Die mittelalterliche Stadt by QEaCN0

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									                              Die mittelalterliche Stadt
                             Ein Lernzirkel in Karlstadt/Main
                          (Martin Walter, Volksschule Eußenheim)


Vorwissen der Schüler
Die Schüler hatten bereits die mönchischen und ritterlichen Lebensformen behandelt und einen
Einblick in die mittelalterliche Geschichte gewonnen. Fundierte historische Kenntnisse über die
mittelalterliche Stadt lagen noch nicht vor. Die Stadt selbst und die behandelten Bereiche waren ihnen
jedoch durch alltägliche Begegnungen bekannt. Die Analyse von Sachtexten und der Umgang mit
Fachbüchern waren bereits in den Monaten vor dem Lernzirkel konsequent eingeschult worden.

Aufbau des Lernzirkels
Nachdem die Voraussetzungen für einen Lernzirkel außerhalb des Klassenzimmers abgeklärt waren,
wurden die einzelnen Stationen ausgearbeitet. Die Themenstellung und das vorhandene Material
machten eine Mischung aus Erkundung der mittelalterlichen Stadt und des Lebens in der Stadt
sinnvoll. Die Schüler sollten sowohl einen Einblick in das mittelalterliche Stadtbild als auch in das
mittelalterliche Stadtleben erhalten. Dass dieser nur punktuell erfolgen konnte, versteht sich
angesichts der begrenzten Zeit und der Größe des Themengebietes von selbst. Insgesamt ergaben
sich 10 Themengebiete, die aus organisatorischen Gründen auf 5 Stationen im Innenstadtgebiet
zusammengefasst wurden (siehe Stadtplan, links). Die Innenstadt Karlstadts ist weitgehend
verkehrsberuhigt, so dass eine gefahrlose Durchführung des Lernzirkels möglich war.
Die Stationen behandelten jeweils zwei Themengebiete, die methodisch vielfältig bearbeitet wurden.
Die Informationen sollten aus Tätigkeiten, der Begegnung mit Originalen, Texten usw. oder einem
Expertenvortrag gewonnen werden.

Vorstellung der Stationen
Die Station 1 befand sich vor dem Maintor und der mittelalterlichen Stadtmauer auf den Uferwiesen
vor dem Main. Durch die Ermittlung von Höhe und Breite der Stadtmauer wurde eine Vorstellung von
deren Dimensionen erzielt. Daraufhin war die Mauer zu überklettern. Dabei mussten die Schüler
selbst nach einer Lösung zur Überwindung der Mauer suchen.
Der enorme Arbeitsaufwand, der bei der Errichtung der Mauer notwendig war, wurde bei Fertigung
eines einzigen Steines erfahren. Der Versuch, einen Muschelkalkstein mit Hammer und Meißel
zurechtzuschlagen, machte den langsamen Arbeitsfortschritt deutlich.
Den Fluss und die Stadtmauer vor Augen, wurden die Standortvorteile aus einem Sachtext
herausgesucht. Naturbedingt konnten schwere Lasten relativ leicht mit Flößen und Schiffen auf dem
Main transportiert werden. Zudem bot der Main eine Nahrungsquelle und bildete einen natürlichen
Schutz auf dieser Seite der Stadt.

Die Station 2 behandelte den Markplatz und das Rathaus. Der Stationsleiter referierte über den
mittelalterlichen Markt, bevor ihn die Schüler nach einer Befragung von Passanten mit dem heutigen
Markt verglichen. Die Schüler erhielten Informationen, wie der Markt aufgebaut war, was angeboten
wurde, und welche Bedeutung dieses Marktrecht für die Bürger Karlstadts hatte. Die verschiedenen
Märkte wurden durch die Analyse von Straßennamen entdeckt. Im Vergleich mit dem heutigen Markt
wurde klar, dass nur noch relativ wenige Waren angeboten werden und die meisten auch in
Kaufhäusern zu erhalten sind, so dass die zentrale Bedeutung des Marktes innerhalb der Stadt sehr
stark zurückgegangen ist.
Um einen Eindruck zu bekommen, welch rauhe Kleidung damals getragen wurde, durften die
Teilnehmer in der Tastbox verschiedene Stoffe fühlen und beschreiben. Der Stationsleiter erklärte
anschließend, welche Materialien welche Personengruppen getragen hatten. Es wurde deutlich, dass
sich nur wenige Leute die als angenehm empfundenen Materialien, wie Pelze und feine Stoffe, leisten
konnten.
Im Rathaus musste die multifunktionale Nutzung analysiert werden, die auf mehreren Hinweistafeln
beschrieben war. Um dies herauszufinden wurde das ganze Rathaus begangen. Dabei fanden die
Schüler heraus, dass das Rathaus eine Reihe von Aufgaben erfüllte und ein sehr wichtiges Gebäude
innerhalb der Stadt war.
Die Station 3 befand sich am „Oberen Torturm“ in der Nähe des ehemaligen Spitals. Durch die
Analyse des Namens Spitalgasse, unter Zuhilfenahme eines Geschichtslexikons, wurde die Nutzung
des Spitals herausgefunden und beschrieben. Dann referierte der Stationsleiter über das Spital und
seine Aufgaben, bevor die Grabplatten von Stiftern gesucht werden mussten. Da die Schriften nur
noch schwer zu entziffern waren, wurde auf die Heraldik zurückgegriffen, um den Stifter bestimmen zu
können. Die Wappen mussten abgezeichnet werden. Der Stationsleiter erklärte daraufhin, wie die
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Wappen zugeordnet werden können und ließ die Schüler die Wappenträger ermitteln.
Der Turm, der einen der mittelalterlichen Hauptzugänge überragte, wurde ebenfalls vom Experten
vorgestellt. Die Aufgabe des Turms beschränkte sich nicht nur auf das Aufspüren von Feinden,
sondern hier befand sich auch die für mittelalterliche Städte wichtige Feuerwache. Außerdem wurden
am Tor die Besucher kontrolliert und das Tor nachts geschlossen. Anschließend musste die Nutzung
des Turms beschrieben und die Dimensionen abgeschätzt werden. Dadurch wurden die
Größenverhältnisse veranschaulicht und deutlich, wie dieser Turm seinen Aufgaben gerecht werden
konnte.
Die Station 4 behandelte die Stadtpfarrkirche St. Andreas und die ehemalige Schule. Die Schüler
stellten anhand der Fensterformen fest, dass sich in der Stadtpfarrkirche verschiedene Stile
vermischten. Sie zeichneten die romanischen Rundbogenfenster des Turmes und die spitz
zulaufenden, gotischen Fenster ab und verglichen sie mit adäquaten Bildern der einschlägigen
Fachliteratur. Über den Baustil konnte eine überschlägige Datierung der Entstehung vorgenommen
werden. Die romanischen Elemente wurden zwischen 500 und 1300 errichtet, während die gotischen
Bereiche aus dem 12. bis 15 Jh. stammen. Damit wurde klar, dass der Turm älter als die Fenster sein
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muss.
Im Innern der Kirche wurde die Statue eines Amtsritters von Karlstadt aus dem Mittelalter gesucht und
seine Funktion in einem Text erklärt. Der Titel des Ritters zeigte, dass die Stadt Karlstadt keine freie
Reichsstadt war, sondern dem Fürstbischof von Würzburg unterstand, dessen Vertreter in Karlstadt
residierte.
Aus dem Sachtext zur Station konnten verschiedene Gründe zur Kirchengestaltung entnommen
werden. Neben dem Prestigeobjekt Kirche spendeten viele Bürger für ihr Seelenheil.
Die Nutzung der danebenliegenden Schule musste von den Schülern selbst herausgefunden werden
(Hinweistafel). Im Vergleich mit der eigenen Schule wurden die Enge der Klassenzimmer und die
Nachteile der damaligen Schulform angerissen. Da die Schule mittlerweile als normales Wohnhaus
genutzt wird und nur noch ein kleines Schild auf die Vergangenheit hinweist, konnten nur aufgrund der
Außenmaße erste Erkenntnisse gewonnen werden.

Die Station 5 in der Maingasse ging auf die Handwerker und auf die Alltagswelt der mittelalterlichen
Stadt ein. Da es kaum deutliche Hinweise auf große Patrizierfamilien in Karlstadt gab, wurden die
mittelalterlichen Handwerker näher untersucht. Zahlreiche Straßennamen gaben Auskunft über die
verschiedenen, ortsansässigen Zünfte. Der Begriff Zunft, seine Beschreibung und seine Auswirkung,
wurde anhand eines Sachtextes aufgearbeitet.
Um einen Eindruck der schlichten mittelalterlichen Küche, mit der sich große Teile der Bevölkerung
zufrieden geben mussten, zu gewinnen, durfte ein mittelalterliches Weizengericht probiert und
anschließend beschrieben werden.
So gestärkt konnten die Breiten einer Gasse und eines Hauses ausgemessen werden. Dadurch wurde
die allgemeine Dichte der Bebauung innerhalb der Stadtmauern deutlich. Ein Vergleich mit einem
modernen Haus hob die Beengtheit der mittelalterliche Wohnverhältnisse nochmals besonders hervor.
Die mittelalterliche Stadt hatte keine Abwasserentsorgung. Schmutzwasser und Abfälle wurden auf die
Straße gekippt. Es herrschte eine für das heutige Geruchsempfinden unerträgliche Immission. Einen
kurzen, leichten Eindruck dieses eindringlichen Gestanks gewannen die Schüler, indem sie an einem
Behälter mit verschiedenen Küchenabfällen riechen durften.



Lernziele der einzelnen Stationen

Station 1       Stadtmauer und Fluss
   1. Die Schüler sollen die Standortvorteile einer mittelalterlichen Stadt am Fluss nennen können.
   2. Die Schüler sollen sich die Ausmaße der Stadtmauer bewusst machen und ihre Funktionen nennen
      können.
   3. Die Schüler sollen erfahren, wie mühsam die Errichtung von Steingebäuden mit den technischen
      Hilfsmitteln des Mittelalters war.

Station 2a Rathaus
   1. Die Schüler sollen einen Vergleich von einem mittelalterlichen und gegenwärtigen Marktgeschehen
      vornehmen können.
   2. Die Schüler sollen die verschiedenen mittelalterlichen Märkte Karlstadts nennen können.
   3. Die Schüler sollen Kleidungsmaterialien kennenlernen und ihre taktilen Erfahrungen beschreiben
      können.

Station 2b Marktplatz
   1. Die Schüler sollen die Funktionen eines mittelalterlichen Rathauses beschreiben können.


Station 3a Spital
   1. Die Schüler sollen die Nutzung der Spitalkirche und ihrer ehemaligen Anbauten herausfinden.
   2. Die Schüler sollen erklären können, dass das Spital von privaten Stiftern abhängig war.
   3. Die Schüler sollen die Grabplatten verschiedener Stifter finden und mit Hilfe der Heraldik die Stifter
      ermitteln.

Station 3a Turm
   1. Die Schüler sollen die Größe des Turmes und seine Funktionen beschreiben können.
   2. Die Schüler sollen die Aufgaben eines Türmers nennen können.

Station 4a Katholische Stadtpfarrkirche St. Andreas
   1. Die Schüler sollen romanische und gotische Fenster unterscheiden können.
   2. Die Schüler sollen die Gründe der prachtvollen Ausgestaltung der Kirche nennen können.
   3. Die Schüler sollen die Statue eines Stadtherrn (Amtmann des Bischofs) finden.

Station 4b Schule
   1. Die Schüler sollen den Standort der mittelalterlichen Schule finden und mit ihrer eigenen
      vergleichen.
Station 5a Handwerker
   1. Die Schüler sollen die mittelalterliche Zünfte Karlstadts ermitteln.
   2. Die Schüler sollen die wichtigsten Gründe für die Entstehung der Zünfte nennen können.
   3. Die Schüler sollen einen geschmacklichen Eindruck einer mittelalterlichen Alltagsspeise der
      normalen Stadtbevölkerung erhalten.


Station 5b Straßen und Häuser
   1. Die Schüler sollen die schmalen Straßen ausmessen.
   2. Die Schüler sollen die Breite eines schmalen, mittelalterlichen Hauses ermitteln und mit modernen
      Häusern vergleichen.
   3. Den Schülern soll die Beengtheit in den Straßen und Häusern des Mittelalters bewusst werden.
   4. Die Schüler sollen sich olfaktorisch ein Bild vom Geruch damaliger Innenstädte machen und dies
      beschreiben können.


Stationentexte mit Lösungen
Station 1       Stadtmauer und Fluss
Der Fluß bot der Bevölkerung von Karlstadt drei Vorteile.
1. Auf dem Fluss konnten Waren leichter als auf der Straße transportiert werden. 2. Im Fluss konnten
       Fische gefangen werden. 3. Am Flussübergang konnten Zölle eingenommen werden.
Die Stadtmauer übernahm eine Schutzfunktion gegen Angreifer. Dies konnten Feinde aus anderen
Ländern oder auch Raubritter der Umgebung sein. Teilweise stritten sich auch die Bürger mit den
Adeligen und konnten sich dann hinter ihre Stadtmauern zurückziehen.
Die Mauer war mit Türmen bestückt, von denen Angreifer auf weite Entfernungen erkannt werden
konnten. Die Mauer wurde nur an vier Stellen von schwer bewachten Toren unterbrochen.
Vor der Stadtmauer war ein großer Graben ausgehoben, der erst im 19. Jh. zugeschüttet wurde.

1. Wie dick und wie hoch ist die Stadtmauer? 2 P.
1 -2 m
2. Versuche, einen Stein für eine Stadtmauer zu fertigen. Du hast 5 Minuten Zeit, den Stein
quaderförmig zuzuschlagen. Notiere deine Erfahrung! Vorsicht, schlage dir nicht auf die Finger. Trage
immer eine Schutzbrille! 2 P.
Es ist sehr schwer den Stein zu bearbeiten.
3. Könntest du ohne Hilfsmittel über die Mauer gelangen? Versuche es mit deiner Gruppe.
Was würdest du benötigen? 1 P.
Schülerversuche, die Mauer zu überwinden. Ergebnis, sie ist zu hoch.
Lies den Text!
4. Nenne drei Vorteile, die der Fluss mit sich brachte. 3 P.
1. Zölle am Flussübergang, 2. Fischfang, 3. Warentransport auf Main

Station 2a     Marktplatz
Eines der wichtigsten Rechte einer mittelalterlichen Stadt war das Marktrecht. Ein Händler konnte
nicht einfach überall seine Waren anbieten, sondern musste sie auf einem Markt verkaufen. In vielen
Städten waren die reisenden Händler sogar verpflichtet ihre Waren anzubieten und durften nicht
einfach durch die Stadt ziehen. Dafür gewährte die Stadt dem Händler Schutz vor Diebstahl und
Raub. Dieser Schutz war im Mittelalter sehr wichtig, denn es gab keine landesweite Polizei und es
fanden viele Raubüberfälle statt.
Der Markt war der „Supermarkt“ des Mittelalters. Hier wurden Tuche, Stoffe, Kleider, Werkzeuge,
Waffen, Wein, Gemüse, Obst, Salz usw. angeboten.
Salz war sehr wichtig, da es noch keine Kühlschränke gab. Das Fleisch wurde mit Salz eingerieben
und so haltbarer gemacht.

Lass dir den mittelalterlichen Markt vom Stationsleiter erklären!
1. Befrage die Leute, was heute auf dem Markt angeboten wird und finde den Unterschied zu früher
heraus. 2 P.
Heute gibt es nur noch Blumen, Obst, Gemüse. Früher gab es auch noch Stoffe, Kleider, Werkzeuge,
Waffen usw.
2. Der Markt war getrennt. Wenn du die Obere Hauptstraße hinunter läufst, findest du in den
Straßennamen auf der linken Seite einen Hinweis darauf. 1 P.
Viehmarkt
3. Fühle die Kleidungsstücke des Mittelalters in der Tastbox und beschreibe sie. Welche Kleidung
würdest du tragen? Frage den Stationsleiter, wer die jeweiligen Kleidungsstücke getragen hat? 2 P.
Leinen usw.= rauh, unangenehm = Mehrzahl der Stadtbewohner (Tagelöhner, Gesellen....),
Pelze, feine Stoffe= weich, angenehm = Minderheit der Stadtbewohner (reiche Handwerker, Adelige,
reiche Händler....)

Station 2b     Rathaus
Das Rathaus zählt zu den wichtigsten Gebäuden der mittelalterlichen Stadt. Meist steht das Rathaus,
wie auch in Karlstadt, am Marktplatz. Im Karlstädter Rathaus gelangt man über eine außenliegende
Treppe in den 1. Stock. Dort ist ein großer Saal, in dem sich die Bürger versammeln konnten. Es
handelt sich dabei um den größten mittelalterlichen Bürgersaal Deutschlands. Dahinter befindet sich
eine Ratsstube, in der der Stadtrat seine Entscheidungen über die Stadt treffen konnte. Unter dem
Bürgersaal im Erdgeschoss befand sich eine Markthalle mit Ständen von Bäckern, Metzgern usw. Hier
war auch eine Waage, auf der größere Gegenstände oder Tiere gewogen werden konnten. Auch die
Wache (Polizei) der Stadt und ein kleines Gefängnis waren im Rathaus untergebracht.
Gehe in das Rathaus durch den mittleren seitlichen Eingang ins Erdgeschoss. Dort findest du ein
Schild an einer Glaswand, an der die ehemalige Nutzung des Gebäudes beschrieben ist. (Wenn
geschlossen, frage Stationsleiter.)
1. Wie wurde das Erdgeschoss im Mittelalter genutzt? 1 P.
Markthalle oder Verkauf oder durch Bäcker, Metzger usw.
2. Was war im Obergeschoss untergebracht? 2 P.
Bürgersaal und Ratssaal
Lies den Text!
3. Welche Waren wurden in der Markthalle verkauft? 2 P.
Backwaren , Fleisch usw.
4. Was wurde im Ratssaal gemacht? 1 P.
Vom Stadtrat wurden hier Entscheidungen für und über die Stadt getroffen.

Station 3a      Spital
Im Mittelalter gab es noch keine Krankenversicherung. Der Arzt musste vom Patienten selbst bezahlt
werden. Ärmere Menschen konnten sich dies oft nicht leisten. Für diese Kranken und für ärmere
Bürger, die keine Wohnung mehr hatten, wurde das Spital gegründet. Das Spital wurde durch
Spenden oder durch den Ertrag eigener Felder unterhalten. Für die Spender und Gründer, meist
reichere Bürger oder Adelige, wurde dann regelmäßig ein Gottesdienst gehalten, dessen Besuch zur
Pflicht der Bewohner des Spitals gehörte. Diese Gottesdienste fanden in der Kirche statt, die du heute
noch sehen kannst.

1. Die Straße gegenüber der kleinen Kirche wurde nach einer Einrichtung benannt. Schlage im
Lexikon nach, was darunter zu verstehen ist. 1 P.
Spital = Krankenhaus, Pflegeheim, Altenheim
2. Gehe in die Kirche hinein. In der Kirche findest du an der rechten Seitenwand die Grabplatte eines
Stifters (Geldgebers) des Spitals. Der Name ist nicht mehr entzifferbar, aber das Wappen ist noch
sehr deutlich sichtbar.
a) Was hat das Wappen in der Mitte? 1 P.
Blume
b) Findest du noch weitere Grabplatten von Gründern? Beschreibe die Wappen und suche die Namen
der Wappenträger mit Hilfe der an der Station aufliegenden Bücher heraus. 1 P.
Bistumswappen des Julius Echter von Mespelbrunn

Station 3b      Turm
Der obere Torturm bildete im Mittelalter den südlichen Eingang zur Stadt. Er gehört zu den höchsten
Türmen Frankens. Im Turm wohnte der Türmer, der sowohl Wache hielt, um anrückende Feinde
schon von weitem auszumachen und Alarm geben zu können, als auch die Stadt zu beobachten, um
die Bevölkerung vor ausbrechenden Feuer zu warnen.
Vom Turm aus überspannte eine Holzbrücke den Graben, der der Stadtmauer vorgelagert war.

Neben dem Turm befand sich eine Pforte, durch die die zum Tode Verurteilten gehen mussten, wenn
sie auf dem Weg zum Richtplatz waren.

1. Wie viele Stockwerke hat der Turm? 1P.
         7
2. Schätze die Höhe des Turmes! 1 P.
         25 - 35m
3. In vielen mittelalterlichen Städten ist das Tor neben dem Turm. Bei diesem Turm ist das anders. 1 P.
Das Tor ist unter bzw. im dem Turm.
Lass dir den Turm vom Stationsleiter erklären!
4. Wo wohnte der Türmer? 1 P.
Der Türmer wohnte im Turm.
5. Auf was musste der Türmer achten? 2 P.
Auf Feinde und auf eventuelle Brände in Karlstadt.

Station 4a      Katholische Stadtpfarrkirche St. Andreas
Zu den größten Gebäuden einer mittelalterlichen Stadt zählte neben dem Rathaus stets die
Stadtkirche. Die Kirche wurde durch die Stadt und durch Spendengelder finanziert. Mit der Größe der
Kirche zeigten die Bewohner einer Stadt, wie reich sie waren. Außerdem glaubten die Leute, je mehr
Geld sie für Gott spenden, desto eher kommen sie in den Himmel. Es handelt sich in Karlstadt um
eine lichte gotische Hallenkirche mit einem romanisch-frühgotischen Westturm.
Den gotischen Stil kann man besonders an den spitz zulaufenden Fenstern der Kirche erkennen.
Die romanischen Elemente des Kirchturms zeigen sich in den Rundbogenfenstern.
Im Innern war die Kirche bemalt.

1. Zeichne eines der großen Fenster der Kirche in seinen Grundzügen nach! 1 P.
2. Zeichne ein Fenster im ersten Stock des Turmes nach! 1 P.
3. Suche mit Hilfe der an der Station aufliegenden Bücher den Baustil der Fenster heraus. Aus welcher Zeit
stammen die Fenster und wann wurden die Bauteile dementsprechend errichtet? 2 P.
Turmfenster = romanisch (10. - 13. Jh.), Kirchenfenster = gotisch (12. - 15. Jh.)
4. Stelle dich vor das Taufbecken. Schaue nach vorn. Rechts neben der Kapelle ist eine Statue von
einem Ritter von Rieneck. Dieser Ritter war ein Stellvertreter des Herrschers von Karlstadt, dem
Bischof von Würzburg.
Was hält er in den Händen? 2 P.
Er hält einen Speer (oder Fahne) und ein Schwert in Händen.
Lies den Text der Station!
5. Warum war die Kirche so groß? 1 P.
Dies zeigte den Reichtum der Stadt.

Station 4b     Schule
Auch im Mittelalter gab es Schulen. Wir finden die deutsche Schule in einem kleinen Haus neben der
Kirche. Neben der deutschen Schule, gab es auch noch eine Lateinschule, die mittlerweile abgerissen
wurde.
Die Schule musste damals von den Eltern bezahlt werden. Alle Schüler Karlstadts gingen in die zwei
kleinen Schulen.

1. Neben der Kirche befindet sich ein freistehendes Gebäude. Wie wurde es früher genutzt? Am
Gebäude findest du eine Tafel mit dem Hinweis darauf. 1 P.
Als Schule
Lies hierzu den Text der Station.
2. Im Dachgeschoss des Gebäudes wohnten die Lehrer. Vergleiche die Größe des Gebäudes mit der
Eußenheimer Schule. 1 P.
Die Eußenheimer Schule ist wesentlich größer.
3. Wie viele Klassenzimmer passen in das Gebäude? 1 P.
        2 - 4 Klassenzimmer
4. Fast alle Schüler Karlstadts gingen in diese Schule. Waren damals auch nur 26 Schüler in einem
Klassenzimmer untergebracht? Wie viel Platz hatten die Schüler? 2 P.
Es waren sehr viel mehr Schüler in einem Klassenzimmer. Es war sehr eng

Station 5a     Handwerker
Neben den Händlern und den bekannten Handwerkern, gab es eine Reihe von anderen Handwerkern,
die sich zu Zünften zusammengeschlossen hatten. Die Zünfte legten die Preise, die Menge, wie viel
hergestellt werden sollte und die Anzahl der Betriebe fest. Dadurch konnte der Konkurrenz unter den
gleichen Betrieben vermieden werden. Die Handwerker wohnten häufig alle in einer Straße. Die
Straßennamen zeugen heute noch von diesen Zünften.

1. Gehe an der Hauptstraße entlang und notiere dir die Handwerkszünfte, die du anhand der
Straßennamen herausfinden kannst. Eine Gasse, die von der Maingasse abbiegt, beschreibt einen
weiteren Beruf. 5 P.
Färber, Gerber, Winzer, Schuster, Fischer

2. Welche Handwerker wohnten noch in der Stadt? (Die Leute der Stadt mussten auch essen.) 3 P.
Metzger, Bäcker, Schneider usw.

3. Probiere das mittelalterliche Essen eines normalen Handwerkers. Das Essen der Mehrheit der
Bevölkerung bestand größtenteils aus Hafer, Getreide, Weizen, Gemüse und einigen wenigen Zutaten
(z.B. Obst). Gewürzt wurde mit Kräutern, da andere Gewürze aus Asien eingeführt werden mussten
und sehr teuer waren.
Wie schmeckt dir das Essen? Würdest du es jeden Tag essen wollen? 1 P.
Lies den Text der Station!
4. Wie nannte man die Vereinigungen, in denen sich die Handwerker zusammenschlossen? 1 P.
Zünfte
5. Warum schlossen sich die Handwerker zusammen? 1 P.
Dadurch hatten sie weniger Konkurrenzkampf.


Station 5b     Straßen und Häuser
1. Messe die Straßenbreite der Fischergasse an der Einmündung zur Maingasse. Messe auf 0,5 m genau. 1 P.
         3 - 4,5 m
2. Wie viel Platz war noch übrig, wenn ein 2m breiter Leiterwagen Waren ablieferte? 1 P.
         1m
3. Messe die Breite des Hauses Maingasse 17. Das Haus befindet sich zwischen Maingasse 15 und
19. Messe auf 0,5 m genau. Einen Maßstab erhältst du an der Station 5. 1 P.
         3 - 4,5 m
4. Wie viele Stockwerke hat dieses Gebäude? 1 P.
         3-4
5. Ein normales, modernes Wohnhaus ist ca. 11 - 12 Meter breit und 10 - 14 lang. Was fällt dir dabei
auf, wenn du es mit dem Haus Maingasse 17 vergleichst? 1 P.
Es ist viel enger und man hat viel weniger Platz.
6. Es gab damals weder Müllabfuhr noch Straßenreinigung. Der Müll wurde häufig einfach auf die
Straße geworfen. Auch der Ochsen- oder Pferdemist blieb einfach auf der Straße liegen. Es herrschte
ein ähnlicher Geruch wie in dem Behälter. Öffne den Behälter an Station 5 und notiere den ersten
Eindruck, den du von einer damaligen Straße hast! 1 P.
Die Straßen waren verschmutzt und es stank.

								
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