Begriffsnetz zur Anfertigung von Filmanalysen by 9k9V48b

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              Begriffsnetz zur Anfertigung von Filmanalysen




1.   Erzählhaltung


     a) objektive und subjektive Erzählhaltung
        neutral
        point of view (Erlebnisperspektive)
        Nähe und Distanz
        Von wem aus wird erzählt? (mehrere Alternativen)


     b) Blickfeld:   Blickwinkel
                     Blickrichtung
                     Ausschnitt und Umfeld
                     Bildformat
                     Raumpläne
                     Kinematographischer Raum
                     Konstitution des Handlungsraums
                     Figur(en) und Hintergrund
                     Wechselblick: Raum und Fläche


     c) Distanzen: Annäherung und Entfernung zwischen Figur und Figur
                     Annäherung und Entfernung zwischen Kamera und Figur
                     Logik der Distanzenfolge: z.B. T - HN - N - G - HN - T
                     Wahl dominierender Einstellungen


     d) Bewegung: Bewegung vor der Kamera
                     Bewegung der Kamera starr, leicht beweglich
                     Montage


     e) Tempo:       Dauer/Intensität
                     Echtzeit
                     Beschleunigung vs. Verlangsamung (Musik!)
                     Wofür hat die Kamera Zeit?
                     Seitenblicke und retardierende Momente
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2.   Komposition der Erzählung


     a) Nacheinander und Nebeneinander: einlinige und mehrlinige Erzählung
        Struktur-Muster: z.B. a - b - a-c
        Dramatische Finalität: gerichtete Spannung
         Epische Breite: diffuse Spannung
         Spannungslenkung: Einsetzen der Handlung auf der Zeitachse
        Aussparen von Handlungselementen durch Montage und Überblendungen


     b) Funktionalität der Bilder:   Konvention und Entdeckung: erkennbar oder schwer zu
                                     entschlüsseln
                                     (Rätsel-Bilder)
                                     Denotation und Konnotation
                                     Bilder im Kontext - Bilder, die den Kontext transzendieren
                                     Symbolische Bilder/mehrfacher Bildsinn




3.    Figurenkonzepte


     a) Exposition einer Figur: schnell/langsam
                                typisch/undurchdringlich
                                Wertungsmerkmale: z.B. moralische Charakteristika


     b) Inszenierte Körper und natürliche Körper (Gesicht)


     c) Rollenaspezifische Zeichen und Verhaltensmuster
       Personenkonstanz (abhängig von der Funktion in einer Szene)


     d) Stehende Figuren: Rollenstereotype


     e) Konstellation der Figuren
       Hauptstränge/Nebenstränge der Handlung
      Verbale und nonverbale Kommunikation
      Antrieb und Motivation:        Innen/außen gesteuert
                                     Kurz- oder langfristig


     f) charakterisierende Zeichen (Requisite, Kostüm, Maske)
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4.   Konfliktverhältnisse


     a) Story und plot, Schemata z.B.: Boy meets girl
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                                        Prüfungswege (Verlieren, Suchen, Finden)
                                        (zahlreiche Möglichkeiten der Gestaltung dramatischer
                                        Spielabläufe)


     b) Handlungstypen:                 Verfolgung
                                        Liebe
                                        Exploration
                                        Abschied
                                        Wiedersehen
                                        Fest
                                        Das Fremde usw.




5.     Milieu


      a) Sozio-kulturelle Kennzeichen
        Bekannt/unbekannt - Frage nach den Regeln des Verhaltens


      b) Historische Motive/phantastische Motive (Kulissen)
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                          Grundbegriffe der Filmanalyse


Einstellung: kleinste ungeschnittene Filmeinheit, von Aufnahmebeginn bis Aufnahmeende


       Monaco: S. 551: „1. Ein kontinuierlich belichtetes, ungeschnittenes Stück Film. Ein Film
       kann aus einer oder mehreren Einstellungen bestehen. Sie ist (neben dem Einzelbild) die
       Grundeinheit des Films. 2. (Take) Mehrere gleichartige Versionen einer einzelnen
       Einstellung. 3. Die Beschreibung des Bildausschnitts, des Kamerastandpunktes, der
       Kamerabewegung, des Bildinhalts oder der dramaturgischen Funktion.“


Sequenz: erzählerische (narrative) Einheit, die aus mehreren Einstellungen bestehen kann


       Monaco, S. 573: „Eine Folge von inhaltlich zusammenhängenden Einstellungen.
       ergibt eine Sequenz.“


Exposition: eine Sequenz mit dramaturgischer Funktion, die eine Handlung einleitet und die
zentralen Figuren etabliert.


Plansequenz: Sequenz aus nur einer Einstellung (Vermeidung des Schnitts)


       Monaco, S. 568: „(Sequence Shot). Aus dem Französischen übernommener Begriff für
       eine in einer langen Einstellung gedrehte Sequenz, in der oft komplizierte
       Kamerabewegungen ausgeführt werden.“


Bsp.: Robert Altmann „The Player“ USA 1991, Eröffnungssequenz = Plansequenz


Kameraperspektiven


       Hickethier: „Die Perspektive der Kamera, mit der diese die Figuren bzw. die Objekte der
       Darstellung erblickt, bestimmt sich zunächst durch ihre Positionierung innerhalb des
       Handlungsraumes. Dem Zuschauer innerhalb des gesamten Filmgeschehens kommt in
       der Regel kein durchgängig fixierter Standpunkt zu, er kann tendenziell überall sein, er
       kann vieles sehen, auch mehr als die handelnden Figuren, da er sie in wechselnden
       Ansichten erblickt. Die Kamera positioniert ihn in wechselnden Sichtweisen auf das
       Geschehen.“ S. 61-62.
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Normalsicht                                     eye-level angle
Aufsicht                                        high angle (Psycho), high shot
(Obersicht, Vogelperspektive)
Untersicht (Froschperspektive)                  low angle (Nosferatu), low shot, extreme low
                                                camera (vom Boden aus)
Schräg-Standpunkt der Kamera/Verkantung


subjektive Kamera: Der Kamerablick ist mit dem Blick des Protagonisten identisch
objektive Kamera: Die Kamera ist ein unsichtbarer Beobachter und somit Stellvertreter des
Zuschauers.
over-shoulder: Die Kamera sieht dem Protagonisten über die Schulter (Schuß-Gegenschuß)
top-shot: Draufsicht


Bewegung - Kamera-Bewegung
   -   Bewegung vor der Kamera, z.B. der Personen und Objekte
   -   Bewegung der Kamera
               Transformation der menschlichen Blickveränderungen in einen technischen
               Vorgang


Schwenk (panning): Die Kamera bewegt sich bei unverändertem Standpunkt um eine Achse.
               Diese Achse kann vertikal, horizontal oder diagonal im Raum angeordnet sein.
               Schwenks verändern und erweitern den Blickraum.
               Die Kamera kann einen Raum weitgehend oder vollständig zeigen.


Kamerafahrt (travelling): Die Kamera bewegt sich durch den Raum.
               Unterscheidung nach Fortbewegungsmitteln, z.B. Dolly, Auto, Hubschrauber,
               Pferd, Kran.
               Die Kamerafahrt simuliert den Blick eines sich im Raum bewegenden
               Menschen, d.h. alle räumlichen Anordnungen und Sichtweisen verändern sich.
               Filmgeschichtlich finden zunächst nur Bewegungen vor der Kamera statt. Die
               Bewegung der Kamera selbst ist ein späteres Phänomen.


Bewegungen im Film
               -   parallel zur Bildfläche = Distanz zum Zuschauer (unbeteiligtes Beobachten)
               -   vom Bildinneren in den Vordergrund des Bildes = Annäherung an den
                   Zuschauer
               -   vom Bildvordergrund ins Innere des Bildes =Entfernen vom Zuschauer
                   (typ.Filmende)
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               von links nach rechts = kulturell dominante Leserichtung, suggeriert
               vorwärts gerichtete Bewegung (Zukunft, Abreise)
           -   von rechts nach links = entgegen der Leserichtung, suggeriert rückwärts
               gerichtete Bewegung (Vergangenheit, Rückkehr)


weitere Varianten der Bewegungsrichtung:
   aus dem Bild zum Zuschauer hin, z.B. auch direkte Ansprache, Durchbrechen der
   (z.B. Kennzeichen einer offenen Form von Dramaturgie)
   in das Innere des Bildes, gleichlaufend mit dem Zuschauerblick (häufiger Filmschluß))


Schuß-Gegenschuß-Verfahren: Zur Darstellung von Dialogen, Blickwechseln der Figuren,
emotionalen Reaktionen auf bestimmte Handlungsweisen


Kombination von Objektbewegung und Kamerabewegung, z.B. Kombination von
Schwenk und Fahrt in Kombination mit Bewegungen der Figuren
   Dynamisierung des Geschehens, z.B. Verfolgungsjagden (Spielberg „Duell“)
   emotionale Beteiligung des Zuschauers bis hin zu physischen Eindrücken und
   Übertragungen induzierte Spannung (Mikunda)


Weitwinkelobjektiv und Teleobjektiv verändern ebenfalls Ausschnittsgrößen und
Abbildungsverhältnisse
durch die Variabilität des Objekts ergibt sich eine -Veränderung des Bildausschnittes ohne
Veränderung des Kamerastandpunktes
Fischauge oder extreme Teleaufnahmen: Verfremdung des Blicks


Zoom
   das Objekt verändert beweglich die Brennweite
   ohne den Kamerastandpunkt zu verändern wird eine Kamerabewegung suggeriert
   (Vgl. Kamerafahrt)
   (wird oft kritisiert als Zeichen der Verarmung des Kinos, ab Beginn der siebziger Jahre)


Establishing Shot:
   eine Kameraeinstellung mit dramaturgischer Funktion
   dient der Darstellung potentieller Aktionsräume des Films, meist zu Beginn des Films
   Bestandteil der Exposition, meist eine Totale oder ein Panoramaschwenk etc.
   „Filmdramarturgisch eine Einstellung zu Beginn einer Sequenz, die einen allgemeinen
   Überblick über Lokalität, Personal und Situation gibt.“ (Monaco)
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Geschlossene Form der Dramaturgie:
    in sich geschlossener Handlungsaufbau
    häufig symmetrisch aufgebaute Figurenkonstellation
    der Zuschauer wird nicht direkt angesprochen
    Wirkungsabsicht: Emotionalisierung des Zuschauers, Einfühlung


Offene Form der Dramaturgie:
    Unabgeschlossenheit, Ungelöstheit in Bezug auf Bauform, Figurenkonstellation
    und Sinn der Handlung
    episodisch, a-chronologisch etc.
Filmischer Raum
Bilder erzeugen eine räumliche Wirkung und sind in Wahrheit Flächen.
Bilder, ob gemalt, fotografiert oder gefilmt, erzeugen eine Raumillusion.
Filmischer Raum ist ein künstlich konstruierter, fiktiver Raum, für den es meist keine
Entsprechung in der sogenannten Wirklichkeit gibt.
Der filmische Raum ist zumeist zentralperspektivisch konstruiert.
Der filmische Raum bestätigt in der Regel unsere alltägliche Raumwahrnehmung
(Illusionswirkung).
Filmische Raumwahrnehmung kann narrative Konventionen bestätigen oder aufheben.
Statik der Stativkamera: Raumkonstruktion ist an der Alltagswahrnehmung orientiert.
Abweichung, z.B. verkantete Kamera, Verreißen der Kamera, unruhige Kamera werden
als Abweichung vom Normalen wahrgenommen. (Bsp.: „Der dritte Mann“)
Zentralperspektivistischer Punkt:
    abhängig von der Bildmitte
    tiefer als Bildmitte / Eindruck eines hohen Raumes
    höher als Bildmitte / der Blick ist auf den Boden gerichtet
    Zwei- und Mehrfluchtpunkt-Perspektiven
Die Illusion der Räumlichkeit entsteht im Bild auch durch:
    unterschiedliche Größenverhältnisse, je kleiner ein Objekt, desto tiefer im Bildraum
    Überschneidungen von Objekten und Körpern
    Vordergrund, Hintergrund, dazwischen Übergänge und Verschiebungen
    Farbräumlichkeit, kräftige Farben im Vordergrund / lichte, helle Farben im Hintergrund
    Bewegung von Objekten vor der Kamera
    Bewegung der Kamera, z.B. die Kamera fährt in die Bildtiefe
    Flüge über Landschaften
    Rückwärtsfahrten
    Querfahrten, vgl. den Blick aus dem Fenster der Eisenbahn
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Bestandteile des filmischen Raums:
    Architektur, Gebäude, Innen- und Außenräume
    Szenarien
    Natur


Der filmische Raum ist der Handlungsraum der Figuren, potentieller Aktionsraum und
Betätigungsfeld von Menschen. Filmischer Raum ist ein künstlich konstruierter Raum, der
meistens keine Entsprechung in der Realität hat.


Z.B. utopische Räume, utopische Städte etc. (Metropolis), der Weltraum oder das Innere
eines Planeten (Sci-Fi), Naturräume (im Western, Heimatfilm, Naturfilm, Bergfilm etc.),
symbolisch konnotierte Naturräume, Innen- und Außenräume, umbaute Räume........


Architektur im Film läßt sich grob unterscheiden in die Abbildung der realen,
außerfilmischen Architektur und die speziell für den Film konstruierte Architektur (als
Modell, Gemälde / mattepainting oder Kulisse)


Lichtgestaltung im Film


Licht konstituiert den filmischen Raum, zeichnet in bestimmten Genres z.B. im „film noir“
die Charaktere, lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers, bestimmt maßgeblich
Atmosphäre und Stimmung eines Films. Licht läßt Objekte plastisch erscheinen.


Die bewußte Lichtgestaltung gehört bereits zur frühen Kinogeschichte. Sie war beeinflußt
durch die Malerei (Chiaroscuro - Hell-Dunkel Beleuchtung) und das Theater. Die
Lichtinszenierungen des expressionistischen Stummfilms bestimmen maßgeblich dessen
Ausdruckskraft.


Lichtstile:


Normalstil: Eindruck einer gleichmäßigen Ausleuchtung der Szene, deutlich
              erkennbare Details
Low-Key-Stil: ausgedehnte, wenig oder gar nicht durchgezeichnete
                Schattenflächen; geeignet für dramatische Situationen,
                geheimnisvolle Vorgänge, Verbrechen etc.
                Bsp.: expressionistischer Film, Film Noir, Autorenfilm der siebziger und
                achtziger Jahre,
                z.B. „Berlin Alexanderplatz“ von Rainer Werner Fassbinder
                                                                                                  9
High-Key-Stil: helle, lichte Tonwerte, alles ist überdeutlich zu erkennen, weitgehend
              ausgeglichenes Beleuchtungsniveau, z.B. Hollywood-Komödien, Screwball-
              Komödien




Kategorien des Lichts
1.         wirkliches Licht, d.h. Tages- bzw. Sonnenlicht
2.         Kunstlicht


Beleuchtung und Lichtführung
Vorderlicht :Licht fällt vom Standpunkt der Kamera auf das Geschehen, Flächigkeit, keine
            markanten Schatten
Gegenlicht: auf die Kamera gerichtet, blendet die Kamera
Seitenlicht: Die Lichter, die von der Seite einfallen, auch halbes Licht genannt.
Hauptlicht oder Führungslicht (Key light): Lichtquelle, die den Beleuchtungsstil einer
                                           Aufnahme bestimmt
Füllicht: Die Lichtquelle, meist von der Seite, die die vom Führungslicht verursachten Schatten
        aufhellt.
Akzentlichter : Augenlicht, Beleuchtung von unten (wirkt dämonisch), Gegenlicht als
               Heiligenschein
Spitze: kleines Gegenlicht, Glanzeffekt auf dem Kopf des Darstellers


Licht kann im Bild motiviert und unmotiviert sein, d.h., die Lichtquelle liegt sichtbar im Bild oder
unsichtbar außerhalb des Bildes.


Bildformate
Das Verhältnis der Breite zur Höhe des Filmbildes. Da übliche Standardformat ist 1.33:1,
Breitwandformate schwanken in Europa 1.66:1, in Amerika 1.85:1


Anamorphitische Systeme wie Cinemascope und Panavision sind breiter: 2.00:1 bis 2.55:1.


Filmformate
Standardformat seit Eastman und Edison (1899) - 35 mm
außerdem: 65 oder 70 mm
Dokumentarfilm: meistens 16 mm
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Schnitt und Montage
Verschiedene Schnittformen:


   -   unsichtbarer Schnitt: unauffälliger, flüssiger Übergang von einem Bild ins nächste
       Illusionswirkung), Extrem: der Schnitt, den man nicht sieht
   -   Zwischenschnitt: Einstellung mit Transitfunktion.
   -   Schuß-Gegenschuß-Verfahren: zur Darstellung eines Dialogs, ein Achsensprung sollte
       vermieden werden.
   -   harter Schnitt: abrupter Wechsel der Einstellungsgröße, des Objekts, des Raums, der
       Figuren, der Tageszeit, starke Farbkonstraste
   -   weicher Schnitt : stufenweiser Übergang von Einstellungsgrößen, harmonische
       Farbzusammenstellungen
   -   Überblendung: weicher Übergang von einem Bild ins nächste, häufig graphisch-
       formale Übereinstimmung, Kombination von Auf- und Abblende. Monaco nennt die
       Überblendung das Komma des Films.
   -   Rückblenden, Vorausblenden: Bsp. für Vorausblende „Easy Rider“
   -   Match-Cut: Ein zusammenfügendender Schnitt graphisch gleichförmiger Elemente
       (berühmtestes Bsp.: 2001: Odyssee im Weltraum, Knochen/Raumschiff)
   -   Schwarz-Blende: bewußter, harter Schnitt oder schnelle Blende in ein schwarzes Bild
       (auch: Weiß-Blende, in Farbe blenden)
   -   Iris-Blende: kreisförmiges Entstehen oder Verschwinden eine Bildes aus/in einem meist
       schwarzen Bild (ähnlich dem Öffnen oder Schließen einer Iris)
   -   Maske: meist schwarze ausgestanzte Bildfläche, die durch eine graphische Form (z.B.
       Loch, Schlüsselloch) nur eingeschränkt den Blick auf da eigentliche Bild freigibt (ist dem
       Bild wie eine schwarze Maske aufgesetzt)
   -
   -   Einfrieren des Bildes (Freeze, Standbild): Anhalten des Filmes auf einem Einzelbild
       oftmals am Ende eines Films
   -
   -   -Flash-Cutting: in eine fortlaufende Sequenz werden wenige, sehr kurze Bilder
       eingeschnitten, Effekt des Aufblitzens (z.B. Easy Rider)


   -   Trickblenden: Wischblende, Klappblende, Schiebeblende, Kippblende, Zerreißblende,
       Spiralblende


       Diese Bezeichnungen für verschiedene Formen des Filmschnitts leisten noch keine
       inhaltliche, dramaturgische oder stilistische Unterscheidung, wie sie den Begriffen der
       Montage immanent ist.
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Montage (nach Hickethier)


Montage ist die Kombination von bestimmten ausgewählten Einstellungen, Sequenzen,
Frames oder Einzelbildern nach filmhistorisch gewachsenen Regeln. Überträgt man
diesen Vorgang auf die Sprache, so ergibt sich ein Verhältnis von Bild oder Einstellung
zur Montage, wie vom Wort zur Grammatik. Montage ist die Grammatik des Films, die
maßgeblich die Filmerzählung bestimmt.


Montageformen (Montage ist immer ein dialektischer Prozeß: These - Antithese -
Synthese)
- Erzählerische Montage: Chronologische Montage, die der Logik einer Geschichte
folgt.
- Beschleunigte Montage: die Schnittfrequenz erhöht sich im Fortgang der Handlung.
- Parallelmontage: Zwei Handlungen werden parallel montiert, um zu suggerieren, daß
 sie 1) gleichzeitig ablaufen, 2) miteinander in Verbindung stehen,
 3) aufeinanderzulaufen (Konvergenzmontage). Funktion der
 Parallelmontage:Erzeugung von Spannung, z.B. bei Verfolgungsjagden, in Thrillern etc.
- Innere Montage: Die innere Montage entsteht nicht durch Filmschnitt, sondern
 durch die sogenannte Schärfenverlagerung innerhalb eines Bildes. Diese Einstellung
 kann in mehrere verschiedene Einstellungen aufgelöst werden. (Schärfentiefe)
- Kontrastmontage, Kollisionsmontage, Montage der Attraktionen: Zwei Bilder, die
 durch die Montage miteinander kollidieren, ergeben eine neue Bedeutung. Die
 Kollision oder der Kontrast entstehen durch starke Gegensätzlichkeit des Bildinhalts,
 der sogenannten „Attraktionen“ (nach Eisenstein), der Einstellungsgrößen, der
 Perspektiven usw.



Eisenstein: Meiner Ansicht nach ist aber Montage nicht ein aus aufeinanderfolgenden
Stücken zusammengesetzter Gedanke, sondern ein Gedanke, der im Zusammenprall
zweier voneinander unabhängiger Stücke entsteht („dramatisches Prinzip“)...Wie in
der japanischen Hieroglyphik, wo zwei selbständige ideographische Zeichen
(„Bildauschnitte“) nebeneinandergestellt zu einem Begriff explodieren.




Auge + Wasser         = Weinen
Tür + Ohr             = lauschen
Kind + Mund           = schreien
Mund + Hund           = bellen
Mund + Vogel          = singen
Messer + Herz         = Kummer (Albersmeier (Hrsg.): Texte zur Theorie des Film, S. 283)
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Die Erinnerung an das erste Bild bestimmt die Wahrnehmung des zweiten Bildes. Es
entsteht eine dritte Bedeutungsebene. Superposition!


Kuleschov-Experiment: Der Filmemacher Lev Kuleschov montiert drei identische
Aufnahmen des Schauspielers Mosjukin nacheinander mit Aufnahmen von einem
Teller Suppe, einer Frau in einem Sarg, einem kleinen Mödchen. Das Gesicht des
Schauspielers wirkt abwechselnd hungrig, traurig oder freundlich zugeneigt.



Analogiemontage: Zwischen Bildmotiven, die miteinander montiert werden, bestehen
Analogien.



Allegorische Montage: Eine Handlung wird durch ein Klischeebild ersetzt.



Leitmotivische Montage: Sequenzen werden durch ein symbolisch wiederkehrendes
Leitmotiv (z.B. Gegenstand, Farbe) miteinander verbunden.



Symbolische Montage: Sequenzen stehen in symbolischem Zusammenhang (Bsp.:
Francis Ford Coppola: Apocalypse Now. USA 1979).



Schachtelmontage: Wiederholung von Sequenzen ohne Rücksicht auf die
Chronologie



Rhythmische Montage: Rhythmische Übereinstimmung von Bildschnitt und
musikalischem Rhythmus, z.B. in modernen Werbefilmen, Musikclip etc. „Die Kunst der
schnellen Schnitte.“



Filmische Zeit


Filmische Zeit ist nicht identisch mit der natürlichen Zeit, höchstens innerhalb einer
Einstellung. Aber auch das Zeitkontinuum der Einstellung kann durch Zeitraffer oder
Zeitdehnung verändert werden.



- Erzählte Zeit: Zeitraum der Handlung

- Erzählzeit: Zeitdauer des Films
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Sprache, Ton, Musik


Es gib drei Tonebenen: Geräusche - Musik -Sprache


Der Ton ist für die Wirkung eins Films von ebenso großer Bedeutung wie das Bild. Jeder Film hat
einen optischen und einen akustischen Wahrnehmungsraum.


Problem: Synchronität / einzelne Bilder müssen mit kontinuierlich aufgenommenem Ton
kombiniert werden.


Erfindung de Lichttons: Ton wird am Filmrand auf einer Zackenspur aufgezeichnet und durch
lichtempfindliche Zellen in der Projektion wieder in Ton umgesetzt. Magnetton: Anfang der
fünfziger Jahre (lippensynchron)


verchiedene Kombinationsmöglichkeiten von Licht und Ton:


- synchron oder a-synchrone Verbindung / parallel und kontrapunktisch gestaltet
- parallel: Bild und Ton ergänzen sich
- kontrapunktisch: Bild und Ton stehen im Widerspruch
- synchron: die Lautquelle (z.B. der Sprecher) ist m Bild zu sehen, der Sprecher spricht on
    the screen
- a-synchron: Lautquelle ist nicht im Bild zu sehen / off the screen




Die Musik bzw. der sogenannte Soundtrack ist eine selbständige Mitteilungsebene des Films.
Funktionen der Musik:
-    Akzentuierung von Bedeutungen
-    Emotionale Wirkung, d.h. Interpretation des Bildes
-    Unterstützung des Realitätseindrucks
-    Rahmung des Geschehens im Bild durch die Musik
-    Musik und Bild stehen zueinander in Beziehung wie Figur und Grund, stimulierender
     Hintergrund
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Musik als thematische Gebärde (nach Hickethier)


   1. Imitative Bechreibung: natürliche und zivilisatorische Schallquellen (Wetter,
       Maschinen, Eisenbahn etc.)


   2. Erzeugung musikalischer Tableaus zur Charakterisierung von Landschaften


   3. Zuordnung nationaler und regionaler Zugehörigkeiten, d.h. Folklore, Nationalhymnen,
       schauplatztypische Klangfarben, Stimmungselemente


   4. Genrecharakterisierung - vom Genre geprägt, Genres prägend / musikalische
       Typisierung


allgemein: Funktionalisierung der Musik, musikalische Muster (patterns) stehen häufig in
Zusammenhang mit körpersprachlichen Ausrucksformen.


Musikeinsatzweisen: Titelmusik, Titelsong, Schlußmusik, Titelmusik als Teil der Handlung, Musik
als eigenständige narrative Ebene (Musical), Integration aktueller Musik, Musik als
leitmotivische Verklammerung, z.B. Fred Zinnemann: „High Noon“.


Geräusche:
- Atmo = akustische Atmosphäre, Funktion: Steigerung des Wirklichkeitsausdrucks des Bildes
- synchrone Geräusche sind im Bild lokalisierbar
- asynchrone Geräusche finden außerhalb de Bildraums statt
- häufig: Übergang von a-synchronem zu synchronem Geräusch, d.h., wir hören zuerst das
 Geräusch, dann sucht die Kamera nach der Ursache
- Geräusche werden für den Film nicht einfach aufgenommen, sondern erzeugt.
 Die Geräuschemischung ist der Bildmischung verwandt.
- Geräusche, die im Widerspruch zur visuellen Wahrnehmung stehen, können eine
 symbolische Funktion haben.
- Es gibt vielfältige Formen von Geräuschstereotypen, z.B. in Horrorfilmen, knarrende Türen,
 Heulen des Windes.
- Geräusche können zu verbindenden Klammern zwischen disparaten Bildern werden oder zu
 Überleitungen

								
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