Eine kleine Einf�hrung in die Harmonielehre by Ob6Nhe9

VIEWS: 0 PAGES: 31

									                                             Eine kleine Einführung in die Harmonielehre
Dieser Grundkurs in Harmonielehre soll Gitarristen/Innen das Wissen vermitteln, welche Töne man zum Solospiel über bestimmte Akkordfolgen
verwenden kann. Man sollte wissen (bzw. es hilft :-)

                                                          1. wie Tonleitern aufgebaut sind
                                                            2. woraus Akkorde bestehen
                                                 3. welche Tonleitern zu welchen Akkorden passen.




                                                                     1.Teil:
                                                              Was sind Tonleitern ?

Grob gesagt Ist eine Tonleiter eine Reihe von Tönen, die aufgebaut ist wie eine Leiter.
Die unterste Sprosse der Leiter entspricht dern tiefsten Ton der Tonleiter. die oberste Sprosse Ist der höchste Ton. Dazwischen liegen die Töne/
Sprossen, die schrittweise aufwärts führen.
                                                             so z.B. die C-Dur Tonleiter:




Bei einer Leiter Ist der Abstand zwischen den einzelnen Sprossen immer gleich. Bei den meisten Tonleitern ist das nicht so, d.h. die Abstände
zwischen den einzelnen Tönen sind verschieden, auch wenn die Abstände in der Notenschrift völlig gleich aussehen.
Die Tonleiter. die Ihr zunächst kennenlernt hat eine Mischung von Ganzton- und Halbtonschritten zwischen den einzelnen Tönen.
                                                         Ganzton- und Halbtonschritte:

Bei einer Tonerhöhung um einen Ganztonschritt wird die Saite um zwei Bünde verkürzt.
Bei einer Tonerhöhung um einen Halbtonschritt wird die Saite um einen Bund verkürzt.
                                            Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                                     2. Teil:

                                                              Die C-Dur Tonleiter

Diese Tonleiter müßt Ihr sehr gut kennen. wenn Ihr die Grundlagen der Harmonielehre verstehen wollt.




                                                                     Aufgabe:

Spielt die Tonleiter langsam auf- und abwärts und sagt bei jedem Ton laut seinen Namen. Seht genau hin zwischen welchen Tönen Ganzton-bzw.
Halbtonschritte liegen. Welche sind das ?

                                                             Aufbau der Dur Tonleiter:

Wenn eine Tonleiter Halbtonschritte zwischen dem 3. u. 4. Ton und 7. u. 8. Ton hat und ansonsten nur aus Ganztonschritten besteht bezeichnet man
sie als Dur Tonleiter.
Ein wichtiges Merkmal der Durtonleiter ist außerdem der Abstand vorn 1. Ton (Grundton) zum 3. Ton (Terz). Bei einer Durtonleiter Ist dieser Abstand
immer 2 Ganztöne groß ( große Terz ).

                                                                 Andere Durtonleitern:

Man kann auf jedem beliebigen Ton eine Dur Tonleiter errichten. Der Ton mit dem die Tonleiter beginnt (Grundton) gibt Ihr den Namen:
C-Dur beginnt auf C.
A-Dur auf A etc. . .

Aufgabe:

Versucht eine A-Dur Tonleiter auf- und abwärts zu spielen (Grundton leere A Saite). + D-Dur (leere D Saite). F-Dur ( F 1.Bund E Seite).
                                             Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                 Die 7 Kirchentonleitern der C-Dur Tonleiter

In der C-Dur Tonleiter stecken im Grunde auch wieder 7 eigene, individuelle (von musikalischen Charakter her gesehen ;-) Tonleitern. Man erhält
diese 7 sogenannten Kirchentonleitern, die in der mittelalterlichen Kirchenmusik häufig verwendet wurden, indem man auf jedem einzelnen Ton der
C-Dur Tonleiter eine vollständige (also bis zum 8. Ton) eigene Tonleiter errichtet.

Diese 7 Tonleitern bestehen zwar alle aus C-Dur Tönen, aber jede hat ihren eigenen Sound. Die eine vielleicht ein bißchen orientalisch, die andere
eher weicher, molliger...


                   1. Von C nach C = C-Ionisch                              5. Von G nach G = G-Mixolydisch
                   (heute C-Dur Tonleiter genannt ):




                                                                            6. Von A nach A = A-Aeolisch
                   2. Von D nach D = D-Dorisch:                             (heute natürliches A-Moll genannt)
3. Von E nach E = E-Phrygisch   7. Von H nach H = H-Lokrisch




4. Von F nach F = F-Lydisch
                                            Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                                 Akkorde Teil 1

Akkorde spielen lernt jeder, der sich eine Zeitlang mit der Gitarre beschäftigt hat. Zuerst kommt man damit in Berührung, wenn man seine ersten
Songs spielt, und plötzlich mehr als bloß ein oder zwei Finger der Greifhand die Saiten herunterdrücken müssen (Hilfe! Aua!).

  Was passiert eigentlich, wenn man Akkorde spielt, sei es, daß man dabei die Saiten mit dem Plektrum anschlägt (Schlag/Rhythmus-Gitarre) oder
                                     einzelne Töne der Saiten nacheinander anschlägt (Arpeggio/Picking)?:

Man greift mehrere Saiten und bringt quasi eine Auswahl von Tönen gleichzeitig oder jedenfalls knapp hintereinander zum klingen. Schauen wir uns
doch mal an, welche Töne das z.B. sind, wenn man einen C-Dur Akkord spielt (so richtig abschrängelt ;-)

                                                         Der C-Dur Akkord auf der Gitarre:
Wie Ihr seht, klingen eigentlich nur drei verschiedene Töne (die Oktaven von C und E zählen nicht als zusätzliche Töne). Diese drei Töne sind die
Töne, die den so gennannten "C-Dur Dreiklang" bilden. Dieser entsteht, wenn man den 1., 3. und 5. Ton (Grundton, Terz und Quinte) der C-Dur
Tonleiter (s. unter Tonleitern) gleichzeitig oder knapp hintereinander zum klingen bringt. In diesem Fall eben das C, E und G.

                                                              Die C-Dur Dreiklangstöne:




                                                    Wieso heißt der eigentlich "Dur-Dreiklang"?:

"Dur" kommt vom lateinischen "durus (= hart, hölzern etc.)". Der Klang dieses Dreiklangs wird verglichen mit anderen Dreiklängen (es gibt tatsächlich
noch ein paar ;-) als härter, sperriger empfunden.

Bei Dur Dreiklängen ist der Abstand vom Grundton zum Terzton immer 2 Ganztonschritte (= große Terz), und der Abstand vom Terz- zum Quintton 1,5
Ganztonschritte (kleine Terz) groß. Der Abstand vom Grundton zur Quinte ist 3,5 Ganztonschritte (= reine Quinte). Nur wenn die Tonabstände so sind,
spricht man von einem Dur-Dreiklang! Sind die Abstände der Töne untereinander anders, klingt's ja auch anders (is' ja logisch ;-)

                                                              Dat' is 'ne Dur-Dreiklang:
                                             Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                                  Der Mollakkord

Der nächste Akkordtyp den Ihr jetzt kennenlernt ist der Mollakkord. Der besteht genau wie sein Kollege der Durakkord aus drei Tönen. Jetzt ist
allerdings der Abstand vom Grundton zum Terzon nur 1,5 Ganztöne (kleine Terz) und der Abstand vom Terzton zum Quintton 2 Ganztöne (große Terz)
groß:




                                             Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                         Die Stufenakkorde von C-Dur

Hier eine Frage, die mich per e-mail erreichte:
 ...heisst das dann, dass ich immer, wenn der Akkord wechselt, eine andere Skala nehmen muss beim Solospiel ? z.B. A-Dur, A-Dur Skala, G-Dur, G-
                                                                  Dur Skala oder wie ?
Zuerst müsst Ihr jetzt verstehen, welche Akkorde eigentlich zusammen passen (es ist nämlich nicht so, daß die einfach in den Songs, die man überall
hört, irgendwie aneinander geklatscht werden ;-). Es gibt bestimmte harmonische Gesetzmäßigkeiten, warum bestimmte Akkorde gut zusammen
passen:
Wenn Ihr z.B. die C-Dur Tonleiter nehmt (die Ihr natürlich Alle supertoll spielen könnt ;-) und versucht Dreiklänge auf jedem einzelnen Ton von dieser
Tonleiter zu bilden indem Ihr nur Töne aus dieser Tonleiter nehmt, kriegt Ihr folgende 7 Akkorde:
                                                         Die 7 Stufenakkorde von C-Dur:




Ich geb zu, so sind die auf der Gitarre teilweise schwer zu spielen. Versucht also in jedem Fall auch die Akkordtypen so zu spielen wie sie Euch
geläufig sind. Was Ihr aber feststellt wird sein, daß die irgendwie ganz schlüssig und schön zueinander klingen. (Auf der 7. Stufe spielt hier mal den
Hm7/b5, der auch vollständig aus C-Dur Tönen besteht...)
                                           Die 7 Stufenakkorde von C-Dur leichter gespielt:




Daß die Akkorde gut zusammen klingen liegt daran, daß eben alle Akkord-Töne aus der C-Dur Tonleiter stammen, und sich Euer Ohr beim Hören gar
nicht umstellen braucht (sozusagen voll auf C-Dur eingestellt wird ;-).
                                             Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                         Akkorde und Tonleitern Teil 1

Jetzt wo Ihr die Akkorde kennt, die man aus den Tönen einer Durtonleiter bilden könnt, wollt Ihr sicher wissen, wie man Solos über die akkorde
spielen kann. Es ist eigentlich (zum Schreien ;-) einfach:

Der Trick zunächst ist aus den Tonleitertönen von C-Dur neue Tonleitern zu bauen ("backe, backe Kuchen" ;-)
Z.B. wenn Ihr die Töne der C-Dur Tonleiter vom 2. Ton "D" bis zum nächsten D hoch spielt erhaltet Ihr die sognannte "D-Dorisch"-Tonleiter.

                                         C-Dur Tonleiter vom 2. Ton bis 9. Ton ergibt D-Dorisch:
Der Dreiklang, den wir auf dem Ton D unter Verwendung von anderen C-Dur Tönen bauen konnten (s. voriger Workshop) war der D-Moll Dreiklang.
Dies ist auch genau der Akkord, zu dem die D-Dorisch-Tonleiter wunderbar passt. Das liegt vor allem daran, daß die D-Moll Dreiklangstöne als 1., 3.
und 5. Ton in D-Dorisch vorkommen. So stellt die D-Dorisch Tonfolge unser Gehör schon unbewußt auf den D-Moll Akkord ein.

                                          Der D-Moll Dreiklang steckt in der D-Dorisch-Tonleiter:
Hier noch ein Beispiel, das den Klang von D-Dorisch über einen D-Moll Akkord demonstriert:

                                                                     Melodie
                                                                      Rhythm




                                            Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                                        Die Stufenakkorde von G-Dur

Um zu verstehen, was die Stufenakkorde von G-Dur sind, sollte man (und Frau auch ;-) erstmal die G-Dur Tonleiter spielen (wie Dur-Tonleitern
gebildet werden habt Ihr bestimmt schon in den anderen HL Workshops gelesen, oder nicht?!..):
                                                              Na?, hat's geklappt?
Als Nächstes bauen wir mal auf jedem der einzelnen G-Dur Tönchen lauter Dreiklänge(lchen) und nehmen dafür aber auschließlich nur die Töne, die
in G-Dur vorkommen (falls nicht, müssen wir ein Wochenende in Dieter Bohlens Studio verbringen, wenn er Vocals aufnimmt..).
Also nur G-Töne nehmen (wie Dreiklänge gebaut werden, was Dur & Moll Dreikänge sind habt Ihr ja schon bei den anderen HL Workshops gelesen,
oder auch nicht, Ihr Faulbären ??!..)
                                               ja, ich weiß, so sch...schwer zu spielen auf der Gitarre...


Ich hab gehört, die Akkorde waren so schwer zu spielen auf der Gitarre? Dann nehmen wir doch einfach die "normalen" G-Dur, A-Moll usw., wie sie
auf der Gitarre uns schon ab und zu begegnet sind (wenn nicht, wird's aber langsam mal Zeit!!..). Falls Euch der H-Moll (mit Barrée am 2. Bund) immer
noch schwerfällt, ist das ganz normal..(ätsch..). Das gibt sich (nach ca. 14-18 Jahren..;-)...
So, das reicht schon mal für heute (sagte da jemand, "mir reicht's auch langsam!"?..). Klimmpert schon mal schön mit den Akkorden rum, wie wär's
denn mal mit der Akkordfolge ||: G D | Am | G D | C :|| ?
Kommt mir doch irgendwie bekannt vor...


So long for today, nächstes Mal lernt Ihr dann, welche Tonleiter gut über die Akkorde passt (sollte das etwa G-Dur sein??).
                                                  Improvisation über G-Dur Stufenakkorde

Letzte Woche habt Ihr ja schon die Stufenakkorde von G-Dur kennengelernt (die Ihr alle wie bekloppt geübt habt..). Zur Erinnerung hier noch mal alle
zum Anschauen:
Wie man Solos über eine Akkordfolge spielt, die aus lauter G-Dur Stufenakkorden besteht ist eigentlich suppi-einfach:
Sollte schon jemand von selbst darauf gekommen sein, daß man das wunderbar mit Tönen aus der G-Dur Tonleiter machen kann? Genial, stimmt
genau (jetzt gibt's das Fleisskärtchen..)
Also übt jetzt noch mal schön Eure G-Dur Tonleiter:




So jetzt nehmen wir mal die G-Stufen Akkordfolge (das sind übrigens die 1., 5., 2. und 4. Stufenakkorde von G-Dur):
||: G D |Am | G D | C :|| (Knock', Knock, knockin'...)

und schauen mal, wie man da mit G-Dur Tönen drüber solieren kann.

1. Möglichkeit:
Wir spielen erstmal über jedem Akkord (also während die Rhythmguitar rumschrummt..), die jeweiligen Grundtöne der Akkorde (wird echt ein
prickelndes Solo..;-):
Ihr seht/hört, daß die Grundtöne der Begleitakkorde natürlich wunderbar passend zu den Akkorden sind (und sich natürlich grotten langweilig
anhören..). Also wollen wir das Ganze etwas spannender machen:
2. Möglichkeit
Wir spielen über jedem Akkord einen Teil von G-Dur Tonleitertönen, beginnen jeweils auf dem Grundton des Begleitakkords (jetzt wird's vielleicht
schon "etwas" prickelnder):
So das war's mal wieder für heute. Vielleicht kriegt Ihr ja beim Üben ein paar Idee, das Ganze noch prickelnder (jetzt wird's langsam gefährlich..;-) zu
machen.
Ansonsten müßt Ihr auf den nächsten Workshop warten, da zeig ich Euch noch ein paar pentatonische Tricks (was immer das ist..).
                                            Eine kleine Einführung in die Harmonielehre

                                             Improvisation über G-Dur Stufenakkorde Teil 2:

                                                             Die G-Dur Pentatonik

Wie die Töne der G-Dur Tonleiter über die drei G-Dur Stufenakkorde G, D, Am und C über die alte ("Knock', Knock..") Akkordfolge klingen habt Ihr
letzte Woche gelernt (wer sagte jetzt, "gähn, wußte ich doch längst.."?), heute wollen wir das ganze mal nicht soo brav klingen lassen.
Aus diesem Grunde verwenden wir die sogennante G-Dur Pentatonik Tonleiter. Bei dieser werden auch nur G-Dur Töne verwendet außer den Tönen C
und Fis. Wenn diese beiden Töne rausfliegen haben wir nur noch fünf Töne (ratet mal was "Penta" heißt - jaa, richtig "Fünf"..) und die dabei
entstehende G-Dur Pentatonik klingt nicht mehr so (brav) melodisch, sondern etwas offener, frecher, dirty, rockig, unanständiger...höhö ;-)

Here it is:

                                                       The amazing G-Dur Pentatonik
Jetzt spielen wir über die Akkordfolge G | D | Am | Am | G | D | C | C | die Töne der G-Dur Pentatonik wieder so, daß wir da, wo die Akkorde wechseln,
mit dem Grundton des Akkords beginnen.
Pech natürlich, daß kein C mehr in der G-Dur Penta. vorkommt. Wenn C-Dur erklingt spielen wir darum den Ton "g", der der Quint-Ton der C-Dur
Akkords ist (der klingt auch "ultrapassend" zu C-Dur...).
Naja klingt schon etwas cooler als das reine Dur-Gedudel, aber wie's noch besser ins Ohr geht , und wie man mit den ganzen Tönchen richtige Musik
machen kann, erfahrt Ihr im nächsten Workshop (wenigstens ansatzweise..;-).

								
To top