Milieu/ Klassen/ Schichten/ Individualisierungstheorie:

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Milieu/ Klassen/ Schichten/ Individualisierungstheorie: Powered By Docstoc
					           Milieu-/ Klassen-/ Schichten-/ Individualisierungstheorie:
In dem folgendem Text kann man sich einen Überblick darüber verschaffen, was Klassen/
Schichten und Milieus in unserem heutigen Leben für eine Rolle spielen. Danach werde ich
auf die Individualisierungstheorie eingehen, die unser Leben weitestgehend bestimmt.

Den Begriff Klassengesellschaft hat hauptsächlich Mitte des vorigen Jahrhunderts Karl Marx
geprägt. Er teilte die Bevölkerung in verschiedene Gruppen ein z.B. in Stellung zu den
Produktionsmitteln, ähnliche Besitz- oder Einkommensverhältnisse und Beruf oder
Qualifikationen.
Dabei bestand die Vorstellung darin, dass Menschen, die in ähnlichen Klassen- und
Soziallagen leben auch ähnliche Erfahrungen machen.
Daraus entstand der Begriff „Klassenbewusstsein“ und „Schichtmentalität“.
Man ging davon aus, dass Klassen bzw. Soziallagen das Denken, die Werte, die Interessen,
die Ideologien und die Verhaltensweisen beeinflussen.
Wichtig ist jedoch zu wissen, dass diese Annahmen nicht determiniert sind sondern typisch,
man kann also nicht immer davon ausgehen, dass Menschen, die in gleichen Klassen leben
auch die gleichen Vorstellungen haben, es gibt immer Ausnahmen.
Die Klassenanalyse richtet sich nach folgenden Kriterien: ökonomisch, Konflikt und
Machtorientierung (das bedeutet, die Analyse von Konflikten und Machtbeziehungen zwischen
den Klassen.), historische Orientierung (das bedeutet Klassen in ihrer historisch-
dynamischen Entwicklung zu erfassen) und zuletzt die theoretische Orientierung (das bedeutet
den Ursachen der Konflikte und Machtbeziehungen und ihren Entwicklungen im
Gesamtzusammenhang nach zu gehen).
Heute geht man davon aus, dass wir uns in einer „Einschmelzung der Klassengesellschaft“
befinden.
Die Schichtstruktur wird nicht homogener sondern zunehmend differenzierter, des weiteren
bleibt zwar der alte Mittelstand bestehen -in verkleinerter Form- er übernimmt jedoch neue
Funktionen im Wirtschaftprozess.
Ein weiterer Grund der Annahme, dass die Klassengesellschaft einschmilzt ist , dass der
Anteil der Lohnabhängigen zwar wächst, sich jedoch innerhalb der Gruppen (Klassen) neue
soziale Unterschiede herauskristallisieren.
Man spricht hierbei von einem Differenzierungsprozess.
Die vorher ausgeprägten Klassenkonflikte flauen ab und der z.T. nicht sozialistische
Mittelstand der Angestellten und Beamten taucht auf.
Es entstehen neue Linien der Differenzierung z.B. Stadt- Land- Unterschiede. Auch der
Interessengegensatz von Produzierenden und Gruppen außerhalb der materiellen Produktion
nimmt Anteil an der „Einschmelzung der Klassengesellschaft“ an.
Dieser Interessensgegensatz führt zu einer Umschichtung in der industriellen Gesellschaft,
dies deutet auch auf einen Abbau der Klassengesellschaft hin.

Der Begriff Schichten ist in den dreißiger Jahren entstanden, hauptsächlich geprägt durch
Theodor Geiger (1891- 1952).
Die Schichtanalyse kann sich genauso wie die Klassenanalyse mit ökonomischen Kriterien,
Konflikten zwischen den Schichten und Zusammenhänge von sozialen Schichtungen und
Machtstrukturen orientieren.
Die Schichtanalyse erfasst jedoch auch Veränderungen innerhalb der Schichten, man spricht
dabei von einer Umschichtung, und geht den Ursachen dieser Entwicklung nach.
Fortdauer oder Auflösung der Klassen und Schichten?

Die Pluralisierung und Individualisierung der Soziallagen und Lebensstile werden als
Symptome und Ergebnisse der Entstrukturierungsvorgänge angesehen.
Wir befinden uns somit in einer Entwicklung, die uns zu einer „Ungleichheit ohne
Schichtung“ führen würde.
Die Gründe zu dieser Annahme liegen in folgenden Punkten:

Vereinheitlichung der Lebensbedingungen
Differenzierung und Diversifizierung der Soziallagen, „horizontale“ bzw. neue
Ungleichheiten
Auflösung schichttypischer Subkulturen
Entschichtung der Lebenswelt
Pluralisierung der Konfliktlinien

Dies bedeutet im einzelnen, dass z.B. untere Schichten zunehmend mehr an den Privilegien
der mittleren und oberen Schicht teilnehmen ( Vereinheitlichung der Lebensbedingungen) des
weiteren, dass vertikale Schichtstrukturen durch quer verlaufende Differenzierungen gekreuzt
werden. Differenzierungen im Bereich Stadt und Land bzw. Teilnahme und Nichtteilnahme
an der materiellen Produktion. (Differenzierung und Diversifizierung der Soziallagen,
„horizontale“ bzw. neue Ungleichheiten).
Traditionelle klassen- und schichttypische Milieus mit entsprechender Mentalität, Einstellung
und Verhaltensweisen lösen sich zunehmend auf. Die Ursachen werden in der Tendenz zur
Homogenisierung und Diversifizierung der Lebensbedingungen gesucht. Auch der
sozioökonomische Wandel trägt dazu bei, dass eine Auflösung der Klassen und Schichten
stattfindet. Man spricht hierbei von einem Individualisierungsschub, der dazu führt, dass
menschliches Verhalten aus ihrer bisherigen Bindung gelöst werden und die
Handlungsspielräume des einzelnen erweitert werden (Auflösung schichttypischer
Subkulturen).
Klassen und Schichten verschwinden immer mehr aus unserem Bewusstsein, sie sind nicht
mehr Objekt unserer bewussten Identifikation. (Entschichtung der Lebenswelt).
Soziale und politische Konflikte werden immer seltener Konflikte zwischen den Schichten
und Klassen. Immer mehr jedoch bilden sich Gruppen heraus, die themenspezifisch
zusammen kommen, dabei spielt die Schicht oder Klasse aus der sie kommen keine Rolle
mehr. Dauerhafte Konflikte sind jetzt an anderen Grenzen zu erkennen so z.B. zwischen
Frauen und Männern, Nationalitäten und Altersgruppen.

Milieu
Ein soziales Milieu beschreibt die Gesamtheit der räumlichen, kulturellen und sozialen
Bedingungen, die ein Individuum prägen. Zu den sozialen Bedingungen gehören z.B. Normen
Gesetze sowie wirtschaftliche und politische Bedingungen.
Ich habe mir nun im Zusammenhang von Milieus das Sinus- Milieu näher untersucht, welches
wir auch damals mit Herrn Münker näher besprochen haben.

Das Sinus- Milieu -> Zielgruppenorientiertes Arbeiten bei Produktionsentwicklung,
Marketing und Kommunikation

   -   Man geht davon aus, dass sich nur derjenige in die Erwartungen und Vorstellungen
       des potentiellen Käufers hineinversetzen kann, der den Alltag kennt, aus dem sie
       erwachsen
   -   Der Mensch ist der Markt und bestimmt das Angebot, das bedeutet man muss von den
       Lebensstilen der Kunden ausgehen und sich daran orientieren
   -   Nur die ganzheitliche Betrachtung des Individuums führt zu realistischen
       Beschreibungen der Alltagswirklichkeit, zu Zielgruppen, die es wirklich gibt
   -   Die Sinus- Milieus fassen Menschen zusammen, die sic in Lebendauffassungen und
       Lebensweisen ähneln, d.h. ähnliche Wertprioritäten, soziale Lagen und Lebensstile
       haben
   -   Das Sinus- Modell berücksichtigt in erster Linie Dimension der Wertorientierungen,
       Lebensstile und ästhetischen Präferenzen, nimmt aber auch Bezug auf die Dimension
       der sozialen Lage
   -   Es ist kein starres System, vielmehr verändert es sich mit dem gesellschaftlichen
       Wandel, dem es in Modell- Updates immer wieder angepasst wird
   -   das Milieumodell erweist sich als leistungsfähiges, außerordentlich realistisches
       Instrument für die strategische Marketing- und Kommunikationsplanung, weil es die
       Alltagswirklichkeit sensibel genug abbildet und gleichzeitig einen im Zeitverlauf
       weitgehend stabilen Analyserahmen zur Beschreibung der sozialen Wirklichkeit liefert
       angepasst wird

Individualisierung nach Beck

           Freisetzung der Menschen aus den hergebrachten Lebensformen und
            Traditionen von Klaasen, Schichten, Geschlechtsrollen, Familien und
            dörflicher Gemeinde
           Anspruch auf ein eigens Leben setzt sich durch
           Es wird dem Menschen abverlangt sein eigenes Leben zu führen
           Individualisierung meint nicht die Befreiung des Einzelnen von den Fesselnd
            der Gesellschaft, sondern eine bestimmte, historische neue Form der
            Vergesellschaftung
           Individualisierung bezeichnet eine gesellschaftliche Zumutung einen
            paradoxen Zwang: „Du darfst und du kannst, ja du solltest und du musst eine
            eigenständige Existenz führen, jenseits der alten Bindung von Familie und
            Sippe, Herkunft und Stand“ (Beck 1994)
           Das eigene Leben ist jedoch kein eigenes Leben sondern ist durch Zwänge
            bestimmt: Arbeitzeiten, Schulzeiten, Verkehrsanbindungen,
            Einkaufsmöglichkeiten, Ausbildung, Arbeitsmarkt, Sozialstaat,
            Wirtschaftskrisen
           Eine individualisierte Gesellschaft lebt in einer Vielzahl von Kontrollen und
            Vorgaben
           Individualisierung ist zugleich der Zwang und die Möglichkeit ein eigens
            Leben zu führen- auf eigene Rechnung und unter nicht selbst gewählten
            Bedingungen.




Anmerkung: Es ist unter anderem auch hilfreich, wenn man sich nochmals das „Dahrendoff
Haus“ ansieht. Zufinden in den Papieren die uns damals Hr Münker gegeben hat. Leider hab
ich dazu keine passende Grafik gefunden.
Dort ist auch das umgebaute „Dahrendoff- Haus“, sowie das Sinus- Milieu zu finden.

				
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posted:10/3/2012
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