Wissenschaftliche Str�mungen

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6/8/2012
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							„Wissen“
   ?
Dr. Helmuth Sagawe
Universität Heidelberg



                         1

               Halbwertszeiten des Wissens
             Das Wissen wird in dieser Zeit zur Hälfte
                   überholt, erneuert oder vergessen1
   Schulwissen                = 20 Jahre
   Hochschulwissen            = 14 Jahre
   Berufliches Fachwissen      =    8 Jahre
   Technologiewissen           =    5 Jahre
   EDV-Wissen               =    3 Jahre




                                                         2
                     Formen des Wissens,

 1. Deklaratives und prozedurales Wissen
 2. Narratives und diskursives Wissen
 3. Operatives und Orientierungswissen




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 Deklaratives und prozedurales Wissen

 Deklaratives Wissen: Bezeichnet in der
  Kognitionspsychologie das Wissen über Fakten („Wissen
  was“)

 Prozedurales Wissen: handlungsorientiertes Wissen
  („Wissen wie“,).




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   A) Wissen über Fakten:

   Zu den Fakten gehören numerische Fakten wie „1+1=2 oder
   Propositionen (logische Aussagen) wie „Die Sonne ist heiß“.

   B) Wissen über Konzepte und Konzepteigenschaften:
   Flüssigkeiten oder Schüttgut, eine Menge aller Objekte, die zu dem
    Konzept gehören

   C) Wissen über semantische Beziehungen:
   Semantische Beziehungen sind Aussagen zu zwei oder mehreren
    Konzepten, wie zum Beispiel
     – Abstraktionen: (ein Schrank wird zu den Möbelstücken gezählt).
     – Teil-Von-Beziehungen: (Klinge - ist Teil vom - Schwert).
     – „Ist-Ein“-Beziehung (Hund - ist ein - Haustier).
     – Zeitliche Beziehungen Nach dem Tage kommt die Nacht, Wenn es Tag
       wird, wird es hell.
     – Räumliche Beziehungen (Behälter - Inhalt).
     – Kausalbeziehungen (Blitz - Donner).



                                                                          5
 D) Wissen über Ereignisse und Handlungen:
   Ein Ereignis ist eine Zustandsänderung eines Objektes zu einem bestimmten
    Zeitpunkt oder über ein Zeitintervall hinweg.

   Eine Handlung ist ein Ereignis, das von einem Akteur ausgelöst wurde.

 E) Wissen über Regeln
   Normatives Wissen, Gesetze, Moral, Ethik

 F) Metawissen: Wissen über Wissen, wie z. B.
     – Wissen über die Verlässlichkeit (Reliabilität) bzw. Güte (Validität) von
       Fakten oder anderen Wissensarten.
     – Wissen über Wissensqualität.

 G) Wissen als soziale Konstruktion:
   Die Erkenntnis ist nicht im Individuum, sondern in einem sozialen Kontext
    eingebettet ist.


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 diskursives / narratives Wissen

 Man kann hier zwei Formen von Wissen unterscheiden:

 diskursives Wissen – das im Diskurs (öffentliche Diskussion, oder
  eher so etwas wie "sprachlich produzierter Sinnzusammenhang, der
  eine bestimmte Vorstellung forciert, die wiederum bestimmte
  Machtstrukturen und Interessen gleichzeitig zur Grundlage hat und
  erzeugt".) ermittelte Wissen.
 Wissenschaftliches Wissen ist spezifisches diskursives Wissen, das
  dem akademischen Diskurs und seinen akademischen Regeln
  unterliegt;

 narratives Wissen – das traditionelle Wissen in Form von
  Geschichten und Erzählungen, das sich implizit selbst legitimiert.
                                   /


                                                                       7
 Operatives Wissen / Orientierungswissen

   (Wie nutze ich das Wissen, das ich habe? Wie finde ich meinen Weg, da ich
    noch nicht genug weiß?)

   A) Wissen über Vorgänge und Verfahren:
   Ein Vorgang ist eine lang andauernde Handlung. Ein Verfahren ist eine
    festgelegte Anzahl von miteinander verketteten Einzelhandlungen, für die
    oft eine bestimmte Reihenfolge verbindlich ist.
   Wissen über ein Verfahren bezeichnet man auch als "know how", „Gewusst
    Wie“.
     – Wissen, wie man Wissenslücken schließen kann (zum Beispiel indem
         man Unbekanntes erfragt).
     – Wissen, wie man neues Wissen aus vorhandenem Wissen ableitet
         (Inferenzstrategien).
     – Wissen, wie man Wissen strukturiert und neues Wissen hinzufügt.

   B) Wissen über Probleme und Problemlösungsstrategien:
   Bildung einer formalen Beschreibung eines Problems mit dem Ziel der
    Klassifikation des Problems in eine bekannte Problemklasse, zu der eine
    Problemlösungsstrategie bekannt ist.

                                                                                8
Mögliche Einteilungen der Wissenschaften




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                … nach Einzelwissenschaften

   Geisteswissenschaften (Kulturwissenschaften)
   Humanwissenschaften
   Ingenieurwissenschaften
   Naturwissenschaften
   Agrarwissenschaften
   Philosophie
   Rechtswissenschaften
   Sozialwissenschaften
   Strukturwissenschaften
   (Christliche) Theologie
   Wirtschaftswissenschaften




                                                   10
                           nach der Methode

   A) empirische Wissenschaften / hermeneutische Wissenschaften
   B) Naturwissenschaften /Geistes- (Sozial- Kultur-) -wissenschaften




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 Aktuelle Unterteilung der Wissenschaften nach Fachdisziplinen

   Geisteswissenschaften (einschließlich Kulturwissenschaften)
   Naturwissenschaften (einschließlich Medizin)
   Sozialwissenschaften ( auch Geisteswissenschaften)
   Technikwissenschaften (Ingenieurwissenschaften)
   Sonstige

   Kritiker: -




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 Ein paar Denkrichtungen in der
           Wissenschaft




                                   13
   Ansichten des heutigen Wissenschaftsverständnisses gehen bis in die Antike zurück
   Aristoteles: Unterscheidung zwischen theoretischer und praktischer Wissenschaft

   (1) Die theoretische Wissenschaft betrachtet das, was unabhängig vom Menschen ist und
    keinen äußeren Zweck außer der Erkenntnis selbst besitzt. In sie fällt vor allem die Physik und
    die Metaphysik.

   (2) Die praktische Wissenschaft thematisiert das, was im Bereich der menschlichen Handlungen
    liegt, was aber nichts außer der Handlung selbst hervorbringt. Hierein fällt vor allem Aristoteles'
    Ethik und die Politik.

   (3) Die poietische Wissenschaft untersucht das, was im Bereich der menschlichen Tätigkeiten
    liegt und hierbei ein Objekt hervorbringt. Die Schrift Poetik des Corpus Aristotelicum thematisiert
    dabei (fast) ausschließlich die Dichtung.
 Es ergeben sich bis heute die relevanten Fragen der Wissenschaft
                                                                                                         14
   Immanuel Kant
   (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda) ist einer der bedeutendsten
    Philosophen der Neuzeit. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet den zentralen
    Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.
   Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit dem Grundlagenwerk
    Kritik der praktischen Vernunft und in der Ästhetik mit der Kritik der Urteilskraft sowie
    bedeutenden Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine
    neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bis ins
   21. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst.



                            Die vier Kantischen Fragen
                          Kant hat sich vier Fragen gestellt und diese zu beantworten versucht:
                          Was kann ich wissen? – In seiner Erkenntnistheorie
                          Was soll ich tun? – In seiner Ethik
                          Was darf ich hoffen? – In seiner Religionsphilosophie

                          Was ist der Mensch? – In seiner Anthropologie




                                                                                                   15
 Einzelne Vertreter einer kritische
  Auseinandersetzung mit den Grundlagen
  der Wissenschaft




                                          16
                         Wissenschafts- und Erkenntnistheorie




   Habermas: Vertreter einer kritische Auseinandersetzung mit den Grundlagen der
    Wissenschaft

Die Schrift „Erkenntnis und Interesse“ (1968) entstand anlässlich des Positivismusstreits
    der deutschen Soziologie, der auf der Tübinger Arbeitstagung der Deutschen
    Gesellschaft für Soziologie mit den beiden Referaten von Theodor W. Adorno und
    Karl R. Popper im Oktober 1961 entflammte. Vorangegangen war ihr die
    gleichlautende Frankfurter Antrittsvorlesung, die Habermas 1965 hielt.
    Habermas greift hierin die Fragestellung der Transzendentalphilosophie nach den
    Bedingungen der Möglichkeit von Erkenntnis auf, um sie mit den Mitteln der
    modernen Sozialwissenschaften zu beantworten.

Er stellt heraus, dass es keine „objektive“ Erkenntnis gibt. Vielmehr bestimmt das
   jeweilige theoretische oder praktische Erkenntnisinteresse den Aspekt, unter
   dem die Wirklichkeit objektiviert, das heißt wissenschaftlicher Forschung und
   Organisation zugänglich gemacht wird. Erkenntniskritik ist daher nur noch als
   Gesellschaftstheorie möglich.                                                   17
Max Horkheimer (* 14. Februar 1895) war ein deutscher Philosoph
und Soziologe Hauptvertreter der Kritischen Theorie der Frankfurter
Schule.


Die Kritische Theorie indes zielt nach Vorstellung ihrer Begründer
darauf ab, die vorgefundene gesellschaftliche Totalität und ihre
Rahmenbedingungen zu hinterfragen, aufgrund derer die
Wissenschaft mitsamt ihrer Träger zumeist als Replikatoren (d. h.
salopp in etwa unkritischer „Nachplapperer“) der gesellschaftlichen
Ordnung gar nicht (oder zumindest noch nicht), d. h. weder im
theoretischen Ansatz, noch in ihrer Durchführung, der Aufbereitung
oder dem Verständnis des gewonnenen Datenmaterials, objektiv sein
könne.

Daher richtet die Kritische Theorie ein stärkeres Augenmerk auf
die Spannung zwischen dem Bestehenden und dem Möglichen
und möchte dadurch die Voraussetzungen für eine Gestaltung
und Veränderung der Wirklichkeit schaffen.




                                                     Max Horkheimer   18
 Weitere Denker, die wissenschaftliches
   Denken noch heute beeinflussen
 Edmund Husserl
 Martin Heidegger
 Hans-Georg Gadamer




                                          19
Edmund Husserl
          (* 8. April 1859 in Proßnitz, Mähren, † 27.
           April 1938 in Freiburg im Breisgau) war ein
           Philosoph und Mathematiker.

          Studium der Naturwissenschaften,
           Mathematik und Philosophie in Leipzig, Berlin
           und Wien
          Dozent für Philosophie in Halle, Göttingen
          „Das Wesen der Dinge zu betrachten“

          Husserl gilt als Begründer der
           Phänomenologie, mit deren Hilfe er die
           Philosophie als strenge Wissenschaft (Titel
           einer programmatischen Schrift von
           1910/11) zu begründen suchte.


          Die Phänomenologie (griechisch
           phainomenon „Sichtbares,
           Erscheinung“; logos „Rede, Lehre“) ist
           die Lehre bzw. Untersuchung der
           Erscheinungen, des Phänomens als
           Gegebenes.


                                                         20
Martin Heidegger
           (* 26. September 1889 in Meßkirch; † 26. Mai 1976 in
            Freiburg im Breisgau) war ein deutscher Philosoph,
            der vor allem durch sein 1927 erschienenes Werk
            Sein und Zeit die Philosophie des 20. Jahrhunderts
            maßgeblich geprägt hat.


           Studium der katholischen Theologie und Philosophie
            in Heidelberg
           Beeinflussung durch griech. Philosophen, sowie durch
            Friedrich Nietzsche
           Nach dem 2. Weltkrieg: Höhepunkt seiner
            philosophischen Wirksamkeit

           Heideggers Werk ist seit den
            Vorarbeiten zu Sein und Zeit explizit
            bestimmt von einem Thema, das er
            Seinsfrage oder Frage nach dem
            Sinn von Sein nennt. Damit meint
            er die Bedeutungsklärung des
            Wortes „Sein“: was meinen wir,
            wenn wir sagen, etwas „ist“? Wie
            lässt sich erklären, wodurch
            etwas ist (und nicht vielmehr
            nicht ist)?


                                                             21
Hans-Georg Gadamer
    Hermeneutik
            Dt. Philosoph
            Studium der Germanistik,
             Geschichte, Kunstgeschichte und
             Philosophie in Breslau, München
             und Marburg
            Professor in Marburg, Leipzig,
             Frankfurt/Main, Heidelberg



          Verstehen ist für Gadamer
           fundamental und geht über
           den eigenen Horizont hinaus
          Das hermeneutische
           Verstehen vollzieht sich über
           Sprache

                                               22
„Sie stellen sich vor, dass ich mit stiller Befriedigung auf ein
Lebenswerk zurückschaue.
Aber es ist ganz anders.
Da ist kein einziger Begriff, von dem ich überzeugt wäre, dass er
standhalten wird, und ich fühle mich unsicher, ob ich
überhaupt auf dem rechten Wege bin. Die Zeitgenossen sehen in mir einen Ketzer
   und Reaktionär, der sich selber überlebt hat.

Das hat mit Mode und Kurzsichtigkeit zu schaffen, aber
das Gefühl der Unzulänglichkeit kommt von innen.

Es kann wohl nicht anders sein, wenn man kritisch und ehrlich ist, und
Humor und Bescheidenheit halten einen im Gleichgewicht,
den äußeren Einwirkungen zum Trotz.“        (nach Albert Einstein, 1879–1955 )




                                                                                 23
                                      Quellen

   Betti, Emilio: Philosophie und Geschichte – Die Hermeneutik als allgemeine Methodik
    der Geisteswissenschaften; J. C. B. Mohr Tübingen
   Diemer: System und Klassifikation in Wissenschaft und Dokumentation; Verlag Anton
    Hain, Meisenhaim am Glan
   Encarta Enzyklopädie Plus 2000
   Freundlieb, Dieter: Zur Wissenschaftstheorie der Literaturwissenschaft – Eine Kritik der
    transzendenten Hermeneutik; Wilhelm Fink Verlag München
   Friedrich, Christoph: Sprache und Geschichte; Verlag Anton Hain, Meisenhaim am Glan
   Simon-Schäfer, Roland und Zimmerli, Walther: Wissenschaftstheorie der
    Geisteswissenschaft; Hoffmann und Kampe
   Ströker, Elisabeth: Einführung in die Wissenschaftstheorie; Nymphenburger
    Verlagshandlung




                                                                                           24
???
      25

						
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