Mein Leben leben

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					Firmung ab 18




Bausteine zu den Pflichtinhalten in der Firmvorbereitung
Teil 1: Mein Leben leben. - Das Firmweekend.

Die gesellschaftlichen Entwicklungen in Mitteleuropa bedeuten für alle
Menschen ein hohes Mass an Eigeninitiative, Selbstverantwortung und
Flexibilität. Persönlichkeit ist gefragt, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
und den eigenen Lebensweg. Die Aufgaben des Lebens zu meistern und zu
bestehen, stellt auch junge Erwachsene vor grosse Herausforderungen.
Gerade mit einem jungen Erfahrungshorizont in beruflichen Fragen, aber
auch im Privaten bei Freund- und Partnerschaften, werden Weichen gestellt,
die den eigenen Vorstellungen entsprechen sollen. Vorstellungen sind
Visionen, Wunschbilder von der eigenen Biografie. Ob sie sich erfüllen, liegt
nicht in der Hand der jungen Erwachsenen allein.
Dazu stellt das Firmweekend den bisherigen Lebensweg der jungen
Erwachsenen mit ihren Visionen für das eigenen Leben ins Zentrum. Es geht
um Höhen und Tiefen, bereichernde und belastende Erfahrungen im eigenen
Leben. Nicht zuletzt soll das Wochenende einfach auch Spass machen.


Kennenlernen
Da das Firmweekend der Eröffnungsanlass des Firmwegs ist, beginnt der
inhaltliche Teil mit einer Kennenlernphase im Plenum. Viele Teilnehmenden
könnten sich durch Schule, Vereine oder diverse Anlässe zumindest
namentlich kennen. Am Ende sollten jedenfalls alle die Namen der anderen
Teilnehmenden kennen und mit jedem einmal kurz gesprochen haben. Die
klassische Methode des „Vier-Ecken-Spiels“ bietet dazu erste Gelegenheit.
Inhaltlich werden sowohl erste Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede
sichtbar. Beides ist wahrzunehmen. Zu den Fragen, die sich auf die Biografie
beziehen, gehören auch die religiös-kirchlichen. Sie ermöglichen den
Leitenden eine erste Einschätzung, wie Stimmung und Haltung bei den
Teilnehmenden zu Glaube, Kirche und Religion ist, ob sie sich als gläubig
einschätzen oder auch nicht. – Da die Kennenlernphase nahezu beliebig zu
gestalten ist, finden sich im methodischen Teil Hinweise auf weitere
Kennenlernelemente mit ihren Quellen.


In der einzelnen Firmgruppe
Im   zweiten   Block   kommen     die   einzelnen   Firmgruppen    mit   ihren
Gruppenleiter/innen zusammen. Die einzelnen Gruppen wandern je für sich
einen halben Tag lang durch das Umland. Wenn nicht freiwillig, dann durch
ggf. verschiedene Zufalls-Zuteilungen (Fadenziehen, Kartenhälften etc.)
werden immer wieder Paare zusammengestellt, die sich miteinander
unterhalten und in Aktion kommen. Prägende Lebenserfahrungen sollen
angesprochen werden.
Es geht aber auch um Erwartungen und Wünsche an den Firmweg. Kernfrage
dabei    ist   „Was     muss   geschehen,   damit   der   Firmweg   gelingt?“.    Zu
differenzieren ist dabei in Erwartungen an die Gruppe, die Verantwortlichen
und     die    eigene    Person.   Gemeinsamkeiten    und    Unterschieden       sind
festzustellen, Kompromisse auszuhandeln, ggf. spezielle Gruppenregeln
auch zu formulieren. Gleichzeitig scheint darin die Frage nach dem Umgang
mit Zwängen und Freiheiten auf.


„Wie im Himmel“
Von derartigen Freiheiten und Zwängen, von Sinnfragen und Hoffnungen an
das Leben handelt auch der dritte Themenblock am Firmweekend. Der Film
„Wie im Himmel“ vom schwedischen Regisseur Kay Pollak bietet dafür eine
gute Grundlage: Der erfolgreiche Dirigent Daniel Daraeus kommt nach
schwerer Erkrankung in sein Heimatdorf zurück, das er vor vielen Jahren
verliess. Mit der Übernahme des Kirchenchors löst der schüchterne Musiker
eine verändernde Dynamik im Dorf aus. Er ermuntert alle Mitglieder des
Chors „den eigenen Ton zu finden“. Hat jeder seinen Ton gefunden, führt
dies auch den Chor in neue Sphären. Dass in einem Chor eine nahezu
klassische Gruppendynamik mitschwingt, sei der Vollständigkeit halber
erwähnt. Es zeigt sich dabei, dass diese kleine streitbare Gruppe letztlich
eine verschworene Gemeinschaft ist, die miteinander ihren Weg geht. Von
besonderer Symbolik sind dabei die Engel, die in diesem Film zu sehen sind.
Engel verbinden sich darin mit der Person Lena. Ob zu Beginn im Ladenlokal
hinter der Theke, beim Fest oder letztlich im Bild in der Schule, immer wieder
tauchen die Himmelsboten auf. In einem Dialog mit Daniel vor dem Bild in
der Schule eröffnet Lena dem staunenden Daniel, dass sie Flügel an anderen
Menschen sehen könne. Man müsse nur die Augen zusammen kneifen, dann
ginge das. Einerseits sieht sie die Flügel an verschiedensten Personen, auch
mit denen sie Streit hat, andererseits schöpft sie daraus die Gewissheit, dass
es keinen Tod gebe.
Schliesslich sei erwähnt, dass das Kirchenbild in diesem Film von einem
puritanischen Pfarrer skizziert wird, der seine Sexualität verdrängt bzw. für
Sünde hält. Dies bleibt für den methodischen Teil irrelevant. Im Gespräch
kann der Filmtitel „Wie im Himmel“ bei Bedarf mit der Vaterunser-Bitte in
Verbindung gebracht werden. Es geht dabei um Wege, wie der Himmel auf
Erden wachsen kann bzw. das Reich Gottes unter den Menschen anbricht.
Eine Frage dazu: „Wann würde ich sagen, dass etwas himmlisch, ‚wie im
Himmel’ ist?“ Dazu sei nochmals auf die sichtbare Seite Gottes in Form der
Engel hingewiesen.
Der Film bietet genügend Gesprächsstoff, löst aber auch Betroffenheit aus. Er
sollte mit entsprechend vorgeschlagenen medienpädagogischen Methoden
eingeführt und nachbereitet werden. Die Symbolik kann im ganzen Firmweg
immer wieder aufgegriffen werden.


Gottesbilder
Ein Vertiefungsschritt aus diesem Film bezieht sich auf die Gottes-,
Glaubens- und Kirchenbilder. Während der Glaube an einen Gott oder etwas
Göttliches durchaus positiv von jungen Erwachsenen bewertet wird, sieht das
bei Kirchenbildern häufig anders aus. Da der gesamte Firmweg eine positive
Kirchenerfahrung sein soll, genügt hier zunächst eine Fokussierung auf die
Gottesbilder. Dazu bietet sich die künstlerisch-darstellende Methode an.
Üblich ist vielfach die Zeichnung eines Gottesbildes auf ein Papier. Es kann
aber auch anderes Material verwendet werden: Ton, Holz, Stein mit
entsprechendem Bearbeitungsmaterial. Vielleicht findet sich in der Pfarrei
jemand, der sich mit der Bearbeitung dieser Materialien auskennt. Ggf.
können drei Gottesbilder gezeichnet werden (Kindergarten, Primarschule,
heute), um die bisherige biografische Gesamtentwicklung zu sehen.
Da der spitzfindige Einwand, man dürfe sich doch kein Gottesbild machen,
von jungen Leuten häufig kommt, sei darauf hingewiesen, dass das
alttestamentarische Bilderverbot nur bedeutet, dass der Mensch sich kein Bild
von Gott machen kann, d.h., dass jedes Gottesbild Gott in seiner
Unendlichkeit nicht erfassen kann.
Die dargestellten Bilder und Vorstellungen lassen sich mit dem Lebensweg
und Visionen für das eigene Leben verbinden. Wenn z.B. jemand sagt, dass
„Gott mich behütet“, bietet sich eine Vertiefung in zweierlei Hinsicht an: Wie
wird „behütet“ erfahrbar (Vgl. Geschichte von den Spuren im Sand) bzw. gibt
es Erfahrungen des „Unbehüteten“? Die Zusage Gottes „Du bist mein geliebter
Sohn“ resp. Tochter ist unerlässlich.
Schliesslich sei auf die Frage hingewiesen, ob es überhaupt einen Gott gibt.
Eine dargestellte Vorstellung von Gott muss noch nicht bedeuten, dass es für
junge Erwachsene tatsächlich einen Gott gibt. Der „latente Atheismus“ in
einer Runde ist produktiv für das Gesamtgespräch. Daher sind ggf. die
„latenten Atheisten“ zu Statements und offener Skepsis zu ermuntern.
Weniger ist mehr: Die Gebetszeiten
Die Gebetszeiten an einem Firmweekend sind mit Bedacht zu gestalten und
zu akzentuieren. Es gilt: Weniger ist manchmal mehr! Das gilt besonders für
den Beginn eines Firmwegs, denn letzte Gottesdiensterfahrungen der
Firmjugendlichen liegen oft weiter zurück. Eine Andacht am Sonntag, ein
Gebet im Freien oder eine kurze Meditation genügen völlig. Mögliche
Themen: Mein Lebensweg, „Wie im Himmel“.


Nur zu diesen verschiedenen inhaltlichen Elemente werden im Folgenden
einige praktische Methoden angefügt. Für das gesamte Firmweekend bleiben
natürlich noch weitere inhaltliche Fragen vorzubereiten. Zentral ist hier das
Kennenlernen, die Begegnung und Zusammenwachsen der gesamten Gruppe,
die ersten Auseinandersetzungen über Kernfragen des Lebens und Glaubens.
Zeit   Programm                                                                Material

15’    1. Einheit: Kennenlernen

       Vier Ecken-Spiel
       Den Teilnehmenden (TN) werden verschiedene Kennenlernfragen
       mit vier verschiedenen Möglichkeiten, sich zu positionieren,
       gestellt. Ein/-e Firmbegleiter/-in (FB) teilt die Antworten den Ecken
       zu. Dann können sich entsprechend die TN positionieren und
       umschauen, wer sich wo positionierte, wer am selben Ort steht,
       wer genau an der anderen Position steht.
       Zu den biographischen Fragen könnten folgende Fragen
       hinzugefügt werden:

       a) Glaubst Du an die Existenz (eines) Gottes?: Ja, voll und ganz;       Weitere Fragen
       Eigentlich schon; weniger; gar nicht!
       b) Den Religionsunterricht in der Schule fand ich absolut top, gut
       und lehrreich, wenig hilfreich, elend langweilig.
       c) Bitte die Frage eher witzig auflockernd stellen: Wann warst Du
       das letzte Mal zum Gottesdienst in der Kirche?: Letzten Sonntag;
       letzten Monat; innerhalb dieses Jahres; vor über einem Jahr.
       d) Der christliche Glaube ist bisher für mich hilfreich, eine
       Anregung neben vielen, nicht wichtig, gänzlich uninteressant.
       e) Zum Firmweg komme ich, weil ich mehr über den Glauben
       erfahren will, weil Firmung für mich dazu gehört, weil ich andere
       Leute wieder treffen kann, weil ich muss.

       Bitte Fragen mit biographischem und lokalem Bezug (Arbeits- oder
       Schulort, Berufsarten, in Partnerschaft etc.) voranstellen, die
       Fragen a)-d) immer wieder einfügen. Die Frage e) ist die letzte
       Frage.

30`    Alternative: „Paarinterview“
       Zwei Teilnehmende interviewen sich zu wesentlichen Stationen im
       bisherigen Leben. Der jeweilige Gesprächspartner stellt das vom
       anderen Gehörte nach einer Gesprächszeit von ca. 2 bis vier
       Minuten vor.




15’    2. Einheit: In den einzelnen Gruppe

       FB: Bleibt bitte in der Gruppe, die gerade zusammengekommen
       ist (nach Viereckenspiel). Sucht euch einen Platz, wo ihr über
       folgende Fragen miteinander ins Gespräch kommt:

       Welche Vorstellungen, Erwartungen und Befürchtungen habe ich
       zum Firmweg? Wenn der Firmweg vorbei ist, hoffe ich … Was war
       für mich in letzter Zeit wichtig?

       Nun wechselt ihr die Zusammenstellung, setzt euch in eurer
       Firmgruppe zusammen. (Einteilung an der Wand)

       In der Firmgruppe wird weiterdiskutiert: Welchen             Gewinn
       verspreche oder wünsche ich mir durch den Firmweg?
30’         Auflockerungsspiel: „Bums“

            Die einzelnen, möglichst gleichgrossen         Gruppen    spielen    Entsprechend der
            gegeneinander unter gleichen Bedingungen.                            Gruppenanzahl:
                                                                                 gleichgrosse
            Für jede Gruppe wird ein Feld abgesteckt. Es gibt eine Grundlinie,   Kisten, Klebeband,
            dann in ca. vier bis sechs Meter Entfernung eine zweite Linie und    pro Gruppe ein
            in sechs Meter Entfernung wird eine Kiste aufgestellt. Linien und    Handtuch
            Kisten der jeweiligen Gruppe sind in derselben Distanz
            nebeneinander aufgebaut.
            Zwei TN positionieren sich hinter der zweiten Linie. Der Rest der
            Gruppe bleibt hintereinander aufgestellt hinter der Grundlinie.

            Der erste TN hinter der Grundlinie wirft den zwei TN hinter der
            zweiten Linie ein geknotetes Handtuch zu, dass diese fangen und
            in die Kiste transportieren sollen. Für das Fangen und den
            Transport dürfen aber die Hände nicht benutzt werden.

            Ist ein Handtuch in der Kiste gelandet, wechselt ein Fänger hinter
            die Grundlinie und der Werfer rückt zu Fänger nach usw. Fällt ein
            Handtuch auf den Boden oder nicht in die Kiste, ist das Handtuch
            zurückzuwerfen an die werfende Person an der Grundlinie.

            Das Spiel ist beendet, wenn z.B. alle TN einmal Fänger waren.



Film: 120   3. Einheit: „Wie im Himmel“

30          Die Teilnehmenden werden erneut in verschiedene Gruppe               Beamer,
            eingeteilt. Jede Gruppe erhält einen kleinen speziellen              Leinwand,
            Beobachtungs- und Denkauftrag, bevor der Film gezeigt wird.          Lautsprecher,
            a) Stellt der Film ein Spiegelbild zu euch, dieser Gruppe oder zur   Auftragskarten
            Gesellschaft dar?
            b) Im Film geht es darum, dass „jeder seinen Ton“ findet. Was
            bedeutet dies für euch, jeden einzelnen aus der Gruppe? Wie
            lange dauert dies? Wie gestaltet sich der Weg, bis jeder seinen
            Ton gefunden hat?
            c) Verschiedene Charaktere werden im Film vorgestellt. Gibt es
            eurer Meinung nach einen Unterschied in der Glaubwürdigkeit der
            einzelnen Personen?
            d) In welcher Weise und wodurch wird der Chor zu einer
            Gemeinschaft?
            e) Die Dorfgemeinschaft schweigt zu vielen schwierigen Themen.
            So wissen alle von Gabrielas gewalttätigem Mann, auch, dass
            Lenas Freund entgegen ihrem Wissen verheiratet ist. Ist
            Zivilcourage immer von Vorteil?
            f) Das Reden über andere hinter deren Rücken ist ein grosses
            Hobby von allen Menschen. Welche Konsequenzen hat das für
            eine Gemeinschaft, deren Zusammenhalt?
            g) Der Film heisst „Wie im Himmel“? Welche Aussage versucht
            der Film über den Himmel zu machen?

30          Die Fragen können alternvativ im „Kugellager“ diskutiert werden:     Moderationskarten
            Ein innerer und ein äusserer Stuhlkreis werden in gleicher Grösse
            gebildet. Die Stühle sind zueinander gewendet. Die TN setzen
            sich auf diese Stühle und diskutieren miteinander für je zwei
            Minuten über die o.g. Frage. Danach setzen sich der äussere und
            innere Kreis je einen Stuhl in entgegen gesetzter Richtung und die
            nächste Frage wird vorgelesen.
20          Eine weitere Alternative ist das „Interview“:
     Drei Teilnehmende aus der Gruppe schlüpfen in die Sichtweise
     von beliebig wählbaren Hauptfiguren aus dem Chor, z.B. Daniel,
     Arne, Conny (Gabrielas Mann).
     Von Moderatoren oder Moderatorinnen werden im Sinne einer
     Talkshow Fragen an die Personen gestellt. Bei Daniel kommt das
     Thema Tod hinzu, der frühe Verlust seiner Mutter, seine
     Erkrankung, bei Arne sein Ehrgeiz und Streben nach
     Anerkennung, bei Conny das Thema häusliche Gewalt durch
     seine Wutausbrüche.


60   4. Einheit: „Gottesbilder“
     Jeder TN erhält eine Anzahl von „Gottesbildern“. Ein leeres Blatt    farbiges    Papier,
     soll den TN ermöglichen, ihr eigenes Gottesbild zu skizzieren,       Zeichnungen mit
     wenn keines der vorgelegten Bilder passt. Die einzelnen TN           Gottesbildern o.ä.
     überlegen nun separat für sich, in welche Lebensphase bestimmte
     Gottesbilder passen und wodurch sie ihnen bekannt wurden. Sie
     erhalten dazu drei verschieden farbige Blätter. Die Farben stehen
     für die Zeitabschnitte „früher“, „heute“, „morgen“. Nach dieser
     Einzelarbeitsphase kommt eine Kleingruppe darüber in Gespräch,
     mit „welchem Gott die TN durchs Leben gehen wollen“.

     Alternative, Ergänzung: „Wenn mir Gott begegnen würde.“              Musiktitel:  Joan
     Aus der Einheit „Gottesbilder“ können kritische, angstmachende       Osbourne, One of
     Gottesbilder thematisiert werden, ohne dass dabei auf                us.     CD-Player,
     dogmatische Formulierungen zurückgegriffen wird. Die TN              Zettel mit unvoll-
     erhalten die Liedtext von Joan Osbourne, ggf. deutsche               ständigem Satz
     Übersetzungen. Der Text stellt verschiedene Fragen, die
     miteinander diskutiert werden können. Impulsfragen könnten sein:
     „Welche Aussage hat mich am meisten fasziniert?“, „Welche
     Aussage stösst mich eher ab?“, „Ist dir Gott tatsächlich schon mal
     in deinem Leben begegnet?“, „Kannst du Flügel am anderen
     sehen?“ (vgl. Film „Wie im Himmel“), „Kann man an Gott glauben
     ohne zu erfahren, dass es ihn gibt?“ Mit diesen Fragen lernen die
     TN, dass verschiedene Gottesvorstellungen nebeneinander ihre
     Berechtigung haben. Abschliessend erhalten sie ein Papier mit
     einem zu vervollständigenden Satz: „Wenn mir Gott heute
     begegnen würde, dann…“
Fragen für das Vierecken-Spiel


   ?!
a) Glaubst Du an die Existenz (eines) Gottes?: Ja, voll und ganz; eigentlich schon;
weniger; gar nicht!

b) Den Religionsunterricht in der Schule fand ich absolut top, gut und lehrreich, wenig
hilfreich, elend langweilig.

c) Bitte die Frage eher witzig auflockernd stellen: Wann warst Du das letzte Mal zum
Gottesdienst in der Kirche?: Letzten Sonntag; letzten Monat; innerhalb dieses
Jahres; vor über einem Jahr.

d) Der christliche Glaube ist bisher für mich hilfreich, eine Anregung neben vielen,
nicht wichtig, gänzlich uninteressant.

e) Zum Firmweg komme ich, weil ich mehr über den Glauben erfahren will, weil
Firmung für mich dazu gehört, weil ich andere Leute wieder treffen kann, weil ich
muss.

Bitte Fragen mit biographischem und lokalem Bezug (Arbeits- oder Schulort,
Berufsarten, in Partnerschaft etc.) voranstellen, die Fragen a)-d) immer wieder
einfügen. Die Frage e) ist die letzte Frage.
„One of us“


 ?!
If god had a name
Wenn Gott einen Namen hätte,
What would it be
wie würde er lauten?
And would you call it to his face
Und würdest du ihn mit seinem Namen ansprechen,
If you’d be faced with him in all his glory
wenn du ihm in all seiner Pracht von Angesicht zu Angesicht
gegenüber stehen würdest?
What would you ask if you had just one question?
Was würdest du ihn fragen, wenn du nur eine Frage stellen könntest?



Refr.: And yeah, yeah, God is great
Es ist echt so: Gott ist groß!
Yeah, yeah, God is good,
Wirklich wahr: Gott ist gut!
Yeah, yeah, yeah
Ja, ja, nochmals ja!
What if God was one of us
Was wäre, wenn Gott einer von uns ist,
just a slough like one of us
genauso eine “alte Haut” wie einer von uns,
just a stranger on the bus
nur ein Fremder im Bus
trying to make his way home?
Einer, der versucht, seinen Heimweg zu finden?
If God had a face
Wenn Gott ein Gesicht hätte,
What would it look like?
wie würde es aussehen?
And would you wanna see
Und würdest du ihn sehen wollen,
If seeing meant that you would have to believe
wenn sehen bedeutete, dass du an so Sachen glauben müsstest,
In things like heaven and in Jesus
wie an den Himmel und an Jesus,
and the saints and all the prophets?
und an die Heiligen und alle Propheten…

Refr.


Trying to make his way home
Einer, der versucht, den Heimweg zu finden,
like a holy Rolling Stone
wie ein heiliger “Rolling Stone” (rollender Stein)
back up to heaven all alone
ganz allein zurück in den Himmel.
Nobody call him on the phone
Niemand ruft ihn an.
Except for the pope maybe in Rome…
Ausser vielleicht der Papst in Rom.

Eric Brazilian
Teil 2: „Mein Glaube“

Gefragt, was sie glauben, antworten junge Erwachsene gerne „an mich“, „an
das, was ich sehe“ und manchmal auch „an Gott“. Glaubensfragen sind intime
Fragen und müssen mit Vorsicht angesprochen werden. Aus vielen Studien
wissen   wir   inzwischen,     dass    junge   Menschen     für   religiöse   Fragen
ansprechbar sind. Eine besondere Herausforderung gestellt schon seit
Kindertagen die Auseinandersetzung mit dem Glauben angesichts der
Unsichtbarkeit Gottes dar. Das beinhaltet immerhin auch, dass die grosse
Mehrheit junger Menschen zwar an die Existenz Gottes oder einer
übernatürlichen Macht glaubt. Das Bild dieser Existenz ist unklar oder
vielleicht schon ein wenig durch das Firmweekend geschärft. Es muss aber
noch auf das eigene Leben hin vertieft bedacht werden.


Glaube als Suche nach Gott
Glauben bedeutet, sich auf eine Suche nach Gott zu begeben. Eine Suche
nach Gott und dem eigenen Glauben gleicht nicht nur bei den meisten jungen
Erwachsenen der Beziehung zu einem entfernten Verwandten. Man trifft ihn
gelegentlich bei großen Familienfeiern, wechselt zwei drei Worte miteinander
– Wie geht’s, was machst du so? -, und jeder geht dann wieder seinen
eigenen Weg. Das Bild von Gott ist bei vielen Jugendlichen ein kleines
verblasstes Bild, das wohlmöglich restauriert werden müsste. Auch die
bekannten Gebete, die Gottesdienste etc. scheinen nicht in das Leben zu
passen. Fremd sind die kirchlichen „Glaubensfloskeln“, weit weg vom eigenen
Weg. Gott, Glaube und erst recht die Religion sind trotz mancher positiven
Erfahrungen, die viele Jugendliche mit Kirche z.B. durch die Jugendarbeit
machen, ein Sonderbereich jenseits des Alltags. Schon gar nicht scheint
Glaube eine Substanz im Leben zu sein, eine Struktur für den Alltag, der die
Bewältigung seiner Herausforderungen ermöglicht. Für junge Erwachsene
stehen   im    Alltag   weit   vor    der   religiösen   Frage    die   Formen   der
erlebnisorientierten und argumentativen Bearbeitung eigener Fragen im
Vordergrund. Im Firmvorbereitungsprozess muss dies gesehen werden. Die
argumentative Bearbeitung des Glaubens kann daher im Alltag der jungen
Menschen anknüpfen.


„Expedition Gottsuche“
Der Firmweg ist ein Beitrag dazu, dass sich die Wege von Gott und jungem
Mensch wieder bewusst kreuzen. Glauben heisst dann, mit Gott zu ringen
und zu streiten, sich geliebt, behütet, provoziert zu wissen, in Nöten einen
hoffnungsvollen Gedanken zu haben. Die grundlegenden Erfahrungen prägen
das Gottesbild. Gottsuche bedeutet auch Vertrauen entwickeln in etwas nicht
Beweis-, aber Erfahrbares. Zweifel sind dabei ein wichtiger Teil der
„Expedition Gottsuche“. Sie sind fragende Türöffner zu Gott und wichtiger
Ausdruck der Suche nach Gott, keineswegs lästig oder falsch.
Ausgehend von dem zu vervollständigenden Satz „Wenn mir Gott im Alltag
begegnen würde, dann…“ sollen Momente der Glaubensvergewisserung und
–klärung zur Sprache kommen. Gäbe es Veränderung in meinem Alltag, wenn
mir Gott begegnet? Gab es solche Momente vielleicht schon? In welchen
Momenten bin ich mir über meinen Glauben bisher klarer geworden? Was
muss sich verändern, damit ich mir über meinen Glauben klarer werden
kann? Was würde mir Gott wohl heute in meinem Leben mit auf den Weg
geben? Gibt es Menschen, die einen Kompass im Leben darstellen? Wenn ja,
warum? Gibt es Weisheiten, Sprüche, die im Laufe des bisherigen Lebens
wichtig wurden?


Im Zeichen des Gesprächs
Methodisch bietet sich neben den o.g. eher hintergründigen Fragen der Hit
von Joan Osbourne „One of us“ als Einstieg an, sofern er nicht schon am
Gruppenweekend benutzt wurde, aber auch Herbert Grönemeyers „Stück vom
Himmel“, Xavier Naidoos „Nicht von dieser Welt“ uv.m. Die Text der
Interpreten fragen kritisch nach den verschiedenen Facetten von Gott und
dem eigenen Glauben, wie Gott erfahrbar wird. Grönemeyer säht Zweifel an
den Glauben der grossen Religionen und fasst viele kritische Fragen
zusammen.    Naidoo    verstärkt   aus   freikirchlicher   Sicht   eine   absolute
Transzendenz Gottes.
Vergewisserungen und Antworten bieten auf die kritischen unglaubliche
biblische Berichte, die sofort an Glaubensgrenzen führen. Die Teilung des
Wassers durch Mose und der „Gang Jesu auf dem Wasser“ gehören dazu, dass
Gott von Abraham verlangt, seinen Sohn zu opfern bzw. Jesus selber ans
Kreuz schlagen lässt. Der anregende Kurztext von Magnus Enzensberger
bietet neben den Liedtexten eine weitere unbiblische Alternative für den
Gesprächseinstieg. Alle Texte „fahnden“ letztlich nach dem Glauben, indem
sie Fragen aufwerfen. Woran kann ich glauben, woran nicht? Worin kann ich
Gott wirklich erkennen?
Der Gruppenabend steht folglich im Zeichen des Gesprächs. Er führt an die
Glaubensgrenzen, an die Zweifel und zeigt, dass alle, die es mit Gott zu tun
bekamen, incl. Jesus zweifelten. Die Fragen zum Glauben sind erweiterbar.
Zentral ist, dass die Firmjugendlichen in einen Selbstvergewisserungsprozess
und Austausch über ihren Glauben gelangen können. Sie werden erkennen,
dass der Glaube „nicht vom Himmel fällt“, sondern ein längerer Wachstums
und Vertrauensprozess ist. Dazu kann es auch gut sein, wenn Personen aus
der Pfarrei eingeladen werden, die von ihrem Glaubensweg, ihre Zweifeln und
Freuden anschaulich und lebendig berichten.
Zeit        Programm                                                      Material
19.30h      Begrüssung
            Offener Einstieg: Die Teilnehmenden können ungezwungen
            von den Erlebnissen in ihrem Alltag berichten. Bitte auf
            eine angemessene, offene Atmosphäre achten.


19.40h      Thematischer Einstieg durch FirmbegleiterIn (FB)

30’         TN schildern von ihren Familien und Freundeskreisen, wenn
            sie häufig sehen und wen sie im Laufe der Zeit aus dem
            Auge verloren haben, wer kaum noch eine Rolle spielt, bei
            wem sie sich wünschen, dass etwas eine stärkere Rolle
            spielt bzw. gar keine Rolle mehr. Welche Gründe gibt es für
            solche Entwicklungen, welche sind eher unbewusst, welche
            bewusst gesteuert? Sie sollen herausfinden, wer oder was
            ihnen wichtig ist, in welcher Phase und aus welchem Grund.
            Welche Kriterien sind für sie dabei massgeblich.

30’         Alternativer Einstieg I: „One of us“.
            Direkt mit Liedern oder erwähnte Texten.

40’         Alternativer Einstieg II: „Wertecocktail“                   Für jeden TN Blatt
            Der Wertecocktail kann in verschiedenen Varianten gespielt „Mein höchster
            werden. Zunächst findet jeder TN für sich seine wichtigsten Wert ist…“
            Werte. Danach geht er in einer Kleingruppe (3-4 TN) und
            handelt mit diesen den wichtigsten Wert aus, schliesslich
            kommt die Gesamtgruppe auf ihren Wert. Wichtig ist, dass
            die TN ins Gespräch kommen. Was geben sie von ihren
            alten Werten auf, wem schreiben sie einen bestimmten
            Wert zu. Was sind die Kriterien?
            Variante: Aus den Kleingruppen kann auch je eine Person
            in eine Vertretergruppe, die aus je einem Mitglied aus den
            Kleingruppen besteht, gewählt werden. Diese Gruppe
            verhandelt     stellvertretend   weiter.   Die     anderen
            Kleingruppenmitglieder beobachten, ob ihre Interessen und
            Anliegen wirklich vertreten werden.


Je nach     Nach einer ersten Phase leitet FB das Gespräch zum Bibeln oder
Einstieg:   Glauben über. Welche Einflüsse entscheiden heute über kopierte
ca.         den eigenen Glauben, welche nicht. Anhand einer der Schrifttexte
20.15h      vorgeschlagenen Schriftstellen sollen die Zweifel am
            Glauben zur Sprache kommen. Was ist die positive Seite
            am Zweifeln und können sie im Glauben weiter helfen? Wo
            kann der Glaube eine tragende Erfahrung sein?


21.20h      Blitzlicht: Jeder TN fasst in einem Satz zusammen, was für
            ihn Glaube bedeutet oder bedeuten kann.
First things First


  ?!
Grundsätzlich haben wir nicht viel einzuwenden
Gegen Hölle, Wiedergeburt, Paradies.
Wenn es sein muss, bitte!
Vorläufig allerdings
Haben wir andere Prioritäten.


Um das Katzenklo, den Kontostand
Und die unhaltbaren Zustände auf der Welt
Müssen wir uns unbedingt kümmern,
ganz abgesehen vom Internet
und von den Wasserstandsmeldungen.


Manchmal wissen wir nicht mehr,
wo uns der Kopf steht
vor lauter Problemen.
Immerzu stirbt jemand,
dauernd wird jemand geboren.


Da kommt man gar nicht richtig dazu,
sich Gedanken zu machen
über die eigene Unsterblichkeit.
Erst einmal ein rascher Blick
In den Terminkalender,


dann sehen wir weiter.
Bei IHM.


Hans Magnus Enzensberger, in: Zerreiss doch die Wolken, hg. v. Michael Schlagheck u.a., Freiburg 2007.
Der höchste Wert ist…

               Wähle aus der Liste die zehn wichtigsten Werte aus und ordne


  ?!           sie in eine Rangfolge. Danach handle in deiner Gruppe mit den
               dir wichtigsten Werten die drei wichtigsten Werte der ganzen
               Gruppe aus.




Abenteuer                    Freundschaft                Reichtum
Allein sein                  Führung                     Reinheit
Anderen Menschen helfen      Geld                        Religion
Anerkennung (Status)         Gemeinschaft                Ruf
Arbeit mit anderen           Glaube                      Ruhm
Arbeitsdruck                 Gottes Wort (Bibel)         Selbstrespekt
Aufregung                    Heimat                      Sicherheit
Beförderungen                Heiterkeit                  Sinnvolle Arbeit
Clique                       Herausforderungen           Spannende Arbeit
Demokratie                   Innere Harmonie             Spass
Effektivität                 Integrität                  Spitzenleistungen
Effizienz                    Intellektueller Status      Stabilität
Ehrlichkeit                  Karriere                    Treue
Ein flottes Leben            Körperl. Herausforderungen Umwelt
Einfluss auf andere          Kreativität                 Verantwortung
Engagement                   Kunst                       Vertrauen
Enge Beziehungen             Leistung                    Vielfalt
Erfolg                       Loyalität                   Wachstum
Fachkenntnis                 Macht                       Wahrheit
Familie (Eltern…)            Marktstellung               Weisheit
Fester Standort              Natur                       Wissen
Finanzieller Gewinn          Ordnung, Ruhe               Zusammensein
Freiheit                     Persönliche Potentiale      Zuneigung (Liebe)
Teil 3: Gute Zeichen - Taufe und Firmung.

Sakramente sind stärkende Heilszeichen Gottes. Als solche sollen sie auch
von teilnehmenden Firmjugendlichen erfahren und geschätzt werden.
Wesentlicher Inhalt der Firmung ist eine eigene Entscheidung zur Taufe,
nachdem im frühen Kindesalter andere diese Entscheidung zunächst trafen.
Dazu müssen die Inhalte der beiden Sakramente erfasst werden. Was ist die
Taufe, was die Firmung?


Die Taufe ist die Grundlage des christlichen Lebens. Was im Katechismus
eher formal beschrieben steht, deutet auf den weiten Horizont des Glaubens,
die Hineinnahme in das Leben Jesu, sein Sterben und seine Auferweckung.
Von besonderer Bedeutung sind bei diesem Gruppenabend vier Aspekte, die
im Leben miteinander ins Spiel kommen: a) die Person Jesu, b) die Rituale von
Taufe und Firmung und c) die eigene Entscheidung.


Zu a): Der Filmtitel zum Musical „Jesus Christ Superstar“ bietet verschiedene
Facetten des Mannes aus Nazareth an: Mensch, Heiler, Revolutionär... Bei
dem, was er alles in allem kann, muss er ein Superstar sein. Die
Firmjugendlichen tragen ihr Wissen über Jesus von Nazareth zusammen.
Dabei thematisieren sie, was an biblischen Überlieferungen den Glauben
fördert, erschwert oder gar unmöglich macht. Sie suchen auch im
„Unglaublichen“ nach den Werten, die Jesus vorlebte. Die „Werte“ Jesu,
zentrale Aspekte seiner Botschaft sollen auch heute lebendig bleiben, in
Sakramenten, Ritualen, der Taufe.


Zu b): Taufe und Firmung sind von viel Symbolik geprägt. Wasser spielt
beispielsweise in der Bibel eine grosse Rolle. Johannes taufte mit Wasser in
der Annahme, dass das Ende der Zeit nahe sei. Er stand dazu im Jordan, pries
Gott und rief den Geist auf den Täufling herab. Schliesslich tauchte er ihn im
Wasser unter. Ein altes Ritual, wovon wir heute nur noch eine abgewandelte
Form kennen. Rituale entfalten ihre Wirkung durch die Wiederholung. (Nicht
nur religiöse) Rituale leben, indem sie immer wieder vollzogen werden.
Auch das Kreuzzeichen ist ein solches Ritual. Sportler bekreuzigen sich vor
einem Wettkampf, Fussballspieler nachdem sie ein Tor schossen usw. Das
Kreuzzeichen seinerseits ist Zeichen dafür, dass Jesus trotz Hindernissen und
Gefahren seinen Weg konsequent gegangen ist, sich für seine Ziele
eingesetzt hat – Kreuz als Zeichen, dass ich meinen Weg mutig gehen
möchte, nicht einfach ziellos. Mein Leben hat eine Orientierung, mir sind
Werte, die Jesus gelebt hat wie z. B. Liebe, Frieden, Ehrlichkeit auch wichtig.
Das Wasser bei der Taufe hat ebenso seine Bedeutung: Die meisten
Teilnehmenden wurden als Kinder ungefragt mit Weihwasser getauft. Was
bedeutet das Wasser?: Ohne Wasser gibt es kein Leben, kann nichts wachsen.
Das Weihwasser ist Ausdruck dafür, dass Gott mich begleitet, dass er mir
hilft, das zum Wachsen und Gedeihen zu bringen, was in mir angelegt ist.
Weihwasser ist ein Ausdruck dafür, dass ich nicht alles aus eigener Kraft
schaffen muss. Gott geht mit mir und unterstützt mich. Kann ich darin einen
Wert für mich erkennen?


Zu c): Sich zu entscheiden ist nicht leicht, wenn das Angebot gross ist. Umso
klarer und einsichtiger muss sein, um was es hier geht. Die Worte des
Propheten Jeremia „Ich will euch eine Zukunft und Hoffnung geben“ sind eine
Absichtsbekundung Gottes an den Menschen. Der Glaube stärkt im eigenen
Leben für neue Wege, ist die zentrale Erkenntnis (vgl. b, Gruppenabend zum
Thema Glaube). Wer den Glauben und zudem die kirchliche Gemeinschaft als
stärkend erfährt, kann sich auch positiv dafür entscheiden. Wer sich für oder
gegen etwas entscheidet, muss sich auch der Konsequenzen bewusst sein.
Welche Folgen haben meine Entscheidungen für mich und mein Leben, auch
in religiöser Hinsicht? Woraus beziehe ich Hoffnung?
Zeit   Programm                                                            Material

15’    1. Einheit: Einstimmung
       Aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“ wird der Titel „Jesus      CD-Player,
       Christ Superstar“ im Hintergrund vorgespielt. In Brainstormingart   Titelsong auf CD.
       wird auf einem Flipchart festgehalten, was die TN über Jesus        Flipchartbogen,
       wissen. Es kann darüber gesprochen werden, warum Jesus für          Filzstifte.
       viele zum Superstar wurde und warum so viele Menschen an ihn
       glauben konnten. Welche Facette an Jesus ist für die einzelnen
       TN von Bedeutung? Wie lebt er diese heute?
       Überleitung zum Thema Taufe und Rituale. Die Werte Jesu sollen
       heute noch lebendig bleiben. Gerade die Taufe stellt ein
       Konzentrat für das dar, woran Jesus glaubte. Die Taufe nimmt den
       Menschen mit hinein in die Verheissung Gottes. Dazu soll nun ein
       Verständnis für das Ritual der Taufe geschaffen werden.




20’    2. Einheit: Rituale
       Wie kann das, was damals begann, heute weitergelebt werden,
       durch Sakramente und Rituale, durch die Sakramente erfahrbar
       werden.
       Der Alltag ist voll von Ritualen und Symbolen z.B. Begrüssung mit
       Handschlag ist ein Ritual – ein Begrüssungs-Ritual. Austausch in
       der Gruppe zu Alltags-Ritualen: Welche anderen Begrüssungs-
       Rituale kennt ihr sonst noch? (Pfadi-Gruss, Küssen, spezielle
       Handbewegungen bei Jungs, etc.) Warum machen wir dieses
       Begrüssungs-Rituale? Warum verwenden wir mit verschiedenen
       Personen unterschiedliche Begrüssungs-Rituale?

       - Identifikation / Verbundenheit mit Gegenüber zeigen.
       - Abgrenzung gegenüber „gewöhnlichen“ Personen.
       - Wertschätzung zeigen.

       Welche Rituale kennt ihr sonst noch? (bei Bedarf eigene Beispiele
       nennen, z.B. Morgen- oder Abend Rituale)
       Wesen von Ritualen erkennen:

       - Austausch: Was ist diesen Ritualen gemeinsam? Was macht
       Rituale aus?-

       Zusammenfassung: Ein Ritual…
       a) wird regelmässig ausgeübt
       b) hat einen tieferen Sinn / Zweck
       c) hat und gibt Struktur / ist immer gleich und entlastet dadurch
       (z.B. muß ich am morgen nicht überlegen und entscheiden „gehe
       ich jetzt heute zuerst duschen oder lese ich vorher die Zeitung…“
       ein Ritual wird zum Teil unhinterfragt durchgeführt…)
      3. Einheit: Das Firmritual und die Bedeutung der Firmung.
5’    Überleitung zur Bedeutung des Firmrituals. Firmung ist das Ja zur   Fläschchen
      Taufe. Getauft wird mit Wasser. Kurzer Input, was die Symbolik      „Weihwasser“
      von Wasser in der Taufe bedeutet.

      Firmung als Ritual
10’   FB hat einen Kompass dabei. Gespräch über Sinn und Zweck,           Kompass
      Chancen und Gefahren im Umgang mit einem Kompass. Wozu
      brauchen wir einen Kompass? (Orientierung suchen, bestimmte
      Richtung befolgen, sich für bestimmte Richtung entscheiden und
      dieser folgen etc.)
      Welcher Richtung folgen wir im Firmkurs? Worauf richten wir
      unseren Kompass aus? (Christlicher Glaube und persönliche
      Entscheidung!)

      Wir werden uns nun mit der Firmung als Ritual beschäftigen.         Film mit
8’    Dabei geht es um die Frage: Was für Zeichen und Symbole             Firmgottesdienst,
      kommen bei der Firmung/ Firmgottesdienst vor? Was bedeuten          z.B. Firmung 18+ -
      sie? Dazu werden wir einen kurzen Film zeigen. Dazu nehmt           Unterwegs      mit
      bitte dieses Arbeitspapier. In der Kleingruppe werdet ihr damit     jungen
30’   noch arbeiten.                                                      Erwachsenen.

      Kurzes zusammenfassendes Plenumsgespräch über die Fragen.
10’
      Kurze Befindlichkeitsrunde, Abschluss und Verabschiedung.
5’
Die Firmung als Ritual
                  Bitte schau Dir in Ruhe die Filmsequenz einer Firmung aus Niederuzwil an, und


  ?!              versuche die Fragen dabei zu beantworten. Anschliessend sprich mit deiner Gruppe
                  über die u.a. Fragen.




Während des Films.

Wer ist im Gottesdienst/Wo findet er statt?




Wer spendet die Firmung?/Was tut der Firmspender?




Was tut/sagt FirmkandidatIn?




Was tut/sagt Götti/Gotti?




Für das Gruppengespräch?


Warum feiern wir nicht nur mit denen, die wir einladen wollen?



Früher haben meine Eltern eine Entscheidung für meine Taufe getroffen. Was bedeuten nun mir die
Werte Jesu, die Bedeutung des Symbols Wasser für mich. Kann ich diese bejahen?



Der Götti/ die Gotti legen im Gottesdienst mir die Hand auf? Hat es für mich eine Bedeutung, wenn mir
jemand die Hand auflegt?


Sind Taufe und Firmung mit ihrem Inhalt, ihrer Symbolik und ihren Ritualen gute oder schlechte
Zeichen für mich? Diskutiere mit anderen über deine und deren Begründungen! Wo sind
Gemeinsamkeiten, Unterschiede und offene Fragen?




Teil 4: Leben, Tod und Auferstehung
Junge Erwachsene verfügen über Erfahrungen mit Abschied, Tod und Trauer.
Vielfach platzen Träume, Vertrautes wird entrissen. Diese Erfahrungen werden im
Alltag nur bedingt angesprochen. Manche Eltern wünschen sich, dass ihre Kinder
unbeschwert aufwachsen. Um jungen Menschen ein vollständiges Leben zu
ermöglichen, muss ihnen aber auch das Erleben von erheblichen Verlusten und der
damit verbundenen Trauer mit entsprechender Hilfestellung zugemutet werden. Die
Frage   nach   der   Hilfestellung   offenbart   nicht   selten   die   Hilflosigkeit   der
Bezugspersonen. Diese Einheit auf dem Firmweg soll jungen Erwachsenen eine
hilfreiche und tröstende Perspektive auf Tod und Trauer vermitteln, dass sie
erfahrene und kommende Verluste in einem neuen Licht sehen können. Dabei
entdecken sie erneut die hoffnungsvolle christliche Perspektive.


Fragen aus den Grenzerfahrungen
Tod und Trauer sind für alle Menschen Grenzerfahrungen, die Fragen nach der
Perspektive, dem Sinn des Lebens aufwerfen und das Leben selber zur Frage
werden lassen.: Wer bin ich? Wer bin ich noch? Wer ist jetzt für mich da? Was trägt
mich an den äusseren Grenzen des Lebens? Was geschieht im Sterben? Was
kommt nach dem Tod? Kann ich einwilligen in das Ganze eines (bisher) gelebten
Lebens, des eigenen oder das eines anderen? Wenn es darauf ankommt, was bleibt
letztlich gültig von dem, was ich lebe? Was soll einmal von mir in Erinnerung
bleiben? Worauf hoffe ich? Warum lässt Gott das zu? Diese Fragen deuten an, dass
Sterben, Tod, Abschied, Loslassen, d.h. die äusseren Grenzen des Lebens immer
eine spirituelle Dimension haben. Gerade weil junge Menschen das ganze Leben vor
sich haben, sind es zentrale Fragen, die nach Antworten suchen. Im Kontakt mit
jungen Erwachsenen und in der Diskussion über solche Fragen ist ihre
grundsätzliche Haltung im Umgang mit Sinnfragen zu beachten.


Tröstende Autonomie?
Wenn junge Erwachsene ihrem Leben heute Sinn geben, ist dies immer mit einem
gewissen Autonomiestreben verbunden. Konsequenterweise wird Leben dann als
sinnvoll bezeichnet, wenn das Streben nach Autonomie und Selbstverwirklichung
realisiert werden kann. Die Aussage, dass „das Leben nur dann einen Sinn hat,
wenn man ihm selbst einen gibt“, erhält quer durch alle Altersgruppe eine hohe
Zustimmung. Entsprechend hat die Sinnfrage selten einen transzendentalen Bezug,
sondern zunehmend individuellen Charakter. Doch die Chance zur Autonomie hat
einen hohen Preis. Auf die Frage, was Sinn gibt, wenn „ich in meinem Leben an
Grenzen gerate“, weiss die Autonomie kaum eine Antwort. Tröstend ist das
Autonomiestreben daher nur bedingt. Die Frage nach der eigenen Hoffnung
erscheint daher als ein möglicher Ansatzpunkt, der Autonomie einen sicheren Trost
für schwere Zeiten hinzuzufügen. „Worauf hoffe ich, wenn’s schwer wird?“ ist ein
Frageansatz, der mit der Firmgruppe verfolgt werden kann. Junge Erwachsene
können dabei erfahren, dass sie mehr getragen sind in ihrem Leben, wenn sie mit
den Grenzen bewusst leben.


Mit Symbolen dem Tod und der Trauer näher
Zu diesem Firmabend werden die Firmjugendlichen vorab gebeten (frühzeitig daran
erinnern!), ein Foto oder ein Symbol, das sie an den Verlust eines nahe stehenden
Menschen durch Scheidung, Wegzug oder Tod erinnert. In der Vorstellung des
Symbols soll besonders auf die Emotionen, die Fragen und den Umgang der
Firmjugendlichen mit beidem geachtet werden. Führten die Erfahrungen in eine
Sackgasse oder sind sie eine Durchgangsstation? Gibt es aus der Sackgasse
andere Auswege als das Umkehren oder Verdrängen der Hindernisse? Worin liegt
die stärkende Erfahrung der Sackgasse, worin die der Durchgangsstation?
Um sich Symbole zu vergegenwärtigen kann ein Gang über den Friedhof hilfreich
sein, Todesanzeigen gelesen werden, weil sie i.d.R. kurze Lebens- und
Hoffnungsgeschichten erzählen. Sie enthalten vielfach Bilder, Symbole und Worte,
die die Hoffnung des verstorbenen Menschen und seiner Angehörigen ausdrücken.
Worauf hoffen die Firmjugendlichen, wenn sie nur noch kurz zu leben hätten?


Die Emmausjünger
Die Bibel ist voll mit hoffnungsvollen Erzählungen. In besonderer Weise kann die
Perikope der Emmausjünger (Lk 24,13-35) Thema sein. Sowohl der Umgang mit
Trauer als auch die Hoffnung, die Jesus den beiden Jüngern gibt, verdeutlicht, dass
der Glaube der Jünger ihnen Halt und Kraft für das Leben gibt. Zeichen dafür ist die
Feier der Eucharistie, das Brechen des Brotes. Für die Jünger ist es das Zeichen
schlechthin, dass ihnen die Trauer hinfortfegt (Lk 24, 25)! Für uns heute auch?
Zeit      Programm                                                         Material
19.30h    Begrüssung
          Offener Einstieg: Die Teilnehmenden können ungezwungen
          von den Erlebnissen in ihrem Alltag berichten. Für die
          Thematik dieses Abends bitte auf die angemessene
          Atmosphäre achten.

19.40h    Thematischer Einstieg durch FirmbegleiterIn (FB)

          TN erklären in der Gruppe das Symbol, das sie mit einer          Symbol der TN
          Trauer- und Verlustsituation verbinden. Wie geht es ihnen
          rückblickend mit der Situation heute? Was half ihnen, was
          nicht?

          Alternativer Einstieg I:                                         Film
          Medialer Einstieg mit dem Kurzfilm „Schneckentraum“. Der         DVD-Gerät
          Film erzählt die Verlustsituation einer jungen Frau, die ihren
          Schwarm durch einen Unfall verliert, sich aber nie traute,
          ihn vorher anzusprechen. Der Film lässt offen, was mit der
          jungen Frau passiert. Was wird sie wohl tun? - Es ist damit
          zu rechnen, dass der Vorschlag kommt, zum Friedhof zu
          gehen.

          Alternativer Einstieg II:
          Ort: Friedhof
          Gruppe geht mit FB nach draussen auf den Friedhof. Ein
          TN, der rechtzeitig vorher gefragt wurde, berichtet von
          seinen Erfahrungen und Gedanken im Zusammenhang mit
          dem Tod einer ihm verwandten oder bekannten Person.
          Dabei sollen auch die Emotionen, die Sinnfragen, die
          dieses Erlebnis ausgelöst hat, zur Sprache kommen. Der
          TN erzählt aber auch, was Grab und Friedhof für ihn
          bedeutet, um mit dem Tod einer nahe stehenden Person
          fertig zu werden. – Es könnte auch eine Person von Aussen
          angefragt werden.

Je nach Kurzer Impuls FB:
Einstieg: Friedhof = ein Ort mitten im Leben, wo wir an diejenigen
20.00h    denken, die nicht mehr hier leben. Friedhof keine
          Sackgasse, kein Endpunkt. Die allermeisten, die hier einen
          Angehörigen begraben haben, glauben daran, dass er oder
          sie in einem andern Leben weiterlebt. Auf den Grabsteinen
          werden verschiedenste Symbole gebraucht, um diese
          Hoffnung auszudrücken.

          Gang über den Friedhof
          Geht jetzt allein oder maximal zu zweit einmal auf diesem
          Friedhof umher und schaut euch die Grabsteine an. Achtet
          ganz besonders auf Zeichen und Symbole, die ihr dort
          finden. Was sagen sie wohl aus? Vielleicht findet ihr auch
          Gräber von Personen, die ihr zu Lebzeiten gekannt habt.
          Wenn ihr den Gong hört, dann stellt eure Kerze auf eines
          der Gräber, vielleicht auf eines von jemand, den ihr gekannt
          habt, und kommt dann hierher zurück.
          (Wenn jemand Mühe damit hat, bleibt er einfach beim FB
          zurück. (FB könnte dann mit dieser Person darüber reden,
          was warum Mühe macht.)

          Der Gang über den Friedhof wird mit einem Gong begonnen Klangschale, Gong
          und beendet. (Bedeutung des Gongs vorher sagen!)
20.20h    In Gruppenräumen                                               Blätter
          Austausch über diese Erfahrung. Sehe ich einen
          Zusammenhang zwischen den Symbolen auf den
          Grabsteinen und meinem Symbol?
          Wenn ich mir vorstelle, ich begegne der jungen Frau aus
          dem Film hier auf dem Friedhof, was dann?
          Wie ging es mir, als ich die Worte des TN hörte (Einstieg II),
          als ich so auf dem Friedhof umherging?

20.30h    Diese Symbole könnten für unser Leben stehen. Wir alle          Symbole der TN
          haben eine bestimmte Zeit hier auf dieser Erde zu leben.
          Wie der Sand durch diese Hand rinnt, so rinnt unsere
          Lebenszeit dahin. Keiner von uns weiss, wie lange es geht.
          Nur eines wissen wir, es ist das einzige, was in unserm
          Leben im wahrsten Sinn des Wortes Tod-sicher ist:
          Irgendwann ist die Lebenszeit eines jeden Menschen in
          dieser Welt abgelaufen.
           In der Natur erleben wir im Herbst Jahr für Jahr, wie
              vieles stirbt. Die letzten Blätter fallen ab, das Gras hört
              auf zu wachsen usw.
           Der November ist der Monat im Jahr, wo auf
              verschiedenste Weise besonders an die Menschen
              gedacht wird, die nicht mehr bei uns in der Welt sind,
              die gestorben sind. Das Thema Sterben, Tod ist eines,
              das zwar im Film und Fernsehen dauernd zu sehen ist,
              das aber sonst, im persönlichen Bereich oft verdrängt
              wird. Wir wissen zwar alle, dass wir und alle Menschen,
              die uns lieb sind, einmal sterben müssen, aber wir
              verdrängen diesen Gedanken meist, versuchen nicht
              daran zu denken. Trotzdem wissen wir: Der Tod kann
              auch uns direkt oder indirekt in jedem Moment treffen.
              Was bedeutet der Tod für dich? Was wird einmal von
              uns bleiben?

          Wir möchten euch darum jetzt zu einer Gedankenreise
          einladen:

          Aufgabe: Stell dir vor, du verfasst nun dein Testament, Arbeitsblatt
          deinen letzten Willen. Was willst du zuletzt? Überlege dir:
          Ein Testament bedeutet, mit dem eigenen Tod zu rechnen
          und auf den Tod vorbereitet zu sein. Im Testament legst du
          deinen Nachlass fest. Das bleibt von Dir? Wie sollen dich
          deine Verwandten und Freunde in Erinnerung behalten?
          Was sollen sie über dich sagen? Was werden die wohl
          denken, die zurückbleiben? Wem gibt du was, wem nichts?
          Was bedeutet der Tod für dich?

20.50 h   Vorlesen der Notizen
          FB hat vorgängig die Notizen eingesammelt. Er liest sie        Kerze
          einen nach dem andern meditativ vor. Dazu ist ideal, wenn
          Gruppe im Kreis sitzt, der eine Mitte mit einer brennenden
          Kerze hat. Die Notizen bleiben so stehen, werden nicht
          weiter besprochen.


Anschl.   Pause
21.00   In der Gruppe:
        FB fasst einige Aussagen zur Bedeutung des Todes und
        aus den Testamenten zusammen.
        Impulsfrage: Gibt es eurer Meinung nach wirklich ein
        Weiterleben nach dem Tod?
        Hinweis auf Nahtoderfahrungen.
        Impulsfrage: Welche Bedeutung gibt der Tod dem Leben
        selbst und den Menschen in Eurem Leben?

21.15   Impuls FB:
        Auf dem Firmweg wollen wir uns mit dem christlichen
        Glauben auseinandersetzen. Der christliche Glaube kann
        aber für jeden für uns nur relevant werden, wenn er
        wichtige Lebensfragen aufgreifen und wenigstens
        ansatzweise Antworten auf wichtige Fragen von uns
        Menschen geben kann.
        Das Sterben ist unzweifelhaft eine Frage, die Menschen
        früher oder später trifft und beschäftigt. Wir wollen
        gemeinsam hinschauen, was denn der christliche dazu
        sagt. Wir wollen dazu keine Theorien hernehmen, sondern
        die Bibel, ganz konkret eine Geschichte aus der Bibel.
        Vorlesen der Emmausgeschichte durch FB. Alle haben den     Emmausgeschichte
        Text vor sich.

21.20   Diskussion:
        Was kann uns die Emmausgeschichte sagen? Wie haben
        die Jünger den auferstandenen Jesus erlebt? Was heisst
        das für das Weiterleben nach dem Tod? Welche Hoffnung
        haben die beiden Jünger? Welche Hoffnung hast du selbst,
        wenn es um den Tod geht? Welche Wirkung hat die
        Hoffnung für dich?

21.40   Behutsamer Abschluss und Ausklang:
                                                                   Liedblatt, Zettel,
        Lied: Vergiss es nie, dass du lebst…; oder:                Gebet
        Hosentaschenzettel mit der Bitte: „Lass mich in meiner
        Sterblichkeit nicht allein.“ (Levinas)
        Gedicht v. Albrecht
        Gebet

21.45   Abschliessende Blitzlichtrunde mit Feedback und der
        Nachfrage, ob heute etwas offen geblieben ist.

22.00   Verabschiedung
Mein Testament....

               Stellt dir vor, du verfasst nun dein Testament, deinen


    ?!          letzten Willen. Was bedeutet der Tod für dich
                persönlich? Was willst du zuletzt?




Überlege dir:
Ein Testament bedeutet, mit dem eigenen Tod zu rechnen und auf den
Tod vorbereitet zu sein. Im Testament legst du deinen Nachlass fest.
Was bleibt von Dir? Was bedeutet der Tod für dich? Wem gibt du was,
wem nichts? Wie sollen dich deine Verwandten und Freunde in
Erinnerung behalten? Was sollen sie über dich sagen? Was werden sie
wohl denken? Welches Symbol würde jemand wohl zum heutigen Abend
mitbringen?

 Was für Gefühle, Gedanken, würde das Schreiben des Testaments
  bei dir auslösen?
 Was lösen die Personen aus, an die du beim Schreiben denkst?
 Was willst du bestimmten Personen noch unbedingt vor dem Tod
  sagen, obwohl du dich bisher nicht getraut hast?
 Bist du mit jemanden unversöhnt?
Auf dem Friedhof...
       Wie ging es mir, als ich hörte, was der/die andere TN
       erzählte?

?!     Wie ging es mir, als ich so auf dem Friedhof umherging?
„Da gingen ihnen die Augen auf...“


Drei Tage nachdem Jesus gekreuzigt worden war, waren zwei seiner Anhänger zu
Fuss von Jerusalem nach einem Dorf Namens Emmaus unterwegs. Dabei redeten
sie über den Tod von Jesus. „Wir haben so fest mit Jesus gerechnet.“ sagten sie
zueinander. „Er hat so vielen Leuten geholfen, in seinen Worten steckte so viel Kraft
und Weisheit. Wir haben gehofft, dass mit ihm endlich alles besser wird. Aber dann
wird er einfach hingerichtet wie ein hundsgemeiner Verbrecher. Ja jetzt ist alles aus!“
Da kam Jesus zu ihnen und ging mit ihnen. Aber sie erkannten Jesus nicht. Jesus
fragte: „Worüber habt ihr eben grad geredet?“ Da blieben sie traurig stehen. Einer
von ihnen, Kleopas, sagte: „Du bist wohl der einzige in Jerusalem, der nicht weiss,
was in diesen Tagen dort geschehen ist?“ Jesus fragte sie: „Was denn?“ Sie
antworteten ihm: „Das mit Jesus von Nazareth. Er war ein Prophet, mächtig in Wort
und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohen Priester und Führer
haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten
gehofft, dass er es sei, der Israel erlösen werde.
Aber nicht nur das: einige Frauen aus unserm Kreis haben uns in grosse Aufregung
versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnahm nicht
mehr. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und
hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann an das Grab und fanden alles so,
wie die Frauen gesagt hatten; ihn selber aber sahen sie nicht.“
Da sagte Jesus zu ihnen: „Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch zu
glauben, was schon die Propheten klar voraus gesagt hatten: Der Messias, der
Erlöser musste all das erleiden, um anschliessend ganz in die Herrlichkeit Gottes zu
gelangen!“ Und er erklärte ihnen anhand Moses und den Propheten, was in den
Schriften alles über ihn, sein Leiden, sein Sterben und seine Auferstehung voraus
gesagt worden war.
So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er
weitergehen. Aber sie sagten zu ihm: „Bleib doch bei uns, denn es wird bald Abend,
die Sonne ist schon am Untergehen.“ Da ging Jesus mit ihnen hinein, um bei ihnen
zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch sass, nahm er das Brot, dankte Gott, brach
das Brot und gab es ihnen. Erst da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten,
dass es Jesus war, der bei ihnen sass. Aber kaum hatten sie ihn erkannt, sahen sie
ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: „Warum haben wir ihn erst jetzt erkannt?
Waren wir nicht tief im Herz berührt, als er unterwegs mit uns redete und uns den
Sinn der Schrift über sein Leiden, seinen Tod und seine Auferstehung erklärte?“
Noch in derselben Stunde kehrten sie nach Jerusalem zurück. Sie fanden die elf
Apostel und andere Jüngerinnen und Jünger versammelt. Diese sagten zu ihnen:
„Jesus ist wirklich vom Tod auferstanden und ist Simon Petrus erschienen!“ Da
erzählten auch die zwei Jünger, die von Emmaus kamen, was sie unterwegs erlebt
hatten, und wie sie Jesus erkannt hatten, als er das Brot brach. (Nach Lk, 24,13-35)


Jesus ist diesen zwei Männern nach seinem Tod wieder begegnet. Wie haben diese
ihn erlebt? Was ist euch aufgefallen?
Die Osterfrage


Wenn dich einer fragt:
Glaubst du an das leere Grab,
glaubst du an das Ostern Jesu,
sein Auferstehen und Leben?
Dann sag nicht sofort Nein oder Ja.

Mach dir bewusst,
dass ein Nein
dein Leben
in eine Enge treibt,
deren Schlusspunkt
der Tod ist.

Mach dir bewusst,
dass ein Ja
dein Leben
in eine Weite führt,
deren Endpunkt Gott ist.

Wovor willst du stehen?
Wovor willst du leben?

Du kanst dich
für ein Nein entscheiden
und zittern.
Ich habe mich
für das Ja entschieden
und singe.

      (Alois Albrecht)
Teil 5: Gott als Geist unter uns


„Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist …“. Diese Worte hört
ein Firmjugendlicher im Firmgottesdienst aus dem Mund des Bischofs. Es
sind Worte, die den jungen Menschen auf seinem Weg mit Gott und der
Kirche bestärken und bestätigen (sollen). Der Geist ist ein Geschenk Gottes.
Er ist das Siegel, das die unendliche Liebe Gottes den Menschen jeder
Generation nachhaltig einprägt (2 Kor 1,21f). Diese Prägung des Menschen
deutet Gottes Gegenwart in der Welt an, im Menschen selbst. Die Kirche ist
die Gemeinschaft dieser Menschen, in der ein Weg mit Gott lebbar ist. Zu
diesem Weg bekennen sich junge Menschen im Firmgottesdienst öffentlich
und übernehmen Verantwortung für den Glauben in der Welt. Soweit die
sakramentale und ekklesiologische Dimensionen der Firmung!
Gleichzeitig kann dieser bischöfliche Zuspruch im Firmgottesdienst als
Gebetswunsch für die Zukunft des jungen Menschen verstanden werden.
Biblisch liessen sich dann Zusage und Wunsch im Bezug auf heutige junge
Erwachsene ergänzen: „Der Gott unseres Herrn Jesus Christus […] gebe euch
den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt. Er erleuchte
die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr
berufen seid.“ (Eph 1,7f)


Der Geist als Zeichen
Dieser Geist Gottes ist einerseits Zeichen der Gegenwart Gottes im Menschen,
in Kirche und Welt, gleichzeitig aber auch Bestärkung für die Zukunft. Die
Schöpfungsgeschichte, der Todesmoment Jesu (s.u.) und das Pfingstereignis
belegen dies. Umso bedeutsamer sind die Erfahrungen des Heiligen Geistes
und das Wissen um ihn für die gesamte Firmvorbereitung.


Der Mensch - ein Geistwesen
Die Firmjugendlichen sollen in der Firmvorbereitung sich dessen bewusst
werden, dass jeder Mensch auch ein „geistvolles Geistwesen“ ist und nicht
einfach ein Gegenstand, „Materie“. Mit Symbolen zu Wind, Wasser, Feuer
können Firmjugendliche ihr Leben reflektieren: Wie gehe ich damit um, wenn
es in meinem Leben stürmisch ist, manches untergeht und brennt? Wie
erfahre ich Veränderungen, Erneuerungen, Verwandlungen? Wofür bin ich
Feuer und Flamme, begeistert? Wie erlebe ich mich, wenn der Geist weht, wie
er will und ich nichts machen kann? Im Gruppengespräch soll zunächst
vertiefend diskutiert werden, wie diese positiven und besonders die
scheinbar negativen Erfahrungen mein Leben stärken und ihm nutzen.


Biblischer Spiegel
Die sich anschliessenden Bibelstellen sollen möglichst einige Erfahrungen der
Gruppe   widerspiegeln.    In   allen   Fällen    soll   das   Augenmerk     auf    die
lebensstärkende Seite der Perikopen gerichtet sein. Dazu vier Beispiele: Die
Bibel überliefert bei der Schaffung des Menschen (1) davon, dass der Geist
der Lebensatem des Menschen ist (Gen 2,5). Von Anfang an ist jedem
Menschen der Geist Gottes eingehaucht. In jedem Menschen ist der Geist
Gottes   angelegt.   Der   Todesmoment           Jesu    am    Kreuz   (2)   wird   im
Markusevangelium mit den Worten beschrieben „Dann hauchte er den Geist
aus“ (Mk 15, 37b). Vordergründig ist das ein trauriger und schwerer Moment.
Gleichzeitig haucht Jesus aber den Geist in die Welt hinein. Sein Geist und
sein Leben bleiben in der Welt, auch wenn er nicht mehr unter den Menschen
leben wird. Sein Geist ist ein Geschenk. Gott bleibt so in der Welt
geistesgegenwärtig. Junge Menschen können derartige Geistesgegenwart
leicht nachvollziehen, wenn sie z.B. wie der in der vorigen Einheit zum Thema
Tod selber an verstorbene Familienangehörige denken, die ihnen in
Erinnerung sind. Das Pfingstereignis (3) erzählt anschaulich von den
staunenden Aposteln, den Feuerzungen und der neuen Sprachfähigkeit, die
sie erhalten (Apg 2, 1-13). Gleichzeitig wird darin deutlich, dass Gott nicht
mehr wie ein Mensch da sein wird. Schliesslich sei nochmals auf die Emmaus-
Geschichte (4) hingewiesen, die auch schon am letzten Gruppenabend zum
Thema Tod erwähnt wird. Die Jünger erkennen zunächst ihren Weggenossen
nicht. Das zeigt für heute, dass Gott auf dem eigenen Lebensweg je nach
Lebenssituation nicht erkannt wird, es im Glauben eine Auszeit geben kann.
Diese Glaubensvakanz entspricht vielfach dem Leben heutiger junger
Erwachsener. Was kann über die Abwesenheit Gottes trösten? In der
katholischen Kirche ist dies die Eucharistie, das gebrochene und stärkende
Brot.
Zeit     Programm                                                       Material
19.30h   Begrüssung
         Offener Einstieg: Die Teilnehmenden können ungezwungen
         von den Erlebnissen in ihrem Alltag berichten. Bitte auf
         eine angemessene, offene Atmosphäre achten.


19.40h   Thematischer Einstieg: Stummgespräch

30’      Nach dem ersten Austausch folgt ein Stummgespräch. Auf
         einem grossen Plakat stehen folgende Begriffe: sich
         begeistern      lassen,    den      anderen     begeistern,
         geistesgegenwärtig,       geistesabwesend,       geistreich,
         entgeistert, Begeisterungssturm, vom Geist ergriffen, von
         allen Geistern verlassen, mit Geisteszungen reden.

30’      Die TN schreiben bei jenem Begriff, der ihnen aufgefallen
         ist, anspricht oder abstösst, auf, was ihnen dazu in den
         Sinn kommt. Ein FB stellt ggf. zur Unterstützung Fragen zu
         den Begriffen. Der Focus richtet sich dabei auf das Thema
         Geistesgegenwart: Gibt es Verwandte, die Verstorben sind,
         aber immer noch in irgendeiner Weise für euch
         gegenwärtig?
         Danach erhalten die TN den Text „Das Pfingstereignis“. Der Text
         FB liest vor. Die TN achten darauf, welche Symbole für den
         Hl. Geist darin wohl erwähnt werden. (Brausen, Sturm,
         Feuer)

         Anschliessend sind je nach         äusseren   Bedingungen
         folgende Übungen möglich:

20’      Symbol für den HI. Geist: FEUER und FLAMME.                    Zündhölzer,
         Übung zuerst gut beleuchteter Raum, dann das Licht             Kerzen, Holz,
         löschen und danach eine Kerze (draussen ist es ein Feuer)      Papierstreifen mit
         entflammen. In Ruhe wirken lassen und den Raum im              Fragen, Papier für
         „neuen Licht" betrachten. Wenn sich das Auge angepasst         TN.
         hat, die Flamme betrachten. Abschluss Wärme spüren und
         Flamme erfahren: jeder hält die Hand so nah wie ihm / ihr
         angenehm über die Flamme.
         Beispiel:
         - alle sitzen still und lassen sich von bekannten Fragen,
         Texten oder Liedern leiten.
         - alle betrachten den Raum. Wie sieht er in diesem Licht
         aus?
         - Licht löschen oder möglichst ganz verdunkeln
         - nach kurzer Zeit eine Kerze anzünden; Wie leuchtet diese
         Flamme den Raum
         aus? Was hat sich verändert?
         - kurze Stille
         - alle sollen nun die Flamme betrachten
         - alle TN bekommen eine kleine Kerze mit Zündholz, die sie
         noch in der Hand halten
         - FB legt auf Papierstreifen die folgenden Fragen um die
         Kerze.
         - Für was bin ich Feuer und Flamme?
         - Wovon bin ich begeistert?
         - Wobei wird es mir warm ums Herz?
         - die FB beantworten für sich diese Frage und wenn sie ihre
         Antworten gefunden haben dürfen sie ihre Kerze mit ihrem
         Zündholz entflammen, mit dem Feuer von der Kerze, die
         schon seit dem Anfang brennt.
      - es kann (muss aber nicht) noch eine Abschlussrunde
      gemacht werden, damit die TN ihre Eindrücke, Antworten,
      Stimmungen austauschen können.
      (Diese Übung kann auch mit einem ähnlich gestalteten
      Gang durch den Wald modifiziert werden. Zum Abschluss
      treffen sich alle TN zu einem Lagerfeuer.)

30’   Symbol für den Hl. Geist: WIND und STURM.
      Für diese kurze Übung nach draussen stehen, Augen
      schliessen und den Wind auf der Haut spüren. Erfahrung:
      Bewusst den Windhauch wahrnehmen.
      - alle gehen zusammen nach draussen
      - jeder sucht sich einen Platz, so dass er sich mit
      gestreckten Armen drehen kann, ohne jemand anderen zu
      berühren.
      - sich nun so stellen, dass einem der Wind ins Gesicht bläst
      - kurze Stille zum spüren
      - dann dazu Fragen stellen: Was erfrischt mein Leben? Gab
      es bewegende Zeiten in meinem Leben? Was in meinem
      Leben sollte ich einmal richtig durchpusten oder auslüften?
      - kurze Stille
      - jeder FK soll solange noch stehen bleiben, wie es ihm gut
      tut und kommt danach in Ruhe in die Gruppe zurück.
      - die schon zurück sind beginnen auszutauschen über ihre
      Erfahrungen, ihre Gedanken und Antworten zu den Fragen.

5’    Bitte vervollständigt diesen Satz zum Abschluss: „Der Karten mit unvoll-
      Geist Gottes wirkt auf verschiedene Weise und mit ständigem Satz.
      verschiedenen Zeichen. Der Geist Gottes ist in meinem
      Leben spürbar, wenn…“

10’   Blitzlicht/ abschliessendes Gebet.                             Gebet
Das Pfingstereignis


 ?!
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel
her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie
waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ
sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu
reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen
Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz
bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und
sagten: Sind das nicht alles Gaiiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner
Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und
Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und
dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten,
Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. Alle gerieten
außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten? Andere aber
spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.
…und es blieb alles beim Alten


    ?!
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Sie freuten sich, beieinander
zu sein. Am Himmel regte sich kein Lüftchen! So kam es, dass sie friedlich unter sich blieben. Es
störte sie keiner - wer sollte sie auch schon stören? Sie frischten Erinnerungen an Jesus auf; sie
erzählten sich dies und jenes - und das konnten sie in ihrer eigenen Sprache. Die Fenster öffneten
sie nur gelegentlich, um ein wenig zu lüften. In den Straßen um ihr Haus herum tummelten sich an
diesem Tag Leute aus aller Herren Länder: Parther, Meder, Elamiter, Bewohner von Mesopotamien,
Kappadozier - wie gesagt, aus aller Herren Länder. Sie unterhielten sich über vieles, manche auch
über Jesus und seine Anhänger: „Man hört nichts mehr von der Sache. Sie scheint sich erledigt zu
haben!" Dann wechselten sie das Thema und sprachen wieder über die Schriftauslegung von Rabbi
Benjamin am Morgen in der Synagoge. Sie gingen weiter, ohne etwas erlebt zu haben " der
Pfingsttag, ein Tag wie jeder andere!
In der kleinen Gruppe aber hielt Petrus eine Rede: „Liebe Freunde in der Erinnerung an Jesus!
Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt, dass unser Freund Jesus nicht mehr bei uns ist. Von den
Juden haben wir nichts mehr zu befürchten, denn langsam haben sie sich beruhigt. Warum sollten
wir von der Sache wieder anfangen? Wir haben unsere Ruhe. Das ist gut so, das soll so bleiben!
Dann und wann wollen wir uns treffen, um das Andenken an ihn in Ehren zu halten. Im Übrigen soll
alles so bleiben, wie es ist. Das ist für die Beteiligten das Angenehmste. Fremde können in unserer
Gruppe nur stören." Soweit Petrus. Die Jünger trafen sich noch öfters, fingen an, sich zu langweilen -
und die Mittelmäßigkeit erlebte Höhepunkte. Mit den Jahren starben sie. So ging die Sache Jesu zu
Ende. Man redete nicht mehr viel darüber, denn Belanglosigkeiten haben das gleiche Schicksal wie
Eintagsfliegen.



aus: Pfingsten — ein Funke, der überspringt.
 Gebet als Abschluss in der Gruppe


  ?!
Lass mich langsamer gehen, Gott.
Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillwerden meiner Seele,
durch das Ausruhen bei dir.
Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die weite Zeit der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der weiten Berge.
Löse die Anspannung meiner Nerven und Muskeln
durch den leisen Wind, der mir um die Nase weht,
dass er in meine Erinnerungen deinen Geist trägt.
Lass mich die Zauberkraft des Schlafes erkennen, die mich erneuert.
Lehr mich die Kunst des freien Augenblicks.
Lass mich langsamer gehen,
um eine Blume zu sehen,
eine neue Sprache zu finden,
Feuer und Flamme, Wind und Sturm
mehr und mehr zu werden.
Lass mich ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen.
Lass mich langsamer gehen, Gott,
und gib mir den Wunsch,
meine Wurzeln tief in den ewigen Grund
zu senken, damit ich emporwachse
zu meiner wahren Bestimmung.


Gebet aus Südafrika
Anhang:
Geschlechterbewusste Firmvorbereitung
Junge Frauen und Männer im Firmweg


Der geschlechterbewussten kirchlichen Jugendarbeit ist es wichtig, ein
Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ein differenzierter Blick auf Jugendliche
als Mädchen und Jungen notwendig ist, weil die Lebenswirklichkeiten und
Lebenssituationen von Mädchen und Jungen sich nach wie vor unterscheiden.


Nicht nur in der kirchlichen Jugendarbeit, sondern auch beim Firmweg bietet
es sich an, Mädchen (und Jungen) Räume zu eröffnen, wo sie unter sich ihre
spezifischen Erfahrungen austauschen und Erlebnisse reflektieren können.


Die Arbeit in geschlechtergetrennten Gruppen ermöglicht es, die implizite
Theologie von Alltagserfahrungen, Alltagsritualen und mädchenspezifischen
Themen zum Ausdruck bringen.
Sie bietet die Chance, dass Mädchen die Erfahrung machen, dass sie es „unter
sich“ gut haben, die Fixierungen auf´s andere Geschlecht wegfallen und
somit Freiräume für den offenen Austausch und für Themen ermöglicht
werden, die in geschlechtergemischen Gruppen nicht möglich sind. Mädchen
erfahren so, dass sie freier über ihre Bedürfnisse, Wünsche,
Lebensvorstellungen und Lebenswelten reden können und mehr „zu sich“
kommen.


In der Mädchenarbeit ist der Blick auf die Lebenssituation der Mädchen/
jungen Frauen fokussiert: sie sollen ihre eigene Lebensperspektive
entwickeln und eigene Lebenswege gehen können, damit sie „ein Leben in
Fülle“ haben, wie es ihnen in der Botschaft Jesu Christi verheissen ist.
Somit kann die geschlechterbewusste Mädchenarbeit als Lernort und Chance
zur Veränderung verstanden werden.
Mädchenarbeit findet aber nicht nur als Arbeit in geschlechterhomogenen
Gruppen statt. Um glaubwürdig zu sein darf sie nicht isoliert stattfinden,
sondern sollte sich als grundlegende Haltung der Geschlechtersensibilität
und -reflektiertheit sowie als Geschlechtergerechtigkeit - im Sinne einer
„Genderkompetenz“ - im ganzen Firmweg deutlich werden. Insofern ist
Mädchenarbeit (und Bubenarbeit) eine Querschnittsaufgabe, die sich durch
den ganzen Firmweg zieht und in jeglichem Reden (integrative Sprache!) und
Handeln mit den Jugendlichen sichtbar wird.
D.h. wichtig ist die persönliche Haltung der Firmbegleitenden: sie sollten ihre
eigenes Selbst- und Fremdbild in Bezug auf das Geschlecht refklektiert
haben und motiviert sein, sich mit der Thematik zu befassen.
Geschlechterbewusstes Arbeiten ist also keine neue Arbeitsform, sondern vor
allem der Diskurs über die beiden Geschlechter und ihr Verhältnis
zueinander.


Den Firmbegleitenden kommt eine wichtige Multiplikatorenfunktion zu:
Wichtig ist, dass sie ihr Arbeiten gerade unter dem geschlechtsreflektierten
Aspekt transparent machen und so für die Firmlinge als impulsgebend
erkennbar sind.


Die vorgelegten Vorschläge sollen helfen, die Firmlinge in ihrem Alltagsleben
anzusprechen, an ihren Lebenssituationen anzuknüpfen, um ihre je
einzigartige Wirklichkeit zur Sprache kommen zu lassen.
Die Arbeitshilfen fördern eine offene Atmosphäre, die von persönlicher
Anteilnahme und emotionaler Betroffenheit geprägt ist und ein lebendiges
Miteinanderlernen möglich machen soll.
Vorschlag 1: Rettet die Gefühle!

Ziel: Eigene Gefühle wahrnehmen und äussern lernen; Gefühlsäusserungen
von anderen entschlüsseln lernen


Vorüberlegungen / Einleitung:
Viele von uns haben gelernt, dass es sich nicht gehört, Gefühle zu zeigen:
„Sei doch keine Heulsuse!“ - „Reiss dich doch zusammen!“ - „Lach nicht so
dreckig!“ - „Wie es in mir aussieht, geht niemanden etwas an!“ …..
Wir leiden an Gefühlskälte, tun uns aber oft schwer, etwas zu verändern.
Gefühle zu formulieren und klar auszudrücken braucht Mut und Übung.


Eine Freundin erzählte: „Meine Eltern haben mich nie umarmt. Als ich mich
endlich traute, meine kranke Mutter vor ihrem Tod in die Arme zu nehmen,
da waren wir beide wie befreit. Warum ging das nicht früher?“ ….



1. Schritt: Keine Angst vor Gefühlen!
Impulstext
Gespräch in Kleingruppen
anschliessend evt. Vertiefung im Plenum                      30-40 Minuten


Austausch im Gespräch
Dieser Text macht in der Regel so betroffen, dass die TN den Wunsch spüren,
über ähnliche Erfahrungen zu sprechen. Bei einer grossen Gruppe fällt das
leichter, wenn sie sich in Kleingruppen aufteilt.
Da es geschehen kann, dass sich die Kleingruppen vom Thema entfernen,
legt es sich nahe, das Thema evt. noch im Plenum zu vertiefen.
Evt. bietet sich auch an, einzelne Gefühle pantomimisch darzustellen.


Mögliche Fragen:
 Was tust du, wenn du dich freust?
 Was tust du, wenn du dich ärgerst? Zuhause, über den Partner, in
  Beruf/Schule?
 Was tust du, wenn du Angst hast? Wo ist es am schwierigsten, Angst
  auszudrücken?
2. Schritt: Ich rede nicht verschlüsselt, ich spreche von meinen
Gefühlen
Zugang finden zu den eigenen Emotionen und sie auszudrücken lernen
Üben mit dem Arbeitspapier: Einzelarbeit, Dreiergruppen, Plenum
                                                             ca. 45 Minuten


Anleitung:
 Jede TN bekommt zunächst nur die linke Hälfte mit den verschlüsselten
  Aussagen und kreuzt an, welche sie von sich oder anderen kennt.
 In Dreiergruppen überlegen die TN, welche Wirkungen die Aussagen haben
  und welche Emotionen sich dahinter verbergen. Anschliessend suchen sie
  Formulierungen, die das, was gemeint ist, deutlicher zum Ausdruck
  bringen.
 Im Plenum werden die rechten Blatthälften mit den direkten Aussagen
  verteilt. Die TN lesen den Text laut vor und vergleichen ihre erarbeiteten
  Formulierungen mit den Aussagen des Arbeitsblattes.
 Die TN überprüfen, wie die Aussagen auf sie wirken und ergänzen, wie sie
  es sagen würden.


Hinweis:
Die TN finden wahrscheinlich schnell heraus, dass sie Aussagen klarer sind
und weniger Druck ausüben, wenn es „Ich“-Aussagen sind. Allerdings kann
sich zeigen, dass Ängste da sind, so klar über die eigene Person zu sprechen:
„Ich kann doch nicht sagen, dass ich mich so schlecht fühle - was denken da
die anderen??“ Ermutigen Sie die TN, ihre Ängste und Befürchtungen laut
auszusprechen und zu überlegen, was passieren kann, wenn ich zugebe,
dass ich nicht „perfekt“ bin, dass ich verletzlich bin….
 Wenn ich verstanden werden will, spreche ich am besten von mir und nicht
  über andere(s)!
 Vor allem wenn mir etwas nicht passt, ist es wichtig, dass ich meine
  Empfindungen genau ausdrücke und nicht andere beschuldige.
 Gefühle lassen sich leicht hinter „du“, „wir“ oder „man“ Formulierungen
  verstecken.


Abschluss: Gefühle annehmen und lieben
Gedicht „Ein Gefühl ist wie ein Kind“ von Jörg Zink                3 Minuten


Gedicht verteilen und vorlesen
Rettet die Gefühle

Nina muss morgen ins Examen, fünf Stunden Klausur. Sie wird durchfallen,
das hat sie schon angekündigt. „Die Kleinste bin ich sowieso.“
„Das heisst nichts.“ „Das heisst nichts?“ sagt Nina düster. „Und dass ich die
Drittjüngste bin, heisst nichts? Und dass der Gorres gesagt hat, meine
dauernde Fragerei mache ihn noch wahnsinnig?“ Nina packt begierig jeden
Hinweis vom Wegesrand auf, der das kommende Unheil bestätigt. Sie wird in
die Prüfung gehen, tapfer bis zuletzt, und wir werden schon sehen.
Um neun muss sie da sein. Schonende Vorbereitung ist wichtig. Schlaf, keine
Hast, heiteres Klima. Sie schiebt einen Löffel Müsli zwischen spitze Zähne.
Möglichst wenig reden, sage ich mir: Sagt man das Falsche, wird sie sofort in
hundert Stücke springen. Völliges Schweigen ist ebenso falsch, es irritiert
und ängstigt.
„Papa drückt dir den Daumen“, sage ich.
„Ich bin satt.“ Sie steht auf. „Gib die Banane her, sonst nichts.“
„Das Auto ist vollgetankt.“
Sie hängt den Schal um, knotet ihn, macht auf knotet wieder, wirft ihn weg.
Sie nimmt einen Schluck Kaffee aus meiner Tasse. „Mir ist schlecht“, sagt sie.
„Soll ich dich hinbringen?“
Sie zieht sich vor dem Flurspiegel die Lippen nach. „Wenn ich verunglücke,
brauch ich nicht rein. Nein, ich fahre.“
„Hast du alles? Keine Angst, du schaffst es.“
Blick des Lammes, das zur Schlachtbank geführt wird. Nina mimmt die
Tasche, die Autoschlüssel.
„Mach´s gut.“
Sie lässt den Motor an. Ich winke.
Mach´s gut. Papa drückt den Daumen. Du schaffst es. Lauter passende Sätze
in einer Welt der Examenspapiere und Intelligenzquotienten, des Wohlstands
und Wachstums, wo jeder stramm arbeiten muss, um seinen Platz zu
behaupten. Fällt mir nichts anderes ein, als in den Chor der Tüchtigkeit
einzufallen? Warum lasse ich sie nicht spüren, dass Examen auf dieser Welt
zwar wichtig sind, aber nicht der einzige Massstab, an dem man Menschen
misst? Warum gebe ich ihr nicht das Gefühl, dass sie zurückkommen und
losheulen kann, oder dass sie den Leuten namens Familie um den Hals fallen
darf, ohne dass sie verstört zurückweichen?
Wie ist es mit uns selbst: Wagen wir vor anderen in Tränen auszubrechen,
wenn man im Fernsehen schreiende Menschen auf der Flucht zeigt, tanzen
wir im Zimmer herum, wenn unser Kind Geburtstag hat, jubeln wir laut, wenn
Weihnachten ist oder Ostern, machen wir Lärm und Musik und ein herrliches
Essen?
Wenn wir unsere Gefühle nur fein gefiltert ahnen lassen, wo bleiben sie denn?
Wir schlucken sie herunter, und das bekommt weder uns selbst gut noch den
anderen Menschen, denn wie sollen sie erkennen, dass wir glücklich sind,
traurig, dankbar, ängstlich, erwartungsvoll, verzweifelt oder fröhlich?
Nina ahnt nicht, dass mein Herz den ganzen Vormittag bei ihr ist. Sie hat
bloss Ratschläge und verlegene Wendungen gehört. Ich habe nicht das
Einfache getan, das einzig Richtige, ich habe sie nicht umarmt.


                                                 Rosemarie Harbert
Keine Angst vor Gefühlen

Gefühle äussern in verschlüsselten     Gefühle äussern in direkten
Aussagen                               Aussagen


1. Du hast ja schon wieder keine       Ich bin dir nicht wichtig! Ich fühle
Zeit!                                  mich vernachlässigt, alleine
                                       gelassen!
                                       a
                                       l
2. Wen interessiert schon, was ich     Ich fühle mich nicht ernst
denke!                                 genommen.



3. Das kriege ich sowieso nicht hin!   Ich bin so traurig, dass ich nicht
                                       kann, was andere können.
                                       Ich fühle mich so klein dabei.


4. Die Schule ist richtig doof! /      Ich fühle mich ungerecht behandelt
Mein Chef ist total blöd!              / überfordert / gedemütigt.




5. Ich bin ja doch nur das fünfte      Ich fühle mich ausgeschlossen /
Rad am Wagen!                          überflüssig / ausgenutzt.



6. Caecilia hat schon wieder eine      Ich komme immer zu kurz.
neue Jacke!



7. Du nervst. Kannst du mich nicht     Es ärgert mich, dass du störst. Ich
mal 10 Minuten in Ruhe lassen?         brauche jetzt 10 Minuten Ruhe.



8. Das kann man doch nicht             Ich will mich nicht unanständig
machen!                                /ungerecht / unehrlich verhalten.
Ein Gefühl ist wie ein Kind

Ein Gefühl ist wie ein Kind,
das in uns lebt und weint und lacht,
Hunger hat und bemerkt sein will.
Wer zu seinem Gefühl zu oft sagt:
sei still,
ich habe jetzt keine Zeit für dich -
dessen inneres Kind sitzt eines Tages
in einer vergessenen Ecke und trauert,
wird krank und verkümmert.


Mit Gefühlen muss man umgehen,
wie man mit einem Kind umgeht.
Man sieht ihm freundlich zu und aufmerksam.
Man hört, was es klagt,
man leidet mit ihm, wenn es leidet;
denn Gefühle sind die lebendigsten Kräfte in uns,
und keine andere Kraft
bringt so Lebendiges hervor.


Ein Kind hat auch Wünsche,
berechtigte, gute, schöne,
die nicht zu erfüllen sind;
dann nehmen wir es auf den Arm
und sind mit ihm traurig.


Aber wir schicken es nicht weg.
Ein Kind kann verstehen,
dass es nicht alles haben kann.


Aber lieben muss man es,
ihm Mut geben und Fröhlichkeit,
und Raum seine Kräfte zu regen.


                          Jörg Zink
Vorschlag 2: Meine Familie

Ziel: Mehr Klarheit gewinnen: Was bedeutet mir meine Familie?


Vorüberlegungen:
Familie in der Krise! Wir hören es täglich: Die Geburtenrate ist erschreckend
niedrig. Viele Kinder wachsen ohne Geschwister auf. Der Anteil der sog.
„Normalfamilien“ (Vater, Mutter, Kind(er)) sank in zwanzig Jahren von ca. 80
auf ca. 40 %. Familien können auch Orte von psychischer und körperlicher
Gewalt sein.
Für die persönliche Bewältigung des Familienalltags ist es sinnvoll, das
Thema „Familie“ ganz persönlich anzugehen - jenseits von Statistiken und
wissenschaftlichen Theorien.
Die Firmlinge sind aufgrund ihres Alters dabei, sich von ihrer Familie zu
distanzieren, je nach schulischer/beruflicher Situation sogar räumlich.
Die Eltern-Kind-Beziehung wird neu definiert. Die Jugendlichen sind so in der
Lage, die Situation in ihrer Herkunftsfamilie zu reflektieren und daraus
Konsequenzen für ihre eigenen Lebensentwürfe zu ziehen.


Einstieg zum Gespräch:
 Ausgelegte Fotos zum Thema. Oder
 Mit Spielfiguren in verschiedenen Grössen und Farben (Schach, Eile-mit
  Weile…), mit Bauklötzchen, Steinen, Muscheln etc. baut jede TN ihre
  eigene Familie. Oder
 Jede sammelt, was ihr zu Familie einfällt:
  F este feiern
  A rbeit
  M utter sein
  I mmer zur Verfügung
  L iebe
  I ….
  E ….




                                                                                49
1. Schritt: Meine Familie
Arbeitsblatt für Einzelarbeit                                     10 Minuten
Austausch in Plenum oder Kleingruppe                          30-60 Minuten


Anleitung:
 Die Blätter werden verteilt. Die TN kreuzen schweigend an, was ihnen
  einfällt, wenn sie an ihre eigene Familie denken. Evt. betonen: es geht
  nicht allgemein um „Familie heute“, sondern um die eigene Familie, wie sie
  erlebt wird.
 Anschliessend kann jede TN - aber keine muss! - über ihre persönlichen
  Aussagen sprechen. Falls die Gruppe für einen persönlichen Austausch zu
  gross scheint, legt sich die Aufteilung in Kleingruppen nahe.


Hinweis:
Es ist besser, nicht zu lange über denselben Begriff zu sprechen. Wichtig für
die Gesprächsatmosphäre ist, dass Aussagen und Gefühle (auch negative
Erfahrungen von TN) ernst genommen werden. Es kann sein, dass manche TN
bei sehr negativen Aussagen harmonisierend ode verharmlosend eingreifen.
Dann besteht die Gefahr, dass einzelne nicht dazu kommen, über ihre
Schwierigkeiten in der Familie zu reden.
Wenn zu viel über das Wunschbild, die Traumfamilie gesprochen wird, ist es
gut, die „rauhe Wirklichkeit“ anzusprechen, weil sonst leicht bei anderen
Blockaden entstehen („die anderen haben eine Idealfamilie, nur ich nicht!“).
Ebenso unrealistisch ist es, wenn nur über negative Erfahrungen in der
Familie gesprochen wird. Wenn es den TN nicht selbst gelingt, sollte die
Gesprächsleitung nach einiger Zeit die Balance zum Negativbild
wiederherstellen. Sie kann das tun, indem sie nach positiven Auswirkungen
fragt (z.B. nach Reifungsprozessen durch Wachsen an Schwierigkeiten).




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Meine Familie

Mir fällt ein, wenn ich an meine Familie denke….


Warmes Nest
Gefängnis
Oase
Stufe zum Erfolg
Lebenselixier
Selbsthilfegruppe
wichtige Nebensache
goldener Käfig
Selbstbedienungsladen
Durchgangsstadium
Reiseveranstalter
Wiederaufbereitungsanlage
Notnagel
Tischgemeinschaft
Spiel und Spass
Klotz am Bein
ein Ort, wo ich müde sein darf
Dauerstress
einsame Insel
Hausorchester
grenzenloses Vertrauen
Pflichterfüllung
Kuschelecke
Hotelbetrieb
Hängematte
Leistung
Ort der Begegnung
Stundenplan
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Fernsehen
Leidensgemeinschaft
Rückzugsort
Scheidung
Nachhilfeunterricht
Tankstelle
Kampfarena
Ort der Selbstfindung
Druck
Schuttabladeplatz
Rückhalt
Übungsfeld
wohlige Geborgenheit
Theater
Dienst rund um die Uhr
Freundeskreis
Fluchtburg
Weggemeinschaft
Netz beim Balanceakt
reinstes Durcheinander
Wechselbad
erfrischender Regen
Seilschaft
Kummerkasten
der einzige Ort, wo ich mich wohlfühle
…………….
Schatz




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2. Schritt: Familie ist kein Zustand, sondern eine gemeinsame
Wegstrecke
Bildbetrachtung im Plenum
bzw. Phantasiereise                                              10-30 Minuten


Anleitung:
Jede TN erhält eine Kopie des Familienfotos
In einer kurzen Stille lassen die TN das Bild auf sich wirken und fragen sich,
ob Familie auch für sie so etwas wie das Zurücklegen einer gemeinsamen
Wegstrecke ist.
Die TN vergleichen die Erfahrungen einer Weggemeinschaft mit denen in
ihrer Familie.


Überlegungen zum Foto:
Die Eltern haben die erste Familienphase mit den Babys und Kleinkindern
schon hinter sich.
 Damals waren die Eltern stark gefordert, mussten viel geben an Zeit,
  Aufmerksamkeit und Liebe.
 Die Kinder machten lebenswichtige Erfahrungen: eine Hand, die hält, wenn
  sie fallen, bedingungslose Liebe, Freude, Rücksicht auf Müde und
  Schwache, Angenommensein ohne Leistung bringen zu müssen, ……..
 Aber auch Eltern bekommen viel von den Kindern: z.B. können sie wieder
  das Staunen über Blumen oder Schmetterlinge am Wegesrand lernen.
Auf unserem Foto ist die Familie schon eine länger Wegstrecke gegangen, es
ist die Phase mit heranwachsenden Kindern.
 Eltern lernen noch stärker loszulassen, damit die Kinder immer mehr
  eigene Erfahrungen machen können.
 Kinder machen Umwege, sind ausser Sicht, evt. nahe am Abgrund.
 Vielleicht setzten sie sich an den Wegesrand, wollen nicht mehr
  gemeinsam weitergehen.
 Manchmal wird gestritten über den richtigen Weg, auch unter den Eltern.
 Dann schweigen sich alle eine Zeitlang an, verlieren sich vielleicht aus den
  Augen, finden sich wieder, verlieren sich vielleicht erneut.
Und nun stellen wir uns vor, wie die Wegstrecke ausseiht, wenn die Kinder
erwachsen sind:
 An Kreuzungen trennen sich die Wege.
 Es gibt Schwierigkeiten, die nächsten Ziele der anderen zu akzeptieren.

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 Alle sind reifer geworden, so dass sie den anderen eigene Entscheidungen
  zubilligen können.
 Ab und zu trifft man sich an einem Rast- oder Aussichtspunkt, tauscht
  Erfahrungen aus über neue Horizonte, die sich aufgetan haben. Geben und
  Nehmen ist jetzt ausgewogener.
 Irgendwann, wenn man nicht recht weiter kann, kommen die anderen zu
  Hilfe.
 Vielleicht sieht man sich erst wieder, wenn man von verschiedenen
  Berggipfeln einander zuwinkt.
 Familie kann eine Chance sein, wenn wir uns auf den Weg machen, wenn
  wir uns auf den Prozess einlassen, denn der Weg (z.B. das Reiferwerden)
  ist das Ziel.


Hinweis zur Phantasiereise:
Wenn nur noch wenig Zeit zur Verfügung ist oder eine Bildbetrachtung nicht
geeignet erscheint, lassen sich die obigen Überlegungen auch langsam
gelesen (Zeit zum Mitdenken und Nachfühlen lassen!) und leicht modifiziert
auch als Grundlage für eine Phantasiereise benutzen.
Dazu zunächst darauf hinweisen, dass sich die TN bequem hinsetzen (oder
legen) sollen. Einladen, die Augen zu schliessen, den Atem ein paar Züge
lang ruhig beobachten und dann vor dem inneren Auge das Bild von der
eigenen Familie entstehen lassen, als die Kinder noch klein waren. Die
Familie geht gemeinsam einen bequemen Weg irgendwo in den Bergen…..


Wichtig ist der abschliessende Schlusssatz:
 Familie kann eine Chance sein, wenn wir uns auf den Weg machen, wenn
  wir uns auf den Prozess einlassen, denn der Weg (z.B. das Reiferwerden)
  ist das Ziel.




Quelle: Holle Schneider, Anstösse für lebendige Gespräche in Frauengruppen.
Düsseldorf 51995.



                                                                             54

				
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posted:3/7/2012
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