Allgemeine Einfuehrung by 3RSlbgu

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									Bleier: BWL-Fachdidaktik                   Allgemeine Einführung                                    Seite 1




                               ALLGEMEINE EINFÜHRUNG

 Bildungs- u. Lehrpläne

         Rahmenlehrplan                                                       Ausbildungsordnungen
     der ständigen Konferenz der                                           des Bundes für die betriebliche
        Kultusminister (KMK)                                                        Ausbildung


                                             Landeslehrplan

 Aufbau eines Lehrplans:
          Vorwort
          Hinweise für den Benutzer
          Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der beruflichen Schulen
          Der besondere Erziehungs- und Bildungsauftrag (z.B. der beruflichen Schulen)
          Stundentafel
          Fächerlehrpläne
          Lehrplanübersicht (= Bezeichnung der Lehrplaneinheiten mit Hinweisen1 und
                               Zeitrichtwerten2)

 Allgemeiner Erziehungs- und Bildungsauftrag:
 Festgelegt in Art. 12 (1), 17 (1), 21 (1) Landesverfassung und
 § 1 SchulG (I)      ...dass jeder Mensch ohne Rücksicht auf Herkunft, wirtschaftliche Lage das
                     Recht auf seiner Begabung entsprechende Erziehung und Ausbildung hat...
 § 1 SchulG (II): ...über die Vermittlung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten hinaus, ist die
                  Schule besonders gehalten, die Schüler in Verantwortung vor Gott, im Geiste
                  christlicher Nächstenliebe, zur Menschlichkeit...
                  ...zur Anerkennung der Wert- und Ordnungsvorstellungen der freiheitlich-
                  demokratischen Grundordnung....
                  ...zur Wahrnehmung ihrer verfassungsmäßigen staatsbürgerlichen Rechte und
                  Pflichten vorzubereiten...

 Der Erziehungs- und Bildungsauftrag der beruflichen Schulen
 Besonderer Bildungsauftrag der beruflichen Schulen wird aufgegriffen in § 10 SchulG:
 Die Berufsschule hat die Aufgabe
       o den Schülern berufliche und allgemeine Lerninhalte unter besonderer Berücksichtigung
         der Anforderungen der Berufsausbildung zu vermitteln (berufliche Grund – und
         Fachbildung, Erweiterung der allgemeinen Bildung)
       o die Schüler zur Erfüllung der Aufgaben im Beruf sowie zur Mitgestaltung der Arbeitswelt
         und Gesellschaft in sozialer und ökologischer Verantwortung befähigen.
       o berufliche Flexibilität zur Bewältigung der sich wandelnden Anforderungen in Arbeitswelt
         und Gesellschaft
       o die Bereitschaft zur beruflichen Fortbildung zu wecken


 1
   Hinweise: Anregungen und Beispiele zu den Lehrplaneinheiten. Sie sind nicht verbindlich und stellen
   keine vollständige Liste dar.
 2
   = geben Richtstundenzahlen an. Sie sollen dem Lehrer Anhaltspunkte geben, wie umfangreich die
   Lehrplaneinheit behandelt werden soll.
                                                                Prüfungsvorbereitung R 2003: Kerstin Taller
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 Vorbemerkungen der Lehrpläne:
 Weitere Hinweise auf die Erziehungs- und Bildungsziele finden sich in den Vorbemerkungen der
 Lehrpläne. Im Lehrplan selbst finden sich konkret formuliert die Lernziele für ein oder mehrere
 Schuljahre.

 Grundlegende Zielsetzungen im Unterricht
 Vermittlung von
       Wissen
       (beruflicher) Fachkompetenz                 Begründung:
       Handlungskompetenz
                                                    - gravierende und in immer kürzeren
       Methoden- und Lernkompetenz                    Zeitabständen erfolgende Veränderungen des
       Medienkompetenz                                Wirtschafts- und Arbeitslebens + ges. Verhältnisse
       Humankompetenz                              - schnelle Veraltung des Wissens
       Sozialkompetenz                             - Wissen = Voraussetzung für Handlungskompetenz, die ohne
       Umweltkompetenz                               exemplarische Einübung in praxisnahen Situationen kaum
       „EDV“-Kompetenz                               vermittelt werden kann.



 Kriterien guten Unterrichts

 nach Frau Bleier:

                           Zielgerichtetheit                       Akzeptanz
                           Strukturiertheit                       Gerechtigkeit
                           Schüleraktivität                        Offenheit
                           Anschaulichkeit                          Echtheit
                             Praxisbezug                            Distanz
                              Aktualität

                            Inhaltsebene                      Beziehungsebene
                           des Unterrichts                     des Unterrichts




                              d.h. die                              d.h. die
                      didaktisch-methodisch                  päd.-psychologischen
                          Entscheidung                         Entscheidungen


 nach Hilbert Meyer: Zehn Merkmale guten Unterrichts

       1) Klare Strukturierung des Lehr-Lernprozesses
       2) Intensive Nutzung der Lernzeit
       3) Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen
       4) Methodenvielfalt
       5) Intelligentes Üben
       6) Individuelles Fördern
       7) Lernförderliches Unterrichtsklima
       8) Sinnstiftende Unterrichtsgespräche
       9) Regelmäßige Nutzung von Schüler-Feedback
       10) Klare Leistungserwartungen und –kontrollen



                                                                  Prüfungsvorbereitung R 2003: Kerstin Taller
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 Detaillierte Darstellung: Def = Definition; Ind = Indikatoren; RS= Ratschläge

 1) Klare Strukturierung des Lehr-Lernprozesses
      Def:     Unterricht ist klar strukturiert, wenn ein roter Faden jederzeit erkennbar ist.
      Ind:     verständliche Lehrersprache/klare Körpersprache, klare Definition der Beteiligten,
               klare Aufgabenstellung, plausible Untergliederung des Unterrichtsinhalts, deutliche
               Markierung der Unterrichtsschritte, gute Vorbereitung, Bereitstellen von
               Lernmaterialien
      RS:      Informierender Unterrichtseinstieg, präzise Vorbereitung, Verknüpfung des neuen
               Inhalts mit Bekanntem
 2) Intensive Nutzung der Lernzeit
      Def:     Die echte Lernzeit ist die vom Schüler tatsächlich aufgewandte Netto-Zeit, in der er
               an der gestellten Aufgabe arbeitet.
      Ind:     hohe       Schüleraktivität/Konzentration,   gute      Arbeitsergebnisse,     wenig
               Disziplinstörungen, L. schweift nicht ab.
      RS:      klare Zeitabsprachen, Reibungslosigkeit der L.interventionen, pünktlicher U-beginn,
               Auslagerung von Organisatorischem
 3) Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts- und Methodenentscheidungen
      Def:     Stimmigkeit der Ziel-, Inhalts – und Methodenentscheidungen entsteht dadurch,
               dass die innere Zielgerichtetheit der Ziele, Inhalte und Methoden beachtet und
               ausbalanciert wird.
      Ind:     S. machen Lernziele zu ihren eigenen, Methoden müssen zu den Zielen passen
               (form follows function), Fertigwerden in der Stunde (Runde Sache), Förderung
               leistungsstarker und –schwacher Schüler
      RS:      Stimmigkeit    durch    gründliche   didaktische    Analyse;  Sicherung     durch
               ‚Kurskorrekturen’ während der Stunde, sensible Verlaufsbeobachtung durch L.
 4) Methodenvielfalt
      Def:     MV liegt vor, wenn der Reichtum der verfügbaren Inszenierungstechniken,
               Handlungs- und Verlaufsmuster des Unterrichts genutzt wird, wenn die Sozialformen
               variiert und verschiedene Grundformen des Unterrichts praktiziert werden.
      Ind:     Größte Lerneffekte durch Mix der Sozialformen, Kombination von Grundformen des
               U.,
      RS:      Vorsicht vor Gießkannenprinizip  stimmige Kombination von Ziel- Inhalts und
               Methodenentscheidungen
 5) Intelligentes Üben
      Def:     Die Übung ist die Wiederholung einer Tätigkeit zu dem Zwecke, dass man diese
               besser ausführen lerne! (Automatisierung und Vervollkommnung von Abläufen; ihre
               Kodierung und Speicherung im Gedächtnis)
      Ind:     Integration von Übungsphasen
      RS:      Höherer Erfolg des Übens, wenn der Gegenstand der Übung für die S. subjektive
               Bedeutung hat; Übungsmethoden variieren; ähnlich strukturierte Inhalte werden
               nicht zeitlich parallel oder gleich nacheinander eingeführt; regelmäßige Abstände
               (zunächst kurze, dann längere Abstände)
 6) Individuelles Fördern
      Def:     IF ist dort gegeben, wo sich der L. individuell um jeden einzelnen S. bemüht
      Ind:     Intensive Auseinandersetzung mit S. , emotionale Zuwendung, Erstellen von
               Lernstandsdiagnosen, Eingehen auf die Interessen und Bedürfnisse der Schüler
      RS:      Achtung: Nicht nur Förderung leistungsschwacher S.; Erstellen von
               Lernstandsdiagnosen, die Schwächen + Stärken jedes Schülers wiedergeben;
               Hilfestellungen beim Aufbau von Lernstrategien (WDH, Elaborations- und
               Kontrollstrategien); methodische Möglichkeiten: Lernkarteien, Strategiekarten,
               Kognitives Modelling)

                                                                    Prüfungsvorbereitung R 2003: Kerstin Taller
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 7) Lernförderliches Unterrichtsklima
      Def:    = humane Qualität des L-S und des S-SVerhältnisses
      Ind:    Ein LU ist gekennzeichnet durch
                   - eine positive Arbeitshaltung
                   - verantwortungsvollen Umgang mit Personen und Gegenständen
                   - Gerechtigkeit
                   - eine zufriedene und fröhliche Grundstimmung
                   - Höflichkeit und Respekt
      RS:     Arbeit mit Konfliktlösetechniken (z.B. Mediation), Ausbau der Mitbestimmung,
              Zielvereinbarungen mit S., Meta-Unterricht
 8) Sinnstiftende Unterrichtsgespräche
     Def: = Gespräche, die für die S. Sinn machen, indem sie
                 - vorhandenes mit neuem Wissen verknüpfen und
                 - den S. erlauben, eigene Interessen in die Bearbeitung des Themas einzubr.
     Ind:   S. verwickeln sich gegenseitig in Gespräche; fassen den Lernstoff in eigenen
            Worten zusammen, stellen kritische, weiterführende Fragen, greifen selbstständig
            auf vorherige Themen zurück
     RS:    ausreichend Zeit und Raum, Gefühle und Einstellungen zur Sprache bringen zu
            können, Aneignung von gutem Überblickswissen zu verwandten Themen, bringen
            Sie Beispiele dazu; Einübung verschiedener Gesprächsformen (Lehrgespräch,
            fragend-entw. UG, Schülerdiskussion, Prüfungsgespräch); Lehrervortrag nicht mit
            UG vermischen!
 9) Regelmäßige Nutzung von Schüler-Feedback

      Def:    Qualitätssicherung im U durch S.rückmeldungen zum Lernprozess
      Ind:    S. + L. vereinbaren gemeinsame Beurteilungskriterien, Regeln und Methoden,
              um nützliche Informationen über Lernerfolge; Lernbarrieren und – misserfolge zu
              sammeln.
      RS:     Geschlossene schriftliche Verfahren (z.B. Fragebogen), anonyme Kartenabfrage
              (Was soll beibehalten/geändert werden?), Rollenverhandlung, Lerntagebuch

 10) Klare Leistungserwartungen und –kontrollen
      Def:    = (non)verbale Mitteilungen und Vereinbarungen über Lernziele, die
              Aufgabenstellung, die Methoden und das Niveau der Zielerreichung des U.
      Ind:    Eindeutige Leistungserwartungen und –kontrollen (wirken lernförderlich!)
      RS:     Vorsicht: Pygmalion-Effekt (Orientierung an vorgegebenen Intelligenztests!);
              Lernentwicklungsberichte, Verbalbeurteilungen, Bewertungsgespräche,
              Beobachtungsbögen, Portfolios




                                                           Prüfungsvorbereitung R 2003: Kerstin Taller

								
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