Einf�hrung in die medizinische Psychologie

W
Shared by: HC120918014149
Categories
Tags
-
Stats
views:
6
posted:
9/17/2012
language:
Unknown
pages:
37
Document Sample
scope of work template
							Einführung in die medizinische Psychologie

Einleitung

Definition:
Medizinische Soziologie:
Anwendung soziologischer Theorien und Methoden auf das Gesundheitswesen sowie
die Phänomene Gesundheit und Krankheit

Medizinsche Psychologie:
Anwendung von Erkenntnissen und Methoden der Psychologie auf Probleme der
Medizin
 in Forschung, Praxis und Lehre differenzierte Wissenschaft, die das gesundheits-
und krankheitsbezogene Verhalten und Erleben aller Kommunikationspartner im
somatisch-medizinischen Bereich des ärztlichen Berufsfeldes sowie den
entsprechenden architektonischen und mitmenschlichen Kontext, aber auch die
Lehren von Gesundheit und körperlicher Krankheit zum Gegenstand hat

Psychologie:
Wissenschaft vom Verhalten und Erleben des Menschen  das in Erleben und
Verhalten differenzierte psychische Leben der Person und dessen Bewußtseins-
Unbewußtseins-Modalität
 empirische wissenschaftliche Disziplin
 zielt auf Verstehen menschlichen Verhaltens und Erlebens ab
 betrachtet den Menschen in seinem Lebensraum (= Kontext seiner dinglichen und
sozialen Umwelt) und seiner Biographie (= Lerngeschichte)

Logogramm der Psyche:
                    Person (Seele)


                          Psychisches Leben


                          Bewußtsein als Präsenz


Erleben                                                          Verhalten



                          Unbewußtsein als Latenz

Funktionsbereiche:
 Empfindung
 Wahrnehmung
   Denken
   Lernen
   Emotion
   Motivation
   Handeln


Soziologie:
Gesellungslehre; Wissenschaft von der Gesellschaft und dem menschlichen Verhalten
 soziozentrisch ausgerichtet (mikrosoziologische und makrosoziologische
Perspektive)
 Mensch auch als sozialkulturelle Persönlichkeit ( Sozialisation)
 will Prozesse und Phänomene beobachten, beschreiben, verstehen, erklären,
vorhersagen

Sozialisation: interaktiver Prozeß lebenslangen sozialen Lernens, bei dem sich die
Sozialisatoren gegenseitig beeinflussen

Sozialpsychologie: repräsentiert die akzentuierte Gegenüberstellung von
Individuum und System, und zwar im Sinne einer Figur-Grund-Vertauschung, nicht
einer Trennungslinie

Bedeutsame Ansätze der Psychologie
                     Kognitivismus        Psychoanalyse         Behaviorismus
Zentraler            Bewußtsein           Triebe und            Äußeres Verhalten
Untersuchungsgege                         unbewußte Inhalte
nstand
Maßgebende        Erkenntnisstrukture (unbewußte)               Milieubedingungen
Ursachen des      n                   Komplexe,
Verhaltens                            Triebfixierungen
Menschenbild          Der Mensch besitzt Der Mensch ist            Freiheit und
                      Einsicht und        Gefangener seiner        Vernunft sind
                      Voraussicht        Triebe                   vorwissenschaftliche
                      Verantwortung und                            s Begriffe. Das
                      Entscheidungsfreihe                          Verhalten des
                      it                                           Menschen ist voll
                                                                   durch seine
                                                                   Umgebung und
                                                                   seine Triebreize
                                                                   bestimmt
Bevorzugte        Offene Befragung          Suche nach             Messung von Reizen
Untersuchungsmeth                           Symbolen des           und Reaktionen
ode                                         Unbewußten in
                                            Sprache und nicht-
                                            sprachlichen
                                            Ausdrücken
Bevorzugte        Beratung, Hilfe zur       Aufklärung über        Verhaltensmodifikati
Behandlungsmethod Selbstreflexion und       Komplexe,              on durch
e                 Selbsregulation           Traumata,              Reizkontrolle,
                                            Verdrängungen          Verstärkungspläne,
                                                                   Verhaltenspläne

Stadien der Auseinandersetzung mit einer schweren Krankheit (MS):
Verleugnung  Gegenwehr  Akzeptanz  Integration



Das Leib-Seele-Problem
Wurzel: erkennbare Verschiedenheit von körperlichen und psychischen Prozessen

Dualistische Theorien (Selbständigkeit des Physischen und Psychischen):
1. Wechselwirkungslehre (Descartes, Lotze):
   gegenseitige kausale Beziehung zwischen Körper und Seele  körperliche
   Vorgänge beeinflussen psychische Vorgänge und umgekehrt
2. Parallelismus-Theorie (Leibnitz):
   Kein ursächlicher Zusammenhang zwischen beiden  “Gleichklang” ohne dass
   Beziehungen Bestehen  “Prästabilierte Harmonie”

Monoistische Theorien:
1. Identitätslehre (Spinoza, Fechner, Wund, Feigl):
   Leib und Seele sind in Wahrheit ein und dieselbe Sache  verschiedene
   Betrachtungsformen ein und derselben Wirklichkeit
2. Materialismus (Priestley, Büchner):
   Das Seelische ist Epiphänomen des Körperlichen (Wirkung, Widerspiegelung,
   Produkt)  kann nicht auf deas Materielle zurückwirken
3. Spiritualismus (psychophysischer Idealismus; Fichte, Schopenhauer):
   Das geistige Prinzip ist die Grundlage aller Wirklichkeit  das Materielle ist
   Produkt das Geistigen
Sozialisation:

Einstellung:
Definition:
1. Dreikomponentenansatz
   Einstellungen bestehen aus affektiven (gefühlsbezogenen), kognitiven (auf
   Wissen oder Meinungenbezogen) und konativen (verhaltensbezogen)
   Komponenten
    Einstellung = relativ lang andauernde, gelernte, psychische und physiologische
   Bereitschaft, durchgängig und einheitlich bestimmte Klassen von Objekten
   wahrzunehmen, zu bewerten und sich ihnen gegenüber in bestimmter Weise zu
   verhalten
Beobachtbare Reize           Hypothetisches              Beobachtbare Reaktion
                             Konstrukt
Merkmale eines                                           Affektive Reaktion
Einstellungsobjektes         Einstellung                 Kognitive Reaktion
                                                         Konative Reaktion
2. Zweikomponentenansatz
    Nur affektive und kognitive Komponente
3. Einkomponentenansatz
    Nur affektive Komponente

Zwischen einzelnen Einstellungskomponenten können auch Widersprüche bestehen

Einstellungsmessungen:
 nicht direkt meßbar, nur vermittelt (verbale Äußerungen von Probanden etc.)
Ein-Item-Skalen:
Eine Einstellungsfrage wird mit einer entsprechenden Beurteilungsskala versehen
Likert-Skalen:
Einer Reihe von Aussagen, die eine endeutig positive oder negative Bewertung eines
bestimmten Einstellungsgegenstandes beinhalten, wird jeweils eine fünfstellige Skala
(-2 bis +2) beigegeben, wo Probanden den Grad ihrer Zustimmung/Ablehnung
angeben sollen  Ausprägung der Einstellung durch Addition der entsprechenden
Skalenwerte
Semantisches Differential:
Messung unterschiedlicher Einstellungen  “Polaritätsprofil”
Adjektivpaare gegensätzlicher Bedeutung mit bewertendem Charakter 
siebenstufige Ratingskala dazwischen  Einschätzung

Funktion von Einstellungen:
   Ausdruck eigener Werte und Selbstverwirklichung
   Instrumentelle oder Anpassungsfunktion: Äußerung einer Wertung um ein
    bestimmtes Ziel zu erreichen
   Ich-Verteidigungsfunktion (Abwehrfunktion): unbewußte Entwicklung einer
    negativen Einstellung gegenüber Personen, bei denen man eigene als negativ
    empfundene Gefühle zuschreibt  Aufrechterhaltung des eigenen positiven
    Selbstkonzeptes
   Ökonomiefunktion: selektive Wahrnehmung bestimmter Ausschnitte der Realität
    (bes. konsonante Informationen

Stereotypen: verallgemeinerte, vereinfachende, relativ starre Annahmen über die
Eigenschaften einer Person, die einer best. Gruppe angehört
Vorurteile: Stereotypen + wertende Elemente
Stereotypen haben bei der sozialen Urteilsbildung eine wichtige Funktion: den Prozeß
der Informationsverarbeitung zu erleichtern

Beziehung zwischen Einstellung und Verhalten
Einstellungen stellen eine möglicherweise notwendige, keinesfalls aber hinreichende
Bedingung dafür dar, ein bestimmtes Verhalten “im Ernstfall” auch tatsächlich zu
zeigen.

Theorie des geplanten Verhaltens:
 zur Vorhersage des Verhaltens einer Person müssen nicht nur deren Einstellungen
berücksichtigt werden, sondern auch ihre subjektive Norm (= Annahme über die
verhaltensbezogenen Erwartungen ihrer Bezugsgruppe in Verbindung mit ihrer
Motivation, diesen Erwartungen Folge zu leisten) und die von ihr wahrgenommene
Verhaltenskontrolle (=Überzeugung, ein als positiv bewertetes Verhalten tatsächlich
auszuführen und gegenüber anderen zu vertreten)

 unmittelbare Determinante eines bestimmten Verhaltens ist die Absicht, diese
auszuführen

Einstellung bezüglich Verhalten


       Subjektive Norm                  Absicht             Verhalten


Wahrgenommene Verhaltenskontrolle



Einstellungsänderung
Es gibt drei Gruppen von Faktoren, die die Wirksamkeit von Beeinflussungsversuchen
beeinflussen:
 Merkmale des Kommunikators: Glaubwürdigkeit, Attraktivität und Macht
 Merkmale des Empfängers: Fähigkeit und Motivation, sich gedanklich mit dem
   Inhalt det Botschaft auseinanderzusetzen
 Merkmale der Botschaft: Qualität der Argumente

Reaktanz: tritt auf, wenn sich der Betroffene in seiner Freiheit eingeschränkt fühlt
 behält seine Meinung bei oder ändert sie in die entgegengesetzte Richtung
(Bumerang-Effekt)

Theorie kognitiver Dissonanz:
 Motivation, die Komponenten des kognitiven Systems auf ein konsistentes Level
  zu bringen
   Bei widersprüchlichen Kognitionen zu einem Sachverhalt  Aufnahme neuer
    konsonanter Kognitionen und/oder das Nichtbeachten dissonanter Kognitionen


Berufliche Sozialisation
Sozialisation: interaktiver Prozeß lebenslangen Lernens (Wechselspiel von
Anpassung und Selbstdurchsetzung)  Erlernen sozialer Rollen

Berufliche Sozialisation: Sozialisation im Beruf oder Sozialisation für den Beruf

Studienwahlmotive:
 Idealistisch-humanitäre Motive
 Naturwissenschaftliches bzw. fachliches, auch praxisbezogenes Interesse
 Sozioökonomische Motive
 Erwartungen bzw. Wünsche anderer, Einflüsse von Familientradition und
   Vorbildern, medizinische Vorerfahrungen

Wichtige Persönlichkeitsmerkmale
 Neurotizismus: emotionale Labilität
 Extraversion
 Intoleranz der Ambiguität: Tendenz, vieldeutigen Situationen auszuweichen

Zynismus: Ein geringschätziger Zweifel an der Aufrichtigkeit der Motive oder der
Geradlinigkeit des Verhaltens eines Menschen, charakterisiert durch die
Überzeugung, dass menschliches Verhalten von Eigennutz oder Zügellosigkeit
angeregt oder geleitet wird
Menschenfreundlichkeit: Achtung vor den Belangen der Menschheit, Güte und
Menschenliebe


Burnout
Def.: Zustand seelischer Erschöpfung, der oft am Ende einer langdauernden
Überforderung durch vielfältige Belastungen ohne angemessenes Korrektiv eintritt.
Schleichend beginnende oder abrupt einsetzende Erschöpfungserfahrung
körperlicher, geistiger oder gefühlsmäßiger Art in Beruf, Freizeit, Freundeskreis,
Partnerschaft und Familie, oft verbunden mit Aversion, Ekel und Fluchtgedanken

Arbeitsstressoren        Streßreaktion             Defensive Bewältigung

Merkmale:
 Emotionale Erschöpfung (= Kern des Burnout-Erlebens)
 Depersonalisierung
 Abnahme persönlicher Leistungsfähigkeit

Verhinderung durch:
 Personenbezogene Strategien (Arbeitsgestaltung, Selbstbelohnung)
 Organisations- und institutionsbezogene Strategien (Supervision, Weiterbildung,
   Coaching, Systemberatung, Veränderung der Arbeitsbedingungen)
 Gesellschaftliche Veränderungen
 Selbstfürsorglichkeit



Emotionen
Differenzierung von Gefühlserlebnissen:
1. Stimmungen:
Def.: jenes mehr oder weniger persistierende ebenso diffuse wie je unterschiedlich
unlus- und/oder lustbetonte Zumutesein des Menschen, für welches häufig keine
umschriebene Ursache auszumachen ist und das keinen eindeutigen Bezug auf
Objekte oder Situationen erkennen läßt
 Vergleichsweise lang anhaltendes Zumutesein (objektlos)
 Atmosphärisch diffus, ungegliedert
 Nicht intentional gerichtet, kein Bezug auf Personen etc., Zustandserlebnisse
 Keine beobachtbare Differenzierung zwischen erlebtem Ich und erlebter Welt
 Somatische Verwurzelung von Stimmungen, erlebtes Zumutesein, das nicht über
   sich hinauswächst
 Relativ überdauerndes Zumutesein, Bezugsrahmen für alle anderen Erlebnisse
 Vielzahl voneinander unabhängiger Dimensionen; können anteilig mehrere
   Dimensionen enthalten

2.   Erlebnistönungen:
    Einheitlich, nicht mehrere zugleich
    “Grundcharakter”, von dem sich Bewußtseinsinhalte abheben
    Wandes durch wesentliche Bewußtseinsinhalte
    Reaktion auf Wahrgenommenes
    Von motorischen Korrelaten begleitet
    Ordnungsdimension zur Beschreibund von Erlebnistönungen: Gegensatzpaare

3. Gefühle im engeren Sinne:
 Als “Figur” gegen den “grund” von Stimmungen und Erlebnistönungen;
   Figurcharakter oft wenig gegliedert
 Gefühle haben einen “Einsatz”  entfalten sich und verklingen
 Gefühle sind ein soziales Phänomen; die mit jedem Gefühl verbundene
   motorische Komponente kann als Handlungsentwurf bezeichnet werden
 Gefühle unterliegen sozialer Formung und Normung (im Gegensatz zu
   Erlebnistönungen)
 Interesse-Erregung, Vergnügen-Freude, Überraschung-Schreck, Kummer-
Schmerz, Zorn-Wut, Ekel-Abscheu, Geringschätzung-Verachtung, Furcht-Entsetzen,
Scham/Schüchternheit-Erniedrigung, Schuldgefühl-Reue

Emotionale Störungen als Behandlungsanlaß:
 Zu intensive Emotionalität
 Körperliche Äquivalente von Emotionen
 “falsche” Emotionen
 emotionales Defizit
 störendes Auffallen
Komponenten von Emotionen:
 kognitive Komponenten: Ergebnis einer wertenden Einschätzung äußerer und
  innerer Ereignisse
 physiologische Komponente: Umstellung des sympathiko-adrenergen Systems zu
  autonom-vegetativen Prozessen
 expressiv-behaviorale Komponenten: mehr oder weniger willkürliche Veränderung
  des sichtbaren Verhaltens

Bereits die verbale Benennung eines Gefühls kann zu einer ersten Veränderung eben
dieses Gefühls führen, da mit der Verbalisierung und Selbstbeobachtung auch
Aufmersamkeitsverschiebung  Wahrnehmungsveränderung einhergehen

Der Ausdruck von Emotionen erfolgt individuell verschieden (u.a. durch
Sozialisationserfahrungen); verhältnismäßig universell sind lediglich der
Gesichtsausdruck und gewisse stimmliche Erscheinungsweisen spontaner Emotionen


Lebensqualität:
Def.: Lebensqualität bei chronischem Kranksein ist die individuelle Konstellation aus
objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Befinden, bezogen auf einen
definierten Zeitraum.

Aspekte:
 Konstrukt  nicht direkt beobachtbar
 Wichtige Komponenten:
       Physiches Befinden
       Soziales Befinden
       Funktionsfähigkeit
 Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen  globale Bewertung
 In der Medizin: bezogen auf Gesundheit; Unterscheidung zwischen Dimension des
  Erlebens und Dimension des Verhaltens

Gesundheit: Ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen
Wohlbefindens, nicht nur die Abwesenheit von Krankheit


Erklärungsansätze zur Entstehung von Gefühlen im engeren
Sinne
Das Komponenten-Modell der Aktualgenes von Gefühlsregungen (Ulich):
                                 Ereignis


Situation/                       Aktuelle                          Momentanverfassung
Kontext                          Gefühlsregung                           der Person


                                 Emotionales Schema
                                   Der Person
Ereignis (Sachverhalt): jede merkbare, aufmerksamkeitserregende innere oder
äußere Veränderung
Momentanverfassung der Person: Gesamtheit der in diesem Augenblick
wirksamen Zustände und Verfassungen der Person

Emotionales Schema:
 Trait (Persönlichkeitsmerkmal) oder State (Zustand)
 Entstehen aufgrund von Erfahrung, Erleben und Erlernen und aufgrund einer
  internen Organisation von Eindrücken
 Aktuelle Gefühlsregung letztendlich von Situation bzw. Kontext bestimmt


Das Experiment von Schachter und Singer (1962):
Ausgangspunkt: Korrespondieren unterschiedliche Emotionen mit spezifischen
physiologischen Reaktionsmustern oder gibt es nur ein allgemeines physiologisches
Erregungsmuster trotz differenzierter Emotionen?
Annahme:
 Kognitionen haben beim Erleben spezifischer Gefühle eine Steuerfunktion inne:
   unspezifische physiologische Erregung  kognitive Interpretation  Emotion
 Kognitionen kommen aus Interpretationsmöglichkeiten und vergangenen
   Erfahrungen des Individuums
 Physiologische Erregung ohne Erklärung  bewertung durch das Individuum
 Physiologische Erregung mit Erklärung  keine Such nach Erklärungen
 Emotionsinduzierende Kognitionen ohne physiologische Erregung  keine
   Emotionswahrnehmung
 Unter gleichen kognitiven Bedingungen hängt das Ausmaß der Emotion vom
   Erregunszustand ab
                     ADRENALIN                               PLACEBO
       Richtig         Information Falsch        Richtig   Information Falsch
       informiert      “keine        informiert informiert “keine        informiert
       über            Nebenwirku über           über      Nebenwirku über
       “Nebenwirkun ng”              “Nebenwir “Nebenwi ng”              “Nebenwir
       gen”                          kungen”     rkungen”                kungen”
Euph          +              +            +                      +
Ärg           +              +                                   +
 Hypothesen mit gewissen Einschränkungen untermauert

Prozesse des Entstehens einer Emotion:
Alltäglicher Fall:
Situation     Aktivierung     Emotionale      Physiologische Wahrgenomm     Attribution    Emotion
              von Wissen      Einschätzung    Erregung       ene Erregung   von Erregung
              um die          der Situation                                 auf die
              Situation                                                     emotionale
                                                                            Einschätzung


Nicht alltäglicher Fall:
Physiologische Wahrgenomm     Erklärungsbed   Ursachensuch   Emotionale     Attribution    Emotion
Erregung       ene Erregung   ürfnis          e              Einschätzung   von Erregung
                                                                            auf die
                                                                            emotionale
                                                                            Einschätzung
Experiment
Flußdiagramm einer empirischen Untersuchung:
              Ausgangsmaterial: klinische Beobachtungen etc.

         Formulieren einer umgrenzenden wissenschaftlichen Fragestellung

  Entwickeln bzw. Ableiten von Hypothesen über Zusammenhänge von Ereignissen

      Übersetzen der Fragestellung und der zu prüfenden Hypothese in einen
                                Untersuchungsplan

                          Empirische Erhebung der Daten

                                Datenverarbeitung

               Zusammenstellung der Ergebnisse der Untersuchung

    Interpretation der gefundenen bzw. nichtbestätigten Zusammenhänge oder
                             spezifischen Unterschiede

Grundprinzipien:
 Willkürlichkeit: absichtliche planmäßige Auslösung bestimmter Erlebens- und/oder
   Verhaltensreaktionen unter kontrollierten Rahmenbedingungen (Auswahl von
   Versuchspersonen (Vpn), Ort und Zeitpunkt)
 Wiederholbarkeit: impliziert durch die willkürliche Erzeugung der Situation;
   eingeschränkt auf die prinzipielle Replizierbarkeit mit Vpn aus der statistisch
   gleichen Population
 Variierbarkeit: gezieltes Verändern von Variablen  systematische Beobachtung
   der Effekte dieser Variablen

Hypothese:
Beliebige Aussage, die man provisorisch für bestimmte Zwecke als wahr annimmt,
auch wenn man nicht oder zumindest nicht genau weiß, ob sie wirklich wahr ist oder
nicht.

Begriffe:
 Unabhängige Variable (UV): Bedingung, die variiert wird
 Abhängige Variable (AV): Ergebnis, das als Folge der UV beobachtet wird
 Intervenierende Variable (IV): Störvariable, die ebenfalls auf die AV einwirkt,
  jedoch schwer kontrolliert werden kann
 Operationalisierung: Zuordnung der in der Hypothese verwendeten Begriffe zu
  empirisch meßbaren Variablen
 Max-kon-Min-Prinzip: Ziel der Operationalisierung; experimentelle
  Bedingungen werden so gewählt, dass die Effekte von UV MAX sind, der Einfluß
  systematischer Störvariablen auf die AV KONtrolliert werden und deren
  unsystematischen Zufallsvariablen MINimiert werden
   Interne Validität: die Variation der AV kann eindeutig auf die Manipulation der UV
    zurückgeführt werden
   Externe Validität: die Befunde lassen sich auf andere Situationen übertragen

Fehler und Fehlerkontrolle im Experiment:
Unterscheidung zwischen systematischen und zufälligen (unsystematischen) Fehlern
 Zufällige Fehler: natürliche Variabilität der Reaktion der Versuchspersonen; läßt
   sich minimieren durch eine große Anzahl an Werten
 Systematische Fehler: ergeben sich aus Fehlern bzw. Schwächen des
   Untersuchungsdesigns; können nicht durch große Anzahl an Werten minimiert
   werden

Kontrollmethoden:
 Parallelisierung: zwei Gruppen mit dem gleichen relevanten Merkmal werden
  getrennt untersucht (Gleichverteilung)
 Randomisierung: zufällige Verteilung der Vpn auf die Gruppen
 Blindversuch: das Ziel des Experiments ist der Vpn unbekannt
 Doppelblindversuch: das Ziel des Experiments ist sowohl der Vpn als auch dem
  Versuchsleiter unbekannt

Skalentypen:
Skalierung: Zuordnung von Zahlen zu Merkmalsausprägungen gemäß einer
bestimmten Regel
Die AV kann durch verschiedene Skalentypen erfaßt werden:
 Nominalskala: nimmt nur eine bewertungslose Klassifizierung vor (Geschlecht,
   Blutgruppe, Familienstand)
 Ordinalskala: auch als Rangskala bezeichnet; hier werden Einteilungen in größer-
   kleiner oder besser-schlechter vorgenommen, wobei über die Abstände der
   merkmalswerte keine Aussage gemacht wird (sehr traurig, traurig, weder noch,
   unbeschwert, sehr unbeschwert)
 Intervallskala: die Abstände der Skalenelemente sind gleich groß, ein Nullpunkt
   kann willkürlich festgelegt werden (Temperatur, IQ)
 Verhältnisskala: es besteht ein absoluter Nullpunkt; daher kann man die einzelnen
   Mermalsausprägungen miteinander ins Verhältnis setzen (Herzfrequenz,
   Blutdruck, Reaktionszeit)

Felduntersuchung:
Ziel: Aussagen über das Verhalten eines Menschen in seiner sozialen und materiellen
Umwelt, auch wenn er nicht Gegenstand einer Untersuchung ist, was er tut, wenn
kein Versuchsleiter in direkt oder indirekt beeinflußt, und was ihn veranlaßt es zu tun

Feld: natürliches Milieu oder sozialer Lebensspielraum, in dem sich das
Forschungsobjekt aufhält und bewegt

Bestandteile:
 Unkenntnis der Probanden über die Untersuchung und das an ihnen Untersuchte
 Nicht-reaktives Meßverfahren
 Sich natürlich ergebende Veränderungen werden als UV aufgefaßt
 Untersuchung wird in der natürlichen Umgebung der Probanden durchgeführt
  Der Untersucher manipuliert die Untersuchungsbedingungen mehr oder weniger
   stark
Feldbeobachtung: Forscher verfolgt das Geschehen, verändert aktiv aber nichts
Feldexperiment: der Forscher verändert die UV
Die externe Validität ist hier groß

Quasiexperiment:
 Mit natürlich vorkommenden Gruppen
 Zwischen Feldstudie und Experiment
 Nicht konstruiertes Experiment (Menschen wußten von Beobachtung)


Placebo-Effekt
Suggestiver Faktor, der neben der pharmakologischen Wirksubstanz an der Wirkung
eines jeden Medikaments beteiligt ist.
Überprüfung im Doppelblindversuch; die Placebowirkung geht im Wesentlichen aus
Erwartungen hervor

Faktoren, die das Auftreten des Placebo-Effekts begünstigen:
 Art der Erkrankung, v.a. bei Schmerzbehandlung
 Persönlichkeit des Arztes
 Persönlichkeit des Patienten: v. a. bei ängstlichen und extrovertierten Menschen
 Situative Merkmale: v.a. bei bedrohlichen, belastenden Situationen
 Darreichungsform (Galenik): v.a. Spritzen, große Tabletten, Farbe, Größe,
   Geschmack, Dosierung


Verhaltens- und Selbstbeurteilung
Beobachtung und Beurteilung:
Beobachtung:
Ist die absichtliche, aufmerksam-selektive Art des Wahrnehmens, die ganz bestimmte
Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet. Sie meint ein Urteilen
darüber, ob ein bestimmter Sachverhalt vorliegt oder nicht
Beurteilung:
Verlangt eine Einschätzung darüber, wie stark ausgeprägt ein bestimmter
Sachverhalt ist. Es handelt sich auch um eine Beurteilung, wenn der Sachverhalt (wie
z.B. Angst) aus bestimmten Anzeichen erschlossen werden muß

Formen der Beobachtung und Beurteilung:
 Teilnehmende Beobachtung: der Beobachtenden ist am sozialen Prozeß, der
   beobachtet wird, beteiligt
 Fremdbeobachtung bzw. –beurteilung: eine Person macht Aussagen über ihr
   Erleben und Verhalten, dies wird bei Persönlichkeitstest und
   Anamnesefragebögen verwendet

Beurteilungsskalen:
   Relative Beurteilungsskalen: zwei oder mehr Beurteilungsgegenstände werden
    bezüglich der Ausprägung des interessierenden Merkmals vergliechen (“wo tut es
    mehr weh?”); Bsp.: Paarvergleich, Rangreihenbildung
   Absolute Beurteilungsskalen: es soll angegeben werden, wie stark ein bestimmtes
    Merkmal ausgeprägt ist; Bsp.: mehrstufige Schätzskala, Summenwertskala

Systematische Beobachtungs- und Beurteilungstendenzen:
 Halo-Effekt: die Gesamtbeurteilung wird durch einen zumeist unkontrollierten
   Eindruck beeinflußt (braungebrannter Patient)
 Kontrastfehler: ein wahrgenommener Gegensatz beeinflußt die Beurteilung
   (Kontrast zwischen zwei Probanden oder auch zwischen Proband und Beobachter)
 Projektionsfehler: persönliche Eigenschaften werden auf den Probanden projiziert
 Mildefehler: besonders bei ihm sympathischen Personen tendiert der Beobachter
   zu einer positiven Beurteilung
 Bevorzugung mittlerer Skalenstufen: der Beobachtende vermeidet extreme Urteile
 Logische Fehler: es wird ein unüberprüfter Zusammenhang zwischen zwei
   Merkmalen hergestellt (“Dicke sind gesellig”)
 Reihenfolge-Effekt: der erste (Primary-Effekt) und der letzte (Recency-Effekt)
   Eindruck sind häuig maßgebend für die Beurteilung
 Reaktivität: Beeinflussung des Beurteilungsobjekts durch die Beobachtung selber
 Rosenthal-Effekt: Sonderfall der Reaktivität: Einstellungen und Erwartungen des
   Beobachters beeinflussen die Versuchsperson und damit das Versuchsergebnis

Antworttendenzen bei Selbstbeurteilung
 Symptomtoleranz: Empfindungen wie z.B. Schmerz können abhängig sein von
  Geschlecht, sozialer Schicht oder dem Kulturkreis
 Mitteilungsfähigkeit: Sprachbarrieren durch unterschiedliche Nationalität oder
  mangelnde Artikulationsfähigkeit (z.B. bei Kindern)
 Mitteilungsbereitschaft
 Simulation und Dissimulation: je nach erwünschter Konsequenz werden
  Symptome vorgetäuscht oder geleugnet
 Soziale Erwünschtheit: den meisten Patienten fällt es leichter, Beschwerden
  anzugeben, die gesellschaftlich akzeptiert sind, bzw. deren Mittelung sozial
  erwünscht ist

Validierung von Anamnese und Persönlichkeitsfragebogen
 Validität: Gültigkeit von Tests (s.o.); Überprüfung, ob auch das beurteilt wird, was
   beurteilt werden soll; die Überprüfung geschieht durch Vergleich verschiedener
   Beobachtungen
 Reliabilität: Zuverlässigkeit der Beobachtung; notwendige Vorraussetzung für
   Validität



Lernen
Def.: Die Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotential eines Organismus
hinsichtlich einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des
Organismus in dieser Situation zurückgeht, vorausgestzt daß diese
Verhaltensänderung nicht auf angeborene Reaktionstendenzen, Reifung oder
vorübergehende Zustände zurückgeführt werden kann.

Prägung: Einmaliger irreversibler Vorgang der Spezialisierung eines Auslöseschemas
für bestimmte Instinkthandlungen, der nur während einer kurzen Zeitspanne, einer
kritischen oder sensiblen Periode bald nach der Geburt stattfinden kann

Verhaltensgleichung nach Kanfer:

C     Konsequenz                      Einsetzen eines positiven Reizes
                                      Einsetzen eines negativen Reizes
                                      Aufhören eines positiven Reizes
                                      Aufhören eines negativen Reizes

K     Kontingenz                      Belohnungsmatrix
                                      Verstärkerplan

R     Reaktion                        Beobachtbares problemrelevantes Verhalten
                                      auf motorischer, verbaler, kognitiver und
                                      physiologischer Ebene

O     Organismus                      Biologische Ausstattung
                                      Behinderungen
                                      Lernkapazität
                                      Lerngeschichte der Reaktion

S     Stimulus                        Umweltsituation
                                      Soziale Situation
                                      Innere Reizsituation

Formen des Lernens:
Habituation (Gewöhnung):
Abnahme der Reaktionsbereitschaft, die eintritt, wenn der die betreffende Reaktion
auslösende Reiz wiederholt dargeboten wird.

Konditionieren:
Experimentelles Verfahren bzw. lebenswichtige Erfahrung, die dazu führt, dass eine
umschriebene Reaktion oder ein Verhalten von bestimmten Bedingungen abhängig
wird und deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit durch diese Bedingungen wieder
ausgelöst werden kann.

Klassisches Konditionieren:
 Nicht-konditionierte Reize lösen reflexhaft eine nicht-konditionierte Reaktion aus
   (respondentes Verhalten). Neutrale Reize bewirken eine Orientierungsreaktion.
   Bei wiederholter Darbietung des neutralen Reizes zeigt sich eine Habituation
 Neutrale Reize (Ratte) könne mit nicht-konditionierten Reizen (furchterregender
   Gong) assoziiert werden und erhalten die Qualität von konditionierten Reizen,
   d.h. sie lösen konditionierte Reaktionen (Furcht) aus
   Optimale Lernbedingungen bestehen, wenn der neutrale Reiz kurz vor dem nicht-
    konditionierten Reiz einsetzt und beide Reize gleichzeitig enden
   Die Stärke der konditionierten Reaktion wächst i.d.R. mit zunehmender Zahl der
    gemeinsamen Darbietungen von neutralem Reiz und nicht-konditioniertem Reiz.
    Bleibt der nicht-konditionierte Reiz aus, kommt es zu einer allmählichen
    Extraktion (Löschung) der konditionierten Reaktion. Nach Pausen tritt bei
    erneutem Auftreten des nicht-konditionierten Reizes eine spontane Erholung der
    konditionierten Reaktion auf
   Ein zweiter neutraler Reiz kann, wenn er mit dem ersten gekoppelt auftritt,
    ebenfalls die konditionierte Reaktion hervorrufen (Konditionierung höherer
    Ordnung)
   Ähnliche Reize (Pelzmantel) wie die konditionierten können ebenfalls die
    konditionierte Reaktion hervorrufen

Lernen am Erfolg (=operantes Konditionieren)
 Operantes Verhalten bezeichnet eine Aktivität, die spontan im Organismus
   entsteht, also nicht die Reaktion auf eine Reiz ist. Operantes Verhalten wird in
   seiner Auftretenswahrscheinlichkeit durch die Konsequenzen bestimmt, die ihm
   nachfolgen.
 Verstärkung und Bestrafung:
        Positive Verstärkung: eine als positiv empfundene Konsequenz setzt ein
        Negative Verstärkung: eine als negativ empfundene Konsequenz läßt nach
        Bestrafung duch Verstärkerentzug: unterdrückt ein Verhalten, indem
          belohnende Reize beseitigt werden
        Bestrafung durch aversive Konsequenzen: unterdrückt ein Verhalten durch
          eine negativ erlebte Konsequenz (Schmerz)
 Primäre Verstärker: befriedigen vitale Bedürfnisse (Hunger, Sex)
 Sekundäre Verstärker: sind durch Prozesse klassischer Konditionierung erlernt
   worden, haben also ursprünglich keine verstärkende Wirkung (Geld, Lob)
 Kontingenz: Bedingungen, unter denen auf ein Verhalten eine Konsequenz folgt
 Wird ein operantes Verhalten nicht mehr verstärkt, kommt es zu einer Extinktion
   dieses Verhaltens
 Verhaltensformung: um ein komplexes Verhaltensmuster zu erlernen, erweist es
   sich als günstig, das Verhalten in Teilelemente zu gliedern und diese einzeln zu
   verstärken. Anschließend wird die Verstärkung nur dann gegeben, wenn die
   Teilelemente kombiniert werden
 Reizdiskrimination: Verhalten, das in Anwesenheit eines bestimmten Reizes
   verstärkt wird, tritt gehäuft unter diesem Reiz auf, bei einem anderen Reiz nicht.
   Diskriminative Reize generalisieren ähnlich wie konditionierte Reize bei der
   klassischen Konditionierung
 Je intensiver der Verstärker ist und je näher er zeitlich dem Verhalten folgt, desto
   größer ist seine verstärkende Wirkung
Operantes Konditionieren in der Medizin:
 Compliance wird durch negative Verstärkung (Besserung) gefördert
 Biofeedback
 Fordyce-Modell: Chronifizierung von Schmerzverhalten

Lernen am Modell
   Verhalten wird nur dann beobachtet, gespeichert und aktivierte, wenn eine
    Person dazu motiviert ist
   Motivationen entstehen durch die Erwartung, die Informationsverarbeitung werde
    zu als positiv bewerteten Konsequenzen führen
   Lernen am Modell meint die Aneignung neuer Verhaltensweisen oder Änderung
    schon bestehender Verhaltensmuster durch die Beobachtung des Verhaltens
    anderer Individuen
   In das Modelllernen sind operante Lernprozesse integriert, da das neue Verhalten
    eine Rückmeldung erfordert
   Der Lernprozeß wird begünstigt, wenn das Modell
        Für den Beobachter attraktiv ist
        Ein Verhalten zeigt, das die Möglichkeiten des Beobachters nicht übersteigt
        Für sein Verhalten belohnt wird (stellvertretende Bekräftigung)
   Modelllernen kann als Medium der Sozialisation beschrieben werden

Lernen durch Eigensteuerung
Nach Bandura entwickelt sich die Selbststeuerung des Verhaltens in drei Stufen:
1. Das Kind übernimmt Verhaltensweisen von anderen (Lernen am Modell)
2. Die Umwelt reagiert nach dem Prinzip der operanten Konditionierung mit
   externen Sanktionen (Belohnung, Bestrafung)
3. Die Personen belohnen bzw. bestrafen sich selbst und werden von Fremdkontrolle
   unabhängig

Verhalten wird nicht nur durch erfahrene Konsequenzen, sondern auch durch
erwartete Konsequenzen bestimmt.



Verbales Konditionieren:
Beeinflussung des Gesprächsverhaltens einer Person durch verbale, nonverbale und
paraverbale Parameter = Konditionierung des Geprächsverhaltens
 Kann sowohl absichtlich-gezielt als auch unabsichtlich geschehen
 Kann zu erwünschten, aber auch zu unerwünschten Konsequenzen führen
 Empathie und positive Wertschätzung haben den stärksten Einfluß auf die
   Äußerungsinhalte

Phobie:
Zusammenwirken von klassischem Konditionieren (Koppelung eines zuvor harmlosen
an einen angstauslösenden Reiz) und instrumentellem (operantem) Konditionieren
(Vermeidungsverhalten infolge negativer Verstärkung)
Der Grund für die Phobie (aversiver Reiz) hat oft nur symbolische Funktion
Zweiprozeßtheorie des Lernens von Furcht und Vermeiden:
Phase 1: Klassisches Konditionieren
Phase 2: Bedingter Reflex
Phase 3: klassisch konditionierte Furchtreaktion  spontane Flucht- und
Vermeidungsreaktion (instrumentelle Vermeidenskonditionierung)
Phase 4: gelernte Vermeidensreaktion

Biofeedback
Therapeutisches Verfahren zur Bildung von Informationsschleifen, die es
ermöglichen, innere, psychphysiologische Vorgänge zu beobachten und zu
modifizieren während diese ablaufen




Psychoanalytischer Ansatz
Ursprünglich eine Behandlungsmethode für seelische Störungen (Hysterie)
 Erkenntnisse zur seelischen Entwicklung, Emotion, Motivation, Wahrnehmung und
Lösung von Konflikten

Topographisches Modell:
 Das unbewußte als Teil der Persönlichkeit spielt eine große Rolle
 Ein großer Teil des Seelischen ist ausschließlich unbewußt, ein anderer Teil
  bewußt, ein dritter Teil vorbewußt
 Motivation, Emotion können unbewußt, bewußt oder vorbewußt sein

Die Trieblehre
Seelenleben = dynamisches Geschehen innerer, angeborener Kräfte des Organismus
(= Triebe) und äußerer Umweltreize  ständige Wechselwirkung, Fördern bzw.
hemmen
Triebe: ursprüngliche Kräfte des Organismus  Sexualtrieb (Destruktionstrieb),
Selbsterhaltungstrieb
Triebquelle: ungerichtete, körperliche Erregungsenergie (=Libido) 
Erregungsabfuhr
Triebobjekt: hierdurch wird das Triebziel erreicht
Später Unterscheidung zwischen Lebenstrieb und Todestrieb
Das Strukturmodell:
ES             Triebe zum Zeitpunkt der Geburt
               Gesteuert durch Primärprozeß (unterliegt nicht der Grenzen der
                  Realitätsprüfung  Säugling)
               Im Erwachsenenalter als Traum und in der Psyche enthalten
               Nur unbewußte Anteile
ICH            Vermittelt zwischen ES, ÜBERICH und Umwelt
               In ihm herrscht das Realitätsprinzip  Sekundärprozeß
               Umfaßt alle bewußten geistigen Prozesse der Wahrnehmung
               Innere Stabilisierung (bewußte und vorbewußte Prozesse)
               Vorbewußte Funktionen sind der Person nicht bewußt
ÜBERICH  Persönliche, familiäre und gesellschaftliche Normen, Ideale und
                  Tabus
               Instanz des Gewissens ( Schuld- und Schamgefühle,
                  Anspruchshaltung, Gekränkt-sein)  Phantasien, Gedanken, Worte
                  im Handeln
               Teilweise bewußt, teilweise unbewußt; vorbewußte Anteile sind
                  der Person nicht bewußt


Angst, Angstbewältigung und Angstabwehr
   ES, ICH und ÜBERICH stehen ständig in dynamischer Interaktion untereinander
    und im Austausch mit der Umwelt Konflikte  Entstehen von Angst als Signal
    der Bedrohung des inneren Gleichgewichts
   Unterscheidung zwischen
        Realangst: im Hinblick auf den Grad der äußeren realen Bedrohung
           angemessene Angst (= Furcht)
        Neurotische Angst: Konflikt zwischen ES und ÜBERICH
   Realitätsgerechte Konfliktlösung: bewußte Wahrnehmung widersprüchlicher
    Impulse, Fähigkeit negative Emotionen auszuhalten, Kompromissbereitschaft;
    ICH-Funktion: bewußt oder vorbewußt
   Unbewußte ICH-Prozesse der Angsbewältigung: Angstabwehr 
    Abwehrmechanismen
   Abwehrprozesse stellen seelische Stabilität wieder her, es erfolgt ein Teilverlust
    des Realitätsbezugs und es wird psychische Energie verbraucht
   Eine Abwehr durch das ICH erfolgt in der Verdrängung  verhindert das
    Eindringen angstauslösender Triebimpulse in das Bewußtsein
   Bei unvollständiger Abwehr kommt es zu Freud’schen Versprechern
   Abwehrmechanismen sind theoretische Konstrukte
   Sublimierung: ICH-Funktion, die den Triebimpuls durch Umlenken der Realität
    anpaßt  Ersatzbetätigung  ursprünglicher Triebimpuls wird unbewußt

Persönlichkeitsstruktur und neurotische Symptombildung
Qualität und Quantität in der Stabilität und die Struktur variieren stark in der
individuellen Angstabwehr  ICH-Stärke (Entsteht durch unterschiedliche genetische
Anlage und zwischenmenschliche Sozialisation)
 Bei geringer ICH-Stärke müssen die Konflikte überwiegend abgewehrt werden
 Bei großer ICH-Stärke können die Konflikte überwiegend bewußt bewältigt
    werden
 Bei der ICH-Entwicklung kommt es zu Traumata, die sich als Merkmale der
    Persönlichkeitsstruktur wiederfinden ( Abwehr latenter Ängste zur Zeit der
    frühen Triebabwehrorganisation)
 Neurotische Symptombildung: Ergebnis unvollständiger Angstabwehr =
    Konversion (Angstabwehrprozeß)
 Somatisierung: funktionell vegetative Symptomatik ersetzt das affektive Erleben
 Neurosestrukturen: Angstabwehr durch neurotische Symptombildung 
    manifestiert sich als Wiederholung des ursprünglichen Konflikts
 Borderline-Störung: Aufbau eines Abwehrsystems mißlingt  extreme
    Selbstentwertung, psychotische Symptomatik

Abwehrmechanismen
Abwehrmechanis- Funktionsweise                            Beispiel
mus
Identifikation      Unbewußte Übernahme von           Sympathiegefühle von
                    Einstellungen, Verhaltensweisen   Geiseln für ihren Entführer.
                    und Wertmaßstäben anderer
                    Personen, um im Konfliktfall
                    eigene Angst abzuwehren
                    Identifikation mit dem
                    Aggressor: es werden
                    Einstellungen und Wertmaßstäbe
                    einer einen angreifenden Person
                    übernommen
Isolierung des      Eine Person spaltet unbewußt      Eine Colitis-ulcerosa
Affekts             Affekte ab, die an ihren          Patientin berichtet über das
                    ÜBERICH-Ansprüchen gemessen       sadistische Verhalten ihrer
                    nicht akzeptabel sind, und        Eltern ohne jedes Anzeichen
                    schildert ein traumatisches       von Ärger oder Traurigkeit
                    Ereignis scheinbar emotionslos
Projektion          Eigene unerwünschte Impulse  Eine Studentin, die sich ihre
                    werden nicht bei sich sonderneigenen Neidgefühle nicht
                    bei anderen Personen         eingestehen kann, beklagt
                    wahrgenommen                 sich wiederholt bei
                                                 Kommolitonen über deren
                                                 Neid auf ihren Erfolg
Rationalisierung Für ein unbewußt unakzeptables Ein stark übergewichtiger
                 Motiv einer eigenen             Patient, der zusammen mit
                 Verhaltensweise findet eine     seiner Frau zur Diätberatung
                 Person “gute”, rationale Gründe soll, hat unbewußte Angst
                                                 vor
                                                 Nahrungseinschränkungen
                                                 und findet wiederholt
                                                 rationale Gründe für das
                                                 Scheitern eines Termins
Reaktionsbildung Unbewußt unakzeptable           Eine Krankenschwester
                 Triebimpulse veranlassen eine   müßte nach langer schwerer
                 Person zu einer                 Krankheit weiter
                 entgegengesetzten               krankgeschrieben werden.
                 Verhaltensweise                 Sie hat Gewissensbisse
                                                 wegen eigener Impulse, sich
                                                 länger auszuruhen.
                                                 Daraufhin meldet sie sich am
                                                 nächsten Tag ohne
                                                 Rücksprache mit dem Arzt
                                                 wieder Arbeitsfähig
Regression           Ein unerwünschter Triebimpuls    Ein Patient, der sehr viel
                     wird durch Rückfall in eine      Wert auf Leistung und
                     Verhaltensweise, die einer       Selbstkontrolle legt, erleidet
                     früheren Entwicklungsstufe       einen Herzinfarkt. Trotz
                     entspricht, abgewehrt            guter körperlicher Belastbar-
                                                      keit verhält er sich im
                                                      Umgang mit seiner Familie
                                                      und dem Klinikpersonal
                                                      auffällig passiv und hilflos
Verleugnung          Ein unbewußt stark bedrohliches Realangst; eine
                     Ereignis wird in seinem realen   Brustkrebspatientin kann
                     Tatbestand oder in Teilaspekten sich nicht an das Ergebnis
                     desselben von einer Person nicht einer Probeuntersuchung
                     wahrgenommen                     erinnern
Verdrängung          Ängste durch innere Konflikte    Neurotische Angst

Verleugnung:
 Psychologischer Schutzmechanismus, der unbewußt abläuft
 Richtet sich gegen bewußte Wahrnehmung äußerer Gefahren und gegen die
   bewußte Wahrnehmung der mit diesen Folgen einhergehenden Emotionen
 Ziel: Verminderung von Angst  Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des
   ICH
 Eignet sich besonders gut zur Angstabwehr
 Zur Steuerung von Depression nicht so gut geeignet

Verdrängung:
 Ähnlich wie Verleugnung, doch als Abwehrmechanismus deutlich davon
   abzugrenzen:
 Richtet sich mehr gegen unbewältigte innere Gefahren, vor allem Triebimpulse
   aus dem ES

Psychoanalytische Persönlichkeitsmodelle:
ES       Früheste Instanz
         Enthält alles Vererbte und konstitutionell Festgelegte
         Folgt dem Lustprinzip (ohne Moral)
         Primärprozeß
ICH      Vermittelnde Struktur
         Hält mit Hilfe des Wahrnehmungsapparates Kontakt zur Innen- und
            Außenwelt
         Realitätsprinzip  Kontrolle der Triebmechanismen  Abwehr
ÜBERICH = Gewissen
             Enthält innere Normen  größtenteils unbewußt

Charakterologie: Zuordnung bestimmter Persönlichkeitsvarianten zu den
Entwicklungsphasen (oral, anal, phallisch), durch deren Störung sie entstehen

Fehlentwicklungen:
Orale Phase: phasenspezifische Triebbedürfnisse  oraler Charakter
Anale Phase: Ordnungsliebe ( Pedanterie, Geiz, Eigensinn, Trotz)  Analer
             Charakter
Phallische Phase:  Selbstbewußtsein, Überlegenheitsgefühle, impulsives,
                   energisches Auftreten



Schmerz

Def.: Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller
oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen
Schädigung beschrieben wird.

Kritik an der Definition:
 hier ist nur das Schmerzerlebnis berücksichtigt; das Schmerzverhalten fehlt!!!
 Masochismus
 Aspekte von chronischem und akutem Schmerz

Nozizeption:
Weiterleitung und Verarbeitung schädigender Reize (Noxen), die von speziellen
Sensoren (Nozizeptoren) registriert werden.
Schmerz und Nozizeptoren sind nicht gleichzusetzen. Nicht jede Reizung von
Nozizeptoren ist mit Schmerz verbunden, nicht jedem Schmerz muß eine Noxe
zugrunde liegen.

Komponenten des Schmerzleidens:
 Sensorisch-diskriminative Komponente: Analyse sensorischer Information
  (Lokalisation, Dauer, Intensität, Qualität)
 Affektiv-motivationale Komponente: Organisation und Integration von
  Schmerzwahrnehmung und –verhalten (Aufmerksamkeitsfokussierung,
  Einschätzung der Bedrohlichkeit)
 Kognitiv-evaluativer Aspekt: Vergleiche mit früheren Schmerzerfahrungen,
  Analyse der Schmerzbedeutung

Schmerzreaktionsmuster:

Reaktionsebene                             Reaktionsanteil
Subjektiv-psychologisch                    Offen: z.B. Klagen, Stohnen, Weinen
                                           Verdeckt: Gedanken, Gefühle,
                                           Vorstellungen bezogen auf den erlebten
                                           Schmerz
Motorisch-verhaltensmäßig                  Muskuläre Reaktion: Reflexe,
                                           Veränderung der Ausdrucksmotorik
Physiologisch-organisch                    Erregung der Nozizeptoren, Ausschüttung
                                           von Schmerzstoffen wie Serotonin

Schmerzcharakteristik:
 Oberflächenschmerz:
     Primärschmerz: stechend-hell
     Sekundärschmerz: dumpf
   Tiefenschmerz: dumpf
   Eingeweideschmerz: dumpf

Man spricht auch vom dualen Charakter des Schmerzerlebnisses:
 Epikritischer Oberflächenschmerz: hell, gut lokalisierbar, wenig affektbetont
 Protopathischer Tiefenschmerz: dumpf, schlecht lokalisierbar, quälend

                                     Schmerz


Somatisch                                                                 viszeral

Oberflächenschmerz           Tiefenschmerz                Eingeweideschmerz

1. Schmerz    2. Schmerz

Haut                         Bindegewebe                  Eingeweide
Nadelstich                   Muskeln                      Gallenkolik
Quetsche                     Knochen                      Ulkusschmerz
                             Gelenke                      Blinddarmentzündung
                             Muskelkrampf
                             Kopfschmerz

Schmerzmessung (Algesimetrie):
Es gibt keine monotone Beziehung zwischen der Größe einer Verletzung und der
empfundenen Schmerzintensität. Das Erleben von Schmerz wird immer auch durch
affektive und kognitive Prozesse begleitet, auch der aktuelle Wachheitsgrad, die
Erwartungshaltung und die Stimmungslage spielen eine Rolle bei der
Schmerzempfindung.
Die klinische Schmerzmessung erfolgt meist anhand von Skalierungsmethoden. Die
gebräuchlichsten Verfahren sind:
 Adjektivskala: meist werden 5-7stufige Skalen benutzt (schmerzfrei-leicht-mäßig-
    stark-unerträglich)
 Numerische Skala: Werte von z.B. 0 (keine Schmerzen) bis 10 (unerträglich)
 Visuelle Analogskala (VAS): farbliche Darstellung, analog der numerischen Skala
Die Schwelle von Schmerzempfinden wird durch Angst, Depression, Inaktivität usw.
herabgesetzt, durch Ablenkung, Befundverbesserung, Kontrollierbarkeit des
Schmerzes etc. heraufgesetzt
Das individuelle Schmerzverhalten hängt auch ab von früheren Erfahrungen und
durch soziokulturelle und familiäre Erziehungsprozesse vermittelte Lernvorgänge

Schmerzsozialisation:
 Modelllernen durch Beobachtung und Nachahmung v.a. von Eltern
 Unterschiede zwischen kulturellen und ethnischen Gruppierungen: Nord-Süd-
   Gefälle bei Schmerzäußerung; fernöstliche Fakire
 Geschlechtsspezifische Differenzen: höhere Schmerztoleranzschwelle bei Männern
   Angst, speziell Erwartungsangst; das Ausmaß der Schmerzerwartung bestimmt
    die Intensität des Schmerzerlebens; angstbedingte Anspannung kann auch zu
    Schmerz führen; Teufelskreis: Angst – Anspannung – Schmerz

Schmerzkontrolle:
 Das Bewußtsein kann nicht mehr als 100 bit/s gleichzeitig verarbeiten. So kann
   man durch Ablenkung den Schmerz für begrenzte Zeit „vergessen“
 Ein zweiter, weniger unangenehmer Schmerz kann einen starken Schmerz
   überdecken
 Wirkung körpereigener Endorphine; ihre roduktion steigt bei hoher Belastung,
   Streß und durch Placebos

Differenzierung von akuten und chronischen Schmerzen
Schmerzen               Akuter Schmerz            Chronischer Schmerz
Funktion                Warnfunktion              Meist keine Warnfunktion
Dauer                   Sekunden bis maximal      Lang andauernd bzw.
                        Wochen                    wiederkehrend (mind. 3-6
                                                  Monate)
Lokalisierbarkeit       Gut umschreibbar          Große Areale des Körpers
                                                  betroffen, gelegentlich
                                                  Schmerzen im ganzen
                                                  Körper
Vegetative Aktivierung  Vorhanden                 Nicht vorhanden
ZNS-Reaktion            Sonsorisch evozierte      Nicht zu beobachten
                        Schmerzpotentiale (SEP)
                        im EEG beobachtbar
Ursache                 Bekannt und therapierbar  Unbekannt oder schwer
                                                  therapierbar
Behandlung              Akute Behandlung,         Langfristige Behandlung;
                        medizinische Intervention psychologische
                                                  Intervention
Behandlungsziele        Schmerzfreiheit           Schmerzlinderung




Ätiologische Einteilung: psychogener (vorwiegend nicht-organisch) und
somatogener (vorwiegend organisch) Schmerz:
Merkmal                   Somatogener Schmerz Psychogener Schmerz
Schmerzlokalisation       Eindeutig, umschrieben  Vage, unklar, wechselnd
Affekte des Patienten     Passen zu geschilderten Inadäquat
                          Schmerz
Zeitdimensionen           Eindeutige Präsenz bzw. Dauernd da
                          Fehlen
Abhängigkeit von          Vorhanden               Fehlt
Willkürmotorik
Reaktion auf Medikamente Pharmakokinetisch        Nicht verständlich
                                   plausibel
Schmerz und                        Unabhängig davon              Damit verbunden
mitmenschliche Beziehung
Schmerzschilderung                 Bild paßt                     Bild inadäquat
Betonung der Ursache               Psychische betont             Organische betont
Sprache                            Einfach, klar, nüchtern       Intelligenzlerisch,
                                                                 Ärztejargon
Affekte des Arztes beim            Ruhig, aufmerksam,            Ärger, Wut, Langeweile,
Zuhören                            einfühlend                    Ungeduld, Hilflosigkeit

Einteilung nach pathogenetischen Mechanismen der Entstehung
 Nozizeptorschmerz (z.B. Zahnschmerz)
 Neuropathischer Schmerz, Neuralgie (Erregung von Schmerznervenfasern
   unterwegs nach chronischer Irritation und Schädigung eines Nervs; z.B.
   Wurzelschmerz)
 Deafferentierungsschmerz (z.B. Phantomschmerz)
 Reaktiver Schmerz (Aufschaukelung und Selbstunterhaltung der
   Nozizeptorenerregung; z.B. Sudeck-Atrophie)
 Psychosomatischer Schmerz (Ausdruck seelischer Belastungen)

Konversion:
Umsetzung psychischer Erregung in körperliche Symptome (Freud)

               Unbewußt                Bewußt/Vorbewußt
   Unterträgliche
   Situation
   (Konfliktauslöser)
                                 INNERER KONFLIKT

   Wunsch/Vorstellung/Impuls                  Ausdruck unterdrückende Tendenz
   Sucht Ausdruck                                    (Scham, Gewissen; „Abwehr“)

   Verbindung mit Körperlichem
   Vorgang („Somatisieren“)


   Aufspaltung von Seelischem und
   körperlichem Erleben
   („Dissoziation“)                                          Körperliches Symptom als
                                                             Kompromiß („Symbolisierung
   körperlicher Vorgang allein                               des urspr. Wunsches)
Das Schmerzforschungsmodell von Fordyce: Chronifizierung von
Schmerzverhalten
Nozizeptiver Input  Schmerzerleben  Schmerzreaktion  Umweltkonsequenz


Schmerzverhalten kann durch positive Verstärkung, negative Verstärkung oder durch
mangelnde Verstärkung gesunden Verhaltens aufrechterhalten werden. So können
Schmerzen gänzlich unter die Kontrolle von verstärkenden Umweltereignissen
kommen. Durch Einschränkung der Aktivität des Patienten kann es zu sekundär
physischen Problemen kommen.
Sexualität
Umfaßt die Gesamtheit der Lebensäußerungen, die aus der Tatsache resultieren, daß
der Mensch ein Geschlechtswesen ist ( Sexualdimorphismus) und als solches
erlebt, ... und handelt

Funktionen der Sexualität:
 Reproduktionsfunktion
 Lustfunktion
 Sozialfunktion
 Kommunikation

Der sexuelle Reaktionszyklus nach Masters und Johnson:
 Erregungsphase: die Erregung ist noch leicht störbar; Erregung von Herzfrequenz
  und Blutdruck, Erektion, Lubrikation der Vagina
 Plateauphase: erst von dieser Phase ist der Orgasmus möglich; eine gestörte
  Erregung flaut langsam ab
 Orgasmusphase: primär Vasokongestion (unwillkürlich), sekundär Myotonie
 Rückbildungsphase: bei der Frau Möglichkeit zu multiplen Orgasmen

Sexuelle Motivation: Wunsch, sexuelle Erregung und Lust zu erfahren

Hormonelle Einflüsse:
 Beim Mann v.a. Androgeneinfluß: Mangel führt zur Verminderung der sexuellen
  Erregbarkeit und zu beeinträchtigter Fähigkeit zu sexuellen Phantasien
 Bei der Frau steigern Androgene die Libido; Östrogenmangel reduziert die
  weibliche Erregbarkeit und Erlebnisfähigkeit

Sexualverhalten:
Die Formen des Sexualverhaltens sind beim Menschen v.a. durch Lernprozesse
erworben. Für die menschliche Sexualität spielt auch die emotionale Verbundenheit,
die Liebe in der Paarbeziehung eine wichtige Rolle.
Außerdem hängt die Variabilität von der schichtzugehörigkeit, vom Bildungsstand,
von der Persönlichkeit, der Art der Partnerschaft und vom Alter ab.


 Deviationen:
Partneraspekt: (Homosexualität), Pädophilie, Sodomie, Fetischismus
Praktikaspekt: Exhibitionismus, Voyeurismus, Sadismus, Masochismus

Sexuelle Funktionsstörungen:
      Erregungsphase                                    Orgasmusphase
Frau Vaginismus (Scheidenkrampf), Dyspareunie           Anorgasmie; Dyspareunie
      (Schmerzhafter Geschlechtsverkehr)
Mann Errektionsstörungen                                Ejakulatio praecox
                                                        Ejakulation retardata
Psychogene Störungen
 Psychische Krankheiten
 Übersteigerte Erwartungshaltung
 Versagensängst

Somatogene Ängste:
 Psychopharmaka
 Erkrankungen

Unterscheidung zwischen Bedingungen die stören und solche die aufrechterhalten;
die Persönlichkeit hat die Funktion eines Bindeglieds
Die sexuelle Reaktion ist ein sehr leicht störbares Geschehen. Vor allem Angst, Ärger
und ständige Selbstbeobachtung können sie beeinträchtigen. 
Selbstverstärkungsmechanismus (sexueller Kontakt wird v.a. nach dem Prinzip der
positiven Verstärkung aufrechterhalten)
 individuelle Lerngeschichte spiel mit ein

mögliche Einflußfaktoren auf das Sexualverhalten liegen auf biologischer,
psychosozialer und soziosexueller Ebene.

Das PLISSIT-Modell:

P      Permission: Der Arzt gibt zu erkennen, dass er für sexuelle Fragen offen ist
LI     Limited Information: Der Arzt gibt relevante Informationen über das Thema
SS     Specific Suggestions: Der Arzt gibt direkte Ratschläge und Anweisungen
IT     Intensive Therapy: Stufe der eigentlichen Behandlung
Die beiden letzten Stufen erfordern spezialisierte sexual- und psychotherapeutische
Kompetenz.

Epidemiologie:
Wissenschaft, deren Gegenstand die Verteilung und Ausbreitungsweisen von
Krankheiten in menschlichen Bevölkerungen ist.
 Erkennen des Krankheitsbildes
 Eigenschaften von solschen Personen, die diese Krankheit haben (v.a.
Empfänglichkeit gegenüber krankmachenden Einflüssen und ihre Empfindlichkeit)
 Ausbreitunsform: zeitliche Verbreitung
 zeitliches Intervall zwischen Einwirken eines Risikofaktors und Beginn der
Krankheit



Sozialepidemiologie:
Zusammenarbeit von Medizinern, Psychologen und Soziologen
Verbindet sozialwissenschaftliche Fragestellungen und Methoden mit denen der
klassischen Epidemiologie
Ziel: Erforschung der sozialen Bedingungen
Inzidenz: Häufigkeit des Neuauftretens einer bestimmten Krankheit in einer
bestimmten Zeiteinheit

Prävalenz: Häufigkeit einer Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einer
bestimmten Zeitperiode

Inzidenz-/Prävalenzrate: Inzidenz bzw. Prävalenz werden in bezug zu einer
Population betrachtet

Normen als Beurteilungsmaßstäbe:
 Statistische Norm: identifiziert Normalität und Häufigkeit; Mittelbereich ist normal
 Ideale Norm: Zustand der Vollkommenheit  Erreichung ist manchmal möglich,
  aber stets wünschenswert; Unterschied von der Norm ist qualitativ („andere
  Qualität“)
 Funktionale Norm: definiert als normal den einem Einzelwesen hinsichtlich seiner
  Zielsetzung und Leistung gemäßen Zustand


Scham
Def.: Scham ist eine menschliche Unlustreaktion, die sich häufig auf die Verletzung
der Intimsphäre bezieht, daneben aber auch andere soziale Bereiche (Ansehen,
Geltung, Erfolg) betreffen kann. Grundlage der Scham ist das Bewußtsein, durch
bestimmte Handlungen oder äußerungen sozialen Erwartungen nicht entsprochen
bzw. gegen wichtige Normen und Wertvorstellungen verstoßen zu haben

Subjektive Empfindungen der Scham: Peinlichkeit, Befangenheit, Demütigung,
Ausgeliefertsein

Verhalten bei Scham: Abwenden von Gesicht und Blick, Erröten, Verstummen,
Stottern

Bei Entstehung von Scham werden von Erziehungspersonen vorgegebene Maßstäbe
verinnerlicht

Konsequenzen für den Arzt:
 Verhalten erklären
 Intimsphäre nur insoweit berühren, wie es notwendig ist
 Empathisch auf Schamreaktionen eingehen und evtl. vorwegnehmen
 Mit den Angaben, die dem Patienten peinlich sind, empathisch und wertschätzend
  umgehen



Aggression

Ärger als Zustand:
Emotionales Bedingungsgefüge, welches aus subjektiven Gefühlen der Spannung,
Störung, Irritation und Wut besteht, begleitet von einer Aktivierung des autonomen
Nervensystems

Ärger als Eigenschaft:
Repräsentation interindividueller Unterschiede in der dispositionellen Neigung von
Personen, eine große Bandbreite von Situationen als störend oder frustrierend
wahrzunehmen und in solchen Situationen mit einer Erhöhung des Ärgerzustands zu
reagieren

Der psychodynamische Ansatz von Alexander
Annahme: chronisch gehemmte aggressive Antriebe stellen das wesentliche
psychodynamische Moment bei der Genese der essentiellen Hypertonie dar
 gemeinsames Charakteristikum von Hypertonikern: Unfähigkeit, ihre aggressiven
Impulse frei zum Ausdruck zu bringen

Suizid
Die Krankheit, Sterben zu wollen

   1. Einengung: situative, dynamische, zwischenmenschliche und wertspezifische
      Einengung
   2. Aggression: starke ohnmächtige Aggression gegen andere Personen,
      Wendung der Aggression gegen die eigene Person
   3. Selbstmordphantasien: Todes- und Rachephantasien (anfangs aktiv
      intendierte, später sich passiv aufdrängend)

Ärger und Aggressivität
Ärger:
Grundlegender Gefühlszustand menschlicher Wesen, dessen Ausdrucks- und
Erlebensform nach entsprechenden Untersuchungen interkulturell nahezu identisch
ist
Aggression:
Verhalten, das mit dem Ziel ausgeführt wird, einen Organismus oder
Organismusersatz zu schädigen
Aggressivität:
Erschlossene, relativ überdauernd erscheinende Bereitschaft zu aggressivem Handeln
Ärger kann Vorraussetzung für aggressives Handeln sein

Theorien zu Aggression und Ärger:
 Biologische Ansätze: Erklärung durch hirnphysiologische, genetische oder
  endokrinologische Gegebenheiten
 Psychologische Ansätze:
      o Triebstimmung: monokausale Erklärung mit Hilfe eines angeborenen
         Aggressionstriebs
      o Frustrations-Aggressions-Hypothese: jede Frustration f+hr zu Aggression,
         jeder Aggression geht eine Frustration voraus
      o Soziale Lerntheorie: Aggressionsverhalten wird durch Konditionierung und
         Modelllernen erworben
        o Katharsishypothese: aggressives Verhalten vermindert den Drang zu
          weiteren Aggressionen (Abreaktion); Kritik: längerfristig wird Aggressivität
          verstärkt, wenn sie zu Erfolg führt



Angst
Akute Angst läßt sich als Zustand gesteigerter Erregung verbunden mit Beengungs-
und Verzweiflungsgefühlen beschreiben, die mit zahlreichen körperlichen Symptomen
(sympathische Aktivierung) einhergehen kann. Der Mensch befindet sich
gefühlsmäßig in einem Stadium der Blockiertheit, die sich auf der kognitiven
(Gedankenkreisen) und verhaltensmäßigen (Handlunsblockade) äußern

Bei der wissenschaftlichen Erfassung von Angst muß man 3 Komponenten
berücksichtigen:
 Kognitiv-bewertende Komponente
 Motorisch-nonverbale (verhaltensmäßige) Komponente
 Physiologisch-erregende Komponente

Mimik:
Am Gesichtsausdruck kann festgestellt werden, wie sich Menschen fühlen:
    Auseinandergezogener Mund
    Angespannte Lippen
    Hoch-und zusammengezogene Augenbrauen
    Hochgezogene Oberlider
    Angespannte Unterlider
 Angstsignale, die in der Mimk sicher identifiziert werden können
 Woodworth und Schlosberg: Untersuchungen zur Klassifikation von
unterschiedlichen mimischen Ausdrücken

Chronische Ängste (Phobien, Angstneurosen) sind persistierende, wiederkehrende
Erregungsabläufe, die die normalen Lebensfunktionen und Alltagsabläufe in der
Regel stark beeinträchtigen.

Funktionen der Angst:
Im positiven Fall erhöte Aufmerksamkeit durch Sympathikus-Aktivierung; im
negativen Fall Aufmersamkeitseinengung, Reaktionsblockade



Unterschied zwischen Angst und Furcht:
 Gegenstandsbezogenheit: Furcht bezieht sich auf reale Gefahr, während bei
  Angst die Gefahrenquelle nicht genau bestimmt werden kann
 Aktionstendenz: mit Furcht ist Flucht verbunden, bei Angst ist jede
  Aktionstendenz zunächst gehemmt (Suchstadium)

Angst ist der kognitiven Theorie zufolge das Ergebnis komplexer
Bewertungsprozesse:
 Situationsbewertung
   Reaktionsbewertung
   Neubewertung

Angst in Zusammenhang mit körperlicher Erkrankung
Bedrohungserlebnisse:
 Bedrohung des Lebens
 Bedrohung der Gesundheit
 Bedrohung des Selbstbildes und Selbstwertgefühls
 Bedrohung von Sozialbeziehungen und Möglichkeiten des Sozialkontakts
 Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz
 Bedrohung der Möglichkeiten der eigenen Lebensgestaltung

Angst bei körperlichen Erkrankungen:
 Angst vor Verschlimmerung der Erkrankung
 Angst vor belastenden therapeutischen Maßnahmen
 Angst durch Bedrohung von Vitalfunktionen
 Angst durch physiologisch aktivierende Faktoren
 Akute Schmerz-Angst-Syndrome
 Angst bei zerebralen Erkrankungen

Mögliche Inhalte präoperativer Angst:
 Narkosewirkung
 Operationserfolg
 Postoperativen Schmerzen
 Maßnahmen der Nachbehandlung
 Trennungsängste
 Einschränkung der Intimsphäre

Bewältigungsstile von Angst
  1. Vigilanter Bewältigungsstil: Meistern der Angst, indem man Informationen
     über die Gefahrensignale und Gefahrenquellen sucht; meist ängstliche
     Personen
  2. Repressiver Bewältigungsstil: versuch, sich von allen Hinweisen, die die
     Gefahrensignale betreffen, verhaltensmäßig und mental abzuschotten;
     Neigung zur Angsunterdrückung

Chronische Ängste:
 Agoraphobie: Angst vor weiten Plätzen
 Klaustrophobie: Angst vor engen, geschlossenen Räumen
 Sozialängste: beziehen sich auf die Gegenwart anderer Menschen oder auf
   zwischenmenschliche Kommunikation
 Hypochondrische Ängste: richten sich auf ein für die Person wichtiges Organ
 Verletzungsphobie
 Schul- bzw. Kindergartenphobie
 Tierphobien
 Angstneurose: durch diffuse, frei flottierende Angst gekennzeichnet; sie tritt
   spontan, scheinbar ohne jeglichen Bezug auf
Trauer
Eine unlustbetonte Emotion, die, abhängig von der Intensität zu körperlichen
Erscheinungen führen kann, wie z.B. Weinen. Oft entsteht Trauer als Reaktion auf
einen realen oder antizipierten Verlust

Trauer spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab:
 Subjektive Ebene: Gefühle, veränderte Wahrnehmung, veränderte Gedanken,
   auch körperliche Beschwerden  als Trauerreaktion verändertes Verhalten
 Hormon- und Immunsystem: Sympathikus-Aktivierung (verstärkte Adrenalin und
   Cortisolausschüttung); suppressive Wirkung auf das Immunsystem
 Interpersonale und soziale Ebene: Veränderung des sozialen Status; bestehende
   Sozialkontakte sind weniger zugänglich  Konfrontation mit veränderten
   Rollenerwartungen!

Psychoanalytische Theorie:
Trauer ist eine aktive Leistung des ICH: erläßt Aufforderung, alle Libido aus ihren
Verknüpfungen mit dem Objekt abzuziehen  Sträuben, Interessenabwendung von
der Umwelt

Ethiologische Bindungstheorie:
Es kann nur trauern, wer sich gebunden hat; drohende Verluste steigern das
Bindungsverhalten
Funktion der Trauer: Motivation, das Verlorene zu suchen




Modell zum Verlauf der Trauerreaktion:
                    Trauerphasen
Initiale Phase    Akute Trauerphase Ablösungsphase
Schock               1. Sehnsucht    Akzeptierung
                     2. Verzweiflung
Den Verlust als      Den Trauerschmerz Sich anpassen an
Realität akzeptieren erfahren          eine Umwelt, in der
                                       der Verstorbene
                                       fehlt
                                       Emotionale Energie
                                       abziehen und in
                                       eine andere
                                       Beziehung
                                       investieren
                      Traueraufgaben
                         Trauerarbeit
Trauerphasen und Traueraufgaben sind Aspekte desselben Prozesses
Pathologische Reaktionen nach Verlustereignissen:
 Kummer-Effekt: erhöhte Mortalität in der Zeit nach dem Verlust: Herzkrankheiten,
   Infektionskrankheiten, Suizid, Unfälle
 Chronische Trauer: fehlende Zukunftsperspektiven, Widerstand gegenüber
   Veränderungen der Affekte des Trauernden
 Fehlende Trauer: dafür häufig körperliche Beschwerden
 Depression: Selbstwertgefühl wird stark beeinträchtigt, Schuldgefühle; Depression
   wird von Trauer unterschieden: Depression ist oft ohne bewußten Verlust, der
   Anlaß kann geringfügig sein

Risikofaktoren für pathologische Trauerreaktionen:
 Todesumstände: besonders bei unerwartet auftretenden Todesfällen; zeitlich zu
   früh/zu spät
 Hohe negative Valenz
 Unkontrollierbarkeit
 Soziale Begleitumstände: sozialer Status, soziale Integration
 Art der Beziehung zum Verstorbenen: ängstlich-abhängige oder ambivalent-
   konfliktbeladene Beziehung
 Merkmale des Hinterbliebenen

Trauer nach Lindemann
 Akute Trauer ist ein fest umrissenes Syndrom mit psychischer und somatischer
   Symptomatologie
 Dieses Syndrom kann unmittelbar nach einer Krise oder aber verzögert auftreten;
   es kann in übersteigerter Form vorhanden sein oder scheinbar fehlen
 Anstelle des typischen Syndorms kann es zu verzerrten Krankheitsbildern
   kommen, die jeweils einen bestimmten Aspekt des Trauer-Syndroms darstellen
 Mit angemessenen therapeutischen Techniken können diese Zerrbilder erfolgreich
   in eine normale Trauerreaktion mit anschließender Verarbeitung des Verlusts
   überführt werden




Begegnung mit Trauernden nach Rogers:
 Einfühlendes Verstehen (Empathie, Förderung der Selbstexploration)
 Echtheit/Selbstkongruenz (Vertrauensbildung)
 Emotionale Wärme/Wertschätzung (bedingungsloses Akzeptieren)

Phasenmodell zur Trauer Sterbender (Kübler-Ross):
1. Verleugnung und Isolierung vom Affekt/Aktive Verweigerung
2. Zorn/Aggressive Verweigerung
3. Verhandeln/Partielle Verweigerung
4. Trauer, Depression/Depressive Annahme
5. Zustimmung/Bewußte Annahme (verklärte Annahme)

Trauerberatung nach Worden:
Dem Hinterbliebenen helfen bei:
 Den erlittenen Verlust zu aktualisieren
   Emotionen verbalisieren lernen
   Ohne den Verstorbenen weiterzuleben
   Allmählich neue soziale Beziehungen knüpfen
   Hinweis geben, dass zahlreiche seiner aktuellen Verhaltensweisen natürlicher
    Bestandteil des normalen Trauerns sind
   Individuelle Unterschiede in der Kummerreaktion einkalkulieren
   Kontinuierliche Unterstützung  Unterstützungsgruppen
   Abwehrverhalten und Bewältigungsstile analysieren
   In Therapie überweisen, sobald Grenzen der eigenen Beratungskompetenz
    erreicht sind



Unterstützungssysteme
Selbsthilfegruppen wollen professionelle Hilfe ergänzen und unterstüzten. Die
entscheidenden Merkmale aller Selbsthilfgruppen sind Selbstbetroffenheit und
Handeln in eigener Sache. Ein Risiko dabei ist, dass die Grenzen der
Selbsthilfegruppe nicht akzeptiert werden.

Selbsthilfeorganisation:
Bürokratisch organisiert; verfolgen äußere Selbsthilfeziele (Informationsvermittlung,
Forschungsförderung, Öffentlichkeitsarbeit, Gesetzesveränderungen); Bsp.: Rheuma-
Liga, MS-Gesellschaft

Selbsthilfegruppen:
Wenig bürokratisiert, arbeiten i.d.R. lokal; Bsp.: Frauenselbsthilfegruppen nach Krebs

Eine besondere Form der Selbsthilfegruppe sind die Gesprächsgemeinschaften aus 6-
12 Personen. Diese haben ein klar festgelegtes Setting:
 Alle Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt
 Jeder bestimmt über sich selbst
 Jede Gruppe entscheidet selbstverantwortlich
 Jeder geht in die Gruppe wegen eigenen Schwierigkeiten
 Guppenschweigepflicht
 Kostenlose Teilnahme

Im Vordergrund stehen dabei das Kleingruppenprinzip, das Kontinuitätsprinzip und
das Gruppenselbsthilfeprinzip (jeder hilft sich selbst und wird dadurch zu einem
Vorbild für die anderen).  Lernen am Modell

Falls ein Fachmann zu Rate gezogen wird, gilt das Motto: Der Arzt berät nicht die
Gruppe sondern mit ihr.


Beziehungsdiagnostik und Therapieeffekte
Interaktion:
Gegenseitige Beeinflussung von Individuen innerhalb von und zwischen Gruppen und
die dadurch entstehenden Änderungen des Verhaltens oder der Einstellungen,
Meinungen etc.

Problempatient:
 der Arzt wird an die Grenzen seiner fachlichen Kompetenz geführt:
    Schwierige Diagnosefindung in rein organmedizinischem Sinne
    Vermutung einer psychosozialen Ätiologie
    Schwierige Beziehung zum Patienten (z.B. Nervensäge)

Double-Bind:
 Der schwächere abhängige Partner
 Ist inkongruenten paradoxen Mitteilungen aussgesetzt (der Problempatient wird
  vom Arzt behandelt, obwohl dieser ihn gar nicht behandeln will und spürt dies)
 Er ist auf die Beziehung angewiesen, kann sie nicht verlassen (infantile
  Abhängigkeit)

Übertragung:
Ein Vorgang, bei dem ein Mensch Gefühle, Phantasien, Wünsche, Einstellungen und
Reaktionsmuster, die aus seinen früheren Interaktionserfahrungen mit einer
bestimmten Bezugsperson stammen, auf eine andere Bezugsperson bezogen
wiederholt.
Man kann unterscheiden zwischen positiver Übertragung (freundliche Gefühle),
negativer Übertragung (Enttäuschung, Haß) und ambivalenter Übertragung (positive
und negative Gefühle stehen gleichzeitig nebeneinander)

Gegenübertragung:
Zwei Varianten:
 Spezifische Reaktion des Analytikers (Arzt) auf das Übertragungsangebot des
  Patienten
 Vorgang von seiten des Analytikers, der der Übertragungsreaktion des Patienten
  in umgekehrter Richtung analog ist


Iatorgene Fixierung:
Viele Patienten stehen in der Gefahr, daß sie Symptome besonders beachten, denen
der Arzt in auffälliger Weise Aufmerksamkeit geschenkt hat. Der Patient klammert
sich noch an Beschwerden und Befunde, selbst wenn diese negativ bestätigt wurden.
Daher halten viele Patienten an einer reinen Somatogenese fest, auch wenn ihre
Beschwerden überwiegend seelischer Natur sind
Innerer Zyklus: Abläufe innerhalb der betroffenen Person (Wahrnehmungen,
Gedanken, Gefühle), die sich zirkulär aufschaukeln können (GROL)
Äußerer Zyklus: Beziehungsgeschehen zwischen dem „Kranken“ und seiner
Umgebung

Psychoanalytisches Erstinterview:
Die Gesprächstgestaltung des Erstinterviews wird weigehend dem Patienten
übergeben. Die Informationene, die der Interviewer dabei erhält, lassen sich
klassifizieren in objektive Informationen (Alter, Beruf, ...), subjektive Informationen
(Bewertungen...) und szenische Informationen (spontan sich entwickelnde
Beziehungskonstellationen)

Balintgruppe:
Hat das Ziel, die Übertragungs-Gegenübertragungs-dynamik oder besondere
Beziehungsstörungen innerhalb der Arzt-Patient-Beziehung besser zu verstehen.
1. Vorphase                               Zusammenfinden der Gruppe
                                          (Alltagskommunikation); Schweigen,
                                          Aufforderung zum Beginn der Arbeit
2. Aushandlungsphase                      Einigung auf Vortragenden etc.
3. Falleinbringunsphase                   Selbstdarstellung und Schildern der
                                          Krankengeschichte (inhaltliche
                                          Vollständigkeit nicht entscheidend
                                          wichtig)
4. Fallbearbeitungsphase                  Verstehen des Problems und Versuch,
                                          evtl. Lösungsmöglichkeiten vorzustellen
5. Abschlußphase

Ursachen für häufige Störungen in der Arzt-Patient-Beziehung:
 Störungen in der Nachrichtenübermittlung
 Störungen in der Nachrichtenverarbeitung
 Der Patient stört
 Fehlende Krankeitskompetenz



Erlernte Hilflosigkeit
Das Konzept der Selbstaufgabe von Engel und Schmale:
Das zentrale Thema der psychosomatischen Medizin sind psychische Faktoren, die
dem Beginn einer körperlichen Erkrankung vorausgehen oder die körperliche
Erkrankung verschlechtern. Man unterscheidet spezifische und unspezifische
Faktoren. Spezifische Faktoren sind bedeutsam für bestimmte Kategorien
somatischer Erkrankungen, unspezifische Faktoren wirken sich auf den Verlauf der
verschiedenartigen Störungen aus.

Engel und Schmale sprechen von dem Komplex „giving up – given up“ als
unspezifischem Faktor, wobei das „given up“ der Endzustand der Phase der „giving
up“ ist, die durch ein Versagen der Abwehrmechanismen und der bisher wirksamen
Mittel, Befriedigung zu erlangen, eingeleitet wird.

Im Gefühlszustand der Selbstaufgabe wird entweder Hilflosigkeit oder
Hoffnungslosigkeit überwiegen:
 Hilflosigkeit: die Person ist der Auffassung, dass andere Menschen ihr helfen
   könnten, sie selbst ist aber außerstande, hilfreiche Beziehungen zu aktivieren
 Hoffnungslosigkeit: die Person glaubt, dass sie Hilfe von außen gar nicht ntzen
   könne und dass sie einer solchen Hilfe gar nicht würdig sei
Typische Auslösemechanismen für den Komplex „giving up – given up“ sind
tatsächliche, drohende oder phantasierte Verlusterlebnisse.
Selbstaufgabe begünstigt somatische Erkrankungen, ist aber weder notwendige noch
hinreichende Bedingung für sie


Die Theorie der gelernten Hilflosigkeit von Seligman:
Ausgangspunkt: Tierversuche: Hunde in drei Gruppen
 Trainingsphase:
   1. Gruppe erhält Elektroschocks  durch Knopfdruck mit der Schnautze beendbar
   2. Gruppe erhält gleiche Schocks (jedes Tier war einem aus der 1. Gruppe
   entsprechend  “yoked” (verbunden)  kein Einfluß auf Beendigung 
   Hilflosigkeitstraining
   3. Gruppe: keine Schockbehandlung
 Testphase: zwei Kammern, in denen die Hunde frei beweglich sind  Beendigung
   der Elektroschocks durch Überspringen der Hürde  erste und dritte Gruppe
   springt; 2. Gruppe (Hilflosigkeitstraining) erträgt Schocks


Eine Person, die eine Situation als nicht kontrollierbar wahrnimmt, entwickelt die
Erwartung, dass die Situation auch in Zukunft nicht kontrollierbar sein wird. Aus
dieser Erwartung heraus enstehen Hilflosigkeitsdefizite:
 Emotionales Defizit: Angst, Depression
 Motivationales Defizit: Passivität
 Kognitives Defizit: die Person wird ihre Möglichkeiten, in anderen Situationen
   Kontrolle auszuüben, nicht oder schlechter erkennen
 Einbußen der Lern- und Leistungsfähigkeit

In der reformulierten Fassung der Theorie von der gelernten Hilflosigkeit nimmt die
Art und Weise, in der sich die Betroffenen unkontrollierbare Ereignisse erklären,
einen zentralen Platz ein:
 Attributionsdimension:
       o Ursprung: internale oder externale Attribuierung (Ursache bei sich selbst
           oder bei anderen)
       o Wirkunsdauer: stabile oder variable Attribuierung
       o Wirkungsbreite: globale oder spezifische Attribuierung
 Attributionsstil: Tendenz, sich positive und negative Ereignisse über die Zeit
    hinweg stabil in ähnlicher Weise zu erklären (Pessimistische Attribuierung)
       o Persönliche Hilflosigkeit: internale Attribuierung negativer Ereignisse (
           Depression, Verminderung des Selbstwertgefühls)
       o Universale Hilflosigkeit: externale Attribuierung negativer Ereignisse (
           evtl. Depression, Z.B. Burnout-Syndrom)

                       Objektive Nicht-Kontrollierbarkeit

                   Wahrgenommene Nicht-Kontrollierbarkeit

                                           Pessimistischer Attributionsstil
               Erwartung zukünftiger Nicht-Kontrollierbarkeit

                              Hilflosigkeitsdefizite
       Motivational:                Emotional:                    Kognitiv:
        Passivität                 Depressivität            Schlechtes Erkennen
                                                                tatsächlicher
                                                              Kontrollierbarkeit

                       Lern- und Leistungsbeeinträchtigung



Intensive externale Kontrollüberzeugung :
Überzeugung, wer oder was ein Geschehnis kontrollieren kann. Eine Krankheit wird
am besten verarbeitet bei externaler Attribuierung und internaler
Kontrollüberzeugung

Optimismus:
Generalisierte Erwartung eines Menschen, dass die Dinge, die in der Zukunft
geschehen, für ihn positiv ausfallen

Selbstwirksamkeitserwartung:
Glaube eines Menschen, dass ein bestimmtes Verhalten einen bestimmten Effekt hat,
verbunden mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mit diesem Verhalten
diesen Effekt zu erzielen.

Hoffnung:
Positiver emotionaler Zustand, der auf einem Gefühl der Kraft und einem Gefühl der
Gewißheit dafür basiert, mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen persönliche
Ziele mit Erfolg erreicht werden können.

Gelernte „Resourcefulness“:
Tendenz, bei der Lösung von Verhaltensproblemen Selbstkontrollstrategien
anzuwenden

						
Related docs
Other docs by HC120918014149
2011 Advice to AP students next Year
Views: 2  |  Downloads: 0
Diapositive 1
Views: 0  |  Downloads: 0
Juristische Definition S
Views: 9  |  Downloads: 0
Home Buying Process
Views: 0  |  Downloads: 0
a Industrial Chemistry Research Institute
Views: 3  |  Downloads: 0
Teachers Notes - Download Now DOC
Views: 1  |  Downloads: 0
CH Atomkraft
Views: 1  |  Downloads: 0
visual basic ile programlama
Views: 153  |  Downloads: 0