Standortvergleich Bayern � �sterreich by BhFk7Br8

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									Standortvergleich Deutschland/Bayern – Österreich


Österreich hat als Wirtschaftsstandort in den letzten Jahren ohne Zweifel beachtliche
Fortschritte gemacht. Das gilt im Hinblick auf notwendige Reformen
       zur Sicherung der Staatsfinanzen, aber auch
       zur Lockerung des starren Parteienproporz- und Konsensprinzips in Politik und
        Gesellschaft.
Als Nachbarland begrüßt und unterstützt Bayern diese Reformanstrengungen. Eine
höhere Wachstumsdynamik Österreichs kann dazu beitragen, die ohnedies engen
außenwirtschaftlichen Verflechtungen (Exporte Bayerns nach Österreich 2002 6,8
Mrd. €; Importe aus Österreich 7,7 Mrd. €) weiter zu intensivieren, die
grenzüberschreitende Arbeitsteilung zu vertiefen und den Wohlstand beider Länder
zu erhöhen. Bestandteil dieser neuen österreichischen Politik ist, dass Österreich
nun auch erhebliche Anstrengungen im Bereich der Standort- und
Ansiedlungswerbung unternimmt, die sich nicht zuletzt an bayerische Unternehmen
richten. So legitim diese Bemühungen, gerade auch angesichts der langwierigen
Diskussionen um die notwendigen Reformen zur Sicherung von Wachstum und
Beschäftigung in Deutschland sind, so notwendig ist und bleibt eine umfassende
vergleichende Analyse der Standortbedingungen, wenn so weitreichende
unternehmerische Entscheidungen wie eine Betriebsverlagerung getroffen werden
sollen. Wie die folgende Analyse deutlich macht, kann sich Bayern diesem
Standortvergleich trotz der negativen bundespolitischen Rahmenbedingungen aus
einer Position der Stärke stellen.



I.      Steuervergleich
Der Körperschaftssteuersatz von Kapitalgesellschaften beträgt seit 1. Januar 2004 in
Deutschland 25%. In Österreich liegt die Körperschaftssteuer derzeit bei 34% und
soll ab 1. Januar 2005 auf 25% gesenkt werden.

Unter     Berücksichtigung      des    Solidaritätszuschlags     beläuft   sich      die
Körperschaftssteuer in Deutschland in 2004 auf 26,38%.

Unter Hinzurechnung der kommunalen Gewerbesteuer ergibt sich für Deutschland
eine durchschnittliche Unternehmenssteuerlast von ca. 38,5% (genauer Wert
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abhängig vom jeweiligen Gewerbesteuerhebesatz) gegenüber derzeit 34% (25% ab
Januar 2005) in Österreich, wo die Gewerbesteuer in den 1990er Jahren abgeschafft
worden ist. Allerdings tritt in Österreich an die Stelle der Gewerbesteuer eine
Kommunalsteuer, deren Bemessungsgrundlage die Bruttolohnsumme bildet. Die
Kommunalsteuer       beträgt   3%   der   Bruttolohnsumme.    Zusammen       mit   den
Sozialbeiträgen trägt die Kommunalsteuer somit zur Belastung des Faktors Arbeit
bei. (siehe unten: Arbeitskosten)


Bei Personenunternehmen richtet sich die Besteuerung nach dem persönlichen
Einkommenssteuersatz:

Der Spitzensteuersatz der Einkommenssteuer beträgt seit 1. Januar 2004 in
Deutschland 45% gegenüber 50% in Österreich (bei Berücksichtigung des
Solidaritätszuschlags beträgt der deutsche Spitzensteuersatz 47,5%). In Deutschland
unterliegen Steuerzahler ab einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 52.152
€ dem Spitzensteuersatz, in Österreich hingegen schon ab 50.870 €.

Der Eingangssteuersatz in Deutschland liegt seit Januar 2004 bei 16%, gegenüber
21% in Österreich.

Der steuerfreie Grundfreibetrag liegt in Deutschland seit 1. Januar 2004 bei 7.664 €,
übertroffen lediglich von „Steueroasen“ wie der Schweiz oder Luxemburg. In
Österreich hingegen liegt der steuerfreie Grundfreibetrag bei nur 3.640 €.


Generell bleibt festzuhalten, dass die Aussagekraft des bloßen Vergleichs der
nominalen Steuertarife zweier Länder stets problematisch ist. In eine ausgewogene
und angemessene Beurteilung muss insbesondere die jeweilige
Bemessungsgrundlage einfließen und damit auch Ausnahmetatbestände,
Abschreibungsmodalitäten etc. Deshalb kann nur eine konkrete Vergleichsrechnung
anhand der Unternehmenszahlen im Einzelfall Aufschluss über den steuerlich
vorteilhafteren Standort geben.


Betrachtet man anstelle eines bloßen steuerlichen Vergleichs die Abgabenquote, so
werden die – ohnedies bestenfalls marginalen - steuerlichen Vorteile Österreichs
relativiert: Während in Deutschland die Abgabenquote (Steuern und Sozialabgaben
in Prozent des BIP) zwischen 1995 und 2001 von 38,2% auf 36,4% zurückging, stieg
die Abgabenquote in Österreich im selben Zeitraum von 41,6% auf 45,7% an.
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(Quelle: OECD 2002)1. Jedoch ist hier kritisch anzumerken, dass das BIP als
Bezugsgröße bspw. auch staatliche Leistungen beinhaltet und somit für eine
Quotenberechnung – obwohl international üblich – wenig geeignet ist.


III.   Vergleich der Arbeitskosten

Eine vielzitierte Aussage der Austrian Business Agentur (ABA), wonach die
durchschnittlichen Arbeitskosten in Österreich etwa ein Viertel unter dem deutschen
Niveau liegen, muss relativiert werden. Einer Eurostat-Erhebung von 2000 zufolge
betragen die durchschnittlichen Arbeitskosten im Industrie- und Dienstleistungssektor
in Deutschland 26,54 € gegenüber 23,60 € in Österreich (aktuellste verfügbare
Daten, da die nächste Eurostat-Erhebung erst 2004 erfolgt).


Hohe bruttolohnbezogene Abgaben für Arbeitgeber:

Gegen den Standort Österreich spricht, dass der Anteil der Sozialbeiträge der
Arbeitgeber an den österreichischen Arbeitskosten mit 23,7% noch über dem hohen
deutschen Satz von 22,6% liegt. (Quelle: Eurostat)

Die in Österreich vom Dienstgeber (Arbeitgeber) zu entrichtenden Abgaben auf den
Brutto-Arbeitslohn     belaufen     sich    2004        auf    durchschnittlich    (bis    zur
Beitragsbemessungsgrenze) 31%. Dieser Wert umfasst die Kommunalsteuer und
die MVK. Demgegenüber liegen die in Deutschland vom Arbeitgeber zu
entrichtenden Abgaben auf den Bruttoarbeitslohn bei durchschnittlich (bis zur
Beitragsbemessungsgrenze) 21,6%.

Die Belastung der Löhne mit vom Arbeitgeber zu entrichtenden Abgaben liegt in
Österreich weit über dem deutschen Wert.

Die geringere Arbeitskosten in Österreich hängen ausschließlich mit dem geringeren
Lohnniveau zusammen, nicht mit geringeren Lohnnebenkosten. Im Gegenteil:
Österreich hat hier sogar einen strukturellen Nachteil gegenüber Deutschland.
Sobald das Lohnniveau in Österreich steigt, wird die hohe Abgabenlast voll


1
 Anmerkung: Die OECD-Datenbasis ist eine der wenigen verfügbaren vergleichenden Quellen. Die
vom StMWVT üblicherweise verwendete Quelle, der Sachverständigenrat, kommt für das Jahr 2001
auf eine deutlich höhere Abgabenquote der Bundesrepublik von 41,2%, ermittelt aber keine
europäischen Vergleichszahlen Der hier zugrunde liegende Vergleich basiert auf
Abgrenzungsmerkmalen der OECD, die nicht mit den Daten der jeweiligen volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung vergleichbar sind. Zudem handelt es sich bei den Zahlen des Jahres 2000 um
vorläufige Werte.
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durchschlagen. In diesem Zusammenhang ist auch die geringe Arbeitslosigkeit in
Österreich von Nachteil.


Unterschiede nach Branchen und Regionen

Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Arbeitskosten in Bayern und Deutschland
regional stark variieren, so dass ein Vergleich anhand von durchschnittlichen
Arbeitskosten auf Nationalstaats- oder Bundeslandsebene wenig aussagekräftig ist.

So lag bspw. das Lohnniveau in Hochfranken im Jahr 2000 (ausgedrückt im
Bruttojahreslohn je Beschäftigtem in der Produktion) um 28,2% unter dem
bundesdeutschen Durchschnitt und um 26,5% unter dem bayerischen Durchschnitt.



III.   Vergleich der Arbeitszeiten
Verglichen mit Gesamtdeutschland ergibt sich für Österreich eine um 170 Stunden
höhere Arbeitsleistung pro Jahr. Zudem verfügt der deutsche bzw. bayerische
Arbeiter oder Angestellte über 3 ½ Tage mehr Urlaub pro Jahr. Dem geringeren
Urlaubsanspruch in Österreich stehen allerdings mehr landesweite Feiertage
(Österreich: 14, Bayern: 12) gegenüber.


Berücksichtigt man neben der tariflich festgelegten Jahresarbeitszeit auch den
Jahresurlaub und die gesetzlichen Feiertage, relativiert sich die Differenz zwischen
Deutschland und Österreich hinsichtlich der jährlich zu leistenden Arbeitsstunden:
Österreich mit 1709 Stunden übertrifft Deutschland mit 1662 Stunden nur knapp.
(Quelle: ifo Schnelldienst 15/2003 bzw. EIRO Observer)


Bei der Anzahl der Streiktage, von Österreich ebenfalls oft als Standortvorteil der
Alpenrepublik angeführt, ergibt sich im internationalen Vergleich letztlich ein
ausgeglichenes Bild: Österreich (2 Streiktage pro 1.000 Beschäftigte im
Jahresdurchschnitt 1992 bis 2001), Deutschland (9 Streiktage pro 1.000 Beschäftigte
im Jahresdurchschnitt 1992 bis 2001) und Bayern (9 Streiktage pro 1.000
Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 1992 bis 2001) liegen weit unter den übrigen
OECD-Ländern (z.B. Spanien mit 282 Streiktagen oder Kanada mit 184 Streiktagen
pro 1.000 Beschäftigte im Jahresdurchschnitt 1991 bis 2000). (Quelle: Institut der
Deutschen Wirtschaft, Köln)
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Dem Vorteil Österreichs bei den Streiktagen steht eine größere Arbeitszeitflexibilität
in Deutschland gegenüber. Nahezu alle tarifvertraglichen Regelungen in Deutschland
sehen seit Jahren Flexibilisierungsmöglichkeiten bei der Arbeitszeit vor. In praktisch
allen Tarifbereichen ist die Möglichkeit vorgesehen, die Arbeitszeit ungleichmäßig
auf die Tage, Wochen oder Jahreszeiten zu verteilen. Demgegenüber ist der
österreichische Arbeitsmarkt generell durch einen höheren, auf einer ausgeprägten
Sozialpartnerschaft basierenden, Regulierungsgrad gekennzeichnet. Dies ist der
Grund dafür, dass flexible Beschäftigungsformen wie Zeitarbeit und befristete
Beschäftigung in Österreich nur einen geringen Anteil an der Gesamtbeschäftigung
haben.




IV.      Vergleich der Produktivität
In Österreich wächst die Produktivität stärker als die Löhne: Zwischen 1997 und 2001
ist in der Industrie die Wertschöpfung pro Beschäftigtem um 16,9% gestiegen, der
Personalaufwand pro Beschäftigtem allerdings nur um 10,6%. Laut dem Institut für
Höhere Studien (IHS) in Wien ist diese Entwicklung ausgesprochen positiv und ein
entscheidender Grund für die niedrigere Arbeitslosigkeit in Österreich gegenüber
Deutschland mit seinen deutlich höheren Lohnabschlüssen der vergangenen Jahre.


Vergleich der Bruttowertschöpfung je Erwerbstätiger in Deutschland und Österreich
(österreichischer Wert jeweils normiert auf 100):


                             Sachgütererzeugung            Produzierendes Gewerbe
                             D                 Ö           D              Ö
1992                         101,7             100         96,1           100
2001                         83,4              100         81,0           100


Quelle: Wifo Monatsberichte 9/2002 (Anmerkung: Zum Produzierendem Gewerbe
zählen neben der Sachgütererzeugung auch die Industriebereiche Bergbau, Energie-
und Wasserversorgung sowie Bauwesen.)
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Die Produktivitätsentwicklung in Österreich verlief von 1992 bis 2001 günstiger als in
Deutschland. Im Jahr 2001 lag das Produktivitätsniveau (Nettoproduktion je
Erwerbstätiger) in der österreichischen Sachgüterproduktion wie auch im
Produzierenden Gewerbe deutlich über dem deutschen Niveau.


Betrachtet man anstelle der deutschen die bayerische Wirtschaft, ergibt sich jedoch
ein anderes Bild: Das Wirtschaftswachstum war in Bayern zwischen 1995 und 2001
mit +15,0% (bezogen auf das BIP in Preisen und Kaufkraftparitäten von 1995) größer
als in Österreich mit +14,7%. Bei der Produktivitätsentwicklung liegt Bayern mit
+15,2% zwischen 1991 und 2002 weit über dem westlichen Bundesdurchschnitt von
+8,2%. (Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik)




V.    Flexibilität des Arbeitsrechts
Kündigungen von Arbeitnehmern sind in Österreich zwar relativ leicht möglich, aber
aufgrund hoher Abfindungszahlungen (in Österreich „Abfertigungen“ genannt) relativ
teuer. Eine im Juli 2002 in Kraft getretene Reform setzt sich zum Ziel, Entlassungen
noch mehr zu erleichtern und den Arbeitsmarkt zu beleben. Eine Aussage über die
Wirkung der Reform ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht möglich.


In Deutschland sind Kündigungen generell schwieriger und langwieriger als in
Österreich. Abfindungen sind nur in bestimmten Fällen sozial ungerechtfertigter
Kündigung zu entrichten. Im Zuge einer Reform des Arbeitsmarktes sollen ab 2004
Erleichterungen für die Arbeitgeber realisiert werden: der Kündigungsschutz für
kleinere Betriebe soll flexibilisiert werden (der Unionsentwurf sieht vor, dass das
Kündigungsschutzgesetz generell nicht für Betriebe bis 20 Beschäftigte gelten soll),
dem Arbeitnehmer bei betriebsbedingten Kündigungen die Wahl zwischen Abfindung
und Kündigungsschutzklage eingeräumt werden und Existenzgründern die
Möglichkeit gegeben werden, die ersten vier Jahre Arbeitnehmer mit befristeten
Verträgen einzustellen.


VI.   Arbeitsvermittlungen, Genehmigungen und Verfahren
In Österreich erfolgt zwar die Vermittlung von Arbeitssuchenden schneller: Die
durchschnittliche Vermittlungsdauer für Arbeitslose liegt in Österreich bei nur 15
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Wochen, in Deutschland hingegen betrug die durchschnittliche Vermittlungsdauer in
2002 ca. 33 Wochen (vgl. hierzu
http://www.ftd.de/sp/ko/1028330285025.html?nv=nl). Dies bedeutet aber im
Umkehrschluss, dass in Deutschland bzw. Bayern derzeit kein Fachkräftemangel
herrscht und es Unternehmen grundsätzlich leichter möglich ist, über das lokale
Arbeitsamt die gesuchten (Fach-)Arbeitskräfte kurzfristig zu bekommen.


Österreich verweist zudem darauf, dass der Aufbau einer neuen Firma von der
Gründung bis zur Genehmigung nur vier Wochen in Anspruch nimmt. Aber hier steht
Bayern hinter Österreich nicht zurück. Beispielhaft dafür ist die Ansiedlung des
Unternehmens Balzers Verschleißschutz GmbH in Thyrnau/Niederbayern. In einem
unbürokratischen Verfahren konnte das gesamte Vorhaben von den ersten
Gesprächen bis zur Genehmigung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns innerhalb
von nur drei Wochen abgewickelt werden.


Künftig sollen im Rahmen der Umsetzung der Vorschläge der Henzler-Kommission
weitere bürokratische Hindernisse abgebaut sowie Genehmigungsverfahren
beschleunigt werden und sog. one-stop-agencies als Ansprechpartner für die
Wirtschaft die Verfahren vereinfachen.




VII.   Geographische Lage und Verkehrsinfrastruktur
Österreich versteht sich wegen seiner zentralen Lage und seiner Nachbarschaft zu
den künftigen EU-Mitgliedsländern Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien als
Tor zu den Zukunftsmärkten in Ost- und Südosteuropa. Doch auch Bayern kann sich
aufgrund seiner zentralen Lage und der hohen wirtschaftlichen Verflechtung mit den
Ländern Ost- und Südosteuropas mit Recht als „Tor zum Osten“ bezeichnen. So
stieg der bayerische Außenhandel mit den Ländern Ost- und Südosteuropas (inkl.
ehemalige Sowjetunion) seit Mitte der 90er Jahre von 11 Mrd. € auf fast 29 Mrd. € in
2002 (entspricht etwa 16,1% des bayerischen Außenhandels in 2002). Der
österreichische Außenhandel mit den Ländern Ost- und Südosteuropas (inkl.
ehemalige Sowjetunion) beträgt knapp 24 Mrd. € in 2002 (und liegt mit etwa 15,4%
des österreichischen Außenhandels in 2002 sowohl vom Volumen als auch vom
Anteil her unter dem vergleichbaren bayerischen Wert). Von einem österreichischen
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Standortvorteil oder gar einer spezifischen „Türöffnerfunktion“ in die MOEL kann
damit nicht gesprochen werden.


Die verkehrstechnische Anbindung Bayerns lässt keine Wünsche offen. Mit dem Fall
des Eisernen Vorhangs ist Bayern zur internationalen Verkehrsdrehscheibe
geworden und verbindet den Verkehr aus Nordwesteuropa mit den Zukunftsmärkten
Ost- und Südosteuropas. Bayern ist bestens eingebunden in das bundesdeutsche
Autobahn- und Fernstraßennetz (sieben europäische Nord-Süd- bzw. Ost-West-
Verbindungen), verfügt über ein leistungsfähiges Schienennetz und ist über die
Rhein-Main-Donau-Wasserstraße – genauso wie Österreich – mit Nordsee und
Schwarzem Meer verbunden. Im Gegensatz zu Österreich verfügt Bayern zudem mit
dem Flughafen München über eine internationale Luftverkehrsdrehscheibe von
herausragender internationaler Bedeutung, gerade auch hinsichtlich der Anbindung
an die Metropolen Ost- und Südosteuropas (Kapazität: 45 Mio. Fluggäste jährlich).



VIII. Energie- und Telekommunikationsinfrastruktur
Bayern verfügt über eine aus technischer, wirtschaftlicher und ökologischer Sicht
erstklassige Energieversorgung und ein modernes, leistungsfähiges
Telekommunikationsnetz. Dabei liegen die Kosten für Strom und Telekommunikation
in Deutschland unter dem internationalen Schnitt und insbesondere auch unter den
Preisen in Österreich. Die Strompreise für die deutsche Industrie lagen in 2001 mit
3,6 Cent pro Kilowattstunde deutlich unter dem Vergleichswert für Österreich (5,2
Cent). (Quelle: OECD, International Energy Agency).
Auch die Telefonkosten auf Basis von Kaufkraftparitäten (Stand: August 2002)
zeigen deutlich höhere Kosten in Österreich für Privat- und Geschäftskunden (129
bzw. 109 Kaufkrafteinheiten, jeweils verglichen mit normierten 100 Kaufkrafteinheiten
in Deutschland). (Quelle: OECD, Teligen Ltd.)



IX.   Ausbildung und Qualifikation der Arbeitskräfte

Bayern kann durch das duale Ausbildungssystem und die hervorragende
Hochschulausbildung höchste Mitarbeiterkompetenz garantieren. Für seine
hochqualifizierten und motivierten Arbeitskräfte ist der Freistaat international bekannt.
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Auch Österreich verfügt über das duale Bildungssystem und kann ein
leistungsstarkes und effizientes Bildungswesen vorweisen. Folgende Kriterien
unterstreichen dies:


      Österreichische Schüler schließen die Sekundarstufe I nach durchschnittlich
       8,2 Jahren ab und sind damit deutlich schneller als Schüler im OECD-Mittel
       (9,4 Jahre) oder insbesondere in Deutschland (10,1 Jahre). Zudem können
       österreichische Schüler im Schnitt ein Jahr eher mit dem Studium beginnen
       als Schüler im OECD-Mittel oder in Deutschland und sogar 3,5 Jahre eher als
       schwedische Jugendliche. (Quelle: www.oepu.at/aktuell/bs11/oecd.doc)


      In der Pisa Studie lag Österreich in allen drei betrachteten Bereichen Lesen,
       Mathematik und Naturwissenschaften im vorderen Drittel und jeweils vor
       Deutschland. Bayern schnitt aber deutlich besser als der Bundesdurchschnitt
       ab und lag in den Kategorien „Lesen“ und „Mathematik“ knapp vor Österreich.


      Österreich verfügt über zahlreiche Hochschulen, die aber international
       überwiegend wenig bekannt und renommiert sind: 14 Universitäten (darunter
       Spezialuniversitäten wie die Montanuniversität Leoben), sechs
       Kunstuniversitäten, sieben Privatuniversitäten (Akkreditierung seit 1999
       möglich), sechs Fachhochschulen und weitere 12 Halter von
       Fachhochschulstudiengängen. Als Nachteil für den Hochschulstandort
       Österreich wird teilweise angesehen, dass Studenten seit dem
       Wintersemester 2001/2002 Studiengebühren entrichten müssen. Pro
       Semester muss jeder Student 360 Euro bezahlen, Studenten aus Nicht-EU-
       Ländern sogar das Doppelte. Dies kann eine Barriere für sozial schlechter
       gestellte Jugendliche darstellen und so der Hochschulausbildung in Österreich
       schaden. Andererseits kommen die zusätzlichen Einnahmen aus den
       Studiengebühren direkt den Hochschulen zu gute. In Bayern sind
       üblicherweise keine Studiengebühren zu entrichten.


      Zudem hat Österreich ein Defizit bei techniknahen Studienfächern: der Anteil
       der ingenieur- und naturwissenschaftlichen Hochschulabsolventen liegt
       deutlich unter dem EU-Durchschnitt (Quelle: Österreichisches Institut für
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         Wirtschaftsforschung, Wien). Fraglich ist, ob damit der künftige Bedarf der
         österreichischen Wirtschaft gedeckt werden kann.




X.       Hochtechnologie, Wissenschaft und Forschung
Österreichs Industriestruktur ist von traditionellen Technologiefeldern geprägt.
Besonders forschungsintensive Branchen wie Computerindustrie oder Luft- und
Raumfahrt sind kaum zu finden.


Verschiedene Indikatoren belegen die Defizite im Bereich Forschung und High-Tech:

        Relativ niedrige F&E Quote: 1,96% des BIP in 2002
         (Zum Vergleich: OECD Durchschnitt 2,21%, F&E-Quote in Bayern 2,9%)


        Struktur der F&E Finanzierung: 40% durch die öffentliche Hand; somit relativ
         geringer Anteil des Privaten Sektors an den gesamten Forschungsausgaben


        Geringe Verflechtung zwischen den einzelnen innovativen Sektoren,
         insbesondere zwischen Unternehmen und Universitäten: weniger als 1% der
         inländischen F&E-Ausgaben der Unternehmen gehen als Forschungsaufträge
         an inländische Hochschulen.


        Die Patentanmeldungen pro Einwohner in Österreich liegen im unteren
         Mittelfeld der OECD Länder. Im Jahr 2000 gab es in Österreich nur 150
         Patentanmeldungen pro 100.000 Einwohner, in Bayern hingegen 459 (fast
         30% aller in Deutschland angemeldeten Patente). Österreich ist im Gegensatz
         zu Bayern Technologieimporteur und hat traditionell eine negative Patent- und
         Lizenzbilanz.


        Die „unit values“ der österreichischen Exporte (Exporterlöse pro kg) sind
         geringer als bei vielen anderen Industrieländern. Daraus resultiert ein
         Außenhandelsdefizit vor allem bei humankapitalintensiven Gütern, das
         untypisch ist für ein industrialisiertes Hochlohnland wie Österreich.
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Die österreichische Forschungs- und Technologiepolitik versucht, Österreich gerade
auch in der eigenständigen Technologie- und Wissensproduktion an das Spitzenfeld
heranzuführen. Ein wichtiger Schwerpunkt ist hier der Bereich Biotechnologie:
Multinationale Konzerne wie Baxter, Novartis, Boehringer Ingelheim und Roche
siedelten konzernweite Forschungs- und Entwicklungsabteilungen in Österreich an
(Quelle: tip – Forschungs- und Beratungsprogramm für die österreichische
Forschungs-, Technologie- und Innovationspolitik). Dies zeigt, dass die
österreichischen Technologie-Anstrengungen erste Erfolge zeitigen.


Bayern zählt demgegenüber – im Gegensatz zu Österreich – seit Jahren zu den
stärksten High-Tech-Regionen der Welt. Bei nahezu allen neuen Technologien
besetzt Bayern heute nationale und internationale Spitzenpositionen. Dies gilt gerade
in Schlüsseltechnologien wie der Information und Kommunikation, Bio- und
Gentechnologie, Luft- und Raumfahrt, Optische Technologien, Medizintechnik,
Mechatronik, Umwelttechnologie und Neue Materialien. Für High-Tech-Unternehmen
resultieren daraus attraktive Fühlungsvorteile, die oft den Ausschlag zugunsten einer
Ansiedlung oder Erweiterung in Bayern geben.

Dies zeigt sich auch in einer umfassenden Standortstudie des Forschungsinstituts
Empirica-Delasasse, in der die Region Oberbayern unter 214 europäischen Städten
und Regionen auf Platz 3 rangiert – weit vor den besten österreichischen Regionen
Vorarlberg (Rang 49) und Oberösterreich (Rang 77).



XI.    Marktpotential
Das Marktpotential Bayerns als Teil Deutschlands, der drittgrößten Volkswirtschaft
der Welt, übertrifft das Marktpotential Österreichs in jeder Hinsicht. Bayern verfügt
über eine größere Bevölkerung (12,3 Mio. Einwohner gegenüber 8,1 Mio. in
Österreich) mit einer höheren durchschnittlichen Kaufkraft (28.200 € gegenüber
25.000 € in Österreich). Zudem ist die bayerische Volkswirtschaft Teil der deutschen,
die mit einem gesamten BIP von 1.984 Mrd. € die österreichische um fast das
Zehnfache übertrifft.


XII.   Politisches und finanzwirtschaftliches Umfeld
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Die jahrzehntelang stabilen politischen Verhältnisse in Bayern garantieren
Unternehmen eine verlässliche, berechenbare und unternehmerfreundliche
Wirtschaftspolitik. Ausdruck und Grundlage dieser Politik ist auch die solide
Haushaltslage, die mit einem AAA-Rating der großen Rating-Agenturen auch
international anerkannt wird und Bayern von der großen Mehrzahl der deutschen
Bundesländer unterscheidet. Eine vergleichbare Kontinuität der politischen
Verhältnisse ist in Österreich schon durch die mehrfachen Regierungsumbildungen
der letzten Jahre und erhebliche Wählerwanderungen zwischen den politischen
Lagern nicht gegeben. Auch für die Zukunft gilt, dass die Kontinuität der
österreichischen Wirtschaftspolitik durch die fehlende Stabilität der
Regierungskoalitionen in Zweifel gezogen werden muss.

								
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