Liebe Kolleginnen und Kollegen by I559m7B9

VIEWS: 57 PAGES: 85

									                               Sitzungsbericht
       31. Sitzung der Tagung 2010/11 der XVII. Gesetzgebungsperiode
                              des Landtages von Niederösterreich
                             Donnerstag, den 18. November 2010



Inhalt:
1.     Eröffnung durch Präsident Ing. Penz (Seite      5.2.   Ltg. 663/A-1/50: Antrag des Schul-Aus-
       129).                                                  schusses zum Antrag mit Gesetzentwurf der
                                                              Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a. be-
2.     Mitteilung des Einlaufes (Seite 129).                  treffend Änderung des NÖ Pflichtschul-
                                                              gesetzes – Sprachförderkurse.
                                                              Berichterstatterin: Abg. Adensamer (Seite
3.     Ltg. 659/A-8/39: Antrag der Abgeordneten
                                                              163).
       Dworak u.a. gem. § 40 LGO 2001 auf Ab-
                                                              Redner zu 5.1. – 5.2.: Abg. Mag. Leichtfried
       haltung einer Aktuellen Stunde zum Thema:
                                                              (Seite 164), Abg. Weiderbauer mit Abände-
       „Strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung
       der finanziellen Lage der Gemeinden Nieder-            rungsantrag (Seite 165), Abg. Ing. Huber mit
       österreichs“.                                          Resolutionsantrag betreffend Deutsch nicht
       Redner: Abg. Dworak (Seite 133), Abg. Mag.             nur Unterrichtssprache, sondern Schul-
                                                              sprache (Seite 168), Abg. Vladyka mit Reso-
       Riedl (Seite 136), Abg. Thumpser (Seite
                                                              lutionsantrag betreffend NÖ Schulstarthilfe
       139), Abg. Hafenecker (Seite 141), Abg.
                                                              (Seite 170), Abg. Mag. Schneeberger (Seite
       Mag. Renner (Seite 142), Abg. Weiderbauer
       (Seite 143), Abg. Waldhäusl (Seite 144),               172).
                                                              Abstimmung (Seite 175).
       Abg. Onodi (Seite 146), Abg. Ing. Rennhofer
                                                              (Abänderungsantrag nicht abgestimmt;
       (Seite 147), Abg. Mag. Renner (Seite 149).
                                                              Ltg. 636/A-1/48 erster Satz angenommen:
                                                              Zustimmung ÖVP, FPÖ, Ablehnung SPÖ,
4.     Ltg. 660/A-8/40: Antrag der Abgeordneten               Grüne;
       Hafenecker u.a. gem. § 40 LGO 2001 auf                 Ltg. 636/A-1/48 zweiter Satz angenommen:
       Abhaltung einer Aktuellen Stunde zum                   Zustimmung ÖVP, Ablehnung SPÖ, FPÖ,
       Thema: „Oben sparen statt drüberfahren –               Grüne;
       Stoppt die ungerechte Gebührenlawine!“.                Ltg. 663/A-1/50 einstimmig angenommen;
       Redner: Abg. Hafenecker (Seite 150), Abg.              Resolutionsantrag Abg. Ing. Huber abge-
       Enzinger MSc (Seite 151), Abg. Waldhäusl               lehnt: Zustimmung FPÖ, Ablehnung ÖVP,
       (Seite 153), Abg. Enzinger MSc (Seite 155),            SPÖ, Grüne;
       Abg. Dworak (Seite 156), Abg. Waldhäusl                Resolutionsantrag Abg. Vladyka abgelehnt:
       (Seite 157), Abg. Moser (Seite 157), Abg.              Zustimmung SPÖ, FPÖ, Ablehnung ÖVP,
       Ing. Huber (Seite 160), Abg. Mag. Karner               Grüne.)
       (Seite 163), Abg. Waldhäusl (Seite 163).
                                                       6.1.   Ltg. 630/B-9/2: Antrag des Landwirtschafts-
5.1.   Ltg. 636/A-1/48: Antrag des Schul-Aus-                 Ausschusses zum Bericht der Landesre-
       schusses zum Antrag der Abgeordneten                   gierung betreffend Bericht über die Tätigkeit
       Mag. Schneeberger u.a. betreffend gefähr-              und Wahrnehmungen der NÖ Land- und
       dete Schulstandorte in Wr. Neustadt.                   Forstwirtschaftsinspektion im Jahre 2009.
       Berichterstatterin: Abg. Adensamer (Seite              Berichterstatter: Abg. Mag. Karner (Seite
       163).                                                  175).




                                                     127
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode     31. Sitzung vom 18. November 2010


6.2.   Ltg. 631/B-11/2: Antrag des Landwirtschafts-           Berichterstatterin: Abg. Lembacher (Seite
       Ausschusses zum Bericht der Landesre-                  195).
       gierung betreffend NÖ landwirtschaftlicher             Abstimmung (Seite 195).
       Förderungsfonds; Bericht über die Gebarung             (angenommen: Zustimmung ÖVP, SPÖ,
       und Tätigkeit im Jahre 2009.                           FPÖ, Ablehnung Grüne.)
       Berichterstatter: Abg. Kasser (Seite 176).
                                                        9.    Ltg. 647/L-36: Antrag des Landwirtschafts-
6.3.   Ltg. 632/B-14/2: Antrag des Landwirtschafts-           Ausschusses zur Vorlage der Landesregie-
       Ausschusses zum Bericht der Landesre-                  rung betreffend Änderung des NÖ Lebens-
       gierung betreffend Bericht über die wirt-              mittelkontrollgebührengesetz.
       schaftliche und soziale Lage der Land- und             Berichterstatter: Abg. Ing. Rennhofer (Seite
       Forstwirtschaft in Niederösterreich für das            195).
       Jahr 2009.                                             Abstimmung (Seite 196).
       Berichterstatter: Abg. Kasser (Seite 176).             (einstimmig angenommen.)

       Redner zu 6.1. – 6.3.: Abg. Sulzberger mit       10.   Ltg. 666/A-1/52: Antrag des Landwirtschafts-
       Resolutionsantrag betreffend Reduktion der             Ausschusses zum Antrag mit Gesetzentwurf
       SV-Beiträge der Bauern wegen erheblicher               der Abgeordneten Lembacher u.a. betreffend
       Einkommenseinbußen und Resoslutionsan-                 Änderung des NÖ Fischereigesetzes 2001.
       trag betreffend Einführung einer Weide-                Berichterstatter: Abg. Ing. Pum (Seite 196).
       prämie nach dem Modell anderer Bundes-                 Redner: Abg. Ing. Huber (Seite 196), Abg.
       länder (Seite 176), Abg. MMag. Dr. Petrovic            Onodi (Seite 197), Abg. Hinterholzer mit
       (Seite 179), Abg. Lembacher (Seite 181),               Abänderungsantrag (Seite 197).
       Abg. Waldhäusl mit Resolutionsantrag be-               Abstimmung (Seite 198).
       treffend Auszahlung der Betriebsprämie und             (Abänderungsantrag angenommen: Zustim-
       Ausgleichszahlung aufgrund einer Vorort-               mung ÖVP, SPÖ, FPÖ, Ablehnung Grüne;
       kontrolle (Seite 184), Abg. Mag. Leichtfried           Ltg. 666/A-1/52 angenommen: Zustimmung
       (Seite 186), Abg. Balber (Seite 188), Abg.             ÖVP, SPÖ, FPÖ, Ablehnung Grüne.)
       Ing. Hofbauer (Seite 190).
       Abstimmung (Seite 190).                          11.   Ltg. 664/A-1/51: Antrag des Kommunal-Aus-
       (Ltg. 630/B-9/2 einstimmig angenommen;                 schusses zum Antrag mit Gesetzentwurf der
       Ltg. 631/B-11/2 angenommen: Zustimmung                 Abgeordneten Bader u.a. betreffend Ände-
       ÖVP, SPÖ, FPÖ, Ablehnung Grüne;                        rung des NÖ Hundeabgabegesetzes 1979.
       Ltg. 632/B-14/2 angenommen: Zustimmung                 Berichterstatter: Abg. Mold (Seite 198).
       ÖVP, SPÖ, Ablehnung FPÖ, Grüne;                        Redner: Abg. MMag. Dr. Petrovic (Seite
       Resolutionsanträge Abg. Sulzberger abge-               198), Abg. Königsberger (Seite 198), Abg.
       lehnt: Zustimmung FPÖ, Ablehnung ÖVP,                  Jahrmann (Seite 201), Abg. Bader (Seite
       SPÖ, Grüne;                                            201), Abg. MMag. Dr. Petrovic (Seite 202).
       Resolutionsantrag Abg. Waldhäusl ein-                  Abstimmung (Seite 203).
       stimmig angenommen.)                                   (angenommen: Zustimmung ÖVP, SPÖ,
                                                              Grüne, Ablehnung FPÖ.)
7.     Ltg. 648/J-1/3: Antrag des Landwirtschafts-
       Ausschusses zur Vorlage der Landesre-            12.   Ltg. 634/A-4/160: Debatte über die Beant-
       gierung betreffend Änderung des NÖ Jagd-               wortung der Anfrage des Abgeordneten
       gesetzes 1974.                                         Waldhäusl an Landeshauptmann Dr. Pröll
       Berichterstatter: Abg. Grandl (Seite 191).             betreffend Kapitalerhöhung der EVN AG.
       Redner: Abg. MMag. Dr. Petrovic (Seite                 Redner: Abg. Waldhäusl mit Antrag, die
       191), Abg. Sulzberger (Seite 193), Abg.                Anfragebeantwortung nicht zur Kenntnis zu
       Antoni (Seite 193), Abg. Ing. Pum (Seite               nehmen (Seite 203), Abg. MMag. Dr.
       194).                                                  Petrovic (Seite 204), Abg. Razborcan mit
       Abstimmung (Seite 195).                                Resolutionsantrag betreffend Einführung
       (angenommen: Zustimmung ÖVP, SPÖ,                      eines Strom-Gas-Bonus für Niederöster-
       FPÖ, Ablehnung Grüne.)                                 reicherInnen mit niedrigem Einkommen
                                                              (Seite 205), Abg. Mag. Schneeberger mit
8.     Ltg. 646/T-2/1: Antrag des Landwirtschafts-            Antrag auf Kenntnisnahme der Anfrage-
       Ausschusses zur Vorlage der Landesregie-               beantwortung (Seite 206).
       rung betreffend Änderung des NÖ Tierzucht-             Abstimmung (Seite 207).
       gesetzes 2008.                                         (Antrag Abg. Mag. Schneeberger angenom-




                                                      128
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


        men: Zustimmung ÖVP, SPÖ, Ablehnung                      Redner: Abg. Hafenecker mit Antrag, die
        FPÖ, Grüne;                                              Anfragebeantwortung nicht zur Kenntnis zu
        Resolutionsantrag abgelehnt: Zustimmung                  nehmen (Seite 207), Abg. Weiderbauer
        SPÖ, FPÖ, Ablehnung ÖVP, Grüne.)                         (Seite 208), Abg. Mag. Renner (Seite 209),
                                                                 Abg. Mag. Mandl mit Antrag auf Kenntnis-
13.     Ltg. 668/A-4/170: Debatte über die Beant-                nahme der Anfragebeantwortung (Seite 209),
        wortung der Anfrage des Abgeordneten                     Abg. Waldhäusl (Seite 210).
        Hafenecker an Landeshauptmann Dr. Pröll                  Abstimmung (Seite 211).
        betreffend Ausstellung von Mark Rossell auf              (Antrag Abg. Mag. Mandl angenommen:
        der Landhausbrücke (3.-25. November                      Zustimmung ÖVP, SPÖ, Grüne, Ablehnung
        2010).                                                   FPÖ.)




                                                      ***
                                                                                4.11.2010 dem Verkehrs-Aus-
     Präsident Ing. Penz (um 13.00 Uhr): Hohes
                                                                                schuss zugewiesen.
Haus! Meine sehr geehrten Damen und Herren!
Ich eröffne die Sitzung. Von der heutigen Sitzung
                                                            Ltg. 646/T-2/1 -    Vorlage der Landesregierung
hat sich niemand entschuldigt. Das heißt, wir sind
                                                                                vom 19.10.2010 betreffend
in allen Punkten beschlussfähig. Die Verhand-
                                                                                Änderung des NÖ Tierzucht-
lungsschrift der letzten Sitzung ist geschäftsord-
                                                                                gesetzes 2008 (NÖ TZG 2008)
nungsmäßig aufgelegen, sie ist unbeanstandet
                                                                                – wurde am 4.11.2010 dem
geblieben und ich erkläre sie daher als geneh-
                                                                                Landwirtschafts-Ausschuss
migt.
                                                                                zugewiesen und steht auf der
                                                                                Tagesordnung.
    Hinsichtlich der seit der letzten Sitzung bis
zum Ablauf des gestrigen Tages eingelaufenen
                                                            Ltg. 647/L-36 -     Vorlage der Landesregierung
Verhandlungsgegenstände, deren Zuweisung an
                                                                                vom 19.10.2010 betreffend
die Ausschüsse, der Weiterleitung von Anfragen
                                                                                Änderung des NÖ Lebensmit-
und der eingelangten Anfragebeantwortungen
                                                                                telkontrollgebührengesetz (NÖ
verweise ich auf die elektronische Bekanntma-
                                                                                LMKGG)        –   wurde    am
chung der Mitteilung des Einlaufes. Diese wird in
                                                                                4.11.2010      dem   Landwirt-
den Sitzungsbericht der heutigen Landtagssitzung
                                                                                schafts-Ausschuss zugewie-
aufgenommen.
                                                                                sen und steht auf der Tages-
                                                                                ordnung.
      Einlauf:
Ltg. 642/B-42/2 -   Bericht der Landesregierung             Ltg. 648/J-1/3 -    Vorlage der Landesregierung
                    vom 12.10.2010 betreffend NÖ                                vom 19.10.2010 betreffend
                    Energiebericht 2009 - Bericht                               Änderung des NÖ Jagdgeset-
                    über die Lage der Energiever-                               zes 1974 (NÖ JG) – wurde am
                    sorgung in Niederösterreich –                               4.11.2010    dem    Landwirt-
                    wird dem Wirtschafts- und Fi-                               schafts-Ausschuss zugewie-
                    nanz-Ausschuss zugewiesen.                                  sen und steht auf der Tages-
                                                                                ordnung.
Ltg. 644/A-3/31 -   Antrag    der   Abgeordneten
                    Königsberger u.a. betreffend            Ltg. 659/A-8/39 -   Antrag    der    Abgeordneten
                    Novellierung des § 106 KFG                                  Dworak u.a. gemäß § 40 LGO
                    (Personenbeförderung) – für                                 2001 auf Abhaltung einer
                    mehr Sicherheit bei der Beför-                              Aktuellen Stunde in der Land-
                    derung von Kindern in Omni-                                 tagssitzung am 18.11.2010
                    bussen im täglichen Gelegen-                                zum     Thema:     „Strukturelle
                    heitsverkehr zur und von der                                Maßnahmen zur Verbesserung
                    Schule sowie zum und vom                                    der finanziellen Lage der Ge-
                    Kindergarten – wurde am                                     meinden Niederösterreichs“.




                                                      129
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Ltg. 660/A-8/40 -   Antrag    der    Abgeordneten                               sen und steht auf der Tages-
                    Hafenecker u.a. gemäß § 40                                  ordnung.
                    LGO 2001 auf Abhaltung einer
                    Aktuellen Stunde in der Land-           Ltg. 667B-52/2 -    Bericht der Landesregierung
                    tagssitzung am 18.11.2010                                   vom 4.11.2010 betreffend NÖ
                    zum Thema: „Oben sparen                                     Sozialbericht 2009 – wird dem
                    statt drüberfahren – Stoppt die                             Sozial-Ausschuss zugewiesen.
                    ungerechte Gebührenlawine!“
                                                            Ltg. 675/A-3/33 -   Antrag    der    Abgeordneten
Ltg. 661/A-2/25 -   Antrag    der   Abgeordneten                                Tauchner u.a. betreffend Fa-
                    Vladyka u.a. betreffend unver-                              milienbeihilfe und Mehrkindzu-
                    züglicher Beschlussfassung für                              schlag müssen in der bisheri-
                    die Gewährung eines NÖ                                      gen Form erhalten bleiben! –
                    Heizkostenzuschusses für die                                wird dem Sozial-Ausschuss
                    Heizperiode 2010/11 und des-                                zugewiesen.
                    sen gesetzliche Verankerung
                    für sozial schwache Landes-             Ltg. 676/A-3/34 -   Antrag der Abgeordneten Ing.
                    bürger – zurückgezogen.                                     Huber u.a. betreffend Unter-
                                                                                stützung für unsere Familien –
Ltg. 662/A-1/49 -   Antrag mit Gesetzentwurf der                                Schulstartgeld wieder einfüh-
                    Abgeordneten Mag. Schnee-                                   ren – wird dem Schul-Aus-
                    berger u.a. betreffend Aufhe-                               schuss zugewiesen.
                    bung des Gesetzes über die
                    Einhebung von Landeszu-                 Ltg. 677/A-3/35 -   Antrag   der   Abgeordneten
                    schlägen zu den Gebühren                                    Königsberger u.a. betreffend
                    des Bundes auf Totalisateur-                                keine Erhöhung der Mineral-
                    und    Buchmacherwetten     –                               ölsteuer im Bundesbudget
                    wurde am 4.11.2010 dem                                      2011 – wird dem Wirtschafts-
                    Wirtschafts- und Finanz-Aus-                                und Finanz-Ausschuss zuge-
                    schuss zugewiesen.                                          wiesen.

Ltg. 663/A-1/50 -   Antrag mit Gesetzentwurf der            Ltg. 678/A-3/36 -   Antrag    der   Abgeordneten
                    Abgeordneten Mag. Schnee-                                   Waldhäusl u.a. betreffend Ein-
                    berger u.a. betreffend Ände-                                führung einer Bankenabgabe –
                    rung des NÖ Pflichtschulge-                                 eine neue Massensteuer –
                    setzes – Sprachförderkurse –                                wird dem Wirtschafts- und
                    wurde am 4.11.2010 dem                                      Finanz-Ausschuss        zuge-
                    Schul-Ausschuss zugewiesen                                  wiesen.
                    und steht auf der Tagesord-
                    nung.                                   Ltg. 679/A-3/37 -   Antrag    der   Abgeordneten
                                                                                Hafenecker u.a. betreffend
Ltg. 664/A-1/51 -   Antrag mit Gesetzentwurf der                                keine Abschaffung des Allein-
                    Abgeordneten    Bader    u.a.                               verdienerabsetzbetrages     –
                    betreffend Änderung des NÖ                                  wird dem Sozial-Ausschuss
                    Hundeabgabegesetzes 1979 –                                  zugewiesen.
                    wurde am 4.11.2010 dem
                    Kommunal-Ausschuss zuge-                Ltg. 680/A-3/38 -   Antrag    der   Abgeordneten
                    wiesen und steht auf der Ta-                                Hafenecker u.a. betreffend
                    gesordnung.                                                 keine Herabsetzung der Pfle-
                                                                                gestufen – wird dem Gesund-
Ltg. 666/A-1/52 -   Antrag mit Gesetzentwurf der                                heits-Ausschuss zugewiesen.
                    Abgeordneten Lembacher u.a.
                    betreffend Änderung des NÖ              Ltg. 681/A-3/39 -   Antrag    der  Abgeordneten
                    Fischereigesetzes 2001 (NÖ                                  Hafenecker u.a. betreffend
                    FischG 2001) – wurde am                                     nachhaltige Neuordnung des
                    5.11.2010    dem   Landwirt-                                Pensionssystems, insbeson-
                    schafts-Ausschuss zu gewie-                                 dere der Hacklerregelung –




                                                      130
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode      31. Sitzung vom 18. November 2010


                    wird dem Rechts- und Verfas-                            deraktion – Arbeitsmarktbele-
                    sungs-Ausschuss zugewiesen.                             bung.

Ltg. 682/A-3/40 -   Antrag der Abgeordneten Ing.          Ltg. 651/A-4/165 - Anfrage des Abgeordneten
                    Huber u.a. betreffend keine                              Hafenecker an Landeshaupt-
                    Studiengebühren - stattdessen                            mannstellvertreter      Mag.
                    Beibehaltung der Familienbei-                            Sobotka betreffend Landes-Fi-
                    hilfe – wird dem Schul-Aus-                              nanzsonderaktion – Arbeits-
                    schuss zugewiesen.                                       marktbelebung.

    Anfragen                                              Ltg. 652/A-4/166 - Anfrage des Abgeordneten
                                                                             Ing. Huber an Landeshaupt-
Ltg. 638/A-5/97 -   Anfrage der Abgeordneten                                 mann Dr. Pröll betreffend In-
                    MMag. Dr. Petrovic an Lan-                               solvenzverfahren         Hotel
                    desrätin Rosenkranz betref-                              „Schloß an der Eisenstraße“.
                    fend Änderung des NÖ Poli-
                    zeistrafgesetzes.                     Ltg. 653/A-4/167 - Anfrage des Abgeordneten
                                                                             Ing. Huber an Landeshaupt-
Ltg. 639/A-5/98 -   Anfrage der Abgeordneten Dr.                             mannstellvertreter       Mag.
                    Krismer-Huber an Landesrätin                             Sobotka betreffend Insolvenz-
                    Mag. Mikl-Leitner betreffend                             verfahren Hotel „Schloß an der
                    NÖ Familienpass – Günstiger                              Eisenstraße“.
                    Erhalt von Kindermenüs bei
                    Burger King.                          Ltg. 654/A-5/101 - Anfrage des Abgeordneten
                                                                             Ing. Huber an Landesrätin
Ltg. 640/A-5/99 -   Anfrage der Abgeordneten Dr.                             Dr. Bohuslav betreffend Insol-
                    Krismer-Huber an Landesrätin                             venzverfahren Hotel „Schloß
                    Mag. Scheele betreffend NÖ                               an der Eisenstraße“.
                    Familienpass – Günstiger Er-
                    halt von Kindermenüs bei              Ltg. 655/A-5/102 - Anfrage des Abgeordneten
                    Burger King.                                             Mag. Leichtfried an Landesrat
                                                                             Mag.     Heuras     betreffend
Ltg. 641/A-4/161 - Anfrage der Abgeordneten                                  Schließung der Bahnstrecke
                   MMag. Dr. Petrovic an Lan-                                Pöchlarn – Scheibbs.
                   deshauptmann Dr. Pröll betref-
                   fend Sitzung der NÖ Landes-            Ltg. 656/A-4/168 - Anfrage der Abgeordneten
                   regierung vom 12.10.2010.                                 Mag. Renner an Landeshaupt-
                                                                             mannstellvertreter      Mag.
Ltg. 643/A-5/100 - Anfrage des Abgeordneten
                                                                             Sobotka betreffend Entwick-
                   Hafenecker an Frau Landesrä-
                                                                             lung der Tagesklinik Gänsern-
                   tin Dr. Bohuslav betreffend
                                                                             dorf.
                   Saurierpark Traismauer.

Ltg. 645/A-4/162 - Anfrage der Abgeordneten               Ltg. 657/A-4/169 - Anfrage der Abgeordneten
                   MMag. Dr. Petrovic an Lan-                                Enzinger MSc an Landes-
                   deshauptmann Dr. Pröll betref-                            hauptmannstellvertreter Mag.
                   fend Sitzung der NÖ Landes-                               Sobotka betreffend Finanzie-
                   regierung vom 19.10.2010.                                 rung und Maßnahmenpaket für
                                                                             betroffene     Regionen  des
Ltg. 649/A-4/163 - Anfrage des Abgeordneten                                  Grundwasseranstieges in Nie-
                   Hafenecker an Landeshaupt-                                derösterreich.
                   mann Dr. Pröll betreffend Lan-
                   des-Finanzsonderaktion – Ar-           Ltg. 658/A-5/103 - Anfrage der Abgeordneten
                   beitsmarktbelebung.                                       Enzinger MSc an Landesrat
                                                                             Dr. Pernkopf betreffend Finan-
Ltg. 650/A-4/164 - Anfrage des Abgeordneten                                  zierung und Maßnahmenpaket
                   Hafenecker an Landeshaupt-                                für betroffene Regionen des
                   mannstellvertreter Dr. Leitner                            Grundwasseranstieges in Nie-
                   betreffend Landes-Finanzson-                              derösterreich.




                                                    131
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode      31. Sitzung vom 18. November 2010


Ltg. 665/A-5/104 - Anfrage des Abgeordneten               Sobotka, zu Ltg. 612/A-4/153 von Herrn Landes-
                   Thumpser an Landesrat Mag.             hauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 613/A-4/154 von
                   Heuras betreffend Bahnstre-            Herrn Landeshauptmannstv. Dr. Leitner, zu Ltg.
                   cke Freiland – Markt St.               614/A-4/155 von Herrn Landeshauptmannstv.
                   Aegyd.                                 Mag. Sobotka, zu Ltg. 633/A-4/159, zu Ltg. 634/A-
                                                          4/160 von Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll, zu
Ltg. 668/A-4/170 - Anfrage des Abgeordneten               Ltg. 638/A-5/97 von Frau Landesrätin Rosen-
                   Hafenecker an Landeshaupt-             kranz, zu Ltg. 639/A-5/98 von Frau Landesrätin
                   mann Dr. Pröll betreffend Aus-         Mag. Mikl-Leitner, zu Ltg. 641/A-4/161, zu Ltg.
                   stellung von Mark Rossell auf          645/A-4/162, zu Ltg. 649/A-4/163 von Herrn Lan-
                   der Landhausbrücke (3.-25.             deshauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 650/A-4/164 von
                   November 2010).                        Herrn Landeshauptmannstv. Dr. Leitner, zu Ltg.
                                                          651/A-4/165 von Herrn Landeshauptmannstv.
Ltg. 669/A-5/105 - Anfrage des Abgeordneten               Mag. Sobotka, zu Ltg. 652/A-4/166 von Herrn
                   Hafenecker an Landesrat Mag.           Landeshauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 653/A-4/167
                   Heuras betreffend Ausstellung          von Herrn Landeshauptmannstv. Mag. Sobotka,
                   von Mark Rossell auf der               zu Ltg. 655/A-5/102 von Herrn Landesrat Mag.
                   Landhausbrücke (3.-25. No-             Heuras, zu Ltg. 656/A-4/168 von Herrn Landes-
                   vember 2010).                          hauptmannstv. Mag. Sobotka, zu Ltg. 665/A-
                                                          5/104, zu Ltg. 669/A-5/105 von Herrn Landesrat
Ltg. 670/A-4/171 - Anfrage der Abgeordneten               Mag. Heuras, zu Ltg. 670/A-4/171 von Herrn Lan-
                   MMag. Dr. Petrovic an Lan-             deshauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 674/A-4/172 von
                   deshauptmann Dr. Pröll betref-         Herrn Landeshauptmannstv. Dr. Leitner.
                   fend Sitzung der NÖ Landes-
                   regierung vom 09.11.2010.                  Heute sind noch folgende Geschäftsstücke
                                                          eingelangt: Die Anfragebeantwortungen zu Ltg.
Ltg. 672/A-5/106 - Anfrage des Abgeordneten               643/A-5/100 von Landesrätin Dr. Bohuslav ge-
                   Ing. Huber an Landesrat Mag.           nauso wie zur Beantwortung zu Ltg. 654/A-5/101,
                   Heuras betreffend Verletzung           ebenfalls von Frau Landesrätin Dr. Bohuslav. Die
                   der Verantwortlichkeit für die         Anfragebeantwortung zu Ltg. 668/A-4/170 von
                   Erfüllung der Schulpflicht.            Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll und die Anfra-
                                                          gebeantwortung zu Ltg. 673/A-5/107 von Herrn
Ltg. 673/A-5/107 - Anfrage des Abgeordneten               Landesrat Mag. Heuras.
                   Ing. Huber an Landesrat Mag.
                   Heuras betreffend Anteil der                Weiters sind heute eingelangt Ltg. 685/B-5/9,
                   Kinder nicht deutscher Mutter-         Bericht des Rechnungshofes über EU-Finanzbe-
                   sprache in niederösterreichi-          richt 2009, aktuelle Entwicklungen der EU-Fi-
                   schen     Kindergärten   und           nanzkontrolle, Reform der EU-Haushaltsverord-
                   Schulen.                               nung, nachhaltige Entwicklung in Österreich
                                                          (Reihe Niederösterreich 2010/7). - Ich weise die-
Ltg. 674/A-4/172 - Anfrage des Abgeordneten               sen Bericht dem Rechnungshof-Ausschuss zu.
                   Sulzberger an Landeshaupt-
                   mannstellvertreter Dr. Leitner              Weiters ist eingelangt Ltg. 686/A-4/174, An-
                   betreffend ärztliche Nahver-           frage der Abgeordneten Dr. Krismer-Huber an
                   sorgung im ländlichen Raum             Landeshauptmannstellvertreter Mag. Sobotka be-
                   vor dem Aus?                           treffend private Leistungen auf der Mund-, Kiefer-
                                                          und Gesichtschirurgie des Zentralklinikums St.
Ltg. 683/A-4/173 - Anfrage der Abgeordneten               Pölten, Zweiklassenmedizin hat System.
                   MMag. Dr. Petrovic an Lan-
                   deshauptmann Dr. Pröll betref-              Am 10. November 2010 sind folgende Ge-
                   fend Sitzung der NÖ Landes-            schäftsstücke eingelangt: Ltg. 671/A-3/32, Antrag
                   regierung vom 16.11.2010.              der Abgeordneten Dr. Krismer-Huber u.a. betref-
                                                          fend Rücknahme des Sparpaketes der Bundesre-
    Anfragebeantwortungen: Zu Ltg. 604/A-4/146            gierung in den Bereichen Familie und Pflege. Der
von Herrn Landeshauptmannstv. Mag. Sobotka,               Antrag ist laut Geschäftsordnung nicht entspre-
zu Ltg. 606/A-4/147, zu Ltg. 609/A-4/150 von              chend unterstützt. Ich stelle daher gemäß § 32
Herrn Landeshauptmann Dr. Pröll, zu Ltg. 611/A-           LGO die Unterstützungsfrage. (Nach Abstim-
4/152 von Herrn Landeshauptmannstv. Mag.                  mung:) Dafür stimmen die Abgeordneten der Grü-




                                                    132
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode      31. Sitzung vom 18. November 2010


nen. Das ist nicht die Mehrheit, der Antrag ist           schuss am 11. November behandelt und enderle-
abgelehnt.                                                digt wurde. Das Ergebnis wurde dem Vorstand
                                                          schriftlich mitgeteilt.
     Wir kommen nun zum Geschäftsstück vom
16. November betreffend Ltg. 684/A-3/41, Antrag                Für die heutige Sitzung wurde folgende Re-
der Abgeordneten Dr. Krismer-Huber u.a. betref-           dezeitkontingentierung gemäß dem Redezeitmo-
fend Einführung einer Krankenkasse für alle Ar-           dell vom 15. Mai 2008 zwischen den Vertretern
beitnehmerinnen und deren Angehörige mit glei-            der Klubs einvernehmlich festgelegt. Die Gesamt-
chen Beiträgen und gleichen Leistungen. Auch              redezeit beträgt ohne die beiden Aktuellen Stun-
dieser Antrag ist laut Geschäftsordnung nicht             den 284 Minuten. Auf Grund des zitierten Land-
entsprechend unterstützt. Ich stelle daher gemäß          tagsbeschlusses kommen demnach der ÖVP 125,
§ 32 Abs. 5 LGO die Unterstützungsfrage. (Nach            der SPÖ 74, der FPÖ 45 und den Grünen 40 Mi-
Abstimmung:) Dafür stimmen die Abgeordneten               nuten zu. Für die beiden Aktuellen Stunden gilt
der Grünen. Die Unterstützung hat keine Mehrheit          die Verteilung von je 100 Minuten zwischen den
gefunden, der Antrag ist abgelehnt.                       Fraktionen im Verhältnis von 44:26:16:14. Den
                                                          antragstellenden Klubs kommen jeweils noch 15
     Die Abgeordneten Waldhäusl u.a. haben ge-            Minuten Redezeit hinzu. Ich halte fest, dass Be-
mäß § 39 Abs.7 LGO das Begehren gestellt, dass            richterstattungen, Wortmeldungen zur Geschäfts-
sie über die Anfragebeantwortung des Herrn Lan-           ordnung, tatsächliche Berichtigungen und die
deshauptmannes Dr. Pröll zu Ltg. 634/A-4/160              Ausführungen des am Vorsitz befindlichen Präsi-
betreffend Kapitalerhöhung der EVN AG eine                denten nicht unter die Redezeitkontingentierung
Debatte durchgeführt wird. Weiters haben die              fallen.
Abgeordneten Hafenecker u.a. gemäß § 39 Abs.
7 LGO das Begehren gestellt, dass über die An-                 Es sind zwei Anträge auf Abhaltung einer
fragebeantwortung des Herrn Landeshauptman-               Aktuellen Stunde eingelangt. Den ersten Antrag,
nes Dr. Pröll zu Ltg. 668/A-4/170 betreffend Aus-         Ltg. 659/A-8/39 haben die Abgeordneten Dworak
stellung von Mark Rossell auf der Landhausbrü-            u.a. zum Thema strukturelle Maßnahmen zur
cke, 3. – 25. November, eine Debatte durchge-             Verbesserung der finanziellen Lage der Gemein-
führt wird. Beide Begehren sind ausreichend un-           den Niederösterreichs eingebracht. Den zweiten
terstützt. Ich lasse daher abstimmen, ob die De-          Antrag, Ltg. 660/A-8/40 haben die Abgeordneten
batte heute stattfinden soll. (Nach Abstimmung            Hafenecker u.a. zum Thema „Oben sparen statt
über die Abhaltung einer Debatte zu Ltg. 634/A-           drüberfahren – stoppt die ungerechte Gebühren-
4/160:) Ich stelle die einstimmige Annahme fest.          lawine“ gestellt.
Die Debatte über diese Anfragebeantwortung wird
am Ende der heutigen Sitzung stattfinden.                      Für die beiden Aktuellen Stunden wurde ge-
                                                          mäß § 40 Abs.4 LGO beantragt, diese am Beginn
    Ich lasse nunmehr über das Begehren einer             der Landtagssitzung durchzuführen. Ich bringe
Debatte zu Ltg. 668/A-4/170 betreffend Ausstel-           zunächst den Antrag Ltg. 659/A-8/39 auf Abhal-
lung von Mark Rossell auf der Landhausbrücke              tung einer Aktuellen Stunde zu Beginn der Sit-
abstimmen. (Nach Abstimmung:) Ich stelle fest,            zung zur Abstimmung. (Nach Abstimmung:) Ich
dass auch dieser Antrag einstimmig angenommen             stelle die einstimmige Annahme fest.
wurde. Die Debatte über diese Anfragebeantwor-
tung wird nach der Debatte über die Kapitalerhö-              Damit kommen wir zur Aktuellen Stunde
hung der EVN stattfinden.                                 betreffend strukturelle Maßnahmen zur Verbesse-
                                                          rung der finanziellen Lage der Gemeinden Nie-
    Herr Landtagsabgeordneter Josef Balber hat            derösterreichs und ersuche Herrn Abgeordneten
mit Schreiben, eingelangt am 28. Oktober 2010,            Dworak als ersten Antragsteller zur Darlegung der
die Meldung nach § 4 Abs.1 Unvereinbarkeitsge-            Meinung der Antragsteller das Wort zu nehmen.
setz abgegeben und der Rechts- und Verfas-
sungs-Ausschuss hat sich in seiner Sitzung am                  Abg. Dworak (SPÖ): Sehr geehrter Herr
11. November 2010 damit befasst. Ich darf das             Präsident! Herr Landeshauptmann! Sehr geehrter
Hohe Haus um Kenntnisnahme ersuchen.                      Herr Landeshauptmannstellvertreter! Werte Mit-
                                                          glieder der NÖ Landesregierung! Hoher Landtag!
     Weiters teile ich mit, dass das Geschäfts-           Hoher Landtag!
stück Ltg. 629/E-1/7, Eingabe der Alliance for
Nature betreffend Schutz und Erhaltung des Welt-              Das Thema Strukturelle Maßnahmen zur
kulturerbes Semmeringbahn und umgebende                   Verbesserung der finanziellen Situation der nie-
Landschaft im Rechts- und Verfassungs-Aus-                derösterreichischen Gemeinden wurde von uns




                                                    133
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


deshalb gewählt, weil wir gerade in der Vorwoche           dass es eine Einnahmen-/Ausgabenschere gibt,
einen sehr wichtigen ersten Schritt gesetzt haben,         die die Gemeinden aus eigener Kraft so nicht
Gemeinden und Land, um die finanzielle Situation           mehr schließen können.
der NÖ Gemeinden zu verbessern.
                                                               Und ich bin hier deshalb auch sehr froh, dass
     Nachdem es den Gemeindevertreterverbän-               wir das heute diskutieren, weil gerade im NÖ
den gelungen ist, gemeinsam mit dem Land Nie-              Landtag sehr viele Bürgermeisterinnen und Bür-
derösterreich eine Senkung des NÖKAS-Beitra-               germeister sitzen, die diese Situation sehr gut
ges um zwei Prozent für 2011 zu erreichen, ist             kennen. Und die daher geeignet sind, hier die
das ein erstes Signal, das wir brauchen als Vorbe-         Lösungsansätze gemeinsam mit uns zu beraten.
reitung für die Finanzausgleichsverhandlungen,
die mit Start 2011 beginnen werden und den Fi-                  Ich sage gleich vorweg, der vorwöchige
nanzausgleich dann von 2014 an regeln wollen.              kleine Kommunalgipfel war ein erster wichtiger
                                                           Schritt, ein wichtiger Erfolg im Interesse der Ge-
     Meine sehr geehrten Damen und Herren!                 meinden. Denn drei Mal sechs Millionen Euro bis
Dass die Gemeinden gerade in der heutigen Zeit             2013 zu erhalten, das ist natürlich Hilfe. Und wir
ein wirtschaftlicher Faktor geworden sind, der             werden auch damit ein Ziel erreichen, das wir
Unternehmen fördert, der aber vor allen Dingen             gemeinsam auch im österreichischen Gemeinde-
Arbeitsplätze sichert, das ist hier bekannt. Und           bund formulieren. Dass nämlich nächstes Jahr die
deshalb haben wir diese Aktuelle Stunde bean-              NÖKAS-Steigerung jener Betrag sein wird, wo wir
tragt.                                                     auch erwarten, dass die Ertragsanteile steigen im
                                                           Ausmaß von rund 6 Prozent. Und ich denke mir,
     Zum Zweiten natürlich auch, weil die Ge-              dass wir auch aus diesen Neueinnahmen von
meinden die bürgernächste Gebietskörperschaft              rund 1,3 Milliarden den uns zustehenden Betrag
sind in diesem funktionierenden Spiel des Föde-            erhalten werden und somit eine ausgeglichene
ralismus. Und weil wir auch wissen, dass gerade            Steigerungsrate haben.
die Gemeinden eine wichtige Aufgabe haben
wenn es um die Lebensqualität der Menschen                     Aber, meine sehr geehrten Damen und Her-
geht hier in Niederösterreich. Wenn es darum               ren, die Prognosen sind keine guten. Erst vor
geht, die Kinderbetreuung zu sichern bis hin zur           wenigen Wochen hat die Baumeisterinnung hier
Pflege, bis hin zu dem Hort der Menschen in den            beklagt, dass die öffentlichen Aufträge aus den
Gemeinden.                                                 Gemeinden um fast 40 Prozent rückläufig sind.
                                                           Das ist auch ein ganz klares Signal, dass die Ge-
     Und wir wissen nicht erst seit kurzem, son-           meinden derzeit nicht in der Lage sind, ihrer
dern seit längerer Zeit, dass die Gemeinden mit            Funktion als Wirtschaftsmotor nachzukommen.
Land und Bund hier Probleme haben bei der Bud-
geterstellung. Weil es hier Probleme gibt, weil                 Man könnte das Ganze natürlich auch in
wichtige Einnahmequellen ausgefallen sind. Weil            Zahlen gießen. Wir haben 2008 noch rund 1 Milli-
wir hier eine Krise zu bekämpfen haben, die wir            arde Euro investiert, investiert in diesen wichtigen
nicht verursacht haben. Aber ob wir nunmehr                Bereich des Bau- und Baunebengewerbes und
vorausdenken müssen, wie wollen wir die Ge-                damit rund 15.000 Arbeitsplätze gesichert. Diese
meinden, wie wollen wir die Probleme, die damit            Zahlen sind auch im Gemeindefinanzbericht des
verbunden sind, nachhaltig finanzieren? Und des-           Landes Niederösterreich niedergeschrieben. Und
halb, glaube ich, müssen wir heute erkennen, der           sind auch ein klares Zeichen, wie stark der Part-
Wirtschaftsmotor Gemeinde ist ordentlich ins               ner Gemeinde für das Land ist, aber auch wie
Stottern geraten. Und gerade diese Zeit der Fi-            stark der Partner Gemeinde für die Wirtschaft hier
nanz- und Weltwirtschaftskrise ist Anlass um hier          in Niederösterreich ist und vor allen Dingen,
auch über neue Strukturen nachzudenken. Über               welch’ wichtigen Stellenwert er hat.
Strukturen, die wir brauchen, Gemeinden, Land
und Bund, um die zukünftigen Aufgaben in dieser                 Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der
Republik zu meistern.                                      Saldo der laufenden Gebarung ist stärker gesun-
                                                           ken als erwartet. Und deshalb haben wir auch ne-
    Und wenn wir uns die Finanzsituation der               gative Auswirkungen. Österreichweit zahlen die
Gemeinden ansehen, so haben wir derzeit eine               Gemeinden derzeit rund 440 Millionen Euro mehr
sehr dramatische Entwicklung bei den Abgangs-              an Transfer an die Länder als sie bekommen. Und
gemeinden, die ja aus eigener Kraft nicht mehr             deshalb, glaube ich, sollten wir halt gemeinsam
den ordentlichen Haushalt bedecken können.                 Maßnahmen diskutieren, wie wir ab 2013 in einem
Zum Einen. Und zum Zweiten, weil wir sehen,                neu zu verhandelnden Finanzausgleich dieses




                                                     134
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Geld verteilen zugunsten der Gemeinden, zu-                   ganz klar formuliert, weil uns klar ist, dass wir
gunsten jener, die sich für die Pflege, aber auch             nicht mehr Aufgaben übernehmen können ohne
für die Gesundheitsvorsorge annehmen.                         auch eine gerechte finanzielle Abgeltung zu er-
                                                              halten. Und weil wir auch hier zu Recht fordern,
     Und gerade dieser Bereich ist für uns sehr,              dass wir wieder investieren können um Arbeits-
sehr wichtig! Denn die schrumpfenden Steuerein-               plätze zu sichern, um die Wirtschaft in Schwung
nahmen haben den Gemeinden auch österreich-                   zu halten und um jenen Aufschwung vielleicht
weit noch zusätzlich rund 400 Millionen Euro Min-             auch zu verstärken, der sich jetzt auch auf Grund
dererträge gebracht. Und bis 2012 werden es 800               der Ertragsanteilprognosen abzeichnet.
Millionen sein, die den Gemeinden aus dem
Steuertopf fehlen. Und dem gegenüber steigen                       Meine sehr geehrten Damen und Herren!
natürlich die Ausgaben im Gesundheits- und So-                Niederösterreich hat hier eine sehr gute Aus-
zialbereich.                                                  gangssituation. Denn wir haben als Gemeinden
                                                              mit rund 500 Euro pro Einwohner die meiste In-
     Meine sehr geehrten Damen und Herren!                    vestitionskraft in der Vergangenheit gehabt. Und
Darum geht es uns, glaube ich, dass wir heute                 die wollen wir wieder um auf den Weg des Erfol-
auch klar formulieren, was wir bei diesen Finanz-             ges zurückzukehren! Und vor allen Dingen, weil
ausgleichsverhandlungen als Gemeinden errei-                  wir auch ganz klar bewusst sagen können, dass
chen wollen. Gemeinsam mit dem Land, gemein-                  wir in der Vergangenheit etwas Einmaliges ge-
sam mit den Aufgaben, die wir zu bewältigen ha-               schaffen haben. Im Gesundheitsbereich, im Pfle-
ben. Und die Situation ist eine ernste. Und wir               gebereich, aber auch bei der Finanzierung der
sehen auch diese Aufgabe natürlich als Heraus-                Kindergartenoffensive, wo wir heute sicherlich
forderung um hier die Gemeinden, die Länder,                  noch darüber diskutieren wollen und werden, sehr
aber vor allen Dingen das große Problemfeld der               gerne, ob wir hier wirklich abzocken oder ob wir
Gesundheit und Pflegevorsorge zu finanzieren.                 wirklich darauf schauen, dass die Niederösterrei-
Deshalb, glaube ich, haben wir halt auch gemein-              cherinnen und Niederösterreicher ein hervorra-
same Anliegen zu formulieren und in diesen Ver-               gendes Angebot in allen Bereichen haben.
handlungen auch gemeinsam als Partner aufzu-
treten um unsere Aufgaben erfüllen zu können.                      Meine sehr geehrten Damen und Herren!
                                                              Nun, was wollen wir erreichen? Zum Einen,
      Und vor allen Dingen ist für mich hier auch             glaube ich, muss es Ziel sein, bei den Finanzaus-
eines wichtig: Zu erkennen, dass wir derzeit auch             gleichsverhandlungen, dieses aufgabenorientiert
von der Einnahmensituation her die gleichen                   auch abdecken zu lassen. Das heißt, dass die
Probleme haben, Länder wie Bund, wenn wir sa-                 Aufgaben, die die Gemeinden übernommen ha-
gen, die niederösterreichischen Gemeinden ha-                 ben und übernehmen werden, auch dementspre-
ben im Jahr 2008 noch rund 1,2 Milliarden Er-                 chend finanziell bewertet werden. Zum Zweiten,
tragsanteile erhalten und heuer sind es knapp 856             glaube ich, gehört endlich eine Entlastung des
Millionen. Das ist nämlich eine Situation, über die           Transferdschungels her, um hier wirklich auch
man diskutieren muss. Wobei wir aber auch na-                 Millionen für die Gemeinden zu lukrieren. Und
türlich sehr froh sind, dass man uns hier hilft, aber         zum Dritten ein Thema, mit dem wir uns gerne
wir auch über nachhaltige strukturelle Verände-               auch auseinandersetzen als Partner des Landes
rungen zugunsten der Gemeinden diskutieren                    sozusagen: Wir sind gerne bereit, natürlich auch
müssen.                                                       hier die Kinderbetreuungseinrichtungen zu über-
                                                              nehmen. Fordern aber gleichzeitig auch für die
     Meine sehr geehrten Damen und Herren!                    Länder, dass das Geld da sein muss um den gan-
Deshalb werden wir darüber reden, welche Forde-               zen Pflegebereich nachhaltig zu finanzieren.
rungen wollen wir einbringen und gemeinsam im
Interesse der Gemeinden, im Interesse der Län-                     Das sind unsere Ziele, das sind die Aufga-
der, aber vor allen Dingen im Interesse der Nie-              ben, die wir gemeinsam übernehmen wollen und
derösterreicherinnen und Niederösterreicher hier              wo wir eines ganz klar auch hier sagen: Wir sehen
formulieren. Um schlussendlich jenen Hort der                 uns hier als Partner auch in den Finanzaus-
Menschen am Überleben zu halten, damit der                    gleichsverhandlungen für 2013 um die Gemein-
Wirtschaftsmotor Gemeinde wieder anspringt,                   den wieder in den Aufschwung zu bringen.
aber vor allen Dingen, dass die Gemeinden ihren
Aufgaben wieder nachkommen können.                                 Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ab-
                                                              schließend vielleicht noch eines ganz klar: Wir
    Und wir sind hier zu allen gesprächsbereit                sind sehr froh über die Hilfe, die uns hier gegeben
und haben hier unsere Forderungen auch deshalb                wurde. Aber ich denke mir, die heutige Diskussion




                                                        135
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


wird zeigen, es müssen auch noch weitere                      immer sozusagen wert sind, darüber zu diskutie-
Schritte folgen um die Gemeinden wieder zu ge-                ren. Aber die suggestive Unterstellung, hier haben
sunden. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit!               wir Handlungsbedarf auf Landesebene, das
(Beifall im Hohen Hause.)                                     würde ich gerne herausarbeiten. Und, auch das
                                                              würde ich gerne herausarbeiten, in den Grundla-
    Präsident Ing. Penz: Bevor ich den nächsten               genforschungen ein bisschen unter Anführungs-
Redner, Herrn Abgeordneten Mag. Riedl, das                    zeichen genauer zu sein.
Wort erteile, darf ich mitteilen, dass mich der
grüne Klub informiert hat, dass Frau Dr. Krismer-                  Herr Landeshauptmannstellvertreter Leitner!
Huber für die heutige Landtagssitzung als ent-                Wir kennen diese 500 Millionen, die Sie immer
schuldigt zu gelten hat.                                      wieder fordern. Ich glaube, mittlerweile in der 10.
                                                              Pressekonferenz unter Anführungszeichen, fünf
     Weiters freut es mich, dass wir auf der Gale-            Mal „ausgegeben“. Sie sagen nie dazu, wem Sie
rie unter Führung der Bezirksbäuerin aus Horn                 das Geld wegnehmen wollen. Wir haben nur so-
Bäuerinnen bei uns begrüßen dürfen. Herzliches                zusagen dieses Geld nicht, das Sie gerne vertei-
Grüßgott! (Beifall im Hohen Hause.)                           len würden. Und wir als Gemeindevertreter, und
                                                              da gebe ich dem Kollegen Dworak Recht, wir
    Herr Mag. Riedl.                                          wollen kein Löschblatt in diese Partnerschaft Land
                                                              und Gemeinden dazwischen bringen, weil wir
     Abg. Mag. Riedl (ÖVP): Sehr geehrter Herr                ganz einfach darauf vertrauen können, dass in
Präsident! Herr Landeshauptmann! Werte Mitglie-               schwierigen Zeiten, wenn es notwendig wird, für
der der Landesregierung! Liebe Kolleginnen und                uns Hilfestellungen zu geben, bis dato diese Hil-
Kollegen!                                                     festellungen auch immer gegeben wurden. (Beifall
                                                              bei der ÖVP.)
      Vorweg, lieber Herr Präsident Dworak, ge-
statte mir die Frage: Was ist für die SPÖ aktuell                  Ich denke, meine Damen und Herren, liebe
und was heißt hier dabei Glaubwürdigkeit? Ich                 Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, es ist nie-
werde versuchen, das auch herauszuarbeiten.                   mandem verborgen geblieben, dass Schulden
Und zwar aus folgendem Grund: Wenn wir im NÖ                  machen Anleihen bei den Kindern und Kindeskin-
Landtag diskutieren in einer Aktuellen Stunde, so             dern sind. Dass es verbrauchte Zukunft ist. Ich
würden wir uns erwarten, dass wir über die nie-               denke, wir sind uns auch einig, dass wir eine
derösterreichischen Problemstellungen oder Er-                Verfassung anerkennen, die auf allen Ebenen, auf
folge diskutieren. Und ich verstehe dich als Ge-              der Bundesebene, auf der Landesebene, aber
meindebundfunktionär, als Präsidiumsmitglied,                 auch auf der Gemeindeebene Rechte und Pflich-
dass wir selbstverständlich Wünsche und auch                  ten zuteilt. Und ich denke, wir sind uns auch einig,
Antworten für die künftigen Finanzausgleichsver-              dass die Gemeinden in der gesamtstaatlichen
handlungen auf der Bundesebene brauchen. Aber                 Organisation für uns heute schwierige Aufgaben
was wir nicht wollen ist, dass wir gleichzeitig un-           wie Kinderbetreuung oder Altenbetreuung die
seren Landsleuten signalisieren, wenn wir hier                Pflichten auch immer wahrgenommen haben. Und
diskutieren, den Gemeinden geht’s so schlecht                 auch wahrnehmen werden. Und dass wir gesamt-
und das Land ist schuld. Weil genau das Gegen-                staatlich auch immer unseren Beitrag zur Stabilität
teil, behaupte ich einmal, und das möchte ich                 bringen konnten trotz der schwierigen Situation.
auch gerne beweisen, ist der Fall.                            Und ich behaupte nun auch einmal, dass gerade
                                                              in dieser Diskussion, wo kostentreibende Aufga-
     Ich kann mich nicht am Freitag unter Anfüh-              ben plötzlich aus Entwicklungen kommen, es nicht
rungszeichen vor die Kamera setzen, den Lands-                möglich sein wird, ganz einfach die heiße Kartoffel
leuten sagen, wie toll die Partnerschaft ist und wie          wegzuspielen oder zuzuspielen. Sondern wir wer-
toll auch sozusagen die Unterstützung des Lan-                den uns dieser Herausforderung auch annehmen.
des ist, und eine Woche später versuche zu sug-
gerieren, da funktioniert es nicht, mit der Aktuellen             Und ein Grundsatz gilt, und ich glaube, darin
Stunde. Und wie glaubwürdig das auch klingt,                  sind wir uns auch einig, Herr Präsident Dworak,
wenn ich in der 5. Pressekonferenz der SPÖ mit                ein Grundsatz gilt: Alles, was wir auf der lokalen
dem Klubobmann Leichtfried und dem Landes-                    Ebene erledigen können, ist in der Regel transpa-
hauptmannstellvertreter Leitner ein- und dasselbe             renter, direkter erfüllt und meistens auch billiger.
Thema seit Mai über die Gemeindefinanzierung                  Das heißt, wir wollen unseren „Pflichten“ auch
höre. Und jetzt sozusagen, fünf oder sechs Mo-                nachkommen, uns nicht davor drücken. Und wir
nate später, so tue, als wäre das eine Aktuelle               können heute als autonome Selbstverwaltungs-
Stunde. Nicht dass die Gemeindefinanzen nicht                 körperschaften ganz stolz auch vor unsere




                                                        136
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Landsleute hintreten damit, dass wir ihre täglichen          Müller. Schulschließungen - Frau Bundesministe-
Sorgen und ihre Lebensqualität auch gerne be-                rin Schmied. (Unruhe bei der SPÖ.)
gleiten wollen.                                              Ein ganz toller „Zentralist“, ihr sitzt ja immer am
                                                             Podium bei eurer Pressekonferenz: Leitner,
     Und bis in die Europäische Union hat sich               Dworak und Müller. (Beifall bei der ÖVP.)
herumgesprochen, dass Dezentralisierung ein
ganz wichtiger Motor ist für die Entwicklung.                     Auch das könnt ihr nachlesen. Feuerwehrzu-
Durch Subsidiarität zum Erfolg, auch das möchte              sammenlegungen und –schließungen: Wieder
ich hier erwähnen. Nicht nur in der Effektivität und         dieser Zentralist Müller! Oder, unter Anführungs-
Effizienz. Die dezentralisierten Analysen der                zeichen, „kleine Spitäler schließen“, in Nieder-
Staaten haben ein deutlich besseres Wirtschafts-             österreich mehr als die Hälfte, Bundesminister
wachstum, haben ein deutlich unter Anführungs-               Stöger. Also da gibt’s eine ganze Reihe, wo wir
zeichen besseres Einkommen pro Kopf als jene                 einfach feststellen wollen, wir wollen das
zentral verwalteten Staaten. Und da liegt Öster-             Schlechtreden der guten Organisation in Nieder-
reich ganz, ganz weit vorne.                                 österreich durch Landeshauptmannstellvertreter
                                                             Leitner und seine Zentralisten nicht. Das brau-
     Ich sage nur, bis in die zentralistischen Ge-           chen wir nicht und daher werden wir dagegen
danken und zu den Zentralisten in der SPÖ hat                immer wiederum auftreten! (Beifall bei der ÖVP.)
sich das noch nicht durchgesprochen. Weil sonst
könnte es nicht sein, dass der Bürgermeister                      Und darum, liebe Kolleginnen, Kollegen, zu
Müller regelmäßig über Gemeindezusammenle-                   der Seriosität im Datenmaterial. Bleiben wir bei
gungen diskutiert. Und ihr könnt alle nachlesen in           den Transferzahlungen und bei der Auszifferung
Wortprotokollen der parlamentarischen Enquete.               in den Transferzahlungen. Nehmen wir für uns die
                                                             kostentreibenden Ausgaben zwischen Land und
     Die Grundlagenforschung, und da nehme ich               Gemeinden, Alten-, Pflege- und Kinderbetreuung.
jetzt noch einmal den Präsident Dworak in die                Soziale Finanzierungen, ein ganz wichtiger Teil
Pflicht: Die Grundlagenforschung des Gemeinde-               unserer Pflichtaufgaben. Wir haben unter diesem
bundes mit IHS-Professor Felderer, mit WIFO-                 Gesichtspunkt zwei Zugänge. Vergleichen wir
Professor Aiginger, mit OGM-Bachmayer hat ganz               Niederösterreich und Oberösterreich für ein- und
eindeutig ergeben, dass die kleinen, durchschau-             dieselbe Aufgabe. In Niederösterreich ist die Or-
baren Strukturen im Wesentlichen die von 1.000               ganisation beim Land und die Zahlungen, die wir
bis 20.000, in der Hoheits- und Privatwirtschafts-           in unseren gemeinsamen Finanzierungsaufgaben
verwaltung die Verwaltungsaufwendungen bei                   ans Land zahlen, sind Transfers an das Land.
einem Drittel haben gegenüber den großen Ein-
heiten über 50.000 Einwohner 266 Euro unter                       Die oberösterreichischen Gemeinden und
Anführungszeichen gegenüber mindestens 629                   Gemeindeverbände sind die Träger der Alten-
Euro. Und auch bei den Beschäftigten kann man                pflege, der extramuralen Betreuung. Und dort sind
das nachlesen. Im Durchschnitt 8 bei den durch-              die Zahlungen des Landes an die Gemeinden
schaubaren Einheiten pro tausend Einwohner,                  Transfers in umgekehrter Richtung. Für ein- und
und darüber hinaus, ab 50.000 20.                            dieselbe Aufgabe, grosso modo auch in der glei-
                                                             chen Aufteilung. Die oberösterreichische Landes-
     Das heißt also, ich denke, wir müssen auch              regierung jubelt, wie gut sie mit den Gemeinden
die Datengrundlage zur Kenntnis nehmen. In                   umgeht obwohl dort 60 Prozent Sanierungsge-
Österreich haben wir im Unterschied zu den ande-             meinden sind. Und die Datengrundlage ganz ein-
ren Staaten insgesamt im öffentlichen Dienst 12,1            fach unterschiedlich verwendet wird.
Prozent Beschäftigte, die Europäische Union im
Durchschnitt 16,4 und die für euch so oft signali-                Wir wollen keine oberösterreichischen Ver-
sierte Wunderwelt Schweden 30,6 Prozent öffent-              hältnisse! Schaut euch den Budgeterlass des
lich Beschäftigte. Das muss man auch unseren                 Landesrates Ackerl an. Hier wird es keine Pro-
Landsleuten sagen, dass wir trotz aller unter An-            jekte bis 2013 geben und hier gibt’s unter Anfüh-
führungszeichen „dezentraler Organisation“ die               rungszeichen die Aufforderung, die noch nicht
Aufgaben einfach besser erfüllen und in der Regel            ausbezahlten, aber zugesagten Förderungen wie-
auch billiger erfüllen.                                      der zurückzunehmen. Das gibt’s in Niederöster-
                                                             reich nicht! (Beifall bei der ÖVP.)
    Das heißt, wir sollten schon untersuchen, wo
wären wir, wenn es nach der SPÖ geht, nach                       Im Pressepapier der SPÖ zu der finanziellen
dieser Aktuellen Stunde. Schauen wir uns das an:             Situation der Städte und Gemeinden wird der
Gemeindezusammenlegungen - Bürgermeister                     Saldo zwischen Land und Gemeinden in der




                                                       137
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Transferzahlung von plus 8 Millionen auf minus 26           Problem, wie gehen wir mit den Gemeinden in der
Millionen richtigerweise dargestellt als Daten-             Diktion auf Landesebene um?
grundlage 2010. Obwohl es eindeutig die Daten,
die verfügbaren, aus 2008 sind. Keine Anmerkung                   Und ich war oder ich bin natürlich auch ge-
dabei zu dieser Datengrundlage, dass in der Zwi-            neigt heute, zwei Sätze zu dieser Anspruchs-
schenzeit eine Kindergartenoffensive gestartet              denke zu sagen. Ich glaube, dass wir einen sehr
wurde womit wir von 40 auf rund 70 Prozent die              wichtigen Beitrag auf der lokalen Ebene für die
Förderqualität erhöht haben. Wo wir durchschnitt-           gesellschaftspolitischen oder gesellschaftlichen
lich 4 und 5 Millionen Förderung ausbezahlt ha-             Zusammenhaltdiskussion leisten müssen. Und
ben bis 2007, 2008. Und jetzt im Durchschnitt der           das allgemeine Anspruchsverhältnis hat uns na-
letzten 3 Jahre 70 Millionen ausbezahlt haben.              türlich auch an die Grenzen der Belastbarkeit
Keine Anmerkung in diesem Bericht zur selben                geführt. Was wir nicht wollen, meine Damen und
Transferleistung, weil es halt tatsächlich „danach“         Herren, ist der betreute Bürger. Was wir wollen ist
ist, die Frage der Hilfe der Gemeinden beim                 der eigenverantwortliche Bürger. Und wir müssen
Schutzwasserbau. Weil die Gemeinden die 20                  schon höllisch aufpassen, dass in der Bevölke-
Prozent einfach nicht mehr zahlen konnten haben             rung nicht das Gefühl hochkommt, dass der Flei-
wir verhandelt und haben vom Land die Zusage,               ßige, der Engagierte - und es ist völlig wurscht,
die Eigenfinanzierungsquote von 20 auf 12,5 Pro-            der fleißige Unternehmer oder der fleißige Arbeit-
zent zu reduzieren. 9 Millionen! Auch nicht ent-            nehmer -, dass der Fleißige, der Engagierte nicht
halten.                                                     der Dumme, und der Schmarotzer, der Faule,
                                                            nicht der Begünstigte ist.
     Und der Gipfel, auch das möchte ich sagen,
ist der, dass Prof. Lehner – und auch das habe                     Ich bin mir daher nicht sicher, ob bei allen
ich mitgenommen, weil das ist ja eure Daten-                angekommen ist, dass die Party längst vorbei ist
grundlage, genau aus dem sind diese Zahlen                  und dass wir Schulden nur auf Kosten unserer
(zeigt Schriftstück) – Prof. Lehner dort anmerkt,           Kinder machen. Aus der gelebten Partnerschaft,
bitte, dass, und das wortwörtlich: Insgesamt stützt         liebe Freunde, ist die Kindergartenoffensive ent-
das Land Niederösterreich im Bereich der Kinder-            standen. Aus der gelebten Partnerschaft ist die
betreuungseinrichtungen seine Gemeinden am                  Einnahmequelle für die zugegebenermaßen sehr
stärksten von allen 9 Bundesländern. (Beifall bei           kritische Diskussion Glücksspiel entstanden, die
der ÖVP.)                                                   soziale Finanzierung heute absichert und die uns
                                                            hilft in den Gemeinden. Aus der gelebten Partner-
    Auch keine Anmerkung. Nur so viel zur Da-               schaft sind jene Diskussionen entstanden, die auf
tengenauigkeit.                                             Landesebene zu regeln sind. Wir korrekt ange-
                                                            merkt von Präsident Dworak, nämlich die Reduk-
     Ich denke, wir sind uns auch einig, dass sin-          tion auf die Einnahmensteigerung bei der Ausga-
kende Einnahmen und steigende Ausgaben ir-                  bensteigerung NÖKAS-Umlage.
gendwann in den Konkurs führen. Das kann so
nicht sein. Wir sind uns wahrscheinlich auch noch               Es wäre daher aus meiner Sicht aktuell dort
einig, dass Einnahmensteigerungen und Ausga-                zu diskutieren, wo die Lizidationspolitik noch ist.
bensteigerungen, wenn sie sich die Waage hal-               Dort zu diskutieren, wo zum Beispiel diskutiert
ten, den Spielraum nicht verschlechtern zumin-              wird Mindestsicherung 14 Mal und nicht 12 Mal.
dest. Wir sind uns aber auch einig, dass die                Oder dort zu diskutieren wo Nachmittagsbetreu-
Gunstlagen die Ungunstlagen mitnehmen müs-                  ung grundsätzlich noch immer gänzlich kostenfrei
sen. Wo wir uns aber wahrscheinlich mit den                 sein soll. Das kann es doch nicht geben! Und
Zentralisten bei euch nicht mehr einig sind, dass           daher wollen wir von diesem Rednerpult aus nicht
die Abschaffung der Landesumlage diesen Aus-                suggerieren, dass hier nicht alles getan wird um
gleich Gunstlage-Ungunstlage verschlechtert hat             diese Strukturen, um diese lokalen Autoritäten so
oder schwieriger gemacht hat.                               zu unterstützen, dass sie auch als lokaler Kon-
                                                            junkturmotor noch immer in der Lage sind.
      Es ist das einzige Bundesland, das in diesen
Transferleistungen die Landesumlage abgeschafft                  Und ich freue mich auch des Öfteren über
hat. Alle anderen Bundesländer haben diese                  alle Parteigrenzen hinweg bei den Gemeindever-
Transferleistung. Auch keine Anmerkung. Ja,                 tretern das Signal zu verspüren, dass wir auf
noch viel schlechter: Bürgermeister Müller möchte           diese Partnerschaft auch in schwierigen Zeiten
ja gleichzeitig unter Anführungszeichen als Zent-           vertrauen können. Und dass diese Partnerschaft
ralist noch die BZ-Mittel abschaffen. Das ist ein           auch gelebt wird. Und da nehme ich noch einmal




                                                      138
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


den Präsident Dworak in die Pflicht, dass er sich              zen immer wieder gelobt wird. (Beifall bei der
auch in seinem Klub darum kümmert, dass 8                      ÖVP.)
Tage vorher nicht anders geredet werden kann
als 8 Tage nachher. (Beifall bei der ÖVP.)                        Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
                                                               Abgeordneter Thumpser.
     Es ist einfach schön, als Gemeindevertreter
in einem Land Verantwortung zu tragen, wo die                      Abg. Thumpser (SPÖ): Sehr geehrter Herr
klaren Verhältnisse die Entscheidungsmöglich-                  Präsident! Liebe Regierungsmitglieder!
keiten geben, die Klarheit sozusagen geben, auch
in schwierigen Situationen rasch entscheiden zu                     Vor rund einem Jahr haben wir diese Diskus-
können. Wir in Niederösterreich vertrauen auf die              sionen ebenso an der Stelle geführt. Vor rund
Niederösterreichische Volkspartei. Sie ist der Ga-             einem Jahr war auch dein Erkenntnis, sehr ge-
rant, dass diese Partnerschaft wirklich gelebt wird.           ehrter Herr Präsident Riedl, dass es den Gemein-
Und wir brauchen keine langen Diskussionen und                 den doch nicht so gut geht, ein bisschen eine
wir brauchen keine faulen Kompromisse, sondern                 andere. Und wir glauben, und wir sind uns einig
wir übernehmen diese Verantwortung auch gerne.                 darüber, dass es Handlungsbedarf nach wie vor
Natürlich mit dir, wenn du sagst, es geht kein                 geht. Es gibt Handlungsbedarf im Bereich der
Löschblatt zwischen diese Partnerschaft. (Beifall              kommenden Finanzausgleichsverhandlungen im
bei der ÖVP.)                                                  Zusammenhang mit Gemeinden. Und natürlich
                                                               gibt es auch Handlungsbedarf im Land Nieder-
     Daher abschließend noch ein Satz zu dieser                österreich! Und, lieber Kollege Riedl, wir kennen
Datengenauigkeit, weil du den Bauinnungstag                    die Statistiken. Wir kennen die Statistiken, dass
angemerkt hast. Ich habe dich leider Gottes ver-               die Verwaltungsaufwendungen in den kleineren
misst. Ich war ja dort und habe dort auch Rede                 Strukturen effizienter, besser, schneller, günstiger
und Antwort gestanden. Und mein Gefühl war, wir                sind. Wir können aber nicht davon ausgehen,
müssen uns schon sozusagen auf die echten                      dass diese zukünftigen Verwaltungsaufgaben
Daten verlassen. Es ist dort auch überraschend                 auch gratis sind. Und um das, liebe Kolleginnen,
angekommen. Wenn du die Gemeindefinanzbe-                      Kollegen, geht es mir in meinem Beitrag. Auf die
richte angeschaut hast, hat 2007 bis 2010, so                  restliche Polemik des Kollegen Riedl möchte ich
haben die Gemeinden in den außerordentlichen                   mich eigentlich nicht einlassen. Weil mit dieser
Haushalten, sprich in den investiven Bereichen,                Polemik ist keiner einzigen Gemeinde in Nieder-
von 709 Millionen Euro 2007 auf 2009 im Rech-                  österreich geholfen. (Beifall bei der SPÖ.)
nungsabschluss 815 jedes Jahr gesteigert. Wir
haben immer unter Anführungszeichen mehr in-                        Liebe Kolleginnen und Kollegen! Noch einmal
vestiert. Wir sind auch in der schwierigsten Zeit              kurz zu reüssieren was der Kollege Dworak ge-
der größte öffentliche Investor gewesen. Das ne-               sagt hat. Die Gemeinden sind Ansprechpartner,
ben der Initiative der Pflegeheime, die wir zu 50              erster Ansprechpartner der Bevölkerung. Die Ge-
Prozent mitzahlen.                                             meinden sind Ansprechpartner wenn es um Fra-
                                                               gen Wohnen, Straßen, Sicherheit geht, wenn es
     Also bitte nur auch da die Kirche im Dorf zu              um die Pflege geht, wenn es um Kinderbetreuung,
lassen. Da gibt es strukturelle Unterschiede. Wir              Bildung geht, wenn es um die Müllentsorgung und
sind fertig in der Hardware, fertig in der Investition         die Wasserver- und –entsorgung geht. Und die
für Kanal, für Wasser, für Straße. Wir investieren             Gemeinden sind einerseits die gewählten Man-
halt heute mehr in die Software, in den gesell-                datarinnen und Mandatare als erste Ansprech-
schaftlichen Zusammenhalt, wo wir investieren in               partner der Bevölkerung und andererseits die
die Kinderbetreuungseinrichtungen, in die Schu-                Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Gemein-
len, in die Kindergärten und in die Altenpflege.               deämtern und Bauhöfen.

     Aber wenn hier regionale Differenzen auftre-                   Liebe Kolleginnen und Kollegen! Unsere Mit-
ten, dann kann ich das Land nicht krank reden.                 arbeiterinnen und Mitarbeiter auf den Gemeinden
Dann kann ich dieses Signal nicht setzen, wenn                 und Bauhöfen erledigen ihre Arbeiten mit den
die tatsächlichen Zahlen sagen, wir investieren                ihnen zur Verfügung stehenden technischen Mit-
regelmäßig mehr als Gemeinden. Und darauf bin                  teln und sie erledigen diese Aufgaben und Arbei-
ich stolz. Daher ist es wirklich schön, als Gemein-            ten auch mit den finanziellen Mitteln, die ihnen zur
devertreter in diesem Land Verantwortung zu                    Verfügung gestellt werden. Nur, diese finanziellen
tragen. Und ich freue mich ja auch auf diese kol-              Mittel sind in den letzten beiden Jahren drama-
legiale Partnerschaft, die über alle Parteigrenzen             tisch eingebrochen. Und, der Präsident Dworak
hinweg für die Landsleute in den Pressekonferen-               als auch der Präsident Riedl haben es gesagt, die




                                                         139
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Reduzierung des NÖKAS von 9 auf 7 Prozent ist                betreuung sofort zu 100 Prozent in die Hände der
ein Anführungszeichen erster Schritt, kann aber in           Gemeinde kommen. Ich bin als Bürgermeister
diesem Zusammenhang nicht der letzte sein.                   sofort bereit, die Kosten für die Kindergärtnerin-
                                                             nen zu übernehmen. Ich bin sofort bereit, allfällige
     Ich möchte anhand von zwei Beispielen auf-              Baumaßnahmen in Zukunft zu finanzieren. Dar-
zeigen, wie wir im Bereich der Verwaltung meiner             über kann man sich dann vielleicht noch unter-
Meinung nach in Zukunft anders agieren müssen.               halten. Ich bin aber dagegen, diese Doppelglei-
Und möchte mit einem Bereich beginnen, den wir               sigkeit, wie wir sie jetzt haben, aufrecht zu erhal-
noch vor haben. Und liebe Kolleginnen und Kolle-             ten. Ich bin gegen die Doppelgleisigkeit, auf der
gen, ich bleib noch einmal beim Kollegen Riedl.              einen Seite Land und auf der anderen Seite Ge-
Wir arbeiten billiger, besser, effizienter, aber wir         meinde. Wir können darüber reden, alle Aufgaben
können es in Zukunft nicht mehr umsonst oder                 im Bereich der Kinderbetreuung, weil dann kön-
gratis machen.                                               nen wir es uns wirklich richten als Gemeinde.
                                                             Dann können wir sagen, okay, im Kindergarten ist
     Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Gemein-             nicht nur der Anführungszeichen „Kindergarten“
den Niederösterreichs sind verpflichtet, die Abfall-         von 7.00 Uhr in der Früh bis 16.00 Uhr offen, son-
bilanzverordnung 2008 bis zum Jahre 2014 zu                  dern in dem Kindergarten sind auch andere
exekutieren und umzusetzen. Eine Verordnung,                 Betreuungseinrichtungen mit drinnen für die Kin-
zu der ich zu 100 Prozent stehe. Eine Verord-                der. Dann brauchen wir keine Parallelstrukturen
nung, die im Jahre 2008 gemacht wurde um den                 neben dem Kindergarten in einer Kleinstkinder-
illegalen Mülltourismus in das Ausland Einhalt zu            betreuung mehr, die wir uns aufbauen müssen,
gebieten. Einen illegalen Mülltourismus, der gi-             sondern dann können wir es dort nutzen. Und, im
gantische Ausmaße angenommen hat, worüber                    Gegensatz dazu, kümmert sich das Land Nieder-
man leider noch nicht sagen kann wie viel, weil es           österreich zur Gänze um das Spitalswesen.
kein genaues Datenmaterial dazu gibt. Obwohl es
illegale Mülltransporte in das Ausland gibt. Wo es                 Dann brauchen wir als Gemeinden nichts
Unternehmen gibt, die es bewerkstelligen, denen              mehr dazu zahlen. Dann kümmern uns wir um
das Handwerk gelegt werden soll und muss.                    den Bereich der Kinderbetreuung zu 100 Prozent
                                                             und dann kümmert sich das Land Niederöster-
     Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich bin da-             reich zu 100 Prozent um die Spitäler und um das
für, dass diesem illegalen Mülltourismus das                 Gesundheitswesen in Niederösterreich. Das wäre
Handwerk gelegt wird. Dass jenen Unternehmen,                eine Aufteilung, über die wir reden können. (Bei-
die betrügen, das Handwerk gelegt wird. Und ich              fall bei der SPÖ.)
bin dafür, dass wir dem Einhalt gebieten. Ich bin
aber nicht dafür, dass dafür wir als niederösterrei-              Liebe Kolleginnen und Kollegen, das waren
chische Gemeinden herhalten müssen. Dass wir                 nur zwei Beispiele. Diese Liste ließe sich unend-
als niederösterreichische Gemeinden mit unseren              lich erweitern. Diese Liste ließe sich mit vielen
Bediensteten, seien es die Gemeinden oder in                 Beispielen noch füllen. Wir sind allerdings in den
Folge die Müllverbände, wir mit unseren Be-                  Gemeinden zur Zeit in einer Situation, in der der
diensteten diese Aufzeichnungen machen und wir               Spielraum zum Gestalten für die Gemeinden
die finanziellen Ressourcen für diese Aufzeich-              gleich null ist. Wir sind zu 100 Prozent nur mehr
nung zur Verfügung stellen müssen.                           Verwalter dessen und nicht mehr in der Lage zu
                                                             gestalten. Wenn wir aber von der Gemeinde …
     Und da bin ich wieder beim Kollegen Riedl.              (Abg. Bader: Du brauchst nicht jammern!)
Ich glaube, dass es die Gemeinde oder die Ver-
bände besser, effizienter und besser machen. Ich                 Karl, du wirst es ja genau wissen, deine Zahl
bin dafür! Ich bin aber auch gleichzeitig dafür,             in deiner Gemeinde. Du bist halt eher lieber Ver-
dass sie es eben nicht gratis machen. Und ich bin            walter, ich bin eher lieber Gestalter. Wenn das für
einfach dafür, dass wir in Zukunft für die Aufga-            dich so in Ordnung ist in deinem Bereich, dann
ben, die wir für andere zu erledigen haben, auch             passt das so.
entsprechend bezahlt und entlohnt werden, damit
wir diese Aufgaben auch durchführen können.                      Gemeinden, und liebe Kolleginnen und Kolle-
(Beifall bei der SPÖ und ÖVP.)                               gen, ich glaube, auch da wirst mir du jetzt Recht
                                                             geben Karl, kannst dich ja gerne melden, Ge-
    Zweites Beispiel betrifft das Land. Kollege              meinden sind einfach identitätsstiftend. Gemein-
Riedl hat es angesprochen, den Bereich der Kin-              den sind regionalpolitisch, aber auch, wie wir ge-
derbetreuung. Kollege Riedl, ich bin sofort dafür            hört haben, wirtschaftspolitisch der Faktor. Und
als Bürgermeister, dass die Agenden der Kinder-              wenn man gewillt ist - und die Zeiten sind schwie-




                                                       140
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


rig -, wenn man gewillt ist, diese Strukturen in                 Abg. Hafenecker (FPÖ): Strukturelle Maß-
Zukunft aufrecht zu erhalten, wenn man den Ge-              nahmen sind nur der halbe Weg dahin, die Kom-
meinden den entsprechenden Gestaltungsspiel-                munen in unserem Bundesland wieder zu sanie-
raum geben möchte, dann brauchen wir einerseits             ren.
die finanziellen Mittel dazu und dann brauchen wir
andererseits eine Verwaltungsreform, die diese                    Der Knackpunkt sind vielmehr notwendige
Spielräume in Zukunft auch zulässt. Denn wir als            politische Maßnahmen. Wir haben noch die bun-
Gemeinden würden diese Aufgaben gerne über-                 ten Wahlbroschüren vor Augen, die von ÖVP und
nehmen. Danke schön! (Beifall bei der SPÖ.)                 SPÖ vor der Gemeinderatswahl verteilt wurden.
                                                            Damals war die Welt noch in Ordnung, kein Bür-
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr                germeister wollte etwas von einem Abgang im
Abgeordneter Hafenecker.                                    Budget oder gar von bevorstehenden Erhöhungen
                                                            bei den Gebühren gewusst haben. Vielmehr prä-
    Abg. Hafenecker (FPÖ): Sehr geehrter Herr               sentierte man in diesen Broschüren den neuen
Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Hoher                Hauptplatz, das neue Gemeindeamt, weggeris-
Landtag! Das Thema der heutigen Aktuellen                   sene und neu errichtete Mehrzweckhallen, UEFA-
Stunde lautet „Strukturelle Maßnahmen zur Ver-              Cup-taugliche Fußballarenen, Kunstwerke aller
besserung der finanziellen Lage der Gemeinden               Art und mehr oder weniger ausgegorene Touris-
Niederösterreichs“ und wurde von der SPÖ ein-               musprojekte.
gebracht.
                                                                 Diese Beispiele haben alle eines gemeinsam:
     Es handelt sich dabei ganz bestimmt um ein             Sie sprengten meistens den finanziellen Rahmen
sehr wichtiges Thema. Es drängt sich mir dabei              der Gemeinden, wurden nicht ansatzweise mit
aber auch der Verdacht auf, dass man dieses                 Eigenmitteln finanziert und dienten nicht zuletzt
Thema lediglich als Feigenblatt dazu nützen                 dazu, den jeweiligen Ortskaiser in ein positives
möchte, um zumindest den Anschein zu erwe-                  Licht zu rücken. Rechtzeitig vor dem Wahlgang
cken, für die Gemeinden da zu sein. Der Großteil            natürlich. (Beifall bei der FPÖ.)
der SPÖ- und ÖVP-dominierten Gemeinden hat
sie bereits hinter sich gebracht, die größte Gebüh-              Ich verurteile dabei nicht den Umstand, dass
renerhöhungswelle aller Zeiten. Jetzt stellt man            man bemüht ist, in der eigenen Gemeinde eine
sich im Landtag hin und diskutiert über Maßnah-             optimale Infrastruktur herbeizuführen. Das ist
men zur Rettung eben dieser, Herr Präsident.                richtig und wichtig. Ich verurteile es aber sehr
(Unruhe bei Abg. Dworak.)                                   wohl, wenn man durch vollkommen überzogene
Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Wir Freiheitli-          Investitionen den Haushalt der Gemeinde auf
chen haben dieses Szenarium seit Jahren ge-                 Jahre und Jahrzehnte lähmt und damit den nach-
fürchtet und prophezeit. Deshalb … (Unruhe im               folgenden Generationen einen Rucksack aufbür-
Hohen Hause.)                                               det, der kaum zu tragen ist.

     Sie übergreifen sich, Herr Kollege. Deshalb                 Mein Großvater hat mir das Sprichwort verin-
wird es dann auch noch weitere Informationen                nerlicht, das nicht besser zu diesem Thema pas-
geben. Deshalb nutzen wir natürlich auch die                sen könnte: Was du ererbt von deinen Ahnen,
Gelegenheit, über den Zustand der Kommunen in               erwirb es, um es zu besitzen. Das soll heißen,
Niederösterreich zu diskutieren. Vor allem auch             auch wir hier im Landtag sind genauso wie in den
darüber, was dazu geführt hat, Niederösterreichs            Gemeinden nur vorübergehende Verwalter des
Gemeinden im zweitschlimmsten Verschuldungs-                kollektiven Besitzes. Es sollte daher mündelsiche-
grad im Bundesvergleich zu sehen. (Abg. Dworak:             res und sorgfältiges Agieren im Vordergrund ste-
Falsche Rede! – Abg. Mag. Riedl: Wer hat denn               hen. Das Errichten von Prunkbauten zur Huldi-
dir die Rede geschrieben?)                                  gung der jeweiligen Ortskaiser fällt nicht in diese
Strukturelle Maßnahmen … (Abg. Mag. Schnee-                 Kategorie. Schon gar nicht dann, wenn man damit
berger: Herr Kollege! Reden, nicht lesen! – Abg.            nur kurz eine Wahl gewinnen möchte.
Waldhäusl: Bring’s einmal deinen Leuten bei!)
                                                                Meine sehr geehrten Damen und Herren!
     Präsident Ing. Penz (gibt Glockenzeichen):             Fast die Hälfte der Mandatare hier im Landtag
Bitte, Herr Abgeordneter Hafenecker ist am Wort!            sind Bürgermeister oder Vizebürgermeister. Be-




                                                      141
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


setzen also höchste kommunalpolitische Ämter.                sein. Es ist aber eine Verhöhnung, das erst dann
Kein einziger der betroffenen Mandatare hat den              zu tun, wenn das Haus schon abgebrannt ist und
Bürgern vor den Gemeinderatswahlen reinen                    der Löschschaden höher ist als der Brandscha-
Wein über die Gemeindefinanzen und die bevor-                den.
stehende Erhöhung in allen Bereichen einge-
schenkt. Man hat sich zum Teil unter Vorspiege-                   Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die man
lung falscher Tatsachen den Bürgermeistersessel              sofort setzen könnte um die Finanzsituation der
erschummelt um jetzt vor die Bürger zu treten und            Gemeinden zu entspannen. Diese setzen aber bei
mitzuteilen, wir alle haben über unsere Verhält-             der Politik an. Das ist leider auch der Garant da-
nisse gelebt, wir alle müssen nun den Gürtel en-             für, dass auf diesem Gebiet auch weiterhin nichts
ger schnallen. (Abg. Mag. Karner: Das ist ja un-             passieren wird. (Beifall bei der FPÖ.)
glaublich! – Unruhe im Hohen Hause.)
Es waren in erster Linie die Ortskaiser mit ihren               Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau
Bezügen und Prestigeobjekten, die über ihre Ver-             Abgeordnete Mag. Renner.
hältnisse gelebt haben und nicht die Bürger.
                                                                  Abg. Mag. Renner (SPÖ): Sehr geehrter
    Es fällt mir daher auch relativ leicht die Frage         Herr Präsident! Werter Herr Landeshauptmann-
zu beantworten, wer diese Suppe auslöffeln                   stellvertreter! Frau Landesrätin!
muss. Es freut mich in diesem Zusammenhang
daher, dass gestern im Nationalrat ein Gesetz                     Geschätzter Herr Kollege von der FPÖ! Wir
verabschiedet wurde, das eine lange freiheitliche            stehen ja gar nicht an, auch zuzugeben, dass das
Forderung umsetzt. Der Rechnungshof wird in                  eine oder andere Mal ein Prestigeprojekt eine
Zukunft Kommunen ab einer Größe von bereits                  Gemeinde in die Bredouille bringt. Nur, das ist in
10.000 Einwohnern prüfen dürfen. Darüber hinaus              der Regel ersatzlos die Ausnahme. Das möchte
auch Gemeinden mit auffällig schlechter Finanz-              ich an dieser Stelle gesagt haben. Und wenn die
gebarung. Man lernt offenbar aus den Versäum-                Gemeindefinanzen in Not sind, weil Kindergarten-
nissen der Vergangenheit. Hätte es diese Rege-               gruppen gebaut werden müssen oder in Volks-
lung schon früher gegeben, wäre es wohl in Wr.               schulen Nachmittagsbetreuung stattfindet, dann
Neustadt, Krems, St. Pölten oder Mödling nie zu              hat das weitaus möglicherweise mit viel zu tun,
solchen Skandalverschuldungen gekommen.                      aber nicht mit einem Prestigeprojekt irgend eines
                                                             Bürgermeisters. Das wollte ich dir nur gesagt ha-
     Der Begriff Skandalverschuldungen ist hier              ben. (Beifall bei der SPÖ und ÖVP.)
bestimmt nicht überzogen. Wenn man die Außen-
stände dieser Gemeinden addiert, kommt man auf                     Ich habe mich aus zwei Gründen heute vor
die unglaubliche Zahl von 412 Millionen Euro. Das            allem zu Wort gemeldet, weil mir noch sehr leb-
sind, zur weiteren Veranschaulichung, 5,7 Milliar-           haft eine Seminarveranstaltung des Gemeinde-
den Schilling. Würde man diesen Betrag in 100                bundes in Erinnerung ist, wo sozusagen von Ex-
Euro Banknoten übereinander stapeln, ergibt das              pertinnen von außen immer wieder der Wunsch
einen Turm von sage und schreibe etwa 400 Me-                geäußert wurde, der Vorschlag gemacht wurde,
tern Höhe. Es gibt in Österreich kein derartiges             so muss ich sagen, dass die Gemeinden sich
Gebäude. Das ehemalige World Trade-Center                    besser vernetzen müssten und mehr Verbände
war vielleicht so. (Beifall bei der FPÖ.)                    gründen etc. Um sozusagen auf allen Verwal-
Es ist daher gut, wenn sich der Rechnungshof bei             tungsebenen einsparen zu können. Und ich
einem sich abzeichnenden finanziellen Kommu-                 möchte an dieser Stelle festhalten, dass das in
nalschiffbruch einschalten kann und wird.                    der Praxis schon gelebt wird und diese Expertin-
                                                             nen dann immer wie vor den Kopf gestoßen stau-
    Welche strukturellen Maßnahmen können in                 nen wenn man ihnen sagt, dass es schon einen
den Gemeinden getroffen werden um die Budgets                Kindergartenverband,        Volksschulverbände,
zu sanieren? Die Rücknahme der Bezugserhö-                   Hauptschulverbände, Abwasserverbände etc.
hung der Gemeindeorgane ist hier eine unum-                  gibt.
gängliche Maßnahme, die auch gleichzeitig Sig-
nalwirkung hätte. Objektive Beurteilungen von                     Der Kollege Thumpser hat ja in hervor-
kommunalen Großprojekten würden ebenfalls zu                 ragenderweise dargestellt anhand von zwei Bei-
einer Entspannung in diesem Bereich führen.                  spielen, wie das in der Praxis wirklich schon gut
                                                             funktioniert. Also hier ist auf der Verwaltungs-
     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Es                ebene meines Erachtens kaum mehr ein Sparziel
ist schön, über Gemeindestrukturen zu diskutieren            festzumachen, weil das alles schon sehr eng ab-
und das sollte auch ein dynamischer Prozess                  gesteckt ist und sehr gut funktioniert.




                                                       142
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


      Zum Zweiten wollte ich noch darauf hinwei-           Verhandlungsergebnisse bei den NÖKAS-Beiträ-
sen, dass es deshalb so wichtig ist, dass die Ge-          gen eine gewisse Annäherung zwischen ÖVP und
meinden als gestaltende Ebenen sozusagen er-               SPÖ stattgefunden hätte, die allerdings der Kol-
halten bleiben und nicht nur als verwaltende, weil         lege Riedl durchaus wieder weggewischt hat und,
die Gemeindeebene und weil der Kontakt des                 glaube ich, auf den ursprünglichen Stand der
Bürgermeisters bzw. der Kontakt der Gemeinde-              Dinge zurückgebracht hat.
rätinnen zum Bürger einer ist, der am besten
funktioniert. Wie der Herr Präsident Mödlhammer                 Mit dem Kollegen Thumpser hat es direkt ei-
und der Herr Präsident Dworak auch immer wie-              nige Übereinstimmungen auch von uns in seinem
der und gern und richtigerweise erzählen, ist ja           Bestreben, klare Zuständigkeiten bei gewissen
der Bürgermeister der beliebteste Politiker in der         Dingen zu entwickeln. Wir haben wiederholt Aktu-
Republik Österreich. Er hat ja nahezu, glaube ich,         elle Stunden auch zum Thema Gemeinden und
mit 70 Prozent Anerkennung der Bevölkerung ein             deren prekäre finanzielle Situation, was ja ein
sehr honoriges Bild. Der Landespolitiker dann,             Gebot der Stunde ist. Alle die im Gemeinderat, in
glaube ich, nur mehr 40 Prozent und der Bundes-            der Kommune, tätig sind, wissen und sehen mit
politiker dann entsprechend noch weniger. Ich              Sorge dem Budgetvoranschlag 2011 entgegen.
glaube, diese gewachsene Kultur, was Gemeinde-             Und ähnlich wie es bei den Bildungsdebatten war,
leben und Bürgerzusammenarbeit anlangt, sollte             die wir auch hier abgeführt haben, gibt es durch-
unbedingt gestaltend aufrecht erhalten bleiben.            aus unterschiedliche Sicht der Dinge, vor allem
                                                           zwischen ÖVP und SPÖ, aber nicht nur. Und oft
     Und zuletzt noch zwei Sätze zur Denunzia-             hat man das Gefühl, so wird es kommuniziert, es
tion jeglicher Wortmeldung was Kompetenzver-               gäbe zwei Klassen von Gemeinden: Solche, die
schiebungen anbelangt, wo dann immer gleich die            gut ausgestattet sind, die vom Land bevorzugt
Zentralistenkeule kommt. Der Präsident Mödl-               werden und andere scheinen hier benachteiligt zu
hammer gehört nicht unserer Partei an und fordert          werden bzw. weniger großzügig behandelt zu
auch seit langer Zeit, dass zum Beispiel der Kin-          werden.
dergarten … (Abg. Mag. Schneeberger: Es gibt
auch bei uns schwarze Schafe!)                                  Und da komme ich zu einem Thema, und es
Das richte ich ihm aus bei der nächsten Sitzung,           ist sehr viel von Gesundheit und Pflege gespro-
dass er ein schwarzes Schaf ist.                           chen worden, dass derzeit uns Grüne, vor allem
                                                           aber auch die Medien intensiv beschäftigt, und
     Kurzum, auch der Präsident Mödlhammer                 das ist eine geortete, von uns geortete Ungleich-
verlangt seit langem, dass die Kindergärten in             behandlung in der medizinischen Versorgung. Die
Gemeindekompetenz kommen. Und zum Zweiten                  so genannte Zweiklassenmedizin wäre hier ein
ist selbstverständlich die Senkung des NÖKAS-              Schlagwort. Und was in der Gemeinde vielleicht
Beitrages eine gute Maßnahme. Es kann nur die              gute Beziehungen zum Landeshauptmann, zur
erste sein, es müssen weitere folgen, zum Wohle            Landesregierung bedeuten, um zu den bevor-
unserer schönen niederösterreichischen Gemein-             zugten Gemeinden zu gehören, ist im medizini-
den. Danke! (Beifall bei der SPÖ.)                         schen Bereich eine teuer erkaufte Zusatzversiche-
                                                           rung oder auch gute Beziehungen, die einen Un-
     Präsident Ing. Penz: Meine sehr geehrten              terschied in der medizinischen Versorgung ma-
Damen und Herren! Die Redzeit der Abgeordne-               chen und zwei Klassen entstehen lassen.
ten Mag. Renner wurde der freiheitlichen Partei
zugeordnet. Ich weiß nicht, ob sie das möchte. Ich              Das heißt, weniger Betuchte werden be-
würde daher die Technik bitten, der sozialdemo-            nachteiligt, besser Verdienende bevorzugt. Wir
kratischen Partei 3,20 Minuten abzuziehen und              sind der Ansicht, so wie es in der Medizin egal
diese der freiheitlichen Partei dazuzuschlagen.            sein sollte, wie viel jemand verdient oder beisteu-
                                                           ern kann, so sollte es in den Gemeinden völlig
    Als nächster Redner gelangt Herr Abgeord-              egal sein, ob da ein schwarzer Bürgermeister, ein
neter Weiderbauer zu Wort.                                 roter Bürgermeister am Werken ist und seine Ar-
                                                           beit zum Großteil sehr gut macht bzw. wie der
    Abg. Weiderbauer (Grüne): Herr Präsident!              Gemeinderat zusammengesetzt ist.
Sehr geehrte Mitglieder der Landesregierung!
Hohes Haus!                                                      Denn wir meinen, wichtige Projekte für eine
                                                           Gemeinde, die auch für die Regionen wichtig sind,
    Wenn ich an einige Wortmeldungen meiner                gehören unterstützt. Aber sie gehören auch kon-
Vorredner mich zurückerinnere, hatte ich so das            trolliert. Und das ist ein sehr aktuelles Thema im
Gefühl beim Kollegen Dworak, dass ob der guten             Moment. Denn gestern habe ich gehört, Präsident




                                                     143
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Mödlhammer meint, das ist schon okay was der               Begründer dieser Aktuellen Stunde. Und ich hatte
Rechnungshof jetzt macht. Diese Ausweitung der             wirklich erwartet, ich werde heute in dieser De-
Kompetenzen auf, glaube ich, 71 Gemeinden,                 batte auch konkrete Vorschläge und Ideen hören.
also auch, die 10.000 Einwohner haben. Aber im             Sodass ich zumindest dann auch in meinem Klub
Vorfeld gehörte auch schon überprüft, und da bin           diskutieren kann: Das haben wir jetzt in dieser
ich ganz seiner Meinung, wenn Projekte anste-              Aktuellen Stunde gehört, die SPÖ ist der Mei-
hen. Dann gehörten die auf die Machbarkeit über-           nung, strukturelle Maßnahmen, Punkt 1, 2, 3, 4, 5,
prüft. Und da gibt’s sicher viele Beispiele in den         vielleicht 7 oder 8 oder 9, wären gut. Und da
Gemeinden wo einige, flapsig ausgedrückt, ein-             schauen wir, diskutieren wir darüber, ob man das
gefahren sind und ein finanzielles Desaster verur-         sofort anwenden kann, was muss man gesetzlich
sacht haben.                                               ändern, wie tun wir es. Habe auf der anderen
                                                           Seite dann erwartet, dass darauf dann die ÖVP
    Also hier brauchen wir absolute Transparenz!           kommt und sagt, das ist aus dem Grund nicht
Warum der Rechnungshof, der für meine Begriffe             möglich, das ist deswegen nicht möglich, darüber
ein wichtiges, unabhängiges Organ ist, zwar nur            diskutieren wir, wie machen wir es?
ausgeweitete Kompetenzen hat, aber nicht alle
Gemeinden überprüfen kann, verstehen wir nicht                   Gehört habe ich eigentlich – und das ist das
ganz. Und genau diese Transparenz, meine Da-               Traurige dabei – nur, dass die SPÖ der Meinung
men und Herren, brauchen wir auch in den Kran-             ist, dass was geändert gehört. Keine einzige Idee,
kenhäusern zu einem gleichen und zu einem op-              kein einziger Vorschlag. Nur die Feststellung,
timalen Zugang und einer Versorgung für alle               dass die Senkung der NÖKAS-Beiträge gut und
Patienten. Was wir nicht brauchen, ist eine Zwei-          wichtig war. (Abg. Vladyka: Dann hast du nicht
klassenmedizin.                                            aufgepasst! – Abg. Mag. Leichtfried: Da hast du
                                                           aber bei Abg. Thumpser nicht aufgepasst!)
     Dass in den Verhandlungen, das haben wir
heute schon gehört, über finanzielle Erleichterun-              Selbstverständlich! Das unterstreichen auch
gen für die Gemeinden Positives entstehen kann,            wir. Aber sonst hatte ich leider nicht die Möglich-
nehmen wir auch so zur Kenntnis. Es ist super für          keit festzustellen, dass es hier konkret Vor-
die Gemeinden wenn sie sich bei den NÖKAS-                 schläge, egal in welche Richtung, gibt.
Beiträgen einiges ersparen. Und es ist wahr-
scheinlich überlebensnotwendig für einige Ge-                   Seitens der ÖVP von Präsident Riedl hätte
meinden. Wir haben uns ja damals schon, wir                ich mir dann erwartet, dass er, er ist so ein biss-
Grüne, sehr dafür eingesetzt, dass die Kranken-            chen der stärkere Präsident unter diesen zwei
häuser in Niederösterreich unter ein Dach sozu-            Präsidenten, dass er dann auch sagt, wo man in
sagen kommen. Dass sie vom Land übernommen                 Zukunft vor hat … (Abg. Mag. Riedl: Da bringst
werden um die Gemeinden finanziell zu entlasten            auch kein Löschblatt dazwischen!)
und auch von der Verantwortung zu entlasten, die           … wo man in Zukunft vor hat seitens der ÖVP,
ihnen da aufgebürdet war.                                  strukturelle Maßnahmen zu setzen. Auch hier
                                                           musste ich feststellen, dass es auch nur heiße
     Aber wenn wir damals uns für die Übernahme            Luft war. Und letztendlich hat man heute nur er-
der Krankenhäuser eingesetzt haben, dann set-              fahren können, dass letztendlich zwischen Ge-
zen wir uns bitte jetzt dafür ein, dass genau in           meinde und Land es einen verschiedenen Zugang
diesen Spitälern, von denen wir reden, keine Un-           zwischen SPÖ und ÖVP gibt, aber letztendlich
terschiede gemacht werden bei der Versorgung               irgendwo im Bund sitzen welche, dort müssten wir
von Patienten, dass es keine Zweiklassenmedizin,           in Zukunft bei den nächsten Finanzverhandlungen
aber dafür eine Gesundheitskasse für alle gibt.            mehr Geld ’rausholen.
Danke schön! (Beifall bei den Grünen.)
                                                                Ja, jetzt wissen wir aber schon eines: Wenn
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr              hier zwei Gemeindevertreterverbände von ÖVP
Klubobmann Waldhäusl.                                      und SPÖ darüber diskutieren über strukturelle
                                                           Maßnahmen und dass man eventuell im Zuge der
    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr               nächsten Verhandlung mit dem Bund hier stärker
Präsident! Werte Landesregierung! Hohes Haus!              auftreten sollte, ja, warum, bitte machen wir das
                                                           nicht gleich dort, wo es hingehört? (Abg. Dworak:
     Eine Aktuelle Stunde zum Thema „Struktu-              Habe ich ja gesagt!)
relle Maßnahmen zur Verbesserung der finan-
ziellen Lage der Gemeinden in Niederösterreich“.               Ihr zwei seid auf Bundesebene miteinander in
Ich habe jetzt genau aufgepasst, bereits beim              Koalition. Hören sie euch nicht mehr zu? Nehmen




                                                     144
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


sie euch beide nicht mehr ernst, dass ihr uns an-            ausgeschickt worden. Die Gemeinden sagen zwar
jammern müsst, wie schlecht es euch geht?                    immer, das ist vom Land gekommen, aber ich
Geht’s doch bitte zu euren Ministern! Erzählt de-            werde es dir einmal zeigen: Deine Unterschrift ist
nen im Bund, wie schlecht es euch geht! Dass ihr             auch drunter. Das Problem ist bei dir, das habe
nichts dafür könnt und dass ihr das Geld braucht.            ich schon festgestellt, dass du sehr viel mit der
Ihr jammert im Niederösterreichischen Landtag,               ÖVP ausmachst und dann nicht mehr weißt, was
der Kollege 17,5 Minuten, der Kollege Dworak 5               du unterschreibst. Aber in Zukunft kann sich das
Minuten, ihr jammert und jammert darüber, dass               ja verbessern, weil der Kollege Riedl erklärt es dir
im Bund die Bösen sitzen!                                    eh immer. Herst, du warst ja dabei, du bist ja auch
                                                             dort gesessen. Dann siehst selber in der Zeitung
     Ja bitte, dieses Jammern ist ja eine Traurig-           das Bild. Ach ja, da war ich auch dabei.
keit in sich. Nur eines habe ich festgestellt: Auch
wenn ihr euch beide so ein bisschen kritisiert, weil             Das ist halt dein Problem. Aber das wirst
Kollege Riedl sagt ja, da passt kein Löschblatt              schon hinkriegen. Du bist noch ein junger Präsi-
dazwischen, trotz dieser Kritik muss man eines               dent. Da kannst von dem älteren Präsidenten,
schon festhalten: Ihr zwei seid euch dann einig              dem an Erfahrung reichem Mann, viel lernen. Weil
wenn es darum geht, dass man ein grausliches                 was das anbelangt, er macht eine Grauslichkeit
Belastungspaket für die Bürger schnürt. Da seid              nach der anderen und stellt sich hin und lacht
ihr euch sofort einig gewesen. (Beifall bei der              dazu. Da kannst noch viel lernen.
FPÖ.)
                                                                  Und wenn du auch gesagt hast, Kollege
     Und genau damals, dieses so genannte Su-                Dworak, wenn du auch gesagt hast richtigerweise,
perpapier dieser zwei Verbände, wo den Gemein-               dass die Gemeinden die Krise nicht verursacht
den schon genau die Vorgabe gegeben wird, ob                 haben, dann gebe ich dir in diesem Punkt Recht.
man bei den Kindern den Essensbeitrag verdop-                Aber weißt du, wer sie noch weniger verursacht
pelt, ob wir Essen auf Rädern erhöhen. All diese             hat? Die Bürger dieser Gemeinde. Und wenn man
Grauslichkeiten. Die Grauslichkeiten, die sind               sich jetzt an diesen Bürgern abputzt, indem sie
euch selber eingefallen. Da habt ihr keine Mei-              diese Krise jetzt bewältigen müssen mit drasti-
nungen oder Empfehlungen des Bundes ge-                      schen Gebührenerhöhungen, dann bin ich schon
braucht. Wenn es um Grauslichkeiten geht, seid               dabei dass ich sage, lieber Herr Bürgermeister,
ihr selber erfinderisch genug. Wenn es um Vor-               lieber Herr Präsident, schaut einmal, ob ihr woan-
schläge, um Ideen zur Verbesserung der Finanz-               ders das Geld aufbringt. Aber nehmt es nicht bitte
gebarung der Gemeinden geht, da habt ihr heiße               wieder bei den Kindern, bei den Senioren und bei
Luft und ein Gejammere und ein Gejohle. Das ist              all jenen, die sich nicht wehren können. (Beifall
ein Armutszeugnis, liebe Präsidenten!                        bei der FPÖ.)

      Und wenn in Zukunft es Mode machen sollte,                 Und einen Widerspruch, Kollege Bürger-
dass in diesem Landtag der Großteil der politi-              meister Thumpser, weil du gemeint hast, egal wie
schen Arbeit von euch beiden und von euren                   immer die Einheiten auf Gemeindeebene und
Parteien darin besteht, auf die Bundesregierung              Verbandsebene sind wichtige Einheiten, weil sie
zu schimpfen, und hier in erster Linie die ÖVP,              es auch oft bürgernäher und auch praktischer
dann muss ich schon sagen, missbraucht nicht                 lösen. Und oft besser. (Abg. Thumpser: Aber an-
den Landtag dafür, wenn ihr in den Parteigremien             dere Aufgaben übernehmen!)
die Möglichkeit dazu habt. Missbraucht nicht diese
Öffentlichkeit um auf jene Personen zu schimpfen,                 Und du hast gesagt, das soll auch etwas wert
die ihr selber dort hingestellt habt, die teilweise          sein und kann auch mehr kosten. Ich geb dir
mit euch verwandt sind und die teilweise und in              Recht, dass diese Leistungen honoriert werden.
erster Linie aus Niederösterreich stammen. (Bei-             Nur, und das möchte ich schon jetzt in aller Deut-
fall bei der FPÖ.)                                           lichkeit sagen: Aufgaben, die in einer Gemeinde
                                                             grundsätzlich zur Aufgabe der Gemeinde gehö-
    Kollege Dworak, du hast richtigerweise davon             ren, und wofür daher auch die Bürgermeister ei-
gesprochen, dass bei all dieser Problematik und              nen Gehalt bekommen, wenn sie diese Tätigkei-
Thematik die Lebensqualität der Bürger im Vor-               ten in einem Verband auslagern und als Vertreter
dergrund steht. Das unterstreiche ich zu 100 Pro-            der Gemeinde dann in diesem Verband sitzen,
zent. Nur, mit diesem grauslichen Paket, das du              dann kassieren sie für die Tätigkeit, die sie ei-
mit Kollegen Riedl da ausgearbeitet hast, wird               gentlich im eigenen Wirkungsbereich der Ge-
genau die Lebensqualität dieser Bürger aber aufs             meinde machen müssten, ihr Bürgermeistergehalt
Ärgste mit Füßen getreten. Ist in eurem Namen                und gleichzeitig kassieren sie im Verband, wo sie




                                                       145
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


das dann machen. Und das, lieber Kollege Bür-                here Selbstbehalte bei Heilbehelfen, Leistungs-
germeister, ist eine Doppelbezahlung. (Abg.                  kürzungen der Krankenkassa. Also wenn man
Thumpser: Du verwechselst ein paar Dinge!)                   hier über Gebührenerhöhungen redet und auch
Das wirst du nicht verstehen, weil du auch zu den            über Maßnahmen, dann muss man sich auch
Abkassierern gehörst. Aber das mag schon so                  zurück erinnern was man selbst getan hat wie
sein. (Abg. Thumpser: Hast einen Vogel oder                  man in der Verantwortung war. Und gerade hier
was? Hast einen Vogel?)                                      hat man nämlich wirklich auch bei den Schwäche-
                                                             ren gespart.
     Wir haben das heute schon diskutiert. Ich
kann es nicht länger diskutieren. Das Problem ist,                Aber sehr geehrte Damen und Herren, ich
dass viele Bürgermeister auch gleichzeitig in den            denke, es ist doch durchaus legitim, im Landtag
Verbänden sitzen. Und würdet ihr euch nicht da-              sich auseinanderzusetzen mit der Situation von
vor drücken … Wenn du sagst, ob ich einen Vogel              Gemeinden und Städten, zu reden darüber, wo
habe oder nicht, das zeigt nur die eigene Intelli-           wir alle darin wohnen, wo wir eine Lebensqualität
genz. Ob ihr tatsächlich eine Kontrolle zulässt, wir         haben und wo wir unser Leben verbringen. Und
haben … (Abg. Thumpser: Wenn du mich als                     es gibt ja auch genug Studien, die auch zeigen, in
Abkassierer hier hinstellst, dann kann ich dich das          welchem Verhältnis man sich befindet. Und daher
fragen!)                                                     möchte ich eine in Erinnerung rufen, das ist die
Wenn man euch erwischt beim Abkassieren, dann                KDZ-Studie, die eben der Städtebund in Auftrag
werdet ihr immer so … Entschuldige, Herr Kollege             gegeben hat, eine Analyse in der Zeit von 2001
Thumpser … (Weiterhin Unruhe bei Abg.                        bis 2008.
Thumpser.)
                                                                  Und ich denke, wenn wir heute unsere ver-
                                                             schiedenen Standpunkte diskutieren und letztend-
   Präsident Ing. Penz: Herr Klubobmann
                                                             lich dann einige Maßnahmen herauskommen und
Waldhäusl, ich bitte um den Schlusssatz.
                                                             wir einen gemeinsamen Weg gehen zum Nutzen
                                                             der Gemeinden, dann vor allem auch wirklich mit
    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Wir haben in diesem
                                                             Fug und Recht.
Landtag euch die Möglichkeit gegeben, auch im
Bereich der Verbände dafür zu sorgen, dass eine                   Ich möchte hier nur einige Punkte dieser Stu-
ordentliche Kontrolle herrscht, indem sämtliche              die zitieren: Die Einnahmen der Gemeinden wer-
Gemeindevertreterverbände hier hinein schauen                den bis 2011 weiter rückläufig sein und sich erst
können. Ihr habt gesagt, nein, ihr wollt das nicht.          ab 2012 langsam erholen, sodass davon ausge-
Dann müsst ihr euch so lange auch gefallen las-              gangen werden kann, dass frühestens ab 2013
sen, dass wir jene Bürgermeister, die doppelt                wir bei dem Niveau von 2008 liegen werden. Vor
kassieren, auch beim Namen nennen. (Beifall bei              allem, und das wissen wir, und das ist ja auch
der FPÖ.)                                                    belegbar im Sozialen und Gesundheitswesen, ist
                                                             mit starken Ausgabensteigerungen der öffentli-
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau                 chen Hand zu rechnen, die vor allem von den
Abgeordnete Onodi.                                           Gemeinden mitgetragen werden müssen. Und so
                                                             verbleiben den Gemeinden bis 2013 in der lau-
    Abg. Onodi (SPÖ): Sehr geehrte Herren                    fenden Gebarung kaum noch Überschüsse. Im
Präsidenten! Werte Regierungsmitglieder!                     Gegenteil: Sogar größere Gemeinden werden mit
                                                             einem negativen Ergebnis der laufenden Geba-
      Ich denke, unsere Diskussion über die finan-           rung rechnen müssen. Und Investitionen, sehr
zielle Situation der Gemeinden und auch die Qua-             geehrte Damen und Herren, können angesichts
lität der Arbeit der Gemeinden ist eine zu ernste            dieser finanziellen Entwicklung von den Gemein-
um sich wirklich gegenseitig solche Vorwürfe zu              den künftig kaum mehr aus eigener Hand finan-
machen, wie es gerade der Abgeordnete Wald-                  ziert werden.
häusl gemacht hat. Und eines möchte ich auch
schon in Erinnerung rufen: Ich habe ein paar                      Daher ist einfach zu erwarten, und das wis-
Punkte, insgesamt sind es fünf Seiten, an Belas-             sen wir auch, dass sich entweder die Investitions-
tungsmaßnahmen, die beschlossen worden sind                  ausgaben der Gemeinden auf ein Minimum redu-
unter blau-schwarz. Und ich möchte da nur ein                zieren, ausgegangen wird da in etwa von einem
paar in Erinnerung rufen, die gerade auch im Ge-             Fünftel, oder die Verschuldung der Gemeinden
sundheitsbereich zum Tragen gekommen sind.                   wächst stärker an als bisher. Das bedeutet auch
                                                             eine Erhöhung der Einnahmen um ein Zehntel.
    Wie zum Beispiel die Erhöhung des Spitals-               Und insgesamt bedeuten diese Maßnahmen dann
selbstbehaltes, Erhöhung der Rezeptgebühr, hö-               auch einen Leistungsabbau.




                                                       146
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


     Um die Investitionstätigkeit der letzten Jahre         2008 jährlich um 8 Prozent verringert, das kann
großteils aufrecht erhalten zu können, ergibt sich          man durchwegs auch sagen, so sind allerdings
in der Summe, und das ist laut dieser Studie an-            auch die Einnahmen deutlich stärker, um nämlich
geführt, in allen Gemeinden in Niederösterreich             30 Prozent pro Jahr, zurück gegangen. Daher
ein Konsolidierungsbedarf von mindestens 400                kämpfen nach wie vor gerade auch die Städte mit
Millionen Euro.                                             ihrer finanziellen Situation. Weiters ist aber auch
                                                            zu beachten, dass vor allem die Pro-Kopf-Ver-
     Und daher haben wir auch Vorschläge auf                schuldung der Gemeinden, die Mitglieder des
den Tisch gelegt, die wir auch in dieser Studie             Städtebundes sind, besonders hoch ist. Und ich
vorfinden. Nämlich, eine nachhaltige Stabilisie-            meine auch, wenn die Investitionstätigkeit dieser
rung des Gemeindehaushaltes kann nur dann                   Gemeinden auf unterdurchschnittlichem Niveau
erfolgen, wenn die Finanzierung öffentlicher                liegt, wächst der Schuldenstand beständig.
Leistungen anders geregelt wird als bisher. Und
das ist von meinen Vorrednern schon gesagt wor-                 Und hier hat man folgende Ursachen gefun-
den, und ich möchte es nur noch einmal in Erinne-           den: Zum Einen ist dies auf die relativ niedrigen
rung rufen. Zum Beispiel Entflechtung der kom-              Überschüsse der laufenden Gebarung zurückzu-
plexen Transferbeziehungen zwischen Land und                führen, die Städtebundmitglieder verzeichnen.
Gemeinde, Steigerung der Transferförderung der              Andererseits sind aber auch die Kapitaltransfer-
Höhe nach zu beschränken und Reform des Ge-                 zahlungen, die Städtebundmitglieder erhalten,
meindefinanzausgleiches. Und ich finde es be-               verhältnismäßig gering im Vergleich zu anderen
sonders notwendig, dass wir dieses Thema ge-                Gemeinden.
rade auch im Landtag diskutieren, weil es uns alle
betrifft und weil wir sicher gegenüber dem Bund                  Und daher, sehr geehrte Damen und Herren,
auch eine entsprechende Verhandlungsposition                obwohl die Gemeinden in Niederösterreich – und
brauchen.                                                   das finden wir in diesem Bericht auch – am meis-
                                                            ten Investitionen vornehmen, muss auf der ande-
     Wir wissen aber auch, dass gerade Gemein-              ren Seite doch die hohe und stetig steigende Ver-
den mit über 10.000 Einwohnern zu einem Groß-               schuldung kritisch betrachtet werden. Und mittel-
teil Gemeinden sind, die eine zentralörtliche               bis langfristig schränkt eine hohe Verschuldung
Funktion haben. Das heißt, sie erbringen Leistun-           die Spielräume für weitere Projekte und Investitio-
gen, von denen die Bürger und Bürgerinnen um-               nen ein, da die finanziellen Mittel für Tilgung und
liegender Gemeinden auch profitieren. Und das               Zinszahlung verwendet werden müssen.
bedeutet für diese Zentralorte Mehrausgaben,
denen nicht im selben Ausmaß Mehreinnahmen                       Und wenn in einer Gemeinde oder in einer
gegenüber stehen. Sie weisen zusätzlich daher               Stadt die Spielräume eingeschränkt sind, bedeu-
noch einen deutlich negativeren Transfersaldo an            tet das auch eine Qualitätsverschlechterung. Und
Zahlungen von und an Träger des öffentlichen                daher haben wir heute diese Aktuelle Stunde
Rechts auf.                                                 auch veranlasst, haben unsere Vorschläge auf
                                                            den Tisch gelegt und sind gerne bereit, diese
    Und das führt auch dazu, dass gerade Städ-              Diskussion auch weiter zu führen. (Beifall bei der
tebundmitglieder ein wesentlich schlechteres Er-            SPÖ.)
gebnis der laufenden Gebarung aufweisen als
andere niederösterreichische Gemeinden.                        Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
                                                            Abgeordneter Rennhofer.
    Weiters wissen wir auch, dass die Sozialhil-
feumlage um jährlich 20 Prozent steigen wird. Wir                Abg. Ing. Rennhofer (ÖVP): Sehr geehrter
wissen, die Leute werden älter, das wollen wir              Herr Präsident! Geschätzte Mitglieder der Landes-
auch, aber sie müssen auch eine entsprechende               regierung! Meine sehr geehrten Damen und Her-
Betreuung bekommen. Und sie sollen sich ja auch             ren! Hohes Haus!
wohl fühlen in unseren Einrichtungen der Ge-
meinden und des Landes. Aber das wird auch                       Ich darf gleich kurz Replik halten auf die Frau
entsprechend Geld kosten.                                   Kollegin Onodi. Präsident Riedl hat es zuerst an-
                                                            gesprochen. Ihr verwendet die Daten von der
    Und wenn auch durch den Übertrag der                    KDZ-Studie ganz einfach falsch. Sie haben wieder
Krankenanstalten insgesamt die Belastungen der              gesagt hier, bis 2011 negativ, und das ist ganz
Gemeinden, die früher Krankenhausträger waren,              einfach falsch. Das stimmt so nicht! Wir haben
zurück gegangen sind, das heißt, im Detail haben            jetzt schon vom Finanzministerium die Berech-
sich die Ausgaben der Städtebundmitglieder bis              nungen, dass wir ein Plus bei den Ertragsanteilen




                                                      147
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


von 6,5 Prozent haben. Das heißt, die Daten                  Haushalten. Und was die Gemeinden vor allem
stimmen ganz einfach nicht.                                  spüren ist dieser positive Schulterschluss zwi-
                                                             schen den Ländern und Gemeinden, der auch
     Der nächste Punkt, den der Kollege Wald-                vom Kollegen Dworak besiegelt wurde, wovon ich
häusl hier angesprochen hat und immer so als                 jetzt den Zeitungsbericht am Tisch liegen habe,
Gott gegeben hinstellt: Die meisten Verbandsob-              wo das jeder nachlesen kann.
leute bekommen keine zusätzliche Gage. Es gibt
das schon, aber das ist sehr, sehr unterschiedlich.                Es ist natürlich nicht alles eitel „Wonne und
(Abg. Waldhäusl: Dann lasst’s uns halt rein-                 Waschtrog“. Das wissen wir schon. Aber wie
schauen!)                                                    würde es eigentlich ausschauen, wenn es nach
                                                             der SPÖ ginge? Was meint die SPÖ wirklich,
     Herr Kollege! Die meisten bekommen keine!               wenn sie sagt, „strukturelle Maßnahmen“? Was
Ich kann dir auch ein paar Beispiele nennen. Ab-             meint ihr da wirklich? Schauen wir uns einmal die
fallwirtschaftsverband, Riedl ist dort Vorsitzender:         Wortmeldungen der letzten Jahre an, was da von
Keine Gage! Das ist auch schon untersucht wor-               euch gekommen ist? Wie würde es den kleinen
den von euch. Genauso Musikschulverbände,                    Gemeinden gehen nach den Wortmeldungen von
Kollege Moser: Keine Gage. Musikschulverband                 SPÖ-Abgeordneten und Ministern? Machen wir so
bei uns in der Buckligen Welt, keine Gage! Also              eine kleine Gedankenreise. Schauen wir uns die
das immer so hinzustellen, wir sind die Abkassie-            Vorschläge an. Wenn es nach der SPÖ ginge,
rer, ist schlichtweg falsch und entbehrt jeder               hätten wir künftig in vielen, nicht in allen, aber in
Grundlage. (Abg. Waldhäusl: Könnte es sein,                  vielen ländlichen Gemeinden keine Schulen mehr.
dass du Bürgermeister bist?)                                 Weder Volksschule noch Hauptschule. In vielen
                                                             Gemeinden. Natürlich ist das eine strukturelle
     Es gibt aber schon Beispiele auch, die zu               Maßnahme, selbstverständlich. Aber die Wirkung
denken geben. Die gibt’s auch. Ich denke nur zum             ist eine katastrophale!
Beispiel an den Kollegen Müller in Wr. Neustadt.
Der hat das Aufsichtsratsmandat bei der Fach-                    Rechnen Sie die Vorgaben von Frau Minister
hochschule zurück gelegt, dort gibt es keine                 Schmied nach. Wir haben das gemacht. Da ste-
Gage, weil er das Mandat beim Abfallwirtschafts-             hen einem die Haare zu Berge. Wenn es nach der
verband und den Vorsitz übernehmen wollte. Und               SPÖ geht, würde es in Zukunft weniger Gemein-
dort gibt’s eine. Also auch das gibt es. Man kann            den geben. Manche sehen ihr Heil in der Ge-
nicht alles über einen Leisten scheren. Ist leider           meindezusammenlegung, in der Vergrößerung
so, kann ich euch nicht ersparen. (Unruhe bei                der Gemeinden. (Beifall bei der ÖVP. - Unruhe bei
Abg. Dworak.)                                                der SPÖ.)

     Meine Damen und Herren! Wir haben heute                      Denkt an eure Wortmeldungen und die eurer
hier schon vieles diskutiert in dieser Aktuellen             Kolleginnen und Kollegen. Hier wird übersehen,
Stunde. Meist kontroversiell, manches vielleicht             dass groß nicht gleich billig ist, dass groß nicht
auch im Gleichklang. Wir alle wissen, dass die               gleich günstiger ist. Die Untersuchungen zeigen
öffentlichen Körperschaften schon bessere Zeiten             genau, dass größere Gemeinden und Städte je
erlebt haben. Und das gilt für Bund genauso wie              tausend Einwohner einen höheren Verwaltungs-
für die Länder und natürlich auch für die Gemein-            aufwand haben als die kleinen je tausend Ein-
den. Nicht alle Ebenen haben diesen schwierigen              wohner. Mehr Personal haben als die kleinen. Hat
Abschnitt der letzten Jahre aber gleich hinter sich          sogar der Kollege Thumpser zuerst festgestellt.
gebracht, haben es mit gleicher Intensität erlebt.
Niederösterreich hat zum Beispiel eben mit meh-                   Doch offensichtlich spricht sich es nicht über-
reren Konjunkturpaketen reagiert und kommt da-               all herum bei der SPÖ. Offensichtlich weiß es nur
her schneller aus dieser Phase wieder heraus als             der Kollege Thumpser und der müsste das den
andere.                                                      anderen auch einmal sagen. (Abg. Vladyka: Wer
                                                             hat denn die Bauernkammern zusammen gelegt?)
     Letztendlich hängen alle öffentlichen Körper-
schaften von einer positiven Wirtschaftsentwick-                 Also Gemeindezusammenlegung ist auch
lung ab, bis hin zu den Gemeinden. Und eben die              eine strukturelle Maßnahme, aber die Wirkung
letzten Monate haben gezeigt, dass die Ertrags-              sehr, sehr zweifelhaft.
anteile sich schon wieder leicht nach oben bewe-
gen und eine positive Entwicklung nehmen. Das                     Und dann komm ich noch einmal zum Kolle-
spüren die Gemeinden auch schon. Nicht alle in               gen aus Wr. Neustadt. (Abg. Gartner: Jetzt lass
der gleichen Intensität, aber es ist spürbar in den          ihn einmal in Ruhe!)




                                                       148
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Tut mir leid! Da kann ich an ihm, lieber Kollege            her beim Bürger, direkt vor Ort, direkt in den Ge-
Gartner, ich kann an ihm nicht vorbei. Er möchte,           meinden, ganz einfach föderalistisch. Und das ist
du weißt, er möchte die kleinen Feuerwehren                 die bessere Struktur für unsere Gemeinden.
zusammen legen. Und am liebsten hätte er gleich             (Beifall bei der ÖVP.)
alle bei sich drinnen in der Stadt Wr. Neustadt.
Meine Damen und Herren! Das kann es nicht                      Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau
sein! Wir alle wissen, was bedeutet große Ein-              Abgeordnete Mag. Renner.
heiten. Große Einheiten bedeutet den Verlust der
Freiwilligkeit. Bedeutet ganz eindeutig weniger                  Abg. Mag. Renner (SPÖ): Geschätzter Herr
Engagement. Ich weiß nicht, ob du mit warst mit             Präsident! Werter Herr Landeshauptmannstell-
dem Gemeindebund in Belgien, die Großgemein-                vertreter!
den anschauen. Es gibt dort keine freiwilligen
Leistungen mehr! Das ist ganz deutlich bestätigt                 Ich hab mich eigentlich zu Wort gemeldet
worden.                                                     wegen dem Herrn Klubobmann Waldhäusl. Ich
                                                            muss aber jetzt dem Herrn Abgeordneten Renn-
     Und noch ein Vorschlag, ein struktureller, von         hofer doch zwei Dinge sagen. Auf die Scherze mit
der SPÖ. Bezirkshauptmannschaften einfach                   der Schule geh ich gar nicht mehr ein, so lächer-
abschaffen. Na, das wär’ toll! Ich schau mir an             lich sind sie. Was allerdings das Gesundheits-
was die Bevölkerung sagt, wenn sie wegen eines              system in Niederösterreich betrifft, möchte ich
Reisepasses ins Ministerium pilgern muss. Oder              schon anmerken, dass es Bezirke gibt, wo es kein
was die Gewerbetreibenden für Erlebnisse haben              Krankenhaus gibt und anderswo werden sie ne-
wenn sie für den Gewerbeschein ins Ministerium              beneinander gebaut.
pilgern müssen. Wieder eine strukturelle Maß-
nahme wäre es, aber wirklich nicht sinnvoll.                     Und zum Zweiten möchte ich sagen, dass es
                                                            wirklich billig ist, hier an Persönlichkeiten festzu-
    Und dann komm’ ich noch zum Vorschlag der               machen, die sich in ihrer Stadt und um die Be-
SPÖ mit den Krankenhäusern. Alle Krankenhäu-                lange der Stadt bemühen. Und wenn wir persön-
ser unter 300 Betten schließen. (Abg. der SPÖ:              lich werden wollen, können wir uns wahrscheinlich
Geh, hör auf! So ein Blödsinn!)                             bis morgen in der Früh alle miteinander was aus-
Der Kollege Schieder, der Staatssekretär                    richten.
Schieder ist schon von eurer Seite, habe ich mir
gedacht.
                                                                 Und zum Herrn Klubobmann Waldhäusl
                                                            noch, weil er gesagt hat, die Verbände und was
     Keiner denkt dabei an die Umwegrentabilität,           da alles verdient wird und überhaupt, diese bösen
an die nachgewiesene Umwegrentabilität unserer
                                                            Gemeindeoberhäupter. Ich hab neun Jahre lang
lokalen Krankenhäuser. Bei dir in Neunkirchen.
                                                            in meiner Gemeinde – normal sage ich das nicht,
Keiner denkt an die rasche Erreichbarkeit dabei,
                                                            aber weil es wirklich so ärgerlich ist – um 240
bei diesen Vorschlägen. Keiner denkt vor allem an
                                                            Euro pro Monat an fast allen Projekten, die wir
die Ergebnisse der Patientenbefragungen. Die                gemacht haben, ob das Neubau des Feuerwehr-
muss man sich auch einmal vor Augen führen.                 hauses war, Schule etc., mitgearbeitet. Das ist
Die zeigen ganz eindeutig und klar, je kleiner die
                                                            aber gemessen an dem, was der Bürgermeister
Klinik, je kleiner die Krankenhäuser, umso höher
                                                            gemacht hat, ein kleiner Betrag. Und ich bin über
ist die Zufriedenheit der Patienten. Diese Ergeb-
                                                            diese Funktion im Volksschulverband, Haupt-
nisse kann man nicht so einfach wegstreichen.
                                                            schulverband, habe ich eh schon gesagt, Abwas-
(Beifall bei der ÖVP.)                                      serverband, wo ich überall ehrenamtlich hinfahre.
                                                            Und wenn ein Schulfest ist, noch einen Korb
     Landeshauptmannstellvertreter Sobotka ist
                                                            spende. Ja? Also damit wir das alles ins rechte
hier auf einem sehr, sehr guten Weg mit dem
Krankenhauskonzept in Niederösterreich. (Abg.               Lot rücken. (Beifall bei der SPÖ und ÖVP.)
Gartner: Das glaubst aber nur du!)
Nein, das glaub nicht nur ich allein, Kollege                    Und zum Zugang der FPÖ-Politiker in den
Gartner, sondern das glauben viele.                         Gemeinden: In meinem Bezirk gibt es eine Stadt,
                                                            da hat ein Mensch für die FPÖ kandidiert, er hat
    Bei all diesen Vorschlägen, wenn man sie                dort den Nebenwohnsitz bezeichnenderweise, hat
genau anschaut, geht’s fast immer um regional               zwei Mandate gewonnen. Und jetzt ist ein Mandat
oder zentral. Ihr seid auf der zentralistischen             in diesem Gemeinderat leer. Danke! (Beifall bei
Seite, wir sind auf der föderalistischen Seite. Nä-         der SPÖ.)




                                                      149
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


    Präsident Ing. Penz: Es liegen keine weite-               wort von Landeshauptmannstellvertreter Sobotka
ren Wortmeldungen vor. Somit erkläre ich die                  auf meine Anfrage zur finanziellen Situation der
Aktuelle Stunde für beendet.                                  Gemeinden.

     Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich                     Hier ist zu lesen: In einigen Förderrichtlinien
habe eingangs berichtet, dass wir auch eine                   der NÖ Landesregierung ist festgelegt, dass die
zweite Aktuelle Stunde haben, Ltg. 660/A-8/40.                Einhebung kostendeckender Gebühren und die
Ich bringe nun diesen Antrag zur Abstimmung,                  Ausschöpfung der Einnahmemöglichkeit der Ge-
dass diese nunmehr im Anschluss an die erste                  meinde die Voraussetzung für den Erhalt von
Aktuelle Stunde stattfindet. (Nach Abstimmung:)               Förderungen ist. Das Ergebnis folgt auf dem Fuß:
Ich stelle die einstimmige Annahme fest.                      Essen auf Rädern, Bastelbeiträge im Kindergar-
                                                              ten, Friedhofsgebühren … (Abg. Moser: Wer zahlt
     Wir kommen nun zur Aktuellen Stunde, Ltg.                es, wenn es nicht kostendeckend ist?)
660/A-8/40, „Oben sparen statt drüberfahren –                 Hat der Landeshauptmannstellvertreter selbst an
stoppt die ungerechte Gebührenlawine“. Ich ersu-              mich geschrieben. … den gesetzlichen Rahmen
che Herrn Abgeordneten Hafenecker als ersten                  ausschöpfen, steht da drinnen.
Antragsteller zur Darlegung der Meinung der An-
tragsteller das Wort zu nehmen.                                    … Nachmittagsbetreuung für Kinder sind nur
                                                              die wichtigsten Gemeindeleistungen die horrend
    Abg. Hafenecker (FPÖ): Sehr geehrter Herr                 erhöht wurden. Meine Damen und Herren! Wie
Präsident! Werte Regierungsmitglieder! Hoher                  lange, denken Sie, halten die Bürger diese Be-
Landtag!                                                      lastungen noch aus? Wie viel braucht ein Mensch
                                                              zum Leben?
     Alle wollen den Gürtel enger schnallen, aber
jeder fummelt am Gürtel des Nachbarn herum.                        Kann man angesichts dieser drastischen
Dieses Zitat eines deutschen Politikers trifft wohl           Maßnahmen noch von einer sozialen Modellre-
am Besten auf die aktuelle Situation zu. Das                  gion reden? Konnte man das überhaupt jemals
Motto der heutigen Aktuellen Stunde könnte daher              machen? Der moralische Anspruch auf eine sozi-
kaum treffender sein: „Oben sparen statt drüber-              ale Modellregion ist jedenfalls spätestens am 1.
fahren“ müsste eigentlich das Gebot der Stunde                Jänner 2009 verloren gegangen. Damals befand
sein.                                                         man sich mitten in den größten Turbulenzen der
                                                              Wirtschaftskrise, die im Herbst 2008 ihren Aus-
     Auf Bundesebene erleben wir einen noch nie               gang genommen hatte. Niemand konnte damals
dagewesenen Anschlag auf die Familien. Vom                    vorhersagen, wie sich der Kapitalmarkt weiter
Kleinkind, das durch die Einstellung der 13. Fami-            entwickeln würde, welche Auswirkungen dabei auf
lienbeihilfe betroffen ist, über den Pendler, der mit         die öffentliche Verwaltung zukommen werden.
der Erhöhung der Mineralölsteuer zur Kasse ge-
beten wird bis hin zu den alten und gebrechlichen                  Trotzdem hat man, wissend, dass sich die fi-
Menschen, die man durch die Rückstufung beim                  nanzielle Situation für die Kommunen nur ver-
Pflegegeld demütigt, sind alle Altersgruppen un-              schlechtern kann, eine Erhöhung der Bürger-
serer Gesellschaft von diesen Grauslichkeiten                 meisterbezüge von bis zu 159 Prozent beschlos-
betroffen. Leider ist der Bund allerdings nicht der           sen. Klubobmann Waldhäusl wurde in dieser da-
einzige Raubritter, der den Bürgern in die Ta-                maligen Sitzung ausgelacht als er vorausgesagt
schen greift.                                                 hat, dass diese Gehaltserhöhung 1:1 von den
                                                              Bürgern eingehoben wird. Heute wissen wir, dass
     Wenn in der heutigen Sitzung die Mehrheits-              er damit Recht behalten hat.
partei de fakto die Erhöhung der Hundeabgabe,
beschließen wird, setzt diese Maßnahme nur den                     In diesem Haus sitzen 19 Bürgermeister und
Schlusspunkt unter ein Jahr Landtagsarbeit, das               5 Vizebürgermeister. Der Großteil davon hat sich
vor allem von Gesetzesbeschlüssen zur Belas-                  bereits vor der Gemeinderatswahl 2010 in diesen
tung der Bürger geprägt war. (Abg. Bader: Das ist             Positionen befunden. Dieses Verhältnis zeigt,
völlig unwahr was du da sagst!)                               dass man schon damals nicht so sehr das Wohl
                                                              der kleinen Landbürgermeister im Visier gehabt
    Bei Kanal, Wasser sind ebenso massive Er-                 hat, sondern in erster Linie das eigene. Fast die
höhungen möglich wie beim Müll. Die Ortstaxen                 Hälfte der Abgeordneten dieses Hauses profitiert
wurden verdoppelt und das Land nötigt die Kom-                selbst unmittelbar von diesem Gesetzesbe-
munen, in allen Bereichen dazu Höchstbeträge                  schluss. Die Lage am Arbeitsmarkt ist rauer
einzuheben. Das bestätigt übrigens auch die Ant-              geworden. Arbeitnehmer sind heute froh, ihre




                                                        150
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Jobs überhaupt zu erhalten. An eine Lohn-                    tiert wird. Und dass, wenn Bürgerinnen auf die
erhöhung wagt niemand mehr zu denken. Alleine                Gemeinde kommen, dass ihnen auch geholfen
der Umstand, dass 99 Prozent der Bevölkerung                 wird in ihren Anliegen. (Beifall bei den Grünen.)
nicht damit rechnen können, dass ihre Löhne
steigen werden, sollte Anstoß genug dafür sein,                   Auch auf die Gefahr hin, dass ich jetzt einige
dass man sich auch in den Gemeindestuben                     von euch langweile, möchte ich doch über die
solidarisch mit den Menschen erklärt.                        Basics von Gebühren sprechen. Ich glaube, das
                                                             ist notwendig, weil nach mir kommt mein Kollege
    Sehr geehrte Damen und Herren! Unsere                    Waldhäusl. Und ich denke, man sollte versuchen,
Forderung „oben sparen statt drüberfahren“ be-               die Diskussion auf eine sachliche und informative
schränkt sich genau auf den Bereich der Gemein-              Ebene zu bringen. Und daher möchte ich ein paar
deverwaltung und sollte auch beherzigt werden.               Fakten darlegen.

     Hohes Haus! Die Ansammlung von Graus-                        Die Gebühr ist ein Entgelt für eine spezielle
lichkeiten von Bund und Land belastet eine                   Gegenleistung für eine Behörde oder für eine
durchschnittliche Familie mit zusätzlich 3.500 bis           öffentliche Anstalt, die eingehoben wird. Dies
5.000 Euro. Ein gut verdienender Facharbeiter                bedeutet natürlich auch oft einen enormen Ver-
benötigt in etwa vier Monate dazu, dieses Geld zu            waltungsaufwand. Da wären möglicherweise
verdienen. Sie können sich daher leicht ausrech-             Sparpotenziale enthalten. Über die Verwaltungs-
nen, wer dabei auf der Strecke bleiben wird.                 reform wird ja schon viele Jahre diskutiert.

     Lebensqualität, Ausbildung, aber auch die                    Die Gebühren belasten selbstverständlich je-
Wirtschaft, die die rapid sinkende Kaufkraft bereits         den Einzelnen, der diese öffentlichen Leistungen
zu spüren bekommt, stehen auf der Tagesord-                  in Anspruch nimmt. Aber, meine sehr geehrten
nung. Mit dieser Politik betreten wir einen Teu-             Herren von der FPÖ: Sind Sie nicht froh, dass in
felskreis, dessen Auswirkungen wir noch gar nicht            Ihrer Gemeinde, in Ihrem Dorf, in Ihrer Stadt die
absehen können. Geben wir der Zukunft eine                   Müllabfuhr kommt? Dass dort die Infrastruktur
Chance: „Oben sparen statt drüberfahren“ ist das             funktioniert? Dass wir nicht Zustände wie in
Gebot der Stunde. (Beifall bei der FPÖ.)                     Neapel haben? Sind Sie nicht froh, dass es dort
                                                             trinkbares Wasser gibt aus den Wasserleitungen?
   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau                 Und wie wir alle wissen, bewegen sich die Gebüh-
Abgeordnete Enzinger.                                        ren nicht in einem luftleeren Raum, sondern es
                                                             gibt einen gesetzlichen Rahmen, der mit Verant-
    Abg. Enzinger MSc (Grüne): Sehr geehrter                 wortung und Hintergrundwissen beschlossen
Herr Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kol-              worden ist. Also, von exorbitanten Auswucherun-
legen!                                                       gen bei Gebühren kann man nicht sprechen!

     Aus meiner Sicht ist es billiger Populismus                  Außer, Herr Kollege Waldhäusl, Sie kennen
dass die FPÖ heute von „oben sparen statt drü-               Gemeinden, wo ungerechte Gebühren eingeho-
berfahren – stoppt die ungerechte Gebühren-                  ben werden oder worden sind. Dann bitte ich Sie,
lawine“ spricht. Gerade jetzt, wo in den Gemein-             und ich gehe davon aus, Sie werden sie dann
den gespart werden muss, wo die Verwaltung                   auch nennen. Mir ist keine Gemeinde bekannt wo
bemüht ist, dass es den Bürgerinnen trotzdem gut             zu Unrecht zu viel Geld über Gebühren eingeho-
geht, dass nicht alles auf die Bürgerinnen abge-             ben worden ist bzw. wo die Gemeinde nicht ge-
wälzt wird, gerade jetzt spricht die FPÖ von                 wusst hat, was mit dem Geld gemacht werden
„Grauslichkeiten“. Eines ist uns, glaube ich, hof-           sollte.
fentlich allen klar. Dass wir die Gebühren brau-
chen um die Verwaltung aufrecht zu erhalten und                   Es gilt bei den Gebühren das Kostende-
damit wir die Infrastruktur aufrecht erhalten kön-           ckungsprinzip. Nach der Leistungsart und nach
nen. Und zwar in einem guten Ausmaß.                         dem Verwaltungssektor. Der Gebührenhaushalt
                                                             ist der Bereich der öffentlichen Verwaltung, bei
    Selbstverständlich würde ich auch gern weni-             dem die Kosten für die Verwaltungsleistung durch
ger Gebühren zahlen. Das ist eine „Nonanet“-                 Gebühren im besten Fall gedeckt sind. Der Ge-
Frage. Aber ich bin auch eine, die gerne möchte,             bührenhaushalt ist Teil der kostendeckenden Ein-
dass im Winter die Straßen geräumt sind, dass                richtungen. Selbstverständlich gibt es die Mög-
der Abfall pünktlich abgeholt wird, dass Wasser              lichkeit, die Gebühren höher anzusetzen als die
aus den Wasserhähnen kommt, das trinkbar und                 laufenden Kosten ausmachen und den Über-
genießbar ist, dass die Schmutzfracht abtranspor-            schuss als Rücklage anzusparen. Dies wird dann




                                                       151
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


gemacht, wenn die Kommunen wissen, dass etwa               von den Bürgermeisterinnen und dem gesamten
der Kanal in Zukunft saniert gehört oder wenn bei          Gemeinderat soweit angepasst werden können,
vorausschauender Planung sich abzeichnet, dass             dass man von einer adäquaten Bezahlung spre-
bei der Kläranlage eine Erweiterung ins Haus               chen kann. Das Bürgermeisteramt ist ein sehr
steht. Oder dass das Wasserleitungsnetz generell           verantwortungsvolles, zeitintensives Amt. Und
ausgebaut werden muss.                                     wenn dies mit allen notwendigen Qualifikationen
                                                           und Befähigungen und im Sinne der Demokratie
     Erhöhte Infrastrukturkosten entstehen bei             ausgeführt wird, ist eine adäquate Bezahlung nur
Umwidmungen, das wissen wir alle. Da beson-                gerechtfertigt.
ders. Und generell erhöhen sich die Kosten im
Laufe der Zeit, die Materialkosten, die Arbeits-                Leider betreiben viele Bürgermeisterinnen
kosten. Daher gäbe es doch auch eine Möglich-              dieses Amt noch immer als Nebenjob. Das ist ein
keit, dass man Gebühren alle zwei Jahre in einem           Manko. Aber dass diese Aufwandsanpassung
Minimalausmaß anhebt. Dann kommt nicht auf                 selbstverständlich auch für alle Stadträtinnen - die
einmal die große Gebührenlast zu tragen. (Abg.             Kollegin Renner ist jetzt nicht da, sie hat es ge-
Gartner: Index angepasst! Bravo, Frau Kollegin!)           sagt, man sitzt sehr, sehr viele Stunden in den
Oder über den Index anpassen. Darüber könnte               verschiedensten Gremien, und das ist nur eine
man auch sprechen.                                         kleine Aufwandsentschädigung. Und dass die
                                                           angehoben wurde, das war an der Zeit.
     Nun komme ich zu Punkten, die tatsächlich
verbesserungswürdig sind. Leider kam es vor,                   Spannend finde ich, auch das hat die Kollegin
dass in Gemeinden jahrelang Rücklagen gebildet             Onodi schon erwähnt, dass gerade die FPÖ die-
wurden oder werden und auf Grund der Krise                 ses Thema heute zur Aktuellen Stunde macht.
darauf zurückgegriffen worden ist. Das heißt, die          Wenn man im Internet recherchiert, findet man
Rücklagen sind aufgewendet worden für andere               zwei Gemeinden, wo es heftigste Diskussionen
Zwecke. Darin seh ich einen gewissen Missstand             um Gebührenerhöhungen gegeben hat. In diesen
und da sollte die Gemeindeaufsichtsbehörde bes-            zwei Gemeinden gibt es eine FPÖ-Mitregierung.
ser kontrollieren bzw. ein Prozedere überlegen.            Ich möchte die Gemeinden hier nicht nennen.
                                                           (Abg. Dworak: Ich sag es ihm dann schon! Ich
     Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass Gemeinden,         weiß sie eh alle auswendig!)
die durch höhere Gebühreneinhebung Rücklagen
bilden konnten und somit einen Polster haben                   Ich möchte nur sagen, mit Schaudern erin-
oder hatten und wenn dann diese Gemeinden                  nere ich mich zurück an die Bundesregierung,
zum Land gehen, für ein Projekt um Förderungen             unter der es massive Gebührenerhöhungen ge-
bitten bzw. um erhöhte Bedarfszuweisungen bit-             geben hat. Und da spricht die FPÖ nicht von
ten, diese nicht bekommen, weil ja die Bonität             Grauslichkeiten, die damals beschlossen worden
gegeben ist. Darin sehe ich auch, dass Gemein-             sind und davon, dass sich ältere Menschen, Men-
den, die brav agieren, die vorausschauend, nach-           schen mit geringerem Einkommen, nicht wehren
haltig agieren, in diesem Sinne bestraft werden.           haben können.

    Und es ist auch so, Kollegen von der FPÖ,                   Die FPÖ war nie der Vertreter des kleinen
auch Sie wissen das, wenn bei einer Gebarens-              Mannes und wird es nie sein, ja? (Beifall bei den
einschau festgestellt wird, dass die Gemeinden             Grünen, ÖVP und SPÖ.)
möglicherweise Abgangsgemeinden wären: Das                 Es gibt ein Beispiel: Wenn man Kärnten anschaut,
Erste, das aufgezeigt wird, dass die Gebühren              und Kärnten hat einen FPÖ-Landeshauptmann.
angehoben werden müssen. Und wenn dies nicht               Kärnten ist bankrott. Ich möchte nicht, dass Nie-
umgesetzt wird, dann bekommt die Gemeinde                  derösterreich Kärnten wird. Und ich glaube, meine
möglicherweise keine Kreditgenehmigung. Und                Kolleginnen hier möchten dies auch nicht. (Beifall
das ist auch ein Problem.                                  bei den Grünen, ÖVP und SPÖ.)

     Leider ist es aber auch ein Faktum, dass in                Und zu guter Letzt noch ein Beispiel, wo es
etlichen Gemeinden durch Spekulationsverluste              hingeht, wenn man Gebühren nicht erhöht. In
von einigen Bürgermeistern viele tausend Euro in           meinem Bezirk, meine Nachbargemeinde Strass-
den Gemeinden fehlen. Dies hat allerdings wie-             hof hat jahrelang die Gebühren beim Wassernetz
derum nichts damit zu tun, dass letztes Jahr die           nicht erhöht. Jetzt ist es so, das Wassernetz ist
Bezüge der Bürgermeisterinnen durch Landtags-              sanierungsbedürftig, die Gemeinde hat kein Geld.
beschluss ’raufgesetzt werden konnten. Diese               Die Gemeinde verkauft es oder hat es bereits an
Beschlüsse dienen auch dazu, dass die Arbeiten             die EVN verkauft. Ich glaube, auch das ist nicht




                                                     152
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


die Lösung. Es ist auf alle Fälle nicht das, was wir               Wir treten hier dafür ein, dass in Zukunft das
Grüne uns wünschen. Danke! (Beifall bei den                  nicht sich so fortsetzt, dass bei den kleinen Un-
Grünen und Abg. Dworak.)                                     schuldigen, bei den Ärmsten gespart wird. Ob es
                                                             vom Bund her abwärts kommt mit dieser Lawine
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr                von familienfeindlichen Maßnahmen, die eine
Klubobmann Waldhäusl.                                        Regierung je gesetzt hat. Und da auch ein ehrli-
                                                             ches und aufrichtiges Wort: Ihr werdet nur nicht zu
    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr                 gescheit, wenn ihr immer wieder behauptet, es
Präsident! Werte Kollegen des NÖ Landtages!                  hätte einmal eine Regierung gegeben unter
                                                             Schwarz-Blau und da hätte dann jeder geduckt
    Eine interessante und spannende Diskussion               oder sonst irgendwas. Ich wiederhole es, weil es
bereits über die Aktuelle Stunde der SPÖ mit den             sind viele herinnen, die damals nicht einmal noch
Gemeindefinanzen und jetzt eine über die Auswir-             gewusst haben wie man Politik schreibt: Da war
kungen dieser maroden Finanzgebarung in den                  ich schon da. Und ich sage es für all jene noch
Gemeinden. „Oben sparen statt darüberfahren“                 einmal. Aufgepasst, bitte! Und ich sage es ganz
heißt, wir wollen nicht, dass die Bürger diese Fi-           langsam: Damals habe ich bei jeder Möglichkeit
nanzmisere, dass die Bürger diese schwarz-rote               diese Grauslichkeiten der damaligen schwarz-
Suppe auslöffeln müssen. Wir wollen, dass die                blauen Regierung verurteilt. Und ich habe es öf-
Bürger hier verschont werden, denn die Bürger                fentlich getan, auch medial und hatte dadurch
haben hier nicht mitgewirtschaftet bei diesem                auch ein Parteiausschlussverfahren am Hals, auf
Chaos.                                                       das ich jetzt noch immer stolz bin. Und das unter-
                                                             scheidet mich. Ihr macht einen Kniefall vor diesen
     Die Bürger sind nicht daran schuld, wenn                Grauslichkeiten und ich habe mich dagegen ver-
zwischen Gemeinde und Land die Geldflüsse                    wehrt. Das ist der Unterschied. Da steht ein ge-
nicht hinhauen und sie sind auch nicht daran                 standener Mann und da sitzen Marionetten. (Bei-
schuld, wenn vielleicht irgendwo dann Richtung               fall bei der FPÖ.)
Bund noch geschimpft wird. Die Bürger können
am allerwenigsten dafür! Und wenn jetzt Bürger-                   Präsident Ing. Penz: Herr Klubobmann! Sie
meister, die auch Abgeordnete sind, sich vielleicht          kriegen die Zeit drauf. Aber die Beleidigung
herstellen und sagen, die Finanzmisere und all-              Marionetten - ich erteile Ihnen einen Ordnungsruf!
gemein und Europa und die ganze Welt ist schuld,
nein: Hier haben die Gemeinden auch die Ver-                      Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident, ich
antwortung und die Gemeinden müssen hier sehr                setze meine Rede fort mit dieser Gebührenlawine,
wohl mit vorausschauendem Gespür arbeiten.                   von Kindern bis zu Senioren. Von Freizeiteinrich-
Und das heißt eben, dass sie nicht drüberfahren,             tungen über Campingplatzgebühren. Man ist so
dass sie nicht beim Kindergartenessen hier ver-              erfinderisch, dass man eigentlich gar nicht glau-
doppeln, bei Essen auf Rädern, und dass das                  ben kann, was hier manche findige finanzeintrei-
Sterben schon fast nicht mehr leistbar ist in den            bende Gemeinden noch finden, wo sie die Bürger
niederösterreichischen Gemeinden. Weil wie man               hier, und teilweise bis zu 100 Prozent mehr, ab-
so schön sagt, von der Geburt weg bis zum Tode,              zocken können. Campingplatzgebühren um 100
bis zum Friedhof hier die ÖVP/SPÖ-Brüder alles               Prozent mehr.
bis ins Letzte erhöhen.
                                                                 Habe ich mir gedacht, das ist ein Wahnsinn.
     Es unterscheidet uns halt eines in diesem Be-           Dann ist mir erst wieder in Erinnerung gekommen,
reich: Uns geht’s um die niederösterreichischen              dass die Bürgermeistergehälter hier in diesem
Bürger und euch geht’s um die Bürgermeister.                 Haus um bis zu 159 Prozent erhöht wurden. Und
Und das wundert einen ja nicht. Wenn ich mir da              ich habe mir eine Mustergemeinde genau ange-
anschaue, dass in der ÖVP-Riege knappe 50                    schaut im Waldviertel. Da hätte dieser Beschluss
Prozent Bürgermeister hier herinnen sitzen. (Abg.            unterm Strich, runter bis zu den Mandataren,
Moser: Ihr habt ja keinen!)                                  knappe 85.000 Euro im Jahr ausgemacht. Dann
Bei der SPÖ genauso. Die grüne Vizebürger-                   haben die Gemeindemandatare gesagt, das kön-
meisterin außer Dienst, weil der Wähler hat das              nen wir uns aber überhaupt nicht mehr leisten,
dann korrigiert, und eine Vizebürgermeisterin im             diesen Bürgermeistergehalt. Das ist jetzt Landes-
Dienst. Und seit dies der Fall ist, sind die Grünen          gesetz, ich weiß nicht, warum die das machen.
plötzlich auch jene, die jetzt plötzlich für diese           Dann haben die Mandatare von sich aus für diese
Gebührenlawine eintreten.                                    Periode um ein paar Prozent verzichtet, sie haben




                                                       153
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


nicht die volle Erhöhung genommen, damit es                    Willen nein! Jeder hat gesagt, dass er es nicht tut.
jetzt unter Anführungszeichen „nur mehr“ 50.000                Ihr wisst aber schon, wenn ich so was sage, dass
im Jahr ausmacht. In der Periode 250.000 Euro.                 spätestens dann, wenn die Gelegenheit dazu
                                                               passt …, ich hätte es euch gleich auch sagen
     Dort sagen aber die Stadträte in verschiede-              können. Aber ich habe gewusst, die Gelegenheit
nen Ressorts, ob es schwarze oder rote sind, ja,               wird kommen. Ich geb euch immer die Chance,
wir müssen dieses Geld wo aufbringen. Hat sich                 dass ihr ein bisschen die Unwahrheit sagt.
das Land das nicht überlegt oder nachgedacht,
wo wir diese Gelder hernehmen sollen? Das sa-                       Da bitte habe ich es schwarz auf weiß (zeigt
gen die ganz ehrlich. Und es gibt auch Bürger-                 Schriftstück): Ein Verband im Süden Niederöster-
meister, die mittlerweile sagen, wenn sie könnten,             reichs, 14 Mitgliedsgemeinden. Da sitzen die Bür-
sie würden gerne auf das verzichten um mit gu-                 germeister brav drinnen, machen die Abwasser-
tem Beispiel voranzugehen. Und ich sage es auch                entsorgung nicht im eigenen Bereich, geben das
hier ganz offen und ehrlich: Da geht’s mir nicht um            in den Verband, sitzen im Verband auch drinnen.
die Bürgermeister die wirklich ehrlich sind und                Und in diesem Verband kostet jährlich, ohne Ge-
brav, um die so genannten Dorfbürgermeister, die               schäftsführung, nur die 14 Mandatare Bürger-
vielleicht noch unentgeltlich ehrenamtlich Feuer-              meister kosten dort 64.523 Euro. Der Voranschlag
wehrkommandant sind. Das sind die ehrlichen.                   für 2011 ist bereits 68.000 Euro. Sind 340.000 in
Um die geht’s nicht. Aber mir geht’s um jene Bür-              der Periode. Und jetzt erklärt ihr mir, wenn er im
germeister, die neben dem Bürgermeister noch 10                eigenen Wirkungsbereich diese Entsorgung nicht
bis 15 weitere Jobs haben und noch in Verbänden                vornimmt, er bekommt aber als Bürgermeister das
sitzen. Und genau jene Gemeinden sind es ja,                   Gehalt dafür, und sitzt dann im Verband, zwei
dort, wo diese Bürgermeister, diese Ämterkumu-                 Sitzungen im Jahr, bekommt er monatlich Geld
lierer sitzen, wo dann letztendlich auch die Pleite-           dafür, wieso bekommt er dann noch einmal Geld?
gemeinden sind.                                                Das ist die typische Doppelbezahlung. Und das
                                                               ärgert die Leute.
     Und das kommt ja nicht von irgendwo her.
Wenn man sich dann immer wieder anschauen                          Ihr hört nur nicht mehr hin wenn sie es euch
muss und lesen muss (zeigt Schriftstück), die                  sagen. Uns sagen sie es. Tut was gegen diese
Pleitegemeinden, die Erhöhung der Gebühren,                    Bürgermeister, gegen diese Abkassierer, gegen
dann ist halt Krems wieder einmal an erster Stelle.            diese Pharisäer. Und da seid ihr alle ausgenom-
Das hat gar nicht die Bürgermeisterin Rinke al-                men, die heute gesagt haben, ich gehöre da nicht
leine gemacht. Nein, da hat ihr Vorgänger auch                 dazu, ich mache es ehrenamtlich. Hut ab vor
fest mitgeholfen. Aber es ist halt so: Sie trägt jetzt         euch, die sagen, sie machen es ehrenamtlich!
die Verantwortung, sie führt dieses Negativbei-                Aber Pfui zu denen, die zu den Abkassierern ge-
spiel an. Sie wird halt auch zu viel um die Ohren              hören! (Beifall bei der FPÖ.)
haben. Sollte sie sich halt entscheiden, lieber
Bürgermeisterin einer so wichtigen Stadt oder                       Und wenn ich meine und immer wieder sage,
lieber Abgeordnete, oder andere Nebenjobs las-                 mit gutem Beispiel vorangehen, dann meine ich
sen.                                                           das auch. Und ich kann euch eines garantieren: In
                                                               diesen zwei Gemeinden, wo momentan auf Grund
     Das ärgert die Leute draußen. Weil die sa-                einer Koalition wir auch über diese Thematik uns
gen, das kann doch nicht sein: Wenn wir neben-                 streng auseinandersetzen, na selbstverständlich
bei was machen, machen wir es ehrenamtlich,                    sind wir da sehr stark daran interessiert dass es
rücken aus wenn die Sirene heult. Und was tun                  keine Erhöhung gibt bzw. die Erhöhung nur wirk-
die Bürgermeister? Die lassen sich nebenbei et-                lich tatsächlich wie rechnerisch dann auch vom
was bezahlen. Und da bring ich euch das Bei-                   Deckungsbeitrag her auf 100 Prozent kommen
spiel. Und ich bin euch ja dankbar, dass ihr mir               sollte. Wir haben nie gesagt, und zu dem stehe
heute wieder einmal so richtig aufgesessen seid                ich, ich bin selbst Obmann vom Prüfungsaus-
wie ich in der ersten Aktuellen Stunde das Bei-                schuss in der Gemeinde und weiß, was es mit der
spiel gebracht habe mit den Doppelbezügen der                  Finanzgebarung auf sich hat - ich habe nie ge-
Gemeindemandatare,        sprich   Bürgermeister.              sagt, dass man unter 100 Prozent sein soll. Im
Wenn er für die Abfallentsorgung oder in dem Fall              Gegenteil! Um ordnungsgemäß die Infrastruktur in
für die Abwasserreinigung im eigenen Bereich                   Schuss halten zu können, braucht man einfach
auch seine Entschädigung bekommt als Bürger-                   100 bis 105 Prozent. Und einmal sind es 107 Pro-
meistergehalt, macht’s aber nicht selber, macht’s              zent und einmal da. Bei Wasser hast du Verluste
im Verband. Und dort kassiert er noch einmal.                  etc. Das weiß ich, weil ich bin auch 20 Jahre
Und ihr habt euch gleich hergestellt, um Gottes                schon in der Gemeinde tätig.




                                                         154
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


     Aber wenn ich dann heraus rechne, dass es               gleichzeitig sitzt er da als Leiter vom Bauhof oder
gar nicht mit unechten Tricks, sondern mit den so            als Sekretär und gleichzeitig sitzt er in drei Ver-
genannten echten Tricks, dass halt da Leute hin-             bänden. Dann ist er noch bei irgend einem Geld-
eingerechnet werden auf die Kläranlage und so,               institut im Vorstand und irgendwo macht er auch
das weiß man eh wie, man das händeln kann,                   noch zwei, drei andere Jobs. Und das sind die
aber trotz diesen ganzen Beispielen, die dann halt           Pleitegemeinden.
nicht ganz rein sind, wir auf 140, 150 Prozent bei
den Gebühren kommen, dann sage ich ganz ein-                     Und in diesen Pleitegemeinden, und das
fach, dass diese 40, 50 Prozent um genau diese               kann man nachlesen, und da geht’s quer durch
40 Prozent zu viel sind. Und Karl, du wirst mir              den Gemüsegarten, einmal rot vorne, einmal
doch auch Recht geben, dass das nicht in Ord-                schwarz vorne, ein bisschen öfter schwarz vorne
nung ist. Weil dann ist es so, dass sich die Ge-             wie rot vorne. Und das ändert sich ständig so.
meinden hier ihre maroden Finanzen auf Kosten                Aber es ist ganz einfach so, dass hier diese Bür-
der Bürger sanieren. Und dagegen verwehren wir               germeister einmal vor den Vorhang gehören im
uns.                                                         negativen Sinne und wir daher dafür eintreten,
                                                             dass Bürgermeister in Zukunft hier tatsächlich ihr
    (Zweiter Präsident Nowohradsky übernimmt                 Amt ernst nehmen sollen. Und wenn sie das nicht
den Vorsitz.)                                                ernst nehmen, dann darf der Bürger nicht zur
                                                             Kasse gebeten werden.
     Und wir wollen auch weiterhin darüber disku-
tieren, warum gerade dort, wo ein Bürgermeister
                                                                  Und ich möchte es abschließend sagen: Im
5, 6 Nebenjobs hat, Nebenamtln, gerade das die
                                                             Zuge unserer Kampagne, wo wir jetzt wirklich viel
meisten Pleitegemeinden sind. Das muss ja von
                                                             draußen sind und auch viele Rückmeldungen
wo kommen. Ich finde es ja gerecht, dass sich
                                                             bekommen, haben wir auch für das, was ich jetzt
hier zeigt, der, der sich ordentlich um seine Ge-
                                                             gesagt habe, die Bestätigung. Es waren viele
meinde kümmert, hat es im Griff. Und der
                                                             Bürger die gesagt haben, Herr Waldhäusl, ich
schlampert ist oder dem es woanders fehlt, beim
                                                             sag’ es ihnen, in unserer Gemeinde ist es nicht
Rechnen oder weil er einfach nicht Zeit hat, weil
                                                             so. Wir haben einen Bürgermeister, aber der ist
er ständig woanders ist, hat es auch nicht im Griff.
                                                             wirklich nur Bürgermeister. Der kümmert sich um
Das ist die Gerechtigkeit. Und diese Gerechtigkeit
                                                             alles. Gibt’s wirklich und ich weiß es. Hut ab vor
ist auch in Ordnung, die muss man aufzeigen.
                                                             jenen!
Dann zeigt es aber schwarz auf weiß, dass wir
nicht Unrecht haben wenn wir sagen, da geht’s
jetzt nicht um das ob du für das noch viel Geld                   Aber leider waren die Anrufe wo die Leute
oder wenig Geld bekommst. Es hat für jeden der               gesagt haben, wissen sie eigentlich, was der alles
                                                             ist, was der alles macht und wo noch und wo
Tag gleich viele Stunden. Und es muss einer ein
                                                             noch? Und kriegt er dafür Geld? Da habe ich ant-
Wunderwuzzi oder Zauberer sein, wenn in dieser
                                                             worten müssen, im Landtag erzählen sie mir im-
gleichen Zeit plötzlich 7, 8 Jobs neben dem Bür-
                                                             mer, sie machen alles ehrenamtlich. Die Leute
germeister machen kann.
                                                             sagen dann, Herr Waldhäusl, glauben sie doch
     Es ist halt einfach so, dass es hier Gott sei           diesen Gaunern nichts. Sag ich, nein, sagen sie
Dank eine Gerechtigkeit gibt. Und ich würde mir              doch nicht Gauner, ist ja beleidigend. Und die
halt wünschen, dass in der allgemeinen Diskus-               Bürger sagen, doch, sie sind Gauner. Weil wissen
sion dann genau jene verurteilt werden. Und jene,            sie, was sie jetzt gemacht haben? Wir müssen da
die nichts dafür können, dass man die dann auch              mehr zahlen, da mehr zahlen und da mehr zah-
dementsprechend lobt. So wie ich es immer tue,               len. Und für diese Gauner habe ich in Zukunft
dass ich sage, um die Anständigen und Tüchtigen              keine Stimme mehr übrig. (Beifall bei der FPÖ.)
geht’s nicht, die wirklich alles in Ordnung haben.
Und davon gibt’s genügend.                                        Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu einer
                                                             tatsächlichen Berichtigung hat sich zu Wort ge-
     Aber ich habe mir ja jetzt bitte, ich habe mir          meldet Frau Abgeordnete Enzinger.
die Arbeit gemacht und hab mir sämtliche Sanie-
rungsgemeinden angeschaut, viele Abgangsge-                       Abg. Enzinger MSc (Grüne): Kollege Wald-
meinden. Und bei den Sanierungsgemeinden bin                 häusl hat vorhin gesagt, wir Grüne treten für eine
ich draufgekommen, dass dort überall die Bür-                Gebührenlawine ein. Das stimmt so nicht! Ich
germeister … Ja, die haben zwischen 5 und 7                  habe in meinem Beitrag gesagt, wir Grüne treten
Nebenjobs. Ist ja ganz klar! Teilweise sind sie              für eine bestens funktionierende Infrastruktur und
sogar bei der Gemeinde noch beschäftigt. Das ist             eine funktionierende Verwaltung ein. Danke!
ja das Arge. Der sitzt da am Bürgermeistersessel,            (Beifall bei den Grünen.)




                                                       155
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                 und Sozialbereich. Und die Gemeinden haben
gelangt Herr Abgeordneter Dworak.                          jahrelang Gebühren nicht angepasst sondern aus
                                                           dem laufenden Budget finanziert, weil eben die
    Abg. Dworak (SPÖ): Sehr geehrter Herr                  Mittel da waren. Und haben deshalb die Gebüh-
Präsident! Hoher Landtag!                                  renerhöhungen nicht weiter gegeben.

    Eine gute Gelegenheit, zu diesen haltlosen                  Und deshalb sage ich auch hier in dieser
Vorwürfen Stellung zu nehmen, die in den Raum              Aufstellung ganz klar, es kann nicht so sein, dass
gestellt werden. Wo behauptet wird, es wird ab-            nunmehr die Bürgermeisterinnen und Bürger-
gezockt, es werden Gebühren verlangt für … (Un-            meister dafür verantwortlich gemacht werden, was
ruhe bei der FPÖ.)                                         auf den Weltbörsen in Wirklichkeit verspekuliert
                                                           wird. Was hier an Krisen ausgelöst wurde, was
     Ja, kenn ich eh. Ich kenn die Verbände eh             nicht nur die Gemeinden, sondern auch die Län-
und ich weiß auch, dass die Bürgermeister in den           der, die Republiken und die Banken zu hunderten
Verbänden auch sehr viel arbeiten. Und ich sage            betrifft.
es auch deshalb, weil ich der Meinung bin, dass
hier die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister,                  Und wenn wir uns das anschauen, so geht es
die Kommunalpolitiker schlecht gemacht werden.             mir auch darum, zu zeigen, dass wir hier dem
Einfach um den populistischen Zweck der FPÖ zu             Gesetz nachkommen. Das Gesetz fordert eine
erfüllen.                                                  kostendeckende Gebührenaufstellung und die ist
                                                           jetzt auch notwendig. Und, meine sehr geehrten
    Sehr geehrter Herr Klubobmann Waldhäusl!               Damen und Herren, glauben Sie mir: Die Bürge-
Du hast gesagt, die Gemeinden hätten müssen                rinnen und Bürger in Niederösterreich wissen den
die Weltwirtschaftskrise erkennen, die Situation,          hohen Lebensstandard in ihren Gemeinden zu
die auf die Gemeinden zukommt. Ich sag dir nur             schätzen. Wissen auch, dass es darum geht, die-
eines: Hätte ein Bürgermeister diese Krise voraus          sen Standard zu halten, diesen Level zu halten.
gesagt, hätte es ein Staatsmann voraus sagen               Und sie sind sich auch bewusst, dass dieser
können, ein Bankfachmann, dann wär er Präsi-               Standard etwas kostet und vertragen viel mehr
dent der Nationalbank und kein Bürgermeister.              Wahrheit als hier die FPÖ in Wirklichkeit meint.
(Abg. Waldhäusl: Ich hätte nie geglaubt, dass du
das erkennst!)                                                   Meine sehr geehrten Damen und Herren!
                                                           Schauen wir uns an, was mit diesen Steuergel-
     Also das zu behaupten ist so etwas Perfides,          dern in den Kommunen passiert ist. Hier nenne
was ich hier in diesem Haus schon lange nicht              ich nur einen Bereich, Kindergärten: 72 neue Kin-
gehört habe. Und deshalb auch ganz klar, wenn              dergärten, hunderte Kindergartengruppen. Inves-
du sagst, es sind alle jene schuld, die jetzt hier         titionsvolumen 350 Millionen Euro. Schauen wir
abzocken. Nein! Die Bürgermeisterinnen und Bür-            uns an in unseren Schulen und Kindergärten,
germeister, die Gemeindemandatarinnen und                  schauen wir uns an wie die Infrastruktur aus-
Gemeindemandatare kommen einem gesetzli-                   schaut! Schauen wir uns an, wie die Wasserver-
chen Auftrag nach, nämlich kostendeckend bei               sorgung, die Abwasserentsorgung funktioniert!
den Gebühren zu arbeiten. Und das ist die Wahr-            Dann werden wir feststellen, dass wir hier in Nie-
heit. Und nichts anderes.                                  derösterreich etwas aufzuweisen haben. Und
                                                           dass die niederösterreichischen Gemeinden und
     Und wenn du hier sagst, es sind alle ÖVP-             vor allen Dingen die Bürgermeisterinnen und Bür-
und SPÖ-Bürgermeister die Abzocker, lieber                 germeister dafür verantwortlich waren, dass hier
Freund, die Republik hat heute noch darunter zu            pro Kopf rund 500 Euro investiert wurden und wir
leiden was die FPÖ-Finanzexperten Meischberger             damit in Österreich Spitzenreiter sind.
und Grasser aufgeführt haben. Die sich momen-
tan außer im Gerichtssaal sich eh nirgendwo be-                Meine sehr geehrten Damen und Herren! Das
finden. Also würde ich einmal vor der eigenen Tür          sind die Aufgaben, die man erfüllen muss. Und
kehren und nicht die anderen hier beschmutzen.             der Gesetzgeber erlaubt eben keine Unterde-
                                                           ckung bei den Gebühren. Deshalb haben wir hier
    Aber meine sehr geehrten Damen und Her-                kostendeckend zu arbeiten und dieser Forderung
ren, Tatsache ist, die Gemeinden müssen den                der Gemeindeaufsichtsbehörde auch nachzu-
Gürtel enger schnallen auf Grund dieser Weltwirt-          kommen.
schaftskrise, die auch die Gemeinden erreicht hat,
auf Grund dieser sinkenden Einnahmen, auf                      Und wenn man sich einmal anschaut diesen
Grund der steigenden Ausgaben im Gesundheits-              Grund, diesen Sinn der Aktuellen Stunde, so




                                                     156
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


stelle ich fest, es gibt hier eine riesige Divergenz         auch wahr und haben offensichtlich mit dem po-
zwischen Parteispitze der FPÖ und der Realität.              pulistischen Bild der Parteispitze nichts am Hut.
Dann hätte sich der Kollege Waldhäusl die Arbeit             Und das ist die Wahrheit. (Weiterhin Unruhe bei
gemacht, nicht diese paar Schilling in den Ver-              Abg. Waldhäusl.)
bänden da aufzuzeigen, sondern nachzuvollzie-
hen, was seine Mandatarinnen und Mandatare an                    Zweiter Präsident Nowohradsky: Herr Ab-
Verantwortung haben, wie sie nämlich auf Orts-               geordneter Waldhäusl! Nehmen Sie Platz!
ebene reagieren, so wird er draufkommen, dass
er eigentlich völlig abgehoben hier herinnen ar-                  Abg. Dworak (SPÖ): Ihr müsst unterschei-
beitet und gar nicht weiß, wie seine FPÖ-Manda-              den zwischen dem was sich hier abspielt, populis-
tare draußen reagieren.                                      tisch sein, ein bisschen laut schreien und das,
                                                             was eure Mandatare draußen machen, nämlich
     Ich habe mir heute Vormittag die Mühe ge-               genau das, was der Gesetzgeber vorschreibt und
macht und bin sofort auf vier Gemeinden gesto-               halten sich offensichtlich nicht an irgend welche
ßen, wo ich feststelle, dort, wo die FPÖ in den              Parteiapparatschik-Vorgaben aus der Zentrale in
Gemeinden Verantwortung trägt, wo sie ge-                    St. Pölten. (Beifall bei der SPÖ.)
schäftsführende Gemeinderätinnen und Gemein-
deräte hat, wo sie Stadträtinnen hat, geht die FPÖ              Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
bei der Budgeterstellung her und erhöht die Ge-              gemeldet Herr Abgeordneter Ing. Huber.
bühren. Nun ich frage mich, wie abgehoben, wie
blind muss man sein um nicht zu wissen, wie die                 (Unruhe bei der FPÖ. – Abg. Waldhäusl: Zur
eigene Parteibasis, die eigenen Gemeindefunkti-              Geschäftsordnung!)
onäre arbeiten? Und ich sage Ihnen die Beispiele.
Ich brauch hier keine Zettel, wie Kollege Wald-                   Abg. Waldhäusl (FPÖ): Zur Geschäftsord-
häusl, sondern ich sage ihnen, ich schau nach                nung. Es ist nicht möglich, Herr Präsident, dass
Altlengbach und stelle fest, die Erhöhung der                Sie die Reihenfolge der Redner, wenn sich dann
Friedhofsgebühren, der Eintrittspreise des öffent-           einer meldet, so machen, dass immer der ÖVP-
lichen Schwimmbades ist mit Zustimmung der                   Abgeordnete zum Schluss kommt. Das ist nir-
FPÖ passiert.                                                gends festgeschrieben. Das entspricht auch nicht
                                                             den Regeln. Der Präsident kann die Tagesord-
     Ich schau nach Gföhl. Da gibt es einen Stadt-           nung machen, der kann schauen, dass alles in
rat Siegfried König, übrigens einen Vorsitzenden             Ordnung ist. Aber wenn es gemeldete Redner gibt
der Justizgewerkschaft, der hier als Stadtrat fun-           – und der Kollege Moser kommt als nächster –
giert und der hier Erhöhungen zulässt und sogar              dann können Sie nie aus parteitaktischen Grün-
beantragt. Nämlich Gebührenerhöhungen bis zu                 den den Kollegen Huber jetzt vorziehen. Das ent-
121 Prozent. Man höre und staune! Das heißt,                 spricht nicht der Geschäftsordnung. Ich bitte Sie,
hier wird dann offensichtlich dann in dem Bereich            hier korrekt vorzugehen.
wo man arbeitet vergessen, dass man Verant-
wortung hat. (Abg. Waldhäusl: Das ist eine Lüge!                 Zweiter Präsident Nowohradsky: Mir wurde
Lügenbaron!)                                                 Herr Abgeordneter Huber als nächster Redner
                                                             gemeldet und daher ist er jetzt am Wort.
     Oder, Kollege Waldhäusl, ich schau nach
Enzersdorf a.d. Fischa. Da ist der Nationalrat                    (Unruhe bei der FPÖ. – Abg. Waldhäusl: Es
Werner Herbst Ausschussvorsitzender für die                  gibt eine fertige Rednerliste! Da war der Kollege
Gruppe Kanal und Wasser. Und ich darf dir be-                Moser drauf!)
richten, die Kanalabgaben wurden erhöht und                  Gut, dann ist Herr Abgeordneter Moser am Wort
auch die Aufschließungskosten.                               und ich nehme das als Rückzug zur Kenntnis.

     Oder ich schau in die Gemeinde im süd-                        Abg. Moser (ÖVP): Herr Kollege, ich hab
lichsten Niederösterreich, wo der Stadtrat bei der           den Klubsprecher angesprochen und ich habe
Budgetdebatte die Friedhofsgebühren bis zu 47                natürlich nicht zurückgezogen. Ich möchte natür-
Prozent erhöht werden. (Abg. Waldhäusl: Wir                  lich zu diesem Thema Stellung nehmen. Es ist
haben keinen Werner Herbst! Wer ist der Werner               überhaupt keine Frage. Denn für mich ist es wich-
Herbst?)                                                     tig, dieses Thema zu behandeln, wiewohl ich den
                                                             Inhalt dieses Themas für wesentlich sehe, nicht
     Das ist in Wirklichkeit der Unterschied, näm-           aber die Formulierung. Denn ich muss sagen, es
lich die Realität zu erkennen. Da wo FPÖ-Man-                ist ja an Polemik, Herr Waldhäusl, von der FPÖ
datare Verantwortung tragen, nehmen sie sie                  nicht mehr zu überbieten. Und es ist wirklich der




                                                       157
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Demokratie nicht zuträglich was ihr da an Mies-              nicht einfach drüber gefahren sozusagen. Und
macherei für die Gemeinden, nämlich von jener                daher ist es auch keine „gemähte Wiese“, auf
Ebene aufführt, die von der Bevölkerung erstens              deutsch gesagt. Sondern es wird sehr maßvoll
einmal von allen Gebietskörperschaften am                    und punktgenau darauf Bezug genommen.
meisten akzeptiert ist. Und wo zweitens die Bür-
germeister zu den beliebtesten Politikern gehören                 Was aber wichtig ist auch für uns, nämlich für
landesweit von allen Gebietskörperschaften. Und              die Bürgerinnen und Bürger und auch für die Ge-
die mies zu machen, ist keine schöne Sache!                  meinden, ist vor allem jenes, dass neben den
(Beifall bei der ÖVP und SPÖ.)                               Maßnahmen, die im Bundesbudget für eine nach-
                                                             haltige Budgetgestaltung des Bundes wichtig sind,
      Herr Waldhäusl, ich versteh schon, wenn                dass es auch innovative Offensivmaßnahmen
deine Leute oder Abgeordneter Hafenecker an-                 gibt, nämlich 400 Millionen Euro, wo alleine 100
geführt hat, es gibt da 19 Bürgermeister herinnen            Millionen Euro für Forschung und Entwicklung
und das kritisiert hat. Ich verstehe schon: Ihr wer-         kommen, wo auch 80 Millionen für Schulen, 80
det nicht gewählt draußen! Das sieht man beim                Millionen für Universitäten, das heißt 260 Millio-
Herrn Huber in Blindenmarkt, das sieht man na-               nen Euro für den Bereich Wissenschaft, Bildung
türlich auch in Ruprechtshofen, wo ein Freiheitli-           und Aus- und Weiterbildung. Dass die Umwelt-
cher angetreten ist und vieles mehr. Wenn ihr                bezogenheit hier eine wichtige Rolle spielt mit 100
nicht gewählt werdet, dann hast du, Kollege,                 Millionen und 40 Millionen Euro für den Bereich
Recht, nur mit anderen Vorzeichen. Da hat Herr               Gesundheit, das ist auch für die Gemeinden
Waldhäusl völlig Recht wenn er sagt, eigentlich              wichtig.
sind die nicht gewählt worden, die sich um die
Bevölkerung nicht kümmern. Nur, das seid ihr                     Und wisst ihr, was für die Gemeinden noch
selber! Ihr habt euch nicht gekümmert. Weil wir              wichtig ist in dem Zusammenhang? Dass die Er-
gehen verantwortungsvoll mit der Aufgabe um, die             gebnisse des Finanzausgleiches auch halten.
wir von den Bürgerinnen und Bürgern übertragen               Denn der Herr Finanzminister hat auch zugesagt,
bekommen. Und für uns ist Gemeindefinanzie-                  dass bei der Bankenabgabe die Aufteilung nach
rung, Gebührenhaushalt, Gesamtfinanzierung der               dem Prozentschlüssel, nämlich 30 Prozent Rich-
Gebietskörperschaft Gemeinde ganz einfach eine               tung Länder und Gemeinden, auch bei dieser
wesentliche, nämlich jene, die eingebunden in die            Abgabe eingehalten wird.
Gebietskörperschaften auch der anderen zu se-
hen ist. Wir sehen die Gemeindepolitik und vor                    Zweiter Punkt, Landesebene: Die Landes-
allem die Finanzierung der Gemeinde ganz eng                 ebene ist natürlich ein Partner für die Gemeinden.
im kraftschlüssigen Zusammenhang mit dem                     Und wenn der Gebührenhaushalt angesprochen
Land Niederösterreich oder mit den jeweiligen                wird, dann ist es natürlich wichtig, wenn das Land
Ländern der Gemeinden.                                       Niederösterreich die Gemeinden bei der Erfüllung
                                                             ihrer Aufgaben unterstützt. Und nämlich so unter-
     Wir sehen es aber auch so, wenn ich nur den             stützt, dass es regional unterschiedlich je nach
Finanzausgleich betrachte, dass es wichtig ist,              Bedarf, an Aufwand seitens des Landes Nieder-
dass auf der Bundesebene auch Entscheidungen                 österreich mit Einbindung des Wasserwirt-
getroffen werden, nämlich mit dem Steuergeld in              schaftsfonds des Bundes, mit Einbindung des
Form einer gemeinschaftlichen Aufteilung im                  Wasserwirtschaftsfonds des Landes, die Projekte
Rahmen des Finanzausgleiches, dass hier auch                 in den Gemeinden so gefördert werden, dass sie
die entsprechende gemeinsame Finanzierung für                erstens finanzierbar sind und dass sie zweitens
die Gemeinden bewerkstelligt ist. Und auch da ist            bei den Gebühren auch eine Kostendeckung er-
es so, da wird nicht drübergefahren, sondern                 möglichen. Und deswegen sind ja die Beiträge
wenn ich das jetzige Budget betrachte, dann ist es           des Landes im Rahmen des Wasserwirtschafts-
kein gleichmäßiges Drüberfahren, sondern ein                 fonds unterschiedlich. Nämlich dort, wo es sich
Budget, das ausgestaltet wird. Das sehr maßvoll              leichter rechnet, sind die Gebühren geringer. Dort,
ganz einfach jene Faktoren berücksichtigt, die die           wo die Gemeinden mehr Probleme haben, zu
stabile Finanzierung des Bundesbudgets ermög-                finanzieren, dort sind die Zuschüsse des Wasser-
licht und die andererseits natürlich auch auf die            wirtschaftsfonds höher.
Gegebenheiten entsprechend Rücksicht nimmt.
                                                                   Das ist deswegen gerechtfertigt, weil wir na-
    Und wenn hier 60 Prozent beim Sparen ein-                türlich auch unterschiedliche Kosten haben. Die
genommen wird, 40 Prozent durch Mehreinnah-                  unterschiedlichen Kosten liegen vor allem daran,
men, dann, glaube ich, wird hier seitens des Bun-            dass wir unterschiedliche Bodentypen haben bei
desbudgets sehr ausgewogen vorgegangen und                   den Grabarbeiten, dass wir vor allem einmal eine




                                                       158
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


unterschiedliche Bevölkerungsdichte haben und              Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft besichtigt.
wir vor allem im ländlichen Raum natürlich mit den         Sie wollten gleich eine Europaschule daraus ma-
längeren Leitungen ganz einfach auch insgesamt             chen, weil dieses Modell ganz einfach auch um-
pro angeschlossenem Geschoß oder pro ange-                 weltmäßig für sie wichtig ist. Sie haben das Bio-
schlossenem Objekt ganz einfach auch einen                 massefernheizwerk besichtigt. Es hat sie auch
höheren Kostenaufwand haben.                               sehr interessiert, wie hier Nahwärme aus Bio-
                                                           masse erfolgt. Umweltpolitik war ein wesentliches
     Und weil das Land Niederösterreich hier ein           Thema. Und wir haben auch das Altstoffsammel-
guter Partner für die Gemeinden ist bei der Trink-         zentrum besichtigt.
wasserversorgung. Ein guter Partner ist bei der
Abwasserversorgung. Ein guter Partner ist bei                   Und wie wir beim Altstoffsammelzentrum, das
allen anderen Aufgaben, die es zu erfüllen gilt.           allerdings neu errichtet ist - wir haben das ja im
Alfred Riedl hat es heute schon angesprochen:              Bezirk Melk so gelöst, dass wir immer für vier, fünf
Ein ganz wichtiges Ergebnis bei den NÖKAS-Bei-             Gemeinden ein gemeinsames Altstoffsammel-
trägen, dass hier also um zwei Prozent die Steige-         zentrum haben - und wie ihnen dieses Altstoff-
rung geringer ausfällt für die Gemeinden. Eine             sammelzentrum vorgestellt wurde, hat der Bür-
Leistung, wo ganz deutlich wird, dass das Land             germeister aus Jablines gesagt: Combien ça
Niederösterreich seine Aufgabe, Partner für die            coûte? Was kostet das? Könnt ihr euch das über-
Gemeinden zu sein, auch nicht nur ernst nimmt,             haupt leisten? Und ich habe gesagt, 149,80 Euro,
sondern auch in die Praxis umsetzt.                        knapp 150 Euro für die Bürger pro Haushalt im
                                                           Jahr. Da hat er gesagt: Parlez lentement. Je ne
     Zur Kostendeckung, und wenn Herr Wald-                comprends pas. Sprechen Sie langsam. Ich kann
häusl gesprochen hat von Gebührenlawine und                das nicht verstehen.
ungerecht, dann ist die Frage, was ist gerecht. In
einer wirtschaftlichen Aufgabenstellung ist jenes               Sage ich wieso? Er kann das deswegen nicht
gerecht, dass wir die Kostendeckung bei den Ge-            verstehen, weil bei ihnen die Müllgebühr das
bühren machen und nicht auf eine versteckte Art            Doppelte ist. Er sagt, bei ihnen ist die Müllgebühr,
über die Steuereinhebung alle Bürger zahlen las-           Region Jablines, südlich von Frankreich, 300 Euro
sen. Das heißt, einerseits hilft das Land, um ver-         pro Familie und Haushalt, nicht 150 wie bei uns.
tretbare Gebühren machen zu können, anderer-               Bei einer wesentlich schlechteren Abholungsmo-
seits sind wir auch hier bei diesen Fragen kosten-         dalität, nämlich längere Intervalle, keine so gute
deckend.                                                   Mülltrennung und vor allem keine Anlagen wo
                                                           man überdacht den Müll übernehmen kann! Also
     Und da ist vielleicht eines noch anzuführen:          die waren ganz begeistert, haben gesagt:
Ich sehe es sehr positiv, dass es in vielen Berei-         Freunde, könnt ihr zaubern? Wie macht ihr das?
chen PPP-Modelle gibt, wo mit EVN Wasser und               Ich habe gesagt, relativ einfach: Bei uns haben
durchaus über Verbände diese Aufgaben gemein-              sich 40 Bürgermeister zusammen getan um eine
sam, besser und effizienter organisiert werden.            gute, konstruktive Lösung zu machen. Und sie
Nur, die Bürger wissen auch, liebe Herren der              müssen in Paris fragen gehen, ob das gescheit ist
Freiheitlichen, und dazu gibt’s eine Studie des            oder nicht. Und da sehen wir ganz deutlich den
Österreichischen Gemeindebundes, dass es ih-               Unterschied zwischen Zentralismus, der teuer ist
nen wesentlich lieber ist und dass mit einem ho-           und zwischen Föderalismus. Dort, wo wir die
hen Prozentsatz die Bürger sagen, der Gebüh-               Probleme draußen bürgereffizient lösen können.
renhaushalt und die Gebührenhoheit sollen nicht            (Beifall bei der ÖVP.)
privatisiert werden, sondern sollen Aufgabe der
Gemeinde und der öffentlichen Hand bleiben.                     Ich komme noch zu einem Punkt, zur Frage
Weil sie der Gemeinde vertrauen und hier ganz              der Bürgermeisterentschädigung. In der Praxis
einfach Verlässlichkeit verspüren. Das ist das             würde man sagen, es ist nicht die Frage, was es
Ergebnis der Studie. (Beifall bei der ÖVP.)                kostet, sondern es ist die Frage was einer bringt.
                                                           Und daher ist, glaube ich, auch ganz wichtig, dass
     Der Vergleich macht uns sicher. Ich habe              wir dann, wenn wir eine hohe Qualität von Per-
vorige Woche in Vertretung von Präsident Mödl-             sönlichkeiten in den Gemeinden haben wollen –
hammer eine französische Delegation aus dem                und die haben wir Gott sei Dank – dass dann
Departement rund um Jablines, südlich von Paris,           auch eine entsprechende angemessene Entschä-
begleiten dürfen. Die waren auch in Niederöster-           digung erfolgt. Und wenn man sich diese nieder-
reich unterwegs und waren auch in meiner Ge-               österreichische Regelung im Bundesländerver-
meinde zu Besuch. Wir haben da verschiedene                gleich anschaut, dann liegen wir im Mittelfeld.
Dinge besucht. Einerseits haben sie die Höhere             Wenn man es sich europaweit anschaut, sowieso.




                                                     159
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Auch da könnte ich einen Vergleich mit Frankreich               Weil sie ganz einfach das ganze Jahr hin-
bringen.                                                   durch dafür Sorge tragen, dass das Service für
                                                           die Bürgerinnen und Bürger, ob es im Bereich der
     Das heißt, es geht darum, dass wir den Bür-           Privatwirtschaftsverwaltung der Gebühren, ob es
gern auch klar sagen wollen, dass eine Leistung            im Bereich der Hoheitsverwaltung oder ganz ein-
auch eine gewisse Entschädigung nach sich zie-             fach persönlich mit den Bürgern sich darum küm-
hen soll, dass das auch wichtig ist. Und darauf            mern, dass die Lebensqualität in den Gemeinden
können wir auch stolz sein. Weil es wichtig ist,           funktioniert. (Beifall bei der ÖVP.)
dass diese Leistung auch für die Bürgerinnen und
Bürger erbracht wird, mit hoher Qualität. Weil es                Zweiter Präsident Nowohradsky: Hohes
wird am Sonntag um drei Uhr in der Früh ein                Haus! Ich möchte folgende Feststellung treffen.
Rohrbruch passieren, wo man sich darum küm-                Gemäß § 57 Abs.2 ist der Präsident nicht an die
mern muss, dass das behoben wird. Es haben die             Reihenfolge gebunden, in der die Wortmeldungen
Bürger zu jeder Tages- und Nachtzeit ganz ein-             abgegeben werden. Er ist aber auch bei der Zu-
fach oft Anliegen, und das ist vor allem gerade in         teilung der Reden nicht völlig frei, sondern hat
den ländlichen Gebieten so, dass jeder Bürger-             darauf zu achten, dass die unter Umständen ge-
meister immer auch die direkte Ansprechperson              genseitigen Standpunkte so vorgebracht werden
ist und für die Bürgerinnen und Bürger ganz ein-           können, damit die Reden im Sinne einer lebendi-
fach effizient zur Verfügung steht.                        gen parlamentarischen Debatte aufeinander ein-
                                                           gehen können. Mir wurde eben Abgeordneter
      Und da muss ich schon sagen, mit dem                 Huber als nächster Redner angekündigt und ich
Schmäh, mit dem ihr gearbeitet habt, liebe Frei-           habe angenommen, er möchte im Sinne einer
heitlichen, auf Bundesebene, nämlich damals mit            parlamentarischen Diskussion hier daran teilneh-
dem Haider-Schmäh von den 60.000 Schilling, wo             men. Ich möchte also nicht von der Reihenfolge
dann über verschiedene Konstruktionen, die                 abgehen. Ich möchte aber auch darauf hinweisen,
heute alle aufgedeckt werden müssen, Dinge ans             dass es doch die Aufgabe des Präsidenten ist, die
Tageslicht kommen, die nicht in Ordnung sind, da           Rednerliste nach eigenem Ermessen einzuteilen,
muss man sagen, es schaut nicht gut aus. Wenn              wenn er glaubt, dass das zur Belebung der demo-
die Rechten linke Partien machen, da kommt                 kratischen, aber auch zur parlamentarischen Dis-
nichts Gescheites heraus. (Abg. Waldhäusl:                 kussion beiträgt. Da ich aber nicht im Vorhinein
Darum habt ihr so viel gewonnen, ihr Schmäh-               weiß, wie jeder Abgeordnete und was er sagen
führer!)                                                   wird, erteile ich Herrn Abgeordneten Ing. Huber
                                                           jetzt das Wort.
     Abschließend darf ich … Du kannst dich noch
zu Wort melden. Der Herr Kollege Huber ist ja eh               Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrter Herr
noch dran. Und wenn ihr schon davon gespro-                Präsident! Hoher Landtag!
chen habt, wahrscheinlich scheut er es, aber Herr
Huber, ich kann ja Blindenmarkt vergleichen,                    Es freut mich, dass der Herr Präsident so
deine Gemeinde. Du bist Abgeordneter, du bist ja           hohe Erwartungen in meinen Beitrag legt. Aber
auch als Landesgeschäftsführer wahrscheinlich              ich freue mich immer wenn man aus dem gleichen
für die Partei nicht wertlos, sondern mindestens           Bezirk stammende Landtagsabgeordnete, wenn
so wertvoll wie als Abgeordneter. Und wenn ich             man da hintereinander redet, glaube ich. Das
das so ein wenig zusammen rechne, dann kann                lockert das ein bisschen auf.
ich mir vorstellen, dass in Blindenmarkt der Bür-
germeister, der Vizebürgermeister, die ge-                      Ich darf einige Sache vielleicht festhalten. Für
schäftsführenden Gemeinderäte, die Ausschuss-              mich ist es eine große Ehre, Landesgeschäftsfüh-
obleute und die Gemeinderäte wahrscheinlich                rer der Freiheitlichen Partei … (Zwischenruf bei
ungefähr zwei Drittel von dem miteinander haben,           Abg. Mag. Karner.)
was du für deine beiden Aufgaben im Land hast.             Ja, natürlich. Aber der Karl hat immer neue Ideen
                                                           und da kann man ein bisschen darüber reden.
    Das heißt, da sieht man es ganz einfach ein-
mal deutlich, dass die Gemeindefunktionäre nicht               Ich möchte einfach sagen, meine Tätigkeit als
überbezahlt sind, sondern eine kleine, angemes-            Landesgeschäftsführer freut mich genauso wie
sene Entschädigung bekommen, die wichtig ist               meine Tätigkeit als geschäftsführender Gemein-
um deren Aufgabe auch abzugelten. (Abg. Wald-              derat der Marktgemeinde Blindenmarkt, für die ich
häusl: Dass die Bürger abgezockt werden!)                  eine Aufwandsentschädigung erhalte. Für meine




                                                     160
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Tätigkeit als Landesgeschäftsführer erhalte ich             gen. Aber zuerst als Vorschlag und als Vorbildwir-
keine Aufwandsentschädigung und auch kein                   kung: Vorher wird bei uns gespart bei den Ge-
Gehalt.                                                     meindemandataren, und dann kann man die an-
                                                            deren Sachen ausschöpfen.
     Weil du Blindenmarkt jedes Mal ansprichst.
Mich freut es. Ich möchte bei Blindenmarkt kurz                  Wir sind jetzt zirka 8 Monate nach der Ge-
erklären: Blindenmarkt gibt es seit der Wahl 2000           meinderatswahl. In den acht Monaten muss
im Gemeinderat eine Vertretung der Freiheitli-              Schlimmes passiert sein. Vorher war alles eitel
chen, erstmalig mit drei Mandaten eingezogen,               Wonne, es war alles bestens, die Bürgermeister
zur Zeit mit 30,9 Prozent, mit sechs Mandaten, im           erzählten, was nicht alles errichtet wird in den
Gemeinderat vertreten. Was uns sehr freut. In               nächsten Jahren. Es wird vom Gehsteig bis zur
zehn Jahren haben wir eigentlich fünf Mandate               Zufahrtsstraße oder was auch immer, es ist alles
der ÖVP weggenommen, die nur mehr bei 11 statt              in Ordnung, es lässt sich alles finanzieren. Und
16 hält. Wir werden so weiter arbeiten. Das ist das         jetzt auf einmal, seit der Sommersitzung, ist das
Wichtige.                                                   Gebührengespenst im Land. Ein Gespenst, das
                                                            immer mehr sichtbar wird. Ich glaube, vor Jahres-
      Ich habe nie gesagt, dass ich dieses Mal als          schluss wird aus diesem Gespenst die nackte
Bürgermeister antrete. Habe mich beworben als               Wahrheit werden. Ich glaube, 1,5 Millionen Nie-
Gemeinderat und dort sehe ich auch meine Auf-               derösterreicher wurden vor der Wahl getäuscht.
gabe zur Zeit im Gemeinderat der Marktgemeinde              Und jetzt müssen sie auch mit ihrem schwer ver-
Blindenmarkt, weil dort auch einiges im Argen               dienten Geld diese Gebührenlawine bewerkstelli-
liegt. Damit sind wir schon bei den Gebührener-             gen.
höhungen.
                                                                 Nicht nur, dass der Landeshauptmannstell-
    Auch bei uns stehen sie bei der nächsten                vertreter Sobotka eine Milliarde Euro verspekuliert
montäglichen Vorstandssitzung auf dem Pro-                  hat, oder mittlerweile schon, glaube ich, mehr
gramm, von der Hundeabgabe bis zum Friedhof.                wenn man es jährlich rechnet, auch –zig Bürger-
Die Aufschließungsabgabe von 327 Euro auf 390               meister sind in und ihren Vertretern auf den Leim
Euro. Man hat, das war das Einzige, weil der Vor-           gegangen und haben Hunderte oder Millionen von
schlag vom Gemeindevertreterverband war ja                  Euro verspekuliert. Aber was fällt den so ge-
auch bei 450 Euro bei der Aufschließungsabgabe              nannten noch-staatstragenden Parteien ÖVP und
zu erhöhen, das hat man, kann man jetzt vielleicht          SPÖ ein? Sie empfehlen Erhöhungen. Anstatt
auf unser Wirken …, dann zurückgezogen bei der              dass man wirklich vorher einmal schaut, wo kann
Gemeinderatsitzung wo das schon beschlossen                 man einsparen. Wir haben das schon beim Lan-
werden sollte. Und hat sich zumindest diese 60              desbudget kritisiert. Da sind ja auch die Familien-
Euro erspart und steht jetzt bei 390 zur Verhand-           und Sozialleistungen gekürzt worden. Aber ge-
lung.                                                       rade bei Repräsentation und so genannter Kunst
                                                            wurde kräftig erhöht.
     Vorher wurde angesprochen der Gebühren-
haushalt. Natürlich soll der in der Gemeinde blei-               Und da gibt’s solche Schreiben, ich möchte
ben. Ich glaube, es ist ureigenst die Aufgabe der           nur ein paar Eckpunkte daraus zitieren, die an die
Gemeinde, hier dem Bürger Rechenschaft zu                   Bürgermeister gehen, ganz egal ob SPÖ oder
leisten. Und es kann nicht sein, dass man eigent-           ÖVP, wie es aufgeteilt ist. Ich muss einmal nach-
lich jeden Tag oder jede Woche irgendwo in der              fragen, was so ein Bürgerlistengemeinderat …, ob
Zeitung liest, wo wieder irgendwas privatisiert             die auch von euch Schreiben bekommen oder ob
wurde, an die EVN verkauft wurde. Wo der Ge-                die sich selber irgendwelche Schreiben schicken,
bührenhaushalt sozusagen an die Börse gebracht              weiß ich nicht. Ich kenne nur die zwei Schreiben
wird. Ich glaube, es kann nicht sein, dass mit Ab-          von ÖVP und SPÖ. Da sind die Eckpunkte, kom-
gaben an der Börse spekuliert wird. (Beifall bei            plettes Herunterfahren der Vereinsförderungen,
der FPÖ.)                                                   Maximumeinhebung der Gebühren bei Kanal,
                                                            Wasser und Müll, Eintreibung von Abgabenstun-
    Zum Kollegen Dworak noch ganz kurz wegen                dungen, Erhöhung und Vorauszahlung der Auf-
der Gemeinde Gföhl. Der erwähnte Antrag wurde               schließungsabgabe auf 450 Euro. Ein Kassenbei-
zurückgezogen, es gibt zur Zeit dort Verhandlun-            trag für Musikschulkinder von 33 Prozent. Keine
gen. Wenn es zu einer Reduzierung der Gemein-               Förderung der Erwachsenenbildung in der Musik-
demandatargehälter kommt von mindestens 25                  schule. Anhebung des Mietzinses in den Gemein-
Prozent, dann wird man mit einem neuen Vor-                 dewohnungen. Massive Verteuerung von Essen
schlag eventuell eine Gebührenerhöhung überle-              auf Rädern, Kostenbeitrag für Schul- und Kinder-




                                                      161
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


gartentransport. Massive Einsparungen bei Feu-               wenn man diesen Bericht vom Rechnungshof
erwehren.                                                    liest, wirklich von diesen 315 Vorschlägen … Na-
                                                             türlich sind einige zu weitreichend. Aber ich
     Wir haben heute schon gehört, die Feuer-                glaube, da kann man sehr viel heraus lesen, wie
wehren, die sind uns alles wert. Uns sind sie wirk-          wir unsere Zukunft erfolgreich gestalten können,
lich alles wert. Aber wenn man dann …, die eine              wie wir die Herausforderungen annehmen können
Partei greift die andere an, die sagt, ihr wollt die         und wie man gemeinsam Lösungen erwirken
zusammenlegen und dann macht man es halt,                    kann.
weil die ÖVP vielleicht ein bisschen geschickter
umgehen kann damit, macht das einfach, in dem                     Jetzt sind wir bei den Lösungen. Oder wo
man die Mindestausrüstungsverordnung zurück-                 kommt das Geld hin? Es gibt so viele unnötige
zieht und damit diese Zusammenlegung durch                   Ausgaben. Schon mehrmals angesprochen das
diese nicht vollständige Ausrüstung der Feuer-               Nitsch-Museum, wo unter dem Deckmantel
wehren erwirkt, dann ist das, glaube ich, eigent-            Kunstförderung wirklich Millionen und Unsummen,
lich ein bisschen nicht unbedingt ein ehrlicher              nicht nur vom Land, sondern auch von manchen
Weg.                                                         Kommunen, verschwendet werden, muss man
                                                             eigentlich sagen.
     Dann sind wir eigentlich bei den Sachen,
wieso schaut es wirklich so schlecht aus? Wir                     Aber eines muss man immer bedenken bei
haben lauter fleißige Bürger, wir haben fleißige             dieser ganzen Debatte: Die Familien und Bürger
Arbeitnehmer in Niederösterreich, die ihre Steu-             haben für dieses Finanzchaos in Bund, Land und
erleistung bringen. Aber Gottfried Waldhäusl hat             Gemeinden, die haben dafür keine Verantwor-
schon angesprochen, in einigen Gemeinden                     tung. Sie haben nicht über ihre Verhältnisse ge-
schaut es wirklich ganz traurig aus. Wenn ich jetzt          lebt. Sie haben keine Prestigeprojekte ohne finan-
Krems hernehme. 109,9 Millionen, also 4.616                  zielle Bedeckung durchgeführt. Sie haben nicht
Euro pro Gemeindebürger. Waidhofen a.d. Ybbs                 Schulden für Kinder und Kindeskinder angehäuft.
48,1 Millionen. Und da gibt’s heute, ich mein, das           Sie haben nicht an den internationalen Finanz-
ist nur als kleines Zuckerl dazu, hat es heute eine          märkten gespielt. Sie haben auf ihre Finanzen
Anfragebeantwortung wegen des Schlosses an                   geschaut und sind verantwortungsvoll mit dem
der Eisenstraße in Waidhofen a.d. Ybbs gegeben               ihnen zur Verfügung stehenden Geld umgegan-
von       Herrn      Landeshauptmannstellvertreter           gen.
Sobotka. Wo er dann sagt, diese 45 Millionen, die
es voriges Jahr waren mit 2009, das ist eigentlich                Sie haben im Gegensatz zu manchen, sie
gar nicht … also da sind die Gemeindefinanzen                haben, wie es für einen verantwortungsvollen
der Gemeinde Waidhofen a.d. Ybbs nicht gefähr-               Familienvater üblich ist, jeden Cent zweimal um-
det durch 45 Millionen Euro Schulden.                        gedreht und jede Ausgabe auf deren Notwendig-
                                                             keit geprüft. Wir stehen hier als Familie Nieder-
    Also ich glaube, wir sollten da wirklich andere          österreich. Nachdem jetzt die Kassen leer sind,
Maßstäbe hernehmen und uns endlich bei der                   die Wohnbaugelder sind verspekuliert und Schul-
Nase nehmen und die Sachen, die Schulden, die                den angehäuft, jetzt werden ungerecht diverse
es gibt, beim Namen nennen und wirklich Vor-                 Gebühren erhöht und es wird der Niederösterrei-
schläge machen. Vorschläge, wie wir unsere Fi-               cher von der Wiege bis zur Bahre abgezockt.
nanzen - Land, Bund und Gemeinden - wirklich
sanieren können.                                                  Ich habe jetzt leider nicht mehr die Redezeit,
                                                             dass ich auf das Bundesbudget … Ich glaube, da
     Vorschläge liegen auch auf, hat, glaube ich,            sind wir uns auch im Land Niederösterreich,
jeder Abgeordnete bekommen vom Rechnungs-                    glaube ich, gibt’s da eine vielleicht auch über
hof, 315 Vorschläge. Eine große Verwaltungsre-               Parteigrenzen hinweg, in gewissen Punkten eine
form wie sie schon lange angekündigt wird, immer             Einigkeit, dass hier wirklich diesem Budget, das
wieder darüber gesprochen wird. Landeshaupt-                 vorgelegt worden ist, dass hier noch wirklich die
mann Pröll, wie er den Vorsitz über die Landes-              Zähne gezogen werden müssen in einigen Punk-
hauptleutekonferenz übernommen hat: Seine                    ten. Ich glaube, da sind wir uns …, also in einigen
große Aufgabe sieht er in der Verwaltungsreform.             Punkten sind wir uns einig. Denn, ich glaube, es
Passiert ist nichts! Passieren wird auch in den              hat unser Land, unser Österreich, unser Nieder-
nächsten Jahren nichts, wenn nicht hier endlich              österreich, nur eine Zukunft, wenn wir uns um die
Druck von der Bevölkerung kommt. Denn hier                   Familien kümmern, denn ohne Familien wird es
sind wirkliche Einsparungen möglich ohne die                 keine Zukunft geben. Daher nochmals: Stoppen
Leistungen zu kürzen. Ich glaube, wir können hier,           wir diese Gebührenlawine auf dem Rücken der




                                                       162
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Bürger und sorgen für wirklich sorgenvoll und mit           des sachlichen Zusammenhanges gemeinsam zu
Weitsicht für unsere Mitbürger. (Beifall bei der            verhandeln. Berichterstattung und Abstimmung
FPÖ.)                                                       werden jedoch getrennt erfolgen. Wird gegen
                                                            diese Vorgangsweise ein Einwand erhoben? Das
   Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                   ist nicht der Fall. So ersuche ich Frau Abgeord-
gemeldet ist Herr Abgeordneter Mag. Karner.                 nete Adensamer, zuerst zum Geschäftsstück Ltg.
                                                            636/A-1/48 und danach zum Geschäftsstück Ltg.
    Abg. Mag. Karner (ÖVP): Sehr geehrter Herr              663/A-1/50 zu berichten.
Präsident! Hoher Landtag!
                                                                 Berichterstatterin Abg. Adensamer (ÖVP):
     Ich möchte mich einmal kurz zu Wort melden,            Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich
weil es mir wirklich ein Anliegen ist. Da kommt der         berichte zum Antrag der Abgeordneten Mag.
Herr Huber, Landesgeschäftsführer der FPÖ,                  Schneeberger u.a. betreffend gefährdete Schul-
heraus, spielt den großartigen Moralapostel,                standorte in Wr. Neustadt.
drischt auf alles hin was sich nur bewegt, vom
Landeshauptmannstellvertreter bis hin zu den                    Es geht, ganz kurz gesagt, darum, dass jene
Bürgermeistern, bis hin zu den Gemeinderäten.               Schulen, die derzeit von der Stadtgemeinde Wr.
Ich halte das für unerhört! Und das von einem               Neustadt geführt werden, vom Bund übernommen
Landesgeschäftsführer jener Partei, wo ein Par-             werden, damit sie nicht in Gefahr kommen. Aber
teiobmann gestern zu fünf Jahren verdonnert                 weiters sollten auch Schulen, die das Land führt
wurde wegen versuchten Mordes in Traismauer.                und damit für den Bund einspringt, vom Bund
In Traismauer, wo vor wenigen Monaten der Par-              übernommen werden. Und daher stelle ich den
teiobmann der Blauen zurücktreten musste, weil              Antrag des Schul-Ausschusses über den Antrag
er eine rechtsnationale Partei gegründet hat. Das           der Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a. (liest:)
ist das Sittenbild der Blauen! Und der Geschäfts-
führer stellt sich da heraus und spielt den Moral-
                                                                „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
apostel? Solche Volksvertreter brauchen wir wirk-
lich nicht! Vielen Dank! (Beifall bei der ÖVP und
SPÖ.)                                                            Die Landesregierung wird aufgefordert, bei
                                                            der Bundesministerin für Unterricht und Kunst
   Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                   darauf hinzuweisen, dass der Bund seine Kom-
gemeldet Herr Klubobmann Waldhäusl.                         petenzen im Bereich des Schulwesens wahrneh-
                                                            men soll und daher umgehend in ernsthafte Ver-
   Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident!                    handlungen über die Übernahme der genannten
Werte Kollegen des Landtages!                               Schulen tritt, sodass rasch die Voraussetzungen
                                                            für einen gesicherten Schulbetrieb geschaffen
     Ich werde es jetzt nicht mündlich machen,              werden. Die Frau Bundesminister möge im Sinne
aber ich werde schriftlich euren Klubobmann, dir            der Antragsbegründung darauf hingewiesen wer-
lieber Klaus, eine Liste übermitteln von all jenen          den, dass die Länder bereit sind rasch die Ver-
Mitgliedern und Bürgermeister etc. der ÖVP, die             handlungen über die Neuordnung des Schulwe-
in den letzten 10 Jahren verurteilt wurden. Und             sens mit dem Ziel abzuschließen, dass die Orga-
dann bitte werden wir darüber sprechen.                     nisation des Schulwesens von den Ländern vor-
                                                            genommen wird.“
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Nun lie-
gen keine weiteren Wortmeldungen mehr vor.                      Sehr geehrter Herr Präsident, ich ersuche um
Somit erkläre ich die Aktuelle Stunde zum Thema             Durchführung der Debatte und Durchführung der
„Oben sparen statt drüberfahren – stoppt die un-            Abstimmung.
gerechte Gebührenlawine“ für beendet.
                                                                  Ich berichte zu Ltg. 663/A-1/50, das ist der
     Zum nächsten Tagesordnungspunkt beab-                  Antrag der Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a.
sichtige ich, die Geschäftsstücke Ltg. 636/A-1/48,          betreffend Änderung des NÖ Pflichtschulgesetzes
gefährdete Schulstandorte in Wr. Neustadt, den              – Sprachförderkurse. Hier geht es darum, dass
Antrag der Abgeordneten Mag. Schneeberger u.a.              die Sprachförderkurse, die sehr erfolgreich sind,
betreffend gefährdete Schulstandorte in Wr. Neu-            auf zwei Jahre, zwei Unterrichtsjahre, ausgedehnt
stadt, und Ltg. 663/A-1/50, Pflichtschulgesetz,             werden sollen, nicht wie bisher nur auf ein Unter-
Antrag mit Gesetzentwurf der Abgeordneten Mag.              richtsjahr. Und weiters gibt es einige Zitatsberich-
Schneeberger u.a. betreffend Änderung des NÖ                tigungen. Ich darf daher den Antrag verlesen
Pflichtschulgesetzes, Sprachförderkurse, wegen              (liest:)




                                                      163
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


     „Antrag des Schul-Ausschusses über den                       Liebe Damen und Herren von der ÖVP, wir
Antrag mit Gesetzentwurf der Abgeordneten Mag.               sollten tatsächlich ein bisschen darüber nach-
Schneeberger, Nowohradsky, Bader, DI Eigner,                 denken, wo ist der Föderalismus besser ange-
Ing. Pum, Rinke und Ing. Schulz betreffend Ände-             bracht und wo ist es besser, gewisse zentrale
rung des NÖ Pflichtschulgesetzes – Sprachför-                Mechanismen zu haben? Aus meiner Sicht, und
derkurse.                                                    ich habe das immer wiederum betont und möchte
                                                             das auch heute machen, aus meiner Sicht ist das
     Der Hohe Landtag wolle beschließen:                     Bildungswesen ein Thema, wo ganz klar und
                                                             deutlich der Zentralismus die bessere Form ist als
1.   Der dem Antrag der Abgeordneten Mag.                    der Föderalismus. Das Bildungswesen ist die
     Schneeberger u.a. beiliegende Gesetzent-                existenzielle Zukunftsfrage. Ich glaube, dass Bil-
     wurf betreffend Änderung des NÖ Pflicht-                dungswesen nur effektiv und richtig geführt wer-
     schulgesetzes – Sprachförderkurse wird ge-              den kann, wenn es zu keiner Verländerung
     nehmigt.                                                kommt, zu keiner Kleinstädterei kommt. Sondern
                                                             der Bund ganz klar hier die Vorgaben gibt, Ge-
2.   Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,               setzgebung macht und die Aufgaben- und Aus-
     das zur Durchführung dieses Gesetzes-                   gabenverantwortung trägt.
     beschlusses Erforderliche zu veranlassen.“
                                                                   Man stelle sich nur vor, wenn das nicht der
     Sehr geehrter Herr Präsident, ich ersuche um            Fall ist, auch wenn das die ÖVP aus ihrer Sicht
Einleitung der Debatte und Durchführung der Ab-              bestreitet, dass es dann zu neun verschiedenen
stimmung.                                                    Bildungssystemen kommt. Ich weiß, das wird be-
                                                             stritten. Es muss aus meiner Sicht dann dazu
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Danke für                 kommen, zumindest ist dann die Möglichkeit ge-
die Berichterstattung. Ich eröffne die Debatte.              geben. Meine Damen und Herren, stellen Sie sich
Zum Wort gelangt Herr Klubobmann Mag.                        nur vor, wenn man auf Deutschland repliziert,
Leichtfried.                                                 Bayern, der Bundesstaat Bayern, das Bundesland
                                                             Bayern, hat doppelt so viele Einwohner als Öster-
    Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Sehr geehrter               reich und hat ein einheitliches Bildungssystem.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und
Herren des Hohen Hauses!                                          Ich kann daher nur appellieren, sich in dieser
                                                             Frage, der Frage des Bildungswesens, nicht zu
     Ja, es ist schon ein wenig eigenartig. Ich              sehr einzukapseln und jedem Diskussionsprozess
habe jetzt fast drei Stunden sehr aufmerksam                 sozusagen aus dem Weg zu gehen und zu ver-
zugehört und würde sagen, man hat ein neues                  hindern. Ich glaube, dass dieser Weg nicht richtig
Feindbild entdeckt. Ein neues Feindbild auf der              ist.
Seite der ÖVP. Dieses Feindbild kann ganz
einfach mit dem Wort „Zentralismus“ beschrieben                   Meine Damen und Herren, es ist heute schon
werden. Ich war in den letzten Tagen bei gemein-             einmal gefallen. Es ist ja nicht nur meine per-
samen Veranstaltungen. Und es gibt fast keine                sönliche Meinung. Es ist nicht nur die Meinung
Rede mehr, egal ob es sich um den Landes-                    der SPÖ Niederösterreich und unseres Klubs,
feiertag, ob es sich um Ehrungen und Verabschie-             sondern es sind viele, viele Bildungsexperten,
dungen, um Landtagsreden – so wie heute – han-               Entscheidungsträger, Verantwortliche aus der
delt, überall wird sozusagen dieser Begriff des              Wirtschaft und Nahestehende der ÖVP genau
Zentralismus bzw. Zentralismus versus Föderalis-             dieser selben Meinung.
mus ins Spiel gebracht. Mit gutem Recht - von der
ÖVP-Seite aus gesehen.                                            Klubobmann Schneeberger, lieber Klaus, du
                                                             hast heute gemeint, es gibt auch bei der ÖVP
     Ich denke nur, so einfach wie man es sich               schwarze Schafe. Aus deiner Sicht. Aber es sind
hier macht, kann man es sich nicht machen. Die               viele, schon sehr viele schwarze Schafe, die aus
bösen Zentralisten auf der einen Seite, sie werden           deiner, aus eurer Partei kommen und die genau in
an den Pranger gestellt. Es wird irgendetwas tief            dieser Frage eine andere Meinung haben.
in ihre Gefühlswelt hinein interpretiert und es sind
auf der einen Seite die Gutmenschen, auf der                     Darf ich zum zweiten Teil dieses Antrages
anderen Seite die Bösmenschen. Ich habe in                   kommen. Hier wird die Aufforderung gestellt an
einer Zeitung gelesen und das sollte man nicht so            den Bund, die Kompetenzen sozusagen wahrzu-
von der Hand weisen, die Republik Österreich am              nehmen in der Form der Verbundlichung gewisser
Gängelband der Landesfürsten.                                Standorte. Zunächst möchte ich feststellen, dass




                                                       164
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


die Standorte, die aufgezählt worden sind, dass             man irgendjemand, sage ich, was auswischen
der Schulbetrieb dieser Standorte gesichert ist.            möchte und beweisen möchte, dass der Födera-
Ich darf auch festhalten, dass aus meiner Sicht             lismus in dieser Frage der Bildungsfragen besser
das Match zwischen der NÖ Volkspartei auf der               ist als wie der … (Abg. Moser: Stimmt nicht! Es
einen Seite und ein Match eines weiteren Feind-             gibt Gespräche und Verhandlungen!)
bildes, das man sich geschaffen hat, fortgeführt            Stimmt nicht? Ist meine Information auf jeden Fall.
wird. Nämlich das Feindbild der Frau Ministerin
Claudia Schmied.                                                 … besser ist als der Zentralismus, das ist
                                                            nicht gerechtfertigt. Also ich habe die Information,
     Hier geht es darum, dass man sie auffordert,           dass es abgelehnt ist. Wenn es nicht stimmt, dann
Kompetenzen wahrzunehmen. Ich sage jetzt ganz               … Ich möchte keine Behauptung aufstellen, die
klar und deutlich, meine sehr geehrten Damen                nicht richtig ist. Es ist mir so gesagt worden. Aber
und Herren, ich weiß nicht, ob sie das selbst so            angesucht wurde jedenfalls beim Landwirtschafts-
verfolgt haben. Ich nehme es an, weil es entgeht            ministerium. Gut.
Ihrer Sichtweise sicherlich nichts was hier in
diesem Land passiert. Daher müssten Sie eigent-                  Also ich denke, meine Damen und Herren,
lich wissen, dass der Antrag zur Prüfung durch              wenn wir wollen – und dafür sind wir auch, um
das Ministerium an den Landesschulrat am 10.                das klar zu sagen. Wir sind auch dafür, dass
Juli 2008 gestellt wurde. Und dass dies am 11.              diese Schulen verbundlicht werden. Dass alle
November, und ich nehme nicht an, dass es mit               diese Schulen, die jetzt nicht in Kompetenz des
dem Faschingbeginn zusammengefallen ist, dass               Bundes sind, die hier angeführt sind, verbundlicht
mit 11. November 2010 erst eine Beantwortung                werden. Dazu ist es aber vor allem auch notwen-
vom Landesschulrat gekommen ist.                            dig, Geld flüssig zu machen. Gelder, die flüssig
                                                            gemacht werden müssen aus dem Finanzministe-
     Daher stelle ich mir schon die Frage wo hier           rium. Ich bitte Sie bei Ihrem Finanzminister und
die Fehler liegen und wie schnell und effektiv das          Vizekanzler entsprechend vorstellig zu werden.
Land, sage ich, in dieser Frage … Weil man im-              (Beifall bei der SPÖ.)
mer sagt, das ist das Bessere. Es gibt viele Dinge,
wo das Land und kleinere Einheiten besser ar-                   Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
beiten. Aber wo ist hier die Effektivität und der           gelangt Herr Abgeordneter Weiderbauer.
Schnelligkeit gewesen in der Bearbeitung dieses
Auftrages, der vor 28 Monaten gegeben wurde?                   Abg. Weiderbauer (Grüne): Herr Präsident!
                                                            Hohes Haus!
    Wenn Sie diesen Antrag jetzt stellen, müssen
Sie eigentlich nachdenken darüber, wem Sie mit                   Ich beginne mit dem Gesetzesantrag Ände-
diesem Antrag Ihr Misstrauen aussprechen. Sie               rung Pflichtschulgesetz, der mir als unspektakulär
sprechen aus meiner Sicht, aus unserer Sicht,               erscheint und den man durchaus durchwinken
damit dem Landesschulrat, dem Präsidenten, den              kann bzw. die Zustimmung geben kann. Er enthält
zuständigen Beamten, die das eben zu bearbeiten             zwar mit den Sprachförderkursen ein sehr positi-
gehabt hätten, eigentlich das Misstrauen aus. Ich           ves Detail, wird aber trotzdem unseren Bildungs-
denke, das ist Ihre Sache, die Sie sich überlegen           notstand und Reformstillstand, den wir in Nieder-
müssen.                                                     österreich und auch in Österreich haben, nicht
                                                            tiefgreifend verändern.
     Eine zweite Sache, die mir doch sehr eigen-
artig vorkommt: In diesem Antrag sind ja nicht nur              Er erinnert mich im Gegenteil ein bisschen
die Schulen Wr. Neustadt drinnen, sondern sind              daran, was wir vor kurzem beschlossen haben in
auch andere Schulen wie Ternitz aufgezählt, wo              diesem Haus, und zwar die Kompetenzverschie-
das mehr oder weniger schon fast erledigt ist. Es           bungen vom Bezirksschulrat zu den Leitungen der
wird die HLW Yspertal genannt. Meine sehr ge-               Schulen und zum Landesschulrat. Die waren
ehrten Damen und Herren, die HLW Yspertal,                  ebenfalls bestenfalls Kosmetik und keine Refor-
Karl, deine Schule in deiner Gemeinde, hat einen            men. Und noch dazu, und das haben wir damals
Antrag auf Verbundlichung gestellt. Aber weißt du           schon befürchtet, auch zu Irritationen führend.
wo? Du weißt es sicher. Nicht beim Bundes-
ministerium für Unterricht, sondern beim Landwirt-              Ich war gestern oder vorgestern bei einer
schaftsministerium. Und du weißt auch, dass die-            Konferenz dabei, wo 20 Minuten über Reiserech-
ser Antrag vom Landwirtschaftsministerium be-               nungen diskutiert worden ist. Und genau diese
reits abgelehnt wurde. Ich denke, das sollte man            Reiserechnungen, die vorher in der Kompetenz
bei allen diesen Anträgen, die man so macht, wo             der Bezirksschulräte waren, die auch nicht sehr




                                                      165
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


gut damit umgehen haben können, sind jetzt in                      Für mich ist dieser Antrag der ÖVP sympto-
der Kompetenz der Leiterinnen, die noch weniger              matisch. Und ich habe auch jetzt dieses Schrei-
gut umgehen können damit. Und jetzt wird ver-                ben des Landesschulrates in der Hand und der
handelt und nachgefragt. Und es gibt auch Be-                Kollege Leichtfried hat das eben gesagt, 2008
amte, die sagen, jetzt weiß ich auch nicht ganz              wurde gebeten seitens des Ministeriums, zu über-
genau. Also hier wird Zeit vergeudet, behaupte ich           prüfen, sind es diese drei Schulen von denen die
jetzt einmal, die man in der Schule viel besser              Rede ist, wert? Ist es wichtig, dass die erhalten
investieren könnte. Das nur so nebenbei zu die-              bleiben? Dass die verbundlicht werden? Dass
sem Antrag.                                                  deren Fortbestand gesichert ist? Und 2010, diese
                                                             28 Monate später, kommt man drauf beim Lan-
     Mir liegen auch zwei Resolutionsanträge vor,            desschulrat, ja, das sollten wir eigentlich doch
die zwar noch nicht eingebracht wurden, aber ich             erledigen. Und denen sagen, bitte macht das, die
nehme trotzdem kurz dazu Stellung. Der eine von              sind es allemal wert dass sie erhalten bleiben.
der FPÖ zur Schulsprache Deutsch. Das ist ja                 Weil, und darauf komm ich dann später zurück,
nichts Neues, und das vergessen wir ganz schnell             dort guter Unterricht und vor allem bedarfsorien-
wieder. Und wir werden dem auch nicht zustim-                tierter Unterricht abgehalten wird.
men. Ein kleines Bonmot am Rande nur: Wenn
ich mir die Hauptschule Loosdorf hernehme, die                    Also: Symptomatisch für mich die Vorgangs-
meine Stammschule ist und das auf alle Schüler               weise der ÖVP bei diesem Antrag, bei der Bil-
jetzt anwenden würde, Schulsprache Deutsch:                  dungsdiskussion. Die Intention, die Schulen zu
Die Loosdorfer, der Kollege Jahrmann wird mir                erhalten, sind wir uns alle einig, ist okay. Wurde
das bestätigen, reden teilweise einen Dialekt, den           auch von uns angeregt. Nur, was die Antragsteller
verstehen die eigenen Lehrer nicht, geschweige               damit machen ist glatter Missbrauch. Mittlerweile
denn Schülerinnen mit Migrationshintergrund.                 ist es so, dass diese überzogene Machtpolitik, die
Also müsste man die auch dazu zwingen, „Schul-               ich gerade im Bildungsbereich von der ÖVP orte,
sprache Deutsch“ einzuhalten. Und ich glaube,                einfach nur vorangetrieben wird ohne Rücksicht
dass unsere Kinder – und da werden sie derma-                auf Verluste. Und da werden die Sorgen der
ßen unterschätzt – das sehr gut regeln können,               Eltern, der Schülerinnen, der Leiter der Schulen,
wie sie sich untereinander unterhalten oder wie              einfach mit Füßen getreten. Weil die waren ja der
sie mit den anderen Schülern sich unterhalten.               Anlass. Die haben an alle Klubs geschrieben, bitte
                                                             tut was für uns! Es schaut so aus, als wären diese
     Auch dem Resolutionsantrag der Abgeord-                 Standorte gefährdet. Der Gemeinderat hat sich
neten Vladyka werden wir nicht zustimmen. Weil               dort auch beschäftigt damit und es konnte abge-
wir der Meinung sind, es kann nicht sein, dass der           wandt werden, dass von Schließungen weiter
Bund Kürzungen im Familienbereich beschließt                 gesprochen wird.
und wir dann als Land mit der Schulstarthilfe wie-
der einspringen einerseits. Auf der anderen Seite                 Das heißt, die ÖVP wird nicht müde, die ei-
wäre es uns lieber, wenn schon geholfen wird,                genen Interessen einfach immer wieder in den
und das halte ich für notwendig, nicht jetzt das             Vordergrund zu stellen und verwendet so Nona-
finanziell mit Geldzuwendungen zu machen, son-               Anträge, wo man sagt, die Landesregierung wird
dern mit Sachunterstützung, Gutscheinen für                  ersucht heranzutreten usw. um Sachen hineinzu-
Schulsachen usw. Also auch dem stimmen wir                   packen, die da überhaupt nichts verloren haben.
nicht zu.                                                    Also das Miteinander, das gerade in der Bil-
                                                             dungspolitik gefordert wäre, wird hier einfach bei-
     Problematischer erscheint mir da schon der              seite geschoben und wir hauen fest hinein und
zweite Antrag. Und ich erinnere mich jetzt an die            gegeneinander. Und wie Kollege Leichtfried sagt,
Wortmeldung von Klubobmann Leichtfried, der                  es gibt nicht nur ein Feindbild, wir haben ja da die
meinte, Debatte Nummer 1 oder Thema Nummer                   Ministerin und die gibt einiges her und da hauen
1 bei der ÖVP ist Zentralismus versus Föderalis-             wir weiter hinein.
mus. Dem stimme ich zu. Und Sie verpacken es
sogar in Anträge hinein, wo es absolut überhaupt                 Es sind also Begründungen hineingepackt,
nichts verloren hat. Ja, Sie machen einfach nicht            die haben wir eh erst vor kurzem da diskutiert.
Halt. Ich breite mich diesbezüglich jetzt nicht mehr         Und zwar die von der niederösterreichischen ÖVP
aus. Das haben wir bei einer letzten Aktuellen               begehrten Kompetenzverschiebungen vom Bund
Stunde schon intensiv diskutiert. Es wird durchaus           zum Land, weil man der Meinung ist - kann man
ein bisschen vorkommen wieder, aber nicht der                schon sein, dass die ÖVP der Meinung ist - es
Hauptteil meines Beitrages sein.                             wird alles besser und kann hier gut organisiert




                                                       166
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


werden, was die Schulverwaltung anbelangt. Aber              len zu erhalten und die dafür vielleicht auch was
ich sehe weit und breit keine Mehrheiten dafür. Es           bezahlen würden. Ich weiß es nicht. Wie auch
gibt in der ÖVP Gruppen, die sagen, nein, bitte,             immer. Trotzdem sind Bund und Land, und das
macht das nicht. Das kann es ja nicht sein! Bei-             wird hin- und hergeschoben, vom Land zum Bund
spiele wurden schon genannt.                                 und umgekehrt, ihr seid beide gefordert, Lösun-
                                                             gen zu suchen.
     So frage ich mich jetzt, was haben diese
Passagen in diesem Antrag verloren? Der Klaus                     Und was bringt es mir in einem Antrag, wo
wird es uns sicher erklären warum das da drinnen             ich in jedem zweiten Satz drinnen lese, die Mi-
steht, da bin ich überzeugt davon. Wir werden es             nisterin, der Bund wird aufgefordert, das
trotzdem nicht akzeptieren, aber soll so sein.               schnellstens zu erledigen. Die haben das eh
                                                             schon gemacht. Und warum ist dann nichts pas-
     Das heißt: Ziel ist es in diesem Fall der ÖVP,          siert in der Zwischenzeit? Werden wir auch hören,
zu provozieren. Ganz eindeutig das Gesprächs-                Klaus, du nickst wohlwollend. Das heißt, du wirst
klima zu vergiften und den Reformstillstand zu               uns genau aufklären. Ich bin schon sehr neugie-
prolongieren. Weil das Gegenteil sollte ja der Fall          rig.
sein. Ihr solltet euch zusammen setzen, oder sehe
ich das falsch? Es gibt ja noch immer diese Koali-                 Daher stellen wir jetzt einen Antrag, wo diese
tion im Bund zwischen SPÖ und ÖVP, die eigent-               entbehrlichen Passagen einfach fehlen. Denn
lich Bildungsthemen behandeln sollten und auch               eigentlich wäre ja der Antrag obsolet. Nachdem
zu einem Ergebnis bringen sollte, womit man was              der Bund schon vorgefühlt hat, er hat gesagt,
anfangen kann in der Schulverwaltung, in der                 schickt uns bitte eine Beurteilung über diese drei
Bildungsreform. Konkrete Ergebnisse, die man                 Schulen, wo dies nicht passiert. Wir nehmen die
auch umsetzen kann und nicht ständig Kosmetik-               Anregung der Eltern, der Schüler, der Kommunal-
gesetze, die uns einfach nicht weiter bringen.               politiker von Wr. Neustadt auf und bringen einen
                                                             Antrag ein, der eben sich nur beschränkt auf das
     Oder, besserer Vorschlag: Überlasst doch                was wesentlich ist. Die Begründung habe ich
den Grünen die Bildungspolitik. Ganz einfach!                schon gebracht (liest:)
(Beifall bei den Grünen. – Abg. Mag. Wilfing: Jetzt
sind wir wirklich im Fasching!)                                                      „Antrag
Für eine grüne Schule, die allen Anforderungen
gerecht wird. Und die Schülerinnen, die Lehrerin-                der Abgeordneten Weiderbauer, Dr. Petrovic,
nen, die Eltern werden euch dankbar sein und                 Dr. Krismer-Huber, Enzinger MSc gemäß § 60
sagen, ihr könnt euch eh nicht einigen, ihr bringt           LGO 2001 zum Verhandlungsgegenstand Ltg.
eh nichts zusammen, lasst es den Grünen ma-                  636 betreffend gefährdete Schulstandorte in Wr.
chen und die werden zeigen, was dabei heraus                 Neustadt.
kommt. (Abg. Ing. Pum: Das ist ja noch ärger als
das Zusperrmodell!)                                               In Wr. Neustadt werden in der Bildungsan-
                                                             stalt für Kindergartenpädagogik (BAKIP), der Hö-
     So. Konkret noch einmal Wr. Neustadt. Mehr              heren Lehranstalt für Mode und Bekleidungstech-
als 1.000 Schülerinnen erhalten seit vielen Jah-             nik (HLM) und der Höheren Lehranstalt für wirt-
ren, wie schon angesprochen, eine sehr bedarfs-              schaftliche Berufe (HLW) insgesamt über 1.000
orientierte, hervorragende Ausbildung in diesen              Schüler/innen unterrichtet. Diese Standorte in
drei Schultypen. Kindergartenpädagogik, Mode-                Niederösterreich sind für eine bedarfsorientierte
schule, wirtschaftliche Fachschule. Und deren                Ausbildung unserer Jugend nicht von unwesentli-
Standorte scheinten oder scheinen durch eine                 cher Bedeutung. Seit geraumer Zeit bestehen
finanziell prekäre Situation in der Stadt gefährdet          Bestrebungen, dass diese drei bisher als städti-
zu sein. Die ihr, ich rede jetzt zur ÖVP, anstatt            sche Bildungseinrichtungen geführte Schulen vom
gemeinsam mit allen Beteiligten nach Lösungen                Bund übernommen werden sollen.
zu suchen, für Parteipolitik einfach missbraucht.
Also dieser Antrag ist ganz konkret Missbrauch-                   Diese Thematik hat durch eine Ankündigung
Parteipolitik.                                               des Bürgermeisters der Stadt Wiener Neustadt im
                                                             Sommer 2010 insofern an Dramatik gewonnen,
     Vielleicht ist die Verbundlichung gar nicht die         als seitens der Stadt die Schließung dieser Schu-
einzige Lösung um diese Standorte zu retten.                 len in den Raum gestellt wurde, wenn eine Eini-
Also was ich so gehört habe, gäbe es auch an-                gung mit dem Bund hinsichtlich der Übernahme
dere Möglichkeiten. Es gibt Interesse vielleicht             der Schulen nicht zustande kommt. Nach heftigen
von Institutionen, denen es Wert ist, diese Schu-            Protesten von Eltern, Lehrern und Schüler/innen




                                                       167
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


der drei betroffenen Schulen wurde der Gemein-             in die grünen Hände zu legen, da werden wir uns
deratsbeschluss dahingehend geändert, dass ein             nicht treffen. Einfach nur so als Einstieg.
Schließungsszenario für die 3 Schulen nicht mehr
enthalten ist, der Bund aber zu raschen Verhand-                Zum ersten Geschäftsstück, das hier behan-
lungen über die Übernahme der Schulen aufge-               delt wird, dieser Antrag wegen dem Schulstandort
fordert wird.                                              Wr. Neustadt. Ich glaube, es ist, wie auch der
                                                           Vorredner …, bin ich komplett mit ihm d’accord,
     Auch bei anderen Einrichtungen, wie ORG               wenn er sagt, hier werden Sachen vermischt, die
Deutsch-Wagram, Neulengbach und TErnitz so-                eigentlich nichts miteinander zu tun haben.
wie AHS Korneuburg mussten das Land Nieder-
österreich und die niederösterreichischen Ge-                   Ich glaube, die ÖVP hat ihre Meinung, die
meinden für den Bund einspringen. Der Fortbe-              SPÖ hat ihre Meinung wie die Bildung oder wie
stand dieser Bildungseinrichtungen, die derzeit in         die Schulformen der Zukunft ausschauen oder
die Bundeszuständigkeit fallen würden, ist noch            funktionieren sollen, wo die Kompetenzen hinge-
nicht geklärt.                                             hen sollen. Aber hier in Wr. Neustadt oder gerade
                                                           bei den Schulstandorten in Niederösterreich geht
     Da die Kompetenz für diese Schulen jedoch             es darum, die Standorte zu sichern. Eure Hick-
beim Bund liegt, wird vom Bund gefordert, rasch            Hack-Politik auf dem Rücken der Kinder, ich
in entsprechende Verhandlungen mit den betref-             glaube, das ist eindeutig abzulehnen. Wir stehen
fenden Gemeinden einzutreten, um auch im                   zu den niederösterreichischen Schulstandorten,
nächsten Schuljahr einen gesicherten Schulbe-              egal ob Volks-, Hauptschule oder auch weitere
trieb zu ermöglichen.                                      Schulformen. Wir werden keiner Schließung zu-
                                                           stimmen, ihr habt schon einigen zugestimmt. Ich
    Die Gefertigten stellen daher den geänderten           verweise hier zum dritten Mal an den Standort
Antrag:                                                    Mistelbach, wo gerade eine Volksschule in einem
                                                           sehr expandierenden Bereiche mit sehr guter
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                    bevölkerungsreicher Entwicklung geschlossen
                                                           wird. Das liegt in eurer Hand. Ihr habt dort die
     Die Landesregierung wird aufgefordert, bei            Bürgermeister, die ja so fleißig sind. Macht was!
der Bundesministerin für Unterricht und Kunst              Schauen wir, vielleicht können wir diesen Schul-
darauf hinzuweisen, dass der Bund umgehend in              standort erhalten.
ernsthafte Verhandlungen über die Übernahme
der genannten Schulen tritt, sodass rasch die                  Ich möchte zu diesem Antrag zu dem Ge-
Voraussetzungen für einen gesicherten Schulbe-             schäftsstück Ltg. 636/A-1/48 einen Antrag stellen,
trieb geschaffen werden.“                                  analog wie er auch bei einer Budgetsitzung immer
                                                           wieder vorgekommen ist, auf getrennte Abstim-
     Das ist das Wichtigste. Der Schulbetrieb soll         mung. Und daher sollte der Antragstext folgen-
gesichert sein. Man weiß, dass diese Schülerin-            dermaßen getrennt werden (liest:)
nen und Schüler, die dort ausgebildet werden,
gebraucht werden, dass die eine gute Ausbildung                „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
bekommen und daher soll das bestehen bleiben.
Mehr als tausend Schülerinnen und Schüler, ihre                Die Landesregierung wird aufgefordert, bei
Eltern, ihre Lehrerinnen haben es verdient, dass           der Bundesministerin für Unterricht und Kunst
diese Schulen erhalten bleiben und nicht dass sie          darauf hinzuweisen, dass der Bund seine Kom-
zwischen die Mühlsteine der Parteipolitik geraten.         petenzen im Bereich des Schulwesens wahrneh-
(Beifall bei den Grünen.)                                  men soll und daher umgehend in ernsthafte Ver-
                                                           handlungen über die Übernahme der genannten
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                 Schulen tritt, sodass rasch die Voraussetzungen
gelangt Herr Abgeordneter Ing. Huber.                      für einen gesicherten Schulbetrieb geschaffen
                                                           werden.
    Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Hoher Landtag!                                       Die Frau Bundesminister möge im Sinne der
                                                           Antragsbegründung darauf hingewiesen werden,
     Zu meinem Vorredner. Wir haben in der Bil-            dass die Länder bereit sind rasch die Verhandlun-
dungspolitik sehr oft, wenn es um praktische Sa-           gen über die Neuordnung des Schulwesens mit
chen geht, glaube ich, die gleichen Ansätze. Die           dem Ziel abzuschließen, dass die Organisation
Ziele sind nicht ganz hundertprozentig. Aber bei           des Schulwesens von den Ländern vorgenommen
einem bin ich mir ganz sicher: Die Bildungspolitik         wird.“




                                                     168
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


     Ich glaube, hier werden zwei wesentliche                                 „Resolutionsantrag
Punkte oder ganz wichtige Punkte für die Schul-
standorte mit einem ÖVP-Wunschdenken ver-                        der Abgeordneten Ing. Huber, Waldhäusl,
mischt. Hier bedarf es einer getrennten Abstim-              Königsberger, Tauchner, Hafenecker und Sulz-
mung. Sollte es zu dieser getrennten Abstimmung              berger gemäß § 60 LGO 2001 zu Ltg. 663/A-
nicht kommen, werden wir trotzdem diesem An-                 1/50–2010 – Änderung des NÖ Pflichtschulgeset-
trag zustimmen, denn uns sind die Standorte, die             zes – Sprachförderkurse betreffend Deutsch nicht
Sicherung der Standorte auch das wert, dass wir              nur Unterrichtssprache, sondern Schulsprache.
über die Schulorganisationsformen … Da werden
wir uns sicherlich noch lange oder noch länger                    Vor allem im urbanen Bereich Niederöster-
unterhalten. Da werden wir dann auch unsere                  reichs haben über ein Fünftel der Kinder in Volks-
Meinung dazu abgeben.                                        und Hauptschulen eine nicht deutsche Umgangs-
                                                             sprache.
     Ich komm dann zum zweiten Antrag, zum
zweiten Geschäftsstück. Natürlich ist das eine                    Gerade durch den Zustrom von Personen
Übernahme von Bundesgesetzen. Aber ich                       aus Ländern mit fremder Sprache ist eine Situa-
möchte dazu eines sagen: Wenn in einem großen                tion entstanden, die jetzt auf den Rücken der
Zeitungsinterview der türkische Botschafter for-             österreichischen Kinder und Eltern ausgetragen
dert, dass Türkisch Maturasprache sein soll - es             wird und außer Kontrolle gerät.
hat zum Glück von fast allen Fraktionen in den
österreichischen gesetzgebenden Körperschaften                     Ein Hauptgrund für viele Probleme in der
die dementsprechende Antwort auf diesen Herrn                Schule stellt die mangelnde Verständigungsmög-
gegeben - ich glaube, wenn wir das zulassen,                 lichkeit der Schüler untereinander und mit den
dann sind wir sicher am falschen Weg.                        Lehrern dar. Sprechen Schüler aus verschiede-
                                                             nen Sprach- und Kulturkreisen untereinander in
     Ich habe auch ein Problem mit einer Anfra-              verschiedenen, den Lehrern und auch den Schü-
gebeantwortung, die ich heute von Landesrat                  lern aus den jeweils anderen Sprach- und Kultur-
Heuras bekommen habe, wo er antwortet, dass                  kreisen nicht verständlichen Sprachen, sind Kon-
lediglich 1.942 Kinder in den Pflichtschulen in              flikte vorprogrammiert. Es ist die Verständigung
Niederösterreich nicht dem Unterricht auf Grund              untereinander, das Verständnis für kulturelle Un-
von Sprachschwierigkeiten folgen können. Ich                 terschiede und Eigenheiten der verschiedenen
glaube, „lediglich“ ist da untertrieben. Ich glaube,         Gruppen nicht nur nicht gewährleistet, sondern
ich finde es ziemlich arg, dass wir nicht vorher             wird oftmals unmöglich gemacht.
sicher stellen, dass die Kinder, die die Schulen
Niederösterreichs besuchen, dass die auch über                    Deutsch ist in Österreich nicht nur Unter-
die entsprechenden Deutschkenntnisse verfügen.               richts- und Amtssprache, sondern auch die mit
                                                             Abstand am meisten verwendete Umgangsspra-
     Wir haben schon mehrmals bei der Bildungs-              che. Die Einführung des Begriffs der Schulspra-
debatte darauf hingewiesen, wir müssen uns ein-              che soll die grundsätzliche Verwendung der deut-
fach die Situation vor Augen führen, um dann                 schen Sprache zur Verständigung unter den
auch die entsprechenden Reformen durchführen                 Schülern und mit den Lehrern im Schulgebäude
zu können. Es wird immer wieder über Bildung                 und am Schulgelände auch in den Pausen sowie
diskutiert, Bund, Land. Aber es kommt leider                 vor, zwischen und nach den Unterrichtseinheiten
nichts heraus. Jetzt wird wieder über Kompeten-              zur Norm erheben.
zen gestritten. Ich glaube, das ist absolut, wie der
Kollege Leichtfried schon gesagt hat: Wir sind                    Nur durch die Verwendung der deutschen
weit kleiner als Bayern. Da gibt es ein Programm             Sprache auch als Schulsprache ist die Verständi-
für den Unterricht. Ich glaube, es kann nicht sein,          gung der Schüler unterschiedlicher Herkunft
dass wir in Österreich plötzlich neun Unterrichts-           untereinander und zwischen Schülern und Leh-
formen oder neun Ausbildungsprogramme haben                  rern gewährleistet. Dadurch ist auch die notwen-
für unsere Pflichtschulen. Ich glaube, hier gehört           dige und sinnvolle Übung der deutschen Sprache
eine einheitliche Regelung bis hin zur Matura.               in Alltagssituationen gegeben.

     Wir stellen aber, nachdem es diese Probleme                  Die Verpflichtung zur Verwendung der deut-
im Umgang bzw. in der Verfolgung oder im Mit-                schen Sprache als Schulsprache in Verbindung
wirken am Unterricht durch den Zuzug oder durch              mit der Grundvoraussetzung von ausreichenden
die große Anzahl von Schülern mit nicht deut-                Deutschkenntnissen für den Schulbesuch in
scher Muttersprache … bringen wir einen Resolu-              Österreich stellt einen Beitrag zur besseren
tionsantrag ein mit folgendem Antrag (liest:)                Integration von Migrantenkindern dar.




                                                       169
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


     Nach dem Vorbild von Hessen sollten auch              Kindern, die unsere Schulen besuchen, damit die
hierzulande Kinder mit Migrationshintergrund, also         keine Nachteile in ihrer schulischen Entwicklung
auch Kinder von Eingebürgerten, ein Jahr vor der           haben. Es ist ein Schritt zur Integration und es ist
Einschulung einen Deutschtest absolvieren.                 eine Vorbereitung aufs Berufsleben wenn diese
                                                           Voraussetzungen geschaffen werden.
     Sind keine ausreichenden Deutschkenntnisse
vorhanden, so müssen die Kinder in speziellen                   Dann zum noch einzubringenden Resoluti-
Sprach-Kindergärten geschult werden. Ältere                onsantrag der SPÖ betreffend der Schulstarthilfe.
Kinder von Zuwanderern müssen in Kursen die                Ich freue mich, dass ich da beitreten durfte. Ich
deutsche Sprache lernen, bevor sie am Unterricht           möchte aber noch anmerken, dass wir bereits
teilnehmen können. Insgesamt darf jedoch der               einen Antrag eingebracht haben, der am Weg ist.
Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im            Aber wir werden natürlich auch diesen Resoluti-
Regelschulwesen den Wert von 30 % nicht über-              onsantrag unterstützen. (Beifall bei der FPÖ.)
schreiten.
                                                               Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort
    Die für die autochthonen Minderheiten gel-             gelangt Frau Abgeordnete Vladyka.
tenden Bestimmungen sollen durch die vorge-
schlagenen Maßnahmen nicht berührt werden.                      Abg. Vladyka (SPÖ): Herr Präsident! Werte
                                                           Kolleginnen und Kollegen!
     Mit den beantragten Maßnahmen soll sicher-
gestellt werden, dass heimischen Kindern in ihrer              Ich darf mich zum Antrag 663, der sich mit
persönlichen und schulischen Entwicklung keine             der Sprachförderung beschäftigt, heute zu Wort
Nachteile entstehen, sowie eine sinnvolle Integra-         melden. Rund 19.000 Schüler an Volks- und
tion und Vorbereitung auf das Berufsleben durch            Hauptschulen und Polytechnischen Schulen ha-
entsprechende Sprachkenntnisse von Migranten-              ben im Schuljahr 2008 und 2009 Sprachförder-
kindern gewährleistet ist.                                 kurse besucht, weil sie auf Grund mangelnder
                                                           Sprachkenntnisse dem Unterricht nicht folgen
     Die Gefertigten stellen daher folgenden An-           konnten. Dies geht aus einer Anfragebeantwor-
trag:                                                      tung von Unterrichtsministerin Schmied hervor.
                                                           Damit sprechen rund 5 Prozent aller Volksschüler
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:                    so schlecht Deutsch, dass sie nur außerordentli-
                                                           che Schüler sind.
    Die Landesregierung wird aufgefordert bei
der Bundesregierung vorstellig zu werden,                      Von den Kindern mit nicht deutscher Um-
                                                           gangssprache sind es sogar 23 Prozent. An den
       damit diese dem Nationalrat einen Ge-              Hauptschulen und Polytechnischen Schulen be-
        setzesentwurf zuleitet, der das Bundes-            suchen weniger als 1 Prozent davon einen
        gesetz über die Ordnung von Unterricht             Sprachförderkurs, von jenen Schülern mit nicht
        und Erziehung in den im Schulorganisa-             deutscher Umgangssprache sind es sogar 4 Pro-
        tionsgesetz geregelten Schulen (Schul-             zent.
        unterrichtsgesetz – SchUG) dahingehend
        ändert, dass Deutsch nicht nur als Unter-               Bildung beginnt mit Sprache. Sprachver-
        richts-, sondern auch als Schulsprache an          ständnis und Kommunikationsfähigkeit sind ja die
        öffentlichen Schulen eingeführt wird.              Schlüssel für erfolgreiche schulische Leistungen.
                                                           Aus besseren Schulerfolgen wiederum resultieren
       Weiters muss sichergestellt werden, dass           verbesserte Chancen am Arbeitsmarkt. Nicht bzw.
        bei Schuleintritt ausreichende Deutsch-            Missverstehen der Unterrichtsanweisungen bzw.
        kenntnisse für den Schulbesuch in Öster-           des Unterrichtsgeschehens führt selbstverständ-
        reich Grundvoraussetzung sind.“                    lich auch zu Problemen bezüglich des Übertritts in
                                                           andere Schulen.
     Ich glaube, es ist wirklich notwendig, hier
dafür zu sorgen. In Essen funktioniert das schon,               Durch den Zugang nicht deutschsprachiger
wo vor Schuleintritt die Deutschkenntnisse über-           Schülerinnen und Schüler hat die schulische Situ-
prüft werden. Denn ich glaube, mit diesen Maß-             ation selbstverständlich auch eine nachhaltige
nahmen … Das hat nichts mit irgend welcher                 Änderung erfahren. Schülergruppen sind durch
Ausländerfeindlichkeit zu tun, sondern es sind             eine zunehmende sprachliche Heterogenität ge-
wirklich notwendige Maßnahmen, die wir diesen              kennzeichnet.




                                                     170
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


      Zur gezielten Förderung und Vermittlung der                Ich darf daher folgenden Resolutionsantrag
Kenntnisse der Unterrichtssprache, die erforder-            stellen (liest:)
lich ist, um den Unterricht an jeweiligen Schulstu-
fen auch entsprechend folgen zu können, wurden                               „Resolutionsantrag
als schulische Integrationsmaßnahme daher auch
die so genannten Sprachförderkurse eingeführt.                  der Abgeordneten Vladyka und Ing. Huber
Wir sehen daher diese Änderung des Pflicht-                 zur Ltg. Zl. 663/A-1/50 NÖ Pflichtschulgesetz,
schulgesetzes als positives Zeichen im Sinne der            Änderung, betreffend NÖ Schulstarthilfe.
Förderung unserer Jüngsten.
                                                                 Aufgrund des NÖ Familiengesetzes, LGBl.
     Aber, meine sehr geehrten Damen und Her-               3505-2, förderte das Land Niederösterreich bis
ren, ich möchte im Zuge dieser Debatte aber auf             zum Schuljahr 2008/09 - nach Maßgabe seiner
einen weiteren, gerade für uns Sozialdemokraten             finanziellen Mittel - Familien mit mindestens zwei
schon in der Vergangenheit und jetzt erst recht             Kindern, von denen eines erstmals die 1. Schul-
wieder wichtigen Aspekt der Unterstützung und               stufe besucht, mit einer Schulstarthilfe in Höhe
Förderung unserer Jüngsten eingehen, nämlich                von € 100,--.
die Schulstarthilfe. Meine sehr geehrten Damen
und Herren! Wir müssen feststellen, dass laut                   Im vorigen Jahr wurde die NÖ Schulstarthilfe
Statistik Austria 96.000 Kinder und Jugendliche             jedoch mit dem Argument, dass die Gewährung
unter 19 Jahren in Österreich manifest arm sind.            der 13. Familienbeihilfe ohnehin eine finanzielle
Das heißt, dass diese Kinder und Jugendliche in             Verbesserung für Familien mit schulpflichtigen
einem Haushalt mit geringem Einkommen unter                 Kindern darstellen würde, eingestellt.
schwierigsten Lebensbedingungen leben, nicht
genug Geld für die notwendigsten Dinge des Le-                  ‚Die 13. Familienbeihilfe ist eine Weiterfüh-
bens, zum Beispiel Essen, eine geheizte Woh-                rung und Erweiterung der NÖ Schul-starthilfe,
nung, Kleidung und vieles mehr haben. Und wir               zugleich aber auch eine doppelte Unterstützung
wissen, dass materielle und soziale Armut immer             zum Schulstart für alle Kinder’, so die zuständige
auch Auswirkungen auf die Gesundheit hat und                Landesrätin Mag. Johanna Mikl-Leitner in einer
dass festgestellt wurde, dass Kinder und Jugend-            Aussendung auf der Homepage der VPNÖ vom
liche aus sozial benachteiligten Verhältnissen              13.09.2009.
weniger gesund sind als Gleichaltrige aus mittle-
ren und höheren Schichten. Damit verbunden                       Durch die nunmehrige gravierende Kürzung
natürlich auch ein deutlich niedrigeres Wohlbefin-          der 13. Familienbeihilfe durch den Bund ist dieses
den, was in geringer Lebenszufriedenheit, Nie-              Argument jedoch nicht mehr haltbar. Die gesamte
dergeschlagenheit, Einsamkeitsgefühlen, Ängsten             Familienbeihilfe für den Monat September
und Sorgen dann auch verstärkt zum Ausdruck                 (Grundbeträge, Alterszuschläge, Geschwister-
kommt. Arme Kinder von heute sind die chronisch             staffelung usw.) wurde bisher verdoppelt; in Zu-
Kranken von morgen.                                         kunft wird lediglich für 6- bis 15-jährige Kinder
                                                            stattdessen ein Fixbetrag von 100 Euro ausbe-
     Wie wir wissen, sind Migrantinnen von Armut            zahlt.
natürlich besonders betroffen. Aus armen Kindern
werden arme Erwachsene. Armut als fundamen-                      Nicht nur für Familien mit zwei oder mehr
tale Erfahrung des Aufwachsens, so sind sich                schulpflichtigen Kindern wird der Schulbeginn
Armutsforscherinnen einig, bedingt Armut natür-             aufgrund der steigenden Anforderungen an die
lich auch im Erwachsenenalter. Armut wird inter-            Ausstattung immer teurer. Auch für Familien oder
generationell weiter gegeben. Man spricht hier in           AlleinerzieherInnen mit nur einem Kind steigen die
diesem Zusammenhang von einem sozialen Erbe.                Belastungen. Hier wäre die Wiedereinführung der
Daher ist es gerade für uns ganz besonders wich-            NÖ Schulstarthilfe eine wertvolle Unterstützung.
tig, als so genanntes Kinder-Niederösterreich               Daher ist auch eine Ausweitung auf alle Familien
diesem Ruf auch entsprechend gerecht zu wer-                mit SchulanfängerInnen dringend notwendig.
den. Und auf Grund der Veränderungen, die sich
hier im Familienbereich und auch bei der Famili-                 Es ist nicht gerecht, wenn erstens der Maß-
enbeihilfe im Budget des Bundes abzeichnen,                 nahme jede soziale Staffelung fehlt, weil damit im
fordern wir Sozialdemokraten daher neben der                Ergebnis kein Ausgleich erzielt wird, sowie zwei-
diskutierten Änderung der Sprachförderung auch              tens Familien mit nur einem Kind ausgenommen
die Wiedereinführung und Ausdehnung der                     sind. Nicht nachvollziehbar bleibt, dass einkom-
Schulstarthilfe auf alle Schulanfängerinnen.                mensstarke und einkommensschwache Familien




                                                      171
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


die gleich hohe Förderung erfahren sollen, da die              Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Prä-
meist von den Schulen geforderte Ausstattung der           sident! Herr Landesrat! Hohes Haus! Meine ge-
Schüler davon völlig unberührt bleibt. Da die re-          schätzten Damen und Herren!
gelmäßige Grundausstattung am Beginn der
Schulpflicht gleich ist und das zu Schulbeginn                   Wo ist er denn der Kollege Klubobmann? Ach
angeschaffte Schulmaterial selten ein Schuljahr            so, ist schon da. Ist überhaupt kein Problem. Ich
überdauert, scheidet meist auch eine Weitergabe            will ja nur, dass er mich hört. Kannst eh dort blei-
an nachfolgende Geschwister aus.                           ben. Weil ich red nicht gern kritisch über Dinge,
                                                           auch über Personen, die nicht anwesend sind.
    Die Gefertigten stellen daher den Antrag:              Weil das tut man nicht.

    Der Landtag wolle beschließen:                               Darf ich dir einmal zum Ersten sagen, du hast
                                                           durchaus Recht, dass für uns Zentralismus - das
    Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,              gilt auch für euch zwei - dass Zentralismus für uns
                                                           ein Feindbild wurde. In Wahrheit verstehe ich
       die NÖ Schulstarthilfe wieder einzuführen,         niemanden in diesem Haus, der sich nicht unserer
                                                           Kampagne anschließt, weil es letztendlich um
       die Richtlinien im Sinne der Antrags-              unsere Existenz geht. Wenn die Zentralisten
        begründung zu schaffen,                            Oberhand gewinnen, dann heißt das, dass uns
                                                           die Basis entzogen wird. Und ich habe noch nie
       die NÖ Schulstarthilfe für alle Schul-             intelligente, konstruktive, konstruktiv denkende
        anfänger (1. VS), unabhängig von der               Menschen kennen gelernt, die den Ast absägen,
        Anzahl der Kinder in einer Familie, zu             auf dem sie sitzen.
        gewähren, sowie
                                                               Und wenn es so kommt, dass einfach Zentra-
       die NÖ Schulstarthilfe aufgrund einer              lismus in allen Dingen, die grundsätzlich sind,
        sozialen Staffelung allen schulpflichtigen         besser ist als Föderalismus, dann frage ich mich,
        Kindern – in Anlehnung an die NÖ                   was tut ihr hier in diesem Haus? Was tut ihr in
        Familienhilfe - zu gewähren.“                      diesem Lande? Wie versteht ihr euren Eid auf die
                                                           Landesverfassung?
     Sehr geehrte Damen und Herren! Wenn ich
das richtig in Erinnerung habe, gibt es in Nieder-             Was meine ich damit? Ich würde das bitte …
österreich rund 16.000 Schulanfängerinnen und –            Lass mich einmal das ausführen und du kannst ja
anfänger jährlich. Und wenn ich aus einer Presse-          dann replizieren.
konferenz bzw. aus einer Aussendung im „NÖ
                                                                Es ist nicht so, dass wir glauben, dass es
Direkt“ zitieren darf, wo der Herr Landeshaupt-
                                                           sinnvoll ist, in jedem Bundesland sein eigenes
mannstellvertreter Mag. Wolfgang Sobotka ge-
                                                           Bildungssystem zu machen. Das haben wir nie
meint hat, wer bei den Familien spart, spart bei
                                                           verlangt! Wir haben nie verlangt, dass es in jedem
der Zukunft, so denke ich, dass er das heute hier
                                                           Bundesland andere Standards gibt! (Abg. Mag.
in diesem Haus und für Niederösterreich auch so
                                                           Leichtfried: Es wird kommen!)
sieht. Und hoffe, dass die ÖVP Niederösterreich
allen Schulanfängerinnen dieselbe Chance hier                  „Es wird so kommen.“ Lieber Kollege
auch gibt, sich menschlich zeigt und diesem unse-          Leichtfried! Wenn ich überall sage, das Schlechte
rem Antrag die Zustimmung gibt. Und damit auch             wird kommen … (Zwischenruf bei Abg. Mag.
wieder beweist, dass ihnen wirklich etwas an die-          Leichtfried.)
sen Kindern Niederösterreichs liegt. Denn ein              Das macht ihr! Das ist der Impetus eurer Politik.
Tropfen Hilfe ist besser als ein Ozean voll
Symphatie.                                                     … dann werde ich nie was Gutes erreichen.

     Ich ersuche daher um Ihre Zustimmung zu                    Wenn das so kommt wie wir wollen …, und
diesem Antrag. Dem Antrag der FPÖ betreffend               ich verstehe nicht, dass dieses unser Wollen nicht
der Schulsprache Deutsch können wir nicht fol-             von allen mitgetragen wird. Denn was ist unser
gen. Wir werden ihn daher ablehnen. Danke!                 Wollen? Unser Wollen ist ganz klar: Alles, das
(Beifall bei der SPÖ.)                                     „Was“ in der Bildungspolitik. Na natürlich soll das
                                                           bundesweit einheitlich sein. Alles wie das „Wie“ in
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Zu Wort                 der Bildungspolitik. Natürlich soll das bundesweit
gelangt Herr Klubobmann Mag. Schneeberger.                 gelten! Aber das „Wo“: Ob in Wieselburg Land




                                                     172
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


oder in Wieselburg Stadt diese oder jene Schule              gäbe Yspertal nicht. Es gäbe so vieles nicht. Nur,
steht. Ob eine Kleinschule da oder dort steht, das           wir haben uns einfach aus der Not der Situation,
ist wohl eine Frage, die so nahe wie möglich beim            aus dem Willen der Menschen in der Region,
Bürger entschieden werden soll. (Beifall bei der             Bildung zu erfahren, gesagt, auch wenn der Kom-
ÖVP.)                                                        petenzträger Bund das nicht macht, wir brauchen
                                                             es für die Kinder in diesem Lande.
    Und da verstehe ich all jene nicht, die da sa-
gen, gebt alles dem Bund, weil die ganze Bil-                     Das haben wir gemacht. Obwohl es nicht un-
dungspolitik ist so wichtig, dass das nicht sein             sere Kompetenz war. Wir haben Geld ausgege-
kann, dass Länder selbst entscheiden können.                 ben. Und heute hier sich herzustellen und sagen,
Liebe Freunde! Das ist eine Selbstaufgabe der                lieber Günther Leichtfried, es ist eh schon fix,
Länder wenn ich so denke und handle! Na selbst-              dass Ternitz übernommen wird. Ja bitte, das wäre
verständlich ist es klar, dass ein Kind von Wien             gar nicht übernommen worden, weil wir es ge-
nach Vorarlberg, wenn es Vorarlbergerisch auch               zeugt haben. Du kannst ein Kind nur übernehmen
noch kann, durchaus übersiedeln können muss                  wenn es einen Zeuger gibt. Wir haben es ge-
und Schulwechseln können muss. Das ist ja                    zeugt. Wir haben die Vaterschaft übernommen.
selbstredend!                                                Und jetzt die Patenschaft zu übernehmen, das ist
                                                             ja nur legitim. (Beifall bei der ÖVP.)
     Für so, darf ich das sehr banal ausdrücken,
für so „deppert“ kann uns doch keiner halten. Und                 Und weil du noch etwas in den Raum gestellt
wenn er es tut, disqualifiziert er sich selbst. Denn         hast. Wer geht dem Diskussionsprozess aus dem
das will niemand. Die Durchlässigkeit will nie-              Weg? Wir überhaupt nicht! Wenn die Frau Minis-
mand. (Unruhe im Hohen Hause.)                               ter mit uns diskutieren will, Wien wird die Bil-
Ja, das ist eben die Frage. Und die Frage ist aber           dungsstruktur gemeinsam lösen, wir sind da. Wir
ganz leicht lösbar. Wir haben klipp und klar ge-             haben aber genau unsere Positionen gesagt. Und
sagt: Grundsatzgesetzgebung in all diesen Fra-               sie sagt, sie will alles. Und jetzt unter dem Aspekt,
gen, Lehrpläne, Standards, Dienstrecht, Leh-                 alles zu wollen, reden wir einmal darüber. Wo sind
rerausbildung, alles Bundessache. Alles das ist              die Gemeindevertreter der SPÖ? Ich bin gespannt
Bundessache! Wir wollen die Ausführungsgesetz-               wie das ist, ob ihr die 2,6 Milliarden, die allein für
gebung in dem Bereich, wo es um die Positionie-              Niederösterreich im Raum stehen … Wenn die
rung von Schulen geht. Und wenn da Abgeord-                  Frau Minister die Bundeskompetenz bekommt für
nete, die den Willen der Bürger, das Wohl der                alles, dann auch für die Infrastruktur, bin ich ge-
Bürger, der Kinder, der Eltern, der Lehrer im Auge           spannt, wer das zahlt. Weil eines kann nicht sein:
haben, nicht mit können, lieber Kollege Weider-              Dass der Bund sagt, ich regle alles, aber die
bauer, dann verstehe ich das nicht mehr. Dann                Schulen, die Infrastrukturen der Pflichtschulen, da
verstehe ich das nicht mehr! (Abg. Weiderbauer:              werden die Gemeinden weiter brennen und die
Neue Mittelschule - niederösterreichisches Schul-            Länder. Na, die Rechnung geht nicht auf, liebe
modell! Du widersprichst dir selber!)                        Freunde. Das geht nicht so.

     Moment! Ich widerspreche mir nicht selbst!                   Und daher wehre ich mich dagegen, dass
Weil das auf einer Basis ist, wo diese Regelung              man uns als Neandertaler ins Eck stellt, die ganz
heute nicht umgesetzt ist. Wir wollen ja ganz klare          deppert sind und neun Systeme wollen. Keiner
Regelungen in der Kompetenz. Das soll der Bund               will das! Aber mit dem wollt ihr uns mundtot ma-
ganz alleine entscheiden können. Das ist über-               chen. In Wahrheit wollen wir etwas, wo jede und
haupt kein Thema. Heute sind wir gezwungen,                  jeder in diesem Haus, wenn er nicht nur die Par-
Aktivitäten zu setzen. Und mir tut es leid, dass der         teibrille aufsetzt, Ja sagen muss. (Beifall bei der
Kollege Dworak nicht im Hause ist. Kein Problem.             ÖVP.)
Ihr werdet es ihm schon sagen. Schreib mit und
gibt’s ihm dann.                                                  Und ich bitte euch wirklich: Schaut euch un-
                                                             seren Vorschlag an! Dieser Vorschlag ist meines
    Warum tut es mir leid? Wenn wir die Kom-                 Erachtens ein Vorschlag, wo jeder, der guten
petenzregelungen, wie sie heute herrschen, 1:1               Willens ist, mit den Kindern und den Eltern und
immer umgesetzt hätten, gäbe es den Stolz des                den Pädagoginnen und Pädagogen im Land Nie-
Herrn Dworak, nämlich das Oberrealgymnasium                  derösterreich, aber in jedem anderen Bundesland
Ternitz, nicht. Es gäbe das Gymnasium in                     … schaut euch das an. Jeder müsste dazu Ja
Korneuburg nicht. Es gäbe es Oberrealgymna-                  sagen. Nein sagen wir zu einem System, dass wir
sium in Deutsch Wagram nicht. Es gäbe das                    das Wiener System in alle anderen Bundesländer
Oberrealgymnasium in Neulengbach nicht. Es                   übertragen. Das ist nicht unser Wille! Das wollen




                                                       173
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


wir nicht! Das werden wir auch mit allem Bemü-              dokumentieren, und daher diese Formulierung,
hen hintanstellen. Das ist nicht unsere Frage und           dass es nicht sein kann, dass man auf der einen
schon gar nicht unser Thema. (Abg. Mag.                     Seite als Bund und als Ministerin sagt, ich will
Leichtfried: Das ist auch eine Unterstellung!)              verbundlichen, aber dort, wo es Geld kostet, un-
Wenn du jetzt sagst, das ist auch eine Unterstel-           angenehm ist, die Gemeinden die Kompetenz
lung, dann unterstreichst du, dass du uns das               quasi übernommen haben, dort sage ich, tut das
alles unterstellt hast. Okay? Nur, damit wir …              weiter. Mir ist es Recht, wenn diese Schulen wei-
(Abg. Mag. Leichtfried: Du hast uns unterstellt,            ter so geführt werden und ich nur teilweise Kos-
dass wir euch für blöd anschauen!)                          ten, also nur die Personalkosten, subventioniere.
Wenn du sagst, das ist „auch“ eine Unterstellung,
dann bestätigst du in Wahrheit meine Aussagen                   Daher haben wir gesagt, wenn, dann muss
und ich bedanke mich recht herzlich bei dir! (Bei-          man das im Gesamten sehen. Uns geht es
fall bei der ÖVP.)                                          darum, ist es weiter eine Kompetenz des Bundes,
                                                            dann soll die Frau Bundesministerin und der Bund
     Und jetzt zu diesem Antrag und zur … Ich bin           das übernehmen. Wir sind der Meinung, wir
nicht der Rechtfertiger des Landesschulrates.               könnten das selbst mindestens genauso gut. Da-
Aber auch mich hat das gestört, wie ich die Fak-            her unsere Formulierung und unser Antrag, das
ten auf den Tisch bekommen habe. Und ich habe               auch mit der Kompetenzfrage zu verbinden.
gefragt, was ist da wirklich Sache? Im Mai 2008
hat die Stadt beim Landesschulrat bzw. über den                  Aber, nachdem hier der Antrag gestellt
Dienstweg um Verbundlichung ersucht. Der Lan-               wurde, beides voneinander zu trennen: Ich habe
desschulrat hat das weitergeleitet. Und der Bund            überhaupt kein Problem, wenn ich eine einstim-
hat mit einem Schreiben, nur dass wir uns aus-              mige Aufforderung des Landtages bekomme in
kennen wovon wir reden, sehr schnell reagiert.              der Richtung, dass man hier die Frau Bundesmi-
Nämlich am 20. Juli 2008. Und in diesem Schrei-             nisterin auffordert, die Verbundlichung so schnell
ben wurde nochmals festgestellt, dass eine Ver-             wie möglich zu tun, um die Verunsicherung der
bundlichung grundsätzlich nicht ins Auge gefasst            Kinder, der Eltern und der Pädagoginnen und
wird. Es wurde dann vorgeschlagen – und das ist             Pädagogen hintanzustellen, und das ist einstim-
das, auf das ihr euch bezieht – dass der Landes-            mig in diesem Landtag zu verabschieden, dann
schulrat … oder der Landesschulrat wurde auf-               wäre ich ein schlechter Demokrat und ein
gefordert, die Angelegenheit nochmals zu über-              schlechter Verhandler, wenn ich das nicht in den
prüfen und alternative Modelle zur Schulträger-             Mittelpunkt meiner Überlegungen stellte.
schaft mit der Stadt zu diskutieren.
                                                                 Auf der anderen Seite ist es legitim und lo-
     Zu der Diskussion ist es nicht gekommen.               gisch, dass bei jeder Thematik, die die Frage der
Der Herr Bürgermeister hat gedroht mit dem                  Verbundlichung, die Frage der Kompetenzen im
Schließen. Erst dann ist die Frau Minister hellhö-          Bildungsbereich anlangt, dass wir hier natürlich
rig geworden, weil das Thema gibt’s ja, seitdem             den Herrschaften die Nagelprobe stellen. Denn
ich in Wr. Neustadt Politik gemacht habe. Das               eine Sonntagsrede ist das eine, die Umsetzung ist
wollte man immer. Nur, so lange die Kassen voll             das andere.
waren, hat man es nur leicht betrieben. Da war
die Personalpolitik - das erinnert mich an die                   Und jetzt möchte ich zum Abschluss noch
Krankenhausdiskussion - wichtiger, und daher hat            eine Bemerkung zu dieser Frage Schulgefähr-
man gesagt, lieber können wir das alles in unse-            dungen 50 Prozent Volksschulen, 48 Prozent
rem Haus … Ist auch legitim. Wenn man es sich               Hauptschulen, ansprechen. Uns war immer klar,
leisten kann, habe ich ja damit kein Problem.               dass wir heute bei den Kompetenzen, die wir ha-
Nunmehr kann sich die Stadt das nicht mehr leis-            ben, Gemeinde und Land jede Schulschließung
ten.                                                        verhindern können. Aber unsere Aufgabe ist es,
                                                            darauf hinzuweisen, der Wunsch des Bundes und
      Und warum wir diesen Antrag so formuliert             der Frau Bundesminister ist es, die Gesamtkom-
haben, Kollege Weiderbauer, wie wir ihn formu-              petenz zu erhalten. Wenn sie die Gesamtkompe-
liert haben, das hat folgenden Grund: Natürlich ist         tenz erhält, habe ich kein Veto mehr. Und jetzt
die Möglichkeit, und die Freiheitlichen haben den           schickt gleichzeitig die Frau Bundesministerin
Antrag gestellt, getrennt abzustimmen. Getrennt.            eine Weisung hinaus, zur Personalstellenplan-
Das heißt, es gibt zwei Punkte in diesem Antrag.            grundlage, Kleinschulen sind ein Nicht-Ziel. Allein
Unser Punkt, wo wir die Kompetenzfrage in den               die Formulierung ist spannend. Und in der Politik
Raum gestellt haben. Und der zweite Bereich ist             ist 1 plus 1 selten 2. Aber eines ist klar: Wenn der
die Frage der Verbundlichung. Wir wollten damit             Bund, wer immer Ministerin oder Minister ist, die




                                                      174
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


gesamte Kompetenz im Schulbereich hat, wenn                  genden Antrag des Schul-Ausschusses, Ltg.
die Anweisung kommt, Kleinschulen sind ein                   663/A-1/50:) Ich stelle fest, dass dieser Antrag
Nicht-Ziel, dann ist 1 plus 1 jedenfalls 2. Das              einstimmig angenommen wurde.
heißt, wenn der Bund, und jetzt nehme ich die
Frau Minister weg, blende ich aus, sage „der                     Wir kommen jetzt zu zwei Resolutionsanträ-
Bund“, die Gesamtkompetenz hat, dann möchte                  gen. Und zwar zum Resolutionsantrag der Abge-
ich die Bürgermeister und Regionalabgeordneten               ordneten Ing. Huber u.a. betreffend Deutsch nicht
in diesem Haus hören und sehen, wenn das reali-              nur Unterrichtssprache, sondern Schulsprache.
siert wird und wir keine Chance mehr auf Veto                (Nach Abstimmung:) Ich sehe, nur die FPÖ hat
haben, was sie dann sagen!                                   zugestimmt, der Antrag wurde nicht angenom-
                                                             men.
     Und um das geht es uns: Es geht uns darum,
klarzustellen in diesem Land, die Bildungsstruktur                Nächster Resolutionsantrag der Abgeordne-
in diesem Land muss weiterhin Landessache                    ten Vladyka und Ing. Huber, betreffend NÖ Schul-
bleiben! Das ist das Credo der Bildungspolitik in            starthilfe. (Nach Abstimmung:) Ich stelle fest, es
diesem Lande. Zum Wohl der Kinder, zum Wohl                  handelt sich um die Stimmen der SPÖ und der
der Eltern und zu einer Hochqualität von Schüle-             FPÖ. Der Antrag hat nicht die ausreichende
rinnen und Schüler, die in Niederösterreich aus-             Mehrheit, daher ebenfalls abgelehnt.
gebildet werden. (Beifall bei der ÖVP.)
                                                                  Wir kommen zum nächsten Tagesordnungs-
     Zweiter Präsident Nowohradsky: Die Red-                 punkt und ich beabsichtige, die Geschäftsstücke
nerliste ist erschöpft. Die Berichterstatterin hat           Ltg. 630/B-9/2, Bericht der Landesregierung über
das Schlusswort.                                             die Tätigkeit und Wahrnehmungen der NÖ Land-
                                                             und Forstwirtschaftsinspektion im Jahre 2009, Ltg.
     Berichterstatterin Abg. Adensamer (ÖVP):                631/B-11/2, Bericht der Landesregierung betref-
Ich verzichte!                                               fend NÖ landwirtschaflicher Förderungsfonds,
                                                             Bericht über die Gebarung und Tätigkeit im Jahre
     Zweiter Präsident Nowohradsky: Sie ver-                 2009 und Ltg. 632/B-14/2, Bericht der Landesre-
zichtet. Wir kommen, bevor wir zum Hauptantrag               gierung über die wirtschaftliche und soziale Lage
kommen, zum Abänderungsantrag der Abgeord-                   der Land- und Forstwirtschaft in Niederösterreich
neten Weiderbauer, Petrovic, Krismer-Huber und               für das Jahr 2009 wegen des sachlichen Zusam-
Enzinger und zwar betreffend gefährdete Schul-               menhanges gemeinsam zu verhandeln. Bericht
standorte in Wr. Neustadt. Dieser Abänderungs-               und Abstimmung erfolgen jedoch getrennt. Wird
antrag ist nicht ausreichend unterstützt. Ich stelle         gegen diese Vorgangsweise ein Einwand erho-
die Unterstützungsfrage. (Nach Abstimmung:) Ist              ben? Das ist nicht der Fall.
nicht die Mehrheit, daher kommt dieser Antrag
nicht zur Abstimmung.                                            Ich ersuche Herrn Abgeordneten Mag. Karner
                                                             zuerst zum Geschäftsstück Ltg. 630/B-9/2 und
    Wir kommen zum Hauptantrag des Schul-                    danach Herrn Abgeordneten Kasser zu den Ge-
Ausschusses und da wurde um getrennte Ab-                    schäftsstücken Ltg. 631/B-11/2 und Ltg. 632/B-
stimmung gebeten seitens der FPÖ. Und zwar so,               14/2 zu berichten.
dass zunächst einmal der Satz 1 des Antrages
und dann der Satz 2 des Antrages getrennt abge-                   Berichterstatter Abg. Mag. Karner (ÖVP):
stimmt wird. Ich wiederhole sinngemäß den Satz               Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich
1. Es geht hier um die Übernahme der genannten               berichte zu Ltg. 630/B-9/2, was mich sehr freut,
Schulen. (Nach Abstimmung:) Ich stelle fest, dass            über den Antrag des Landwirtschafts-Ausschus-
es sich um die Stimmen der ÖVP und der FPÖ                   ses betreffend den Bericht der Landesregierung
handelt, daher ist dieser Satz angenommen.                   über die Tätigkeit und Wahrnehmungen der NÖ
                                                             Land- und Forstwirtschaftsinspektion im Jahre
     Es geht um den zweiten Satz, um die Organi-             2009.
sation des Schulwesens, die von den Ländern
übernommen werden sollen. (Nach Abstimmung:)                     Der Bericht liegt Ihnen vor, ich darf daher zur
Ich stelle fest, dass es sich um die Stimmen der             Verlesung des Antrages kommen (liest:)
ÖVP handelt. Alle anderen Parteien dagegen.
Dieser Antrag ist angenommen!                                    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:

    Wir kommen jetzt zu Ltg. 663/A-1/48, zur Ab-                  Der Bericht der Landesregierung über die
stimmung. (Nach Abstimmung über den vorlie-                  Tätigkeit und Wahrnehmungen der NÖ Land- und




                                                       175
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Forstwirtschaftsinspektion im Jahre 2009 wird zur            schaft aufzuzeigen und dementsprechend auch
Kenntnis genommen.“                                          Resolutionsanträge einbringen.

     Ich bitte Sie, Herr Präsident, die Debatte ein-              Es ist unüblich, dass so genannte Berichte
zuleiten und die Abstimmung vorzunehmen.                     abgelehnt werden. Aber der Inhalt, den der Grüne
                                                             Bericht aussagt und die prekäre Situation in der
     Berichterstatter Abg. Kasser (ÖVP): Sehr                Landwirtschaft, vor allem in der Einkommenssitu-
geehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich be-              ation, hat uns dazu gezwungen dementsprechend
richte zu Ltg. 631/B-11/2, Bericht betreffend NÖ             auch mit Resolutionsanträgen den Versuch zu
landwirtschaftlicher Förderungsfonds.                        unternehmen, hier abfedernd zu wirken.

     Der Förderungsfonds beschäftigt sich mit                     Wie schaut es denn mit den Strukturen der
dem Güterwegebau Kalbinnenaktion, Soziale                    Betriebe aus? Gestatten Sie, wenn ich Ver-
Betriebshilfe und anderem. Der Bericht ist in den            gleichszahlen aus dem Grünen Bericht heraus-
Händen der Abgeordneten. Ich komme zum An-                   nehme, die den Zeitraum 1999 und 2007 wider-
trag (liest:)                                                geben. Im Haupterwerb 1999 hatten wir 25.124
                                                             Betriebe, 2007 in der selben Erwerbsart nur mehr
    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                     21.629. Bei Nebenerwerbsbetrieben ist die Zahl
                                                             von 28.027 1999 auf 22.255 zurück gefallen. Und
    Der Bericht der Landesregierung über die                 eine leichte Steigerung gab es bei Personenge-
Gebarung und Tätigkeit des NÖ landwirtschaftli-              sellschaften, wo die Zahl von 1.400 auf 1.898
chen Förderungsfonds im Jahre 2009 wird zur                  angestiegen ist. Also das heißt, in absoluten
Kenntnis genommen.“                                          Zahlen alles zusammengezählt von 54.551 auf
                                                             45.782.
     Weiters berichte ich zu Ltg. 632/B-14/2, das
ist der so genannte Grüne Bericht, der die wirt-                  Bei der Vollerhebung in der Vergleichszahl
schaftliche und soziale Lage der Landwirtschaft              1999 auf 2007 sind das in Summe 28.769 Be-
abbildet. Auch dieser Bericht ist in Händen der              triebe. Das ist für Niederösterreich ein Anteil von
Abgeordneten. Ich komme daher ebenfalls zum                  16,1 Prozent. Und der Bundesschnitt, der öster-
Antrag (liest:)                                              reichische, liegt bei 14 Prozent. Also das heißt,
                                                             um 2 Prozent haben wir in Niederösterreich mehr
    „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                     Abgänge als im Bundesschnitt. Und bezogen auf
                                                             unseren Bezirk Zwettl auch sehr dramatisch: Hier
     Der Bericht der Landesregierung über die                hatten wir eine Zahl laut der Agrarstruktur von
wirtschaftliche und soziale Lage der Land- und               4.404 und die ist in dem Zeitraum abgesunken auf
Forstwirtschaft in Niederösterreich für das Jahr             2.855.
2009 wird zur Kenntnis genommen.“
                                                                 Lassen Sie mich ganz kurz von der landwirt-
                                                             schaftlichen Gesamtrechnung und Einkommens-
    Herr Präsident, ich bitte um Debatte und Ab-             entwicklung ein paar Dinge und Prozentsätze
stimmung.                                                    bekannt geben. Laut vorläufigem Ergebnis verrin-
                                                             gert sich das Faktoreneinkommen, welches die
    Zweiter Präsident Nowohradsky: Danke für                 Entlohnung der Produktionsfaktoren Boden, Arbeit
die Berichterstattung. Ich eröffne die Debatte.              und Kapital misst, nominell um 19,1 Prozent, so
Zum Wort gelangt Herr Abgeordneter Sulzberger.               steht es im Bericht, und real um 1 Prozent höher,
                                                             also eigentlich um 1,5 Prozent höher auf 20,6
    Abg. Sulzberger (FPÖ): Sehr verehrte Her-                Prozent.
ren Präsidenten! Geschätzte Damen und Herren
des Hohen Hauses!                                                Der Produktionswert sank erheblich bei Milch
                                                             und Getreide. Deutlich rückläufig auch der Wert
     Von den Problemen der Schulen zu noch                   bei pflanzlichen und tierischen Erzeugnisse. Die
größeren Problemen der Landwirtschaft. Wir ha-               Einbußen bei Wein und bei Rindern trugen nicht
ben heute bei der Weintaufe den Herrn Präsi-                 unwesentlich zur Abnahme des Gesamtprodukti-
denten gehört in sehr philosophischen Ausführun-             onswertes bei. Das heißt, dass wir leider von der
gen. Das heißt also vom griechischen Philoso-                Nettowertschöpfung ein Minus auf 38,6 zu ver-
phen Epikur bis hin zu den Aussagen „im Weine                zeichnen haben. Ich finde dies deshalb so
die Wahrheit“. Ich werde mich bemühen, wahrhaf-              dramatisch, weil erstens ich einmal aus einem
tig so gut es geht, hier die Probleme der Landwirt-          bäuerlichen Betrieb komme. Ich bin heute noch




                                                       176
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Nebenerwerbsbauer. Und die zweite große Sorge,             denke, dass in dieser Form diese ständigen Erhö-
die uns und auch mich insbesondere bewegt, ist,            hungen so nicht weiter gehen können. Und des-
dass wir auf Dauer die ländliche Struktur nicht            wegen richtet sich von unserer Seite ein Resoluti-
aufrecht erhalten können.                                  onsantrag auf Reduktion der SV-Beträge der
                                                           Bauern wegen erheblicher Einkommensbußen.
      Das heißt, wir sind uns in diesem Haus sehr
wohl einig darüber, alle Maßnahmen zu setzen,                   Warum sagen wir das? Sie haben verschie-
um die ländlichen Strukturen, vor allem im dezen-          dene Argumente über die betriebliche Einkom-
tralen Raum, aufrecht zu erhalten. Das ist mit dem         menssituation und vor allem die Aufwendungen in
Bestand des Bauernstandes engstens verbunden.              landwirtschaftlichen Betrieben gehört. Über Pro-
Hier gibt es kein Ausweichen. Und ich wüsste               duktionsfaktoren, Nettorealverluste und derglei-
keine Möglichkeit, wie das anderwertig bewerk-             chen. Und ich denke, dass in diesem Bereich
stelligt werden sollte, wenn hier der Bauernstand          wirklich etwas getan werden muss. Und vor allem
nicht auf Dauer abgesichert ist. Vor allem die             denke ich darüber nach, wenn man zum Beispiel
mittleren Betriebe.                                        jetzt einen gemischten Betrieb hernimmt, der vor
                                                           13 Jahren, also auf heute reflektiert, das Doppelte
     Noch eine wichtige Zahl dazu: Die Einkom-             an SV-Beiträgen zahlen muss. Und wenn man
men sind gegenüber dem Vorjahr real um 17,9                hier Prognoserechnungen für die Zukunft anstellt,
Prozent je Arbeitskraft gesunken. Der Produkti-            das heißt, was in den letzten vergangenen Jahren
onswert, der zwar im Jahr 2007 und 2008 einen              passiert ist an Einheitswerterhöhung und auf der
leichten Anstieg zu verzeichnen hatte, nahm wie-           anderen Seite diese Beitragsaufwertungszahl
der um 9,6 Prozent ab.                                     oder –faktor, wie man diesen nennt, mit diesen
                                                           2,4 Prozent, und wir rechnen das auf auf die
     Die Preisschere ist, auf das Basisjahr 1995           nächsten 30 Jahre, und diese Vorschau ist be-
gerechnet, zwischen den Betriebseinnahmen und              rechtigt so zu sehen: Bei diesen 2,4 Prozent Auf-
Gesamtausgaben bereits im Vorjahr bei 22,5 Pro-            wärtungsfaktor bedeutet das, dass jene, die in
zent gelegen und ist um weitere 11 Prozent ge-             den drei untersten Beitragsstufen stehen bis
stiegen. Das heißt, auf 33,6 Prozent hat sich die          5.000 zum Beispiel für 16,5 Prozent auf 33,6 Pro-
Situation verschlechtert.                                  zent angehoben wird, jene von den 5.100 auf die
                                                           8.000 jetzt von 18,3 auf 37,3 Prozent bedeuten
     In der sozialen Lage sind laut gesetzlichen           würde und jene von 14,9 Prozent auf 30,3. Ent-
Änderungen und Neuerungen laufende Anpas-                  schuldigen Sie, dass ich zum Beispiel die fünf
sungen bei Kranken-, Unfall- und Pensionsversi-            Nachkommastellen jetzt nur auf die eine Nach-
cherung sowie im Beitragsrecht leichte Besserun-           kommastelle reduziert habe.
gen erfolgt. Auch das soll erwähnt werden. Zum
Beispiel Wegfall der Kostenbeteiligung für Kinder.              Dieses System ist die klassische Form einer
Dann ärztliche Hilfe und Zahnbehandlungen, In-             Zins- und Zinseszinsrechnung. Und ich kann mir
anspruchnahme von Logopädie, Ergotherapie und              nicht vorstellen, dass diese kontinuierliche Steige-
Physiotherapie, Spitalsambulanzen, Kranken-                rung des Faktors SV-Beiträge auf Dauer der
transporte, Heilbehelfe und dergleichen.                   landwirtschaftliche Betrieb wird leisten können.
                                                           Und deswegen stellen wir folgenden Antrag. Und
     Bei der Pensionsversicherung gab es eine              wir bitten das Hohe Haus um Zustimmung. (Liest:)
Erhöhung der Pflegestufen des Bundespflegegel-
des, gestaffelt zwischen 4 und 6 Prozent. Kleine                             „Resolutionsantrag
Änderungen auch noch, dass zusätzliche Stun-
denwerte für erweiterten Pflegebedarf, günstige                der Abgeordneten Sulzberger, Waldhäusl,
Pensionsversicherungszeiten für pflegende Ange-            Königsberger, Ing. Huber, Tauchner und Hafen-
hörige und auch geringere Zinserträge nicht mehr           ecker gemäß § 60 LGO 2001 zu Ltg. 632/B-14/2-
die Ausgleichszahlung vermindern. Also das sind            2010 – Bericht über die wirtschaftliche und soziale
schon kleine positive Dinge auch, die es zu er-            Lage der Land- und Forstwirtschaft in Nieder-
wähnen gibt.                                               österreich für das Jahr 2009 betreffend Reduktion
                                                           der SV-Beiträge der Bauern wegen erheblicher
     Bezogen jetzt auf die wirklich prekäre Situa-         Einkommenseinbußen.
tion bäuerlicher Einkommen, vor allem in den
gemischten Betrieben, mittleren Betrieben, sind                 Wie aus dem vorliegenden ‚Grünen Bericht
wir dort, wo neben den variablen Fixkosten die             2009’ im Berichtsteil ‚Struktur der land- und forst-
ständig steigenden Fixkosten der Sozialversiche-           wirtschaftlichen Betriebe’ zu entnehmen ist, haben
rung hier wirklich zu Buche schlagen. Und ich              seit der letzten Vollerhebung im Jahr 1999 in Nie-




                                                     177
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


derösterreich 8.769 ihren Betrieb oder Betriebs-                 – Das kann natürlich, wo so viele
form aufgegeben. Dies ist ein Rückgang um 16,1               Bewertungsfaktoren und Parameter mitspielen,
% (Österreich-Durchschnitt 14 %). Die Anzahl der             egal wo etwas passiert, aber herauskommen
Haupterwerbsbetriebe ging im Vergleich zu 2005               muss, dass es zu einer Reduktion kommt. –
um 1.032 Betriebe zurück, dies entspricht einem
Minus von 4,6 %.                                                 „ …geeignete Maßnahmen zu setzen, die zu
                                                             einer Senkung der SV-Beiträge führen.“
     Die Agraraufkommen sind laut vorläufigen
Berechnungen der Statistik Austria gegenüber                      Ich möchte das noch ein bisschen untermau-
dem Vorjahr um real 17,9 % je Arbeitskraft ge-               ern und zwar: Wie schaut das in der jetzigen Situ-
sunken. Der landwirtschaftliche Produktionswert              ation bei einem Betrieb aus, ein 25 Hektar-Be-
nahm gegenüber dem Vorjahr um 9,6 % ab. Die                  trieb, der 9 Hektar Wald hat und das andere ist
Preisschere auf Basis 1995 zwischen den Be-                  Acker- und Grünland, mit einer Rinderhaltung von
triebseinnahmen und Gesamtausgaben hat sich                  25 Rindern, wo jetzt schon, bei der jetzigen Bei-
von Minus 22,5 % im Vorjahr auf Minus 33,6 %                 tragssituation er die komplette ÖPUL-Betriebs-
dramatisch verschlechtert. Diese Zahlen zeigen               prämie 2009 gesamt abführen muss nur für die-
die schon seit langem anhaltende Abwärtsspirale              sen einen Titel.
vieler bäuerlicher Existenzen.
                                                                  Und wenn die kontinuierliche Steigerung so
     In den vergangenen 13 Jahren haben sich für             weiter geht, dann ist es nicht nur der ÖPUL, son-
einen durchschnittlichen, in gemischter Form ge-             dern alle anderen Prämienzahlungen mit dazu,
führten, Betrieb die Sozialversicherungsbeiträge             und da muss ich schon fragen, und ich bitte auch
verdoppelt. Stellt man eine Prognoserechnung für             dazu die ÖVP-Mandatare, hier wirklich in sich zu
die Zukunft mit der Beitragsaufwertungszahl 2010             gehen, Überlegungen anzustellen, ob das in der
von 2,4 % an, so würden sich die Prozentsätze in             Form weiterhin vertretbar ist. Und ich bitte auch,
den nächsten 30 Jahren von 16,5 % auf                        hier diesem Resolutionsantrag, der sich in Rich-
                                                             tung Bundesregierung wendet, die Zustimmung
    33,6 %, jener von 18,3 % auf 37,3 %, jener               zu geben.
von 14,9 % auf 30,3 % erhöhen. Einheitswerter-
höhungen und Erhöhung der Beitragsaufwer-                          Und vor allem eines noch: Wir alle reden von
tungszahl in den letzten Jahren sind eine Form               der ökosozialen Marktwirtschaft. Und Sie wissen
der Zinseszinsrechnung. Die kontinuierliche Stei-            hier herinnen ja, unter welchen politischen Ziel-
gerung der Betriebskosten ist vorprogrammiert.               setzungen die angedacht ist. Es kann nicht sein,
                                                             ja, dass die Entwicklung in der Landwirtschaft so
     Es ist bereits jener Punkt erreicht, wo das Ei-         weit geht, dass es bereits eigentumsgefährdend
genkapital angegriffen werden muss bzw. schon                wird. Weil wenn nichts mehr erwirtschaftet wird,
verbraucht wurde. Wenn keine Trendumkehr er-                 wenn die Betriebskosten, alles, in Summe in ihren
folgt, werden noch mehr bäuerliche Betriebe zum              Gesamtaufwendungen einen reinen Erlös auf
Zusperren gezwungen. Anlass für Betriebsschlie-              4.000 Euro reduziert, jährlicher Einkommenserlös,
ßungen sind in den meisten Fällen die Forderun-              dann frage ich mich, wie ist das in Verhältnis zu
gen durch die SVA.                                           stellen, wenn wir sozusagen die Mindestsicherung
                                                             von über 700 Euro und das mal - ich sage das
     Diese Situation entspricht nicht mehr einer             jetzt nur einmal - mal 12 gerechnet, in Vergleich
Solidargemeinschaft. Die politischen Ziele einer             stellt. Wo so viel Kapital eingesetzt werden, so
‚Ökosozialen Marktwirtschaft’ werden bei weitem              viele Betriebsmittel eingesetzt wird um hier in eine
verfehlt.                                                    dementsprechende schräge Einkommenssituation
                                                             zu gelangen, die betriebsgefährdend ist.
     Die Gefertigten stellen daher folgenden An-
trag:                                                            (Dritter Präsident Rosenmaier übernimmt den
                                                             Vorsitz.)
    Der Hohe Landtag wolle beschließen:
                                                                  Ich komme zu einem weiteren Antrag, der
     Die Landesregierung wird aufgefordert sich              betrifft die Weideprämie, die sozusagen für jene
im Sinne der Antragsbegründung bei der Bundes-               Betriebe zu gelten hat, die die Auflage der 120
regierung unverzüglich dafür einzusetzen, geeig-             Weidetage erfüllen, wo die 160 Freilandhaltungen,
nete Maßnahmen zu setzen, …“                                 ihr wisst ja, dass auf Grund gesetzlicher Änderun-




                                                       178
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


gen und baulicher Maßnahmen von Betrieben                        Die Gefertigten stellen daher folgenden An-
unternommen werden müssen, die Anbindehal-                  trag:
tung haben. Und es ist hier gerechtfertigt, dass
die nicht nur am ÖPUL-Programm teilnehmen,                      Der Hohe Landtag wolle beschließen:
sondern auch jene, die sozusagen die Weidetage
bzw. Freilandhaltungstage erfüllen. Und die dies-                Die Landesregierung wird aufgefordert im
bezüglich auch die so genannte Weideprämie                  Sinne der Antragsbegründung eine Niederöster-
bekommen sollen wie es in anderen Bundeslän-                reichische Weideprämie, so wie in anderen Bun-
dern auch geschieht. (Liest:)                               desländern, einzuführen.“

                  „Resolutionsantrag                              Ich komme zu den weiteren Geschäftsstü-
                                                            cken, Land- und Forstwirtschaftsinspektion, dann
    der Abgeordneten Sulzberger, Waldhäusl,                 landwirtschaftlicher Förderfonds. Dieser Geset-
Königsberger, Ing. Huber, Tauchner und Hafen-               zesvorlage haben wir schon im Ausschuss unsere
ecker gemäß § 60 LGO 2001 zu Ltg. 632/B-14/2-               Zustimmung gegeben. Es ist hier vom Förder-
2010 – Bericht über die wirtschaftliche und soziale         fonds wirklich ordnungsgemäß und sauber geführt
Lage der Land- und Forstwirtschaft in Nieder-               und sind nachhaltig auch die Fördermittel ausge-
österreich für das Jahr 2009 betreffend Einfüh-             schöpft worden. Die Jahresabschlussrechnung
rung einer Weideprämie nach dem Modell anderer              bringt noch einen Überschuss von 855.719 Euro.
Bundesländer.                                               Das ist gut so, das hat unsere Zustimmung. Und
                                                            ebenso die Tätigkeiten der Land- und Forstwirt-
     Wie aus einer aktuellen Publikation des                schaftsinspektionen, die auch lobenswert zu er-
Landwirtschaftsministeriums hervorgeht, verrin-             wähnen sind und vor allem auch im Hinblick auf
gerte sich die Anzahl der Rinderhalter in den ver-          die Lehrlingsausbildung vollkommen unsere Zu-
gangenen Jahren um mehr als die Hälfte auf rund             stimmung findet. Ich danke für die Aufmerksam-
73.500. Aufgrund der schwierigen finanziellen               keit! (Beifall bei der FPÖ.)
Lage vieler landwirtschaftlicher Betriebe und das
jetzige Auslaufen der Übergangsfristen bei der                  Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-
„Anbindehaltung“ wird dies nochmals verstärkt.              langt Frau Klubobfrau Dr. Petrovic.

     Abermals werden tausende Betriebe ihre                     Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Sehr ge-
Stalltür für immer schließen. Der Import von aus-           ehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und
ländischen Lebensmitteln wird weiter ansteigen              Herren! Sehr geehrter Herr Landesrat!
und der Preisdruck auf die in der Landwirtschaft
verbleibenden Erzeuger wird nochmals verstärkt.                  Zu den Berichten möchte ich voranschicken,
Der volkswirtschaftliche Schaden wäre nicht zu              dass ich es einerseits positiv finde, dass dem
rechtfertigen. Daher fordern wir die Einführung             Landtag berichtet wird, was ja nicht in allen wich-
einer Weideprämie um gerade die kleinen und                 tigen Materien so regelmäßig der Fall ist. Und ich
mittleren viehhaltenden Betriebe zu unterstützen.           schätze die vorliegenden Berichte sehr unter-
Es ist kein Argument, dass die Weideprämie in               schiedlich ein.
NÖ über das Ökopunkteprogramm ausbezahlt
wird. Viele Betriebe erfüllen die Voraussetzung für              Der Bericht über den NÖ landwirtschaftlichen
die Weideprämie von 160 Tagen Freilandhaltung               Förderungsfonds ist zwar ein detaillierter Bericht
bzw. 120 Weidetage und wollen nicht am Öko-                 und ich zweifle überhaupt nicht an der zahlenmä-
punkteprogramm teilnehmen. Außerdem gibt es                 ßigen Richtigkeit und auch an der Redlichkeit
seit November 2008 keine Möglichkeit mehr in                dieses Berichtes. Ich zweifle auch nicht an der
das Ökopunkteprogramm einzusteigen.                         Korrektheit derer, die diesen Fonds verwalten.
                                                            Allein, es ist der Bericht einer Steuerberatungs-
     Mit der Einführung einer Weideprämie könnte            kanzlei. Und was mir dabei so sehr fehlt ist ir-
man sicher das beschleunigte Bauernsterben                  gendwie die politische Zielsetzung oder das, was
bremsen und es würde gerade kleinen und mittle-             insgesamt mit dem doch beträchtlichen Mittelein-
ren Betrieben helfen. Die Erhaltung des Arbeits-            satz bewirkt werden soll. Das ist ein Bauchladen
platzes Bauernhof ist eine notwendige Maß-                  von verschiedenen Förderungsmöglichkeiten,
nahme, die für Existenzsicherheit der bäuerlichen           vom Güterwegebau über die Betriebshilfe bis hin
Familien sorgt und ebenso für die Erhaltung des             zu einzelnen Maßnahmen im Bereich der Tier-
ländlichen Raumes.                                          zucht und Einzelprojekten. Und ein Beitrag, der im




                                                      179
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Anschluss an Bundesförderungen zu geben ist.                Nein, das ist nicht so stark. Im Bereich der Scha-
Insgesamt fragt man sich so quasi, was will man             leneier nicht. Im Bereich der verarbeiteten Pro-
damit für die niederösterreichische Landwirtschaft          dukte sind wir noch nicht so weit.
oder wo ist denn der grüne Faden, der sich durch
diesen Bericht zieht?                                            Aber hier sollte man sowohl den Vereinen,
                                                            die hier tätig sind, und ich bin auch in diesem
      Und da glaube ich schon, dass hier einiges            Bereich tätig, als auch den entsprechenden Be-
mehr an einer politischen Ausrichtung …, ich                trieben unter die Arme greifen. 95,2 Prozent und
meine damit nicht parteipolitisch, sondern an einer         ein ganz anderes Preisniveau als etwa schon bei
politischen Ausrichtung in die Fondsverwaltung              unserem Nachbarn Deutschland, der der zweit-
hineingebracht werden sollte. Wenn ich mir näm-             beste Staat in der Statistik ist. Alle anderen euro-
lich diesen Bericht anschaue und parallel lese              päischen Staaten kommen ganz, ganz weit hin-
dann den Bericht zur sozialen Lage der Land- und            ten, unter „ferner liefen“. Und ich denke, diesen
Forstwirtschaft, dann zeigt sich einerseits dieses          kleinen Sprung auf die 100 Prozent würden wir
traurige Bild, das mein Vorredner ja schon skiz-            auch noch schaffen.
ziert hat: Minus 20 Prozent im Einkommensbe-
reich. Das ist ja doch dramatisch.                               Nur bedeutet das eben auch für einige Be-
                                                            triebe durchaus große Investitionen. Und es gibt
     Aber ich würde dieses Bild gerne erweitern.            Probleme in dem Bereich. Etwa, dass auf Grund
Es ist ein bisschen differenzierter. Denn im Be-            der kleinbäuerlichen Strukturen es mit dem Ab-
reich der Biolandwirtschaften haben wir nicht die-          holen nur einmal in der Woche klappt. Das ist
sen Einbruch. Meine Frage jetzt an alle, die über           wieder mit dem Handel zum Problem geworden.
Förderungsmittel verfügen und an alle, die auch             Die riesigen Agrarfabriken in Norddeutschland,
einen Einfluss ausüben auf die nächste Ausrich-             die haben dieses Problem nicht. Und ich denke,
tung der Bundesförderungsprogramme, ja, sollte              diese speziellen Probleme, die sollte man stärker
das nicht ein ganz wesentlicher Anreiz sein oder            Angriff nehmen und dort nicht, was immer noch
ein Auftrag sein, dass wir alle unsere Förderun-            leider Gottes passiert in manchen Agrarzeitungen,
gen nach den Biokriterien ausrichten? Wenn dort             so quasi das Feindbild Tierschutz an die Wand
mit höheren Einnahmen dann für die Landwirt-                malen, sondern bewusst diese Kooperation an-
schaft zu rechnen ist. (Beifall bei den Grünen.)            streben.

    Es ist sehr erfreulich, dass 52 Prozent der                   Und daher würde ich mir wünschen, wenn es
gesamten bundesweiten Bioflächen in Nieder-                 schon ein Kalbinnen-Programm gibt und eine
österreich liegen. Und ich denke mir, von da her,           Genetikaktion, die gefördert werden, dass man
wenn wir es eh schon ein bisschen …, so quasi,              hier ganz gezielt und ganz bewusst das Thema
mehr als die Hälfte der gesamten Bioflächen in              Tierschutz in den Mittelpunkt stellt. Das ist das
Niederösterreich, also ich denke, das wäre doch             kommende Thema! Und wenn Sie reden mit den
ein wirklicher Anreiz, hier noch einmal einen               großen Handelsketten, mit den Einkaufsleitungen
Schritt weiter zu machen und genau in diese                 dort, dann sind die heute bereits dabei, ein Qua-
Richtung den Landwirtschaftsbetrieben auch unter            litätsprogramm im Bereich Schweinefleisch zu
die Arme zu greifen und damit gleichzeitig auch             entwickeln, bei dem die Schweine nicht ohne Be-
etwas für den Konsumentenschutz zu tun.                     täubung kastriert werden. Weil viele Konsumenten
                                                            genau danach fragen.
      Ich spreche jetzt einen kleinen Bereich an,
der nicht in einer speziellen Aktion drinnen ist.                Und ich sage Ihnen eines: Die Medienbe-
Einen Bereich, wo sich beispielsweise auch die              richte, die diese Missstände aufzeigen, für die ich
Zusammenarbeit zwischen Tierschutz und Land-                nicht einzelne Landwirtschaftsbetriebe verant-
wirtschaft wirklich sehr positiv bewährt hat. Näm-          wortlich mache sondern das System, diese Me-
lich im Bereich der Eierproduktion und im Bereich           dienberichte werden zunehmen. Und ich glaube,
der Geflügelhaltung. Dort ist es so, das spricht            es ist das Gescheiteste, wie das einzelne nieder-
man viel zu wenig aus, dass dort die Kooperation,           österreichische Betriebe ja schon vorgezeigt ha-
die rein privatrechtliche Kooperation zwischen              ben, wie eine niederösterreichische Molkerei, die
Vereinen im Bereich des Tierschutzes und den                ganz frühzeitig auf Gentechnikfreiheit gesetzt hat.
entsprechenden Betrieben dazu geführt hat, dass             Jetzt wird die ganze Eierwirtschaft umschalten auf
95,2 Prozent der Legehennen in Österreich in                gentechnikfreie Fütterung.
alternativen Haltungsformen gehalten werden, die
über dem gesetzlichen Mindeststandard liegen.                   Und ich denke, wenn wir insgesamt in Nie-
(Zwischenruf bei Abg. Lembacher.)                           derösterreich die Tierhaltung auf ein derartiges




                                                      180
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Gentechnikfreiprogramm umstellen, dann haben                 wegen, der Bericht ist ja richtig, das kann man
wir einen entscheidenden Vorteil am Markt. Es                sagen. Er gefällt uns vielleicht nicht, weil manche
geht aber auch, von der Größenordnung der nie-               Dinge nicht sich so entwickelt haben, wie wir es
derösterreichischen Agrarwirtschaft, dass es                 gerne hätten. Aber dennoch ist er wirklich aus-
überhaupt noch möglich ist. Andere, große euro-              führlich und sehr gut gemacht. Er ist informativ, er
päische Staaten würden sich hier schwer tun,                 zeigt alle Bereiche der Landwirtschaft aus. Ob es
einfach auf Grund der Mengen, die hier nachge-               im Sozialbereich ist, auch in der Produktion.
fragt werden. Bei uns ist es möglich! Bei uns
funktioniert, wie gesagt, in Teilbereichen die Ko-                Der Produktionswert der Landwirtschaft hat
operation. Und daher wünsche ich mir ein Förde-              sich 2009 sehr verringert. In verschiedensten
rungswesen, das stärker, genau auf diese zu-                 Bereichen, ob es im Getreidebereich war, in der
kunftsorientierten Bereiche, Tierschutz, Tier-               Tierhaltung, in der Tierwirtschaft. Und wir spüren
rechte, Gentechnikfreiheit und eine flächende-               und wir sehen auch, dass sich die Krise, die wirt-
ckende Ökologisierung der Landwirtschaft fokus-              schaftliche Krise auch in der Landwirtschaft sehr
siert.                                                       stark ausgewirkt hat. Wenn die Kaufkraft geringer
                                                             wird, wird natürlich auch in landwirtschaftlichen
     Und dann könnten diese Berichte, die jetzt              Produkten gespart. Vielleicht nicht mehr so hö-
ein bisschen ein Zahlenfriedhof sind, also der               herpreisig eingekauft, sondern auch auf billigere
Bericht über die soziale Lage hebt sich da aus               Lebensmittel gegriffen. Und vielleicht auch nicht
meiner Sicht deutlich ab, aber dennoch, ich denke            nur auf heimische Lebensmittel, sondern auch auf
mir, diese klare Zielsetzung, diese klare Fokussie-          ausländische Lebensmittel. Das können wir und
rung auf Ökologisierung, auf Tierschutz, auf Kon-            das müssen wir ja auch immer wieder feststellen.
sumentinnenschutz, das ist etwas, was man viel
stärker in den Vordergrund stellen sollte. Und das                Im Außenhandel im agrarischen Bereich war
ist etwas, wo wir mit einem ganz kleinen Mehr-               2009 der Rückgang geringer als in anderen Wirt-
aufwand wahrscheinlich wirklich zum europäi-                 schaftsbereichen. Und was wir auch sehen, ist,
schen Spitzenreiter werden können oder es in                 dass auch der Strukturwandel sich nach wie vor
manchen Bereichen sogar noch ausbauen kön-                   fortsetzt. Wir haben in Niederösterreich rund
nen. Danke schön! (Beifall bei den Grünen.)                  46.000 Betriebe. Der Kollege hat schon gesagt,
                                                             gegenüber 1999 auch sehr groß und sehr stark,
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                   von 2005 bis 2007 war der Rückgang an landwirt-
gelangt Frau Abgeordnete Lembacher.                          schaftlichen Betrieben nicht mehr so groß, es
                                                             waren 0,7 Prozent.
     Abg. Lembacher (ÖVP): Herr Präsident!
Herr Landesrat! Verehrte Kolleginnen und Kolle-                   Der biologische Landbau, weil die Kollegin
gen!                                                         Petrovic das angesprochen hat, hat natürlich auch
                                                             in Niederösterreich einen sehr hohen Stellenwert.
     Der Grüne Bericht, den wir alljährlich zu die-          Und die Unterstützungen, die Ausgleichszahlun-
ser Zeit diskutieren, zeigt ja die Lage der Land-            gen im biologischen Landbau sind ja auch gegen-
wirtschaft, die soziale und wirtschaftliche Lage der         über der konventionellen Landwirtschaft doch um
Landwirtschaft für das vergangene Jahr und                   einiges höher, damit auch natürlich ein Anreiz
diesmal für das Jahr 2009 aus.                               besteht, in den Bereich hineinzugehen.

     Wir sind bereits im Herbst und wissen auch                   Diese Einkommenseinbußen waren durch
schon, wie das Jahr 2010 sich wirtschaftlich für             den dramatischen Preisverfall gegeben. In der
die Landwirtschaft ausgewirkt hat oder auswirkt.             Landwirtschaft hat es natürlich alle Betriebsfor-
Jedes Jahr, und das können wir auch an den Be-               men betroffen. Nicht so stark die Veredelungsbe-
richten sehen, ist sehr unterschiedlich. Haben wir           triebe oder auch Betriebe, die einen hohen oder
2007 diskutiert über Preisanstiege und „die Bau-             höheren Forstanteil haben.
ern verteuern die Lebensmittel“, so hat es 2008
schon etwas anders ausgeschaut und 2009 hat                       Was wir aber aus diesem Bericht sehen kön-
sich die Lage wieder verändert. Und zwar war                 nen und natürlich auch aus dieser ganzen Situa-
2009 kein einfaches, sondern ein sehr schwieri-              tion, dass nach wie vor und in Zukunft genauso
ges Jahr für die Landwirtschaft.                             wichtig oder noch wichtiger auch die Ausgleichs-
                                                             zahlungen sein werden. Auf EU-, Bundes- und
    Die Zahlen und Fakten des Grünen Berichtes               Landesebene. Im Jahr 2009 wurden rund 2,3
zeigen das ja auf. Und der Bericht ist, wenn auch            Milliarden Euro an Bundes- und Landesmitteln für
die FPÖ sagt, wir stimmen nicht zu des Inhalts               die heimische Land- und Forstwirtschaft aufge-




                                                       181
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


wendet. Das waren um 5 Prozent mehr als im                  wenn das wegfallen würde, muss ich sagen, dann
Jahre 2008. Und zwar ist das in erster Linie auch           sind das Arbeitsplätze, sowohl in der Landwirt-
die Zunahme der Aufgaben für die ländliche Ent-             schaft, aber letztendlich auch in den nachgela-
wicklung. Auch beim Umweltprogramm ÖPUL                     gerten Bereichen.
kam es zu Erhöhungen.
                                                                 Die Regierung hat also jetzt ein Bekenntnis
     Und weil die Kollegin Petrovic auch ange-              auch zu dieser flächendeckenden bäuerlichen
sprochen hat, nur Umstieg auf „Bio“: Ich denke              Landwirtschaft abgegeben. Diese Mittel sind nicht
mir, dass das nicht möglich sein wird, weil erstens         Subvention für die Bauern, sondern das Budget
einmal der Absatz teilweise nicht da ist und weil –         für die Land- und Forstwirtschaft. Und ich möchte
und das muss ich schon auch sagen – die öster-              an dieser Stelle auch Landesrat Pernkopf ein
reichische und die niederösterreichische Land-              herzliches Dankeschön sagen. Gerade was das
wirtschaft sehr stark mit Umweltmaßnahmen in                Programm LEADER betrifft, ländliche Entwicklung
das ÖPUL-Programm mit eingestiegen ist. 73                  haben wir in Niederösterreich die Kofinanzierung
Prozent aller Betriebe, und zwar knapp um 90                gesichert. Ich glaube, das ist entscheidend für die
Prozent der Flächen, nehmen am ÖPUL teil. Also              Zukunft, genauso auf Bundesebene, bis 2013.
ein sehr, sehr großer Prozentsatz. Und damit sind           Und für nach 2013 werden die Mittel jetzt auch
wir europaweit und EU-weit weit vorne.                      ausverhandelt.

     Wir haben also 36 Maßnahmen und dafür                       Und ich möchte schon sagen, es kommt mir
wurden 548 Millionen Euro ausbezahlt. Der                   halt schon sehr doppelbödig vor wenn ich auf der
Niederösterreich-Anteil an diesen Maßnahmen                 einen Seite kritisiere und auf der anderen Seite
beträgt 31,5 Prozent. Wir sind nach wie vor das             sage, ja, und ein bisschen auf die ÖVP hinhaue
größte agrarische Bundesland Österreichs. Und,              und sage, na ja, es ist euch alles nicht gelungen.
was natürlich auch für uns sehr, sehr wichtig ist           Das ist so ein bisschen das Motto „haltet den
und in Zukunft wichtig ist, dass sich auch die              Dieb“. Es ist gescheiter, man lenkt von sich selber
Bundesregierung gerade zu diesen Maßnahmen                  ab und haut auf die anderen.
für die Landwirtschaft für 2011, aber auch noch
2013 entscheidet und zustimmt.                                   Tatsache ist es, dass die Landwirtschaft
                                                            Enormes leistet für eine flächendeckende Bewirt-
     Und da möchte ich gleich an den Kollegen               schaftung: Ein Milliardenwert für die Bevölkerung
Leichtfried …, und ich denke mir, im Land sind wir          und auch für den Tourismus. Die Versorgung, die
uns ja immer wieder einig, dass für die Landwirt-           Ernährungssicherheit und Lebensmittelsicherheit,
schaft etwas getan werden muss, dass diese                  ist gewährleistet. Und wir haben auch eine Gen-
Ausgleichszahlungen notwendig sind. Auf Bun-                technikfreiheit am Teller.
desebene schaut es mir halt von eurer Seite oft
nicht so aus. Wenn der SPÖ-Geschäftsführer                       Was mich natürlich immer wieder schon sehr
sagt, es gehören 80 Millionen der Landwirtschaft            stark auch betrifft, ist das, dass wir in Österreich
gekürzt, dann bedeutet das 266 Millionen Euro               wirklich hochwertige Lebensmittel haben, strenge
weniger für die Landwirtschaft. Und was das für             Kriterien, auch europaweit, aber letztendlich wir
die einzelnen Betriebe bedeutet, könnt ihr euch             im Handel konkurrenzieren müssen mit Produkten
wirklich vorstellen, das ist ein Minus von vielen           aus anderen Ländern. Die zwar billig sind, wo wir
hunderten Euro. Und dass sich die Situation der             aber keine Nachverfolgbarkeit haben, woher diese
Landwirtschaft noch weiter verschlechtern würde.            Produkte kommen und letztendlich auch die Kon-
                                                            sumenten, denke ich mir, auch immer wieder
     Es hat ja vor einiger Zeit so ein „Schwarz-            auch getäuscht werden.
buch“ gegeben, das von der SPÖ in Auftrag ge-
geben worden ist um ganz einfach aufzuzeigen,                    Und wenn auch immer wieder angesprochen
was die Landwirtschaft alles letztendlich be-               wird, wie hoch ist der Anteil der Landwirtschaft
kommt. Die großen Betriebe habt ihr nur ange-               oder des landwirtschaftlichen Produktes am ferti-
schnitten und das ist ja immer wieder auch eures:           gen, dann sage ich das nur am Beispiel einer
Ihr wollt die Landwirtschaft auseinander dividie-           Kaisersemmel: Wenn die 30 Cent kostet, sind es
ren, groß und klein, und „Agrarfabriken“ und was            sogar mit einer Erhöhung der Getreide- oder Wei-
weiß ich was alles. Tatsache ist, dass es nur 35            zenpreise nur mehr 1 Cent. Also da kann mir nie-
landwirtschaftliche Betriebe gibt, die mehr als             mand sagen, dass ein landwirtschaftlicher Preis
160.000 Euro an Förderungen bekommen. Das                   oder ein Produkt irgendwo das Endprodukt sehr
andere sind größere Betriebe, Industrie. Und                stark verteuert!




                                                      182
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


     Ich habe schon angesprochen, dass es auf                nur ein bisschen gekostet, weil wir ja die Land-
europäischer Ebene Verhandlungen gegeben hat,                tagssitzung haben, das ist ganz klar.
darin waren unser ehemaliger Landwirtschaftsmi-
nister Molterer und auch Landesrat Pernkopf sehr,                 Das Jahr 2009 war schon von der Menge her
sehr stark eingebunden. Und dieses Papier wird               gering, aber ganz besonders im Jahr 2010 haben
jetzt dann auch präsentiert. Es ist einmal ein vor-          wir eine sehr, sehr geringe Ernte. Die Qualität ist
läufiges Papier, aber man kann sagen, es hat sich            trotzdem gut geworden. Wir werden wahrschein-
der Ansatz Niederösterreichs und Österreichs                 lich, wir erhoffen es nicht, doch gewisse Markt-
sehr stark durchgesetzt. Es geht darum: In die-              anteile im Billigsegment verlieren. Aber den Kon-
sem Papier gibt’s drei Hauptziele. Das ist die Si-           sumenten, und wir haben hervorragende Winzer,
cherheit einer rentablen Nahrungsmittelerzeu-                den Konsumenten wird wieder ein guter Jahrgang
gung, eine nachhaltige Bewirtschaftung, daneben              präsentiert.
geht’s um Umwelt und Klimaschutz und auch um
eine ausgewogene Weiterentwicklung der ländli-                    Wir haben auch im Weinbau sehr gut profitie-
chen Gebiete.                                                ren können von den ganzen Investitionsförderun-
                                                             gen, Umweltförderung, Umstellungsförderungen,
     Das sind also sicher auch die Eckpfeiler                auch bei uns im Land Niederösterreich. Alles das
Österreichs Agrarpolitik. Wichtig war auch und ist,          ist auch möglich, weil es eben Politik gibt, weil es
glaube ich, auch in dem Papier berücksichtigt,               Menschen gibt, die sich einsetzen auch für die
dass es auch in Zukunft gewisse Marktsteue-                  Belange der Landwirtschaft.
rungsinstrumente, Ordnungselemente, geben
wird.                                                              Ein Schwerpunkt bei uns ist auch die Bildung,
                                                             die Ausbildung und auch die Weiterbildung. Die
      Tatsache ist aber, dass das Papier einmal              Schulen, ich habe es schon gesagt, haben sich
keine Verschlechterungen bringt. Aber ausdisku-              heute sehr gut präsentiert. Es gibt eine moderne,
tiert ist noch immer nicht die Finanzierung. Und             eine zeitgemäße Ausbildung in unseren Schulen.
da, glaube ich, werdet auch ihr alle, ob das jetzt           Wir haben Lehrer, wir haben Direktoren, denen
FPÖ ist oder SPÖ, dann zeigen können, wenn es                ihre Schule am Herzen liegt. Denen es am Herzen
um die Stunde der Wahrheit geht, wie weit es                 liegt, dass sich die Landwirtschaft gut weiter ent-
euch wirklich ernst ist mit den Anliegen der Land-           wickelt, Facharbeiter-, Meisterprüfung und höhere
wirtschaft und der Bauern. Und da könnt ihr euch             Lehranstalten.
dann auf europäischer, nationaler und Landes-
ebene sehr stark einbringen.                                       Eines, warum ich auch sehr froh bin, dass wir
                                                             eine so gute Landwirtschaftskammer haben, eine
     Wir haben aber auch im Vorjahr von Seiten               gute Informationspolitik, ist gerade auch, was die
des Bauernbundes die Aktion „heimisch kaufen“                Mehrfachanträge betrifft. Uns in Österreich und in
gestartet. Weil es uns eben darum gegangen ist,              Niederösterreich ist es gelungen, wirklich korrekt
zu zeigen, dass die Landwirtschaft an sich alleine           die Ausgleichszahlungen aus Brüssel abzurech-
ein Wirtschaftsfaktor ist, aber auch in Zusammen-            nen. Ich habe vor einiger Zeit …, ich weiß nicht,
arbeit mit verarbeitender Industrie, mit den Arbeit-         ob Sie es gelesen haben: 507 Millionen Euro
nehmern, weil letztenendes gehören ja alle zu-               müssen zurückgezahlt werden, weil es unrecht-
sammen. Und wenn 10 Prozent mehr heimische                   mäßige Anträge gibt oder nicht korrekt ausge-
Lebensmittel gekauft werden, dann sind das                   füllte. In Österreich und in Niederösterreich war
17.000 Arbeitsplätze mehr. 530.000 Menschen                  das nicht der Fall. Da hat alles funktioniert. Und
leben von der Landwirtschaft und vom nachgela-               da sieht man wirklich, dass Beratung, auch die
gerten Bereich! Diese Aktion war uns sehr wichtig            Korrektheit der Landwirte, immer vorhanden ist.
und wir haben das mit vielen Firmen gemacht und
es ist sehr, sehr positiv angekommen.                              Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir
                                                             haben auch einen Resolutionsantrag der FPÖ, in
     Ein paar Punkte möchte ich auch noch sagen              dem es darum geht, die Reduktion der SV-Bei-
zum Wein, weil das auch ein großer Bereich ist,              träge der Bauern zu kürzen. Reduktion. Wir stim-
auch im Land Niederösterreich. Hohe Wert-                    men dem nicht zu weil wir wissen, dass im Sinne
schöpfung, der Wein. Und da haben wir ja heute               der Selbstverwaltung der SVB ein jährlich ausge-
die Segnung gehabt. Das ist doch ein Produkt,                glichenes Budget erstellt werden muss. Kranken-
das geschätzt wird. Der Herr Präsident hat philo-            versicherung, Unfallversicherung und Betriebs-
sophisch den Wein besprochen, und er war sehr                hilfe. Und deswegen ist eine Rücknahme nicht
gut, das muss ich auch wirklich sagen. Wir haben             möglich. Denn wir wollen auch die Versorgung der




                                                       183
Landtag von Niederösterreich        Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


Bauern und die Leistungen der Bauern, die die                      Wir haben halt die Agrarpolitik zum größten
erhalten, in Zukunft nicht kürzen.                             Teil sogar aus der Bundeskompetenz nach
                                                               Brüssel verlagert. Und jetzt bekommen wir die so
     Meine sehr verehrten Damen und Herren!                    genannte Ernte dafür. Und diese Ernte heißt, je-
Der Grüne Bericht für das Jahr 2009 zeigt ein                  den Tag sieben Höfe weniger.
realistisches Bild. Zeigt aber auch dass es Land,
Bund – und das gilt ganz besonders dem Land                         Ich möchte mich nicht damit abfinden. Und
Niederösterreich – durch die Zurverfügungstellung              darum kritisieren wir es auch. Aber es ist auch so,
der finanziellen Mittel auch immer wieder ein                  und das muss man auch ehrlich dazu sagen, in
wichtiges Anliegen ist, der Landwirtschaft zu hel-             Niederösterreich hat die Agrarpolitik auch eine
fen. Und an die beiden Kollegen von FPÖ und                    starke Vertretung in der ÖVP. Und wenn hier mit
SPÖ noch einmal: Wir hoffen und wir wünschen,                  über 90 Prozent das Bauernsterben trotzdem
dass es nicht nur Worte sind, wenn ihr euch zur                nicht verhindert werden kann, dann wird es wahr-
Landwirtschaft bekennt, sondern dass dem auch                  scheinlich auch nicht besser werden wenn der
Taten folgen. Dann ist mir auch …, wenn wir ge-                Bauernbund jetzt einen neuen Direktor bekom-
meinsam einen Weg finden werden mit zuerst                     men hat. Glaube ich nicht, dass es sich stark
einmal natürlich Produkten der Landwirtschaft,                 verbessern wird. Ich glaube, das Bauernsterben
aber auch durch Ausgleichszahlungen, dann wird                 wird auch weiter schreiten. Denn so sehr Sie sich
auch die Landwirtschaft in Zukunft die Möglichkeit             bemüht haben, Herr Präsident, dieser Weg ist,
haben zu bestehen. Danke! (Beifall bei der ÖVP.)               glaube ich, nur seitens einer Landespolitik nicht
                                                               zu verhindern gewesen. Es war eher so, wie ich
     Dritter Präsident Rosenmaier: Der Herr Ab-                im Bundesrat auch schon mit Ihnen darauf hinge-
geordnete Kernstock hat wieder eine Einladung                  wiesen habe, dass ihr die Bauern nach Brüssel
ausgesprochen. Ich darf begrüßen eine Abord-                   verkauft, habt ihr nur halt gesagt, es ist nicht so.
nung der Exekutive aus dem Bezirk St. Pölten. Es               Da habt ihr es belächelt. Jetzt ist es so, dass wir
freut uns, dass Sie Interesse für den NÖ Landtag               im Land mit landespolitischen Maßnahmen sehr
mit Ihrem Kommen bekunden und darf Sie herz-                   wohl noch ein bisschen pflegerische Leistungen
lich willkommen heißen! (Beifall im Hohen Hause.)              übernehmen können, ein bisschen Kleinarbeiten.
                                                               Aber grundsätzlich haben wir es nicht mehr in der
   Zu Wort gelangt Herr Abgeordneter Klubob-                   Hand, hier leider Gottes eine Agrarpolitik so zu
mann Waldhäusl.                                                gestalten, wie wir alle sie gemeinsam möchten.

    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr                        Ich attestiere Ihnen, dass auch Sie in Ihrer
Präsident! Herr Landesrat! Werte Kollegen des                  Tätigkeit als Bauernbunddirektor wahrscheinlich
Hohen Hauses!                                                  genauso traurig sind über jeden, der beklagt, dass
                                                               er seinen Hof aufgeben muss. Ich habe feststellen
     Auch ein paar Worte von meiner Person zum                 müssen, speziell bei diesen Gesprächen – und es
Grünen Bericht und warum wir diesen Bericht                    sind sehr viele, die die Höfe aufgeben, resignieren
tatsächlich ablehnen. Es hat nichts damit zu tun,              etc. – dass ich dann merke, dass die, wenn sie
ob er jetzt inhaltlich richtig oder nicht richtig ist.         auf den Arbeitsmarkt rennen, zumindest als
Einfach unterm Strich zeigt sich ja, dass die                  Wähler der ÖVP, euch abhanden kommen und
Agrarpolitik leider Gottes in die Richtung gegan-              dann nicht zur SPÖ gehen. Das heißt, ich würde
gen ist die letzten 15, 20 Jahre, in eine Richtung,            mir an euer Stelle auch parteipolitisch darüber
die wir nicht wollten. Dass das Bauernsterben                  Gedanken machen, wenn das Bauernsterben so
zugenommen hat.                                                weiter geht, wie ihr in 15, 20 Jahren da steht. Da
                                                               werdet ihr dann bald Wiener Verhältnisse haben,
    Wir haben Einkommensverluste jetzt wieder                  würde ich so meinen.
zu beklagen von über 20 Prozent. Jeden Tag
sperren sieben Höfe zu. Da tu ich mir schwer,                       Aber ich möchte grundsätzlich feststellen,
dass ich sage, der Bericht ist in Ordnung. Denn                weil die Kollegen Lembacher jetzt auch gesagt
das ist etwas, mit dem ich nicht zufrieden sein                hat, immer wieder … (Abg. Präs. Ing. Penz: Wis-
kann. Seit über 10 Jahren kritisiere ich hier im               sen Sie, Herr Abgeordneter, wenn ich das ge-
Landtag, was alles schief läuft. Und ich bin mitt-             wusst hätte, hätte ich Sie als Bauernbunddirektor
lerweile auch so ehrlich, zu sagen, es können die              vorgeschlagen!)
Landespolitiker, ob jetzt Regierung im Landtag                 Ich glaube nicht, dass Sie das gemacht hätten.
oder der Landtag selbst, in Niederösterreich am                Nein, Sie haben eindeutig eine Frau positionieren
wenigsten dafür.                                               wollen. Das ist auch richtig und gut so.




                                                         184
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


     Kollegin Lembacher, es geht nicht darum,                 ben, die im Herbst einer Vorortkontrolle unterzo-
dass jetzt die SPÖ oder die FPÖ, weil sie kritisiert,         gen werden bzw. noch bis Weihnachten unterzo-
jetzt irgendwo etwas auseinander dividieren                   gen werden müssen auf Grund des Auswahlprin-
möchte zwischen Betriebsgrößen. Ich glaube, da                zips. Und die hätten jetzt das Problem, dass sie
sind wir uns einig, das wollen wir alle nicht. Es ist         im heurigen Jahr keine Betriebsprämie bzw. Aus-
nur grundsätzlich so, dass halt ich für einen ge-             gleichszahlung betreffend des ÖPUL erhalten
standenen bäuerlichen Familienbetrieb eintrete                werden auf Grund einer neuen Regelung.
und eher nicht gerne eine Agrarindustrie habe.
Und über die Art, ab wann eine Agrarindustrie                      Und da sind speziell jene Landwirte jetzt auch
beginnt oder nicht, da möchte ich gar nicht mit-              gefährdet, die auf Grund betriebswirtschaftlicher
machen bei der Diskussion. Weil da sind die Me-               Maßnahmen …, Es ist halt so, wenn man Kredite
dien da, die es nicht gut meinen mit uns allen.               hat, wenn man investiert hat und Rückzahlungen
Und daher glaube ich, ist die Definition „ein or-             hat, dann ist es so, dass mit den Banken verein-
dentlicher bäuerlicher Familienbetrieb“ jener Be-             bart ist, wenn hier die Gelder im Agrarbereich
trieb, der auch gesunde Nahrungsmittel und Le-                kommen, dann werden auch die Verbindlichkeiten
bensmittel produziert, die wir wollen und die wir             bedient. Und jetzt ist es so, dass, wenn diese
brauchen.                                                     Landwirte hier diese Prämien nicht bekommen,
                                                              sie ihre Verbindlichkeiten auch nicht bedienen
     Und wenn du sagst das mit den Preisen und                können. Obwohl sie im guten Glauben gewirt-
mit den Endproduktpreisen, da geb ich dir nicht               schaftet haben. Und ich bin der Meinung, dass wir
nur Recht, dazu möchte ich sogar das Beispiel                 hier helfen sollten. Nicht nur, ob es jetzt 10.000
erwähnen. Wenn die Landwirtschaft ihr Getreide                betrifft, auch wenn nur 500 Betriebe in Nieder-
verschenken würde, die Braugerste, das Bier                   österreich hier Probleme haben sollten, verdienen
würde deswegen für den Konsumenten nicht billi-               sie unsere Aufmerksamkeit. Daher stellen wir
ger werden. Und ich glaube, das zeigt auch, wie               gemeinsam den Antrag (liest:)
stark die Politik in diesem Bereich versagt hat.
Jetzt wirst wahrscheinlich nicht nicken, aber ich                               „Resolutionsantrag
muss das auch sagen.
                                                                   der Abgeordneten Waldhäusl und Lembacher
      Wir werden uns selbstverständlich einbrin-              gemäß § 60 LGO 2001 zu Ltg. 632/B-14/2-2010 –
gen, wenn es angesagt ist, liebe Kollegin                     Bericht über die wirtschaftliche und soziale Lage
Lembacher. Und ein Wort noch zur Klubobfrau                   der Land- und Forstwirtschaft in Niederösterreich
Petrovic. Mir hat eindeutig eines gefehlt: Es ist             für das Jahr 2009 betreffend Auszahlung der Be-
zwar anständig und ehrlich, wenn man einfordert,              triebsprämie und Ausgleichszahlung aufgrund
dass Ausgleichszahlungen und Prämien an Tier-                 einer Vorortkontrolle.
haltung und auch an Tierschutz geknüpft werden
oder verbunden werden. Da hab ich nicht grund-                     Die AMA führt regelmäßig Vorortkontrollen in
sätzlich ein Problem damit. Aber dann bitte nicht             den landwirtschaftlichen Betrieben durch. Diese
mit Scheinheiligkeit. Ehrlich bleiben! Speziell in            Kontrollen erfolgen über das ganze Jahr hinweg.
diesem Haus herinnen verurteile ich Scheinheilig-             Bestimmte Kontrollen können aufgrund der ge-
keit.                                                         buchten Maßnahmen erst im Herbst durchgeführt
                                                              werden. Dies hat nun zur Folge, dass den Land-
     Wenn ich die Kastration bei Ferkel anführe               wirten aufgrund einer Vorortkontrolle - egal, ob mit
und das kritisiere und sage, das gehört sofort                oder ohne Beanstandung – die ihnen zustehende
geändert, aber vor Jahren die Grünen beim Tier-               Betriebsprämie bzw. Ausgleichszahlung heuriges
schutzgesetz, beim Schächten, überhaupt kein                  Jahr nicht mehr ausbezahlt werden kann. Die
Problem gehabt haben und Grünaktivisten sogar                 ÖPUL - Ausgleichszahlung wird mit 17. November
noch vom betäubungslosen Schächten gespro-                    2010 und die Betriebsprämie mit 21. Dezember
chen haben, dann bitte, hat sich das von selbst               2010 den Landwirten überwiesen. Nun kommt es
erledigt. Dann diskutiere ich mit Ihnen, Frau                 aufgrund der Umsetzung einer bestehenden EU
Petrovic, über Tierschutz nicht mehr! (Beifall bei            Verordnung für alle Landwirte, bei welchen die
der FPÖ.)                                                     Vor Ort Kontrolle noch nicht durchgeführt bzw.
                                                              noch nicht abgeschlossen ist, zu einem späteren
     Ein Antrag gemeinsam, jetzt abschließend,                Auszahlungstermin.
von mir und der Kollegin Lembacher betreffend
Betriebsprämie und Ausgleichszahlungen im Zu-                     Die Gefertigten stellen daher den Antrag:
sammenhang mit der Vorortkontrolle. Hier gibt es
leider Gottes Probleme, speziell bei jenen Betrie-                Der Hohe Landtag wolle beschließen:




                                                        185
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


     Die Landesregierung wird aufgefordert im                2006 das deutlicher als es in der Folge dann zu
Sinne der Antragsbegründung bei der Bundesre-                verzeichnen ist. Aber trotzdem müssen wir fest-
gierung vorstellig zu werden, dass die Vor Ort               halten, dass in den letzten 10 Jahren in etwa 16
Kontrollen durch die AMA so rasch als möglich                Prozent, das heißt, fast 9.000 Betriebe sozusagen
abgeschlossen und die Kontrollberichte eingear-              ihre Pforten geschlossen haben.
beitet werden, um sicherzustellen, dass die Prä-
mien an die betroffenen Landwirte nach Möglich-                   Wir müssen festhalten, dass es immer mehr
keit noch heuer ausbezahlt werden.“                          Betriebe gibt, die weg gehen vom Hauptbetrieb.
                                                             Immer mehr Betriebe, wo die Zunahme von Per-
    Ich danke! (Beifall bei der FPÖ.)                        sonengemeinschaften und juridischen Personen
                                                             festzustellen ist. Betriebe auch, wo die Fläche
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                   sich gravierend verändert. War vor zwei, drei
gelangt      Herr Abgeordneter  Klubobmann                   Jahrzehnten ein Flächenausmaß von 16 Hektar in
Leichtfried.                                                 etwa gegeben, so haben wir jetzt ein Flächen-
                                                             ausmaß von 36 Hektar. Damit sind wir noch
    Abg. Mag. Leichtfried (SPÖ): Meine sehr                  immer nicht bei den Agrarfabriken und Groß-
geehrten Herren Präsidenten! Herr Landesrat!                 konzernen, wie es in anderen Ländern der Fall ist,
Werte Damen und Herren des Hohen Hauses!                     keineswegs. Aber wir sind auch in einer Ent-
                                                             wicklung, auf einem Weg unterwegs, den wir
     Ich nehme ebenfalls zu den drei vorliegenden            eigentlich gemeinsam, wie wir immer wiederum
Berichten Stellung. Ich darf festhalten, dass wir            sagen, nicht wollen.
alle drei Berichte zur Kenntnis nehmen werden.
Ich möchte mich ausschließlich mit dem Grünen                     Wenn wir diese Zahlen vergleichen und zu-
Bericht beschäftigen. Ich sage auch nochmals                 sammenfassen, können wir – und das sage ich
dazu, dass wir diesen Bericht noch zur Kenntnis              immer bei meinem Bericht hier und bei meiner
nehmen werden. Das heißt aber nicht, dass wir                Rede zum Grünen Bericht – dann können wir drei
mit der Landwirtschaftspolitik, so wie sie betrieben         Punkte eindeutig feststellen. Ich glaube, die sind
wird, einverstanden sind. Das sind wir bei weitem            auch nicht widerlegbar. Es ist einfach feststellbar,
nicht, ganz im Gegenteil! Wir sprechen uns für               dass es ein Wachsen und ein Weichen gibt. Es ist
eine grundlegende Veränderung in einigen Berei-              feststellbar, dass die kleinstrukturierte und
chen in der Landwirtschaftspolitik aus.                      flächendeckende Landwirtschaft, die wir so gerne
                                                             wollen und von der wir immer alle gemeinsam
     Aber wieso nehmen wir diesen Bericht zur                sprechen, eigentlich genauso der Vergangenheit
Kenntnis im Gegensatz zu den Freiheitlichen?                 angehört und immer weiter zurückgedrängt wird.
Weil ich glaube, das ist seit Jahren so, dass die-           Und es ist eindeutig feststellbar, dass die
ser Grüne Bericht eben einfach eine gute und                 materiellen Sorgen der Landwirte und der Land-
auch sehr ungeschminkte Darstellung der Istsitu-             wirtschaft immer größer werden.
ation der Landwirtschaft bietet. Dafür möchte ich
mich auch ganz, ganz herzlich bedanken. Ich                       Das heißt, es ist eine grundlegende – darin
glaube auch, egal, wer heute hier bereits gestan-            sind wir uns einig – eine grundlegende Situation,
den ist an Rednern, ob sie von den Freiheitlichen,           die nicht rosig ist und es ist leider auch keine
von den Grünen, Marianne von der ÖVP, gewe-                  Besserung in Sicht. Da setz ich jetzt bei dem an,
sen sind, alle haben im Prinzip diese Istsituation           was du auch immer gesagt hast, da sollen wir uns
aus den Zahlen heraus, die aus dem Grünen                    einsetzen und ich soll mich einsetzen. Ich glaube,
Bericht natürlich eben auch feststellbar sind, sehr          wir sind an und für sich, was die Analyse und die
deutlich darstellen können.                                  Diagnose betrifft, gar nicht so weit auseinander.
                                                             Aber wo wir auseinander liegen, glaube ich ganz
     Diese Zahlen sind sehr, sehr eindrucksvoll              eindeutig, ist die Therapie. Da gibt es unterschied-
und ich möchte jetzt nicht alles wiederholen. Aber           liche Wege. Ich weiß mich auch bei der Therapie
eindeutig zeigen diese Zahlen, dass eine                     mit vielen Bauern und Landwirten bereits in einem
schlechte Entwicklung, eine schlechte Entwick-               gemeinsamen Konsens. Um das auch zu sagen.
lung für Österreichs und Niederösterreichs Land-
wirtschaft auch in den letzten Jahren sich ver-                   Was meine ich damit? Es ist eine – auch das
stärkt haben. Auch wenn da und dort natürlich                sage ich jedes Jahr – eine grundsätzliche Ände-
auch eine Abnahme zu verzeichnen ist, du hast                rung in der Strategie notwendig. Es ist notwendig,
das richtig gesagt, wenn man die Zahlen her-                 mehr Gerechtigkeit, mehr Verteilungsgerechtig-
nimmt, was die Schließung der Betriebe, der Höfe             keit, mehr Fördergerechtigkeit hineinzubringen.
betrifft, dann war natürlich von 1999 bis 2005,              Es ist unzweifelhaft, Marianne, dass die Landwirt-




                                                       186
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


schaft ohne Förderung, ohne Subvention, ohne                die weit darunter liegen. Ihr wisst die Zahlen und
Ausgleichszahlung nicht überlebensfähig wäre. Es            die sind zu unterstützen. Weil sonst sind diejeni-
ist unzweifelhaft, dass auch wir Sozialdemokraten           gen die Nächsten, die zusperren. Dann haben wir
dazu stehen. Aber wozu wir nicht stehen, um das             wirklich eine Misere, die ihr wahrscheinlich auch
auch gleich zu sagen: Wir stehen nicht dazu, dass           nicht wollt. Ich glaube, ihr könnt es euch nicht so
die Gelder, die von Brüssel, vom Bund oder wo               einfach machen, das sag ich jetzt auch dazu, weil
auch immer, vom Land, herkommen, in der Art                 du mich aufforderst, ich soll mich verwenden.
und Weise, wie sie bisher verteilt werden, auch in          Okay.
Zukunft weiter verteilt werden. (Beifall bei der
SPÖ.)                                                            Aber so einfach geht es nicht. Nämlich
                                                            Schuldige für diese Misere nur bei der Kammer
     Ich weiß schon, ihr hört das nicht gerne. Aber         oder bei der SPÖ oder bei der FPÖ von mir aus,
es geht darum, eine Diskussion über die Neu-                noch immer zu suchen, das geht nicht, bitte. Für
ordnung der Agrargelder, der Fördergelder, der              die Landwirtschaftspolitik ist seit vielen Jahren
Ausgleichszahlungen zu führen. Und das hat                  und seit vielen Jahrzehnten für diese Istsituation,
nichts damit zu tun, was von euch immer                     die wir haben, einzig und allein die ÖVP oder der
wiederum verwendet wird, dass hier eine Neid-               Bauernbund verantwortlich. Nur die sind verant-
diskussion vom Zaun gebrochen wird. Da geht’s               wortlich! (Abg. Lembacher: Die ÖVP hat immer
nicht um Neid. Bitte, wenn 50.000 Landwirte von             alleine das Sagen gehabt in Österreich? Das wis-
insgesamt noch 160.000 in etwa 2.000 Euro im                sen wir doch, dass das nicht so ist!)
Schnitt pro Jahr an Unterstützungsmitteln bekom-
men und im Gegenzug dazu 2.100 – und das                          Für die Landwirtschaftspolitik seid ihr verant-
steht im Grünen Bericht drinnen – 2.100 be-                 wortlich, seit vielen Jahren und Jahrzehnten, bitte,
kommen 75.000 Euro, dann ist das, die Frage                 Marianne. So einfach geht’s nicht. Denn wenn es
kann, glaube ich, jeder beantworten, nicht ge-              bei uns eine Diskussion gibt im Ministerium,
recht. Das ist nicht gerecht! Damit können eben             müssen wir alles nach einem Jahr und eineinhalb
auch viele kleine Landwirte einfach nicht über-             Jahren ändern, was vorher verändert worden ist.
leben.                                                      Wenn ihr 30 Jahre und 40 Jahre dafür Verant-
                                                            wortung habt, dann sagt ihr, das geht nicht, denn
      Daher muss eine Diskussion in diese                   da habt ihr irgendeinen anderen Partner, der euch
Richtung geführt werden und es muss zu einer                das Ganze verhindert. Das ist eure Argumenta-
anderen Form der Leistungsabgeltung kommen.                 tion, die ich nicht akzeptieren werde und auch
Selbst das Landwirtschaftsministerium hat durch             nicht akzeptieren kann. (Beifall bei der SPÖ.)
eine Zahl widerlegt, was so gerne in der Diskus-            Setzt euch dort ein dafür, wo die Landwirtschafts-
sion, in der politischen Tagesdiskussion immer              politik auch tatsächlich gemacht wird!
wiederum gesagt wird. Nämlich, dass der Großteil
der Fördermittel in Richtung der kleinen Bauern                  Meine sehr geehrten Damen und Herren die-
geht. Bitte, das Landwirtschaftsministerium hat             ses Hohen Hauses! Ich glaube, wir brauchen ei-
selber hier festgehalten, bei den kleinen Bauern,           nen anderen Förderzugang. Wir brauchen einen
die kriegen in etwa 448 Euro pro Hektar, die grö-           Basissockel. Einen Basissockel für Kleinbetriebe
ßeren 544. (Abg. Lembacher: Das stimmt ja                   und fixe Obergrenzen pro Betrieb, abhängig von
nicht!)                                                     den beschäftigten Arbeitskräften, abhängig von
Du sagst, das stimmt nicht. Da musst aber das               ökologischen Kriterien, von artgerechter Tierhal-
Landwirtschaftsministerium korrigieren, weil von            tung, von Gentechnik und so weiter. (Unruhe im
dort stammen diese Zahlen. (Abg. Lembacher:                 Hohen Hause.)
Das ist im Schwarz-Buch gestanden!)                         Ja, ich weiß, dass im ÖPUL das alles drinnen ist.
Ja, natürlich ist es im Schwarzbuch gestanden.              (Abg. Lembacher: Das ist ja schon lange so!)
Aber der hat es aus dem Landwirtschaftsministe-             Nein, so lange ist es nicht! Wir haben noch immer
rium. (Abg. Moser: Was ist klein und groß bei dir?)         mehr im Vordergrund die Flächen und nicht das,
Klein und groß, das wird sich in etwa aus meiner            was ich jetzt gerade gesagt habe, den Arbeitsein-
Sicht sicherlich bei 30 bis 50 Hektar irgendwo              satz. Wir haben im Vordergrund die Flächen und
bewegen. Wo diese Trennung dann festzuhalten                sonst gar nichts.
ist. (Abg. Lembacher: 30 bis 50 Hektar sind bei
uns Betriebe, die gar nicht mehr im Vollerwerb                   Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich
geführt werden!)                                            war heute bei der Weintaufe und wir haben die
                                                            landwirtschaftlichen Schulen gesehen, die sich
    Ja, ja, ich glaub euch das schon. Aber nur ei-          präsentiert haben. Ich weiß, dass viele, viele
nes muss ich sagen, es gibt viele, viele Landwirte,         kleine Landwirte sehr viel arbeiten und hervor-




                                                      187
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


ragende Produkte produzieren mit hervorragender                 Importe aus Argentinien und aus den Über-
Qualität und diese Leistungsfähigkeit der Land-            seeländern gewannen an Bedeutung. Das hat
wirtschaft ist anerkennenswert. Diese anerken-             natürlich einen sehr fahlen Beigeschmack. Wich-
nenswerte Leistungsfähigkeit muss auch ent-                tig ist nämlich, dass wir unsere Konsumenten
sprechend abgegolten werden. Aber dort muss                motivieren, heimische Produkte zu kaufen. Damit
das Geld hin, wo es auch dringend notwendig ist,           ist eine Sicherung der heimischen Produktion und
und nicht, wo es derzeit praktisch vergeben wird.          des Wirtschaftsgefüges, Schaffung und Erhaltung
                                                           von Arbeitsplätzen von Landmaschinenherstellern
     Meine sehr geehrten Damen und Herren!                 bis zum Tourismus gegeben. Und wir haben dann
Landesrat Stephan Pernkopf hat heute über                  frische Produkte, bessere Qualitäten, Regionalität
dieses Paket oder dieses Papier, das in Brüssel            und Nachhaltigkeit schaffen können.
geschnürt wird und dann noch entsprechend aus-
formuliert und mit den Finanzen bestückt werden                 Bei uns war 1997 am Betrieb der amerikani-
muss, gesagt, wir sind sehr froh, weil wir in die-         sche Landwirtschaftsminister Dan Glickman. Und
sem Paket sozusagen alle Wünsche und Be-                   der hat zu mir gesprochen: Wir wollen hier in die-
gehrlichkeiten der Landwirtschaft Niederöster-             sem Berggebiet produzieren? Wir können von
reichs und Österreichs sozusagen untergebracht             Amerika, von Argentinien kubikmeterweise tiefge-
haben. Ich hoffe, dass diese Begehrlichkeiten              frorenen Lungenbraten per Schiffsladung haben.
dazu führen, dass wir in einem der nächsten                Aber was machen wir, wenn wir unsere heimische
Grünen Berichte, wenn wir wiederum die Ist-                Landwirtschaft ruiniert haben? Wenn diese
Situation der Landwirtschaft betrachten, dass              Schiffsladungen nicht ankommen mit Weizen oder
diese besser ist. Damit möchte ich der Landwirt-           mit Lungenbraten? Dann haben wir keine Mög-
schaft in Niederösterreich und Österreich alles            lichkeit mehr, die Landwirtschaft dementspre-
Gute wünschen! (Beifall bei der SPÖ und Abg.               chend zu aktivieren und vielleicht können wir nur
Rinke.)                                                    mehr Fichtenrinden lutschen dann.

    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                      Bei Schafen ist dem Bericht zu entnehmen,
gelangt Herr Abgeordneter Balber.                          dass eine Steigerung vorhanden ist. Nur in der
                                                           Steiermark gibt es noch mehr Schafe, die den
     Abg. Balber (ÖVP): Sehr geehrter Herr Prä-            ländlichen Raum pflegen und auch Nahrung pro-
sident! Sehr geehrter Herr Landesrat! Geschätzte           duzieren. Es ist aber auch verständlich, dass jetzt
Kolleginnen und Kollegen des Landtages!                    mehr Schafe bei uns in den Handel gelangen, weil
                                                           es ist eine gewisse Zuwanderung da. Und mit
     Auch ich habe mir den Grünen Bericht durch-           einem anderen Glauben, wenn die bei uns sess-
geschaut und auch für mich ist es besorgniserre-           haft werden, kommt auch eine andere Kultur zu
gend, wenn sehr viele Einkommensverluste zu                uns, und so steigt natürlich auch der Konsum von
beklagen sind. Man kann doch einzelne Trends               Schaffleisch.
von den Sparten ablesen. Generell sind die Rin-
der- und Schweinebestände seit den 90er Jahren                  Die Milchwirtschaft hat ein besonderes Tief
sehr intensiv rückläufig. So nahm zum Beispiel die         erlebt im Jahr 2009. Die Talfahrt des Milchpreises
Zahl der Schweine in Niederösterreich von 1990             konnte erst Mitte des Jahres gestoppt werden und
auf 2009 um ein Viertel ab.                                hat eigentlich erst am Ende des Jahres wieder
                                                           eine Preisverbesserung erzielt. Der Auszahlungs-
    Regional hat sich auch der Rinderbestand               preis im Jahr 2009 lag bei 30 Cent netto, während
sehr unterschiedlich entwickelt. Die stärksten             er im Jahr 2008 noch bei 38,9 Prozent netto be-
Abnahmen waren bei der Rinderhaltung in den                trug.
Bezirken Bruck und Gänserndorf zu verzeichnen
und in Mistelbach und Krems wurde der Rinder-                   Somit betrug der Rückgang von 2008 auf
bestand erhöht. Unsere Bauern haben in Ställe              2009 beim Milchpreis fast 23 Prozent. Erfreulich
investiert.                                                ist aber auch, dass die angelieferte Rohmilch bei
                                                           uns in den Molkereien zu 99 Prozent jene der
      2009 war der Rindfleischmarkt EU-weit von            ersten Güteklasse ist. Wir sind somit im Spitzen-
schwächerer Nachfrage geprägt. Auf Grund na-               feld von Österreich.
türlich der Wirtschafts- und Finanzkrise sowie
geringerer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den                   Auch der Tiergesundheitsdienst hat sich ent-
südamerikanischen Anbietern brachen die Dritt-             sprechend für Eutergesundheit und Tiergesund-
landexporte besonders nach Russland ein.                   heit eingesetzt und hat hier seine Leistungen auf-




                                                     188
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


zuweisen. Der Tiefpunkt des Milchpreises war im              fältig und hat den gesamtbetrieblichen Ansatz.
Monat Mai 2009 mit 25 Cent. Der Preis konnte                 Seit 1995 wird Ökopunkte Niederösterreich ange-
natürlich die Produktionskosten nicht abdecken.              boten als Umweltprogramm und derzeit machen
Aber was waren die Ursachen dafür? Auf Grund                 6.700 Betriebe mit, wo umweltschonend gewirt-
der zunehmenden Liberalisierung der Märkte und               schaftet wird und auch die Landschaft dement-
durch die voranschreitende Globalisierung, wo wir            sprechend bewertet wird. Für Hecken, Raine,
auf unserem Markt hier in Österreich mit der gan-            Einzelbäume, Bachläufe ... Weil der Wert der
zen Welt um die Wette produzieren müssen, ha-                Landschaft wird in seinen Rändern gemessen.
ben wir Milchbauern natürlich mit sehr stark be-             Wir können hier nur einen gesunden Tourismus in
weglichen Preisen zu kämpfen gehabt.                         unserem Land erhalten, wenn wir die Ränder in
                                                             unserer Landschaft haben. Und genau diese
    Der Preisanstieg im Jahr 2008 führte letzt-              Bachläufe, diese Ränder, diese Waldränder, ma-
endlich zu stark rückläufigem Konsum von Milch               chen den Wert einer Landschaft aus.
und Milchprodukten. Das führte unweigerlich zu
einem massiven Aufbau der Lagerbestände.                          Es gibt einen Resolutionsantrag von den Ab-
Diese Bestände wirkten sich äußerst negativ auf              geordneten Sulzberger, Waldhäusl, Königsberger,
die Preisentwicklung aus. Auch die Industrie ist             Ing. Huber, Tauchner und Hafenecker auf die
auf günstigere Milchersatzprodukte umgestiegen               Einführung einer Weideprämie nach dem Modell
und das natürlich speziell in Eis- und in der Back-          anderer Bundesländer. In dem benachteiligten
warenproduktion. Dies erhöht zusätzlich natürlich            Gebiet, wo Tierhaltung vorhanden ist und hier
den Druck auf die Preise. Viele Milchbauern wa-              Weidetiere ausgetrieben werden, ist vorrangig das
ren dadurch zum Aufgeben ihrer Produktion ge-                Ökopunktemodell im Einsatz, wo genau diese
zwungen.                                                     Werte, diese Weidetiere, schon in dem gesamt-
                                                             betrieblichen Ansatz mitberücksichtigt werden.
     Unsere bäuerlichen Betriebe haben durch
besonderen Einsatz und mit sehr viel Verzicht auf                 Bis zum 31. August ist hier eine Weideliste
ihren Betrieben diese Krise durchgestanden. Es               abzugeben, worauf dann dementsprechend die
ist aber bedauerlich, dass der Lebensmittelhandel            Ökopunkteberechnung erfolgt. Das Bauernster-
die Grundnahrungsmittel wie Milch und Butter zu              ben habe ich schon erwähnt, weil es natürlich
Lockartikeln für den Konsumenten missbraucht.                auch mit einer dementsprechenden Mechanisie-
Es ist einfach nicht nachvollziehbar, dass ein Liter         rung zu begründen ist. Aber ich glaube, unserem
österreichische Milch, gentechnikfrei produziert,            Landesrat Dr. Stephan Pernkopf darf man keine
um 79 Cent im Handel verschleudert wird. Gerade              Vorhaltungen machen, da er sehr objektiv und
dem Konsumenten muss klar sein, dass unsere                  sehr gut mitgestaltet und ist natürlich auch beim
Bauern vielfältige Leistungen erbringen.                     Österreichteam dabei bei den Verhandlungen für
                                                             die neue Programmperiode.
     Besonders zu berücksichtigen ist unsere
kleinbäuerliche Struktur. Österreichs Milchbauern                 Es gibt natürlich da sehr viele populistische
haben die kleinsten Einheiten in Europa und ste-             Aussagen, die mir immer wieder auffallen. Es gibt
hen, wie gesagt, im Regal im Wettbewerb mit der              auch die Aussage vom „Agrardiesel“ zum Bei-
globalen Welt.                                               spiel. Ich bin selbst praktizierender Bauer und ich
                                                             habe noch keinen „Agrardiesel“ gekauft. Mein
     Ich weiß, dass so eine Struktur nicht immer             Diesel ist genau der gleiche, der auf den Tank-
aufrecht zu erhalten ist. Aber das dementspre-               stellen abgegeben wird. Es ist nur so, dass wir
chende trägt auch die Mechanisierung zum Be-                 eine Mineralölsteuerrückvergütung bekommen für
triebssterben bei. Wenn man bedenkt, dass vor                die landwirtschaftlichen Nutzflächen, die wir mit
rund 30 Jahren, um für ein Hektar Grünland zu                diesem Treibstoff bewirtschaften. Und das sind
mähen, noch 8 Stunden oder 6 Stunden notwen-                 0,05 Cent in Zukunft.
dig waren und heute ein Hektar in vielleicht einer
Stunde oder in 50 Minuten gemäht wird, so führt                   Diese populistischen Aussagen sind nicht zu
diese Mechanisierung unweigerlich zum Wachsen                akzeptieren und bringen in Wirklichkeit nur eine
oder Weichen.                                                Hetzerei. Diese Ackerflächen und Grünlandflä-
                                                             chen und auch Forstflächen sind genau berech-
    Es gibt hier auch ein Programm in Nieder-                net: Man bekommt für ein Hektar Ackerland-Be-
österreich, das den Bauern den Rücken stärkt.                wirtschaftung für 80 Liter die Mineralölsteuer
Und dieses Programm heißt Ökopunkte-Pro-                     rückvergütet und für Wiesen 70 Liter und für
gramm. Ökopunkte Niederösterreich ist sehr viel-             Forstflächen 4 Liter.




                                                       189
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


    Geschätzte Damen und Herren! Wir können                 auf dies spezielle Produktion verlassen haben.
nur hoffen und gemeinsam daran arbeiten, dass               Die dort ihr Einkommen beziehen. (Beifall bei der
unsere Umweltprogramme weiter geführt werden,               ÖVP.)
damit das Einkommen für die Landwirtschaft wie-
der steigt. Beziehungsweise unsere Konsumenten                   Die Teichwirte des Waldviertels haben beim
motivieren dass sie heimische Produkte kaufen.              Beitritt Österreichs zur Europäischen Union große
Und wir brauchen die Programme ÖPUL und                     Sorge gehabt, ob sie ihren Absatz in Österreich
Ökopunkte, da diese unseren Betrieben das                   auch in Zukunft leisten können. Mit viel Engage-
Rückgrat stärkt. Danke! (Beifall bei der ÖVP.)              ment und Einsatz, mit Marketingprogrammen, die
                                                            vom Land Niederösterreich, von der Republik
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                  Österreich, vom Landwirtschaftsministerium un-
gelangt Herr Abgeordneter Hofbauer.                         terstützt wurden, ist es gelungen, den österreichi-
                                                            schen Karpfen zu positionieren, Absatzschienen
    Abg. Ing. Hofbauer (ÖVP): Sehr geehrter                 zu schaffen und wirklich ein Marktsegment zu
Herr Landesrat! Sehr geehrter Herr Präsident!               besetzen, das den Bauern ein hohes Einkommen
Hoher Landtag!                                              bringt. Mit solchen Aktionen schadet man den
                                                            Bauern in der Region, schadet man aber gleich-
     Der Bericht über die NÖ Landwirtschaft ist ein         zeitig auch dem Konsumenten! Und das muss ich
sehr guter Bericht, der die Leistungen der Bauern           dem Herrn Landeshauptmannstellvertreter Leitner
in der Erhaltung unserer Kulturlandschaft und die           sehr wohl ins Stammbuch schreiben. Die Konsu-
Lebensmittelproduktion in den Vordergrund stellt.           menten wollen Sicherheit und keine Verunsiche-
Und diese Landwirtschaft braucht auch unsere                rung durch pauschale Beschuldigungen, wo kein
maximale Unterstützung.                                     Mensch weiß, was wirklich dahinter steckt. Was
                                                            wirklich gefährlich ist oder nicht gefährlich ist.
    Dazu darf ich beim Klubobmann Leichtfried               (Beifall bei der ÖVP. – Abg. Gartner: Wer weiß,
eine Bitte anbringen. Du hast in deinen Ausfüh-             was die Presse geschrieben hat!)
rungen darüber gesprochen, dass die Konsu-
menten angehalten sind, dass sie die guten Pro-                  Das positive Beispiel: Der Herr Landes-
dukte unserer Bauern kaufen und dafür auch ei-              hauptmannstellvertreter Leitner, hätte zum Bei-
nen guten Preis zahlen. Wir als Politiker haben             spiel auch den Genusskaiser darstellen können,
die Aufgabe, unsere Bauern bestens zu unterstüt-            wo sich engagierte Landwirte mit Spitzenproduk-
zen. Am Beispiel einer Aktivität, die vor wenigen           ten europaweit und österreichweit einen Namen
Tagen passiert ist, möchte ich Ihnen gerne vor              machen und nicht von politischen Verantwor-
Augen führen, wie man es nicht macht.                       tungsträgern schlecht machen lassen müssen.
                                                            (Beifall bei der ÖVP.)
     Landeshauptmannstellvertreter Josef Leitner
fährt in das Waldviertel um dort die Teichwirte zu                Dritter Präsident Rosenmaier: Die Redner-
besuchen. Der Herr Thomas Kainz, Obmann der                 liste ist erschöpft. Die Berichterstatter haben das
niederösterreichischen Teichwirte, freut sich über          Schlusswort.
diesen hohen Besuch. Und man geht zum Teich,
macht Fotos mit den Fischen, mit den Karpfen,                    Berichterstatter Abg. Mag. Karner (ÖVP):
die Pressearbeiten dazu. Und dann, dann kommt               Ich verzichte!
das neue Gesicht von Sepp Leitner: In den Me-
dien wird berichtet, 10 Prozent der Proben von                  Berichterstatter Abg. Kasser (ÖVP): Ich
den Fischen sind beanstandet. Es wird nicht dazu            verzichte!
gesagt, sind das Proben aus österreichischen
Karpfen? Was wurde beanstandet? Sind das ge-                    Dritter Präsident Rosenmaier: Sie verzich-
fährliche Beanstandungen? Ist das nur ein Fehler            ten beide darauf. Nun kommen wir zur Abstim-
in der Bezeichnung? Das alles nicht nur kryptisch.          mung. (Nach Abstimmung über den vorliegenden
10 Prozent der Proben sind zu beanstanden. Und              Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses, Ltg.
in der Zeit, da die österreichischen Karpfenbau-            630/B-9/2, Land- und Forstwirtschaftsinspektion,
ern, auch die niederösterreichischen und Wald-              Bericht der Landesregierung über die Tätigkeit
viertler, gerade in dem Zeitpunkt ihre Hauptab-             und Wahrnehmung der NÖ Land- und Forstwirt-
satzquelle haben, eine solche Verunsicherung                schaftsinspektion im Jahre 2009:) Das ist ein-
und eine solche bösartige Darstellung zu trans-             stimmig angenommen.
portieren, das schadet den österreichischen Kon-
sumenten, die Sicherheit haben wollen, und das                  (Nach Abstimmung über den vorliegenden
schadet besonders auch jenen Bauern, die sich               Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses, Ltg.




                                                      190
Landtag von Niederösterreich    Tagung 2010/11 der XVII. Periode      31. Sitzung vom 18. November 2010


631/B-11/2, Bericht der Landesregierung betref-               Aufzeichnungen des Wildbestandes in den
fend NÖ landwirtschaftlicher Förderungsfonds,            Einfriedungen sollen ebenfalls durchgeführt wer-
Bericht über die Gebarung und Tätigkeit im Jahre         den. Und Personen, das ist ein wichtiger Punkt
2009:) Das ist mit den Stimmen der ÖVP, der              auch, die eine gültige Jagdkarte in Niederöster-
SPÖ und den Blauen. Damit ist es mehrheitlich            reich besitzen, sollen in Zukunft auch in anderen
angenommen.                                              Bundesländern jagen gehen dürfen. Oder umge-
                                                         kehrt gesagt, Personen, die eine gültige Jagdkarte
     (Nach Abstimmung über den vorliegenden              in anderen Bundesländern besitzen, sollen auch
Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses, Ltg.             in Niederösterreich jagen dürfen.
632/B-14/2, Grüner Bericht, Bericht der Landes-
regierung über die wirtschaftliche und soziale               Die Regelung von Schuss- und Schonzeiten
Lage der Land- und Forstwirtschaft in Nieder-            in umfriedeten Eigenjagdgebieten wird heute mit
österreich für das Jahr 2009:) Das ist mit den           diesem Gesetz festgeschrieben. Und Abschuss-
Stimmen der ÖVP, der SPÖ mehrheitlich ange-              pläne sollen auch eine Grundlage für umfriedete
nommen.                                                  Eigenjagdgebiete sein. Ich bitte Sie, diesem Ge-
                                                         setz heute die Zustimmung zu erteilen und
     Dann haben wir noch drei Resolutionsanträge         komme daher zum Antrag (liest:)
zu behandeln. Resolutionsantrag der Abgeord-
neten Sulzberger u.a. betreffend Reduktion SV-               „Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses
Beiträge der Bauern wegen erheblicher Einkom-            über die Vorlage der Landesregierung betreffend
menseinbußen. (Nach Abstimmung:) Das ist nur             Änderung des NÖ Jagdgesetzes 1974 (NÖ JG).
mit den Stimmen der FPÖ, damit ist der Antrag
abgelehnt.                                                    Der Hohe Landtag wolle beschließen:

    Es gibt einen weiteren Resolutionsantrag der         1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend
Abgeordneten Sulzberger u.a. betreffend Einfüh-               Änderung des NÖ Jagdgesetzes 1974 (NÖ
rung einer Weideprämie nach dem Modell anderer                JG) wird in der vom Ausschuss beschlos-
Bundesländer. (Nach Abstimmung:) Das ist mit                  senen Fassung genehmigt.
den Stimmen der FPÖ, damit abgelehnt.
                                                         2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
    Einen weiteren Antrag der Abgeordneten                    zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlus-
Waldhäusl und Lembacher betreffend Auszahlung                 ses Erforderliche zu veranlassen.“
der Betriebsprämie und Ausgleichszahlung auf-
grund einer Vorortkontrolle. (Nach Abstimmung:)               Sehr geehrter Herr Präsident! Ich bitte um
Das ist einstimmig und damit angenommen.                 Einleitung der Debatte und um Beschlussfassung.

     Nun kommen wir zum nächsten Geschäfts-                   Dritter Präsident Rosenmaier: Damit er-
stück, nämlich Ltg. 648/J-1/3, Jagdgesetz. Vor-          öffne ich die Debatte. Zum Wort gelangt Frau
lage der Landesregierung betreffend Änderung             Klubobfrau Dr. Petrovic.
des NÖ Jagdgesetzes 1974. Ich ersuche Herrn
Abgeordneten Grandl, die Verhandlungen einzu-                Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Prä-
leiten.                                                  sident! Herr Landesrat! Hohes Haus!

    Berichterstatter Abg. Grandl (ÖVP): Sehr                  Auch der Bereich Jagd ist ein Bereich, der
geehrter Herr Präsident! Geschätzte Damen und            immer wieder auch Anlass gibt für diverse De-
Herren des Hohen Hauses! Sehr geehrter Herr              batten in der Gesellschaft, insbesondere auch zu
Landesrat! Ich berichte zur Änderung des NÖ              einem Diskurs, manchmal auch zu einem Disput
Jagdgesetzes.                                            mit der Tierschutzbewegung. Und insofern wäre
                                                         doch der große Wunsch oder die Erwartung ge-
    In dieser Änderung, die wir heute beschlie-          wesen, einmal eine größere Novelle des Jagdge-
ßen, sind Punkte drinnen, die für die Jagd auch          setzes hier vorzulegen und darüber zu beraten.
wieder weitreichende, zukunftsweisende Per-
spektiven aufweisen. Es soll zum Beispiel das                Das, was hier jetzt vorliegt, ist aus unserer
Jagdgehege in Zukunft eingefriedete Eigenjagd            Sicht kein großer Wurf! Die Terminologie und
genannt werden, damit auch der Sprachgebrauch            auch die Einschätzung der Auswirkungen von
dementsprechend verständlich ist.                        Jagdgattern ist, würde ich meinen, nicht das




                                                   191
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


dringlichste aller Probleme, vor denen wir stehen.            die Wanderungsbewegungen des Wildes. Aber
Sondern die dringlichen Probleme sind dort, wo                auch da wird es nur aus einer Sicht der Menschen
es immer wieder zu Konflikten kommt, das ist der              irgendwie dann beleuchtet, nämlich dass dadurch
Bereich des Umgangs mit verletzten Tieren. Ich                Wildschäden entstehen können wenn die Wild-
weiß, dass zahlreiche Tierschutzvereine immer                 tiere plötzlich auf ein Hindernis stoßen, das vorher
wieder Strafdrohungen bekommen von den diver-                 nicht dort war.
sen Bezirkshauptmannschaften, wenn ihnen Per-
sonen verletzte Tiere bringen, die teils halt mit                  Ich würde das gern auch einmal aus der Sicht
Schrott angeschossen sind oder auch im Autover-               der Tiere beleuchten, dass eben ein Lebensraum
kehr verletzt worden sind. Da flattert dann ein               durchschnitten wird. Und ich glaube, es wäre
nettes Brieflein, ich weiß das aus Vösendorf, ins             hoch an der Zeit, dass man sich angesichts der
Haus, wo denen, die diesen verletzten Tieren                  Gefährdung wirklich vieler Arten von Tieren ein-
helfen, dann angedroht wird, man wird sie verfol-             mal auch Gedanken macht über Lebensräume,
gen wegen Jagdfrevels.                                        über Wanderungsbewegungen. Und ich würde mir
                                                              außerdem wünschen, dass man bei manchen
     Dazu gibt’s eine reichlich juristische Debatte,          Wildtieren, vor allem bei den Raubtieren, auch ein
die erspare ich Ihnen jetzt. Aber jedenfalls, denke           bisschen mehr Öffentlichkeitsarbeit macht um
ich mir, solche Debatten sind wirklich entbehrlich.           wirklich vollkommen unbegründete Vorurteile hier
Ich glaube, die Tierschutzvereine haben ihre Auf-             abzubauen.
gabe. Eine lege artis ausgeübte Jagd ist etwas
ganz anderes. Und da sollte man nicht versuchen,                   Also die Angst, die manche Leute vor dem
die Arbeit der Tierschutzvereine zu erschweren                einen und einzigen Bären, den es vielleicht noch
oder zu verunmöglichen oder gar zu kriminalisie-              gibt, haben oder vor dem einen oder einzigen
ren, was hier leider in vielen Bereichen stattfindet.         Wolf, der irgendwo gesichtet wurde, das steigert
                                                              sich ja fast ins Irrationale. Und das kommt dann
     Ebenso gibt es immer wieder Klagen über                  so heraus wie die Angst vor Werwölfen oder
verbotene Methoden der Jagd, die dann auch                    Vampiren oder ich weiß nicht was. Also mit ratio-
gefährlich werden können für Menschen, für Spa-               nalen Ängsten hat das nichts zu tun. Weil die
ziergängerinnen und –gänger. Es gibt immer wie-               wirklichen Gefahren des täglichen Lebens, die
der Schlageisen, die ausgelegt werden, auch                   liegen ganz woanders, wie Sie alle wissen.
nahe dem besiedelten Gebiet. Auch da haben wir
immer wieder in den Tierschutzhäusern Tiere mit                    Und da scheint es mir schon so, dass dort,
abgetrennten Gliedmaßen, verstümmelte Tiere,                  wo eindeutige Übertretungen des Jagdrechtes
die fürchterlich leiden. Und natürlich auch die               passiert sind, wie beispielsweise, dass die streng
Gefahr, die sich für die Menschen hier bietet.                geschützten Bären in Niederösterreich halt in
                                                              nicht geringer Zahl einfach verschwunden sind.
     Und dann gibt es auch immer wieder die                   Ich mein, wir alle wissen, dass sie höchst wahr-
Klage über andere, in meinen Augen völlig ana-                scheinlich abgeschossen worden sind. Und würde
chronistische und eigentlich tierquälerische                  man nur ernsthaft … (Abg. Präs. Ing. Penz: Ich
Jagdmethoden wie etwa Fallen, die verwendet                   bin mit Ihnen in vielen Dingen nicht einverstan-
werden beispielsweise auch um frei lebende Kat-               den, aber Sie können nicht Dinge behaupten, die
zen einzufangen. Und dann wird mir nicht selten               Sie nicht beweisen können!)
berichtet, dass diese Fallen, Lebendfallen, nicht             Zumindest einen hat man gefunden ausgestopft.
kontrolliert werden und dass die Tiere dort lang-             Naja, wenn die letzte Peilsendung irgendwo in
sam und ganz elend zugrunde gehen.                            Niederösterreich war und dann ist es plötzlich
                                                              weg, also, dass die Bären so einfach irgendwie
    Ich denke mir, alle diese Dinge, die sollten wir          weggebeamt werden, das glaube ich nicht.
einmal besprechen, auch irgendwo die Grenzen
des einen oder anderen Bereiches besser abste-                     Also ich denke mir, mit den seriösen Teilen,
cken. Vielleicht auch einmal ein bisschen mehr                die hier die Jagd als Hege ausüben, sollte man
Verständnis für die jeweiligen Bereiche schaffen.             einen Dialog pflegen und vielleicht auch diese
Und das müsste weit über eine Novelle hinausge-               Fälle, wie auch das offenbar – ich entnehme das
hen wie die, die jetzt hier vorliegt.                         Fernsehberichten – wieder überhand nehmende
                                                              Wildererunwesen, dass man hier versucht, doch
     Ein letztes Wort zu den Jagdgattern, jetzt halt          die Dinge wieder auf gesetzlichen Boden zu brin-
als eingefriedete Eigenjagden bezeichnet. Da wird             gen. (Unruhe bei der FPÖ.)
zwar in der Novelle jetzt ausgeführt die Auswir-              Kommen da die Statements jetzt für die Wilderei
kungen, die diese Jagdgatter haben können auf                 oder was sind das für Äußerungen? Also, ich seh




                                                        192
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


das immer aus der Sicht der Tiere. Und da ist es            stand, den wir heute beschließen, dass man zu-
dann relativ gleich von wem sie da getötet wer-             rück gegangen ist auf drei. Ich denke, wenn ich
den.                                                        einem Beschlussgremium angehöre und es fehlen
                                                            zwei Fünftel, so weit hätte man nach meinem
     Ich würde mir eben ein größeres Verständnis            Dafürhalten nicht zu gehen brauchen. Weil wenn
für die Wildtiere wünschen, auch ein Anerkennen,            ich Mitglied von einem Beschlussgremium bin,
dass das Lebewesen sind. Und dass sie, insbe-               dann habe ich halt dort zu sein. Weil das ist ja
sondere wenn sie krank sind, wenn sie verletzt              schon knapp, es fehlt fast die Hälfte. Das ist halt
sind, genau dieselbe Obsorge brauchen wie alle              mein Verständnis dafür, aber bezogen auf die
anderen Lebewesen und dass man das auch                     Gesetzesänderung kein k.o.-Kriterium.
ermöglicht. Und dass man auch, welche Einrich-
tung auch immer, Jagdgatter oder die Einrichtun-                 Weiters die kompetenzrechtlichen Dinge,
gen für jagdliche Prozesse, auch einmal versucht            landesrechtliche Grundlagen und Vorschriften
aus dem Blickwinkel der Tiere zu beurteilen. Und            wurden geregelt. Das ist gut so! Im Gegenzug,
insbesondere aus dem Blickwinkel auch des Ar-               wenn ich nur anmerken darf, das Tierzuchtgesetz.
tenschutzes.                                                Hier hat man Versäumnisse eingefahren, aber
                                                            das steht nicht zur Debatte. Nur so als Anmer-
     Und ich denke mir, gerade Raubtiere sind               kung. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit! (Beifall
ökologisch meistens die besseren Jäger als die              bei der FPÖ.)
Menschen. Weil die nicht auf Trophäen aus sind,
sondern auf Nahrung. Und insofern sollten wir                   Dritter Präsident Rosenmaier: Zu          Wort
nicht in Panik geraten und vielleicht mit den ande-         gelangt Herr Abgeordneter Antoni.
ren Bundesländern, mit Oberösterreich, mit der
Steiermark, zusammen arbeiten und Projekten,                    Abg. Antoni (SPÖ): Sehr geschätzte Herren
wie etwa dem Braunbärenprojekt des WWF nicht                Präsidenten! Herr Landesrat! Hohes Haus!
entgegen treten. Das tut mir leid, dass hier Nie-
derösterreich derart stark auf der Bremse steht.                Ich werde auch kurz Stellung nehmen zum
Ich glaube, das wäre absolut möglich und da                 gegenständlichen Antrag betreffend Änderung
braucht niemand in Panik zu geraten. So ein Pro-            des NÖ Jagdgesetzes. Wenn man im Jagdgesetz
jekt könnte man beispielsweise gemeinsam zwi-               nachliest, so wird sehr klar und deutlich bei den
schen den Jagdberechtigten und dem Tierschutz               Jagdgebieten unterschieden zwischen Genossen-
auch verantwortungsvoll begleiten. Danke! (Beifall          schaftsjagdgebieten und Eigenjagdgebieten. Und
bei den Grünen.)                                            zu den Eigenjagdgebieten kann man auch dann
                                                            noch bezüglich der Jagdgehege nachlesen. Also
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                  Jagdgehege sind in der Art und Form eingezäunt,
gelangt Herr Abgeordneter Sulzberger.                       dass das darin befindliche Schalenwild weder ein-
                                                            noch auswechseln kann.
    Abg. Sulzberger (FPÖ): Sehr verehrte Her-
ren Präsidenten! Geschätzter Herr Landesrat!                    Darüber hinaus waren im Jagdgesetz in der
Geschätzte Damen und Herren des Hohen                       Vergangenheit auch speziell für diese Jagdge-
Hauses!                                                     hege Sonderregelungen vorgesehen. Sonderre-
                                                            gelungen, die zum Beispiel bedeuten, dass die
     Ich werde es ganz kurz machen. Bezogen                 Schuss- und Schonzeiten nicht angewendet wer-
jetzt auf die Aussage von Frau Klubobmann Dr.               den obwohl innerhalb dieser Gehege das gleiche
Petrovic. Ich glaube, ein Tier, von wessen Kugel            Schalenwild gehalten wird wie außerhalb des
es stirbt, ob vom Wilderer oder vom Jäger, wird             Geheges. Oder dass zum Beispiel die Abschuss-
vom betroffenen Tier nicht wahr genommen wer-               planung oder das Aussetzen von Schwarzwild
den. Das nur zu einem lustigen Einwand.                     keine Anwendung findet.

     Also, wir können der Gesetzesänderung der                   Und genau im Bereich der Jagdgehege gibt
vorliegenden unsere Zustimmung geben. Das                   es leider Gottes in der Vergangenheit, sage ich
haben wir auch im Ausschuss schon getan. Es ist             jetzt einmal, in einigen Regionen Niederöster-
eines auch geregelt, im Zusammenhang mit der                reichs auch sehr negative Beispiele. Und leider
Eigenjagd und Gehegejagd, dass das zusam-                   Gottes gibt es auch in meinem Bezirk - ich komm
mengeführt wird. Dann das Gremium Jagdaus-                  aus dem Bezirk Gmünd im Waldviertel - ein sehr
schuss. Bei Genossenschaftsjagden mit unter 20              negatives Beispiel. Ich möchte ganz kurz auf ein
Mitgliedern auf 5, das war schon bisher so. Das,            Jagdgehege eingehen, wie das in meinem Bezirk
was mich ein bisschen schmerzt in dem Sollzu-               in der Vergangenheit geführt wurde. Und ich




                                                      193
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


denke doch, dass mit der Änderung des Jagdge-                  Abg. Ing. Pum (ÖVP): Geschätzte Präsi-
setzes diesbezüglich sehr, sehr klar und deutlich          denten! Kollegen des Landtages!
dagegen gehalten wird.
                                                               Das Jagdgesetz in aller Munde. Und ich darf
      In diesem Jagdgehege hat sich ein finanz-            eines sagen, das viel gepriesene Halali der Jagd
kräftiger Jäger zu jeder Zeit zum Abschuss eines           wird auch weiterhin dem Stellenwert des Natur-
frei wählbaren Wildes anmelden können. Und im              schutzes, der Hege und Pflege und nicht zuletzt
Extremfall hat die Praxis dann in der Art und              dem Schutz des Lebensraumes des Wildes, und
Weise funktioniert, dass dann der zahlungswillige          vor allem auch dem Erleben von Traditionen im
Jäger an einem bestimmten Tag, einen bestimm-              Jagdbereich Rechnung tragen. Und dieses Jagd-
ten Hochstand innerhalb des Geheges zugewie-               gesetz ist ein Meilenstein der Waidgerechtigkeit.
sen bekommen hat. Auf der einen Seite des Ge-
heges ist der Tieflader gekommen mit dem vorbe-                 Wenn davon gesprochen wird, wie die Jagd
stellten Wild, das dann ins Gehege getrieben               aus Sicht des Tieres aussieht, dann darf ich das
wurde. Im Gehege haben dann die Treiber mit                noch ergänzen, dass diese Tiere nicht zu be-
den Jagdhunden die Aufgabe gehabt, das vorbe-              trachten sind wie Vater, Mutter und Kind - das
stellte Wild zum richtigen Hochstand zu treiben.           versuchen oftmals die Grünen und andere -, und
Das Wild ist dann erlegt worden und auf der ande-          auch die Jagd nicht aus Sicht des Autofahrers zu
ren Seite des Jagdgeheges hat bereits der Tief-            sehen ist. Nein, vielmehr die Jagd aus Sicht jener
kühlwagen gewartet um das erlegte Wild abzu-               zu sehen ist, die ganz einfach diesen Schutz des
transportieren.                                            Wildes in allen umfassenden Aufgaben auch erle-
                                                           digen. Und da gehört Waidgerechtigkeit auch als
     Und ich denke, genau diese doch für mich              Begriff, letztlich als Schutz und Achtung vor dem
sehr sonderbaren Auswüchse in der Vergangen-               Leben klar dazu.
heit einer so genannten unter Anführungszeichen
„Jagd“ wird, und ich glaube, Herr Präsident, Sie                Die Wildbiologie gilt zukünftig für alle Wild-
werden mir beistimmen, wird von der ganz, ganz             tiere in- und außerhalb von Jagdgattern. Und da-
großen Anzahl der ehrlichen und guten Jäger in             her ist es auch notwendig und war es notwendig,
Niederösterreich abgelehnt. Und wird auch von              dass Schuss- und Schonzeiten auch für diese
mir sehr klar abgelehnt.                                   Bereiche gelten. Und es ist notwendig, damit auch
                                                           einen neuen Begriff zu schaffen. Dieser umfrie-
     Und ich denke, dass durch den nunmehr vor-            deten Eigenjagdgebiete, wie sie zukünftig heißen
liegenden Änderungsentwurf des Umbenennens                 werden, haben damit klare Regeln. Über 80
des Jagdgeheges in „umzäunte Eigenjagdge-                  Jagdgatter in Niederösterreich sind somit auf
biete“, dass dadurch sehr klar und deutlich im             jagdlichen Bestimmungen in Zukunft unterlegen.
Sinne des NÖ Jagdgesetzes gehandelt wird. Das
heißt, meine sehr geschätzten Damen und Her-                    Und das heißt auch sehr klar, es wird stren-
ren, dass die Bestimmungen des NÖ Jagdgeset-               gere Kontrollen für diese Jagdgatter geben. Es
zes für alle Jagdgebiete in Zukunft, auch für die          wird aber auch so weit gehen, dass bei Missstän-
umfriedeten Jagdgebiete gelten werden. Was                 den Jagdgatter untersagt werden können. Und
bedeutet, dass selbstverständlich auch die                 das, geschätzte Damen und Herren, wird dann
Schuss- und Schonzeiten ihre Anwendung finden.             notwendig sein, wenn der Ruf der Jagd dadurch in
Und das bedeutet auch in der Zukunft, dass sehr            Missgunst gerät und schlichtweg Missstände dort
klare und deutliche Dokumentationen über diese             betrieben werden. Aber ich glaube, überwiegend
umzäunten Jagdgebiete zu führen sind.                      haben wir das nicht. Und daher ist gerade in Nie-
                                                           derösterreich auch diese Regelung eine Vorreiter-
     Und so meine ich doch, dass mit dem Ände-             regelung.
rungsantrag ein sehr wesentlicher Schritt im Sinne
der Jägerschaft, im Sinne des Wildes gesetzt                    Niederösterreich ist auch das erste Bundes-
wird. Daher werden auch wir unsere Zustimmung              land, das versucht, die Jagdkarte auch in anderen
zu diesem Antrag erteilen. Danke! (Beifall bei der         Bundesländern Gültigkeit zu geben. Ich kann da-
SPÖ.)                                                      her nur gratulieren dem zuständigen Landesrat
                                                           Pernkopf, der damit zum Einen schon in der Lan-
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-              desagrarreferentenkonferenz dieses Thema dis-
langt Herr Abgeordneter Ing. Pum.                          kutiert hat und mit Kollegen darüber gesprochen




                                                     194
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


hat und sehr klar auch gesagt hat, dass diese              nach dem NÖ Tierzuchtgesetz anerkannte Zucht-
Regelung von Seiten Niederösterreich kommen                organisationen vorrangig durch die NÖ Landes-
wird.                                                      Landwirtschaftskammer im Internet zu veröffentli-
                                                           chen sind.
     Das bedeutet Verwaltungsvereinfachung.
Das ist für Niederösterreich wiederum eine Vor-                 Aktualisierung bei den Umsetzungshinweisen
reiterrolle in Sachen Verwaltungsvereinfachung             des Unionsrechts aufgrund der vorgenommenen
und Kostenersparnis für den Bürger. Und nicht              Umsetzung bzw. Änderungen im Unionsrecht bei
zuletzt Überwindung vielfach der Bundesländer-             reinrassigen Zuchtrindern und Beseitigung von
grenzen. Denn eine gültige Jagdkarte in Nieder-            Redaktionsfehlern. Das sind im Wesentlichen die
österreich ist schlichtweg auch gültig in anderen          Punkte.
Bundesländern wenn es nach dem Vorzeigebe-
reich von Niederösterreich gehen wird.                          Die Vorlage befindet sich in den Händen der
                                                           Kolleginnen und Kollegen. Ich stelle daher den
     In diesem Sinn ein Mehr an Service für die            Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses über die
über 34.000 Jägerinnen und Jäger in Niederöster-           Vorlage der Landesregierung betreffend Ände-
reich. Und damit ein klares Zeichen für die Jagd.          rung des NÖ Tierzuchtgesetzes 2008 (liest:)
Ich kann nur sagen, ein kräftiges Waidmannsheil
dem zuständigen Landesrat Pernkopf. Und Ihnen                   „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
allen wünsche ich, dass Sie dieses Jagdgesetz
mit beschließen. (Beifall bei der ÖVP.)                    1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend
                                                                Änderung des NÖ Tierzuchtgesetzes 2008
     Dritter Präsident Rosenmaier: Die Redner-                  wird genehmigt.
liste ist erschöpft. Der Herr Berichterstatter hat
das Schlusswort.                                           2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das
                                                                zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlus-
    Berichterstatter Abg. Grandl (ÖVP): Ich                     ses Erforderliche zu veranlassen.“
verzichte!
                                                                Ich ersuche den Herrn Präsidenten, die De-
     Dritter Präsident Rosenmaier: Wir kommen              batte einzuleiten und die Abstimmung vorzuneh-
zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über den                  men.
vorliegenden Antrag des Landwirtschafts-Aus-
schusses, Ltg. 648/J-1/3, Vorlage der Landesre-                Dritter Präsident Rosenmaier: Danke der
gierung betreffend Änderung des NÖ Jagdgeset-              Frau Abgeordneten. Es sind dazu keine Redner
zes 1974:) Das ist mit den Stimmen der ÖVP, der            gemeldet. (Nach Abstimmung über den vorliegen-
SPÖ und den Freiheitlichen und damit mehrheit-             den Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses,
lich angenommen.                                           Ltg. 646/T-2/1:) Das ist mit den Stimmen der
                                                           ÖVP, der SPÖ und der FPÖ und damit ange-
    Wir kommen nun zum Geschäftsstück Ltg.                 nommen.
646/T-2/1, Vorlage der Landesregierung betref-
fend Änderung des NÖ Tierzuchtgesetzes 2008.
                                                               Nun kommen wir zum Geschäftsstück Ltg.
Ich ersuche Frau Abgeordnete Lembacher, die                647/L-36, Vorlage der Landesregierung betreffend
Verhandlungen einzuleiten.                                 Änderung des Lebensmittelkontrollgebührenge-
                                                           setzes. Ich ersuche Herrn Abgeordneten Ing.
    Berichterstatterin Abg. Lembacher (ÖVP):               Rennhofer, die Verhandlungen einzuleiten.
Herr Präsident! Hoher Landtag! Herr Landesrat!
Ich berichte über Ltg. 646/T-2/1 betreffend Ände-
rung des NÖ Tierzuchtgesetzes.                                 Berichterstatter Abg. Ing. Rennhofer
                                                           (ÖVP): Sehr geehrter Herr Präsident! Hoher
                                                           Landtag! Ich berichte zur Änderung des NÖ Le-
     Mit dem vorliegenden Entwurf werden zu-
sammenfassend folgende Ziele verfolgt: Unter               bensmittelkontrollgebührengesetzes.
den Ländern möglichst abgestimmte, mit der NÖ
Landes-Landwirtschaftskammer (= Tierzuchtbe-                   Der vorliegende Entwurf sieht vor eine Har-
hörde erster Instanz) akkordierte und den spe-             monisierung mit bundesrechtlichen Vorschriften,
ziellen Anforderungen des Tierzuchtgesetzes                die Beseitigung von Redaktionsfehlern und die
sowie des Datenschutzgesetzes gerecht wer-                 Entfernung von Bestimmungen, die ihre inhaltliche
dende Umsetzung der Richtlinie 2008/73/EG und              Bedeutung verloren haben. Ich stelle daher den
der Entscheidung 2009/712/EG in der Form, dass             Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses über die




                                                     195
Landtag von Niederösterreich    Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


Vorlage der Landesregierung betreffend Ände-                  Dritter Präsident Rosenmaier: Ich danke
rung des Lebensmittelkontrollgebührengesetzes            dem Herrn Abgeordneten und eröffne damit die
(liest:)                                                 Debatte. Zum Wort gelangt Herr Abgeordneter
                                                         Ing. Huber.
     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
                                                             Abg. Ing. Huber (FPÖ): Sehr geehrter Herr
1.   Der vorliegende Gesetzentwurf betreffend            Präsident! Hoher Landtag!
     Änderung des Lebensmittelkontrollgebühren-
     gesetzes (NÖ LMKGG) wird genehmigt.                      Nachdem wir jetzt vieles über die Schönheit
                                                         der Ausübung der Jagd gehört haben, möchte ich
2.   Die NÖ Landesregierung wird beauftragt, das         kurz beginnen, dass auch die Fischerei eine wun-
     zur Durchführung dieses Gesetzesbeschlus-           derbare Freizeitbeschäftigung ist, die im jüngsten
     ses Erforderliche zu veranlassen.“                  Alter beginnen kann und bis ins hohe Alter an-
                                                         dauert. Was wirklich für viele teilweise das Leben
    Herr Präsident, ich ersuche um Debatte und           ist. Das beschreiben auch einige Witze über die
Abstimmung.                                              Fischer. Aber das ist vielleicht nicht der Ort, Witze
                                                         zu erzählen.
     Dritter Präsident Rosenmaier: Danke. Es
gibt keine Rednermeldung. Wir kommen zur Ab-                  Aber ich glaube, Fischerei ist ein tolles
stimmung (Nach Abstimmung über den vorliegen-            Hobby, das sehr viel Naturschutzgedanken bein-
den Antrag des Landwirtschafts-Ausschusses,              haltet und wo es wirklich, wie uns jetzt dieser An-
Ltg. 647/L-36:) Das ist einstimmig und damit an-         trag vorliegt, am ersten Moment ausschaut, wie
genommen.                                                wenn es wieder eine Anlassgesetzgebung gege-
                                                         ben hätte. Natürlich hat man Verständnis, dass
    Wir kommen nun zum Geschäftsstück Ltg.               Betriebe für ihre betriebsinternen Abläufe, für die
666/A-1/52, Antrag mit Gesetzentwurf der Abge-           Sicherheit am Betriebsgelände, sorgen müssen.
ordneten Lembacher u.a. betreffend Änderung              Aber ich warne davor. Wir haben in dieser Legis-
des NÖ Fischereigesetzes 2001. Ich ersuche               laturperiode mehrmals schon durch verschie-
Herrn Abgeordneten Ing. Pum, die Verhandlungen           denste Anlässe irgendwelche Gesetze beschlos-
einzuleiten.                                             sen, die man dann aufwändig reparieren hat müs-
                                                         sen. Ich hoffe, dass es bei dieser Änderung des
     Berichterstatter Abg. Ing. Pum (ÖVP): Ge-           Fischereigesetzes nicht dazu kommen wird.
schätzte Präsidenten! Hoher Landtag! Ich darf
berichten zum Antrag Ltg. 666/A-1/52 betreffend               Wir haben ein bisschen Sorge, dass es durch
den Antrag der Abgeordneten Lembacher u.a.               die Zutrittsbeschränkungen usw. dass es da zu
betreffend Änderung des NÖ Fischereigesetzes             Konflikten kommen wird. Aber ich glaube, dass
2001.                                                    Fischer sehr friedliche Menschen sind und dass
                                                         auch diese Sachen, glaube ich, von Mensch zu
    Der Antrag liegt in Ihren Händen. Und daher          Mensch gelöst werden können. Für uns ist wichtig
darf ich zum Antrag des Landwirtschafts-Aus-             festzuhalten, der uneingeschränkt freie Zutritt zu
schusses kommen (liest:)                                 den Fluss- und Seeufern zur Ausübung der Fi-
                                                         scherei bzw. zur Aufsicht der Fischerei sollte ge-
     „Der Hohe Landtag wolle beschließen:                währleistet werden.

1.   Der     dem  Antrag    der    Abgeordneten               Ich freue mich, dass es zu einem Abände-
     Lembacher u.a. beiliegende Gesetzentwurf            rungsantrag kommt, wo der Weidezaun also die
     betreffend Änderung des NÖ Fischerei-               eingezäunte Viehweide noch als nicht eingefrie-
     gesetzes 2001 wird genehmigt.                       detes Grundstück aufgenommen wird im Geset-
                                                         zestext. Ich freue mich, dass ich auf diesem An-
2.   Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,           trag dazu gekommen bin. Und das ist für uns ein
     das zur Durchführung dieses Gesetzes-               Grund, dass wir diesem Antrag auf Änderung des
     beschlusses Erforderliche zu veranlassen.“          Fischereigesetzes zustimmen werden.

    Ich bitte um Diskussion und Beschlussfas-                 Ich hoffe, wie schon angekündigt, dass es
sung.                                                    nicht zu allzu vielen Konflikten kommen wird.




                                                   196
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


Denn ich glaube, die Fischerei ist nicht nur Hobby,         Grundstücke soll nach den bisherigen Regelun-
sondern ist auch gerade für das Mostviertel, wo             gen uneingeschränkt erhalten bleiben. Weiters
ich herkomme, mit der Ybbs, mit der Erlauf usw.             soll auch ausdrücklich festgelegt werden, dass
ein wichtiges touristisches Ziel, das noch hoffent-         das der Fischerei eingeräumte Recht auf eigene
lich sehr viel Zukunft hat und das wir uns nicht            Gefahr ausgeübt wird. Und wie schon angeklun-
verbauen sollen. (Beifall bei der FPÖ.)                     gen ist, um eben Rechtsklarheit und Rechtssi-
                                                            cherheit zu schaffen, soll auch definiert werden,
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zu          Wort          ab wann Grundstücke dann als eingefriedet gel-
gelangt Frau Abgeordnete Onodi.                             ten. (Beifall bei der SPÖ.)

    Abg. Onodi (SPÖ): Werter Herr Präsident!                    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort
Sehr geehrte Damen und Herren!                              gelangt Frau Abgeordnete Hinterholzer.

     Das NÖ Fischereigesetz regelt momentan im                  Abg. Hinterholzer (ÖVP): Sehr geehrter Herr
§ 25 das Betreten nicht frei zugänglicher, zum              Präsident! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen!
Beispiel eingezäunter fremder Ufergrundstücke
und Wasser führender Grundstücke zum Fischen                     Es geht um eigentlich eine geringfügige Ab-
oder auch zur Beaufsichtigung der Fischwässer               änderung im Fischereigesetz, und meine Vorred-
durch eben einen berechtigten Personenkreis.                ner haben es schon angesprochen, im Bereich
Und auf Grund dieses Gesetzes können zum                    der frei zugänglichen eingezäunten Ufergrundstü-
Beispiel Fischereiausübungsberechtigte, Fischer-            cke. Ja, es gibt Probleme bei der Auslegung der
gäste oder Fischereiaufseher nach Anmeldung                 bestehenden gesetzlichen Regelung. Nunmehr ist
beim Grundeigentümer oder Nutzungsberechtig-                eine Klarstellung notwendig. Aber lassen Sie mich
ten solche Einfriedungsgrundstücke betreten. Das            festhalten, das Verhältnis der Grundeigentümer
heißt, es ist bisher so geregelt, wenn man sich             und der Nutzungsberechtigten mit der Fischerei
angemeldet hat, hat man jederzeit auf das Grund-            ist eigentlich ein sehr, sehr gutes. Und daher wird
stück gehen können.                                         die geplante Regelung auch nur in sehr, sehr
                                                            wenigen Fällen zu einer Änderung führen. Mit
    In der Praxis hat sich aber hier gezeigt, dass          unserer geplanten Änderung gleichen wir unsere
in einem speziellen Fall es immer wieder zu                 Regelung auch an die oberösterreichische Rege-
enormen Schwierigkeiten gekommen ist mit die-               lung im Fischereigesetz an. Und auch andere
sem uneingeschränkten Betretungsrecht bei                   landesrechtliche Vorschriften in Deutschland, vor
Grundstücken, welche als Bestandteil von Wirt-              allem an der Donau, sehen ähnliche gesetzliche
schafts-, Fabriks- oder ähnlichen Gebäuden an-              Regelungen vor.
zusehen sind.
                                                                 Das heißt, es ist in Zukunft – das hat die Frau
      Sicherlich ist zu überlegen, ob man auf Grund         Kollegin Onodi gerade gesagt – das sehr weit
eines speziellen Falles hier eine Änderung des              gefasste Betretungsrecht für die Fischerei bei
Gesetzes wirklich tatsächlich braucht. Aber nach            eingefriedeten Grundstücken nur mehr mit dem
reiflicher Überlegung soll nun eben am Beispiel             Einverständnis des Grundeigentümers oder Nut-
des oberösterreichischen Fischereigesetzes das              zungsberechtigten möglich. Das gilt aber nur bei
bisherige, sehr weit gefasste Betretungsrecht der           eingefriedeten Wirtschafts-, Fabriks- und ähnli-
Fischerei nur mehr mit dem Einverständnis des               chen Gebäuden. Es ist dabei nicht an landwirt-
Grundeigentümers oder Nutzungsberechtigten                  schaftliche Gebäude gedacht. Und ich darf daher
gegeben sein.                                               noch einmal einen Antrag einbringen (liest:)

    Ich weiß zum Beispiel, dass speziell in St.                                     „Antrag
Pölten es einige Betriebe gibt, wo man eben einen
Zugang auch hat zu diesen Gewässern. Und das                     der Abgeordneten Hinterholzer, Ing. Huber,
wird sicherlich nach wie vor entsprechend gut               Lembacher, Edlinger, Grandl, Ing. Haller, Mold
funktionieren. Aber Tatsache ist halt, dass jetzt           und Ing. Rennhofer gemäß § 60 LGO 2001 zum
der Grundeigentümer das Einverständnis geben                Antrag des Landwirtschaftsausschusses betref-
muss. Und ich denke, das ist sicherlich im Sinne            fend Änderung des NÖ Fischereigesetzes 2001,
von beiden und ist durchaus auch möglich.                   Ltg.-666/A-1/52-2010.

                                                                 Der dem Antrag der Abg. Lembacher u.a.
    Ein weiterer Punkt ist sicherlich, das Betre-
                                                            beiliegende Gesetzesentwurf betreffend Änderung
tungsrecht für andere eingefriedete und frei zu-
                                                            des NÖ Fischereigesetzes 2001, LGBL. 6550,
gängliche Ufergrundstücke sowie wasserführende




                                                      197
Landtag von Niederösterreich     Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


wird in der vom Landwirtschaftssausschuss be-                  Berichterstatter Abg. Ing. Pum (ÖVP): Ich
schlossenen Fassung wie folgt geändert:                    verzichte!

    In der Ziffer 2 wird dem § 25 Abs. 2 folgender             Dritter Präsident Rosenmaier: Er verzichtet
weiterer Satz angefügt:                                    darauf. Damit gibt es einen Abänderungsantrag
                                                           der Abgeordneten Hinterholzer u.a. betreffend
    ‚Eingezäunte Viehweiden gelten nicht als               Änderung des NÖ Fischereigesetzes 2001, Ltg.
eingefriedete Grundstücke.’“                               666/A-1/52. (Nach Abstimmung:) Das ist mit den
                                                           Stimmen der ÖVP, der SPÖ und der FPÖ ange-
     Lassen Sie mich vielleicht auch festhalten,           nommen.
dass diese Regelung auch einen Schutz für die
Fischerei auf Betriebsarealen vorsieht. Es ist so,             Damit kommen wir zur Abstimmung des
die Industriehäfen an der Donau in Niederöster-            Hauptantrages. (Nach Abstimmung über den An-
reich sind in den letzten Jahren sehr stark auch           trag des Landwirtschafts-Ausschusses, Ltg.
mit Unterstützung des Landes ausgebaut worden.             666/A-1/52:) Das ist mit den Stimmen der ÖVP,
Der Ennshafen, der Hafen Krems, die Häfen                  der SPÖ und der FPÖ, damit mehrheitlich ange-
Ybbs, Pischelsdorf und Korneuburg verzeichnen              nommen.
eine immer stärkere Umschlagstätigkeit und in
                                                                Nun kommen wir zum Geschäftsstück Ltg.
den angeschlossenen Wirtschaftsparks haben
                                                           664/A-1/51, Antrag mit Gesetzentwurf der Abge-
sich viele sehr große Betriebe angesiedelt.
                                                           ordneten Bader u.a. betreffend Änderung des NÖ
     Die Wasserstraße ist ein sehr umweltfreundli-         Hundeabgabegesetzes 1979. Ich ersuche Herrn
cher Transportweg, der erst zu 10 Prozent ausge-           Abgeordneten Mold, die Verhandlungen einzu-
nützt wird an der Donau. Und das Ganze soll                leiten.
noch weiter ausgebaut werden. Es werden tag-                   Berichterstatter Abg. Mold (ÖVP): Sehr ge-
täglich Millionen Tonnen von Gütern, vor allem             ehrter Herr Präsident! Hoher Landtag! Ich berichte
Schüttgüter, Massengüter, in diesen Häfen umge-            zum Antrag betreffend Änderung des NÖ Hunde-
schlagen und in den Uferzonen, an den Industrie-           abgabegesetzes 1979.
häfen sind tagtäglich Schwerfahrzeuge unter-
wegs. Es gibt Krananlagen, sehr hohe Kaimauern                 Das Geschäftsstück Ltg. 664/A-1/51 befindet
und damit gibt es auch sehr viele Gefahren-                sich in den Händen der Abgeordneten. Daher
quellen.                                                   komme ich gleich zum Antrag des Kommunal-
                                                           Ausschusses (liest:)
    Die Betriebe haben alle sehr hohe behördli-
che Auflagen zu erfüllen, insbesondere was den                  „Der Hohe Landtag wolle beschließen:
Arbeitnehmerschutz anlangt. Und daher ist es
                                                           1.   Der dem Antrag der Abgeordneten Bader u.a.
auch gefährlich, sich auf diesem Firmengelände,
                                                                beiliegende Gesetzentwurf betreffend Ände-
wenn man dort nicht ortskundig ist, unbedarft frei
                                                                rung des NÖ Hundeabgabegesetzes 1979
zu bewegen.
                                                                wird genehmigt.
     Zudem gibt es natürlich auch viele Alarman-           2.   Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,
lagen, Sicherheitseinrichtungen, die vor Dieb-                  das zur Durchführung dieses Gesetzesbe-
stählen schützen und die außerhalb von Betriebs-                schlusses Erforderliche zu veranlassen.“
zeiten aktiviert sind, sodass man da eigentlich
nicht jederzeit auch zugehen kann. Es stimmt, es                Herr Präsident, ich ersuche, die Debatte ein-
gibt einige wenige Problemfälle, die sich hoch             zuleiten und die Abstimmung durchzuführen.
geschaukelt haben und die dazu geführt haben,
dass vor allem große Konzerne angesprochen                     Dritter Präsident Rosenmaier: Danke dem
haben, dass hier in diesem Bereich keine Rechts-           Herrn Abgeordneten. Ich eröffne die Debatte. Zum
sicherheit gegeben ist. Und Rechtssicherheit,              Wort gelangt Frau Abgeordnete Klubobfrau
meine Damen und Herren, ist für den Wirtschafts-           Petrovic.
standort etwas sehr Wichtiges. Und die wollen wir              Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Herr Prä-
damit auch klar und deutlich hervorstreichen. Ich          sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Hohes
darf daher um Zustimmung zu dieser Änderung im             Haus!
Fischereigesetz ersuchen. (Beifall bei der ÖVP.)
                                                                Auch das Thema der Hundehaltung in Nie-
     Dritter Präsident Rosenmaier: Die Redner-             derösterreich hat uns ja schon einige Male hier in
liste ist erschöpft. Der Herr Berichterstatter hat         diesem Landtag beschäftigt. Und die Schwierig-
das Schlusswort.                                           keiten, vor denen wir damals gewarnt haben, als




                                                     198
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


die Liste der so genannten Kampfhunde hier be-                  Natürlich, je schwerer etwa die Beeinträchti-
schlossen wurde, die haben sich leider Gottes               gung bei einem Menschen ist, desto sorgfältiger
bewahrheitet. Alle niederösterreichischen Tier-             muss man bei der Auswahl eines Tieres aufpas-
heime haben mittlerweile ein Problem mit diesen             sen, dass das Tier auch diesen Anforderungen
„Listenhunden“. Weil sie, auch wenn sie vollkom-            gerecht wird und jedenfalls immer lieb und brav
men gut erzogen sind, lieb, brav und folgsam,               und friedlich bleibt, auch wenn der betreuende
kaum noch vermittelbar sind.                                Mensch vielleicht die eine oder andere Verhal-
                                                            tensauffälligkeit an den Tag legt. Aber es gibt
     Also wenn ich Ihnen nur ein Beispiel geben             diese Tiere und es gibt diese Trainerinnen und
kann über das größte Tierheim Europas, in                   Trainer, die solche Tiere ausbilden. Und ich
Vösendorf, beherbergt zur Zeit ziemlich genau               glaube, es wäre hoch an der Zeit, dass wir diese
360 Hunde. Und davon sind mit Stichtag heute                sinnvolle und wichtige Eigenschaft von Tieren im
ungefähr 210 bereits Hunde, die derartigen Listen           sozialen Kontext auch gebührend würdigen!
angehören. Und die Zahlen von Wr. Neustadt, von
St. Pölten sind nicht viel anders. Sie gehen                     Ich glaube daher, man sollte gerade bei der
durchwegs auf über die Hälfte. Das heißt, hier              Hundesteuer insgesamt trachten, dass sie keine
werden wir irgend etwas tun müssen! Und ich                 übermäßigen Werte annimmt. Und man sollte
schlage vor, dass der nächste Schritt, der hier             auch bei der Einstufung der Tiere jedenfalls diese
getan wird, gemeinsam mit den Tierschutzorgani-             Tiere, die notwendig sind, um einem Menschen
sationen getan wird. Weil es kann nicht sein, dass          das Leben zu erleichtern, auch hinein nehmen.
hier eine Gesetzgebung zu Lasten Privater und zu            Jetzt weiß ich, wir haben im Vorfeld dieser heuti-
Lasten privater Kosten stattfindet. Weil was soll           gen Sitzung versucht, hier einen Antrag gemein-
mit diesen Tieren werden, die auf Jahre hin kaum            sam zu formulieren, das ist jetzt bislang noch
oder nur durch ein Wunder vermittelbar sind?                nicht gelungen. Ich möchte ausdrücklich, dass
                                                            das auch im Protokoll erwähnt wird, dass es nicht
     Ebenso ist es mit der Abgrenzung dieser                vergessen wird. Weil es ist uns ja hier zugesichert
Tiere. Auch das hat man ja weitgehend den Hun-              worden, dass wir uns gemeinsam um eine derar-
dehalterinnen und Hundehaltern überwälzt oder               tige Formulierung bemühen.
aufgebürdet. Die Tierärzte schrecken zurück,
sagen wir sagen dazu nichts, weil wissenschaft-                 Ich ersuche Sie nur dringend, dass wir bei
lich kann man das nicht auseinander halten, vor             der Frage der Abgrenzung jetzt nicht irgendwie
allem bei Tieren, deren Herkunft man nicht genau            überpenibel oder übergenau sind. Es ist zu Lasten
kennt. Nach dem Aussehen ist es unmöglich und               der Tierhalterinnen und Tierhalter und zu Lasten
auch gentechnisch ist es unmöglich. Also tappen             der Tiere meiner Meinung nach eigentlich schon
wir auch hier im Dunkeln. Und genauso mit der               ein Zuviel an Legistik passiert. Und es wäre hoch
Eigenschaft des Hundes, zu welchem Zweck er                 an der Zeit, dass man jetzt einmal einen großzü-
dient.                                                      gigen und einen fairen Schritt setzt. (Beifall bei
                                                            den Grünen.)
     Natürlich werden die meisten Leute, die
Hunde halten, das tun, weil sie Tiere gern haben                 Daher habe ich Ihnen ja im Vorfeld zukom-
und weil sie einfach Tiere um sich haben wollen.            men lassen auch diese Begriffsdefinitionen von
Aber selbstverständlich verbinden viele Menschen            diesen Therapiehunden. Völlig klar ist es bei den
damit auch einen bestimmten Zweck. Dass er ein              Hunden, die dauernd bei einem bestimmten Hun-
Gefühl der Sicherheit vermittelt, dass er ein Be-           dehalter/-halterin sind wie Blindenhunde, aber es
gleiter, ein Gefährte ist. Und für viele Menschen,          gibt eben auch Hunde, die beispielsweise auf
gerade eben auch für Kinder, gerade auch Kinder             Stundenbasis mit bestimmten Menschen arbeiten.
mit bestimmten Verhaltensauffälligkeiten, also              Ich kann Ihnen dazu berührende Geschichten
zum Beispiel bei autistischen Kindern kann der              erzählen von Kindern, die Opfer von Missbrauch
Kontakt mit Tieren wahre Wunder bewirken. Ich               geworden sind, wo dieser Verein „Tiere als
habe das selber gesehen, ich stehe in engem                 Therapie“ zu den Kindern ins Spital geht, zu den
Kontakt mit dem Verein „Tiere als Therapie“ und             Jugendlichen in die Betreuung geht und wo wir
der Obfrau Helga Widder. Und wir stellen immer              gemeinsam mit den Tieren versuchen, dem Kind
wieder fest, dass es für viele ältere Menschen, für         wieder ein bisschen ein Vertrauen zu geben. Und
Alleinstehende, für Menschen mit psychischen                wo es gerade diese Hunde sind, diese besonders
Problemen, depressive Menschen, wirklich oft-               ausgebildeten Therapiehunde, die meistens einen
mals mehr bewirkt als irgend eine teure Therapie,           großen Schritt weiter bringen. Und wo uns die
wenn man ihnen den regelmäßigen Kontakt mit                 Ärzte bestätigen, wir hätten es allein mit unserer
Haustieren ermöglicht.                                      Therapie nie so schnell so weit gebracht, dass




                                                      199
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


dieses Kind wieder in häusliche Pflege entlassen             Weil ein Hund, der bellt, ein Hund, der Lärm
werden kann.                                                 macht, der wird einen Einbrecher vertreiben kön-
                                                             nen. Der Einbrecher braucht Ruhe. Und das wis-
     Ich kann Ihnen gerne solche Beispiele auch              sen, glaube ich, alle, sogar die, die von Hunden
dann natürlich unter Wahrung der persönlichen                überhaupt keine Ahnung haben, dass der kleinste
Vertraulichkeit zur Kenntnis bringen. Sie können             und feigste Hund der beste Wachhund ist. Weil er
sich wirklich selber überzeugen, wie wichtig diese           als erstes bellt, weil er als erstes Lärm macht und
Arbeit ist. Ich darf Sie daher wirklich ersuchen,            den Dieb vertreibt. Aber man sieht, ihr habt von
dass wir uns jetzt bis zur nächsten Sitzung zu-              Hunden keine Ahnung und von der Sicherheit
sammenfinden und dass wir eine derartige Mög-                auch nicht! (Beifall bei der FPÖ und den Grünen.)
lichkeit schaffen, dass wir auch diese Therapie-
hunde, die mit wechselnden Patienten eingesetzt                    Und Kollege Bader, du kommst mir zeitweise
werden oder mit wechselnden Menschen einge-                  in Bezug auf die Homepage schon richtig trauma-
setzt werden, dass wir die jedenfalls auch aus               tisiert vor. Du hast in einer gewissen Weise in
jeder steuerlichen Benachteiligung herausneh-                meinen Augen ein Hundeproblem. Ich weiß nicht,
men. Danke! (Beifall bei den Grünen.)                        was passiert ist. Vielleicht hat dich einmal ein
                                                             Hunderl geschreckt oder gezwickt. Vielleicht hat
    Dritter Präsident Rosenmaier: Zum Wort                   dir vielleicht ein Hund einmal auf den Autoreifen
gelangt Herr Abgeordneter Königsberger.                      gepinkelt, ich weiß es nicht. Von irgendwoher
                                                             muss deine Aversion gegenüber Hunden ja kom-
    Abg. Königsberger (FPÖ): Sehr geehrter                   men. Und wenn man den Antrag liest, Menschen
Herr Präsident! Hohes Haus!                                  und Hundehaltern eine legale Umgehung einer
                                                             Gebühr vorzuhalten, ich verstehe das nicht. Was
     Ich muss gleich mit dem Kollegen Bader be-              ist eine legale Umgehung? Entweder ist etwas
ginnen. Lieber Kollege Bader! Als Erfinder und               legal, oder es ist etwas illegal. Aber was Legales
Vater des Hundehaltergesetzes, es ist eigentlich             als unanständig darzustellen, das finde ich nicht
unglaublich, dass dir immer noch was einfällt zu             richtig und nicht in Ordnung. Da gehört schon was
den Hunden, dass man das noch toppen kann.                   dazu.
Aber es ist euch wieder eine Grauslichkeit einge-
fallen. Nachdem die ÖVP die Listenhunde jetzt eh                 Aber, wie die ÖVP dem Bundesrechnungshof
kräftigst zur Kasse geben hat, um mindestens des             Inkompetenz unterstellt so negiert sie auch Er-
Zehnfachen des bisherigen Preises, war euch das              kenntnisse des VwGH. Weil der VwGH sagt sehr
immer anscheinend noch nicht genug. Jetzt fällt              wohl in einem Erkenntnis, dass jeder Hund geeig-
euch ein, dass ihr dem Wachhund die Lizenz                   net ist, Potenzielle, Kriminelle und Einbrecher
wegnehmen wollt. Jetzt geht’s den Wachhunden                 abzuschrecken. Und er hat durchaus Recht in
an den Kragen. Und ihr wollt den Wachhunden an               meinen Augen. (Beifall bei der FPÖ.)
den Kragen in Zeiten, wo die Kriminalität eskaliert.         Es steht auch in der Presseaussendung der ÖVP:
In diesen Zeiten wollt ihr den Wachhunden die                Die ÖVP will eine klare Definition schaffen was
Nutzhundeeigenschaft absprechen. Und das nur                 ein Wachhund ist. Das braucht es ja nicht! Das
wegen des lieben Geldes, liebe Freunde von der               hat der Verwaltungsgerichtshof für euch schon
ÖVP! (Abg. Bader: Glaubst du das selber was du               getan, Kollege Bader.
sagst?)
Das glaube ich selber!                                            Ganz kurz zu dem Antrag der Grünen.
                                                             Therapiehunde halten wir für richtig und wichtig.
    Zuerst fördert ihr übers Land, über die NÖ               Und es würde mich freuen, wenn ich dem Antrag
Versicherung, über die Hypo Landesbank die                   beitreten könnte.
Haltung von Wachhunden und jetzt wollt ihr den
Menschen das Geld wieder abnehmen. Liebe                          Zum Schluss: Die Änderung dieses Hunde-
Damen und Herren von der ÖVP, das ist wirklich               abgabegesetzes, das trifft wieder einmal die Fa-
schäbig und das ist abzulehnen.                              milien, die sich einen Hund halten. Es trifft die
                                                             Pensionisten, die vielleicht nur mehr den Hund
      Es gibt eine Presseaussendung, wo im Na-               haben. Die Menschen werden weiter abgezockt.
men des Kollegen Bader irgendwer erklärt, dass               Alles, was die Erhöhung von Kanal, Wasser, Müll,
ein Chihuahua und der Pudel kein Wachhund ist.               nicht genug gebracht hat, für das müssen jetzt die
Da seid ihr wieder völlig daneben! Ihr seid da               Hundehalter gerade stehen und blechen. Meine
völlig daneben! Pudel und Chihuahua sind keine               Damen und Herren von der ÖVP, es ist wirklich
Schutzhunde, das mag sein. Aber ein Wachhund                 schändlich und abzulehnen! Danke! (Beifall bei
ist jeder Hund. Allemal noch! Ein Wachhund ist er.           der FPÖ.)




                                                       200
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


    Dritter Präsident Rosenmaier: Zu Wort ge-               sein muss und wir uns wehren müssten gegen
langt Herr Abgeordneter Jahrmann.                           eine Flut von Eingaben, dass alle Hunde eben
                                                            Nutzhunde sind. Und zum Zweiten wird die
    Abg. Jahrmann (SPÖ): Herr Präsident! Ho-                Reichweite oder die Vollziehbarkeit für Gemein-
hes Haus!                                                   den einfacher und praktikabel.

     Auch ich befasse mich mit dem Hundeabga-                    Wir sind also der Meinung, dass dieser An-
begesetz 1979, das geändert werden soll und                 trag in Ordnung ist und auch im Sinne der Ge-
zwar im Sinne einer Präzision in Richtung Nutz-             meinden und werden daher unsere Zustimmung
hunde oder, sagen wir einmal, Luxushunde. Also              geben. Ebenso werden wir unsere Zustimmung
ich verfalle hier nicht der Versuchung, das weite           geben, dass Therapiehunde, ganz egal, ob sie
Gebiet des Hundehaltegesetzes zu betreten, denn             teilweise bei mehreren Personen oder auch in
es hat sich erwiesen, dass an vielen Beispielen             welcher Art von Behinderung, geistig oder körper-
beweisbar ist, dass dieses Hundehaltegesetz                 lich, eingesetzt werden in diese Reihe der Nutz-
viele Schwächen hat. Und wir haben damals auch              hunde eingereiht werden.
der Sortenaufzählung nicht zugestimmt, weil sich
traurigerweise ergeben hat, dass diese völlig                   In diesem Sinne also bei beiden Anträgen
daneben geht und die Hunde nicht einteilbar sind            unsere Zustimmung. (Beifall bei der SPÖ.)
in gefährliche und nicht gefährliche Hunde. Also
dafür gibt es viele tragische Beispiele.                        Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist
                                                            Herr Abgeordneter Bader.
     Wohl aber möchten wir die Einteilung in
Nutzhunde und solche, die aus anderen Zwecken                   Abg. Bader (ÖVP): Sehr geehrte Herren
gehalten werden. Dafür bringen wir Verständnis              Präsidenten! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
auf. Ich bin nicht der Meinung des Kollegen
Königsberger, dass hier keine Präzisierung not-                  Zur Änderung des Hundeabgabegesetzes.
wendig ist. Nicht nur wegen der Tarifunterschiede           Ich habe selten so viele harte, schreckliche Worte
bei Nutzhunden und Hunden mit erhöhtem Ge-                  gehört zu ein paar einfachen, von der Wortwahl
fährdungspotenzial, sondern weil hier eine eigent-          her, Veränderungen in der Formulierung eines
lich nicht voraussehbare Nichtpräzisierung im               Gesetzes wie von den Blauen. Ich kann euch
Gesetz vorgenommen wurde. Nämlich bei der                   beruhigen, liebe Kolleginnen und Kollegen von
Aufzählung der Wachhunde, die durchaus ergän-               der FPÖ, vor allem den Kollegen Königsberger:
zungswürdig sein kann. Aber das ist nicht das               Da geht’s nicht um Abzocke! Da geht’s nicht um
heutige Thema.                                              Sanierung von Gemeindekassen. Da geht’s
                                                            schlichtweg um keinen Skandal. Da geht’s auch
    (Präsident Ing. Penz übernimmt den Vorsitz.)            den Wachhunden nicht an den Kragen. Das, was
                                                            ihr da praktiziert, ist heiße Luft. Da geht’s de fakto
     Wurde doch bei der taxativen Aufzählung das            um keine Gebührenerhöhungen. (Heiterkeit bei
Wort „insbesondere“ vorgesetzt. Das hat viele               der FPÖ. – Abg. Waldhäusl: Der war gut!)
findige Hundebesitzer dazu geführt, dass sie eine           Da geht’s ganz einfach darum, Klarheit zu
Nutzhundkonstruktion für ihren Liebling zu Hause            schaffen.
gefunden haben und der Verwaltungsgerichtshof
hat dies bestätigt, dass diese Möglichkeit besteht.              Die Argumentation, die ihr da angewendet
Das heißt, man könnte vom Chihuahua bis zur                 habt, ist lächerlich und nur lächerlich und sonst
deutschen Dogge jedem Hund eine Wachhund-                   nichts als lächerlich. Ja? Das wirtschaftliche Ver-
funktion zuschreiben und damit ihn zum Nutzhund             ständnis - im Übrigen - der F ist so, dass ich sage,
machen. Das ist aber, glaube ich, nicht Intention           Gott sei Dank trägt die FPÖ nicht mehr Verant-
dieses Gesetzes. Daher gehört das geändert. Und             wortung in den Gemeinden als sie derzeit hat.
wir stimmen dieser Änderung vollinhaltlich zu.              Weil die Politik heißt auch Verantwortung. Und
Noch dazu, wo sie relativ einfach ist. Wir brau-            diese Verantwortung, die nehmen wir ganz ein-
chen nur das Wort „insbesondere“ aus dem Ge-                fach wahr. Und es ist auch keine Kritik am Ver-
setzestext, und zwar aus dem Absatz 2 im § 3 zu             waltungsgerichtshof in dieser Gesetzesänderung
streichen.                                                  drinnen, sondern es ist natürlich der Entscheid
                                                            des Verwaltungsgerichtshofes ein Anlass um hier
    Wir können jetzt wieder eine Diskussion an-             entsprechende Klarheit zu schaffen.
fangen, wer wem für die Gemeinden das Geld aus
der Tasche zieht oder nicht. Tatsache ist, dass                 Lieber Kollege Königsberger! Ich kann dich
dieses Gesetz a) für die Gemeinden praktikabel              beruhigen, ich habe kein Hundetrauma. Aber ich




                                                      201
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


bin in einer ganz besonderen Art und Weise von               selten Probleme gegeben hat. Daher besteht
einem Unfall mit einer schweren Verletzung mit               durch den Entscheid des Verwaltungsgerichtsho-
einem Kind betroffen gewesen in der Gemeinde.                fes Anlass, dass man hier eine Klarstellung erfol-
Und ich wehre mich gegen jene Hundehalter, die               gen lässt und dass man die im Gesetz durchführt.
verantwortungslos die Tiere halten! (Beifall bei der
ÖVP und Abg. Waldhäusl.)                                          Und die beispielhaften Aufzählungen, die jetzt
                                                             drinnen sind, sollen in taxative Aufzählungen um-
     Ich kann euch auch sagen aus der Erfahrung,             gewandelt werden um hier entsprechende Klarheit
die ich habe: Wenn auf der Bezirksverwaltungs-               zu schaffen. Und wir haben im Gesetz derzeit
behörde der Amtstierarzt ein Jahr lang zu einer              schon 14 verschiedene Arten, die Nutzhunde
Liegenschaft monatlich ein-, zweimal fahren                  definieren. Also wirklich eine Vielzahl. Da kann
muss, bis die ihren Zaun hergerichtet haben, dass            man nicht vorwerfen, dass es hier um Abzocke
fünf Pitbulls nicht ausbüchsen und vorige Woche              geht. Es geht um eine Änderung, die wir beantragt
wieder eine Anzeige war, weil fünf wieder im Wald            haben. Wir laden dazu auch ein, diese Änderung
gerannt sind, und vor drei, vier Wochen auch ein             anzunehmen, damit hier Klarheit geschaffen wird
Vorfall war, der nicht angezeigt wurde, dann ist             und dass hier keine Umgehungen gemacht wer-
die Geduld irgendwann am Ende!                               den und jeder Hund als Wachhund definiert wer-
                                                             den kann.
     Und wenn nach so einem Vorfall ein anderer
Hundehalter in der Gemeinde mit einer Rottweiler-                 Zur Kollegin Petrovic möchte ich noch an-
Hündin spazieren geht, ich ihn sehe und sage,                merken: Einerseits, ich denke schon, dass das
bitte, was soll denn das? Leine um den Hals und              Hundehaltegesetz auch entsprechende Wirkung
geht locker mitten in der Gemeinde spazieren!                gezeigt hat. Wir haben in vielen Bereichen auch
Sage ich, na bitte, denkst du dir eigentlich was?            eine Veränderung in der Verantwortung der Hun-
Ich werde das anzeigen. Habe ich angezeigt.                  dehalter, was gerade diese gefährlichen Hunde
Dann hat er mich angerufen, ob ich ihn angezeigt             betrifft, bewirkt. Und das Gefühl der Sicherheit
habe. Sicher, ich habe es dir ja auch gesagt. Hat            mag schon jeder Hund den Menschen vermitteln.
er gesagt, hast ein Foto auch? Sage ich, habe ich            Aber daraus automatisch abzuleiten, dass das ein
keines. Du kannst ruhig einen Einspruch machen.              Wachhund ist, das ist nicht in Ordnung.
Ist mir eh wurscht. Ich kenne aber deine Haltung.
Ja? Das heißt, Trauma habe ich keines. Aber ich                   Wir sind auch – und das haben wir zugesagt
bin komplett gegen unverantwortliche Halter!                 – zu Gesprächen bereit, was die Therapiehunde
                                                             betrifft. Aber auch hier muss es eine klare Rege-
    Trauma hat möglicherweise die FPÖ, ein Ge-               lung und Formulierung geben, die praktikabel ist
bührentrauma und ein Abzocketrauma mögli-                    und die auch den Gemeinden die Möglichkeit gibt,
cherweise auch. Aber da soll sich jeder seine                dieses Gesetz ordentlich anzuwenden und zu
eigene Meinung darüber bilden, warum ihr ein                 vollziehen. Dann sind wir bereit, hier auch noch
Abzockertrauma habt. (Unruhe bei der FPÖ.)                   eine Änderung herbeizuführen.

     Jammern alleine, skandalisieren und schreien                In diesem Sinne lade ich ein, dieser Klarstel-
ist zu wenig. Wie bei anderen Dienstleistungen               lung entsprechend durch Handzeichen auch die
auch ist es natürlich notwendig, dass auch Ge-               Unterstützung zu geben. (Beifall bei der ÖVP.)
bühren im Zusammenhang mit der Hundehaltung
von den Gemeinden vorgeschrieben werden,                         Präsident Ing. Penz: Weiters zu Wort ge-
eingehoben werden von den Bürgerinnen und                    meldet ist Frau Klubobfrau Dr. Petrovic.
Bürgern. Die Gemeinden haben schließlich auch
Aufgaben mit dem Hundehaltegesetz im Vollzug                      Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Nur ein
und auch mit dem Hundekot, mit „Gacke-Sackerl“               Satz zu meinem Vorredner: Also wenn die Be-
usw. Und diese Dinge kosten Geld! Daher ist es               hörde fünf oder sechs gefährliche Vorfälle braucht
gerechtfertigt, dass hier auch entsprechende Ge-             um irgendwie zu reagieren, dann würde ich mei-
bühren eingehoben werden.                                    nen, man sollte dieser Behörde Dampf machen
                                                             und nicht Hunde oder Hundehalter, -halterinnen
     Die klare Definition im Gesetz für Nutzhunde            kriminalisieren. Das wäre so, als würde man we-
ist nichts anderes als diese Gesetzesänderung                gen ein paar Hooligans oder wegen ein paar Au-
beinhaltet. Und ein Gesetz, das bisher in der Voll-          torasern das Fußballspielen oder das Autofahren
ziehung auch klare Regeln hatte, die angewendet              verbieten. Das ist genauso dumm. (Beifall bei den
wurden, wo es eigentlich keine oder vielleicht nur           Grünen.)




                                                       202
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


    Präsident Ing. Penz: Die Rednerliste ist er-              eigentlich zu viele Amtln habt. Weil dann müsstest
schöpft. Ich frage den Berichterstatter, ob er ein            wissen, dass erst vor kurzem eine Anfrage be-
Schlusswort wünscht?                                          antwortet wurde von der Kollegin Rosenkranz an
                                                              die Klubobfrau Petrovic, wo sie genauso wie der
     Berichterstatter Abg. Mold (ÖVP): Ich ver-               Landeshauptmann antworten hätte können: Passt
zichte!                                                       nicht in die Vollziehung. Aber sie hat trotzdem
                                                              gesagt, was sie dazu meint. Und darum geht’s.
    Präsident Ing. Penz: Das ist nicht der Fall!              Um diesen respektvollen Umgang. Der gilt auch
Wir kommen zur Abstimmung. (Nach Abstimmung                   dir.
über den vorliegenden Antrag des Kommunal-
Ausschusses, Ltg. 664/A-1/51, Antrag mit Ge-                       Wenn nämlich Anfragebeantwortungen erteilt
setzentwurf der Abgeordneten Bader u.a. betref-               werden, dann ist nicht einer gemeint. Dann sind
fend Änderung des NÖ Hundeabgabegesetzes                      alle gemeint. Und ich rede von Respekt gegen-
1979:) Ich stelle fest, dass dieser Antrag mit den            über dem Landtag. Und ich rede auch darüber,
Stimmen der SPÖ, der ÖVP und den Grünen                       dass es bei dieser Anfrage schon um einiges
angenommen wurde.                                             geht. Es geht darum, ob sich die Regierung tat-
                                                              sächlich Gedanken über einige Punkte gemacht
     Die Fraktionen sind zu Beginn der Sitzung                hat bei dieser Kapitalerhöhung. Hat sie sich Ge-
überein gekommen, auf Grund der beiden Anfra-                 danken darüber gemacht, wie schaut es tatsäch-
gedebatten eine Redezeitvereinbarung zu treffen.              lich mit dieser Finanzgebarung mit den Abenteu-
Ich darf die Technik bitten, die Zeiten für die Frak-         ern in Bulgarien und Mazedonien aus? Gibt’s da
tionen wie folgt festzulegen: ÖVP 41 Minuten,                 Unterlagen? Hat die Landesregierung auch tat-
SPÖ 24 Minuten, FPÖ 15 und Grüne 13 Minuten.                  sächlich hier hinterfragt bzw. war das für die Lan-
                                                              desregierung wichtig? Immerhin halten wir 51
     Wir kommen nun zur Verhandlung der Anfra-                Prozent. Und ich nehme an, da hat es das auch
gebeantwortung durch Herrn Landeshauptmann                    gegeben. Als ordentlicher Geschäftsmann, was
Dr. Pröll zu Ltg. 634/A-4/160 betreffend Kapitaler-           ich auch vom Landeshauptmann und von den
höhung der EVN AG. Ich eröffne die Debatte und                Landesregierungsmitgliedern hier erwarte, wird es
erteile Herrn Klubobmann Waldhäusl das Wort.                  das gegeben haben. Und daher kann man als
                                                              Legislative das auch hinterfragen. Ist legitim.
    Abg. Waldhäusl (FPÖ): Sehr geehrter Herr
Präsident! Werte Kollegen des Landtages!                          Und wo konkret die Probleme sind, sollte
                                                              man genauso andiskutieren können in einer An-
    Wir wollen deswegen über diese Beantwor-                  frage. Das ist die einzige Möglichkeit der Abge-
tung der Anfrage diskutieren, weil inhaltlich und             ordneten, hier Dinge zu erfragen, die letztendlich
vor allem die Art dieser Antwort sich in jene Ant-            in der Exekutive, in der Regierung entschieden
worten eingliedern lässt, die sehr lückenhaft, und            werden.
ich würde sagen, auch nicht respektvoll gegen-
über dem Landtag ausgefallen sind.                                 Ob der Bereich der erneuerbaren Energie
                                                              tatsächlich auch ein Beweggrund ist, um hier Geld
     Ich möchte eingangs erwähnen, es gibt                    in die Hand zu nehmen für die Landesregierung,
grundsätzlich viele Regierungsmitglieder, ich                 ist auch eine entscheidende Frage. Das ist ja
möchte nur stellvertretend drei erwähnen, wo                  nichts Schlimmes wenn man das wissen möchte,
Anfragebeantwortungen sehr wohl mit Respekt                   wie weit es hier geht.
gemacht werden. Ich möchte an der Spitze da die
Landesrätin Bohuslav erwähnen, wo es nicht ein                     Wenn die Diskussion um einen Blochberger
einziges Mal bisher eine Beanstandung gegeben                 nicht beantwortet wird, habe ich kein Problem
hätte. Genauso die Kolleginnen Scheele und                    damit, weil da kann man sagen, na gut, das ist
Rosenkranz. (Unruhe bei Abg. Mag. Riedl.)                     okay, kein Problem. Da wehre ich mich nicht da-
                                                              gegen. Punkt 5 und Punkt 6 wurde erhört, wurde
     Wenn man jedoch in einer so wichtigen Mate-              beantwortet, weil es auch tatsächlich richtiger-
rie einzig und allein …, Kollege, du müsstest dir             weise eindeutig in die Vollziehung fällt.
ein bisschen was anschauen, weißt? Aber wenn
man natürlich selten da ist, weil man Bürger-                      Punkt 7 betreffend der niedrigen Energie-
meister und so viele Sachen hat, dann kennt man               preise, dass man auch darüber bei so einer wich-
die Arbeit im Landtag nicht. Das sind deine Prob-             tigen Entscheidung, Kapitalerhöhung des NÖ
leme, mit denen musst selber fertig werden. Du                Energieversorgers, darüber diskutieren kann oder
lieferst immer wieder die Beispiele, warum ihr                nachfragen kann als Abgeordneter, ob das auch




                                                        203
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode         31. Sitzung vom 18. November 2010


ein Thema war, wenn man hier eine Kapitalauf-                 men. Weil es mir zu wenig ist, wenn ich bei einer
stockung macht und gar nicht wenig. Wenn man                  Diskussion dann Auskunft bekomme. Mir ist lie-
hier darüber diskutiert, dass E-Control ständig               ber, ich bekomm’ sie von dem, der zuständig ist.
sagt, in Niederösterreich sind die Energiepreise
zu hoch. Ob es da Gespräche gegeben hat. Ob                        Lassen wir diese Regelung so, wie sie auch
man gesagt hat, man schießt Geld zu, selbstver-               in der Verfassung geregelt ist. Es gibt eine Regie-
ständlich. Denn es ist ja nicht so, dass wir hätten           rung, es gibt einen Landtag und jeder soll seine
müssen. Mit 51 Prozent entscheiden schon wir,                 Geschäfte erledigen. (Beifall bei der FPÖ.)
ob es eine Kapitalerhöhung gibt oder nicht. Wenn
wir nur mit 10 Prozent dabei sind, dann müssen                    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist
wir, das ist ganz klar. Aber da gibt es ja eine               Frau Klubobfrau Dr. Petrovic.
Grundsatzentscheidung.
                                                                  Abg. MMag. Dr. Petrovic (Grüne): Sehr ge-
                                                              ehrte Herren Präsidenten! Sehr geehrte Damen
     Und ich glaube, das ist legitim von Abgeord-
neten. Und ich würde sagen, ist auch gut, ob ich              und Herren! Hohes Haus!
es mach’ oder wer anderer, wenn sich die Legis-
                                                                   Ich schließe mich dieser Kritik in weiten Tei-
lative darüber Gedanken macht, ob die Regierung
                                                              len an. Ich glaube auch, dass über ein Unterneh-
entscheidende Fragen der Landespolitik, die die
                                                              men, an dem das Land maßgebliche Anteile hält,
Bürger betreffen, auch in Erfahrung bringen
                                                              hier immer wieder und regelmäßig eine Debatte
möchte. Weil die Bürger wollen vielleicht wissen,             geführt werden soll. Weil wir natürlich alle wissen,
wie schaut es da aus in Mazedonien oder in Bul-               dass die Landschaft der Energieerzeugung in
garien? Und es ist halt schön, wenn der General,
                                                              Bewegung geraten ist. Und dass die Frage, wohin
wenn der oberste Vorstandsdirektor in „Nieder-
                                                              wird sich die Energieerzeugung entwickeln, was
österreich heute“ auf einige Fragen dann Antwort
                                                              sind zukunftsträchtige Bereiche und was eher
gibt. Finde ich es klass und super. Aber ich hätte            nicht, diese Fragen werden sich immer häufiger
schon gerne als Abgeordneter, dass ich das halt               stellen und sie werden unterschiedlich beantwor-
dann von dem Regierungsmitglied auch erfahre in
                                                              tet werden.
einer Anfrage, der ja da die Hauptverhandlungen
geführt hat, und nicht übers Fernsehen. Das ist                    Leider führen wir die energiepolitische De-
eine Missachtung des Landtages!                               batte immer wieder nur anhand von Beispielen,
                                                              wo irgendwer gegen was ist oder wo ein Konflikt
     Und die Frage der Energiepreise, muss ich                bereits ausgebrochen ist. Also wenn sich Leute
auch ganz ehrlich sagen, das ist auch legitim                 gegen irgendeinen Windkraftpark zur Wehr set-
wenn sich da Abgeordnete Gedanken darüber                     zen, weil sie sich dadurch gestört oder beein-
machen und fragen, ob das auch ein Thema war.                 trächtigt fühlen oder durch ein Projekt im Bereich
Daher bitte ich wirklich, auch im Interesse des               der Wasserkraft oder noch viel mehr durch ein
Respektes der Regierung gegenüber dem Land-                   kalorisches Kraftwerk.
tag: Lassen wir uns in Zukunft bitte das nicht ge-
fallen und sagen einfach nur ganz höflich: Bitte,                  Und mir fällt auf, dass es riesige Projekte gibt
das sind Dinge, die für die niederösterreichischen            wie etwa die Pipeline Südschiene, die etwa nahe
Landsleute nicht unwichtig sind. Und bitte, tun wir           an Gloggnitz vorbei durch Raach am Hochgebirge
uns da nicht, ob richtig oder nicht richtig oder halb         führt. Die Leute dort waren eigentlich alle skep-
richtig, auf die Landesvollziehung berufen, son-              tisch bis negativ, die meisten haben aber dann
dern machen wir kein Geheimnis draus. Sagen                   doch dem mehr oder minder latenten Druck der
wir was Sache ist!                                            EVN nachgegeben und haben Grundstücke ab-
                                                              getreten, haben Verträge geschlossen. Es gab
     Denn ich bin mir sicher, dass die Fragen, die            einen einzigen Bauern, der hat sich enteignen
ich gestellt habe, selbstverständlich bei dieser              lassen. Und in diesem Enteignungsverfahren, da
Kapitalaufstockung auch ein Thema waren.                      fand dann plötzlich eine energiepolitische Debatte
Nehme ich an, dass das diskutiert worden ist. Und             statt zwischen dem Vertreter der EVN und dem
daher hoffe ich, dass ich heute hier auch dement-             Anwalt des enteigneten Landwirts, um die Frage,
sprechend eine Antwort bekomme. Und wenn von                  was ist öffentliches Interesse? Und der Anwalt
niemandem anderen, dann zumindest vom Kolle-                  des mittlerweile enteigneten Landwirts hat meiner
gen Klubobmann Schneeberger, der wahrschein-                  Meinung nach sehr richtig argumentiert, die Re-
lich da mehr darüber weiß.                                    publik und die Gebietskörperschaften, die Länder,
                                                              haben auch die internationalen Verpflichtungen
    Ich muss trotzdem dann den Antrag stellen,                der Republik zu beachten. Und die heißen Klima-
diese Beantwortung nicht zur Kenntnis zu neh-                 schutz! Die heißen CO2-Reduzierung!




                                                        204
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


      Doch allein mit dieser Südschiene, mit den             und der Vorrednerin durchaus anschließen – eine
Gasimporten, die hier erfolgen werden, wird sich             ausführlichere Beantwortung in jedem Fall wün-
die CO2-Bilanz Österreichs einmal mehr ver-                  schen. Ich glaube, dass es hier um sehr viel Geld
schlechtern. Das heißt, die Republik, der Wirt-              geht. Immerhin um 91,7 Millionen, die hier zusätz-
schaftsminister unterschreibt irgendwo Verträge              lich aus dem Budget in die EVN gezahlt werden.
und ein Unternehmen, das maßgeblich im Eigen-                Und ich denke einmal, dass dies durchaus eine
tum des Landes Niederösterreich steht, verwirk-              Debatte im Landtag Wert gewesen wäre.
licht eine Politik, die genau das Gegenteil bewirkt.
Und sagt, das ist öffentliches Interesse, dass wir                Ich muss aber natürlich die Kapitalerhöhung
das in der Menge, wie sie halt nachgefragt wird,             der EVN grundsätzlich als gut unterstützen, weil
mit allen Steigerungsraten zur Verfügung stellen.            die Erlöse aus der Kapitalerhöhung, die dienen
                                                             grundsätzlich einmal in erster Linie zur Stärkung
      Das war eine Debatte zwischen einem Land-              des Eigenkapitals der EVN-Gruppe. Und damit
wirt, einem kleinen Landwirt, man kann es ja auch            auch für das Credit Rating, was natürlich auf den
sagen, dem Herrn Haider aus Raach, und der                   heutigen internationalen Kreditmärkten eine we-
großen, mächtigen EVN. Und ich denke mir, diese              sentliche Bedeutung hat. Und – und das haben
Debatte gehört nicht irgendwo in ein Enteig-                 wir auch schon gehört – es werden sehr viele
nungsverfahren in Raach am Hochgebirge, son-                 Mittel in erneuerbare Energie investiert werden.
dern die gehört hier in dieses Haus! Wohin entwi-
ckelt sich unsere Energieerzeugung? Was ist das                   Zum Beispiel in Wasserkraft und Windkraft.
öffentliche Interesse? Und es kann nicht so sein,            Die EVN wird in den nächsten fünf bis acht Jahren
dass wir das vielleicht da oder dort mit einer An-           bis zu 800 Millionen Euro investieren. Bis zu 600
frage irgendwie herauskitzeln oder dass das in               Millionen in Wasserkraftwerke in Niederösterreich
einem anderen Verfahren eine Nebenfrage ist.                 und anderen Bundesländern. Bis zu 200 Millionen
Sondern das ist eigentlich die Hauptfrage.                   in Windkraftanlagen in Niederösterreich. EVN
                                                             setzt auf Revitalisierung bestehender Kleinwas-
       Wenn wir uns anschauen die Stellungnah-               serkraftwerke, die Errichtung von Wasserkraft-
men aller Expertinnen und Experten im Energie-               werken an bestehenden historischen Standorten,
bereich, was Peak Oil, was auch Peak Gas be-                 Neuerrichtung von Wasserkraftwerken im Einver-
trifft, dann müssen wir sagen, da kommen drama-              nehmen mit Behörden und Umweltschutzorgani-
tische Entwicklungen auf uns zu. Und man kann                sationen. Projekte an den niederösterreichischen
da nicht so einfach sagen, na ja, die werden                 Flüssen Ybbs, Erlauf, Kamp werden geprüft und
schon die richtige Politik machen. Sondern ich               so weiter und so fort. Also ich glaube, die EVN ist
glaube, hier sollten wir auch einmal Wissen-                 hier auf dem richtigen Weg! Wir alle mitsammen
schaftlerinnen, Wissenschaftler anhören. Mit die-            reden immer wieder von CO2-Ausstoß, vom Um-
ser Frage sollten wir uns wirklich befassen. Das             weltschutz, von Kyoto-Zielen. Und ich glaube, hier
ist eine Frage, die ureigens auch die Lebensqua-             geht die EVN den richtigen Weg indem sie diesen
lität und auch die wirtschaftliche Leistungsfähig-           Schritt setzt.
keit der Bürger und Bürgerinnen in dem Land
betreffen wird. Und daher schließe ich mich der                   Ich muss aber auch grundsätzlich dazu sa-
Forderung meines Vorredners an: Die Debatte                  gen, wenn wir heute über eine Kapitalerhöhung in
gehört hier ins Haus! Und die Berichte, wo wird              dieser Höhe sprechen, dann kommt das ja nicht
investiert, was wird investiert, was wird abgelehnt,         aus den Geldern, die wir einfach haben, sondern
die müssen wir hier führen und können das nicht              aus den Geldern der Steuerzahler. Und ich
der Zufälligkeit einzelner Anfragen überlassen.              glaube, dass gerade in dieser Zeit familienpoliti-
(Beifall bei den Grünen.)                                    sche Akzente zu setzen sind. Und wenn wir diese
                                                             Kapitalerhöhung nehmen, dann zahlen das die
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist                Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher
Herr Abgeordneter Razborcan.                                 letztendlich mit ihrem Steuergeld. Deswegen,
                                                             glaube ich, ist der richtige Zeitpunkt jetzt auch
    Abg. Razborcan (SPÖ): Sehr geehrter Herr                 gekommen, dass einige davon auch profitieren
Präsident! Hoher Landtag!                                    können, nämlich Familien mit geringem Einkom-
                                                             men. Und deswegen möchte ich jetzt diese Gele-
    Ich möchte einmal vorweg schicken, dass wir              genheit auch nützen, einen Resolutionsantrag
diese Anfragebeantwortung grundsätzlich einmal               einzubringen betreffend Einführung eines Strom-
zur Kenntnis nehmen werden. Wir würden uns                   Gas-Bonus für Niederösterreicherinnen mit niedri-
aber – und da kann ich mich meinem Vorredner                 gem Einkommen (liest:)




                                                       205
Landtag von Niederösterreich      Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


                  „Resolutionsantrag                            Um dennoch eine Abfederung der gestiege-
                                                            nen Strom und Gaspreise für Niederösterreiche-
     des Abgeordneten Razborcan zum Antrag                  rInnen mit kleineren und mittleren Einkommen zu
der Abgeordneten Waldhäusl u. a. betreffend                 ermöglichen, soll ein Strom-Gas-Bonus gewährt
Debatte über die Beantwortung der Anfrage des               werden.
Abgeordneten Waldhäusl an Landeshauptmann
Dr. Pröll betreffend Kapitalerhöhung der EVN AG,                Der Gefertigte stellt daher den Antrag:
Ltg.-634, betreffend Einführung eines Strom-Gas-
Bonus für NiederösterreicherInnen mit niedrigem                 Der Landtag wolle beschließen:
Einkommen.
                                                                Die NÖ Landesregierung wird aufgefordert,
     Der Kampf gegen die Teuerung und die Fol-              im Sinne der Antragsbegründung die Einführung
gen der Finanzwirtschaftskrise sind im Augenblick           eines Strom-Gas-Bonus aus den Dividenden der
eine der wichtigsten Aufgaben der Politik. Die              EVN für NiederösterreicherInnen mit niedrigem
steigende Inflation verursachte spürbare Rück-              Einkommen - orientiert am Familieneinkommen
gänge der realen Nettolöhne in Österreich, dies             von höchstens 2.000 Euro netto (Familie mit 2
betrifft inzwischen nicht mehr nur die untersten            Kindern) und den im Haushalt lebenden Famili-
Einkommensschichten, sondern auch bereits die               enmitgliedern in der Höhe von 100 Euro bis 250
Bezieher mittlerer Einkommen.                               Euro zu veranlassen.“

     Energie und Wasser zählen neben Gesund-                     Ich hoffe auf Unterstützung dieses Antrages.
heits- und Sozialdienstleistungen und öffentlichem          Wir werden ja sehen, wie die selbst ernannte Fa-
Verkehr zu den Basisdiensten, die für alle leistbar         milienpartei ÖVP mit diesem Antrag umgeht. Ich
und flächendeckend zur Verfügung gestellt wer-              würde mir eine Zustimmung sehr wünschen.
den müssen. Aufgrund der Liberalisierung des                Danke für die Aufmerksamkeit! (Beifall bei der
Energiesektors bestimmt jedoch nunmehr der                  SPÖ.)
Markt den Energiepreis.
                                                                Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist
    Strom und Gas sind meist zu teuer. Das zeigt            Herr Klubobmann Mag. Schneeberger.
eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer. Gerade
Wohnen und Energie sind Kosten, denen nie-                      Abg. Mag. Schneeberger (ÖVP): Herr Prä-
mand ausweichen kann. Hohe Preise treffen alle,             sident! Hohes Haus! Meine Damen und Herren!
aber Mittel- und Wenigverdiener sind besonders
belastet.                                                       Wir hatten heute eine Bildungsdebatte. Ich
                                                            mutiere nunmehr zum Lehrer und würde jetzt
     Die Entwicklung des Gesamtstrom- und Gas-              nach dieser Debatte sagen: Thema verfehlt. Wa-
preises bei Haushaltskunden ist seit der Liberali-          rum? Deswegen, weil ich anregen würde, dass wir
sierung des Marktes von steigender Tendenz ge-              einmal nach den Ausschusssitzungen vielleicht zu
kennzeichnet. Der Anstieg der Gaspreise in Nie-             einem Workshop einladen. Mit dem Inhalt, was
derösterreich von Juli 2008 bis Juni 2010 um                sind die Angelegenheiten der Landesvollziehung?
9,1% beziehungsweise der Anstieg des Strom-                 Denn wenn wir wissen, was die Angelegenheiten
preises im selben Zeitraum um 21,6% treiben                 der Landesvollziehung sind und wenn wir wissen,
viele NiederösterreicherInnen an den Rand der               dass die Regierungsmitglieder sich an diese An-
finanziellen Belastbarkeit.                                 gelegenheiten der Landesvollziehung zu halten
                                                            haben, dann würden wir uns künftighin derartige
     Die NÖ Landesbeteiligungsholding GmbH                  Diskussionen ersparen. Was meine ich damit?
hält derzeit nahezu 51% der Aktien der EVN AG.
Aufgrund der in der Hauptversammlung be-                         Ich bin mit dem Kollegen Waldhäusl aus-
schlossenen Dividendenauszahlung, fließen Milli-            nahmsweise wieder einmal einer Meinung: Dass
onen in die Kasse der NÖ Landesbeteiligungshol-             es natürlich notwendig ist und meines Erachtens
ding GmbH.                                                  nach auch zutrifft, dass eine Beantwortung einer
                                                            Anfrage eines Regierungsmitgliedes mit Respekt
    Wie bereits erwähnt, belasten die steigenden            erfolgen soll. Und wenn ich diese Beantwortung
Energiekosten für Strom und allgemein der Pri-              hernehme, dann würde ich meinen, dass dieser
märenergieträger, viele LandesbürgerInnen in                Respekt hier entsprechend am Platz war. Denn es
Niederösterreich massivst.                                  wurde jene Frage, die in die Landesvollziehung




                                                      206
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


gehört, entsprechend beantwortet. Du hast schon               beantworten, das fällt unter den Bereich Mindest-
zugegeben, dass die Blochberger-Frage nicht                   sicherungsbegleitgesetz. Und ihr tut ja das fast
unbedingt was ist, was … (Abg. Waldhäusl: Ich                 bei jeder Sitzung des Landtages, findet ihr Mög-
bin ja ehrlich!)                                              lichkeiten, dieser Lizitationspolitik das Wort zu
Entschuldigung! Ich habe herrlich verstanden,                 reden. Wir haben die Verantwortung auf unsere
oder? Ja, ehrlich. Da kann ich zustimmen.                     Fahnen geschrieben für die Bürgerinnen und Bür-
                                                              ger dieses Landes. Und der werden wir gerecht.
     Die Beantwortung war bezogen auf das                     Und in Anbetracht dessen stelle ich den Antrag,
Volumen. Das ist in etwa in einer Größenordnung               die Anfragebeantwortung des Herrn Landes-
Gesamtvolumen von 180 Millionen, präliminiert.                hauptmannes Dr. Pröll zur Kenntnis zu nehmen.
Das kann man nie genau sagen, weil es abhängig                (Beifall bei der ÖVP.)
ist vom jeweiligen Kurs. Und es betrifft die Beteili-
gungsholding in einer Größenordnung von 91,7                      Präsident Ing. Penz: Es liegen keine weite-
Millionen Euro.                                               ren Wortmeldungen vor. Ich erkläre daher die
                                                              Debatte für beendet.
     Und die Fragen, die quasi so unterstellen,
und das war in der Wortmeldung auch heraushör-                     Herr Abgeordneter Klubobmann Waldhäusl
bar, Abenteuer Mazedonien usw. … Ich würde                    hat zunächst den Antrag gestellt, die Anfragebe-
meinen, es gibt demnächst, wahrscheinlich nicht               antwortung nicht zur Kenntnis zu nehmen. (Nach
im Dezember, weil die Agenda eine zu große sein               Abstimmung, die Anfragebeantwortung zur Kennt-
wird, aber dann spätestens im Jänner, den jährli-             nis zu nehmen:) Dafür stimmen die Abgeordneten
chen Energiebericht. Und all die Fragen, die legi-            der SPÖ, der ÖVP, somit ist dieser Antrag des
timerweise, Kollegin Petrovic, auch von Ihnen                 Abgeordneten Klubobmann Waldhäusl abgelehnt
angesprochen wurden, betreffen Themen, die uns                und die Anfragebeantwortung zur Kenntnis ge-
interessieren, wo man hinterfrägt oder hinterfra-             nommen.
gen sollte. Das sind Punkte, die wir sehr wohl
anlässlich des Energieberichtes diskutieren kön-                  Es liegt weiters ein Resolutionsantrag des
nen, sollen und ich würde sogar meinen, müssen.               Abgeordneten Razborcan betreffend Einführung
                                                              eines Strom-Gas-Bonus für Niederösterreicherin-
      Daher gehe ich nicht auf die Gasleitungsge-             nen mit niedrigem Einkommen vor. (Nach Ab-
schichte ein und auf alle diese Dinge, die hier               stimmung:) Dafür stimmen die Abgeordneten der
angesprochen wurden, sondern meine, dass mit                  SPÖ und der FPÖ. Der Resolutionsantrag hat
diesem Schritt die Eigentümerverantwortung des                keine Mehrheit gefunden. Er wurde abgelehnt.
Landes Niederösterreich bei der EVN als 51 Pro-
zent Eigentümer, dass dieser entsprechend                         Wir kommen nun zur Verhandlung der Anfra-
Rechnung getragen wurde. Dass das in der Be-                  gebeantwortung durch Herrn Landeshauptmann
antwortung der Anfrage entsprechend der Verfas-               Dr. Pröll zu Ltg. 668/A-4/170 betreffend Ausstel-
sung auch entsprechend umgesetzt wurde. Dass                  lung von Mark Rossell auf der Landhausbrücke.
wir alle anderen Fragen hier, was die Kapitalerhö-            Ich eröffne die Debatte und erteile Herrn Abge-
hung anlangt, ob das ein Beitrag zum Kreditrating             ordneten Hafenecker das Wort.
ist, ob es die Möglichkeiten des Investments in
erneuerbare Energie sind, ob des Wissens, dass                    Abg. Hafenecker (FPÖ): Sehr geehrter Herr
der Konzernertrag durchaus maßgeblich, wenn                   Präsident! Hoher Landtag!
ich den Prozentsatz von 15 Prozent hernehme,
auch vom Auslandsengagement der EVN resul-                        Mir ist schon klar, dass man im Bereich der
tiert, das sind Punkte, die wir diskutieren sollten.          Kunst immer wieder geteilter Meinung zu gewis-
Aber beim Energiebericht und nicht bei der Anfra-             sen Darstellungen sein kann. Und es ist bis zu
gebeantwortung einer Anfrage an den zuständi-                 einem gewissen Grad auch die Aufgabe der
gen politischen Referenten, Landeshauptmann                   Kunst, zu provozieren.
Pröll.
                                                                   Die aktuelle Ausstellung von Mark Rossell
     Zum Strom-Gas-Bonus fallen mir nur zwei                  zeigt uns aber auch, wo die Grenzen der Kunst
Dinge ein. Schau mich nicht so treuherzig an. Ich             sein sollten. Diese Grenzen sollte man immer dort
glaube, du hast das von Nordkorea mitgenom-                   sehen, wo es so weit kommt, dass sich Menschen
men, diese Überlegungen. Ich würde meinen, das                in ihren Gefühlen verletzt fühlen. Wenn sich Lan-
ist eine berühmt-berüchtigte Lizitationspolitik der           deshauptmann Pröll in seiner Anfragebeantwor-
SPÖ, mutiert als Oppositionspartei. Und ich würde             tung auf das NÖ Kulturförderungsgesetz mit all
meinen, um das auch ein bisschen polemisch zu                 seinen Spannungsfeldern beruft, so ist das einer-




                                                        207
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


seits sein gutes Recht. Andererseits sollte er aber          andererseits zumindest die Sicherheit, innerhalb
auch wissen, dass es in der Bundesgesetzgebung               der ÖVP einen Nerv getroffen zu haben.
einen Paragrafen gibt, der die Herabwürdigung
religiöser Symbole unter Strafe stellt.                           Ich stelle daher den Antrag auf Nicht-Zur-
                                                             kenntnisnahme der Anfragebeantwortung. (Beifall
     Diese Bestimmung wird ganz bestimmt nicht               bei der FPÖ.)
vom NÖ Kulturförderungsgesetz derogiert, son-
dern ist vielmehr zu respektieren. Mit regem                    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Herr
Interesse habe ich die mediale Berichterstattung,            Abgeordneter Weiderbauer.
vor allem aber das Umfallen von Herrn Mark
Rossell in diesem Zusammenhang mitverfolgt.                     Abg. Weiderbauer (Grüne): Herr Präsident!
Schreibt er anfangs noch in seiner eigenen Be-               Hohes Haus!
schreibung davon, dass er eine physische Ma-
donna schaffen wollte und das pubertäre Verlan-                    Abgesehen davon, dass ich immer tief er-
gen verspürte, sie zu beschmutzen, wurde diese               griffen bin, wenn FPÖ-Abgeordnete Kunstwerke
Passage in einer weiteren Erklärung einfach weg-             beurteilen, möchte ich schon zustimmen, … (Bei-
gelassen. Zu guter Letzt meinte Rossell sogar, es            fall bei den Grünen und Abg. der ÖVP.)
handle sich dabei eigentlich gar nicht um eine               … dass es kaum Anfragebeantwortungen gibt, die
Madonnenstatue.                                              auch uns zugestellt werden, die uns wirklich zu-
                                                             frieden stellen. Also es gibt immer wieder Mankos
     Erst heute habe ich wiederum eine neu auf-              drinnen. Oder wir würden uns wünschen, dass sie
gelegte Interpretation dieser Ausstellung vorge-             ausführlicher und besser beantwortet würden.
funden, die neuerlich eine Kehrtwendung erstaun-
lichen Ausmaßes dokumentiert. Keine Rede mehr                     Was die Tätigkeit der Menschen, die auf der
von pubertären Bedürfnissen, Beschmutzungen                  Landhausbrücke arbeiten, anbelangt, muss man
etc., alles weggewaschen. Jetzt will der Künstler            großen Respekt zollen. Und das tu ich hiemit.
auf die vielfach zu ortende Blasphemie hinweisen.            Was hier mit wenig finanziellen Mitteln geleistet
Hört, hört!                                                  wird, ist sensationell. Es macht immer großen
                                                             Spaß, weil wir ja oft dort vorbei gehen, sich die
     Wie lächerlich möchte man sich eigentlich               Objekte anzusehen.
hier noch machen? Es ist interessant, dass nicht
einmal der Schöpfer dieser Provokation zu sei-
nem Werk steht. Weil er offenbar erkannt hat,                     Und natürlich, selbstverständlich ist es so,
dass er einen Fehler gemacht hat. In dieselbe                dass es immer wieder passiert, dass dort Objekte
Kerbe stößt offenbar auch der Herr Landes-                   sind, wo man jetzt überlegt, was ist das? Was soll
hauptmann, wenn er in seiner Anfragebeantwor-                das? Was fang ich damit an? Ja, jetzt kann ich
tung ausführt, dass die fachlich versierten Beam-            sagen, ich bin kultur- und kunstinteressiert und
ten der Abteilung Kultur und Wissenschaft und die            habe mir das natürlich auch angesehen. Aber
Betreuerin der Ausstellungsbrücke die zu präsen-             man könnte auch natürlich in die Tiefe gehen und
tierenden Künstler auswählen.                                versuchen zu erforschen, was wollte der Künstler
                                                             damit aussagen, was sind seine Beweggründe?
      Das mag alles sein. Aber für jede Abteilung            Dann kann ich noch immer sagen, ja, okay, über-
hier im Haus gibt es jemanden, der dafür politisch           zeugt mich nicht, gefällt mir nicht, passt mir nicht.
verantwortlich ist. Es ist leicht, sich hinter Beam-         Das ist in Ordnung.
ten zu verstecken! Warum hat kein einziger ÖVP-
Politiker, außer Landesrat Heuras, der das Ganze                 Ich gebe nur zu bedenken, meine Damen und
noch feierlich eröffnet hat, dazu Stellung genom-            Herren, vor allem an die FPÖ gerichtet, wie viel
men? Ich kann Ihnen sagen, warum das so ist.                 hunderte Beispiele es gibt in der Geschichte, wo
Weil Sie selbst wissen, dass eine solche Darbie-             Kunstwerke verdammt worden sind. Wo Künstler
tung vor keinem Bürger argumentierbar ist! (Bei-             ins Gefängnis gekommen sind auf Grund ihrer
fall bei der FPÖ.)                                           Kunstwerke. Und jetzt sind sie unbezahlbar! Ja?
                                                             Auch das sollte man bedenken. Und es sollte
     Der Umstand, dass Herr Landeshauptmann                  doch bei uns im Haus ein Geist sein, der sich dem
viele weitere Fragen zu dieser Ausstellung mit               Spruch, „die Freiheit der Kunst“ anschließt. Wie-
dem Verweis darauf, dass es sich dabei nicht um              wohl ich gerne zugebe, dass nicht alle Kunst-
die vielzitierten Angelegenheiten der Vollziehung            werke allen gefallen werden. Und das ist so zur
des Landes handelt, nicht beantwortet hat, zeigt             Kenntnis zu nehmen. (Beifall bei den Grünen und
einerseits was er vom Landtag hält und gibt mir              der ÖVP.)




                                                       208
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gelangt Frau                     Abg. Mag. Mandl (ÖVP): Sehr geehrter Herr
Abgeordnete Mag. Renner.                                     Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Hoher
                                                             Landtag!
     Abg. Mag. Renner (SPÖ): Sehr geehrte Her-
ren Präsidenten! Sehr geehrte Kolleginnen und                     Lieber Abgeordneter Hafenecker! Sie bringen
Kollegen!                                                    die Frage religiöser Gefühle in den Landtag. Jetzt
                                                             sind religiöse Gefühle etwas sehr Wichtiges, et-
     Herr Kollege Weiderbauer! Die Freiheit der              was sehr Bewegendes. Etwas, das zu den Dingen
Kunst ist kein Spruch, die Freiheit der Kunst ist in         gehört, die den Menschen zum Menschen ma-
der Verfassung verankert. Und ich denke, deshalb             chen. Das Menschen auch zu besonderen zwi-
ist es auch so wichtig, dass wir uns heute noch              schenmenschlichen Leistungen der Solidarität,
über diese Anfragebeantwortung unterhalten.                  Leistungen im Miteinander anspornen kann. Als
                                                             begeisterter Parlamentarier diskutiere ich gerne
     Ich bin der Auffassung, dass jeder Staatsbür-           alles in einem parlamentarischen Rahmen und
ger und jede Staatsbürgerin mit Kunst und Kultur             erachte es auch als Sache des Anstands, auch zu
nach ihrem Ermessen umgehen kann. Wir haben                  einem Thema parlamentarisch zu verhandeln, das
die Möglichkeit, zwischen U- und E-Musik zu                  aus meiner Sicht nicht zielführend parlamenta-
wählen. Wir entscheiden selber ob wir am Sams-               risch verhandelt werden kann, nämlich religiöse
tag am Abend den „Musikantenstadl“ aufdrehen                 Gefühle.
oder ob wir uns Johann Sebastian Bach anhören.
Wir entscheiden selber, ob zu Trivialliteratur grei-              Aber Sie tragen das hier herein. Also lassen
fen und zu Dreigroschenromanen oder ob wir uns               Sie mich auch Stellung nehmen. Und lassen Sie
den beeindruckenden Werken großer Schriftstel-               mich beginnen damit, darauf hinzuweisen, dass
ler hingeben. Und da bin ich gerade wirklich auch            Ihre Partei „freiheitliche“ Partei heißt. Wie so oft
eine, die dem Lesen sehr frönt und kann daher                und wie in so vielen Fällen – und heute besonders
nur empfehlen die letzten Werke des deutschen                deutlich – ist es in der konkreten Politik dieser
Philosophen David Richard Precht, falls jemand               freiheitlichen Partei mit dem Wert der Freiheit
an Philosophie interessiert ist.                             nicht weit her. Ist die Freiheit nicht mit dem Stel-
                                                             lenwert ausgestattet in der Freiheitlichen Partei,
     Also es macht ganz einfach einen Unter-                 den sie haben soll. Den sie auch dann hat, wenn
schied ob man zu Dostojewski oder Tolstoi greift             sie so ausgeleuchtet wird, dass sie auch dann gilt,
oder zu einem Schundroman. Es macht einen                    wenn ich mit dem freien Handeln eines anderen
Unterschied ob man sich für die Leonardo da                  vielleicht nicht einverstanden bin. Und dass sie
Vinci-Ausstellung in Wien interessiert, die vor              ganz besonders, und das gehört auch zu einem
kurzem gezeigt wurde, mit seinen genialen Zeich-             besonderen Bereich, der zu denen gehört, die die
nungen. Einem anderen gefällt vielleicht das                 Menschen zu Menschen machen, dass sie ganz
Nitsch-Museum mehr.                                          besonders am Platz ist, die Freiheit, wenn es um
                                                             Kunst und Kultur geht.
    Es macht einen Unterschied, ob eine Skulptur
von Michelangelo nur anerkannt wird oder auch                     Was haben Sie gemacht im konkreten Fall?
eine Skulptur wie jene in der Landhausbrücke.                Abgesehen davon, dass Sie den Namen des
Aber letztendlich muss Kunst und Kultur immer im             Künstlers falsch ausgesprochen haben. Er heißt
Auge des Betrachters bleiben dürfen. Punkt 1.                Mark Rossell und hat auch im Hippolythaus, in
                                                             jenem Haus, das nach dem Namenspatron unse-
     Und - Punkt 2 muss natürlich auch jeder                 rer Landeshauptstadt St. Pölten benannt ist, in
Kunstschaffende sich der Kritik stellen, die in die-         einem kirchlichen Haus, bereits ausgestellt zu
sem Fall ja auch sehr über die Medien begleitet              kirchlichen Themen. Sie haben am Landesfeiertag
wurde. Das ist des Künstlers Job sozusagen, sich,            eine Aktion gesetzt in der Ausstellung, und im
sein Werk zu rechtfertigen und auch seine Arbeit             Rahmen dieser Aktion unmittelbar dieses Kunst-
zu rechtfertigen. Aber trotzdem darf an der Frei-            werk angegriffen. Und am Tag darauf, nachdem
heit der Kultur und der Kunst nicht gezweifelt wer-          das in den Medien von Ihnen breit getreten wurde,
den. Denn wer die Freiheit der Kunst anzweifelt,             am Tag darauf wurde eine Sachbeschädigung an
zieht enge Grenzen in der Demokratie. Und wir                diesem Kunstwerk verübt. Die Sachbeschädigung
nehmen diese Anfragebeantwortung zur Kenntnis.               wurde bereits angezeigt. Und wieder ist es nicht
(Beifall bei der SPÖ und ÖVP.)                               weit her mit der Freiheit. In dem Fall mit der Frei-
                                                             heit des Eigentums. Und zwar sowohl des geisti-
    Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist                gen Eigentums des Künstlers als auch des gan-
Herr Abgeordneter Mag. Mandl.                                zen materiellen Eigentums.




                                                       209
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode        31. Sitzung vom 18. November 2010


     Meine Damen und Herren von der Freiheitli-               nicht in einen parteipolitischen Konflikt hineinzu-
chen Partei! Jemand, der in der Tradition des                 tragen, wo sie sicher nicht hingehören. Ich stelle
freiheitlichen Denkens und der Aufklärung steht,              daher den Antrag, die Anfragebeantwortung des
also eine Tradition, von der Sie, wenn Sie jemals             Landeshauptmannes anzunehmen. (Beifall bei
als Partei dort waren, lange abgerissen sind,                 der ÖVP.)
nämlich Voltaire hat den schönen und wichtigen
Satz, den wir uns alle im Sinne eines liberalen                   Präsident Ing. Penz: Zu Wort gemeldet ist
Denkens hinter die Ohren schreiben sollten, ge-               Herr Klubobmann Waldhäusl.
sagt, den ich mir heute extra im Wortlaut aufge-
schrieben habe, ins Deutsche übersetzt natürlich.                Abg. Waldhäusl (FPÖ): Herr Präsident!
Und das ist ein Satz, den ich Ihnen wirklich ans              Werte Kollegen des Landtages!
Herz lege, wenn Sie wirklich eine freiheitliche
Partei sein wollen und sich nicht vielleicht umbe-                 Lieber Kollege Mandl! Es gehört Mut dazu,
nennen wollen in einen Parteinamen, der Ihrer                 sich da im Namen einer christlichen Partei herzu-
Politik tatsächlich entspricht. Das Voltaire-Zitat            stellen und dann noch ein positives Plädoyer für
lautet: „Ich mag verdammen was du sagst, aber                 eine Kunstschweinerei zu halten, sage ich jetzt
ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es              einmal. Aber wenn du in diesem Zusammenhang
sagen darfst.“ Das ist im besten Sinn bürgerlich-             behauptest, dass die Abgeordnete Rosenkranz,
liberales Denken. Das ist etwas, das ich bei Ihnen            die Landesrätin, am Leopolditag nur deswegen
nicht finde. Der Name der Freiheitlichen Partei ist           dabei war, weil dort Kameras waren, weil dort
bei Ihnen nicht am Platz.                                     vielleicht geblitzt wurde und fotografiert wurde,
                                                              dann kann ich dir eines sagen: Dann wirst du mit
     Lassen Sie mich noch ein persönliches Wort               dieser Art nicht weit kommen und ich werde es
anfügen. Ich habe begonnen mit den religiösen                 auch gar nicht mehr weiter kommentieren.
Gefühlen, die Sie in dieses Parlament hineinge-
tragen haben und ich schließe mit den religiösen                   Ich kann dir nur eines sagen: Wenn du Zeit
Gefühlen. Ich bin eigentlich begeistert, als per-             hast heute Abend noch, und ein bisschen was an
sönliches Wort, wenn ein Künstler zum Nachden-                Vernunft wirst ja irgendwo noch haben, putz’ dir’s
ken anregt. Auch über Fragen der Religion und                 vor hinter den Ohren, und red’ mit den älteren
des Glaubens. Und zum Nachdenken regt er an,                  deiner Abgeordnetenkollegen. Die werden dir
wenn er sich konstruktiv-kritisch auseinander setzt           sagen, dass so was immer schlecht ist wenn man
mit Fragen der Religion und des Glaubens. So,                 das macht: Wenn man anderen unterstellt, wenn
dass ich darüber nachdenken muss und so, dass                 sie eine Einladung annehmen als Regierungsmit-
ich zu Ergebnissen komme, zu denen ich ohne                   glied und du machst so etwas und du behauptest
diese originelle Intervention, diesen kreativen Akt           jetzt vom Rednerpult aus …, dann würde ich dir
eines Künstlers nicht gekommen wäre.                          raten, geh heute noch zu ein paar älteren Abge-
                                                              ordneten und rede mit ihnen.
     Carl Aigner, der Direktor des Landesmuse-
ums, schreibt in einer Expertise zu dem Thema,                     Und ich möchte auch, wenn du von Freiheit
dass bildende Kunst ein genuiner Ort für eine                 und Freiheitlich sprichst und daher gleichzeitig
vielfältige Auseinandersetzung mit dem Glauben                ableiten möchtest, dass alles geduldet werden
und der Religion selbst ist. Oft spielen dabei kriti-         kann ... Ich bin als freiheitlich denkender Mensch
sche Erfahrungen mit religiös entgleisenden Ent-              in die Politik gegangen. Aber mich hat schon ei-
wicklungen eine besondere Rolle. Und religiöse                nes geprägt: Meine Erziehung, meine Eltern,
Gefühle, meine Damen und Herren, die sind zu-                 meine Großeltern, die ich leider nur kurz kennen
mindest bei mir dann irritiert, wenn Politiker oder           lernen konnte in meiner Jugend, und viele ältere
Politikerinnen, nur weil sie Politiker oder Politike-         Menschen im ländlichen Raum. Und ich darf dir
rinnen sind, obwohl sie auch dokumentieren, dass              heute schon eines mitgeben und all jenen, die
sie keinen persönlichen Bezug dazu haben, etwa                glauben, hier etwas anderes behaupten zu müs-
an Gottesdienstfeiern teilnehmen, weil rundherum              sen: Wenn es darum geht, dass man christliche
die Fotografen mit ihren Kameras blitzen. Wie                 Werte und die Mutter Gottes so darstellt und so
auch eine Vertreterin Ihrer Partei, wie auch am               schändet, dann bin ich schon bei jenen Men-
Montag dieser Woche, am Landesfeiertag in                     schen, die mich aufgezogen haben, mit denen ich
Klosterneuburg. Ja, auch das sind religiöse Ge-               viele Stunden verbracht habe. Auch mit Men-
fühle. Auch das sind Gefühle, über die sich ein               schen über alle Parteigrenzen hinweg, vor denen
Mensch – und Abgeordnete sind auch Menschen                   ich Respekt habe und die das auch nicht teilen.
– Gedanken machen kann. Also versuchen Sie,                   Die voller Stolz auch mich angerufen haben und
religiöse Gefühle als solche zu behandeln und                 gesagt haben, du weißt, dass ich immer ein




                                                        210
Landtag von Niederösterreich       Tagung 2010/11 der XVII. Periode       31. Sitzung vom 18. November 2010


„Schwarzer“ war, dass ich immer ein „Schwarzer“              üblich, dass in einer größeren Partei viele Mei-
sein werde. Aber mit dieser Art, wie da die ÖVP              nungen sind. Aber es war schon euer Landesge-
glaubt, Politik machen zu können, da kann ich                schäftsführer, vor dem ich Respekt habe, der
nicht mehr mit. Und daher denke ich mir, wenn                sofort öffentlich und auch in einer Presseaussen-
man schon über Parteinamen diskutiert und                    dung diese Ausstellung verurteilt hat. Wenn du
nachdenkt, sollte man darüber nachdenken, ob                 jetzt das anders siehst, dann bitte diskutiere es.
das Wort „christlich“ noch in eurem Parteinamen              Ich erwarte mir hier nicht ein Pro und ein Kontra.
tatsächlich einen Grund hat, vorhanden zu sein.              Ich erwarte mir nur, und damit komme ich letzt-
                                                             endlich auch zum Schluss, damit ich auch das
     Und diese Aktion am Leopolditag kann ich                einhalte, was ich gesagt habe, ich möchte eines
auch noch einmal erklären. Ich und all jenen Men-            wissen: Wer politisch verantwortlich ist. Und aus
schen, die das genauso verurteilen, verurteilen in           dieser Beantwortung kann man es zwar ableiten,
erster Linie Scheinheiligkeit. Scheinheiligkeit,             aber es lässt Spielraum offen. Und es gibt viele
wenn man sich am Leopolditag zu Ehren des                    Bürger, die noch immer fragen, wer ist für diese
Landespatrons, eines Heiligen, auch am Abend                 Sauerei verantwortlich? Und ich möchte nach
und tagsüber hinsetzt, die Hände faltet und                  einer Anfragebeantwortung sagen können, für
gleichzeitig eine Schändung der Mutter Gottes                diese Sauerei ist Landeshauptmann Dr. Erwin
zulässt. Das ist Scheinheiligkeit! Und mit dieser            Pröll verantwortlich. Und daher stelle ich den An-
Scheinheiligkeit habe ich absolut nichts zu tun.             trag, nicht zur Kenntnis zu nehmen. (Beifall bei
                                                             der FPÖ.)
     Es gibt Menschen, denen habe ich das ge-
zeigt wie das ausschaut und die haben gesagt,                     Präsident Ing. Penz: Bitte auch zu protokol-
das ist eine riesen Schweinerei. Wer lässt diese             lieren, dass dem Präsidenten in diesem Haus
Sauerei zu? Und damit bin ich jetzt bei dieser               noch nie widersprochen wurde. Es liegen keine
Anfragebeantwortung. Für uns ist eines wichtig:              weiteren Wortmeldungen vor. Ich erkläre somit die
Wir wollen wissen, wer politisch die Verantwor-              Debatte für beendet.
tung trägt. Denn eine politische Verantwortung
kann kein Beamter der Kulturabteilung tragen.                     Herr Abgeordneter Hafenecker hat den An-
Politische Verantwortung kann nur ein Regie-                 trag gestellt, die Anfragebeantwortung nicht zur
rungsmitglied tragen. Es gibt eine Geschäftsord-             Kenntnis zu nehmen. Ich lasse über diesen An-
nung, eine Aufteilung in der Regierung. Und der              trag abstimmen. (Nach Abstimmung, den Antrag
Landesrat, der es eröffnet hat, in Vertretung des            nicht zur Kenntnis zu nehmen:) Dafür stimmen die
Landeshauptmannes, so ist es geschrieben ge-                 Abgeordneten der ÖVP und somit ist der Antrag
wesen, hat gesagt, dass es nicht in seinen Be-               … (Unruhe im Hohen Hause.)
reich fällt. Ehrlich! Nur, dann muss auch der Lan-
deshauptmann bei seiner Beantwortung zumin-                       Ich wollte nur prüfen, ob das stimmt, dass
dest so viel sagen, und das gehört in die Vollzie-           dem Präsidenten nicht widersprochen wird. Für
hung hier und gehört in die ordentliche Beant-               diesen Antrag des Abgeordneten Hafenecker
wortung, jawohl, das ist meine politische Verant-            haben die Abgeordneten der FPÖ gestimmt. So-
wortung und ich stehe dazu, dass ich diese Aus-              mit ist der Antrag des Abgeordneten Mag. Mandl
stellung auch tatsächlich verantwortlich zugelas-            zur Abstimmung. (Nach Abstimmung über den
sen habe. Und das vermissen wir in dieser Be-                Antrag, die Anfragebeantwortung zur Kenntnis zu
antwortung. Denn … (Unruhe im Hohen Hause.)                  nehmen:) Dafür stimmen die Abgeordneten der
                                                             SPÖ, der ÖVP und der Grünen. Die Anfrage-
    Nein, Kollege, es gibt ein Abkommen, weil                beantwortung ist zur Kenntnis genommen worden.
vorher die Zeit angerechnet wurde, bis zu 4 Mi-
nuten, aber ich werde nur zwei Minuten länger                    Die Tagesordnung dieser Sitzung ist erledigt.
brauchen. Aber da gibt’s ein Abkommen mit dem                Die nächste Sitzung ist für den 16. Dezember in
Präsidenten. Und wir haben in diesem Hause                   Aussicht genommen. Die Einladung und die
noch nie dem Präsidenten widersprochen.                      Tagesordnung werden wie üblich auf schriftlichem
                                                             Weg bekannt gegeben. Ich schließe die Sitzung
    Und liebe Kollegin Renner! Auch wenn du                  um 20.00 Uhr und wünsche ein gutes Nach-
heute es politisch nicht so siehst, und das ist auch         hausekommen. (Ende der Sitzung um 20.00 Uhr.)




                                                       211

								
To top