589 Psychische Gesundheit by Pxj1drTY

VIEWS: 2 PAGES: 34

									Psychische Gesundheit
       DNBGF
        Psychische Gesundheit eine Ressource


    Es gibt keine Gesundheit ohne seelische Gesundheit. Für
    den Einzelnen ist die psychische Gesundheit ebenso wichtig wie
    für die Gesellschaft. Auf individueller Ebene bildet die
    psychische Gesundheit die Vorraussetzung dafür, dass der
    Einzelne sein intellektuelles und emotionales Potenzial
    verwirklichen und seine Rolle in der Gesellschaft, in der Schule
    und im Arbeitsleben finden und erfüllen kann. Auf
    gesellschaftlicher Ebene stellt die psychische Gesundheit eine
    Ressource für den sozialen Zusammenhalt sowie für ein besseres
    Sozialwohl und wirtschaftlichen Wohlstand dar.



2       Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
       Definition psychische Gesundheit

    Die WHO definiert psychische Gesundheit folgendermaßen:
    „Zustand des Wohlbefindens, in dem der Einzelne seine
    Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen
    bewältigen, produktiv und fruchtbar arbeiten kann und imstande ist,
    etwas zu seiner Gemeinschaft beizutragen“.




3       Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
    Psychische Erkrankungen


    Psychische Erkrankungen umfassen psychische
    Gesundheitsprobleme und –belastungen, Verhaltungsstörungen
    in Verbindung mit Verzweiflung, konkreten psychischen
    Symptomen und diagnostizierbaren psychischen Störungen wie
    Schizophrenie und Depression.




4   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
    Einflussfaktoren


    Der psychische Zustand von Menschen wird durch eine
    Vielzahl von Faktoren bestimmt: unter anderem
    biologische (z. B. genetische, geschlechtliche), individuelle
    (z. B. persönliche Erfahrungen), familiäre und soziale
    Faktoren (z. B. soziale Unterstützung) sowie wirtschaftliche
    und Umfeldfaktoren (z. B. sozialer Status und
    Lebensbedingungen).




5   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
        Die Gesundheitsdimension


    Mehr als 27 % der erwachsenen Europäer leiden Schätzungen
    zufolge mindestens einmal im Leben unter psychischen
    Störungen. Die verbreitetsten psychischen Störungen in der EU
    sind Angst und Depression. Man rechnet damit, dass bis zum
    Jahr 2020 Depressionen in den Industriestaaten die
    zweithäufigste Ursache von Erkrankungen sein werden.




6       Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
          Funktionsmodell Psychische Gesundheit




    Lahtinen, E., Lehtinen, V., Riikonen, E., Ahonen, J. (eds.): Framework for promoting mental
    health in Europe, Hamina 1999

7          Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
    Innere Kündigung
    Von je 100 Mitarbeitern in deutschen
    Unternehmen sind:

     70                              69
     60
     50                                                Engagiert
     40
                                                       Unengagiert
     30                              15
                        16
     20                                                aktiv
                                                       unengagiert
     10
       0
                  Von je 100 Mitarbeitern
                                      Quelle: GALLUP , General-Anzeiger vom 13.10.01

8   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
       Zunahme von Stress und Arbeitsdruck
       nach Branchen
                   Post, Bahn, Verkehr
                 Banken, Versicherung
      Stahl-, Maschinen-, Fahrzeugbau
                      Chemie, Kunstst.
                 Elektro, Feinmechanik
       Gesundheits-, Beratungswesen
                 Schulen, Hochschulen
                           Baugewerbe
                 Öffentliche Verwaltung
                    Bergbau, Energiew.
               Großhandel, Vermittlung
                    Holz, Papier, Druck
                     Sonstige Industrie
              Sonstige Dienstleistungen
                        Eisen, Stahlerz.
                            Leder, Textil
                  Land-, Forstwirtschaft
                           Einzelhandel
                         Nahrungsmittel
                Kultur, Freizeit, Medien
                     Wäscherei, Friseur

                                            0%        10%           20%           30%          40%            50%                60%

    Anteil der Befragten, die angegeben haben, dass Stress und Arbeitsdruck in den letzten 2 Jahren zugenommen haben
9        Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn                                                                 Quelle: BIBB / IAB - Erhebung 1998/1999
                           Arbeit unter Termin- und Leistungsdruck
                           nach Branchen

                  Post, Bahn, Verkehr
                          Baugewerbe
     Stahl-, Maschinen-, Fahrzeugbau
                   Holz, Papier, Druck
                Elektro, Feinmechanik
              Großhandel, Vermittlung
                Banken, Versicherung
                    Sonstige Industrie
             Sonstige Dienstleistungen
                           Leder, Textil
                     Chemie, Kunstst.
                        Nahrungsmittel
               Kultur, Freizeit, Medien
                       Eisen, Stahlerz.
       Gesundheits-, Beratungswesen
                Öffentliche Verwaltung
                   Bergbau, Energiew.
                Schulen, Hochschulen
                 Land-, Forstwirtschaft
                    Wäscherei, Friseur
                          Einzelhandel

                                           0%       10%          20%          30%           40%          50%             60%              70%
       Anteil der Befragten, die angegeben haben, dass sie bei ihrer Arbeit häufig oder immer unter starkem Termin-
       oder Leistungsdruck arbeiten


10          Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn                                                                     Quelle: BIBB / IAB - Erhebung 1998/1999
             Zunahme von Stress und Arbeitsdruck
             nach beruflicher Stellung



                                 Meister, Polier

                   Leitende Angestellte, Beamte

                     Qualif. Angestellte, Beamte

                          Facharbeiter, Vorarb.

                                   Selbständige

                       Einf. Angestellte, Beamte

                                An-, Ungelernte

                         Mith. Fam-Angehörige

                               Freie Mitarbeiter

                                                   0%   10%    20%      30%     40%      50%      60%       70%


     Anteil der Befragten, die angegeben haben, dass Stress und Arbeitsdruck in den letzten 2 Jahren zugenommen haben




11      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn                                                                  Quelle: BIBB / IAB - Erhebung 1998/1999
              Gesamt


      45 Jahre und
          älter

           30 bis 45
            Jahre


     unter 30 Jahre


                             0,0        20,0        40,0           60,0

                   Arbeit an der Grenze der Leistungs- fähigkeit
                   Stückzahl, Leistung oder Zeit vorgegeben
                   Termin- u. Leistungs-druck
                   Arbeitsan- forderungen überfordert
12     Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Definition Psychische Belastung
     DIN EN ISO 10075


     Gesamtheit aller Einflüsse, die von außen auf den
     Menschen zukommen und psychisch auf ihn
     einwirken:
     Psychisch betrifft
           – ...die Sinnesorgane und die Wahrnehmung,
           – ...Denken, Lernen und Gedächtnis,
           – ...Gefühle, Antriebe und Empfindungen




13   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Psychische Belastungen: Ursachen und
     Folgen


     Unterforderung, Überforderung, Soziale Konflikte,
     Führungsverhalten, Arbeitszeit, Erschwernisse,
     ständige Aufmerksamkeit etc. können zu
      Psychischer Ermüdung, ermüdungsähnlichen
        Zuständen, Stress und vielem mehr führen




14   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Was sind Stressoren


     Arbeitsumfeld
     Arbeitsanforderungen
     Arbeitsorganisation
     Orientierung und Sicherheit
     Handlungsspielraum
     Sozialklima




15   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Belastungssituation und Wirkung


 Wie eine Belastungssituation wirkt hängt auch von der
 persönlichen Wahrnehmung und Bewertung der Belastung ab
 Die Qualität und Intensität der Wahrnehmung und Bewertung
 ist auch von den persönlichen Erfahrungen, Eigenschaften und
 Fähigkeiten abhängig (interne Ressourcen)




16   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Stresssituation und ihre Bewältigung

     Wie eine Stresssituation bewältigt wird, hängt einerseits
     von der Person mit ihren Fähigkeiten, Eigenschaften und
     Herangehensweisen ab.
     Es spielen aber auch Bedingungen (externe Ressourcen)
     der Umwelt eine Rolle
     • das Ausmaß der sozialen Unterstützung
       (Hilfsangebote)
     • den vorgefundenen Entscheidungs- und
       Handlungsspielraum


17    Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
          Was hält gesund?

     Antworten finden auf die Frage: Was macht Freude? Worauf
     sind wir stolz? Was möchte man nicht missen? Was verleiht
     Sinn?
     • Entscheidungsbefugnis und Handlungsspielraum
     • Unterstützung
     • Lernen und Entwicklung
     • Vielfalt und Abwechslung
     • Ganzheitlichkeit und Vollständigkeit
     • Anerkennung
     • Durchschaubarkeit
18      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Methoden zur Erfassung psychischer
     Belastungen

     Fragebögen
     Gefährdungsanalysen (Grob- und Feinanalysen)
     Gesundheitszirkel
     Gesundheitsberichte
     Beispiele: SIGMA, KFZA (Kurz-Fragebogen zur
        Arbeitsanalyse)




19   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
       Erhebungsinstrumente
         Zur Ermittlung und Bewertung können unterschiedliche
 Instrumente eingesetzt werden. Das Unterscheidungsmerkmal
 ist die Art der Datengewinnung
 Objektiv gewonnene Daten (Krankenstände, Unfälle,
 Fluktuation, Überstunden, Untersuchungen der Betriebsärzte)
 Subjektiv gewonnene Daten (Fragebögen, Checklisten,
 „Kummerkästen“)
 Produktivitätszahlen (Fehler, Ausschuss)
 Interaktiv gewonnene Daten (Interviews)



20   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
       Objektiv gewonnene Daten
In mittleren und größeren Betrieben können vorhandene
   Verwaltungsdaten Hinweise auf Stressbelastungen liefern
Diese Daten sind nur bedingt aussagekräftig in bezug auf
  Stressoren. Diese Daten werden werden erst bedeutsam im
  Vergleich von Gruppen, Abteilungen oder Betrieben zu
  unterschiedlichen Zeitpunkten.
Für einen Vergleich ist jedoch wichtig Ähnlichkeit in bezug auf
  Alter, Geschlecht und Qualifikation; Vergleichbarkeit der Art
  und Intensität der Belastungen




21   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
         Subjektive Daten

     Diese Daten basieren auf persönliche Einschätzung/Bewertung
     von Arbeitsmerkmalen von Betroffenen, Vorgesetzten und
     Experten
     Sie spiegeln persönliches Empfinden und Erleben der
     Arbeitsbedingungen wider.
     Instrumente sind Fragebögen, Checklisten, Interviews, Zirkel.




22      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
         Risikobeurteilung
Eine konventionelle Risikobeurteilung in Form mathematischer
Verknüpfung von Schwere des Schadens und
Eintrittswahrscheinlichkeit ist nicht möglich.
Orientierung an Grenzwerten ist nicht möglich
Zwei Zugänge sind möglich:
• quantitative Beurteilung geht von Häufigkeiten aus: je grösser
     die Zahl der gemessenen Belastungen, desto dringender der
     Handlungsbedarf
• die qualitative Beurteilung ergänzt um den Intensitätsaspekt,
     d.h. wie stark leidet jemand durch eine Belastung


23      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
       Risikobeurteilung (qualitativ)

     Erhebbar ist die qualitative Dimension nur durch skalierte
     Fragebögen oder durch gezielte Gespräche. Skalierte
     Fragebögen bedingen komplexere statistische
     Auswertungsverfahren und sind in der
     Evaluierungspraxis nur zu empfehlen, wenn qualifizierte
     Personen die Evaluierung durchführen.
     Fazit: Es ist deshalb sinnvoll, jede erkannte
     Stressbelastung ernst zu nehmen.




24    Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Einordnung der ausgewählte deutschsprachiger Verfahren nach Analyse- und Bewer-
               tungskriterien der Arbeit und Klassifizierung nach ISO 10075-3 (Entwurf)

     Analyse- und Bewer-                       Klassifizierung nach ISO 10075-3 (Entwurf)
     tungskriterien der
     Arbeit                     Orientierende Verfahren    Screeningverfahren     Expertenverfahren
     Ausführbarkeit             Leitfaden zur Gefähr-     SIGMA                 FSD, FAA, AET, TAI
                                dungsbeurteilung                                (Teilabschnitte)
     Schädigungslosigkeit                                 SIGMA                 FSD, (RHIA)
     Beeinträchtigungs-         (Leitfaden zur Gefähr-    SAA, SALSA, FEMA,     TBS, VERA, RHIA, TAI
     freiheit*                  dungsbeurteilung)         KFZA, SIGMA, REBA     (Teile 5, 6), FAA (Gruppe
                                                                                3), AET (Teile 1, 2)
     Lernförderlichkeit                                   SAA, SALSA, KFZA      TBS, VERA, TAI (Teil 7)
     Sozialverträglichkeit                 -              (SALSA)                           -




25        Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
          Festlegen und Durchführung von
          Maßnahmen
In der Regel ist es leichter, zu diagnostizieren und Stress im
Betrieb festzustellen als eine Veränderung der Situation
einzuleiten und durchzuhalten.
Warum:
• Es gibt keine Patentrezepte, vielmehr müssen
     Lösungsansätze erarbeitet und betriebsangepasst werden
• Veränderungen sind in der Regel prozesshaft , dauern
     längere Zeit und können nicht durch Schnellschüsse erreicht
     werden


26      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
        Gestaltungsgrundsätze bezüglich psychischer
        Arbeitsbelastung


Die EN ISO 10075-2 bietet Gestaltungsgrundsätze bei der
Gestaltung von Arbeitssystemen. Diese setzen an:
• zur Beeinflussung der Intensität der Arbeitsbelastung
• zur Beeinflussung der Dauer der Exposition der
     Arbeitsbelastung
Nachteil:              Auf den Bediener bezogen.




27      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Grundsätze einer betrieblichen
     Stressprävention



     Die folgenden Grundsätze gelten nicht nur für die
     Prävention psychischer Belastungen sondern für den
     betrieblichen Gesundheitsschutz, generell aber für die
     Stressprävention im besonderen Maße.




28   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Grundsätze


     Der integrative Grundsatz: Maßnahmen der
     Stressprävention fließen in alle betrieblichen
     Entscheidungen ein
     Der gestaltungsorientierte Grundsatz: Die
     Prävention folgt nicht einem Reparaturmodell sondern
     muss vorausschauend bei der Gestaltung und bei der
     Planung von Investitionen einfließen




29   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
          Grundsätze II

     Der Kooperationsgrundsatz: Die Stressprävention ist nicht
     Aufgabe einzelner Experten sondern auch in der Verantwortung
     von Vorgesetzten, Betriebsräten und Arbeitnehmern.
     Kooperation heißt Aufbau von Kooperationsstrukturen.
     Der Beteiligungsgrundsatz: Einbindung und Aktivierung der
     Betroffenen; wer gefragt wird, wer an Aktivitäten beteiligt ist, wer
     einbezogen wird, identifiziert sich mit dem Vorhaben.




30       Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
     Stress-Management


     Drei Strategien können betrieblich erfolgreich
     eingesetzt werden:
     • Stressprävention vor der Entstehung
     • Stressbewältigung in Stresssituationen
     • Stressabbau danach




31   Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
           Stressprävention

     Durch gezielte Maßnahmen im Vorfeld können mögliche
     Stressoren ausgeschlossen oder vermindert werden:
     • Ursachenanalyse vornehmen
     • Arbeit gut strukturieren und planen
     Klare Ziele und Prioritäten setzen
     •   Arbeitsvoraussetzungen optimieren
     •   Beziehungen zu Kooperationspartnern gestalten
     •   Qualifizierung ausbauen
     •   Betriebliche Arbeitskreise einrichten


32       Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
              Stressbewältigung in der Situation


     Dies zielt darauf ab, Stressreaktionen zu vermindern
     •   Kurzentspannung
     •   Zeit für eine kurze Situationsanalyse nehmen
     •   Positive Umbewertung von Anforderungen
     •   Richtiger Umgang mit Ärger und mit Konflikten
     •   Lösen von Konflikten mit Kollegen und Vorgesetzten
     •   Unterstützung suchen




33       Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn
        Stressabbau danach


     Zur Vermeidung von Stress als Dauerzustand
     • Sport
     • Körperliche Tätigkeit
     • Gezielte Entspannung
     • soziale Kontakte




34      Bonn, 28./29.3.2006/ Karl Kuhn

								
To top