Preisentwicklungen auf den Weltagrarm�rkten � kurzfristige
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Preisentwicklungen auf den
Weltagrarmärkten – kurzfristige
Spekulationsblase
oder anhaltender Boom?
Prof. Dr. Bernhard Brümmer, Landwirtschaftliche Marktlehre
Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung
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Weizen US $
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April-August 08
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seit September
Jan-08
Mar-08
May-08
Weizenpreis seit 2005 (free on board Golf von Mexiko)
Jul-08
Sep-08
Gliederung
• Preise auf ausgewählten Märkten: Überblick & Ursachen
– Getreide
– Fundamentalfaktoren
– Milch
– Besonderheiten bei Milch
• Ausblick
• Schlussfolgerungen
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Jan-05
Jun-05
Nov-05
Mais US $
Apr-06 Weizen US $
Sep-06
Feb-07
Jul-07
Mais EUR
Dec-07
Weizen EUR
May-08
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1866
1872
1878
1884
1890
1896
1902
1908
1914
1920
1926
1932
1938
Nachhaltiger Boom oder kurzfristige Blase?
1944
1950
1956
1962
1968
1974
1980
1986
1992
1998
2004
2007 M01
2007 M06
2007 M12
2008 M06
Thesen über die Bedeutung der Fundamentalfaktoren I
1. These: Das weltweite Bevölkerungswachstum und das
steigende Pro-Kopf-Einkommen werden zu steigender
Nachfrage nach Nahrungsmitteln und auch nach Weizen
führen.
2. These: Insbesondere die steigende Nachfrage in China
und Indien nach Weizen und anderen
landwirtschaftlichen Rohstoffen wird zu einem
anhaltenden Preishoch führen.
3. These: Die Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung
können nur noch in begrenztem Umfang ausgedehnt
werden.
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Thesen über die Bedeutung der Fundamentalfaktoren II
4. These: Ertragssteigerungen bei Getreide und anderen
Agrarprodukten werden zukünftig geringer als in der
Vergangenheit sein.
5. These: Die Nachfrage nach Biodiesel und -ethanol sowie
allgemein nach nachwachsenden Rohstoffen wird zu
einem anhaltenden Preishoch führen.
6. [These: Hohe Transportkosten führen zu steigenden
Preisen in Importregionen.]
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Zu These 1: Bevölkerungswachstum
• Bevölkerungswachstum
12 2020 knapp eine Milliarde
10 Menschen mehr
8
6 Mittel
Hoch
4 Niedrig
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1950
2015
1955
1960
1965
1970
1975
1980
1985
1990
1995
2000
2005
2010
2020
2025
2030
2035
2040
2045
2050
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Zu These 1: Bevölkerungs- und Einkommenswachstum
• Rückgang des Bevölkerungswachstums
– 1988 – 1997: 1,6 %
– 1998 – 2007: 1,3 %
– 2008 – 2017: voraussichtlich zwischen 1 und 1,3 %
• Regression: Anstieg des realen Welteinkommens von
5 %, Bevölkerungszunahme von jährlich 80 Mio.
Menschen => Steigerung von heute rund 2 Mrd. t Getreide
(Weizen, Futtergetreide und geschälter Reis) auf 2,35
Mrd. T. in 2020: rund 1 % pro Jahr
• Implizite Annahme: unveränderte Rahmenbedingungen
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Änderungen in der Altersstruktur
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70/71
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76/77
77/78 Verbrauch
Produktion
Nettoimporte
Lagerhaltung
78/79
79/80
80/81
81/82
82/83
83/84
84/85
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06/07
07/08
These 2: Steigende Nachfrage in China nach Weizen
These 3/4: Flächenbegrenzung / Ertragsstagnation
• Erhebliches Potenzial an nicht genutzten Flächen
• Erhebliches Potenzial zur Steigerung der Flächenerträge
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Weizenerträge - Anteil genutzter an möglicher Ackerfläche
40
35
Industrieländer
30
Ostasien
Weizenertrag dt/ha
25 Lateinamerika
20
Transformations- Südasien
länder Nordafrika
15
SSA
10
5
0
0% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100%
Anteil genutzter an potenziell nutzbarer Ackerfläche
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These 3: Flächenbegrenzung ist bindend
• Erhebliches Potenzial an nicht genutzten Flächen
• Erhebliches Potenzial zur Steigerung der Flächenerträge
• Probleme:
– Marktferne
– Mangel an internationaler Agrarforschung
• Rolle der Politik
– Stilllegung in USA etwa gleich Ackerfläche Deutschlands
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Brasiliens
Savannen
(Cerrado)
Mato Grosso – Paranagua
1600 km
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Russland: Flächenerträge bei Winterweizen [dt/ha]
80
70
EU-15
60 EU-27
50
40
Welt
30
20
UDSSR/FSR
10
1…
1…
1…
1…
1…
1…
2…
2…
2…
2…
0
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These 5: Nachfrage nach Biotreibstoffen
• Bisher: Nachfrage nach Getreide als nachwachsender
Rohstoff relativ unbedeutend
• Biotreibstoffe leisten Beitrag zur Erklärung der Preisblase
auf dem Weltgetreidemarkt
• Zukunft?
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These 5: Wirkung von Biotreibstoffen
22%
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Zwischenfazit zu Getreide/Weizen
• Wirken der Fundamentalfaktoren in der Vergangenheit
erklärt nur moderaten Preisanstieg
• Temporär wirkende reale Sonderfaktoren - schlechte
Ernten und geringe Lagerbestände – konnten eine
moderate Preishausse verursachen.
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Milch
Entwicklung der Welt- Entwicklung der Welt-
Magermilchpulverpreise Butterpreise
EU: SMP-Preis in Euro EU: SMP-Preis in USD EU: Butterpreis in Euro EU: Butterpreis in USD
OZ: SMP-Preis in USD OZ: Butterpreis in USD
6,000 GE 6,000 GE
Magermilchpulverpreis in Dollar bzw. Euro
Butterpreise in Dollar bzw. Euro
5,000 GE 5,000 GE
4,000 GE 4,000 GE
3,000 GE 3,000 GE
2,000 GE 2,000 GE
1,000 GE 1,000 GE
0 GE 0 GE
Datum Datum
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Bedeutung der Weltmärkte für EU-Milchmarkt
Anteil der Exporte an der EU-Produktion
60%
• Die EU exportiert zw. 7%
und 50% der
45%
Hauptmilchprodukte.
Butter
30%
Käse • Dabei weisen vor allem
15% MMP die Exporte von Butter &
0%
VMP MMP höhere
Schwankungen auf.
• Abkopplung von den Weltmarktpreisen (unabhängig von
Quotenregelung) erfordert zwei Instrumente:
1. Importzölle (Schutz vor billigen Importen)
2. Exportsubventionen (Absatz von „Überschüssen“)
=> Grenzverwertung der Milch im Falle eines Nettoexporteurs
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EU-Preis: Grenzverwertung auf dem Weltmarkt
Entwicklung der EU-Exporterstattungen
2,000 €
1,600 € Butter
1,200 € MMP
800 € VMP
400 € Cheddar
0€
Quelle: DairyCo
Entwicklung des Milchrohstoffwertes
40 €
35 € nach Interventions-
30 € preisen
25 € nach Exportpreisen
20 € Westeuropa
15 € nach Inlandspreisen
10 € Deutschland
2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Quelle: USDA-FAS, ZMP
Seite 21 23. Oktober 2008
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Bestandsentwicklung global
40%
35%
• Weltweiter
Bestandsabbau
30%
seit 2002
25%
• Käse- und VMP-
20%
Bestände eher
15%
stabil
10%
• MMP-Bestände
5%
hoch volatil
0%
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20 6
*)
0
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20
Butter Käse Magermilchpulver Vollmilchpulver
Bestände in Prozent des Konsums Quelle: FAPRI
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MMP-Bestandsentwicklung
1000 • 1999: US-support price
900 Ø Abbau p.a. >> Weltmarktpreis
800 1,5 Mio. t ME
700
896 USD/ t
Differenz
• => Aufbau von
600
Lagerbeständen
500 • Ab 2001: Senkung des
400 US-support price in
300 drei Schritten
200
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20 Rest Neuseeland Japan Mexico EU25 USA
MMP-Bestände nach Ländern Quelle: FAPRI, USDA
Lagerbestandsabbau allein aus MMP von Ø 1,5 Mio. t ME p.a. in 2003 - 2006
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Zwischenfazit Milch
• Sondereffekte durch Agrarpolitik (USA, EU) und
Angebotsschocks
• Nachfragezuwachs in Asien im Vergleich zu inländischen
Effekten weniger bedeutend
• EU-Milchmarktpolitik bleibt auf absehbare Zeit wichtigster
Faktor
• Nationale Alleingänge unsinnig
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Gliederung
• Preise auf ausgewählten Märkten: Überblick & Ursachen
– Getreide
– Fundamentalfaktoren
– Milch
– Besonderheiten bei Milch
• Ausblick
• Schlussfolgerungen
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Reale Maispreise 1972-75 und 2006-2008 in den USA,
Juli 72/06 =100
Seite 27 Quelle: D. Sumner (2008)
OECD/FAO: Vorhersage pflanzliche Produkte bis 2017
Seite 28
Entwicklung und Prognose des virtuellen Weltmilchpreises
70 USD
60 USD
50 USD
Virtueller Milchpreis in US Dollar
40 USD MRW EU
Gleitender Durchschnitt
Delta
30 USD
MRW Ozeanien
Saisonverlauf ohne Trend
20 USD Preisabsturz im Oktober
Fortgesetzt fallender Trend
10 USD
0 USD
-10 USD
Datum
Seite 29
OECD/FAO: Vorhersage tierische Produkte bis 2017
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Gliederung
• Preise auf ausgewählten Märkten: Überblick & Ursachen
– Getreide
– Fundamentalfaktoren
– Milch
– Besonderheiten bei Milch
• Ausblick
• Schlussfolgerungen
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Schlussfolgerungen (I)
• Preisentwicklung bei Getreide und Milch geprägt durch
Blasen (=nicht durch Fundamentalfaktoränderungen
erklärt)
• Preise für Agrarprodukte 2006-2015 vermutlich höher als
1996-2005
• Trendwende?
• Nein.
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Malthus und seine Epigonen:
• Thomas Malthus (1798): Lineares versus exponentielles
Wachstum
• William Crookes (1898): England und die Welt hungern in
30 Jahren
• Lester Brown (1972, 1995): Club of Rome / China
Bisher keine empirische Bestätigung,
impliziert nicht, dass dies zukünftig weiter gilt!
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Schlussfolgerungen (II)
• Forderungen an die Politik
– Vermeidung / Abschwächung von Blasen
– Marktinformation / -integration
– Politikreform
• Forderungen an die Agrarforschung/Forschungspolitik
– Produktivität steigern (auch, aber nicht nur, technischer
Fortschritt in der Züchtung)
– Landwirtschaft als Teil des ländlichen Raums betrachten
– Anpassungsfähigkeit von Agrarsystemen höher gewichten
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Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Landwirtschaft in Entwicklungs- und Transformationsländern zwischen
Wachstum und Verteilungsgerechtigkeit:
Das Courant – Forschungszentrum „Poverty, Equity, and Growth“ an der
Georg-August-Universität Göttingen
www.uni-goettingen.de/crc_d
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Spezielle Aspekte: Abschaffung der Molkereisaldierung
• Erhöhung des Werts der Quote
• Erschwernis für Ende der Quotenregelung
• Verteilungswirkungen auf Ebene …
– … der Molkerei
– … Deutschlands
– … der EU
• Bundessaldierung
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Spezielle Aspekte: Umrechnungsfaktor
• Was macht die EU?
– Quote für D hoch oder unverändert?
• Betrieblich bei unveränderter D-Quote:
– Weniger Milch-Liter für gegebene Quote (in kg)
– Menge D ~ -1%, Menge EU ~ -0,2%,
Preiselastizität EU ~ -0,3
=> prozentuale Preisänderung Milch ~ -0.2% / -0,3 = +0.67%
– Molkerei in D erlöst weniger
– Molkereien außerhalb D erlösen mehr
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