China und errichtete einen kommunistischen Staat by d2AFb46

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									China
                Geographische Lage
•   Das Territorium kann man grob in drei Bereiche unterteilen:
•   Der Osten Chinas ist von vier großen, dicht besiedelten
    Schwemmlandebenen geprägt. An den Küsten befinden sich die Deltas
    seiner größten Flüsse. Der südöstliche Küstenstreifen ist gebirgig, während
    der Süden eher hügelig ist. Das Gebiet hat eine Höhe von maximal 500
    Meter über dem Meeresspiegel.
•   Westlich an die Ebenen schließen sich zahlreiche Gebirge mit Hochebenen
    und großen Becken an: die Mongolische Hochebene, das Tarimbecken, das
    Sichuan-Becken, das Lössplateau oder das Yunnan-Guizhou-Hochland. Die
    Berge haben hier Höhen von etwa 1.000 bis 2.000 Metern.
•   Westchina hat einen ausgesprochenen Hochgebirgscharakter mit
    dazwischen liegenden Hochebenen. Die größten Gebirge sind: Himalaya,
    Tianshan, Pamir und das Hochland von Tibet. Die Gesamtregion liegt
    durchschnittlich 4.000 Meter über dem Meeresspiegel und gehört damit zu
    den höchstgelegenen Ebenen der Welt. Der Westen ist zusammen mit der
    Inneren Mongolei auch der trockenste Landesteil, für dessen ausgeprägtes
    Wüstenklima die Gobi und die Taklamakan stehen.
                                   Klima
•   Das Klima ist so vielfältig wie die Geografie: Im Westen, Norden und Nordosten
    herrscht ausgeprägtes Kontinentalklima mit sehr kalten Wintern und heißen
    Sommern. Im Süden ist das Klima hingegen subtropisch bis tropisch. Tibet hat ein
    spezielles Hochgebirgsklima.
                            Geschichte
•   Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges endete der chinesische
    Bürgerkrieg zwischen der kommunistischen Partei Chinas und der
    Kuomintang damit, dass die Kommunisten die Kontrolle über das Festland
    hatten, wohingegen die Kuomintang die Insel Taiwan innehatten, auf die sie
    kurz zuvor geflohen waren. Am 1. Oktober 1949 proklamierte Mao Zedong
    die Volksrepublik China und errichtete einen kommunistischen Staat. Damit
    wurde zwar Chinas Unabhängigkeit wieder hergestellt, jedoch kostete die
    teils desaströse Politik Maos Dutzende Millionen von Menschen das Leben,
    wie zum Beispiel im Großen Spring nach vorn oder der Kulturrevolution.
•   Nach Maos Tod übernahm der pragmatischere Deng Xiaoping die Führung.
    Die KPCH blieb an der Macht, die Kontrolle über das persönliche Leben der
    Menschen wurde aber schrittweise gelockert. Im politischen Leben sind die
    Lockerungen weniger stark ausgeprägt. Die Zentralverwaltungswirtschaft
    wird schrittweise reformiert, mit dem Ziel, eine sozialistische Marktwirtschaft
    zu schaffen.
•   Jedoch wird China von vielen westlichen Beobachtern wie auch von seinem
    Nachbarn in Indien, den Menschen in Taiwan und von Oppositionellen im
    eigenen Land weiterhin als autoritäre Diktatur bewertet. Auch wurde im Jahr
    1999 ein Zeichen gesetzt: In jenem Jahr erschien in der Volksrepublik eine
    neue Serie von Banknoten. Wo zuvor nur der 100-Yuan-Schein das
    Konterfei Maos zeigte, findet sich sein Gesicht nun auf allen neuen
    Geldscheinen.
                                       Aufstieg zur Weltmacht

                                               Sebastian Heilmann


    Im 21. Jahrhundert wird China zur Weltmacht aufsteigen. Die Zukunft des Landes birgt gute
                    Entwicklungschancen, aber auch große Risikopotenziale.


•    China ist uns so nahe gerückt wie nie zuvor. Die     •    industrielle Konkurrenz als Bedrohung für
     meisten von uns tragen Kleidung und benutzen              Millionen europäischer Arbeitsplätze.
     Geräte aus chinesischen Fabriken, die für inter-          Chinafreundliche Politiker betrachten die Pflege
•    nationale Firmen fertigen. Hunderttausende                enger Beziehungen zu Beijing als Strategie der
     europäischer Touristen und zehntausende in                Zukunftssicherung in einer Welt, in der China
     China eingesetzte europäische Manager                     als neuer Supermacht eine zentrale Rolle
•    mit ihren Familien haben das Land inzwischen              zukommen wird. Chinakritische Politiker
     aus eigenem Erleben kennen gelernt. Kunst und             hingegen verweisen auf den undemokratischen,
     Design aus China finden breites Interesse in der          instabilen Charakter des dortigen politischen
     westlichen Öffentlichkeit. Filme chinesischer             Systems und warnen vor den militärischen
     Regisseure wie Zhang Yimou oder Chen Kaige                Bedrohungen, die künftig von China als
     ziehen ein internationales Massenpublikum an.             aufstrebender, mit dem eigenen Status in der
     Europäische Ärzte belegen Fortbildungen in                Welt keinesfalls zufriedener Nuklearmacht
     traditioneller chinesischer Medizin. Ihre                 ausgehen könnten.
     Patienten üben sich in Atem- und                     •    China befindet sich mitten in einem rasanten
     Entspannungstechniken, die in China entwickelt            wirtschaftlichen Wandel, der tief greifende
     wurden.                                                   gesellschaftliche Umwälzungen und auch
•    Trotz des massiv gewachsenen Interesses                   politische Veränderungen mit sich bringt. Ein
     bleibt das Bild von China in der westlichen               solcher Umbruch eröffnet viele zuvor
     Öffentlichkeit jedoch außerordentlich                     undenkbare Möglichkeiten und erzeugt zugleich
     widersprüchlich. Firmenmanager sehen in                   innere wie äußere Spannungen. Die folgenden
     China mit seinen fabelhaften Wachstumsraten               Kapitel sollen dazu beitragen, die
     ein Wirtschaftswunder und einen ungesättigten             Vo-raussetzungen, Potenziale und Risiken der
     Markt, der gewaltige unternehmerische Chancen             Entwick-lungen im gegenwärtigen China
     bietet. Gewerkschafter werten Chinas                      differenzierter verstehen zu lernen.
Aufstieg zur Weltmacht
                            Wanderarbeiter




•   Helden sehen anders aus. [...]
•   Die Militäruniform alt und abgerissen. Die Schuhe dreckig. Das Haar strähnig und verstaubt. Und doch -
    die Auszeichnung zum Modellarbeiter, dem Adelstitel des sozialistischen Chinas, hätte sich Bian Rubuo,
    21, verdient. Täglich 12,13 Stunden arbeitet er auf dem Bau. Hämmert, klopft, stemmt und schleppt.
    Hangelt sich an wackeligen Bambusgerüsten rauf und runter. Schläft mit zehn, zwölf Männern im Saal
    eines heruntergekommenen Wohnheims. Ein paar Klos, ein Wasserhahn, keine Duschmöglichkeiten.
    „Freie Tage gibt es nicht. Ich bekomme Kost und Logis, und einmal im Monat meinen Lohn, 100
    Renminbi."
•   Das sind umgerechnet 10 Euro und auch in Peking nicht viel mehr als ein Taschengeld. Soviel kostet ein
    Abendessen für zwei Personen in einem besseren Restaurant. Bian Rubuo befindet sich damit am unteren
    Ende der Lohnskala: Junge Wanderarbeiter verdienen in Peking um die 20 Renminbi pro Tag, ältere und
    erfahrene je nach Tätigkeit um Einiges mehr. Doch immerhin macht Bian Rubuo Bares und hat monatlich
    so viel Geld wie einige der ärmsten Bauernfamilien im ganzen Jahr - sie leben von Subsistenzwirtschaft.
    „In meiner Familie sind wir 13", erzählt Bian Rubuo, der aus dem Dorf Xijiang in der Provinz Henan
    stammt
                 Vom Land in die Stadt




•   Alle lebten sie dort von einer Parzelle von einem Quadratkilometer. „Als ich 20 wurde",sagt Rubuo, „habe ich
    mich entschlossen, in die Stadt zu gehen." [...]
•   Seit den Achtzigern strömen die Wanderarbeiter in Chinas Städte. Sie sind Teil einer umfassenderen
    Urbanisierung. Derzeit leben nur 20 bis 30 Prozent der Chinesen in den Städten, in wenigen Jahren werden es
    50 Prozent sein. Die meisten der Wanderarbeiter sind Männer, doch auch Frauen und ganze Familien machen
    sich auf den Weg in die Städte. Sie sind Teil des Erfolgsrezeptes der chinesischen Wirtschaft: Billige und
    anspruchslose Arbeitskräfte. [...] Im Bausektor sind von insgesamt 38 Millionen Beschäftigten 30 Millionen
    Wanderarbeiter.
•   Doch sie sehen wenig von den Segnungen des chinesischen Wirtschaftswunders. Ihr Lohn ist niedrig, die
    Arbeitszeiten richten sich selten nach gesetzlichen Standards. Oft ist ihre Arbeit gefährlich, soziale
    Absicherung meist nicht vorhanden: Wer einen Unfall hat, hat Pech gehabt. Auch Bian Rubuo weiß nicht
    genau, ob sein Chef eine Krankenversicherung für ihn abgeschlossen hat. [...]
                       Schrittmacher des Wandels




•   [...] Yun Li ist 31 Jahre alt, ein zu groß geratener Schuljunge mit eckiger Brille und
    Schlabberpulli. Er besitzt acht teure Autos, darunter drei Porsches, die in China fast
    doppelt so viel kosten wie in Europa, wegen der Zölle. Er leitet in Peking eine Druckerei
    und zwei Werbeagenturen, hat insgesamt 70 Angestellte. Am meisten verdient er mit einer
    Firma, die TV-Werbezeit verkauft, jeden Tag zwei Minuten zur besten Sendezeit auf dem
    Staatssender CCTV. Aber er will weiterkommen, viel weiter - und ein noch größeres
    Geschäft aufziehen. [...]
•   Die Schrittmacher und Gestalter des Wandels sind junge Chinesen wie Yun Li, die kein Risiko scheuen
    und an eine bessere Zukunft glauben. Deren Leben sich so rasend ändert wie das ganze Land. [...] Als
    Yun vor zehn Jahren seine erste Firma gründete, gab es nur 1000 Werbeagenturen. Ohne die Hilfe der
    Partei war kein Geschäft zu machen; und nur die wenigen ausländischen Firmen wussten, was gute
    Werbung ist. Mittlerweile gibt es
    20-mal so viele Agenturen, die meisten arbeiten professionell. Und Yun gehört zu den 236000 Chinesen,
    die auch dann noch Millionäre wären, wenn sie ihre Yuan in Dollar umtauschten. Yun Li ist nicht sein
    richtiger Name. Es ist besser, man fällt in diesem Obrigkeitsstaat nicht zu sehr auf-auch nicht in der
    ausländischen Presse, die das Außenministerium aufmerksam liest. »Politik ist mir egal, ich will nur Geld
    verdienen«, sagt Yun.
•   Er war einmal einer der schnellsten Schwimmer Chinas, gehörte zur Jugendmannschaft der Provinz
    Sichuan. Dort lernte er, dass man auch mit schmerzenden Muskelrissen zu Wettkämpfen antreten muss,
    wenn man Erfolg haben will. Mit 17 Jahren verließ er sein Elternhaus. Der Vater war Ingenieur in einem
    Kohlekraftwerk. Yun ging an die Sporthochschule in Peking. Nach dem Abschluss nahm er einen Job in
    einer Werbeagentur an. Er wohnte am Stadtrand, brauchte zwei Stunden ins Büro, kam tief in der Nacht
    nach Hause. Das Geld reichte nicht zum Leben. Er hielt durch, wechselte durch alle Abteilungen. Vier
    Jahre später gründete er seine erste Firma. Er hat aus sich jemanden gemacht, der die Zähne
    zusammenbeißt, wenn es wehtut, der nie eine Chance verpasst. [...]
    Bevölkerungsentwicklung von 1950 bis 2050

•   Jahr   Einwohner       •   Jahr   Einwohner

•   1950    556.613.000    •   2005   1.301.518.000
•   1955    614.479.000    •   2010   1.347.514.000
•   1960    682.024.000    •   2015   1.392.234.000
•   1965    754.452.000    •   2020   1.434.383.000
•   1970    825.812.000    •   2025   1.471.282.000
•   1975    908.266.000    •   2030   1.500.611.000
•   1980    981.200.000    •   2050   1.322.435.000
•   1985   1.051.438.000
•   1990   1.133.682.500
•   1995   1.200.241.000
•   2000   1.265.830.000

								
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