Famulatur Irland Dublin 2005

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Famulatur Irland Dublin 2005 Powered By Docstoc
					                     FAMULATURBERICHT
                                     aus Dublin
          Daniela Brandstätter, Karina Huberth, Susanne Maringer, Christa Ritzer




Um unser Englisch (vor allem das medizinische Fachvokabular) zu verbessern, beschlossen
wir, eine Auslandsfamulatur in einem Englisch sprachigen Land zu absolvieren.
Für uns relevant und interessant waren Schottland und Irland.
Auf Grund des schottischen Akzentes und dem für uns einfacher zu verstehenden irischen
Akzent, entschieden wir uns für Irland.
Andere Beweggründe für unser Praktikum im Ausland waren unser Interesse an den
Unterschieden des Gesundheitssystems und das Land selbst, außerdem die Menschen und die
Mentalität kennen zu lernen.
Durch Internetrecherchen, schriftliche Anfragen und dem Versuch der Kontaktaufnahme via
Telefon mit den verschiedenen Krankenhäusern organisierten wir unsere Famulatur.
Ein Problem stellte sich uns jedoch: die Kontaktaufnahme war sehr mühsam, dauerte lange
und wir erhielten teilweise keine Antwort. Jedoch nach Monaten bekamen wir endlich
Zusagen aus dem Adelaide and Meath Hospital in Tallaght (Vorort von Dublin) und drei
weiteren Spitälern (Waterford, Galway und Cork). Wir entschieden uns für Dublin.

Zu den weiteren Vorbereitungen zählten die Buchung des Fluges bzw. der Fähren. Aus
finanziellen Gründen entschieden wir uns für einen Direktflug mit Aer lingus (irische
Fluglinie). Diesen buchten wir über Internet (ca. 90 Euro single). Mit der Unterkunft hatten
wir ein großes Glück, da wir privat bei Bekannten zu einem für Dublin wirklich günstigen
Preis (ca. 240 Euro pro Person pro Monat in einem 3-Bett-Zimmer) untergebracht waren. Der
durchschnittliche Preis für ein Zimmer im Studentenheim wäre ca. 500 Euro pro Person pro
Monat. Also wesentlich teurer! Grundsätzlich ist anzumerken, dass Irland um ca. 40% teurer
ist als Österreich.

Wir famulierten von 1.08.05 bis zum 26.08.05. Susanne und Daniela entschieden sich für die
Nephrologie, Karina leistete ihr Praktikum auf der Gastroenterologie und Christa auf der
Neurologie.
Das Mittagessen war selbst zu bezahlen (ab 3 Euro), welches jedoch nicht mit dem Essen in
unseren Krankenhäusern zu vergleichen ist. Angeblich war dieses im Adelaide and Meath
Hospital das Beste in Irland (gewannen sogar Preis für ihr ausgezeichnetes Essen). Wir
erhielten keine Arbeitskleidung wie in unseren Spitälern, sondern wir wurden aufgefordert
uns elegant (keine Jeans und Turnschuhe) zu kleiden und einen weißen Mantel zu tragen.

Unsere Aufgaben auf der Station (Nephrologie, Susanne und Daniela) bestanden darin, den
Status und die Anamnese bei Patienten zu erheben. Wir wohnten jeden Tag den Visiten bei
und es wurde von uns verlangt, bei den Chefvisiten eine Patientenvorstellung zu machen. Für
die Blutabnahmen gab es speziell ausgebildetes Personal, meistens Diplomkrankenschwestern
bzw. Diplomkrankenpfleger, also entfiel das unserem Aufgabenbereich.
An drei Vormittagen arbeiteten wir auf der Ambulanz. Wir hospitierten bei verschiedensten
Ärzten und nach dem Patienten-Arzt Gespräch wurden, gemeinsam mit dem Arzt, die
Patienten und deren Krankengeschichte durchgesprochen bzw. unser Wissen abgefragt
(Definition, Äthiologie, Pathogenese, palpatorische Beurteilung, Diagnose,
Therapievorschläge, Medikation,...) Viele der Ärzte waren sehr bemüht uns das Stoffgebiet
näher zu bringen und zu unterrichten. Das Beiwohnen des Arztgespräches war sehr wichtig,
da wir dadurch unsere Englischkenntnisse vor allem im fachlichen Bereich erheblich
verbesserten. Durch das fachliche Abprüfen durch den Arzt wurden wir ständig zum
Mitdenken angeregt und außerdem wurde das vernetzende, globale und praxisorientierte
Denken gefordert und gefördert.

Die häufigsten Krankheiten bzw. Patienten auf der Ambulanz waren:
1. Transplantatpatienten
2. Glomerulonephritiden
3. polyzystische Nierenerkrankungen
4. Hypertonus (Herz> Niere)
5. Diabetes mellitus (Gefäßerkrankungen)

Zu den Unterschieden in österreichischen und irischen Spitälern möchte ich sagen, dass die
Patienten viel länger stationär aufgenommen werden, dass die nephrologischen Patienten
nicht auf einer Station, sondern auf mehrere verteilt liegen (das ist oft ziemlich verwirrend!)
und dass die Ärzte viel weniger gestresst wirken als in Österreich. Ärzte tragen keinen weißen
Mantel sondern ihre Straßenkleidung und sind nur durch ihre Karte und ein Stethoskop
erkennbar. Sie arbeiten von Mo-Fr von 8.00 bist 18.00 und haben jeden 8.Tag einen
Nachtdienst, ohne Ausschlaftag.
Wir arbeiteten von Mo-Fr von 9.00-ca. 15.00.

Ich, Karina Huberth, absolvierte meine Famulatur auf der Station für Gastroenterologie. Jeden
Montag, Dienstag und Donnerstag gab es einen Ambulanzdienst den sich verschiedene
Oberärzte teilten. Zum Teil wurden die wirklich dringenden Fälle direkt von dort zu einer
endoskopischen Untersuchung weitergeschickt. Die häufigsten Symptome der Patienten
waren Durchfall, Übelkeit und Sodbrennen. Die häufigsten Erkrankungen die ich gesehen
habe waren: irritables Colon
            Gastritis
            Refluxkrankheit

Die Oberärzte haben sich die Zeit genommen, mir von vielen Patienten die
Krankengeschichte zu erzählen und die weitere Behandlung mit mir durch besprochen.

Jeden Freitagmorgen wurde von einem der jungen Ärzte ein Vortrag gehalten über neue
medizinische Errungenschaften, war interessant aber zum Teil schwer verständlich. Am
Nachmittag gab es dann immer ein Histologie Meeting.

Es gehörte weiters zu meinen Aufgaben der morgendlichen Visite beizuwohnen. Die dauerte
oft bis zu 3 Stunden weil von jedem Patienten die Anamnese neu aufgerollt wurde.
Die Turnusärzte mussten eine Art Referat halten und die weitere Behandlung wurde dann
vom Oberarzt festgelegt.

Das Arzt-Patienten Verhältnis ist in Irland viel aufgelockerter als in Österreich, das hat mir
sehr gut gefallen. Die Ärzte nehmen sich viel mehr Zeit für ihre Patienten.
Zur Neurologie (Christa):
zu meinen Aufgaben gehörte die Anwesenheit bei allen Chefarzt Visiten, die zweimal pro
Woche stattfinden und bis zu 2 Stunden dauern, und auf der Ambulanz, ebenfalls zweimal pro
Woche jeweils Halbtags.
Weiters hatte ich Anamnesen und neurologische Stati von Patienten zu erheben, wobei mir
die Stationsärzte bei Bedarf zur Seite standen. Bei der Visite konnte ich diese Patienten dann
vorstellen und mein Wissen zu den jeweiligen Krankheiten wurde zumindest manchmal
überprüft.

Die häufigste Erkrankung mit der ich zu tun hatte war MS, gefolgt von Epilepsie und M.
Parkinson. Da Dr. Murphy, der Chef der Neurologie, soweit ich weiß in Irland ein bekannter
Neurologe ist, bekam ich einige Patienten mit selteneren Krankheiten zu sehen, wie z.B. einen
(den einzigen in Irland) Patienten mit einem POEMS- Syndrom.

Ebenfalls musste ich bei den wöchentlichen Radiologen- und Mitarbeiterbesprechungen
anwesend sein. Jeden Donnerstag wurde von einem Mitarbeiter der Station (Ärzte,
Schwestern, Physiotherapeuten…) ein interessanter Fall oder aktuelle Forschungsergebnisse
zu verschiedenen Themen vorgestellt.

Dr. Murphy war sehr bemüht um mich und hat sich immer persönlich um mich gekümmert.
Besonders interessant war es auf der Ambulanz, wo er sich nicht nur viel Zeit für die
Patienten genommen hat, sondern auch für mich. Teilweise stellte er mir die Patienten vor,
teilweise sollte ich versuchen durch Beobachtung der Patienten einen Hinweis auf die
Erkrankung zu bekommen.

Als Höhepunkt konnte ich an einem Vortrag von bekannten amerikanischen Parkinson
Spezialisten zum Thema Parkinson- Frühtherapie teilnehmen (in Dublins nobelstem Hotel mit
anschließendem 5-Gang Menü).
Alles in allem kann ich sagen dass sich die Famulatur jedenfalls gelohnt hat, vor allem durch
die gute Betreuung durch Dr. Murphy.


Das medizinische Studium bzw. Ausbildung dauert in Irland 12 Semester, nur, dass die
Medizinstudenten nach dieser Zeit das Studium beendet haben (mit wenigen Ausnahmen).
Die Schüler werden nach einem Punktesystem beurteilt. Für angehende Medizinstudenten
werden mindestens 600 Punkte (von 700 erreichbaren Punkten) verlangt. Die
Studiengebühren für ein Studienjahr belaufen sich für irische Staatsbürger auf 700-1000
Euro, für ausländische Studenten auf bis zu 25000 Euro.
Am Ende des Studienjahres wird das erreichte Wissen in Form von schriftlichen Prüfungen
abgefragt, wobei man zwei Versuche pro Fachbereich hat. Den ersten Versuch im Juni, vor
den Sommerferien und den zweiten Versuch im September. Beendet man das Studienjahr
negativ, muss man das Jahr wiederholen. Die zu absolvierenden praktischen Übungen, welche
unserer Famulatur entsprechen, werden zwischen dem 4. und 5. Jahr für acht Wochen und
zwischen dem 5. und 6. Jahr wiederum für acht Wochen gemacht.
Nach Beendigung des Studiums wird ein ein-jähriges Praktikum, das sogenannte Internship
(welches unserem Turnus entspricht) verlangt, dann ist man SHO. Dem österreichischen
Assistenzarzt kommt der irische Registra gleich und nach Beendigung dieses ist man
Consultant (= Facharzt). Die durchschnittliche Facharztausbildung dauert ca. vier Jahre für
einen Psychiater, fünf bis sechs Jahre für andere Fachärzte und zwei bis drei Jahre für einen
Allgemeinmediziner.
Bezüglich Krankenversicherung haben wir leider nicht sehr viel herausgefunden. Wir haben
nur erfahren, dass es zwei verschiedene Versicherungsgesellschaften gibt, dass die
Privatversicherung ziemlich teuer sein soll und man für einen Arztbesuch bis zu 50 Euro
Selbstbehalt bezahlen muss.


Zusammenfassend können wir sagen, dass unsere Arbeit wirklich Spaß gemacht hat. Die
irische Mentalität ist viel offener und zuvorkommender als die österreichische. Wir wurden
sehr nett behandelt und zuvorkommend aufgenommen. Unsere zuständigen Ärzte waren sehr
bemüht, uns in ihr Alltagsleben im Krankenhaus einzubinden und zu integrieren, uns ihre
Arbeit näher zu bringen.
Leider konnten wir unsere praktischen Fähigkeiten nicht verbessern, umso mehr jedoch
unsere sozialen Kontakte vertiefen und festigen. Außerdem verbesserten wir unsere
Englischkenntnisse.
Es ist wirklich sehr interessant ein Land in Form einer Famulatur kennen zu lernen. Es
ermöglicht einem Einblicke in das Leben anderer Menschen und Kulturen.
Wir bedanken uns bei der medizinischen Universität Graz für die finanzielle Unterstützung,
ohne die dieser Aufenthalt nicht möglich gewesen wäre.

Kontakt:
chitrini@gmx.at
danibanani
zuckey@gmx.net
Ritzer@gmx.de

				
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