Einf�hrung in die medizinische Psychologie
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Einführung in die medizinische Psychologie
Einleitung
Definition:
Medizinische Soziologie:
Anwendung soziologischer Theorien und Methoden auf das Gesundheitswesen sowie
die Phänomene Gesundheit und Krankheit
Medizinsche Psychologie:
Anwendung von Erkenntnissen und Methoden der Psychologie auf Probleme der
Medizin
in Forschung, Praxis und Lehre differenzierte Wissenschaft, die das gesundheits-
und krankheitsbezogene Verhalten und Erleben aller Kommunikationspartner im
somatisch-medizinischen Bereich des ärztlichen Berufsfeldes sowie den
entsprechenden architektonischen und mitmenschlichen Kontext, aber auch die
Lehren von Gesundheit und körperlicher Krankheit zum Gegenstand hat
Psychologie:
Wissenschaft vom Verhalten und Erleben des Menschen das in Erleben und
Verhalten differenzierte psychische Leben der Person und dessen Bewußtseins-
Unbewußtseins-Modalität
empirische wissenschaftliche Disziplin
zielt auf Verstehen menschlichen Verhaltens und Erlebens ab
betrachtet den Menschen in seinem Lebensraum (= Kontext seiner dinglichen und
sozialen Umwelt) und seiner Biographie (= Lerngeschichte)
Logogramm der Psyche:
Person (Seele)
Psychisches Leben
Bewußtsein als Präsenz
Erleben Verhalten
Unbewußtsein als Latenz
Funktionsbereiche:
Empfindung
Wahrnehmung
Denken
Lernen
Emotion
Motivation
Handeln
Soziologie:
Gesellungslehre; Wissenschaft von der Gesellschaft und dem menschlichen Verhalten
soziozentrisch ausgerichtet (mikrosoziologische und makrosoziologische
Perspektive)
Mensch auch als sozialkulturelle Persönlichkeit ( Sozialisation)
will Prozesse und Phänomene beobachten, beschreiben, verstehen, erklären,
vorhersagen
Sozialisation: interaktiver Prozeß lebenslangen sozialen Lernens, bei dem sich die
Sozialisatoren gegenseitig beeinflussen
Sozialpsychologie: repräsentiert die akzentuierte Gegenüberstellung von
Individuum und System, und zwar im Sinne einer Figur-Grund-Vertauschung, nicht
einer Trennungslinie
Bedeutsame Ansätze der Psychologie
Kognitivismus Psychoanalyse Behaviorismus
Zentraler Bewußtsein Triebe und Äußeres Verhalten
Untersuchungsgege unbewußte Inhalte
nstand
Maßgebende Erkenntnisstrukture (unbewußte) Milieubedingungen
Ursachen des n Komplexe,
Verhaltens Triebfixierungen
Menschenbild Der Mensch besitzt Der Mensch ist Freiheit und
Einsicht und Gefangener seiner Vernunft sind
Voraussicht Triebe vorwissenschaftliche
Verantwortung und s Begriffe. Das
Entscheidungsfreihe Verhalten des
it Menschen ist voll
durch seine
Umgebung und
seine Triebreize
bestimmt
Bevorzugte Offene Befragung Suche nach Messung von Reizen
Untersuchungsmeth Symbolen des und Reaktionen
ode Unbewußten in
Sprache und nicht-
sprachlichen
Ausdrücken
Bevorzugte Beratung, Hilfe zur Aufklärung über Verhaltensmodifikati
Behandlungsmethod Selbstreflexion und Komplexe, on durch
e Selbsregulation Traumata, Reizkontrolle,
Verdrängungen Verstärkungspläne,
Verhaltenspläne
Stadien der Auseinandersetzung mit einer schweren Krankheit (MS):
Verleugnung Gegenwehr Akzeptanz Integration
Das Leib-Seele-Problem
Wurzel: erkennbare Verschiedenheit von körperlichen und psychischen Prozessen
Dualistische Theorien (Selbständigkeit des Physischen und Psychischen):
1. Wechselwirkungslehre (Descartes, Lotze):
gegenseitige kausale Beziehung zwischen Körper und Seele körperliche
Vorgänge beeinflussen psychische Vorgänge und umgekehrt
2. Parallelismus-Theorie (Leibnitz):
Kein ursächlicher Zusammenhang zwischen beiden “Gleichklang” ohne dass
Beziehungen Bestehen “Prästabilierte Harmonie”
Monoistische Theorien:
1. Identitätslehre (Spinoza, Fechner, Wund, Feigl):
Leib und Seele sind in Wahrheit ein und dieselbe Sache verschiedene
Betrachtungsformen ein und derselben Wirklichkeit
2. Materialismus (Priestley, Büchner):
Das Seelische ist Epiphänomen des Körperlichen (Wirkung, Widerspiegelung,
Produkt) kann nicht auf deas Materielle zurückwirken
3. Spiritualismus (psychophysischer Idealismus; Fichte, Schopenhauer):
Das geistige Prinzip ist die Grundlage aller Wirklichkeit das Materielle ist
Produkt das Geistigen
Sozialisation:
Einstellung:
Definition:
1. Dreikomponentenansatz
Einstellungen bestehen aus affektiven (gefühlsbezogenen), kognitiven (auf
Wissen oder Meinungenbezogen) und konativen (verhaltensbezogen)
Komponenten
Einstellung = relativ lang andauernde, gelernte, psychische und physiologische
Bereitschaft, durchgängig und einheitlich bestimmte Klassen von Objekten
wahrzunehmen, zu bewerten und sich ihnen gegenüber in bestimmter Weise zu
verhalten
Beobachtbare Reize Hypothetisches Beobachtbare Reaktion
Konstrukt
Merkmale eines Affektive Reaktion
Einstellungsobjektes Einstellung Kognitive Reaktion
Konative Reaktion
2. Zweikomponentenansatz
Nur affektive und kognitive Komponente
3. Einkomponentenansatz
Nur affektive Komponente
Zwischen einzelnen Einstellungskomponenten können auch Widersprüche bestehen
Einstellungsmessungen:
nicht direkt meßbar, nur vermittelt (verbale Äußerungen von Probanden etc.)
Ein-Item-Skalen:
Eine Einstellungsfrage wird mit einer entsprechenden Beurteilungsskala versehen
Likert-Skalen:
Einer Reihe von Aussagen, die eine endeutig positive oder negative Bewertung eines
bestimmten Einstellungsgegenstandes beinhalten, wird jeweils eine fünfstellige Skala
(-2 bis +2) beigegeben, wo Probanden den Grad ihrer Zustimmung/Ablehnung
angeben sollen Ausprägung der Einstellung durch Addition der entsprechenden
Skalenwerte
Semantisches Differential:
Messung unterschiedlicher Einstellungen “Polaritätsprofil”
Adjektivpaare gegensätzlicher Bedeutung mit bewertendem Charakter
siebenstufige Ratingskala dazwischen Einschätzung
Funktion von Einstellungen:
Ausdruck eigener Werte und Selbstverwirklichung
Instrumentelle oder Anpassungsfunktion: Äußerung einer Wertung um ein
bestimmtes Ziel zu erreichen
Ich-Verteidigungsfunktion (Abwehrfunktion): unbewußte Entwicklung einer
negativen Einstellung gegenüber Personen, bei denen man eigene als negativ
empfundene Gefühle zuschreibt Aufrechterhaltung des eigenen positiven
Selbstkonzeptes
Ökonomiefunktion: selektive Wahrnehmung bestimmter Ausschnitte der Realität
(bes. konsonante Informationen
Stereotypen: verallgemeinerte, vereinfachende, relativ starre Annahmen über die
Eigenschaften einer Person, die einer best. Gruppe angehört
Vorurteile: Stereotypen + wertende Elemente
Stereotypen haben bei der sozialen Urteilsbildung eine wichtige Funktion: den Prozeß
der Informationsverarbeitung zu erleichtern
Beziehung zwischen Einstellung und Verhalten
Einstellungen stellen eine möglicherweise notwendige, keinesfalls aber hinreichende
Bedingung dafür dar, ein bestimmtes Verhalten “im Ernstfall” auch tatsächlich zu
zeigen.
Theorie des geplanten Verhaltens:
zur Vorhersage des Verhaltens einer Person müssen nicht nur deren Einstellungen
berücksichtigt werden, sondern auch ihre subjektive Norm (= Annahme über die
verhaltensbezogenen Erwartungen ihrer Bezugsgruppe in Verbindung mit ihrer
Motivation, diesen Erwartungen Folge zu leisten) und die von ihr wahrgenommene
Verhaltenskontrolle (=Überzeugung, ein als positiv bewertetes Verhalten tatsächlich
auszuführen und gegenüber anderen zu vertreten)
unmittelbare Determinante eines bestimmten Verhaltens ist die Absicht, diese
auszuführen
Einstellung bezüglich Verhalten
Subjektive Norm Absicht Verhalten
Wahrgenommene Verhaltenskontrolle
Einstellungsänderung
Es gibt drei Gruppen von Faktoren, die die Wirksamkeit von Beeinflussungsversuchen
beeinflussen:
Merkmale des Kommunikators: Glaubwürdigkeit, Attraktivität und Macht
Merkmale des Empfängers: Fähigkeit und Motivation, sich gedanklich mit dem
Inhalt det Botschaft auseinanderzusetzen
Merkmale der Botschaft: Qualität der Argumente
Reaktanz: tritt auf, wenn sich der Betroffene in seiner Freiheit eingeschränkt fühlt
behält seine Meinung bei oder ändert sie in die entgegengesetzte Richtung
(Bumerang-Effekt)
Theorie kognitiver Dissonanz:
Motivation, die Komponenten des kognitiven Systems auf ein konsistentes Level
zu bringen
Bei widersprüchlichen Kognitionen zu einem Sachverhalt Aufnahme neuer
konsonanter Kognitionen und/oder das Nichtbeachten dissonanter Kognitionen
Berufliche Sozialisation
Sozialisation: interaktiver Prozeß lebenslangen Lernens (Wechselspiel von
Anpassung und Selbstdurchsetzung) Erlernen sozialer Rollen
Berufliche Sozialisation: Sozialisation im Beruf oder Sozialisation für den Beruf
Studienwahlmotive:
Idealistisch-humanitäre Motive
Naturwissenschaftliches bzw. fachliches, auch praxisbezogenes Interesse
Sozioökonomische Motive
Erwartungen bzw. Wünsche anderer, Einflüsse von Familientradition und
Vorbildern, medizinische Vorerfahrungen
Wichtige Persönlichkeitsmerkmale
Neurotizismus: emotionale Labilität
Extraversion
Intoleranz der Ambiguität: Tendenz, vieldeutigen Situationen auszuweichen
Zynismus: Ein geringschätziger Zweifel an der Aufrichtigkeit der Motive oder der
Geradlinigkeit des Verhaltens eines Menschen, charakterisiert durch die
Überzeugung, dass menschliches Verhalten von Eigennutz oder Zügellosigkeit
angeregt oder geleitet wird
Menschenfreundlichkeit: Achtung vor den Belangen der Menschheit, Güte und
Menschenliebe
Burnout
Def.: Zustand seelischer Erschöpfung, der oft am Ende einer langdauernden
Überforderung durch vielfältige Belastungen ohne angemessenes Korrektiv eintritt.
Schleichend beginnende oder abrupt einsetzende Erschöpfungserfahrung
körperlicher, geistiger oder gefühlsmäßiger Art in Beruf, Freizeit, Freundeskreis,
Partnerschaft und Familie, oft verbunden mit Aversion, Ekel und Fluchtgedanken
Arbeitsstressoren Streßreaktion Defensive Bewältigung
Merkmale:
Emotionale Erschöpfung (= Kern des Burnout-Erlebens)
Depersonalisierung
Abnahme persönlicher Leistungsfähigkeit
Verhinderung durch:
Personenbezogene Strategien (Arbeitsgestaltung, Selbstbelohnung)
Organisations- und institutionsbezogene Strategien (Supervision, Weiterbildung,
Coaching, Systemberatung, Veränderung der Arbeitsbedingungen)
Gesellschaftliche Veränderungen
Selbstfürsorglichkeit
Emotionen
Differenzierung von Gefühlserlebnissen:
1. Stimmungen:
Def.: jenes mehr oder weniger persistierende ebenso diffuse wie je unterschiedlich
unlus- und/oder lustbetonte Zumutesein des Menschen, für welches häufig keine
umschriebene Ursache auszumachen ist und das keinen eindeutigen Bezug auf
Objekte oder Situationen erkennen läßt
Vergleichsweise lang anhaltendes Zumutesein (objektlos)
Atmosphärisch diffus, ungegliedert
Nicht intentional gerichtet, kein Bezug auf Personen etc., Zustandserlebnisse
Keine beobachtbare Differenzierung zwischen erlebtem Ich und erlebter Welt
Somatische Verwurzelung von Stimmungen, erlebtes Zumutesein, das nicht über
sich hinauswächst
Relativ überdauerndes Zumutesein, Bezugsrahmen für alle anderen Erlebnisse
Vielzahl voneinander unabhängiger Dimensionen; können anteilig mehrere
Dimensionen enthalten
2. Erlebnistönungen:
Einheitlich, nicht mehrere zugleich
“Grundcharakter”, von dem sich Bewußtseinsinhalte abheben
Wandes durch wesentliche Bewußtseinsinhalte
Reaktion auf Wahrgenommenes
Von motorischen Korrelaten begleitet
Ordnungsdimension zur Beschreibund von Erlebnistönungen: Gegensatzpaare
3. Gefühle im engeren Sinne:
Als “Figur” gegen den “grund” von Stimmungen und Erlebnistönungen;
Figurcharakter oft wenig gegliedert
Gefühle haben einen “Einsatz” entfalten sich und verklingen
Gefühle sind ein soziales Phänomen; die mit jedem Gefühl verbundene
motorische Komponente kann als Handlungsentwurf bezeichnet werden
Gefühle unterliegen sozialer Formung und Normung (im Gegensatz zu
Erlebnistönungen)
Interesse-Erregung, Vergnügen-Freude, Überraschung-Schreck, Kummer-
Schmerz, Zorn-Wut, Ekel-Abscheu, Geringschätzung-Verachtung, Furcht-Entsetzen,
Scham/Schüchternheit-Erniedrigung, Schuldgefühl-Reue
Emotionale Störungen als Behandlungsanlaß:
Zu intensive Emotionalität
Körperliche Äquivalente von Emotionen
“falsche” Emotionen
emotionales Defizit
störendes Auffallen
Komponenten von Emotionen:
kognitive Komponenten: Ergebnis einer wertenden Einschätzung äußerer und
innerer Ereignisse
physiologische Komponente: Umstellung des sympathiko-adrenergen Systems zu
autonom-vegetativen Prozessen
expressiv-behaviorale Komponenten: mehr oder weniger willkürliche Veränderung
des sichtbaren Verhaltens
Bereits die verbale Benennung eines Gefühls kann zu einer ersten Veränderung eben
dieses Gefühls führen, da mit der Verbalisierung und Selbstbeobachtung auch
Aufmersamkeitsverschiebung Wahrnehmungsveränderung einhergehen
Der Ausdruck von Emotionen erfolgt individuell verschieden (u.a. durch
Sozialisationserfahrungen); verhältnismäßig universell sind lediglich der
Gesichtsausdruck und gewisse stimmliche Erscheinungsweisen spontaner Emotionen
Lebensqualität:
Def.: Lebensqualität bei chronischem Kranksein ist die individuelle Konstellation aus
objektiven Lebensbedingungen und subjektivem Befinden, bezogen auf einen
definierten Zeitraum.
Aspekte:
Konstrukt nicht direkt beobachtbar
Wichtige Komponenten:
Physiches Befinden
Soziales Befinden
Funktionsfähigkeit
Zufriedenheit in verschiedenen Lebensbereichen globale Bewertung
In der Medizin: bezogen auf Gesundheit; Unterscheidung zwischen Dimension des
Erlebens und Dimension des Verhaltens
Gesundheit: Ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen
Wohlbefindens, nicht nur die Abwesenheit von Krankheit
Erklärungsansätze zur Entstehung von Gefühlen im engeren
Sinne
Das Komponenten-Modell der Aktualgenes von Gefühlsregungen (Ulich):
Ereignis
Situation/ Aktuelle Momentanverfassung
Kontext Gefühlsregung der Person
Emotionales Schema
Der Person
Ereignis (Sachverhalt): jede merkbare, aufmerksamkeitserregende innere oder
äußere Veränderung
Momentanverfassung der Person: Gesamtheit der in diesem Augenblick
wirksamen Zustände und Verfassungen der Person
Emotionales Schema:
Trait (Persönlichkeitsmerkmal) oder State (Zustand)
Entstehen aufgrund von Erfahrung, Erleben und Erlernen und aufgrund einer
internen Organisation von Eindrücken
Aktuelle Gefühlsregung letztendlich von Situation bzw. Kontext bestimmt
Das Experiment von Schachter und Singer (1962):
Ausgangspunkt: Korrespondieren unterschiedliche Emotionen mit spezifischen
physiologischen Reaktionsmustern oder gibt es nur ein allgemeines physiologisches
Erregungsmuster trotz differenzierter Emotionen?
Annahme:
Kognitionen haben beim Erleben spezifischer Gefühle eine Steuerfunktion inne:
unspezifische physiologische Erregung kognitive Interpretation Emotion
Kognitionen kommen aus Interpretationsmöglichkeiten und vergangenen
Erfahrungen des Individuums
Physiologische Erregung ohne Erklärung bewertung durch das Individuum
Physiologische Erregung mit Erklärung keine Such nach Erklärungen
Emotionsinduzierende Kognitionen ohne physiologische Erregung keine
Emotionswahrnehmung
Unter gleichen kognitiven Bedingungen hängt das Ausmaß der Emotion vom
Erregunszustand ab
ADRENALIN PLACEBO
Richtig Information Falsch Richtig Information Falsch
informiert “keine informiert informiert “keine informiert
über Nebenwirku über über Nebenwirku über
“Nebenwirkun ng” “Nebenwir “Nebenwi ng” “Nebenwir
gen” kungen” rkungen” kungen”
Euph + + + +
Ärg + + +
Hypothesen mit gewissen Einschränkungen untermauert
Prozesse des Entstehens einer Emotion:
Alltäglicher Fall:
Situation Aktivierung Emotionale Physiologische Wahrgenomm Attribution Emotion
von Wissen Einschätzung Erregung ene Erregung von Erregung
um die der Situation auf die
Situation emotionale
Einschätzung
Nicht alltäglicher Fall:
Physiologische Wahrgenomm Erklärungsbed Ursachensuch Emotionale Attribution Emotion
Erregung ene Erregung ürfnis e Einschätzung von Erregung
auf die
emotionale
Einschätzung
Experiment
Flußdiagramm einer empirischen Untersuchung:
Ausgangsmaterial: klinische Beobachtungen etc.
Formulieren einer umgrenzenden wissenschaftlichen Fragestellung
Entwickeln bzw. Ableiten von Hypothesen über Zusammenhänge von Ereignissen
Übersetzen der Fragestellung und der zu prüfenden Hypothese in einen
Untersuchungsplan
Empirische Erhebung der Daten
Datenverarbeitung
Zusammenstellung der Ergebnisse der Untersuchung
Interpretation der gefundenen bzw. nichtbestätigten Zusammenhänge oder
spezifischen Unterschiede
Grundprinzipien:
Willkürlichkeit: absichtliche planmäßige Auslösung bestimmter Erlebens- und/oder
Verhaltensreaktionen unter kontrollierten Rahmenbedingungen (Auswahl von
Versuchspersonen (Vpn), Ort und Zeitpunkt)
Wiederholbarkeit: impliziert durch die willkürliche Erzeugung der Situation;
eingeschränkt auf die prinzipielle Replizierbarkeit mit Vpn aus der statistisch
gleichen Population
Variierbarkeit: gezieltes Verändern von Variablen systematische Beobachtung
der Effekte dieser Variablen
Hypothese:
Beliebige Aussage, die man provisorisch für bestimmte Zwecke als wahr annimmt,
auch wenn man nicht oder zumindest nicht genau weiß, ob sie wirklich wahr ist oder
nicht.
Begriffe:
Unabhängige Variable (UV): Bedingung, die variiert wird
Abhängige Variable (AV): Ergebnis, das als Folge der UV beobachtet wird
Intervenierende Variable (IV): Störvariable, die ebenfalls auf die AV einwirkt,
jedoch schwer kontrolliert werden kann
Operationalisierung: Zuordnung der in der Hypothese verwendeten Begriffe zu
empirisch meßbaren Variablen
Max-kon-Min-Prinzip: Ziel der Operationalisierung; experimentelle
Bedingungen werden so gewählt, dass die Effekte von UV MAX sind, der Einfluß
systematischer Störvariablen auf die AV KONtrolliert werden und deren
unsystematischen Zufallsvariablen MINimiert werden
Interne Validität: die Variation der AV kann eindeutig auf die Manipulation der UV
zurückgeführt werden
Externe Validität: die Befunde lassen sich auf andere Situationen übertragen
Fehler und Fehlerkontrolle im Experiment:
Unterscheidung zwischen systematischen und zufälligen (unsystematischen) Fehlern
Zufällige Fehler: natürliche Variabilität der Reaktion der Versuchspersonen; läßt
sich minimieren durch eine große Anzahl an Werten
Systematische Fehler: ergeben sich aus Fehlern bzw. Schwächen des
Untersuchungsdesigns; können nicht durch große Anzahl an Werten minimiert
werden
Kontrollmethoden:
Parallelisierung: zwei Gruppen mit dem gleichen relevanten Merkmal werden
getrennt untersucht (Gleichverteilung)
Randomisierung: zufällige Verteilung der Vpn auf die Gruppen
Blindversuch: das Ziel des Experiments ist der Vpn unbekannt
Doppelblindversuch: das Ziel des Experiments ist sowohl der Vpn als auch dem
Versuchsleiter unbekannt
Skalentypen:
Skalierung: Zuordnung von Zahlen zu Merkmalsausprägungen gemäß einer
bestimmten Regel
Die AV kann durch verschiedene Skalentypen erfaßt werden:
Nominalskala: nimmt nur eine bewertungslose Klassifizierung vor (Geschlecht,
Blutgruppe, Familienstand)
Ordinalskala: auch als Rangskala bezeichnet; hier werden Einteilungen in größer-
kleiner oder besser-schlechter vorgenommen, wobei über die Abstände der
merkmalswerte keine Aussage gemacht wird (sehr traurig, traurig, weder noch,
unbeschwert, sehr unbeschwert)
Intervallskala: die Abstände der Skalenelemente sind gleich groß, ein Nullpunkt
kann willkürlich festgelegt werden (Temperatur, IQ)
Verhältnisskala: es besteht ein absoluter Nullpunkt; daher kann man die einzelnen
Mermalsausprägungen miteinander ins Verhältnis setzen (Herzfrequenz,
Blutdruck, Reaktionszeit)
Felduntersuchung:
Ziel: Aussagen über das Verhalten eines Menschen in seiner sozialen und materiellen
Umwelt, auch wenn er nicht Gegenstand einer Untersuchung ist, was er tut, wenn
kein Versuchsleiter in direkt oder indirekt beeinflußt, und was ihn veranlaßt es zu tun
Feld: natürliches Milieu oder sozialer Lebensspielraum, in dem sich das
Forschungsobjekt aufhält und bewegt
Bestandteile:
Unkenntnis der Probanden über die Untersuchung und das an ihnen Untersuchte
Nicht-reaktives Meßverfahren
Sich natürlich ergebende Veränderungen werden als UV aufgefaßt
Untersuchung wird in der natürlichen Umgebung der Probanden durchgeführt
Der Untersucher manipuliert die Untersuchungsbedingungen mehr oder weniger
stark
Feldbeobachtung: Forscher verfolgt das Geschehen, verändert aktiv aber nichts
Feldexperiment: der Forscher verändert die UV
Die externe Validität ist hier groß
Quasiexperiment:
Mit natürlich vorkommenden Gruppen
Zwischen Feldstudie und Experiment
Nicht konstruiertes Experiment (Menschen wußten von Beobachtung)
Placebo-Effekt
Suggestiver Faktor, der neben der pharmakologischen Wirksubstanz an der Wirkung
eines jeden Medikaments beteiligt ist.
Überprüfung im Doppelblindversuch; die Placebowirkung geht im Wesentlichen aus
Erwartungen hervor
Faktoren, die das Auftreten des Placebo-Effekts begünstigen:
Art der Erkrankung, v.a. bei Schmerzbehandlung
Persönlichkeit des Arztes
Persönlichkeit des Patienten: v. a. bei ängstlichen und extrovertierten Menschen
Situative Merkmale: v.a. bei bedrohlichen, belastenden Situationen
Darreichungsform (Galenik): v.a. Spritzen, große Tabletten, Farbe, Größe,
Geschmack, Dosierung
Verhaltens- und Selbstbeurteilung
Beobachtung und Beurteilung:
Beobachtung:
Ist die absichtliche, aufmerksam-selektive Art des Wahrnehmens, die ganz bestimmte
Aspekte auf Kosten der Bestimmtheit von anderen beachtet. Sie meint ein Urteilen
darüber, ob ein bestimmter Sachverhalt vorliegt oder nicht
Beurteilung:
Verlangt eine Einschätzung darüber, wie stark ausgeprägt ein bestimmter
Sachverhalt ist. Es handelt sich auch um eine Beurteilung, wenn der Sachverhalt (wie
z.B. Angst) aus bestimmten Anzeichen erschlossen werden muß
Formen der Beobachtung und Beurteilung:
Teilnehmende Beobachtung: der Beobachtenden ist am sozialen Prozeß, der
beobachtet wird, beteiligt
Fremdbeobachtung bzw. –beurteilung: eine Person macht Aussagen über ihr
Erleben und Verhalten, dies wird bei Persönlichkeitstest und
Anamnesefragebögen verwendet
Beurteilungsskalen:
Relative Beurteilungsskalen: zwei oder mehr Beurteilungsgegenstände werden
bezüglich der Ausprägung des interessierenden Merkmals vergliechen (“wo tut es
mehr weh?”); Bsp.: Paarvergleich, Rangreihenbildung
Absolute Beurteilungsskalen: es soll angegeben werden, wie stark ein bestimmtes
Merkmal ausgeprägt ist; Bsp.: mehrstufige Schätzskala, Summenwertskala
Systematische Beobachtungs- und Beurteilungstendenzen:
Halo-Effekt: die Gesamtbeurteilung wird durch einen zumeist unkontrollierten
Eindruck beeinflußt (braungebrannter Patient)
Kontrastfehler: ein wahrgenommener Gegensatz beeinflußt die Beurteilung
(Kontrast zwischen zwei Probanden oder auch zwischen Proband und Beobachter)
Projektionsfehler: persönliche Eigenschaften werden auf den Probanden projiziert
Mildefehler: besonders bei ihm sympathischen Personen tendiert der Beobachter
zu einer positiven Beurteilung
Bevorzugung mittlerer Skalenstufen: der Beobachtende vermeidet extreme Urteile
Logische Fehler: es wird ein unüberprüfter Zusammenhang zwischen zwei
Merkmalen hergestellt (“Dicke sind gesellig”)
Reihenfolge-Effekt: der erste (Primary-Effekt) und der letzte (Recency-Effekt)
Eindruck sind häuig maßgebend für die Beurteilung
Reaktivität: Beeinflussung des Beurteilungsobjekts durch die Beobachtung selber
Rosenthal-Effekt: Sonderfall der Reaktivität: Einstellungen und Erwartungen des
Beobachters beeinflussen die Versuchsperson und damit das Versuchsergebnis
Antworttendenzen bei Selbstbeurteilung
Symptomtoleranz: Empfindungen wie z.B. Schmerz können abhängig sein von
Geschlecht, sozialer Schicht oder dem Kulturkreis
Mitteilungsfähigkeit: Sprachbarrieren durch unterschiedliche Nationalität oder
mangelnde Artikulationsfähigkeit (z.B. bei Kindern)
Mitteilungsbereitschaft
Simulation und Dissimulation: je nach erwünschter Konsequenz werden
Symptome vorgetäuscht oder geleugnet
Soziale Erwünschtheit: den meisten Patienten fällt es leichter, Beschwerden
anzugeben, die gesellschaftlich akzeptiert sind, bzw. deren Mittelung sozial
erwünscht ist
Validierung von Anamnese und Persönlichkeitsfragebogen
Validität: Gültigkeit von Tests (s.o.); Überprüfung, ob auch das beurteilt wird, was
beurteilt werden soll; die Überprüfung geschieht durch Vergleich verschiedener
Beobachtungen
Reliabilität: Zuverlässigkeit der Beobachtung; notwendige Vorraussetzung für
Validität
Lernen
Def.: Die Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotential eines Organismus
hinsichtlich einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des
Organismus in dieser Situation zurückgeht, vorausgestzt daß diese
Verhaltensänderung nicht auf angeborene Reaktionstendenzen, Reifung oder
vorübergehende Zustände zurückgeführt werden kann.
Prägung: Einmaliger irreversibler Vorgang der Spezialisierung eines Auslöseschemas
für bestimmte Instinkthandlungen, der nur während einer kurzen Zeitspanne, einer
kritischen oder sensiblen Periode bald nach der Geburt stattfinden kann
Verhaltensgleichung nach Kanfer:
C Konsequenz Einsetzen eines positiven Reizes
Einsetzen eines negativen Reizes
Aufhören eines positiven Reizes
Aufhören eines negativen Reizes
K Kontingenz Belohnungsmatrix
Verstärkerplan
R Reaktion Beobachtbares problemrelevantes Verhalten
auf motorischer, verbaler, kognitiver und
physiologischer Ebene
O Organismus Biologische Ausstattung
Behinderungen
Lernkapazität
Lerngeschichte der Reaktion
S Stimulus Umweltsituation
Soziale Situation
Innere Reizsituation
Formen des Lernens:
Habituation (Gewöhnung):
Abnahme der Reaktionsbereitschaft, die eintritt, wenn der die betreffende Reaktion
auslösende Reiz wiederholt dargeboten wird.
Konditionieren:
Experimentelles Verfahren bzw. lebenswichtige Erfahrung, die dazu führt, dass eine
umschriebene Reaktion oder ein Verhalten von bestimmten Bedingungen abhängig
wird und deshalb mit großer Wahrscheinlichkeit durch diese Bedingungen wieder
ausgelöst werden kann.
Klassisches Konditionieren:
Nicht-konditionierte Reize lösen reflexhaft eine nicht-konditionierte Reaktion aus
(respondentes Verhalten). Neutrale Reize bewirken eine Orientierungsreaktion.
Bei wiederholter Darbietung des neutralen Reizes zeigt sich eine Habituation
Neutrale Reize (Ratte) könne mit nicht-konditionierten Reizen (furchterregender
Gong) assoziiert werden und erhalten die Qualität von konditionierten Reizen,
d.h. sie lösen konditionierte Reaktionen (Furcht) aus
Optimale Lernbedingungen bestehen, wenn der neutrale Reiz kurz vor dem nicht-
konditionierten Reiz einsetzt und beide Reize gleichzeitig enden
Die Stärke der konditionierten Reaktion wächst i.d.R. mit zunehmender Zahl der
gemeinsamen Darbietungen von neutralem Reiz und nicht-konditioniertem Reiz.
Bleibt der nicht-konditionierte Reiz aus, kommt es zu einer allmählichen
Extraktion (Löschung) der konditionierten Reaktion. Nach Pausen tritt bei
erneutem Auftreten des nicht-konditionierten Reizes eine spontane Erholung der
konditionierten Reaktion auf
Ein zweiter neutraler Reiz kann, wenn er mit dem ersten gekoppelt auftritt,
ebenfalls die konditionierte Reaktion hervorrufen (Konditionierung höherer
Ordnung)
Ähnliche Reize (Pelzmantel) wie die konditionierten können ebenfalls die
konditionierte Reaktion hervorrufen
Lernen am Erfolg (=operantes Konditionieren)
Operantes Verhalten bezeichnet eine Aktivität, die spontan im Organismus
entsteht, also nicht die Reaktion auf eine Reiz ist. Operantes Verhalten wird in
seiner Auftretenswahrscheinlichkeit durch die Konsequenzen bestimmt, die ihm
nachfolgen.
Verstärkung und Bestrafung:
Positive Verstärkung: eine als positiv empfundene Konsequenz setzt ein
Negative Verstärkung: eine als negativ empfundene Konsequenz läßt nach
Bestrafung duch Verstärkerentzug: unterdrückt ein Verhalten, indem
belohnende Reize beseitigt werden
Bestrafung durch aversive Konsequenzen: unterdrückt ein Verhalten durch
eine negativ erlebte Konsequenz (Schmerz)
Primäre Verstärker: befriedigen vitale Bedürfnisse (Hunger, Sex)
Sekundäre Verstärker: sind durch Prozesse klassischer Konditionierung erlernt
worden, haben also ursprünglich keine verstärkende Wirkung (Geld, Lob)
Kontingenz: Bedingungen, unter denen auf ein Verhalten eine Konsequenz folgt
Wird ein operantes Verhalten nicht mehr verstärkt, kommt es zu einer Extinktion
dieses Verhaltens
Verhaltensformung: um ein komplexes Verhaltensmuster zu erlernen, erweist es
sich als günstig, das Verhalten in Teilelemente zu gliedern und diese einzeln zu
verstärken. Anschließend wird die Verstärkung nur dann gegeben, wenn die
Teilelemente kombiniert werden
Reizdiskrimination: Verhalten, das in Anwesenheit eines bestimmten Reizes
verstärkt wird, tritt gehäuft unter diesem Reiz auf, bei einem anderen Reiz nicht.
Diskriminative Reize generalisieren ähnlich wie konditionierte Reize bei der
klassischen Konditionierung
Je intensiver der Verstärker ist und je näher er zeitlich dem Verhalten folgt, desto
größer ist seine verstärkende Wirkung
Operantes Konditionieren in der Medizin:
Compliance wird durch negative Verstärkung (Besserung) gefördert
Biofeedback
Fordyce-Modell: Chronifizierung von Schmerzverhalten
Lernen am Modell
Verhalten wird nur dann beobachtet, gespeichert und aktivierte, wenn eine
Person dazu motiviert ist
Motivationen entstehen durch die Erwartung, die Informationsverarbeitung werde
zu als positiv bewerteten Konsequenzen führen
Lernen am Modell meint die Aneignung neuer Verhaltensweisen oder Änderung
schon bestehender Verhaltensmuster durch die Beobachtung des Verhaltens
anderer Individuen
In das Modelllernen sind operante Lernprozesse integriert, da das neue Verhalten
eine Rückmeldung erfordert
Der Lernprozeß wird begünstigt, wenn das Modell
Für den Beobachter attraktiv ist
Ein Verhalten zeigt, das die Möglichkeiten des Beobachters nicht übersteigt
Für sein Verhalten belohnt wird (stellvertretende Bekräftigung)
Modelllernen kann als Medium der Sozialisation beschrieben werden
Lernen durch Eigensteuerung
Nach Bandura entwickelt sich die Selbststeuerung des Verhaltens in drei Stufen:
1. Das Kind übernimmt Verhaltensweisen von anderen (Lernen am Modell)
2. Die Umwelt reagiert nach dem Prinzip der operanten Konditionierung mit
externen Sanktionen (Belohnung, Bestrafung)
3. Die Personen belohnen bzw. bestrafen sich selbst und werden von Fremdkontrolle
unabhängig
Verhalten wird nicht nur durch erfahrene Konsequenzen, sondern auch durch
erwartete Konsequenzen bestimmt.
Verbales Konditionieren:
Beeinflussung des Gesprächsverhaltens einer Person durch verbale, nonverbale und
paraverbale Parameter = Konditionierung des Geprächsverhaltens
Kann sowohl absichtlich-gezielt als auch unabsichtlich geschehen
Kann zu erwünschten, aber auch zu unerwünschten Konsequenzen führen
Empathie und positive Wertschätzung haben den stärksten Einfluß auf die
Äußerungsinhalte
Phobie:
Zusammenwirken von klassischem Konditionieren (Koppelung eines zuvor harmlosen
an einen angstauslösenden Reiz) und instrumentellem (operantem) Konditionieren
(Vermeidungsverhalten infolge negativer Verstärkung)
Der Grund für die Phobie (aversiver Reiz) hat oft nur symbolische Funktion
Zweiprozeßtheorie des Lernens von Furcht und Vermeiden:
Phase 1: Klassisches Konditionieren
Phase 2: Bedingter Reflex
Phase 3: klassisch konditionierte Furchtreaktion spontane Flucht- und
Vermeidungsreaktion (instrumentelle Vermeidenskonditionierung)
Phase 4: gelernte Vermeidensreaktion
Biofeedback
Therapeutisches Verfahren zur Bildung von Informationsschleifen, die es
ermöglichen, innere, psychphysiologische Vorgänge zu beobachten und zu
modifizieren während diese ablaufen
Psychoanalytischer Ansatz
Ursprünglich eine Behandlungsmethode für seelische Störungen (Hysterie)
Erkenntnisse zur seelischen Entwicklung, Emotion, Motivation, Wahrnehmung und
Lösung von Konflikten
Topographisches Modell:
Das unbewußte als Teil der Persönlichkeit spielt eine große Rolle
Ein großer Teil des Seelischen ist ausschließlich unbewußt, ein anderer Teil
bewußt, ein dritter Teil vorbewußt
Motivation, Emotion können unbewußt, bewußt oder vorbewußt sein
Die Trieblehre
Seelenleben = dynamisches Geschehen innerer, angeborener Kräfte des Organismus
(= Triebe) und äußerer Umweltreize ständige Wechselwirkung, Fördern bzw.
hemmen
Triebe: ursprüngliche Kräfte des Organismus Sexualtrieb (Destruktionstrieb),
Selbsterhaltungstrieb
Triebquelle: ungerichtete, körperliche Erregungsenergie (=Libido)
Erregungsabfuhr
Triebobjekt: hierdurch wird das Triebziel erreicht
Später Unterscheidung zwischen Lebenstrieb und Todestrieb
Das Strukturmodell:
ES Triebe zum Zeitpunkt der Geburt
Gesteuert durch Primärprozeß (unterliegt nicht der Grenzen der
Realitätsprüfung Säugling)
Im Erwachsenenalter als Traum und in der Psyche enthalten
Nur unbewußte Anteile
ICH Vermittelt zwischen ES, ÜBERICH und Umwelt
In ihm herrscht das Realitätsprinzip Sekundärprozeß
Umfaßt alle bewußten geistigen Prozesse der Wahrnehmung
Innere Stabilisierung (bewußte und vorbewußte Prozesse)
Vorbewußte Funktionen sind der Person nicht bewußt
ÜBERICH Persönliche, familiäre und gesellschaftliche Normen, Ideale und
Tabus
Instanz des Gewissens ( Schuld- und Schamgefühle,
Anspruchshaltung, Gekränkt-sein) Phantasien, Gedanken, Worte
im Handeln
Teilweise bewußt, teilweise unbewußt; vorbewußte Anteile sind
der Person nicht bewußt
Angst, Angstbewältigung und Angstabwehr
ES, ICH und ÜBERICH stehen ständig in dynamischer Interaktion untereinander
und im Austausch mit der Umwelt Konflikte Entstehen von Angst als Signal
der Bedrohung des inneren Gleichgewichts
Unterscheidung zwischen
Realangst: im Hinblick auf den Grad der äußeren realen Bedrohung
angemessene Angst (= Furcht)
Neurotische Angst: Konflikt zwischen ES und ÜBERICH
Realitätsgerechte Konfliktlösung: bewußte Wahrnehmung widersprüchlicher
Impulse, Fähigkeit negative Emotionen auszuhalten, Kompromissbereitschaft;
ICH-Funktion: bewußt oder vorbewußt
Unbewußte ICH-Prozesse der Angsbewältigung: Angstabwehr
Abwehrmechanismen
Abwehrprozesse stellen seelische Stabilität wieder her, es erfolgt ein Teilverlust
des Realitätsbezugs und es wird psychische Energie verbraucht
Eine Abwehr durch das ICH erfolgt in der Verdrängung verhindert das
Eindringen angstauslösender Triebimpulse in das Bewußtsein
Bei unvollständiger Abwehr kommt es zu Freud’schen Versprechern
Abwehrmechanismen sind theoretische Konstrukte
Sublimierung: ICH-Funktion, die den Triebimpuls durch Umlenken der Realität
anpaßt Ersatzbetätigung ursprünglicher Triebimpuls wird unbewußt
Persönlichkeitsstruktur und neurotische Symptombildung
Qualität und Quantität in der Stabilität und die Struktur variieren stark in der
individuellen Angstabwehr ICH-Stärke (Entsteht durch unterschiedliche genetische
Anlage und zwischenmenschliche Sozialisation)
Bei geringer ICH-Stärke müssen die Konflikte überwiegend abgewehrt werden
Bei großer ICH-Stärke können die Konflikte überwiegend bewußt bewältigt
werden
Bei der ICH-Entwicklung kommt es zu Traumata, die sich als Merkmale der
Persönlichkeitsstruktur wiederfinden ( Abwehr latenter Ängste zur Zeit der
frühen Triebabwehrorganisation)
Neurotische Symptombildung: Ergebnis unvollständiger Angstabwehr =
Konversion (Angstabwehrprozeß)
Somatisierung: funktionell vegetative Symptomatik ersetzt das affektive Erleben
Neurosestrukturen: Angstabwehr durch neurotische Symptombildung
manifestiert sich als Wiederholung des ursprünglichen Konflikts
Borderline-Störung: Aufbau eines Abwehrsystems mißlingt extreme
Selbstentwertung, psychotische Symptomatik
Abwehrmechanismen
Abwehrmechanis- Funktionsweise Beispiel
mus
Identifikation Unbewußte Übernahme von Sympathiegefühle von
Einstellungen, Verhaltensweisen Geiseln für ihren Entführer.
und Wertmaßstäben anderer
Personen, um im Konfliktfall
eigene Angst abzuwehren
Identifikation mit dem
Aggressor: es werden
Einstellungen und Wertmaßstäbe
einer einen angreifenden Person
übernommen
Isolierung des Eine Person spaltet unbewußt Eine Colitis-ulcerosa
Affekts Affekte ab, die an ihren Patientin berichtet über das
ÜBERICH-Ansprüchen gemessen sadistische Verhalten ihrer
nicht akzeptabel sind, und Eltern ohne jedes Anzeichen
schildert ein traumatisches von Ärger oder Traurigkeit
Ereignis scheinbar emotionslos
Projektion Eigene unerwünschte Impulse Eine Studentin, die sich ihre
werden nicht bei sich sonderneigenen Neidgefühle nicht
bei anderen Personen eingestehen kann, beklagt
wahrgenommen sich wiederholt bei
Kommolitonen über deren
Neid auf ihren Erfolg
Rationalisierung Für ein unbewußt unakzeptables Ein stark übergewichtiger
Motiv einer eigenen Patient, der zusammen mit
Verhaltensweise findet eine seiner Frau zur Diätberatung
Person “gute”, rationale Gründe soll, hat unbewußte Angst
vor
Nahrungseinschränkungen
und findet wiederholt
rationale Gründe für das
Scheitern eines Termins
Reaktionsbildung Unbewußt unakzeptable Eine Krankenschwester
Triebimpulse veranlassen eine müßte nach langer schwerer
Person zu einer Krankheit weiter
entgegengesetzten krankgeschrieben werden.
Verhaltensweise Sie hat Gewissensbisse
wegen eigener Impulse, sich
länger auszuruhen.
Daraufhin meldet sie sich am
nächsten Tag ohne
Rücksprache mit dem Arzt
wieder Arbeitsfähig
Regression Ein unerwünschter Triebimpuls Ein Patient, der sehr viel
wird durch Rückfall in eine Wert auf Leistung und
Verhaltensweise, die einer Selbstkontrolle legt, erleidet
früheren Entwicklungsstufe einen Herzinfarkt. Trotz
entspricht, abgewehrt guter körperlicher Belastbar-
keit verhält er sich im
Umgang mit seiner Familie
und dem Klinikpersonal
auffällig passiv und hilflos
Verleugnung Ein unbewußt stark bedrohliches Realangst; eine
Ereignis wird in seinem realen Brustkrebspatientin kann
Tatbestand oder in Teilaspekten sich nicht an das Ergebnis
desselben von einer Person nicht einer Probeuntersuchung
wahrgenommen erinnern
Verdrängung Ängste durch innere Konflikte Neurotische Angst
Verleugnung:
Psychologischer Schutzmechanismus, der unbewußt abläuft
Richtet sich gegen bewußte Wahrnehmung äußerer Gefahren und gegen die
bewußte Wahrnehmung der mit diesen Folgen einhergehenden Emotionen
Ziel: Verminderung von Angst Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit des
ICH
Eignet sich besonders gut zur Angstabwehr
Zur Steuerung von Depression nicht so gut geeignet
Verdrängung:
Ähnlich wie Verleugnung, doch als Abwehrmechanismus deutlich davon
abzugrenzen:
Richtet sich mehr gegen unbewältigte innere Gefahren, vor allem Triebimpulse
aus dem ES
Psychoanalytische Persönlichkeitsmodelle:
ES Früheste Instanz
Enthält alles Vererbte und konstitutionell Festgelegte
Folgt dem Lustprinzip (ohne Moral)
Primärprozeß
ICH Vermittelnde Struktur
Hält mit Hilfe des Wahrnehmungsapparates Kontakt zur Innen- und
Außenwelt
Realitätsprinzip Kontrolle der Triebmechanismen Abwehr
ÜBERICH = Gewissen
Enthält innere Normen größtenteils unbewußt
Charakterologie: Zuordnung bestimmter Persönlichkeitsvarianten zu den
Entwicklungsphasen (oral, anal, phallisch), durch deren Störung sie entstehen
Fehlentwicklungen:
Orale Phase: phasenspezifische Triebbedürfnisse oraler Charakter
Anale Phase: Ordnungsliebe ( Pedanterie, Geiz, Eigensinn, Trotz) Analer
Charakter
Phallische Phase: Selbstbewußtsein, Überlegenheitsgefühle, impulsives,
energisches Auftreten
Schmerz
Def.: Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller
oder potentieller Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen
Schädigung beschrieben wird.
Kritik an der Definition:
hier ist nur das Schmerzerlebnis berücksichtigt; das Schmerzverhalten fehlt!!!
Masochismus
Aspekte von chronischem und akutem Schmerz
Nozizeption:
Weiterleitung und Verarbeitung schädigender Reize (Noxen), die von speziellen
Sensoren (Nozizeptoren) registriert werden.
Schmerz und Nozizeptoren sind nicht gleichzusetzen. Nicht jede Reizung von
Nozizeptoren ist mit Schmerz verbunden, nicht jedem Schmerz muß eine Noxe
zugrunde liegen.
Komponenten des Schmerzleidens:
Sensorisch-diskriminative Komponente: Analyse sensorischer Information
(Lokalisation, Dauer, Intensität, Qualität)
Affektiv-motivationale Komponente: Organisation und Integration von
Schmerzwahrnehmung und –verhalten (Aufmerksamkeitsfokussierung,
Einschätzung der Bedrohlichkeit)
Kognitiv-evaluativer Aspekt: Vergleiche mit früheren Schmerzerfahrungen,
Analyse der Schmerzbedeutung
Schmerzreaktionsmuster:
Reaktionsebene Reaktionsanteil
Subjektiv-psychologisch Offen: z.B. Klagen, Stohnen, Weinen
Verdeckt: Gedanken, Gefühle,
Vorstellungen bezogen auf den erlebten
Schmerz
Motorisch-verhaltensmäßig Muskuläre Reaktion: Reflexe,
Veränderung der Ausdrucksmotorik
Physiologisch-organisch Erregung der Nozizeptoren, Ausschüttung
von Schmerzstoffen wie Serotonin
Schmerzcharakteristik:
Oberflächenschmerz:
Primärschmerz: stechend-hell
Sekundärschmerz: dumpf
Tiefenschmerz: dumpf
Eingeweideschmerz: dumpf
Man spricht auch vom dualen Charakter des Schmerzerlebnisses:
Epikritischer Oberflächenschmerz: hell, gut lokalisierbar, wenig affektbetont
Protopathischer Tiefenschmerz: dumpf, schlecht lokalisierbar, quälend
Schmerz
Somatisch viszeral
Oberflächenschmerz Tiefenschmerz Eingeweideschmerz
1. Schmerz 2. Schmerz
Haut Bindegewebe Eingeweide
Nadelstich Muskeln Gallenkolik
Quetsche Knochen Ulkusschmerz
Gelenke Blinddarmentzündung
Muskelkrampf
Kopfschmerz
Schmerzmessung (Algesimetrie):
Es gibt keine monotone Beziehung zwischen der Größe einer Verletzung und der
empfundenen Schmerzintensität. Das Erleben von Schmerz wird immer auch durch
affektive und kognitive Prozesse begleitet, auch der aktuelle Wachheitsgrad, die
Erwartungshaltung und die Stimmungslage spielen eine Rolle bei der
Schmerzempfindung.
Die klinische Schmerzmessung erfolgt meist anhand von Skalierungsmethoden. Die
gebräuchlichsten Verfahren sind:
Adjektivskala: meist werden 5-7stufige Skalen benutzt (schmerzfrei-leicht-mäßig-
stark-unerträglich)
Numerische Skala: Werte von z.B. 0 (keine Schmerzen) bis 10 (unerträglich)
Visuelle Analogskala (VAS): farbliche Darstellung, analog der numerischen Skala
Die Schwelle von Schmerzempfinden wird durch Angst, Depression, Inaktivität usw.
herabgesetzt, durch Ablenkung, Befundverbesserung, Kontrollierbarkeit des
Schmerzes etc. heraufgesetzt
Das individuelle Schmerzverhalten hängt auch ab von früheren Erfahrungen und
durch soziokulturelle und familiäre Erziehungsprozesse vermittelte Lernvorgänge
Schmerzsozialisation:
Modelllernen durch Beobachtung und Nachahmung v.a. von Eltern
Unterschiede zwischen kulturellen und ethnischen Gruppierungen: Nord-Süd-
Gefälle bei Schmerzäußerung; fernöstliche Fakire
Geschlechtsspezifische Differenzen: höhere Schmerztoleranzschwelle bei Männern
Angst, speziell Erwartungsangst; das Ausmaß der Schmerzerwartung bestimmt
die Intensität des Schmerzerlebens; angstbedingte Anspannung kann auch zu
Schmerz führen; Teufelskreis: Angst – Anspannung – Schmerz
Schmerzkontrolle:
Das Bewußtsein kann nicht mehr als 100 bit/s gleichzeitig verarbeiten. So kann
man durch Ablenkung den Schmerz für begrenzte Zeit „vergessen“
Ein zweiter, weniger unangenehmer Schmerz kann einen starken Schmerz
überdecken
Wirkung körpereigener Endorphine; ihre roduktion steigt bei hoher Belastung,
Streß und durch Placebos
Differenzierung von akuten und chronischen Schmerzen
Schmerzen Akuter Schmerz Chronischer Schmerz
Funktion Warnfunktion Meist keine Warnfunktion
Dauer Sekunden bis maximal Lang andauernd bzw.
Wochen wiederkehrend (mind. 3-6
Monate)
Lokalisierbarkeit Gut umschreibbar Große Areale des Körpers
betroffen, gelegentlich
Schmerzen im ganzen
Körper
Vegetative Aktivierung Vorhanden Nicht vorhanden
ZNS-Reaktion Sonsorisch evozierte Nicht zu beobachten
Schmerzpotentiale (SEP)
im EEG beobachtbar
Ursache Bekannt und therapierbar Unbekannt oder schwer
therapierbar
Behandlung Akute Behandlung, Langfristige Behandlung;
medizinische Intervention psychologische
Intervention
Behandlungsziele Schmerzfreiheit Schmerzlinderung
Ätiologische Einteilung: psychogener (vorwiegend nicht-organisch) und
somatogener (vorwiegend organisch) Schmerz:
Merkmal Somatogener Schmerz Psychogener Schmerz
Schmerzlokalisation Eindeutig, umschrieben Vage, unklar, wechselnd
Affekte des Patienten Passen zu geschilderten Inadäquat
Schmerz
Zeitdimensionen Eindeutige Präsenz bzw. Dauernd da
Fehlen
Abhängigkeit von Vorhanden Fehlt
Willkürmotorik
Reaktion auf Medikamente Pharmakokinetisch Nicht verständlich
plausibel
Schmerz und Unabhängig davon Damit verbunden
mitmenschliche Beziehung
Schmerzschilderung Bild paßt Bild inadäquat
Betonung der Ursache Psychische betont Organische betont
Sprache Einfach, klar, nüchtern Intelligenzlerisch,
Ärztejargon
Affekte des Arztes beim Ruhig, aufmerksam, Ärger, Wut, Langeweile,
Zuhören einfühlend Ungeduld, Hilflosigkeit
Einteilung nach pathogenetischen Mechanismen der Entstehung
Nozizeptorschmerz (z.B. Zahnschmerz)
Neuropathischer Schmerz, Neuralgie (Erregung von Schmerznervenfasern
unterwegs nach chronischer Irritation und Schädigung eines Nervs; z.B.
Wurzelschmerz)
Deafferentierungsschmerz (z.B. Phantomschmerz)
Reaktiver Schmerz (Aufschaukelung und Selbstunterhaltung der
Nozizeptorenerregung; z.B. Sudeck-Atrophie)
Psychosomatischer Schmerz (Ausdruck seelischer Belastungen)
Konversion:
Umsetzung psychischer Erregung in körperliche Symptome (Freud)
Unbewußt Bewußt/Vorbewußt
Unterträgliche
Situation
(Konfliktauslöser)
INNERER KONFLIKT
Wunsch/Vorstellung/Impuls Ausdruck unterdrückende Tendenz
Sucht Ausdruck (Scham, Gewissen; „Abwehr“)
Verbindung mit Körperlichem
Vorgang („Somatisieren“)
Aufspaltung von Seelischem und
körperlichem Erleben
(„Dissoziation“) Körperliches Symptom als
Kompromiß („Symbolisierung
körperlicher Vorgang allein des urspr. Wunsches)
Das Schmerzforschungsmodell von Fordyce: Chronifizierung von
Schmerzverhalten
Nozizeptiver Input Schmerzerleben Schmerzreaktion Umweltkonsequenz
Schmerzverhalten kann durch positive Verstärkung, negative Verstärkung oder durch
mangelnde Verstärkung gesunden Verhaltens aufrechterhalten werden. So können
Schmerzen gänzlich unter die Kontrolle von verstärkenden Umweltereignissen
kommen. Durch Einschränkung der Aktivität des Patienten kann es zu sekundär
physischen Problemen kommen.
Sexualität
Umfaßt die Gesamtheit der Lebensäußerungen, die aus der Tatsache resultieren, daß
der Mensch ein Geschlechtswesen ist ( Sexualdimorphismus) und als solches
erlebt, ... und handelt
Funktionen der Sexualität:
Reproduktionsfunktion
Lustfunktion
Sozialfunktion
Kommunikation
Der sexuelle Reaktionszyklus nach Masters und Johnson:
Erregungsphase: die Erregung ist noch leicht störbar; Erregung von Herzfrequenz
und Blutdruck, Erektion, Lubrikation der Vagina
Plateauphase: erst von dieser Phase ist der Orgasmus möglich; eine gestörte
Erregung flaut langsam ab
Orgasmusphase: primär Vasokongestion (unwillkürlich), sekundär Myotonie
Rückbildungsphase: bei der Frau Möglichkeit zu multiplen Orgasmen
Sexuelle Motivation: Wunsch, sexuelle Erregung und Lust zu erfahren
Hormonelle Einflüsse:
Beim Mann v.a. Androgeneinfluß: Mangel führt zur Verminderung der sexuellen
Erregbarkeit und zu beeinträchtigter Fähigkeit zu sexuellen Phantasien
Bei der Frau steigern Androgene die Libido; Östrogenmangel reduziert die
weibliche Erregbarkeit und Erlebnisfähigkeit
Sexualverhalten:
Die Formen des Sexualverhaltens sind beim Menschen v.a. durch Lernprozesse
erworben. Für die menschliche Sexualität spielt auch die emotionale Verbundenheit,
die Liebe in der Paarbeziehung eine wichtige Rolle.
Außerdem hängt die Variabilität von der schichtzugehörigkeit, vom Bildungsstand,
von der Persönlichkeit, der Art der Partnerschaft und vom Alter ab.
Deviationen:
Partneraspekt: (Homosexualität), Pädophilie, Sodomie, Fetischismus
Praktikaspekt: Exhibitionismus, Voyeurismus, Sadismus, Masochismus
Sexuelle Funktionsstörungen:
Erregungsphase Orgasmusphase
Frau Vaginismus (Scheidenkrampf), Dyspareunie Anorgasmie; Dyspareunie
(Schmerzhafter Geschlechtsverkehr)
Mann Errektionsstörungen Ejakulatio praecox
Ejakulation retardata
Psychogene Störungen
Psychische Krankheiten
Übersteigerte Erwartungshaltung
Versagensängst
Somatogene Ängste:
Psychopharmaka
Erkrankungen
Unterscheidung zwischen Bedingungen die stören und solche die aufrechterhalten;
die Persönlichkeit hat die Funktion eines Bindeglieds
Die sexuelle Reaktion ist ein sehr leicht störbares Geschehen. Vor allem Angst, Ärger
und ständige Selbstbeobachtung können sie beeinträchtigen.
Selbstverstärkungsmechanismus (sexueller Kontakt wird v.a. nach dem Prinzip der
positiven Verstärkung aufrechterhalten)
individuelle Lerngeschichte spiel mit ein
mögliche Einflußfaktoren auf das Sexualverhalten liegen auf biologischer,
psychosozialer und soziosexueller Ebene.
Das PLISSIT-Modell:
P Permission: Der Arzt gibt zu erkennen, dass er für sexuelle Fragen offen ist
LI Limited Information: Der Arzt gibt relevante Informationen über das Thema
SS Specific Suggestions: Der Arzt gibt direkte Ratschläge und Anweisungen
IT Intensive Therapy: Stufe der eigentlichen Behandlung
Die beiden letzten Stufen erfordern spezialisierte sexual- und psychotherapeutische
Kompetenz.
Epidemiologie:
Wissenschaft, deren Gegenstand die Verteilung und Ausbreitungsweisen von
Krankheiten in menschlichen Bevölkerungen ist.
Erkennen des Krankheitsbildes
Eigenschaften von solschen Personen, die diese Krankheit haben (v.a.
Empfänglichkeit gegenüber krankmachenden Einflüssen und ihre Empfindlichkeit)
Ausbreitunsform: zeitliche Verbreitung
zeitliches Intervall zwischen Einwirken eines Risikofaktors und Beginn der
Krankheit
Sozialepidemiologie:
Zusammenarbeit von Medizinern, Psychologen und Soziologen
Verbindet sozialwissenschaftliche Fragestellungen und Methoden mit denen der
klassischen Epidemiologie
Ziel: Erforschung der sozialen Bedingungen
Inzidenz: Häufigkeit des Neuauftretens einer bestimmten Krankheit in einer
bestimmten Zeiteinheit
Prävalenz: Häufigkeit einer Krankheit zu einem bestimmten Zeitpunkt oder in einer
bestimmten Zeitperiode
Inzidenz-/Prävalenzrate: Inzidenz bzw. Prävalenz werden in bezug zu einer
Population betrachtet
Normen als Beurteilungsmaßstäbe:
Statistische Norm: identifiziert Normalität und Häufigkeit; Mittelbereich ist normal
Ideale Norm: Zustand der Vollkommenheit Erreichung ist manchmal möglich,
aber stets wünschenswert; Unterschied von der Norm ist qualitativ („andere
Qualität“)
Funktionale Norm: definiert als normal den einem Einzelwesen hinsichtlich seiner
Zielsetzung und Leistung gemäßen Zustand
Scham
Def.: Scham ist eine menschliche Unlustreaktion, die sich häufig auf die Verletzung
der Intimsphäre bezieht, daneben aber auch andere soziale Bereiche (Ansehen,
Geltung, Erfolg) betreffen kann. Grundlage der Scham ist das Bewußtsein, durch
bestimmte Handlungen oder äußerungen sozialen Erwartungen nicht entsprochen
bzw. gegen wichtige Normen und Wertvorstellungen verstoßen zu haben
Subjektive Empfindungen der Scham: Peinlichkeit, Befangenheit, Demütigung,
Ausgeliefertsein
Verhalten bei Scham: Abwenden von Gesicht und Blick, Erröten, Verstummen,
Stottern
Bei Entstehung von Scham werden von Erziehungspersonen vorgegebene Maßstäbe
verinnerlicht
Konsequenzen für den Arzt:
Verhalten erklären
Intimsphäre nur insoweit berühren, wie es notwendig ist
Empathisch auf Schamreaktionen eingehen und evtl. vorwegnehmen
Mit den Angaben, die dem Patienten peinlich sind, empathisch und wertschätzend
umgehen
Aggression
Ärger als Zustand:
Emotionales Bedingungsgefüge, welches aus subjektiven Gefühlen der Spannung,
Störung, Irritation und Wut besteht, begleitet von einer Aktivierung des autonomen
Nervensystems
Ärger als Eigenschaft:
Repräsentation interindividueller Unterschiede in der dispositionellen Neigung von
Personen, eine große Bandbreite von Situationen als störend oder frustrierend
wahrzunehmen und in solchen Situationen mit einer Erhöhung des Ärgerzustands zu
reagieren
Der psychodynamische Ansatz von Alexander
Annahme: chronisch gehemmte aggressive Antriebe stellen das wesentliche
psychodynamische Moment bei der Genese der essentiellen Hypertonie dar
gemeinsames Charakteristikum von Hypertonikern: Unfähigkeit, ihre aggressiven
Impulse frei zum Ausdruck zu bringen
Suizid
Die Krankheit, Sterben zu wollen
1. Einengung: situative, dynamische, zwischenmenschliche und wertspezifische
Einengung
2. Aggression: starke ohnmächtige Aggression gegen andere Personen,
Wendung der Aggression gegen die eigene Person
3. Selbstmordphantasien: Todes- und Rachephantasien (anfangs aktiv
intendierte, später sich passiv aufdrängend)
Ärger und Aggressivität
Ärger:
Grundlegender Gefühlszustand menschlicher Wesen, dessen Ausdrucks- und
Erlebensform nach entsprechenden Untersuchungen interkulturell nahezu identisch
ist
Aggression:
Verhalten, das mit dem Ziel ausgeführt wird, einen Organismus oder
Organismusersatz zu schädigen
Aggressivität:
Erschlossene, relativ überdauernd erscheinende Bereitschaft zu aggressivem Handeln
Ärger kann Vorraussetzung für aggressives Handeln sein
Theorien zu Aggression und Ärger:
Biologische Ansätze: Erklärung durch hirnphysiologische, genetische oder
endokrinologische Gegebenheiten
Psychologische Ansätze:
o Triebstimmung: monokausale Erklärung mit Hilfe eines angeborenen
Aggressionstriebs
o Frustrations-Aggressions-Hypothese: jede Frustration f+hr zu Aggression,
jeder Aggression geht eine Frustration voraus
o Soziale Lerntheorie: Aggressionsverhalten wird durch Konditionierung und
Modelllernen erworben
o Katharsishypothese: aggressives Verhalten vermindert den Drang zu
weiteren Aggressionen (Abreaktion); Kritik: längerfristig wird Aggressivität
verstärkt, wenn sie zu Erfolg führt
Angst
Akute Angst läßt sich als Zustand gesteigerter Erregung verbunden mit Beengungs-
und Verzweiflungsgefühlen beschreiben, die mit zahlreichen körperlichen Symptomen
(sympathische Aktivierung) einhergehen kann. Der Mensch befindet sich
gefühlsmäßig in einem Stadium der Blockiertheit, die sich auf der kognitiven
(Gedankenkreisen) und verhaltensmäßigen (Handlunsblockade) äußern
Bei der wissenschaftlichen Erfassung von Angst muß man 3 Komponenten
berücksichtigen:
Kognitiv-bewertende Komponente
Motorisch-nonverbale (verhaltensmäßige) Komponente
Physiologisch-erregende Komponente
Mimik:
Am Gesichtsausdruck kann festgestellt werden, wie sich Menschen fühlen:
Auseinandergezogener Mund
Angespannte Lippen
Hoch-und zusammengezogene Augenbrauen
Hochgezogene Oberlider
Angespannte Unterlider
Angstsignale, die in der Mimk sicher identifiziert werden können
Woodworth und Schlosberg: Untersuchungen zur Klassifikation von
unterschiedlichen mimischen Ausdrücken
Chronische Ängste (Phobien, Angstneurosen) sind persistierende, wiederkehrende
Erregungsabläufe, die die normalen Lebensfunktionen und Alltagsabläufe in der
Regel stark beeinträchtigen.
Funktionen der Angst:
Im positiven Fall erhöte Aufmerksamkeit durch Sympathikus-Aktivierung; im
negativen Fall Aufmersamkeitseinengung, Reaktionsblockade
Unterschied zwischen Angst und Furcht:
Gegenstandsbezogenheit: Furcht bezieht sich auf reale Gefahr, während bei
Angst die Gefahrenquelle nicht genau bestimmt werden kann
Aktionstendenz: mit Furcht ist Flucht verbunden, bei Angst ist jede
Aktionstendenz zunächst gehemmt (Suchstadium)
Angst ist der kognitiven Theorie zufolge das Ergebnis komplexer
Bewertungsprozesse:
Situationsbewertung
Reaktionsbewertung
Neubewertung
Angst in Zusammenhang mit körperlicher Erkrankung
Bedrohungserlebnisse:
Bedrohung des Lebens
Bedrohung der Gesundheit
Bedrohung des Selbstbildes und Selbstwertgefühls
Bedrohung von Sozialbeziehungen und Möglichkeiten des Sozialkontakts
Bedrohung der wirtschaftlichen Existenz
Bedrohung der Möglichkeiten der eigenen Lebensgestaltung
Angst bei körperlichen Erkrankungen:
Angst vor Verschlimmerung der Erkrankung
Angst vor belastenden therapeutischen Maßnahmen
Angst durch Bedrohung von Vitalfunktionen
Angst durch physiologisch aktivierende Faktoren
Akute Schmerz-Angst-Syndrome
Angst bei zerebralen Erkrankungen
Mögliche Inhalte präoperativer Angst:
Narkosewirkung
Operationserfolg
Postoperativen Schmerzen
Maßnahmen der Nachbehandlung
Trennungsängste
Einschränkung der Intimsphäre
Bewältigungsstile von Angst
1. Vigilanter Bewältigungsstil: Meistern der Angst, indem man Informationen
über die Gefahrensignale und Gefahrenquellen sucht; meist ängstliche
Personen
2. Repressiver Bewältigungsstil: versuch, sich von allen Hinweisen, die die
Gefahrensignale betreffen, verhaltensmäßig und mental abzuschotten;
Neigung zur Angsunterdrückung
Chronische Ängste:
Agoraphobie: Angst vor weiten Plätzen
Klaustrophobie: Angst vor engen, geschlossenen Räumen
Sozialängste: beziehen sich auf die Gegenwart anderer Menschen oder auf
zwischenmenschliche Kommunikation
Hypochondrische Ängste: richten sich auf ein für die Person wichtiges Organ
Verletzungsphobie
Schul- bzw. Kindergartenphobie
Tierphobien
Angstneurose: durch diffuse, frei flottierende Angst gekennzeichnet; sie tritt
spontan, scheinbar ohne jeglichen Bezug auf
Trauer
Eine unlustbetonte Emotion, die, abhängig von der Intensität zu körperlichen
Erscheinungen führen kann, wie z.B. Weinen. Oft entsteht Trauer als Reaktion auf
einen realen oder antizipierten Verlust
Trauer spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab:
Subjektive Ebene: Gefühle, veränderte Wahrnehmung, veränderte Gedanken,
auch körperliche Beschwerden als Trauerreaktion verändertes Verhalten
Hormon- und Immunsystem: Sympathikus-Aktivierung (verstärkte Adrenalin und
Cortisolausschüttung); suppressive Wirkung auf das Immunsystem
Interpersonale und soziale Ebene: Veränderung des sozialen Status; bestehende
Sozialkontakte sind weniger zugänglich Konfrontation mit veränderten
Rollenerwartungen!
Psychoanalytische Theorie:
Trauer ist eine aktive Leistung des ICH: erläßt Aufforderung, alle Libido aus ihren
Verknüpfungen mit dem Objekt abzuziehen Sträuben, Interessenabwendung von
der Umwelt
Ethiologische Bindungstheorie:
Es kann nur trauern, wer sich gebunden hat; drohende Verluste steigern das
Bindungsverhalten
Funktion der Trauer: Motivation, das Verlorene zu suchen
Modell zum Verlauf der Trauerreaktion:
Trauerphasen
Initiale Phase Akute Trauerphase Ablösungsphase
Schock 1. Sehnsucht Akzeptierung
2. Verzweiflung
Den Verlust als Den Trauerschmerz Sich anpassen an
Realität akzeptieren erfahren eine Umwelt, in der
der Verstorbene
fehlt
Emotionale Energie
abziehen und in
eine andere
Beziehung
investieren
Traueraufgaben
Trauerarbeit
Trauerphasen und Traueraufgaben sind Aspekte desselben Prozesses
Pathologische Reaktionen nach Verlustereignissen:
Kummer-Effekt: erhöhte Mortalität in der Zeit nach dem Verlust: Herzkrankheiten,
Infektionskrankheiten, Suizid, Unfälle
Chronische Trauer: fehlende Zukunftsperspektiven, Widerstand gegenüber
Veränderungen der Affekte des Trauernden
Fehlende Trauer: dafür häufig körperliche Beschwerden
Depression: Selbstwertgefühl wird stark beeinträchtigt, Schuldgefühle; Depression
wird von Trauer unterschieden: Depression ist oft ohne bewußten Verlust, der
Anlaß kann geringfügig sein
Risikofaktoren für pathologische Trauerreaktionen:
Todesumstände: besonders bei unerwartet auftretenden Todesfällen; zeitlich zu
früh/zu spät
Hohe negative Valenz
Unkontrollierbarkeit
Soziale Begleitumstände: sozialer Status, soziale Integration
Art der Beziehung zum Verstorbenen: ängstlich-abhängige oder ambivalent-
konfliktbeladene Beziehung
Merkmale des Hinterbliebenen
Trauer nach Lindemann
Akute Trauer ist ein fest umrissenes Syndrom mit psychischer und somatischer
Symptomatologie
Dieses Syndrom kann unmittelbar nach einer Krise oder aber verzögert auftreten;
es kann in übersteigerter Form vorhanden sein oder scheinbar fehlen
Anstelle des typischen Syndorms kann es zu verzerrten Krankheitsbildern
kommen, die jeweils einen bestimmten Aspekt des Trauer-Syndroms darstellen
Mit angemessenen therapeutischen Techniken können diese Zerrbilder erfolgreich
in eine normale Trauerreaktion mit anschließender Verarbeitung des Verlusts
überführt werden
Begegnung mit Trauernden nach Rogers:
Einfühlendes Verstehen (Empathie, Förderung der Selbstexploration)
Echtheit/Selbstkongruenz (Vertrauensbildung)
Emotionale Wärme/Wertschätzung (bedingungsloses Akzeptieren)
Phasenmodell zur Trauer Sterbender (Kübler-Ross):
1. Verleugnung und Isolierung vom Affekt/Aktive Verweigerung
2. Zorn/Aggressive Verweigerung
3. Verhandeln/Partielle Verweigerung
4. Trauer, Depression/Depressive Annahme
5. Zustimmung/Bewußte Annahme (verklärte Annahme)
Trauerberatung nach Worden:
Dem Hinterbliebenen helfen bei:
Den erlittenen Verlust zu aktualisieren
Emotionen verbalisieren lernen
Ohne den Verstorbenen weiterzuleben
Allmählich neue soziale Beziehungen knüpfen
Hinweis geben, dass zahlreiche seiner aktuellen Verhaltensweisen natürlicher
Bestandteil des normalen Trauerns sind
Individuelle Unterschiede in der Kummerreaktion einkalkulieren
Kontinuierliche Unterstützung Unterstützungsgruppen
Abwehrverhalten und Bewältigungsstile analysieren
In Therapie überweisen, sobald Grenzen der eigenen Beratungskompetenz
erreicht sind
Unterstützungssysteme
Selbsthilfegruppen wollen professionelle Hilfe ergänzen und unterstüzten. Die
entscheidenden Merkmale aller Selbsthilfgruppen sind Selbstbetroffenheit und
Handeln in eigener Sache. Ein Risiko dabei ist, dass die Grenzen der
Selbsthilfegruppe nicht akzeptiert werden.
Selbsthilfeorganisation:
Bürokratisch organisiert; verfolgen äußere Selbsthilfeziele (Informationsvermittlung,
Forschungsförderung, Öffentlichkeitsarbeit, Gesetzesveränderungen); Bsp.: Rheuma-
Liga, MS-Gesellschaft
Selbsthilfegruppen:
Wenig bürokratisiert, arbeiten i.d.R. lokal; Bsp.: Frauenselbsthilfegruppen nach Krebs
Eine besondere Form der Selbsthilfegruppe sind die Gesprächsgemeinschaften aus 6-
12 Personen. Diese haben ein klar festgelegtes Setting:
Alle Gruppenmitglieder sind gleichberechtigt
Jeder bestimmt über sich selbst
Jede Gruppe entscheidet selbstverantwortlich
Jeder geht in die Gruppe wegen eigenen Schwierigkeiten
Guppenschweigepflicht
Kostenlose Teilnahme
Im Vordergrund stehen dabei das Kleingruppenprinzip, das Kontinuitätsprinzip und
das Gruppenselbsthilfeprinzip (jeder hilft sich selbst und wird dadurch zu einem
Vorbild für die anderen). Lernen am Modell
Falls ein Fachmann zu Rate gezogen wird, gilt das Motto: Der Arzt berät nicht die
Gruppe sondern mit ihr.
Beziehungsdiagnostik und Therapieeffekte
Interaktion:
Gegenseitige Beeinflussung von Individuen innerhalb von und zwischen Gruppen und
die dadurch entstehenden Änderungen des Verhaltens oder der Einstellungen,
Meinungen etc.
Problempatient:
der Arzt wird an die Grenzen seiner fachlichen Kompetenz geführt:
Schwierige Diagnosefindung in rein organmedizinischem Sinne
Vermutung einer psychosozialen Ätiologie
Schwierige Beziehung zum Patienten (z.B. Nervensäge)
Double-Bind:
Der schwächere abhängige Partner
Ist inkongruenten paradoxen Mitteilungen aussgesetzt (der Problempatient wird
vom Arzt behandelt, obwohl dieser ihn gar nicht behandeln will und spürt dies)
Er ist auf die Beziehung angewiesen, kann sie nicht verlassen (infantile
Abhängigkeit)
Übertragung:
Ein Vorgang, bei dem ein Mensch Gefühle, Phantasien, Wünsche, Einstellungen und
Reaktionsmuster, die aus seinen früheren Interaktionserfahrungen mit einer
bestimmten Bezugsperson stammen, auf eine andere Bezugsperson bezogen
wiederholt.
Man kann unterscheiden zwischen positiver Übertragung (freundliche Gefühle),
negativer Übertragung (Enttäuschung, Haß) und ambivalenter Übertragung (positive
und negative Gefühle stehen gleichzeitig nebeneinander)
Gegenübertragung:
Zwei Varianten:
Spezifische Reaktion des Analytikers (Arzt) auf das Übertragungsangebot des
Patienten
Vorgang von seiten des Analytikers, der der Übertragungsreaktion des Patienten
in umgekehrter Richtung analog ist
Iatorgene Fixierung:
Viele Patienten stehen in der Gefahr, daß sie Symptome besonders beachten, denen
der Arzt in auffälliger Weise Aufmerksamkeit geschenkt hat. Der Patient klammert
sich noch an Beschwerden und Befunde, selbst wenn diese negativ bestätigt wurden.
Daher halten viele Patienten an einer reinen Somatogenese fest, auch wenn ihre
Beschwerden überwiegend seelischer Natur sind
Innerer Zyklus: Abläufe innerhalb der betroffenen Person (Wahrnehmungen,
Gedanken, Gefühle), die sich zirkulär aufschaukeln können (GROL)
Äußerer Zyklus: Beziehungsgeschehen zwischen dem „Kranken“ und seiner
Umgebung
Psychoanalytisches Erstinterview:
Die Gesprächstgestaltung des Erstinterviews wird weigehend dem Patienten
übergeben. Die Informationene, die der Interviewer dabei erhält, lassen sich
klassifizieren in objektive Informationen (Alter, Beruf, ...), subjektive Informationen
(Bewertungen...) und szenische Informationen (spontan sich entwickelnde
Beziehungskonstellationen)
Balintgruppe:
Hat das Ziel, die Übertragungs-Gegenübertragungs-dynamik oder besondere
Beziehungsstörungen innerhalb der Arzt-Patient-Beziehung besser zu verstehen.
1. Vorphase Zusammenfinden der Gruppe
(Alltagskommunikation); Schweigen,
Aufforderung zum Beginn der Arbeit
2. Aushandlungsphase Einigung auf Vortragenden etc.
3. Falleinbringunsphase Selbstdarstellung und Schildern der
Krankengeschichte (inhaltliche
Vollständigkeit nicht entscheidend
wichtig)
4. Fallbearbeitungsphase Verstehen des Problems und Versuch,
evtl. Lösungsmöglichkeiten vorzustellen
5. Abschlußphase
Ursachen für häufige Störungen in der Arzt-Patient-Beziehung:
Störungen in der Nachrichtenübermittlung
Störungen in der Nachrichtenverarbeitung
Der Patient stört
Fehlende Krankeitskompetenz
Erlernte Hilflosigkeit
Das Konzept der Selbstaufgabe von Engel und Schmale:
Das zentrale Thema der psychosomatischen Medizin sind psychische Faktoren, die
dem Beginn einer körperlichen Erkrankung vorausgehen oder die körperliche
Erkrankung verschlechtern. Man unterscheidet spezifische und unspezifische
Faktoren. Spezifische Faktoren sind bedeutsam für bestimmte Kategorien
somatischer Erkrankungen, unspezifische Faktoren wirken sich auf den Verlauf der
verschiedenartigen Störungen aus.
Engel und Schmale sprechen von dem Komplex „giving up – given up“ als
unspezifischem Faktor, wobei das „given up“ der Endzustand der Phase der „giving
up“ ist, die durch ein Versagen der Abwehrmechanismen und der bisher wirksamen
Mittel, Befriedigung zu erlangen, eingeleitet wird.
Im Gefühlszustand der Selbstaufgabe wird entweder Hilflosigkeit oder
Hoffnungslosigkeit überwiegen:
Hilflosigkeit: die Person ist der Auffassung, dass andere Menschen ihr helfen
könnten, sie selbst ist aber außerstande, hilfreiche Beziehungen zu aktivieren
Hoffnungslosigkeit: die Person glaubt, dass sie Hilfe von außen gar nicht ntzen
könne und dass sie einer solchen Hilfe gar nicht würdig sei
Typische Auslösemechanismen für den Komplex „giving up – given up“ sind
tatsächliche, drohende oder phantasierte Verlusterlebnisse.
Selbstaufgabe begünstigt somatische Erkrankungen, ist aber weder notwendige noch
hinreichende Bedingung für sie
Die Theorie der gelernten Hilflosigkeit von Seligman:
Ausgangspunkt: Tierversuche: Hunde in drei Gruppen
Trainingsphase:
1. Gruppe erhält Elektroschocks durch Knopfdruck mit der Schnautze beendbar
2. Gruppe erhält gleiche Schocks (jedes Tier war einem aus der 1. Gruppe
entsprechend “yoked” (verbunden) kein Einfluß auf Beendigung
Hilflosigkeitstraining
3. Gruppe: keine Schockbehandlung
Testphase: zwei Kammern, in denen die Hunde frei beweglich sind Beendigung
der Elektroschocks durch Überspringen der Hürde erste und dritte Gruppe
springt; 2. Gruppe (Hilflosigkeitstraining) erträgt Schocks
Eine Person, die eine Situation als nicht kontrollierbar wahrnimmt, entwickelt die
Erwartung, dass die Situation auch in Zukunft nicht kontrollierbar sein wird. Aus
dieser Erwartung heraus enstehen Hilflosigkeitsdefizite:
Emotionales Defizit: Angst, Depression
Motivationales Defizit: Passivität
Kognitives Defizit: die Person wird ihre Möglichkeiten, in anderen Situationen
Kontrolle auszuüben, nicht oder schlechter erkennen
Einbußen der Lern- und Leistungsfähigkeit
In der reformulierten Fassung der Theorie von der gelernten Hilflosigkeit nimmt die
Art und Weise, in der sich die Betroffenen unkontrollierbare Ereignisse erklären,
einen zentralen Platz ein:
Attributionsdimension:
o Ursprung: internale oder externale Attribuierung (Ursache bei sich selbst
oder bei anderen)
o Wirkunsdauer: stabile oder variable Attribuierung
o Wirkungsbreite: globale oder spezifische Attribuierung
Attributionsstil: Tendenz, sich positive und negative Ereignisse über die Zeit
hinweg stabil in ähnlicher Weise zu erklären (Pessimistische Attribuierung)
o Persönliche Hilflosigkeit: internale Attribuierung negativer Ereignisse (
Depression, Verminderung des Selbstwertgefühls)
o Universale Hilflosigkeit: externale Attribuierung negativer Ereignisse (
evtl. Depression, Z.B. Burnout-Syndrom)
Objektive Nicht-Kontrollierbarkeit
Wahrgenommene Nicht-Kontrollierbarkeit
Pessimistischer Attributionsstil
Erwartung zukünftiger Nicht-Kontrollierbarkeit
Hilflosigkeitsdefizite
Motivational: Emotional: Kognitiv:
Passivität Depressivität Schlechtes Erkennen
tatsächlicher
Kontrollierbarkeit
Lern- und Leistungsbeeinträchtigung
Intensive externale Kontrollüberzeugung :
Überzeugung, wer oder was ein Geschehnis kontrollieren kann. Eine Krankheit wird
am besten verarbeitet bei externaler Attribuierung und internaler
Kontrollüberzeugung
Optimismus:
Generalisierte Erwartung eines Menschen, dass die Dinge, die in der Zukunft
geschehen, für ihn positiv ausfallen
Selbstwirksamkeitserwartung:
Glaube eines Menschen, dass ein bestimmtes Verhalten einen bestimmten Effekt hat,
verbunden mit dem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, mit diesem Verhalten
diesen Effekt zu erzielen.
Hoffnung:
Positiver emotionaler Zustand, der auf einem Gefühl der Kraft und einem Gefühl der
Gewißheit dafür basiert, mit welchen Mitteln und auf welchen Wegen persönliche
Ziele mit Erfolg erreicht werden können.
Gelernte „Resourcefulness“:
Tendenz, bei der Lösung von Verhaltensproblemen Selbstkontrollstrategien
anzuwenden
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