anliegen,
finden wird. Mag sein, dass es hier eine eigene            das in einem politischen Gremium, in einem Unter-
Strategie gibt. Nur, sich auch immer hinstellen und        suchungsausschuss auch tatsächlich herauszufin-
sagen, wir wollen eine lückenlose Aufklärung und           den. Und ich bringe daher folgenden Antrag ein
wenn es dann zur Nagelprobe kommt, dann kneife             (liest:)
ich, dann muss ja der Bürger draußen den Eindruck
bekommen, na ja, sie sind ja doch überall dabei                                    „Antrag
gewesen bis zum Schluss, sind drinnen gesessen
im Beirat, in den Aufsichtsräten, haben mitgestimmt            der Abgeordneten Waldhäusl, Dr. Krismer-
überall. Ist das der wahre Grund, warum die bei der        Huber, Königsberger, Ing. Huber, Tauchner,
Aufklärung nicht dahinter sind? Also ihr habt noch         Schwab und Sulzberger gemäß § 47 LGO 2001
die Möglichkeit, seitens der SPÖ, diese quälenden          betreffend Einsetzung eines Untersuchungsaus-
Fragen der Bürger hintanzustellen. Heute hier              schusses zu den Veranlagungen der NÖ Wohn-
könnt ihr jede Behauptung aufstellen im Landtag,           baugelder.




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      Laut Medienberichten gibt es im Rohbericht           ten, und auch der Kollege Haller war gegen eine
des Rechnungshofes betreffend der veranlagten              Aufklärung, und auch der Klubobmann Schnee-
niederösterreichischen Wohnbaugelder massive               berger war gegen eine Aufklärung, und auch der
Kritik an der Vorgangsweise des für Finanzen zu-           Kollege Leichtfried war gegen eine Aufklärung,
ständigen Mitgliedes der NÖ Landesregierung.               werden wir einen Antrag auf namentliche Abstim-
                                                           mung einbringen.
     Einerseits wurde die Performance der festge-
legten Ergebnisziele von 2002 bis 2008 um eine                   Ich bitte euch, nehmen wir dieses Thema so
Milliarde Euro unterschritten, und zum Zweiten             ernst, so wichtig uns dieses Steuergeld tatsächlich
wurden auch die Zielrenditen von 5 % aller Fonds           ist. Und bedenken wir eines: Egal, was wir untersu-
deutlich verfehlt.                                         chen, wer wo die Schuld trägt, eines steht jetzt
                                                           schon fest: Es waren 7,8 Milliarden, die am Beginn
     Weiters hat sich die FIBEG, ohne die Verant-          der Reise vorhanden waren. 4,4 wurden eingesetzt.
wortungs- und Entscheidungsträger zu informieren,          Wir stehen bei 3,3. Also am Ende der Reise, nach
weit von der ursprünglichen Veranlagungsstrategie          20 Jahren, wird Geld fehlen. Es wird mehr Geld
entfernt. Der Finanzreferent des Landes NÖ hatte           fehlen als diese Milliarde bis jetzt. Es wird nie mög-
bis 2009 auch keinen ‚Notfallplan’ für einen etwai-        lich sein, auch mit dem besten Wirtschaftswachs-
gen Finanzcrash.                                           tum und mit den besten Prognosen, wieder auf die
                                                           7,8 Milliarden zu kommen. Und auch wenn wir sie
     Weitere Kritikpunkte im Rechnungshofbericht           erreichen würden mit der Einrechnung der jährli-
sind auch der zu hohe Anteil von ‚Alternativen In-         chen Ausschüttung, dann war es trotzdem nicht
vestments’, die Strategie der Ertragsmaximierung           nötig, weil wir haben wieder nicht mehr als vorher.
bei der aber auf das Risikopotential vergessen             Außer viele Spesen wo wir auch geklärt wissen
wurde und die zu hohen Gagen für zu viele Fonds-           wollen, wer von diesen Spesen profitiert hat. (Beifall
manager. Jetzt steht eindeutig fest, dass es bei den       bei der FPÖ.)
Veranlagungen der NÖ Wohnbaugelder einen Ver-
lust von einer Milliarde Euro gibt und somit die poli-         Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort
tische Verantwortung zu klären ist.                        gelangt Herr Abgeordneter Mag. Leichtfried.

    Die Gefertigten stellen daher den Antrag:                   Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Sehr geehrter
                                                           Herr Präsident! Meine sehr geehrten Herren Präsi-
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                    denten! Werte Herren Landeshauptmannstellver-
                                                           treter! Sehr geehrte Damen und Herren des Hohen
                                                           Hauses!
     Zur lückenlosen Aufklärung des oben genann-
ten Sachverhaltes und der politischen Verantwort-               Vieles was mein Vorredner, meine Vorrednerin
lichkeit wird ein Untersuchungsausschuss einge-            gesagt hat, können wir auch von der sozialdemo-
setzt.“                                                    kratischen Fraktion natürlich in dieser Art und
                                                           Weise unterstützen. Ich werde aber versuchen,
      Ich bitte noch einmal, speziell in Richtung          meine eigene Erklärung und meine eigene Diktion
SPÖ, nachzudenken, ob man nicht wirklich jetzt             dafür darzulegen. Und lieber Kollege Waldhäusl,
den Bürgern reinen Wein einschenken sollte in die          lieber Gottfried, mache dir keine Sorgen darüber,
Richtung, dass man in Zeiten einer Wirtschafts-            dass die sozialdemokratische Fraktion nicht an
krise, wo die Bürger tatsächlich auch ums Überle-          einer vollen Aufklärung interessiert ist. (Beifall bei
ben kämpfen, ums wirtschaftliche Überleben, ob             der SPÖ.)
man denen deswegen reinen Wein einschenkt und
sagt, wir bleiben unserer Linie treu. Da ist viel                Wir werden dafür sorgen, dass es hier eine
schief gelaufen in diesem Bereich der Veranlagung,         volle Aufklärung gibt. Aber du selbst hast gemeint,
aber klären wir es auf. Wir stehen dahinter, klären        es geht um politische Verantwortung. Und über
wir es auf und dann setzen wir dem ein Ende. Es            politische Verantwortung ist auch ein Untersu-
wird parallel dazu dann dieser Rohbericht in diesem        chungsausschuss einzusetzen und abzuhalten.
Landtag diskutiert werden. Und ich glaube, dass es         Aber über politische Verantwortung zu reden, über
gut ist, wenn wir auf diesen zwei Schienen aber            einen Rohbericht, der in Wirklichkeit noch nicht
jetzt schon beginnen, hier das zu klären.                  vorhanden ist, nicht in unseren Händen ist, wo das
                                                           Ergebnis nur aus den Medien heraus scheinbar
     Und damit die Bürger und damit ich mir auch           lesbar ist, über diesen Rohbericht, über diese Me-
ein bisschen leichter tu bei den Bürgern, tatsächlich      dienberichte einen Untersuchungsausschuss ein-
zu sagen in den vielen Diskussionen, die ich noch          zusetzen, das halten wir derzeit nicht für den richti-
führen werde in den nächsten Wochen und Mona-              gen Weg. (Beifall bei der SPÖ.)




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich                  Letztendlich hat es dann doch auf Grund be-
möchte meine Wortmeldung zweiteilen. Einerseits            stimmter Diskussionen und bestimmter Entwicklun-
zu der Vorlage ganz kurz sprechen und hier auch            gen einen Vorschlag gegeben, wo die Richtlinien
zwei Punkte anführen. Diese Vorlage, das ist schon         aus den Jahren vorher entsprechend adaptiert und
eigenartig, wurde auf Grund eines Beschlusses, der         verändert worden sind. Uns sind diese Verände-
im Juli gefasst wurde … Im Juli 2009, hat es gehei-        rungen damals nicht weit genug gegangen. Nach
ßen, in der Jänner-Sitzung muss ein entsprechen-           wie vor ist es möglich, in risikoreiche Veranlagun-
der Prüfbericht vorgelegt werden. Natürlich können         gen hineinzugehen. Nach wie vor, und das ist sehr
wir jetzt sagen, dieser Prüfbericht ist vorgelegt wor-     ausführlich schon debattiert worden, ist die Frage,
den. Aber ich denke mir, wenn über ein halbes Jahr         die ethische Frage, nicht geklärt für uns. Vor einem
was bekannt ist, dann müsste es eigentlich möglich         Jahr ist in einer Diskussion, die wir geführt haben
sein, so einen Prüfbericht – und nicht diese drei          im ÖVP-Klub, uns versprochen worden, hier in
Seiten, die wir vor einer Woche bekommen haben –           diesem Bereich entsprechend auch weiter zu ar-
so einen Prüfbericht in der Art, wie er auch jetzt         beiten. Bis heute haben wir das nicht. Ich warte
vorliegt oder noch umfangreicher, sozusagen auch           darauf.
tatsächlich zeitgerecht vor dem Ausschuss oder
zum Ausschuss entsprechend parat zu haben um                    Nach wie vor glauben wir auch, dass diese 5-
letztendlich dann in einer Ausschusssitzung auch           prozentige Zielvorgabe eine ist, die jedem, der hier
ausführlich darüber diskutieren zu können. (Abg.           damit zu tun hat, natürlich verdammt, in risikoreiche
Dr. Krismer-Huber: Das haben wir am 15. Dezem-             Geschäfte hineinzugehen. Sonst wird er diese 5
ber schon gehört!)                                         Prozent nicht erreichen. Und nach wie vor stehen
                                                           wir dazu, dass wir der Meinung sind, wir brauchen
     Richtig! Das ist ja was, was nichts Neues war.        eine Kapitalgarantie, wir brauchen eine wertgesi-
Und ich glaube und ich unterstelle jetzt was. Ich          cherte Veranlagung. All das ist auch mit diesen
unterstelle, wenn nicht die Frau Kollegin Krismer im       neuen Richtlinien, die damals beschlossen wurden,
Ausschuss die Frage gestellt hätte, wo dieser Be-          nicht gesichert und nicht erreichbar. Und daher
richt ist, dann unterstelle ich jetzt, dann würde es       haben wir damals nicht die Zustimmung gegeben
auch heute diesen Bericht wahrscheinlich nicht             und werden heute auch zu diesem Bericht nicht die
geben. Weil ich glaube, dass es nicht die Absicht          Zustimmung geben.
der Mehrheitsfraktion gewesen ist, diesen Bericht
den Landtagsabgeordneten vorzulegen. Sondern                     Meine Damen und Herren! Besondere Aktua-
man war der Meinung, dass mit diesem Dreiseiten-           lität hat diese Vorlage jetzt bekommen dadurch,
papier mit dem Vermerk, dass sozusagen nach den            dass es einen Rechnungshofbericht gibt, einen
Richtlinien entsprechend gearbeitet wurde, damit           Bundesrechnungshofbericht, den wir hier in diesem
Genüge getan ist.                                          Hohen Haus auch gefordert haben. Einen Bundes-
                                                           rechnungshofbericht gibt, der nur wenigen, und so
      Daher denke ich, das ist - das wurde auch            ist es auch richtig, bekannt ist. Nämlich, der Bun-
schon gesagt - natürlich keine Art der Information,        desrechnungshof hat diesen Bericht dem Vorsit-
keine Art der Offenheit, so wie wir von unserer            zenden der Landesregierung, dem Landeshaupt-
Fraktion und auch von anderen Fraktionen uns das           mann und der FIBEG übermittelt. Und es ist schon
vorstellen. Und auch aus diesem Grund, aber nicht          interessant und natürlich aufklärungsbedürftig,
nur aus diesem Grund, auch aus diesem Grund                wieso es möglich ist, dass nach wenigen Stunden,
werden wir dieser Vorlage natürlich nicht unsere           Tagen - ich weiß es nicht genau - aus diesem Be-
Zustimmung geben. Wir werden aber auch dieser              richt in den Medien zitiert werden kann und relativ
Vorlage deswegen nicht unsere Zustimmung ge-               punktgenau Dinge zitiert werden, die niemand aus
ben, weil wir ja auch den veränderten Richtlinien          dem Medienbereich und die auch niemand, der hier
schon keine Zustimmung gegeben haben. Es ist               herinnen sitzt, natürlich wissen kann.
schon so, das ist auch von uns anerkannt worden,
und das ist auch heute schon gesagt worden, dass                Ich frage mich auch, nämlich die Abgeordneten
es Bewegung in dieser Frage der Mehrheitsfraktion          der ÖVP, ich frage euch, ob euch das gut
vor einigen Monaten gegeben hat. Mut- oder unwil-          schmeckt? Wenn Medien mehr Informationen ha-
lig, sage ich einmal, Bewegung gegeben hat. Weil           ben als jeder Landtagsabgeordnete. Das kann
ich kann mich erinnern, wie ich da heraußen ge-            doch nicht in eurem Sinne sein! Da muss ein Auf-
sprochen habe, da hat man noch argumentiert,               schrei da sein! (Abg. Präs. Ing. Penz: Das wäre
dass alles bestens, alles in Ordnung sei, wir brau-        nicht das erste Mal!)
chen keine Veränderung in dieser Frage, in diesem          Es wäre nicht das erste Mal, sagt der Herr Präsi-
Thema anzustreben.                                         dent. Naja, das ist natürlich schwierig. Da muss




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode          21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


man doch einmal der Frage nachgehen, woher                  Beteiligungsholding GmbH. einstimmig zum Be-
bekommen die Medien tatsächlich diese Informa-              schluss erhoben. Am 18. Jänner 2010 erschienen
tion? (Abg. Mag. Schneeberger: Ihr wisst es ja eh!          in mehreren Medien Berichte über den Rohbericht
Überleg einmal, wie viel Berichte von euch schon            zur genannten Prüfung des Rechnungshofes, in
transportiert wurden!)                                      denen auch auszugsweise Teile des Rohberichtes
Nein, wir wissen es nicht, Herr Klubobmann! Sei             zitiert wurden. Rohberichte des Rechnungshofes
nicht nervös. Bis jetzt war es so ruhig. Jetzt wirst du     unterliegen der Vertraulichkeit. Durch die Verlet-
plötzlich nervös. (Abg. Mag. Schneeberger: Ihr              zung dieser Vertraulichkeit scheint der Tatbestand
wisst es eh wie das geht! Frag einmal den Dr.               des Missbrauchs der Amtsgewalt gem. § 302 StGb.
Leitner!)                                                   erfüllt. Es wären daher Untersuchungen einzuleiten,
Ich brauch den Dr. Leitner nicht fragen. Wir wissen         von wem diese Informationen - jedenfalls über Teile
es nicht! Herr Klubobmann, wir wissen es nicht!             des Rechnungs-hofrohberichtes - an die Medien
(Abg. Waldhäusl: Ich will es auch wissen!)                  weitergegeben wurden und die notwendigen Kon-
Aber vielleicht wisst ihr es. Vielleicht ist euch das       sequenzen zu ziehen.
bekannt und hat jemand diese Berichte in die Me-
dien gebracht. (Abg. Mag. Schneeberger: Frag                     Mit der Veröffentlichung von Teilen des Be-
euren Obmann!)                                              richtes wurde auch eine Diskussion zu diesem
                                                            Thema ausgelöst, die nur dann seriös geführt wer-
     Tatsache ist aber eines, und das möchte ich            den kann, wenn möglichst rasch der Endbericht
feststellen: Sollte das, was in den Medien berichtet        erstellt und dem Landtag zugemittelt wird. Dazu ist
wird, tatsächlich stimmen, dann müssen wir sagen,           es allerdings erforderlich, dass die für die Stellung-
dann liegen wir mit unserer Kritik punktgenau. Und          nahme der Landesregierung vorgesehene Frist von
dann hat die ÖVP, dann haben die Verantwortli-              drei Monaten nicht ausgeschöpft, sondern umge-
chen innerhalb der ÖVP, innerhalb der FIBEG,                hend an der Fertigstellung dieser Stellungnahme
klaren Erklärungsbedarf. Klaren Erklärungsbedarf            gearbeitet wird.
was mit diesem Geld und wie mit dem Geld, und
zwar mit öffentlichem Geld, umgegangen wurde.                    Gemäß § 15 Abs. 8 Rechnungshofgesetz teilt
Und wie es möglich gewesen ist, eine Milliarde, wie         der Rechnungshof das Ergebnis seiner Überprü-
es da drinnen steht, tatsächlich zu verzocken.              fung der Landesregierung mit. Im gegenständlichen
(Beifall bei der SPÖ.)                                      Fall waren dies nach Auskunft des Rechnungsho-
                                                            fes LH Dr. Erwin Pröll und die Land NÖ Finanz- und
     Wir sind der Meinung, dass alles lückenlos             Beteiligungsmanagement GmbH. (FIBEG). Die
aufgeklärt gehört. Und wir bringen daher auch ei-           Landesregierung hat hiezu längstens innerhalb
nen Resolutionsantrag ein. Einen Resolutionsan-             dreier Monate unter Bekanntgabe der allenfalls
trag, der folgenden Antrag enthält (liest:)                 getroffenen Maßnahmen Stellung zu nehmen. Auf
                                                            Grund der angelaufenen Diskussion und des zu
                   „Resolutionsantrag                       erwartenden Inhaltes des Endberichtes des Rech-
                                                            nungshofes sollte jedoch diese Frist keinesfalls
    der Abgeordneten Mag. Leichtfried, Cerwenka,            ausgeschöpft werden, sondern umgehend eine
Antoni, Dworak, Findeis, Gartner, Ing. Gratzer,             Stellungnahme zu den Feststellungen des Rech-
Jahrmann, Kernstock, Onodi, Razborcan, Mag.                 nungshofes erarbeitet werden.
Renner, Rosenmaier, Thumpser und Vladyka zum
Bericht der Landesregierung betr. Bericht über die               Gemäß der Geschäftsordnung der NÖ Landes-
Veranlagung des Landes NÖ, Richtlinien, Ltg. Zl.            regierung unterliegen die Stellungnahmen zu
469/B-53/1, betreffend umgehende Maßnahmen                  Rechnungshofberichten der kollegialen Beschluss-
zum Rohbericht des Bundesrechnungshofes über                fassung in der Landesregierung. Eine seriöse Be-
das Veranlagungsmanagement der Erlöse aus der               schäftigung mit dem Rohbericht und der dazu er-
Verwertung der WBF-Darlehen und dem Verkauf                 gehenden Stellungnahme kann allerdings nur erfol-
der Beteiligungen des Landes an die NÖ Landes-              gen, wenn den Mitgliedern der Landesregierung die
Beteiligungsholding GmbH.                                   Möglichkeit gegeben wird, den Bericht eingehend
                                                            zu analysieren, sodass der Bericht umgehend allen
    In der Sitzung des NÖ Landtages vom 2. Ok-              Regierungsmitgliedern zur Verfügung zu stellen ist.
tober 2009 wurde der Prüfauftrag an den Bundes-
rechnungshof gemäß Art. 127 Abs. 7 B-VG über                    Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
das Veranlagungsmanagement der Erlöse aus der
Verwertung der WBF-Darlehen und dem Verkauf                      Die Landesregierung wird im Sinne der An-
der Beteiligungen des Landes an die NÖ Landes-              tragsbegründung aufgefordert:




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


        Untersuchungen einzuleiten, über welche              Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
         Quellen der Rohbericht des Rechnungs-            gelangt Frau Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
         hofes über das Veranlagungsmanage-
         ment der Erlöse aus der Verwertung der                Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-
         WBF-Darlehen und dem Verkauf der Be-             ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und
         teiligungen des Landes an die NÖ Lan-            Kollegen!
         des-Beteiligungsholding GmbH. an die
         Medien gelangt ist und in der Folge die               Ganz kurz nur zum Antrag der SPÖ. Jetzt habe
         notwendigen Schritte einzuleiten;“ -             ich ihn mir zweimal durchgelesen. Liebe Kollegin-
                                                          nen der SPÖ, irgendwann muss man sich ent-
    Wir wollen eine Untersuchung, über welche             scheiden. Sie sagen vorne, das ist ein Tatbestand
Quellen …, und da kann man jetzt Verdächtigungen          des Missbrauchs der Amtsgewalt gemäß § 302
so oder so aussprechen. Ich mache das nicht. Wir          Strafgesetzbuch. Das heißt, das ist was Illegales.
wollen wissen, wir wollen es wissen, über welche          Und hinten verlangen Sie, dass das jetzt weiter
Quellen ist das an die Medien gelangt! Es gibt nur        gegeben wird. (Abg. Mag. Leichtfried: „Scheint“
wenige, die von den Rohberichten Kenntnis hatten.         steht da!)
–
                                                               Da muss man sich schon … Nein, der Punkt ist
        „umgehend die Stellungnahme zu den               der, Kollege Leichtfried, das ist halt der Unter-
         Feststellungen des Rechnungshofes zu             schied: Ich habe zuerst die Diskussion angeregt,
         erarbeiten und nach Beschlussfassung in          wie wir hier als selbstbewusster Landtag damit
         der Landesregierung dem Rechnungshof             umgehen. Und ihr seid einfach dem Proporz ver-
         zu übermitteln;“ -                               pflichtet und könnt nicht darüber hinaus denken.
                                                          (Abg. Jahrmann: Das war jetzt peinlich!)
      Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das           Und dann ist es völlig klar, das muss jetzt in die
ist ja noch das Prekäre daran. Das Prekäre daran          Regierung kommen, ja? (Abg. Mag. Leichtfried:
ist, dass ein Kollegialorgan über den Rechnungs-          Dort gehört es hin!) Das ist es sozusagen wie ihr
hofbericht entscheiden muss. Das Kollegialorgan           die Sache anlegt.
hat noch gar keine Entscheidung getroffen, aber
das Ganze befindet sich in der Öffentlichkeit! Bitte,         Man sieht ganz einfach, wenn es um die Dinge
wenn es schon in der Öffentlichkeit ist, dann ist         geht, wird die einzige Opposition natürlich wieder
umgehend das Kollegialorgan mit diesem Rohbe-             ausgebremst. Das wollt ihr euch dann in der Regie-
richt zu befassen um eine entsprechende Be-               rung ausmachen. Ein selbstbewusster Landtag
schlussfassung herbeiführen zu können. –                  geht das anders an. Der Punkt ist der: Draußen
                                                          wissen Journalistinnen und Journalisten was ist und
        „dafür Sorge zu tragen, dass alle Mit-           damit müssen wir das …, und das müssen wir ge-
         glieder der NÖ Landesregierung sofort            meinsam entscheiden, ob es eine Möglichkeit gibt,
         den Rohbericht des Rechnungshofes er-            auch juristisch … (Zwischenruf bei Abg. Mag.
         halten, um sich so gründlich und seriös          Leichtfried.)
         mit dem Bericht auseinandersetzen zu
         können und die kollegiale Beschluss-                  Was heißt Kollegialorgan, wenn es draußen
         fassung entsprechend fundiert vorberei-          die Journalistinnen und die Journalisten haben!
         ten zu können.“                                  Genau um das geht es! Das Selbstbewusstsein
                                                          fehlt der SPÖ. (Beifall bei den Grünen.)
     Weil es kann ja nicht sein, dass einige wenige
diese Berichte haben, sich darauf vorbereiten und             Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort
die anderen schweben irgendwo dahin und wissen            gelangt Herr Abgeordneter Schuster.
nicht, was da drinnen steht.
                                                               Abg. Schuster (ÖVP): Meine sehr geehrten
     Und meine Damen und Herren, ich glaube, das          Herren Präsidenten! Herr Landeshauptmannstell-
ist eine seriöse Vorgangsweise. Eine seriöse Vor-         vertreter! Hoher Landtag!
gangsweise, die letztendlich auch Aufklärung brin-
gen wird und wenn es notwendig ist, auch weitere              Also ich möchte gleich anschließen bei dem,
Schritte ermöglicht, die dann später einzuleiten          was die Frau Kollegin Krismer-Huber gemeint hat,
sind. Danke! (Beifall bei der SPÖ.)                       wie geht es einem Abgeordneten wenn ein Bericht




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


offensichtlich in den Medien schon da ist, das eine       Der Bericht sagt uns, dass die Wirtschaftsentwick-
oder andere in den Zeitungen zu lesen ist und die         lung, was wir ja aus den Medien kennen, was die
Entscheidungsträger hier im Landtag kennen ihn            verschiedensten Wirtschaftsforscher uns auch sa-
nicht.                                                    gen, dass wir – wenn überhaupt – nur mit einem
                                                          sehr moderaten Wachstum in den Industrienationen
     Ich glaube, wir sollten uns trotzdem nicht dazu      rechnen können. Das Zinsniveau wird weiterhin
drängen lassen … (Abg. Jahrmann: Der Abgeord-             sehr, sehr niedrig bleiben. Wir sind weiterhin in
nete Leichtfried hat das gesagt!)                         einem historisch absoluten Tiefstand was die Zin-
Jetzt eben bestätigt. Ich glaube, das ist aber            sen betrifft.
unisono gekommen, dass das natürlich nicht ein
Zustand ist, der erstrebenswert ist. Und ich glaube            Wir hatten im Jahr 2009 zwei Präsentationen,
auch, dass das in Wirklichkeit eine Sache ist, die        jeweils am 18. Mai und am 15. Dezember, im Ar-
mehrfach in den vergangenen Jahren hier vorge-            beitskreis wurde den Abgeordneten der Klubs ent-
kommen ist. Entschuldigt aber nicht, dass es in           sprechend auch die Möglichkeit gegeben, Fragen
diesem Fall offensichtlich so war.                        zu der Veranlagung zu stellen. Und es sind hier
                                                          auch entsprechende Antworten gegeben worden.
     Eines möchte ich schon hier vorweg sagen.
Das, was ich den Medien entnommen habe was in                  Der aktuelle Gesamtwert unserer Veranlagun-
diesem Bericht wo stehen soll, sind mehrere               gen liegt bei 4,7 Milliarden Euro. Das heißt, mittler-
Punkte. Offensichtlich wird hier gesprochen von           weile hat sich der Stand auch aus dem sehr, sehr
einem Verlust oder etwas ähnlichem in der Größen-         schwierigen vergangenen Jahr um weitere 272
ordnung von einer Milliarde. Und ebenfalls wird           Millionen Euro verbessert, was eben einen Veran-
davon gesprochen, und das dürfte das Fazit dieses         lagungsertrag von 6,5 Prozent, über alle Fonds
Phantomberichtes sein, den keiner von uns kennt,          drübergerechnet, entsprechend bringt.
dass … (Abg. Dworak: Doch!)
… den von uns offensichtlich niemand kennt. Dass
                                                               Was ich aber glaube, was sowohl in der Dis-
also hier die Gelder, die hier veranlagt worden sind,
auch weiter in der jetzigen Form entsprechend             kussion über den Bericht des Rechnungshofes als
veranlagt werden sollen.                                  auch über die Diskussion dieses Veranlagungser-
                                                          folges an und für sich hier zu kurz kommt, ist, dass
                                                          das Jahr 2008 in der Geschichte seit dem Jahr
     Ich möchte schon anregen, dass wir uns viel-
                                                          1929 jenes war mit der größten Wirtschafts- und
leicht einmal die Ziffern, um die es hier geht, vor
                                                          Finanzkrise. Und dass hier nicht davon ausgegan-
Augen führen und auch ein bisschen die Kette, wie
                                                          gen werden kann, dass das, was in einem norma-
das Ganze vor sich gegangen ist.
                                                          len Wirtschafts- und Geschäftsjahr gilt, auch in
                                                          einem Jahr solch großer Umwälzungen gelten
    (Dritter Präsident Rosenmaier übernimmt den
                                                          kann. Wir haben insgesamt in diesem Jahr 2008
Vorsitz.)
                                                          mit einem Minus von etwa 17 Prozent hier einen
     Seit 2002 wurden hier 4,387 Millionen veran-         Momentanstand zu verzeichnen gehabt. Allerdings
lagt. Seit 2002 wurden jeweils ins Budget - in            im Vergleich zu anderen Anlagen, zu anderen Ver-
Summe seit 2002 - 954 Millionen Euro ausge-               anlagungen, war das in Summe noch immer ein
schüttet. Im Jahr 2009 im Rahmen des Konjunktur-          sehr, sehr guter Stand. Ein guter Stand im Hinblick
pakets noch einmal 150 Millionen. Das ist über eine       dessen, was hier wirklich auf den Planeten wirt-
Milliarde Euro für das Budget des Landes Nieder-          schaftlich vor sich gegangen ist.
österreich.
                                                               Trotzdem möchte ich an der Stelle schon ein-
     2009, darauf geht der vorliegende Bericht auch       fügen: Es ist hier von dir, geschätzter Kollege
ein, konnten 6,5 Prozent erwirtschaftet werden.           Leichtfried, gesagt worden, der Herr Landeshaupt-
Dinge, die für wichtige Vorhaben im Land Nieder-          mann hätte sozusagen diesen Rohbericht erhalten
österreich unabdingbar waren. Ohne diese Zufüh-           und die Manager der FIBEG. Und du hast hier den
rungen wären viele wichtige Projekte, gerade auch         Eindruck vermittelt, als ob sozusagen – zumindest
im sozialen Bereich, nicht durchführbar gewesen           kam es bei mir so an, wenn es nicht so ist, interpre-
und auch hier in der Form in keiner Weise finan-          tiere ich es vielleicht falsch -, dass sozusagen der
zierbar gewesen.                                          Personenkreis der von dir Angesprochenen jetzt
                                                          einmal unter Verdacht stünde, diese Information an
     Ich möchte aber vielleicht einmal vorweg zu          die Medien weitergegeben zu haben. (Unruhe bei
dem Bericht, der uns vorliegt, Stellung nehmen und        der SPÖ.)
hier ein bisschen auch inhaltlich darauf eingehen.        Das stand so im Raum.




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     Gleichzeitig wurde mir entsprechend mitgeteilt,           Es wurde das Berichtswesen – heute schon
dass auch Herr Landeshauptmannstellvertreter              mehrfach angesprochen – entsprechend verbessert
Leitner jener war, der gerade in den letzten Wo-          und standardisiert. Es wurde die Veranlagungs-
chen ganz besonders viel Kontakt zu Mitarbeiterin-        strategie langfristig und auf Kapitalerhalt fixiert. Die
nen und Mitarbeitern des Rechnungshofes hatte, so         Anzahl der Manager wurde reduziert, das Risiko
wie es auch der Herr Klubobmann vor kurzem ge-            durch genaue Veranlagungsgrenzen geregelt. Und
sagt hat. Und darum verstehe ich hier diese Haltet-       der Bericht liegt ja auch heute vor - ein externer,
den-Dieb-Mentalität nicht. Weil wir haben es sicher-      unabhängiger Wirtschaftsprüfer wird mit der Prü-
lich mit einer unbefriedigenden Situation zu tun,         fung und nachher Vorlage an den Landtag beauf-
dass so etwas passiert. Aber ich kann wirklich in         tragt. Alles Dinge, die auch der Rechnungshof in
Anspruch nehmen, ich glaube, dass die Vorgangs-           vergangenen Prüfungen entsprechend angespro-
weise, die normalerweise in solchen Fällen gewählt        chen hat und die umgesetzt worden sind. Und ich
wird, nämlich dass sehr wohl die Regierung sich           glaube, genau so wie es bei diesen hier vorange-
das einmal anschauen muss und dann hier auch              gangenen Prüfungen der Fall war, so sollte man
qualitativ mit den Unterlagen diskutiert werden kann      auch hier vorgehen.
im Landtag, die richtige ist. Und egal wo es her-
kommt, das sollte auch der Standard sein, unter                  Trotzdem glaube ich, wir brauchen alle eine
dem niemand hier im Haus sich drunter bewegen             sehr, sehr hohe Sensibilität was dieses Gebiet be-
sollte. (Beifall bei der ÖVP.)                            trifft. Weil ich glaube, wir sind es wirklich den Nie-
                                                          derösterreicherinnen      und     Niederösterreichern
     Und ich glaube auch, hier von diesem, von mir        schuldig, hier nicht uns als Abgeordnete über die
genannten Phantombericht, das ist wahnsinnig              Medien etwas ausrichten zu lassen, sondern uns
schwer, so wie es der Kollege Waldhäusl gemacht           wirklich bis ins Detail und in einer hohen Qualität
hat, hier schon ein Statement abzugeben als ob der        damit auseinander zu setzen.
Bericht in unseren Händen wäre. Hier wird mit
Zahlen operiert, die wir alle noch nicht kennen. Mag           Das, was heute wirklich zur Diskussion steht,
sein, dass dieser Rohbericht sie beinhaltet. Mag          ist ein meiner Meinung nach, nach dem sehr un-
auch sein, dass hier ganz andere Interpretationen         glaublich schwierigem Jahr 2008, ein wirtschaftlich
zulässig sind.                                            erfolgreiches Jahr 2009, was den Fonds betrifft. Es
                                                          konnte sozusagen ein Wertzuwachs verzeichnet
     Tatsache bleibt aber, dass wir es in einer un-       werden. Wir sind annähernd wieder bei dem An-
glaublich schwierigen Situation immer noch ge-            fangsstand der Veranlagungen. Wir haben in
schafft haben, Zuführungen in das ordentliche             Summe doch den in diesem Jahr notwendig ge-
Budget des Landes hinein zu geben ohne dass hier          wordenen Bargeldbestand von über 20 Prozent
bewiesen wäre, dass hier ein entsprechender Ver-          wieder auf ein normales Maß hinuntergeschraubt.
lust eingetreten ist. Und ich würde schon die glei-       Sind in den Anleihen wieder an die 30 Prozent ge-
che Diskussionskultur oder die gleiche Fairness,          gangen und haben sozusagen hier, glaube ich,
die gleiche Sensibilität, wenn es um Missleistungen       wieder ein Portfolio vor uns, das beide Dinge, die in
und Misswirtschaft zum Beispiel bei den Österrei-         den Eckpunkten auch die Vorgabe des Landtages
chischen Bundesbahnen geht, wo also bis zu 800            waren, auch entsprechend bedient. Nämlich auf der
Millionen Euro hier definitiv in den Sand gesetzt         einen Seite die Sicherung des Vermögens, dass
worden sind, dann hätte ich gerne einmal die glei-        das, was wir veranlagt haben, auch nachhaltig ge-
che Sensibilität auch in solchen Berichten, in sol-       sichert bleibt. Und aber, dass die notwendige Zu-
chen Gebieten. Weil ich glaube nicht, dass es gut         führung in einem Ausmaß von 120 bis 150 Millio-
tut, weiter hier zu verunsichern. Sondern was wir         nen Euro jährlich auch in Zukunft gesichert ist.
tun sollten ist, hier wirklich – das ist mehrfach an-
gesprochen worden – den Bericht abwarten,                      Weil das sind jene Gelder, die hier nicht fiktiv
schauen, was steht wirklich drinnen. Um dann ent-         irgendwo per Gießkanne im Boden versinken, son-
sprechende Reaktionen zu zeigen. Weil ich darf            dern das sind jene Leistungen, die vor allem die
schon in Erinnerung rufen: Berichte, die wir schon        sozial schwächeren Gruppen in unserem Land
kennen, nämlich vier Stück in dieser Angelegenheit,       brauchen. Und ich glaube, in diesem Sinn sollten
das war jetzt der 5., die gibt es zur Genüge. Da          wir auch die Diskussion, die sicherlich mit dem
wurden sehr, sehr viele kritische Punkte immer            heutigen Tag alles andere als beendet sein wird,
wieder aufgezeigt. Man darf nur in Erinnerung ru-         weiter führen. Und ich glaube, dass wir, wenn wir
fen, dass hier im Juli des vergangenen Jahres vom         uns darauf verständigen können, auch die richtigen
NÖ Landtag einige ganz wesentliche Änderungen             Entscheidungen weiterhin treffen können. Danke
aufgegriffen und auch durchgeführt wurden.                für die Aufmerksamkeit! (Beifall bei der ÖVP.)




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    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort               dingungen, die zwangsweise sozusagen als Ergeb-
gelangt Herr Abgeordneter Mag. Riedl.                    nis nach sich ziehen, dass wir die Langfrist-Strate-
                                                         gie auf gar keinen Fall ändern können und auf gar
    Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Sehr geehrter Herr            keinen Fall ändern dürfen. Und daher ist es auch,
Präsident! Meine Herren Präsidenten! Meine Her-          wenn wir dann die Resolutionen kurz untersuchen,
ren Landeshauptmannstellvertreter!                       ja absurd, mit Kurzfriststrategien in einer langfristi-
                                                         gen Veranlagung Bedingungen zu schaffen, die
     Gestatten Sie mir vorweg ein paar Bemerkun-         wirtschaftlich Unsinn bedeuten.
gen. Erstens: Na selbstverständlich muss der
Landtag und die Mitglieder des Landtages ein ge-              Das heißt also, aus meiner Sicht sind die
steigertes Interesse haben, entsprechende Infor-         Grundsätze, eine langfristige Strategie weiterzufah-
mationen zu bekommen! Selbstverständlich erwar-          ren und aus dieser langfristigen Veranlagung Zu-
ten wir eine volle Information - und auch zu Recht       satzerträge zu erwirtschaften, das Richtige gewe-
eine volle Information! (Beifall bei der ÖVP, SPÖ        sen und auch das Richtige für heute. Um Zusatzfi-
und den Grünen.)                                         nanzierungsquellen zu haben, um dieses Land in
                                                         der Form zu gestalten, wie wir es in den letzten
     Zum Zweiten: Niemand in diesem Haus wird            Jahren gestalten konnten. Und keiner bestreitet,
bestreiten, dass 2008 und 2009 die selben Voraus-        auch heute nach dem Ausschuss, die Kolleginnen
setzungen waren wie die Jahre 2001 bis 2008. Und         und Kollegen der anderen Fraktionen, so im
niemand wird bestreiten, dass es nicht neuer und         Smalltalk, keiner bestreitet, dass all das, was hier
gesonderter sozusagen Richtlinien und Rahmen-            passiert ist mit den Erträgnissen ohne diese Ver-
bedingungen bedurfte, damit diese schwierige Situ-       anlagung in der Form nicht möglich gewesen wäre.
ation gemeistert wurde oder wird.                        Daher sind wir ja im Wesentlichen auch dankbar,
                                                         dass verantwortungsbewusst mit dieser Veranla-
    Und alle in diesem Haus haben selbstver-             gung umgegangen wurde und dass diese Zusatz-
ständlich ein großes Interesse daran, dass verant-       erträge möglich waren.
wortungsbewusst mit uns anvertrauten Geldern
umgegangen wird. Daher haben wir 2009 sofort                  Was macht aber die SPÖ? Meine sehr geehr-
nach dem durchsichtigen Rahmen, nach den                 ten Damen und Herren! Ich finde das aus tiefster
durchsichtigen schwierigen Phasen erkennen kön-          Überzeugung bedenklich: Herr Landeshauptmann-
nen, dass neue Bestimmungen notwendig waren.             stellvertreter, Sie haben aus meiner Sicht außer
Und die Verantwortung, das ist auch schon gesagt         den Landeshauptmannstellvertreter Sobotka anzu-
worden, meine Damen und Herren, hat nur die              patzen, in dieser Frage keine Verantwortung über-
ÖVP wieder einmal wahrgenommen. (Beifall bei der         nommen. Obwohl die Prüfberichte bisher die Ver-
ÖVP.)                                                    anlagungen goutiert und in Ordnung befunden ha-
                                                         ben. Und es ist schon gesagt worden vom Kolle-
      Trotzdem auch Drittens: Alle bisherigen Be-        gen: Obwohl hier eine schwierige Phase ist, obwohl
richte, alle bisherigen Prüfungen haben den Weg          wir hier in der Darstellung der Zahlenmaterialien
richtig bestätigt und haben gleichzeitig, unter An-      durchaus sozusagen wir uns bemühen, auch diese
führungszeichen, auch die Verantwortlichen bestä-        schwierige Phase ordnungsgemäß zu bewältigen,
tigt, dass sie verantwortungsbewusst mit den ihnen       hört man von Ihnen und von euch überhaupt nichts
anvertrauten Geldern umgegangen sind. Das heißt,         zur Zockerei der ÖBB.
alles, was hier untersucht wurde bis hin zu den
heute vorgelegten Berichten zeigt, dass das Port-            Hört man von euch, und das ist noch schlim-
folio richtlinienkonform ist. Zeigt, dass die Be-        mer, ein Mauern für die ÖBB, defakto, wenn es
stimmungen, die wir auferlegt haben, auch ein-           darum geht, hier Landesinteressen umzusetzen:
gehalten wurden.                                         Wir sollen mehr zahlen wenn wir die Bahnen über-
                                                         nehmen. (Beifall bei der ÖVP. – Unruhe bei der
     Viertens: Wir sind in einer äußerst schwierigen     SPÖ.)
Phase. Wir haben ein gesteigertes sozusagen Be-          Nein, nein! Herr Kollege, das ist schon das Thema!
dürfnis, konjunkturelle Impulse zu setzen. Das           (Abg. Thumpser: Wie hat der Generaldirektor ge-
heißt, wir werden zwangsweise, und wir sehen das         heißen wie ihr verhandelt habt?)
ja auf allen öffentlichen Ebenen, zwangsweise auch
einen Anstieg der Staatsverschuldung mittragen auf           Was wir brauchen ist keine Polemik, sondern
allen Ebenen. Wir haben noch immer zu hohe, aber         verantwortungsbewusste Politiker, die sich der
noch immer gesteigerte Arbeitslosenzahlen. Und           Sache annehmen! (Beifall bei der ÖVP. – Heftige
wir haben ein Zinssaldo oder ein Zinsniveau, das         Unruhe bei der SPÖ.)
auf einem historischen Tiefstand ist. Rahmenbe-          Ich mein, wenn man euch die Wahrheit …




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    Dritter Präsident Rosenmaier: Herr Abge-                   Noch etwas: (Abg. Dworak: Das ist eine Büt-
ordneter, ich bitte schon zum Thema zu sprechen.          tenrede!)
                                                          Nein, nein, das ist keine Büttenrede! Es ist auch
    Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Das tue ich! Wir ha-           nicht Fasching! Herr Kollege Dworak, das ist nicht
ben gerade von der Veranlagung und der Zockerei           Fasching. Ich muss euch sagen, es wird ja noch
gesprochen. Und da sage ich euch ganz offen, bei          interessanter, also aus meiner Sicht, weil ich
der ÖBB hat man von euch nichts gehört. (Zwi-             denke, vor gar nicht so langer Zeit hat Kollege
schenrufe: Veranlagung!)                                  Leitner öffentlich sozusagen dokumentiert, sein
                                                          großes Vorbild ist der oberösterreichische Haider.
     Wir reden von der Veranlagung! Aber ich ver-         Habe ich gelesen in der Zeitung. (Neuerlich heftige
stehe euch ja, dass ihr nervös werdet. Ich verstehe       Unruhe bei der SPÖ.)
euch ja, dass ihr nervös werdet. Und zwar, weil           Ich denke, der ist ihm ja abhanden gekommen.
auch die Debatte, die vorhin so unterschwellig dis-       Jetzt, glaube ich, hat er den Dörfler. (Beifall bei der
kutiert wurde, wer hat denn sozusagen das Prob-           ÖVP.)
lem, dass Rechnungshofberichte vorzeitig öffentlich
werden ohne dass wir davon Kenntnis haben? Und                 Wir haben ja heute, meine Damen und Herren,
es ist auch schon gesagt worden, dass der Kollege         und das ist nicht lustig, das ist wirklich nicht lustig,
Leitner regelmäßig mit Rechnungshofbeamten                wir haben heute, glaube ich, den 11., wenn ich
Kontakt aufnimmt. Auch das ist sozusagen aus              richtig gezählt habe, den 11. Antrag der SPÖ, einen
meiner Sicht nicht eine Vermutung und keine Un-           Fonds zu gründen über Hunderte von Millionen. Die
terstellung. Und ich werde euch das in der Sache          das Land nicht hat! Also Geld auszugeben das
jetzt gleich auch beweisen. (Unruhe bei der SPÖ.)         niemand hat. Und keiner unter Anführungszeichen
Ihr seid ein bisschen nervös, aber das muss man           traut sich sozusagen als Antwort zu geben, na
halt auch aushalten. Die Wahrheit muss man aus-           Gottseidank haben wir unsere Veranlagung, Gott-
halten. (Beifall bei der ÖVP.)                            seidank haben wir die Erträgnisse damit wir in
                                                          Schritten, die notwendig sind, das Wichtige und
     Liebe Freunde! Herr Präsident, auch zur Sa-          Richtige zuerst machen. Und nicht mit der Gieß-
che: Unveröffentlichte Rechnungshofberichte. Im           kanne durchs Land gehen und dort 500 Millionen,
österreichischen Gemeindebund haben wir vor gar           da 500 Millionen unter Anführungszeichen. Wir in
nicht allzu langer Zeit unter der Federführung von        Niederösterreich, wir, die ÖVP, wir stehen dafür,
Prof. Felderer mit dem Rechnungshof, und zwar im          dass keine Kärntner Verhältnisse entstehen! (Beifall
Wesentlichen mit Dr. Moser, aber in seiner Vertre-        und Bravo-Rufe von Seiten der ÖVP. – Heftige
tung den mittlerweile zum Sektionschef avancierten        Unruhe bei der SPÖ. – Abg. Dworak: Warum stellt
Kollegen Herics und dem Thaler von der Finanz-            euch ihr Schwarzen in Kärnten gegen die ÖVP?)
marktaufsicht und dem Nowotny von der National-
bank, also ohne jetzt die Titel alle genau zu sagen,          Wenn ihr euch wieder beruhigt habt, dann
ist keine Despektierlichkeit, Richtlinien erarbeitet.     gestattet mir fortzusetzen. Ich möchte ein paar
                                                          Dinge noch zu den Resolutionsanträgen sagen.
     Der Rechnungshof hat im Grunde Folgendes
richtig festgestellt, weil das Thema, nehme ich an,          Dritter Präsident Rosenmaier: Bitte etwas
gilt für alle Kontrollinstanzen. Er tut sich in der       mehr Sachlichkeit und mehr Ruhe im Hohen Haus.
Frage der Erstellung von Richtlinien, also in der         Danke dafür!
Beratungsfunktion, ein bisschen schwer. Er kann
nicht auf der einen Seite sozusagen beraten und               Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Danke! Herr Präsi-
auf der anderen Seite kontrollieren. Das ist aus          dent!
seiner Sicht, zumindest haben es die Verantwortli-
chen des Bundesrechnungshofes so formuliert,                   Was ich damit sagen wollte: Die NÖ Volkspar-
unvereinbar. Und gleichzeitig, in einem Atemzug,          tei wünscht sich in diesem Haus die vollständige
sagt der Vertreter des Rechnungshofes: Da müsste          und ordnungsgemäße Information über alle Inhalte.
ich ja auch eurem …, ich war in dieser Gruppe ad          Wir wünschen uns natürlich die laufende und rich-
personam angesprochen, vor allen diesen honori-           tige und regelmäßige Information über diese Ver-
gen Persönlichkeiten, wortwörtlich, dann müsste ich       anlagungen. Das steht uns zu, das ist ein Thema,
ja auch euren Landeshauptmannstellvertreter auch          das dieser Landtag auch berechtigt fordert und jetzt
beraten, der regelmäßig bei mir vorspricht in der         erhalten hat. Wir freuen uns sozusagen auch dar-
Sache. (Abg. Mag. Schneeberger: Hört, hört!)              über, dass diese Berichte auch eindeutig positiv
Hört! Hört! Und da gibt’s fünf persönliche Zeugen         vom Wirtschaftsprüfer bestätigt wurden und damit
die das bestätigen. (Unruhe bei der SPÖ. )                auch klar ist, dass hier verantwortungsbewusst und




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


ordnungsgemäß gehandelt wurde. (Beifall bei der           suchen bis wir wissen woher denn diese Daten
ÖVP.)                                                     kommen. (Beifall bei der ÖVP.)

     Zu den Resolutionsanträgen von den Grünen                 Eure weiteren Antragsbegründungen und wei-
darf ich zu den vorgelegten Punkten bitte Folgen-         teren Forderungen sind dazu nicht angetan. Des-
des mitteilen: Zum Ersten Veranlagungsbestim-             wegen haben wir uns erlaubt, einen eigenen Antrag
mungen. Ich denke, dass wir 2009 schon gezeigt            zu formulieren. Einen Resolutionsantrag des Abge-
haben, dass zum richtigen Zeitpunkt das Notwen-           ordneten Riedl, der mit einer entsprechenden Be-
dige und Richtige und Wichtige zuerst zu machen           gründung folgenden Antrag stellt (liest:)
ist und wir so gehandelt haben. Und es ist daher im
Lichte der laufenden Entwicklungen des Umfeldes                             „Resolutionsantrag
auch selbstverständlich, dass wir in diesem Punkt
auch weiter erwarten dürfen, dass Richtlinien ent-             des Abgeordneten Mag. Riedl gem. § 60 LGO
stehen, die zeitgemäß sind, die ordnungsgemäß             2001 zur Vorlage der Landesregierung betreffend
sind. Die FIBEG hat daher mit den entsprechenden          Veranlagung des Landes Niederösterreich, Richtli-
Unternehmungen bereits Gespräche geführt und              nien, Berichte Ltg. 469/B-53/1, betreffend Veröf-
Aufträge erteilt, dass die Fachleute das entspre-         fentlichung von Rohberichten der Rechnungshöfe
chend konzipieren. Und wir erwarten uns auch eine         vor Stellungnahme der Landesregierung.
Umsetzung im ersten Halbjahr. Daher ist in diesem
Punkt Ihr Antrag ja bereits erfüllt.                           Rohberichte der Rechnungshöfe unterliegen,
                                                          solange sie nicht dem Rechnungshofausschuss
     Zum Zweiten, die 5-Prozentrendite. Ich sage          zugeleitet wurden bzw. vom Bundesrechnungshof
es noch einmal, ich habe es in der Debatte vorhin         veröffentlicht wurden, der Geheimhaltung. In der
schon angemerkt: Eine Kurzfriststrategie in einer         Vergangenheit ist es des Öfteren vorgekommen,
langfristigen Veranlagung ist wirtschaftlicher Un-        wie z.B. beim derzeit in Rede stehenden Rohbe-
sinn! Daher können wir dem nicht zustimmen. Und           richt zu den Veranlagungen, dass derartige Rohbe-
zur vorzeitigen Bildung von Wohnbaudarlehen mit           richte frühzeitig – trotz der vorgesehenen Geheim-
der Begründung, in der wirtschaftlich schwierigen         haltung – in den Medien behandelt wurden.
Situation Konsumkraft zu stimulieren: Das verstehe
ich überhaupt nicht. Weil Tatsache ist, begünstigt             Im Ablauf der Behandlung von Rechnungshof-
unter Anführungszeichen, geringere Rückzahlun-            Berichten ist vorgesehen, dass ein Rohbericht der
gen zu machen um mehr in den Haushalten, mehr             geprüften Stelle zur Stellungnahme zugeleitet wird.
Finanzmittel zu haben um den Konsum zu stimulie-          Diese hat Gelegenheit zu diesem Rohbericht Stel-
ren, also vorzeitige Rückzahlung so wie Sie be-           lung zu nehmen. In der Folge wird der Rohbericht
gründen, ja genau das Gegenteil. Also daher wer-          mit dieser Stellungnahme der Landesregierung zur
den wir diesem Antrag nicht zustimmen.                    Beschlussfassung vorgelegt und dem Rechnungs-
                                                          hof übermittelt.
     Die zweite Situation über die Frage, Resoluti-
onsantrag der SPÖ betreffend der vorzeitigen Be-               In diesem Sinne ist nicht einzusehen, dass
kanntmachung von Rechnungshofberichten. Ich               eine Veröffentlichung von Rohberichten vor Befas-
habe mir da mitgenommen ein paar so öffentliche           sung des Rechnungshof-Ausschusses der Öffent-
Darstellungen. Das eine, offizielle Veröffentlichung,     lichkeit zugänglich gemacht wird.
am Donnerstag erst, Landesrechnungshof zur fi-
nanziellen Gebarung der Landesgartenschau. Am                 Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
Dienstag in der Report-Sendung. Also wie das öf-
fentlich werden hat können, ein paar Tage vorher              Der Hohe Landtag wolle beschließen:
…, also ich denke einmal grundsätzlich nicht von
den Kolleginnen und Kollegen der Volkspartei.                 Die NÖ Landesregierung wird im Sinne der
                                                          Antragsbegründung aufgefordert, Untersuchungen
     Zweites Thema: Mängel bei der Wohnbausa-             einzuleiten, über welche Quellen, Rohberichte und
nierung, Rohbericht, Presse, thermische Sanierung,        im konkreten Fall der Rohbericht des Rechnungs-
Klimaziele verfehlt, Pressemeldung Rohbericht-            hofes über das Veranlagungsmanagement der
Bekanntmachung. Und genauso jetzt natürlich wie-          Erlöse aus der Verwertung der Wohnbaudarlehen
der diese Situation. Wir sind willens. Also, euer         und den Verkauf der Beteiligungen des Landes an
Antrag hat im ersten Punkt eine Begründung oder           der Landesbeteiligungsholding in die Medien ge-
eine Forderung, die gerechtfertigt ist. Wir wollen        langt ist und in der Folge die notwendigen Schritte
Aufklärungen und wir werden auch so lange unter-          einzuleiten.“




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     Also das ist ein Antrag, den wollen wir alle. Ich     rechnungshof hat uns am Freitag informiert und das
hoffe, ihr könnt damit nicht nur dem beitreten, son-       durften sie, da haben sie extra nachgefragt, dass
dern auch den mittragen. (Beifall bei der ÖVP.)            sie eben den Bericht Landeshauptmann Pröll und
                                                           der FIBEG übermittelt haben. (Abg. Mag. Schnee-
    Dritter Präsident Rosenmaier: Herr Landes-             berger: Also Sie haben es schon gewusst?)
hauptmannstellvertreter Dr. Leitner ist am Wort.
                                                                Ansonsten sind keinerlei Informationen geflos-
    LHStv. Dr. Leitner (SPÖ): Geschätzte Herren            sen. Auch da können Sie mich 100 Prozent beim
Präsidenten! Herr Landeshauptmannstellvertreter!           Wort nehmen, geschätzte Damen und Herren! Wir
Werte Kolleginnen und Kollegen des Hohen                   haben Sie also erwischt. Wir haben gerechnet vor
Hauses!                                                    einem Jahr. Sie können sich erinnern, das Dr.
                                                           Keppert uns ein Gutachten erstellt hat. Sowohl er
     Ein paar Dinge, weil auch ich als Person ange-        als auch ich sind hier verunglimpft worden und es
sprochen wurde. Grundsätzlich ist es so, dass in           wurde alles in Abrede gestellt. Leider, wie gesagt,
Bezug auf die Veranlagungsverluste drei Fälle auf-         hatten wir Recht. Aber wir haben richtig gerechnet.
getreten sind. Der eine ist ÖBB mit 300 Millionen
Euro. Schlimm! Der zweite ist die Österreichische               Geschätzte Damen und Herren! Eine Aussage
Bundesfinanzierungsagentur mit 600 Millionen               kann man mit ruhigem Gewissen tätigen: Wenn das
Euro. noch schlimmer! Und das Land Niederöster-            stimmt was in den Zeitungen gestanden ist mit
reich mit 1.000 Millionen Euro. Das ist am                 dieser einen Milliarde Euro, dann, möchte ich
schlimmsten! Das ist der größte Verlust mit der            nochmals betonen, ist das der größte Spekulati-
Veranlagung von öffentlichen Geldern in der Ge-            onsverlust in der Geschichte der Republik Öster-
schichte der Republik.                                     reich und für den Sie, geschätzter Herr Landes-
                                                           hauptmannstellvertreter Sobotka, die Verantwor-
    Zum Zweiten möchte ich Ihnen sagen, …(Abg.             tung tragen. Das heißt, wir wollen volle Aufklärung!
Mag. Schneeberger: Woher kommen Sie auf diese              Wir wollen volle Aufklärung Bezug nehmend auf
Zahl? Sie behaupten was. Ich möchte wissen, wo-            diese Causa. Und Sie können sich darauf verlas-
her kommen Sie auf diese Zahl? – LHStv. Mag.               sen, wir werden keine Ruhe geben, bevor dieser
Sobotka: Stimmt diese Zahl?)                               Fall nicht vollends aufgeklärt ist. (Beifall bei der
                                                           SPÖ. – Abg. Mag. Karner: Beschämend für ein
     Zum Zweiten möchte ich Ihnen sagen, dass              Regierungsmitglied!)
Bezug genommen auf die Berichterstattung in den
Zeitungen (Abg. Mag. Schneeberger: Ach! Aus der                 Das heißt, da legen Sie die Fakten und Daten
Zeitung! So seriös ist die Arbeit des Landeshaupt-         auf den Tisch. Wir wollen keine Verzögerungen
mannstellvertreters!)                                      mehr. Wir laden Sie nochmals ein, bringen wir die
                                                           ganze Sache ins Reine, das ist der bessere Weg
    … ich Ihnen eines sagen muss: Ich bin er-              für Niederösterreich. Ein herzliches Dankeschön!
schüttert. (Abg. Mag. Schneeberger: Ich auch!) Ich         (Beifall bei der SPÖ.)
bin erschüttert, dass der Bundesrechnungshof we-
nige Tage, nachdem dieser jenige der FIBEG und                Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort
dem Landeshauptmann Pröll übermittelt wurde, wir           gemeldet hat sich Herr Abgeordneter Riedl.
nachlesen mussten in der Zeitung gerade in dieser
sensiblen Sache.                                              Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Herr Landeshaupt-
                                                           mannstellvertreter Leitner!
     Konfrontiert bin ich damit worden erstmals am
Sonntag Nachmittag von der Zeitung „Österreich“.                Was ich nicht unterstellen möchte, dass es
Und dann hat es andere Kontaktnahmen gegeben.              bewusst geschieht, also skandalisieren. Wir haben
Wir haben uns dazu entschieden, hier die Bericht-          heute einen Bericht der Verantwortlichen aus dem
erstattung abzuwarten, weil ich nicht wusste, was          Fonds, wir haben einen Bericht des Wirtschafts-
drinnen steht.                                             prüfers und wir haben tatsächliche Zahlen. Sie
                                                           wagen sich da herzustellen, damit sozusagen für
    Es ist weiters Fakt, nochmals zu wiederholen,          das Protokoll eine Debatte geführt wird, erklären
dass wir diesen Bericht nicht bekommen haben,              hier, eine Milliarde und nehmen die Zahlen dieses
auch sonst niemand anderer als - noch einmal -             Berichtes, die grundsätzlich was anderes sagen,
Landeshauptmann Pröll und die FIBEG. Es ist Fakt,          nicht zur Kenntnis.
und Sie können mich beim Wort nehmen zu 100
Prozent, niemand anderer hat ihn bekommen.                     Wir wissen schon, dass Sie polemisch auch
Denn, und ich sage Ihnen ganz offen, der Bundes-           gesagt haben, wir werden den Bericht nicht zur




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Kenntnis nehmen. Aber eines könnt ihr nicht ma-           sich nicht hergestellt und hat gesagt, wir lehnen das
chen: Ihr könnt euch ganz einfach nicht davon-            ab, ohne auf diese Zahlen Bezug zu nehmen. Son-
stehlen von den Grundsätzen, die wir gemeinsam            dern ich habe in meinen Ausführungen ganz klar
vor mittlerweilen acht Jahren beschlossen haben.          und deutlich begründet, wieso wir den Bericht nicht
Die bis zu einer Debatte, wo die Gemeinsamkeit in         zur Kenntnis nehmen. Weil dieser Bericht, das
diesem Raum immer für das Land Verantwortung              habe ich auch gesagt, aus zweierlei Gründen, ei-
getragen hat, auch gemeinsam getragen wurde.              nerseits auf Grund der aus unserer Sicht verspäte-
Und erst seit der Skandalisierung durch Landes-           ten Vorlage und auf der anderen Seite … (Unruhe
hauptmannstellvertreter Leitner jetzt polemisch           bei der ÖVP.)
nicht zur Kenntnis genommen wird.
                                                               Ja verspätet, nämlich einen Tag vorher, ges-
     Das ist ein Thema, das ist wirklich notwendig        tern Nachmittag habe ich den Bericht bekommen in
hier festzustellen, weil ich denke, wozu bemüht           dem Umfang wie er jetzt vorliegt, ja? Er ist eh dünn,
man sich in der Frage? Wir wollen und wir erwarten        das stimmt. Und andererseits weil wir uns bestätigt
volle Aufklärung. Wir wollen und erwarten volle           fühlen darin, dass wir das, was wir kritisiert haben
Zahlen. Und Sie sagen da jetzt, eine Milliarde, weil      bei der Beschlussfassung der Richtlinien auch hier
es in der Zeitung steht. Heute haben wir einen Be-        wiederum in diesem Bericht bestätigt bekommen
richt, den die Verantwortlichen samt den autori-          haben. Und daher nehmen wir diesen Bericht nicht
sierten Verantwortungsträgern auch vorgelegt ha-          zur Kenntnis. Und das hat mit überhaupt nichts an-
ben. Da würde ich schon meinen, dass das die              derem zu tun! (Beifall bei der SPÖ.)
Grundlage wäre für eine faire öffentliche Debatte.
(Beifall bei der ÖVP.)                                         Dritter Präsident Rosenmaier: Damit ist die
                                                          Rednerliste erschöpft. Ich frage den Herrn Bericht-
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                erstatter ob er ein Schlusswort wünscht.
gelangt Herr Abgeordneter Leichtfried.
                                                               Berichterstatter Abg. Moser (ÖVP): Ich ver-
     Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Ich muss mich           zichte!
noch ganz kurz zu Wort melden, weil ich glaube –
und das kann ich sagen, weil ich habe das schon in              Dritter Präsident Rosenmaier: Er verzichtet
einer Landtagsrede im Zusammenhang mit Veran-             darauf. Damit kommen wir zur Abstimmung. (Nach
lagungen auch festgestellt – wir stehlen uns nicht        Abstimmung über den vorliegenden Antrag des
vor der Verantwortung weg, was vorher im Jahr             Wirtschafts- und Finanz-Ausschusses, Ltg. 469/B-
2001 usw. passiert ist. Wir haben damals, und ich         53/1:) Das ist mit den Stimmen der ÖVP die Mehr-
habe das auch gesagt, nach langen, wirklich lan-          heit.
gen Diskussionen im Klub damals dann unseren
Regierungsmitgliedern von damals den Auftrag                   Dazu gibt es drei Resolutionsanträge. Der
gegeben, eben hier mitzustimmen und das mitzu-            erste Resolutionsantrag der Abgeordneten Dr.
tragen. Wir haben das auch im Landtag mitgetra-           Helga Krismer-Huber, MMag. Dr. Petrovic,
gen damals. Ist gar keine Diskussion. Das werden          Emmerich Weiderbauer und Amrita Enzinger
wir auch niemals abstreiten.                              betreffend Neuregelung der Rahmenbedingungen
                                                          für die Veranlagung des Landes Niederösterreich.
      Tatsache ist aber auch, dass wir nie damit sehr     (Nach Abstimmung:) Das sind die Stimmen der
glücklich gewesen sind. Und Tatsache ist auch,            Grünen und der SPÖ, damit ist das die Minderheit
dass wir seit sicherlich zwei Jahren eine ganz an-        und der Antrag abgelehnt.
dere Meinung haben. Das hat aber nichts damit zu
tun, um das auch klar zu sagen, das hat nichts mit             Der nächste Resolutionsantrag der Abgeord-
Skandalisierung zu tun vom Landeshauptmann-               neten Mag. Leichtfried, Cerwenka, Antoni, Dworak,
stellvertreter, was ihm immer wieder unterstellt          Findeis, Gartner, Gratzer, Jahrmann, Kernstock,
wird. Das hat damit zu tun, dass wir der Meinung          Onodi, Razborcan, Mag. Renner, Rosenmaier,
sind, und ich habe das in meiner Rede sehr, sehr          Thumpser und Vladyka betreffend umgehende
eindeutig, glaube ich, nachgewiesen, das hat damit        Maßnahmen zum Rohbericht des Bundesrech-
zu tun, dass wir der Meinung sind, dass mit öffentli-     nungshofes über die Veranlagungsmanagements
chen Geldern hier in dieser Art und Weise nicht           der Erlöse aus der Verwertung der Wohnbauförde-
mehr in Zukunft spekuliert, veranlagt etc. werden         rungsdarlehen und den Verkauf der Beteiligungen
soll.                                                     des Landes an die NÖ Landesbeteiligungsholding
                                                          GmbH. (Nach Abstimmung:) Das sind die Stimmen
   Und, meine Damen und Herren des Hohen                  der SPÖ und der FPÖ, das ist die Minderheit. Da-
Hauses! Landeshauptmannstellvertreter Leitner hat         mit ist dieser Resolutionsantrag abgelehnt.




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Landtag von Niederösterreich      Tagung 2009/10 der XVII. Periode       21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Damit kommen wir zum dritten Resolutionsan-           Dritter Präsident Rosenmaier: Ich erkläre die
trag des Abgeordneten Mag. Riedl betreffend Ver-       Stimmabgabe damit für beendet und bitte die mit
öffentlichung von Rohberichten der Rechnungs-          der Abnahme der Stimmzettel beauftragten Be-
höfe, Stellungnahme der Landesregierung. (Nach         diensteten, die Stimmenzählung vorzunehmen.
Abstimmung:) Das ist einstimmig. Damit ist der
Resolutionsantrag angenommen.                              (Nach Auszählung der Stimmen:)

                                                            Nun gibt es ein Ergebnis. Abgegeben wurden
     Dann gibt es einen Antrag der Abgeordneten
                                                       54 Stimmzettel. Davon lauten 10 auf „Ja“ und 44
Waldhäusl, Dr. Krismer-Huber, Königsberger, Ing.
                                                       auf „Nein“. Damit ist der Antrag mit Mehrheit abge-
Huber, Tauchner, Schwab und Sulzberger betref-
                                                       lehnt.
fend Einsetzung eines Untersuchungsausschusses
zu den Veranlagungen der NÖ Wohnbaugelder. Es              Ja Stimmen:
gibt auch das Verlangen auf Durchführung einer
namentlichen Abstimmung. Wenn Sie damit einver-           Amrita Enzinger MSc, Dr. Helga Krismer-
standen sind, dann ersuche ich ebenfalls um Ihre       Huber, Ing. Martin Huber, Erich Königsberger,
Zustimmung. (Unruhe im Hohen Hause.)                   MMag. Dr. Madeleine Petrovic, Karl Schwab,
Dann brauchen wir nicht abstimmen, weil sechs          Benno Sulzberger, Edmund Tauchner, Gottfried
sind ausreichend, jawohl.                              Waldhäusl, Emmerich Weiderbauer.

                                                           Nein Stimmen:
     So. Damit kommen wir schon zur namentlichen
Abstimmung. Die Schriftführer, die Abgeordneten             Erika Adensamer, Konrad Antoni, Karl Bader,
Lembacher, Ing. Gratzer, Sulzberger und Enzinger       Helmut Doppler, Rupert Dworak, Josef Edlinger,
werden ersucht, den Namensaufruf durchzuführen.        Dipl.Ing. Willibald Eigner, Anton Erber, Hermann
Die Stimmzettel sind ja bereits ausgeteilt und ich     Findeis, Franz Gartner, Franz Grandl, Ing. Franz
bitte zu beginnen.                                     Gratzer, Mag. Kurt Hackl, Ing. Hermann Haller,
                                                       Hermann Hauer, Michaela Hinterholzer, Hans
     Schriftführerin Abg. Lembacher (ÖVP): Erika       Stefan Hintner, Ing. Johann Hofbauer, Josef Jahr-
Adensamer, Konrad Antoni, Karl Bader, Helmut           mann, Mag. Gerhard Karner, Anton Kasser, Otto
Doppler, Rupert Dworak, Josef Edlinger, Dipl.Ing.      Kernstock, Mag. Günther Leichtfried, Marianne
Willibald Eigner, Amrita Enzinger MSc, Anton           Lembacher, Jürgen Maier, Mag. Lukas Mandl, Dr.
Erber, Hermann Findeis, Franz Gartner, Franz           Martin Michalitsch, Franz Mold, Karl Moser, Herbert
Grandl, Ing. Franz Gratzer.                            Nowohradsky, Heidemaria Onodi, Ing. Hans Penz,
                                                       Ing. Andreas Pum, Gerhard Razborcan, Mag. Karin
    Schriftführer Abg. Ing. Gratzer (SPÖ): Mag.        Renner, Ing. Franz Rennhofer, Mag. Alfred Riedl,
Kurt Hackl, Ing. Hermann Haller, Hermann Hauer,        Ingeborg Rinke, Alfredo Rosenmaier, Mag. Klaus
Michaela Hinterholzer, Hans Stefan Hintner, Ing.       Schneeberger, Ing. Manfred Schulz, Martin
Johann Hofbauer, Ing. Martin Huber, Josef Jahr-        Schuster, Herbert Thumpser, Mag. Karl Wilfing.
mann, Mag. Gerhard Karner, Anton Kasser, Otto
Kernstock, Erich Königsberger, Dr. Helga Krismer-          Ich ersuche nun Herrn Abgeordneten Mold, die
Huber, Mag. Günther Leichtfried.                       Verhandlung zu Ltg. 437/A-3/17 einzuleiten.

     Schriftführer  Abg.    Sulzberger  (FPÖ):              Berichterstatter Abg. Mold (ÖVP): Sehr ge-
Marianne Lembacher, Jürgen Maier, Mag. Lukas           ehrte Herren Präsidenten! Hoher Landtag! Ge-
Mandl, Dr. Martin Michalitsch, Franz Mold, Karl        schätzte Damen und Herren Abgeordnete! Ich be-
Moser, Herbert Nowohradsky, Heidemaria Onodi,          richte zum Antrag der Abgeordneten Waldhäusl,
Ing. Hans Penz, MMag. Dr. Madeleine Petrovic,          Königsberger, Huber, Tauchner, Schwab und Sulz-
Ing. Andreas Pum, Gerhard Razborcan, Mag. Karin        berger betreffend Neuregelung hinsichtlich Bauten
Renner, Ing. Franz Rennhofer.                          von außergewöhnlicher Architektur oder Größe
                                                       sowie publikumsintensiven Veranstaltungsstätten.
     Schriftführerin Abg. Enzinger MSc (Grüne):
                                                           Der Antrag liegt den Damen und Herren Abge-
Mag. Alfred Riedl, Ingeborg Rinke, Alfredo Rosen-
                                                       ordneten vor, ich komme daher zum Antrag des
maier, Mag. Klaus Schneeberger, Ing. Manfred
                                                       Bau-Ausschusses (liest:)
Schulz, Martin Schuster, Karl Schwab, Benno Sulz-
berger, Edmund Tauchner, Herbert Thumpser,                 „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Gottfried Waldhäusl, Emmerich Weiderbauer, Mag.
Karl Wilfing.                                              Der Antrag wird abgelehnt.“




                                                     374
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Herr Präsident, ich ersuche daher um Einlei-          kommen ist, dass Moscheen sehr wohl in das NÖ
tung der Debatte und Durchführung der Abstim-             Ortsbild passen.
mung.
                                                               Also das würde ich gern mit all jenen Häusl-
   Dritter Präsident Rosenmaier: Ich danke                bauern in Niederösterreich diskutieren, die von der
dem Berichterstatter. Zum Wort gelangt Herr Klub-         Baubehörde betreffend des Gartenzauns, betref-
obmann Waldhäusl.                                         fend ihrer Gartenhütte, betreffend ihres Dachstuhls,
                                                          betreffend der Fenster Vorschreibungen bekommen
     Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident! Werte          unter dem Titel, Nein, dieser Wunsch, lieber Bau-
Kollegen des Landtages!                                   werber, ist nicht möglich, denn dieser Wunsch ent-
                                                          spricht nicht dem niederösterreichischen Ortsbild.
    Wir diskutieren einen Antrag betreffend einer
Neuregelung hinsichtlich Bauten von außerge-                    Und jetzt wollen wir Freiheitlichen sehr wohl
wöhnlicher Architektur. Und wollen damit unter            unterscheiden: Na was ist jetzt schlimmer für das
anderem auch mit diesem Antrag verhindern, dass           Ortsbild in Niederösterreich? Wenn die Moscheen
auch Gebäude zum Zwecke der Religionsausübung             zunehmen und die Türme hier in die Luft ragen
in Zukunft nicht mehr so einfach wie jetzt gebaut         oder wenn ein Häuslbauer vielleicht einmal beim
werden können.                                            Gartenzaun um 20 cm diesen Zaun höher anlegen
                                                          möchte. Vielleicht auch deswegen, weil in Zeiten
    Wir wollen – und ich sage es auf den Punkt            der zunehmenden Kriminalität, weil die Grenzen ja
gebracht – wir Freiheitlichen wollen verhindern,          offen sind und wir wollen, dass die Grenzen kon-
genauso wie die ÖVP und FPÖ in Vorarlberg, dass           trolliert werden, er den Zaun für seine Sicherheit
es vermehrt Minarette in unserem schönen Bun-             errichten möchte. Und dann heißts, passt nicht in
desland gibt.                                             unser Ortsbild.

                                                              Wir sagen und stehen hier eindeutig auf Seiten
     Mit diesem Antrag besteht die Möglichkeit, hier
einzugreifen, hier neu zu regeln. Und es geht uns         der Bürger. Und wir stehen auch auf jener Seite der
im Wesentlichen um die Punkte des Ortsbildes. Wir         Bürger, die hier um ihre Rechte, um ihre Anrainer-
                                                          rechte kämpfen wenn Diskussionen über einen Bau
wollen, dass das charakteristische, typische nie-
                                                          einer Moschee mit Minarett kommen. Diese Anrai-
derösterreichische Ortsbild erhalten bleibt. So nach
                                                          ner haben ein Recht, doch momentan haben sie
dem Motto des Landeshauptmannes, Niederöster-
                                                          keine Möglichkeit auf Grund der rechtlichen
reich schöner gestalten wollen wir Niederösterreich
schön erhalten. (Beifall bei der FPÖ.)                    Grundlage, hier etwas zu unternehmen.

                                                                Wir wollen eine Änderung in der Bauordnung,
    Ich habe deswegen jetzt Landeshauptmann               wir wollen eine Änderung in der Raumordnung um
Erwin Pröll zitiert, weil er jener Mann war, der bei      solche Fälle wie Bad Vöslau zu verhindern. Von der
der Diskussion über den Bau von Moscheen über             örtlichen Entscheidung wollen wir diese Dinge zu-
die Türme, über die Minarette, das Wort „artfremd“        künftig in der Überörtlichkeit geregelt wissen. Wir
gebraucht hat. Ich werde dieses Wort von meiner           wollen zum Beispiel diese Dinge in der überörtli-
Seite her nicht in den Mund nehmen, weil ich              chen Raumordnung hier geregelt wissen. Da gibt’s
glaube, artfremd sehr wohl in die freie Religions-        einen Raumordnungsbeirat, gibt’s eine Landesre-
ausübung hinein geht, zu weit hinein geht. Ich            gierung. Und dann haben die Mitglieder der Lan-
möchte aber unser schönes Niederösterreich sehr           desregierung und auch Landeshauptmann Pröll die
wohl schön erhalten.                                      Möglichkeit, in der Regierung tatsächlich zu ent-
                                                          scheiden, ob sie es mit dieser „Artfremdigkeit“ so
     Ein typisches Ortsbild für Niederösterreich, und     ernst gemeint haben oder ob es nur ein politischer
wir fahren tagtäglich durch unser Bundessland, ein        Sonntagserguss war. Dann kann man wirklich dar-
typisches Ortsbild sind nicht Moscheen, Minarette.        über die Nagelprobe auch durchführen.
Das typische Ortsbild von Niederösterreich ist an-
ders geprägt. Und dass Bad Vöslau eine Moschee                 Und ich frage mich schon: Was unterscheidet
mit Türmen erhalten hat liegt daran, weil die ge-         die ÖVP in Vorarlberg von der ÖVP in Niederöster-
setzlichen Regelungen jetzt das nicht verhindern          reich? Ich würde einmal sagen, die Vorarlberger
können. Es war nicht möglich. Es war wörtlich nicht       Schwarzen, die wollen ihr Ortsbild erhalten. Den
möglich zu verhindern, weil auf Grund eines Gut-          niederösterreichischen Schwarzen geht’s nur um
achtens eines Herrn, der in Niederösterreich in der       sich selbst. Vielleicht dass sie die Lagerhaustürme
Landesregierung Landeshauptmann Pröll unterstellt         noch erhalten können. Aber alles andere ist ihnen
ist, weil dieses Gutachten zu dem Entschluss ge-          egal.




                                                        375
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Und wir sehen hier Handlungsbedarf und wir           einen Denkmalschutz gibt, dass es auch Natur-
stehen hier eindeutig bei jenen Menschen, die sa-         denkmäler gibt, Herr Kollege. Und je nachdem wird
gen, auf Grund der immer stärkeren Islamisierung          eine bestimmte Neigung von Dachflächen, wird
ist hier eine Gefahr, ist hier eine steigende Gefahr      überhaupt eine bestimmte Möglichkeit, Baulichkei-
und man soll vorher handeln. Und daher bin ich,           ten zu errichten oder eben nicht, bestehen. Und
sind wir der Meinung, dass in unserem schönen             wenn man in einem bestimmten Gebiet der Mei-
Niederösterreich Minarette keinen Platz haben,            nung ist, dass es dort große Einheitlichkeit braucht,
dass wir sie nicht brauchen. Dass jene, die bei uns       dann bin ich absolut dafür, dass man sie auch her-
sind, auch sich an unser Ortsbild zu halten haben.        stellt.
Und wir wollen nicht, dass jene Menschen unser
Ortsbild nachhaltig schlecht verändern. Wir wollen             Aber ich denke mir, die große Unterschiedlich-
Niederösterreich schön erhalten und daher gibt es         keit zwischen Raiffeisen Lagertürmen, gotischen
die Möglichkeit, hier einzugreifen. Es besteht heute      Kirchen und kleinbäuerlichen Anwesen, also da,
die Möglichkeit dazu für jeden Abgeordneten, in-          denke ich mir, die Unterschiedlichkeit, die Vielfalt
dem er entweder diesen Regeln die Unterstützung           soll gewahrt bleiben. Dort, wo in der Vielfalt ein
gibt oder die Abgeordneten sind der Meinung, egal,        geschlossenes Ensemble herrscht, dort soll dieses
pfeifen wir uns nichts und Niederösterreich ein Ja        auch gewahrt bleiben. Dort wird es auch unter
zu Minaretten. (Beifall bei der FPÖ.)                     Schutz gestellt. Denn gerade die örtlichen Gemein-
                                                          schaften haben ja ein großes Interesse, ihre lokalen
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                Besonderheiten zu wahren.
gelangt Frau Klubobfrau Dr. Petrovic.
                                                               Wo das nicht der Fall ist, dort müssen Baulich-
    Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsi-          keiten ansonsten den restlichen Bestimmungen,
dent! Sehr geehrte Damen und Herren!                      was Statik, was Stabilität, was Sicherheit, was
                                                          Höhe betrifft, entsprechen. Wenn das der Fall ist,
     Ja, was soll man dazu noch sagen? Das typi-          dann kann ein derartiges Bauwerk ein Haus, ein
sche niederösterreichische Ortsbild, ich wüsste           öffentliches Gebäude, ein Raiffeisenspeicher, eine
nicht was das ist. Ich kenne große Vielfalt in Nie-       katholische, eine evangelische Kirche oder eben
derösterreich, sehr, sehr große Vielfalt. Ich finde       ein muslimisches Gebetshaus sein. Denn das sagt
auch vieles sehr unterschiedlich sehr schön, von          die Religionsfreiheit, dass alle, die ihre Religions-
bergigen Gegenden bis zur Ebene, von Flussland-           freiheit ausüben wollen, dies auch in entsprechen-
schaften bis zu durchaus urbanen Ansammlungen.            den Räumlichkeiten tun können sollen. (Beifall bei
(Abg. Waldhäusl: Berge sind kein Ortsbild! Ortsbild       den Grünen.)
ist was wo Gebäude sind!)
Die Freiheitlichen können besser schreien als hö-              Meine Damen und Herren! Diese andauernden
ren, das wissen wir eh. Das hat auch was mit Kin-         Versuche, das ist ja nicht nur in Österreich, es ist
derstube und mit Zuhören können zu tun. Und               allerorts und es ist relativ erfolgreich, deswegen
Vielfalt ist das Gegenteil von Einfalt, Herr Kollege!     wird es fortgesetzt, des Zündelns, ob man jetzt, wie
(Beifall bei den Grünen. – Abg. Waldhäusl: Ein            gesagt bei den Bauvorschriften anknüpft oder bei
Berg kann kein Ortsbild sein!)                            sonst irgendwelchen Vorschriften: Es ist nicht der
Ja, ja. Und meine lieben Damen und Herren, es ist         erste Versuch, es wird sicher nicht der letzte Ver-
ohnehin klar. Es gibt eine relativ starke rechte und      such sein. Das, was mir mehr zu denken gibt, ist,
rechtsextreme Bewegung in ganz Europa. Es geht            wie weit sich die Regierungsparteien diesen Versu-
Ihnen nicht um Ortsbilder und es geht Ihnen auch          chen schon genähert haben!
nicht um Schutz oder sonst etwas, sondern es geht
um Polarisieren in der Bevölkerung. Das wissen wir            Leider ist es so, dass die von Klubobmann
seit langem. Das wird immer wieder versucht. Es           Waldhäusl zitierten Aussagen des Landeshaupt-
wird auch gar nicht gewünscht, dass die vielen            mannes eben nicht aus der Luft gegriffen sind,
Vorstöße von Erfolg gekrönt sind, denn es geht ja         sondern tatsächlich so gefallen sind. Und ich
ums Zündeln. Und das Zündeln ist ja besser wenn           denke, Sie haben immer wieder erlebt, der Ver-
man immer wieder einen Antrag einbringen kann.            such, verbal oder in der Gesetzgebung die Parteien
Und die Rechtsstaatlichkeit, das war für Parteien         rechtsaußen rechts zu überholen, der endet im
rechts außen ja noch nie ein Thema. (Abg. Wald-           Straßengraben. (Unruhe im Hohen Hause.)
häusl: Das weise ich entschieden zurück! Denn
wenn wer zündelt, dann die Grünen!)                           Und wenn man mit derartigen Vorschriften be-
Es gibt Bauvorschriften in Niederösterreich und die       ginnt, gleichzeitig aber auch mit einer Wirtschaft
sehen sehr wohl vor, dass man Bedacht nehmen              konfrontiert ist, die immer stärker und immer mehr
kann auf einen Ensembleschutz, dass es natürlich          auch in bestimmten Bereichen mit einem extremen




                                                        376
Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Mangel an Arbeitskräften konfrontiert ist, wenn es         Nur eine Zwischenbemerkung Richtung Bad
mittlerweile ganze Branchen gibt, in Verordnungen          Vöslau: Der Errichter des so genannten Sakralge-
des Wirtschaftsministers werden über 50 derartige          bäudes in Bad Vöslau, Moschee mit Minarett, ist
Berufsgruppen genannt, wo es nicht mehr gelingt,           keine Glaubensgemeinschaft, das ist ein Verein.
trotz intensivster Bemühungen des AMS den Be-              Ein Verein, der ein Sakralgebäude errichtet. Ich
darf nach Fachkräften im Inland zu decken, dann            glaube, es sollte auch bei uns weiterhin so sein,
denke ich mir, Sie tun der Wirtschaft keinen guten         dass Sakralgebäude durch Religionsgemeinschaf-
Dienst wenn Sie diesen Rülpsern von rechts außen           ten errichtet werden.
dauernd nachgeben. Oder wenn Sie in ähnliche
Tonfälle einstimmen. Ich glaube, das tut dem Land               Und wenn man das in Abrede stellt, dann ist
nicht gut und ich würde Ihnen empfehlen, ziehen            man, glaube ich, am Holzweg. Die Muslime in
Sie hier eine klare Grenze. Es wird dem Ortsbild           Österreich sind keine stabile Minderheit, sondern,
nicht schaden aber der Demokratie nutzen! (Beifall         wenn man sich die Entwicklungen ansieht, die de-
bei den Grünen.)                                           mografische, dann weiß man, dass es eine dyna-
                                                           misch wachsende Gruppe ist, die sich mittlerweile
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-              stark genug fühlt, ihrem Staat, also unserem Staat,
langt Herr Ing. Huber.                                     ihren Stempel aufzudrücken indem sie das mit Mo-
                                                           scheen, Kuppeln, Minarett, eigenen Friedhöfen
    Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrter Herr              usw. festschreiben will.
Präsident! Hohes Haus!
                                                                 Man sollte nicht immer in der Diskussion, wenn
     Jetzt hat man es wieder gesehen, diese Dop-           es um solche grundlegenden Entscheidungen geht,
pelmoral. Ich glaube, wenn der Europäische Ge-             ablenken. Sondern ab und zu muss man auch mu-
richtshof für Menschenrechte gegen das Kreuz               tige Entscheidungen treffen. Ich glaube, heute ist
entschieden hat, für unsere langjährige traditionelle      so ein Tag. Weil, wenn wir diesen Antrag, wie im
Kultur, ich glaube, niemanden stört, der bei uns           Ausschuss vorgeschlagen, ablehnen, dann fehlt
leben will, hat es keinen Aufschrei gegeben. Im            uns der Mut, die Entwicklung der Dinge ernst zu
Gegenteil: Es wurde gefordert, sofort auch bei uns         nehmen und Entscheidungen zu treffen. Deshalb
diese Sachen, dieses Kreuz abzunehmen. Als die             werden wir auch zu diesem Tagesordnungspunkt
Volksabstimmung in der Schweiz durchgeführt                das Verlangen stellen, über den Verhandlungsge-
wurde, kam es weltweit zum Aufschrei. Beim Kreuz           genstand per namentlicher Abstimmung abzustim-
war kein Geschrei zu hören.                                men. Denn auch wie vorhin bei den Veranlagungen
                                                           der Wohnbauförderung, hier, glaube ich, ist es
     Und wenn dann diese Volksabstimmungen in              wirklich nicht an der Zeit, im Fraktionsdenken abzu-
der Schweiz nicht so ausgehen wie die politische           stimmen, sondern hier muss jeder selbst entschei-
Elite das sich vornimmt, dann kommt unser Bun-             den, in welche Richtung sich unser Land entwickeln
deskanzler und sagt, Volksabstimmungen, Volks-             soll.
befragungen sollte man zu gewissen Sachen über-
haupt aussetzen. Weil das Volk kann über diese                   Dass dieser Antrag notwendig war, hat Bad
entscheidenden Fragen nicht entscheiden. Wohin             Vöslau festgestellt. Möglich hat es nur gemacht ein
bewegen wir uns? Ich glaube, unsere Bevölkerung            Gutachten eines Hofrates dieses Landes. Daher
ist Manns und Frau genug, dass sie entscheiden             bedarf es dringend einer Regelung, dass solche
kann was für sie gut ist und nicht eine politische         Bauwerke nicht mehr in Niederösterreich errichtet
Klasse für sie entscheiden muss.                           werden können. Ich fordere die ÖVP auf, Sie haben
                                                           es ermöglicht, dass in Niederösterreich Minarette
     Denn zeitweise ist es ja wirklich so, dass man        stehen, begehen Sie diesen Fehler nicht nochmal.
glaubt, der politischen Klasse ist jede Kultur wichti-     Ändern Sie Ihre Meinung, die Sie im Ausschuss
ger und schützenswerter als die eigene. Man muss           gefasst haben. Stimmen Sie gegen den Aus-
klar sagen, auch die Schweizer Entscheidung war            schussantrag. Stimmen Sie dafür, dass die ÖVP,
kein Votum gegen Religionsfreiheit, sondern eines          die ja eine christlich-soziale ist, auch wieder ihre
gegen Machtsymbole. Das war kein Votum gegen               Grundsätze ernst nimmt so wie Ihre Vorarlberger
den Islam, sondern es war ein Votum gegen voran-           Kollegen. Zeigen Sie Mut, verhindern Sie weitere
schreitende Islamisierung. (Beifall bei der FPÖ.)          politische Symbole eines anderen Staates auf un-
                                                           serem Grund und Boden. (Beifall bei der FPÖ.)
     Und genauso verhält es sich mit unserem An-
trag. Wir stellen die Religionsfreiheit nicht in Ab-           Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort
rede. Religionsfreiheit ist ein wichtiges Instrument.      gelangt Herr Abgeordneter Jahrmann.




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Abg. Jahrmann (SPÖ): Geschätzter Herr Prä-            Erfahrungen kann die FPÖ nicht zurückgreifen -,
sident! Hohes Haus!                                       jeder Bürgermeister weiß, was eine Sportanlage,
                                                          die überdimensioniert ist, kostet und wird sich hü-
    Zum Antrag der FPÖ-Fraktion, den wir, ausge-          ten, eine solche dort zu errichten. Ich meine auch,
hend vom Wortlaut, den wir übermittelt bekommen           dass Shoppingzentren, und auch das ist geregelt,
haben, wirklich ausreichend diskutiert haben,             nur in Zentrumszonen und ab mindestens 1.800
möchte ich jetzt Stellung nehmen.                         Einwohner zu errichten sind. Also auch hier gibt es
                                                          eine gültige und ausreichende gesetzliche Rege-
       Es wird hier gefordert, dass man Maßnahmen         lung.
trifft, dass Konflikte und Diskussionen in der Bevöl-
kerung nicht stattfinden. Konflikte und vor allem             So auch die Rücksicht auf das Ortsbild. Und
Diskussionen sind Ausdruck von Meinungsver-               auch die Bürgerbeteiligung ist in der derzeitigen
schiedenheit. Und in einer pluralistischen Gesell-        Gesetzesmaterie ausreichend berücksichtigt nach §
schaft müssen Meinungsverschiedenheiten erlaubt           54 und § 56 und ermöglicht auch jetzt schon der
sein. Ich meine auch, dass Diskussionen gelegent-         Baubehörde, Bauwerke, die dem Ortsbild wider-
lich sogar gewünscht werden. Denn nicht selten            sprechen, abzulehnen.
gibt es daraus als Ergebnis Kompromisse, neue
Ideen und ähnliches. Also ich finde nicht, dass man             Daher werden wir, meine Damen und Herren,
Diskussionen per Gesetz verbieten sollte.                 diesen Antrag ablehnen. Ich möchte aber ergän-
                                                          zend dazu sagen, dass in keinem Wort in diesem
     Bezüglich der Großvolumigkeit von Bauten, die        Antrag der Begriff Moschee oder Minarett erwähnt
hier angesprochen wird: Im großvolumigen Wohn-            ist. Das heißt, wir stimmen hier nicht über Minarette
bau - diese Verbindung liegt hier nahe - wird ange-       und Moscheen ab, sondern wir stimmen über eine
strebt, die Deckung des Wohnbedürfnisses in der           Ergänzung der Bauordnung ab, die nicht notwendig
Bevölkerung zufrieden zu stellen, vor allem im ur-        ist. Und ich meine, dem kann man guten Gewis-
banen Raum. Und ohne diese großvolumigen                  sens zustimmen. Alles andere gehört in das Gebiet
Wohnbauten kommt man hier nicht aus.                      der Religionsfreiheit. Die ist aber weder Sache der
                                                          Bauordnung noch Grundlage dieses Antrages.
     Darüber hinaus meine ich, dass eine Regelung         (Beifall bei der SPÖ.)
auf dem Gebiet der überörtlichen Raumordnung der
Erwerbsfreiheit widerspricht. Oder will man hier von          Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-
Amts wegen festlegen, wo Kinos oder Diskotheken           langt Herr Abgeordneter Dipl.Ing. Eigner.
gebaut werden dürfen. Vielleicht sind auch hier
diese allgegenwärtigen Lagerhaustürme gemeint                  Abg. Dipl.Ing. Eigner (ÖVP): Sehr geehrter
oder vielleicht sind hier Kirchen gemeint oder viel-      Herr Präsident! Meine geschätzten Kolleginnen und
leicht, bei höheren Gebäuden, die Handymasten,            Kollegen des Landtages! Meine sehr verehrten
ich weiß es nicht. Also das geht hier nicht aus dem       Damen und Herren!
Antrag hervor.
                                                               Als ich den F-Antrag das erste Mal gelesen
     Und weiters in Bezug auf Großvolumigkeit.            habe, habe ich mich nicht ganz ausgekannt. Es
Dort, wo sie am meisten gebraucht wird, betrifft es       geht um die Neuregelung hinsichtlich Bauten von
Betriebsgebiete und Industriegebiete. Dort sind           außergewöhnlicher Architektur oder Größe sowie
sehr oft große Baumassen, und -höhen neben                publikumsintensiven Veranstaltungsstätten. Und
einem starken Verkehrsaufkommen, das im Antrag            hier sind eine Reihe Beispiele angeführt, Kinos,
ja auch genannt wird, notwendig. Aber dazu                Diskotheken, Shoppingzentren, Sportanlagen und
braucht es auch bereits jetzt eine entsprechende          ganz hinten kommt dann Gebäude zum Zwecke der
Widmung. Und Anrainerbelästigung, das weiß ich            Religionsausübung. Ich habe schon einiges ver-
aus Erfahrung auch aus meiner eigenen Gemeinde,           mutet. Und wie ich dann erst zu einem späteren
ist in Folge einer widmungsmäßigen Abgrenzung             Zeitpunkt den Antrag für eine Aktuelle Stunde be-
hier nicht zu erwarten.                                   kommen habe „keine Minarette in Niederöster-
                                                          reich“, dann war es mir schon ziemlich klar worum
    Die Größe von Sportanlagen, hoffe ich, ist hier       es hier gehen soll. Und jetzt bei der Ansprache des
auch nicht gemeint. Bzw. meine ich, dass Sportan-         Herrn Waldhäusl war es dann ganz klar. Weil er hat
lagen in größerem Umfang oder Shoppingzentren             von Kinos und von anderen Sachen gar nicht mehr
im Prinzip von der Größe der Ansiedlung abhängig          gesprochen. Er hat schon nur mehr von Minaretten
sind in denen sie errichtet werden. Ich kenne keine       und Moscheen und Türmchen gesprochen. (Abg.
gegenteiligen Beispiele. Und jede Kleingemeinde,          Waldhäusl: Eh klar! War klar und amtlich!)
und das weiß jeder Bürgermeister - aber auf diese         In dem Antrag ist es an und für sich nicht drinnen.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Jedenfalls ist eine Problematik angesprochen         Bebauungsplan haben, haben wir immer noch den
worden und eine Überarbeitung und Anpassung              § 56 in der Bauordnung, wo drinnen steht, dass
des NÖ Raumordnungsgesetzes sowie der NÖ                 sich Bauwerke harmonisch einpassen müssen. Und
Bauordnung beantragt worden. Und wenn er ge-             wenn einmal ein Gutachter vielleicht daneben ge-
sagt hat, Niederösterreich wollen wir schön gestal-      haut hat, dann ist es sicherlich wahrscheinlich ein
ten und auch schön erhalten, dann danke ich für          Einzelfall gewesen. Wenn ich an Bad Vöslau
diesen Hinweis. Das ist eine Aktion der ÖVP gewe-        denke, dann habe ich dort keinen größeren Aufstoß
sen, die schon mehr als 20 Jahre läuft. (Abg. Wald-      gehört wie das jetzt ausgegangen ist.
häusl: Du hast nicht aufgepasst! Ich sagte, Landes-
hauptmann Pröll sagt, Niederösterreich schöner                Zudem sind hier also auch Diskotheken und
gestalten, ich sag’ schön erhalten!)                     Shoppingzentren angeführt. Das sind gewerbliche
Ja, ja. Und schön erhalten. Das steht dort auch          Betriebe. Auch für gewerbliche Betriebe gibt es
schon drinnen.                                           Betriebsanlagengenehmigungsverfahren. Also auch
                                                         dort wird auf die Raumverträglichkeit und auf die
     Auch wir wollen das Ortsbild von Niederöster-       Emissionen für die Umgebung Rücksicht genom-
reich schön gestalten und auch schön erhalten.           men.
Wenn ich nur auf ein paar Dinge eingehen darf. Ihr
habt es ja gesagt, es ist von Vorarlberg und von             Also sind wir der Meinung, dass es ausrei-
Kärnten übernommen worden dieser Antrag. (Abg.           chende Bestimmungen in unseren Gesetzesvorla-
Waldhäusl: Ich hab von Kärnten nichts gesagt, ich        gen gibt und werden diesen Antrag daher ableh-
hab es nur von Vorarlberg gesagt!)                       nen. (Beifall bei der ÖVP.)
Aber es ist in Kärnten ein ähnlicher Antrag gewe-
sen das zu machen.                                           Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-
                                                         langt Herr Klubobmann Waldhäusl.
      Ich kenne das Raumordnungsgesetz und die
Bauordnung von Vorarlberg und von Kärnten nicht,              Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident! Werte
aber ich kenne unsere Gesetze hinsichtlich Raum-         Kollegen des Landtages!
ordnung und hinsichtlich Bauordnung. Wir haben
ganz klar für Handelseinrichtungen im Raumord-                Ich darf noch die kurze Zeit dazu verwenden,
nungsgesetz, und ihr könnt euch wirklich wahr-           diejenigen noch einmal aufzuklären, die sagen, sie
scheinlich alle erinnern, das war im Jahr 2007, eine     wissen nicht, worum es eigentlich geht in diesem
Novellierung vorgenommen, worin ganz klar gere-          Antrag. Ich glaube, ich habe es klar und deutlich
gelt ist, wo Handelseinrichtungen gebaut und wie         gesagt und wiederhole es für jene noch einmal. Ich
sie gebaut werden können. Und wir haben auch im          werde nicht meine ganze Rede wiederholen. Aber
§ 16 Abs.1 des Raumordnungsgesetzes eine Reihe           wenn wir sagen, wir wollen Niederösterreich in der
von Bauland Sondergebieten festgelegt. Da sind           charakteristischen, typischen Art, wie Niederöster-
eben drinnen spezielle Widmungen wie Kranken-            reich eben besteht, auch so erhalten, dann sage
anstalten, wie Schulen, wie Kasernen, wie Sport-         ich klar und deutlich: Da haben Moscheen und
anlagen, die auch hier angeführt wurden. Und da          Minarette nichts verloren. (Beifall bei der FPÖ.)
sind auch genaue Regelungen drinnen. Und überall
steht auch dabei, dass sich diese Gebäude dem                 Zweitens: Wenn, Kollege Dipl.Ing. Eigner, du
örtlich zumutbaren Ausmaß steigender Emissionen,         behauptest, dass die gesetzlichen Regeln alle aus-
Geruchsbelästigung und sonstigem anpassen müs-           reichend bestehen, dann frage ich mich schon,
sen und hintanhalten müssen.                             warum war dann Bad Vöslau in der Art möglich?
                                                         Und wenn du sagst, dass es dort überhaupt keine
     Und wenn ich auf die Bauordnung übergehe,           Widerstände gegeben hat, dann werde ich all je-
so ist es auch bei Einzelstandorten dieser größeren      nen, die dort die tausenden Unterschriften gesam-
Baulichkeiten auf jeden Fall erforderlich, dass die      melt haben, mitteilen, der Dipl.Ing. Eigner, Abge-
Baubehörde eine Raumverträglichkeit überprüft.           ordneter der ÖVP, wenn man ihn noch nicht kennt,
Also eine Raumverträglichkeitsprüfung muss durch-        sagt, dort hat es eh keine Bürgerbeschwerden ge-
geführt werden.                                          geben. (Abg. Dipl.Ing. Eigner: Nachher nicht mehr!)

    Es gibt ja Gemeinden, meistens sind es die                Ich werde das tun. Ich werde ihnen sagen,
größeren Gemeinden und Städte, die einen eige-           dass du der Meinung bist, die sind eh unwichtig
nen Bebauungsplan haben, die genaue Vorschrif-           weil sie sich dort aufgeregt haben. Du musst dich
ten erlassen haben auch hinsichtlich des Ortsbil-        schon ein bisschen … Du bist Abgeordneter von
des. Also hier ist ein ausreichender Schutz vorhan-      ganz Niederösterreich. Und Vöslau ist ja nicht so
den. Und bei kleineren Gemeinden, die keinen             klein. Man kann sich ja erkundigen. Man kann ge-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


scheiter werden. Ich sag’ es dir jetzt, das kostet        Kernstock, Erich Königsberger, Dr. Helga Krismer-
nichts. Ich mach’s wirklich gratis. Dort haben sich       Huber, Mag. Günther Leichtfried.
tausende Menschen beschwert. Auch schriftlich,
mit ihrer Unterschrift haben sie dagegen protestiert.         Schriftführer    Abg.     Sulzberger   (FPÖ):
Und du sagst heute hier, es gibt gar keinen Bedarf        Marianne Lembacher, Jürgen Maier, Mag. Lukas
weil die gesetzlichen Regeln reichen aus. Das             Mandl, Dr. Martin Michalitsch, Franz Mold, Karl
muss du jenen Menschen erklären, die jetzt genau          Moser, Heidemaria Onodi, Ing. Hans Penz, MMag.
die Türme haben.                                          Dr. Madeleine Petrovic, Ing. Andreas Pum, Gerhard
                                                          Razborcan, Mag. Karin Renner, Ing. Franz Renn-
     Und wenn du behauptest, weil ein Gutachter           hofer.
vielleicht manchmal einen kleinen Fehler macht,
also ich muss schon ehrlich sagen: Ich möchte es               Schriftführerin Abg. Enzinger MSc (Grüne):
deswegen in dieser Überörtlichkeit haben. Weil ich        Mag. Alfred Riedl, Ingeborg Rinke, Alfredo Rosen-
glaube, dass in der Landesregierung so was nicht          maier, Mag. Klaus Schneeberger, Ing. Manfred
passiert wäre. Weil ich glaube, dass der NÖ Lan-          Schulz, Martin Schuster, Karl Schwab, Benno Sulz-
desregierung sicher mehrheitlich das NÖ Ortsbild,         berger, Edmund Tauchner, Herbert Thumpser,
das charakteristische, so viel Wert ist. Und ich habe     Gottfried Waldhäusl, Emmerich Weiderbauer, Mag.
so viel Vertrauen zu dieser NÖ Landesregierung,           Karl Wilfing.
dass ich möchte, dass in Zukunft das dort auch
geregelt wird! (Beifall bei der FPÖ.)                         Dritter Präsident Rosenmaier: Ich erkläre die
                                                          Stimmabgabe somit als beendet und bitte, die mit
     Dritter Präsident Rosenmaier: Die Redner-            der Abnahme der Stimmzettel beauftragten Be-
liste ist erschöpft. Der Berichterstatter hat das         diensteten die Stimmauszählung vorzunehmen.
Schlusswort.                                              Danke schön!

     Berichterstatter Abg. Mold (ÖVP): Ich ver-               (Nach Auszählung der Stimmen:)
zichte!                                                   Abgegeben wurden 52 Stimmzettel. Davon lauten
                                                          46 auf „Ja“ und 6 auf „Nein“. Damit ist das Ge-
    Dritter Präsident Rosenmaier: Er verzichtet           schäftsstück, Ltg. 437/A-3/17 mit Mehrheit abge-
darauf. Gemäß § 66 Abs.2 der Geschäftsordnung             lehnt.
haben die Abgeordneten, in dem Fall Herr Ing.
Huber u.a. schriftlich verlangt, dass über das Ge-            Ja Stimmen:
schäftsstück Ltg. 437/A-3/17 namentlich abge-
                                                               Erika Adensamer, Konrad Antoni, Karl Bader,
stimmt werden möge. Das Verlangen ist entspre-
                                                          Helmut Doppler, Rupert Dworak, Josef Edlinger,
chend unterstützt, die Stimmzettel sind ausgeteilt
und ich ersuche die Schriftführer, Abg. Lembacher,        Dipl.Ing. Willibald Eigner, Amrita Enzinger MSc,
Abg. Ing. Gratzer, Abg. Sulzberger und Abg.               Anton Erber, Hermann Findeis, Franz Gartner,
                                                          Franz Grandl, Ing. Franz Gratzer, Mag. Kurt Hackl,
Enzinger den Namensaufruf vorzunehmen, und die
                                                          Ing. Hermann Haller, Hermann Hauer, Michaela
Damen und Herren Abgeordneten, nach Aufruf die
                                                          Hinterholzer, Hans Stefan Hintner, Ing. Johann
Stimmzettel abzugeben.
                                                          Hofbauer, Josef Jahrmann, Mag. Gerhard Karner,
                                                          Anton Kasser, Otto Kernstock, Dr. Helga Krismer-
    Ich möchte aber auch noch aufmerksam ma-
                                                          Huber, Mag. Günther Leichtfried, Marianne Lem-
chen, dass die Abstimmung dahingehend lautet:
                                                          bacher, Jürgen Maier, Mag. Lukas Mandl, Dr.
„Der Antrag wird abgelehnt.“
                                                          Martin Michalitsch, Franz Mold, Karl Moser, Heide-
                                                          maria Onodi, Ing. Hans Penz, MMag. Dr. Madeleine
     Schriftführerin Abg. Lembacher (ÖVP): Erika
                                                          Petrovic, Ing. Andreas Pum, Gerhard Razborcan,
Adensamer, Konrad Antoni, Karl Bader, Helmut
                                                          Mag. Karin Renner, Ing. Franz Rennhofer, Mag.
Doppler, Rupert Dworak, Josef Edlinger, Dipl.Ing.
                                                          Alfred Riedl, Ingeborg Rinke, Alfredo Rosenmaier,
Willibald Eigner, Amrita Enzinger MSc, Anton
                                                          Mag. Klaus Schneeberger, Ing. Manfred Schulz,
Erber, Hermann Findeis, Franz Gartner, Franz
                                                          Martin Schuster, Herbert Thumpser, Mag. Karl
Grandl, Ing. Franz Gratzer.
                                                          Wilfing.
    Schriftführer Abg. Ing. Gratzer (SPÖ): Mag.
                                                              Nein Stimmen:
Kurt Hackl, Ing. Hermann Haller, Hermann Hauer,
Michaela Hinterholzer, Hans Stefan Hintner, Ing.               Ing. Martin Huber, Erich Königsberger, Benno
Johann Hofbauer, Ing. Martin Huber, Josef Jahr-           Sulzberger, Karl Schwab, Edmund Tauchner, Gott-
mann, Mag. Gerhard Karner, Anton Kasser, Otto             fried Waldhäusl.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode          21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Nunmehr ersuche ich Herrn Abgeordneten               stand in der Quantität auch Fragen des Fremden-
Mag. Karner, die Verhandlung zu Ltg. 409/B-34/1          rechtes und der Beschäftigung von Ausländerinnen
einzuleiten.                                             und Ausländern. Und ich denke, dass so eine
                                                         Statistik erst dann wirklich zu Verbesserungen
     Berichterstatter Abg. Mag. Karner (ÖVP):            führen kann wenn man, so auch wie auf Bundes-
Herr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich         ebene, bei den Berichten der Volksanwaltschaft, so
berichte zu Ltg. 409/B-34/1, Antrag des Rechts-          auch wie bei den diversen Rechnungshofberichten
und Verfassungs-Ausschusses über den Bericht             auf Bundes- und Landesebene, hinter diesen
der Landesregierung betreffend Tätigkeitsbericht         Zahlen auch einmal versuchen würde, typische
des Unabhängigen Verwaltungssenates im Lande             Fälle herauszuarbeiten. Und vor allem jene Fälle
Niederösterreich für das Jahr 2008.                      herauszuarbeiten, wo man wahrscheinlich mit einer
                                                         relativ kleinen rechtlichen Veränderung dafür Sorge
    Der Bericht liegt Ihnen vor. Ich komme daher         tragen könnte, dass die Tätigkeit dieser Kontroll-
zur Verlesung des Antrages (liest:)                      instanzen erleichtert wird, weil vielleicht einige Fälle
                                                         gar nicht mehr anfallen.
    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
                                                              Das heißt, ich würde mir wünschen, neben
    Der Tätigkeitsbericht des Unabhängigen Ver-          dieser Auflistung und neben den fast schon notori-
waltungssenates im Lande Niederösterreich für das        schen Klagen über den Personalmangel auch eine
Jahr 2008 wird zur Kenntnis genommen.“                   qualitative Bewertung, eine Empfehlung an die
                                                         Gesetzgebung auf Landesebene! Aber auch eine
     Herr Präsident, ich bitte Sie, die Debatte ein-     Bitte an den Landesgesetzgeber bzw. die Landes-
zuleiten und die Abstimmung vorzunehmen.                 regierung auf Bundesebene aktiv zu werden um
                                                         rechtliche Änderungen zu erwirken, die ohne Ver-
     Dritter Präsident Rosenmaier: Danke dem             minderung der Sicherheit, um die es gerade im
Herrn Berichterstatter. Ich eröffne damit die De-        Straßenverkehr geht, dazu beitragen könnten, dass
batte. Zum Wort gelangt Frau Klubobfrau Dr.              man die Behörden entlastet.
Petrovic.
                                                             Diese Beurteilung, die steht aus! Nichts desto
    Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Präsi-         Trotz werden wir diesen Bericht zur Kenntnis neh-
dent! Sehr geehrte Damen und Herren!                     men. Danke! (Beifall bei den Grünen.)

      Ein wenig spektakulärer Bericht. Viele Zahlen.         Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort
Und doch eine sehr wichtige Einrichtung für Nie-         gelangt Frau Abgeordnete Mag. Renner.
derösterreich, für jedes Bundesland. Ich glaube, da
ist ja eine der wichtigsten Entwicklungen im Gange,           Abg. Mag. Renner (SPÖ): Sehr geehrte Her-
dass im Bereich UVS, im Bereich Verwaltungsge-           ren Präsidenten! Sehr geehrte Kolleginnen und
richtsbarkeit immer mehr Kompetenzen zu den              Kollegen! Hohes Haus!
Ländern kommen. Und ich halte das für wichtig. Ich
kenne die Befürchtungen, die bei jeder Gelegenheit           Anschließend zu dem was Frau Dr. Petrovic
beschworen werden über den Zentralismus und              gesagt hat, möchte ich vielleicht noch an Hand von
den Versuch, immer mehr Materien auf Bundes-             Zahlen verdeutlichen: Es sind insgesamt im Jahr
ebene zu konzentrieren. Ich denke, im Bereich der        2008 im Bericht 5.216 Aktennfälle aufgezeichnet.
Durchsetzung des Rechtes durch unabhängige               Davon betreffen etwa 2.500 nur die Straßenver-
gerichtsartige Instanzen ist genau der gegenteilige      kehrsordnung. Und dann, wie gesagt, auch das
Prozess im Gange. Und ich halte das für ganz be-         Fremdenrecht und die Ausländerbeschäftigung, wie
sonders wichtig! Weil Recht zu haben, das bedeu-         Frau Dr. Petrovic angemerkt hat.
tet auch, dass man wirklich vor Ort rasch und unbü-
rokratisch auch zum Recht kommen muss.                        Zum Zweiten ist, wie auch schon erwähnt
                                                         wurde, wieder einmal die Klage enthalten, dass es
     Wenn man sich die Zahlen näher anschaut,            zu wenig Personal gäbe. Und diese Klage, denke
dann zeigt sich eigentlich überdeutlich, dass die        ich, kann man nachvollziehen, wenn man weiß,
Konzentration der Fälle in wirklich einigen wenigen      dass im letzten Jahr 30 Mitglieder des Unabhängi-
Materien zu verzeichnen ist. Allem voran und bei         gen Verwaltungssenates ihre Tätigkeit verrichtet
weitem dominant der Straßenverkehr in jeder Hin-         haben und seit dem Jahr 2003 kein einziger Richter
sicht. Das heißt, StVO, Kraftfahrgesetz, Führer-         hinzugekommen ist. Obwohl die Aktenanfälle wirk-
scheinwesen usw. Und dann, mit deutlichem Ab-            lich deutlich steigen.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Zur Idee der Klubobfrau, hier wirklich Feed-           tenplan schauen. Es werden ja immer wieder Mit-
back zu bekommen, wo es in den Gesetzen man-                glieder auch ernannt. Manche treten dann auch,
gelt und wo man Verbesserungen herbeiführen                 obwohl sie ernannt sind, ihre Aufgabe nicht an. Und
kann. Dieser Idee schließe ich mich an und ersuche          dann wird halt wieder ausgeschrieben. Also nicht
den Präsidenten, vielleicht in die eine oder andere         immer liegt es sozusagen an äußeren Umständen,
Richtung aktiv zu werden, damit sich der Gesetz-            sondern eben in der Person Einzelner.
geber auch entsprechend bemühen kann und die
Gesetze entsprechend verifiziert werden. Und somit               Ich denke, dass wir die Forderung stellen müs-
auch die Handhabung etwas leichter wird.                    sen, dass der UVS sich selbst so organisiert, dass
                                                            er diese Aufgaben optimal erledigt. Es gibt eine
     Wenn man bedenkt, dass unter diesen Bedin-             neue Geschäftseinteilung, die jetzt harmonischer ist
gungen diese knapp 58 Leute, die hier beschäftigt           als es die alte gewesen sein dürfte, sodass es eine
sind, derartige Unmengen an Aktenanfall zu erledi-          gleichmäßige Aufgabenverteilung gibt. Ich hoffe,
gen haben, dann ist auch die Wartezeit von 10,5             dass das hilft, die Rückstände abzubauen. Und im
Monaten, die natürlich sehr hoch ist für einen Be-          Übrigen, glaube ich, muss man sich wünschen,
schwerdeführer, glaube ich, durchaus zu verstehen.          dass die Höchstgerichte insgesamt, und natürlich
                                                            auch der UVS, einen Dialog mit der Praxis führen,
     Ich wünsche dem Präsidenten Dr. Becksteiner            dass sie möglichst praxisnah entscheiden. Die Ge-
stellvertretend für alle 30 Mitglieder sowie für die 28     setze, ich glaube, das ist ein gemeinsames Bestre-
Kolleginnen und Kollegen des nicht richterlichen            ben, die Gesetze in diesem Haus werden so ge-
Personals für das nächste Jahr alles Gute. Das              macht, dass sie sachgerechte Lösungen ermögli-
heißt in diesem Sinne, eine Aufstockung der Zahl            chen. Und oft kriegen wir im Vollzug durch die
ihrer Mitarbeiter, sowohl von nicht richterlicher           Höchstgerichte Formalismen und Richtlinien, die
Seite, als auch was die Mitglieder betrifft.                vom Gesetzgeber nicht intentiert sind und die dann
                                                            den riesigen Aufwand machen. Ich glaube, wenn
    Und ich wünsche wieder einmal, das habe ich             man einen Staat vernünftig organisieren will, müs-
auch schon öfter gemacht, dass es vielleicht doch           sen auch die Höchstgerichte einen praxisnahen
möglich wäre, eine Klimaanlage zu installieren. Das         Vollzug ermöglichen!
wird da in jedem Bericht wieder gefordert. Ich be-
danke mich für die Aufmerksamkeit! (Beifall bei der              In diesem Sinn, glaube ich, auch von dieser
SPÖ.)                                                       Stelle der Aufruf, diesen Dialog mit den Oberbehör-
                                                            den, also den gesetzesvorbereitenden Stellen zu
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-               pflegen und auch natürlich mit der Praxis einfach
langt Herr Abgeordneter Dr. Michalitsch.                    die Notwendigkeiten zu sehen, damit die Entschei-
                                                            dungen des UVS auch wirklich den sachgerechten
    Abg. Dr. Michalitsch (ÖVP): Sehr geehrter               Lösungen, die wir hier anstreben, entsprechen.
Herr Präsident! Hoher Landtag!
                                                                 Wir sind eben Gesetzgebungsorgan und es
     Auch ich spreche zu diesem Bericht wie fast            kann uns nicht egal sein, was aus unseren Geset-
jedes Jahr. Das ist eine wichtige Rechtsschutzein-          zen wird. In diesem Sinn diskutieren wir diesen
richtung, das ist schon gesagt worden. Es geht um           Bericht immer auch sehr kritisch. Weil ich glaube,
die Menschenrechtskonvention und unsere Bun-                es ist eine gemeinsame Aufgabe, die Rechtsord-
desverfassung, die uns verpflichten, solche Ein-            nung so zu machen, dass Recht Recht bleibt und
richtungen zu haben. Das ist auch ein Standortfak-          unsere Bürger sich in unserem Land wohlfühlen
tor, die Pflege der Rechtsordnung. Ich glaube, dass         und im Rahmen der Rechtsordnung bewegen kön-
man die Anmerkungen dieses Berichtes ernst neh-             nen.
men muss.
                                                                 Ich möchte ausdrücklich auch den Herrn Prä-
     Man muss natürlich schon auch sagen, dass              sident Penz erwähnen, dessen Bestreben es immer
wir insgesamt in der öffentlichen Verwaltung – und          ist, diese letztinstanzlichen Rechtseinrichtungen
im weitesten Sinn gehört das ja auch dazu – eine            möglichst sachgerecht zu gestalten. Er hat ja eine
Verlagerung in Richtung Soziales, Kinderbetreu-             Enquete zur Landesverwaltungsgerichtsbarkeit
ung, Gesundheit haben. Dort ist die Mehrheit unse-          abgehalten. Ich glaube, dass auch die Gemeinden
rer Landesbediensteten tätig. Es war in der Ho-             sehr interessiert sind, dass unsere Rechtsordnung
heitsverwaltung möglich, kompakter zu werden in             so vollzogen wird, dass sie vollziehbar bleibt und
den letzten 10 Jahren auf Ebene des Amtes der               unsere Bürger ihren Geschäften und ihren Lebens-
Landesregierung. Und daher muss man natürlich in            bedingungen auch entsprechend nachgehen kön-
Zeiten knapper Budgets auch auf den Dienstpos-              nen.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     In diesem Sinne möchte ich den fleißigen Mit-       senat einen Erfahrungsbericht vorzulegen hat. Und
gliedern des UVS danken. Ich wünsche dem Präsi-          wer diesen Bericht liest, der kann auf Seite 12 be-
denten alles Gute bei seinen Bestrebungen, das           ginnend bis zur Hälfte der Seite 13 den Erfah-
Ganze noch runder zu gestalten als es vielleicht in      rungsbericht lesen, in einer Dreiviertel Seite. Und
den letzten Jahren war. Und in diesem Sinne neh-         das, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist
men wir diesen Bericht gerne auch zur Kenntnis.          nicht nur ein Vorbeigehen am gesetzlichen Auftrag,
Ich danke! (Beifall bei der ÖVP.)                        sondern ich sage sogar, das ist eine Beleidigung
                                                         des Landtages. Das haben wir in der Form nie er-
     Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort hat           lebt.
sich Herr Präsident Ing. Penz gemeldet.
                                                              Wir haben auf der anderen Seite Dinge drin-
    Abg. Präs. Ing. Penz (ÖVP): Sehr geehrter            nen, die jahrelang moniert werden. Wie die Frage
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und            der Klimatisierung im Sommer. Das ist nicht Auf-
Herren!                                                  gabe des Landtages! Das, was wir brauchen, ist,
                                                         meine sehr geehrten Damen und Herren, es wurde
     Es gibt mehrere Gründe warum ich mich zu            hier sehr klar auch die Zahl der Beschwerden, die
Wort melde. Der erste: Ich freue mich, dass wir hier     eingegangen sind, genannt. Dazu muss man sich
in diesem Landtagssitzungssaal die Fragen der            die Frage stellen, und wer sich das genau ange-
Landesgerichtsbarkeit, der Landesverwaltungsge-          schaut hat, der wird das wissen, dass mehr als die
richtsbarkeit sehr intensiv diskutiert haben. Wir        Hälfte der Berufungen positiv erledigt werden.
haben die Entwürfe, die es gab, die Überlegungen         Wenn ich die formalen Erledigungen noch dazu
auf Bundesebene hier in einer Enquete dargelegt,         zähle, komme ich auf nahezu zwei Drittel Stattge-
die Für und Wider besprochen, auch sehr einge-           bungen. Das heißt, es gibt ja dann nur zwei Mög-
hend diskutiert ob es zweckmäßig ist, dass hin-          lichkeiten: Entweder die 1. Instanz entscheidet
künftig meritorische Entscheidungen getroffen wer-       schlecht – was wir alle nicht annehmen -, oder es
den.                                                     werden die Entscheidungen des UVS nicht transpa-
                                                         rent genug gemacht um auch der 1. Instanz oder
      Gerade im Hinblick auch auf die Frage der          den Bürgern die Entscheidungen klarzulegen.
Einschränkungen der Gemeindeautonomie. Und ich
glaube, dass unsere Überlegungen, die hier ange-              Und da, muss ich sagen, bedaure ich, dass ich
stellt wurden, nicht nur von den Abgeordneten son-       mich bestätigt fühle in dem Fall sogar, weil ich
dern darüber hinaus auch von den Experten, dazu          mehrmals – ich wiederhole das – gemeint habe,
geführt haben, dass man auf Bundesebene diese            dass es gut wäre, wenn wir ein gescheites Internet-
Überlegungen noch einmal überdenkt und neben             portal hätten. Wenn Sie hier das Internetportal des
der qualifizierten Entscheidung auch überlegt, was       UVS in Niederösterreich aufmachen, dann darf ich
das hinsichtlich der Kosten bedeutet. Denn letzten       sagen, die Informationen, die da drinnen sind, sind
Endes wäre auch bei einer meritorischen Entschei-        mehr als bescheiden. Da sind sogar Länder, mit
dung die so genannte Manduktionspflicht gegeben.         denen wir uns nicht besonders vergleichen wollen –
Das heißt, es wäre Anwaltszwang, es würde da und         sogar Kärnten – besser dran als Niederösterreich.
dort auch für die Bürger zu einer wesentlichen           Und das, meine sehr geehrten Damen und Herren,
Verteuerung führen.                                      muss ich eigentlich sagen, bedaure ich zutiefst. Vor
                                                         allem auch deshalb, weil wir eine Evidenzstellen-
     Zum Zweiten darf ich auch sagen, und das ist        leiterin haben, die meines Erachtens auch rechts-
ein Grund, warum ich mich zu Wort melde, ich bin         widrig bestellt wurde vom UVS, vom Präsidenten,
traurig. Ich bin traurig deshalb, weil hier auch von     die zu 40 Prozent dienstfrei gestellt ist. Und seit
meinen Vorrednern mehrmals die Transparenz der           dem Jahre 2008, und in diesen Zeitraum fällt diese
Entscheidungen angesprochen wurde. Ich habe              Bestellung hinein, die Internetinformation sich nicht
hier von diesem Rednerpult aus mehrmals dem              verbessert hat.
UVS empfohlen, dass es gut wäre, die Entschei-
dungssammlungen auch zu veröffentlichen. Das ist              Dann darf ich auch sagen, es ist hier auch ge-
bis dato nicht passiert.                                 sagt worden mit Recht, dass hier – im Bericht steht
                                                         das zumindest drinnen – dass die personelle
     Und drittens darf ich sagen, ich habe mich          Knappheit immer wieder bekrittelt wird. Es gab
deswegen auch zu Wort gemeldet, weil ich von             natürlich auch Zugänge. Man muss aber wissen,
meinen Vorrednern nicht den Eindruck habe, dass          dass die Leute auch wieder weg gehen. Eine, die
sie tatsächlich den Bericht gelesen haben. Und ich       vor kurzem bestellt wurde, geht wieder weg. Doch
bin verärgert. Denn das Landesgesetz schreibt            wir haben auch im UVS die Möglichkeit, dass Fahr-
eindeutig vor, dass der Unabhängige Verwaltungs-         prüfungen gemacht werden. Fahrprüfungen finden




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


nicht am Wochenende statt, sondern während der                Den Zusatzantrag, so wie ihn der Herr Klub-
Werktage. Dazu kommt natürlich auch, dass diese           obmann formuliert hat in etwa, wenn ich das wie-
Fahrprüfer im Jahr zwei Tage frei bekommen für            derholen darf, dass bis Mitte des Jahres eine neue
Weiterschulungsmaßnahmen. Und daher glaube                Vorlage diesbezüglich hier im Landtag aufliegt und
ich auch, meine sehr geehrten Damen und Herren,           zur Debatte steht, dass wir ihn zur Kenntnis neh-
sollte man durchaus auch überlegen, welche Mög-           men können. Wenn Sie damit einverstanden sind,
lichkeiten der Änderung in der Organisation gibt es       ersuche ich ebenfalls um ein Zeichen mit der Hand.
um hier die Entscheidungen zu verbessern und den          (Nach Abstimmung:) Das ist mit den Stimmen der
Bürgern schneller zum Recht zu verhelfen. Und             Grünen, der ÖVP, der SPÖ. Und damit ist dieser
wenn das passiert, meine sehr geehrten Damen              Zusatzantrag angenommen.
und Herren, dann bin ich überzeugt, bekommen wir
auch einen Bericht des Unabhängigen Verwal-                    Wir kommen nun zum nächsten Tagesord-
tungssenates, der uns allen Freude bereitet. (Beifall     nungspunkt. Ich beabsichtige, die Geschäftsstücke
bei der ÖVP.)                                             Ltg. 456/D-1/3, Ltg. 457/L.1/1, Ltg. 455/L-35/4, Ltg.
                                                          454/V-15, Ltg. 458/S-1, Ltg. 461/G-3 und Ltg.
    Dritter Präsident Rosenmaier: Eine weitere            460/G-4/1 wegen des sachlichen Zusammenhan-
Wortmeldung, Herr Klubobmann Schneeberger.                ges gemeinsam zu verhandeln. Berichterstattung
                                                          und Abstimmung werden jedoch getrennt erfolgen.
    Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Präsi-             Wird gegen diese Vorgangsweise ein Einwand
dent! Hohes Haus! Meine Damen und Herren!                 erhoben? Das ist nicht der Fall. Ich ersuche Herrn
                                                          Abgeordneten Mag. Wilfing zu den Geschäftsstü-
     Es ist einzigartig, dass wir eine so kritische       cken Ltg. 456/D-1/3, Ltg. 457/L.1/1, Ltg. 455/L-
Darstellung, sehr profund von Präsident Penz vor-         35/4, Ltg. 454/V-15, Ltg. 458/S-1 und danach Herrn
getragen, in der Causa UVS hier im Landtag ha-            Abgeordneten Dworak zu den Geschäftsstücken
ben. Vielleicht ist es doch für uns ein Auftrag, der-     Ltg. 461/G-3 und Ltg. 460/G-4/1 zu berichten.
artige Berichte intensiver zu lesen und die entspre-
chenden Konsequenzen zu ziehen.                               Berichterstatter Abg. Mag. Wilfing (ÖVP):
                                                          Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kolle-
     Ich würde jetzt meinen, in Anbetracht der            gen des Landtages! Ich berichte über die vier An-
Wortmeldung des Präsidenten Penz müsste man               träge des Rechts- und Verfassungs-Ausschusses,
diesen Bericht nicht positiv zur Kenntnis nehmen.         die die Gehaltserhöhungen für das Jahr 2010
Ich würde meinen, dass wir den Bericht zur Kennt-         betreffen.
nis nehmen mit einem Auftrag, dass all das, was
hier kritisch vermerkt wurde, noch im ersten halben             Der erste Antrag über die Vorlage der Landes-
Jahr in Form eines zusätzlichen Berichtes hier dem        regierung betreffend Änderung der Dienstpragmatik
Landtag vorgetragen und vorgelegt werden soll.            der Landesbeamten 1972, der zweite über die
Damit man nicht eine Kritik jetzt im Raum stehen          Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung
lässt, sondern dass wir als Landtag auch die ent-         des Landes-Vertragsbedienstetengesetzes, der
sprechenden Konsequenzen ziehen. Und ich würde            dritte betreffend Änderung des NÖ Landes-Be-
ersuchen, dass man dieser Vorgangsweise die               dienstetengesetzes und der vierte Antrag über die
Zustimmung gibt. (Beifall bei der ÖVP.)                   Vorlage der Landesregierung betreffend Änderung
                                                          des Gesetzes über den Unabhängigen Verwal-
     Dritter Präsident Rosenmaier: Die Redner-            tungssenat im Land Niederösterreich. Und ein An-
liste ist erschöpft. Der Berichterstatter hat das         trag des Gesundheits-Ausschusses über die Vor-
Schlusswort.                                              lage der Landesregierung betreffend Änderung des
                                                          NÖ Spitalsärztegesetzes 1992.
     Berichterstatter Abg. Karner (ÖVP): Ich ver-
zichte!                                                       Nachdem hier alle Anträge defakto im Inhalt
                                                          nur die Gehaltserhöhung betreffen, darf ich zur
     Dritter Präsident Rosenmaier: Er verzichtet          Verlesung des Antrages kommen (liest:)
darauf. Wir kommen nun zur Abstimmung. (Nach
Abstimmung über den vorliegenden Antrag des                    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Rechts- und Verfassungs-Ausschusses, Ltg. 409/B-
34/1:) Das sind die Stimmen der ÖVP, der SPÖ,             1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-
der FPÖ, damit ist es die Mehrheit und der Antrag              derung der Dienstpragmatik der Landes-
ist angenommen.                                                beamten 1972 (DPL 1972) wird genehmigt.




                                                        384
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das       die Vorlage der Landesregierung betreffend Ände-
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses       rung der NÖ Gemeindebeamtengehaltsordnung.
     Erforderliche zu veranlassen.“
                                                            Mit der vorliegenden Novelle sollen die Ergeb-
     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:              nisse der Besoldungsverhandlungen auf Bundes-
                                                       ebene mit Wirkung vom 1. Jänner 2010 im Ge-
1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-      meindebereich umgesetzt werden. Ich darf den An-
     derung des Landes-Vertragsbediensteten-           trag stellen (liest:)
     gesetzes (LVBG) wird genehmigt.
                                                            „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses       1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-
     Erforderliche zu veranlassen.“                         derung der NÖ Gemeindebeamtengehalts-
                                                            ordnung 1976 (GBGO-Novelle 2010) wird
     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                   genehmigt.

1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-      2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
     derung des NÖ Landes-Bedienstetengesetzes              zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
     (NÖ LGB) wird genehmigt.                               Erforderliche zu veranlassen.“

2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das            Ich darf Sie, Herr Präsident ersuchen, diesen
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses       Antrag zur Debatte und zur Abstimmung zu brin-
     Erforderliche zu veranlassen.“                    gen.

     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                  Weiters berichte ich zu Ltg. 460/G-4/1, Antrag
                                                       des Kommunal-Ausschusses über die Vorlage der
1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-      Landesregierung betreffend Änderung des NÖ
     derung des Gesetzes über den Unabhängigen         Gemeinde-Vertragsbedienstetengesetzes.
     Verwaltungssenat im Land Niederösterreich
     (NÖ UVSG) wird genehmigt.                             Es geht hier um den gleichen Inhalt. Die
                                                       GVBG-Novelle 2010 als Ergebnis der Besoldungs-
2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das       verhandlungen auf Bundesebene ebenfalls mit
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses       Wirkung vom 1. Jänner 2010 im Gemeindebereich
     Erforderliche zu veranlassen.“                    umgesetzt werden muss.

     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                   Der Antrag lautet (liest:)

1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-           „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
     derung des NÖ Spitalsärztegesetzes 1992 (NÖ
     SÄG 1992) wird genehmigt.                         1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend Än-
                                                            derung des NÖ Gemeinde-Vertragsbedienste-
2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das            tengesetzes 1976 (GVBG-Novelle 2010) wird
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses            genehmigt.
     Erforderliche zu veranlassen.“
                                                       2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
    Ich ersuche die Debatte einzuleiten und dann            zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlusses
anschließend die Abstimmung abzuhalten.                     Erforderliche zu veranlassen.“

    Dritter Präsident Rosenmaier: Ich bitte gleich         Ich ersuche auch hier um Debatte und Ab-
Herrn Abgeordneten Dworak.                             stimmung.

    Berichterstatter Abg. Dworak (SPÖ): Herr               Dritter Präsident Rosenmaier: Danke den
Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte zu Ltg.         Herren Berichterstattern. Zu Wort gemeldet ist Frau
461/G-3, Antrag des Kommunal-Ausschusses über          Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.




                                                     385
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-            sich bereits nachweisbar die Rate an schweren
ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und        Komplikationen.
Kollegen!
                                                             Die NÖ Landesregierung, respektive die Lan-
     In aller Kürze zum NÖ Spitalsärztegesetz, Ltg.      deskliniken-Holding muten unseren PatientInnen
458/L-1, möchte ich zwei Resolutionsanträge ein-         Arbeitszeiten der ÄrztInnen von 30, 40 Stunden und
bringen. Der eine Resolutionsantrag betrifft die         mehr durchgehend zu!
Einhaltung des Krankenanstaltenarbeitszeitgeset-
zes in den Spitälern der NÖ Landeskliniken Hol-               Auch die bundesgesetzliche Basis im KA-AZG
ding. Sie wissen, ich werde nicht müde, für ermü-        (Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz) ist EU-weit
dete Spitalsärzte bessere Rahmenbedingungen,             nicht unumstritten, da in der Richtlinie 2003/88/EG
damit für eine höhere Qualität der Patientinnen ein-     ausdrücklich eine durchschnittliche Höchstarbeits-
zufordern. (Liest:)                                      zeit von 48 Stunden und maximal 13 Stunden
                                                         durchgehend am Stück vorgesehen sind. Eine EU-
                  „Resolutionsantrag                     Richtlinie, an die sich selbst die Schweiz als Nicht-
                                                         EU-Land strikt hält, in der ehrlichen Absicht, für
     der Abgeordneten Dr. Helga Krismer-Huber,           PatientInnen und ÄrztInnen bestmögliche Rahmen-
Otto Kernstock, Dr. Mag.a Madeleine Petrovic,            bedingungen in Spitälern zu schaffen. Überschrei-
Emmerich Weiderbauer und Amrita Enzinger MSc             tungen landen wohl beim Arbeitsinspektorat. Diese
gemäß § 60 LGO 2001 zum Verhandlungsgegen-               sonderbare Form im Umgang mit Gesetzesbruch
stand Ltg.-458/S-1 - Vorlage der Landesregierung         darf nicht als Kavaliersdelikt abgetan werden!
betreffend Änderung des NÖ Spitalsärztegesetzes
1992 (NÖ SÄG 1992) betreffend Einhaltung des                 Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:
Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes in den Spi-
tälern der NÖ Landeskliniken-Holding.                        Der Hohe Landtag wolle beschließen:

     Unverblümt geben SpitalsärztInnen öffentlich            Die Landesregierung wird aufgefordert
zu, dass sie zwischen 80 und 100 Wochenarbeits-
stunden in Niederösterreichischen Landesspitälern             1. das Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz im
arbeiten. Immer öfter finden sich Themen wie             Sinne der PatientInnensicherheit und der medizini-
‚Burnouts’ und psychische Belastungen der Spi-           schen Qualität in Anlehnung an die Richtlinie der
talsärztInnen in den Schlagzeilen. Ursache ist die       Europäischen Union 2003/88/EG einzuhalten. Aus
gegenüber anderen Bundesländern besonders                dem folgt eine Anpassung der Betriebsvereinba-
geringe Grundbesoldung in Niederösterreich, was          rungen auf eine durchschnittliche Wochenarbeits-
durch maximalen Arbeitseinsatz kompensiert wer-          zeit von 48 Stunden und maximal 13 Stunden
den muss. Ein weiterer Ausfluss dieser monetär           durchgehendem Dienst und
geringen Wertschätzung von SpitalsärztInnen ist
der Mangel an FachärztInnen. Dieses Problem                  2. gleichzeitig eine Reform der Besoldung des
steht schon länger an und ist noch nicht gelöst.         medizinischen Personals mit dem Ziel einer ein-
                                                         kommensneutralen Gestaltung und Anhebung des
     Das Überschreiten der mittels Betriebsverein-       Grundgehalts vorzubereiten.“
barung möglichen Wochenarbeitszeit von 60 Stun-
den im Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen                   Die Hintergründe erspare ich Ihnen. Ich
mit zulässigen Spitzen von 72 Wochenstunden in           glaube, ich habe das sicherlich schon einige Male
diesem Zeitraum ist ein klarer Gesetzesbruch von         vorgetragen. Ich komm zum zweiten Resolu-
EU-Recht, der sich auch nachweisbar negativ auf          tionsantrag. Betrifft Danube Private University. Das
die Qualität der medizinischen Leistung auswirkt.        war der Antrag, über den vor einigen Stunden der
Dienstzeiten am Stück im Ausmaß von 49 Stunden           Kollege Haller meinte, der ist obsolet. Der ist nicht
sind Realität! Aufgrund dieser überlangen Arbeits-       obsolet. Ich bringe ihn hiermit ein (liest:)
zeiten entstehen vermehrt Komplikationen und
damit weitere Kosten, ganz zu schweigen von un-                             „Resolutionsantrag
nötigem Patientenleid. Diverse vom NÖGUS be-
auftragte Studien untermauern dies.                          der Abgeordneten Dr. Krismer-Huber und Dr.
                                                         Michalitsch gemäß § 60 LGO 2001 betreffend
     Wenig überraschend sind selbst Ärztinnen und        Danube Private University – Diplom Studium
Ärzte spätestens nach 13 Dienststunden deutlich          Zahnmedizin zum Verhandlungsgegenstand Ltg.-
fehleranfälliger. Ab 24 Dienststunden verdoppelt         458/S-1 - Vorlage der Landesregierung betreffend




                                                       386
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Änderung des NÖ Spitalsärztegesetzes 1992 (NÖ               Ich ersuche alle, diesen Antrag mitzutragen.
SÄG 1992).                                               Danke! (Beifall bei den Grünen.)

     Seit August 2009 ist die DPU (Danube Private            Dritter Präsident Rosenmaier:        Zu   Wort
University) als private Universität akkreditiert. Im     gelangt Herr Abgeordneter Kernstock.
Oktober 2009 haben 44 StudentInnen mit der Aus-
bildung begonnen, die 12 Semester dauern soll und            Abg. Kernstock (SPÖ): Sehr geehrte Herren
€ 12.000 pro Semester (€ 144.000 für das gesamte         Präsidenten! Kolleginnen und Kollegen!
Studium) kostet.
                                                             Ich melde mich zum Resolutionsantrag der
                                                         Grünen betreffend Einhaltung des Krankenanstal-
    Die DPU beruft sich auf Kooperationsverträge         ten-Arbeitszeitgesetzes in den Spitälern in der NÖ
zwischen der DPU und den Landeskrankenanstal-            Landesklinikenholding zu Wort. Ich möchte diesem
ten Niederösterreich für Famulaturen und Praktika        Resolutionsantrag gerne beitreten, weil ich voll-
und behauptet in ihrem Akkreditierungsantrag, dass       inhaltlich den Ausführungen in Wort und Schrift
sie über entsprechende Personal-, Raum- und              dem zustimme.
Sachausstattung verfüge.
                                                              Es ist so, dass ich auch vergangenes Jahr im
     Bekräftigt wird diese Aussage auf der Home-         NÖ Landtag im Hohen Haus doch einige Male über
page der DPU unter der Überschrift ‚Die Danube           das      Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz     ge-
Private University (DPU) – Grundstudium Zahnme-          sprochen habe. Ich verweise auf die Landtags-
dizin’ durch den ausdrücklichen Hinweis: ‚Praxis         sitzung vom 1. Oktober 2009, wo ich gefordert und
voll gesichert – Mit den Landeskrankenanstalten          gesagt habe: Überstunden zwischen 8.00 Uhr und
Niederösterreich […] bestehen Kooperationsver-           22.00 Uhr sind zu reduzieren sowie eine Betriebs-
träge für Famulaturen und Praktika.’                     vereinbarung an das Krankenanstalten-Arbeits-
                                                         zeitgesetz anzupassen. Und das findet sich jetzt im
    Es besteht dazu lediglich ein Letter of Intent       Resolutionsantrag in dieser Form wieder.
mit der NÖ Landeskliniken-Holding, der mangels
Abschluss einer weiteren Vereinbarung binnen 3                Ich möchte aber den Damen und Herren des
Monaten ab Akkreditierung nicht schlagend wurde.         Landtages noch einen Absatz aus der Ärztezeitung
Hinsichtlich der Praktika bestehen daher keine           vom Dezember 2009 auszugsweise zur Kenntnis
Verpflichtungen der NÖ Landeskliniken-Holding            bringen: Eine 48-Stundenwoche und eine maximale
bzw. des Landes NÖ. Dies sollte daher auf der            Dienstdauer von 25 Stunden würden in anderen
Homepage der DPU berücksichtigt werden.                  Bereichen die Gewerkschaft auf den Plan rufen, im
                                                         Spitalsalltag aber tatsächlich einen enormen Fort-
   Ob darüber hinaus die notwendigen Prakti-             schritt bedeuten. Denn derzeit sind in den Kranken-
kumsplätze bestehen, wäre zu klären.                     häusern wesentlich längere Wochenarbeitszeiten
                                                         üblich. In den 27 Spitälern des Landes Nieder-
    Die Gefertigten stellen daher folgenden Antrag:      österreich gelten beispielsweise Betriebsverein-
                                                         barungen, die wöchentliche Arbeitszeiten von 60
                                                         Stunden, unter Umständen sogar bis zu 72 Stun-
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                  den erlauben. Die maximal zulässige Arbeitszeit
                                                         wird immer öfter bis an die Grenze ausgenützt.
   Die Landesregierung wird aufgefordert, bei der
Bundesregierung anzuregen, die Akkreditierung der             Ich glaube, dem braucht man nichts
DPU im Sinne der Antragsbegründung zu prüfen.“           hinzufügen. Es ist ein Aufschrei der Ärzteschaft in
                                                         Niederösterreich, auch getragen von der NÖ
     Soweit ich die Petition verstanden habe und         Ärztekammer. Und ich bitte, dem Resolutionsantrag
das Ansinnen der rund 6.300 Menschen ist das             die Zustimmung zu erteilen.
auch der Kern, dass die Akkreditierung zu prüfen
ist, da die räumlichen und damit personellen                  Dritter Präsident Rosenmaier: Da keine
Gegebenheiten nicht mehr den Unterlagen, die bei         weiteren Wortmeldungen mehr vorliegen, kommen
der Akkreditierung beim Verfahren vorgelegt              wir zur Abstimmung. – Zu Wort gemeldet ist Herr
wurden, entsprechen.                                     Abgeordneter Dr. Michalitsch.




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Abg. Dr. Michalitsch (ÖVP): Sehr geehrter                  Dann kommen wir zur Abstimmung Ltg. 458/S-
Herr Präsident! Hoher Landtag!                            1. (Nach Abstimmung:) Das ist einstimmig.

     Ich möchte zu den vorgebrachten Dingen,                   Dann gibt es hiezu zwei Resolutionsanträge.
geringe Grundbesoldung, Mangel an Fachärzten              Und zwar der Abgeordneten Helga Krismer-Huber,
sagen: Wir haben 2007 in Abstimmung mit der               Otto Kernstock, MMag. Dr. Petrovic, Emmerich
Ärztevertretung eine Gehaltsreform in Niederöster-        Weiderbauer und Amrita Enzinger betreffend Ein-
reich umgesetzt, da ist die Besoldung um 10 Pro-          haltung des Krankenanstaltenarbeitszeitgesetzes in
zent erhöht worden. Wir liegen im Bundesländer-           den Spitälern der NÖ Landesklinikenholding. (Nach
vergleich damit im oberen Bereich. Dass es zu             Abstimmung:) Das ist die Minderheit. Damit ist die-
wenige Fachärzte gibt ist ein bundesweites Pro-           ser Resolutionsantrag abgelehnt.
blem, an dem wird gearbeitet. Niederösterreich hat
auch entsprechende Ausbildungsmaßnahmen ge-                    Weiters gibt es noch einen Resolutionsantrag
setzt. Und wir können erfreulicherweise sagen trotz       betreffend Danube Private University von Frau Abg.
aller Schwierigkeiten, dass wir trotzdem für einen        Dr. Krismer-Huber, Dr. Michalitsch. (Nach Abstim-
ordnungsmäßen Betrieb …, dass es gelungen ist,            mung:) Das ist einstimmig. Damit ist dieser Resolu-
doch die notwendigen Fachärzte zu rekrutieren. Bis        tionsantrag angenommen.
dato ist das gelungen.
                                                              Wir kommen weiters zur Abstimmung Ltg.
     Mit den Arbeitszeiten ist es so, dass diese ent-     461/G-3. (Nach Abstimmung:) Das ist einstimmig.
sprechend den gesetzlichen Vorgaben elektronisch
dokumentiert werden. Das heißt, außer in medizi-               Weiters kommen wir zur Abstimmung Ltg.
nischen Notfällen gibt’s keine Überschreitungen.          460/G-4/1. (Nach Abstimmung:) Das ist ebenfalls
Und im Übrigen gibt uns die Patientenbefragung            einstimmig.
auch einen Rückhalt, indem sie sagt, dass die Zu-
friedenheit mit den ärztlichen Leistungen gestiegen           Nun kommen wir zur Aktuellen Stunde, Ltg.
ist.                                                      447/A-8/25. Ich ersuche Herrn Abgeordneten Ing.
                                                          Huber, als ersten Antragsteller zur Darlegung der
     Ich möchte daher an dieser Stelle allen, die in      Meinung der Antragsteller das Wort zu nehmen.
den Krankenanstalten arbeiten für die Patienten,
herzlich danken. Es ist selbstverständlich so, dass           (Präsident Ing. Penz übernimmt den Vorsitz.)
wir die Gesetze einhalten. Wir arbeiten daran, dass
die Dinge auch besser werden. (Beifall bei der                Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrte Herren
ÖVP.)                                                     Präsidenten! Hoher Landtag!

     Und die Betriebsvereinbarungen kann man                   Vor wenigen Minuten oder halben Stunde
nicht gesetzlich verordnen.                               wurde durch Ablehnung unseres Antrages betref-
                                                          fend Änderung der Bauordnung festgelegt eine
    Dritter Präsident Rosenmaier: So. Nun gibt            Entwicklung, die wir hoffentlich in einigen Jahren
es keine Wortmeldungen mehr. Wir kommen zur               nicht bereuen werden.
Abstimmung. (Nach Abstimmung über den Wortlaut
des Gesetzes sowie über den Antrag des Rechts-                 Ich möchte einfach ganz kurz als Begründung
und Verfassungs-Ausschusses, Ltg. 456/D-1/3:)             auch ein bisschen erklären wieso wir solche An-
Das ist einstimmig.                                       träge stellen, wieso es eigentlich einer Diskussion
                                                          dieser Themen bedarf. Denn es werden in Tages-
    Wir kommen wieder zur Abstimmung. (Nach               zeitungen, es werden von Organisationen folgende
Abstimmung über den Wortlaut des Gesetzes                 Tatsachen festgestellt:
sowie über den Antrag des Rechts- und
Verfassungs-Ausschusses, Ltg. 457/L-1/1:) Das ist              Die genaue Anzahl der Muslime ist in Öster-
ebenfalls einstimmig.                                     reich nicht bekannt. Auch die Islamische Glaubens-
                                                          gemeinschaft weiß nicht, wie viele Mitglieder sie
    Dann kommen wir zur Abstimmung Ltg. 455/L-            hat. Fakt ist in Zahlen wie 1979 gab es rund 50.000
35/4. (Nach Abstimmung:) Das ist ebenfalls ein-           Muslime in Österreich, 1990 100.000, Volkszählung
stimmig.                                                  2001 339.000, mittlerweile gibt es Schätzungen von
                                                          400.000, 4,9 Prozent der Bevölkerung. Andere
    Dann kommen wir zu Ltg. 454/V-15. (Nach Ab-           Schätzungen sprechen bereits von 500.000 Perso-
stimmung:) Das ist ebenfalls einstimmig.                  nen.




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     Da sieht man, dass dies keine stabile Minder-            Also erlauben wir mit dem Antrag, dem Sie
heit ist wie andere Volksgruppen in Österreich,           vorhin zugestimmt haben, dass wir nicht einer Reli-
sondern eine stark dynamische wachsende                   gionsgemeinschaft die Errichtung sakraler Bauten
Gruppe, die sich mittlerweile, wie schon erwähnt,         ermöglichen, eine Religionsgemeinschaft wie die
stark genug fühlt, unserem Staat ihren Stempel            katholische, evangelische usw. Nein, Sie erlauben
aufzudrücken.                                             und Sie haben es in Bad Vöslau auch in Nieder-
                                                          österreich ermöglicht, einem Verein, der der türki-
     Es gibt mittlerweile auch in Österreich Urteile,     schen Botschaft unterstellt ist, Gebäude zur Religi-
erst vor kurzem in Wien, wo bei einem Totschlag           onsausübung zu errichten. ATIP ist keine Religion,
oder eigentlich Mord die Urteilsbegründung mit der        ATIP ist ein Verein, der der türkischen Botschaft
Herkunft des Täters begründet wurde und er nicht,         unterstellt ist.
eigentlich war es ein klarer Mordversuch, verurteilt
wurde. Bisher kannten wir solche Urteile nur aus               Gegründet 1988 in Wien mit Sitz in Wien, 60
der BRD, wo Richterinnen ähnliche Urteile gefällt         Ortsvereine, zirka 75.000 Mitglieder. Die Imame,
haben. Ich glaube, das ist eine Entwicklung, die uns      die in deren Gebetsräumen und Moscheen unter-
alle aufrufen muss, hier Einhalt zu gebieten.             richten bzw. den Gottesdienst leiten, werden in
                                                          Ankara und Istanbul ausgebildet. Sind zirka drei bis
     Die Akademie der Wissenschaften stellt fest,         vier Jahre in Österreich. Es gibt keine Kontrolle was
dass 2050 zwischen 18 und 26 Prozent der Ge-              dort gepredigt wird. Die Auswahl dieser Imame
samtbevölkerung islamischen Glaubens sein wer-            erfolgt durch das türkische Ministerium für Bildung,
den. In den Schulen haben wir im Moment 50.000            Äußeres und Religionsangelegenheiten und wir
Schüler, die den islamischen Glaubensunterricht           haben keine Kontrolle was dort passiert bzw. ge-
besuchen. Zirka 400 Religionslehrer, von denen wir        predigt wird.
nicht wissen, wo, wie die ausgebildet worden sind.
Das sind insgesamt 7,4 Prozent der Schüler. Die                Der Schwesternverein der ATIP ist in der BRD
Akademie der Wissenschaften stellt weiterhin fest,        der DITIP. Über den DITIP kann man immer wieder
dass 2015 in den Schulen die muslimische Gruppe,          in Terrorismusberichten in Deutschland lesen, der
die Schüler der Muslimischen die größte Gruppe            ist sehr, sehr nahe beim radikalen Islam.
sein wird. Schätzungen gehen von über 50 Prozent
aus.                                                           Ich möchte jetzt noch mal festhalten zur Ver-
                                                          ständigung, weil man das immer wieder vermischt:
     Weiters gibt es mittlerweile über 200 Gebets-        Der ATIP ist keine Religionsgemeinschaft, sondern
räume ohne Minarette. Ich glaube, es ist, wie auch        es ist ein Verein, der Sakralbauten errichtet.
im Koran usw. festgeschrieben, für die Religions-
ausübung, für die Religionsfreiheit, ich glaube, da           Ein Verein, der politische Zeichen setzt. Politi-
sind wir die ersten, die für Religionsfreiheit kämp-      sche Zeichen, wo sogar säkularisierte Moslems und
fen, für Religionsfreiheit benötigt es, Religionsaus-     auch die Allewiten lehnen diese Zeichen ab. Denn
übung, benötigt es keine Minarette. Minarette und         sie wollen mit diesem Radikal-Islam nichts am Hut
Kuppel haben keine sakrale Bedeutung. Minarett            haben.
und Kuppel sind politische Symbole.
                                                               Eine Moschee ist ein Gebäude, wo man sich
     Genau dieser politische Islam, der in diesen         niederwirft und ein Ort des Gebetes. Weder im
Moscheen gepredigt wird, der verhindert eine ge-          Koran noch in den Hadithen gibt es Vorschriften
glückte Integration. Er setzt ein deutliches Zeichen,     zum Bau von Moscheen mit Minaretten. Auch hier
er will dem Land einen Stempel aufdrücken. Viele          wird immer wieder festgehalten, Minaretten haben
Moslems bezeichnen auch Minarette, die auf euro-          rein politischen Charakter.
päischen Boden stehen, als Zeichen der Desinte-
gration. Denn sie fördern Ghettobildung und die                Und es ist auch kein Problem zwischen islami-
negativen Auswirkungen solcher Ghettos, glaube            scher und abendländischer Kultur. Es ist kein religi-
ich, kennen wir alle zu gut.                              öses Problem, sondern, wie eingangs erwähnt, es
                                                          wird immer mehr zu einem juristischen Problem.
     Wer baut nun diese Bauten in Österreich? Es          Denn dieser Islam anerkennt nur die Scharia. Und
baut keine Religionsgemeinschaft diese Minarette,         die Scharia anerkennt unsere Gesetze nicht. Für
diese Moscheen, Glaubensgemeinschaften errich-            sie gibt es rein ihre Rechtsauffassung. Unter die-
ten Gebetsräume und verrichten dort ihren Gottes-         sem Blickwinkel werden diese Minarette, separate
dienst. In Österreich baut Minarette und Moscheen         Friedhöfe mittlerweile, Koranschulen, Moscheen, zu
der ATIP, die türkisch-islamische Union für kultu-        exterritorialen Kleingebieten in unserem Land er-
relle und soziale Zusammenarbeit in Österreich.           klärt. Ein Gebiet, so genannte, kann man sagen,




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vorgeschobene Brückenköpfe, auch einstweilen              Auseinandergehen von Meinungen mehr. (Beifall
noch im bescheidenen Ausmaß, in verschiedenen             bei der FPÖ.)
europäischen Ländern schon in größerem, ganze
Stadtteile, in denen das islamische Gesetz gilt.              Es geht bereits darum, ob sich Europa gegen
                                                          die Vereinnahmung durch den Islam wehren kann.
    Hier wird nur die Scharia akzeptiert. Nicht um-       Ob ein orientierungs- und kraftloses Abendland
sonst werden die Minarette als Leuchttürme des            unter der wehenden Halbmondflagge untergeht.
Djihad oder als Bajouette des Islams, wie der Pre-
mierminister Erdogan sie genannt hat, vorgescho-               Es ist, wie schon mehrmals gesagt, kein
ben. Einfach Bauwerke, keine religiösen Symbole,          Religionskonflikt, es ist ein Rechtskonflikt. Ich
sondern rein politische Symbole.                          empfehle jedem das Buch des scharfzüngigen Au-
                                                          tors Henrik M. Broder, der diese Entwicklung sehr
    Minarette sind für diesen Islam in erster Linie       zynisch formuliert mit dem Titel „Hurra, wir kapitu-
Zeichen eines weit sichtbaren Symbols der völligen        lieren“.
Unterwerfung unter die Scharia.
                                                               Wir Freiheitliche kapitulieren nicht! Wir wissen,
     Beispielhaft, wie vorher schon erwähnt, ich          dass mit dem Europa, wie wir es lieben, auch die
glaube, die schleichende Islamisierung ist kein           aufgeklärte Gesellschaft, die Gleichberechtigung
religiöses Problem, das wir haben, sondern es ist         von Mann und Frau, die mutig erkämpften Frei-
rein ein rechtliches Problem. Ich glaube, es hat          heitsrechte untergehen würden. Wir kapitulieren
mittlerweile leider in Europa schon genug Urteile         nicht! Aber der Antrag, der vorher abgelehnt wurde,
gegeben, in denen auf die Scharia bzw. auf die            ist ein weiterer Schritt in diese Richtung. Ein Weg,
Herkunft des Deliquenten Rücksicht genommen               den wir nicht feige zur Kenntnis nehmen. (Beifall
wurde.                                                    bei der FPÖ.)

     In Deutschland wurde einer Frau die Schei-              Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau
dung verweigert, weil eine Züchtigung der Ehefrau         Abgeordnete Dr. Petrovic.
im Islam rechtens sei. Es wird immer wieder be-
richtet von Beschneidungen von jungen Frauen in                Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Wie aktuell
Europa. Ich glaube, da hört man keinen Aufschrei.         eine Aktuelle Stunde ist, wenn die Antragsteller
Als es das EU-Urteil betreffend der Kreuze bzw. die       selbst sich dafür aussprechen, Sie am Ende der
Abstimmungsergebnisse der Schweiz gegeben hat,            Tagesordnung abzuhalten und auf derselben Ta-
kam es zum Riesen-Aufschrei. (Abg. Dr. Krismer-           gesordnung ein Antrag zum Thema steht, das mag
Huber: Weißt du was wir für Gewalt haben im               jeder beurteilen. Wir haben genug dazu gehört. Es
häuslichen Bereich in Österreich? – Unruhe im             ist weder neu, noch wird es durch die Wiederholung
Hohen Hause.)                                             besser. Darum füge ich dem auch nichts weiter
                                                          hinzu. (Beifall bei den Grünen und der ÖVP.)
     Ehrenmorde in Neunkirchen. Der Täter ist
mittlerweile nach zwei oder drei Jahren wieder aus           Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
der Haft entlassen. Gerade heute wieder in der            Abgeordneter Sulzberger.
„Kronen Zeitung“, Seite 8: Eine Frau, die bei British
Airways angestellt ist, darf kein Ketterl mit Kreuz           Abg. Sulzberger (FPÖ): Sehr verehrter Herr
tragen.                                                   Präsident! Hoher Landtag!

     Ich glaube, hier kommt was auf uns zu, kom-              Das Volk wird einmal anders entscheiden, ja?
men Entwicklungen auf uns zu, vor denen wir uns           Die Politik wird daran gemessen, wer sich für das
wehren müssen. Wir haben das Thema der Aktu-              eigene Volk einsetzt und wer nicht. Das ist der
ellen Stunde „Keine Minarette in Niederösterreich“        Punkt. Da bin ich schon dabei, ja? Ich hoffe, dass
genannt. Es geht auch nicht um den Prunkbau oder          die ÖVP hier nicht die Überfuhr versäumt. Nur so
die bedrohte Kulturstadt Bad Vöslau, die durch            nebenbei.
Traiskirchen sowieso schon belastet ist. Es ist ganz
allgemein, dass eine kurzsichtige Politik einem               Meine sehr verehrten Damen und Herren! Das
gestärkten Islam Parallelgesellschaften bei uns           Thema ist zu ernst um hier gewisse Lächerlichkei-
ermöglicht. Über einen Nikolostreit oder Schnitzl-        ten auszutauschen. Unsere Begründung, die
verbot in Kindergärten kann man noch lächeln,             kommt nicht von ungefähr. Denken wir daran, dass
Vorfälle aber wie in den Pariser Vororten oder der        sozusagen jedes Volk, jede Nation, jeder Kultur-
Karikaturenstreit sind längst kein harmloses              raum die Eigenart, so wie er entstanden ist, so wie




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er gelebt hat, so wie er sich gestaltet hat, sozusa-     die Gläubigen zum Gebet aufzurufen und hier an-
gen das in der Form beizubehalten und zu pflegen.        zukündigen zur gemeinsamen Gebetsausübung.
Das ist die wesentliche Aufgabe, die auch die Poli-
tik hat, hier das sicherzustellen.                             Der Muslim, haben wir heute schon gehört, ist
                                                         natürlich der Anhänger der Islam und der Islam-
      Gehen wir ganz kurz noch einmal ein in die         ergebung. Also das heißt, es werden hier die Erge-
Funktionalität Moschee und Minarett. Heute schon         benen aufgefordert, hier sich zu versammeln. Und
mehrmals angesprochen. Welcher Sinn und Zweck            der geistige Überbau, der religiöse, gesellschafts-
steht dahinter? Welche Funktionalität und welcher        politische Verhaltenskodex ist natürlich für den
geistig religiöse, philosophische und gesellschafts-     Muslimen im Koran sozusagen niedergeschrieben
politische Hintergrund steht dahinter und wie wird       als so genannte, wie man das heute sagen will,
das sozusagen gehandhabt?                                große Anleitung für das Leben selbst.

     Ich schicke voraus, dass ich hier und heute              Inhaltlich enthält er natürlich, so wie es das
weder eine Bewertung oder Abwertung schon gar            eben auch in anderen Religionen gibt, dogmatische
nicht irgendeiner Religion vornehmen werde, son-         Grundsätze. Aber eines ist hier, und wenn wir jetzt
dern nur reine Fakten aufzählen werde. Wir haben         dann von Europa und unseren Wertigkeiten spre-
schon gehört, die Moschee ist der so genannte            chen, schon einige Stellen mit drinnen, die man
Anbetungsort, wo man sich niederwirft. Das geht          wirklich künftighin, wenn diese Leute hier sozusa-
eben aus der Übersetzung hervor. Das können Sie          gen erfolgreich integriert werden wollen, so nicht
im Lexikon und sonstigen Publikationen nachlesen.        stehen lassen kann. Wo auch die Aufforderung
Er ist für den gläubigen Moslem das Gotteshaus,          steht, am heiligen Krieg, am so genannten Djihad,
wo man sich zum gemeinsamen Gebet fünfmal                verpflichtet teilzunehmen.
täglich einfindet und jeden Freitag, also das heißt,
zum Gebetsgottesdienst fünfmal und des weiteren              Dem gegenüber steht unsere christliche Wer-
am Freitag ein Predigtgottesdienst, den man die          tegemeinschaft des Abendlandes, Europas. Der
Chutba nennt.                                            Großteil unserer Menschen hier in den Völkern
                                                         Europas, nehmen seit dem Begriff der Freiheit, dem
     Das geistige Modell aller Moscheen ist das          die Aufklärung vorangegangen ist, ja, zu den religi-
Haus des Propheten in Medina. Von dort ist sozu-         ösen, soziokulturellen sowie zu den politischen
sagen der geistig-bauliche Ausgang und Symbol-           Themen und vor allem zu unserer europäischen
haftigkeit erstmals vorgetragen worden. Das war          Rechtskultur, keinen Unterschied zwischen den
sozusagen … in den Hallen dieser Moschee hat der         Völkern und Staaten, aber im Wesentlichen einen
große Prophet seine eigenen Räumlichkeiten, wo           gemeinsamen Kodex, positiv wahr.
er auch sozusagen mit seinen vielen Frauen diese
bewohnte. Und in der weiteren Funktionalität ist das
                                                             Dem gegenüber stehen hier die islamistischen
auch die Stätte privater Gebete, jener der Ge-
                                                         Grundsätze, die einen tatsächlichen Kontrapunkt
meinde, und sie ist in weiterer wichtiger Funktion
                                                         bedeuten. Und hier scheiden sich dann schon die
auch die theologische Lehrstätte sowie zugleich der
                                                         Geister, wie hier es geschafft werden soll, mitein-
Gerichtsort.
                                                         ander in einem gemeinsamen Gesellschaftsgebiet,
     Und das, was noch bedeutsamer ist, und hier         Völker, Staaten, Kulturen, die nicht islamisch sind,
sieht man die komplette Vereinnahmung allen reli-        dementsprechend zu gestalten und zu leben.
giösen politischen Handelns, dass es auch die Ört-
lichkeit von politischen Versammlungen und Ver-               Wir in Europa, wir haben die Trennung von
handlungen bedeutet. Das heißt, auch die gesam-          Kirche und Staat durch die Verankerung der Bür-
ten gesellschaftspolitischen Themen bis hin zu der       ger- und Frauenrechte. Und da spreche ich wirklich
Aufnahme der Bettler sind hier in diesem einen           dann auch die Grüne Fraktion an, wie sie dazu
Raum versinnbildlicht und betreffen alle Bereiche        steht. Sie wissen, was ich hier meine damit. Und
des menschlichen Lebens. Und das ist natürlich ein       durch die religiös politische Prägung des Muslime,
ganz anderer Zugang, so wie wir ihn hier im christ-      der im Einzelnen das erfährt und auch dann so lebt,
lichen Europa kennen.                                    weil er es immer wieder und wiederkehrend und
                                                         sogar bis mehrmals am Tag so vorgetragen be-
    Jetzt zum Minarett. Das Minarett ist natürlich       kommt, eine ganz eine andere Prägung und Festi-
an der Moschee anhängig und dient dem Ge-                gung hat in seinen Anschauungen. Und wir wissen
betsausrufer, den Muezzin sozusagen zur Ankün-           alle mitsammen, dass er von dem auch nicht ab-
digung. Sie ist der örtliche Ankündigungsort um hier     weichen will.




                                                       391
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Gestatten Sie, wenn ich abschließend ein paar             Meine sehr verehrten Damen und Herren! Von
Zitate bringe. Das eine, das liegt schon längere          dieser Volksgruppe und von dieser ethnischen
Jahre zurück. Sie wissen ja, Österreich hat ja auch       Gruppe ausgehend, die ja nicht mehr so eine kleine
ein UNO-Mandat in Zypern. Und da hat es einen             Gruppe ist, kann man davon ausgehen, dass die
Wechsel gegeben, wo die Österreicher einen ge-            Integration bereits jetzt schon gescheitert ist. Das
wissen Teil der Demarkationslinie besetzt haben           ist so. Weil hier ist keine Einsicht vorhanden. Und
zur Kontrolle. Und das war die Grenze Südzypern-          die Hoffnungen, die man bis dato gehabt hat, ja, die
Nordzypern. Im Norden die Türken, seit 1974 da-           lassen auf sich warten. Und ich muss Ihnen ehrlich
mals besetzt, auch heute noch besetzt. Nebenbei           sagen, die … (Abg. Mag. Hackl: Es gibt auch an-
angemerkt, von der UNO nicht anerkannt und vom            dere Zitate was Pauschalierungen betrifft!)
Völkerrecht her. Sie haben den österreichischen           Was heißt Pauschalierungen? Nicht?
Offizier gefragt, weil sie die Uniformdistinktionen
nicht gekannt haben, fragen ihn, woher er kommt.                Wichtig ist, was die Repräsentanten aussagen.
Er sagt, aus Österreich, Wien, Austria, Vienna, und       Das ist das Entscheidende hier! Die sozusagen im
bekommt postwendend von den jungen Türken, 14-            politischen Austausch mit anderen Völkern eigent-
bis 15-Jährigen, so in etwa, die Antwort: Das ist die     lich das herausnehmen sollten was zu Eskalation
Stadt, die wir zweimal nicht nehmen konnten. Und          führen kann. Nein, die schüren das sogar noch! Ja?
ich frage Sie: Drehen wir den Fall um. Ob ein öster-      Das ist der Punkt. Und den müssen wir ernst neh-
reichischer Junge zu irgendeinem Ereignis vor 450         men, ja? (Beifall bei der FPÖ.)
und 300 Jahren in der Art so einen Bezug herstel-
len könnte?                                                    Ich kann nur schließen mit der klassischen al-
                                                          ten freiheitlichen Forderung: Zuwanderungsstopp!
    Die Sache geht noch weiter. Ich zitiere den tür-      Mit mehr als einer Million Menschen schon herin-
kischen EU-Abgeordneten der SPD, Vural Öger               nen, das ist mehr als genug. Und vor allem, weil
und er meint: Das, was Sultan Süleyman 1529 mit           hier heute wieder gesprochen wurde, wir brauchen
der Belagerung Wiens begonnen hat, werden wir             unbedingt die Facharbeiter: Österreich kann aus
über die Einwohner, mit unseren kräftigen Männern         den Zuwanderern von allen Aufnahmeländern am
und gesunden Frauen verwirklichen. Auch eine              wenigsten lukrieren. 90 Prozent heißt es, sind so-
Tatsache! Nur so nebenbei. Darüber soll man               zusagen Sozial- und Wirtschaftsflüchtlinge und nur
schon nachdenken. Auch wenn es ein deutscher              von 10 Prozent können wir die wirklich dort brau-
SPD-Abgeordneter ist.                                     chen, wo bei uns bereits in gewissen Fachkräften
                                                          ein so genanntes Defizit besteht.
      Und noch ärger finde ich die Aussagen von
Ministerpräsident Erdogan, der bei einer Veran-                 Ich fordere die österreichische Politik auf allen
staltung bezüglich seines Staatsbesuches in               politischen Ebenen, Bund, Länder bis zu den Ge-
Deutschland in der Kölner Arena vor 16.000 Türken         meinden hin auf, alles daran zu setzen, die eigene
Folgendes gesprochen hat. Neben sicherlich                Bevölkerung bestands- und entwicklungsfähig zu
freundlichen, verbindlichen und salbungsvollen            halten. Da geht es nicht darum, andere sozusagen
Wortspenden hat es auch diese gegeben: Selbst             vor den Kopf zu stoßen oder dort die Hilfe nicht
nach 47 Jahren haben die hier lebenden drei Milli-        angedeihen zu lassen, dort wo sie wirklich ge-
onen Türken ihren Glauben, ihre Kultur, ihre Spra-        braucht wird. Zu dem bekennen wir uns vollinhalt-
che und Werte bewahrt. Ich verstehe die Sensibili-        lich. Vor allem halten wir Unterstützung dort für
tät, die sie gegenüber Assimilation zeigen, sehr gut.     notwendig, direkt in den so genannten Problemlän-
Niemand kann von ihnen erwarten, Assimilation zu          dern, wo man die so genannte Hilfe zur Selbsthilfe
tolerieren oder sich durch sie unterwerfen zu las-        fördert. In diesem Sinne danke ich für die Aufmerk-
sen. Denn Assimilation ist ein Verbrechen gegen           samkeit! (Beifall bei der FPÖ.)
die Menschlichkeit. Sie sollten sich dessen bewusst
sein.                                                          Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet hat
                                                          sich Herr Abgeordneter Gartner.
     Und an weiterer Stelle, da gäbe es mehr so
ähnliche Beispiele, heißt es dann noch einmal: Er             Abg. Gartner (SPÖ): Sehr geehrter Herr Prä-
bedauert auf das Tiefste, dass sich 800.000 Türken        sident! Meine Damen und Herren des Landtages!
einbürgern ließen. Die Türkei wird künftig stärker
als bisher an dieses Problem herangehen und über              Die Aktuelle Stunde „Keine Moscheen und Mi-
die Vereine und zivilgesellschaftlichen Organisatio-      narette in Niederösterreich“. Es wurde ja heute
nen der Türken in Deutschland die Kontakte halten         schon im Bau-Ausschuss einiges darüber diskutiert
um hier entscheidend entgegenzuwirken.                    und mir war klar, dass vor den Gemeinderatswah-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


len am 14. März aus der Sicht der FPÖ einiges           den Seiten, konnte eine gute Lösung gefunden
kommen wird. Die derzeitige Geisteshaltung der          werden. Bei der Bauverhandlung und bei der Bau-
FPÖ kommt mir vor wie wenn sie unterwegs wären          einreichung hat man von den Minaretten nichts
wie einst die Kreuzritter zur Rettung des Abendlan-     mehr gesehen. Es gab große Einschränkungen.
des. Wenn ich mir aber die Misere der Freiheitli-       Und heute, muss ich sagen, ist das Gebäude sicher
chen und des BZÖ in Österreich und vor allem in         optisch gesehen ein Herzeige-Gebäude und die
Kärnten anschaue, kommen sie mir eher vor wie           Minarette fallen dort überhaupt nicht auf.
die beiden traurigen Gestalten des Don Quijote und
Sancho Pansa aus dem Musical „Der Mann von La               Und gerade in diesem Stadtteil in Bad Vöslau,
Mancha“. Aber sie sind nicht einmal so unterwegs.       wenn ich mir die Bauten rundherum anschaue, …
(Abg. Waldhäusl: Wer hat dir denn das geschrie-         (Abg. Dr. Krismer-Huber: Ja genau! Sag einmal wie
ben?)                                                   es dort ausschaut!)
                                                        Darf ich ausreden? Danke!
     In der Verfassung steht geschrieben, die Reli-
gionsfreiheit ist in Österreich garantiert. Und der          Gerade in diesem Stadtteil in Bad Vöslau,
Islam ist nun einmal eine anerkannte Religion in        wenn ich mir die Bauten rundherum anschaue und
Österreich. Daher muss auch die Ausübung der            auch neue Bauten, den großvolumigen Wohnbau,
Religionen möglich sein. Europa ist seit mehr als       müsste sich mancher Architekt überlegen, und
tausend Jahren sicher stark geprägt von der katho-      daneben steht die Moschee, was schöner ist. Das
lischen Kirche. Aber denken wir einmal zurück:          sage ich auch ganz deutlich. Optisch! Die fällt auch
Schon in der Habsburger Zeit gab es Regimenter,         nicht auf dort.
die für Österreich, für die Habsburger gekämpft
haben, die rein islamische Regimenter waren. Da             Bei der Eröffnung waren 2.000 Personen aller
hat es auch schon Gebetsräume gegeben für diese         Religionsgemeinschaften dort, aller politischen
Menschen.                                               Parteien. Dass ihr nicht dort ward ist eh ganz klar.
                                                        Weil das ist ja schlecht, wenn etwas positiv ist, bei
    Wir wissen auch, was aus einer Glaubensver-         euch, nicht? Ich denke, das Zusammenleben im
bannung alles entstehen kann. Ich will es deutlich      Bezirk Baden ist durch die Moschee in Bad Vöslau
sagen: Wehren wir den Anfängen! Weil im vorigen         sicher nicht gefährdet.
Jahrhundert haben wir erlebt, was mit Glaubens-
gemeinschaften alles passieren kann und angestellt           Das ist eher gefährdet von dem, wie ihr, eure
werden kann.                                            Partei und eure Parteikollegen, im Bezirk Baden
                                                        auftretet. Daher ein klares Bekenntnis zu unserer
    Im letzten Jahrzehnt haben wir einen starken        Kultur, aber auch ein klares Bekenntnis zur Religi-
Zuzug von Gastarbeitern, von Menschen gehabt            onsfreiheit. Multikulturelles, friedliches Miteinander,
aus den islamischen Räumen nach Mitteleuropa.           dafür muss Platz sein und auch Platz bleiben!
Sie wurden von der Wirtschaft geholt und auch
gebraucht. Daher müssen sie schauen, dass sie
                                                             Und dieses Thema, das wir heute diskutieren,
sich integrieren, dass sie auch ihre Religion hier      Unruhe und Ausländerfeindlichkeit schüren das, ist
ausüben können. Und das Thema Bau einer Mo-             ein Weg, der seitens der Sozialdemokraten keiner-
schee mit Minaretten war ja im Bezirk Baden si-
                                                        lei Unterstützung finden wird und auch sicher von
cherlich in den letzten Monaten oder Jahr ein star-     uns strikt abgelehnt wird. Danke schön! (Beifall bei
kes Thema.                                              der SPÖ, ÖVP und den Grünen.)
     Wir haben viele Gemeinde im Bezirk, wo türki-
sche Vereine Gebetsräumlichkeiten haben. In                Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
Traiskirchen haben sie seit mehr als 20 Jahren          Abgeordneter Ing. Eigner.
solche Gebetsräume. Nur ist dort kein Minarett
dabei. Es gibt keinerlei Probleme und es funktio-           Abg. Dipl.Ing. Eigner (ÖVP): Sehr geehrter
niert das Zusammenleben zwischen den Glau-              Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kolle-
bensgemeinschaften in Traiskirchen und in den           gen des Landtages!
anderen Gemeinden hervorragend.
                                                            Es wird hier von den Freiheitlichen ein Thema
      Der Neubau der Moschee in Bad Vöslau war          des Bundes auf das Land übertragen. Wir stehen
sicher am Anfang von starken Diskussionen ge-           zu einer christlich-westlichen Kultur. Die ÖVP ist
prägt. Sicher angeheizt von einigen so genannten        immer dafür gestanden, dass wir christlich-sozial
politischen Führern dort. Durch Mediationsverfah-       sind und dass wir für eine multikulturelle Gesell-
ren, Bürgergespräche, viele Diskussionen von bei-       schaft eintreten und auch für Religionsfreiheit.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


      Es widerstrebt mir sehr stark, wenn knapp 50         sich auf einem guten und richtigen Weg, dann
Tage vor einer Gemeinderatswahl dieses Thema               bestätigen sie die Arbeit des Landes auf diesem
jetzt hier hereingetragen wird, wo Bedrohungssze-          Gebiet. Und um diese Thematik nicht in einem glä-
narien aufgezeigt werden, wo Religionsausübung             sernen Turm zu lassen, sondern damit in die Breite
großteils auch kriminalisiert wird. Und ich kann           zu gehen, hat der Herr Landeshauptmann das heu-
sagen, auf der anderen Seite, ich kenne viele Tür-         rige Jahr unter das Motto gestellt „Technologie und
ken, die hier in Niederösterreich und in Wien leben,       Forschung in Niederösterreich“. Und jeder Euro,
die sich bereits integriert haben. Die hier friedlich      den wir in diesem Bereich investieren, rechnet sich
miteinander mit uns leben. Und das ist, glaube ich,        nicht einmal, zweimal, sondern fünfmal und noch
der Großteil dieser Leute. Dass es zu Übergriffen          öfter.
kommt, das gibt es bei allen Volksgruppen. Und in
diesem Sinne leisten sie auch für uns große Hilfe,              Wir haben in den vergangenen 10 Jahren, be-
weil sie Arbeiten übernehmen, die wir selber nicht         ginnend mit der Technologieoffensive und dem
mehr übernehmen wollen. In diesem Sinne lehne              Technologieprogramm im Jahr 2000 Meilensteine
ich diese Einstellung von euch zur Gänze ab! (Bei-         gesetzt. Allein 68 Millionen Euro für den Ausbau
fall bei der ÖVP.)                                         der Infrastruktur in vier Standorten Wr. Neustadt,
                                                           Tulln, Krems und Wieselburg Land investiert. Im
    Präsident Ing. Penz: Es liegen keine weiteren          Umfeld der Technopole wurden in etwa 240 Millio-
Wortmeldungen vor. Damit erkläre ich die Aktuelle          nen investiert und 40 Millionen an Fördermittel des
Stunde zum Thema „Keine Minarette in Nieder-               Landes eingebracht.
österreich“, Ltg. 447/A-8/25 für beendet.
                                                                In Wahrheit ist das Technopolprogramm, wie
    Ich ersuche Herrn Klubobmann, Abg. Mag.                so viele Dinge in Niederösterreich, eine Erfolgsge-
Schneeberger, als ersten Antragsteller der Aktuel-         schichte. Lassen Sie mich kurz Bilanz ziehen. Seit
len Stunde, Ltg. 450/A-8/26, zur Darlegung der             Beginn des Technopolprogramms wurden über 60
Meinung der Antragsteller das Wort zu nehmen.              Forschungsprojekte initiiert, begleitet und umge-
                                                           setzt. Die Projektvolumina betrugen in etwa 30
    Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Präsi-              Millionen Euro. Und wir haben insgesamt derzeit –
dent! Hoher Landtag! Meine geschätzten Damen               und das ist eine für mich ganz tolle Zahl – in etwa
und Herren!                                                700 Forscherinnen und Forscher, die in den Tech-
                                                           nopolstandorten Niederösterreichs beschäftigt sind.
     Wir hatten erwartungsgemäß bei der heutigen
Landtagssitzung unterschiedliche Meinungen. Mei-                Im vergangenen Jahr waren an allen vier
nungen, die aufeinander geprallt sind. Meinungen,          Standorten insgesamt 1.800 Beschäftigte tätig. Und
die gesellschaftspolitisch klar positioniert sind. Ich     trotz der durchaus dramatischen Situation am Ar-
gehe davon aus, dass das Thema, das wir für die            beitsplatz sind gerade in diesem Bereich, nämlich
Aktuelle Stunde vorgeschlagen haben, dass das              der Technologie, 50 neue Arbeitsplätze geschaffen
die Einhelligkeit des Landtages findet. Nämlich            worden, was zeigt, dass dieser Bereich nachhaltig
dass Wissenschaft und Forschung in Niederöster-            abgesichert ist.
reich eine hervorragende und spannende Vergan-
genheit hat und eine noch aussichtsreichere Zu-                Wir haben, ich habe schon angeführt, vier
kunft.                                                     Standorte, die wesentliche Kristallisationsfunktion in
                                                           unseren Regionen haben. Und nicht zufällig in je-
     Wir haben in vielen Bereichen eine Aufholjagd         dem Viertel eines. Wir haben in Tulln mit dem IFA
gemacht. Im Bereich der Forschung und der Tech-            die entsprechende grüne Biotechnologie. Darüber
nologie ist das, wie in kaum einem anderen Bereich         wird Kollege Hackl Näheres bringen. Wir haben in
klar ersichtlich. Und wir haben das nicht aus Presti-      Krems die rote Biotechnologie, darauf wird Kollegin
gegründen gemacht, sondern weil allen klar ist,            Rinke einen Blick werfen. Und der Kollege Erber
dass die Chancen für unsere Jugend in unserem              wird die neu entstehende und bereits tätige Tech-
Bundesland dort liegen, wo nachhaltig qualitativ           nopol-Arbeit in Wieselburg näher beleuchten.
abgesicherte Arbeitsplätze vorhanden sind, exzel-
lente Ausbildungsstätten und damit der Weg in die               Lassen Sie mich, logischerweise, einen Blick
Technologie oder Hochtechnologie geöffnet ist.             auf die Szene im Süden Niederösterreichs werfen,
                                                           nämlich Technopol Wr. Neustadt. Hier ist es uns
    Für uns ist Forschung, Technologie natürlich           gerade im Vorjahr gelungen, zwei COMET-Projekte
auch verbunden mit Wissenschaft, die Zukunft. Und          an Land zu ziehen. Zwei COMET-Projekte, die uns
wenn 86 Prozent der Niederösterreicherinnen und            in diesem Bereich wirklich in den Olymp der Tech-
Niederösterreicher meinen, unser Land befindet             nologie bringen. Allein dort erwarten wir oder ist




                                                         394
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


zugesichert ein Investvolumen und nicht in die           dorf. Denn gerade das war in Wahrheit eine Insel,
Hardware, sprich Infrastruktur, sondern in die Soft-     eine Keimzelle der Entwicklung, die oft scheel be-
ware, sprich in das, was dort wirklich erarbeitet        trachtet, oft politisch missbraucht, aber letztlich auf
wird, in der Größenordnung von 75 Millionen. Wo-         Grund der guten Fundierung nach wie vor lebendig
von 35 Millionen – und das zeigt den Grad der            ist. Rund 450 Mitarbeiter arbeiten in diesem Be-
Qualität dieser COMET-Zentren von der Wirtschaft         reich für Energie, Mobilität, Sicherheit im Hightech-
kommt. Das ist zum Einen das K2-Zentrum. Hier            Bereich, sowie für Gesundheit und Umwelt. Aber
hat es drei Bewerber gegeben. Und wir konnten            auch mit Außenstellen, beispielsweise eine Außen-
eben dieses Projekt an Land ziehen. Mit Prof.            stelle von Seibersdorf im TFZ Wr. Neustadt oder
Franek und Pauschitz. Das ist im Bereich der Tri-        künftighin eine Außenstelle für Bio- und Umwelt-
bologie. Und das K1-Zentrum, das ist die kleinere        technologie in Tulln.
Fassung der COMET-Programme, das Kompe-
tenzzentrum für Mikrosystemtechnik unter der Lei-            Meine Damen und Herren! Hohes Haus! Wenn
tung von Kollegen Gaggl.                                 wir von sinnvollen Investitionen reden, dann sind
                                                         das jene, die wir in die Technologie, in die For-
     Dazu kommt noch ein bestehendes K1-Projekt.         schung und in die Wissenschaft setzen. Und da
Und daher ist dieser Standort hier in Wr. Neustadt       möchte ich zum Abschluss noch einen Spagat ma-
der einzige außeruniversitäre Standort Österreichs,      chen zu den Diskussionen in den vorausgehenden
wo es drei COMET-Zentren gibt. Das ist ein groß-         Diskussionsteilen bzw. was die Diskussion rund um
artiger Erfolg für den gesamten Forschungsstandort       Veranlagung und die Schulden des Landes Nieder-
Niederösterreich! Wir können davon ausgehen,             österreich anlangt.
dass hier ein Impuls gesetzt wird, von dem wir
heute noch gar nicht ermessen können wie die                   In Wahrheit sind wir vorgegangen wie ein or-
Auswirkungen sind. Und wenn ich in diesem Zu-            dentlicher Kaufmann vorgehen sollte: Wir haben
sammenhang noch das Projekt Med Austron in den           dort Schulden gemacht, wo nachhaltig Werte auf-
Mund nehme, dann sind wir wirklich im Olymp der          gebaut werden und das Land profitiert. Wir haben
Forschung. In einem Bereich, von dem ich meine,          nicht Schulden gemacht wie in anderen Bundes-
dass vor 10 Jahren selbst die kühnsten Optimisten        ländern, um einzelnen Leuten populistisch Geld in
nicht daran gedacht hätten, dass wir derartige           die Hand zu drücken. Sondern wir haben Schulden
Leistungen in unserem Bundesland beheimatet              dort gemacht, wo es Sinn hat, wo die Bevölkerung
haben.                                                   nachhaltig profitiert, wo der Wirtschaftsstandort
                                                         profitiert. Und wer immer diese drei Milliarden am
     Aber auch im Bereich der Wissenschaft haben         Ende dieses Jahres, diesen Schuldenstand, kriti-
wir mit der ISTA Klosterneuburg wahrscheinlich           siert, muss auf der anderen Seite erkennen, dass
einen der größten Coups im Wissenschaftsbereich          hier in nachhaltige Werte auf der einen Seite inves-
an Land gezogen. Nicht zuletzt durch die Hart-           tiert wurde, gerade auch in Wissenschaft, Technik
näckigkeit unseres Landeshauptmannes Erwin               und Forschung. Allein wenn ich auch an die Fach-
Pröll. Sie kennen alle die virtuelle Auseinanderset-     hochschulen in Zusammenarbeit mit den Trägern,
zung, die oft nicht nur virtuell blieb, wo es darum      in den Gemeinden wo sie eben vorhanden sind,
ging, kommt der Standort der ISTA nach Wien oder         auch denke. Wo wir nachhaltig investiert haben.
nach Niederösterreich. Ich werde das jetzt ein biss-     Wo wir nachhaltig geholfen haben. Wo wir nachhal-
chen anders formulieren: Eine gute Seilschaft muss       tig unserer Jugend entsprechend Optimismus und
auch das aushalten, nämlich die Auseinanderset-          Hoffnung geben. Und darüber hinaus haben wir
zung zwischen Wien und Niederösterreich. Und da          noch immer über 6 Milliarden Euro an Veranlagun-
meine ich Häupl und Pröll. Einer muss obsiegen. In       gen, die wir jährlich so entsprechend dem Budget
diesem Bereich hat Gottseidank Niederösterreich          zuführen, dass eben für derartige notwendige In-
den längeren Atem gehabt. Und das bedeutet 150           vestitionen in etwa 150 Millionen pro Jahr zur Ver-
Millionen Euro vom Bund, weitere 195 Millionen           fügung stehen. Die wir dann nicht hätten wenn wir
Euro garantiert, wenn Drittmittel in derselben Höhe      unsere Schulden abgedient hätten und hier nicht
hier kommen.                                             die Möglichkeit hätten, aus Investitionen, aus Ver-
                                                         anlagungen zu profitieren.
     Was ist bis jetzt geschehen? Acht For-
schungsgruppen sind bereits aktiv und zwei bis vier           So darf ich zum Schluss kommen und fest-
werden bis Ende des heurigen Jahres ihre Tätigkeit       stellen: Wir werden in diesem Jahr 2010 nicht nur
aufnehmen. Wenn wir alle diese neuen Technopol-          dem Motto Forschung und Technologie gerecht
Aktivitäten und Wissenschaftsaktivitäten anspre-         werden, sondern wir werden weiter Akzente setzen,
chen, dann dürfen wir eines nicht vergessen, näm-        dass die Jugend Niederösterreichs, gerade was
lich das Austrian Institut of Technology in Seibers-     nachhaltige, zukunftsorientierte Arbeitsplätze be-




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


trifft, optimistisch sein kann und wir damit den         Anderen Spezialimmobilien für die Prozessierung
Standort Niederösterreich weiter empor heben.            der biotechnologischen Produkte zur Verfügung.
(Beifall bei der ÖVP.)
                                                              Das RIZ verfügt über 3.600 Quadratmeter mo-
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist            dernster vermieteter Büro- und Laborflächen, wel-
Frau Abgeordnete Rinke.                                  che nahezu eben auch zu 100 Prozent ausgelastet
                                                         sind. In den Laborräumlichkeiten sind Unternehmen
    Abg. Rinke (ÖVP): Sehr geschätzter Herr Prä-         eingemietet, die die Patientenversorgung mit hu-
sident! Hoher Landtag!                                   manen Geweben und Zellen sicherstellen. Dazu
                                                         zählen die Produkte wie zum Beispiel Knorpelzell-
    Das Land Niederösterreich hat sich sehr genau        Matrix und die pharmagerechte Aufarbeitung hu-
überlegt, wo die Standorte der Technopole der            maner Knochengewebe sowie humane Zellen für
Forschung und Entwicklung stehen. Und die Saat,          den Einsatz in der Krebstherapie. Weiters konnten
die ausgesät wurde, ist aufgegangen und dies im          wir ein Forschungsunternehmen etablieren, das ein
wahrsten Sinne des Wortes in der Stadt Krems. Der        Protein selektiert und letztendlich die Wundheilung
Technopol Krems hat sich durch die enge Zusam-           beschleunigen soll.
menarbeit mit der Donau-Universität und der IMC-
Fachhochschule Krems, mit Unternehmen national                Im RIZ sind momentan 25 Unternehmer ein-
und international zu einem Schwerpunktstandort für       gemietet. Und das ist schon eine ganz große An-
medizinische Biotechnologie entwickelt.                  zahl. Im Anschluss an das RIZ befindet sich dann
                                                         dieses Biotechnologiezentrum BTZ, das derzeit für
     So wurden durch die erfolgreichen For-              eines der weltgrößten Pharmaunternehmen,
schungs- und Entwicklungskooperationen zum               Fresenius, ein Global Player sozusagen, in Krems
Beispiel neue Verfahren und Produkte zur Be-             adaptiert wurde.
handlung von Lebererkrankung, Krebs- und Sep-
sistherapie sowie Zell- und Gewebeimplantate zur             Bis Ende Jänner 2010, also jetzt, mit Ende
Gelenksreparatur entwickelt und auf den Markt            Jänner werden zur Einmietung 2.000 Quadratmeter
gebracht. Dabei bietet eine enge Vernetzung der          übergeben. Herzlich willkommen, kann ich nur sa-
niederösterreichischen    Unterstützungsagenturen        gen, Fresenius Medical Care am Technologie-
mit Unternehmen und Forschungsgruppen ein effi-          standort Niederösterreich! Das unterstreicht wie-
zientes Umfeld für ein optimales Wachstum. Seit          derum die Attraktivität des Standortes Krems.
Beginn des Technopolprogrammes im Jahr 2004
wurden am Technopol Krems 23 Forschungspro-                   Fresenius ist, wie gesagt, ein Weltkonzern mit
jekte mit einer Projektsumme von 10,7 Millionen          einem Jahresumsatz von 10 Milliarden Euro. Mitte
Euro von ECO PLUS, Technopolmanager, initiiert.          2010 werden wir im BTZ, in dieser hochtechnologi-
                                                         schen Immobilie, die mit diesem Bereich Weltstan-
     102 Arbeitsplätze in den Technologiefeldern,        dard darstellt, dann ein an der Donau-Universität
großteils im High-Tech-Bereich und rund 85 For-          Krems entwickeltes Blutadsorber-, ein patentiertes
scher am Technopolstandort Krems. Um erfolgrei-          Blutreinigungsverfahren unter Reinraumbedingun-
che Forschungsleistungen vollbringen zu können,          gen hergestellt haben und gleichzeitig wird eben
ist eine perfekt ausgestattete Infrastruktur mit mo-     hier angefangen, diese Arbeit mit 20 Arbeitsplätzen
dernen Labors unbedingt notwendig. Insgesamt             durchzuführen. Die Produktionszahl wird sich da-
wurden in die Infrastruktur RIZ und BTZ rund 20          durch im Jahr um das Zehnfache erhöhen, was
Millionen Euro investiert.                               natürlich den Patienten zugute kommt.

     Lassen Sie mich einige Fakten zur Technopol             Das BTZ seinerseits investiert für die bedarfs-
Krems aufzählen. Bei den Forschungsschwer-               gerechte Ausstattung 3,5 Millionen Euro. Aber
punkten stehen Biotechnologie und Regenerative           Fresenius Medical Care wird im BTZ erhebliche
Medizin in den Technologiefeldern Blutreinigungs-        Investitionen noch zusätzlich tätigen, in den For-
systeme, Tissue Engineering und Zelltherapien,           schungslabors und in den Produktionseinrichtun-
Zellbiologie, Zellphysiologie, Bauphysik, Energie-       gen. Zu erwähnen ist auch die Fresenius Tochter
systeme und Visual Computing an.                         Biotec-Systems produziert bereits seit 10 Jahren in
                                                         Krems.
     Das Regionale Innovationszentrum RIZ, wie
wir es so liebevoll immer abkürzen, Krems als inte-          Das RIZ und das BTZ stellt damit die mo-
grativer Bestandteil des Technopols Krems stellt         dernste Infrastruktur zur Verfügung. Krems verfügt
zum Einen Gründern mit einem breiten Band an             über ein forschungsorientiertes Umfeld, denn das
Geschäftsfeldern eine Basis-Infrastruktur und zum        braucht es auch, mit gut ausgebildeten Arbeits-




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kräften. Wenn wir diesen Forschungsstandort wei-         über hier in Niederösterreich. Wir sind auf dem
ter ausbauen wollen, haben wir die Donau-Univer-         richtigen Weg. Und ich bin sehr froh, dass das Land
sität und die Fachhochschule IMC in Krems, die die       Niederösterreich hier in dieser Forschungsentwick-
ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur       lung weitergeht. Denn das bringt qualitativ hoch-
Verfügung stellen können.                                wertige Arbeitsplätze, auch für Frauen, auch für gut
                                                         gebildete Frauen, die im höheren Bereich besser
     Zum Beispiel gibt es auch an der Donau-Uni-         verdienen können, was hier der Wertschätzung
versität das Projekt „Bauen und Umwelt“. An dem          aller natürlich Genüge tut.
Forschungsvorhaben sind 18 Unternehmer der
Bau- und Haustechnikbranche sowie wissenschaft-               Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit!
liche Institutionen beteiligt. Krems Research For-       (Beifall bei der ÖVP.)
schungs GmbH legt seinen Schwerpunkt in Infor-
mations- und Kommunikationstechnologien. Deren              Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau
Anwendung geht in die Felder smarte Technolo-            Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.
gien, E-Marketing und E-Business Relations Mana-
gement.                                                       Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-
                                                         ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und
     Bilanz des Technopolprogramms Krems mit
dem Schwerpunkt Biotechnology und der regene-            Kollegen!
rativen Medizin und die Investitionen: Weitere In-
vestitionen von 12 Millionen Euro.                            Als ich von der Aktuellen Stunde mit dem
                                                         Thema „Regionale Politik versus zentrale Politik –
     Ganz kurz möchte ich noch die Zusammenar-           Niederösterreich am Weg zur Vorzeigeregion für
beit der Donau-Universität mit dem Krankenhaus           Wissenschaft und Technologie“ hörte via Land-
gerne erwähnen. Nämlich das ist der wirkliche Sinn       tagsdirektion habe ich kurz überlegt, was möchte
dieser Forschung an diesem Schwerpunkt. Diese            Klaus Schneeberger? (Abg. Mag. Schneeberger:
regenerative Medizin und die Absorbermedizin             Hättest mich gefragt!)
kommt natürlich den Patienten zugute und wird            Habe mir gedacht, am Ende des Sitzungstages ist
zum Beispiel am Landesklinikum Krems wie aber            es auch noch. Aber mit der Einschätzung von mir,
auch im Landesklinikum Zwettl und anderen Lan-           ich habe es mir genauso vorgestellt, wir werden
deskliniken wie St. Pölten, Amstetten, Scheibbs,         einige gute politische Referate zu den Technopolen
Gmünd, Mistelbach und Wr. Neustadt und Neun-             haben. Hab jetzt der Kollegin Rinke sehr genau
kirchen auch durchgeführt.                               zugehört. Einige Unternehmen habe ich mir schon
                                                         angesehen vor geraumer Zeit.
     Nur ein Beispiel eben: Das Landesklinikum
Krems und der Donau-Universität arbeiten seit                 Aber womit ich einfach noch immer Bauch-
vielen Jahren erfolgreich zusammen. Seit zwei            schmerzen habe: Regionale Politik versus zentrale
Jahren im Bereich der Knorpelforschung mit der           Politik. (Abg. Mag. Schneeberger: Hinter mir hat
Abteilung für Orthopädie. Es wurde eine Instituts-       jemand gesagt, Europa der Regionen!)
forschung der Qualitätskontrolle und Weiterent-
wicklung von Knorpelzellentransplantationen ge-               Klaus Schneeberger, und eben auch, was
gründet. Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer als Vizerek-      Kollegin Rinke gesagt hat, du hast gesagt, 700
tor der Donau-Universität und Oberarzt an der Ab-        Forscherinnen haben wir jetzt an unseren Techno-
teilung für Orthopädie im Landesklinikum Krems           polen. Du hast hervorgestrichen, wie stolz wir, das
und Leiter des Zentrums für regenerative Medizin         haben ja die Grünen mitgetragen, auf die ISTA
an der Donau-Universität ist hier der Spezialist in      Klosterneuburg sind. Also wenn wer glaubt, dass
der Knorpelforschung und in der Therapie.                Wissenschaft und Forschung der geeignete Raum
                                                         ist um hier irgendwie regional versus zentral nur
     Eine Anzahl und eine Vielzahl von Erfolgen          ansatzweise durch zu überlegen, der irrt. Das sind
könnte ich hier noch aufzählen. Ich bitte Sie aber,      die klassischen Bereiche, wo wir hier völlig interna-
schauen Sie sich das persönlich an. Beim Tag der         tional aufgestellt sind.
Forschung und bei der Nacht der Forschung in
Niederösterreich konnte man das auch in Krems                 Und wir haben auch sehr viel internationale …
sich anschauen, sich interessieren. Sehr, sehr viele     (Abg. Mag. Schneeberger: Wir sind auch internati-
Besucher hatten hier die Gelegenheit, sich die neue      onal damit unterwegs!)
Richtung der Standortqualität Forschung und Ent-         Ja, ja! Aber ich glaube, wir haben Forscherinnen
wicklung anzuschauen. Und hier haben wir wirklich        und Forscher nicht nur aus Europa, ich glaube, wir
einen Wettbewerbsvorteil vielen anderen gegen-           haben sie auch aus Übersee.




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     Ich glaube nur, wenn man in dem Bereich sich            Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
anschaut, was regional möglich ist und was zentral       Präsident! Werte Kollegen!
möglich ist, lieber Klaus, immerhin seid ihr in der
Regierung, würde ich sagen, in dem Bereich wün-               Eine Aktuelle Stunde zu einem auch meiner
sche ich mir durchaus mehr Möglichkeiten. Dass           Meinung nach und unserer Meinung nach sehr
ich nicht so komische Vorkommnisse wie da in             wichtigen Bereich und einem wichtigen Thema.
Kärnten höre, wo Staatsbürgerschaften vielleicht         Wissenschaft, Forschung, Technologie ist mit Si-
gekauft werden oder wurden, sondern dass wir             cherheit etwas wofür man nicht genug Geld inves-
offen jene Menschen nach Österreich holen kön-           tieren kann. Und ich bin der Meinung, dass alle
nen, die wir brauchen. Sprich, einmal eine ordentli-     Investitionen in diesen Bereich gute, sichere und
che Migrationspolitik für die Republik! Also das         vor allem auch hochqualifizierte Arbeitsplätze si-
wäre sozusagen ein Zeichen, das aus der Region           chern.
in Europa, sprich Niederösterreich, an die etwas
größere Region Österreich herangetragen werden                Es sind Investitionen, die nicht nur momentan
könnte, würde ich meinen.                                Impulse auslösen, sondern ich würde behaupten,
                                                         dass sie vor allem auch nachhaltige Investitionen
    Und auch zur Kollegin Rinke: Frisenius ist ein       sind, wo auch der Wirtschaftsstandort generell
Weltkonzern. Wir haben einige hier jetzt, die den        langfristig nachhaltig profitieren kann. Und so wie
Standort in Niederösterreich haben. Rücken wir           Kollege Schneeberger bereits gesagt hat, dass es
daher das ein bisschen ins Zentrum, dass wir uns         ein Thema ist, wo Parteien eher geeint marschieren
als Region in einem großen Europa und vor allem          sollten als getrennt, sehe ich es genauso. Denn
in einem internationalen Umfeld in dem Bereich           auch wir haben etwa bei Budgetdebatten trotz kriti-
sehen.                                                   scher Anmerkungen immer gesagt, im Bereich von
                                                         Forschung und Technologie kann nicht genug Geld
     Was ich mir regional in diesem Zusammen-            in die Hand genommen werden. Und jeder Euro,
hang wünsche für Niederösterreich ist, dass Bil-         der hier verstärkt durch Bundesmittel und auch
dung – und da haben wir eben eine unterschiedli-         durch private Investoren, vor allem in Niederöster-
che Auffassung – dass Bildung wirklich völlig neu        reich angewendet wird, sichert eben nicht nur den
angedacht wird. Ich kann dir erklären, Kollege           Standort, sondern diese Arbeitsplätze sind Arbeits-
Grandl, was ich damit meine: Ich war vor zwei Ta-        plätze für die Zukunft. Und, hier schließt sich auch
gen bei der Wirtschaftskammer in Mödling zu ei-          wieder der Kreis, Arbeitsplätze für junge Menschen.
nem Perspektivengespräch geladen. Und dann hört          Und auch hier sind wir uns immer einig gewesen in
man so Dinge, dass so eine Gruppe der HTL Möd-           diesem Haus. Jede Investition, die für Bildung und
ling eine OP-Zange, so eine sehr marginal inversive      für Jugend getätigt wird, ist eine für die Zukunft.
OP-Zange haben die dort in der Gruppe einfach so
abgeändert, dass das jetzt sozusagen auch markt-             Wir haben ja auch, wenn ich zurückdenke, wie
fähig ist und im Einsatz ist. Perfekt. Ja?               wir hier in diesem Haus bereits diskutiert haben
                                                         über Wirtschaftsstandort und in Verbindung von
     Das heißt, wenn wir die Forscherinnen von           Technologie, wie wir über Med Austron diskutiert
Morgen, die wir heute ausbilden wollen, bei der          haben, haben wir alle Gottseidank hier den Kopf
Stange halten und ihnen mitgeben wollen, dass            Richtung Zukunft und Richtung Niederösterreich
Wissen Spaß macht, dann dürfen wir ihnen Schule          eingesetzt. Weil wir natürlich als gewählte Manda-
und Bildung nicht vergällen. Das muss wirklich           tare uns für den Standort einsetzen sollen und
Spaß machen! Das braucht ordentliche Rahmen-             müssen.
bedingungen! Und wir müssen uns alle miteinander
diese Neugier bis ins hohe Alter erhalten. (Beifall           Und es hat noch nie einem Politiker gut getan,
bei den Grünen und Abg. Mag. Schneeberger.)              der in diesem Bereich geglaubt hat, er muss ein
                                                         bisschen vielleicht bundespolitisch oder aus wel-
     Das ist der Wunsch, den ich habe, dass wir          chen Gründen anders denken. Da sage ich, so wie
sozusagen auf der einen Seite hier Barrieren ab-         in der Gemeinde meine Gemeinde an oberster
schaffen, dass wir Migration gerade in dem Seg-          Stelle steht, dann kommt für mich noch das Wald-
ment auch zulassen können. Und auf der anderen           viertel, aber insgesamt befindet sich das alles in
Seite regional uns die Standbeine von morgen             Niederösterreich. Und das ist wichtig. (Abg. Mag.
auch selber hier erarbeiten und Bildung wirklich neu     Schneeberger: Das wollte ich hören!)
definieren. Danke! (Beifall bei den Grünen.)             Hier soll die Farbe blau-gelb zählen und keine
                                                         Parteifarbe. Daher haben wir … (Abg. Mag.
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr            Schneeberger: Krieg’ ich das von dir einmal schrift-
Klubobmann Waldhäusl.                                    lich?)




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Gebe ich dir auch schriftlich. (Abg. Mag. Schnee-          in vier Vierteln. Und Wieselburg hat sich geradezu
berger: Ist eh im Protokoll!)                              auch angeboten, weil hier wurden schon Vorarbei-
                                                           ten geleistet. 30 Jahre lang wird hier bereits ge-
     Wir haben kein Problem, hierüber auch positiv         forscht. Und es war schon ein Meilenstein für un-
zu berichten. Weil wir alle der Meinung sind, dass         sere Region, als im November 2009 das Technolo-
es etwas Gutes ist. Und mir hat auch gefallen dann,        giezentrum Wieselburg Land eröffnet wurde. Und
wie es auch in euren Reihen, und so gibt es das            zwar unter dem auch bereits angesprochenem
überall, wir waren auch in einer Regierung und ich         Projekt COMET Spitzenforschung auf dem Bereich
habe das gewusst. Darum hat mir das positiv wirk-          der Bioenergie.
lich gefallen wie plötzlich der Minister in Wien, Kol-
lege Hahn, anders gedacht hat, wie dann wirklich,              Ich darf Ihnen vielleicht vorweg einige Fakten
muss ich sagen, alle an einem Strang gezogen               zu diesem Technologiezentrum in Wieselburg nen-
haben. Vor allem ihr wart da gefordert, eben einen         nen. Wie schon gesagt liegen die Schwerpunkte
in der eigenen Partei stark zu machen und doch             auf Bioenergie mit Themen wie Biomassefeuerun-
davon überzeugen, dass dieses Geld doch nach               gen, Kraft-Wärmekopplungen und Biobrennstoffen.
Niederösterreich fließt. Und das war gut so. Und ich
weiß wovon ich rede. Weil ich denke an die Zeit,                Es wurde ein zweigeschossiges Gebäude er-
                                                                                                 2
wie wir hier auch einen Minister gehabt haben und          richtet mit einer Fläche von 2.700 m . Und, wie
ich dann auch meine Aufgabe gewusst habe, was              bereits erwähnt, Eröffnungsdatum war im Novem-
es ist: Da musst pilgern und musst schauen, dass           ber 2009, das heißt, noch gar nicht lange her und
du Geld hierher bringst. Und jede Investition ist eine     unter Einbeziehung der ganzen Region durch den
Investition für blau-gelb, für Niederösterreich. (Bei-     Herrn Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll.
fall bei der FPÖ, Teile der ÖVP und Abg. Präs.
Rosenmaier.)                                                   Die Investitionskosten bei diesem Zentrum
                                                           belaufen sich auf 4,6 Millionen Euro. Und das
     Und trotz dieser Zustimmung – und jetzt muss          Schöne daran ist, dass auch 30 neue Arbeitsplätze
ich trotzdem noch erwähnen, weil Kollege Klubob-           entstehen und das im Hightech-Bereich.
mann Schneeberger, im Bereich der Veranlagung
du gemeint hast, na ja, aber wenn man so ein biss-              Sehr geehrte Damen und Herren! Jetzt kann
chen den Spagat macht, merkt man, dass es schon            der Standort hier in Wieselburg mit vielen Projekten
gut ist, wie wir hier Finanzpolitik machen. Ich würde      aufwarten. Ich darf einige anführen. Ein absolutes
so sagen, nachdem wir uns heute sehr positiv tren-         Leitprojekt ist Bioenergy 2020+. Die NÖ Kompe-
nen werden, würde ich sagen, jede Finanzpolitik,           tenzzentren haben ja schon in den vergangenen
die Geldmittel für Projekte in Wissenschaft, For-          Jahren Hervorragendes geleistet und sind eben
schung und Technologie frei bringt, ist eine gute          auch international beispielgebend für die Zusam-
Finanzpolitik. Und jede Finanzpolitik, wo Gelder           menarbeit von Wirtschaft, Wissenschaft und aka-
verwirtschaftet werden - lassen wir es einmal so,          demischer Ausbildung.
beenden wir es bei dem -, ist eine schlechte. Und
ich hoffe, dass wir jene Politik in Niederösterreich            Weiters das ehemalige K-Plus-Zentrum
letztendlich auch in Zukunft forciert, verstärkt fort-     Austrian Bioenergy Centre, abgekürzt ABC, am
setzen werden. Damit sage ich jetzt abschließend           Standort in Wieselburg und das Kompetenzzentrum
wieder verbündet, es sind auch gute Dinge dabei.           RENET Biomasse Vergaserkraftwerk in Güssing,
Es ist nicht immer alles schlecht was gemacht wird.        haben im Jahr 2008 ihre Kräfte vereint und bringen
Aber man kann einiges vielleicht besser machen.            ihre Forschungsaktivitäten jetzt gemeinsam unter
Also wo unterm Strich für Niederösterreich hier            einen Hut und zwar im Kompetenzzentrum Bio-
etwas Gutes herausschaut, das findet unsere Zu-            energy 2020+.
stimmung, weil wir auch dafür eintreten. (Beifall bei
der FPÖ und Abg. Mag. Schneeberger.)                           Nun, bei Bioenergy 2020+ handelt es sich um
                                                           ein K1 Zentrum der Spitzenforschung, eben auch
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist              im Rahmen von Komet. Durch diese Kombination
Herr Abgeordneter Erber.                                   dieser beiden erfolgreichen Zentren ist es zu einer
                                                           österreichweiten Bündelung gekommen. Und zwar
    Abg. Erber (ÖVP): Geschätzte Herren Präsi-             von Bioenergiekompetenzen, die hier im Zentrum
denten! Meine Damen und Herren!                            vor Ort in Wieselburg durchgeführt werden.

    Wie bereits angekündigt, darf ich auf das Zent-            Das K1 Kompetenzzentrum Bioenergy 2020+
rum in Wieselburg eingehen. Ich glaube, es ist kein        GmbH besitzt mit diesen zwei Standorten in Nie-
Zufall, es wurde angesprochen, vier Einrichtungen          derösterreich über eine ausgezeichnete Kompetenz




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


in der Biomasseverwertung. Der Hauptsitz des               ergeben sich mit der Firma ÖKOFEN sehr gute
Kompetenzzentrums befindet sich hierbei in Graz            Schwerpunkte.
und je ein Standort für spezielle Forschungsaufga-
ben ist in Güssing und jetzt eben auch Wieselburg.              Damit komme ich zum Wesentlichen, sehr ge-
Weitere Forschungsstätten befinden sich auf Grund          ehrte Damen und Herren. Sie sehen, wir alle spre-
der Nähe zu den Wirtschaftspartnern bzw. zu den            chen von der grünen Energie. Und jetzt wird sich
wirtschaftlichen Partnern in Pinkafeld und in Tulln.       vielleicht so mancher wundern, der sagt, na gut, der
                                                           Erber, der ist eigentlich für Soziales zuständig und
    Sehr geehrte Damen und Herren! Ich darf aber           Sozialsprecher. Wissen Sie, es ist schon ein biss-
noch weitere Kernbereiche am Standort in Wiesel-           chen angesprochen worden, hier schließt sich der
burg anführen. Und zwar ist das die Biomassefeue-          Kreis.
rung. Hier wird bereits die nächste Generation von
Biomassefeuerungsanlagen entwickelt und das ist                  Letztlich, und das ist ein Schwerpunkt von Nie-
ein zentraler Forschungsschwerpunkt des Kompe-             derösterreich, wer Sozialleistungen erreichen will
tenzzentrums.                                              und einen hohen sozialen Standard fahren will, der
                                                           braucht eines, und zwar eine gesunde Wirtschafts-
    Ebenso, und ich glaube, das ist ja gerade jetzt        politik. Eine gute Sozialpolitik ist mit einer gesunden
nach Kopenhagen auch ein allseits diskutierter             Wirtschaftspolitik zu ermöglichen. Eine gesunde
Ansatz, die Reduzierung der Emissionen in Rich-            Wirtschaftspolitik ist aber keine Politik, die Beste-
tung Null-Emission.                                        hendes beibehält. Sondern eine gesunde Wirt-
                                                           schaftspolitik ist eine, die vorne mit dabei ist, durch
     Ebenso eine verbesserte Brennstoffcharakteri-         Forschung, durch Entwicklung und durch Setzen
sierung. Hier steht eine nachhaltige Nutzung und           von neuen Trends.
somit auch ein besserer Wirkungsgrad von neuen
Biomassebrennstoffen in mittelgroßen und großen                 Und ich möchte es an einem Beispiel bringen.
Feuerungsanlagen im Vordergrund. Ebenso ein                Bei uns wurde die Firma Heiser in Kienberg-
Schwerpunkt ist die thermische Vergasung, das              Gaming durch einen amerikanischen Konzern,
heißt die Nutzung von Biomasse durch Vergasun-             eben Worthington Cylinders übernommen. Für mich
gen. Im Zentrum des Forschungsbereiches steht,             war es interessant, mit dem Leiter dieses Werkes in
dass durch thermische und biologische Vergasung            Gaming zu sprechen. Der hat Folgendes gesagt. Er
verschiedene biogene Rohstoffe als Produktgas              hat sich keine große Mühe gegeben und gesagt,
und als Biogas genutzt werden können. Diese                bei mir steht sozusagen das Wohl meiner Mitar-
Technologie spielt in der nachhaltigen Energiever-         beiter als erstes. Er hat das sehr direkt formuliert.
sorgung eine wichtige Rolle.                               Er hat gesagt: In Österreich, da sind die Lohnkos-
                                                           ten in einer gewissen Höhe. Der Auftrag, den ich
     Ebenso ein Schwerpunkt ist das Biogas. Und            erhalten habe, ist es, Gewinn zu erwirtschaften hier
zwar geht’s hier um die effizientere Biogasgewin-          in Gaming. Und er sagt: Es wäre heute günstiger, in
nung aus zellulosehaltigen Substraten genauso wie          die Slowakei zu gehen, da sind die Lohnkosten
um Umweltauswirkungen, und zwar beim Einsatz               niedriger. Allerdings ist die Ausbildung der Arbeits-
von Biogas in Haushalten. Und ebenfalls ein sehr           kräfte in Gaming höher. Die Qualität der Mitarbeiter
interessanter, und ich glaube, auch ein in letzter         in Gaming, die Genauigkeit, ist auch höher. Das
Zeit sehr weit gediehener Schwerpunkt sind die             heißt, dieses Werk in Gaming wird so lange gesi-
Biotreibstoffe. Auch hier wird ein Schwerpunkt ge-         chert sein, so lange der Wissensvorsprung der
setzt, und zwar in die Entwicklung und den Einsatz         Mitarbeiter und der Führung in Gaming höher ist als
von neuen Biotreibstoffen.                                 dort, wo die Lohnkosten um das geringer sind. Das
                                                           heißt, so lange es sich rechnet, wird es Gaming
     Ebenso wird hier geforscht an Themen im Be-           geben.
reich Klimawandel und Naturschutz, an der Nach-
haltigkeit als oberstes Prinzip. Damit die Bioenergie           Und damit spreche ich es direkt an: Forschung
eine Vorreiterrolle in Niederösterreich nicht nur hat,     und Entwicklung eben in diesen neuen Technolo-
sondern auch beibehält.                                    giezentren sollen uns diesen Vorsprung auch zu
                                                           erhalten und auszubauen helfen. Das heißt, wir
     Ich glaube, gerade auch das ist kein Zufall,          müssen immer um dieses Quäntchen besser sein
dass ein Schwerpunkt gesetzt wurden bei den Pel-           bei Forschung und Entwicklung, auch bei der Aus-
letsheizungen. Wenn man sich anschaut, von die-            bildung unserer Mitarbeiter. Damit wir diese Werke
sem Standort in Wieselburg Land vielleicht fünf            in Niederösterreich erhalten können, damit unsere
Kilometer entfernt ist einer der größten Anlagen-          Mitarbeiter hier einen Arbeitsplatz in Niederöster-
bauer für Pellets-Heizkessel. Ich glaube, auch hier        reich finden.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Einen Arbeitsplatz finden in einer Zeit, die zu-       in einer Heimat, wo die Chancen vor uns liegen. Ich
gegebenermaßen auch im Jahr 2010 eine sehr                 glaube, wir haben tatsächlich einiges in der Hand.
herausfordernde sein wird …, ich glaube, gerade            Gehen wir voran! Herzlichen Dank für Ihre Auf-
deshalb ist es wichtig, diesen Weg, diesen blau-           merksamkeit! (Beifall bei der ÖVP.)
gelben Weg zu gehen. Dass man sagt, Zukunft
heißt heute, auch wenn das Budget durchaus – wir                Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet hat
kennen es alle – eines ist, das strapaziert wird,          sich Herr Abgeordneter Dworak.
dass man in Forschung und Entwicklung investiert.
                                                               Abg. Dworak (SPÖ): Sehr geehrter Herr Prä-
     Ich glaube, wenn uns das gelingt, dann wird es        sident! Hoher Landtag!
tatsächlich möglich sein, dorthin zu gehen, wo wir
hin wollten als eine Vision wahr wurde, als der                 Ich glaube, wir sind im Bereich Technologie,
Eiserne Vorhang gefallen ist. Nämlich mit diesem           Forschung, Entwicklung, mit unseren Universitäten
Niederösterreich, mit unserer Heimat Niederöster-          und Fachhochschulen in Niederösterreich sehr gut
reich, vom Rand Europas in das Zentrum Europas             aufgestellt. Wir haben ein wirklich dicht gewobenes
zu wirken. Und zwar wird uns das dann gelingen,            Netz über das ganze Bundesland gezogen mit
wenn unsere Unternehmer erfolgreich sind und               Technologie- und Forschungseinrichtungen, weil
damit unseren Arbeitnehmern einen Arbeitsplatz             wir auch damit bekunden, dass wir als flächenmä-
anbieten können, der befriedigend ist. Wenn uns            ßig größtes Bundesland natürlich auch die Vorteile
das gelingt, dass unsere Niederösterreicherinnen           damit in den Regionen, in den Gemeinden und
und Niederösterreicher einen Arbeitsplatz haben,           Städten sehen.
dann werden wir uns auch leisten können, was wir
uns – und da komme ich wieder auf meine Rolle als               Ich glaube, Niederösterreich ist hier auf einem
Sozialsprecher – was wir uns alle vornehmen.               sehr guten Weg. Auf einem Weg, wo wir zufrieden
Nämlich, dass Niederösterreich ein soziales Modell-        feststellen können, dass gerade in den letzten 10
land in Europa bleibt und dass diese soziale Rolle         Jahren sehr viel investiert wurde. Und dass sich
in Europa noch ausgebaut wird.                             Niederösterreich als Technologie- und Forschungs-
                                                           standort hier einen ausgezeichneten Namen ge-
     Ich denke, nein, ich denke nicht, ich weiß es: In     macht hat.
Niederösterreich wird nicht nur auf einen Schwer-
punkt gesetzt, dass man sagt, nur Wirtschaft, nur               Ich beginne bei den Fachhochschulen hier in
Soziales oder ein sonstiger Teilbereich. Sondern           St. Pölten, der Landeshauptstadt. Weil ich glaube,
ein erfolgreiches Land ist dann erfolgreich, wenn          es war auch bei Errichtung der Landeshauptstadt
alle Teile bewegt werden und wenn alle Teile ver-          hier eine wichtige Frage, eine Fachhochschule,
netzt werden. Und damit komme ich auch dorthin.            eine Hochschulausbildung anzubieten. In einer
                                                           Region, die als Landeshauptstadt auch Universi-
     Ich glaube, Niederösterreich geht einen Weg,          tätsstadt damit geworden ist. Gerade hier in St.
der vorbildhaft ist. Niederösterreich geht einen           Pölten ist es gelungen, eine praxisbezogene und
Weg, auf dem man auch bei Herausforderungen                leistungsorientierte Hochschulausbildung in den
positiv in die Zukunft blicken kann. Und das wün-          Bereichen Technologie, Wirtschaft, Gesundheit und
sche ich mir auch, wenn ich mir heute so die De-           Soziales auf international sehr hohem Niveau auf-
batte angehört habe, dass diese Zuversicht Par-            zustellen. (Beifall bei der SPÖ.)
teien übergreifend gesehen wird. Weil ich habe
noch nie einen Pessimisten erlebt, der Positives                Ich glaube, das hat weit über die Grenzen die-
bewegt hat.                                                ser Region Anerkennung gefunden. Nämlich auf
                                                           diesem international hohen Niveau, auch sich für
     Geschätzte Damen und Herren! Wir alle, wir            den Beruf, für die Karriere, zu qualifizieren.
stehen hier im Rampenlicht. Und ich glaube, unser          Schlussendlich sprechen auch die Zahlen für die-
aller Aufgabe ist es, mit Mut voranzugehen, auch in        sen Standort in St. Pölten mit mehr als 1.700 Stu-
einer schwierigen Zeit. Mit Mut in die Zukunft zu          dierenden, die sich für eine moderne, kompetente
gehen und sozusagen die Chancen aufzuzeigen.               und chancenreiche Ausbildung entschlossen ha-
Dass es immer etwas zu verbessern gibt, das wis-           ben. Und wo wir auch ein Projekt vorzeigen können
sen wir alle. Aber letztlich wird die Zukunft im Su-       im Bereich Qualitätsmanagement, in Zeitungsverla-
chen der Chancen gefunden werden.                          gen, also im Bereich der Medienarbeit, die heute
                                                           hier sehr nachgefragt ist.
     Geschätzte Damen und Herren! Ich lade Sie
alle ein, gehen wir voran in eine chancenreiche               Aber natürlich bin ich als Mandatar aus dem
Zukunft, in einem Bundesland inmitten von Europa,          Süden sehr stolz was in den letzten Jahren in Wr.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Neustadt passiert ist. Wr. Neustadt ist heute eine         abgedeckt. Der Bereich, wo Wissenschaft, For-
angewandte Forschungszentrale geworden. Pro-               schung und Gesundheit zusammen spielen und wo
duktbezogen. Eine bezogene Arbeit für Ent-                 ich glaube, dass wir sehr stolz sein können, dass
wicklungs-, für Technologie- und Wissenstransfer,          wir diesen Probebetrieb bis 2013 dann auch ver-
aber vor allen Dingen auch, weil wir dort feststellen,     längern in ein Definitivum. Weil ich glaube, das ist
dass die Zusammenarbeit zwischen Forschung,                etwas, was uns auch in der Medizin, Medizintechnik
Entwicklung, Wissenschaft und Wirtschaft hervor-           und in der Forschung weiter bringt.
ragend funktioniert.
                                                                Und ich glaube, die jetzigen Zahlen sprechen
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! In              schon für sich. Etwa 1.200 Patientinnen und Pati-
den letzten 10 Jahren wurden in der FH Wr. Neu-            enten werden hier behandelt werden. Und ich
stadt über 3.600 wissenschaftliche Arbeiten ver-           glaube auch, dass sich Med Austron als Therapie-
fasst. Wurden 32.400 Stunden für forschende Mit-           und Forschungszentrum einen ausgezeichneten
arbeiter investiert in nur einem Jahr. Ich glaube,         Namen gemacht hat im Bereich der österreichi-
das ist ein Zeichen, womit wir uns auch internatio-        schen Universitätskliniken, Abteilungen, aber vor
nal nicht zu verstecken brauchen. Wo wir auch              allen Dingen auch weil wir sagen können, dass wir
international sehen, dass unsere Fachhochschulen           mit Med Austron ein interdisziplinäres und überre-
Qualität haben und vor allen Dingen in Zusammen-           gionales österreichisches Forschungs- und Thera-
arbeit mit dem TFZ, mit dem regionalen Investiti-          piezentrum errichtet haben.
onszentrum am gleichen Standort. Weil wir damit
symbolisieren, Wirtschaft, Wissenschaft und For-               Ich möchte nur ganz kurz eingehen auf IST
schung gehören zusammen um auch erfolgreich zu             Austria, Institut of Science and Technology. Ich
bleiben.                                                   glaube, das war hier wirklich ein gelungener Wurf
                                                           im Bereich der Gegend um den Wienerwald. Weil
     Ich möchte aber auch hier eingehen auf die            wir hier sehen, dass auf höchster Qualität neue
FH-Forschungstochter Fotec, wo wir vor allen Din-          Forschungsfelder eröffnet wurden. Vor allen Dingen
gen industrielle und wissenschaftliche Forschungs-         in den Fragen der Grundlagenforschung, der wis-
und Entwicklungsaufträge bearbeiten im Bereich             senschaftlichen Einrichtungen, aber auch natürlich
Ingeneering, Kunststofftechnik und vor allen Dingen        in den Bereich, wo wir mit internationalen, großen,
im Bereich der Mikrotechnik. Ich glaube, das kann          renommierten Wissenschaftern zusammen arbeiten
sich sehen lassen, genauso wie der Standort Tulln.         können und dürfen.
Wo ich glaube, dass hier der Raum nahe zu Wien
natürlich gerade interessant ist für die Studenten im           Das deklarierte Ziel der IST Austria ist natürlich
Bereich der Bioanalytik und der Fermentationspro-          bis zum Jahr 2016 sich zu einem erstklassigen
zesse und wovon ich glaube, dass es hier auch um           Forschungszentrum zu entwickeln, in dem in einem
einen sehr wichtigen Faktor in der Wissenschaft            Umfeld mit 500 Wissenschaftlerinnen und Wissen-
geht. Nämlich um eine angewandte Forschung, die            schaftlern wirklich auf höchstem Niveau gearbeitet
hier maßgeblich dazu dient, dass dieser Fachhoch-          wird. Und ich glaube, es ist hier auch gelungen, ein
schulstandort ausgezeichnet ausgelastet ist.               attraktives Umfeld zu schaffen für die Professoren
                                                           und Wissenschafter um hier auch diesen Standort
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Aber            attraktiv zu machen.
Fachhochschule alleine haben sich erweitert. Ich
weiß, jede größere Stadt hätte gern eine Fach-                  Ich möchte auf das zurück gehen, was auch für
hochschule. Ich möchte auch die Kooperation nen-           uns besonders wichtig ist. Natürlich die Donau-Uni
nen mit dem Standort Wieselburg, die hier genannt          Krems als Universität des Bundeslandes mit einem
werden muss. Und ich glaube, die Ergebnisse der            durchaus hervorragenden Angebot. Ich sage des-
in den letzten Jahren durchgeführten Forschungs-           halb hervorragend, weil diese Uni auch für berufs-
projekte wurden hier in die Lehrtätigkeit, in die Un-      begleitende Universitätslehrgänge steht und vor
ternehmenspraxis sowie in den wissenschaftlichen           allen Dingen sich auf einige Vorgänge in der uni-
Diskurs übergeführt. Wieselburg hat sich hier als          versitären Weiterbildung spezialisiert hat.
FH-Stadt wirklich etabliert mit einem attraktiven
Angebot in diesem Bereich.                                     Das Studienangebot an der Donau Uni Krems
                                                           umfasst 150 Studiengänge aus den Bereichen
     Herr Klubobmann Schneeberger hat es sicher-           Wirtschaft, Management, Kommunikation, IT und
lich genannt, das Aushängeschild für uns ist natür-        Medien, Medizin und Gesundheit, Recht, Verwal-
lich der Bereich Med Austron in einem Zentrum für          tung und Internationale Beziehungen. Und ich
Ionentherapie und -forschung. Weil ich glaube,             glaube, hier ist eines bemerkenswert, dass wir mit
hiermit wird auch der Gesundheitsbereich massiv            4.500 Studierenden aus über 60 Ländern in Krems




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


einen tollen Unicampus geschaffen haben, der                  Diese Aktuelle Stunde hat aber auch was ganz
internationale Anerkennung genießt.                      Überraschendes gezeigt. Kollege Waldhäusl, der
                                                         leider jetzt nicht da ist, hat seine normalerweise
    Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich            tiefblaue Rhetorik um ein erfrischendes Gelb er-
möchte Sie nicht mit dem konfrontieren, was wir          gänzt und hat in seiner Wortmeldung damit einen
haben, hier können wir stolz und zufrieden sein,         positiven Beitrag in dieser Landtagssitzung geleis-
sondern mit dem, wovon ich glaube, dass Akzente          tet. Und ich muss sagen, ich bedaure es fast, dass
zu setzen sind.                                          ich ihm jetzt nicht dazu gratulieren kann. Bitte, Kol-
                                                         legen, richten Sie ihm das aus.
    Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir
wissen, Niederösterreich hat in diesem Bereich                Das war wirklich etwas Neues. Das war eine
aufgeholt. Es gelingt uns nunmehr, mit neuen Ideen       Überraschung. Und ich denke, die Niederösterrei-
auf die Überholspur zu kommen. Und deshalb               cherinnen und Niederösterreicher werden ihm das
glaube ich, dass es für uns wichtig ist, in einen        danken. Und ich hoffe, dass er dieses Gefühl auf-
Bereich zu investieren, der Zukunft hat. Und dieser      recht hält, dass er diesen Scharfsinn, zu erkennen,
Bereich ist eindeutig der Bereich der Energieeffi-       wie wichtig die Technologie und die Wissenschaft
zienz, der Energieautarkheit für die Kommunen, für       für unser Land ist, dass er diesen Scharfsinn auch
Länder, der Bereich von Kompetenzzentren für             in anderen Bereichen genauso einbringt. (Beifall bei
erneuerbare Energien.                                    der ÖVP.)

     Hier hat Mitteleuropa, hier hat auch Österreich          Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es
einen Nachholbedarf in einem Bereich, wovon wir          freut mich, dass ich Ihnen am Ende dieser Sitzung
wissen, dass die Ressourcen sowohl erdöl- als            ein wirkliches Highlight näher bringen kann, näm-
auch gasmäßig in den nächsten Jahren, Jahr-              lich den Technopol Tulln. Aber lassen Sie mich
zehnten sicherlich dramatische Situationen auslö-        vorher noch ein paar Worte sagen zur Forschung
sen können. Und hier sind wir gefordert als Bun-         und Entwicklung, zum Wirtschaftsstandort Nieder-
desland, das glaubt, dass wir hier wirklich etwas        österreich. Es haben ja meine Vorredner schon
bewegen können, in diesen Bereich weiter zu in-          vieles vorweg genommen. Aber eines muss dabei
vestieren. Ich sage nur, die ersten Schritte auch        klar herausgestrichen werden: Wer in der Techno-
industriell passieren, das 1.000 Dächerprogramm.         logie vorne ist, dem gehört die Zukunft. Im heutigen
Ich sage nur in diesem Bereich, dass wir uns auch        dynamischen Umfeld von Forschung, Industrie und
durchaus messen müssen mit Regionen wie                  Ausbildung können sich aber nur die Besten be-
Güssing, aber auch mit Regionen in Süddeutsch-           haupten. Daher ist es ganz wichtig, dass das Land
land. Ich sehe hier ein Manko, das es gilt aufzuho-      Niederösterreich gezielt in den Ausbau sowohl von
len. Unser Ziel muss sein, aufbauend auf die For-        entsprechender Infrastruktur als auch in die Vernet-
schungseinrichtungen, aufbauend auf den Bereich          zung von Forschung, Ausbildung und Wirtschaft
Forschung, Entwicklung, Wissenschaft, dass wir           investiert.
uns zum Ziel nehmen, Niederösterreich muss zum
Kompetenzzentrum für alternative Energieformen                Der Erfolg an den drei Technopolen gibt uns
werden. Ich glaube, hier sind wir auf gutem Weg.         Recht. Denn den Erfolg kann man hier ganz deut-
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit! (Beifall         lich messen. Als im Jahre 2000 unsere Technolo-
bei der SPÖ und Teile der ÖVP.)                          gieoffensive gestartet wurde, haben viele vielleicht
                                                         hinter der Hand gesagt, das wird eine Blamage
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr             werden, da haben sie sich zuviel vorgenommen,
Abgeordneter Mag. Hackl.                                 das könnte ein Flop sein. Als Niederösterreich im
                                                         Jahr 2007 als innovativste Region Europas ausge-
    Abg. Mag. Hackl (ÖVP): Geschätzter Herr              zeichnet wurde, sind diese Stimmen schnell ver-
Präsident! Hoher Landtag!                                stummt. Und heute, Anfang 2010, in einer wirt-
                                                         schaftlich wirklich schwierigen Zeit, wird erst in
     Wir befinden uns in der Zielgeraden einer um-       vollem Ausmaß klar, wie weitblickend diese politi-
fangreichen Landtagssitzung. Und gerade die De-          sche Entscheidung war, 10 Jahre nachdem diese
batte zur Aktuellen Stunde hat gezeigt, dass die NÖ      Technologieoffensive gestartet wurde.
Volkspartei unsere Landesfarben blau-gelb hoch-
hält und mit Fleiß und Kompetenz daran arbeitet,             Und ein wirkliches Musterbeispiel dafür ist si-
dass in unserem Land etwas weiter geht. Und dass         cher der Technopol Tulln. Forschungsschwerpunkt
es den Niederösterreicherinnen und Niederösterrei-       im Technopol Tulln ist die Agrar- und Umweltbio-
chern gut geht.                                          technologie. Dies wurde heute schon auch von




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Herrn Klubobmann angesprochen. Geforscht wird                  Auch die Zuckerforschung ist in Tulln angesie-
in den Technologiefeldern Bioanalytik, Umweltbio-         delt. Hier konzentrieren sich die Forschungs- und
technologie, Pflanzenzüchtung und Nutzung nach-           Entwicklungsaktivitäten der Agrana Gruppe im Be-
wachsender Rohstoffe.                                     reich der Biotechnologie, der Stärketechnologie und
                                                          der Zuckertechnologie. Bereiche, die für die Land-
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit           wirtschaft sehr wichtig sind.
Beginn des Technopolprogrammes im Jahr 2004
wurden am Technopol Tulln 14 Forschungsprojekte                Die FH Wr. Neustadt hat eine Außenstelle in
mit einer Projektsumme von 6,1 Millionen Euro von         Tulln betreffend biotechnische Verfahren und auch
ECO PLUS-Technopolmanagern initiiert und auch             das Universitäts- und Forschungszentrum Tulln
umgesetzt. Am Technopol Tulln gibt es rund 340            sind angesiedelt.
Arbeitsplätze in den verschiedenen Technologiefel-
dern, davon sind rund 280 Forscherinnen und For-               Meine sehr geehrten Damen und Herren!
scher. Die zweite Ausbaustufe des Technologie-            Zahlreiche Forschungsprojekte und Kooperationen
zentrums Tulln wurde erst im November 2009 ab-            mit der Wirtschaft konnten in Tulln in den letzten
geschlossen und von Landeshauptmann Dr. Erwin             Jahren erfolgreich umgesetzt werden. Innovative
Pröll eröffnet. Dies ist ein zweistöckiges Gebäude        Produkte wurden auf höchstem Niveau bereits auf
                                     2
mit einer Fläche von zirka 2.700 m , mit einer Ver-       den Markt gebracht. Ich möchte Ihnen in aller Kürze
bindungsbrücke im ersten und im zweiten Geschoß           noch ein paar Beispiele von Unternehmen nennen,
zum Altbau.                                               die sich am Technopol Tulln angesiedelt haben.

     In diese zweite Ausbaustufe am Technologie-               Da ist zum Beispiel die Bioferm GmbH. Sie war
zentrum Tulln wurden 7,5 Millionen Euro investiert.       2008 Gewinner des NÖ Innovationspreises. Kern-
                                  2
Damit stehen jetzt rund 3.500 m Labor- und Büro-          geschäft dieses Unternehmens ist die Herstellung
fläche insgesamt zur Verfügung. Und das Ganze             und der Vertrieb von biotechnischen Pflanzen-
bedeutet ein Gesamtinvestitionsvolumen in die             schutzmitteln. Und hier hat man sich speziell auf
Infrastruktur von 12 Millionen Euro.                      den Feuerbrand spezialisiert. Auch ein Bereich, der
                                                          für die Landwirtschaft bedeutend ist und wo man
     Insgesamt wurden innerhalb der letzten 10            hier wirklich die Forschung vorantreiben kann.
Jahre, es wurde heute schon erwähnt, weit über 60
Millionen Euro in die Infrastruktur an den drei Tech-           Es gibt auch die Revera GmbH. Sie erzeugt
nopolen in Wr. Neustadt, in Krems und in Tulln und        hochwertige Naturkosmetik und Parapharmazeutika
in das Technologiezentrum Wieselburg investiert.          unter der international bekannten Marke, vielleicht
Eines ist klar: Die Forschungs- und Entwicklungs-         ist sie Ihnen auch bekannt, „Holzhacker“.
leistungen in Niederösterreich, speziell für die In-
dustrie, sind enorm. Impulse für neue und verbes-              Die 55pharma Drug Discovery & Development
serte Produkte werden geliefert, Verfahren verbes-        AG Ist ein junges Unternehmen, das sich auch in
sert und natürlich damit auch neue Arbeitsplätze          Tulln befindet. Und hier werden Arzneimittel gegen
geschaffen.                                               Diabetes entwickelt. Oder die Biomin GmbH. Sie ist
                                                          ein Futtermittel- und Vormischungshersteller und
    Der Technopol Tulln beherbergt folgende For-          sucht nach neuen wissenschaftlichen Lösungen,
schungseinrichtungen, meine sehr geehrten Damen           um Tieren bessere Leistungen bei gleichzeitig, das
und Herren:                                               finde ich besonders wichtig, gestärkter Gesundheit
                                                          und Wohlbefinden zu ermöglichen.
     Das IFA Tulln, das interdisziplinäre Forschung
im Bereich der Agrar- und Biotechnologie betreibt.              Die SeaLife Pharma GmbH, auch ein ganz in-
Das reicht von Molekularbiologie bis zur Umwelt-          novatives Unternehmen, das in Tulln angesiedelt
biotechnologie, von Umweltverfahrenstechnik bis           ist, hat sich der marinen Biotechnologie verschrie-
zu innovativen Analyseverfahren und neuen Me-             ben. Und die Romer Labs Diagnostic GmbH ist auf
thoden für die Pflanzen-, und Tierzüchtung.               die Analytik von Pilzgiften spezialisiert. Dann gibt
                                                          es noch die Biopure Referenzsubstanzen und die
      Weiters ist das Christian Doppler-Forschungs-       Quantas Analytics GmbH. Ich könnte die Reihe von
institut dort beherbergt. Es hat ein CD-Labor für         Unternehmen von fortsetzen.
Mykotoxinforschung am Analytikzentrum und ein
CD-Pilotlabor für die Analytik allergener Lebens-             Meine Damen und Herren! Sie sehen, wie inte-
mittelkontaminanten.                                      ressant und innovativ der Standort Tulln, auch was




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


die Unternehmen betrifft, ist. Und diese Vielzahl an     1945 sind die Einnahmen der Gemeinden rückläu-
Unternehmen hat eben ein großes Zukunftspoten-           fig. Und ich glaube, in vielen Gemeinden kommt es
zial. Die Themen und Schwerpunkte, die am Tech-          zu einer dramatischen finanziellen Entwicklung.
nopol Tulln im Mittelpunkt stehen, sind allgegen-        Weil mit diesen massiven Einnahmensverlusten bei
wärtig. Und die Nachfrage nach innovativem Pro-          den Ertragsanteilen im Rahmen des Finanzaus-
dukt und Verfahren seitens der Industrie, und das        gleichs, aber vor allen Dingen auch in der sehr
ist bemerkenswert, steigt immer mehr.                    wichtigen Einnahmenseite der Kommunalsteuer
                                                         eine Situation entstanden ist, wodurch wir eine
     Damit auch in Zukunft solche erfolgreichen          Einnahmen/Ausgabenschere haben, die mit nor-
Forschungsleistungen vollbracht werden können ist        malen Mitteln nicht mehr zu schließen sein wird.
eine perfekt ausgestattete Infrastruktur mit moder-
nen Labors unbedingt notwendig. Nur so herrschen              Die Ertragsanteile haben sich schon 2009 ne-
die besten Bedingungen um eben forschen zu kön-          gativ entwickelt bis hin natürlich zum Bereich im
nen, um forschungsintensive Unternehmen ansie-           heurigen Jahr, wo wir je nach Gemeindegröße mit
deln zu können.                                          bis zu 15 Prozent rechnen können. Kommunalsteu-
                                                         ereinbruch zwischen 10 und 20 Prozent, was natür-
    Mit der Weiterführung unserer Technologieof-         lich viele Gemeinden vor die Situation stellt, dass in
fensive in Niederösterreich stellt man sicher, dass      Wirklichkeit diese Einnahmen/Ausgabenschere
Niederösterreich auch in Zukunft, meine sehr ge-         nicht mehr zu schließen ist.
ehrten Damen und Herren, um die sprichwörtliche
Nasenlänge voraus sein wird. (Beifall bei der ÖVP.)          Die Ursachen liegen klar auf der Hand: Zum
                                                         Einen natürlich die schrumpfenden Steuereinnah-
     Präsident Ing. Penz: Weitere Wortmeldungen          men des Finanzministers, was somit auch weniger
liegen nicht vor. Ich erkläre somit die Aktuelle         Finanzmittel und Geldmittel für die Gemeinden
Stunde zum Thema „Regionale Politik versus zent-         bedeutet. In Österreich rund 300 Millionen Euro.
rale Politik – Niederösterreich am Weg zur Vorzei-       Und wir gehen auch davon aus, dass bis zum Jahr
geregion für Wissenschaft und Technologie“, Ltg.         2012 laut Österreichischem Gemeindebund dieser
450/A-8/26, für beendet.                                 Fehlbetrag 800 Millionen Euro betragen wird.

     Wir kommen nun zur Behandlung des Dring-                 Ich glaube aber, dass wir dem gegenüberstel-
lichkeitsantrages der Abgeordneten Cerwenka u.a.         len müssen natürlich die steigenden Ausgaben,
betreffend dringend erforderliches Investitionspaket     gerade im Gesundheits- und Sozialbereich, der
für Niederösterreichs Gemeinden, Ltg. 471/A-2/17.        Sozialumlage, im Bereich der Jugendwohlfahrt, im
Da der Erstantragsteller Klubobmann Cerwenka             Bereich des NÖKAS, wo wir natürlich auch sehen,
verhindert ist, die Dringlichkeit zu begründen,          dass viele dieser Leistungen nicht mehr zu finanzie-
kommen wir sogleich zur Abstimmung. Gemäß § 33           ren sind.
Abs.4 LGO wird über die Zuerkennung der Dring-
lichkeit ohne Debatte abgestimmt. (Nach Abstim-               Ich sage auch dies deshalb, weil die Gemein-
mung, diesem Antrag die Dringlichkeit zuzuerken-         den in Niederösterreich der wirtschaftliche Motor
nen:) Ich stelle fest, dass dieser Antrag einstimmig     sind. Der Gemeindefinanzbericht wurde mir heute
angenommen wurde.                                        übergeben. Und ich habe eigentlich richtig ge-
                                                         schätzt und gerechnet, die Gemeinden haben im
     Ich ersuche die Antragsteller, einen Berichter-     Jahr 2008 und 2009 fast eine Milliarde Euro in den
statter namhaft zu machen. Herr Abgeordneter             außerordentlichen Haushalten bewegt. Das heißt,
Dworak wird nun gebeten, dieses Geschäftsstück           wir sind Wirtschaftsfaktor, wir sind treibende Kraft
zu erklären.                                             für die Wirtschaft. Rechnet man eine Milliarde Euro
                                                         um, so sind das 15.000 Arbeitsplätze, die die Ge-
     Berichterstatter Abg. Dworak (SPÖ): Sehr            meinden mit Investitionen gerade im Bau- und
geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich darf         Baunebengewerbe gesichert und abgesichert ha-
hier auf den Dringlichkeitsantrag der Abgeordneten       ben. Wobei wir natürlich heuer sehen auf Grund der
Cerwenka u.a. eingehen betreffend dringend erfor-        schrumpfenden Einnahmen und der sehr, sehr
derliches Investitionspaket für NÖ Gemeinden.            vorsichtig erstellten Budgets, dass es hier wahr-
                                                         scheinlich auch im Bau- und Baunebengewerbe am
    Die hier anwesenden Damen und Herren Bür-            Arbeitsmarktsektor zu Problemen kommen wird.
germeisterinnen und Bürgermeister wissen, dass
die Gemeinden nicht nur in Niederösterreich, son-            Es ist sehr lobenswert, dass das Land Nieder-
dern vor allen Dingen österreichweit hier eine äu-       österreich hier hilft, auf der einen Seite für die fi-
ßerst schwierige Situation haben. Erstmals seit          nanzschwachen Gemeinden mit zusätzlichen 15




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Millionen bei den BZ-Mitteln, auf der anderen Seite                        „Dringlichkeitsantrag
durch die Erweiterung der Finanzsonderaktion des
Landes. Aber ich glaube, diese Mittel reichen nicht          der Abgeordneten Cerwenka, Antoni, Dworak,
aus um diese Lücke zu schließen! Ich bin hier sehr       Findeis, Gartner, Ing. Gratzer, Jahrmann, Kern-
bei Gemeindebundpräsident Mödlhammer, der                stock, Mag. Leichtfried, Onodi, Razborcan, Mag.
natürlich hier klar und deutlich sagt, dass dies die     Renner, Rosenmaier, Thumpser und Vladyka ge-
schlimmste Finanzkrise der Gemeinden seit Beste-         mäß § 33 LGO 2001 betreffend dringend erforderli-
hen der Zweiten Republik ist. Und ich glaube, es ist     ches Investitionspaket für NÖ Gemeinden.
leider Gottes auch das eingetreten, wovor wir auch
schon im September gewarnt haben. Tatsache ist                Die Finanzsituation der Städte und Gemeinden
nach dem Bericht der Gemeindeabteilung, dass             - nicht nur in Niederösterreich - hat sich dramatisch
137 niederösterreichische Gemeinden im heurigen          zugespitzt. Die Mehrheit der niederösterreichischen
Jahr Abgangsgemeinden sind. Das sind die von mir         Gemeinden steht bei der aktuellen Budgeterstel-
damals angesprochenen 25 Prozent! Und ich                lung mit dem Rücken zur Wand. Massive Einnah-
fürchte, diese Entwicklung wird sich noch fortset-       menverluste, vor allem bei den Ertragsanteilen im
zen.                                                     Rahmen des Finanzausgleichs bzw. auch bei der
                                                         Kommunalsteuer, gefährden nicht nur die Aufrecht-
    Wir brauchen einen Kraftakt, gemeinsam mit           erhaltung der gemeindespezifischen Tätigkeiten
Land und Bund, um hier den Gemeinden unter die           und Aufgaben, sondern auch die Investitionstätig-
Arme zu greifen. Gerade in wirtschaftlich schwieri-      keit der Gemeinden.
gen Zeiten, um hier auch den Herrn Präsident Riedl
zu zitieren, muss die Familie Niederösterreich mit           Die Ursachen sind einfach erklärt. Schrumpfen
den Gemeinden näher zusammen rücken um hier              die Steuereinnahmen des Finanzministers, so
das finanzielle Rückgrat zum Einen für die Ge-           kommen auch weniger Finanzmittel an die Ge-
meinden, für die Bürger, aber auch für die Wirt-         meinden zur Verteilung. Österreichweit kann man
schaft dementsprechend wieder zu entwickeln.             dieses Jahr von rund 300 Millionen Euro Minder-
                                                         einnahmen aus dieser Position ausgehen; bis zum
     Deshalb, glaube ich, ist auch die Forderung         Jahr 2012 wird der Fehlbetrag auf bis zu 800 Millio-
durchaus von uns verständlich, dass wir sagen,           nen Euro pro Jahr steigen. Vor allem Kommunen,
wenn diese eine Milliarde Euro im außerordentli-         die keine größeren Einnahmen aus Tourismus,
chen Haushalt fehlt, muss es hier Gegensteue-            Industrie und Gewerbe lukrieren können, sind auf
rungsmaßnahmen geben. Mit einem Zukunftsfonds            diese Ertragsanteile angewiesen. Die wichtigste
für dringend notwendige Investitionen im Ausmaß          Einnahme der Gemeinden, die sie selbst einheben
von 500 Millionen Euro. Ich glaube dies auch des-        können, die Kommunalsteuer, geht in wirtschaftli-
halb, weil wir Gemeinden, und meine sehr geehrten        chen Krisenzeiten ebenso zurück. Zusammenge-
Damen und Herren Bürgermeister hier im Landtag,          rechnet muss für das Jahr 2009 von einem Ein-
wir sind ja ein Landtag der Bürgermeisterinnen und       nahmenminus von rund 10 Prozent ausgegangen
Bürgermeister, jederzeit wirklich geeignete, sinn-       werden.
volle und vor allen Dingen für die regionale Wirt-
schaft bedeutende Projekte in der Tischlade haben.            Demgegenüber steigen aber die Ausgaben der
                                                         Gemeinden weiter. Die Kosten für Sozialhilfe,
    Zum Zweiten, glaube ich, wäre es sinnvoll,           Pflege, Jugendwohlfahrt, Kinderbetreuung und
wenn Bund, Land für Banken Bürgschaften über-            andere Umlagen, welche die Gemeinden an das
nehmen dass man hergeht und sagt, man setzt für          Land zu zahlen haben, steigen dieses Jahr um 5
ein Jahr die Umlagenerhöhungen aus. Wir wollen           bis 10 Prozent. In Niederösterreich kommen auch
das nicht geschenkt, sondern glauben, es ist ein         noch die steigenden Zahlungen für die Landesspi-
Signal an die Gemeinden, die es wirklich schwer          täler, die NÖKAS-Umlage, hinzu.
haben, die Budgets zu erstellen und den Haushalt
wieder in Ordnung zu bringen. Ich glaube, wir brau-          Wenn die Kommunen aber ihre Investitionen,
chen auch, genauso wie Gemeindebundobmann                beispielsweise bei Schul- und Straßensanierungen,
Helmut Mödlhammer hier fordert, eine klare Rege-         im Kanalbau, beim Wasserleitungsnetz, bei Neu-
lung bei den Bedarfszuweisungen, bei der Ver-            bauten von Gemeindehäusern, bei Sanierungen
gabe. Deshalb darf ich hier den Antrag stellen, Herr     von Gemeindewohnungen und vieles mehr, kürzen,
Präsident (liest:)                                       so entgehen vor allem kleineren und mittleren Un-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


ternehmen sowie Handwerks- und Gewerbebetrie-              auch die Lebensqualität in den Städten und Ge-
ben wichtige Aufträge. Im Jahr 2010 drohen damit           meinden gestärkt werden.
viele kleinere Betriebe auf der Strecke zu bleiben,
was Arbeitsplätze kosten wird. Vor allem die klei-              Die bereits erwähnten Erhöhungen der Umla-
nen Betriebe sind auf regionale Aufträge angewie-          gen, wie Sozialhilfeumlage, Jugendwohlfahrtsum-
sen, ihnen hilft eine leichte Erholung der Weltwirt-       lage bzw. NÖKAS-Umlage, sollten für das Jahr
schaft wenig.                                              2010 ausgesetzt und die Umlagen auf der Höhe
                                                           des Jahres 2009 eingefroren werden. Ende des
     Im Gleichschritt sind die Gemeinden natürlich         Jahres 2010 sollte es zu einer Neubewertung der
auch gezwungen, Förderungen und Subventionen               wirtschaftlichen Rahmenbedingungen kommen.
für Vereine oder Kultureinrichtungen zurückzuneh-          Denn dann ist abschätzbar, ob sich die Rahmenbe-
men bzw. ihren Gebührenhaushalt auszureizen -              dingungen für die Gemeinden weiter verschlechtern
dort wo es noch möglich ist. Dies wiederum führt zu        oder vielleicht doch verbessert haben.
einer steigenden Belastung für die Gemeinde-
bürgerInnen.                                                    Bedarfszuweisungen sind Mittel, die der Bund
                                                           dem Land zur Verteilung an die Gemeinden zur
     Es ist zwar lobenswert, dass das Land Nieder-         Verfügung stellt. Die Vergaben jener Bedarfszuwei-
österreich beabsichtigt, die Bedarfszuweisungen für        sungen sind in Niederösterreich nicht transparent
finanzschwache Gemeinden um 15 Mio. Euro zu                und teilweise nicht nachvollziehbar. Selbst Ge-
erhöhen, und eine Erweiterung der Landesfinanz-            meindebundobmann Helmut Mödlhammer stellte
sonderaktion beschlossen werden soll. Doch diese           fest, dass Bedarfszuweisungen nach klaren Richtli-
Maßnahmen stellen nur einen Tropfen auf dem                nien ohne parteipolitische Vorgabe zu vergeben
heißen Stein in Bezug auf die äußerst angespannte          sind. Die Erarbeitung von Richtlinien für eine ge-
finanzielle Situation der niederösterreichischen           rechte Vergabe von Bedarfszuweisungen in Nie-
Gemeinden dar.                                             derösterreich ist daher ein Gebot der Stunde.

     Durch die bereits erwähnten eklatanten Ein-               Aufgrund der finanziell angespannten Situation
nahmeneinbrüche bei den Ertragsanteilszahlungen            der Gemeinden scheint es dringend erforderlich,
und durch die ständig steigenden Fixkosten, vor            rasch und unmittelbar ein Investitions- und Sanie-
allem in den Bereichen Gesundheit und Soziales,            rungspaket für die niederösterreichischen Gemein-
erleben unsere Kommunen die schlimmste Finanz-             den zu beschließen.
krise in der Zweiten Republik. Schon im September
wurde davor gewarnt, dass rund 25 Prozent der                  Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
niederösterreichischen Kommunen drohen, zu Ab-
gangsgemeinden zu werden. Das wurde auch vom                   Der Landtag wolle beschließen:
für Gemeindefinanzen zuständigen Landesrat be-
stätigt, indem er feststellt, dass derzeit 137 nieder-         Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,
österreichische Gemeinden nicht ausgeglichen
                                                               • einen Zukunftsfonds, dotiert mit 500 Mio.
bilanzieren können. Daher ist es unerlässlich, wei-
                                                                 Euro, zu schaffen,
tere Maßnahmen zur Unterstützung der nieder-
österreichischen Gemeinden zu setzen.                          •
                                                                   an das Land Niederösterreich für das Jahr
      Gerade in Zeiten einer Wirtschaftskrise müsste               2010 auszusetzen, auf den Stand von 2009
die Familie Niederösterreich mit ihren Gemeinden                   einzufrieren
näher zusammenrücken. Das Land Niederöster-
reich sollte mit einem mit 500 Millionen Euro do-              und
tierten Zukunftsfonds aus den NÖ Wohnbauförde-
rungsgeldern den Gemeinden Mittel für dringend                 • die Erarbeitung von Parametern für eine
notwendige Investitionen vorschießen. Viele nieder-              nachvollziehbare und objektive Vergabe von
österreichsche Gemeinden haben Dutzende fertige                  Bedarfszuweisungen in Niederösterreich zu
Projekte in den Schubladen; was fehlt ist allein                 veranlassen.
noch die Finanzierung bzw. die Unterstützung für
die Gemeinden bei derartigen teils großen Investiti-           Gemäß § 33 Abs. 1 LGO 2001 wird beantragt,
onen. Mit dem Zukunftsfonds wären gleich mehrere           dass dieser Antrag im Landtag ohne Ausschussbe-
positive Effekte zu erzielen. Zum einen gibt es Auf-       ratung zur Behandlung gelangen möge.“
träge für die regionale Wirtschaft, Arbeitsplätze
könnten gesichert bzw. neue geschaffen werden.                 Ich ersuche um Debatte und Abstimmung, Herr
Zum anderen würde mit derartigen Investitionen             Präsident.




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Landtag von Niederösterreich       Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Präsident Ing. Penz: Das war jetzt Bericht und       Gemeindebund habt ihr im Griff. Daher frage ich
Wortmeldung. Ich eröffne die Debatte und erteile         mich wirklich in der Republik, warum keine Ver-
Frau Dr. Krismer-Huber das Wort.                         waltungsreform? Warum nicht der aufgabenorien-
                                                         tierte Finanzausgleich? Und warum schaut man
     Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-            nicht endlich schon positiv in die Zukunft, aber
ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und        schaut, wohin sich die Zukunft entwickelt? Und da
Kollegen!                                                muss ich zum Schluss kommen, dass ich wirklich in
                                                         das System einmal massiv eingreifen muss. Also
     Kollege Dworak, Sie haben gesagt, diese Lü-         so weiter jammern wird es nicht bringen. (Beifall bei
cke zwischen Einnahmen und Ausgaben ist mit              den Grünen. – Abg. Mag. Leichtfried: Das ist keine
normalen Mitteln nicht mehr zu schließen. Ich frage      neue Forderung! –Abg. Jahrmann: Frau Kollegin!
mich nur, was dann die abnormalen Mittel sind.           Sie sind noch nicht lang genug in der Kommunal-
Also über weite Strecken kann ich dem Begrün-            politik, das muss ich Ihnen schon sagen!)
dungstext durchaus folgen. Ich glaube nur, dass wir
in der Republik an einem Punkt angekommen sind,               Die 25 Prozent, die jetzt nicht bilanzieren kön-
wo wir mit Zukunftsfonds, wo mir nicht klar ist, wo-     nen, liegen am Tisch. Und das wird weiter gehen.
her die 500 Millionen kommen sollten, wobei im           Das heißt, wie lange glaubt ihr denn, dass die 500
zweiten Beschlusspunkt, dem Einfrieren der Umla-         Millionen dann irgendwie halten? Wir haben heute
gen Sie nicht genau sagen in welcher Höhe das            gehört, es gibt einen Rohbericht, es geht da um die
sein wird, wir eben an dem Punkt angekommen              Substanz der Veranlagungen. Wir wissen, wie un-
sind, wo wir uns generell das System anschauen           ser Landesbudget ausschaut, wir wissen, dass wir
müssen.                                                  langfristig Schuldendienste eingegangen sind um
                                                         eben diese Technopole, um dort aus Nachhaltig-
     Also wenn man weiß, dass im Lebensministe-          keitsgründen zu investieren, zu erhalten.
rium Gottseidank die Diskussionen schon in die
Richtung gehen Wachstum im Wandel, dass wir                   Was ich einfach hier vermisse ist der Mut und
heute wissen, dass wir uns auf dieses moderate           auch der Appell, dass die handelnden Personen
Wachstum in irgendeiner Weise auch im System             endlich in der Republik Nägel mit Köpfen machen.
anpassen und dem Rechnung tragen müssen,                 Ich würde dem ja gerne zustimmen als Gemeinde-
dann kommt man unweigerlich zum Schluss, dass            rätin. Na no na ned, ja? Es gibt niemandem in einer
das, was die SPÖ hier heute vorlegt, eine                Kommune, der sagt, ich hätte schon gern mehr
Symptombekämpfung ist. Das wird kurzfristig              Geld und die Umlage auch. Aber wer zahlt das
durchaus greifen. Aber es sind keine Maßnahmen,          dann? Wir haben einfach mit der volkswirtschaftli-
die an die Wurzel gehen.                                 chen Situation zu tun, dass wir weniger Einnahmen
                                                         haben, und die Ausgaben aber steigen. Und zwar
       Und ich bin da eigentlich auf den Gemeinderat     genauso angepasst.
von Baden relativ stolz. Also wir gehen eine Ebene
tiefer. Es hat ja heute Gelegenheit gegeben, die              Daher, woher sollen denn die Gelder kommen?
gesprochen haben über den Bericht des Bundes-            Ich würde dem gerne zustimmen. Na, heute auch
rechnungshofes zur Gebarung der Stadtgemeinde            als Opposition für so systemunkritisch und einfach
Baden, wo die Rücklagen eben schwinden. Das              nicht durchdacht. Also ich erwarte mir wirklich von
trifft dort die Gemeinde noch nicht so hart, aber        einer Kanzlerpartei durchaus mehr Substanz. Wir
natürlich sozusagen in der Kurve gleich wie alle         werden dem, nicht leichten Herzens, aber wir wer-
anderen. Und dort hat der Gemeinderat einstimmig         den dem nicht die Zustimmung geben. (Beifall bei
weitaus systemkritischer einen Beschluss gefasst         den Grünen.)
als die SPÖ das hier in der höheren Ebene sich
überhaupt traut, hier zu verschriftlichen. Und zwar         Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
sind wir zum Schluss gekommen, wir brauchen              Abgeordneter Sulzberger.
einen neuen Finanzausgleich, nämlich einen auf-
gabenorientierten Finanzausgleich. Und das Sys-              Abg. Sulzberger (FPÖ): Sehr verehrter Herr
tem muss völlig neu aufgestellt werden.                  Präsident! Werte Damen und Herren des Hohen
                                                         Hauses!
      Kollege Jahrmann, da können Sie jetzt schon
lachen. Ich finde das mittlerweile nicht mehr zum            Die Kollegin Krismer-Huber hat schon vieles
Lachen, wenn ich mir das auf beiden Ebenen, ei-          weggenommen. Auch mir und der freiheitlichen
gentlich auf allen drei Ebenen, als Opposition an-       Fraktion geht es so ähnlich in der Betrachtung und
schauen muss. Sie stellen den Kanzler, die ÖVP           Analyse zu diesem Antrag. Obwohl vieles, was hier
stellt den Vizekanzler, einen Städtebund, einen          aufgezeigt wird, richtig ist, das auch unsere Zu-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


stimmung hat. Es ist leider so, dass die 137 Ge-               Was mir abgeht bei diesem Antrag ist, wie wird
meinden in Niederösterreich, oder von den 25 Pro-         der so genannte 500 Millionen Konjunkturfonds
zent, die es auch künftighin sein werden, selber          finanziert? Wie schauen die Strukturen drinnen
daran auch ein bisschen Schuld tragen, dass es so         aus? Wer bekommt wann, was und wie? Wie er-
weit gekommen ist. Weil man, wenn man über                folgt die Verteilung und Zuteilung? Sind das einma-
viele, viele Jahre hindurch immer so am Rande des         lige Beiträge oder sind das nur Zinszuschüsse, und
Abgrundes dahinschrammt und gerade noch einen             dergleichen mehr. Also hier fehlt eine ganze Palette
Budgetausgleich sozusagen zustande bringt und             von Antworten auf offene Fragen. Und wir müssen
einmal so eine Krise kommt, dann natürlich strau-         oder wir können diesem Antrag, der in vielen
chelt.                                                    Punkten wirklich unsere Zustimmung hat, leider
                                                          nicht zustimmen. Und verweisen darauf, dass hier
     Erinnert euch, am 10. Dezember haben wir be-         das ganze System überarbeitet werden soll und
reits dieses ähnliche Thema gehabt. Und ich habe          muss und dann neuerlich eine Antragstellung, und
zum Beispiel Sallingberg auch zitiert, wo wir bei der     ich hoffe, dann eine gemeinsame, erfolgen soll.
Vorschlagserstellung die Ertragsanteile und die BZ,       Danke! (Beifall bei der FPÖ.)
zusammengezählt über 100.000 Euro, und in weite-
rer Folge dann die Erhöhung des NÖKAS-Beitra-                Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
ges, der sozialen Wohlfahrt und der Jugendwohl-           Abgeordneter Antoni.
fahrt weitere 35.000 Euro mehr abführen müssen.
Das heißt also, der Abgang geht in Summe gegen-               Abg. Antoni (SPÖ): Sehr geschätzter Herr
über dem Voranschlag von 2009 schon, und ein              Präsident! Hoher Landtag!
paar weitere kleine Sachen, gegen die 150.000.
Und das ist natürlich ein gewaltiger Brocken, der              Wir haben in diesem Hohen Haus schon des
hier verkraftet werden muss. Er wird bei uns ver-         Öfteren von dem Begriff Lebensqualität gespro-
kraftet weil wir dementsprechende Rücklagen auch          chen. Und ich denke, wenn wir von dem Begriff
noch haben und sozusagen freie Finanzspitzen.             Lebensqualität in der Region sprechen, so müssen
                                                          wir eine Vielzahl von Themenbereichen und Mosa-
    Doch hier bedarf es einer genaueren Analyse           iksteinen betrachten. Ich beginne beim Bereich
warum die eine oder andere Gemeinde so weit               Lebensqualität in der Region, die ausschlaggebend
gekommen ist. Und das ist natürlich im System             ist von der Nahversorgung bis hin zur Verkehrsan-
verhaftet, diverse Defizite so wie die Kollegin           bindung bis hin zum Bildungsangebot. Ganz we-
Krismer-Huber es bereits angesprochen hat.                sentlich das Arbeitsmarktangebot und die Wirt-
                                                          schaft.
     Auch wir würden gerne diesem Antrag zustim-
men, weil ich kann mich und wir können uns mit                 Ganz wesentlich, meines Erachtens aber: In
den Punkten, die Erhöhung der Umlagen der Ge-             allen Themenbereichen der Lebensqualität ist einer
meinden an das Land Niederösterreich für das Jahr         der wesentlichsten Mosaiksteine in der Region die
2000 auszusetzen, eben diesen NÖKAS-Beitrag,              Gemeinde, unsere Kommunen. Und so, denke ich,
soziale Wohlfahrt und Jugendwohlfahrt, der ja auch        müssen wir uns schon die Frage stellen, welche
einen schönen Betrag ausmacht, vor allem die              Rolle spielen unsere Gemeinden in Niederöster-
jährliche Prozentsteigerungen ja ganz gewaltige           reich als Wirtschaftsfaktor in dieser schwierigen
sind ...                                                  Zeit? Und so kann ich doch davon sprechen, dass
                                                          ich mit Stolz darauf zurückblicken möchte, dass die
     Und die Erarbeitung von Parametern für eine          Gemeinden in Niederösterreich zu den mit Abstand
nachvollziehbare und objektive Vergabe von Be-            größten Investoren in diesem Land zählen. Abge-
darfszuweisungen in Niederösterreich. Auch das ist        ordneter Dworak hat bereits ausgeführt, dass in
ein richtiger und wichtiger Punkt, der wirklich nach-     den letzten Jahren ein Volumen von rund 1 Milli-
geführt werden muss.                                      arde Euro, und das zu einem Großteil in den Klein-
                                                          und Mittelbetrieben im Bau- und Baunebenge-
    Probleme haben wir vor allem aber mit dem             werbe, investiert wurde und dass mit diesem In-
500 Millionen-Topf. Wir halten sehr wenig davon,          vestitionsvolumen auch eine Größenordnung von
dass wir hier Parallelstrukturen aufbauen im Zu-          rund 15.000 Arbeitsplätzen durch die Investitionen
sammenhang von Zuweisungen, von Bedarfszu-                der Kommunen gesichert werden konnten.
weisungen. Und ich denke, dass wir mit der Lan-
desfinanzsonderaktion, die ja sehr pointiert und               Und so denke ich, ist es ein wesentliches Ziel
objektbezogen hier zur Verfügung steht, also das          und eine Aufgabe von uns, dass wir den Ar-
Auslangen haben.                                          beitsplatzsicherern und aber auch Arbeitsplatzbe-




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


schaffern, nämlich unseren Gemeinden jetzt in                  Ich denke, die Folgen aus diesen Beispielen
dieser schwierigen Zeit die Wirtschaftskraft bei den      sind für die Gemeinden gezwungenermaßen sin-
Kommunen erhalten und für die Zukunft auch absi-          kende Investitionen und Einschränkungen der
chern. Weil nur, wenn in den Gemeinden auch in            Leistungen. Oder die Gemeinden akzeptieren einen
der Zukunft die Lage so gesetzt ist, dass Investitio-     höheren Schuldenstand. Und ich denke, beides ist
nen möglich sind, dann wird auch die regionale            weder erfreulich noch wirtschaftlich vernünftig.
Wirtschaft eine wesentliche Belebung erfahren.
                                                               Und ich denke, gerade aus diesen Bereichen
     Genau dieser Wirtschafts- und dieser Arbeits-        heraus ist es absolut notwendig, dass wir auf Lan-
motor Gemeinde ist nun jetzt ins Stottern gekom-          desseite ein kommunales Investitionspaket schnü-
men. Und er ist ins Stottern gekommen, weil nun           ren und einen Schulterschluss mit den Gemeinden
einmal die schwierige wirtschaftliche Situation auch      vorsehen. Wenn ich ein Interview vom 9. Juli des
vor den Gemeinden nicht Halt gemacht hat. Weil            vorangegangenen Kalenderjahres 2009 mit Präsi-
eben zum ersten Mal in der Zweiten Republik mas-          dent Helmut Mödlhammer, das von Manfred Parz-
sive Einnahmensverluste, vor allem in den Ertrags-        mayr geführt wurde, nachlese, so wurde auch von
anteilen, und vor allem sinkende Kommunalsteuer-          Helmut Mödlhammer bereits im Juli des vorange-
einnahmen auf Grund der gestiegenen Arbeitslo-            gangenen Jahres ein kommunales Investitionspa-
sigkeit die Gemeinden zu verkraften haben.                ket in den Raum gestellt.

      Die Finanzsituation in den Städten und                   Ich möchte daher die Forderung, die bereits
Gemeinden hat sich nicht nur in Niederösterreich          von Abgeordneten Dworak eingebracht wurde,
derart dramatisch zugespitzt, dass die Folge daraus       nochmals unterstreichen. Und ich denke, dass wir
ist, dass in vielen Gemeinden die Aufrechterhaltung       mit einem Zukunftsfonds in der Größenordnung von
der gemeindespezifischen Aufgaben im Speziellen           500 Millionen Euro all den Gemeinden die finan-
immer schwieriger geworden ist. Sie hat sich inso-        zielle Hilfe anbieten um die notwendigen Investitio-
fern so dramatisch zugespitzt, dass die Investiti-        nen für die Zukunft auch abzusichern. Denn ich bin
onstätigkeit der Gemeinden massiv gefährdet ist.          davon überzeugt, dass in vielen niederösterreichi-
Und all dem gegenüber stehen auch die gestiege-           schen Gemeinden viele fertige Projekte in den
nen Ausgaben, die das Land in Form der bereits            Schubladen liegen, allein die Finanzierung oder
angesprochenen Umlagen zu leisten hat.                    aber auch die Unterstützung für große Investitionen
                                                          derzeit ausstehen.
     Ich möchte als Beispiel zwei Gemeinden aus
meiner Region, dem Waldviertel bringen, wie sich               Mit dem Zukunftsfonds könnten wir mehrere
die finanzielle Situation in den Gemeinden darstellt.     positive Effekte erzielen. Einerseits, dass wir Auf-
Ich darf als erstes Beispiel die Stadt Gmünd im           träge in die regionale Wirtschaft vergeben, gepaart
Waldviertel hernehmen, wo Mindereinnahmen aus             mit dem positiven Effekt der Arbeitsplatzsicherung.
den Ertragsanteilen von 478.300 Euro, aber auch           Aber auch, dass wir mit diesen Investitionen die
Mehrausgaben, im Speziellen im Bereich der Sozi-          bereits am Beginn angesprochene Lebensqualität
alabgaben, inklusive der Krankenhausfinanzierung,         in den Kommunen deutlich steigern können.
in der Höhe von 200.700 Euro zu verzeichnen sind.
Also in Summe gesehen ein Minus von 679.000                    Ebenso möchte ich unterstreichen die zweite
Euro. Ein Volumen, das die Gemeinde nicht beein-          von uns im Dringlichkeitsantrag angeführte Forde-
flussen kann.                                             rung, dass die angesprochene Erhöhung der Umla-
                                                          gen für das Kalenderjahr 2010 ausgesetzt werden
     Ebenso finanziell angespannt die Situation in        und diese in der Höhe des Kalenderjahres 2009
meiner Heimatgemeinde Schrems, wo Minderein-              vorerst eingefroren werden sollen. Und Ende 2010,
nahmen in der Höhe von 447.800 Euro gleichzeitig          so denken wir, eine neue Betrachtung der wirt-
Mehrausgaben im Bereich der Pflichtumlagen in             schaftlichen Rahmenbedingungen erfolgen soll.
einem Volumen von rund 210.200 Euro gegenüber             Denn dann wird es abschätzbar sein, ob sich die
stehen. Und zusätzlich wir in der Gemeinde                wirtschaftlichen Bedingungen auch für die Kommu-
Schrems auf Grund der massiv gestiegenen Ar-              nen, für die Gemeinden, verbessert haben.
beitslosenrate mit einem Volumen von rund
347.200 Euro bei den Kommunalsteuereinnahmen                   Als dritten und letzten Punkt unseres Antrages
zu rechnen haben.                                         denken wir, dass es sehr, sehr wesentlich und
                                                          wichtig ist, Richtlinien auszuarbeiten um eine ge-
    (Zweiter Präsident Nowohradsky übernimmt              rechte, eine transparente und vor allem eine nach-
den Vorsitz.)                                             vollziehbare Vergabe der Bedarfszuweisungen




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


ohne politische Vorgaben zu ermöglichen. Ja, so               Und wenn die SPÖ jetzt aus dem Schlaf er-
denke ich zum Schluss, dass es unser oberstes             wacht und sie es als dringlich ansieht, nämlich
gemeinsames Ziel sein soll, vor allem den Gemein-         deswegen, weil die Volkspartei in der Regierung
den die Vielfalt und vor allen den Gemeinden die          bereits ein entsprechendes Gemeindepaket be-
Leistungsfähigkeit für die Zukunft zu erhalten. Denn      schlossen hat, eingebracht hat, beschlossen hat,
jeder Bürger und jede Bürgerin soll sich in seiner        und sie jetzt scheinbar populistisch auch etwas tun
Gemeinde wohl und zuhause fühlen und jeder Bür-           müsste, dann ist das halt ein bisschen ein Nachhin-
ger und jede Bürgerin soll in seiner Heimatge-            ken, liebe Damen und Herren der Sozialdemokrati-
meinde auch für die Zukunft mit einem Mehr an             schen Partei. (Beifall bei der ÖVP.)
Lebensqualität rechnen können.
                                                                Noch deutlicher wird es ja, wenn man dem
     Denn die Gemeinde – und das, denke ich, ist          Herrn Abgeordneten Antoni zugehört hat, der jetzt
ganz besonders wichtig – die Gemeinde ist die             es so als tolle Maßnahme verkauft und dann auch
wichtigste und dem Bürger auch die nächste Ebene          noch richtigerweise sagt, dass viele Städten und
des Staates. Ich darf Sie ganz herzlich einladen,         Gemeinden der dünner besiedelten Regionen und
uns bei diesem Antrag die Unterstützung zu gewäh-         die ländlichen Gebiete, insbesondere des Wald-
ren. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall bei      viertels, Probleme haben. Da muss ich dich, Herr
der SPÖ.)                                                 Kollege, schon auch an deinen Vorgänger erinnern,
                                                          den Abgeordneten Haufek, der sich ganz stark
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort               damals für die Abschaffung der Landesumlage
gelangt Herr Abgeordneter Moser.                          eingesetzt hat. Vielleicht war es für uns ein Fehler,
                                                          damals mitzugehen bei dem Beschluss, man muss
   Abg.     Moser   (ÖVP):    Herr  Präsident!            das auch einmal deutlich sagen. Denn in Wahrheit
Geschätzte Damen und Herren des Hohen Hauses!             waren dadurch, mit dieser Abschaffung die schwä-
                                                          cheren, finanzschwächeren Gemeinden enorm
     Ich glaube, wir haben hier ein sehr wichtiges        benachteiligt. Das muss man ganz einfach sagen!
Thema und deswegen, weil es wichtig ist, haben            Ich habe es mir damals für den Bezirk Melk ausge-
wir auch der Dringlichkeit zugestimmt. Wie wohl der       rechnet. Wir haben 40 Gemeinden und davon ha-
Inhalt nicht dringend ist. Denn wenn die Zahlen           ben 30 einen echten Nachteil gehabt und 10 nicht.
richtig stimmen und ich mitgezählt habe, gibt’s ja        Und daher muss man ganz klar aufpassen, wenn
schon, ich weiß nicht, den 10. oder 12. Antrag in         die Sozialdemokraten Anträge stellen. Wir wollen
diese Richtung, oder jedenfalls sehr viele Anträge.       eine Politik, die nachhaltig ist und nicht einen kurz-
Jedes Mal 500 Millionen Euro, die von der SPÖ             fristigen Populismus machen! (Beifall bei der ÖVP.)
gestellt werden um rein plakativ unterwegs zu sein.
Ich erinnere mich ans Budget: 1,3 Milliarden Euro              Der zweite Punkt, der hier im Antrag auch ent-
Anträge zusätzlich, ganz einfach locker Geld aus-         halten ist, ist die Frage des Einfrierens der Umla-
geben um Populismus für die Partei zu betreiben,          gen. Ich habe letztens auch schon darüber gespro-
aber nicht ernsthaft Probleme der Menschheit zu           chen, es hat besonders fleißige Gemeinden gege-
lösen. Da können wir nicht mitgehen. (Beifall bei         ben, die gemeint haben, nicht nur einfrieren, son-
der ÖVP. – Unruhe bei der SPÖ.)                           dern gleich total abschaffen, diese Umlagen. Das
                                                          Einfrieren alleine zeigt ja auch ganz deutlich, dass
     Die Situation ist aber doch eine sehr ernsthafte     die Landespolitiker der Sozialdemokraten zwar auf
in den Gemeinden. Und wir wissen das ganz ge-             der einen Seite sagen, wir helfen den Gemeinden,
nau.                                                      aber andererseits nichts vorschlagen, wie das Land
                                                          das bedecken soll. Das heißt, mit einem derartigen
     Ich darf da durchaus dem Herrn Abgeordneten          Vorschlag, Einfrieren der Umlagen, macht ihr nichts
Sulzberger widersprechen wenn er meint, die Ge-           anderes als den Menschen, die es brauchen, in der
meinden sind sozusagen selber schuld. Wir müs-            Krankenhausfinanzierung und in der Sozialfinanzie-
sen schon ein bisschen die Struktur der Gemeinden         rung, in der Behindertenhilfe, das Geld wegzuneh-
betrachten, weil wir natürlich auch wissen, dass wir      men. Und das geht nicht! Wir brauchen hier eine
völlig unterschiedlich einerseits bevölkerungsposi-       Bedeckung. Und das muss verantwortungsvoll sein!
tive Entwicklungsgemeinden haben, durchaus aber           (Beifall bei der ÖVP. – Unruhe bei der SPÖ.)
auch sehr viele Regionen haben, wo die Bevölke-
rung rückläufig ist. (Unruhe im Hohen Hause.)                 Dritter Punkt: Jetzt geht’s um die so genannte
Man muss das einmal deutlich sagen, wie wichtig           gerechte Verteilung der Bedarfszuweisungsmittel.
das Thema der Gemeindefinanzierung auch ist,              Es hört sich immer schön an. Es ist sehr schön
und es ist uns sehr wichtig.                              wenn man sagt, es ist ungerecht. Was ist es denn?




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Die Fakten sprechen etwas Deutliches. Und man               die Gemeinden immer unterstützt. Und wir wissen
muss vielleicht noch eines hier sagen: Natürlich ist        seitens des Landes sehr wohl, dass der Erfolg des
es so, dass ein unterschiedlicher Anteil der Eigenfi-       Landes nur an erfolgreichen Gemeinden hängt.
nanzierung der Gemeinden gegeben ist, weil wir in           Und wir haben immer schon, nicht nur vor den
wirtschaftlich starken Regionen natürlich durch ein         Wahlen, davon gesprochen, sondern es jahrelang
höheres eigenes Steueraufkommen einen höheren               praktiziert. Das Land hat die Krankenanstalten
Eigenfinanzierungsgrad haben. Wenn ich die Ge-              übernommen, den Gemeinden geholfen. Die Kin-
samtzahlen des Abschlusses 2008 betrachte, dann             dergartenoffensive, die Finanzierung des Wasser-
ist es doch so, dass wir etwa 370 Millionen Euro            wirtschaftsfonds und vieles mehr.
Kommunalsteuer hatten und Ertragsanteile auf der
Bundesseite von 1,15 Milliarden Euro. Das heißt,                  Der nächste Punkt ist durchaus die Über-
etwa ein Drittel Eigenfinanzierung der Gemeinden.           nahme der Krankenanstalten, die für uns wichtig
                                                            waren. Bis hin zum Finanzausgleich. Ich danke
     Wir wissen aber auch, dass wir sehr viele Ge-          auch dem Österreichischen Gemeindebund, dem
meinden haben, deren Eigenfinanzierungsgrad bei             Finanzchef des Gemeindebundes, Alfred Riedl. Es
20 Prozent, bei 10 Prozent und auch darunter liegt.         wurde hier sehr klug verhandelt um vor allem den
Das heißt, die Abhängigkeit von den so genannten            kleineren Gemeinden zu helfen. Dennoch wird ei-
gemeinschaftlichen Bundesabgaben und den Er-                nes wichtig sein, trotz des Maßnahmenpaketes,
tragsanteilen ist natürlich bei diesen Gemeinden            das natürlich jetzt einmal als erste Maßnahme sei-
umso größer. Bei den anderen ist das Risiko größer          tens des Landes Niederösterreich zur Hilfe vorge-
wenn die Eigenfinanzierung - Kommunalsteuer –               legt wird, nämlich zunächst einmal Beratung, das
ausfällt, wenn es bei Betrieben Probleme gibt. Das          ist ja angesprochen worden, ist ganz, ganz wichtig.
ist schon richtig.                                          Wir werden uns natürlich auch die Ergebnisse des
                                                            Haushaltsjahres 2009 genau anschauen müssen
     Aber wenn jetzt diese Gemeinden ein Plus der           wo Hilfe notwendig ist. Die Struktur der jeweiligen
Bevölkerung von 3,5 Prozent haben, dann liegen              Gemeinde. Es ist wichtig, dass die Finanzsonder-
sie im Durchschnitt. Und nur, dann haben sie ledig-         aktion hier auch für den ordentlichen Haushalt
lich ein Einnahmensminus von 10 Prozent aus die-            möglich wird. Und es ist natürlich auch ganz ent-
sen Ertragsanteilen. Was bei 90 Prozent Finanzie-           scheidend, dass hier zusätzliche Bedarfszuwei-
rungsanteil der Gemeinde eine sehr hohe Summe               sungsmittel mehr und zusätzlich für die Gemeinden
ausmacht. Wenn jetzt aber, und das trifft vor allem         seitens des Landes zur Verfügung gestellt werden.
den ländlichen Raum, der nicht über 3,5 Prozent
Einwohnerplus verfügt, sondern Gleichstand oder                  Jetzt weiß ich schon, dass das ein erstes wir-
vielleicht ein Minus hat, dann ist natürlich diese          kungsvolles Paket ist. Wir wissen aber auch, dass
Betroffenheit durch die geringere Einnahmens-               damit nachhaltig noch nicht alles gelöst ist. Über-
möglichkeit noch viel, viel größer. Und auch das,           haupt kein Thema. Die Frau Kollegin Dr. Krismer-
glaube ich, müssen wir einmal deutlich berücksich-          Huber hat das sehr deutlich angesprochen. Viel-
tigen.                                                      leicht hat sie es aus der „NÖ Gemeinde“ nachgele-
                                                            sen, das mag schon sein, aber die Ausführungen
    Und wenn ich nun einen Vergleich, den ich mir           waren grundsätzlich richtig. Wir werden uns natür-
herausgesucht habe, zwischen SPÖ- und ÖVP-                  lich darüber verstehen müssen, wie wir nachhaltig
Gemeinden ziehe, dann ist es doch so, dass in der           eine Balance schaffen zwischen den Ballungsräu-
Gesamtfinanzierung der Durchschnitt der ÖVP-                men und dem ländlichen Raum. Dass die ländli-
Gemeinden pro Kopf 970 Euro zur Verfügung hat               chen Gebiete, dort, wo es grundsätzlich dünner
und der der SPÖ-Gemeinden 1.143 Euro. Das                   wird, auch mithalten können einigermaßen in der
heißt, um 170 Euro mehr.                                    Entwicklung des Landes. Hier sind wir in Österreich
                                                            gegenüber vielen anderen Staaten in Europa noch
    Hat unterschiedliche Gründe. Das muss man               sehr gut unterwegs, diese Balance zu halten. Ha-
schon fachlich dazu sagen. Überhaupt kein Thema.            ben aber sicherlich alle Hände voll zu tun, auch
Aber hier von Ungerechtigkeit zu reden, dass SPÖ-           weitere Maßnahmen zu setzen, um vor allem die
Gemeinden benachteiligt werden, das ist ein Hum-            finanzschwächeren Gemeinden und den ländlichen
bug und ist schlichtweg nicht richtig! (Beifall bei der     Raum auch entsprechend zu erhalten.
ÖVP. – Unruhe bei der SPÖ.)
                                                                 Hier wird es notwendig sein, gemeinsam auch
     Und dann gibt’s noch eine Formulierung hier            zukunftsorientierte Lösungen anzudenken, vernünf-
drinnen, wo es etwa heißt, dass das nähere Zu-              tig miteinander die Dinge abzuklären und zukunfts-
sammenrücken zwischen Gemeinden und Land                    orientiert zu entscheiden. Wir wollen daher nicht,
notwendig ist. Ich darf Ihnen sagen, das Land hat           dass sozusagen ein symbolischer Antrag, der nur




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


vor den Gemeinderatswahlen parteipolitisch orien-         der gleichen mehr. Es war wirklich in den Medien
tiert ist, jetzt … (Unruhe bei der SPÖ.)                  ein großes negatives Echo für das Landesklinikum
… und ein bisschen der Gießkanne gleich kommt,            in St. Pölten. (Abg. Mag. Schneeberger: Ich glaube,
und dadurch ins Leben gerufen wurde, weil von der         in St. Pölten war das noch nie der Fall!)
Volkspartei ein klares Paket für die Gemeinden
vorgelegt wird … Wir werden daher diesem Antrag                Und wenn die kaufmännische Leitung dann
nicht zustimmen. Wir sind für nachhaltige und wir-        doch nicht zugestimmt hat, dann wurde das prak-
kungsvolle Lösungen für die Gemeinden und des             tisch als fragwürdig hingestellt und dergleichen
ländlichen Raumes! (Beifall bei der ÖVP.)                 mehr. Und noch mehr betrübt war ich damals auch
                                                          schon darüber, dass das Büro von Landeshaupt-
     Zweiter Präsident Nowohradsky: Die Red-              mannstellvertreter Sobotka mit involviert ist und der
nerliste ist erschöpft. Der Berichterstatter hat das      Zentralbetriebsrat auch. Das ist ja ganz was Tolles!
Schlusswort.
                                                               Das ist einmal die Vorgeschichte. Worum geht
     Berichterstatter Abg. Dworak (SPÖ): Ich ver-         es? Wir haben dann, meine Kollegin Heidemaria
zichte!                                                   Onodi und ich am 25. November 2009 eine schrift-
                                                          liche Anfrage an beide Herren gerichtet. An den
     Zweiter Präsident Nowohradsky: Er ver-               Herrn Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und an
zichtet. Wir kommen zur Abstimmung. (Nach Ab-             Herrn      Landeshauptmannstellvertreter    Mag.
stimmung über den vorliegenden Antrag, dem die            Wolfgang Sobotka. Und haben ein Konvolut von 12
Dringlichkeit zuerkannt wurde:) Ich stelle fest, dass     Fragen gestellt. Und wenn ich mir das so an-
dieser Antrag mit den Stimmen der SPÖ nicht die           schaue, wie die Anfragebeantwortungen jetzt ge-
Mehrheit hat und daher als abgelehnt gilt.                kommen sind von beiden Herren, und ich habe mir
                                                          wirklich die Mühe gemacht und liste das jetzt ein
     Wir kommen nun zur Verhandlung der Anfra-            bisschen auf, weil das muss man sich echt auf der
gebeantwortung durch Landeshauptmann Dr. Pröll            Zunge zergehen lassen, meine Herrschaften, was
zu Ltg. 431/A-4/130 und Landeshauptmannstell-             da von den obersten Führern unseres Landes zum
vertreter Mag. Sobotka zu Ltg. 432/A-4/104 betref-        Besten gegeben wird. Das ist ein Wahnsinn!
fend Interventions- und Mobbingskandal im Lan-
desklinikum St. Pölten. Ich eröffne die Debatte. Zu             Beim Punkt 1 zum Beispiel - ich bringe nur ein
Wort gelangt Herr Abgeordneter Kernstock.                 paar Beispiele: Ist es im Rahmen von Personalbe-
                                                          setzungen in den NÖ Landeskrankenhäusern bzw.
    Abg. Kernstock (SPÖ): Sehr geehrte Herren             NÖ Landesklinikenholding üblich, dass nicht dem
Präsidenten! Liebe Kolleginnen und Kollegen!              Wirkungskreis des Personalmanagements Ange-
                                                          stellte bzw. dafür Personen mit Personalentschei-
    Eigentlich stimmt es mich betrüblich, dass ich        dungen befasst werden? Antwort von Herrn Lan-
heute hier stehen muss zu dieser Stunde um über           deshauptmann Pröll: Nein. (Abg. Mag. Schnee-
Anfragebeantwortungen hier zu sprechen.                   berger: Na stimmt ja auch! Hätte er ja schreiben
                                                          sollen?)
     Es stimmt mich wirklich betrüblich, weil es bür-     Sobotka: Nein.
gert sich immer mehr ein, dass Anfragebeantwor-
tungen fast bis gar nicht erfolgen. Und wenn man              Ist es üblich bzw. kommt es regelmäßig vor,
sich das genau anschaut, dann werden Sie mir              dass politische Mandatare der ÖVP sich mit Perso-
sicherlich Recht geben.                                   nal- und Besetzungswünschen an den Landes-
                                                          krankenhäusern an die Landeskliniken-Holding
      Worum geht’s eigentlich? Ich erinnere an die        wenden? Pröll: Keine Zuständigkeit. Sobotka: Per-
Landtagssitzung vom 1. Oktober 2009. Ich habe             sonalwünsche werden täglich entgegen genom-
damals hier von dieser Stelle aus aufgezeigt, dass        men. Okay.
hier sehr, sehr betrübliche, negative Schlagzeilen in
den Medien waren hinsichtlich der Personalpolitik             Ist es üblich, dass das Büro von Landes-
im Klinikum St. Pölten. Ich habe damals auch ge-          hauptmannstellvertreter Wolfgang Sobotka bei
sagt, dass sich ÖVP-Gemeinderäte in der Gemein-           Personalentscheidungen in Landeskrankenanstal-
destube St. Pölten erdreisten, der kaufmännischen         ten eingebunden wird und wenn ja, in welchem
Geschäftsführung im Landesklinikum gewisse Vor-           Umfang und zu welchem Zweck? Pröll: Nein.
schläge zu machen, wer welche Posten kriegen              Sobotka: Nein.
soll. (Abg. Mag. Schneeberger: Das ist ein Wahn-
sinn!)                                                       Ist es üblich, dass politische Mandatare der
Ja, wirklich ein Wahnsinn! Verunglimpfungen und           ÖVP außerhalb der Landesverwaltung bei Perso-




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


nalentscheidungen in Landeskliniken eingebunden            bei der ÖVP und SPÖ.) Nein, ich komme ins Detail.
sind? Wenn ja, in welchem Umfang und zu wel-               (Abg. Onodi: Ihr habt euch genauso beklagt!)
chem Zweck? Pröll: Nein. Sobotka: Nein.
                                                                … und man fragt den Herrn Landeshauptmann
     Wissen die betroffenen Mitarbeiterinnen und           in einer … Das ist ein Skandal. Würde ich jetzt kurz
Mitarbeiter bzw. auch die für Personalentscheidun-         ersuchen, wir haben jetzt jedes Mal bei einer
gen, Personalmanagement verantwortlichen Mitar-            Landtagssitzung, ab 21.00 Uhr geht die Gaudi los.
beiterinnen der Landeskliniken-Holding jedenfalls          Aber jetzt beruhigen wir uns wieder ein bisschen,
von dieser Einbindung? Pröll: Nein. Sobotka: Nein.         bitte. Genau! Das ist nämlich ein ausgebackener
(Abg. Mag. Schneeberger: Du willst, dass der Pröll         Skandal. Bin ich voll bei Ihnen.
ja sagt und der Sobotka nein sagt? – Abg. Mag.
Riedl: Das war in St. Pölten anders!)                          So. Aber: Wenn ich den Herrn Landeshaupt-
Ich hör jetzt auf, weil das ist mir wirklich schon zu-     mann frage, wirklich in einem Skandal, ganz eine
wider.                                                     spezielle Angelegenheit, es sind sozusagen die
                                                           Unterlagen der Abgeordneten, sind in Ihren Hän-
    Punkt 6 bis 12, ebenfalls solche Punkte. Immer         den, wie es so schön heißt bei uns. Und ich frage
wieder, beide Herren haben keine Ahnung was in             dann den Landeshauptmann, ob das üblich ist. Da
der personalpolitischen Hinsicht in den Landes-            muss er ausweichen. Da muss er auf jeden Fall
krankenhäusern, speziell jetzt in St. Pölten …             einmal nein sagen. Das heißt, das ist für mich eine
                                                           ganz interessante Anfragebeantwortung, sowohl
     Ich frage mich nur, es heißt ja immer, dass der       vom Landeshauptmannstellvertreter Sobotka als
Herr Landeshauptmann der Personalchef ist von              auch vom Herrn Landeshauptmann. Weil oft tun sie
allen Bediensteten, den 33.000, die wir in Nieder-         ja antworten, sie sagen nur nichts. Es steht halt
österreich haben. (Abg. Mag. Schneeberger: Der             dann nur nein da.
kennt sogar dich!)
                                                               Aber eines, und da hört jetzt für mich auch der
Das freut mich ja, dass er mich kennt. Es freut mich
                                                           Spaß auf, ist, und das hat der Kollege Kernstock
wirklich, dass er mich kennt. Aber ist das notwen-
                                                           beim Abgang völlig richtig auf den Punkt gebracht,
dig, so eine Anfragebeantwortung zu machen?
                                                           eines geht nicht, und das finde ich eigentlich auch
„Fällt nicht in meinen Zuständigkeitsbereich“ und
                                                           einen kleinen Skandal innerhalb der ÖVP-Regie-
beantwortet jede Frage nur mit „nein“.
                                                           rungsmitglieder: Es ist ganz klar der Herr Landes-
                                                           hauptmann für Personalentscheidungen zuständig.
     Also daher muss ich sagen, deswegen stimmt
es mich … Jetzt komm ich nochmals auf des Pu-                  Man kann einen Abgeordneten diesen Hohen
dels Kern: Ich bin wirklich betrübt darüber, dass der      Hauses da nicht die Antwort, wo es ganz klar in der
Parlamentarismus mit Füßen getreten wird. Und ich          Personalangelegenheit – das ist nämlich der Punkt
muss ganz offen und ehrlich sagen, diese Anfrage-          2 – geht um Personal- und Besetzungswünsche,
beantwortung werden wir absolut nicht akzeptieren!         also in einem normalen Spiel kann das natürlich an
(Beifall bei der SPÖ.)                                     den Herrn Landeshauptmann herangetragen wer-
                                                           den. Und der Herr Landeshauptmann lässt dann
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                 antworten: Die Angelegenheiten der Landeskliniken
gelangt Frau Abgeordnete Dr. Krismer-Huber.                und der Landesklinikenholding fallen nicht in mei-
                                                           nen Zuständigkeitsbereich als Mitglied der NÖ Lan-
     Abg. Dr. Krismer-Huber (Grüne): Sehr ge-              desregierung. Das ist nicht mehr ausweichen, nein,
ehrter Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und          das ist, da wird es unkorrekt. Es wird ganz gezielt
Kollegen!                                                  auf Personalpolitik … (Abg. Mag. Schneeberger:
                                                           Das stimmt!)
     Ich bin nicht betrübt. Derartige parlamentari-
sche Anfragebeantwortungen sind parlamentari-                   Ich lese es Ihnen vor: Ist es üblich, also das ist
sche Wirklichkeit in Niederösterreich. Ja, da ist man      jetzt wieder das ungeschickt Gefragte, dass politi-
vielleicht doch als Grüne ein bisschen geübter in          sche Mandatare der ÖVP sich mit Personal- oder
der Opposition. Ohne jetzt zu sagen ich kann alles         Besetzungswünschen an die NÖ Landeskranken-
gut. Also wer das parlamentarische Spiel kennt             häuser bzw. an die Landeskliniken-Holding wen-
weiß, es hängt die Beantwortung auch davon ab,             den. Ja? (Abg. Dr. Michalitsch: Das ist aber richtig
wie gut man die Fragen stellt. (Beifall und Heiterkeit     beantwortet!)
bei der ÖVP.)                                              Dann sagt er …, da müsste er eigentlich in die
                                                           Tiefe gehen und sagen, hallo, das ist ausschließlich
     Und wenn ich an den Herrn Landeshauptmann             meine Angelegenheit. Ja? Das ist der eine Punkt.
in einer speziellen Angelegenheit frage … (Unruhe          Das gefällt mir nicht, das ist nicht notwendig!




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


     Und dann, bei der Anfragebeantwortung vom              Antworten konzentrieren, sage ich einmal, da geht’s
Herrn Landeshauptmann. Dann wird nämlich genau              sicherlich schneller heute hier als wie mit den An-
ab Punkt 6. gefragt, wie ist das jetzt? Ist das be-         fragen.
kannt gewesen mit dem Mailverkehr? Er ist der
Personalchef! Jetzt haben wir heute den NÖGUS-                   Zur Frage Nummer 1 nach der Einbindung von
und den Holding-Bericht gehabt. Ich weiß, ich hab           nicht befassten Personen in Personalentscheidun-
es jetzt nicht im Kopf, Klaus, wie viel Hunderttau-         gen am Landesklinikum St. Pölten verneinten so-
sende sind in die IT-Ausstattung hineingegangen?            wohl Landeshauptmann Pröll als auch sein Stell-
(Abg. Mag. Schneeberger: Da muss ich eine An-               vertreter die Möglichkeit solcher. Wir fragen uns
frage stellen!)                                             nun schon, wie es dann dazu kommen konnte,
Ja, mach das. Ich stell’ sie gleich mit dir, dann be-       dass der Vertrag mit der kaufmännischen Direktorin
kommen wir vielleicht einmal eine gescheite Ant-            nicht mehr verlängert wurde. Wir hätten gerne Aus-
wort. Aber dann die so zu beantworten, bei einer            kunft darüber, was sich diese kompetente Landes-
wirklich guten IT, die wir haben - ich gehe davon           bedienstete ansonsten zu Schulden hat kommen
aus -, mit Menschen, die sich mit diesen Geräten            lassen.
auskennen, die Antwort zu geben, der erwähnte
Mailverkehr … im Original: „… welche für eine Be-                Oder zur Frage 2: Besetzungswünsche werden
urteilung des Sachverhaltes notwendig wäre, kann            … (Unruhe im Hohen Hause.)
auf Grund der verstrichenen Zeitspanne technisch            Nein, das ist Frage 2. Besetzungswünsche werden
nicht mehr rekonstruiert werden.“ Ich sage Ihnen,           laut Landeshauptmannstellvertreter Sobotka her-
ich krieg aus dem Gerät alles raus, wenn ich will!          angetragen. Es gibt jedoch keine Auskunft darüber,
                                                            wie und ob diese dann auch berücksichtigt werden.
    Das heißt, hier wird der Skandal nicht zur              Und wenn ja, wäre es interessant zu wissen, ob
Kenntnis genommen. Und das ist für mich der                 dies vorrangig Wünsche von ÖVP-Mandataren
Skandal! Zwei Abgeordnete haben diesen Mailver-             betrifft. Da gibt es andere Couleurs.
kehr in den Händen, wenden sich sozusagen so-
wohl an den Personalchef als auch den Chef von                  Zu den Fragen 3 bis 5: Sowohl Landeshaupt-
Holding und NÖGUS und bekommen überhaupt                    mann Pröll als auch sein Stellvertreter verneinen
keine Auskunft in einer Angelegenheit, die wir da           die von den Antragstellern gestellten Fragen. Und
schon ernst nehmen müssen.                                  dennoch drängt sich die Erkenntnis nahezu auf,
                                                            dass es doch Einflussnahmen gegeben hat. Die
     Wir können jetzt darüber reden im Proporz, ich         Optik ist jedenfalls schief. Verdiente Mitarbeiter
will gar nicht wissen, wie das vielleicht zuerst in St.     werden ausgebootet und niemand kann mit Klarheit
Pölten war. Mir ist das egal! Das Gleiche gilt, so wie      angeben warum.
es bei den Roten war, brauchen wir nicht im Land
und so wie es die ÖVP angeblich tut, können wir                  Abschließend zu den Fragen 6 bis 12. Mag.
auch im Land verzichten. Was zählen soll, ist die           Sobotka fühlt sich für diese Bereiche nicht zustän-
Qualifikation in erster Linie. Ich würde wirklich ersu-     dig. Und das, obgleich ihm die Agenden der Lan-
chen, es ist schade, dass die Mitglieder heute nicht        deskliniken obliegen. Landeshauptmann Pröll wie-
da sind, aber eine derartige Intervention zum Mob-          derum kann gar nicht nachvollziehen, worum es
bingskandal so zu beantworten, das geht in                  eigentlich dabei geht. Der Originalmailverkehr, wie
keinster Weise.                                             wir heute schon gehört haben, liegt nämlich nicht
                                                            mehr vor. Kann sich auch niemand vorstellen.
      Und, wie gesagt, Fragen stellen: Ich stolper’         Nona, verehrte Kollegen. Es ist doch ganz logisch,
auch immer drüber, dass ich die Antworten nicht             das Verfasser solcher Mails diese Details sofort
krieg, weil ich mir denke, ich habe sie falsch ge-          wieder löschen, sobald so etwas ruchbar wird.
stellt. Danke! (Beifall bei den Grünen.)
                                                                 Unser Landeshauptmann und sein Stellvertre-
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zum Wort                 ter möchten sich anscheinend aus der Verantwor-
gelangt Herr Abgeordneter Tauchner.                         tung stehlen. Das kann so nicht hingenommen
                                                            werden, meine sehr geehrten Damen und Herren.
    Abg. Tauchner (FPÖ): Sehr geehrter Herr                 Wir von der FPÖ Niederösterreich fordern daher
Präsident! Hoher Landtag!                                   ganz klar, es muss eine restlose Aufklärung dieser
                                                            unappetitlichen Angelegenheit geben. Außerdem
    Noch einige kurze Bemerkungen zur Anfrage               sollten Mechanismen geschaffen werden, um in
der Abgeordneten Onodi und Kernstock in dieser              Zukunft derartige Fälle gar nicht erst wieder zu
Angelegenheit. Ich möchte mich auch eher auf die            ermöglichen.




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Landtag von Niederösterreich         Tagung 2009/10 der XVII. Periode         21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


    Abschließend möchte ich aber trotzdem noch             Gottseidank hat das Land Niederösterreich diese
dazu sagen, eventuell, es hat auch schon andere            Häuser übernommen. Damit geht was weiter. Und
Bereiche gegeben, wo die Landeskliniken oder               im Fall St. Pölten gilt das ganz besonders. (Beifall
andere solche Dinge anders eingefärbt waren. Und           bei der ÖVP.)
dann sind diese Angelegenheiten in die andere
Richtung gelaufen. Also das möchte ich noch dazu                Und der Kollegin Krismer-Huber muss ich das
bemerken. (Beifall bei der FPÖ.)                           auch noch sagen: Wenn ich an den Herrn Landes-
                                                           hauptmann die Frage stelle: Ist es üblich und
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                 kommt es vor, dass Mandatare mit Personal- und
gelangt Herr Abgeordneter Dr. Michalitsch.                 Besetzungswünschen sich an die NÖ Landeskran-
                                                           kenhäuser und an die Holding wenden, wenn man
    Abg. Dr. Michalitsch (ÖVP): Sehr geehrter              so eine Frage stellt, was soll der Herr Landes-
Herr Präsident! Hoher Landtag!                             hauptmann antworten? Das ist ganz klar. Die Dinge
                                                           sind daher für uns klar und nachvollziehbar beant-
     Ich möchte zunächst zwei Vorbemerkungen               wortet. Die ganze Anfrage ist für mich persönlich
machen. Ich glaube, niemand kann einem Manda-              ein Akt der Scheinheiligkeit. Aber die Antwort ist
tar, auf welcher Ebene auch immer, verbieten, dass         klar und wir nehmen sie natürlich zur Kenntnis. Ich
er sich für irgendeinen Menschen einsetzt und              stelle diesen Antrag. (Beifall bei der ÖVP.)
Wünsche, die an ihn herangetragen werden, weiter
gibt. Ich glaube, jeder wäre ein schlechter Manda-             Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
tar, der da zuhört und dann nichts tut. (Beifall bei       gelangt Frau Abgeordnete Onodi.
der ÖVP.)
                                                               Abg. Onodi (SPÖ): Werte Herren Präsidenten!
     Die zweite Vorbemerkung, die ich machen               Sehr geehrte Damen und Herren!
möchte, ist, es kann auch niemand von Landes-
hauptmannstellvertreter Sobotka verlangen, dass er              Hier geht es um ein Dokument, um einen E-
irgendeine Form der Abwehr findet. Irgendwelche            mail-Verkehr, wo Menschen denunziert werden.
Mail, die er von irgendwelcher Seite kriegt, gegen         Und wenn man diese Diskussion jetzt sozusagen
die kann er sich einfach nicht wehren. Er wird die         verschmälert auf, wie stellt man Fragen, so muss
Mails kriegen und er wird wissen, was er hier ent-         ich sagen, bin ich enttäuscht aber auch entsetzt.
sprechend zu tun hat.                                      Weil um das geht’s überhaupt nicht! Weil es geht
                                                           eigentlich um dieses E-mail, wie Menschen klassifi-
     Ich hätte aber, liebe Kollegin Onodi, an dich als     ziert werden, wie sie dargestellt werden. Und dazu
langjährige politische Mandatarin eine Frage: Du           kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass ich so
warst Mandatarin wie das nunmehrige Landesklini-           was noch nie geschrieben habe! (Beifall bei der
kum Krankenhaus der Landeshauptstadt St. Pölten            SPÖ.)
war und du bist Mandatarin jetzt. Kannst du aus-
schließen, dass du je irgendeinen Menschen, der in              Und wenn jetzt ein ÖVP-Gemeinderat von St.
einem Gesundheitsberuf arbeiten wollte, in irgend-         Pölten schreibt an die Frau Direktor, aus meiner
einer Art und Weise an einen Entscheidungsträger           Sicht ist es eine äußerst fragwürdige Entscheidung
herangetragen hast? Dann stell’ dich hier her und          und wieder ein Zeichen an die r… Nelken, Herr
sag das! (Beifall bei der ÖVP.)                            Minibauer den Vorarbeiterposten in der E-Werk-
                                                           stätte zuzuteilen. Er ist ein Teil aus dem Strobl-Clan
      Und meine zweite Frage geht an den Kollegen          und es ist kein gutes Zeichen, vor dieser Wahl die-
Kernstock, der ja der Gesundheitssprecher ist der          ses Signal zu setzen und ich kann und will dabei
SPÖ hier. Willst du wirklich, dass man dir unter-          die Arbeitsleistung nicht beurteilen, aber gehört zur
stellt, dass du nie irgendeinen Berufswunsch, den          Heinzl-Fördergruppe. So muss ich sagen, das hat
dir irgendein Mensch anvertraut hat, an irgendeinen        doch mit politischer Intervention nichts mehr zu tun!
kompetenten Menschen weiter geleitet hast? Willst
du, dass man dir das unterstellt? (Beifall bei der             Politische     Intervention,  lieber    Kollege
ÖVP.)                                                      Michalitsch, natürlich kommen die Leute zu uns.
                                                           Kommen ja auch jetzt Lehrlinge, die suchen, und
    Ich geh davon aus, dass unsere Landesklini-            natürlich spricht man mit ihnen. Aber so ein E-mail
ken hervorragend geführt sind. Dass hier wirklich          zu schreiben und das sozusagen an die kaufmän-
die Dinge vorwärts gebracht wurden. Dass die Bür-          nische Direktorin, an das Büro Sobotka und an die
ger und die Konsumenten und die Patienten uns              Personalvertretung, also das, muss ich schon sa-
ein gutes Zeugnis ausstellen. Und wenn du mit              gen, ist wirklich eine Denunzierung der Leute und
wem auch immer redest, dann sagen die Leute,               eine Klassifizierung, die so nicht in Ordnung ist!




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Landtag von Niederösterreich        Tagung 2009/10 der XVII. Periode        21. Sitzung vom 21. Jänner 2010


Und um das geht’s eigentlich. Und das ist der             jemanden sind und weil sie wen kennen, das kann
wahre Skandal!                                            nicht die rechte Sache sein! Und vor allem nicht in
                                                          unserem Bundesland Niederösterreich. Ganz ein-
     Und wenn man dann kleinlich herumdiskutiert,         deutig! (Beifall bei der SPÖ.)
wie welche Fragen sind und wie es vorher war und
so weiter, so kann ich wirklich sagen: So einen               Zweiter Präsident Nowohradsky: Es liegen
Brief hat es von meiner Seite noch nie gegeben!           keine weiteren Wortmeldungen vor. Die Debatte ist
Und er ist auch nicht so herumgeschickt worden,           damit beendet.
dass aufliegt, wie die Leute, wo sie sind. Eine Be-
dienerin, weil sie vorher Bedienerin war und jetzt im
Büro ist, was ist das für ein Zustand? So wird das             Herr Abgeordneter Dr. Michalitsch hat den An-
                                                          trag gestellt, die Anfragebeantwortung zur Kenntnis
also da dargestellt! Oder, beide Stroblkinder trotz
                                                          zu nehmen. (Nach Abstimmung über diesen An-
mehrmaliger Ermahnung wegen Fernbleibens am
                                                          trag:) Mit den Stimmen der ÖVP wird dieser Bericht
Montag ... So geht das in einem weiter.
                                                          zur Kenntnis genommen, diese Anfragebeantwor-
     Also, liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem         tung.
Landtag, ich glaube, da können Sie mir Recht ge-
ben: Politische Interventionen, wenn die Leute zu              Somit ist die Tagesordnung dieser Sitzung er-
uns kommen, dafür sind wir auch Politiker. Ist über-      ledigt. Die nächste Sitzung wird im schriftlichen
haupt keine Frage. Aber so über Menschen zu               Wege bekannt gegeben. Die Sitzung ist geschlos-
urteilen und sie so, nur weil sie in der Nähe von         sen. (Ende der Sitzung um 21.35 Uhr.)




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