Subjektbildung und Identit�t

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Subjektbildung und Identit�t Powered By Docstoc
					Prof. Dr. Richard Huisinga


Seminar: Subjektbildungstheorie – Zum gegenwärtigen Subjektbildungsdiskurs in der
Erziehungswissenschaft


Hauptstudium


Zeit: 12-14
Tag: Montag
Raum: AR-B-2104
Beginn 11.10.2010


Leistungsnachweis möglich


offene Sprechstunde

Kurztext:

Seit der Aufklärung ist der Subjektbegriff Teil des Nachdenkens über Mensch und
Gesellschaft, Erziehung und Bildung. Über alle Epochen sind dabei die Positionen konträr
gewesen, wurde der Subjektbegriff – ebenso wie der Bildungsbegriff – befürwortet und
infrage gestellt, demontiert und rekonstruiert. Der Subjektbegriff gilt als ein
reflexionstheoretischer. Sich in Wirklichkeitsbezügen als Subjekt identifizieren zu können,
folgt nicht dem Wirklichkeitsbezug selbst, sondern ist Ergebnis von Wissen und
Reflexionsfähigkeit, die erlernt werden müssen. Die Tradition des subjektorientierten
Denkens stellt also, um es zusammenfassend vor Augen zu stellen, nicht auf Autonomie und
Reflexionsfähigkeit an sich ab; sie zielt vielmehr auf ein Bewußtsein aufgeklärter, tendenziell
wissenschaftlicher und zugleich moralischer Weltsicht und gesellschaftlicher Gestaltung.
Mensch und Gesellschaft werden als zugleich Gewordene, Abhängige, Eingebundene, in
Potentialen und Möglichkeiten Begrenzte, wie als Gestaltende und Gestaltbare gesehen. Das
Subjekt ist allerdings durchaus in Ambiguitäten und Polaritäten gestellt, die es wertend,
entscheidend und handelnd überwinden muß, ohne dies restlos zu können. Ambiguitäten und
Konflikte gehören nach dieser Sicht zum Leben. Es sind Wissen und Können, Reflexivität
und Arbeit, mit welchem die Menschen den Status des Objektseins, des bloßen
Funktionierens überschreiten können.

Im Seminar werden also die Kategorien Subjekt, Identität und Selbst im Sinne der
Subjektbildungstheorie verwendet.

Die Literatur ist so ausgewählt, daß an den gegenwärtigen Subjektbildungs-Diskurs in der
Erziehungswissenschaft angeschlossen werden kann. Die angegebenen Titel (1) bis (9) sind
obligatorische Literatur und müssen bis zur dritten Veranstaltung des Seminars gelesen und
verarbeitet worden sein. Ohne Lektüre und die Übernahme von Referaten und Beiträgen ist
die Teilnahme nicht möglich.
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Aufbau des Seminars:

1. Einführungsveranstaltung – Zugänge zum Subjekt
2. Das Verschwinden des Subjektes (Bürger)
3. Das Begehren der Anerkennung (Verweyst)
4. Subjekt - Freiheit – Widerstand (Daiber)
5. Die Wendung aufs Subjekt (Paffrath)
5. Vom Subjekt zum Projekt (Flusser)
6. Subjektdiskurse im gesellschaftlichen Wandel (Keupp)
7. Das Subjekt im neuzeitlichen Erziehungsdenken (Hopfner)
8. Arbeitsorientierte Subjektbildungstheorie (Huisinga/Lisop)
9. Schlußveranstaltung


Obligatorische Literatur:

(1)    Bürger, Peter (1998): Das Verschwinden des Subjektes. Eine Geschichte der
       Subjektivität von Montaingne bis Barthes. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
(2)    Daiber, Dirk (1999): Subjekt - Freiheit – Widerstand. Die Stellung des Subjekts im
       Denken Foucaults. Konstanz: Hartung-Gorre.
(3)    Flusser, Vilém (1998): Vom Subjekt zum Projekt. Menschwerdung. Frankfurt am
       Main: Fischer Taschenbuch Verlag.
(4)    Hopfner, Johanna (1999): Das Subjekt im neuzeitlichen Erziehungsdenken. Ansätze
       zur Überwindung grundlegender Dichotomien bei Herbart und Schleiermacher.
       Weinheim, München: Juventa-Verlag.
(5)    Huisinga, Richard; Lisop, Ingrid (2004): Arbeitsorientierte Exemplarik.
       Subjektbildung – Kompetenz – Professionalität. Frankfurt am Main: G.A.F.B.-Verlag.
(6)    Keupp, Heiner; Höfer, Renate (Hrsg.) (1997): Identitätsarbeit heute. Klassische und
       aktuelle Perspektiven der Identitätsforschung. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
(7)    Keupp, Heiner; Hohl, Joachim (2006): Subjektdiskurse im gesellschaftlichen Wandel.
       Zur Theorie des Subjektes in der Spätmoderne. Bielefeld: transcript Verlag.
(8)    Paffrath, Hartmut F. (1992): Die Wendung aufs Subjekt. Pädagogische Perspektiven
       im Werk Theodor W. Adornos. Weinheim: Deutscher Studienverlag.
(9)    Verweyst, Markus (2000): Das Begehren der Anerkennung. Subjekttheoretische
       Positionen bei Heidegger, Sartre, Freud und Lacan. Frankfurt am Main: Campus.
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Erweiterte Literatur:

(10)   Dörfler, Thomas: (2001) Das Subjekt zwischen Identität und Differenz. Zur
       Begründungslogik bei Habermas, Lacan, Foucault. Neuried: Ars Una.
(11)   Ebeling, Hans: (1993) Das Subjekt in der Moderne: Rekonstruktion der Philosophie
       im Zeitalter der Zerstörung. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verlag.
(12)   Fenner, Dagmar: (2001) Wahrheit am Ende? Kritischer Versuch über das Verhältnis
       von Subjekt und Objekt. Düsseldorf: Parerga.
(13)   Göpel, Magnus: (2000) Freiheit und Weltverbundenheit. Untersuchung über die
       Möglichkeit einer Vermittlung von Subjekt und Objekt vor dem Hintergrund der
       sozialen Konsequenzen. Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Bruxelles, New York,
       Oxford ,Wien: Lang.
(14)   Gößling, Hans Jürgen (1993): Subjektwerden. Historisch-systematische Studien zu
       einer pädagogischen Paradoxie. Weinheim: Deutscher Studienverlag.
(15)   Hitzler, Ronald; Honer, Anne (Hrsg.): ( 1997) Sozialwissenschaftliche Hermeneutik.
       Eine Einführung. Opladen: Leske + Budrich.
(16)   Hopfner, Johanna: (1999) Das Subjekt im neuzeitlichen Erziehungsdenken. Ansätze
       zur Überwindung grundlegender Dichotomien bei Herbart und Schleiermacher.
       Weinheim, München: Juventa-Verlag.
(17)   Keupp, Heiner (Hrsg.): (1994) Zugänge zum Subjekt: Perspektiven einer reflexiven
       Sozialpsychologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp.
(18)   Metzinger, Thomas: Subjekt und Selbstmodell. Die Perspektivität phänomenalen
       Bewusstseins vor dem Hintergrund einer naturalistischen Theorie mentaler
       Repräsentation Paderborn; München; Wien; Zürich: Schöningh.
(19)   Meueler, Erhard: (1993) Die Türen des Käfigs: Wege zum Subjekt. Stuttgart: Klett-
       Cotta.
(20)   Parin, Paul: (1992) Der Widerspruch im Subjekt. Ethnopsychoanalytische Studien.
       Hamburg: Europ. Verl.-Anst.
(21)   Reichenbach, Roland: (1993) Das "autonome" Subjekt. Seine Entwicklung in der
       Gruppe - seine Gefährdung durch die Gruppe. Freiburg (Schweiz): Pädag. Institut.
(22)   Reichenbach, Roland: (2001) Demokratisches Selbst und dilettantisches Subjekt.
       Demokratische Bildung und Erziehung in der Spätmoderne. Münster, New York,
       München, Berlin: Waxmann.
(23)   Schäfer, Gerd. E. (Hrsg.): (1993). Riss im Subjekt. Pädagogisch-psychoanalytische
       Beiträge zum Bildungsgeschehen. Würzburg: Königshausen und Neumann.
(24)   Schmidt, Gert (Hrsg.): (1999) Kein Ende der Arbeitsgesellschaft. Arbeit, Gesellschaft
       und Subjekt im Globalisierungsprozeß. Berlin: Edition Sigma.
(25)   Staiger, Horst (2001): Erziehung zum "selbstbestimmten Ich". Eine grundsätzliche und
       systematische Darstellung des "Subjekt-Prinzips" für dessen Integration in ein
       Erziehungskonzept. Untereisesheim: Josta-Buchverlag.
(26)   Staiger, Horst: (2001) Erziehung zum "selbstbestimmten Ich". Eine grundsätzliche und
       systematische Darstellung des "Subjekt-Prinzips" für dessen Integration in ein
       Erziehungskonzept. Untereisesheim: Josta-Buchverlag.
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(27)   Straub, Jürgen: (2000) Identitätstheorie, empirische Identitätsforschung und die
       "postmoderne" armchair psychology. In: Zeitschrift für qualitative Bildungs-,
       Beratungs- und Sozialforschung. 1/2000. S. 167-194.
(28)   Vollmers, Burkhard (1999): Das Werden der Person. Psychologie als dialektische
       Kulturwissenschaft. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
(29)   Weber, Andreas: (1998) Das Subjekt im Verständnis der soziologischen
       Theoriebildung. Freiburg (Breisgau): Univ., Diss.
(30)   Zimmermann, Rainer E.: (2001) Subjekt und Existenz. Zur Systematik Blochscher
       Philosophie. Berlin: Philo.

				
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