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Die koservativen Auswanderer

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Die konservativen Auswanderer und die
Frühstückspension
Geschichten vom Auswandern


Herr Böhm arbeitete nun schon seit gut 20 Jahren als EDVler bei einem kleineren Unternehmen südlich
von Hannover. Da er Anfang 50 war, hatte er die Anfänge der digitalen Welt mitbekommen und nun
seine Probleme, der rasenden Entwicklung in diesem Bereich hinterherzukommen.
Seine Frau arbeitete bei einer Bank als Angestellte in der Kreditabteilung. Auch sie war schon länger
Stammmitarbeiterin bei einer bekannten Landesbank mit Sitz in Hannover.
In ihrer Freizeit bewegten sich beide gerne nackt in ihren eigenen vier Wänden und wünschten sich,
unkonventionell und abenteuerlustig von Anderen wahrgenommen zu werden. Ganz im Gegenteil
wirkten sie aber auf Andere eher konservativ und mit vielen Ängsten und Unsicherheiten behaftet.



Durch die noch in der unmittelbaren Nachbarschaft lebenden Schwiegereltern von Herrn Böhm waren
der Abenteuerlust zusätzlich Grenzen gesetzt. Schon seit Jahren machte sich immer mehr eine
Unzufriedenheit mit Deutschland und dem Arbeitsplatz bemerkbar.
Frau Böhm sah sich in letzter Zeit auch immer öfters Mobbingattacken wegen ihrer recht strebsamen
Art ausgesetzt und Herr Böhm hatte seit Jahren die Idee, sich selbstständig zu machen. Bei der Idee
konnte er aber vermeiden, doch einige Zweifel zu haben, ob er im EDV-Bereich überhaupt noch
Chancen hätte. Auch wollte er mit Deutschlad schon länger nichts mehr zu tun haben. Politisch und
gesellschaftlich fand er, liefe gerade alles auf eine recht schräge Bahn. Und sowieso würden einem
immer mehr Steine in den Weg gelegt werden, wenn man sich in Deutschland selbständig machen
wollte. Dass es sich dabei eigentlich um tief in ihm verwurzelte unbewusste Versagensängste handelte,
konnte er sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht eingestehen.



Seit 2003 waren die Böhms jedes Jahr während ihres Jahresurlaubs in Costa Rica, um dort ungestört
ihrer Abenteuerlust frönen zu können. Mehr als 13 000 Kilometer entfernt von der Heimat war das ohne
Schwiegereltern und die kalten und verschlossenen Deutschen möglich.



Schon beim ersten Mal Costa Rica war das Interesse für mehr als nur Urlaub in diesem Land geweckt.
Bei mehrmaligen Übernachtungen in einschlägigen Lodges, Cabinas und Unterkünften von meist
ausländischen Eigentümern kamen die Gespräche oft darauf, wie gut es doch die Eigentümer hätten.
Einfach den Urlaub mit Arbeit verbinden zu können, das wäre doch etwas.




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Und so kam die Idee, die kommen musste, warum nicht Deutschland und der unglücklichen Situation
auf beiden Arbeitsstellen den Rücken kehren? Einfach das Haus verkaufen oder eine Hypothek
aufnehmen und damit ein bestehendes Hotel oder eine Frühstückspension in Costa Rica kaufen und
man könnte das Leben vor Ort mit einem Einkommen meistern.



Wieder zurück in Deutschland in der für die Böhms eher traurigen Umgebung und ohne bisherige
Erfahrung im Bereich der Gastronomie und Selbstständigkeit kamen auch gleich erste Zweifel auf. Wie
könnten sie das Vorhaben nur finanzieren? Was machten sie mit den Eltern zu Hause? So in
Deutschland verwurzelt wäre es ein Ding der Unmöglichkeit sie mitzunehmen. Was ist wenn ihnen
während der Abwesenheit etwas passiert? Wie bekommen wir Erfahrung im Gastronomiebereich? Wo
überhaupt anfangen?



Trotz der ungeklärten Fragen konnte Herr Böhm als fortgeschrittener Internet-Benutzer auch gleich
mehrere zum Verkauf stehende Gastronomieobjekte in Costa Rica ausfindig machen. Eines fiel im
besonders ins Auge. Es handelte sich um ein bereits seit Jahren etabliertes Frühstsückshotel in einer
besseren Wohngegend von San José für rund $900 000. Leider nur lag dieses Angebot und auch die
anderen zum Verkauf stehenden Objekte preislich weit über dem Budget von $400 000. Und der Betrag
von $400 000 war keineswegs ein bereits auf dem Konto befindlicher Betrag. Es war der Betrag, von
dem die Böhms ausgingen, der beim Verkauf ihres Hauses in Deutschland realisiert werden würde.
Das war aber noch lange nicht erfolgreich verkauft.



Die Angebote, die im Budget lagen, waren leider nur fertige Bauten ohne Kunden und etabliertes
Geschäft. Das bedeutete, dass der Kundenstammt bei diesen Objekten erst einmal noch aufgebaut
werden müsste. So etwas würde ein paar Jahre dauern und einen gewissen finanziellen Puffer
benötigen. Diesen hatten die Böhms allerdings nicht.
Ihnen wurde schnell klar, dass sie unbedingt ein Angebot benötigten, das bereits Einnahmen brachte
und das in irgendeiner Weise finanziert werden könnte. Trotz des Dilemmas fassten Sie den Plan, beim
nächsten Besuch in Costa Rica das Frühstückshotel in San José zu besuchen.



Mit viel Vorfreude und Hoffnung, eventuell schon mit dem Eigentümer über eine Finanzierung reden zu
können, begannen sie die Besichtigung des favorisierten Objekts. Ausnahmesweise handelte es sich
nicht um eines der Angebote, die nur behaupteten, dass das Tourismusgeschäft gut funktionierte.
Bereits vor Ort konnten sie schnell feststellen, dass es für den bereits weit über 60 jährigen Eigentümer
viel zu tun gab.
Auch die koloniale Architektur war exakt, was sie suchten. Sowohl für eine mehrmonatige Einarbeitung
als auch für eine private Finanzierung zeigte der Eigentümer Offenheit.
Von einer Finanzierung über eine lokale Bank sahen die Böhms und besonders Frau Böhm recht
schnell ab, da die Zinsrate die potentiellen monatlichen Einnahmen auffressen würde, was auf die
Dauer nicht gegangen wäre. Leider gab es aber auch schlechte Nachrichten seitens des Eigentümers,


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   der für eine private Finanzierung eine Anzahlung von mindestens 60% sehen wollte und dadurch auch
   nicht weiter von einer Preissenkung zu überzeugen war.



   Selbst 60% des Preises von $900 000 sprengten den Rahmen des möglichen Budgets der Böhms. Sie
   sahen sich damit leider gezwungen von dem Wunschobjekt Abschied zu nehmen.



   Es verging wieder ein Jahr und in der Zwischenzeit fand sich ein weiteres bereits etabliertes
   Frühstückshotel, dass nur mit $200 000 über dem angesetzten Budget lag. Mit diesmal Deutschen
   Eigentümern war auch gleich ein Vertrauensverhältnis hergestellt. Die Eigentümerin war sichtlich mit
   dem in dem letzten Jahr schnell gewachsenen Geschäft überfordert und wollte nun auch wegen dem
   mittlerweile kranken Ehemann zügig verkaufen (die Geschichte der Beiden kommt bald in einem
   anderen Artikel).
   Alles schien nun perfekt für die Böhms. Die Buchführung war offen und transparent geführt, das
   Geschäft hatte seine Stammkundschaft und die letzten 1-2 Jahre eine gute Entwicklung genommen
   und doch waren das Pärchen aus Hannover noch weit von einer abschließenden Entscheidung
   entfernt. Aber warum nur?
   Es passte doch eigentlich alles und bekundeten doch die Eigentümer, dass sie auch mit einer privaten
   Finanzierung einverstanden wären, deren Anzahlung in dem Budget der Böhms lag.



   Böhms bekamen Angst vor der eigenen Courage und es holte sie ihre unbewusst vorherrschende
   konservative und unsichere Seite ein. Sie sahen sich nun das erste Mal mit der Wahrheit konfrontiert.
   Ihre bisherige Abenteuerlust war mehr Schein als sein, um die stark durch beide Elternteile geprägte
   konservative und ängstliche Ader zu kompensieren.



   Ihnen wurde durch beide Eigentümer der Frühstückshotels bewusst, dass es sich beim führen eines
   Gastronomiebetriebes nicht um einen Kindergeburtstag handelte. Die mangelnden Spanischkenntniss
   schürten zusätzliche Ängste.
   Durch die bald beginnende schwere Krankheit der Eltern von Frau Böhm, wurde dem Traum vom
   Auswandern schnell ein jähes Ende gesetzt.

   5 Lessons Learned:
1. Ohne die greifbare Möglichkeit der Kapitalbeschaffung sollte man kein Gastronomieunternehmen im
   Ausland beginnen
2. Ohne bereits gemachte Auslandserfahrung (bereits einige Zeit in fremden Ländern gelebt zu haben), ist
   die Gefahr groß, dass man von Zweifeln und Ängsten bei einer anstehenden Entscheidung zum
   Auswandern heimgesucht wird
3. Ein Tourismusgeschäft ist alles andere als Urlaub und Arbeit vereint




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4. Als Angestellter im Ausland zum ersten Mal die Selbständigkeit zu beginnen ist ein gewagtes
   Unterfangen und fördert berechtigterweise Ängste und Zweifel wenn eine abschließende Entscheidung
   dazu ansteht
5. Sprachkenntnisse des Ziellandes mindern Ängste und Unsicherheiten




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posted:6/6/2012
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Description: Fallbeispiele in Geschichtenform von Auswaderern