Gerd Roggenbrodt/Reinhard Samusch by k966Xd

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									Kommission zur Erarbeitung von Einheitlichen Prüfungsanforderungen in
der Abiturprüfung im Lande Niedersachsen in den Unterrichtsfächern
Betriebswirtschaft mit Rechnungswesen/ Controlling, Volkswirtschaft,
Informationsverarbeitung
Teilgruppe Volkswirtschaft


                   Thema „Globalisierung der Märkte“
                          Aufgabenstellung

Aufgabe 1

1.1 Nennen Sie wichtige historische Etappen bzw. Meilensteine in der
    Entwicklung des Handels und der Globalisierung der Märkte seit dem Ende
    des II. Weltkrieges bis heute!

1.2 Zeigen Sie zentrale Merkmale der Globalisierung anhand der Materialien in
    der Anlage 1 auf!

1.3.1 Strukturieren Sie die von Ihnen in 1.2 genannten sowie weitere relevante
     (auch nicht-ökonomische) Aspekte der Globalisierung in Form einer
     Mindmap! Gliedern Sie Ihre Mindmap bitte nur bis zur 2. Ebene!

1.3.2 In Aufgabe 1.3.1 sollen Sie ein Mind-Map erstellen.
      Reflektieren Sie die Eignung dieser Arbeitstechnik zur Darstellung
      volkswirtschaftlicher Wirkungszusammenhänge!

Aufgabe 2

2.1 Geben Sie anhand des Spiegel-Artikels (vgl. Anlage 2) wichtige Kritikpunkte
    am Prozess der Globalisierung wieder!

2.2 Viele Befürworter des Globalisierungsprozesses orientieren sich an der
    ordnungspolitischen Konzeption des Neo-Liberalismus.

     Erläutern Sie wesentliche Argumentationslinien dieses Konzepts!




                EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
Aufgabe 3

      Ein Vorschlag zur Regulierung der Finanzmärkte stellt die nach dem
      amerikanischen Nobelpreisträger genannte „Tobin-Steuer“ dar. Lesen Sie
      hierzu die Anlage 3!

3.1 Erläutern Sie auf der Grundlage der Anlage 3 den ursprünglichen Vorschlag
    Tobins einer Devisenumsatzsteuer!
    Prüfen Sie, inwiefern eine derartige Steuer marktkonform ist!

3.2   Der Vorschlag Tobins zur Besteuerung von Devisentransaktionen wird heute
      – vor dem Hintergrund der Diskussion über die Gestaltung des
      Globalisierungsprozesses - verstärkt unter dem Aspekt der Verwendung der
      Steuereinnahmen erörtert.

      Stellen Sie alternative Verwendungsmöglichkeiten einer solchen
      Devisenumsatzsteuer aus Sicht verschiedener Interessengruppen/Akteure
      gegenüber!

3.3 Erörtern Sie das Für und Wider der Einführung der „Tobin-Steuer“ und
    nehmen Sie abschließend zur Einführung einer solchen Transaktionssteuer
    Stellung!

Aufgabe 4

Der Globalisierungsprozess hat u. a. Auswirkungen auf unterschiedliche
gesellschaftliche Bereiche (vgl. hierzu die Anlagen 4 und 5!).

4.1    Arbeiten Sie die Hauptthese aus der Anlage 4 heraus, und setzen Sie diese
       in Beziehung zu der Aussage der Karikatur!

4.2    Nehmen Sie begründet zu der Hauptthese der Anlage 4 Stellung




                 EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
1. Bezug des Vorschlags zu dem Unterricht
Der Aufgabenvorschlag bezieht sich auf folgende Lerngebiete:
   1. Lerngebiet 3: Arbeitsmarkt – Strukturen und Entwicklung
   2. Lerngebiet 5: Finanzpolitik
   3. Lerngebiet 10: Internationale Wirtschaftsbeziehungen und
                     Währungspolitik
   4. Lerngebiet 11: Einfluss der Globalisierung auf Märkte und
                     nationale Wirtschaftspolitik

2. Schwerpunkt des Aufgabenvorschlags
Den Schwerpunkt des Aufgabenvorschlags bilden die Lern- und Handlungsziele
des 13. Jahrgangs, insbes. die des Lerngebietes „Einfluss der Globalisierung auf
Märkte und nationale Wirtschaftspolitik“.

3. Unterrichtliche Voraussetzungen
Folgende Inhalte werden vorausgesetzt:
   - Kenntnis über den Begriff Globalisierung sowie Ursachen und
      Erscheinungsformen des Globalisierungsprozesses
   - Grundkenntnis über die geschichtliche Entwicklung der internationalen
      Arbeitsteilung seit dem II. Weltkrieg bis heute
   - Fähigkeit, die Rolle, Bedeutung und Politik der internationalen
      Organisationen/Akteure zu beurteilen
   - Fähigkeit, die Positionen und Argumentationslinien der
      Globalisierungskritiker zu beurteilen
   - Kenntnis über Grundkonzeptionen der (internationalen) Wirtschaftspolitik
   - Fähigkeit, Ziele und Instrumente der Wirtschaftspolitik, insbes. fiskalischer
      Maßnahmen im Rahmen der Globalisierungsdiskussion zu beurteilen
   - Fähigkeit, Entwicklungstendenzen des Arbeitsmarktes unter
      Berücksichtigung diverser nationaler und globaler Einflussfaktoren
      begründet aufzuzeigen

Folgende Methoden und Arbeitstechniken werden vorausgesetzt:
   - Fertigkeit, Mindmaps regelgerecht zu erstellen
   - Fertigkeit, aus Textvorlagen die wichtigsten Aussagen mit eigenen Worten
      wiederzugeben
   - Fähigkeit und Fertigkeit, Wirkungszusammenhänge zwischen
      verschiedenen Parametern in einem Vernetzungsdiagramm abzubilden und
      zu erläutern
   - Fertigkeit, Karikaturen zu analysieren und zu interpretieren




                 EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
4. Bewertungsschema
   Einordnung der Teilaufgaben in die Anforderungsbereiche

Teilaufgabe        Anforderungsbereiche                 Rohpunkte
                  I         II        III

     1.1         10                                           10
     1.2          7             3                             10
     1.3                        10             5              15

     2.1          7             3                             10
     2.2                        10                            10

     3.1          5             10                            15
     3.2                        10                            10
     3.3                                      15              15

     4.1          5             5                             10
     4.2                                      10              10

  Summe          34             51            30             115




              EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
5. Erwartungshorizont
Aufgabe 1

zu 1.1
Es sollen Hauptentwicklungslinien der Entwicklung dargestellt werden:
     Das System von Bretton Woods, Gründung nach dem zweiten Weltkrieg,
        System gebundener Wechselkurse, Leitwährung, Ende in der ersten
        Hälfte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts
     Das GATT als Instrument zunehmender Liberalisierung des Welthandels,
        Uruguay-Runde, Ablösung durch WTO
     weltweite Dominanz des marktwirtschaftlichen Systems, Ende des
        „Sozialismus“, Mauerfall
     Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft (EWG, EG, EU-Binnenmarkt,
        Euro)

zu 1.2
Aus den Materialien sollen Trends erarbeitet werden, wie
     wachsende Bedeutung des internationalen Warenhandels
     relativ geringe Beteilung der „Entwicklungsländer“ und der
       osteuropäischen Reformländer am Welthandel
     Lösung des Kapitalverkehrs von realwirtschaftlichen Vorgängen
       (Bedeutung der Finanzmärkte)
     Beschleunigung, Auflösung von Zeit- Raumbeziehungen
     Zunahme der Fusionen
     hohe Beweglichkeit des Kapitals (Direktinvestitionen)
     Unternehmen als „internationale Netzwerke“, Synergieeffekte,
       Strategie des Shareholder-Value

zu 1.3.1
Muster für ein mögliches Mind-Map
                   Internationale Arbeitsteilung
                              Weltbinnenmarkt
                         Mobilität des Kapitals
                     Sinkende Transportkosten
                                                    Unternehmen                                  Informationstechnologische Vernetzung
                          Kurze Produktzyklen
                                 Megafusionen
                                                                            Kommunikation        Internet

                             Direktinvestitionen                                                 Logisitik

Transnationale Konzerne: Weltw eite Vernetzung


                                                                                                                        "G8"
                                                                                                                        Weltbank
                        Weltw eites Angebot                                                     Institutionen           IWF
                                    Migration                                                                           WTO
         Erhöhte Qualifikationsanforderungen       Arbeit                                                               NGO
                      Mobilität - Green Card                      Globalisierung
                         Standortkonkurrenz

                                                                                        Souveränitätsverlust des Nationalstaates
                                                                                        Annäherung des Lebensstandards
                                                                                        Verlust räumlicher/zeitlicher Distanz
                     Globale Umw eltprobleme                             Gesellschaft   Demographische Probleme
                     Ressourcenknappheiten         Umwelt                               Wissensgesellschaft
                                 Klimaw andel                                           Verunsicherung
                                                                                        Wertew andel



      zu 1.3.2
                          EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
         ► Eignung des Mind-Mapping zur Darstellung von Strukturen,
         Gliederungen
         ► Wirkungszusammenhänge lassen sich z.B. im Vernetzungsdiagramm
         besser darstellen
         ► Mischformen sind denkbar, wie ein Mind-Map, dessen (Haupt)äste durch
         Linien verbunden sind
    Aufgabe 2
    Zu 2.1
      ► Kritik an internationalen (Finanz)-Institutionen wie IWF, Weltbank, WTO
         und G 7
       Undemokratische Entscheidungen ohne Mitwirkung der Dritte-Welt-
         Länder
       Diktat des Kapitals, der transnationalen Konzerne und der USA (z. B.
         Veto im IWF aufgrund der Stimmenanteile)
       Auflagenpolitik des IWF und der Weltbank mit unsozialen Folgen für die
         Bevölkerung und zugunsten von transnationalen Konzernen

         ► Fehlende internationale soziale und arbeitsrechtliche Standards
          Ausbeutung von z. B. Kindern in Fabriken der Dritte-Welt-Staaten
          Globalisierungsverlierer sind die ärmeren Bevölkerungsschichten

         ► Rolle der transnationalen Konzerne
          Drohung mit Standortverlagerungen
          Ausnutzen von Steuerschlupflöchern
          Fehlende internationale gewerkschaftliche Gegenmacht

         ► Ungleiche Einkommens- und Vermögensverteilung zwischen reichen
           und ärmeren Ländern mit wachsender Tendenz; unfaire Verteilung der
           Wohlstandsgewinne

Zu 2.2

Grundlegende Elemente des Neo-Liberalismus sollen dargestellt werden, wie
   - Prinzipien/Ideen des Liberalismus
   - Vertrauen auf den Marktmechanismus, freie Allokation durch ungehinderte
      Marktkräfte
   - Prinzip des Freihandels, Freiheit des ungehinderten Waren-,
      Dienstleistungs- und Kapitalverkehrs, Marktöffnung
   - Entfaltung der Marktkräfte durch weitere Liberalisierung und Deregulierung
      der Märkte (z. B. Abbau von tarifären und nicht-tarifären
      Handelshemmnissen, Arbeitsmarkt usw.)
   - Umbau der sozialen Sicherungssysteme zu stärkerer Eigenverantwortung
      und Selbstvorsorge, Rückführung des Sozialstaats auf eine
      Grundsicherung
   - Freie Wechselkurse
   - Internationale Wettbewerbskontrolle




Zu 3.1
Die ursprüngliche Intention Tobins soll erläutert werden:
                  EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
 Besteuerung von Devisentransaktionen
 Eindämmung der kurzfristigen spekulativen Geldanlage ohne
  güterwirtschaftliche Grundlage
 Stabilisierung der Finanzmärkte, Milderung der Kursschwankungen

Eine Devisenumsatzsteuer entspricht eher den Kriterien der Marktkonformität als
Eingriffe durch gesetzliche Ver- und Gebote oder Zwangsmaßnahmen wie
Devisenbewirtschaftung u.ä. Der Marktmechanismus wird nicht aufgehoben, aber
in wirtschaftspolitisch erwünschter Weise korrigiert. Als Keynesianer ist Tobin kein
Gegner des marktwirtschaftlichen Systems.

Zu 3.2
Denkbare Varianten der Verwendung sind:
    Variante 1: Die (reichen) Industrieländer (G 7/ 8) behalten die Einnahmen
       überwiegend für sich mit der Begründung, dass ihre Finanzplätze finanziell
       geschädigt werden (durch die Einführung der Tobin-Steuer). Die Mittel
       werden für Industrieförderung und Subventionierung gebraucht; die
       Handelsvorteile der G 7(8)-Gruppe erhöhen sich weiter.

    Variante 2: Die Mittel der Tobin-Steuer werden für Entwicklungsprojekte,
     Umweltschutz, Entwicklung regenerativer Energien usw. vor allem in den
     sog. Entwicklungsländern verwandt, idealerweise durch Institutionen der
     UN, um ein „Versickern“ oder eine Zweckentfremdung der Mittel zu
     verhindern. Die Welt wird in diesem Szenario als globales Dorf gesehen,
     dass auch ein wachsendes Zusammengehörigkeitsgefühl vermittelt.

    Variante 3: Auf Grund des Zwangs zur Einigung und zur Überwindung der
     politischen Widerstände gegenüber Tobin-Steuer wird es zu einem
     Kompromiss kommen, der sowohl den Nationalstaaten als auch
     internationalen Institutionen Mittel aus der Tobin-Steuer zukommen lässt.

Zu 3.3
                   Pro                                           Contra
 sinnvolles Instrument zur                     Steuer führt zu Verzerrungen auf
  Eindämmung von Wechselkurs-                    dem Devisenmarkt
  schwankungen                                  Behinderung des internationalen
      o Vergrößerung des geld-                   Finanzverkehrs
          politischen Handlungs-                Fehlleitung von Kapital
          spielraums von Staaten                Ursachen vorheriger Krisen (z. B.
 Stabilisierung der nationalen                  Asienkrise) waren nicht
  Finanzmärkte                                   Devisenspekulationen, sondern
      o Vergrößerung der                         wirtschaftliche Fehlentwicklungen
          Wettbewerbsfähigkeit                  Kurzfristige Kapitalbewegungen
 Technische Realisierbarkeit ist                erfüllen auch wichtige nicht-
  gegeben                                        spekulative Funktionen, z. B.
 Fiskalische Lenkungswirkung möglich,           Finanzierung von Handelsgeschäften
  wenn Einführung an den wichtigsten             Ausgleich von Preisunterschieden
  Finanzplätzen der Welt gelingen               Spekulationen werden bei einem
  würde                                          marginalen Steuersatz von ca. 1 %
                                                 nicht ernsthaft behindert
                                                Einführung weltweit illusorisch, da
                                                 politisch nicht durchsetzbar, isolierte
                                                 Einführung führt aber zu Verlagerung
                                                 des Devisenhandels

                 EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“
Aufgabe 4

Zu 4.1

Die Karikatur zeigt den Zusammenhang zwischen Wachstum der (großen)
Unternehmen auf der einen Seite und gleichzeitiger Reduktion der Beschäftigung
durch Entlassungen auf der anderen Seite. Dieser nur scheinbare Widerspruch in
Zeiten der Globalisierung ist deutlich herauszuarbeiten.
Die Kostensenkungsprogramme der Konzerne, die enorm gestiegene
Produktivität, das Unternehmenskonzept des Shareholder-Value, die
Synergieeffekte durch Fusionen, der verschärfte Wettbewerb könnten – neben
anderen - als mögliche Faktoren dargelegt werden, die zu der in der Karikatur
beschriebenen Entwicklung beigetragen hat.

Zu 4.2
Die These mag auf den ersten Blick durch ihre Schlichtheit bestechen, in der
zugleich aber auch ihre Schwäche liegt. Es sollte herausgearbeitet werden, dass
in der Hauptthese zwar möglicherweise richtige Tendenzen für die entwickelten
Staaten zum Ausdruck kommen, indem im Zuge der Entwicklung zur
Wissensgesellschaft ein immer größerer Teil vor allem der ungelernten und gering
qualifizierten Personen aus Beschäftigungssektor herausgedrängt werden.
Insgesamt sollte aber betont werden, dass die These zu einfach, unbegründet und
undifferenziert ist. Mögliche gegen-läufige Tendenzen zu der beschriebenen
Entwicklung werden von den Verfassern nicht diskutiert und könnten kurz erwähnt
werden, z. B. demographische Entwicklung, Ausbau einfacher
Beschäftigungsverhältnisse im tertiären Sektor, Segmentierung des
Arbeitsmarktes, Ausbau der Teilzeitbeschäftigung usw.




                EPA-Vorschlag Volkswirtschaft „Globalisierung der Märkte“

								
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