2007 09 21 FormaCare Press Release deutsch final
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PRESS RELEASE
FormaCare: Internationale wissenschaftliche Konferenz in Barcelona
Formaldehyd auf dem Weg zur Rehabilitierung
Barcelona, 2007-09-21. Der gewöhnliche Gebrauch von Formaldehyd in Verbraucherprodukten
und anderen spezifischen Anwendungen stellt kein Risiko für die menschliche Gesundheit dar.
Das ist das Ergebnis der internationalen wissenschaftlichen Konferenz zu Formaldehyd, die
gestern und heute in Barcelona stattgefunden hat. Mit Vertretern einiger der renommiertesten
Institute aus Deutschland, Schweden, Großbritannien, den Niederlanden, Israel, den USA und
Brasilien stellte sich die Konferenz als eine der wichtigsten wissenschaftlichen Debatten in der
Geschichte der Formaldehyd-Forschung heraus. FormaCare, der Europäische Verband der
Formaldehyd herstellenden und verarbeitenden Industrie, hat die Konferenz organisiert, an der
auch Vertreter der Europäischen Kommission teilnahmen, die unter anderem den aktuellen
Stand zur EU-Chemikaliengesetzgebung präsentierten.
Das “grüne Licht” für Formaldehyd in heutigen Prozessen und Anwendungen basiert auf einer Reihe
von neu veröffentlichten (bzw. noch nicht veröffentlichten) wissenschaftlichen Studien zur
Epidemiologie und Toxikologie von Formaldehyd (s. Annex) – drei Jahre nach der umstrittenen
Klassifizierung von Formaldehyd als krebserregend für Menschen durch die International Agency for
Research on Cancer, IARC. Diese Bewertung stützt sich hauptsächlich auf historische
Expositionsdaten von Arbeitern, die bis 1937 zurück reichen, einer Zeit, als Formaldehyd-Expositionen
um ein Mehrfaches höher lagen als heutzutage. “Die Klassifizierung durch IARC ist überraschend in
Anbetracht der begrenzten und widersprüchlichen Daten, auf die sie sich stützt”, sagte Professor
Hans-Olov Adami, Chair Epidemiology Department an der Universität Harvard. David Coggon,
Professor für Arbeits- und Umweltmedizin an der Universität Southhampton, fügte hinzu: „Im Vergleich
zu den meisten anderen Chemikalien, besitzen wir zu Formaldehyd eine belastbare epidemiologische
Datenbasis. Wenn in Zusammenhang mit Formaldehyd-Expositionen heutiger Konzentrationen in
westlichen Ländern überhaupt von einem Krebsrisiko gesprochen werden kann, dann muss dieses
Risiko sehr gering sein.“ Das Bemühen um eine belastbare wissenschaftliche Datenbasis und eine
offene, kritische Diskussion dieser Daten sei die Aufgabe, der sich die Industrie stellen wolle, sagte Dr.
Detlev Clajus, Generalsekretär FormaCare. „Der Barcelona-Dialog ist ein großer Erfolg und bildet die
Grundlage für einen konstruktiven Austausch mit den Behörden auf nationaler und europäischer
Ebene. Wir sind sehr zufrieden mit der Anerkennung und Unterstützung von Seiten der Europäischen
Kommission,“ schloss Clajus. Professor Elke Anklam, Institutsdirektorin am Joint Research Center der
Europäischen Kommission, leitete den Epidemiologie-Teil der Konferenz.
Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Konferenz stellen die IARC-Bewertung aus dem Jahr
2004 in Frage:
Auslösung von Nasopharynxkrebs äußerst fraglich
Nur eine epidemiologische Studie weist einen Zusammenhang zwischen Nasopharynxkrebs und
Formaldehyd aus, die im wesentlichen auf Ergebnisse in lediglich einer von zehn untersuchten
Fabriken basiert. Zwei weitere umfangreiche Studien lassen dagegen keinen solchen
Zusammenhang erkennen. Darüber hinaus belegt eine ergänzende Studie über die Häufung von
Nasopharynxkrebs in der betreffenden Fabrik, dass andere Expositionen in Zusammenhang mit
früheren Tätigkeiten in der Metallverarbeitung (vor allem Silberverarbeitung) als mögliche Ursache
des Nasopharynxkrebses zu berücksichtigen seien. Diese Besonderheit wurde von IARC nicht
betrachtet.
Leukämie durch Formaldehyd höchst unwahrscheinlich
Die Mehrheit der Wissenschaftler ist sich einig, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen
Formaldehyd-Exposition und dem Auftreten von Leukämie höchst unwahrscheinlich ist. Der Grund:
Die vorliegenden Erkenntnisse aus Tierversuchen können nur zur Erklärung lokaler Tumore
herangezogen werden (z. B. im oberen Nasen-Rachen-Raum nach Inhalation), die im Experiment
beobachtet wurden. Leukämie entsteht demgegenüber fern von der Kontaktstelle Nasen-Rachen-
Raum im Knochenmark.
Keine mutagenen Effekte beobachtet
Mutagene Effekte sind in Tierversuchen nicht nachzuweisen, sondern nur DNA-Protein cross links
(DPX) als Expositions-Marker. Die Mehrheit der Wissenschaftler ist sich einig, dass die DPX-
Bildung keine Tumoren verursacht. Es ist die zytotoxische Reizung, die zum Absterben von Zellen
führt, damit die Zellteilung anregt und letztlich zur Bildung von Tumoren führen kann. Ohne
Absterben von Zellen ist keine Tumorbildung zu erwarten. In einer neuen Studie konnte kein
mutagener Effekt in Rachenraum-Zellen von freiwilligen Versuchspersonen nachgewiesen werden,
die kurzzeitig Formaldehyd-Konzentrationen ausgesetzt waren, wie sie als Höchstwerte für
bestimmte Arbeitsplätze zugelassen sind.
Grenzwerte verhindern sensorische Reizung
In Innenräumen und am Arbeitsplatz ist nicht zu erwarten, dass der Kontakt mit Formaldehyd zu
sensorischer Reizung führt. Der Grenzwert für sensorische Reizung liegt deutlich unterhalb des
Wertes, der zum Absterben von Zellen führen kann. Konzentrationen von 0.5 ppm oder 0.3 ppm
mit Höchstwerten von 0.6 ppm führen nicht zu objektiven Hinweisen auf eine sensorische Reizung.
Die Barcelona-Konferenz wurde von FormaCare initiiert, um einen konstruktiven Dialog mit
Wissenschaft und Behörden auf nationaler und europäischer Ebene zu ermöglichen.
Weitere Informationen sowie die Konferenz-Präsentationen und Zusammenfassungen der
vorgestellten Studien sind verfügbar im Internet unter: www.formacare.org
Kontakt: Für Fragen wenden Sie sich bitte an den FormaCare Generalsekretär Dr Detlev Clajus in
Brüssel unter der Rufnummer +32 2 6767 267 oder über Mobiltelefon unter +32 477 47 03 64.
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Annex
Epidemiological Studies presented at the conference
1. The Enigmatic Epidemiology of NPC (2006), Adami, Karolinska Institute Stockholm, Chair
Department of Epidemiology, Harvard Univ.: Detailed worldwide literature review on NPC.
2. Formaldehyde and Cancer Summary of the Epidemiology (conference lecture), Coggon, Univ. of
Southampton: Overview on epidemiology of formaldehyde.
3. Formaldehyde and Human Cancer Risk, Understanding of NPC in Plant 1 (2007), Marsh, Univ. of
Pittsburgh: Investigation into cofactors for NPC development in the plant with the highest incidence
of NPC.
4. Study Updates on two NCI studies: the formaldehyde cohort & a case control study on embalmers
(will be published in 2008), Hauptmann, Netherlands Cancer Institute: The U.S. National Cancer
Institute has conducted two major epidemiological studies. The overall design of the studies is
described and their contribution to current knowledge.
5. Miss-specified and Non-robust Mortality Risk Models for NPC (2006), Morfeld, Univ. of Cologne: A
critical review of the statistical approach used in the large epidemiological study of NCI.
Toxicological Studies presented at the conference
1. Cytotoxicity, Genotoxicity and Mutagenicity (several publications in 2006 and 2007), Speit, Univ. of
Ulm.: Investigation on mutagenic effects in cells of the mouth of human volunteers exposed for
short periods to formaldehyde under workplace exposure conditions; investigation on DPX
formation / repair and on mutations in cell cultures.
2. DPC Formation and Genotoxicity in Occupational Exposed Humans to Formaldehyde (several
publications), Shaham, Univ. of Tel Aviv: Report on genotoxic and mutagenic effects of
formaldehyde in exposed workers.
3. Threshold for human epithelial cell transformation (to be published soon), Grafström, Karolinska
Institute Stockholm): Dose-response investigations with cell lines derived from humans on
genotoxic, mutagenic and cytotoxic effects.
4. Indications for Leukemia and Lymphoma in former animal studies; Formaldehyde and NALT (both
will be published soon), Woutersen, Kuper, both TNO: Reinvestigation of histopathological slides of
the large CIIT animal inhalation experiment in the U.S. related to leukemia and lymphoma.
5. Quantitative Biomarkers of Formaldehyde Genotoxicity (Research in progress), Swenberg Univ. of
North Carolina: Development of highly sensitive methods to measure DNA-DNA or DNA-protein
cross-links that may occur naturally or by external exposure.
Study on occupational exposure limits
Sensory Irritation of Formaldehyde in Humans at Occupational Exposure Limits (published in 2007),
Triebig, Univ. of Heidelberg: Determination of a threshold for sensory irritation in volunteers
exposed for short periods to formaldehyde under workplace exposure conditions.
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