ERFOLGREICHER ALS ANDERE by OWJATI

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									     Veröffentlichungen der Forschungsstelle Japan # 6



Unternehmenserfolg durch Umweltschutz
      Herausforderung Japan: Umweltschutz als
 kontinuierlicher Prozeß – vom Qualitätsmanagement
               zum Umweltmanagement
                                 von

                      György Széll u.a.




                                       Gefördert durch die

   Deutsche Bundesstiftung Umwelt             Sievert AG              ECOS GmbH
   D-49007 Osnabrück – Postfach 1705          D-49090 Osnabrück   D-49084 Osnabrück
Projektleitung:
       Prof. Dr. György Széll, Universität Osnabrück

Autoren:
       Dr. Peter-Jörg Alexander, Universität Osnabrück
       Dr. Rolf Fobker, ECOS GmbH
       cand. rer. pol. Jürgen Haneberg, ECOS GmbH
       cand. psych. Christian Hoffmann, Universität Osnabrück
       Dipl.-Soz.-Wirt. Wilhelm Meemken, ECOS GmbH
       Dipl.-Soz.-Wirt. Claudia Westerhus-Graumann, ECOS GmbH

Beteiligte Unternehmen und Mitautoren
      Dr. Rudolf Berres, Sievert AG
      Dipl.-Biol. Matthias Fischer, A. H. Meyer Maschinenfabrik GmbH
      Dipl.-Ing. Hanno Friderici, Heinz Essmann GmbH
      Prof. Dr. Gerhard Lohmeier, Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
      Dipl.-Ing. Klaus Pontius, Julius Heywinkel GmbH
      Reinhard Szyszka, Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
      C•U•T• - Centrum für Umwelt und Technologie

Berater
      Dipl.-Kff. Verena Exner, Deutsche Bundesstiftung Umwelt
      Dipl.-Ing. Martin Foth, Ibek GmbH
      Prof. Ishikawa, Chuo-Universität, Japan
      Sachiko Oosawa, Yokohama, Japan
      Dr. Weidner, Wissenschaftszentrum Berlin

Kooperationspartner
      C•U•T• - Centrum für Umwelt und Technologie, Osnabrück
      Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) e.V., Eschborn
      Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) e.V., Landesgruppe
      Niedersachsen, Hannover
      WFO - Wirtschaftsförderung Osnabrück

Herausgeber:
       Forschungsstelle Japan der Universität Osnabrück
       in Zusammenarbeit mit ECOS Gesellschaft für Entwicklung und Consulting mbH
       Osnabrück, Oktober 1998

Redaktion:
       Dr. Rolf Fobker, ECOS GmbH

                                      ISSN 1437-5117
Mit dieser Broschüre wollen wir sowohl Leserinnen als auch Leser ansprechen und motivieren sich
im betrieblichen Umweltschutz zu engagieren. Zur Vereinfachung und besseren Lesbarkeit verwenden
wir im folgenden die männliche Form. Wie Sie dem Autorenverzeichnis entnehmen können, handelt
es sich um ein interdisziplinäres Autorenteam. Eine stilistische Vereinheitlichung der Beiträge in
dieser Broschüre erfolgte nicht - noch war diese beabsichtigt.
Inhaltsverzeichnis


Vorwort                                                                                        3

Unternehmenserfolg durch Umweltschutz                                                          5

Vom Qualitätsmanagement zum integrierten Umweltmanagement                                      8

Umweltkaizen - Umweltschutz als Prozeß                                                        12

Mitarbeiterbeteiligung                                                                        18

„Zusammenarbeit“ mit anderen Unternehmen                                                      21

Neue rechtliche Herausforderungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz                        23

Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen                                               26

Vom Impuls zum Prozeß - auf dem Weg zum Umweltmanagementsystem                                30


Anhang                                                                                        33

A. Ergänzende Unternehmensprofile                                                             35
     Sievert AG                                                                               35
     Kinzoku-Kaken-Kôgyô AG                                                                   37
     Tama-no-hada AG                                                                          40

B Umweltschutz von A - Z                                                                      42

C Weiterführende Literatur                                                                    45

D Ansprechpartner                                                                             47




                                                         Gefördert durch die

                     Deutsche Bundesstiftung Umwelt             Sievert AG          ECOS GmbH
                     D-49007 Osnabrück – Postfach 1705          D-49090 Osnabrück   D-49084
             Osnabrück
                                                            Unternehmenserfolg durch Umweltschutz



                                     „Das notwendige Zusammenspiel von Ökonomie und Ökologie ist von
                                     herausragender Bedeutung für unser tägliches Wirtschaften.“

                                     Klaus Hellmann:    Geschäftsführender Gesellschafter der
                                                        Spedition Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG



Unternehmenserfolg durch Umweltschutz
Das Phänomen ist bekannt: der Umweltschutz im Unternehmen funktioniert zumeist nach dem Prinzip
„Zuckerbrot und Peitsche“. Es bedarf offenbar des Leidensdrucks oder des Anreizprinzips, damit
Umweltbewußtsein zu verändertem Handeln im Betrieb führt. Erst die Anforderungen der Gesetze,
des Marktes und der Gesellschaft veranlassen also in der Regel zu einem Reagieren. Dabei stößt die
Devise vieler Manager „Augen zu und durch“ an Grenzen. Sich diesem Problemdruck zu entziehen,
ist beriebswirtschaftlich kurzsichtig und langfristig gesellschaftlich unverantwortbar. Für ökonomisch
fundierte Entscheidungen über Maßnahmen zum Umweltschutz bedarf es sowohl der Erfassung ihrer
Kosten als auch ihres Nutzens. Erfahrungen belegen, daß sich die meisten Ausgaben im
Umweltschutz amortisieren und nach einiger Zeit sogar Gewinn bringen. Mit Sicherheit würde man
jedem Unternehmer unwirtschaftliches Handeln vorwerfen, der diese Möglichkeiten nicht ausreichend
nutzt.
Da verblüfft das häufig wiederholte Argument um so mehr, daß sich die Unternehmen durch die
Erfüllung der Umweltauflagen angeblich in den Selbstruin treiben. Ein Unternehmen, das sich den
vermeintlichen Luxus erlaubt, darüber hinauszugehen, riskiere seine Wettbewerbsfähigkeit. Im
allgemeinen leisten sich denn auch die Unternehmen für den Umweltschutz nur denjenigen
finanziellen Aufwand, der zur Einhaltung der Gesetze und Auflagen unbedingt erforderlich ist. Dem
stehen jedoch Wettbewerbsvorteile durch Kostensenkung gegenüber. Viele Maßnahmen, z.B. solche
der Wasser-, Energie- und Rohstoffeinsparung, dienen sowohl dem Umweltschutz als auch der
Kostenverringerung und damit der Erzielung von Wettbewerbsvorteilen. Daß wirksamer
Umweltschutz stets mit hohen Kosten verbunden ist, muß als ein Vorurteil gelten. Viele Beispiele
belegen, daß sich mit wenig Geld und viel Wissen betrieblicher Umweltschutz effektiver betreiben
läßt als mit viel Geld und wenig Wissen.


Umweltschutz läßt sich allein aus ökonomischen Gründen rechtfertigen
Eine systematische Einführung einer umweltorientierten Unternehmensführung zeigt, daß das
Nachdenken über Materialflüsse im Betrieb Rationalisierungsreserven zu Tage fördert, die ohne die
Bemühung um eine umweltorientierte Lösung verborgen geblieben wären. Zusätzlich fördert eine
umweltorientierte Unternehmensführung bei maßgeblichen Mitarbeitern des Unternehmens das
„vernetzte Denken“. Dadurch ergeben sich Innovations- und Rationalisierungserfolge im Bereich auch
der klassisch-fachlichen Aufgaben des Unternehmens. Auch ist zu berücksichtigen, daß zahlreiche
Maßnahmen in ihrer Kostenauswirkung zwar nicht klar zu quantifizieren sind, aber indirekt ebenfalls
zu einer Kostenvermeidung oder -senkung führen. Zum Beispiel kann das Angebot eines vollwertigen
Kantinenmenüs einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit der Mitarbeiter leisten und mittelbar die
betrieblichen Fehlzeiten und die daraus resultierenden Lohnfortzahlungskosten senken.
Gefährdet werden die Chancen eines aktiven betrieblichen Umweltschutzes allerdings, wenn sie unter
der alleinigen Rentabilitätsformel „Gewinn durch Umweltschutz“ umgesetzt werden. Denn die
Unternehmen neigen dann unter erschwerten ökonomischen Rahmenbedingungen dazu, ihn wieder
zurückzuschrauben. Dies ist zumindest langfristig mit zahlreichen betriebswirtschaftlichen Nachteilen
verbunden und leugnet die gesellschaftliche Verantwortung.
Warum also der Umweltverantwortung nicht aktiv begegnen, wenn Staat und Kunden dies ohnehin
erwarten? Es gilt, sich die eigenen Technologie- und Personalpotentiale zunutze zu machen und das
Umweltrisiko vorsorgend zu managen. Denn mit einem im Umweltschutz aktiven Unternehmen wird
vorsorgendes Risikomanagement betrieben: Vermeidung von Kosten für umweltschutzbedingten

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Unternehmenserfolg durch Umweltschutz



Produktionsausfall, für Schadensbeseitigung, für Imagekampagnen nach Unfällen (Hoechst AG) und
Störfällen, die ohnehin unglaubwürdig wirken. Vermieden werden ebenso Kosten aus
Haftungsverpflichtungen und Nachrüstkosten bei Unterlassung rechtzeitiger Umstellungen. Als
besonders erfolgreiches Konzept zur Realisierung von Einsparpotentialen durch Maßnahmen des
betrieblichen Umweltschutzes hat sich der produktionsintegrierte Umweltschutz einen Namen
gemacht. Integrierter Umweltschutz bedeutet, Produktgestaltung und die Produktionsprozesse in den
Unternehmen schon frühzeitig auf ökologische Schwachstellen zu untersuchen, anstatt nachträglich
kostspielige Korrekturen durchführen zu lassen. An Stelle der hochgezüchteten (und meist teuren)
end-of-pipe-Technologien, die die negativen Folgen der Produktionsprozesse einzudämmen
versuchen, gehen integrierte Ökologiekonzepte den Ursachen auf den Grund und beseitigen sie.
            Beispielhaft für einen sinnvollen produktionsintegrierten Umweltschutz ist die Klär-Fix-
            Anlage, die bei der Sievert AG seit 1987/88 erfolgreich eingesetzt wird. In dieser Anlage
            werden die Rückstände der Frischbetonherstellung aus den LKW ausgewaschen. Durch
            das Kammersystem werden Wasser und Feinstteile entzogen und die Feststoffe wie Sand
            und Kies aussedimentiert. Dieser weitgehend geschlossene Kreislauf vermeidet
            Umweltbelastung durch Abfälle. Denn entsprechend aufbereitet gehen die Bestandteile
            wieder in den Produktionsprozeß zurück. Das verunreinigte Wasser wird wiederum zum
            Anmischen verwendet.


Was grün ist, wächst!
Zu ihrer Umweltverantwortung bekennen sich inzwischen viele Unternehmer - die Umweltidee wird
zunehmend zu einem Faktor im Wettbewerb. Die aktiven Unternehmen, die Umweltschutz nicht als
Bedrohung, sondern als Chance verstehen, erschließen damit sogar neue Marktpotentiale. Aber auch
wenn ökologische Produkte nicht zum Bestandteil der Angebotspalette gehören, sondern betrieblicher
Umweltschutz eine Verfahrensentscheidung ist, schafft die Ökologisierung des Unternehmens neue
Marktchancen. Durch das gestiegene Umweltbewußtsein der Endabnehmer und die gezielte
Verfolgung des Verursacherprinzips erzwingen die Abnehmer in zunehmenden Maße einen
Umweltverträglichkeitsnachweis für Produktionsverfahren und Endprodukte. Der Trend zu steigenden
ökologischen Anforderungen ist unaufhaltsam. Die Devise lautet also: nicht hinterherlaufen, sondern
sich die Vorteile dadurch sichern, daß man schneller ist als die Konkurrenz. Denn ökologische
Vorteile geben immer öfter den Ausschlag bei der Auftragsvergabe.
Auch die Kunden legen zunehmend Wert auf ökologisch verträgliche Produkte. Daß deshalb
umweltverträglich hergestellte Produkte bessere Marktchancen haben, zeigt das folgende Beispiel:
            Das Unternehmen A.H. Meyer Maschinenfabrik GmbH beschäftigte sich schon lange, bevor es
            sich zu einem gesamtgesellschaftlichen Ziel entwickelt hat, mit dem Schutz der Umwelt und der
            Schonung der Ressourcen. Zu ihrem Lieferprogramm gehören u.a. Maschinen zur Herstellung von
            Strohkernmatrazen, Verpackungen aus Holzwolle, Naturfaserrohlinge für Polstermöbel und
            Erosionsschutzmatten. Verarbeitet werden Fasern von nachwachsenden Rohstoffen wie Kokos,
            Stroh, Jute, Baumwolle, Sisal, Flachs und Hanf. Die Produkte sind also recyclefähig bzw. voll
            verrottbar. Dadurch können Entsorgungskosten verringert werden.
            In den letzten Jahrzehnten ist eine breit gefächerte Firmengruppe aus der ursprünglichen
            Maschinenfabrik erwachsen. In der Produktionsfirma werden die umweltfreundlichen Produkte
            hergestellt, eine Handelsfirma liefert die benötigten Fasern, ein Joint Venture sichert die Nähe
            zum häufig verwendeten Rohstoff Kokosfaser und eine Begrünungs GmbH schafft vorkultivierte
            Produkte, wie Fertigrasen und Dachbegrünungssysteme (Abbildung 1). Gerade Dachbegrünungen
            haben sich sowohl aufgrund der strengen gesetzlichen Auflagen als auch aufgrund der
            verbesserten Akzeptanz in der Bevölkerung als Verkaufsschlager entwickelt. Hier kommen
            ökologische und ökonomische Vorteile zum Tragen. Denn die Dachbegrünung ist mittlerweile als
            Ausgleichsmaßnahme anerkannt und wird bei vielen Neubauprojekten sogar vorgeschrieben. Auf
            diesem Wege können dem Kunden umweltfreundliche Komplettlösungen - von der Maschine bis
            zum Endprodukt - angeboten werden.




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                                                           Unternehmenserfolg durch Umweltschutz




Abbildung 1: Extensive Dachbegrünung




Umweltschutz ist Existenz- und Zukunftssicherung
Unter erschwerten ökonomischen Bedingungen kann der betriebliche Umweltschutz eine Chance für
kleine und mittelständische Unternehmen sein. Denn die ökonomische Krise erfordert neue
Verfahren, neue Produkte und neue Märkte. Dabei stellt die ökologische Qualität ein wichtiges
Kriterium des Zukunftserfolges dar.
Außerdem ist jedes Unternehmen ohnehin verpflichtet, seine betrieblichen Sorgfaltspflichten zu
erfüllen. Gesetzgebung und Rechtsprechung zwingen Unternehmer und Betriebsleiter immer mehr,
darüber nachzudenken, ob sie mit den vorhandenen Organisationsformen Haftungsrisiken
ausschließen können. Die Notwendigkeit auch in Ihrem Unternehmen Risikovorsorge zu betreiben, ist
unabwendbar geworden, wenn Sie nicht die Kosten aus Haftungsverpflichtungen und Nachrüstkosten
bei Unterlassung rechtzeitiger Umstellungen tragen wollen. Daher ist dies eine für die zukünftige
Existenz Ihres Unternehmens immer wichtiger werdende unternehmerische Aufgabe.
Umweltschutz kann auch bei verstärktem Wettbewerbsdruck sinnvoll sein:
            Als Zulieferer der Automobilindustrie ist das Unternehmen Julius Heywinkel GmbH seit
            langem einem harten Wettbewerb ausgesetzt. Und obwohl, wie der Geschäftsführer Herr
            Pontius sagt, in diesem Bereich nur der Preis entscheidet, treibt das Unternehmen einen
            aktiven Umweltschutz. Da intern kein ausreichend geschultes Personal vorhanden war,
            hat man sich für einen externen Berater entschieden. Erste Erfolge wurden schnell
            erzielt. Im Bereich der Abfallbeseitigung konnten bereits durch ein geändertes Konzept
            20% der Kosten eingespart werden. Außerdem ist die Einhaltung der gesetzlichen
            Auflagen sichergestellt. Darüber hinaus wurde ein von der Deutschen Bundesstiftung
            Umwelt gefördertes Projekt initiiert, bei dem es um die Entwicklung eines
            Trägermaterials für Interieurteile aus umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoffen
            geht. Bei der Planung einer neuen Beschichtungsanlage wird nach Möglichkeiten
            gesucht, die Abwärme der Nachbrennanlage, die zur Entsorgung der Lösungsmittel
            dient, weiter zu nutzen. Ebenso steht u.a. ein Blockheizkraftwerk zur Diskussion, mit dem
            Abwärme und Strom für die Produktion gewonnen werden können. So werden zusätzliche
            CO2-Emissionen vermieden und Energieerzeugungskosten minimiert. Ein Recycling-


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Unternehmenserfolg durch Umweltschutz



           konzept für beschichtetes Gewebe ist angedacht und befindet sich in der
           Erprobungsphase.




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Vom Qualitätsmanagement zum integrierten Umweltmanagement




Vom Qualitätsmanagement zum integrierten
Umweltmanagement
Vielfach etablierte Qualitätssicherungssysteme wurden in den letzten Jahren zu einem
Qualitätsmanagementsystem erweitert. Vorrangige Ziele eines funktionierenden, lebendigen und
ganzheitlichen Qualitätsmanagements sind u.a.:
 Rentabilität
 Gesetzeskonformität
 Kundenzufriedenheit
 Umweltverträglichkeit (zu einem geringen Teil).
Heute sehen viele Unternehmen die Notwendigkeit, Umweltschutz als integrativen Teil der
Zukunftssicherung des Unternehmens in alle relevanten Unternehmensbereiche miteinzubeziehen.
Laut einer Umfrage der Umweltakademie Fresenius haben zwei Drittel aller befragten Betriebe, die
bereits nach der DIN EN ISO 9000 ff zertifiziert sind, ein großes Interesse an einem
Umweltmanagementsystem.


Kundenorientierung
Das Qualitätsmerkmal Umweltschutz wird heute und in Zukunft ein wesentliches
Anforderungsmerkmal seitens der Kunden sein, das auch zur Standortsicherung eines Unternehmens
beitragen wird. Der Kunde definiert Qualität und fordert Umweltschutz. Somit muß ein
Qualitätsmanagementsystem - welches die fortlaufende Verbesserung der Unternehmensqualität, ihrer
Produktions- und Produktqualität zum Ziel hat - gleichzeitig die kontinuierliche Verbesserung des
Unternehmens bezüglich Umweltleistung und Umweltschutz zum Ziel haben.


Parallelität von Qualitäts- und Umweltmanagement
Die betrieblichen Grundlagen für ein leistungsfähiges Umweltschutzsystem und ein effizientes
Qualitätsmanagementsystem entsprechen sich in den meisten Punkten. Qualitätsmanagement,
Sicherheitsmanagement und integrierter Umweltschutz haben das gemeinsame Ziel, Mängel und
Risiken überhaupt nicht erst entstehen zu lassen und Vorsorgestrategien ökologisch und ökonomisch
sinnvoll umzusetzen.
Die Aufbau- und Ablauforganisation für das Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9000 ff kann
ohne weiteres für den Aufbau eines Umweltmanagementsystems genutzt werden. Die Einführung ist
leichter, wenn die Mitarbeiter schon mit der Vorgehensweise vertraut sind und bereits
Dokumentationen existieren.
Beispielhaft sei hier die Erstellung eines Umweltmanagement-Handbuches in Anlehnung an ein
Qualitätsmanagement-Handbuch genannt, wie es auch das Unternehmen Gebr. Hellmann GmbH &
Co. KG (siehe S. 8) durchgeführt hat. Die anerkannte Gliederung des Qualitätsmanagement-
Handbuches anhand von 20 Elementen läßt sich als Grundlage verwenden, muß aber durch weitere
Schwerpunktsetzungen an die Belange und Anforderungen des jeweiligen betrieblichen
Umweltmanagements angepaßt werden.


Vorteile der Integration von Qualitätssicherung und Umweltschutz:
 Gewährleistung eines       hohen     kundenorientierten   Qualitätsstandards   als   zentralem
  Wettbewerbsfaktor



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                                    Vom Qualitätsmanagement zum integrierten Umweltmanagement



 Minimierung von Haftungsrisiken und Versicherungsprämien (z.B. Umwelthaftungsgesetz,
  Produkthaftungsgesetz)
 Verbesserung der sozialen Akzeptanz des Unternehmens
 Reduzierung von Umweltabgaben (z.B.: DSD-Gebühren, Abwasser- und Abfallabgaben)
 Vermeidung von Konflikten mit Behörden
 Effizienzsteigerung durch die Vernetzung verschiedener Managementsysteme.


Daß beide Systeme vernetzbar sind, soll das folgende Beispiel verdeutlichen:
Bei einer rein produktbezogenen Sichtweise lassen sich innerhalb des Qualitätsmanagements acht
Parameter festlegen, die die Produktqualität charakterisieren. Entsprechend diesen Parametern können
ebenso acht ökologieorientierte Charakteristika aufgestellt werden (J. Kasprowski, S. Bornemann,
Brücken zwischen Qualitäts- und Umweltmanagement, Chemie Umwelt Technik 94, S. 48).


Qualitätsorientierte Produktparameter:               Ökologieorientierte Produktparameter:


Gebrauchsnutzen                                      Ressourceneinsparung
Ausstattung                                          Schadstoffreduktion
Zuverlässigkeit                                      Langlebigkeit
Normengerechtheit                                    Demontierbarkeit
Haltbarkeit                                          Reparaturfreundlichkeit
Kundendienst                                         Standardsystem
Ästhetik                                             Recyclingfähigkeit
Qualitätsimage                                       Materialkennzeichnung


Besonders für kleine und mittlere Unternehmen macht die Verknüpfung von Qualitäts-(DIN EN ISO
9000 ff) und Umweltmanagement (EMAS / DIN EN ISO 14000 ff) Sinn, denn so läßt sich die Arbeit
vereinfachen und reduzieren und somit lassen sich Kosten sparen. Beispielhaft für eine solche
Vernetzung ist das Unternehmen Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG.




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Vom Qualitätsmanagement zum integrierten Umweltmanagement




               Vom Qualitätsmanagement zum Umweltmanagement
                           - aufgezeigt am Beispiel des
                internationalen Logistikunternehmens Hellmann -
Parallel zur Einführung und Zertifizierung des Qualitätsmanagementsystems nach DIN EN ISO 9002
erarbeitete die Arbeitsgruppe Umweltschutz ein System zur Verbesserung des betrieblichen
Umweltschutzes, für das das Unternehmen bereits im Jahre 1992 mit dem Umweltsiegel der DEKRA
Umwelt GmbH ausgezeichnet wurde.
Schwerpunkte dabei waren die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften, die Entwicklung
umweltfreundlicher Transport-, Förder- und Umschlagsysteme, der kontrollierte Umgang mit
Energie, ein umweltfreundlicher Einkauf, eine getrennte Entsorgung sowie eine umweltgerechte
Gestaltung der Außenanlagen. Zur Sensibilisierung, bzw. Stärkung des Umweltbewußtseins der
MitarbeiterInnen wurden diese in das Konzept mit eingebunden.
Nachdem so die erste Fassung des „Handbuches für den betrieblichen Umweltschutz“ entwickelt
worden war, wurden die Inhalte des Handbuches analog zum Aufbau des Qualitätsmanagements
strukturiert, um so die Möglichkeiten zu nutzen, den Anforderungen der EG-Öko-Audit Verordnung
zu entsprechen oder auch die Grundlagen für eine Zertifizierung nach der DIN EN ISO 14001 zu
erarbeiten.
Zunächst wurden so die Voraussetzungen für eine Validierung nach der EG Öko-Audit Verordnung
geschaffen und umgesetzt, obwohl es aufgrund gesetzlicher Bestimmungen (Umweltaudit-Gesetz vom
15.12.1995) noch nicht möglich ist, daß sich Unternehmen des Transport- und Verkehrsgewerbe
„freiwillig an einem Gemeinschaftssystem für das Umweltmanagement und die
Umweltbetriebsprüfung“ beteiligen.
Ziel der Geschäftsführung war daher die Zertifizierung nach der DIN EN ISO 14001 anzustreben, da
dieses Zertifikat international anerkannt ist.
Ergänzend zum Qualitätsmanagementsystem gemäß DIN EN ISO 9002 wurde ein
Umweltmanagementsystem aufgebaut, wobei zusätzliche umweltrelevante Elemente der DIN EN ISO
14001 berücksichtigt wurden. Die folgende Abbildung zeigt die inhaltliche Übereinstimmung der
verschiedenen Managementsysteme.

Abbildung 2.1: Managementsysteme



                                                (1)
                      (4)                                                  (2)
                                         Gemeinsame Elemente
               Umweltschutz                                          Arbeits-
                                        Werkzeuge eines              sicherheit,
                                        Managementsystems            Gesundheitsschutz
               Information              mit dem Ziel des konti-
               interessierter           nuierlichen Verbesserungs-
               Kreise                   prozesses




                                                 (3)

                                              Qualität


                                         Kundenzufriedenheit




(1) Managementsysteme mit dem dynamisch-zyklischen Prozeß
(2) Arbeitsicherheitsmanagement nach ISO 17000 ff mit spezifischer Zielsetzung
(3) Qualitätsmanagement nach ISO 9000 ff mit spezifischer Zielsetzung

10
                                  Vom Qualitätsmanagement zum integrierten Umweltmanagement



(4) Umweltmanagement ISO 14001 mit spezifischer Zielsetzung
Leitgedanke für alle hier genannten Managementsysteme, vor allem aber für die DIN EN ISO 14001,
ist dabei - ausgehend von den Grundelementen nach DIN EN ISO 9000 ff - einen gleichmäßigen,
qualitativ hochwertigen Beitrag zum betrieblichen Umweltschutz zu erbringen.
Das bereits bestehende Qualitätsmanagement-System erleichterte dabei die Einführung des
Umweltmanagement-Systems, da 12 Elemente in der Normstruktur, allerdings mit qualitätsbezogener
Betrachtungsweise und Zielsetzung, bereits in der DIN EN ISO 9000 ff enthalten sind.
Seit dem 10.07.1996 ist die Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG als erstes Unternehmen der
Logistikbranche in Deutschland bzw. in Europa nach der DIN EN ISO 14001 zertifiziert.
Mit der Errichtung des am Qualitätsmanagement nach DIN EN ISO 9002 orientierten
Umweltmanagementsystems nach DIN EN ISO 14001, das nach der Einführung in Osnabrück auch in
allen anderen Hellmann Niederlassungen etabliert werden soll, kann das Unternehmen seinen
Kunden ein weiteres, umfassendes und zukunftsorientiertes Qualitätspaket anbieten, mit dem es
entsprechend ihrem Firmenslogan „Verantwortung für die Zukunft“ übernimmt.

Beispielhaft seien hier einige der durchgeführten umweltrelevanten Maßnahmen genannt:
Förderung der Umweltkommunikation
        - Motivation der Mitarbeiter
        - Schulungsmaßnahmen
        - Einbeziehung der Kinder von Betriebsangehörigen
        - Einrichtung eines Umweltvorschlagswesens mit Prämiensystem
Vermeidung und Verringerung von Abfällen
        - Umstellung der Getränkeautomaten von Dosen auf Pfandflaschen
        - und Einwegbechern auf Keramiktassen
        - Einsatz von nachfüllbaren Büromaterialien
Entsorgung
        - Getrennte Abfallsammlung in den Bereichen Verwaltung, Lager und Werkstatt
Sicherstellung einer optimierten Technik
        - Einsatz von materialsparenden Wickelmaschinen, z.B. Stretchfolienwickler
Erstellung neuer Logistikkonzepte
        - Einführung des Playbox-Systems (Abbildung 2.2)  weniger Leerfahrten, Kosteneinsparung
        - Einführung der Jumbo-Wechselbrücke  20% Raumgewinn
Notfallvorsorge / Maßnahmenplanung
        - Vorbeugende Maßnahmen, z.B. zur Verhinderung von Umweltschäden durch
          wassergefährdende Stoffe


Abbildung 2.2: Das Hellmann-Playbox-System




                                                                                             11
Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß



                                    Auch ein Weg von tausend Meilen beginnt mit einem Schritt.
                                    (japanische Weisheit)




Umweltkaizen - Umweltschutz als Prozeß
Kaizen - eine Überlebensstrategie
Durch Kaizen zum Erfolg! Japans Schlüsselindustrien haben weltweit höchste Effizienz! Bis zum Jahr
2010 will Japans Umweltbranche führend sein!
Das sind nur einige Schlagzeilen, mit denen japanische Unternehmen auf sich aufmerksam machen!
Insbesondere das Kaizen-Konzept wird in jüngster Zeit immer wieder als Erfolgsfaktor genannt. Und
das, obwohl Großunternehmen wie Toyota bereits kurz nach dem 2. Weltkrieg anfingen,
‘kontinuierliche, kleinschrittige Verbesserungen’ im Produktionsprozeß durchzusetzen. So nimmt es
kaum Wunder, daß gerade die japanische Automobilbranche in bezug auf Produktivität nach wie vor
Weltmeister ist. Zu spät haben amerikanische oder europäische Automobilkonzerne damit begonnen,
Kaizen einzuführen, um Marktanteile von den japanischen Konkurrenten zurückzugewinnen. Aber
nicht nur in der Automobilbranche - auch im betrieblichen Umweltschutz setzen japanische
Unternehmen von vornherein auf Kaizen mit dem Ziel, vornehmlich dem Umweltmarktführer
Deutschland Marktanteile abzujagen, um ‘ichiban’, die Nummer Eins, auch in diesem
Weltmarktsegment zu werden. Deshalb sind deutsche Unternehmen aufgefordert, sich mit japanischen
Erfolgsstrategien wie Kaizen auseinanderzusetzen, damit die Chance besteht, sich im weltweiten
Konkurrenzkampf zu behaupten.


Was ist Kaizen?
‘Kaizen’ - auch ‘kontinuierliche Verbesserungsprozesse’ (KVP) genannt - setzt sich zusammen aus
‘ändern’ (kai) und ‘gut’ (zen) und ist zunächst im Kern lediglich als eine Ansammlung hinlänglich
bekannter Managementinstrumente zu betrachten. Dazu gehören unter anderem: Quality circles, Null-
Fehler Prinzip, Null-Puffer-Prozeß, Just-in-time-Lieferungen, Integration von Forschung und
Entwicklung der Abteilungen, der Zulieferer sowie der Kunden. Darüber hinaus handelt es sich dabei
nicht um eine einmalige oder nur zeitweilige Managementstrategie, sondern um eine kontinuierliche,
kleinschrittige Rationalisierungsmethode, die die Einbindung aller Mitarbeiter im Unternehmen
erfordert. Neu ist hingegen die Betonung von Kooperation und Teamwork auf der einen Seite sowie
Kundenorientierung auf der anderen Seite. Und gerade in bezug auf Kundenorientierung ist
Deutschland noch immer Entwicklungsland.


Abbildung 3.1: KAIZEN - ein ganzheitlicher Ansatz

Kaizen/ KVP/ KEP         Konsensorientierte Unternehmenskultur             JIT; Kanban
                                                                           Null-Puffer-Prozeß



0-Fehler-Prinzip                      TEAMARBEIT                           KUNDEN-
TQC                                   KOOPERATION                          ORIENTIERUNG




effiziente Forschungs-                                                     Zulieferintegriert
und Entwicklungs-Prozesse



12
                                           Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß



Dieses Kapitel konzentriert sich auf die Möglichkeiten, aus einer Kombination von
innerbetrieblichem Umweltschutz und Kaizen Nutzen zu ziehen, wie es japanische Unternehmen
bereits praktizieren, um kontinuierlich Kosteneinsparungen und Prozeßverbesserungen zu erreichen.


Betriebliche und außerbetriebliche Schwerpunkte von Kaizen

Kaizen als sozialer Prozeß im Betrieb - der Teamgedanke
Die Wurzeln von Kaizen liegen in der Praxis der Total-Quality-Circle-(TQC) Aktivitäten, d.h. im
Team zu arbeiten. Dabei geht es im Rahmen von Kaizen nicht nur um statistische Qualitätskontrolle
zur Erhöhung von Produktqualität, sondern um die Ausweitung von Qualitätszirkeln im gesamten
Unternehmen, angefangen vom Top-Management bis zur untersten Ebene: Japanische Unternehmen
betrachten es hierbei als vorrangiges Ziel, die Qualifikation der Mitarbeiter zu verbessern. Denn nur
wenn der Mitarbeiter qualifiziert ist, kann überhaupt daran gedacht werden, hochwertige Produkte
herzustellen und Kunden zufriedenzustellen.
Natürlich sind japanische Mitarbeiter nicht nur von sich aus motiviert, an TQC-Aktivitäten
teilzunehmen. Daher gehört es zur Organisation der Personalentwicklung, neben materiellen Anreizen
etwa auch Möglichkeiten zum betrieblichen Aufstieg anzubieten. Das wiederum ist eingebettet in eine
durchweg langfristige Personalentwicklungsstrategie, die dazu führt, daß Kaizen schlechthin nicht nur
kurz- oder mittelfristige, wie es häufig in deutschen Unternehmen vorzufinden ist, sondern als
langfristige Unternehmensstrategie angelegt ist.
Gleichermaßen gilt für die japanische Umweltbranche im besonderen, was Grundsatz für japanische
Unternehmen im allgemeinen ist: Vom Top-Management unterstützt - in Japan ist Kaizen Chefsache!
- wird neben Null-Fehler Produkten vor allem auf die Umsetzung von Umweltzielen durch die TQC-
Aktivitäten Wert gelegt. Dazu gehört insbesondere das Ziel der ‘zero emission’, d.h. das Ziel der
‘Null-Umweltverschmutzung’, aber mittlerweile auch der Abbau von ‘Just-in-time’-Lieferungen
(JIT), die aufgrund der steigenden Verkehrsdichte auf japanischen Straßen zu erhöhtem
Schadstoffausstoß geführt haben. Auch hier baut die japanische Umweltbranche darauf, durch
langfristige Kaizen-Praxis der internationalen Konkurrenz Marktanteile auf dem Umweltmarkt
abzujagen.
Deutsche Mitarbeiter stehen japanischen Mitarbeitern in bezug auf technische Qualifikationen
sicherlich in nichts nach. Im Gegenteil, nach wie vor scheint der einzelne deutsche Mitarbeiter,
bedingt unter anderem durch ein gegenüber Japan in einigen Punkten überlegenes
Berufsbildungssystem, mit seinen japanischen Konkurrenten gut mithalten zu können. Nachteile
entstehen deutschen Firmen jedoch häufig im Vergleich zu japanischen Unternehmen durch
mangelnde Teamfähigkeit: Es spricht für sich, wenn immer wieder gefordert wird, die
Schlüsselfähigkeit der ‘Team- und Kooperationsfähigkeit’, individuell denkender deutscher
Mitarbeiter zu schulen. Dabei sollte es für deutsche Firmen ebenfalls um die Einbeziehung aller
Mitarbeiter, angefangen vom Vorstand bis hin zum Pförtner gehen. Gerade beim Top-Management ist
ein Umdenken erforderlich; nicht nur Gewinnmaximierung, sondern Maximierung von Qualität der
Leistungen und Kundenzufriedenheit sollten an erster Stelle stehen. So sehen es die Japaner - und ihr
Erfolg gibt ihnen Recht!

Wie lassen sich langfristige TQC-Aktivitäten in deutschen Unternehmen umsetzen?
Auch hier: TQC sollte vor allem Chefsache sein und als ständige unternehmerische Aufgabe
angesehen werden! Die TQC-Sitzungen sollten von einem Umwelt-Koordinator für alle Abteilungen
organisiert werden. Zirkel sollten von Kollegen (nicht unbedingt Vorgesetzten) moderiert und geleitet
werden, nur wenige Personen umfassen (in Japan vier bis sechs), ein bis zwei Stunden pro Woche
dauern und zumindest zeitweise während der Arbeitszeit stattfinden. Teilnehmer sollten nach
japanischer Auffassung alle Mitarbeiter sein. Es wäre aber zumindest einen Versuch wert, zunächst
nur mit freiwilligen Teilnehmern zu beginnen. Wichtig kann auch sein, daß Themen auf der


                                                                                                  13
Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß



Tagesordnung stehen, die von den Teilnehmern vorgeschlagen und ausgewählt wurden (Abbildung
3.2).

Kaizen als Schnittstelle zum Markt - Kundenorientierung
Mangelnde Kundenorientierung aus dem Umweltbereich hat wiederholt zu Imageproblemen und
mitunter immensen, aber vermeidbaren Kosten geführt, wie 1996 das Beispiel von Shell / Brent Spar
gezeigt hat. Gerade die sich häufende Kritik an der Kundenorientierung in Deutschland zeigt recht
eindrucksvoll, wie wenig deutsche Firmen das Kaizen-Konzept bzw. KVP korrekt anwenden. Und
das, obwohl der vielgelesene Kaizen-Papst, Masaaki Imai, ganz klar zum Ausdruck bringt, wie Kaizen
neben Produktqualität auch kundengerechte Lieferzeiten (Just-in-time) und Kundenservice beinhaltet!
Kaizen heißt eben auch, durch stetige Kommunikation erneute Kundenwünsche zu berücksichtigen,
d.h. sowohl im Konstruktionsprozeß durch Einbindung aller Zulieferer als auch im Produktionsprozeß
unter Umweltschutzgesichtspunkten anzupassen. Darüber hinaus liefert es auch eine Erklärung dafür,
warum japanische Unternehmen ständig Produktverbesserungen auf den Markt bringen und dazu
beitragen, der internationalen Konkurrenz immer kürzer werdende Innovationszyklen aufzuzwingen.
Dennoch sind trotz der offensichtlichen japanischen Markterfolge deutsche Ingenieure oft noch der
Meinung, daß japanische Unternehmen angeblich keine großen Innovationssprünge bewirken
könnten!
Eng verbunden im japanischen Kaizen-Konzept sind sowohl die Qualitätszirkel als auch die
Kundenorientierung; alle Aktivitäten der TQC sollten kundenorientiert sein. So hat beispielsweise
Komatsu, ein direkter Wettbewerber von Caterpillar, sein oberstes TQC-Ziel folgendermaßen
festgelegt: „Die Befriedigung der Kunden Komatsus in aller Welt ist sicherzustellen durch
vernünftige, kostenbewußte Forschung und Entwicklung sowie durch Verkaufsanstrengungen und
Service“. Kein Wunder, daß deutsche Geschäftsleute, die in japanischen Firmen zu tun haben,
ausnahmslos von der ausgesuchten Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Japaner angetan sind.
Dahinter stehen jedoch immer eingeübte Verhaltensregeln; auf Etikette wird in japanischen
Unternehmen nach wie vor sehr viel Wert gelegt. Mittlerweile sind auch viele deutsche Unternehmen
auf diesen Zug gesprungen; Benimmkurse für untere Managementebenen sind ein Indiz dafür.

Abbildung 3.2: Organisationsmodell der TQC


                             Geschäftsführung                             Achtung:

                                                                         „Ein Grundwissen der
                                                                         Teilnehmer              über
          Bereiche/                                 Bereiche/            Zusammenhänge          ihrer
          Abteilungen                               Abteilungen          Tätigkeit      mit      dem
                                                                         betrieblichen Umweltschutz
                                                                         ist    erforderlich.    Eine
                                                                         effektive Arbeit in den
                                                                         Qualitätszirkeln        wird
                                                                         gefördert,     wenn       die
                               Koordinator                Koordinations- Problemlösungs-,
                                                              gruppe     Ideenfindungs-           und
                                                                         Kreativitätstechniken sowie
                                                                         die          anzuwendenden
     Experte
                                                                         Qualitätstechniken
                  Zirkel-          Zirkel-      Zirkel-                  beherrscht werden. Die
                  leiter           leiter       leiter                   Investition                in
                                                                         Schulungsmaßnahmen vor
                                                                         der ersten Gruppensitzung
                  Zirkel 1         Zirkel 2     Zirkel 3                 lohnt sich daher.“

14
                                           Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß



(siehe Butterbrodt, S.85).




Was bedeutet nun die Betonung der Kundenorientierung?
Vier Faktoren dürften in diesem Zusammenhang zentral sein:
1. Kundenorientierung muß ein wichtiges Managementziel sein, wobei alle Mitarbeiter einbezogen
   werden sollten.
2. Es muß größter Wert auf Kommunikation mit den Kunden gelegt werden.
3. Kundenzufriedenheit muß regelmäßig erfaßt und gemessen werden.
4. Ein ständiges Bemühen um die Verbesserung der Kundenzufriedenheit muß selbstverständlich
   sein.
Zurück zur Umweltproblematik: Kundenorientierung heißt in diesem Fall nicht nur Imagepflege,
sondern die Auseinandersetzung einer Unternehmung nicht nur mit ihren Kunden, etwa im Bereich
der betrieblichen Verpackungs- oder Abfallpolitik. Kundenorientierung heißt auch, sich mit
politischen, sozialen, rechtlichen und anderen Bereichen zu befassen und umweltfreundliche Wege zu
finden. Dabei sollte nicht vergessen werden, daß das, was heute noch umweltverträglich ist, morgen
überholt sein kann. Vom Umweltkaizen ist daher gefordert, Flexibilität zu zeigen, sich ständig an
Entwicklungen anzupassen und sie zu überprüfen.

Kaizen im deutsch-japanischen Vergleich
Ein Vergleich der Kaizen-Praxis in Japan und Deutschland kann hier nur grob erfolgen. Dennoch
lassen sich einige deutliche Tendenzen zeigen, wo sich Unterschiede zwischen japanischen und
deutschen Unternehmen auftun:
Unternehmensphilosophie und Zeitdimension:
Das japanische Unternehmen wird vor allem durch seine Unternehmensphilosophie der Kontinuität,
der stetigen Verbesserung seiner Produkte, seiner Kundenorientierung sowie seines langfristig
angelegten unternehmerischen Handelns bestimmt. In Deutschland werden hingegen häufig bei
Neuerungen alte Strukturen komplett verworfen, und die Firmen denken im Gegensatz zu ihren
japanischen Konkurrenten eher mittelfristig. In bezug auf Kaizen bedeutet dies vor allem auch, daß in
Japan selbst dann Verbesserungen vorgenommen werden, wenn die Absatzlage gut ist; in Deutschland
wird eher dann verbessert, wenn der Absatz stagniert - und dann wird aufgrund hektischer
Betriebsamkeit das ‘Kind oft mit dem Bade ausgeschüttet’!
Mitarbeiter-Ansatz:
In japanischen Unternehmen ist die kleinste Einheit die Gruppe, in deutschen das Individuum.
Entsprechend liegt die Stärke der Japaner in der Gruppendisziplin, die der Deutschen in der
Selbstdisziplin.
Projektdurchführung:
Im Gegensatz zu Deutschland wird auch bei der Projektdurchführung in Japan wesentlich mehr Zeit
für die Planung verwandt. Der Hauptgrund dafür liegt in der Beteiligung und Abstimmung aller
Betroffenen im Vorfeld von Entscheidungen und Realisierungen (Abbildung. 3.3). Dies hat den
Vorteil, daß in der Umsetzungsphase zum einen weniger Fehler auftreten, zum anderen aber deutlich
geringere Widerstände auftreten als in deutschen Firmen. Die Folge davon liegt auf der Hand: Die
Umsetzung von Projekten kann schneller, reibungsloser und -vor allem - kostengünstiger verwirklicht
werden!




                                                                                                  15
Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß



Abbildung 3.3: Modell japanisch/deutsche unternehmerische Planungsprozesse im Vergleich


                                                                                    Realisierung/Umsetzung
             Japan                      80%                         20%
                                                                                    Vorbereitung/Planung


       Deutschland        20%                      80%

                                                                             Projektzeitraum
                     0%         20%     40%        60%        80%         100%


Kaizen ist nicht im Verhältnis von 1:1 auf Deutschland übertragbar; dazu sind die Kulturen zu
unterschiedlich! Darüber hinaus gibt es aber auch Stärken deutscher Mitarbeiter, und dazu gehört
sicherlich Kreativität, die es zu nutzen gilt! Hier ist es in erster Linie Aufgabe der Koordinatoren für
Umweltkaizen, ihre Teammitglieder nicht nur von der Wichtigkeit von Umweltkaizen zu überzeugen,
sondern auch die in den Mitarbeitern kreativen Potentiale zu nutzen.
In Anbetracht der japanischen Konkurrenz bleibt zumindest eines festzuhalten: Wenn japanische
Unternehmungen der Umweltbranche beschlossen haben, Nummer eins auf den Weltmärkten zu
werden, dann wird alles daran gesetzt, dieses Ziel auch zu erreichen. In Deutschland bleibt es leider
nur allzu häufig bei großen Visionen, aber es mangelt an Umsetzung, weil Widerstände im
Unternehmen durch fehlende Abstimmung oder auch Widerstände in der politischen, sozialen,
rechtlichen oder kulturellen Unternehmensumwelt auftauchen. Kaizen mit seiner Ausrichtung auf
Kundenorientierung kann hier einsetzen, um Widerstände von vornherein einzukalkulieren und
aufzuarbeiten.

Wettbewerbsvorteile und Zukunftssicherung durch ‘Umweltkaizen’
Zum Verständnis des japanischen Kaizen sind zusammenfassend drei Grundsätze wichtig:
Kaizen ist mitarbeiterorientiert, kundenorientiert, und es ist eine umfassende Managementstrategie.
In bezug auf Umweltkaizen heißt dies im einzelnen:
1. Mitarbeiterorientiertes Umweltkaizen bedeutet, daß alle Mitarbeiter, getreu der Maxime ‘people
before products’ auf Umwelt eingestimmt sein sollten, angefangen von ihrem Arbeitsplatz bis hin zur
Arbeitszufriedenheit durch Qualifikation und Entwicklungsmöglichkeiten durch Teilnahme an TQC-
Aktivitäten.
2. Kundenorientiertes Umweltkaizen beinhaltet nicht nur die Herstellung umweltfreundlicher,
hochqualitativer Produkte. Es heißt auch, daß die Produkte und Dienstleistungen auf Kundenwünsche
abzustimmen sind. Oberstes Ziel von Umweltkaizen ist deshalb nicht nur die Produktqualität, sondern
die Kundenzufriedenheit.
3. Umweltkaizen ist als umfassende Managementstrategie zur Erreichung unternehmerischer
Umweltziele zu definieren - es ist damit Chefsache! - und sollte sich auf alle Unternehmensebenen
und –funktionen erstrecken.
Viele Produkte unterscheiden sich heute technisch und preislich auf den internationalen Märkten
kaum voneinander; sie sind austauschbar. Aber durch positive Umweltaspekte kann ein
Wettbewerbsvorteil erzielt werden! Und das versuchen auch die Japaner! In der Umwelttechnik haben
deutsche Firmen z. Zt. noch die Nase vorn. Umweltkaizen kann dazu beitragen, daß dies in Zukunft
auch so bleibt!


                           Unternehmensbeispiel EBARA



16
                                           Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß




Hiroyuki Fujimura, Präsident der EBARA Corporation, betonte bei seiner Antrittsrede 1989, daß
Umweltmanagement eine stärkere Bedeutung für EBARA zu spielen habe! Schon damals stellte
Präsident Fujimura einen mittel- bis langfristigen Unternehmensplan vor, der die Stoßrichtung des
Unternehmens auf die Anwendungsgebiete Wasser, Luft und Umwelt ausweitete. Damit waren die
neuen Unternehmensziele vorgegeben. Heute gehört die EBARA Corporation zu den bedeutendsten
japanischen Unternehmen der Umweltbranche: 30 Niederlassungen und ein Umsatz von über DM 6,6
Mrd. sprechen für sich und sie machten EBARA zu den Weltmarktführern der Anlagenbauindustrie.
Angefangen hatte EBARA im Jahre 1912 als reiner Pumpenproduzent. Gegenwärtig besteht die
Angebotspalette aus Systemkomponenten, Zubehör und Serviceleistungen für die Gebiete ‘Luft’,
‘Wasser’ und ‘Umwelt’.

Umweltschutz als Unternehmensziel: Die Umsetzung bei EBARA
Die Festsetzung des neuen Unternehmensplans setzte anregende Diskussionen in den einzelnen
Abteilungen in Gang. Die Geschäftsführung erhielt dadurch eine Rückmeldung über die Situation
sowie ihre neuen Unternehmensziele. Zur weiteren Umsetzung wurde in der Folge eine
Umweltmanagementabteilung zum Management des Umweltschutzkonzeptes gegründet, mit deren
Hilfe nunmehr die Unternehmensziele und Ergebnisse der Mitarbeitergespräche in konkrete
Maßnahmen und Aktionen umgesetzt wurden. Zurückgreifen konnte das Unternehmen dabei auf in
den letzten Jahren erworbenes Umweltschutz-know-how. Mittlerweile werden umfassende
Umweltkonzepte und Aktivitäten einschließlich sogenannter in-house-audits und regelmäßiger
Schulungen der Mitarbeiter durchgeführt und für jene Mitarbeiter, die Verbesserungsvorschläge zum
Umweltschutz unterbreiten, gibt es ein Bonussystem. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die
EBARA Corp. hat gegenwärtig das erste Etappenziel im Umweltkaizen erreicht und wurde nach der
DIN EN ISO 14000 ff zertifiziert.

Die Umweltmanagementabteilung
Die Umweltmanagementabteilung ist heute mit insgesamt fünf Mitarbeitern die zentrale
Zuständigkeitsinstanz für den betrieblichen Umweltschutz der gesamten Unternehmensgruppe. Unter
ihrer einheitlichen Leitung stehen sowohl das zentrale betriebliche Umweltkomitee als auch die
Umweltkomitees der einzelnen Filialen. Ihre Mitarbeiter setzen sich zusammen aus den
Abteilungschefs, Filialchefs und Fabrikleitern. Diese Umweltkomitees gründen darüber hinaus
einzelne Fachausschüsse, die konkrete Aktivitäten vor Ort fördern. Typisch japanisch ist dabei die
Vorgehensweise: Zur Entscheidungsfindung werden zunächst Vorschläge von den betroffenen
Abteilungen eingehend diskutiert, bevor das Management eine definitive Entscheidung trifft. Auf diese
Weise findet ein Rückkopplungsprozeß statt, der die Zustimmung aller Mitarbeiter sichern hilft.

Das Zero-Emission-Projekt
Kernstück der EBARA-Umweltinitiative ist das Fujisawa-Projekt, wobei wirtschaftliche Ziele auf der
einen Seite und Verantwortung für den Umweltschutz auf der anderen Seite sinnvoll zusammengeführt
werden. Die Ausarbeitung der Zukunftsvisionen der Geschäftsleitung mit einem Gesamtbudget in
Höhe von 25 Milliarden YEN (370 Mill. DM) in ein konkretes Konzept war Aufgabe einer vor zwei
Jahren gebildeten Arbeitsgruppe aus Wissenschaftlern und Managern. Ihr Ziel war die
Verwirklichung einer Stadt, in der es keine Emissionen mehr geben sollte, die ‘Zero-Emission-Stadt’!
In diese Zero-Emission-Stadt sollen aber nicht nur die Mitarbeiter von EBARA einbezogen werden;
vielmehr ist die Idee, einen gesellschaftlichen Lernprozeß zur Koexistenz von Mensch und Natur im
alltäglichen Handeln in Gang zu setzen.
In der ersten Phase dieses Projektes wurden firmeneigene Wohnungen umgestaltet, um erste
Erfahrungen zu sammeln. Ein Ergebnis zeigte sich bereits in der Testphase: Für EBARA ist selbst mit
heutigen Mitteln der Technik eine Zero-Emission-Stadt möglich! Es machte aber auch deutlich, daß
dazu ein starkes Engagement und eine große Motivation der Beteiligten nötig sind; denn auch eine
gut durchdachte ökologische Infrastruktur bildet keine Garantie für das umweltbewußte Handeln der
Bewohner.


                                                                                                  17
Umweltkaizen - Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß




Für die zweite Phase des Projektes wurden mehr als sechs Hektar des Fabrikgeländes in Fujisawa
zur Verfügung gestellt. Die Planungen sehen den Bau von mehr als 450 Wohnanlagen sowie
Schulungszentren für die Mitarbeiter vor. Zusätzlich werden eine Reihe von Infra-
struktureinrichtungen wie Kompostierungs- und Biogasanlagen mit Blockheizkraftwerk, Müll-
verbrennungsanlage u.a.m. das Konzept ergänzen.
Gerade das Fujisawa-Projekt macht deutlich, daß Umweltschutz nicht nur eine Sache ist, die auf den
Betrieb und den Produktionsprozeß beschränkt sein sollte, sondern darüber hinaus die Bürger mit
einbeziehen muß. Aber es gibt für die EBARA Corporation auch ganz handfeste
betriebswirtschaftliche Vorteile: Durch das Fujisawa-Projekt schafft sich EBARA sein eigenes
bedeutendes Referenzprojekt mit einer beachtlichen dauerhaften öffentlichen Medienpräsenz, d.h.
Werbung zum Nulltarif! Das hat auch dazu geführt, daß EBARA heute in Japan sowohl in technischer
als auch gesellschaftlicher Hinsicht ein Beispiel für fortschrittlichen Umweltschutz darstellt.




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Mitarbeiterbeteiligung




Mitarbeiterbeteiligung
                                                                           Der Start ist Chefsache
Für das betriebliche Ziel des Umweltschutzes gilt: Umweltschutz ist zuallererst eine
Führungsentscheidung, Chefsache! So ist an erster Stelle der Manager als Schrittmacher und Initiator
für eine Neuorientierung des Unternehmens gefordert. Bei einer Betrachtung der erfolgreichen
Pionierunternehmen im Umweltmanagement zeigt sich, daß die stärksten Impulse von der
Geschäftsführung ausgingen. Entscheidende Erfolgsvoraussetzungen waren dabei persönlicher
Einsatz und glaubwürdiges Handeln. Jede Aktion wird zum Scheitern verurteilt sein, wenn sich das
Unternehmen nicht aufrichtig um eine umweltgerechte Produktion von umweltgerechten Produkten
bemüht. Die Mitarbeiter lassen sich ohne ein solches Vorbild nicht überzeugen, und
Absichtserklärungen alleine schaffen diese Vertrauensbasis nicht. Das bloße Formulieren von
Umweltleitlinien reicht nicht aus. Vielmehr trägt die Führung selbst mit ihrer Persönlichkeit und
ihrem Führungsstil wesentlich zum Engagement der Mitarbeiter im Unternehmen, ihrer Kreativität im
Arbeitsprozeß und ihrer Motivation für die Ziele der Firma bei. Umweltschutz kann sich als
Bestandteil der Unternehmenskultur nur etablieren, wenn die Betriebsangehörigen erkennen, daß
Umweltschutz Chefsache ist und vom Chef mitgetragen wird. Die Verankerung des betrieblichen
Umweltschutzes in der obersten Führungsebene eines Unternehmens betont aber nicht nur die
Bedeutung dieses Themas, zudem reduziert sie die Gefahr des Organisationsverschuldens und somit
das Haftungsrisiko.


Die erfolgversprechendste Implementierung wird unter Beteiligung derer
erarbeitet, die von ihr betroffen sind
                                                  Mitarbeiter als Mitgestalter und Profis vor Ort
Wer allerdings meint, Umweltschutz sei ausschließlich Chefsache, kann das mittlerweile gestiegene
Umweltbewußtsein der Mitarbeiter nicht entsprechend nutzen. Nur wenn es gelingt, das Engagement
und die Motivation der Mitarbeiter zu fördern, kann die Umsetzung der Umweltleitlinien und der
Umweltziele langfristig erfolgreich sein. Wenn Umweltschutz im Betrieb effizient sein soll, muß er
die Beschäftigten aktiv mit einbeziehen, d.h. Nutzung des Mitarbeiterpotentials als die eigentlichen
Experten „vor Ort“.
Werden Lösungen zur Optimierung des betrieblichen Umweltschutzes ausschließlich in
Führungsetagen und Spezialistenzirkeln erarbeitet und den betroffenen Mitarbeitern lediglich
angeordnet, ergeben sich daraus zwei Probleme:
Einerseits können die erarbeiteten Lösungen nur die zweitbeste Variante sein, weil die Kompetenzen
derer, die tagtäglich mit den Problemen konfrontiert sind, nicht genutzt werden. Vor allem im Rahmen
des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses ist die Kompetenz aller Beschäftigten deshalb dringend
gefragt.
Andererseits stößt die Umsetzung auf Hindernisse, die ihre Ursache in den bewußten und unbewußten
Widerständen der Mitarbeiter gegenüber Veränderungsprozessen haben. Meist resultieren sie aus der
Angst vor Anforderungen, Aufgaben- und Kompetenzverschiebungen, die mit dem
Veränderungsprozeß verbunden sind.
Der Weg der einseitigen Orientierung an Führungsaufgaben und Spezialistenwissen bei der
Einführung ökologischer Innovationen kann zu mangelhaften Lösungen und erheblichen
Reibungsverlusten führen. Da die Errichtung eines betrieblichen Umweltschutzes den Aufbau eines
Kommunikationssystems und die Einbindung ökologischer Aspekte in die Aufbau- und
Ablauforganisation bedeutet, ergeben sich aber gerade zahlreiche Chancen, die Mitarbeiter verstärkt
in die Umweltpolitik des Unternehmens zu integrieren. Die Notwendigkeit zur Ökologisierung des
Unternehmens sollte nicht als Krise bejammert werden. Vielmehr bietet der betriebliche

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                                                                             Mitarbeiterbeteiligung



Umweltschutz u.a. eine gute Gelegenheit neuer Erkenntnismöglichkeiten zur partizipativen
Arbeitsgestaltung, denn Umweltschutz im Unternehmen ist besonders geeignet für eine umfassende
Mitwirkung aller Mitarbeiter. Auf die hier entstandenen Strukturen läßt sich dann auch in anderen
Bereichen des Unternehmens zurückgreifen.


Wie Sie Multiplikatoren für die Integration ökologischer Aspekte gewinnen
Da die Tätigkeitsfelder des betrieblichen Umweltschutzes und seine organisatorische Einbindung
nicht von oben verordnet sein sollen, ist es sinnvoll, während der Entwicklungsphase Vertreter der
betroffenen Bereiche am Aufbau des betrieblichen Umweltschutzes zu beteiligen. Dies kann durch
das Einrichten entsprechender problemorientierter Arbeitskreise geschehen. Wird der Aufbau des
betrieblichen Umweltschutzes mit Hilfe solcher Gremien durchgeführt, ist eine Beteiligung der
Führungskräfte und verantwortlichen Mitarbeiter auf breiter Basis erforderlich. Ebenso sollten die
Vertreter des Betriebsrats institutionell in diese Arbeitskreise integriert werden.
Die Umweltarbeitskreise sollten nicht ausschließlich als Diskussionsplenum angesehen werden. Im
Gegenteil: Von ihnen können starke Impulse für die ökologisch orientierten Aktivitäten des
Unternehmens ausgehen, indem sie konkret vor Ort Maßnahmen vorbereiten, entscheiden und in den
einzelnen Abteilungen direkt umsetzen. Schließlich müssen alle notwendigen Maßnahmen von den
Abteilungen verwirklicht werden. Umweltarbeitskreise können über die Implementierungsphase
hinaus sicherstellen, daß der betriebliche Umweltschutz kontinuierlich weiterentwickelt und
verbessert wird.

                                  Umweltschutz als Selbstläufer und ständige Innovationsquelle
Die Willensbildung innerhalb der Umweltarbeitskreise soll Interesse wecken und einen Prozeß des
Lernens initiieren, um das Team zur Eigeninitiative anzuregen. Dies ist im Grundsatz eines der
wichtigsten Ziele zeitgerechter Unternehmensführung. Die zunehmende Fähigkeit der Teilnehmer regt
zu neuen anspruchsvolleren Zielsetzungen an, motiviert zu weiterer Informationssuche und
sensibilisiert für weiteren Informationsempfang. Auf dem so verbesserten sachlichen
Informationsstand können sich wiederum höhere Fähigkeiten entwickeln. Die Lernkultur kann
allerdings nur in einem geeigneten System an Eigendynamik gewinnen. Wenn nicht Führungsstil oder
Organisations-, Informations- und Entscheidungsstrukturen eine, auf Ihr Unternehmen und die
Verantwortlichen zugeschnittene Anpassung erfahren, dann bleibt Umweltschutz ewig eine
Chefsache. Wird der Prozeß des Lernens jedoch unterstützt, so mag die Bindung an das
Umweltschutzziel ab einem gewissen Punkt der Entwicklung stark genug sein, um eine Eigendynamik
zu gewinnen. Sie können sich dabei an folgendem Modell orientieren:
            Einer der Handlungsgrundsätze bzgl. der betrieblichen Umweltpolitik der Firma
            Hellmann ist die Sensibilisierung und Einbindung aller Mitarbeiter. Ziel dabei ist, die
            Mitarbeiter in Eigenverantwortung in die Maßnahmen des betrieblichen Umweltschutzes
            miteinzubeziehen und durch interne und externe Schulung weiterzubilden. Um die
            Mitarbeiter möglichst früh in den Prozeß einzubinden, wurde die Arbeitsgruppe
            Umweltschutz, bestehend aus dem Leiter des Qualitätsmanagements, dem Betriebsrat
            und einem externen Berater, eingerichtet. In dieser Arbeitsgruppe wurden
            Umweltleitlinien festgelegt, die die Grundlage zu einer ersten Umweltprüfung, die bei
            Hellmann jährlich durchgeführt wird, bildeten. Aus den Ergebnissen dieser Prüfung
            wurden                      die                   Umweltziele                     bzw.
            –programme definiert und in einen entsprechenden Zeit- und Finanzrahmen eingefügt.
            Darüber hinaus wurde ein Managementplan erarbeitet, indem die Aufgaben und
            Zuständigkeiten geregelt sind, um die Umsetzung und Überprüfung der Umweltziele zu
            gewährleisten. Gleichzeitig werden so möglichst viele Mitarbeiter in den Prozeß
            eingebunden. Die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz hat Mitsprache- und
            Anhörungsrecht bei allen umweltrelevanten Maßnahmen.
            Bei der Einführung und Weiterentwicklung des betrieblichen Umweltschutzes setzt man
            auf eine intensive und umfassende Kommunikation zwischen Geschäftsführung,

                                                                                                19
Mitarbeiterbeteiligung



            Geschäftsleitung, den Mitarbeitern und der Öffentlichkeit. Über die üblichen
            Informationsinstrumente, wie die Betriebszeitung und dem Mitarbeiterbrief, hinaus,
            wurden ein „grünes Brett“ und das „Hellmann Umweltforum“ geschaffen, das in
            regelmäßigen Abständen zu aktuellen umweltrelevanten Themen Stellung nimmt. In den
            regelmäßigen Mitarbeiterschulungen auf Abteilungs- und Lagermeisterebene werden
            u.a. verschiedene Maßnahmen und deren Umsetzung diskutiert. Dadurch wird
            gewährleistet, daß betroffene Mitarbeiter direkt bei der Problemlösung beteiligt sind und
            so die getroffenen Maßnahmen auf größere Identifikation und Engagement treffen.
            Zusätzlich besteht für interessierte Mitarbeiter die Möglichkeit, bei der Arbeitsgruppe
            Umweltschutz Informationsmaterial und Listen von Veranstaltungen zum betrieblichen
            Umweltschutz zu erhalten. Zur Sensibilisierung des Umweltbewußtseins der Mitarbeiter
            führt Hellmann Aktionen durch, die über den betrieblichen Alltag hinausgehen. So wurde
            1994 ein Malwettbewerb zum Thema „Umweltschutz bei der Spedition Hellmann“
            durchgeführt, 1995/96 gemeinsam mit vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ein
            Feuchtbiotop angelegt.


Die Generaldevise in Richtung auf eine Berücksichtigung ökologischer
Belange im Betrieb ist Mitarbeiterengagement
Nun kann es natürlich nicht darum gehen, im Unternehmen zusätzlich eine aufwendige
Umweltschutzorganisation aufzubauen. Vielmehr muß das Ziel darin bestehen, die bereits
vorhandenen Strukturen und das Wissen zu nutzen. Auf breiter Front und mit verschiedenen
Maßnahmen muß ein entsprechendes Motivationspotential entwickelt werden. Es kann nicht erwartet
werden, daß sich die Motivation zum Umweltschutz sofort einstellt. Bei vielen Betriebsangehörigen
ist ein Lernprozeß erforderlich. Dafür sollte das Organisationssystem die Voraussetzungen bieten.
Mitarbeiter müssen regelmäßig über den Umweltschutz informiert und die erforderlichen
Verhaltensweisen sollten mit Hilfe von Schulungen den Mitarbeitern vermittelt werden.
Die Gestaltung des Organisationssystems soll die Voraussetzungen und den Rahmen für
Umweltschutzmotivation bieten. Gezielte, strukturierte, regelmäßige Informationen sollen den
Mitarbeiter an die Aktualität des Themas erinnern. Schulung dient dazu, Arbeits- und
Verhaltensweisen zu ändern und neue umweltfreundlichere Praktiken zu erlernen.
Beispielhaft seien hier Möglichkeiten der Mitarbeitermotivation genannt, die sich besonders für die
Phase der Implementierung zur Bewußtseinsschärfung eignen:
             Eine ökologische Arbeitsplatzgestaltung macht die Mitarbeiter mit dem Thema
              betrieblicher Umweltschutz vertraut und verdeutlicht, für jeden am eigenen
              Arbeitsplatz erlebbar, die Anstrengungen des Unternehmens.
             Die Vergabe von kostenlosen oder ermäßigten Monatskarten für öffentliche
              Verkehrsmittel fördert ein umweltbewußtes Verkehrsverhalten und erspart
              gleichzeitig Kosten für Firmenparkplätze.
             Ein geeignetes Mittel zur Integration ökologischer Aspekte in die Fachabteilungen ist
              die Einrichtung fachspezifischer Qualitätszirkel. Sie machen dann Sinn, wenn es z.B.
              um die ökologische Optimierung beim Fahren von Anlagen geht. Hier lassen sich oft
              keine eindeutigen Handlungsanweisungen geben, weshalb die verantwortlichen
              Mitarbeiter die Vorgänge aufgrund ihrer Erfahrungen steuern müssen.
             Umwelt-Patenschaften von einzelnen Abteilungen bieten sich für bestimmte regionale
              Umweltprojekte an. Gelder, die zum Beispiel durch eine Verringerung des
              Materialeinsatzes eingespart wurden, könnten von den Mitarbeitern für derartige
              Projekte eingesetzt werden. Ein Interesse an Umweltfragen und eine Sensibilisierung
              für bestimmte Probleme wären die Folge.
Die gesetzten Umweltziele werden allerdings nur dann verwirklicht, wenn sich die nach außen
propagierte Unternehmensphilosophie auch innerbetrieblich in konkreten Maßnahmen der

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                                                                          Mitarbeiterbeteiligung



Organisations- und Personalentwicklung äußert. Eine Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit
kann dabei konfliktverschärfend wirken.




                                                                                             21
„Zusammenarbeit“ mit anderen Unternehmen




„Zusammenarbeit“ mit anderen Unternehmen
Im Rahmen des Projektes „Wissens- und Technologietransfer im Bereich des betrieblichen
Umweltschutzes: Deutschland und Japan wurden bei den beteiligten Unternehmen Workshops
veranstaltet. Da die Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen stammten, bot sich so die
Möglichkeit, einen Eindruck von den verschiedenen Rahmenbedingungen und Problemfeldern in
Bezug auf die Produktion vor Ort, zu vermitteln. Wichtigster Teil der Workshops war die
Dialogphase, im Vordergrund standen dabei der Erfahrungsaustausch in Bezug auf Installation und
Entwicklung eines betrieblichen Umweltschutzes und eine problemorientierte Diskussion hinsichtlich
einer ökologischen Unternehmensführung. Schwerpunkte waren u.a. Fragen zur Initiierung eines
betrieblichen Umweltschutzes und der Überwindung von Hemmnissen, sowie die Einhaltung oder das
Übertreffen gesetzlicher Auflagen, z.B. Kreislaufwirtschaftsgesetz.
Daß es verschiedene Möglichkeiten zur Einführung von betrieblichem Umweltschutz gibt, haben die
unterschiedlichen Vorgehensweisen der am Projekt beteiligten Unternehmen gezeigt. Anhand dieser
Erfahrungen wird deutlich, daß betrieblicher Umweltschutz unabhängig von Größe und Branche für
jedes Unternehmen möglich und dabei auch von ökonomischem Nutzen ist. Deutlich wird auch, daß es
auch hier nicht den ‘one best way’ gibt, sondern daß jedes Unternehmen nach seinen speziellen
Bedingungen ein Umweltmanagementsystem entwickeln und betreiben kann. Es hat sich gezeigt, daß
eine Zusammenarbeit in diesen Fragen mit anderen Unternehmen, gerade für klein- und
mittelständische Unternehmen, sehr sinnvoll sein kann.
Die unterschiedlichen Beispiele haben auch deutlich gemacht, daß betrieblicher Umweltschutz nicht
teuer sein muß. Betrieblicher Umweltschutz heißt nicht zwangsläufig mehr Aufwand durch teure
Berater, Öko-Audit, DIN ISO 14000 ff.

Aus den in den Workshops gemachten Erfahrungen lassen sich einige generelle Überlegungen
ableiten:
 Unterschiedliches Know-how kann die Erarbeitung von Lösungsansätzen erleichtern, die
  verschiedenen Vorgehensweisen können dazu ermutigen, eigene Wege zu gehen.
 Für klein- und mittelständische Unternehmen ist Umweltschutz häufig eine Kostenfrage. So zeigt
  eine Untersuchung von future e.V., daß ein entscheidender Grund zur Nichtteilnahme am z.B. EG
  Öko-Audit die erwartete hohe Kostenbelastung darstellt. Ein weiterer Grund liegt in einem
  Informationsdefizit.
 Es scheint deshalb für klein- und mittelständische Unternehmen sinnvoll zu sein, nicht vorhandene
  Kapazitäten und Fachwissen auf dem Gebiet des betrieblichen Umweltschutzes zumindest
  teilweise durch Kooperation zu kompensieren. Die Idee, andere Unternehmen zu treffen und
  Informationen auszutauschen, wurde 1990 von Speditionsfirmen umgesetzt. Einmal jährlich
  treffen sich die FORTRAS Unternehmen zu einer Gesprächsbörse. FORTRAS (Forschungs- und
  Entwicklungsgesellschaft im Transportwesen mbH) sieht seine Aufgabe in der Entwicklung
  notwendige Maßnahmen, die von den Unternehmen nicht allein umgesetzt werden können.
 Es ist denkbar, daß sich durch die Nutzung von Synergieeffekten sehr effizient (kosten - und
  ressourcenminimiert) Konzepte zur Gestaltung oder Verbesserung des betrieblichen
  Umweltschutzes entwickeln lassen. Denkbare Vorteile wie:
   - Kooperation von Fachleuten unterschiedlicher Fachrichtungen (nicht jedes Unternehmen
    beschäftigt Chemiker, Wirtschaftsingenieure usw.)
   - Nutzung der heterogenen Unternehmenszusammensetzung (z.B. Produktionsunternehmen mit
     hohem Energiebedarf hat traditionell optimierte Lösungen zur Reduktion des Energieverbrauchs.
     Logistikunternehmen wird input zum optimierten Materialfluß geben können.)



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Mitarbeiterbeteiligung



Die Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen kann werbewirksam und in Verhandlungen mit der
öffentlichen Verwaltung vorteilhaft sein (bei regionaler Nähe). Außerdem bietet sich die Möglichkeit
gemeinsame Konzepte (z.B. Abfallentsorgung) zu entwickeln bzw. zu praktizieren.
Im folgenden eine Zusammenstellung von Punkten, die nach unseren Erfahrungen beachtenswert sind
(hier nur beispielhaft, Liste ist im Einzelfall zu ergänzen):
- Personelle Zusammensetzung des Workshops
 Welche Mitarbeiter soll ein Unternehmen entsenden, aus welchem Fachbereich und
 Hierarchieebene? Ist die Rekrutierung weiterer Mitarbeiter möglich zur Verfolgung von
 Unterprojekten?
- Kostenstruktur des Workshops
 In welchem Umfang ist ein Budget für den Workshop nötig (Beteiligung der einzelnen
 Unternehmen), wieviel „Mannmonate/-jahre“ werden benötigt? Müssen Sachleistungen erbracht
 werden (z.B. Rechner, Räumlichkeit, Kopien usw.)? Kann ein „ROI“ (Return of Investment)
 errechnet werden (siehe Projektziel) ?
- Inhaltliche Gestaltung
 Der Workshop sollte nach den Regeln des Projektmanagements gestaltet werden. So ist neben der
 Festlegung der Rahmenbedingungen (Personal, Kosten) die zeitliche Eingrenzung und eine
 möglichst präzise Zieldefinition (z.B. Unternehmenskonzept zur Einführung des betrieblichen
 Umweltschutzes oder Verbesserung der Abfallentsorgung) angeraten. Diese beiden Größen lassen
 dann ein Projektcontrolling zu. Die Definition von Meilensteinen (Projektteilziele) und der damit
 verbundene Soll/Ist-Abgleich gestattet es den Projektteilnehmern und den Unternehmen nahezu zu
 jedem Zeitpunkt den Projektstand zu überprüfen und gegebenenfalls steuernd/korrigierend
 einzugreifen. Man legt sich damit den „roten Faden“ und hilft zu verhindern, daß ein sinnvolles
 Instrument zu einer „Laberrunde“ verkommt und das ganze Ansinnen des betrieblichen
 Umweltschutzes in Verruf gerät. Sinnvoll kann auch ein (seriöses) Veröffentlichungsorgan sein
 (keine Schülerzeitung dann lieber normale Sitzungsberichte).




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                              Neue rechtliche Herausforderungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz




Neue rechtliche Herausforderungen durch das Kreislauf-
wirtschaftsgesetz
Seit dem 07. Oktober 1996 ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrW-/AbfG) in Kraft. Sinn dieses
Gesetzes ist ein Beitrag zur Ressourcenschonung und eine Vereinfachung im Umweltrecht, zudem
beendet es die bisherige end-of-the-pipe Betrachtungsweise im Abfallrecht. Alle Branchen sind
nunmehr gehalten, eigenverantwortlich die Verwertung und Beseitigung von Abfällen auf rechtlicher
Basis zu regeln.
Unternehmen, die mehr als 2000 kg/a an besonders überwachungsbedürftigen Abfällen oder 2000 t/a
überwachungsbedürftige Abfälle je Abfallschlüssel erzeugen, sind verpflichtet, ein
Abfallwirtschaftskonzept (AWK) über die Vermeidung, Verwertung und Beseitigung der anfallenden
Abfälle zu erstellen. Ein AWK muß erstmals zum 31.12.1999 erstellt werden. Sollten Sie dazu
verpflichtet sein, Abfallbilanzen zu erstellen, so ist der Stichtag der 01.04.1998.
Weitergehende Regelungen sind entsprechend den jeweiligen Landesverordnungen zu beachten. So
muß z.B. ein Unternehmen in NRW schon bei einer Gesamtabfallmenge an besonders
überwachungsbedürftigen Abfällen von >500 kg/a ein AWK erstellen.
Ein Unternehmen ist gut beraten, wenn es sich so früh wie irgend möglich über seine
innerbetriebliche Abfallsituation klar wird. Es sollten jetzt die nötigen Maßnahmen getroffen werden,
um nicht später ins Hintertreffen zu geraten.


Was ist neu in der geltenden Abfallgesetzgebung:
 Der Produzent handelt in Eigenverantwortung
   Die Verantwortung für eine ordnungsgemäße und rechtskonforme Verwertung bzw. Beseitigung
   entstehender Abfälle liegt beim Abfallerzeuger.
         Folge:    Freiräume im Entsorgungsmarkt entstehen, eine Belebung der Konkurrenz
                   zwischen den Entsorgern tritt ein.
 Mit der Produkthaftung gilt das Verursacherprinzip
   Der Produzent hat die nicht delegierbare Verantwortung für die Herstellung, Nutzung,
   Entwicklung und Entsorgung seiner Produkte.
         Folge:    Schon bei der Entwicklung bzw. Herstellung eines Produktes muß dessen spätere
                   schadlose Verwertung oder umweltverträgliche Beseitigung eingeplant werden.
 Eine Pflichtenhierarchie ist eingeführt
   „Vermeiden“ geht vor „Verwerten“, und nur als letzter Ausweg steht das „Beseitigen“
         Folge:    Beseitigt darf ein Stoff nur dann werden, wenn dessen Verwertung technisch oder
                   ökonomisch ohne größeren Schaden für das Unternehmen nicht möglich ist.
 Der Begriff „Wertstoff“ entfällt
   Alles, was nicht Produkt ist, ist Abfall!
         Folge:    1. Die Umdeklarierung von Abfällen in verwertbare Reststoffe ist nicht mehr
                      möglich!
                   2. Substanzen/ Stoffe, die als Abfall zu betrachten sind, müssen als solche
                      behandelt werden, d.h.: müssen dokumentiert, evtl. Abfallwirtschafts-
                      konzepte, Abfallbilanzen erstellt werden.



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Neue rechtliche Herausforderungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz



 Prüfung auf möglichen Verwertungsgrad

     Ob ein Abfallstoff verwertet oder beseitigt werden muß, entscheidet der Verwertungsgrad und der
     Gegenwert des zu verwertenden Stoffes.

     1. Mehr als 50% des Abfalls kann verwertet werden:
           Folge:   In diesem Fall muß verwertet werden, wenn der Gegenwert des verwertbaren
                    Abfalls 10% des Annahmepreises übersteigt. Ist der Gegenwert geringer, so muß
                    beseitigt werden.

     2. Weniger als 50% des Abfalls kann verwertet werden:
           Folge:   Kann ein Stoff nicht mindestens zu 50% der anfallenden Menge verwertet werden,
                    so muß für dessen komplette Beseitigung gesorgt werden, sobald der Gegenwert
                    des verwertbaren Abfalls die Hälfte des Annahmepreises übersteigt.
 Die Verwertung ist stofflich und energetisch zugelassen
     Neben Recycling und stofflicher Wiederverwertung stellt jetzt nach dem KrW-/
     AbfG auch die Verbrennung eine Verwertungsart dar. Voraussetzung ist allerdings ein
     feuerungstechnischer Wirkungsgrad von größer 75%, ein Heizwert der Abfälle von größer als
     11MJ/kg und die Nutzung der Abwärme.
           Folge:   Auch die oft ökonomisch sinnvollere Verbringung von Abfällen in eine
                    Müllverbrennungsanlage (MVA) ist als Verwertung anerkannt und stellt keine
                    Abfallbeseitigung mehr dar wie bisher.
 Fachkundenachweis erforderlich
     Für Unternehmen, die gewerbsmäßig mit Abfällen umgehen, ist der Nachweis einer
     entsprechenden Fachkunde Voraussetzung für ihr weiteres unternehmerisches Handeln geworden.
     Er orientiert sich neben den gesetzlichen Regelungen auch an den Prinzipien des
     Qualitätsmanagements.
           Folge:   Unternehmen, die bisherige „Reststoffe“ zur Wiederverwertung oder Recycling
                    aufgekauft haben, sind nach dem KrW-/AbfG Entsorgungsunternehmen und haben
                    u.a. einen Fachkundenachweis vorzuweisen.


Welche Maßnahmen sollten getroffen werden?
 Umstellung der Einkaufspolitik hinsichtlich der späteren Verwertung/Beseitigung der anfallenden
  Abfälle.
 Betriebsinterne Maßnahmen zum sparsamen Umgang mit vorhandenen Gütern, Materialien und
  Stoffen.
 Schulung und Bewußtseinsbildung der Mitarbeiter.
 Erhöhung der Recyclingquoten, wenn möglich.
 Möglichkeiten zur Senkung der Anzahl verschiedener Abfallarten prüfen.
 Verwertungs - und Entsorgungswege überprüfen.

Welche Chancen ergeben sich für das eigene Unternehmen?
 Verdeutlichung der innerbetrieblichen Abfallströme und -kosten durch die nötige Analyse und
  Dokumentation. Kostensenkungspotentiale werden aufgedeckt.
 Bedingte Wahlfreiheit der Verwertungsart - stofflich oder energetisch.
 Günstigere Entsorgungskosten sind möglich; durch andere Verwertungswege, andere Entsorger.




24
                                Neue rechtliche Herausforderungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz




   Herausforderungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz am Beispiel der
                         Heinz Essmann GmbH

Die Heinz Essmann GmbH als führender Hersteller von Produkten für das industrielle Flachdach ist schon
durch die Produktfunktion mit dem Umweltschutz in Industrieunternehmen verbunden.
Sehr frühzeitig erkannte die Führung der Heinz Essmann GmbH, daß für die Zukunftsfähigkeit des Unterneh-
mens der betriebliche Umweltschutz ein wichtiger Bestandteil ist. So wurde Anfang der neunziger Jahre die
Funktion des Umweltschutzbeauftragten im Unternehmen geschaffen.
Umweltmanagementsystem
Mit der Erstellung einer Organisationsanalyse wurden schon früh die ersten Schritte für die Installation eines
Umweltmanagementsystems gemacht. Nach der Festschreibung der entsprechenden Elemente, wie
Umweltpolitik, Umweltorganisation und -verfahrensabläufe und der Feststellung des Status-quo durch eine
Umweltprüfung, konnte im Mai 1996 die Heinz Essmann GmbH erfolgreich nach der EG-Umwelt-Audit-
Verordnung validiert werden.
Die Umweltpolitik als wesentliches Element des Umweltmanagementsystems leitet sich von der Umweltpolitik
des schwedischen Gesellschafters der Heinz Essmann GmbH ab, welche auf den Kreislaufprinzipien beruht und
ihren Ursprung in der Umweltinitiative „Der natürliche Schritt“ hat. Das Ziel ist Sustainability, die
Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Abfallmanagement
Abfallmanagement ist die Querschnittsfunktion für den betrieblichen Umweltschutz; sie benötigt die
Zusammenarbeit aller Akteure im Betrieb. Um den hohen Anspruch der Abfallvermeidung, die zwar als Ziel
postuliert, aber auch im Kreislaufwirtschaftsgesetz nicht konkretisiert ist, gerecht zu werden, ist es nötig, die
verantwortlichen Stellen für Einkauf, Produktion, technische Entwicklung und Verkauf einzubinden. Die
ordnungsgemäße Verwertung und Entsorgung anfallender Abfälle erfordert insbesondere die Einbindung und
Motivation der Mitarbeiter vor Ort.
Bei der Information und Überzeugung der Akteure ist umfangreiches Wissen zum vorherrschenden
Entsorgungsmarkt und die Herausstellung der Vorteile sowohl für den Betrieb als auch für jeden einzelnen
wichtig. Um Investitionen zu tätigen, ist es notwendig, Kostenstrukturen und -prognosen aufzuzeigen. Bewährt
hat sich als erster Schritt die Aufstellung eines Abfallwirtschaftkonzeptes, wie es seit Jahren in einigen
Bundesländern von größeren Abfallerzeugern gefordert ist und durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz
übernommen wurde. Viele Unternehmen haben erkannt, daß es ein sinnvolles Instrument zur Strukturierung der
betrieblichen Abfallwirtschaft sein kann. Durch einfache tabellarische Aufstellung der anfallenden Abfälle mit
Angaben des Anfallortes, der Entsorgungs-, Transport- sowie Systemkosten (wie z.B. Behältermiete) und eine
Beschreibung des Abfalles lassen sich z.T. erhebliche Einsparpotentiale erarbeiten.
Kreislaufwirtschaftsgesetz
Das am 7. Oktober 1996 in Kraft getretene Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-/AbfG) greift den
Kreislaufgedanken auf. Wesentlicher Bestandteil des neuen Regelwerkes ist die grundsätzliche Festschreibung
einer Produktverantwortung für die Hersteller.
Daneben wird dem Abfallerzeuger eine erhöhte Eigenverantwortung für die ordnungsgemäße Entsorgung der
Abfälle auferlegt. Dabei besteht der Irrglaube vieler Abfallerzeuger, daß die Verantwortung bei der Abgabe an
den Transporteur endet. Der Abfallerzeuger ist aber bis zu einer schadlosen Entsorgung der Abfälle
verantwortlich. Es ist daher eine vordringliche Aufgabe der Abfallerzeuger, sich von einer ordnungsgemäßen
Entsorgung zu überzeugen..
Die Heinz Essmann GmbH hat erste Maßnahmen im Umweltprogramm festgelegt, um den Herausforderungen
des KrW-/AbfG gerecht zu werden. Diese beziehen sich vor allem auf die Verbesserung der innerbetrieblichen
Materialkreisläufe,    Verminderung      des    Material-Inputs   und     der    Konzeptionierung     eines
Produktrücknahmesystems.
Der Kreislaufgedanke ist durch das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz verankert worden. Ob eine Verringerung
der Umweltbelastung durch Abfälle erreicht werden kann, hängt im wesentlichen davon ab, inwieweit die
allgemeinen Pflichten, insbesondere der Produktverantwortung, des Kreislaufwirtschaftsgesetzes durch
zukünftige Rechtsverordnungen konkretisiert werden.
Initiativen einiger Branchen in diese Richtung weisen darauf hin, daß auch kleinen und mittelständischen
Unternehmen nicht viel Zeit bleibt, sich den veränderten Rahmenbedingungen durch entsprechende Konzepte
und Entwicklungen anzupassen.



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Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen




Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen
Der internationale Wettbewerb hat durch die Globalisierung vieler Märkte und Dienstleistungen in
den letzten Jahrzehnten enorm zugenommen. Viele Klein- und Mittelbetriebe, die lange Zeit vor
dieser Konkurrenz geschützt worden waren, müssen sich nunmehr diesen Herausforderungen stellen -
oft genug schlecht vorbereitet.

Zur gleichen Zeit sind Umweltfragen essentiell für das Überleben der Menschheit geworden. Die
Ökonomie hinsichtlich der Produktion und Konsumtion von Waren und Dienstleistungen spielt eine
zentrale Rolle in dieser Hinsicht. Die Antworten auf die sechs W-Fragen „Was wird wo, wann für
wen, wie, von wem produziert?“ werden dafür entscheidend sein.

Seit dem UN Report „Unsere gemeinsame Zukunft “ von 1987 und der UN Rio-Konferenz über
Umwelt und Entwicklung 1992 ist dauerhafte Entwicklung das zu erreichende Ziel.

Aber dies ist nicht nur eine Frage der Makropolitik und -ökonomie sondern auch des Individuums und
jedes einzelnen Unternehmens ebenso. Total quality management hat mehr und mehr Hand in Hand
mit Umweltmanagement zu gehen, denn die meisten Parameter sind identisch.

Da die ökologischen Herausforderungen nicht beschränkt sind auf ein Unternehmen, eine Region oder
eine Nation, ist die Zusammenarbeit auf all diesen Ebenen und zwischen ihnen eine notwendige
Bedingung geworden. Wettbewerb spielt sicherlich weiterhin eine große Rolle für die Verbesserung
der Produktionsprozesse sowie für die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen sowie
ihrer Qualität. Aber es darf kein destruktiver Wettbewerb sein. Wettbewerb muß ergänzt werden
durch Zusammenarbeit in Bezug auf Wissen, das nützlich ist für die gesamte Menschheit.

Forschung und Entwicklung, Erziehung und Ausbildung, Kommunikation und Medien sind die
hervorragendsten Bereiche für eine derartige Zusammenarbeit.

Wettbewerb wurde zur zentralen Dimension in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen
Unternehmen ebenso wie zwischen Nationen, insbesondere in der Triade Nordamerika - Japan -
Europa. Seit der Errichtung des Europäischen Binnenmarktes im Hinblick auf eine gemeinsame
Wirtschafts- und Währungsunion sind die Qualität der industriellen Beziehungen und die
Partizipation immer mehr in den Vordergrund gerückt, um die Produktivität in Europa zu steigern.
Europa ebenso wie die übrige Welt haben lange Traditionen in diesen Feldern - wenn auch kulturell
differenziert. Die doppelte Herausforderung von externem und internem Wettbewerb im Hinblick auf
dauerhafte Entwicklung, Qualität des Arbeitslebens und des Lebens als solchem kann nur durch neue
Management- und Ausbildungsmethoden bewältigt werden. Das Erbe der Menschheit ist ihre reiche
kulturelle und demokratische Vergangenheit. Unser Management und unsere Ausbildung müssen auf
diesen Werten aufbauen. Und alle Ebenen in privaten und öffentlichen Unternehmen, alle Sektoren,
alle Arten von Unternehmen sowie alle Verwaltungen müssen einbezogen werden.

Das Problem
Mit der zunehmenden ökonomischen, politischen und sozialen Integration der Welt sind wir auch mit
fundamentalen Veränderungen in den Arbeits- und industriellen Beziehungen konfrontiert. Nicht nur
die amerikanischen und japanischen Herausforderungen im Triadenwettbewerb unter dem Slogan von
„Schlankem Management“ sondern auch ökologische und demokratische Herausforderungen sind
wichtig. Die Direktive zur Einführung der Europäischen Betriebsräte ist ein Beispiel für neue Formen
der industriellen Beziehungen. Die Frage bleibt seit den Hofstede-Untersuchungen in den siebziger


26
                                                  Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen



Jahren, wie weit eine Integration unter Beachtung der kulturellen Besonderheiten und Identitäten
gehen wird. Gibt es z.B. eine europäische oder japanische kulturelle Identität zu verteidigen?
Obwohl diese Probleme wohlbekannt sind und wir zum Glück eine erhebliche Zunahme an
diesbezüglichen Kursen an allen Hochschulen und Ausbildungszentren haben, gibt es bisher noch
keinen Ansatz, der eine globale und nicht nur eine nationale Perspektive bietet. Um die Einbettung der
Handlungsmöglichkeiten für das Unternehmen zu verstehen, sind acht Ebenen sowie vier Felder der
Analyse und fünf Sektoren zu berücksichtigen:

Die acht Ebenen der Analyse
1.     Global
2.     Kontinental
3.     National
4.     Regional
5.     Unternehmen
6.     Abteilung
7.     Gruppe
8.     Individuum
Jedes Unternehmen hat zuerst zu analysieren, welche Konkurrenzbedingungen für die Gestaltung des
betrieblichen Umweltmanagement entscheidend sind. Wenn es für den Weltmarkt produziert, sind die
Bedingungen andere, als wenn es sich um eine Einpersonenfirma im Consultingbereich mit lokalem
Einzugsbereich    handelt.    Dafür     hängen     auch    entscheidend    Vernetzungs-      und
Kooperationsmöglichkeiten ab.

Die vier Felder der Analyse
1.     Die Ökonomie
2.     Das Soziale/Psychologische
3.     Politik/Recht
4.     Kultur
Betriebliches Umweltmanagement ist zuallererst von den ökonomischen Rahmenbedingungen
abhängig. Zunehmend ist aber deutlich geworden (s. dazu den Abschnitt über „Umwelt-Kaizen“ in
dieser Veröffentlichung weiter vorne), daß soziale und psychologische Momente für ein erfolgreiches
Umweltmanagement entscheidend geworden sind. Schlagworte wie „Soziale Kompetenz“ sind dafür
ein Beleg. Aber auch die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen - wie im Abschnitt über
das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz dargestellt - sind zu berücksichtigen. Sie sind auch in Europa
noch sehr unterschiedlich gestaltet und geben damit unterschiedliche Gestaltungsspielräume.
Schließlich ist gerade am Vergleich Deutschland-Japan erkenntlich, wie weit kulturelle Faktoren eine
Rolle spielen.

Die fünf Sektoren
1.     Landwirtschaft/Bergbau
2.     Industrie/Transport
3.     Private Dienstleistungen
4.     Öffentliche Dienstleistungen
5.     Erziehung und Wissenschaft
Bereits die Anwendung oder Nichtanwendung bestimmter Zertifizierungsmöglichkeiten in den
verschiedenen Sektoren der Wirtschaft verdeutlicht die Relativität des betrieblichen
Umweltmanagements. Manche Sektoren stehen unter größerem Druck der Öffentlichkeit und damit
Erfolgsdruck als andere.
Je nach Sichtweise und Struktur sind die Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der Unternehmen
unterschiedlich. Es gibt also - wie bereits öfter ausgeführt - keine Patentlösungen, auch wenn

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Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen



Zertifizierungen eine gewisse Einheitlichkeit und Standardisierung beinhalten. Um diese
Differenziertheit adäquat zu erfassen, ist eine detaillierte Situationsanalyse für jeden Einzelfall
notwendig.

Die Situation
1.     Sie ist gekennzeichnet durch: Heterogenität, Komplexität, Diversität.
2.     Es gibt unterschiedliche Interessen auf allen Ebenen und in allen Feldern und Sektoren. Diese
       sind angemessen zu berücksichtigen.
3.     Sie miteinander zu versöhnen, ist ein Problem der Optimierung. Es gibt keinen „One best
       way“.
4.     Die hauptsächlichen sozialen Akteure in dieser Beziehung sind das Management, die
       Arbeitnehmer und der Staat.
5.     Managementformen können in drei Haupttypen differenziert werden: das amerikanische, das
       japanische und das europäische Modell.
Auf der Grundlage dieser Situationsanalyse ist es nunmehr möglich ein Dutzend Thesen zu
formulieren, die die wesentlichen Elemente für die zukünftige Entwicklung beinhalten.

Zwölf Thesen
1.     Ökonomie und Produktivität sind nicht Selbstzweck. Das Ziel allen Wirtschaftens hat eine
       dauerhafte Entwicklung zu sein.
2.     Die kulturelle Verschiedenartigkeit der Welt ist ein Vorteil in den internationalen
       Beziehungen, denn neue ökonomische, soziale, politische und kulturelle Ideen und Strukturen
       sind das Ergebnis eines „Zusammenpralls der Zivilisationen“.
3.     Die globale Integration verstärkt und beschleunigt Prozesse, die sowieso durch die
       Globalisierung der Nationalwirtschaften und Kulturen passieren werden.
4.     Wenn Unternehmen sich darauf so früh wie möglich vorbereiten, werden sie besser
       vorbereitet sein.
5.     Obwohl es keine Informationsgesellschaft geben wird - denn man kann keine bytes and bits
       essen -, werden Informationstechnologien und ihre Netzwerke unser Management weiterhin
       gründlich verändern. Ausbildung in den Schulen - warum nicht sogar Kindergärten? -,
       Hochschulen und Unternehmen haben darauf vorzubereiten.
6.     Partizipation in allen Feldern und auf allen Ebenen der Entscheidungsfindung ist eine
       Voraussetzung für dauerhafte Entwicklung, mehr Produktivität und eine höhere Qualität des
       Arbeits- und Privatlebens.
7.     Keine Institution, kein Unternehmen, kein Individuum ist gleich. Alle Lösungen für Probleme
       müssen also spezifisch sein.
8.     Die Unterschiede zwischen den Ebenen und den Feldern der Analyse nehmen mit dem Prozeß
       der Globalisierung zu.
 9.    Viele multinationale Unternehmen sind heute Vorreiter bei diesen Entwicklungen.
10.    Das Management und die Arbeitnehmer sind für ein ökologisches Management so gut
       ausgebildet wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.
11.    Klein- und Mittelbetriebe sind von neuen und angemessenen Formen des ökologischen
       Managements besonders betroffen.
12.    Ökologisches Management ist ein hervorragendes Feld für die internationale
       Zusammenarbeit, denn es betrifft die dauerhafte Entwicklung und mit ihr die Zukunft der
       gesamten Menschheit.
Wenn die eben dargestellten zwölf Thesen zutreffen, dann lassen sich daraus für eine wünschenswerte
Zukunft zehn Vorschläge ableiten:




28
                                                 Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen



Zehn Vorschläge
1.     Gute Ausbildung ist eine Voraussetzung für die Realisierung und Implementation von
       ökologischem Management.
2.     Ausbildung für ökologisches Management ist ein dauernder Prozeß. Weiterbildung hat daher
       eine zentrale Rolle darin.
3.     Ausbildung für ökologisches Management hat alle Ebenen des Unternehmens und der
       Verwaltungen einzubeziehen.
4.     Ökologisches Management sollte auch zu einer gerechteren Arbeitsteilung zwischen den
       Geschlechtern beitragen.
5.     Eine globale Perspektive - aufbauend auf dem jeweiligen kulturellen und sozialen Erbe - muß
       ein grundlegender Bestandteil aller Ausbildung für ökologisches Management sein. Dies
       beinhaltet die Notwendigkeit einer besseren gegenseitigen Kenntnis unserer gemeinsamen als
       auch unterschiedlichen Vergangenheiten. Insofern ist es auch interkulturelles Management.
6.     Die Ausbildung für ökologisches Management hat eine gemeinsame Basis für die
       angestrebten Ziele der dauerhaften Entwicklung zu legen und muß dann auf die spezifischen
       Bedingungen jeder Ebene der Gesellschaft und des Unternehmens angepaßt werden.
7.     Eine engere Zusammenarbeit zwischen der Praxis und der Wissenschaft ist eine notwendige
       Voraussetzung, um dieses Ziel zu erreichen.
8.     Globale Integration - basierend auf den gemeinsamen Überzeugungen und Werten - sollte
       durch eine engere Zusammenarbeit in ökonomischer, politischer, sozialer, wissenschaftlicher
       und kultureller Hinsicht gestärkt werden. Dadurch wird es uns möglich sein, die
       verschiedenen heutigen und zukünftigen Krisen zu überwinden und damit diese Welt
       hoffentlich in einem besseren Zustand der nächsten Generationen zu hinterlassen, als wir sie
       geerbt haben.
9.     Vereinigungen innerhalb der Wirtschaft zur Förderung des ökologischen Managements sind
       sehr gute Beispiele für diese Art von Zusammenarbeit. Sie sollten noch mehr unterstützt
       werden und sich ausbreiten - insbesondere in der internationalen Dimension.
10.    Ökologisches Management ist die größte Herausforderung für die verschiedenen sozialen
       Akteure eines Unternehmens. Das Spannungsfeld ist erstens bestimmt durch die
       Notwendigkeit, Überschüsse, d.h. Gewinne zu erwirtschaften, um das Überleben des
       Unternehmens zu sichern, denn auf Dauer kann und sollte kein Unternehmen über
       Subventionen am Leben erhalten werden. Der Wettbewerb wird zweitens zunehmend durch
       Globaliserung bestimmt. Damit Globalisierung aber nicht zu einer mörderischen und
       letztendlich selbstmörderischen Konkurrenz führt, sollte sie durch internationale Kooperation
       „zivilisiert“ werden. Ökologisches Management ist ein solch ziviler Prozeß, denn es kann
       langfristig nur erfolgreich sein, wenn mit Hilfe von Verbänden und Verbindungen auch über
       Ländergrenzen hinweg Erfahrungen ausgetauscht und neue Lösungen gemeinsam gesucht
       werden. Das Ziel allen Wirtschaftens hat die dauerhafte Entwicklung zu sein. Damit kommt
       dem zukunftsfähigen Unternehmen die Schlüsselrolle zu. Die Beziehungen und das Ziel
       mögen durch die folgende Abbildung verdeutlicht werden:

Abbildung 7.1: Das zukunftsfähige Unternehmen

       Gewinn                                                                 Wettbewerb

                                          Globalisierung



                                    Internationale Kooperation



                                    Ökologisches Management

                                                                                                 29
Konsequenzen für das zukunftsfähige Unternehmen




                                   Dauerhafte Entwicklung

                       Das Ziel ist das „zukunftsfähige Unternehmen“!




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Vom Impuls zum Prozeß - auf dem Weg zum Umweltmanagementsystem



                                       Ein asiatisches Sprichwort sagt:
                                       Man kann einen Elefanten verschlucken. Man muß ihn dafür
                                       nur in kleine Stücke schneiden.



Vom Impuls zum Prozeß - auf dem Weg zum Umwelt-
managementsystem
                                                                              Aller Anfang ist leicht
Niemand würde eine Elefanten am Stück hinunterschlucken. Auch ein umfassendes
Managementsystem ist nicht von heute auf morgen zu installieren - schon gar nicht, wenn es die
Betriebsabläufe konstruktiv unterstützen, wirtschaftliche Innovationen anstoßen und nicht nur
Einmal-Maßnahme sondern ein dauerhaft nützlicher Prozeß sein soll.
Aber wo oder wie setzt man an, wenn Umweltschutz in der eigenen Firma bisher noch nicht
verwirklicht ist?
Dieser Text soll erste Schritte auf dem Weg zu einem Umweltmanagementsystem aufzeigen. Sie
können die Fragen und Schritte ähnlich einer Checkliste benutzen, im Text befinden sich auch
Querverweise zu anderen Teilen der Broschüre, wo Sie die betreffenden Inhalte dann genauer
nachlesen können.
„Der Weg ist das Ziel“, sagen die Japaner. Was nützt ein gutes Endprodukt, wenn man es - wie einen
Prototypen - nur ein einziges Mal produziert hat und nicht in der Lage ist, es dauerhaft und
kontinuierlich herzustellen (z.B. weil die Produktionsanlagen veraltet sind). Viel wichtiger als (nur)
eine Zertifizierung am Ende einer langen Kette von Maßnahmen ist es, betrieblichen Umweltschutz so
zu organisieren, daß er sich selbst ständig weiter verbessert, und das von Anfang an. Nur so können
Sie den Anforderungen der Zukunft gerecht werden.
Das ist nicht machbar? Im Gegenteil:
Warum sich am Anfang übernehmen, wenn auch kleine Schritte zu großen Erfolgen führen? Auch
große Veränderungen beginnen mit einem ersten Impuls. Vielleicht ist es sogar an Ihnen, einen ersten
Impuls für ein Umweltmanagement in Ihrem Unternehmen auszulösen. Was könnte ein Startpunkt,
eine Art Pilotprojekt in Ihrem Unternehmen sein?
      „Begonnen haben die Umweltaktivitäten in unserem Unternehmen wegen der Forderung der
      getrennten Abfallsammlung von der Mülldeponie und der gesellschaftlichen Verantwortung des
      Unternehmens gegenüber der Gesellschaft“.
      Klaus Hellmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG

                                                   Umweltmanagement schwimmt mit dem Strom
Es kann nicht Sinn der Sache sein, ein Umweltmanagementsystem anstelle von (oder vorbei an)
aktuellen Problemen Ihres Unternehmens zu planen. Interessant ist eher, aus den vielfältigen
Möglichkeiten dieses Bereiches Nützliches für die aktuelle Situation zu schöpfen. Lernen Sie von der
Konkurrenz - auch in diesem Bereich ( Unternehmenserfolg durch Umweltschutz). So kann z.B.
eine benötigte Reduktion der Kosten für Bürogebäude durch Energieeinsparungen erzielt werden, der
Fuhrpark und die gefahrenen Strecken könnten durch eine verbesserte Logistik reduziert oder ein zu
hoher (motivationsbedingter) Krankenstand der Mitarbeiter durch neue Mitgestaltungsmöglichkeiten
im Umweltschutz verbessert werden ( Mitarbeiterbeteiligung).

                                                                 Chance und Hindernis: Die Vision
Oft steht eine Vision des Neuen am Anfang. Wie könnte Umweltschutz in Ihrem Unternehmen
aussehen, was für Marktlücken könnten Sie erschließen, welchen möglichen Problemen (z.B.


30
                            Vom Impuls zum Prozeß - auf dem Weg zum Umweltmanagementsystem



Umweltschadensfällen) wird durch ein Umweltmanagementsystem vorgebeugt oder was für
Einsparpotentiale können genutzt werden?
Eine bildhafte Vision bietet die Möglichkeit zu konkreten Planungen. Entwickeln Sie Ihre Vision.
Enthält sie auch Ideen darüber wie Sie Ihre Mitarbeiter für die neuen Ideen gewinnen wollen?
Aber Vorsicht: Jeder kennt Diskussionen, die lange um Reizthemen kreisen, ohne in den eigentlich
wesentlichen Bereichen zu Fortschritten beizutragen. Auftauchende Probleme sollten als Chance zu
effizienten Planungen gesehen werden, nicht den Blick auf die Zukunft verstellen.
Bei einem erfolgreich verlaufenden Start eines Innovationsprozesses gelingt die Balance zwischen
konkreten Visionen und einer Offenheit und Wandelbarkeit dieser Vision im Kontakt mit den realen
Gegebenheiten des Unternehmens.

                                                                    Vom Impuls zum Prozeß:
             - Informieren, diskutieren, bekanntmachen; klein anfangen und weiterentwickeln -
Niemand findet Umweltschutz schlecht. Umfragen ergeben, daß über 80 % der Bundesbürger ein
hohes Umweltbewußtsein besitzen. Diese Zahlen dürften sich auch in Ihrem Unternehmen
wiederfinden. Wer würde solche Voraussetzungen nicht als Motivationspotential nutzen?
Häufig genug weicht leider das konkrete Verhalten von diesen Einstellungen ab. Nicht immer ohne
Grund: Wahrscheinlich existieren auch in Ihrem Unternehmen genügend Bedenken gegenüber
konkreten Maßnahmen zum Umweltschutz.
Diese Bedenken mit geschickter Argumentation zerstreuen zu wollen oder Umweltschutz von oben
„zu verordnen“, ist zumeist ein Weg in die Sackgasse.
      „Es ist problematisch, dem Unternehmen - und den Mitarbeitern - etwas überstülpen zu wollen.
      Ein umfangreiches Umweltmanagementsystem oder die Erfüllung eines Normenkataloges
      einfach zu verordnen, ist zum Scheitern verurteilt. Das Managementsystem muß organisch aus
      kleinen Bausteinen heraus wachsen, der Prozeß muß lebendig bleiben und weitergetragen
      werden, sonst schläft nach einer eventuellen Zertifizierung alles wieder ein.“
      Klaus Hellmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
Nach vorne führt also das kooperative, kontinuierliche Entwickeln und Umsetzen von Konzepten.
Wie kann so etwas aussehen? ( Umweltkaizen).
Informieren Sie sich über Möglichkeiten und Grenzen eines Umweltmanagementsystems. Zahlreiche
Forschungs- und Erfahrungsberichte dokumentieren inzwischen die beginnende Wandlung ganzer
Wirtschaftszweige. Greifen Sie über ein breites Wissen auch zukünftigen Entwicklungen voraus. Es
ist immer leichter, sich vorbeugend auf Entwicklungen wie neue Abfallverordnungen
( Kreislaufwirtschaftsgesetz) oder neu entstehende Marktsegmente einzustellen, als unter Zeitdruck
auf Unvorhergesehenes reagieren zu müssen !
Diskutieren Sie dieses Wissen mit Ihren Mitarbeitern und Kollegen. Die Einrichtung und
Aufrechterhaltung von Umweltmanagement sollte als flexibler und dauerhafter Prozeß gesehen
werden, der es ermöglicht, auf externe und interne Gegebenheiten angemessen zu reagieren.
Bedenken (z.B. über zu hohe Kosten einer Umweltschutzmaßnahme) sollten hierbei keine Hindernisse
für den Umweltschutz sein, sondern eine Chance, mögliche Gefahren für Unternehmen und Menschen
zu vermeiden. Nutzen Sie also das Wissen Ihrer Mitarbeiter !
      „Am Anfang habe ich die interessierten, die für die Umwelt engagierten Mitarbeiter und
      Mitarbeiterinnen im Betrieb aufgesucht. Wir haben zusammen überlegt, was wir im
      Unternehmen sinnvollerweise im Umweltschutz machen können. So wurde das ausgewählte
      Thema schrittweise eingeführt, nicht gegen Sinnhaftigkeit und Widerstand, sondern dort, wo es
      sich lohnte und von den Mitarbeitern gewünscht war. Begonnen haben wir z.B. mit der
      Bepflanzung eines Bahndammes, der das Betriebsgelände an der Elbestraße abgrenzt.“
      Prof. Lohmeier, Berater der Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG



                                                                                                31
Vom Impuls zum Prozeß - auf dem Weg zum Umweltmanagementsystem



Klein anfangen: Geben Sie interessierten Mitarbeitern die Möglichkeit (z.B. durch Ihre
Schirmherrschaft als Unternehmensleitung), erste Umweltprojekte durchzuführen und zu
dokumentieren.
Als Startpunkt für Veränderungen sind oft kleine überschaubare und schnell zum Erfolg führende
Projekte geeignet, z.B. Müllvermeidung (das bedeutet auch: Senkung von Entsorgungskosten). Hier
können Sie wertvolle Erfahrungen für weitere Entwicklungen sammeln, ihre Mitarbeiter mit ersten
Schritten des Umweltmanagement vertraut machen, sich gemeinsam mit Skeptikern überzeugen, daß -
und auf welche Weise - Umweltschutz seine nützlichen Seiten haben kann.
Nutzen Sie die Erfolge, um im Unternehmen für Umweltschutz, nach außen für neue Wege Ihres
Unternehmens zu werben. Verwenden Sie die Erfahrungen und den Schwung dieser Projekte für
weitere Entwicklungen.
      “Das Baukastenprinzip: Es ist eigentlich egal, wo man anfängt. Wichtig ist nur, daß es für die
      mitarbeitenden Personen Sinn macht, die Projekte getragen und weiterentwickelt werden. Die
      vielen kleinen Projekte, die bei uns entstanden, ergaben nach einiger Zeit eine solide Grundlage
      für die vorbereitenden Arbeiten zu unserer Zertifizierung.“
      Prof. Lohmeier, Berater der Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
Genauso wichtig wie erste Impulse sind das Umfeld der Entstehung von Veränderungen, der Prozeß
der Entwicklung von Neuem oder die Weiterentwicklung erfolgreicher Konzepte. Es gibt nicht den
„one-best-way“ der Mitarbeiterbeteiligung, viel besser ist eine den gegenwärtigen Umständen des
jeweiligen Unternehmens angepaßte und flexible Strategie.
Machen Sie die neuen Konzepte in den relevanten Unternehmensbereichen bekannt (in vielen Firmen
werden hierzu eigens Mitarbeiterbesprechungen einberufen). Planen Sie Möglichkeiten zu einer
gemeinsamen Weiterentwicklung des Vorgestellten ein. Hierbei ist es nicht wichtig, gleich zu Anfang
ein ausgereiftes Konzept vorzulegen, viel wichtiger ist es, eine Diskussions- und
Entwicklungsgrundlage zu haben.
      „Nach einiger Zeit (und einigen kleineren Projekten) habe ich eine Liste der umweltrelevanten
      Bereiche des Unternehmens zusammengestellt und diese Liste dann dem Betriebsrat gegeben.
      Ein Mitglied des Betriebsrates, das auch gleichzeitig in der AG Umweltschutz mitarbeitet, ist
      dann mit der Liste in die betreffenden Bereiche gegangen und hat sie erweitert oder anhand der
      Anregungen der Liste mit den betreffenden Mitarbeitern neue Umweltschutzvorschläge
      erarbeitet. Für die Umsetzung hat die Geschäftsleitung dann wieder die Verantwortung
      übernommen. So konnten die Mitarbeiter sich auch gewiß sein, daß ihre Mühe sich lohnt.“
      Prof. Lohmeier, Berater der Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
Ständige Weiterentwicklung:
Gründen Sie einen Arbeitskreis Umwelt, wo die Konzepte und Maßnahmen entwickelt werden und
Ideen und Verantwortung sich bündeln. Arbeiten Sie die Anregungen der „Spezialisten vor Ort“
immer wieder in das Konzept ein (wenn erwünscht auch namentlich gekennzeichnet).
      „Wir haben z.B. bei Überlegungen, wo unsere Rangierplätze bepflanzt werden sollen, unsere
      ursprünglichen Ideen mit den Mitarbeitern so weiterentwickelt, daß am Ende alle mit der
      Bepflanzung hoch zufrieden waren.“
      Klaus Hellmann, Geschäftsführender Gesellschafter der Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
So kann ein Prozeß entstehen, in dem ein Umweltmanagementkonzept kontinuierlich optimiert wird
( Umweltkaizen).




32
                               Anhang




Drei weitere Unternehmensbeispiele
 Sievert AG
 Kinzoku-Kaken-Kôgyô AG
 Tama-no-hada AG



Umweltschutz von A - Z



Weiterführende Literatur



Ansprechpartner




                                        33
Ergänzende Unternehmensprofile




A         Drei weitere Unternehmensbeispiele
Um einen weiteren Eindruck in die Praxis deutscher und japanischer Unternehmen im Bezug auf den
betrieblichen Umweltschutz zu bekommen, sollen im folgenden drei ausgewählte Beispiele kurz
dargestellt werden.




Umweltschutz als kontinuierlicher Prozeß
 -aufgezeigt am Beispiel Sievert AG-

Daten der Unternehmensgruppe:
Vorstandsvorsitzender:           Dr. Hans-Wolf Sievert
Gründung:                        1986
Anzahl der Beschäftigten:        1900
Geschäftszweig:                  Fertigdecken, Bauelemente, Transportbeton, Trockenbaustoffe,
                                 Bauchemie, Prüftechnik, Logistik
Firmensitz:                      Osnabrück

Bei vielen Unternehmen, so auch bei der Sievert AG, wurde Umweltschutz als ein gleichrangiges Ziel
in die Unternehmenspolitik aufgenommen. Nachfolgend soll versucht werden, einen Einblick in die
Philosophie und den daraus resultierenden Maßnahmen der Sievert AG zu geben.
Im Jahre 1986 wurde aus einer größeren Anzahl von bis dahin eigenständig geführten Unternehmen
unter dem Dach der Sievert AG & Co Holding die jetzige Gruppenstruktur gebildet. In 6 Sparten
untergliedert, werden heute folgende Unternehmensbereiche abgedeckt:
Im Bereich Produktion sind das         die Sibo gruppe/Transportbeton,
                                       die Fertig decken union/Bauelemente,
                                       die Quick-mix gruppe/Trockenbaustoffe und
                                       Sicotan/Bauchemie.
Im Bereich Dienstleistung              die Prüftechnik/Entwickeln und Prüfen und
                                       das Logistikunternehmen Sievert handel transporte.
Insgesamt weist die Sievert AG in Deutschland rund 130 Standorte auf. Die doch erhebliche Anzahl
an Produktionsstandorten führt zu Besonderheiten im betrieblichen Umweltschutz, worauf im
einzelnen später eingegangen wird. Anfang der 90er Jahre wurden vom Vorstand drei
Unternehmensziele formuliert:
      Qualitatives Wachstum
      Mitarbeitermotivation
      Schonung der Ressource Umwelt
Womit die Weichen für die verstärkte Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen gestellt wurden. Das
dazu notwendige Know-how lag zu diesem Zeitpunkt in Gestalt des Ingenieurbüros für
Umwelttechnik WBL der Prüftechnik IFEP bereits seit 3 Jahren vor, da in diesem Bereich für externe
Kunden Konzepte im Bereich des Umweltschutzes erarbeitet wurden, bzw. werden.
Aufgrund der oben beschriebenen breiten Standortfächerung und der Tatsache, daß der
Firmenverbund unter dem Dach der Sievert AG im Gegensatz zu früheren Zeiten zu einem
gemeinsamen Gefüge zusammengefaßt werden mußte, wurden neben entsprechender
Managementschulungen (GRID), Synergiezirkel und KVP-Prozesse ins Leben gerufen. Einbezogen
wurden darin auch die Belange des Umweltschutzes. In der ersten Phase wurde dabei der notwendige
Informationsaustausch über die vorhandenen Möglichkeiten im Hause der Prüftechnik vorangestellt.
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Danach wurden erste Bestandsaufnahmen bezüglich der Standorte und deren Beschaffenheit
vorgenommen. Nach Kenntnis zumindest der wesentlichen Probleme innerhalb der einzelnen Sparten,
wurden in einer ersten spartenübergreifenden Aktion sogenannte Alarmpläne erstellt und den
betreffenden Gebiets- und Betriebsleitern übermittelt. Unabhängig davon wurden und werden
innerhalb der einzelnen Sparten sowohl aus ökonomischen als auch ökologischen Gründen die
jeweilige Anlagentechnik überprüft und erneuert. So wurden zum Beispiel bei der sibo nach und nach
die sogenannten Klärfixanlagen eingeführt. Diese ermöglichen auf recht einfache Weise aus
übriggebliebenem Frischbeton (Restmengen in den Fahrzeugen) die wertvollen Rohstoffe Sand und
Kies wiederzugewinnen. Das dabei anfallende Waschwasser wird als Anmachwasser
wiedereingesetzt. Die ökonomisch konzipierte Maßnahme ist dabei gleichzeitig als ökologisch
sinnvoll einzustufen. Produktionsbedingte Abfälle sowie produktionsbedingtes Abwasser werden
durch den internen Kreislauf vermieden. Dies ist ganz im Sinne des Kreislaufwirtschaftgesetzes.
Weitere Schritte auf dem Weg, ein ökologisch wie ökonomisch sinnvolles Umweltschutzkonzept zu
erhalten, ist die Überprüfung der Liegenschaften auf eventuell vorhandene Kontaminationen und
präventive Maßnahmen (z.B. Versiegelung), um zukünftig Einträge zu vermeiden. Gleichzeitig
werden die zuständigen Betriebsleiter und Mitarbeiter in verantwortungsvollem Umgang mit
gefährdenden Stoffen eingewiesen.
1994 wurde zum 75jährigen Jubiläum ein firmeninternes Preisausschreiben durchgeführt. Die
Mitarbeiter wurden aufgefordert, ein Umweltprojekt für die Stadt Osnabrück vorzuschlagen. Als beste
Idee wurde die Einrichtung eines Umweltmobils für den pädagogischen Einsatz an Schulen prämiiert.
Im Gegenzug wurde auf eine Jubiläumsfeier verzichtet. Erstaunlich war hierbei die überaus große
Beteiligung der Belegschaft. Neben dem sicherlich beabsichtigten Aspekt, gegenüber der
Öffentlichkeit ein Zeichen zu setzen, wurde dabei auch sichtbar, daß innerhalb des Unternehmens eine
hohe Akzeptanz hinsichtlich des Umweltschutzes vorliegt.
Im Zuge der Übergabe des Fahrzeuges an die Stadt Osnabrück wurde dann auch öffentlich die
Benennung eines Umweltbeauftragten für die Sievert AG & Co verkündet. Aufgabe des Beauftragten
ist es, beratend tätig zu sein und weitere Anstöße zu geben, er ist aber überwiegend kein ausführendes
Organ. Die Umsetzung von Maßnahmen liegt in der Eigenverantwortung der einzelnen Sparten und
deren Mitarbeitern. Es ist also nicht beabsichtigt, eine kostenintensive Stabstelle einzurichten, die
Maßnahmen erzwingen soll. Dies würde bei der vorhandenen Unternehmensstruktur auch zum
Scheitern verurteilt sein. Weiterhin wird bei allen Überlegungen stets das Ziel vor Augen gehalten,
ökologische und ökonomische Belange in Einklang zu bringen. Das heißt, es muß vor allem das
Vorurteil beseitigt werden, daß ökologische Maßnahmen nur Kosten erzeugen. Richtig erfaßt und
umgesetzt gilt, daß damit auch Geld verdient und die Wettbewerbssituation verbessert werden kann.
Dies bedeutet jedoch, daß man Umweltschutz als kontinuierlichen Prozeß begreifen und schrittweise
vorgegangen werden muß. Alles gleichzeitig anfassen zu wollen, überschreitet die Fähigkeiten des
Einzelnen und führt letztlich dazu, daß eine Umsetzung unterbleibt.
Welche Schritte dabei Priorität haben, ist individuell verschieden. So wird zur Zeit innerhalb der AG
geprüft, wo weitere interne Produktionskreisläufe möglich sind, die das Abfall- und
Abwasseraufkommen weiter verringern. In anderen Bereichen wird eine Input/Output-Analyse von
Materialströmen vorgenommen, um ein besseres Steuerungsinstrument hinsichtlich des
Abfallaufkommens zu erhalten. Mittelfristig werden so geschlossene Abfallkonzepte erstellt.
Im Entwicklungsbereich werden zukünftige Produkte auch hinsichtlich ökologischer Aspekte
überprüft. Recyclingversuche - z.B. Recyclingbeton - werden ausgeführt. Parallel wird die
Mitarbeiterinformation und -motivation verstärkt. Dabei ist darauf zu achten, daß sowohl die
Führungsebene, das mittlere Management als auch die Mitarbeiter vor Ort in den Prozeß eingebunden
werden. Instrumente sind dabei direkte Gespräche, Vorträge des Umweltbeauftragten vor
Führungsgremien, Abteilungs-, Betriebsleiterversammlungen aber auch Mitteilungen über die
Firmenzeitung.
Zertifizierungen oder Validierungen im Sinne DIN EN ISO 14000 ff oder EG-Öko-Audit sind
dagegen zumindest mittelfristig nicht vorgesehen, da deren Nutzen bislang nicht erkennbar ist,


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Ergänzende Unternehmensprofile



berücksichtigt man die Struktur des Unternehmens. Vielmehr gehen die Bemühungen dahin,
Umweltschutzkonzepte in die bestehenden QM-Systeme einzugliedern.
Daß Umweltschutz kein Lippenbekenntnis ist, kann auch daran abgelesen werden, daß pro Jahr circa
4,5 - 5 Mio. DM für präventive Maßnahmen aufgewendet werden.
Zielsetzung der Sievert AG ist, in einem kontinuierlichen Prozeß Ökologie und Ökonomie
einvernehmlich voranzutreiben. Die dazu notwendigen Ideen werden in unterschiedlichen Zirkeln
erarbeitet.




Tama-no-hada AG

Daten des Unternehmens:
Vorsitzender:                 Haruo Miki
Gründung:                     1892
Anzahl der Beschäftigten:     100
Geschäftszweig:               Herstellung von Toilettenseife, Haarwaschmittel, Küchenseife,
                              Spülmittel, Waschseife und Fertigungsmittel
Firmensitz:                   Tokio

Als zentrale Unternehmensziele des traditionsreichen japanischen Seifenproduzenten Tama-no-hada
AG definierte der Präsident Haruo Miki die Ressourcenschonung und Abfallvermeidung. Die
ökologische Selbstverpflichtung und das persönliche Engagement des Präsidenten des
mittelständischen Unternehmens ist von entscheidender Bedeutung, weil durch seine tatkräftige
Unterstützung die Integration von Umweltschutzüberlegungen in die unternehmerischen
Entscheidungsprozesse vorangetrieben wird. Außerdem wirkt die positive Einstellung der
Führungsspitze auf die Beschäftigten motivierend und ansteckend. So hält die Formulierung der
ökologischen Leitlinien sowohl konkrete Ziele des Umweltmanagements als auch klare Strategien und
Maßnahmen fest. Und damit die Einbindung des Umweltschutzgedankens nicht nur ein
programmatischer Entwurf bleibt, wird das Thema Ökologie nach innen kommuniziert. Die
Mitarbeiter werden im Prozeß der ökologischen Entscheidungsfindung frühzeitig einbezogen und
erhalten durch die vorgenommenen Maßnahmenpakete eine Rückkopplung.
Die Stoßrichtung dieser Maßnahmen ist eine möglichst optimale Verknüpfung zwischen Ökonomie
und Ökologie. Denn ein wesentlicher Teil der Produktionskosten von Seifen stellen die aufwendigen
Verpackungen von hochwertigen Pflegeprodukten dar. Auch wenn viel vom Verzicht auf
Verpackungen geredet wird, kommt man doch nicht ohne sie aus. Daher werden bei Tama-no-hada
AG Verpackungen angestrebt, die die Umwelt nicht mehr belasten, als für den jeweiligen
Anwendungszweck unbedingt notwendig. An vorderster Stelle steht dabei ein minimaler Material-
und Energieeinsatz. Dabei machen die Ideen des Präsidenten nicht vor den Betriebstoren halt: so
schrieb das Unternehmen 1973 mit der Einführung von Nachfüllbeuteln in Japan Geschichte. Seit
einigen Jahren setzt das Unternehmen verstärkt auf Mehrwegverpackungen mit Pfand. Dies erfordert
einen umfassenden Lernprozeß auch der Kunden, denn erst die breite Akzeptanz von
Mehrwegverpackungen wird zu ihrem Erfolg beitragen.




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Kinzoku-Kaken-Kôgyô AG

Daten des Unternehmens:
Generaldirektor:               Shigeya Murano
Gründung:                      November 1963
Anzahl der Beschäftigten:      85
Geschäftszweig:                Plattierung und Eloxierung von Aluminium
                               Berarbeitung von Metalloberflächen
Firmensitz:                    Tokio


Die derzeitige Situation des betrieblichen Umweltschutzes
Die Plattierung und Verarbeitung von Aluminium stellt immer eine hohe Umweltbelastung dar. Das
betrifft vor allem den Bereich der Abwässer durch Eindringen von giftigen Abwässern ins Erdreich.
Früher war es allgemein fast selbstverständlich, daß die Plattierungsindustrie nur über unzureichende
Anlagen verfügte und giftige Abwässer abließ. Das Problem ist erkannt worden, und man sucht nach
Lösungen. Grund dafür sind auch die in jüngster Zeit zahlreich geführten Prozesse bzgl.
Umweltverschmutzungen.
Um hier Abhilfe zu schaffen, sind regelmäßige Wartung und Überprüfung der Anlagen notwendig, die
allerdings mit einem hohen Kostenaufwand verbunden sind. Da die Betriebe der Plattierungsindustrie
meist kleine oder mittelständische Unternehmen sind, wird häufig aus Kostengründen auf diese
notwendigen Maßnahmen verzichtet. Das Unternehmen Kinzoku-Kaken-Kôgyô AG ist jedoch in
einem Wohngebiet ansässig und betreibt deshalb einen aktiven Umweltschutz.
Die Motive für die Auseinandersetzung mit der Umweltproblematik waren unterschiedlich. Bedingt
durch zahlreiche Prozesse gegen Umweltverschmutzung ist der Bereich Umweltschutz zunehmend zu
einem sozialen Problem geworden. Immer weniger Arbeitnehmer und auch Anwohner sind bereit, die
mit der Plattierung verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen. Gerade diese Tatsache könnte für das
Unternehmen zur Überlebensfrage werden und stellt deshalb für den Betriebsleiter und die
Angestellten das größte Problem dar. Zudem fordern die Handelspartner zunehmend von den
Zulieferern Umweltschutzmaßnahmen. Diese Forderung beschleunigte die Maßnahmen im
Umweltschutz.
Heute ist für Kinzoku-Kaken-Kôgyô AG eine vollkommene Umweltpolitik in der Firmenphilosophie
verankert. Darüber hinaus will man das Image der Plattierungsindustrie verbessern. Zur Zeit liegen die
Schwerpunkte auf dem Schutz der Boden- und Wasserqualität. Man ist auf der Suche nach
Präventionsmaßnahmen und einer wirkungsvollen Reinigungstechnik der Abwässer, um den Bestand
des Unternehmens in der Umgebung zu sichern.
Die Schädigung des Erdreiches und des Grundwassers beim Abfluß der Abwässer wurde analysiert.
Die Analyse bezog sich daher auf verschiedene Umweltschutzmaßnahmen. Die erste Stufe betraf die
Methoden der Abwasserreinigung. Im weiteren folgen Maßnahmen zur Verhinderung der
Abwässerversickerung und im letzten Schritt die Kontrolle der Abwässer und der Sickerwässer, sowie
die Konzipierung von Maßnahmen im Störfall.
Es gibt ein Entgiftungsystem zur Abwasserreinigung, das ein Abfließen von giftigen Stoffen
verhindert. Die Maßnahmen, neutralisierende Entgiftung und die Kontrolle durch Mensch und
Maschine, sind abhängig von dem Grad und der Art der Verschmutzung.
Bei diesem System wird das gesamte Abwasser in einem Reservoir gesammelt. Um die Versickerung
sämtlicher Abwässer zu verhindern, wurde der Untergrund des Arbeitsplatzes verbessert und eine
Anlage zur Verschmutzungsverhütung gebaut. Noch nicht gereinigtes Wasser wird gesammelt und
kann so nicht ins Erdreich gelangen.
Das Versickern der Abwässer war für Plattierungsfabriken bisher, gerade bei ausgedienten Anlagen,
schwer feststellbar und zu verhindern. Die Gefahr ist geringer, wenn die Versickerung schnell

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Ergänzende Unternehmensprofile



lokalisiert wird und Gegenmaßnahmen getroffen werden. Mit einer Anlage, die nicht unmittelbar den
Boden berührt, wollte man die Durchsickerung optisch feststellen und die Gefahr vermindern.
Es wurde eine Fabrik gebaut, die die obengenannten Bestrebungen erfüllt. Die Gefahr kann jetzt
augenblicklich erkannt werden. Seitdem ist noch kein Fall von Ausströmung giftiger Stoffe oder
Verschmutzung bekannt geworden.

Ziele im Hinblick auf Umweltschutzaktivitäten
Die Initiative bzgl. des Umweltschutzes ist direkt von der Geschäftsleitung ergriffen und gefördert
worden. Das oberste Ziel, unter Mitarbeit aller Angestellten die Fabrik umweltgerechter zu gestalten,
ist von allen als eine, die ganze Firma betreffende, kritische Lebensfrage erkannt und aufgenommen.
Viele konkrete Vorschläge zur Methodik und zum System sind von den Angestellten selbst entwickelt
worden.
Im Unternehmen ist ein Arbeitskreis ("Prüfungskonferenz") errichtet worden. Neben dem Direktor
gehören dieser Gruppe Mitarbeiter an, die häufig eine staatlich anerkannte Zusatzqualifikation zum
Umweltschutzbeauftragten haben. Viele sind Abteilungsleiter und Manager. Die Teilnahme steht
jedem interessierten Mitarbeiter offen.
Nach der Fabrikreform tritt die Gruppe heute seltener zusammen.
Bevor man sich zu einer Reform entschloß, wurde intensiv diskutiert, ob man den Betrieb
weiterführen oder schließen sollte. Die Reform wurde von allen Angestellten unterstützt und der
Konflikt in der Firma wurde gelöst. Die gemeinsame Entscheidung von Firmenleitung und
Mitarbeitern zum Erhalt der Firma schaffte ein Zusammengehörigkeitsgefühl und stärkte die
Arbeitsmoral. Da das Ziel der Umweltschutzaktivitäten von allen Angestellten gemeinsam erarbeitet
und getragen wird, ist die Teilnahme bzw. das Engagement der Mitarbeiter groß.
Die Umweltziele der Unternehmensleitung wurde von allen Angestellten freiwillig und eigenständig
unterstützt und gefördert. Dies entspricht dem Charakter der mittleren und kleinen Unternehmen und
ist eine Form der Organisation, die nicht so sehr als eine betriebsspezifische, sondern als eine
einheitliche charakterisiert werden kann.
Es gibt zudem firmeninterne Arbeitsgemeinschaften zur Erlangung spezieller Qualifikationen im
Bereich Umweltschutz, ebenso wie OJT-Maßnahmen (Training on the job). Die Aus- und
Weiterbildung wird sehr engagiert betrieben. Somit werden Spezialisten ausgebildet und das
Umweltbewußtsein wird erhöht.
Durch den Bau der neuen Anlage und der Bestandserhaltung wurden das Umweltschutzbewußtsein
und das Bestreben nach einer umweltgerechten Produktion unter den Angestellten schnell verbreitet.
Das System, nicht nur seinen Kollegen, sondern auch seinem Chef gegenüber frei die Meinung äußern
zu können, wurde damit aufgebaut.
Um Konflikten zwischen den langjährig Beschäftigten und denjenigen, die über Zusatzqualifikationen
bzgl. Umweltschutz verfügen, zu vermeiden, wurden die Fähigkeiten der langjährigen Mitarbeiter für
kunsthandwerkliche Arbeit genutzt. Die Stellung derjenigen in der Firma, die eine zusätzliche
Qualifikation erlangten, stieg nicht.
Schwierigkeiten gab es anfänglich bei der Erlangung der für den Umbau nötigen Mittel, da das
Investitionsvolumen die von den Banken geforderten Deckungen überstieg.
Nach dem Bau der neuen Fabrik führten der Betriebsleiter und die Verwalter wiederholt
Besichtigungen und Prüfungen durch, um den aktuellen Stand im Umweltschutz zu überprüfen. Man
will über das geforderte Niveau hinaus einen vollkommenen Umweltschutz betreiben.

Wirtschaftlichkeit (Kosten und Markt)
Durch die Maßnahmen im Umweltschutz erhöhten sich die Aufträge, so daß die hohen
Anlageinvestitionen aufgefangen werden konnten.


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Der Bau einer umweltfreundlichen Fabrik kann sich auf der einen Seite auf die Auftragslage positiv
auswirken und zum anderen gibt es keine Probleme mit Entschädigungsklagen durch die Anwohner.
Der Betriebsleiter ist heute der Ansicht, daß sich die Investition nicht nur ökologisch sondern auch
ökonomisch gelohnt haben.
Die Hebung der Arbeitsmoral der Angestellten ist eher eine Nebenwirkung der
Umweltschutzmaßnahmen, es kann als ein ungewolltes Ergebnis der Förderung des Umweltschutzes
bewertet werden.
Durch den Umbau zu einer umweltfreundlichen Anlage und einem System von hohem Niveau wurde
dem Unternehmen eine offizielle Anerkennung der IHK Tokio in Form einer Auszeichnung
ausgesprochen, und sie gilt heute als „Umweltmodellfabrik“.
Die juristischen Regelungen, die die Plattierungsindustrie betreffen, sind hauptsächlich bezogen auf
die Wasserqualität. Hier trifft das Unternehmen ausreichende Maßnahmen und hat deshalb keine
juristischen Probleme.
Man ist bemüht um eine aktive gesellschaftliche und juristische Verantwortung für den Betrieb selbst
und seiner Umgebung. Dafür sind zusätzlich Komitees, wie z.B. für Sicherheit und Hygiene sowie für
eine sichere Umgebung, eingerichtet worden.

Zukünftige Auseinandersetzung des Unternehmens mit dem Umweltschutz
Jede Fabrik wird, welch ein fortgeschrittenes System sie auch hat, irgendwann ausgedient haben.
Deshalb plant das Unternehmen für die zukünftige Sicherheit ein sogenanntes Rotationssystem.
Neben den bestehenden zwei Fabriken soll eine weitere Fabrik gebaut werden. Zwei Anlagen sollen
dann jeweils produzieren, während die dritte geprüft und überholt werden soll.
Es fehlt allerdings zur Zeit an finanziellen Mitteln, denn es gibt kaum staatliche oder kommunale
Unterstützung. Gerade den mittleren und kleinen Unternehmen mangelt es hier häufig an finanziellen
Mitteln, um ihre Fabrik umweltfreundlicher zu gestalten. Eine öffentliche Unterstützung ist daher
dringend notwendig.
Im Hinblick auf die Spezialisten für den Umweltschutz gibt es zwei Probleme: einerseits muß das
Ausbildungssystem für die Qualifikationserlangung verbessert werden und andererseits müßten die
Spezialisten nach der Qualifikationserlangung an die Firma gebunden werden. Das erste Problem ist,
daß sich unerwünschterweise je nach Hierarchieebene kleine Gruppen bilden, obwohl aufgrund der
geringen Größe der Firma die Möglichkeit besteht, sich gemeinsam mit den verschiedenen Problemen
auseinanderzusetzen. Die Angestellten sollten eigentlich einheitlich handeln. Das zweite Problem ist,
daß die Spezialisten die Firma verlassen, nachdem sie mit Firmengeldern ausgebildet worden sind und
die Staatsqualifikation erlangt haben. Die Kosten für die Aus- und Weiterbildung des Personals kann
die Firma aber nicht zurückverlangen.




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Umweltschutz von A - Z




B         Umweltschutz von A - Z

Abfall:                     Abfälle sind alle beweglichen festen, gasförmigen
                            flüssigen Stoffe, derer sich sein Besitzer entledigen will
                            oder deren Entsorgung zur Wahrung des Allgemeinwohls
                            und zum Schutze der Umwelt geboten ist. (Im Sinne des
                            Kreislaufwirtschaftsgesetzes gilt nur der nicht als
                            Sekundärrohstoff verwertbare Anteil der Rückstände als
                            Abfall.)
Betriebsbilanz:             Eine Stoff- und Energiebilanz, die alle mit einem
                            bestimmten      Betrieb     beziehungsweise     Standort
                            zusammenhängenden        Stoff-    und    Energieströme
                            beschreibt und bewertet (siehe auch Ökobilanz).
EG-Öko-Audit-Verordnung:    Verordnung (EWG) Nr. 1836/93 des Rates vom 29. Juni
                            1993 über die freiwillige Beteiligung gewerblicher
                            Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für das
                            Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung.
Ökobilanz:                  Datensammlung         und      Beschreibung      aller
                            Umweltauswirkungen eines Produktes von der
                            Herstellung über den Transport und die Verwendung bis
                            hin zur Entsorgung. Die Ökobilanz soll Produkte einer
                            bestimmten Gruppe hinsichtlich ihrer Umwelt-
                            eigenschaften vergleichbar machen.
Primärrohstoff:             Jeder gewonnene und noch nicht veränderte Rohstoff.
Produktbilanz:              Eine Stoff- und Energiebilanz, die alle mit der
                            Produktion eines bestimmten Produktes zusammen-
                            hängenden Stoff- und Energieströme über den gesamten
                            Produktlebenszyklus beschreibt und bewertet (siehe auch
                            Ökobilanz, Produktlebenszyklus).
Produktlebenszyklus:        Unter dem Produktlebenszyklus wird der Weg eines
                            Produkts oder Stoffs von der Rohstoffgewinnung bis zur
                            Entsorgung verstanden. Der Produktlebenszyklus lenkt
                            bei der Beurteilung eines Stoffs den Blick auf die
                            Lebenszyklusstufen Rohstoffgewinnung, Vorproduktion,
                            Produktion, Gebrauch, Entsorgung, Recycling sowie die
                            Transporte zwischen den einzelnen Stufen.
Prozeßbilanz:               Eine Stoff- und Energiebilanz, die alle mit einem
                            Fertigungsprozeß zusammenhängenden Stoff- und
                            Energieströme beschreibt und bewertet (siehe auch
                            Ökobilanz).
Schwachstellenanalyse:      Ermittlung von Schwachstellen.
Sekundärrohstoff:           Verwertbarer Rückstand, Rohstoff aus recycliertem
                            Material.
Standort:                   Das Gelände, auf dem die unter der Kontrolle eines
                            Unternehmens stehenden gewerblichen Tätigkeiten an
                            einem bestimmten Standort durchgeführt werden,
                            einschließlich damit verbundener oder zugehöriger

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                                                              Umweltschutz von A - Z



                              Lagerung von Rohstoffen, Nebenprodukten, Zwischen-
                              produkten, Endprodukten und Abfällen sowie der im
                              Rahmen dieser Tätigkeiten genutzten beweglichen und
                              unbeweglichen Sachen, die zur Ausstattung und
                              Infrastruktur gehören.
Stoff- und Energiebilanz:     Die Stoff- und Energiebilanz stellt eine Flußrechnung für
                              ein stoffliches System dar. Sie kann zum Beispiel für ein
                              Wirtschaftsunternehmen, einen Produktionsprozeß oder
                              ein Produkt (und seinen Lebenszyklus) aufgestellt
                              werden und weist in der Regel (Ausnahme
                              Produktbilanz) einen Periodenbezug auf. Eine Stoff- und
                              Energiebilanz betrachtet den In- und Output eines
                              Systems, ohne daß diese sich zu Null aufaddieren
                              müssen.
Sustainable Development:      Nachhaltig zukunftsverträgliche Entwicklung soll die
                              Lebensverhältnisse der heutigen Generation verbessern,
                              ohne die Lebensgrundlagen künftiger Generationen zu
                              gefährden. Die weltweite Responsible-Care-Initiative der
                              chemischen Industrie ist ein Schritt zur Konkretisierung
                              dieses Leitbildes.
Thermische Verwertung:        Verbrennung von Abfällen.
Transportverpackung:          Verpackung zum Schutz der Ware auf dem Transport.
                              Sie muß aufgrund der Verpackungsverordnung
                              zurückgenommen und einer Verwertung zugeführt
                              werden.
Umverpackung:                 Verpackung mit dem Zweck der Werbung, des
                              Diebstahlschutzes oder der Abgabe der Waren im Wege
                              der Selbstbedienung. Umverpackungen müssen im Laden
                              zurückgenommen werden.
Umweltaudit:                  vgl. Umweltbetriebsprüfung.
Umwelt(schutz)beauftragter:   Ein gesetzlich nicht definierter Sammelbegriff für die
                              nach BImSchG, AbfG, WHG und GenTG bestellten
                              Betriebsbeauftragten für Immissionsschutz, Abfall,
                              Gewässerschutz      und    gentechnische   Sicherheit.
                              Umgangssprachlich auch Bezeichnung für hauptamtlich
                              mit Umweltfragen beschäftigte Personen (auch
                              Umweltberater).
Umweltbericht:                Interne     oder     öffentliche, zielgruppengerechte
                              Zusammenstellung umweltbezogener Informationen. Der
                              Umweltbericht dient der Kommunikation über
                              betriebliche Umweltbelange eines Unternehmens oder
                              seiner einzelnen Standorte.
Umweltbetriebsprüfung:        Ein Managementinstrument, das eine systematische, do-
                              kumentierte, regelmäßige und objektive Bewertung der
                              Leistung der Organisation, des Managements und der
                              Abläufe zum Schutz der Umwelt umfaßt und folgenden
                              Zielen dient:
                              a)    Erleichterung der Managementkontrolle von
                                    Verhaltensweisen, die eine Auswirkung auf die
                                    Umwelt haben können;

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Umweltschutz von A - Z



                                b)    Beurteilung der Übereinstimmung mit          der
                                      Unternehmenspolitik im Umweltbereich.
                                Gegenstand der Umweltbetriebsprüfung im Rahmen der
                                EG-Öko-Audit-Verordnung sind die in der Verordnung
                                genannten Anforderungen, zum Beispiel an gute
                                Managementpraktiken sowie die Umweltpolitik des
                                Unternehmens selbst. Es muß über die Zeit eine
                                kontinuierliche    Verbesserung   des    betrieblichen
                                Umweltschutzes nachgewiesen werden. Die Umwelt-
                                betriebsprüfung dient damit der Überprüfung der
                                Wirksamkeit       eines    Umweltmanagementsystems.
                                Ergebnis einer Umweltbetriebsprüfung können einerseits
                                Verbesserungen des Umweltmanagementsystems selber
                                sein, andererseits können sich solche Ergebnisse auf
                                konkrete Maßnahmen zur Reduktion der vom
                                Unternehmen ausgehenden Umweltwirkungen beziehen.
Umwelterklärung:                Die von einem Unternehmen gemäß der EG-Öko-Audit-
                                Verordnung, insbesondere gemäß Artikel 5, abgefaßte
                                Erklärung.
Umweltkaizen:                   ‘Kaizen’ - auch ‘kontinuierliche Verbesserungsprozesse’
                                (KVP) genannt - setzt sich zusammen aus ‘ändern’ (kai)
                                und ‘gut’ (zen) und ist zum einen eine Ansammlung
                                bekannter Managementinstrumente wie Quality circles,
                                Null-Fehler Prinzip, Null-Puffer-Prozeß, Just-in-time-
                                Lieferungen, Integration von Forschung und Entwicklung
                                der Abteilungen, der Zulieferer sowie der Kunden. Es
                                erfordert die Einbindung aller Mitarbeiter im
                                Unternehmen und betont Kooperation und Teamwork auf
                                der einen sowie Kundenorientierung auf der anderen
                                Seite. Diese Managementstrategie und kontinuierliche,
                                kleinschrittige Rationalisierungsmethode wird im
                                Umweltkaizen auf auch den Umweltbereich des
                                Unternehmens angewandt.
Umweltmanagement:               Umweltmanagement umfaßt diejenigen Aspekte des
                                Managements,        die     eine     umweltorientierte
                                Unternehmenspolitik bestimmen, einrichten, durchführen
                                sowie der Kontrolle dienen.
Umweltmanagementsystem:         Der     Teil     des     gesamten,    übergreifenden
                                Managementsystems, der die Organisationsstruktur
                                (Aufbau- und Ablauforganisation), Zuständigkeiten,
                                Verhaltensweisen, förmlichen Verfahren, Abläufe und
                                Mittel für die Festlegung und Durchführung der
                                Umweltpolitik und -ziele einschließt (EG-Öko-Audit-
                                VO).
Umweltpolitik (betriebliche):   Die       umweltbezogenen          Gesamtziele      und
                                Handlungsgrundsätze eines Unternehmens einschließlich
                                der Einhaltung aller einschlägigen Umweltvorschriften.
Umweltprogramm:                 Eine Beschreibung der konkreten Ziele und Tätigkeiten
                                eines Unternehmens, die einen größeren Schutz der
                                Umwelt an einem bestimmten Standort gewährleisten
                                sollen, einschließlich einer Beschreibung der zur

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                                                                Umweltschutz von A - Z



                                 Erreichung dieser Ziele getroffenen Maßnahmen und
                                 gegebenenfalls   festgelegten    Fristen für  ihre
                                 Durchführung.
Umweltprüfung:                   Eine     erste,    umfassende   Untersuchung  der
                                 umweltbezogenen Fragestellungen, Auswirkungen und
                                 des betrieblichen Umweltschutzes im Zusammenhang
                                 mit der Tätigkeit am Standort.
Umweltverträglichkeitsprüfung:   Die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) umfaßt die
                                 Ermittlung und Beschreibung der Auswirkungen eines
                                 Vorhabens auf die Schutzgüter. Die im Rahmen eines
                                 öffentlichen Genehmigungsverfahrens durchgeführte
                                 UVP ist ein unselbständiger Teil verwaltungs-
                                 behördlicher Verfahren, welcher zur Zulassung des
                                 jeweiligen Vorhabens erforderlich ist. Im Rahmen der
                                 UVP werden keine Entscheidungen getroffen, sie hat
                                 lediglich entscheidungsvorbereitenden Charakter. Eine
                                 UVP kann auch unabhängig von Genehmigungsverfahren
                                 innerbetrieblich       zur      Vorbereitung      von
                                 Investitionsentscheidungen oder im Rahmen von
                                 Planungsverfahren eingesetzt werden.
Umweltziele:                     Die Ziele, die sich ein Unternehmen im einzelnen für
                                 seinen betrieblichen Umweltschutz gesetzt hat.
Umweltzirkel:                    Arbeitsgruppe auf Werkstattebene, die sich nach Art des
                                 Qualitätszirkels speziell mit Umweltfragen beschäftigt.
Verkaufsverpackung:              Verpackung, die der Endverbraucher zum Transport   der
                                 Ware benötigt. Für sie gilt aufgrund               der
                                 Verpackungsverordnung die Rücknahmepflicht         des
                                 Handels, von der dieser sich durch Beteiligung     am
                                 Dualen System Deutschland (DSD) befreien kann.
Zero-Emission:                   Ziel ist die vollständige Abfallvermeidung; nur dann
                                 wird die Wirtschaft ihr volles Potential ausgeschöpft
                                 haben. Zero-Emission geht zusammen mit dem Ziel der
                                 Unternehmen nach Total Quality Control (Zero Fehler)
                                 und keinerlei Verschwendung bei der Lagerhaltung
                                 (Zero-Lager).




                                                                                     43
Ansprechpartner




C        Weiterführende Literatur

Burschel, C.: Umweltschutz als sozialer Prozeß. Westdeutscher Verlag. Opladen Wiesbaden 1995.
     260 Seiten. DM 48.
     Untersuchungen zur Organisation des Umweltschutzes und sowie eine Fallstudie zur
     Implementierung von Umwelttechnik in einem mittelständischen Betrieb.
Butterbrodt, D.; Tammler, U.: Techniken des Umweltmanagements. Carl Hanser Verlag. München
      Wien 1996. DM 19,80.
Greif, S.: Handbuch Selbstorganisiertes Lernen. Verlag für Angewandte Psychologie. Göttingen 1996.
       391 Seiten. DM 88.
       Aus- und Fortbildung ist ein zentraler Bestandteil eines Umweltmanagementsystems.
       Selbstorganisiertes Lernen steht für neue Konzepte, die „lean“ und kostengünstig eine
       Adaptation der Fortbildungsinhalte auf den jeweiligen Arbeitsbereich und eine hohe Motivation
       der Teilnehmenden ermöglichen. Das Buch stellt praxisnah, gut lesbar und umfassend nützliche
       Arten der Fortbildung dar. Benötigte theoretische Grundlagen des Konzeptes, konkrete
       Techniken und Werkzeuge und interessante Praxisprojekte werden knapp und verständlich
       beschrieben.
Hallay, H. (Hrsg.): Die Ökobilanz - Ein betriebliches Informationssystem. Berlin, Institut für
      ökologische Wirtschaftsforschung, 1990, 120 Seiten. (Schriftenreihe des IÖW 27/89)
      Ein Projekt des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung und des Förderkreises Umwelt
      future e.V. mit zahlreichen Beispielen.
Hans-Böckler-Stiftung und Projektgruppe Öko-Audit beim DGB-Bundesvorstand (Hrsg.):
     Orientierungshilfe „Umwelt-Audit und Arbeitnehmerbeteiligung“ - Leitfaden. Düsseldorf 2.
     Aufl. 1995, 172 Seiten. (Manuskripte 188; zu beziehen über Wormuth KG, z.H. Frau Reipen,
     Postfach 105542, 40046 Düsseldorf, Bestellnummer 22188)
     Ein guter Überblick insbesondere für Arbeitnehmervertreter - aber auch andere - in
     Unternehmen, die ein Umwelt-Audit anstreben.
Hoffmann, J.; Matthies, H. & U. Mückenberger (Hrsg.): Der Betrieb als Ort ökologischer Politik.
     Verlag Westfälisches Dampfboot. Münster, 1992. 306 Seiten. DM 38.
     Ein Sammelband, der an zahlreichen Beispielen aus einer kritischen Perspektive die Chancen
     und Schwierigkeiten einer betrieblichen Umweltpolitik darstellt.
Imai, M.: Kaizen: The Key To Japan´s Competitive Success. New York et. al. 1991. DM 91.
      Der Schlüssel zum Erfolg der Japaner im Wettbewerb, Wirtschaftsverlag Langen Müller
      Herbig. 1992. Taschenbuch, DM 19.80.
      Das Standardwerk zum Kaizen zeigt sehr anschaulich die mentalen Führungs- und
      Managementvorteile der Japaner auf. Kaizen heißt kontinuierliche Verbesserung, und dieses
      Prinzip haben alle Beschäftigten in Japan verinnerlicht.
Jänicke, M., H. Weidner (Hrsg.): Successful Environmental Policy. edition sigma rainer bohn verlag.
      Berlin 1995. DM 42.
      Die Autoren demonstrieren detailliert die Erfolgsgeschichten von Unternehmen im
      betrieblichen Umweltschutz. Die internationalen Beispiele machen unter anderem deutlich, daß
      jedes Unternehmen seinen eigenen Weg gehen muß, um erfolgreich im Umweltschutz agieren
      zu können.
Köhn, J., M. Welfens: Neue Ansätze in der Umweltökonomie. Metropolis Verlag. 528 Seiten. DM 78.
     Sammlung von neuen theoretischen Ansätzen, innovativen umweltpolitischen Strategien,
     praktikablen Umsetzungskonzepten und neuen empirischen Befunden mit Schwerpunkten in
     der Umweltökonomie, Stoffstromanalyse und anderen instrumentellen Ansätzen., DM 68.


44
                                                                         Weiterführende Literatur



Leitschuh-Fecht, H. & K. Burmeister: Die Zukunft der Unternehmen in einer ökologischen
      Wirtschaft. Verlag der Ökologischen Briefe. Frankfurt am Main, 1994. 140 Seiten. DM 34.
      Dokumentation einer Diskussion über die Zukunft der Unternehmen in einer Perspektive der
      dauerhaften Entwicklung mit 28 Beiträgen von Praktikern und Theoretikern.
Öko-Institut Freiburg (Hrsg.): Öko-Audit - Leitfaden und Arbeitsmaterialien zur Zertifizierung.
     Economica Verlag. Bonn 1996. 269 Seiten. DM 198.
     Ein umfassender Leitfaden, der vom Grundlagenwissen über Öko-Audit bis hin zur
     Zertifizierung klar verständliche Texte und Arbeitsmaterialien liefert und zudem
     weiterführende Informationen über Gesetzesgrundlagen und Fördermöglichkeiten enthält. Er
     wurde als Hilfe zur Selbsthilfe speziell für Klein- und Mittelständische Unternehmen
     entwickelt; alle Arbeitsschritte sind so beschrieben, daß Unternehmen sie ohne externe Hilfe
     durchführen können.
Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (Hrsg.): Mitarbeiterorientierte Umsetzung der EG-
     Umwelt-Audit Verordnung. Oldenburg 1996. 110 Seiten.
     Ein Leitfaden, der aus den Erfahrungen eines Modellprojektes entwickelt wurde. Zentral ist
     hier die Rolle der Belegschaft als letztendliche Umsetzer der Umweltschutzmaßnahmen. Die
     einzelnen Schritte zur Einführung eines Umweltmanagementsystems werden differenziert (bis
     hin zu Checklisten) und mit konkreten Unternehmensbeispielen aus dem Modellprojekt
     dargestellt.
Pauli, G.: Breakthroughs - what business can offer society. Haslemere, Epsilon Press, 1996.
       Der Begründer der Zero Emission Research Initiative (ZERI) der Universität der Vereinten
       Nationen in Tokio gibt hier seine Visionen für ein ökologisches Management im 21.
       Jahrhundert wieder.
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Umweltschutz Schafft Arbeitsplätze. Bonn 1996.
      Kostenlose Broschüre.
Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) e.V.: Foth, M., P. Gerds, C.
      Nitschke, A. Schmitz. Umweltschutz ist wirtschaftlich. Eschborn 1994. DM 98.
      Ein     klassisches   Handbuch     zum      betrieblichen    Umweltschutz,   mit vielen
      Hintergrundinformationen und lebendigen Tips zur Umsetzung. Die Checklisten regen zum
      aktiven Gestalten und Handeln an.
Schmidheiny, S.: Kurswechsel - Globale unternehmerische Perspektiven für die Entwicklung und
     Umwelt. München 1992. 448 Seiten. DM 48 (TB DM 19,80).
     Der Business Council for Sustainable Development ist in Vorbereitung der Rio-Konferenz für
     Umwelt und Entwicklung ein Zusammenschluß von 50 weltweit führenden Unternehmen (u.a.
     VW, Ciba-Geigy, Procter & Gamble, Nippon Steel, 3M etc.). Stephan Schmidheiny ist einer
     der innovativsten und erfolgreichsten europäischen Unternehmer.
Simonis, U. E. (Hrsg.). Basiswissen Umweltpolitik: Ursachen, Wirkungen und Bekämpfungen.
     edition sigma. Berlin 1990. DM 27,80.
Tischler, K: Grundwissen Umwelt. Ernst Klett Verlag für Wissen und Bildung GmbH. Stuttgart:
      1994. 238 Seiten. DM 30,80.
      Eine klare und knappe Einführung in die Gesamtproblematik des Umweltschutzes mit
      besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Dimensionen.
Tischler, K.: Ökologische Betriebswirtschaftslehre. R. Oldenbourg Verlag GmbH. München: 1996.
      650 Seiten. DM 98.
      Ein ausgezeichnetes Lehrbuch für die betriebliche Weiterbildung aber auch zum Selbststudium
      geeignet.
Tischler, K.: Umweltökonomie. R. Oldenbourg Verlag GmbH. München, Wien, Oldenbourg 1994.
      DM 54,80.
Umweltmanagement Internet Service, Internet-Adresse: “http://www.umis.de“.


                                                                                              45
Ansprechpartner



Winter, G.: Das umweltbewußte Unternehmen. München 1993. DM 48.




46
Ansprechpartner




D         Ansprechpartner

 ECOS GmbH                            A. H. Meyer Maschinenfabrik GmbH
Dr. Rolf Fobker                       Thomas Roess
Westerbreite 7                        Postfach 1164
49084 Osnabrück                       27233 Twistringen
Tel: 0541-9778-200                    Tel: 04243-9288-17
Fax: 0541-9778-202                    Fax: 04243-3403
 Heinz Essmann GmbH                   Rationalisierungs-Kuratorioum der
Dipl.-Ing. Hanno Friderici               Deutschen Wirtschaft (RKW) e.V.,
Postfach 3280                         Landesgruppe Niedersachsen, Hannover
32076 Bad Salzuflen                   Sigrid Harp
Tel: 05222-791-205                    Friesenstraße 14
Fax: 05222-791-256                    30161 Hannover
                                      Tel: 0511-33803-35
 Gebr. Hellmann GmbH & Co. KG
                                      Fax: 0511-33803-38
Reinhard Szyszka
Elbestr. 1-40                          Sievert AG,
49090 Osnabrück                       Dr. Rudolf Berres
Tel: 0541-605-1217                    Mühleneschweg 7
Fax: 0541-605-1202                    49090 Osnabrück
                                      Tel: 0541-601-719
 Julius Heywinkel GmbH
                                      Fax: 0541-601-717
Umweltbeauftragter
Dipl.-Ing. Gisbert Hotz                Prof. Dr. György Széll
Sauerbruchstraße 3                    Universität Osnabrück
49565 Bramsche                        Forschungsstelle Japan
Tel: 05461-72130                      49069 Osnabrück
Fax: 05461-72131                      Tel. 0541-969-4614
                                      Fax. 0541-969-4600
                                      Email: gszell@uos.de



Weitere Ansprechpartner:
     B.A.U.M.                         future e.V.
     Kirchenweg 211                   c/o Akzente
     22559 Hamburg                    Rumfordstr. 10
     Tel: 040-8101-01                 80469 München
     Fax: 040-8101-26                 Tel: 089-290840-23
                                      Fax: 089-290840-50
     C.U.T.
     Westerbreite 7                   Umweltbundesamt
     49084 Osnabrück                  Seecktstr. 8-10
     Tel: 0541-9778-100               13581 Berlin
     Fax: 0541-9778-108               Tel: 030-8903-0
                                      Fax: 030-8903-2285
     Deutsche Bundesstiftung Umwelt
     An der Bornau 2
     49090 Osnabrück
     Tel: 0541-9633-0
     Fax: 0541-9633-190


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Unternehmen, die Umweltschutz aktiv angehen und integrierte
Lösungen verwirklichen, haben nach einer Untersuchung des
Umweltbundesamtes bessere Chancen im Wettbewerb. Diese Unter-
nehmen schöpfen durch aktives Umweltschutzmanagement ihre
Kostensenkungs- und Erlössteigerungspotentiale besser aus.




Kosten senken mit Umweltschutz

Die Karstadt AG, Essen konnte durch Umstellung auf Mehrwegver-
packungen im Transportbereich pro Jahr 100.000 m³ Pappe und
zusätzlich 146 t Pappe bei ihren Lieferanten einsparen.

Das macht pro Jahr eine Kosteneinsparung von 5 Millionen DM.

                                                   (!Forbes, 1994)


Die schweizer Baer Weichkäserei führte Seminare durch, an denen
zunächst nur die Führungsebene, dann jedoch alle Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter teilnahmen. Ziel war es, bei den Teilnehmern
Problembewußtsein zu schaffen sowie für die Firma insgesamt und
den     eigenen    Arbeitsbereich    Lösungsmöglichkeiten      zu
Umweltproblemen zu entwik-keln. Dabei wurde eine Vielzahl von
Lösungsvorschlägen erarbeitet, die zum größten Teil umgesetzt
wurden:

So spart eine Wärmerückgewinnung zukünftig über 20% Heizöl.
Durch getrennte Entsorgung ging das Abfallvolumen um 65% zurück.

                                    (Freiburger Öko-Institut, 1996)




                         ISSN 1437-5117

								
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