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					Freie Universität Berlin



                                              Dipl. Pol. Ralf Bendrath




                                              Promotionsvorhaben


      Das Militär in der Informationgesellschaft
      Politische und gesellschaftliche Folgen des sozio-technischen Wandels in den USA




      Stand: April 1999

                                              Hobrechtstraße 19
                                              D-12047 Berlin
                                              fon ++40-30-6135844
                                              bendrath@zedat.fu-berlin.de
                                              http://userpage.fu-berlin.de/~bendrath
Inhalt
1. Zusammenfassung

2. Darstellung des Promotionsvorhabens
2.1. Gegenstand der Untersuchung und Fragestellung
2.2. Forschungsstand und Quellenlage
2.3. Eigene Vorarbeiten
2.4. Methode: Theoretischer Ansatz, Datenerhebung und -analyse
2.5. Einzelstudien
2.6. Erwartete Ergebnisse

3. Arbeitsplan/Zeitplan

4. Einordnung in bestehende Arbeitszusammenhänge

5. Literaturverzeichnis




1. Zusammenfassung

Die US-Streitkräfte unternehmen in Vorbereitung des “Informationskrieges” derzeit weitreichende
technische, konzeptionelle und organisatorische Modernisierungsanstrengungen. Neue Tech-
nologien verändern jedoch nicht nur die Kriegsführung, sondern auch die politische und
gesellschaftliche Rolle des Militärs. Diese Erkenntnis der historischen Militär- und
Technikforschung wird in der Fachliteratur bisher ausgeblendet. Das Promotionsvorhaben zielt
darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen. Meine Hypothese lautet, daß die der
Informationsgesellschaft eigene räumliche, zeitliche und institutionelle Entgrenzung des Krieges
Probleme für die professionelle Identität der Soldaten, die demokratische Kontrolle der Streitkräfte
und die internationale Sicherheitspolitik aufwirft. Fallstudien sind geplant zur Integration der
Kommandosysteme, zu neuen Methoden der Aufklärung, zu “Informationsoperationen” sowie zur
Verteidigung der zivilen Informationsinfrastrukturen. In Anlehnung an konstruktivistische Arbeiten
der Techniksoziologie wird die Rolle des Militärs in der Informationsgesellschaft als das Ergebnis
spezifischer Technikdeutungen analysiert. Die Datenerhebung erfolgt durch die Analyse von
Primärquellen, die Auswertung der einschlägigen Fachliteratur und semistrukturierte Interviews mit
Experten sowie Angehörigen von Streitkräften und politischen Institutionen in den USA.
2. Darstellung des Promotionsvorhabens

2.1. Gegenstand der Untersuchung und Fragestellung
Neue Computertechnologien halten nicht nur Einzug in private und öffentliche Bereiche der
Gesellschaft - wer von uns könnte sich noch ein Leben ohne elektronische Kontoführung, Email,
Textverarbeitungsprogramme etc. vorstellen? Sie spielen auch eine immer größere Rolle in den
militär- und sicherheitspolitischen Planungen der USA.. Verstärkt nach dem zweiten Golfkrieg 1991
hat in den USA eine intensive Debatte darüber eingesetzt, wie neue Computer- und
Informationstechnologien die Natur des Krieges verändern. Der Krieg gegen den Irak galt für viele
Soldaten und Fachleute als erster einer neuen Generation von Kriegen, in denen nicht mehr
physische Gewalt über den Sieg entscheidet, sondern die “Informationsüberlegenheit” oder
allgemeiner die Fähigkeit, einen “Informationskrieg” zu gewinnen.1
Die Diskussion über den “Informationskrieg” ist seitdem vor allem in den USA zu einem
sicherheitspolitischen Thema ersten Ranges geworden. 1994 wurde an der National Defense
University eine School for Information Warfare and Strategy gegründet, wo seitdem Offiziere für
“Informationsoperationen” ausgebildet sowie militärisch-konzeptionelle Überlegungen zum Krieg
im Informationszeitalter angestellt werden.2 1995 erreichte das Thema mit einer Titelgeschichte des
Time Magazine die allgemeine Öffentlichkeit. 3 Die Vereinigten Stabschefs formulierten im
folgenden Jahr ihr Planungspapier “Vision 2010”, die das alte “Feuerkraft ist Macht” durch “Wissen
ist Macht” ersetzte.4 Das Fieldmanual 100-5 (Operations) der US- Army wurde im August 1996
durch das FM 100-6 (Information Operations) ergänzt.5 Der “Sieg im Informationskrieg” ist heute
eines der fünf Langzeitziele in den Modernisierungsplänen der US Army.6
Computer wurden in der Vergangenheit vor allem dazu verwendet, Aufgaben wie Kommunikation,
Zielerkennung oder Logistik zu verfeinern und zu effektivieren. Heute läßt sich beobachten, daß
sich die Anwendungsbereiche deutlich erweitert haben. So geht es mittlerweile auch um die Abwehr
von Eindringlingen in Computernetzwerke, elektronische Abhör- und Überwachungstechniken, die
Entwicklung sogenannter “logischer Bomben” in Form von Software oder die Nutzung von
Computerviren als “nicht-lethale Waffen”7.
Fast der gesamten Entwicklung liegt die Annahme zugrunde, daß eine verbesserte Vernetzung der
Streitkräfte lediglich die militärische Effizienz erhöht. Mit der derzeit laufenden Umstrukturierung
der amerikanischen Streitkräfte sind jedoch weitreichende Probleme verbunden, die Grundfragen
der Kontrolle staatlicher Gewalt aufwerfen. Im Zuge der “militärisch-technischen Revolution”, so
die Ansicht vieler Beobachter, “untergräbt die Informationstechnologie den Großteil des
angesammelten Wissens der Welt über bewaffnete Konflikte” 8 - und damit auch über deren
politischen Kontext. Genau dies - der Wandel der zivil-militärischen Beziehungen im Zuge des
Übergangs zur Informationsgesellschaft - ist das Thema meines Promotionsvorhabens.


1   Vgl. Joseph S. Nye jr./William A. Owens: America´s Information Edge, in: Foreign Affairs, 3./4. 1996, S. 20-36;
    Martin C. Libicki: Information Dominance, Strategic Forum, Nr. 132, Washington D.C., Dezember 1997.
2   Vgl. John I. Alger: Introduction to Information Warfare, 2nd Edition, in: Winn Schwartau (Hg.): Information Warfare.
    Cyberterrorism: Protecting your Personal Security in the Electronic Age, New York 1996, S. 8-14, hier S. 8.
3   Vgl. Douglas Waller: Onward Cyber Soldiers, in: Time Magazine, 21.8.1995.
4   John M. Shalikashvili: Joint Vision 2010, Joint Chiefs of Staff, Washington D.C. 1996, http://www.dtic.mil/
    doctrine/jv2010/jv2010.pdf.
5   US Army Training and Doctrine Command: Field Manual 100-6, Information Operations, August 1996,
    http://www.fas.org/irp/doddir/army/fm100-6/.
6   Vgl. Charles W. Arneson/Michael D. Starry: FM 100-6: Information Operations, in: Military Review, Nr. 6,
    November-Dezember 1996, S. 3-15, S. 3-15, S. 66-69, hier S. 4.
7   Vgl. John Arquilla/David Ronfeldt (Hg.): In Athena´s Camp. Preparing for Conflict in the Information Age, Santa
    Monica 1997; Martin Libicki: What is Information Warfare?, ACIS Paper Nr. 3, Washington D.C., August 1995,
    http://www.ndu.edu/ndu/inss/actpubs/act003/a003cont.html; Waller, Onward Cyber Soldiers.
8   John Carlin, A Farewell to Arms, in: antimilitarismus information, Nr. 5, 1998, S. 77-86, hier S. 79.
Wie hängt der Wandel der zivil-militärischen Beziehungen mit der Einführung neuer
Computertechnologien zusammen? Diese zentrale Fragestellung der Promotion wurde bewußt nicht
als Kausalaussage formuliert, da ein Wechselverhältnis von sozialem und technischem Wandel
angenommen wird.

2.2. Forschungsstand und Quellenlage
Mittlerweile existieren eine ganze Reihe von Werken zur Kriegführung im Informationszeitalter. Sie
sind allerdings fast ausschließlich im Umfeld der US-Streitkräfte entstanden und entsprechend
handlungsorientiert ausgelegt, ihr zentrales Interesse ist in aller Regel ein militärisches oder
politikberatendes. Gleichwohl bieten sie recht umfassende Aufarbeitungen der Empirie. Als
bedeutend sollen hier die Arbeiten von Alberts,               Arquilla/Ronfeld, Bellin/Chapman,
Bernhardt/Ruhmann, Eurich, Friedman/Friedman, Garigue, Gray, Johnson/Libicki,
Klischewski/Ruhmann, Levidow/Robins, Pfaltzgraff/Shultz und Sullivan/Dubik erwähnt werden.
Theoretischer orientierte Literatur läßt sich vor allem in den Bereichen Militärsoziologie und
Techniksoziologie finden.
Die Frage nach dem Zustand der zivil-militärischen Beziehungen ist eine der Grundfragen der
Militärsoziologie, wie sie vor allem in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde. 9 Sie
hat sich bis in die neunziger Jahre hinein aber vor allem mit dem Verhältnis der militärischen zur
politischen Führung sowie mit Berufsbildern und Wertesystemen der Soldaten befaßt. Welchen
Einfluß technologische Entwicklungen auf die Realität und die politischen Leitbilder der
zivil-militärischen Beziehungen hatten und haben, wurde bisher nicht beachtet. In der neueren
Fachliteratur wird breit über die ”Krise der zivil-militärischen Beziehungen” diskutiert. Die
überwiegende Mehrzahl der Autoren befaßt sich dabei allerdings mit der Einflußnahme einzelner
hoher Offiziere auf außenpolitische Entscheidungsprozesse.10 Fast immer wird dabei auf die in den
fünfziger Jahren entstandenen Theorien von Huntington oder Janowitz zurückgegriffen. Auch die
wenigen Versuche, neue Ansätze zu entwickeln, berücksichtigen das Problem der strukturellen
Entgrenzung nicht systematisch oder gar nicht. 11 Diejenigen Autoren, die sich systematisch mit
den neuen Technologien und ihrer Bedeutung für die Sicherheits- und Militärpolitik beschäftigen,
weisen vereinzelt auf mögliche Auswirkungen auf die zivil-militärischen Beziehungen hin. Diese
Überlegungen sind bisher jedoch nicht in systematische militärsoziologische Untersuchungen




9    Bedeutend waren hier Samuel P. Huntington: The Soldier and the State. The Theory and Politics of Civil-Military
     Relations, Cambridge/Mass., London 1957 und Morris Janowitz: The Professional Soldier. A Social and Political
     Portrait, New York 1971 [1960]. Die Anfänge der Militärsoziologie finden sich in Günther Wachtler (Hg.): Militär,
     Krieg, Gesellschaft. Texte zur Militärsoziologie, Frankfurt/M., New York 1983.
10   Zum Stand der Debatte vgl. Edward B. Davis/Sheila M. Davis: A New Look at Civil-Military Relations, Manuskript,
     vorgestellt auf der Jahrestagung der International Studies Association, Toronto, März 1997. Vgl. auch die Studien
     des ”Project on U.S. Military in Post-Cold War American Society”, das seit 1995 am Olin Institute for Strategic
     Studies durchgeführt wird, http://hdc-www.harvard.edu/cfia/olin/civmil.htm.
11   Vgl. normenorientiert Rebecca L. Schiff: Civil-Military Relations Reconsidered: A Theory of Concordance, in:
     Armed Forces and Society, Herbst 1995, S. 7-25 oder spieltheoretisch Peter D. Feaver: Delegation, Monitoring, and
     Civilian Control of the Military. Agency Theory and American Civil-Military Relations, Cambridge/Mass., Mai 1996,
     http://hdc-www.harvard.edu/cfia/olin/pubs/no4.htm. Auch Tom Skauges ”Pendel”-Modell geht nicht auf den
     strukturellen Wandel ein, vgl. ders., Contraction and Detraction: Non-Equilibrium Studies of Civil-Military
     Relations, in: Journal of Peace Research, Nr. 2, 1994, S. 189-204.
übersetzt worden. 12 Bisher existieren aber einige Arbeiten, in denen einzelne Teilbereiche des
soziotechnischen Wandels der Streitkräfte diskutiert werden.13
Eine weitere Einschränkung der militärsoziologischen Literatur ist ihre Staatsfixiertheit. Die
zivil-militärischen Beziehungen bestehen in der klassischen Sichtweise ausschließlich aus den
Beziehungen zwischen der zivilen Regierung und dem ebenfalls staatlichen Militär. Wenn gerade die
neuen Computertechnologien sich aber durch universelle Verwendbarkeit und Verfügbarkeit
auszeichen, dann muß auch die Militär- und Kriegsforschung die neue Vielfalt der Akteure
zumindest theoretisch in Betracht ziehen.
Interessantere Anstöße liefert hier die Techniksoziologie. Der Fokus neuerer Ansätze liegt auf der
interdependenten Entwicklung von Technik und Gesellschaft als sozialer Prozeß.14 Dabei werden
verstärkt konstruktivistische Theorieansätze verwendet. Technik wird dabei wie Gesellschaft als
sozial konstruiert verstanden. 15 Zur neueren Technikentwicklung im Militär oder zum aktuellen
Wandel der zivil-militärischen Beziehungen liegen allerdings auch von techniksoziologischer Seite
noch keine Untersuchungen vor.16 Militärtechnologien wurden bisher, wenn überhaupt, vor allem in
der historischen Rückschau untersucht. Zur Bedeutung der Computertechnologien gibt es allerdings
einige allgemeinere techniksoziologische Erkenntnisse, die Anregungen für die vorliegene Arbeit
geben können.17

2.3. Eigene Vorarbeiten
Ich habe mich seit 1997 im Rahmen meiner Diplomarbeit intensiv mit der Thematik befaßt. Ein
großer Teil der in Berlin verfügbaren Literatur ist bereits erschlossen und ausgewertet, ebenso ein
relevanter Teil der im Internet verfügbaren Quellen. Als Ergebnis der Diplomarbeit konnte ich
einige Thesen zum soziotechnischen Wandel des Militärs in der Informationsgesellschaft aufstellen
(vgl. 2.6.), die aber nicht mehr umfassend geprüft werden konnten. Bereits vorgestellt habe ich sie
im Juli 1998 im Forschungsseminar der Arbeitsstelle Transatlantische Außen- und Sicherheitspolitik
der FU Berlin. Das bisherige Ergebnis meiner Studien ist ein Artikel, der in diesem Sommer
erscheinen wird 18 und bereits gekürzt in der Frankfurter Rundschau dokumentiert wurde 19 . Am
Konzept der Promotion arbeite ich seit Abschluß der Diplomprüfung im Januar 1999.




12   Vgl. z.B. Charles J. Dunlap: Melancholy Reunion. A Report from the Future on the Collapse of Civil-Military
     Relations in the United States, in: Airpower Journal, Winter 1996, S. 93-109.
13   Vgl. z.B. Richard W. Aldrich: The International Legal Implications of Information Warfare, in: Airpower Journal,
     Herbst 1996, S. 99-110; Ralf Klischewski/Ingo Ruhmann: Ansatzpunkte zur Entwicklung von Methoden für die
     Analyse und Bewertung militärisch relevanter Forschung und Entwicklung im Bereich Informations- und
     Kommunikationstechnologie, Studie für das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag,
     Bonn 1995; Jeffrey Record: Congress, Information Technology, and the Use of Force, in: Information Age
     Anthology, Washington D.C., http://www.ndu.edu/inss/books/ anthology1/ch17.html; Peter R. Young (Hg.):
     Defence and the Media in Time of Limited War, London, Portland 1992.
14   Vgl. Peter Weingart (Hg.): Technik als sozialer Prozeß, Frankfurt/M. 1989.
15   Vgl. Wiebe E. Bijker (Hg.): Shaping Technology, Building Society: Studies in Sociotechnical Change,
     Cambridge/Mass. 1992.
16   Eine Ausnahme bildet Tarja Cronberg, die den Wandel der Beziehungen zwischen ziviler Industrie und
     Rüstungsindustrie untersucht, vgl. dies., Civil Reconstructions of Military Technology: The United States and
     Russia; in: Journal of Peace Research, Nr. 2, 1994, S. 205-218.
17   Vgl. Sherry Turkle: Life on the Screen. Identity in the Age of Internet, New York etc. 1995; Norbert Bolz: Am Ende
     der Gutenberg-Galaxis. Die neuen Kommunikationsverhältnisse, München 1993; Manuel Castells: The Information
     Age: Economy, Society, and Culture: Volume I, The Rise of the Network Society, Oxford 1998.
18   Bendrath, Ralf: Militärpolitik, Informationstechnologie und die Virtualisierung des Krieges, in: Peter Bittner, Jens
     Woinowski (Hg.): Mensch - Informatisierung - Gesellschaft, Münster: Lit Verlag, i.E.
19   Bendrath, Ralf: Krieg im Cyberspace. Auf dem Weg zur vernetzten Armee, in: Frankfurter Rundschau, 1.4.1999, S.
     24.
2.4. Methode: Theoretischer Ansatz, Datenerhebung und -analyse
Da die klassischen Ansätze der Militärsoziologie einen möglicherweise grundlegenden Wandel der
zivil-militärischen Beziehungen nicht erfassen können, soll hier auf Überlegungen der allgemeinen
Sozialtheorie zurückgegriffen werden. Dabei bietet sich ein sozialkonstruktivistischer Ansatz an.
Damit wird es möglich, Vergesellschaftungsformen wie “Staat”, “Krieg” oder “zivile Kontrolle des
Militärs”, aber auch Akteurskonzepte wie den “professionellen Soldaten” als sozial konstruiert und
damit veränderbar zu konzeptualisieren. Zum anderen lassen sich mit einem konstruktivistischen
Ansatz bereits vorliegende techniksoziologische Modelle, die auf ähnlichen Grundlagen basieren,
integrieren und für diese Untersuchung anwenden.
Bedeutend für das Promotionsvorhaben ist die techniksoziologische Erkenntnis, daß es sich bei
technischen Systemen ebenso wie bei sozialen Systemen um Konstruktionen handelt, deren
Entstehen kontingent verläuft und deren Fortbestand immer wieder reproduziert werden muß. Es
sind gerade bei komplexeren Technologien die sozialen Normen, die den technischen Operationen
erst einen Sinn geben und ihre Anwendung durch Menschen ermöglichen.20 “Eine Maschine ohne
bestimmte Routinen derer, die sich ihrer bedienen, ist kaputt oder Kunst.”21
Technische Systeme und soziale Systeme unterscheiden sich durch den Grad an Rigidität ihrer
Koppelungen. Während die Systemelemente der Technologien durch feste Mechansismen oder
Algorithmen miteinander verbunden sind, besteht die Systemintegration in sozialen Systemen aus
habitualisierten Handlungsabläufen. Technische und soziale Systeme müssen daher
analytisch-begrifflich unterschieden und auf den Grad ihrer gegenseitigen Integration untersucht
werden.22
Die Integration neuer technischer Systeme in vorhandene soziale Systeme verläuft ebenso wie die
Einführung neuer Vergesellschaftungsformen in bestehende technische Verwendungs-
zusammenhänge nicht konfliktfrei. Bei unterschiedlichen Strukturierungsprinzipien der sozialen und
der technischen Systeme kann erwartet werden, daß es zu einer Integrationskrise kommt. In diesem
Fall muß entweder die Technologie an das Sozialsystem angepaßt oder dieses selber verändert
werden.23 Ein Erfolg bei der Einführung neuer Technologien besteht “gerade darin, eine spezielle
Technologie in eine gegebene [soziale] Umwelt ´einzupassen´ und diese, wo erforderlich,
umzustrukturieren”24.
Die Integration von technischen und sozialen Systemen wird möglich durch soziotechnische
Leitbilder 25 . In einem stabilen System sichern die Leitbilder die dauerhafte Akzeptanz der
technischen und sozialen Normen durch die Akteure. Leitbildkrisen entwickeln sich, wenn die
Umwelt der soziotechnischen Systeme sich ändert. In einer Leitbild-Krise verliert dieses seine
handlungsleitende Funktion, es wird entweder unscharf und damit weniger integrativ, oder andere
Leitbilder treten an seine Stelle. 26 Im Falle des Wandels können neue Leitbilder dazu dienen,
mögliche Integrationskonflikte zwischen technischen und sozialen Systemen zu lösen, indem sie
Visionen einer zukünftigen soziotechnischen Integration liefern, zum Beispiel die “autofreie

20   Vgl. Bernward Joerges: Soziologie und Maschinerie. Vorschläge zu einer ”realistischen” Techniksoziologie, in: Peter
     Weingart (Hg.): Technik als sozialer Prozeß, Frankfurt/M. 1989, S. 44-89, hier S. 80.
21   Joerges, Soziologie und Maschinerie, S. 65.
22   Vgl. Werner Rammert: Technisierung und Medien in Sozialsystemen. Annäherungen an eine soziologische Theorie
     der Technik; in: Peter Weingart (Hg.): Technik als sozialer Prozeß, Frankfurt/M. 1989, S. 128-173, hier S. 149f;
     Joerges, Soziologie und Maschinerie, S. 70-75.
23   Vgl. Joerges, Soziologie und Maschinerie, S. 75.
24   Peter Weingart: ”Großtechnische Systeme” - ein Paradigma der Verknüpfung von Technikentwicklung und
     sozialem Wandel?, in: ders. (Hg.): Technik als sozialer Prozeß, Frankfurt/M. 1989, S. 174-196, hier S. 188.
25   Vgl. Meinolf Dierkes/Ute Hoffmann/Lutz Marz: Leitbild und Technik. Zur Entstehung und Steuerung technischer
     Innovationen, Berlin 1992, S. 41. Ein technisches Leitbild ist ein ”technisches Bild, das sozial leitet”, Dierkes,
     Meinolf/Lutz Marz: Technikakzeptanz, Technikfolgen, Technikgenese. Zur Weiterentwicklung konzeptioneller
     Grundlagen der sozialwissenschaftlichen Technikforschung, Wissenschaftszentrum Berlin, FS II 90-104, Berlin
     1990, S. 36.
26   Vgl. Dierkes/Marz, Technikakzeptanz, S. 38f.
Gesellschaft” oder das “papierlose Büro”. Neue Leitbilder tragen also schon vor der eigentlichen
Einführung einer neuen Technik zum sozialen Wandel bei, indem sie alten Denkmustern ihre
selbstverständliche Akzeptanz nehmen. Wenn neue Leitbilder von bestehenden Konzepten der
Sozial- und Systemintegration abweichen, dann kann an der Breite ihrer Akzeptanz das Ausmaß der
Krise der bestehenden Systeme abgelesen werden. “Leitbild-Assessment” oder “Vision-Checks”
können somit helfen, die weitere Entwicklung abzuschätzen.27
Für das Promotionsvorhaben bedeutet dies, daß die neuen Technologien in ihrem Verhältnis zum
Entstehungs- und Verwendungskontext untersucht werden müssen. Gerade Computersysteme sind
so universell einsetzbar, daß eine Unterscheidung zwischen ziviler und militärischer Technologie auf
der rein technischen Ebene nicht durchgehalten werden kann.28 Wichtig ist daher das Verhältnis von
sozialem und technischem Wandel. Dabei muß untersucht werden, wie die Integration der neuen
computertechnischen Systeme in das bestehende System der zivil-militärischen Beziehungen
verläuft. Ein Indikator für einen strukturellen Wandel der zivil-militärischen Beziehungen ist dabei
das Maß, in dem die technischen Systeme im Widerspruch zu den bestehenden sozialen Normen
und Identitäten stehen. Da der Wandel nicht einseitig technikdeterministisch verläuft, wird die
Analyse in zwei Richtungen um die soziotechnischen Leitbilder kreisen: Einerseits sind sie die
zentralen Elemente, die den Wandel der zivil-militärischen Beziehungen organisieren und
strukturieren. Andererseits bestimmen sie auch den Gang der technischen Entwicklung.
Zur Untersuchung des Wandels der zivil-militärischen Beziehungen werde ich in drei Schritten
vorgehen. Zunächst wird das traditionelle Konzept der zivil-militärischen Beziehungen in den USA
rekonstruiert. Seine grundlegenden Strukturen im Verhältnis Staat-Militär waren bisher durch drei
klare Grenzen gekennzeichnet: a) Die räumliche Staatsgrenze, die eine Unterscheidung von innerer
und äußerer Sicherheit darstellt; b) die zeitliche Grenze, die durch Kriegserklärungen und
Friedensschlüsse (oder funktional ähnliche Akte) eine Unterscheidung von Krieg und Frieden
ermöglicht; und c) die institutionelle Grenze, die durch verschiedene Aufgabenbereiche,
Kompetenzen und Verantwortlichkeiten eine Unterscheidung zwischen Militär, Polizei und
Geheimdiensten ermöglicht und damit auch die professionelle Identität der Soldaten stabilisiert.
Damit verfüge ich über einen Fixpunkt, von dem aus der Wandel der zivil-militärischen
Beziehungen bestimmt werden kann. In der Promotion geht es jedoch um den Zusammenhang
zwischen diesem Wandel und neuen computertechnologischen Entwicklungen. Im zweiten Schritt
werden daher die theoretischen Erkenntnisse der konstruktivistischen Techniksoziologie
hinzugezogen und in das Analysemodell integriert. Im dritten Schritt werden anhand dieses Modells
vier unterschiedliche Bereiche des soziotechnischen Wandels analysiert (vgl. 2.6.).
Die Datenerhebung erfolgt durch die Analyse von Primärquellen, die Auswertung der einschlägigen
Fachliteratur und semistrukturierte Interviews mit Experten sowie Angehörigen von Streitkräften
und politischen Institutionen in den USA.

2.5. Einzelstudien
Aufgrund der Bedeutung von Leitbildern für den soziotechnischen Wandel richtet sich die Auswahl
der Einzelstudien nach den dominierenden Diskussionssträngen in der militär- und politiknahen
Literatur. Da noch keine Theorie des soziotechnischen Wandels der zivil-militärischen Beziehungen
vorliegt, können die Einzelstudien nur nach hermeneutischen Kriterien ausgewählt werden. Wichtig
ist lediglich, daß nicht bereits durch die Auswahl der Studien eine Verzerrung des Ergebnisses
vorbestimmt wird. Daher müssen sowohl umfassende als auch weniger umfassende Leitbilder
berücksichtigt werden. Darüber hinaus sollten die untersuchten Bereiche sich auf unterschiedlichen
Ebenen der zivil-militärischen Beziehungen befinden. So wird es möglich, Wandel und Stabilität auf
verschiedenen Ebenen auch in Beziehung zueinander zu setzen.
Die erste Einzelstudie befaßt sich mit der Nutzung der Computertechnologie in den
Führungssystemen der Truppe. Dieser Bereich wird als “Command and Control” (C 2) bezeichnet

27   Vgl. Dierkes/Marz, Technikakzeptanz, S. 38f.
28   Klischewski/Ruhmann, Ansatzpunkte, S. 190.
und ist in den letzten Jahren durch eine umfassende Vernetzung auf technischer Ebene
gekennzeichnet.. Das “System of Systems” als Leitbild beinhaltet sowohl diese Ausweitung der
Computersysteme als auch eine gleichzeitige Änderung der Befehlsstrukturen. Dies dürfte sich
sowohl auf die innere Kohärenz der Streitkräfte als auch auf ihre politische Kontrolle auswirken.
Die Sammlung und Aufbereitung von Informationen durch Überwachung, Aufklärung und
Spionage ist das Thema der zweiten Einzelstudie. Dieser Bereich ist eng mit den Führungssystemen
verbunden, kann aber zu analytischen Zwecken getrennt behandelt werden. Hier finden sich auch
eigene Leitbilder, etwa “Dominant Battlespace Knowledge”. 29 Im Zeitalter der “wissensbasierten
Kriege”      interessieren    einerseits  die    innermilitärischen     Folgen    der     technischen
Informationsverarbeitung, darüber hinaus das Verhältnis der verschiedenen staatlichen und privaten
Institutionen, die sich mit der Sammlung und Aufbereitung von Informationen für Militär, Politik
und Öffentlichkeit beschäftigen.
In der dritten Studie wird die Entwicklung von Leitideen wie “Information Warfare” und
“Cyberwar” in den Streitkräften untersucht, mit denen der Krieg über das Schlachtfeld hinaus in die
Datennetze und die Medien ausgeweitet werden soll. Bei solchen weitreichenden Überlegungen, die
einen sehr grundlegenden Wandel implizieren, interessiert besonders die Frage ihrer Umsetzbarkeit,
also ihrer Integration in bestehende sozio-technische Systeme.
In der letzten Einzelstudie beschäftige ich mich mit der defensiven Seite der “Informationskriege”,
also den sicherheitspolitischen Strategieentwicklungen. Hier hat sich in den USA in den letzten
Jahren eine neue Form von Unsicherheitswahrnehmung entwickelt, die aus der globalen
elektronischen Vernetzung und den Erfahrungen mit Hackern resultiert. Wie werden in dieser
Diskussion neue Leitideen wie das “elektronische Pearl Harbour” politisch aufgenommen? Bei
dieser neuen Art von sicherheitspolitischen Risiken, so ist zu vermuten, bilden sich auch neue
Formen des Risikomanagementes und damit neue sicherheitspolitischen Institutionen.

2.6. Erwartete Ergebnisse
Die Untersuchung soll auf zwei Ebenen neue Erkenntnisse liefern: Empirisch wird der Wandel der
zivil-militärischen Beziehungen in der Informationsgesellschaft herausgearbeitet sowie die daraus
resultierenden Probleme für die professionelle Identität der Soldaten, die demokratische Kontrolle
der Streitkräfte und die internationale Sicherheitspolitik analysiert. Theoretisch sollen dabei allgemeine
Erkenntnisse über den Zusammenhang von technischer und militärpolitischer Entwicklung
generiert werden. Auf einer allgemeineren Ebene kann bei der Nutzung der Computer in den
Streitkräften ein längerer Trend angenommen werden. Im Folgenden möchte ich daher erste
Überlegungen für eine Theorie des soziotechnischen Wandels des Militärs durch die
Computertechnologie vorstellen.
Die Ausweitung der Nutzungsbereiche von Computersystemen im Militär läßt sich als Versuch
beschreiben, immer weitere Aspekte der komplexen Realität des Krieges kalkulierbar und damit
planbar zu machen. 30 Die Computer effektivieren die dafür nötige Strukturierungsleistung, die
gegenüber der Umwelt und den eigenen Truppen erbracht werden muß. Die unvermeidliche
Friktion des Krieges, die aus der Komplexität aller sozialen Prozesse herrührt, führt aber über kurz
oder lang zu Widersprüchen zwischen Realität und Modell. Clausewitz hat mit seinem
“Gesamtbegriff einer allgemeinen Friktion” ausführlich auf die Unmöglichkeit hingewiesen, den
Krieg vorauszuberechnen.31


29   Vgl. Stuart E. Johnson/Martin C. Libicki (Hg.): Dominant Battlespace Knowledge: The Winning Edge, Washington
     D.C. 1994.
30   In der Geschichte des militärstrategischen Denkens zeigt sich dies mit dem Verschwinden der “Fortuna” seit dem
     Beginn der Moderne, vgl. R.B.J. Walker: The Prince and ”The Pauper”: Tradition, Modernity, and Practice in the
     Theory of International Relations, in: James Der Derian/Michael J. Shapiro (Hg.): International/Intertextual
     Relations. Postmodern Readings of World Politics, Lexington/Mass. 1989, S. 25-48.
31   Carl von Clausewitz: Vom Kriege, eingeleitet von Ernst Engelberg und Otto Korfes, Berlin (DDR) 1957 [1832-34],
     S. 32; Barry D. Watts: Clausewitzian Friction and Future War, Washington D.C. 1996.
Da aber die Grundannahme der rational geplanten, effektiven Kriegführung, die mit den
Computersystemen verbunden ist, nicht aufgegeben wird, folgt aus Fehlern und Defiziten in der
Praxis regelmäßig eine immer weitere Verfeinerung der militärischen Hard- und Software. Dies
erklärt, warum Technologisierungsschübe besonders in und nach Kriegen einsetzen. Die
Technologie wird in diesem Prozeß zunehmend in neue, vorher nur sozial integrierte Bereiche
eingeführt. Das mit Computern ausgestattete Militär zeigt damit typische Merkmale eines
großtechnischen Systems, nämlich eine Tendenz zur Expansion (das Bestreben, die Umwelt nach
Kriterien des Systems zu strukturieren) und zur Innovation (die Unmöglichkeit eines technischen
Stillstandes). 32 Dies erklärt auch das Vordringen der militärischen Computernutzung in soziale
Bereiche, die traditionell nicht als militärischer Handlungskontext angesehen wurden.
Was Computer von allen anderen Maschinen unterscheidet ist, daß sie ausschließlich auf der Ebene
von Zeichen (hier: Kombinationen von “0” und “1”) arbeiten. Nach der allgemeinen Zeichentheorie
(Semiotik) können drei Ebenen der Beziehungen von Zeichen unterschieden werden: 1) Syntaktik,
die Beziehung der Zeichen untereinander, also die reinen Daten; 2) Semantik, die Inhalte der
Zeichen, also die Beziehung der Daten zu den Objekten, die sie bezeichnen; 3) Pragmatik, die
Beziehung der Zeichen zu den Zwecken der Benutzer, die Informationen in einen sinnbezogenen
Kontext stellt. 33 Die Ausweitung der Nutzungskontexte von Computern kann damit als
Einbeziehung jeweils neuer semiotischer Ebenen erklärt werden.
Im Militär wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Computer als zeichenverarbeitende Maschinen
entsprechend zunächst auf syntaktischer Ebene eingesetzt. Sie dienten zur Übermittlung und
Darstellung der reinen Daten und zu mathematischen Berechnungen, konnten also noch keine
inhaltlichen Informationen liefern. Die Auswertung der Daten, zum Beispiel die Interpretation von
Radarsignaturen, war noch Aufgabe von Menschen. Die Computer ermöglichten eine
Beschleunigung von Routinehandlungen und mit der Nutzung von Datennetzen auch die
Globalisierung der Datenerfassung und -verarbeitung.
Die Phase der semantischen Nutzung von Computern begann, als auch die Interpretation der
Daten, also ihre Umwandlung in Nachrichten, automatisiert wurde. Dies erfordert große inhaltliche
Datenbanken, in denen die Daten mit Informationen über Objekte verknüpft werden. Die Auswahl
und Korrelation dieser Daten erfordert allerdings ein Mindestmaß an künstlicher Intelligenz, was
auch das hohe Interesse der Streitkräfte an diesem Forschungsfeld erklärt. Auf dem Bildschirm
erscheinen nun, um im Beispiel zu bleiben, nicht mehr Radardaten, sondern Typenbezeichnungen
der erfaßten Flugzeuge.
In der dritten Phase werden diese Nachrichten durch Computer nun auch in Beziehung zu den
sozialen Zwecken des Militärs gesetzt. Diese pragmatische Nutzung von Computern dient einerseits
zur sinnvollen Verteilung der Daten innerhalb der militärischen Organisation, sie wird aber auch zur
Unterstützung bei taktischen Entscheidungen verwendet. Im Beispiel macht der Computer jetzt
auch einen Vorschlag, ob das erkannte Flugzeug abzuschießen ist oder nicht. Da hierfür ein noch
größeres Maß an künstlicher Intelligenz erforderlich ist, stoßen die Möglichkeiten der
Automatisierung der sozialen Prozesse hier an Grenzen.
Diese drei Phasen lassen sich auch in anderen Bereichen militärischen Handelns finden. Der
Übergang zu einer neuen Phase ist jeweils mit einer Entgrenzung des großtechnischen Systems
Militär verbunden. Je weiter das Militär sich aber in neue Handlungskontexte vorwagt, desto
instabiler werden seine bisherigen Formen von Sozialintegration und Systemintegration. Dies gilt
besonders für Bereiche, die mit der Körperlichkeit des Schlachtfeldes nur noch wenig zu tun haben,
nämlich die Informationssphäre und den Cyberspace. Die in den letzten Jahren entwickelten
Ansätze von “Information Operations” und “Information Warfare” führen daher in der
Konsequenz zu einer grundlegenden Krise des Systems der zivil-militärischen Beziehungen.



32   Vgl. Weingart, “Großtechnische Systeme”.
33   Vgl. Klischewski/Ruhmann, Ansatzpunkte, S. 28.
3. Arbeitsplan/Zeitplan

Das Promotionsvorhaben soll in vier Schritten umgesetzt werden. Der erste Schritt (Juli bis Oktober
1999) besteht darin, die methodische und theoretische Literatur zur Militär- und Techniksoziologie
umfassend aufzuarbeiten, einen konsistenten methodischen Rahmen zu entwickeln und diesen mit
verschiedenen Kooperationspartnern zu diskutieren.
In einem zweiten Schritt (November 1999 bis Juni 2000) werde ich die Empirie aufarbeiten, soweit
dies in Deutschland und von Deutschland aus möglich ist. Ein großer Teil wird der Recherche und
Lektüre der Fachliteratur gewidmet werden, darüber hinaus sind bereits erste Experteninterviews
geplant. Am Ende dieser Phase werden die bisher gewonnenen Erkenntnisse systematisiert und auf
offen gebliebene Fragen hin überprüft.
Für die Zeit von Juli bis November 2000 ist als dritter Schritt ein Forschungsaufenthalt in den USA
geplant. Hier werde ich verschiedene wissenschaftliche, politische und militärische Institutionen
besuchen, um weiteres Material zu sichten sowie eine Reihe von Interviews zu führen. Der größte
Teil der Zeit wird in Washington D.C. verbracht werden, da dort die meisten der einschlägigen
Institutionen ansässig sind; der letzte Monat ist der Westküste gewidmet.
Der letzte Schritt (April bis Juni 2001) wird der Niederschrift der Fallstudien, der Überprüfung der
Hypothesen sowie der Formulierung des Fazits gewidmet sein.

Phase I: Ausarbeitung des methodischen Rahmens (Juni bis Oktober 1999)

   Juli 1999              Recherchen und Lektüre zu Militärsoziologie
   August 1999            Recherchen und Lektüre zu Techniksoziologie
   September 1999         Recherchen und Lektüre zu militärischer Technologieentwicklung und
                          -nutzung; Skizzierung des methodischen Rahmens und der Hypothesen
                          (Kapitel 1 und 2)
   Oktober 1999           Präsentation und Diskussion des Projektes in verschiedenen
                          Forschungszusammenhängen (vgl. Punkt 4);
                          Verfeinerung des methodischen Rahmens und der Hypothesen

   Phase II: Aufarbeitung der Empirie (November 1999 bis Juni 2000)

   November 1999          Recherchen in Berliner Bibliotheken und Archiven
   Dezember 1999          Lektüre für Fallstudie 1: Integration der Kommandosysteme
   Januar 2000            Lektüre für Fallstudie 2: Reform der Intelligence
   Februar 2000           Lektüre für Fallstudie 3: Informationsoperationen
   März 2000              Lektüre für Fallstudie 4: Verteidigung der zivilen
                          Informationsinfrastrukturen
   April 2000             weitere Recherchen, erste Interviews:
                             Führungsakademie und Universität der Bundeswehr, Hamburg
                             Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität
                              Hamburg (IFSH) (Dr. Götz Neuneck)
                             Arbeitskreis “Rüstung und Informatik”, Forum InformatikerInnen für Frieden
                              und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF), Universität Bremen (Dipl. Psych.
                              Peter Ansorge, Dipl. Inf. Ralf E. Streibl)
   Mai 2000                  Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Ebenhausen (Dr. Gebhard Geiger)
                             Spezialsammlung “US-Außenpolitik”, Hessische Stiftung Friedens- und
                              Konfliktforschung (HSFK), Frankfurt/M. (Prof. Harald Müller)
   Juni 2000              Systematisierung der noch offenen Fragen; Formulierung evtl. neuer
                          Fragen; Erstellung von Interviewleitfäden für den USA-Aufenthalt
Phase III: Forschungsaufenthalt in den USA (Juli bis November 2000)

Juli 2000                 National Infrastructure Protection Center (verschiedene Interviews)
                          Critical Infrastructure Assurance Office (Jeffrey Hunker, Direktor)
August 2000               Department of Defense, Joint Chiefs of Staff (verschiedene Interviews)
                          School for Information Warfare and Strategy, National Defense University
                           (verschiedene Interviews)
September 2000            Center for Strategic and International Studies (CSIS), Task Force on
                           Information Warfare (verschiedene Interviews)
                          Georgetown University, Program on Communication, Culture and Technology
                           (Prof. Dorothy E. Denning)
Oktober 2000              British American Security Information Council (BASIC)
                          Federation of American Scientists (FAS), Intelligence Resource Program und
                           Military Analysis Network (John Pike, Direktor)
November 2000             Computer Professionals for Social Responsibility, Palo Alto
                          Naval Postgraduate School, Monterey: Information Warfare Academic Group
                           (Prof. John Arquilla)
                          RAND Corporation, Santa Monica (Dr. David Ronfeldt)

Phase IV: Niederschrift (Dezember 2000 bis Juni 2001)

Dezember 2000          Niederschrift Fallstudie 1: Integration der Kommandosysteme
Januar 2001            Niederschrift Fallstudie 2: Reform der Intelligence
Februar 2001           Niederschrift Fallstudie 3: Informationsoperationen
März 2001              Niederschrift Fallstudie 4:
                       Verteidigung der zivilen Informationsinfrastrukturen
April 2001             Überarbeitung Kapitel 1 und 2;
                       letzte Systematisierung der Ergebnisse; Skizzierung des Fazits
Mai 2001               Niederschrift Kapitel 4 (Fazit)
Juni 2001              Reserve (Krankheit, Konferenzbesuche u.ä.)


4. Einordnung in bestehende Arbeitszusammenhänge

Zunächst wird das Promotionsvorhaben über die Betreuung durch Prof. Dr. Ulrich Albrecht an
die Arbeit der Forschungsstelle Transformationsprozesse in einer interdependenten Welt
(TRAIN) am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften angebunden sein.
Darüber hinaus besteht seit ihrer Gründung eine Mitarbeit in der Projektgruppe “Internationale
Risikopolitik” der Arbeitsstelle Transatlantische Außen- und Sicherheitspolitik am gleichen
Fachbereich. Im Rahmen eines Vorprojektes habe ich hierfür bereits die Ausarbeitung einer
Projektskizze zum Thema “sicherheitspolitische Risiken der Informationstechnologie”
übernommen. Im Rahmen der Umsetzung des Projektes werde ich auch weiterhin Mitglied im
Forschungsseminar der Arbeitsstelle sein.
Ein Arbeitszusammenhang besteht ebenfalls mit dem Forum Informatiker für Frieden und
gesellschaftliche Verantwortung (FifF) und besonders dessen Arbeitskreis “Rüstung und
Informatik”. Bei der letztjährigen Jahrestagung des FifF im November 1998 habe ich bereits die
Arbeitsgruppe “Militär, Sicherheitsdiskurs und Informationstechnologie” verantwortlich
vorbereitet und geleitet sowie den entsprechenden Beitrag für den Tagungsband verfaßt.
Eine langjährige Kooperation besteht ebenfalls mit dem Berliner Informationszentrum für
Transatlantische Sicherheit (BITS). Weitere Projekte, zu denen bereits Kontakte geknüpft
wurden, sind darüber hinaus das Projekt “Geschichte der Informatik” am Fachbereich
Informatik der TU Berlin sowie der Sonderforschungsbereich 240 “Geschichte, Ästhetik und
Pragmatik der Bildschirmmedien” der Universität/GH Siegen.
Ein praktisches Ergebnis des Promotionsprojektes wird - last, but not least - ein Netzwerk aus
Nachwuchswissenschaftlern werden, die zu ähnlichen Themen arbeiten. Hierzu sind bereits
Kontakte mit Kollegen und Kolleginnen in Berlin, Bonn, Köln, Hamburg und Bremen geknüpft,
ein erster Workshop in Berlin ist für den Sommer 1999 geplant.


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