Badewannenlifter: Sinnvolles Hilfsmittel trotz Sicherheitsrisiken? by 24Tz4B9

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									Badewannenlifter: Sinnvolles Hilfsmittel trotz Sicherheitsrisiken?



Badewannenlifter: Sinnvolles Hilfsmittel trotz Sicherheitsrisiken?
Tipps von Bettina Albers und Wolfram Hell / DIAS GmbH

Badewannenlifter sind in die Kritik geraten. Stiftung Warentest hat acht Geräte
geprüft und alle wiesen gravierende Mängel auf (siehe Zeitschrift „Test“,
Februar 1996). Für die mit Wasserdruck betriebenen Badewannenlifter stellt
sich sogar die Frage, ob sie, so wie bisher an das Trinkwassernetz
angeschlossen, überhaupt noch benutzt werden dürfen. Im Folgenden wollen
wir dieser aktuellen Thematik nachgehen und außerdem darstellen, wann und
für wen Badewannenlifter ein geeignetes Hilfsmittel sein können und mit
welchen Risiken ihr Einsatz verbunden sein kann.
In Teil 1 werden zunächst die allgemeinen Voraussetzungen und
Einsatzmöglichkeiten von Badewannenliftern beschrieben, sowie die
möglichen Alternativen zum Einsatz eines Badewannenlifters. Teil 2 hat dann
die Testergebnisse, die Sicherheitsrisiken und die daraus resultierenden
Folgen zum Gegenstand.



1. Teil:

1. Voraussetzungen und Einsatzmöglichkeiten von Badewannenliftern
Badewannenlifter sind ein häufig eingesetztes Hilfsmittel für behinderte und
altersgebrechliche Menschen. Sie sollen diesen Menschen ein Vollbad in der Wanne
ermöglichen oder erleichtern. Ein Badewannenlifter dient dazu, eine Person
aufzunehmen, zu tragen, innerhalb der Wanne abzusenken und mindestens bis zum
Wannenrand wieder anzuheben. In der Praxis werden die Lifter einerseits von den
behinderten und älteren Menschen, sofern dies möglich ist, im eigenen Bad
selbständig benutzt, sowie andererseits auch von Angehörigen und professionellen
Pflegekräften zur Unterstützung bei der Pflege eingesetzt.

Auf dem Markt sind eine Reihe unterschiedlicher Produkte erhältlich, die sich neben
anderen Ausstattungsmerkmalen insbesondere durch ihre Antriebsart unterscheiden.
Am häufigsten kommen Badewannenlifter zum Einsatz, die mit Wasserdruck
betrieben werden, gefolgt von mechanisch oder elektrisch betriebenen Geräten.
Meist verfügen die Geräte über einen Sitz mit fest angearbeiteter oder aufsteckbarer
Rückenlehne oder über eine durchgehende Liegefläche.

Im allgemeinen erfolgt die Hebe- und Senkbewegung der Badewannenlifter nur
innerhalb der Badewanne, was zur Folge hat, dass das Übersetzen auf den Sitz des
Lifters für den Benutzer und gegebenenfalls auch für die Pflegekraft mit
Schwierigkeiten verbunden sein kann. Es gibt jedoch auch Geräte, bei denen der
Sitz von außen über den Badewannenrand hinweg geschwenkt und in der Wanne
abgesenkt werden kann.


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Die Bedienung von fremdenergiebetriebenen Liftern, d.h. das Heben und Senken
erfolgt in der Regel über schaltende Bedienelemente, wobei die Geschwindigkeit
meist erheblich vom Körpergewicht der Nutzer, dem Wasserdruck oder ggf. dem
Ladezustand des Akkus beeinflusst wird. Die Badewannenlifter sind je nach Modell
mit unterschiedlichen Bedienelementen, wie Handhebel, Handkurbel, Fingerhebel
oder Druckknöpfen ausgestattet.

1.1 Benutzer von Badewannenliftern
Der Hauptzweck eines Badewannenlifters besteht darin, die mit dem Ausfall bzw. der
Beeinträchtigung von Körperfunktionen einhergehenden Einschränkungen im
Bereich der Körperreinigung zu kompensieren.
Badewannenlifter sollen all jenen Menschen dienen, die aufgrund von Behinderung,
Krankheit oder Alter nicht mehr in der Lage sind, ohne Hilfe eine Badewanne zu
benutzen. Zu unterscheiden ist dabei zwischen jenen Personengruppen, die in der
Lage sind, den Badewannenlifter selbständig zu benutzen und solchen, die bei der
Nutzung des Lifters auf eine helfende Person (Angehörige oder Pflegepersonal)
angewiesen sind.

Allgemein sind Badewannenlifter geeignet für Personen mit Einschränkungen der
unteren Extremitäten, Beinamputierte, Personen mit halbseitiger- oder
Querschnittslähmung, sowie für ältere Menschen, die unter Multimorbidität leiden.
Des weiteren können Badewannenlifter eingesetzt werden bei Multipler Sklerose,
Muskelkrankheiten, Cerebralparese und ähnlichen Krankheiten, sofern diese nicht zu
weit fortgeschritten sind.

Für den selbständigen Gebrauch eines Badewannenlifters muss der Nutzer über
gewisse körperliche Fähigkeiten, insbesondere über einen ausreichenden
Gleichgewichtssinn verfügen. Für Rollstuhlfahrer ist das Übersetzen vom Rollstuhl
auf den Lifter generell selbständig möglich, wenn der Nutzer im Oberkörperbereich
und in den Armen über ausreichende Kräfte verfügt. Personen mit halbseitiger
Lähmung können hier jedoch erhebliche Schwierigkeiten haben, so dass für sie die
Nutzung eines Badewannenlifters nur mit Unterstützung durch eine Pflegeperson
möglich ist. Personen, die sich mit Gehhilfen noch fortbewegen können, sind oftmals
auch in der Lage, einen Badewannenlifter selbständig zu benutzen. Zu beachten ist
auch, dass die auf dem Lifter sitzende Person selbst für die Stabilisierung ihrer Lage,
auch während des Hebe- und Senkvorganges sorgen muss, da seitliche
Abstützungen, wie beispielsweise Armlehnen in der Regel nicht vorhanden sind.

Für die sinnvolle Verwendung eines Badewannenlifters ist nicht nur die Art und die
Schwere einer Behinderung zu berücksichtigen, sondern auch die persönlichen
Lebensumstände des Nutzers spielen eine wichtige Rolle. Zu beachten ist dabei die
Ausstattung des Bades, die Zugänglichkeit zur Badewanne, die An- oder
Abwesenheit von Angehörigen oder Helfern, sowie die psycho-soziale Befindlichkeit
des Betroffenen.



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1.2 Technische Voraussetzungen
Allgemein sind die auf dem Markt erhältlichen Badewannenlifter für die Anwendung
in einem durchschnittlichen Privathaushalts-Bad ausgerichtet. Doch für den
erfolgreichen Einsatz eines Badewannenlifters ist neben den schon genannten
Aspekten noch auf weitere Rahmenbedingungen zu achten, die erfüllt werden
müssen.

Zunächst ist die räumliche Beschaffenheit des Badezimmers von Bedeutung. Dabei
spielt die Größe des Badezimmers und der Zugang zur Badewanne, sowie deren
Größe und Form eine wichtige Rolle. So benötigen Rollstuhlfahrer beispielsweise
ausreichenden Platz, um mit ihrem Rollstuhl rangieren und an den Badewannenrand
parallel heranfahren zu können.

Da es keine Norm-Badewanne gibt und auf dem deutschen Markt Hunderte von
verschiedenen Badewannen-Modellen verkauft werden und außerdem vielfach noch
ältere Badeinrichtungen vorhanden sind, die sich etlichen Details von den heute
verwendeten Einrichtungen unterscheiden, muss besonders darauf geachtet werden,
dass der Badewannenlifter und die vorhandene Badewanne technisch kompatibel
sind. Die Badewanne muss hinsichtlich ihrer Maße und Form so beschaffen sein,
dass der Lifter je nach Bauart in oder auf ihr sicher befestigt werden kann, so dass
bei der Benutzung ein sicherer Halt des Gerätes gewährleistet ist. Der Hubbereich
des Lifters sollte für die gegebene Tiefe der Wanne ausreichend sein. Wenn der
Lifter über Seitenklappen verfügt, sollte das Außenmaß der Badewanne nicht größer
sein, als das Breitenmaß des Lifters bei ausgebreiteten Seitenklappen, um eine
sichere und tragfähige Randauflage zu gewährleisten. Insbesondere ältere
Badewannen, sowie Pflege- und Therapiewannen in Heimen und Kliniken erfüllen
die genannten Bedingungen zum Teil nicht. Wannen mit Innengriffen, Wannen mit
gekurvten Längsrändern, sowie Oval- und Eck-Badewannen sind in der Regel für
den Einsatz eines Badewannenlifters nicht geeignet. Probleme können auch bei
Wannen mit speziellen Maßen und Ausformungen, wie beispielsweise
Sitzbadewannen oder Wassersparwannen auftreten.

Für die mit Wasserdruck betriebenen Lifter muss eine geeignete
Anschlussmöglichkeit vorhanden sein. Die bisher gängige Praxis einer
Selbstmontage des Lifters, meist am Duschausgang der Mischbatterie ist wegen
einer möglichen Gefährdung der Trinkwasserhygiene in die Kritik geraten, so dass
der Anschluss an einen separaten Kaltwasserhahn gefordert wird (siehe die
Ausführungen im zweiten Teil). Besondere Vorsicht ist bei Warmwasserboilern
geboten. Ein mit Wasserdruck betriebener Badewannenlifter darf auf keinen Fall an
offene, drucklose Warmwassererzeuger angeschlossen werden. Der Wasserdruck,
der bei Belastung in den Zylindern oder Hubbälgen des Lifters entsteht, kann die
nicht für Druckbelastungen vorgesehenen Boiler und Leitungen zum Platzen bringen!

Weiterhin ist der vorhandene Netzwasserdruck zu beachten. Insbesondere in den
oberen Stockwerken von mehrstöckigen Gebäuden kann der Wasserdruck so niedrig



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sein, dass der Lifter nicht benutzbar ist. Zu knapp bemessene oder gar verkalkte
Leitungen können dazu führen, dass der Hebevorgang länger dauert.
Die zum Betrieb erforderlichen und zulässigen Druckwerte sind je nach Produkt sehr
unterschiedlich. Einige Lifter haben einen zulässigen Höchstwasserdruck, der bei
anderen Liftern als Mindest-Druck für den Betrieb angegeben wird. Insgesamt liegen
die Druckwerte für die Lifterantriebe zwischen 0,5 und 6 bar.

2. Alternativen zum Einsatz eines Badewannenlifters
Insgesamt sollte man sich darüber im Klaren sein, dass ein Badewannenlifter eine
Kompromisstechnik darstellt. Durch den Einsatz eines Badewannenlifters wird
versucht, eine für behinderte Menschen baulich-technisch eigentlich nicht geeignete
Einrichtung (die Badewanne) durch Adaptionen weiterhin nutzbar zu halten, statt
andere, geeignetere Hilfsmittel zur Körperreinigung einzusetzen. Zu bedenken ist, ob
der Vorteil, weiterhin die Badewanne benutzen zu können, die Nachteile überwiegt,
die mit dem Einsatz eines Badewannenlifters verbunden sind. Zu berücksichtigen ist
dabei der mit dem Lifter verbundene Handlungsaufwand, d.h. das Anschließen,
Herausnehmen, Transportieren und Reinigen des Gerätes, wobei der Aufwand in
Bezug auf Größe und Gewicht des Gerätes zunächst oft unterschätzt wird.

Gründe für den hohen Verbreitungsgrad von Badewannenliftern sind einerseits die
Unkenntnis der Verbraucher über alternative technische Möglichkeiten und
andererseits die gängige Versorgungspraxis. Da die Kostenträger (z.B. die
Krankenkassen) im allgemeinen nicht zwischen einfacheren Hilfsmitteln zur
Badewannenbenutzung und den teureren Badewannenliftern differenzieren, haben
die Leistungsempfänger oftmals das Interesse, einen vermeintlich besseren (weil
teureren) Badewannenlifter verschrieben zu bekommen. Zudem können nach den
Bestimmungen der Gesetzlichen Krankenkassen nur solche Hilfsmittel verschrieben
werden, die nicht fest mit dem Baukörper verbunden sind.

Normalerweise kann sich der menschliche Körper beim Baden in der voll gefüllten
Wanne bis zu den Schultern im Wasser befinden. Bei Benutzung eines
Badewannenlifters ist das in der Regel nicht mehr möglich. Dies wird zum einen
durch den Unterbau mit dem Hubantrieb und zum anderen durch die Rücklehne, die
mehr oder weniger vollständig den Raum des Wannen-Kopfendes beansprucht,
bedingt. Der Körper wird von diesen Geräteteilen in höherer Lage und weiter vorn
gehalten, so dass mehr oder weniger eine Sitz- oder Hockhaltung eingenommen
wird, in der sich der größte Teil des Oberkörpers außerhalb des Wassers befindet.
Eine insgesamt angespanntere Körperhaltung kann die Folge sein, so dass bei der
Benutzung eines Badewannenlifters ein wirkliches Badevergnügen nicht garantiert
werden kann. Vor diesem Hintergrund gewinnen Überlegungen zur Nutzung von
Alternativen gegenüber dem Liftereinsatz an Gewicht.

Es stellt sich die Frage, ob nicht andere Hilfsmittel und bauliche Maßnahmen mehr
zur Badewannenbenutzung beitragen können als Badewannenlifter. Für weniger
beeinträchtigte Personen sind einfachere Hilfsmittel oftmals besser geeignet. So
können z.B. aufgesetzte Badewannengriffe eine sinnvolle Hilfe sein. Griffleitern, die

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an die Decke oder die Wand montierbar sind, können für Rollstuhlfahrer das Ein-
und Aussteigen aus der Wanne erleichtern und sicherer machen. Auch festmontierte
Haltegriffe, die in vielen Varianten erhältlich sind, können zusätzliche Sicherheit
bieten.

In Expertenkreisen besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass beim Vorliegen von
Behinderungen und altersbedingter Multimorbidität eine Duschanlage ohne
Duschwanne einer Badewanne vorzuziehen ist. Es ist daher eigentlich sinnvoll, beim
Eintritt einer Behinderung die Badewanne durch ein behindertengerechtes Duschbad
zu ersetzen. Dies geschieht in der Praxis bisher aber eher selten. Ein Grund hierfür
ist, dass eine Kostenübernahme für den Umbau des Badezimmers durch die
Gesetzlichen Krankenkassen nicht möglich ist. Allerdings ist im Rahmen der
Pflegeversicherung eine Beteiligung an Maßnahmen zur Wohnraumanpassung unter
bestimmten Umständen bis 5000,-DM möglich. Zudem lehnen ältere Personen
Umbaumaßnahmen häufig ab. Oftmals ist der Austausch der Badewanne gegen
eine behindertengerechte Dusche auch aus Rücksicht auf die anderen
Familienangehörigen und Lebenspartner nicht erwünscht. Hinzu kommt noch, dass
in Mietwohnungen rechtliche Probleme und Rückbauverpflichtungen bestehen.




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2. Teil

1. Badewannenlifter im Test
Stiftung Warentest hat acht Badewannenlifter, davon sechs wasserhydraulisch
betriebene Geräte getestet. Der Testbericht wurde in der Zeitschrift „test“, Februar
1996 veröffentlicht. Die Geräte wurden einer Praktischen Prüfung, einer Technischen
Prüfung und einer Sicherheitsprüfung unterzogen. Bei der Praktischen Prüfung
testeten 14 Personen mit unterschiedlichen Mobilitätsbeeinträchtigungen in einer
Rehaklinik, die u.a. Einschränkungen im Beinbereich, Amputationen, Halbseiten-
oder Querschnittslähmung hatten, sowie ältere Personen einer geriatrischen Klinik
die ausgewählten Badewannenlifter. Geprüft wurde die Rutschfestigkeit in der
Badewanne, das Platznehmen auf dem Lifter, der Transfer vom Rollstuhl auf den
Sitz, das Einsetzen und Herausnehmen des Geräts, das Heben und Senken, die
Bedienteile, das Verstellen der Rückenlehne, die Eintauchtiefe und mögliche Klemm-
und Quetschgefahren. Auch die Bedienungsanleitung, die Wartung, das Abnehmen
und Reinigen der Bezüge und der Verfärbungsgrad nach einem Desinfektionsbad
wurden beurteilt.

Bei der Technischen Prüfung wurden jeweils die Verarbeitung des gesamten
Badelifters, die Druckfestigkeit der Schläuche bei einer 10minütigen
Wasserdruckbelastung von 10 bar und das Heben von 75 kg Gewicht bei geringem
Wasserdruck von 2 bar untersucht.
Bei der Sicherheitsprüfung wurde nach DIN 32 979 und beim elektromotorisch
betriebenen Lifter nach VDE geprüft. Außerdem wurde überprüft, ob die
wasserhydraulischen Badewannenlifter der Verordnung über die allgemeinen
Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVB WasserV) entsprechen, sowie
das Einhalten der DIN 1988, Teil 4 aus 12/1988.

Testergebnisse:
Die insgesamt eher schlechten Testergebnisse resultieren vorwiegend aus den
Sicherheitsproblemen, die beim Einsatz eines Badewannenlifters auftreten können.
So zeigten drei Geräte mangelnde Rutschfestigkeit. Vor allem ein- oder beidseitig
beinamputierte Prüfpersonen kamen ins Kippen, weil sich bei einer
Gewichtsverlagerung die Saugfüße in der Wanne lösten. Der Einsatz von
zusätzlichen Höhenadaptern für besonders tiefe Badewannen macht das Baden für
bewegungseingeschränkte Personen im allgemeinen noch kippeliger.

Auch der Einsatz von Drehscheiben, die den Transfer auf den Liftersitz erleichtern
sollen, ist nicht unproblematisch. Bei einer selbständigen Lifternutzung war es den
Testpersonen mit Beineinschränkungen kaum möglich, gleichzeitig die Beine mit
Armunterstützung zu heben und die Drehscheibe zu betätigen. Hier können leicht
Klemm- und Quetschverletzungen auftreten.
Ein Gerät erhielt in der praktischen Prüfung die Note mangelhaft. Der Grund:
Konstruktionsbedingt ist dieser Badewannenlifter besonders gefährlich. Das

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Auslösen des Absenkvorgangs erfordert ein Herumruckeln auf dem Gerät; dies
konnte bis auf die Gruppe der Beinamputierten von keiner Testperson erfolgreich
durchgeführt werden. Beim Hubvorgang ergab sich das gleiche Problem. Besonders
schlimm: Wenn die Rasterung ohne Last ausgelöst wird, was leicht passieren kann,
wenn der Nutzer während des Badens das Gleichgewicht verliert und vom Sitz
rutscht, schnellt der Sitz wie ein Geschoss in die Höhe. Dieses Gerät wurde deshalb
auch als „Patientenschleuder“ bezeichnet. Das Gerät eignet sich deshalb nicht, bzw.
nur sehr eingeschränkt für die selbständige Benutzung und sollte, wenn überhaupt,
nur mit Unterstützung einer Pflegeperson zum Einsatz kommen.

2. Worauf behinderte und ältere Personen besonders achten sollten
Ein Badewannenlifter sollte immer individuell angepasst sein. Generell gilt, dass je
nach Behinderung unterschiedliche Ausstattungsmerkmale des Lifters von
Bedeutung sind, so dass eine pauschale Beurteilung, welches „der“ beste
Badewannenlifter ist, nicht erfolgen kann.

Für ältere Personen mit erhöhtem Sturzrisiko ermöglichen seitliche Übersetzklappen
und eine ausreichend große Sitzfläche ein sicheres Platznehmen auf dem Lifter. Die
Rückenlehne sollte über ein Bedienteil verstellbar sein. Rückenlehnen, die sich beim
Absenken selbständig neigen, sind für ältere Menschen eher nicht geeignet. Die
Bedienteile müssen für sehbehinderte Personen gut zu erkennen und leicht zu
bedienen sein.

Für Personen mit beid- oder halbseitigen Lähmungen sind Badewannenlifter
geeignet, die über Seitenklappen und eine große Sitzfläche verfügen, da diese den
Transfer, insbesondere vom Rollstuhl erleichtern und sicherer machen. Halbseitig
gelähmte Personen benötigen Bedienteile, die sich mit nur einer Hand ohne großen
Kraftaufwand betätigen lassen. Vorteilhaft ist, wenn die Bedienteile flexibel
anzubringen sind, d.h. je nach Bedarf von der rechten oder linken Seite handhabbar
sind. Für Personen mit Druckwunden (Dekubitusneigung) ist eine gepolsterte
Sitzfläche mit runden Kanten und ohne großflächige Aussparungen von Vorteil.
Für beinamputierte Personen ist eine rutschhemmende Sitzoberfläche zu empfehlen.
Personen mit Gelenkversteifungen sollten darauf achten, dass der Badewannenlifter
eine große Eintauchtiefe ermöglicht und die Beinfreiheit ausreichend ist.

3. Gefährden wasserbetriebene Badewannenlifter unser Trinkwasser?
Um die am häufigsten genutzten Badewannenlifter, die mit Wasserdruck betriebenen
Geräte, gibt es nun einigen Ärger. Im Testbericht von Stiftung Warentest heißt es
einleitend: "Dieser Test schlägt Wellen, denn für die von uns geprüften, mit
Wasserdruck betriebenen Badewannenlifter scheint nun der Hahn zugedreht zu
sein: So wie bislang konstruiert und angeschlossen, dürfen sie nicht mehr ans
Trinkwassernetz."
Wir wollen nun die Hintergründe und Folgen des Testberichts ein wenig beleuchten
und haben verschiedene Stellungnahmen zu dem Thema eingeholt.



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Worum es bei dem Streit geht:
Die mit Leitungswasserdruck betriebenen Lifter werden normalerweise an den
Duschausgang der Mischbatterie angeschlossen. Der Sitz wird über Schlauchbälge
oder Hydraulikzylinder zum Wannenrand hochgefahren und, nachdem der Nutzer
auf dem Sitz Platz genommen hat, mit dem Ausströmen des Wassers in die
Badewanne abgesenkt. Die Hersteller dieser Lifter werben im allgemeinen mit
problemloser Selbstmontage an die Wasserarmaturen. Doch genau gegen die
Folgen dieser Praxis protestiert der DVGW (Deutsche Vereinigung des Gas- und
Wasserfaches e.V.). Nach dessen Auffassung entsprechen die mit Wasser
betriebenen Lifter nicht den strengen Vorschriften zum Trinkwasserschutz und
dürften so, wie sie bisher konstruiert und betrieben werden, eigentlich gar nicht mehr
zum Einsatz kommen. Der Vorwurf der Wasserwächter lautet, dass die Konstruktion
und Absicherung der Geräte den anerkannten Regeln der Technik widersprechen,
wie sie in der DIN 1988 und in den Arbeitsblättern des DVGW-Regelwerkes
niedergelegt sind. Demnach müssen wesentliche Veränderungen an der
Trinkwasserinstallation, wozu auch der Anschluss eines Badewannenlifters zählt,
von einem autorisierten Installateur durchgeführt werden. Die übliche Selbstmontage
des Lifters oder der Anschluss durch den Sanitätsfachhandel sei unzulässig.

Der DVGW nennt folgende Gründe für seine Forderungen:
Das Badewasser wird in die höchste Gefahrenklasse eingestuft, da es Erreger
übertragbarer Krankheiten, wie beispielsweise Hepatitisviren oder Salmonellen
enthalten kann. Durch den Betrieb eines wasserhydraulisch betriebenen
Badewannenlifters kann es im schlimmsten Fall zu Verunreinigungen des
Trinkwassers kommen, da diese Geräte nach Auffassung des DVGW keinen
ausreichenden Schutz gegen das Rücksaugen und Rückdrücken des Badewassers
in das Trinkwassernetz bieten.
Zudem meint der DVGW, dass Badewannenlifter, die an den Duschausgang der
Mischbatterie angeschlossen sind, einen Querfluss von Kaltwasser in die
Warmwasserleitung oder umgekehrt verursachen könnten. Die Folgen dieses
Querflusses würden dann auch die Nachbarn zu spüren bekommen.
Aufgrund dieser Gefahren fordert der DVGW eine Neukonstruktion der Geräte und
entsprechende Absicherung durch spezielle Armaturen, sowie den Anschluss der
Lifter an einen separaten Kaltwasserhahn. Nur wenn diese Auflagen erfüllt werden,
könne das DVGW-Prüfzeichen für sicheren Betrieb erteilt werden. Der DVGW will
das TÜV-GS-Zeichen, über das fünf der acht von Stiftung Warentest untersuchten
Badewannenlifter verfügten, so nicht gelten lassen, da kein ausreichender Nachweis
über die Erfüllung der Anforderungen an Sicherheit und Hygiene der
Wasserversorgung erfolgt sei.

Ist das GS-Zeichen ausreichend ?
Dazu ist anzumerken, dass ein Badewannenlifter das TÜV-GS-Zeichen (Geprüfte
Sicherheit) erhält, wenn der Hersteller sein Gerät nach den entsprechenden DIN-
Bestimmungen beim TÜV erfolgreich prüfen lässt.
Die Überprüfung ist freiwillig und gegenüber dem TÜV kostenpflichtig, so dass nicht
jeder auf dem Markt erhältliche Badewannenlifter über das GS-Zeichen verfügt.

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Die Vorwürfe des DVGW sind daher nicht nur gegen die Hersteller, sondern auch
gegen den TÜV gerichtet. Der Vorwurf lautet, dass bei der Vergabe des GS-
Zeichens durch den TÜV die Bestimmungen der DIN 1988 missachtet werden und
die Verbraucher durch die Bedienungsanleitungen (Selbstmontage des Lifters etc.)
zu regelwidrigem Verhalten angeleitet werden.

Stiftung Warentest schreibt dazu: "Alle Hersteller wissen seit Jahren um die
Probleme, sehen sich aber erst jetzt durch unseren Test und vor allem durch den
jüngsten Beschluss des DVGW zum Handeln gezwungen." (test, 2/1996). Stiftung
Warentest konfrontierte die Hersteller der Lifter mit dem DVGW-Beschluss und
erhielt unterschiedliche Reaktionen. So wurde einerseits darauf verwiesen, dass ca.
80 Prozent der Haushalte mit nicht zugelassenen Amarturen ausgestattet seien und
die Gefährdung des Trinkwassers durch eine nicht gesicherte Schlauchbrause viel
höher sei, andererseits, so Warentest, wurde bestätigt, dass Handlungsbedarf
besteht, der eine Neuentwicklung nötig mache, mit der auch bereits ausgelieferte
Lifter nachgerüstet werden können.

4. Dürfen wasserbetriebene Badewannenlifter noch benutzt werden?
Über 300 000 mit Wasserdruck betriebene Badewannenlifter sind in der
Bundesrepublik im Einsatz. Dürfen diese Geräte in Zukunft überhaupt noch genutzt
werden? Nach Meinung des DVGW soll für die bereits im Markt befindlichen Geräte
eine Sonderregelung gelten. Demnach muss der Anschluss von einem
zugelassenen Installateur überprüft werden. Erforderlich sei für diese Geräte eine
Sicherungskombination, bestehend aus Rückflussverhinderer und Rohrbelüfter mit
DVGW-Zeichen. Diese dürfen ausschließlich an die Kaltwasserinstallation
angeschlossen werden, wobei der Kaltwasserhahn mindestens 15 cm über der
Badewanne angebracht sein muss. Nach der Benutzung des Lifters sollte der
Anschluss wieder getrennt werden. Völlig unklar ist zur Zeit jedoch, wer das alles
bezahlen soll.

Unsere Recherchen bei Krankenkassen ergaben, dass auch nach Veröffentlichung
der Testergebnisse die wasserbetriebenen Badewannenlifter weiterhin verschrieben
und von den Kassen erstattet werden. Eine Übernahme des DVGW-Beschlusses
durch die gesetzlichen Krankenversicherungen gibt es bisher nicht. Auch das
Hilfsmittelverzeichnis hilft hier nicht weiter. Grundlage für die Verschreibung ist die
Aufnahme in dieses Verzeichnis. Wie uns die Innungskrankenkasse, zuständig für
die Erstellung des Hilfsmittelverzeichnisses, mitteilte, muss dieses Verzeichnis für
den Bereich der Badehilfen noch aufgebaut werden, wobei dann auch die
entsprechenden Qualitätsstandards festgelegt werden. Hierbei sollen auch die
Testergebnisse von Stiftung Warentest berücksichtigt werden und es wird in diesem
Rahmen dann auch geprüft, inwieweit die Einwände und Forderungen des DVGW
berechtigt sind. Es ist zum momentanen Zeitpunkt noch zu früh, hierüber eine
endgültige Aussage zu machen.

Auch der MDS (Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen),
zuständig für die Qualitätskriterien bei der Aufnahme ins Hilfsmittelverzeichnis,

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bestätigt, dass zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher ist, welche genauen
Auswirkungen der Test und die Forderungen des DVGW bezüglich der
Qualitätsstandards haben werden. Eine Umrüstung der bereits in Betrieb
befindlichen Badewannenlifter wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt vom MDS aber
für unnötig gehalten. Die Gefährdung der Wasserhygiene wird eher als eine
theoretische Gefahr gesehen, da bisher noch kein konkreter Fall von Verschmutzung
nachgewiesen wurde und zudem mehrere Faktoren zusammen kommen und
bestimmte Teile der Lifter gleichzeitig kaputt gehen müssten, damit kontaminiertes
Badewasser in das Trinkwassernetz gelangen kann. Generell gilt, dass Geräte, die
neu auf den Markt kommen, der neuesten Norm entsprechen müssen. Ältere
Geräte, die sich bereits im Einsatz befinden, werden mit Inkrafttreten einer neuen
Norm jedoch nicht vom Markt genommen, da dies aus ökonomischen Gründen
generell nicht machbar ist, so dass man in der Praxis also immer auch mit den
älteren Geräten leben muss. Die Einführung eines weiteren Prüfzeichens, wie vom
DVGW gefordert, wird für unsinnig gehalten.

Herstellerreaktion:
Die Firma Aquatec lässt in einer Stellungnahme verlauten, dass der getestete
Badewannenlifter Aquatec Minor ihrer Meinung nach voll den Normen der DIN 1988
entspreche. Weiter heißt es: "Selbst wenn die Interpretation des DVGW jedoch
richtig wäre, sind die für den Aquatec Minor erhältlichen Sicherungseinrichtungen
nach den vom DVGW herangezogenen Vorschriften bei kurzzeitigem Anschluss
ausreichend; ein Benutzer, der nach dem Gebrauch den Zuleitungsschlauch am
Lifter oder an der Armatur aus der Steckkuppelung löst, befolgt daher in jedem Fall
die einschlägigen Vorschriften. Darüber hinaus ist der DVGW nicht befugt, mit
rechtlich bindender Wirkung Sicherheitsbestimmungen zu erlassen oder zu
interpretieren. ... Noch weniger hat dieser die Kompetenz, ... eine sog.
Sonderregelung für die bisher im Markt befindlichen Geräte zu treffen."

5. Fazit
Festzuhalten bleibt, dass der DVGW-Beschluss für die Verschreibungspraxis der
Krankenkassen bisher ohne Wirkung geblieben ist. Das betrifft auch die bereits im
Einsatz befindlichen Geräte. Eine Kostenerstattung für die vom DVGW geforderte
Nachrüstung wird es von den Krankenkassen nach bisherigem Kenntnisstand nicht
geben. Auch von Seiten der Hersteller sind noch keine konkreten Neuerungen
bekannt.

Es bleibt deshalb abzuwarten, welche Folgen die Testergebnisse von Stiftung
Warentest und der DVGW-Beschluss in Zukunft haben werden, insbesondere
hinsichtlich     der     Qualitätsanforderungen     für     Badewannenlifter    im
Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen. Nach jüngsten Informationen werden
Badewannenlifter in das neue Pflegehilfsmittelverzeichnis nicht mehr aufgenommen.
So berichtet die Zeitschrift MTD (5/1996), dass die Spitzenverbände eine deutliche
Reduzierung hinsichtlich des Umfangs an Hilfsmitteln, die in das
Pflegehilfsmittelverzeichnis aufgenommen werden sollen, beschlossen haben. Von
dieser Reduzierung sind auch die Badewannenlifter betroffen. Erstaunlicherweise

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werden sie von den Spitzenverbänden so beurteilt, dass sie für die Pflege
hilfebedürftiger Menschen nicht unbedingt nötig sind.




Autoren: Diplom-Soziologin Bettina Albers und Diplom-Ingenieur Wolfram Hell sind
Mitarbeiter der D.I.A.S. GmbH Hamburg.
Die D.I.A.S. GmbH nimmt für Krankenkassen, Verbraucherschutzverbände und
Hersteller Hilfsmitteltests und -prüfungen vor und führt Marktanalysen im
Hilfsmittelbereich durch. Dabei arbeitet sie eng mit dem Beratungszentrum
Technische Hilfen für Behinderte in Hamburg zusammen.

Adresse:
D.I.A.S. GmbH
Neuer Pferdemarkt 1
20359 Hamburg
Tel. 040/ 431 875 0
http://www.dias.de




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