Preisentwicklungen auf den Weltagrarm�rkten � kurzfristige

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5/27/2012
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							               Preisentwicklungen auf den
              Weltagrarmärkten – kurzfristige
                    Spekulationsblase
                oder anhaltender Boom?


    Prof. Dr. Bernhard Brümmer, Landwirtschaftliche Marktlehre
          Department für Agrarökonomie und Rurale Entwicklung


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          Mar-05
          May-05
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          Nov-05
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                          Weizen US $




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           Jul-06
          Sep-06
          Nov-06
          Jan-07
                          April-August 08




          Mar-07
          May-07
           Jul-07
          Sep-07
          Nov-07
                          seit September




          Jan-08
          Mar-08
          May-08
                                            Weizenpreis seit 2005 (free on board Golf von Mexiko)




           Jul-08
          Sep-08
   Gliederung

   • Preise auf ausgewählten Märkten: Überblick & Ursachen
          – Getreide
          – Fundamentalfaktoren
          – Milch
          – Besonderheiten bei Milch
   • Ausblick
   • Schlussfolgerungen




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                              100
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                 Jan-05
                 Jun-05
                 Nov-05


                                                                        Mais US $
                 Apr-06                                                 Weizen US $
                 Sep-06
                 Feb-07
                     Jul-07
                                                                        Mais EUR




                 Dec-07
                                                                        Weizen EUR




                May-08
                 Oct-08




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                              200
                                    300
                                          400
                                                500
                                                      600
                                                            700
                                                                  800
                                                                         900
                                                                                 1000




                 0
              1866
              1872
              1878
              1884
              1890
              1896
              1902
              1908
              1914
              1920
              1926
              1932
              1938
                                                                                        Nachhaltiger Boom oder kurzfristige Blase?




              1944
              1950
              1956
              1962
              1968
              1974
              1980
              1986
              1992
              1998
              2004
          2007 M01
          2007 M06
          2007 M12
          2008 M06
   Thesen über die Bedeutung der Fundamentalfaktoren I

   1. These: Das weltweite Bevölkerungswachstum und das
      steigende Pro-Kopf-Einkommen werden zu steigender
      Nachfrage nach Nahrungsmitteln und auch nach Weizen
      führen.
   2. These: Insbesondere die steigende Nachfrage in China
      und Indien nach Weizen und anderen
      landwirtschaftlichen Rohstoffen wird zu einem
      anhaltenden Preishoch führen.
   3. These: Die Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung
      können nur noch in begrenztem Umfang ausgedehnt
      werden.

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   Thesen über die Bedeutung der Fundamentalfaktoren II

   4. These: Ertragssteigerungen bei Getreide und anderen
      Agrarprodukten werden zukünftig geringer als in der
      Vergangenheit sein.
   5. These: Die Nachfrage nach Biodiesel und -ethanol sowie
      allgemein nach nachwachsenden Rohstoffen wird zu
      einem anhaltenden Preishoch führen.
   6. [These: Hohe Transportkosten führen zu steigenden
      Preisen in Importregionen.]




Seite 6
   Zu These 1: Bevölkerungswachstum

   • Bevölkerungswachstum
   12     2020 knapp eine Milliarde
   10     Menschen mehr

    8

    6                                 Mittel
                                      Hoch
    4                                 Niedrig
    2

    0
          1950




          2015
          1955
          1960
          1965
          1970
          1975
          1980
          1985
          1990
          1995
          2000
          2005
          2010

          2020
          2025
          2030
          2035
          2040
          2045
          2050
Seite 7
   Zu These 1: Bevölkerungs- und Einkommenswachstum

   • Rückgang des Bevölkerungswachstums
          – 1988 – 1997: 1,6 %
          – 1998 – 2007: 1,3 %
          – 2008 – 2017: voraussichtlich zwischen 1 und 1,3 %
   • Regression: Anstieg des realen Welteinkommens von
     5 %, Bevölkerungszunahme von jährlich 80 Mio.
     Menschen => Steigerung von heute rund 2 Mrd. t Getreide
     (Weizen, Futtergetreide und geschälter Reis) auf 2,35
     Mrd. T. in 2020: rund 1 % pro Jahr
   • Implizite Annahme: unveränderte Rahmenbedingungen


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   Änderungen in der Altersstruktur




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                                                                     100,000
                                                                                   120,000
                                                                                              140,000




                                 20,000
                                          40,000
                                                   60,000
                                                            80,000




                   -20,000
                             0
           70/71
           71/72
           72/73
           73/74
           74/75
           75/76
           76/77
           77/78                                                               Verbrauch
                                                                               Produktion

                                                                               Nettoimporte
                                                                               Lagerhaltung
           78/79
           79/80
           80/81
           81/82
           82/83
           83/84
           84/85
           85/86
           86/87
           87/88
           88/89
           89/90
           90/91
           91/92
           92/93
           93/94
           94/95
           95/96
           96/97
           97/98
           98/99
           99/00
           00/01
           01/02
           02/03
           03/04
           04/05
           05/06
           06/07
           07/08
                                                                                                        These 2: Steigende Nachfrage in China nach Weizen
   These 3/4: Flächenbegrenzung / Ertragsstagnation

   • Erhebliches Potenzial an nicht genutzten Flächen
   • Erhebliches Potenzial zur Steigerung der Flächenerträge




Seite 11
   Weizenerträge - Anteil genutzter an möglicher Ackerfläche
                          40


                          35
                                                            Industrieländer
                          30
                                                                               Ostasien
     Weizenertrag dt/ha




                          25          Lateinamerika

                          20
                                                                    Transformations-                 Südasien
                                                                         länder                Nordafrika
                          15
                                            SSA

                          10


                           5


                           0
                               0%   10%    20%        30%     40%      50%     60%     70%   80%    90%    100%
                                           Anteil genutzter an potenziell nutzbarer Ackerfläche


Seite 12
   These 3: Flächenbegrenzung ist bindend

   • Erhebliches Potenzial an nicht genutzten Flächen
   • Erhebliches Potenzial zur Steigerung der Flächenerträge
   • Probleme:
           – Marktferne
           – Mangel an internationaler Agrarforschung
   • Rolle der Politik
           – Stilllegung in USA etwa gleich Ackerfläche Deutschlands




Seite 13
           Brasiliens
           Savannen
           (Cerrado)




           Mato Grosso – Paranagua
           1600 km




Seite 14
     Russland: Flächenerträge bei Winterweizen [dt/ha]
80

70
                                  EU-15
60                                                    EU-27

50

40
                                               Welt
30

20
                                                      UDSSR/FSR
10
     1…



           1…



                 1…



                       1…



                             1…



                                     1…



                                          2…



                                                      2…



                                                              2…



                                                                   2…
 0



Seite 15
   These 5: Nachfrage nach Biotreibstoffen

   • Bisher: Nachfrage nach Getreide als nachwachsender
     Rohstoff relativ unbedeutend
   • Biotreibstoffe leisten Beitrag zur Erklärung der Preisblase
     auf dem Weltgetreidemarkt
   • Zukunft?




Seite 16
   These 5: Wirkung von Biotreibstoffen


                                          22%




Seite 17
   Zwischenfazit zu Getreide/Weizen

   • Wirken der Fundamentalfaktoren in der Vergangenheit
     erklärt nur moderaten Preisanstieg
   • Temporär wirkende reale Sonderfaktoren - schlechte
     Ernten und geringe Lagerbestände – konnten eine
     moderate Preishausse verursachen.




Seite 18
                                                  Milch

                                                        Entwicklung der Welt-                                                                         Entwicklung der Welt-
                                                       Magermilchpulverpreise                                                                             Butterpreise
                                                       EU: SMP-Preis in Euro    EU: SMP-Preis in USD                                                 EU: Butterpreis in Euro    EU: Butterpreis in USD
                                                       OZ: SMP-Preis in USD                                                                          OZ: Butterpreis in USD
                                            6,000 GE                                                                                      6,000 GE
Magermilchpulverpreis in Dollar bzw. Euro




                                                                                                       Butterpreise in Dollar bzw. Euro
                                            5,000 GE                                                                                      5,000 GE

                                            4,000 GE                                                                                      4,000 GE

                                            3,000 GE                                                                                      3,000 GE

                                            2,000 GE                                                                                      2,000 GE

                                            1,000 GE                                                                                      1,000 GE

                                               0 GE                                                                                          0 GE




                                                                               Datum                                                                                           Datum


                                             Seite 19
                Bedeutung der Weltmärkte für EU-Milchmarkt

            Anteil der Exporte an der EU-Produktion
   60%
                                                         •   Die EU exportiert zw. 7%
                                                             und 50% der
   45%
                                                             Hauptmilchprodukte.
                                                Butter
   30%
                                                Käse     •   Dabei weisen vor allem
   15%                                          MMP          die Exporte von Butter &
    0%
                                                VMP          MMP höhere
                                                             Schwankungen auf.

   •     Abkopplung von den Weltmarktpreisen (unabhängig von
         Quotenregelung) erfordert zwei Instrumente:
           1. Importzölle (Schutz vor billigen Importen)
           2. Exportsubventionen (Absatz von „Überschüssen“)
              => Grenzverwertung der Milch im Falle eines Nettoexporteurs
Seite 20
           EU-Preis: Grenzverwertung auf dem Weltmarkt
                                Entwicklung der EU-Exporterstattungen
       2,000 €
       1,600 €                                                     Butter
       1,200 €                                                     MMP
           800 €                                                   VMP
           400 €                                                   Cheddar
             0€
      Quelle: DairyCo
                                  Entwicklung des Milchrohstoffwertes
           40 €
           35 €                                                   nach Interventions-
           30 €                                                   preisen
           25 €                                                   nach Exportpreisen
           20 €                                                   Westeuropa
           15 €                                                   nach Inlandspreisen
           10 €                                                   Deutschland
                   2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
      Quelle: USDA-FAS, ZMP

Seite 21                                                                   23. Oktober 2008
Seite 22
  Bestandsentwicklung global
  40%

  35%
                                                            • Weltweiter
                                                              Bestandsabbau
  30%
                                                              seit 2002
  25%
                                                            • Käse- und VMP-
  20%
                                                              Bestände eher
  15%
                                                              stabil
  10%
                                                            • MMP-Bestände
   5%
                                                              hoch volatil
   0%
         96

         97

         98

         99

         00

         01

         02

         03

         04

         05


     20 6
          *)
         0
       07
       19

       19

       19

       19

       20

       20

       20

       20

       20

       20

       20

      Butter   Käse    Magermilchpulver   Vollmilchpulver

   Bestände in Prozent des Konsums          Quelle: FAPRI




Seite 23
   MMP-Bestandsentwicklung
 1000                                                          • 1999: US-support price
  900                                          Ø Abbau p.a.      >> Weltmarktpreis
  800                                          1,5 Mio. t ME
  700
           896 USD/ t
           Differenz
                                                               • => Aufbau von
  600
                                                                 Lagerbeständen
  500                                                          • Ab 2001: Senkung des
  400                                                            US-support price in
  300                                                            drei Schritten
  200
  100
    0
     96

     97

     98

     99

     00

     01

     02

     03

     04

     05

     06

      *)
   07
   19

   19

   19

   19

   20

   20

   20

   20

   20

   20

   20
 20     Rest   Neuseeland   Japan   Mexico   EU25    USA

   MMP-Bestände nach Ländern           Quelle: FAPRI, USDA



Lagerbestandsabbau allein aus MMP von Ø 1,5 Mio. t ME p.a. in 2003 - 2006

Seite 24
   Zwischenfazit Milch

   • Sondereffekte durch Agrarpolitik (USA, EU) und
     Angebotsschocks
   • Nachfragezuwachs in Asien im Vergleich zu inländischen
     Effekten weniger bedeutend
   • EU-Milchmarktpolitik bleibt auf absehbare Zeit wichtigster
     Faktor
   • Nationale Alleingänge unsinnig




Seite 25
   Gliederung

   • Preise auf ausgewählten Märkten: Überblick & Ursachen
           – Getreide
           – Fundamentalfaktoren
           – Milch
           – Besonderheiten bei Milch
   • Ausblick
   • Schlussfolgerungen




Seite 26
   Reale Maispreise 1972-75 und 2006-2008 in den USA,
   Juli 72/06 =100




Seite 27            Quelle: D. Sumner (2008)
   OECD/FAO: Vorhersage pflanzliche Produkte bis 2017




Seite 28
                                                  Entwicklung und Prognose des virtuellen Weltmilchpreises
                                        70 USD



                                        60 USD



                                        50 USD
   Virtueller Milchpreis in US Dollar




                                        40 USD                                                     MRW EU
                                                                                                   Gleitender Durchschnitt
                                                                                                   Delta
                                        30 USD
                                                                                                   MRW Ozeanien
                                                                                                   Saisonverlauf ohne Trend
                                        20 USD                                                     Preisabsturz im Oktober
                                                                                                   Fortgesetzt fallender Trend

                                        10 USD



                                         0 USD



                                        -10 USD
                                                                      Datum




Seite 29
   OECD/FAO: Vorhersage tierische Produkte bis 2017




Seite 30
   Gliederung

   • Preise auf ausgewählten Märkten: Überblick & Ursachen
           – Getreide
           – Fundamentalfaktoren
           – Milch
           – Besonderheiten bei Milch
   • Ausblick
   • Schlussfolgerungen




Seite 31
   Schlussfolgerungen (I)

   • Preisentwicklung bei Getreide und Milch geprägt durch
     Blasen (=nicht durch Fundamentalfaktoränderungen
     erklärt)
   • Preise für Agrarprodukte 2006-2015 vermutlich höher als
     1996-2005
   • Trendwende?
   • Nein.




Seite 32
   Malthus und seine Epigonen:

   • Thomas Malthus (1798): Lineares versus exponentielles
     Wachstum
   • William Crookes (1898): England und die Welt hungern in
     30 Jahren
   • Lester Brown (1972, 1995): Club of Rome / China
    Bisher keine empirische Bestätigung,
    impliziert nicht, dass dies zukünftig weiter gilt!




Seite 33
   Schlussfolgerungen (II)

   • Forderungen an die Politik
           – Vermeidung / Abschwächung von Blasen
           – Marktinformation / -integration
           – Politikreform
   • Forderungen an die Agrarforschung/Forschungspolitik
           – Produktivität steigern (auch, aber nicht nur, technischer
             Fortschritt in der Züchtung)
           – Landwirtschaft als Teil des ländlichen Raums betrachten
           – Anpassungsfähigkeit von Agrarsystemen höher gewichten



Seite 34
                  Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.




           Landwirtschaft in Entwicklungs- und Transformationsländern zwischen
                          Wachstum und Verteilungsgerechtigkeit:
           Das Courant – Forschungszentrum „Poverty, Equity, and Growth“ an der
                            Georg-August-Universität Göttingen
                               www.uni-goettingen.de/crc_d


Seite 35
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Seite 38
Seite 39
   Spezielle Aspekte: Abschaffung der Molkereisaldierung

   • Erhöhung des Werts der Quote
   • Erschwernis für Ende der Quotenregelung
   • Verteilungswirkungen auf Ebene …
           – … der Molkerei
           – … Deutschlands
           – … der EU
   • Bundessaldierung




Seite 40
   Spezielle Aspekte: Umrechnungsfaktor

   • Was macht die EU?
           – Quote für D hoch oder unverändert?
   • Betrieblich bei unveränderter D-Quote:
           – Weniger Milch-Liter für gegebene Quote (in kg)
           – Menge D ~ -1%, Menge EU ~ -0,2%,
             Preiselastizität EU ~ -0,3
             => prozentuale Preisänderung Milch ~ -0.2% / -0,3 = +0.67%
           – Molkerei in D erlöst weniger
           – Molkereien außerhalb D erlösen mehr



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