Die Geschichte by SOT05zu8

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									Dies ist die Geschichte des Hofes
        der Familie Wecker




 Steffensmeyer Kolonat um 1830
 (Urkatasterkarte)
In der Nähe der ehemaligen Thunemühle befindet sich noch heute der einstige Steffensmeyer - Hof,
umgebe von Wald. Er ist auch eines der Kolonate, die nach dem Dreißigjährigen Krieg entlang der
Thune errichtet worden waren.

Nach den Auszügen aus den Ämterrechnungen des Fürstentums Paderborn (Band 1164, S.106) ließ
sich zwischen 1675 und 1677 ein Steffen Pulsen beim Amt in Neuhaus einschreiben und siedelte auf
der Thune. Vermutlich handelte es sich hierbei um Stephan Pulsen, der wohl vom Pulsmeyer - Hof in
Ostenland stammte. Dieser Stephan Pulsen hatte am 27.05.1674 in Delbrück Anna Mersch
geheiratet.
Am 02.09.1674 kam dort der Sohn Bernard zur Welt.
In den folgenden Jahren zog Stephan Pulsen mit seiner Familie von Ostenland weg und bekam
Siedlungsland an der Thune. Seine Frau Anna Pulsmeyer, starb bereits im August 1679. Noch im
selben Jahr muß Stephan P. dann wieder geheiratet haben und zwar Odilie Eschenbüscher von der
Altensenne. Dazu gibt es folgende Ämterrechnung von 1678/79:
"Eschenbüscher beweinkauft in Behufe ihrer Tochter Odilien Steffen Pulsen Stette auf der Thune ad
3 Rtl." (Rtl.=Reichstaler?)
Kinder wurden in der Ehe Puls/Eschenbüscher nicht geboren, Stephan Puls muß noch vor 1685
gestorben sein, denn die Witwe Odilie Pulsmeyer, geb. Eschenbüscher, nahm in ihrer zweiten Ehe
um 1685/86 den Witwer Wilhelm Schulten zum Mann. Dieser Wilhelm Schulten nannte sich von da an
Wilhelm Puls, genannt Steffens. Der Namenswechsel geht auch aus einer anderen Ämterrechnung
von 1687/88 hervor:
"Wilhelm Pulsen auf der Thune beweinkauft in Behuf seiner Schwester Engell die Hachmanstette
auf der Thune ad 3 Rtl."
Angela Schulten, die Schwester von Wilhelm Schulten = Wilhelm Puls, war vermutlich zunächst mit
auf dem Pulshof und übernahm auch den Namen "Puls" wie ihr Bruder. So brachte sie die
"Schulten" und "Puls" 1686 in ihrer Ehe mit Balthasar Hagman. Sie wurde bei den Geburt ihrer
Kinder wechselweise "Schulten" oder "Puls" genannt. In der Ehe Puls (Schulten)/ Eschenbüscher
gab es drei Kinder:
05.03.1689 Bartholdus (Vater wird Wilhelm Steffens genannt)
05.06.1695 Johan Casparus (Vater wird Wilhelm Schulten genannt)
11.02.1698 Gerardus (Vater wird Wilhelm Puls genannt)
Der Vorname "Stephan" wurde allmählich zum Familiennamen "Steffens" und zum Hofnamen
"Steffensmeyer - Hof". Der Name "Puls" verlor sich bis 1800 fast ganz.
Wilhelm Puls, genannt Steffens (ehemals Schulten), starb 1726. Der 1695 geborene Sohn Johan
Casparus übernahm den Hof und heiratete am 11.08.1729 Anna Elisabeth Hachman, genannt Küll.
Sie war die Tochter von Liborius Hachman, der vom Kühlhof - dem Hachmann- Stammhof - kam, und
seiner Frau Elisabeth Wessel. Drei Söhne und drei Töchter wurden geboren.
Anerbe für das Steffensmeyer - Kolonat worde der 1738 geborene Sohn Joannes Jodocus. Er hatte
die Hofstätte wohl um 1762/63 von seinem Vater, der 1763 starb, übertragen bekommen und nahm
1775 Anna Maria Elisabeth Nieseken, geboren 1746, vom benachbarten Nieseken-Kolonat a. d. Thune
zur Frau. Am 03.10.1775 fand eine Doppelhochzeit statt. Zwei Brüder Steffens, Johan Jodocus und
Joannes Stephanus, heirateten zwei Schwestern Ebbes/Nieseken, Anna Maria Elisabeth und Anna
Maria Gertrudis.
Das Ehepaar des Steffensmeyer - Hofes bekam drei Kinder.Das bisherige Wohnhaus der
Steffensmeyer- Stätte war sicher klein und beengt gewesen. Nun baute Johan Jodocus Steffens 1777
ein neues Fachwerk-Bauernhaus, allerdings an anderer Stelle. Die Hausinschrift dazu lautete:

An Gottes Segen ist alles gelegen
Im Himmel und auf Erden
Johannes Jodocus Anna Maria Nieseken Anno 1777 Eheleute
Ursprünglich floss die Thune vor dem jetzigen Steffensmeyer - Hof entlang. Das vermutlich kleine
Anfangshaus stand jedoch gegenüber auf einem etwas tiefer liegenden Platz, der heute als
Pferdekoppel dient und immer noch "der runde Garten" genannt wird.
Beim Bau des neuen Hauses im Jahre 1777 begradigte man die Thune, so dass sie ungestört durch
den Wald fließen konnte. Auf diese Weise ließen sich auch die Ländereien für das Kolonat besser
erschließen Das alte Wohnhaus wurde abgerissen und das neue Fachwerk-Bauernhaus am jetzigen
Platz errichtet, wo es etwas höher und durch den umgebenden Wald geschützter stand. Dieses Haus
blieb bis 1956 erhalten.
                                        Das Fachwerk-Bauernhaus am jetzigen
                                        Platz 1777 errichtet




Der jetzige Verlauf der Thune durch den Wald
Im Jahre 1795 starb Anna Maria Elisabeth Steffens, geborene Nieseker.
Das Lagerbuch von Neuhaus 1804 bringt für das Steffensmeyer - Kolonat Nr. 162
folgende Angabe- du Dienstverpflichtungen :
 Weiterhin gab der Colon "Jodocus Steffen Pulsen" 1804 beim Amt in Neuhaus an, dass
"sein vermögen Anerbenrechts vor etwa 40 Jahren angetretenes Erbe Nr. 162 auf der
Thune belegen, den hiesigen Amte eigenbehörig sey, daher zu den ungewissen
Eigentumsgefällen, als Sterbfall und Weinkauf, sowie auch zu einer jährlichen
Geldprästation ad = 1Rtl. 6 Silbergr. 1 Pf. und ferner zu 26 Handdiensten verbunden."
Außerdem gab er an, dass "zu seinem Erbe etwa 10 Morgen incl. des Wiesenwechsels und
Gartlandes gehöre".
Das Kommunikanten - Verzeichnis von 1805 im Pfarrarchiv St. Heinrich und Kunigunde
Schloß Neuhaus bringt bei den Kommunikanten der Bauernschaft Thune folgende
Bewohner für das Steffensmeyer - Kolonat Nr. 162:
Joh. Jodokus Steffens, Wittwer, Bauer
Joh. Henr. Steffens, dessen Sohn
Joh. Wilhelm als Brunder
Theresia als Tochter
A.: Johannes Vohs, Mietling
Gertrud Brechman, Ehel.
Maria Eva Brechman, Wittwe
Johannes vohs, Sohn
Jodocus Steffensmeyer übertrug das Kolonat am 08.04.1809 seinem Sohn Joan Henricus,
der dann am 02.05.1809 Anna Maria Theresia Wüseke, geboren 1785, aus der Altensenne
zur Frau nahm. Sein Vater Jodocus starb 1814. Das Ehepaar Steffens/Wüseke hatte bis
1822 fünf Kinder. Doch Joan Henricus Steffensmeyer starb bereits im Oktober 1822. Seine
Witwe Theresia Wüseke wurde nun alleinige Besitzerin der Steffensmeyer - Stätte. Der Wert
der Kolonats-gebäude war auf 225 Rtl. in der Neuhäuser Brandkasse festgelegt.
Der Hof braucht wieder einen Bauern, und so heiratete die Witwe Theresia Steffensmeyer
1823 in zweiter Ehe Johan Georg Eschenbüscher von Eschenbüscherhof in der
Altensenne. Diese Ehe dauerte bis 1834, dem Sterbejahr des Colon Eschenbüscher,
genannt Steffensmeyer. Zwei Kinder waren zur Welt gekommen, 1823 und 1826.
Bei der zweiten Verheiratung der Witwe Theresia Steffensmeyer, geborene Wüseke, mit
dem Mahlzähler Joh. Georg Eschenbüscher wurde in der gerichtlichen
Schichtungsverhandlung unter anderem festgesetzt, dass (in Auszügen)

A)von dem vorhandenden fünf Kindern erster Ehe Namens
Theresia, Elisabeth, Franziska, Conrad und Anna Maria
Steffensmeyer jedes demselben zur Zeit seiner Zustandekunft
und resp. Großjährigkeit einen Brautschatz von Fünfzig Taler
und einer Kuh erhalten solle.
B)dem Johan Conrad die Wahl zustoßen solle, statt seines
Brautschatzes nach vollendeten 24 ten Jahre das Gut selber
anzutreten und im Fall seines Todes das Wahlrecht auf die jüngste
Tochter Anna Maria übergehen solle.
C)Die alsdann noch lebenden Eltern den vierten Teil des Guts als
Leibzucht auf ihre Lebensdauer erhalten sollen

Eingetragen ex Decreto von 1834

Ebenso wurde festgelegt, dass "die Minorennen Steffensmeyer zweiter Ehe namentlich die
Anna Maria und der Frans Arnold Steffensmeyer ein Jeder bei der Zustandenkunft einen
Brautschatz von vierzig Taler und eine Kuh" erhalten.
Eingetragen ex Decreto von 1834
Die zum zweitenmal Witwe gewordene Theresia Wüseke heiratete nun ein drittes mal und
zwar 1834 Franz Joseph Meyer, geboren 1804, der als Heuerling auf der Thune gearbeitet
hatte.
Das fiskalisch eigenbehörig 1/16 Meier-Kolonat, genannt Steffensmeyer, bestand um 1834
aus:


Wohnhaus Nr. 162
Stallgebäude
Schuppen
Backhaus (Backs) mit angebauter Bienenhütte


Die Ländereien des Kolonates waren inzwischen auf etwa 50 Morgen in 11 verschiedenen,
teils in einer Umwallung gelegenen Parzellen angewachsen (Hofraum, Garten, Land und
Weisenwuchs ).
Der nächste Hoferbe war Johan Conrad Steffensmeyer, geboren 1816, aus der ersten Ehe
der Theresia Wüseke mit Henicus Steffensmeyer. Er erhielt den Besitz am 01.10.1840 von
seiner Mutter und ihrem dritten Ehemann Joseph Meyer übertragen. Am 31.10.1840
verheiratete er sich mit Elisabeth Holtgrewen aus Benfeld, geb. 1816. Vier Töchter und ein
Sohn wurde dem Ehepaar geboren, zwei der Kinder starben kurz nach der Geburt.
Durch die verschiedenen Gemeinheitsteilungen im 19. Jahrhundert vergrößerte sich der
Landbesitz der einzelnen Thune - Kolonate. In der Thuner Schule wurde am 06.06.1845 der
Thuner Generalanteil der Gemeinheitsteilung "Große Senne" festgelegt. Zu den
Interessenten gehörte auch der Colon Conrad Steffensmeyer, der 30 Morgen 139 Ruthen
Land zugemessen bekam.
1861 verfügte das Steffensmeyer - Kolonat über ungefähr 80 Morgen Landbesitz. Dabei
waren auch eine Reihe Grundstücke in Erbpacht. -
In einem Erbpachtvertrag von 1843 - abgeschlossen zwischen dem Herrn
Kantonsbeamten Ellerbrock von Neuhaus und dem Colon Conrad Steffensmeyer Nr. 162
Thune - wurde im Namen der Gemeinde Neuhaus an Conrad Steffensmeyer zwei
Grundstücke Flur 18 Parzelle Nr. 188 und Parzelle Nr. 189 a.d. Thune in Erbpacht
übertragen, und zwar für ihn und seine Erben. Dafür mussten jährlich 7 Silbergroschen 6
Pfennig pro Morgen an die Gemeindekasse zu Neuhaus bezahlt werden.
Laut Kontrakt vom 24.08.1848 hatte Conrad Steffensmeyer etwa 14 Morgen Heide von
der Gemeinde Neuhaus in Erbpacht erhalten (Nr. 28-31 des Titelblattes). Der jährliche
Kanon für die Gemeinde Neuhaus betrug 2 Taler 17 Silbergroschen.

Im Januar 1854 fand in einer Verhandlung vor
dem Rechtsanwalt Jacob Kligge, Paderborn,
ein Grundstückstausch zwischen der Witwe
Wischmeyer und dem Colon Conrad
Steffensmeyer von der Thune statt. Die Witwe
Wischmeyer war Miteigentümerin des sog.
Mömmenteiches a.d. Thune, Flur 29
(fiskalische Erbpacht). Ihren Anteil übertrug
sie dem Colon Steffensmeyer. Dieser gab der
Witwe Wischmeyer dafür einen Teil seines
Heidegrundstücks, Flur 28, in der Senne von
1 Morgen 80 Ruthen ab. Als Wert der
Tauschgrundstück wurde jeweils 20 Taler
eingesetzt
Conrad Steffensmeyer starb 1859. Nach seinem Tode wurde seine Witwe Elisabeth
Steffensmeyer, geb. Holtgrewen, Eigentümerin des Kolonates.




Vor dem Rechtsanwalt und Notar Kligge zu Paderborn schlossen am 02.05.1861 die
"Witwe Steffens vulgo Steffensmeyer 162 von der Thune einer Seits, der Ökonom
Georg Wecker aus Ostenland andererseits" folgenden Vertrag ab: (in Auszügen)
"Erstens: Der ökonom Wecker ist verlobter Bräutigamm der
minderjährigen Tochter der Witwe Steffens, Theresia, und
die Mutter der Braut überträgt dem Wecker auf den Fall,
dass die Ehe vollzogen wird, hierdurch ihr sämtliches
Vermögen mit allen Berechtigungen, sowie mit allen
Lasten ----
Zweitens: Der Cessionar wird Herr des Vermögens und er setzt sich in
den Besitz desselben, sobald die Ehe vollzogen ist. Die
Cedentinn bleibt dann mit ihren anderen beiden Kindern
Anna Maria und Anna Catharina bei den jungen Eheleuten
wohnen; sie wird mit denselben von den jungen Eheleuten
in allen Lebensbedürfnissen sowohl in gesunden als kranken
Tagen versorgen. ----
Zum Handpfennig erhält die Cedentinn jährlich 10 Taler.-
Drittens: Die beiden Kinder der Cendentinn muß bis zur
Zustandekunft oder Großjährigkeit bei sich in der
Verpflegung haltern
Viertens: Auf den Fall der Zustandekunft oder Großjährigkeit setzt die
Cedentinn jeder Tochter dreihundert Taler und eine
Aussteuer aus. Letztere soll bestehen in einer Kuh im Werte
von fünf und zwanzig Taler, einem Bette nebst Gestelle zu
sechs und dreißig Taler. ----
Fünftens: Würde eines von den Kinder gebrechlich werden und nicht
zu Stande kommen, so muß der Cessionar dasselbe zu
lebenslänglicher Versorgung bei sich behalten, wogegen
die Abfindung wegfällt.
 Sechstens:Wenn die jungen Eheleute dereinst der Cedentinn das
Leben sauer machen oder sie misshandeln möchten, so
kann die Cedentinn von der Stätte abziehen, und in diesem
Falle erhält sie zur Bestreichung ihres Unterhaltes jährlich
fünfzig Taler. ----


Wieder fand eine Einheirat statt. Die Anerbin der Steffensmeyer - Stätte, Anna Maria
Catharina Theresia Steffensmeyer, geb. 1843, bekam am 02.05.1861 das Kolonat von ihrer
Mutter, der Witwe des Conrad Steffensmeyer, übertragen. Sie heiratete im selben Monat
Georg Wecker aus Ostenland, geboren 1828. Das Ehepaar Wecker/ Steffensmeyer ließ
seinen Namen zusätzlich unter der alten Hausinschrift von 1777 anbringen.

Georg Wecker 1861 Theresia Steffensmeyer
Der Name "Wecker" hat bis heute auf der Hofstelle gehalten.
Im Laufe der folgenden Jahre vergrößerte sich der Landbesitz durch weitere
Gemeinheitsteilungen und Kaufkontrakte. So erwarb der Steffensmeyer Georg Wecker um
1866 Nr. 32 des Titelblattes = 4 Morgen Weideland "Bei der Thunemühle" für 364 Taler von
dem Thunemüller August Denker.
Das meiste zu den verschiedenen Thune - Kolonaten gehörende Land litt unter der
Trockenheit des Sandbodens. Um für das Vieh (Pferde und Kühe ) genügend Nahrung zu
schaffen, musste die Wiesen regelmäßig im Frühjahr aus der Thune bewässert werden.
Nun gab es um 1862 Schwierigkeiten beim Flößen der Wiesen Zwischen den Colon
Steffensmeyer und dem Besitzer der benachbarten Thunemühle, in diesem Fall der
Witwe des 1850 verstorbenen Thunemüllers Joseph Denker. Um diese Streitigkeiten
gütlich aus dem Weg zu schaffen, besichtigten damals Amtmann von Brenken, Landrat
Grasso und der Beigeordnete Schäfer das umstrittene Gelände und brachten die beiden
Parteien zu einem Vergleich. In der Niederschrift zu dieser Besichtigung und dem dabei
geschlossenen Vertrag vom 06.12.1862 heißt es: -à

"Die Witwe Denker auf der Thuner Mühle beabsichtigt
ihre am linker und rechten Ufer oberhalb der Thuner
Mühle belegenen Grundstücke aus dem Thunebach zu
bewässern und hat zu diesem Zwecke bereits ein
Stauwerk in dem Thunebach angebracht. Ihr Nachbar
Colon Steffensmeyer auf der Thune befürchtet dass
durch dieses Stauwerk seine oberhalb desselben
belegenen Grundstücke versumpfen würden, und hat
deshalb sich mit der jetzigen Lage nicht einverstanden
erklärt, vielmehr über die Zulässigkeit des Stauwerkes
auf weitere Untersuchung angetragen."
Nach der Besichtigung kam folgender Vergleich
zustande: (in Auszügen)
"1. Der Colon Steffensmeyer gestattet, dass das angebrachte
Stauwerk in seiner jetzigen Höhe, Breite und Tiefe bestehen bleibe
und von der Witwe Denker zur Bewässerung ihrer Grundstücke
benutzt werde. ---
2. Die Witwe Denker gestattet dagegen, dass der Colon
Steffensmeyer das jenige Wasser, welches beim Stauen ihrer
Grundstücke auf die oberhalb belegenen Grundstücke des
Steffensmeyer geleitet werden kann, zur Bewässerung derselben
benutze. ---
3. Der Colon Steffensmeyer muß die Bewässerungsanlagen seiner
Grundstücke so einrichten, dass das Wasser welches bei Benutzung
des Denkerschen Staues auf seine Grundstücke geleitet wird
oberhalb der Denkerschen Mühle wieder in den Thunebach geführt
werden kann. ---"


Für die nächste Zeit waren die Streitigkeiten zwischen der Witwe Denker (Thunemühle)
und dem Colon Georg Steffensmeyer durch diesen Vertrag ausgeglichen worden. Doch
sollten sich nach 1891 neue Zwistigkeiten zwischen den Späteren Besitzer der
Thunemühle und dem Colon Steffensmeyer zeigen, die erst 1903 entgültig ausgehandelt
waren.
Um 1869 wurde August Denker, ein Sohn des verstorbenen Thunemüllers Joseph Denker,
im Grundbuch von Neuhaus noch als Thunemüller genannt. Dann tauchte der Name
"Denker" in Neuhaus nicht mehr auf. Um 1889 konnte der benachbarte Steffensmeyer
Georg Wecker die hochverschuldete Thunemühle zu einem geringen Preis erwerben,
allerdings auch mit der Schuldenlast.
 1891 kaufte Ferdinand Kallmeyer, genannt Lammerjohann, die Thunemühle von Georg
Wecker. Ferdinand Kallmeyer musste seine Besitzungen an der oberen Thune, das
Lammerjohann - Kolonat, verkaufen, weil das Land zur Errichtung des
Truppenübungsplatzes gebraucht wurde. So erwarb er die Thunemühle. In der
Nachbarschaft befand sich der Steffensmeyer - Hof auf der Thune Nr. 177 (neue
Nummerierung). Im Laufe der folgenden Jahre gab es nun neue Schwierigkeiten zwischen
dem als Klärer auftretenden Thunemüller Ferdinand Kallmeyer und dem Beklagten Georg
Wecker.
Es handelte sich bei den Streitobjekt um den Durchlass für das gestaute Wasser der Thune
in der Ableitungsgraben. Am 16.05.1900 ging dem Colon Georg Wecker ein Schreiben des
Rechtsanwaltes Block zu, in dem es u. a. heißt:
"Sie haben oberhalb des Stauwerkes des Kallmeyer auf Ihrem Grundstücke statt der
früheren schmalen Rinne einen Ziemlich breiten Kanal angelegt. Hierdurch wird meinem
Mandanten das zu seinem Müllereigewerbe und zum Beflößen seiner Wiese nötige Wasser
größtenteils entzogen. ---"
Es wurde Georg Wecker vorgeworfen, dass er die Breite des Wasserableitungsgrabens, die
beim Verkauf der Mühle nur 1 Fuß (Quadratfuß) umfasst hatte, in den Jahren vor 1900 auf
ungefähr 1 Meter (Quadratmeter) erweitert habe. Außerdem habe der Beklagte während
dieser Jahre verschiedene größere Wiesen angelegt, zu deren Bewässerung er das Wasser
such aus diesem umstrittenen Graben ableiten würde.
Rechtsanwälte, Sachverständige, das Königl. Amtsgericht zu Paderborn und das Königl.
Oberlandesgericht in Hamm mussten eingeschaltet werden, um endlich 1903 einen
Vergleich zwischen den Parteien zu erreichen.
 Einzelne Auszüge aus dem Vergleich, verhandelt zu Senne bei Neuhaus am 11.12.1903:
Aus §1. Der Kläger erhält das Recht, am 3 Tagen, der Beklagte das
Recht, an den darauf folgenden 4 Tagen zu flößen.
Aus §2. Der Beklagte muß auf seinem Grund und Boden ein eigenes
Stauwehr anbringen, und zwar bis zum 01.06.1904. Er
verpflichtet sich ferner, den Durchlass im Ableitungsgraben -
-- einzuengen
Aus §3. Dem Beklagten wird das Recht eingeräumt, mittelst des
erwähnten Stauwerkes an den ihm zustehenden Tagen etwaige
rechts vom Thunebach anzulegende Wiesen zu beflößen,
wobei er sich jedoch verpflichtet, oberhalb des jetzt
vorhandenen Stauwerkes des Klägers das Wasser in den
Thunebach zurückzuleiten.----
Aus §6. Jeder ist verpflichtet, die auf seinem Grundstück befindlichen
Gräben in Stande zu halten. ---
Ausgefertigt
Hamm, den 23.12.1903

Am 01.04.1893, einige Tage vor dem Tode der Theresia Wecker, geborene Steffensmeyer,
gaben sie und ihr Mann Georg Wecker ihr Testament gerichtlich zu Protokoll.
Als Universalerbe war der Sohn Joseph Wecker, geboren 1875, eingesetzt. Er wurde
verpflichtet, als Abfindung an sie übrigen Kinder zu zahlen:
"A) an unseren Sohn Johann Bernard, jetzt 14 Jahre alt, die Summe
von dreitausend neunhundert Mark, damit derselbe mit dieser
Summe die Kosten des Studiums bestreiten kann. (Er wurde
später Vikar.)
B) an unseren Sohn Stephan die Summe von dreitausend
sechshundert Mark, sowie ein Ehenkleid, eine Kuh, ein Bett mit
Bettstelle, ein Tisch, vier Stühle. Die Kuh muß einen Wert von
Fünfundvierzig Talern haben.
C) in derselben Weise, wie der Sohn Stephan, soll auch die Tochter Elisabeth
abgefunden werden."
Von den Kindern des Ehepaares Wecker/Steffensmeyer übernahm der 1875 geborene
Sohn Joseph Wecker das Kolonat. Er heiratete am 18.07.1900 Anna Maria Grußmann aus
Sande, geboren 1877. Bei der Aushandlung des Streitfalles Kallmeyer/Wecker war
anstelle des Beklagten Georg Wecker dessen Sohn Landwirt Joseph Wecker anwesend.
Georg Wecker Starb 1910.
Zu den Hofgebäuden gehörten um diese Zeit das Wohnhaus, Schweinestall, Scheune,
Maschinenschuppen, das Backhaus mit angebauter Bienenhütte -Honig wurde auch
verkauft-, und ein kleineres gemauertes Gebäude zum Zwetschkentrocknen. Früher
wurden immer bis zu 8 Zentner Zwetschken getrocknet, auch Äpfel, -Dörrobst für den
Winter. An dieser Arbeit waren auch die Nachbarn beteiligt. Um die zum Trocknen nötige
Wärme nachts ebenfalls zu halten, musste während dieser Zeit immer jemand dort
nächtigen. Ein großer Gemüsegarten gehörte auch zum Hof. Feldmäßig angebaut auf
dem Sandboden der Landschaft wurden früher Runkeln, Buchweizen, Roggen, heute
mehr Mais und Roggen. Auch Kartoffelanbau gab es und zwar bis in die 60-er Jahre. Die
Kartoffeln verkaufte man an Kundschaft.
Der Waldbesitz -9Hektar- lieferte Grubenholz zum Verkauf. An Vieh gab es 2
Arbeitspferde, meist 4-6 Milchkühe, Rinder (Aufzucht von Jungvieh), Schweine (Ferkel
brachte man zum Verkauf nach Paderborn auf den Markt am Maspernplatzt ).
Hof um 1913
In der Ehe Wecker/Grußmann wurden neun Kinder geboren, von denen zwei noch im
Geburtsjahr starben.
Hinten: Joseph, Stefan, Elsabeth, Johann, Georg
Vorne : die Eltern Joseph Wecker und Anna Maria
Grußmann
links und rechts von ihnen die Zwillinge Heinrich und
Wilhelm
(Bild von 1927)
Der "Bewässerungsstreit" war also entgültig vorbei.
Im Oktober 1934 wurde der Steffensmeyer - Hof in Erbe der Bauern- Familie Wecker in das
Verzeichnis der Erbhöfe aufgenommen und in die Erbhöferrolle von Neuhaus eingetragen.
1936 ließ Georg Wecker einen Neubau an das bisherige Wohngebäude anfügen. Das alte
Fachwerkhaus diente weiter als Stallung und Kornbühne.
der unverputzte Neubau




         1956 wurde das alte Bauernhaus
         abgerissen und durch einen neuen
         Hausteil ersetzt. Der ganze
         Gebäudekomplex bekam
 Das Haus Heute                                    Das ehemalige Backhaus
Das Ehepaar Wecker/Kallmeyer hatte bis 1950 neun Kinder. Der älteste Sohn Josef,
geboren 1937, übernahm später den Hof. Er heiratete 1968 Marlies Meier. Zwei Söhne
wurden geboren, 1973 Jochen und 1974 Kai Wecker. Das Ehepaar trennte sich dann. In
zweiter Ehe nahm dann Josef Wecker 1980 Regina Kiwitt aus Potsdamm zur Frau. 1982
kam noch ein Sohn (Peter Wecker) zur Welt. Regina Wecker, geborene Kiwitt, starb im
Frühjahr 1994. 2002 Heiratete er in dritter Ehe Barbara Wecker-Thiedmann geb.
Liekmeier.

Der Landbesitz des Steffensmeyer -Hofes beträgt bis heute 22,35 Hektar.

Trotz aller Gebäudeerneuerungen hat der Stffensmeyer - Hof, umgeben von Wald und

Wiesen, seinen ursprünglichen Carakter beibehalten.
Dankeschön vürs anschauen ich
hoffe es hat euch gefallen

Kai

								
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