Der Ackermann und der Tod:

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Der Ackermann und der Tod: Powered By Docstoc
					             Der Ackermann und der Tod
                                 Johannes von Tepl
Autor:
Johannes von Tepl , später Johannes von Saaz, wurde in der Mitte des 14. Jahrhunderts in
Tepla bei Marienbad geboren. Zwischen 1378 und 1411 arbeitete er in Saaz (spätere
Namensgebung des Autors) als Stadtschreiber, seit 1283 auch als Schulrektor. 1411 kam er als
Notar in die Prager Neustadt. Neben seinem Hauptwerk „Der Ackermann und der Tod“, das
auch oft unter dem Titel „Der Ackermann aus Böhmen“ erscheint, verfasste er ein lateinisches
Begleitschreiben zu diesem, sowie zahlreiche Formelbücher.

Der Anlass zu diesem Werk war der Tod seiner Frau Margarete im Kindbett am 1.August
1400.

Aufbau:
Das Werk ist Streitgespräch zwischen dem Ackermann und dem Tod. Es ist in 34 Kapitel
unterteilt. Davon stellen 32 den Streit der beiden dar. Das 33. Kapitel beinhaltet den
Richtspruch Gottes, das 34. ein abschließendes Gebet des Ackermanns für die Seele seiner
Frau.

Sprache:
Das Werk ist in einem späten Mittelhochdeutsch geschrieben, das dem Neuhochdeutschen
schon sehr nahe kommt. Das hängt aber auch damit zusammen, das der Autor die böhmische
Kanzleisprachen verwendet.

Inhalt:
Der Ackermann fordert vom Tod, als Mörder seiner Frau, Rechenschaft. Er bringt seine
Anklage sehr leidenschaftlich und wild vor. Der Tod hingegen, der sich nicht von Gefühlen
leiten lässt, reagiert kalt, gelassen und höhnisch. Er weist auf die Notwendigkeit des Sterbens
hin, denn jedes Glück bringt zuletzt Leid, und der Tod sei der Sinn des Lebens. Der Kläger
zweifelt jedoch an der Gerechtigkeit des Todes. Dadurch erkennt er, dass der Ackermann im
Namen der gesamten damaligen Menschheit, vor allem aber der Schicht der Bauern,
Tagelöhner und Mittellosen spricht. Der Tod äußert sich verächtlich über das Leben und den
Körper der Menschen, er meint, der menschliche Leib sei ein Kübel voll Unrat und die Erde
eine Stätte eitlen und sinnlosen menschlichen Treibens. Der Ackermann verweist aber darauf,
dass die Menschen die Krone der Schöpfung sind.
Schließlich gelingt es dem Tod, seinen Kläger zu beruhigen. Antike Schriftsteller wie Seneca,
Plato und Aristoteles werden von beiden Seiten als Zeugen angerufen, aber zu einer Einigung
der beiden kommt es nicht. Deshalb wird Gott, als oberste Instanz, als Richter gerufen. Dessen
Richtspruch lautet: Beide haben Recht und Unrecht. Er bringt Verständnis für den Schmerz
und die Wut , die der Ackermann empfindet, auf. Gott weist diesen jedoch darauf hin, dass
seine Frau nicht sein Eigentum war, sondern nur von Gott verliehen war. Dem Tod wirft er
vor, sich mit der Macht über die Menschen zu rühmen, denn auch sie stammt von Gott. Den
Sieg spricht er dennoch dem Tod zu, denn jeder Mensch ist verpflichtet das Leben dem Tod
und die Seele Gott zu geben.

Epoche/ Zeit:
Der Tod vertritt die Ansichten des langsam zu Ende gehenden Mittelalters. In diesem galt der
Körper als Gefäß der Sünde, alle Schönheit und jede menschliche Freude ist vergänglich. Die
Menschen lebten nur für das Jenseits, und hofften, dass es ihnen dann besser ergehe. Gott
stand im Mittelpunkt des menschlichen Denkens. Diesen Ansichten steht der Ackermann als
Vertreter der neuen Zeit, der anbrechenden Renaissance. Diese vertritt den Standpunkt, der
Mensch sei die Krone der Schöpfung und sein Körper in seiner Schönheit bewundernswert.
Nun steht der Mensch im Mittelpunkt. Weltliche Freuden und die Freude am Leben sind nicht
mehr sündhaft. Indem er sich auf antike Philosophen beruft, verteidigt der Ackermann das
Recht der Persönlichkeit, den Wert des menschlichen Schaffens und die Schönheit des
Lebens.

Als das Werk entstand befand sich die Kirche in einer Krise und musste scharfe Kritik über
sich ergehen lassen. Dazu kam auch noch der Einfluss des Humanismus, und damit auch die
Renaissance, aus Italien. In Böhmen geschah das zuerst. Der Zwiespalt dieser zwei so
gegensätzlicher Weltanschauungen des Mittelalter und der Renaissance wurden auch in der
Kunst und der Literatur deutlich. „Der Ackermann aus Böhmen“ ist ein gutes Beispiel dafür.

Grundidee/ Sinn/ Gehalt:
Ich bin der Meinung, dass Johannes von Saaz dieses Werk geschrieben hat, um mit dem
Schmerz und der Verzweiflung, die er wegen des Todes seiner Frau Margarete empfand,
besser umgehen zu können. Schreiben ist ja bekanntlich eine Art Selbsttherapie. Mit der
Anklage des Ackermanns spricht er jedoch allen Menschen aus der Seele. Seit es den
Menschen gibt, fragt er nach dem Sinn des Lebens, und mit dem Leben ist der Tod sehr eng
verbunden. Warum müssen wir sterben, und wer entscheidet überhaupt darüber? Wer nimmt
sich das Recht heraus über Leben und Tod zu urteilen? Was ist der Sinn von Leben und
Sterben? Diese und ähnliche Fragen stellen sich die Menschen seit Jahrtausenden. Doch an
diesen Fragen verzweifelt jeder, wenn er keine Lösung findet. Wir alle glauben doch, dass es
„irgendeine höhere Macht“ gibt, die für alles verantwortlich ist. In diesem Buch wird diese
Macht, weil der Autor ein Christ ist, Gott genannt. Am Anfang verflucht der Ackermann alles
aus Verzweiflung und aus ihm spricht nur das Gefühl der Ungerechtigkeit. Doch schließlich
nimmt er den Richtspruch Gottes an und betet für seine verstorbene Frau, was darauf
hindeutet, dass er es zwar nicht vergessen und überwunden hat, aber keinen Schuldigen mehr
für ihren Tod sucht. Auch Johannes von Tepl nahm als gläubiger Christ letztendlich sein
Unglück als Willen Gottes hin.

Persönliche Meinung:
Mir hat das Buch gut gefallen, weil es ein Thema behandelt, dass mich sehr interessiert. Jeder
macht sich Gedanken über das Leben und den Tod, und jeder hat schon einmal diese
schmerzvolle Erfahrung des Todes machen müssen - auch ich. Deshalb habe ich mit dem
Ackermann gut mitfühlen können. Ich kann mich noch gut erinnern als meine Oma gestorben
ist. Ich war elf Jahre alt und habe mich so hilflos gefühlt, weil ich mit dem Schmerz nicht
umgehen konnte. Danach hat sich Verzweiflung in mir breit gemacht. Ich konnte nicht
verstehen, wieso sie sterben musste, wieso jetzt und wieso aus diese Weise. Wer hat das
Recht, sie uns einfach wegzunehmen. Ich habe das als wahnsinnig unfair empfunden. Heute
denke ich, dass diese Gedanken und Fragen natürlich, aber egoistisch waren. Denn eigentlich
habe ich ja nur an mich gedacht. Vielleicht wollte sie schon nicht mehr leben und vielleicht
war sie sogar froh, von den Schmerzen befreit zu werden. Ich glaube, das Schreckliche am
Tod ist auch, dass wir nicht darauf vorbereitet sind. Er kommt so plötzlich und unerwartet.
Aber eigentlich haben wir doch das ganze Leben um uns auf unseren Tod vorzubereiten.
Damit meine ich nicht, dass wir dauernd nur ans Sterben denken sollen, aber wir sollten uns
darüber im Klaren sein, dass der Tod jeden von uns, zu jeder Zeit ereilen kann. Es liegt nun
einmal nicht in unserer Macht wann wir gehen müssen, und gerade deshalb sollten wir jeden
Moment unseres Lebens zu schätzen wissen und die Zeit die wir haben mit den Menschen
verbringen, die uns am Herzen liegen.


Textstellen in der neuhochdeutschen Fassung:

Seite 5:
Ackermann: „Grimmiger Tilger aller Leute, schändlicher Ächter aller Wesen, schrecklicher
Mörder aller Menschen. Ihr, Tod, Euch sei geflucht! Gott, Euer Schöpfer, hasse Euch,
wachsendes Unheil hause bei Euch, Mißgeschick suche gewaltig Euch heim, gänzlich
geschän-det seid immer! Angst, Not und Jammer verlasse Euch nicht, wo Ihr wandert; Leid,
Betrübnis und Kummer geleite Euch allenthalben; leidige Gegnerschaft, schandbare
Mißachtung und schmachvolle Abwendung, sie bedränge Euch gründlich an jeder Statt!
Himmel, Erde, Sonne, Mond, Gestirne, Meer, Gewässer, Berg, Gefilde, Tal, Aue, der Hölle
Abgrund, alles was Le-ben und Wesen hat, sei Euch unhold, abgünstig und fluche Euch
ewiglich! In Bosheit versinket, in jämmerlichem Elend verschwindet und in der
unaufhebbaren schwersten Acht Gottes, sämt-licher Menschen und aller Geschöpfe bleibet
alle künftige Zeit! Schamloser Bösewicht, Euer böses Gedächtnis lebe und dauere fort ohne
Ende; Grauen und Furcht scheide nicht von Euch, wo Ihr wandert und wohnet! Von mir und
aller Menschheit sei über Euch wahrhaft Zeter ge-schrien mit gerungenen Händen!“
Diese Textstelle zeigt, wie sehr der Ackermann „aus dem Bauch heraus“ redet. Aus ihm
sprechen Schmerz, Verzweiflung und Wut.

Seite 17:
Tod: „Du hast nicht aus der Weisheit Brunnen getrunken; das merke ich an deinen Worten. In
der Natur Wirken hast du nicht gesehen; in die Mischung weltlicher Dinge hast du nicht
gelugt; in irdische Verwandlung hast du nicht geschaut: ein unverständig Hündlein bist du.
Merke, wie die lieblichen Rosen, die starkduftenden Lilien im Garten, wie die kräftigen
Kräuter und lust-spendenden Blumen auf den Auen, wie die feststehenden Steine und die
hochgewachsenen Bäume in dem wilden Gefilde, wie die kraftbegabten Bären und die
stärkegewaltigen Löwen in unheimlicher Wildnis, wie die hochgewachsenen starken Recken,
wie die behenden, ungewöhn-lichen, hochgelehrten und allerlei Meisterschaft
wohlbeherrschenden Menschen und wie alle ir-dischen Kreaturen, wie klug, wie lieblich, wie
stark sie seien, wie lange sie sich erhalten, wie lange sie es treiben, zunichte werden müssen
allenthalben.“
In dieser Stelle wird der Spott deutlich, den der Tod den Menschen entgegenbringt, indem er
den Ackermann ein unverständig Hündlein nennt. Er spricht im Gegensatzt zum Ackermann
überlegt und wirkt sehr kalt.

				
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