Psychologische Interventionen: Beratung, Behandlung, Psychotherapie by HC1203060522

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									     Psychologische Interventionen: Beratung, Behandlung,
                             Psychotherapie (SS 2007)
Psychologische Intervention 19.03.07 - 1.VO
Tutorin: anna.huelsmann@univie.ac.at  Anmeldung WebCT (30.03.07 deadline)

Systematik der Interventionsmethoden

                                         Intervention
                                    n
     psychologische         medikamentöse           chirurgische       physikalische

                                                            inversiv         nicht inversiv
   Klin-psych.      Pädagog.-          Arbeits- u.
                    pscholog.          Organisations-                           (Magnetresonanz)
                                       psychologische                          (Magnetresonanz)

                      Schul,
                      Studienberatun
                      g                Laufbahn


Intra- & Interpersonelle Betrachtungsebene

Intrapersonelles System                                            Interpersonelles System
       mit sich selber umgehen, in Dialog treten, unterhalten      Wie viele Pers. bei psych. I.
 Funktionen                Elementare Funktionen                    Dyode (Klient – Patient)
                           (Wahrnehmung,                            Familie/ Primärgruppe
                           Gedächtnisphänomene,                     Betrieb
                           Problemlöse- und Denkprozess)            Schule
                           Elementare Funktionen wie                Gemeinde
                           Aufmerksamkeit, Konzentration
                            Denkprozesse notwendig
 Funktionsmuster           Selbstsicherheit, verschiedene
                           Fähigkeiten dafür nötig
 Abkürzungen /Code Worte: 1 Wort –> viele Überlegungen
 sind das Ergebnis ganzer ?Denklatten?, versuchen
 aufzulösen, analysieren

 Psychologische Intervention: Wissen, Motivation




                                                                                                   1
       Interv. Ebene     Psych. Punkte          Funktionsmuster       Interpersonelles
                                                                          System
Funktion
Entfaltungsfunkt.      Problemlöse-            Selbsterfahrung    Kommunikationstraining
Gesundheitsförder.     Training                                   im Betrieb
Prävention             Gedächtnistraining  Training,              Elterntraining, junge
                                           Stressverarbeitung
                       für gesunde ältere P.                      Paare
Behandlung,            Behandlung von      Kognitive              Familientherapie bei
Therapie               Schlafstörungen     Verhaltenstherapie     Tochter mit Anorexie
                                           bei Depression
Reha                   Gedächtnistraining  Behandlung bei         Familientherapie zur
                       nach Hirnverletzung chronischem            Rückfallprophylaxe
                                           Alkoholismus           schizophrener Patienten

1x bestmögl. Niveau wieder erreichen

Pathopsychologie (medizinisches System; Zusammenschluss mehrerer Symptome; geht
davon aus klinische Psychologie, Analyse von Erscheinungsweisen
Psychologische Störungslehre
Beschreibt eine psychologische Störung anhand folgender Parameter:

Analyse von
   - Erscheinungsweisen (Phänomenologie, Symptomatologie)
   - Entwicklung (Genese oder Pathogenese)
   - Verursachung (Ätiologie) – unterscheidet sich je nach Theoriemodell (-tiefenpsych., -
      systemisch, humanistisch, kognitiv; lerntheoretisch)
   - Verlauf (Prognose) – retrospektiv, prospektiv
   - Ordnung & Einteilung (Klassifikation)
   - Verbreitung (Epidemiologie) klinisch psychologischer Phänomene  Zusammenhang
      soziodemogr. Kriterien


Störungen von psychologischen Funktionen
   -   motorische Störungen
              Diagnostik  abverlangen, Würfel zusammensetzen, PC o.k., berücksichtigen
              der Motorik, Vorscreening, motorischen Fähigkeit  wichtig
   -   Wahrnehmungsstörungen
              Optische Täuschungen
   -   Gedächtnisstörungen
              Differentialdiagnostik hirnorganisch bedingt
   -   Lernstörungen
              Life-long-learning; wie lernfähig; testing the limit
   -   Störungen des Denkens und Problemlösens
   -   Emotionsstörungen
   -   Motivationsstörungen
              Keine psychologische Intervention ohne Motivation




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Pathopsychologische Modelle für Diagnostik und Behandlung

Organische Prozesse     Entwicklungspsychologie               Gesellschaft/ Kultur
                        (Entwicklung über Lebensspanne
                        Sozialpsychologie
                        Kognitive Psychologie,
                        Attributionstheorien
                        Emotionspsychologie
Biologisches Modell     Neuropsychologie (brain-behavior)     Soziokulturelles Modell
                        Motivationspsychologie
                        Gesundheitspsychologie
                        Subjektive Theorien zu RH&GM
                        Laientheorien
Psychologische Dimensionen des menschlichen Erlebens, Verhaltens und Wissens


2. VO, 26.3.2007
(siehe auch Unterlagen Klinische Psychologie I und II)
Aufgaben:
Klinisch psychologische Intervention:
Klinisch psychologische …
- Beratung
- Behandlung
- Psychotherapie     -> Psychotherapiegesetz
                     Deutschland: anerkannt, tiefenpsychologisch, Verhaltenstherapie
                     Österreich: größere Vielfalt an Therapierichtungen

Intervention / Interventionsfunktionen / Interventionsebenen:
- Gesundheitsförderung: setzt an Schutzfaktoren an
- Prävention: Vorbeugung, Keplan: primäre (Jugendliche sollen erst gar nicht mit dem
Rauchen beginnen), sekundäre (setzt man sich Risikofaktoren aus sollen diese keine Schäden
mit sich bringen), tertiäre Prävention
- Behandlung: Symptombildung, vorübergehend
- Rehabilitation: Störungen -> Ursprungsleistung kann nicht mehr erreicht werden
Wirksamkeit (Erfassung und Darstellung der Wirkfaktoren) und Effizienz werden in
behandlungsbegleitenden Messungen überprüft (Evaluations- und Interventionsdiagnostik ->
Prognose stellen)
Hypothesengeleitetes Vorgehen (experimentell arbeiten, Hypothesen erstellen, diese mit
Therapie überprüfen)
Behandlung:
Formen professioneller, psychologischer Hilfe zur Veränderung psychologischer,
somatischer, sozialer Beeinträchtigungen und Dysfunktionen -> biopsychosoziales Modell
Behandlungsformen:
- Beratung
- Krisenintervention
- Selbsterfahrungs- und Trainingsgruppen (entwicklungsps., tiefenps., lerntheoretisch und
kognitiv)
- psychologische Behandlung und Psychotherapie
Klinische Psychologie im Spannungsfeld zwischen Medizin und Psychologie

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- Diagnostik:
Gute psychologische Diagnostik -> Psychologen, Abschätzen des Stellenwerts und der
Effizienz der Verfahren, methodische Grundsätze <-> Klient abzuverlangen?
Klassifikationssysteme -> SKID, DIPS -> mehrheitlich von Psychologen erstellt, dürfen
Psychologen -> Klassifikation nach ICD 10 oder DSM IV?
Verhaltensbeobachtung
- Behandlung:
Psychologische Behandlung bei psychischen Störungen
Psychologische Behandlung bei organischen Krankheiten und ihren Folgen
Aufklärungsarbeit: wann und wie komme ich zum Psychologen?
- Rehabilitation
- Prophylaxe:
Risikofaktorenkonzepte (vorwiegend in Verhaltensweisen: mangelnde Bewegung, Ernährung,
Stress, ungesunder Lebensstil, Alkohol -> Wissen und Verhalten klaffen auseinander)
Psychologen: höheren Wissensstand vermitteln
                 Wie in Verhalten umsetzen?
                 Wie stabil halten?
- Katamnese:
Rückfallprophylaxe
Diätprogramme, Alkohol, Sucht
kalm-reduction
Zugang zu Krankheitsbilder geändert. Früher: einmal rückfällig -> aus Institution
ausgeschlossen
- Psychologische Intervention bei medizinischen Maßnahmen an Gesunden
Bsp. erstes Mal -> Frauenarzt
- Arzt-Patient bzw. Interaktion mit dem Pflegepersonal
- Unterstützung von Angehörigen
Alzheimer, Intensivmedizin
Klinisch-psychologische Beratung
ist im Kern jene Form einer intervenierenden und präventiv helfenden Beziehung, in der ein
Berater mittels sprachlicher Kommunikation und auf den Grundlagen anregender und
stützender Methoden Patienten innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraumes versucht,
bei einem desorientierten, inadäquat belasteten oder entlasteten Klienten einen auf kognitiv-
emotionale Einsicht fundierten aktivenLernprozess in Gang zu bringen, in dessen Verlauft
seine Selbsthilfebereitschaft, seine Selbststeuerungsfähigkeit und seine Handlungskompetenz
verbessert werden können.



Klinisch-psychologische Interventionen:


      psychologische Beratung
      psychologische Behandlung
      Psychotherapie
International werden psychologische Beratung und psychologische Behandlung zusammengezogen 
psychological counseling


Psychologische Beratung:

                                                                                            4
.... ist jede Form einer Intervenierenden und präventiv helfenden Beziehung


Psychologische Beratung ist:
            -   kurzfristig
            -   klärend (d.h. gute Informationsvermittlung, gegenseitiger Informationsaustausch)
            -   symptomorientiert
            -   direktiv, führend (d.h. dem Klienten beim Thema halten)
            -   zielorientiert
            -   kontext- und ressourcenorientiert (auch die Stärken beachten, empowerment)
            -   auf die alltägliche Lebenswelt und die Bewältigung des Alltags bezogen
            -   Steuerung der Selbststeuerungs- und Selbstregulationsbereitschaft


Es können 4 Themenfelder in der zwischenmenschlichen Verständigung und Beratung unterschieden
werden (nach Nestmann):
                                             (Wahrheit)
                                    über Sachverhalte informieren


  Inneres Erleben zum                      Verständigung                       Maßnahmen planen
 zum Ausdruck bringen                                                           (Effizienzen)
 (Authentizität)                    Beziehungsregeln aushandeln
                                            (Akzeptanz)
            -   Wahrheit: Der Psychologe soll dem Klienten nicht nur Informationen geben, sondern
                auch ordnen, weil viele Klienten wissen schon sehr viel über ihre Krankheit bzw.
                Störung (z.B. aus dem Internet  Qualität?). Oberstes Gebot: mit dem Klienten
                gemeinsam!
            -   Authentizität: Der Psychologe soll sich so geben wie man ist. Die Informationen
                sollen „echt“ vermittelt werden und auch so gemeint sein  Kongruenz zwischen
                vermittelten Inhalten und Verhalten.
            -   Akzeptanz: gegenseitige Akzeptanz ist wichtig
            -   Effizienzen: Was kann der Klient darüber hinaus noch tun? Man soll dem Klienten
                Aufgaben geben.




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Kriterien Psychologischer Behandlung:
           -   hohe Affinität zur empirischen Grundlagenforschung (Allgemeine Psychologie,
               Sozialpsychologie, Entwicklungspsychologie, Biologische Psychologie, Differentielle
               Psychologie, etc.)
           -   Verpflichtung zur Erfolgsüberprüfung und Evaluation (warum tut man etwas bei
               einem bestimmten Patienten, wie tut man es, mit welchen Zielen tut man es?
               Katamnese: nachgehende Krankengeschichte, ein nach Einsetzen oder Abklingen
               einer Störung gegebener Bericht.)
           -   Zielorientierung (Ist-Soll-Zustand): Man unterscheidet Zielprobleme (man weiß nicht,
               welches Ziel man hat) und Verhaltensprobleme (man weiß nicht, wie man zum Ziel
               kommt).
           -   Problem- und Ressourcenanalyse (Was kann der Patient gut?)
           -   Hypothesengeleitetes Vorgehen (operationale Einheit von Diagnostik und Therapie):
               gemeinsam mit dem Klienten werden Hypothesen über seine Störung erstellt
           -   Fallbezogenes Erfahrungswissen (evidence based)
           -   Information und konkrete Hilfsmaßnahmen: Häufig ist zu viel Information vorhanden,
               die man zuerst ordnen muss, dann kommen erst die Hilfsmaßnahmen.
           -   Fertigkeitentraining (Training nach Funktionsausfallen z.B. Konzentrations-,
               Merkfähigkeitstraining) und Funktionstraining (z.B. Training der sozialen
               Kompetenz)  in-vivo Behandlung: z.B. der Psychologe geht mit dem Klient
               gemeinsam in eine überfüllte U-Bahn.
           -   Förderung der Motivation
           -   Einbeziehung subjektiver Krankheitstheorien und Gesundheitsvorstellungen (z.B.
               Was glaubt der Klient, wie seine Störung bzw. Problem zustande gekommen ist?)
           -   Selbstkontroll- und Selbstmanagementstrategien: Selbstständigkeit des Klienten,
               Übungen in vivo
           -   Arbeitsbündnis: kooperative Klient-Therapeut-Beziehung
Anwendungen der klinisch-psychologischen Behandlung:
      Psychologische Patientenbehandlung (neuropsychologische Rehabilitation,
       Schmerzbehandlung, Lern- und Leistungsstörungen bei Kindern, Bewältigung bei
       Belastungssituationen insbesondere somatischen Erkrankungen...)
      Psychologische Interventionen,
           -   die ärztlich-medizinische Eingriffe vorbereiten
           -   sie begleiten
           -   die in der Nachbetreuung eingesetzt werden
      Problemorientierte Beratung und Betreuung von Angehörigen
      Problemorientierte psychologische Schulung des medizinischen Personals


                                                                                                   6
Paradigmen in der Psychopathologie und Therapie:


            -   psychodynamische
            -   humanistische
            -   existenzialistische
            -   interpersonale
            -   lern- und verhaltenstheoretische und
            -   kognitive Modell




Psychotherapie:


Nach Strozka (1982) ist die Psychotherapie „eine Interaktion zwischen einem oder mehreren Patienten
und einem oder mehreren Therapeuten (aufgrund einer standardisierten Ausbildung), zum Zwecke der
Behandlung von Verhaltensstörungen oder Leidenszuständen, die in einem Konsens zwischen Patient
und Psychotherapeut für behandlungsbedürftig gehalten werden, mit psychologischen Mitteln mit
einer lehrbaren Technik, einem definierten Ziel und auf der Basis einer Theorie des normalen und
abnormen Verhaltens.“


Im Psychotherapiegesetz wird hingegen bei der Berufsumschreibung von wissenschaftlich-
psychotherapeutischen Methoden gesprochen.




Entspannung & Stressmanagement (Gastvortrag Claudia Oppenauer)

Stressbewältigung und Entspannung

Stress  viele Bereicht des täglichen Lebens sind mit dem Begriff Stress verbunden

          „Ich bin im Stess“
               Klagefunktion
               Statussymbol

          life events
          daily hassles




                                                                                                   7
STRESSOREN
     1. physikalische Stressoren (Hitze, Kälte, Lärm)
     2. Leistungsstressoren (Versagensängste, Leistungsdruck, Unterforderung, Zeitdruck)
     3. soziale Stressoren (Konflikte, Trennung, Isolation)
     4. körperliche Stressoren (Schmerzen, Hunger, Krankheit)
Koluza 2004


Situationsmerkmale für Stressreaktionen
        Grad der Bekanntheit (Bsp: ganzes Studium keine mündliche PR  dann DA)
        Kontrollierbarkeit („kann ich die Situation verändern“, will ich sie ändern)
        Vorhersehbarkeit (wenn etwas geplant, länger  weniger Stress)
        Mehrdeutigkeit bzw Transparenz


Erst subjektive Prozesse der Wahrnehmung und d. Bewertung sind für Stressreaktion
ausschlaggebend.



Akt. Stress-Ampel  Webct!



TRANSAKTIONALES STRESSMODEL von Lazarus

Stressbewältigung
 problembezogenes Coping
         - Versuch Situation zu verändern
         - gedanklich

 emotionsbezogenes Coping
       - Entspannung
       - Ablenkung
       - Sport


VERARBEITUNG VON STRESSREIZEN IM GEHIRN

        Neokortex (Hirnrinde)
          jüngster Teil / Denkhirn
          Wahrnehmung bedrohlich eingestufter Reize  Aktivierung präfrontalen
          assoziativen Cortex

        limbisches System
           Verarbeitung von sensorischen Informationen (Thalamus)
           Entstehung von Emotionen (Amygdala)




                                                                                           8
         Hirnstamm (ältester Teil)
           willkürlich und unwillkürliche Motorik
           Locus coeruleus -> Produktion von Noradrenalin


Sympathikus – Nebennirenmark – Achse und
Hypothalamus – Hypophysen – Nebennierenrinden Achse




          Hormonsysteme

          Kortex


          limbisches System


          Stammhirn
          Locus coeruleus - NA
                                                            Hypothalamus
                                                            CRH (Cortiko releasing hormon


Sympathikus                                                 Hypophyse
     NA                                                     ACTH Adenocortikotropes
H.

Nebennierenmark                                             Nebennierenrinde
Adrenalin                                                   Kortisol


STRESS REAKTION

                                 Kognition

           Emotion                                    Verhalten

                                 Physiologie (muskulär, vegetativ hormonell)




                                                                                            9
SPEZIFITÄT VON STRESSREAKTIONEN

         individuelle Reaktionsspezifitäten
          Diathese – Stress Modell

         Situationsspezifität
          je nach Art d. Stressors werden bestimmte Gefühle ausgelöst und unterschiedliche
          Hormonsysteme aktiviert



Spezifität von Stressreaktionen => Abb. Psychoneuroendokrinologisches Stressmodell

Physiologischer Parameter

Stress                           Physiologie                   Entspannung
Erhöhung Muskeltonus             Neuromuskuläre                Abnahme der Muskeltonus
                                 Veränderung

Pulsbeschleunigung               Kardiovaskuläre               Gefäßerweiterung
Erhöhung Blutdruck               Veränderung                   Verlangsamung des Pulses
                                                               Senkung d. Blutdruck

Erhöhung Atemfrequenz            Respiratorische Veränderung   Senkung der Atemfrequenz
Erhöhung                                                       Senkung Sauerstoffverbrauch
Sauerstoffverbrauch

Erhöhung Hautleitwert            Elektrodermale Veränderung    Senkung der
(elektrische Leitfähigkeit der                                 Hautleitfähigkeit
Haut, Stress => Aktivierung
=> Schweißdrüsen↑

Sympathikus                      Autonome Reaktionen           Parasympathikus
(vereinfacht: Gleichgewicht
von Sympathikus und
Parasymp.→ leichtes
Kippen)

Ausschüttung von                 Schmerz                       Schmerzreduktion durch
Endorphinen                                                    Entspannung




Belastungen beim chronischen Stress

   -   Gehirn → kognitive Leistungsfähigkeit sinkt
   -   Herz-Kreislauf → Hypertonie, Herzinfarkt, Herzerkrankungen
   -   Muskulatur → Kopf- und Rückenschmerzen
   -   Verdauungsorgane → Störungen der Verdauung; Magen-Darm Geschwüre

                                                                                          10
   -   Stoffwechsel → Diabetes, erhöhter Cholesterinspiegel
   -   Immunsystem → sinkende Immunkompetenz; übersteigerte Immunreaktionen
       (Allergien, Autoimmunerkrankungen)
   -   Schmerz → verringerte Schmerztoleranz
   -   Sexualität → Libidoverlust; Zyklusstörung, Impotenz

Psychische Folgen von Stress:

   -   psychische Gesundheit und Wohlbefinden beeinträchtigt
   -   Zusammenhang zw. Depressivität und Überaktivität Hypothalamus-Nebennieren-
       Achse
   -   Burnout

   Exkurs: Abwärtsspirale des Burnouts

   Windung 1 → Distanz

         Windung 2 → Emotionalisierung (Ärger, depr. Verstimmung)

                Windung 3 → Abbau (sinkende kognitive Leistungsfähigkeit – auch
                            wenn sie wollen geht nicht)

                      Windung 4 → Desinteressierte Gleichgültigkeit (Lustlosigkeit)

                          Windung 5 → körperliche Symptome

                                Windung 6 → „rien ne va plus“




   Burnout Symptomatik:

                          Auswirkungen in 3 Gruppen


          emotional                   physisch                  kognitiv
   Depression, Angst                  Rücken- und               Aufmerksamkeits-
   Apathie                            Kopfschmerzen             und Konzentrationsstörungen
                                      Schlafstörungen           Motivationsverlust
                                      Libidoverlust


   Gesunder Umgang mit Stress:

   -   Salutogenese Konzept von Antonovsky (1987) Kohärenz und Sinnerleben
   -   Sozialer Rückhalt
   -   Optimismus
   -   Kontrollüberzeugungen (Rotter, 1954)
      Selbstwirksamkeitsüberzeugung (Bandura, 1977)
      Sinnfindung nach Frankl (1994)

Effektive Copingstrategien:



                                                                                              11
   -      positive Neubewertung
   -      Akzeptieren nicht veränderbarer Situationen und Gegebenheiten
   -      Soziale Unterstützung

Gesunde Personen zeichnen sich durch ein großes Repertoire an verfügbaren
Bewältigungsstrategien aus, die sie je nach Situation anwenden.

Anforderungs-Ressourcen-Modell (Abb.)

STRESSMANAGEMENT (………. Regeneration)

Enstpannung:

   a) Bauchatmung:
   -     natürliche und ursprüngliche Atmung des Menschen
   -     einatmen erfolgt dabei durch das Zusammenziehen der Zwerchfellmuskulatur, das
         Ausatmen durch die Anspannung der Bauchmuskulatur oder durch Entspannung
         des Zwerchfelles.
   -     Beim Schlafen oder Sitzen wird Atmung unbewusst eingesetzt
   -     Durch die Bauchatmung verbraucht der Körper weniger Energie und die
         Verdauung wird gefördert.

   b) Biofeedback:

   -      Stellt eine Form des Lernens dar und lässt sich zur Körperwahrnehmung und
          Selbstkontrolle einsetzen
   -      Basiert auf Bauchatmung
   -      Körperliche Parameter wie Puls, Temperatur oder Hautleitwert werden gemessen
          und rückgemeldet (Temperatur steigt, Hautleitwert sinkt)
   -      Durch audio-visuelle Rückmeldung (Feedback) werden physiologische Fkt. Der
          Wahrnehmung zugänglich gemacht und unter willentliche Kontrolle gebracht.


   c) PMR – progressive Muskelrelaxation

   -      Arzt und Physiologe
   -      Untersuchte Stressreaktionen
   -      Zeitgleich mit AT (autogenem Training) entwickelt
   -      Reaktion auf Stress  reflexhafter Anstieg der Muskelspannung
   -      muskuläre Entspannung  physiologische und psychische Entspannung
   -      Wahrnehmung muskulärer Anspannung und Diskriminierung von
          Spannungszuständen
   -      Willentliche Reduktion von Spannung einzelner Muskelgruppen
   -      Anspannung – Entspannung
   -      16 Muskelgruppen

   PMR nach Bernstein & Borkovec

   -      16 Muskelgruppen
   -      Anspannung 5 bis 7 Sekunden
   -      Entspannung 45 bis 60 Sekunden

                                                                                     12
     -       Reduktion auf 4 Muskelgruppen mit Vergegenwärtigung von Anspannung

Wirksamkeit und Anwendung:

         Schmerzustände
         Essentielle Hypertonie (Bluthochdruck ohne Ursache)

d)       Autogenes Training


     -       Oskar Vogt; Hypnose und Schlaf auf gleiche Weise gefördert
     -       Ruhe, Entspannung, Schwere & Wärmesensation
     -       Autohypnose
     -       Gefühl der Frische, Erschöpfungsgefühle & Schmerzempfindungen reduziert
     -       Johannes H. Schultz  erforschte Hypnose

2 Stufen:

Unterstufe:
    Ruhe
    Schwere
    Wärme
    Atem
    Herz
    Sonnengeflecht
    Kopf (Stirnkühle)

Oberstufe: Mediative …????…..

         Farben
         Werte
         Selbsterkenntnis


Anleitung:

Standardformel 4 bis 6 x wiederholen
.
.
.
Indikationen:

         Gegen Stress, Nervosität, Schlafstörungen
         Körperliche Beschwerden (Kopfschmerzen, Verdauungsstörungen, Hypertonie….)
         Selbsterfahrung
     e)   Phantasiereise:

     -       Konzentrativ-emotionale Wege zur Entspannung / Imagination
     -       Wurde bereits um die Jahrhundertwende eingesetzt
     -       Rechte Gehirnhälfte ist beteiligt (Bilder, Gefühle, Symbole)

                                                                                       13
Anwendungsbereiche.

        Entspannung
        Zielgerichtete Imagination (Selbstinstruktion, Reflexion)
        Ablenkung
        Heilung

3 Arten von imaginativen Verfahren
1.)

        Verhaltenstherapeutische Imagination – systematische Desensibilisierung, Floodi???)
        Imaginationskontrolle – Panikattacken
        Emotionale Imagination – katathymes Bilderleben; Simontor??? Methode

 in der Verhaltenstherapie zur Angstbewältigung und Verhaltensänderung (z.B. rauchen)

2.)
Phantasiereise zur Stressbewältigung und Entspannung

3.)
Verbesserung der Vorstellungskraft und Konzentration

Zusammenhang Imagination und Vorgänge (Zitrone)



KOGNITIV – INSTRUMENTELLES STRESSMANAGEMENT

a)       kognitive Umstrukurierung:
b)       Problemlösetraining
c)       Genusstraining
d)       Zufriedenheitserlebnisse
e)       Zeitmanagement
f)       Einstellungsänderung



Ad b)
   - Erfassung alltäglicher Belastungen
   - Belastungshierarchie
   - Ideen zur Bewältigung sammeln
   - Welche Personen passen am besten zur Person
   - Konkrete Schritte planen
   - Im Alltag umsetzen
   - Bilanz ziehen
   Schwierig → Gruppe teilweise → nicht kontrollierbar, was Person mitnimmt

Ad c)
7 Regeln für den Genuss (Roppenhöfer & Lutz, 1983):


                                                                                          14
   -   Genuss braucht Zeit
   -   sich selbst Genuss erlauben
   -   Genuss geht nicht nebenbei
   -   jedem das Seine
   -   Weniger ist mehr
   -   ohne Erfahrung kein Genuss
   -   Genuss ist alltäglich

Ad d) Belastungsausgleich
   - Entweder → negativer Kreislauf
   1) in stressreichen Phasen sinkt die Bereitschaft sich Zufriedenheitserlebnissen zu
       widmen
   2) Aufmerksamkeit wird verstärkt auf Stress, unerledigte Aufgaben, Ärger gelenkt
   3) Befriedigung → nur noch aus Leistung geschöpft. Genussfähigkeit nimmt ab.

Empfehlenswert sind Zufriedenheitserlebnisse, die
  - persönliche Neigungen und Interessen entsprechen
  - ohne großen Aufwand durchführbar
  - mit gewisser Regelmäßigkeit praktiziert werden können
  - keine ursprüngliche Folgen für Person oder Umwelt haben, also einer Kosten-Nutzen
      Analyse standhalten können
  - eventuell gemeinsam mit wichtigen Personen durchgeführt werden können

ad f)
    - subjektive Einstellung spielt → bei Entstehung von Stress große Rolle
    - erst Bewertung macht Situation stressreich
    - selbsterfüllende Prophezeiung
    - SW-Denken, Perfektionismus, Übertreibungen, Generalisierung
    → in Einzeltrainings besser → weil Muster nicht von einem Tag zum anderen veränderbar
    / dauert oft Monate / Jahre → in Gruppentraining vielleicht anschneiden

Typische Merkmale ineffektiver Einstellungen:
   - scheinbar aussichtslose Situation obwohl Bewältigungsstrategie vorhanden → erlernte
       Hilflosigkeit
   - unrealistische Erwartungen oder Verallgemeinerung (neg. Erfahrung)
   - Anforderungen unrealistisch
   - Anspruchsniveau – eigenen Leistungen

Veränderung der Einstellung → sinnvoll wenn:
-) Situation nicht verändert werden kann
-) Einstellung selbst Stress verursacht

Einstellungsänderung - in 5 Schritten:
   1) Erkennen der belastenden Einstellung:
        -) Situation erkennen und beschreiben
        -) damit verbundene Gefühle in der Situation analysieren
        -) Benennung irrationaler Gedanken

   2) Inhaltliche Überprüfung:
      -) Überprüfung des Realitätsbezugs
      -) Überprüfung der Konsequenzen

                                                                                         15
   3) Veränderung des Denkens und Fühlens:
      -) Unbewertung der Einstellung
      -) Formulierung einer neuen Einstellung

   4) Veränderung des Handelns:
      -) neue Einstellung im Verhalten und Handeln erproben

   5) Kontrolle:
      -) neue Einstellung überprüfen – bei Rückfall Fehleranalyse

Stressbewältigung Trainingsmanual
Petermann, Vaitl, Handbuch d. Entspannungverfahren
Bernstein,




Psychologische Interventionen im Internet (Gastvortrag von Mag. Birgit
Stetina)


                                                                         16
Relevanz des Internets für die klinische Psychologie:
Nach einer amerikanischen Studie such ca. 52 % der Personen, die im Internet sind, sich online
Gesundheitsinformationen. Dies hat sich in den letzten 5 Jahren stark verstärkt. Im Jahr 1997 betrug
der Prozentsatz nur 27%.


Schnittstellen der klinischen Psychologie mit dem Internet nach Ott & Eichenberg 2003:


                 Benutzergruppen


Professionelle
(z.B. Psychologen)                 1
                            Informations-            Forschung
                            angebote                     4                       2
                                                                        Interventionen und
                                                                        Selbsthilfe
Nicht-
Professionelle                                                   3
(z.B. Klienten)                                         Aspekte und Effekte
                                                        der Internetnutzung


                         Information                      Interaktion                 Art der Nutzung


Weitere Schnittstelle: Beziehung


Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Gesundheitsberufen (Psychologen, Psychotherapeuten,
Ärzte) und Patienten/Klienten:


        Patienten / Klienten sind informierter
                   Erwartungsdruck (sie haben z.B. genaue Vorstellung davon, welche Therapie
                     eingesetzt werden kann)
                   Fortbildungsdruck (Psychologen, Therapeuten etc. sind gezwungen sich mit neuen
                     Methoden und Ansichten auseinander zu setzen)


        Patienten / Klienten werden zu kritischen Kunden  Qualitätskontrolle


Klinisch psychologische Interventionsformen via Internet:
             -    Online-Beratung / Online-Counseling


                                                                                                       17
            -      Online-Therapie (Cyber-Therapie, Internet-Therapie, E-Therapy)
                   =>Online-Training
                   =>Prävention und Gesundheitsförderung via Internet
                   =>Krisenintervention via Internet


Online-Beratung und Therapie:
Settings im Internet:
       e-mail: asynchrone (=zeitversetzte) textbasierte Kommunikation  Emotionen können hier
        aber leicht missverstanden werden
       Chat (IRC –internet relate chat – Channels und Webchat): synchrone (=zeitgleiche)
        textbasierte Kommunikation
       MUDs (Multi User Dungeons = Virtuelle Realitäten): synchrone textbasierte Kommunikation
        zusätzliche virtuelle Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich
       Videokonferenzen: synchrone Kommunikation; am ähnlichsten einer face-to-face-Situation
        (gute Geräte sind aber derzeit noch nicht leistbar)
!Notizen! + -


Nutzer psychologischer Online-Angebote:
Personen, die...
            -      sich eine traditionelle Therapie / Beratung finanziell nicht leisten können
            -      gegenüber herkömmlichen Therapeuten / Beratern und Therapien / Beratungen ein
                   gewisses Maß an Distanz bewahren wollen
            -      in Gebieten wohnen, wo kein Therapeut unmittelbar erreichbar ist
            -      körperlich behindert oder gesprächs- sowie hörgeschädigt sind und keinen
                   herkömmlichen Therapeuten besuchen können
            -      sich für eine reale Therapie / Beratung interessieren, aber erst unverbindlich Kontakt
                   aufnehmen wollen


Besondere Kennzeichen von Online-Beratung und Online-Therapie:
            -      Anonymität (man muss nicht den richtigen Namen ergeben)
            -      Niedrigschwelligkeit (Angst in eine Kommunikation zu treten ist viel geringer)
            -      Distanz
            -      Zeitliche und geographische Autonomie
            -      Variabilität des Online-Settings
            -      Virtual-Reality-Syteme
            -      Keine Ausschließlichkeit (man muss ja nicht nur online, sondern auch richtig in
                   Kontakt treten)

                                                                                                       18
Vorteile der Online-Intervention:
            -   Erreichbarkeit bestimmter Zielgruppen
            -   subjektiv unverbindliche Kontaktaufnahme
            -   Kontaktaufnahme bei Schwellenängsten
            -   Anonyme, schriftliche und schnelle Konsultation
            -   Archivierung möglich
!Notizen!


Nachteile der Online-Intervention:
       Ethische Probleme:
            -   Professionalität
            -   Vertraulichkeit
            -   Verbindlichkeit
            -   Fehlen der theoretischen Fundierung (Theorie der Online-Beratung/Therapie gibt es
                gar nicht
            -   Mangelnde Kenntnis der Wirkmechanismen (Warum es wirkt?)
            -   Standartsetzung (keine Standards vorhanden, keine Kontrolle, eigene Verantwortung-
                Qualitätssicherung)
            -   Spezifische Interventionskonzepte nötig
       Kontraindikation (Internetsucht)
       Asynchronität der Kommunikation
        - Auswirkung auf Interventionskraft (wahrsch.)
        - Negative Effekte der Archivierung (jedes Wort => genauso archiviert)
       Erleichterung von Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen durch fehlende auditive
        und virtuelle Kanäle
       Feedbackmöglichkeit begrenzt


5-dimensionales Modell der Online-Therapie nach Suler (2000):
       synchron / asynchron
       textuell / sensorisch
       imaginär / real
       automatisiert / zwischenmenschlich
       unsichtbar / anwesend
Diese Punkte schließen sich nicht gegenseitig aus; sie sollen als Kontinuum verstanden werden.


Online-Therapie und therapeutische Schulen:

                                                                                                    19
Parallelen zwischen Beratung und Therapie im Internet und folgenden Ansätzen:
           -      Verhaltenstherapie
           -      Klientenzentrierte Gesprächstherapie
           -      Kreative Therapie
           -      Körpertherapie


Beispiele Online-Beratung / Therapie:(Notizen!)




Online-Kliniken (e-clinics) z.B. www.helphorizons.com:
Kennzeichen:
           -      breit gefächertes Angebot
           -      Qualifikations- und Berechtigungsprüfungen
           -      Herausragende Sicherheitsvorrichtungen
           -      Moderne Abrechnungssysteme


Qualitätssicherung psychologischer Online-Dienste  Maßnahmen:
      Gütesiegel des Berufsverbandes deutscher Psychologen für psychologische Dienste im
       Internet
      Die ISMHO/PSI-Richtlinien für Online-Dienste die seelische und geistige Gesundheit
       betreffend


Gütesiegel des BdP:
           -      Kurzfristige Beantwortung von Anfragen (innerhalb von 3 Tagen)
           -      Hohe Qualifikation (Abschluss als Diplom-Psychologe an einer Hochschule)
           -      Schweigepflicht, Anonymität und Vertraulichkeit: besondere technische
                  Vorkehrungen sind notwendig
           -      Verantwortlicher Umgang mit den Grenzen
           -      Technische Sicherheit z.B. Nutzung von Verschlüsselungstechniken für e-mails




Multiprofessionelle tiergestützte Intervention – MTI (Gastvortrag: Mag. Birgit Stetina):


Historische Wurzeln:


                                                                                                 20
1860: Florence Nightingale: „A small pet animal is often an excellent companion for the sick.”
Ende 19. Jh.: Bielefeld Bethel (Behandlungszentrum für Epileptiker)  Anfallssignalhunde: diese
geben Bescheid, wenn ein Anfall wahrscheinlich auftritt.


1944: James H.S. Bossard  „Therapeutical value of dog ownership“: Artikel im „Mental Hygiene“.


1961: Boris Levinson: “The dog as a Co-Therapist” (Artikel)  eigentlicher Beginn der tiergestützten
Intervention. (Levinson hat selbst Erfahrung damit gesammelt, als ein kleiner Bub nur zur Behandlung
kommen wollte, wenn er auch mit dem Hund spielen durfte).


Begriffsabgrenzung:
    -   pet-faciliated therapy
    -   pet therapy
    -   pet guided therapy
    -   animal-faciliated therapy (erste Entwicklung: nicht mehr pet, sondern animal)
    -   animal-assisted acitivities AAA
    -   animal-assisted therapy AAT
=> Tiergestützte Intervention


Einteilung der Tiergestützten Intervention:
               Animal-Assisted Activities AAA: hier soll die Lebensqualität erhöht werden. Die
                Activities können von Professionisten, Paraprofessionisten und Freiwilligen (z.B.
                Tierbesuchsdienste) durchgeführt werden. Aber nicht jedes Tier kann dafür eingesetzt
                werden, sondern nur speziell trainierte Tiere.
               Animal-Assisted Therapy AAT: Die AAT ist zielgerichtet, d.h. man hat eine genaue
                Idee davon, was man erreichen möchte und evaluiert das auch dann.  Die Effekte
                betreffen ganz bestimmte Bereiche (emotionale, kognitive, soziale Bereiche etc.). Die
                AAT wird nur im Rahmen eines professionellen Settings ausgeführt (also keine
                Freiwilligen).




Unterschiede zwischen AAT und AAA:




                                                                                                    21
   1. AAT wird von Professionisten des Gesundheits- oder Sozialbereiches im Rahmen der
        Berufsausübung durchgeführt.
   2. AAT ist zielorientiert. Genaue Ziele werden für jede Einheit identifiziert und definiert.
   3. Aktivität und Fortschritt wird bei der AAT genau dokumentiert und evaluiert.




Biopsychosoziales Wirkgefüge gesundheitsförderlicher Tiereffekte:


Einteilung der Wirkungen analog zum biopsychosozialen Modell der Gesundheit:


 biologische Wirkungen
 psychologische Wirkungen
 soziale Wirkungen sollen erkannt und in den Rahmen miteinbezogen werden.


Biopsychosoziales Modell:


                                          Rahmenmodelle


       Organisches Rahmenm.         Psychosoziales Rahmenm.       Biopsychosoziales Rahmenm.
                                                                     (hier wird angesetzt)




ad) biologische Wirkungen:
   -    physische Entspannung
   -    Senkung der Herzfrequenz
   -    Senkung des Blutdrucks (allein die Anwesenheit des Tieres führt zu diesen drei Punkten)
   -    Neuroendokrinologische Wirkung und biochemische Veränderung
   -    Physische Stressreduktion
   -    Verringerung der Anzahl kleinerer gesundheitlicher Probleme (z.B. das Infektionsrisiko ist
        kleiner bei Tierbesitzern; Patienten mit Herzinfarkt haben nach dem Infarkt noch länger
        gelebt, wenn sie Tierbesitzer waren)




Ad) psychologische Wirkung:
   -    Förderung von positiven selbstwert und / oder positiven Selbstkonzept


                                                                                                     22
   -   Psychische/Psychologische Stressreduktion
   -   Entspannende Wirkung
   -   Angstlösende Wirkung
   -   Förderung des Wohlbefindens (auf allen Ebenen)
   -   Reduktion der Einsamkeit
   -   Empathie Mensch-Tier Einfluss auf Empathie Mensch-Mensch?


Ad) soziale Wirkung: (wurden im Rahmen einer Intervention, einer Maßnahme nachgewiesen)
   -   Steigerung des positiven Sozialverhaltens
   -   Höherer Integrationsgrad (in der Klasse)
   -   Vermittlung von positiven sozialen Attributionen
   -   Förderung der sozialen Kontaktbereitschaft
   -   ...auch bei Fremden


Beiträge zum emotionalen Wohlbefinden:
   -   Tiere geben zuverlässige bedingungslose Liebe und die Möglichkeit Liebe und Zuneigung zu
       entwickeln.
   -   Tiere fungieren als Freund, Vertrauter, Spielkamerad und Begleiter.
   -   Tiere dienen als lebendes Übergangsobjekt (Möglichkeit, eine neue Vertrauensbeziehung
       aufzubauen).
   -   Tiere unterstützen das Erlangen von Vertrauen, Autonomie, Verantwortlichkeit, Kompetenz
       und Empathie gegenüber anderen.
   -   Berührung und Zärtlichkeit
   -   Gefühl von Sicherheit
   -   Weniger Einsamkeit


Kausalitätsmodelle der Wirkmechanismen:


   1. direkte kausale Wirkung: Tier  Gesundheit (trifft dort zu, wo es um biologische Parameter
       geht z.B. Senkung des Blutdrucks)
   2. indirekte kausale Wirkung: Tier  andere Faktoren  Gesundheit (z.B. im psychologischen
       Bereich: Tier  erhöhter Selbstwert  bessere Gesundheit)
   3. nonkausale Beziehung: allgemeine Faktoren  Gesundheit
                                                           Tier
       (Es gibt bestimmte Persönlichkeitseigenschaften, die zu einer besseren Gesundheit „führen“
       und dieselben Eigenschaften führen dazu, dass man ein Tier hat  dieses Modell aber noch
       nicht belegt).


                                                                                                    23
MIT= Multiprofessionelle Tiergestützte Intervention = ein Kompetenz- und Kommunikationstraining
zur Steigerung emotionaler, sozialer und anderer Fähigkeiten und Fertigkeiten


Basisannahmen:
                      1. Biopsychosoziales Verständnis von Gesundheit
                      2. Biopsychosoziales Wirkgefüge gesundheitsförderlicher Tiereffekte
                      3. Beitrag der Tiere zu emotionalen Tierbefinden
                      4. Soziale, emotionale und andere Fertigkeiten sind erlern- und trainierbar


Eckpfeiler des Konzepts MTI:


    1. Verbindung/Beziehung mit dem Hund (man bekommt die Möglichkeit, eine neue Beziehung
        aufzubauen)
    2. Unbedingte Freiwilligkeit (aller Teilnehmer)
    3. Ressourcenorientierung (es geht um empowerment, Stärkung des Selbstwertes etc.)
    4. Vermittlung von Werten (ich lerne mich selbst wertzuschätzen)
    5. Respektvoller Umgang mit Mensch und Tier (es wird der Art entsprechend mit dem Tier
        umgegangen)
    6. Kommunikation      (Doppelbotschaften     und    nonverbale   Aspekte    werden    vom       Tier
        wahrgenommen)
    7. Sozialisation (Tiere sind kompromisslosere Lehrer)


Konzept der MTI  Kennzeichen:


               Ein Kompetenz- und Kommunikationstraining
               Gesundheitsförderung (empowerment) durch tiergestützte Intervention
               Tiergestütztes Training in der Gruppe
               Multiprofessionelles Team (2+1; PädagogIn, PsychologIn, TherapeutIn und
                Therapiehund)
               Kooperation Universität-Stadtschulrat
               Therapiehund als besonders geeignete Spezies
               Module als Trainingsbestandteile und flexibles Vorgehen


Gesundheitsförderung (Ottawa Charta, 1986 von der WHO; siehe Internet):
    -   Es geht um ein höheres Maß an Selbstbestimmung



                                                                                                     24
    -    Stärkung der Gesundheit (man soll befähigt werden selber für die Gesundheit zu sorgen 
         empowerment)
    -    Umfassendes seelisches, körperliches und soziales Wohlbefinden
    -    Einzelne und Gruppen sollen Bedürfnisse befriedigen können
    -    Gesundheit ist als wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu sehen


Prioritäten der Gesundheitsförderung für das 21. Jahrhundert:


    -    Maßnahmen, die auf die Verbesserung der Gesundheit ausgerichtet sind (insbesondere, des
         körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens).
    -    Stärkung der Ressourcen an gesundheitsförderlichen Potentialen von Einzelnen und Gruppen


 Ziel: biologische, psychologische und soziale Widerstandkräfte zu mobilisieren, die positives
Denken und positive Gefühle fördern und ein optimales Maß an körperlicher Be- und Entlastung
erlauben.


Gesundheitsförderung und Prävention  Differenzierungsmöglichkeiten:


    -    ausgehend von Antonovsky’s Gesundheits-Krankheits-Kontinuum:


         Gesundheitsförderung
Gesundheit ------------------------------------------I----------------------------------------Krankheit




                                                Prävention


Gesundheit und Krankheit schließen sich einander nicht aus. Laut Antonovsky ist die Dichotomie
nicht vorhanden, d.h. man ist nicht zu 100% krank oder gesund.
Gesundheitsförderung versucht in Richtung Gesundheit zu lenken.
Prävention versucht an der Stelle zu bleiben im Kontinuum, damit es nicht noch schlechter wird.


    -    Salutogenese (Erreichen von Gesundheit) versus Pathogenese (Vermeidung von Krankheit)
    -    Aufgrund der unterschiedlichen Zielsetzungen
    -    Aufgrund der unterschiedlichen Spezifität                      sind sie unterscheidbar.


Gesundheitsförderung mit der MTI-Vorgehensweise:
                 wöchentliche Trainingseinheiten


                                                                                                          25
              Gruppen mit 6 bis maximal 20 Teilnehmern (Kleinklassen mit spezifischen
               Bedürfnissen, geteilte Klassen)
              (Behandlungs-) Settings der Einrichtungen als Rahmen (Setting miteinbeziehen z.B.
               schulisches Setting als Rahmen (Klasse, Sportplatz oder Park))
              (Altersbereich: 6-16 Jahre)
              Voraussetzungen für Teilnehmer (Sicherheit und Wohlbefinden, keine Gewalt,
               respektvoller UmgangKinder müssen sich benehmen, saubere Klasse, etc.)
              Risikomanagement (keine Spitzengegenstände am Boden, kein essen, respektvoller
               Umgang, Akzeptanz dass es sich um ein Tier handelt, das nicht so kommuniziert wie
               wir z.B. riechen  also kein Tabak, keine Schockolade!)


Inhalte:
  Basismodule und Wahlmodule
  Flexibles Vorgehen
  Strukturiertes Vorgehen: Dreiteilung jeder Einheit:
   Theoretische Inhalte:
   -   Hund und Mensch
   -   Artgerechte Haltung
   -   Zuneigung, Emotion und Verantwortung


   Praktische Übungen:
   -   Aufgaben „am Hund“ (z.B. Körperteil zeigen)
   -   Einzelübungen mit Hund (Fuß-Gehen)
   -   Teamübungen mit Hund
   -   Gruppenübungen mit Hund


   Feedback:
   -   mündlich und/oder schriftlich
   -   Selbst und/oder Andere
   -   Training  Einfluss des Feedbacks auf die Trainigsgestaltung


MTI-Basismodule (Beispiele):
   -   Kurzbesuche und Kennenlernen
   -   „Keine Angst vorm großen Hund“
   -   erste Kommunikation (Trockenfutter geben)
   -   Emotion und Kommunikation (es sagen, wenn man Angst hat)
   -   Verantwortung und Autonomie (eigenständige Durchführung einer Übung)


                                                                                             26
MIT-Wahlmodule:
   -     Gesundheit und Prävention
   -     Wege zur Motivation von Tier und Mensch
   -     Emotion und Empathie
   -     Konflikte und Konfliktlösungen
   -     Stress und Stressmanagement


Effektivität von MIT:
  Wohlbefinden
  Soziale Kompetenzen
   -     Selbstwert (Peerakzeptanz, Aussehen, globales Selbstwertgefühl, gesamter Selbstwert)
   -     Selbstkonzept       (körperliche:    Erscheinung,   Befinden,    Effizienz,     Moralorientierung,
         Selbstsicherheit,     Kontakt-      und   Umgangsfähigkeit,     Wertschätzung     durch    andere,
         Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsfähigkeit, Körper, Psychosoziale Interaktion, gesamter
         Selbstkonzept)
Emotionale Kompetenzen
   -     Emotionsregulation (Problemorientiertes Handeln, Zerstreuung, Umbewertung, Nutzung der
         vorhandenen sozialen Unterstützung, Nutzung adaptiver Strategien, bes. bei der Emotion
         Angst )
   -     Emotionserkennung (z.B. Ekel, neutrales Gesichtsausdruck, verkürzte Reaktionszeit beim
         Erkennen von Freude




Links:


   -     www.psyeta.org
   -     www.iemt.at (Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung)
   -     www.pawssf.org
   -     www.therapyanimals.org
   -     www.deltasociety.org




                                                                                                        27
Justizanstallt Wien Favoriten (JAF)
→ Anstalt mit Behandlungsauftrag bzw. Behandlungsangebot für entwöhnungsbedürftige
RechtsbrecherInnen
→ multiprofessionelles Team
→ Aufenthalt sollte 2 Jahre nicht überschreiten
→ Kontrolle wird zunehmend reduziert und Insassen erhalten zunehmend mehr Freiheiten,
um nach und nach Eigenverantwortung aufzubauen→ offener Vollzug
→ Insassen entsprechend §22 StGB-Maßnahme
→ Strafgefangene entsprechend § 68a StVG
(die eine strafbare Handlung unter voller Berauschung begangen haben)
„Strafgefangene ist einer Entwöhnungsbehandlung zu unterziehen“ wenn a) Behandlung im
Hinblick auf die Dauer der Strafzeit zulässig ist oder b) wenn die Strafzeit mehr als 2 Jahre
beträgt und er nur deshalb nicht in dieser Anstalt bleiben darf

Elemente des Behandlungskonzepts:
   - Behandlung der Suchterkrankung
   - Wohngruppenvollzug
   - Gruppenpsychotherapie bzw. klinisch-psychologische und gesundheitspsychologische
      Gruppen
   - Tiergestütztes Training als Fixpunkt einer Abteilung
   - Angebot einer zusätzlichen Einzelbehandlungstherapie
   - Regelmässige Alkohol- und Harntests
   - Angebot und Beteiligung an verschiedenen Projektgruppen (Kunst-,
      Kreativprojekte,…)
   - Arbeitstätigkeit in der Anstalt, im Justizbereich und außerhalb der Anstalt


Zielgruppe / Teilnehmer:
-) 10 bis 12 Insassen aus dem geschlossenen Vollzug
-) mit und ohne Substitution
-) 20 bis 56 Jahre alt
-) Traumata-, Missbrauchs- und/oder Gewalterfahrung, emotionale Probleme, Unsicherheiten
in der Sprache,…
-) verschiedenste Delikte




Subjektive Krankheits- und Gesundheitskonzepte, Laienkonzepte
Befund und Befinden – Lebensqualität (Gastvortrag von Mag. Dorothea König):


Inhalt
   - subjektive Krankheitstheorien
       Gesundheit - Krankheit
   - Befund – Befinden
   - Lebensqualität
   - Lebensqualität bei Cancer Survivors
                                                                                                28
Subjektive Krankheitstheorien:
Subjektive Theorien sind Alltagstheorien, Laientheorien und Alltagskonzepte. Krankheitskonzepte
Subjektive Krankheitstheorien sind Theorien über Verursachung von Krankheit; Krankheitskonzepte,
Krankheitsüberzeugungen (kognitiv, emotional repräsentiert).
Def: Vorstellungen der Patienten über das Wesen, die Entstehung & die Behandlung ihre Erkrankung.
Sie drücken sich aus in der:
     Auseinandersetzung mit Krankheit => Aufbau von Krankheitsbezogenem Wissen
     Diagnose einer (schweren Krankheit) => Chaos => Wiederherstellen des Vertrauens an eine
     geordnete, verstehbare und vorhersehbare Welt durch subjektive Theorien
     Wunsch nach Erklärung der Krankheit
     Wunsch nach Erkennen einer Bedeutung der Erkrankung
     Wunsch nach Abklärung der Beeinflussungsmöglichkeiten


Subjektive Theorien (Funktionalität von Laientheorien für bestimmte Handlungsbereiche, Flick,
1998):
            -   dienen der Situationsdefinition
            -   sind eine nachträgliche Erklärung eingetretener Ereignisse
            -   sind Vorhersagen über künftige Ereignisse
            -   EW von Handlungsempfehlungen
            -   haben in gewissen Umfang eine handlungssteuernde bzw. –leitende Funktion
            -   sind eine Stabilisierung, Optimierung des Selbstwertes


Subjektive Krankheitstheorien & Arzt-Patient-Beziehung:
     Patient und Arzt/Therapeut sollte hinsichtlich ihrer Krankheitstheorien „zusammenpassen“
     Kluft zwischen Krankheitstheorien des Patienten & des Arztes/Therapeuten ist eine der
     Hauptursachen für Non-Compliance


 subj. Theorien des                                   professionelles
 Patienten/Klienten                                   Erfahrungswissen



                               Interaktion zwischen Arzt
                               & Patient bzw. Therapeut
                               & Klient


Berücksichtigung subjektiver Krankheitstheorien hat positive Wirkung auf:
     Compliance

                                                                                                  29
    Vertrauen
    Behandlungserfolg (wenn Patient complient ist wird er auch aktiver mittun)
Den Patienten dort abholen wo er ist!


Subjektive Gesundheits-& Krankheitstheorien, also kognitive und emotionale Vorstellungsinhalte von
Gesundheit und Krankheit wirken auf:
    Die Verarbeitung relevanter Infos
    Steuerung von Handlungen
    Krankheitsverhalten




Subjektive Krankheits- und Gesundheitstheorien:
Subjektive Theorien umfassen kognitive und emotionale Repräsentationen. Emotionen und
Kognitionen interagieren miteinander und beeinflussen sich gegenseitig.
Subjektive Theorien beeinflussen die Arzt-Patienten-Beziehung, welche oft zu einer mangelnden
compliance führen.
                              Gesellschaftliches Wissen über Gesundheit
                                             und Krankheit
                                                                              nach Flick

                                    Soziale Repräsentationen von
                                     Gesundheit und Krankheit




      Alltägliches Wissen über                                            Professionelles Wissen über
      Krankheit und Gesundheit                                             Gesundheit und Krankheit

       Subjektive Theorien                                                Professionelles Erfahrungswissen




                                    Interaktion Arzt / Therapeut und
                                             Patient / Klient




              Compliance                          Vertrauen                       Behandlungserfolg


                                                                                                 30
Krankheitsverhalten:
• nur ein Teil der Personen nimmt aufgrund von somatischen Beschwerden
medizinische Hilfe in Anspruch
• andere Personen konsultieren einen Arzt, obwohl kein Krankenbefund vorliegt
• unterschiedliche Reaktionen auf subjektiv erlebte körperliche Beschwerden ®
abhängig vom individuellen Krankheitsverhalten


Definition:
• Krankheitsverhalten = illness behavior (Mechanic, 1962; vgl. Myrtek, 1998a, b)
• Art und Weise, wie Individuen körperliche Symptome unterschiedlich
wahrnehmen, bewerten und auf diese (nicht) reagieren
• Krankheitsverhalten umfasst alle psychologischen, sozialen und kulturellen
Einflüsse auf Krankheit und bezieht sich auf sämtliche Krankheitszustände
(unabhängig davon, welche und wieviele Symptome vorhanden sind)
• Krankheitsverhalten = Kontinuum


unangemessenes (abweichendes) Krankheitsverhalten:
zwei Ausprägungen variablen Ausmaßes:
• Patienten, die ihre körperlichen Beschwerden bei fehlendem oder nur
geringfügigem somatischen Befund übertreiben
• Personen mit einem ernsten somatischen Befund, die keine angemessenen
körperlichen Beschwerden äußern
in beiden Fällen Diskrepanz zwischen objektivem Befund und subjektivem
Befinden


Determinanten des Krankheitsverhaltens:
• psychologische Aspekte (z.B. Persönlichkeitsmerkmale, psychosozialer Stress,
soziales Lernen, kausale Attributionen)
• sozioökonomische Faktoren (z.B. Alter, Geschlecht, soziale Verhältnisse)
• Bedingungen des Gesundheitssystems




                                                                                   31
Befund und Befinden –
verschiedene Vierfelderschemata
    Oft stimmen subj. Befinden & objektives Befund nicht miteinander überein


             Formen des Krankheitsverhaltens nach Myrtek (1998a)



                                                            Subjektives Befinden


                                                      Positiv                 Negativ


     Objektiver              Positiv       gesund im                  abweichendes
                                           medizinischen Sinn         Krankheitsverhalten
Schweregrad (Befund)

                            Negativ        abweichendes               krank im
                                           Krankheitsverhalten        medizinischen Sinn




      Objektivität und Subjektivität in der Bestimmung von Lebensqualität
                         nach Filipp und Ferring (1991)


                                                Subjektive Bewertung des eigenen Lebens


                                                      gut                     schlecht


     Objektive                gut              Die Glücklichen        Unzufriedenheitsdilemma
 Lebensbedingungen
                            schlecht       Zufriedenheitsparadoxon       Die Benachteiligten




                                                                                               32
        Modifikation des Vierfelderschemas von Filipp und Ferring (1991) –
                      Das Wiener Befund/Befinden-Schema


                                                       Subjektive Bewertung des eigenen Lebens


                                                              gut                  schlecht


       Objektive                   gut               „Die Glücklichen“       Gesundheitsdilemma
  Lebensbedingungen
                                 schlecht           Krankheitsparadoxon     „Die Benachteiligten“


Die Glücklichen:
Bei der Gruppe der Glücklichen liegt eine Konkordanz zwischen Befund und
Befinden vor, da sowohl der subjektive als auch der objektive Gesundheitszustand
als gut eingeschätzt wird.
Gesundheitsdilemma:
Personen, die dem Gesundheitsdilemma zugeteilt werden, beurteilen ihren
subjektiven Gesundheitszustand trotz des guten objektiven Befundes als schlecht.
Krankheitsparadoxon:
Die Gruppe des Krankheitsparadoxons weist ein gutes subjektives Befinden trotz des
schlechten objektiven Befundes auf. Dieses empirische Phänomen, das in der
Lebensqualitätsforschung häufig beobachtet werden kann, wird von Herschbach
(2002) „Zufriedenheitsparadox“ genannt. Personen der Gruppe des Krankheitsparadoxons,
die krankheitsverleugnendes Verhalten zeigen, benötigen besondere
Beachtung in der klinischen Praxis, da bei ihnen die Gefahr besteht, dass
vorhandene somatische Erkrankungen nicht oder zu spät behandelt werden.
Die Benachteiligten:
Bei der Gruppe der Benachteiligten werden sowohl das subjektive Befinden als auch
der objektive Befund als schlecht beurteilt.


Lebensqualität:


Definition von „Gesundheit“ laut WHO (1948):
„.....vollkommenes physisches, psychisches und soziales Wohlbefinden, nicht nur die Abwesenheit
von Krankheit und Gebrechen......“ (zitiert nach Castiglione 1990).

                                                                                                  33
 das ist die Grundlage der HrQoL – Health realated Quality of life – Gesundheitsbezogene
Lebensqualität


Dimensionen der HrQoL:
    Körperliche Verfassung
    Psychisches Befinden
    Soziale Aspekte
    Funktionale Aspekte: Funktionen


Ziele & Nutzen der Lebensqualitätforschung:
    Gesundheitspolitisch
    Individuell praxisorientiert
 
Ziele der Lebensqualitätsforschung
• Beschreibung der LQ bestimmter Populationen und Ableitung von Informationen
für gesundheitspolitische Planungen
 Wie fühlen sich Menschen mit definierten Erkrankungen?
• Bewertung von Therapien bzw. Outcome-Maß therapeutischer Interventionen
Wem helfen welche Interventionen?
• Relevanz der Ergebnisse der LQ-Forschung für Gesundheitspolitik und
individuelles ärztliches Handeln, Kosten-Nutzen-Berechnungen
 Inwieweit ist das Resultat komplexer Behandlungsbemühungen
gesundheitspolitisch und ökonomisch vertretbar?


Vorteile bzw. Nutzen der Lebensqualitätsforschung
• wesentlicher Berührungspunkt für Psychologie und Medizin ® Möglichkeit zur
Kooperation
• Kommunikation zwischen Ärzten und Vertretern psychosozialer Berufe kann über
Thema der HrQoL verbessert werden
• Vorteile des Einsatzes von standardisierten Verfahren zur Erfassung der HrQoL
für klinische Praxis:
– Identifikation von zusätzlichem Betreuungsbedarf der Patienten
– Entwicklung gezielter und wirksamer psychosozialer Versorgungsmaßnahmen
– Verbesserung der Arzt-Patient-Kommunikation


                                                                                            34
– Erhöhung der Aufmerksamkeit der Ärzte auf die subjektive HrQoL ihrer
Patienten
Ansatzpunkte der LQ-Erfassung für psychologische Interventionen
Identifizierung von Beeinträchtigungen in den Bereichen:
    körperlich: z.B. bei körperlichen Schmerzen: psychologische Interventionsbehandlung
     (Entspannungsmethoden, Biofeedback), Informationen Aufklärung
    psychisch: z.B. bei depressiver Verstimmung (z.B. kognitive Umstrukturierung)
    sozial z.B. bei isolierten Menschen: Ansprechpartner sein, Halt geben, Arbeit mit
     Angehörigen)


Unterscheidungsmerkmale von Lebensqualität- Messinstrumenten:
    Fremdbeurteilungsfragebogen
    Selbstbeurteilungsfragebogen
    Krankheitsübergreifende = generische Messinstrumente
    Krankheitsspezifische Messinstrumente

Generische Verfahren:
• beziehen sich auf generelle Aspekte des Gesundheitszustandes einer Person
• sollen ein breites, für HrQoL relevantes Spektrum der Beeinträchtigung,
Belastetheit bzw. Funktionsfähigkeit abbilden
• Beispiele: SF-36, NHP, SIP, WHOQOL-Fragebogen
Vorteile:
• Anwendbarkeit bei einer Reihe von verschiedenen Krankheitsbildern
• Vergleichbarkeit verschiedener Studien an diversen Patientengruppen

Krankheitsspezifische Verfahren:
• Messung des Einflusses von spezifischen Krankheiten auf die HrQoL von
Patienten
• Fragen zu spezifischen Symptomen und Behandlungsmethoden
• Beispiele: EORTC-QLQ – C30 + Zusatzmodule (z.B.Br 23, LCB), FLA(bei Asthma),
Funktionsfragebogen (FFbH) (Mobilitätsstöaungen)
Vorteile:
• höhere Ansprechbarkeit durch für eine bestimmte Krankheit spezifische Items
• für eine bestimmte Patientengruppe evt. differenziertere Ergebnisse




Nottingham Health Profile (NHP)
• in Großbritannien entwickelt (Hunt & McEwen, 1980)


                                                                                           35
• autorisierte deutsche Übersetzung (Kohlmann, Bullinger, Hunt & McKenna, 1992)
• krankheitsübergreifende Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
• gute psychometrische Überprüfung
• Vorgabe ab 16 Jahren
• Bearbeitungszeit weniger als 10 Minuten
• 38 Items mit dichotomem Antwortformat (ja/nein)
• sechs Dimensionen subjektiver Gesundheitsprobleme
• nicht gut bei jungen Menschen, weil sie ein dichotomes Antwortformat nicht mögen
• nicht gut bei Gesunden




Dimensionen des NHP:
• Energieverlust: 3 Items (z.B. „Ich bin andauernd müde.“)
• Schmerz: 8 Items (z.B. „Ich habe Schmerzen beim Gehen.“)
Gründe (warum man das Augenmerk auf die LG gelegt hat):
           -   Paradigmenwechsel
           -   Mehr Menschen mit chronischen Erkrankungen
           -   Ergänzung der klassischen Bewertungskriterien
           -   Evaluierung verschiedener Behandlungskonzepte
           -   Gesundheitsökonomische Aspekte
           -   Optimierung der Patientenbetreuung


Short Form-36 Health Survey (SF-36)
• meist verbreitet
• gut erprobt, gute Normen, gute Werte
• entwickelt in der Medical Outcomes Study (Ware & Sherbourne, 1992)
• deutsche Version von Bullinger, Kirchberger & Ware (1995)
• krankheitsübergreifende Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (generisches
Meßinstrument
• weiteste Verbreitung unter den Verfahren zur Erfassung der gesundheitsbezogenen
Lebensqualität im internationalen Vergleich
• Vorgabe ab 14 Jahren
• Bearbeitungszeit ca. 10 Minuten
• 36 Items mit variierenden Antwortkategorien (dichotomes bis sechsstufiges
Antwortformat)

                                                                                           36
• acht Dimensionen der subjektiven Gesundheit
• 2 Werte höherer Ordnung: körperliche und psychische Summenskala (PCS =
physical component summary score, MCS = mental component summary score)


Dimensionen der SF-36:
• Körperliche Funktionsfähigkeit: 10 Items; Ausmaß, in dem der Gesundheitszustand
körperliche Aktivitäten beeinträchtigt (z.B. Gehen, Treppen steigen,
Laufen)
• Körperliche Rollenfunktion: 4 Items; Auswirkung der körperlichen Gesundheit auf
die Arbeit oder andere tägliche Aktivitäten (z.B. nicht so lange wie üblich tätig
sein)
• Körperliche Schmerzen: 2 Items; Ausmaß und Einfluss der Schmerzen auf die
tägliche Arbeit (z.B. Alltagsaktivitäten zu Hause und im Beruf)
• Allgemeine Gesundheitswahrnehmung: 5 Items; persönliche Beurteilung der
aktuellen und zukünftig erwarteten Gesundheit (z.B. Gesundheit im Vergleich zu
anderen)
• Vitalität: 4 Items; empfundene Energie (z.B. voller Schwung sein)
• Soziale Funktionsfähigkeit: 2 Items; Ausmaß, in dem der körperliche
Gesundheitszustand oder emotionale Probleme soziale Kontakte bzw. Aktivitäten
beeinträchtigen (z.B. Besuche bei Freunden)
• Emotionale Rollenfunktion: 3 Items; Beeinflussung der Arbeit oder anderer
täglicher Aktivitäten von emotionalen Problemen (z.B. weniger schaffen als
gewöhnlich)
• Psychisches Wohlbefinden: 5 Items; Bestimmung der allgemeinen psychischen
Gesundheit (z.B. glücklich oder entmutigt und traurig sein)
• 1 zusätzliches Item (wird zu keiner Skala gezählt) bezieht sich auf die
Veränderung des Gesundheitszustandes im V




Neuropsychologische Interventionen (Gastvortrag vonProf. Kryspin-Exner)


Kognitiv-Lerntheoretisches Modell & Neuropsychologie
   Hohe Affinität zu empirischer Grundlageforschung

                                                                                    37
   Basis: Allg. Psychologie, Medizin (Neurologie)
   Orientierung am Verhalten, vgl. zerebrale Funktionsdiagnostik
   Keine Störung wird aus dem Behandlungsbereich ausgeschlossen sofern sich ein
    Bedingungsgefüge erstellen lässt
    Voraussetzung ist eine umfassende Beschreibung der zerebralen Anfälle und eine
    Therapiebegleitende Diagnostik
   Verhaltenstherapie und Neuropsychologie arbeiten hypothesengeleitet und
    ergebnisorientiert
     Evaluation- Validierung der Methoden


Kognition
Umfasst Phänomene des Denkens, wie Begriffsbildung, Schlussfolgern, Problemlösen, und
Kriterien de Gedächtnisses, wie Speichern und Abrufen von Inhalten. Weiters werden
Aspekte der Wahrnehmung unter dem Kognitionsbegriff subsumiert, insgesamt also der
Informationsprozess durchleutet. Diese kogn. Prozesse stehen in Wechselwirkung mit
Einstellungen, sozialen Rollen, sowie dem Selbstbild, also mit denjenigen Faktoren
zusammen die Identität bilden. Identität und Kognitiom unterliegen somit einem
Wechselwirkungsverhältnis während des gesamten Erwachsenenalters. Diese
Wechselwirkung wird durch hirnorganisch bedingte Erkrankungen erheblich gestört.


Neuropsychologische Störungen
= zentral bedingte Verhaltensstörungen und Verhaltensabweichungen unterschiedlichster Art,
die eine direkte oder indirekte Folge struktureller oder funktioneller Gehirnveränderungen
darstellen. Sie beinhalten mit diesen zerebralen Ausfällen („Hirnschädigungen“, „zerebrale
Dysfunktion“) einhergehende Kompensationsbestrebungen des Organismus bzw. der
Persönlichkeit, mit denen der Verlust der individuellen Identität auszugleichen versucht wird
(Coping- Mechanismen).




ÄTIOLOGIE NEUROPSYCHOLOGISCHER STÖRUNGEN
3 Verursachungsbedingungen:
    1. Hirnerkrankungen und -verletzungen, die sich unmittelbar und primär auf die zerebralen
        Strukturen auswirken und zu jedem Zeitpunkt des Lebens auftreten können
          traumatische Hirnschädigungen

                                                                                                38
            zerebrovaskuläre Störungen
            intrakranielle Tumore
            intrakranielle Infektionen
            degenerative Hirnerkrankungen (präsenile und senile Krankheiten)
            Prä- und perinatale Komplikationen, z.B. Hypoxie, Infektionen
            etc.
   2. Auswirkungen allgemeinmedizinischer Erkrankungen
        kardiovaskuläre, hämolytische, respiratorische, endokrine, metabolische, etc.
   Erkrankungen
   3. Auswirkungen medizinischer Behandlungsmaßnahmen
             -     Pharmakobehandlung
                   - Radiotherapie
                   - Herzoperationen
                   - Hamodialyse
KOMPLEXE FUNKTIONSSTÖRUNGEN II
(„Klinisch-neuropsychologische Syndrome“)
Aphasie – Störungen des Sprechens
Apraxie – Beeinträchtigungen in der Ausführung von erlernten und zweckmäßigen
Handlungen
Agnosie – Störungen des Erkennens erhaltener Wahrnehmung sowie ausreichender
Aufmerksamkeit und Intelligenz (akustisch, taktil, Farbagnosie, Prosognosie)
Alexie
Störung des Lesens
Agraphie
Störung des Schreibens
Akalkulie
Störung des Rechnens
Anosmie
Störung des Riechens

NEUROPSYCHOLOGISCHE STÖRUNGEN:
DEMOGRAPHISCHE und EPIDEMIOLOGISCHE DATEN
Alter
Alkoholismus
Somatische Erkrankungen
Traumatische Hirnverletzungen
Folgen der Verbesserung der Intensivmedizin
Neurologische Erkrankungen
5% der Bevölkerung leiden unter schweren zerebralen Störungen
prä- und perinatal bedingte Hirnschäden oder Hirnfunktionsstörungen: 5 - 10 %




                                                                                        39
PROBLEME, DIE HIRNORGANISCH-GESCHÄDIGTE
PATIENTEN AM HÄUFIGSTEN SCHILDERN
Gedächtnisprobleme 49%
Müdigkeit 41%
Gesteigertes Schlafbedürfnis 39%
Irritierbarkeit 36%
Langsamkeit 34%
Aufmerksamkeitsprobleme 31%
Ängste 31%
Intoleranz gegenüber Lärm 30%
Benommenheit 27%
Kopfschmerzen 25%
Antriebslosigkeit 25%
NOSOLOGIE
…abhängig von…
Ätiologie
Lateralisation
Lokalisation
Schwere
Einwirkungsgeschwindigkeit
Einwirkungszeitpunkt
Verlaufsform


PSYCHOPATHOLOGISCHE SYMPTOME oder SYNDROME
bei ERWORBENEN HIRNSCHÄDIGUNGEN
Abwehrmechanismen
Depression
Apathie, Gleichgültigkeit, Antriebsmangel, Mangel an Spontaneität
Angst
Emotionale Labilität
Beeinträchtigung der Impulskontrolle
Misstrauen, paranoide Züge
Somatoforme Störungen (Schwindel, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, subjektives Gefühl der
verminderten intellektuellen Leistungsfähigkeit, Hypochondrie, Konversionssyndrome)


                                                                                       40
Psychogenes Schmerzsyndrom
Hyperästhetisch-emotionaler Schwächezustand
Verschärfung prämorbider Persönlichkeitszüge (-störungen)
Anpassungsstörungen (insbesondere bei Belastungen)
Sozialer Rückzug (Rollenwechsel in der Familie)


Strategien Verhaltenorientierter Neuropsychologie („Behavioral Neuropsychology“)
   Theoriegeleitete Diagnostik, aus der die Therapie abgeleitet wird
   Verwendung alltagsrelevanter und valider Verfahren und Instrumente in Diagnostik und
    Therapie
   Systematische, individuell abgestimmte Verstärkung
   Explizite Formulierung von Therapiezielen (inhaltlich festlegen und formal untermauern)
   Vermittlung von therapeutischen Methoden und Strategien
   Transfertraining
   Genaue Lernziele festlegen
   Messen der Defizite, um eine Baseline zu erhalten
   Entscheidung für die geeignete Strategie
   Therapieplanung
   Beginn der Therapie
   Laufende Erfolgskontrolle  falls erforderlich Programm ändern


Methoden der Klinisch-Psychologischen Diagnostik
Problemanalyse
Problemanalyse:
    1) Anamnese: Informationen zur medizinischen und sozialen Biographie der Patienten  Ziel:
       Skizze vom bisherigen Leben des Patienten; z.B. bei einem Demenzpatienten ist
       wahrscheinliche von einer organischen Ursache auszugehen, bisherige Krankheiten werden
       angesprochen, etc.
    2) Exploration: die mit der Erkrankung verbundene Geschehnisse, Beschwerden und Probleme
       aus der Sicht des Patienten und ggf. auch aus der Sicht der Bezugspersonen; z.B.: vor allem
       bei Demenzpatienten ist es wichtig die Sicht der Bezugspersonen zu berücksichtigen, da diese
       Patienten oft meinen, kein Problem zu haben..
    3) Verhaltensbeobachtung: Erfassung des Zusammenwirkens verschiedener Störungen auf der
       Ebene von natürlichen Verhaltensweisen und des Zusammenwirkens hirnorganisch bedingter
       und psychoreaktiver Verhaltenskomponenten

                                                                                                     41
    4) Psycho- und Testdiagnostik
    5) Psychophysiologische Diagnostik
    6) Zerebrale Funktionsdiagnostik: Registrierung erhaltener Fähigkeiten, Erfassung der
          Funktionsdefizite; z.B.: In wie weit kann der Demenzpatient den Alltag bewältigen
    7) Umfeldanalyse: Anforderungsprofile relevanter Lebensbereiche erstellen


Arten der Defizitmessung
    Ausfallserscheinungen der Basisfunktion
    Vergleich mit prämorbiden Leistungsmaßen
    Vergleich mit Populationsnormen
    Vergleich mit prämorbiden Leistungsschätzungen
    Verlaufskontrollen ==> Beurteilung des Ausmaßes der Geschwindigkeit der Leistungsbesserung
    oder Leistundgsverschlechterung
    Interhemisphärischer Leistungsvergleich nach dem Prinzip der Funktionalen Hemisphären-
    Spezialisierung
    Interhämisphärischer Leistungsvergleich nach dem Prinzip der kontralateralen Repräsentation
    (elementare Funktionen. Insbesondere motorische)


Aufgaben zerebraler Funktionsdiagnostik:
    Analyse und Beschreibung der Ausfälle bei bekannter zerebraler Lokalisation
    Versuch der Differenzierung von Störungen, deren hirnorganisches Substrat (noch ) nicht bekannt
    ist
    Abteilung prognostischer Hinweise
    Hilfestellungen bei Entscheidungen beruflicher Art
    Plannung von Therapie- und Rehabilitationsmaßnahmen
    Verlaufskontrollen
    Evaluation therapeutischer Maßnahmen


Funktionen der Verlaufskontrolle:
    Signifikanz an Leistungszuwachs
    Spontanrückbildung
    Selbstkontrolle des Therapeuten
    Erfassung des zeitlichen Verlaufs
    Grundlage der Modifizierung bzw. Beendigung der Behandlung




                                                                                                   42
     Stabilität des Interventionseffektes
     - zwischen den Behandlungen
     - nach Abschluss der Behandlung


Zielsetzungen der Erfassung kognitiver Defizite:
     Charakterisierung des funktionalen Zustandes eines Patienten auf verschiedene Ebenen
     Verlaufskontrolle (spontan, unter verschiedenen Bedingungen z. B. unter Abstinenz, unter
     Medikamentöser Behandlung)
     Entscheidungshilfe (z.B. im Rahmen gutachtlicher Fragestellungen)
     Verlaufsprognose (Vorläufig anhand hypothesengeleiteter experimenteller Fragestellungen)
     Erfassung neuropsychologischer Wirkungen und Korrelate verschiedenartiger Erkrankungs- und
     Störungsformen
     Erfassung der Auswirkungen neurologischer, neurochemischer, chemotherapeutischer und
     sonstiger medizinischer Maßnahmen
     Planung und Evaluation individueller Rehabilitations- oder therapeutischer Programme
     Beratung des Patienten und seiner Angehörigen


NEUROPSYCHOLOGISCHE REHABILITATION (Behavioral Neuropsychology)
I Förderung elementarer psychischer Funktionen (Skills-Training)
II Orientierung an intakten Hirnfunktionen
III Einbeziehung der Störung in den Prozess der Informationsverarbeitung
    Strukturierung des Therapieplans
    klare Instruktionen
    Berücksichtigung der Schwankung bzw. Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit und Konzentration
(z.B. in Hinblick auf die Dauer einer Therapieeinheit)
    Berücksichtigung der Hemisphärenspezialisierung
    Einbeziehung interner Reize, wie Gedanken, Gefühle und Phantasien
    Training antizipatorischer Fertigkeiten
    Training von Problemlösefertigkeiten (z.B. aufgabenbegleitendes Verbalisieren des
Handlungsablaufs .
    Bedeutung operanter Methoden (Shaping)
 - für den Patienten
 - für den Therapeuten
    Motivationserhöhung mit Hilfe des Kontingenzmanagements
 - Selbstinstruktion, Selbstkontrolle
 - Training sozialer Fertigkeiten
Zielsetzung:

                                                                                                 43
Übergeordnetes Ziel  Hilfe zur Selbsthilfe: Der Patient und die Angehörigen müssen davon
überzeugt werden, dass sie aktiv an der Therapie mitarbeiten müssen.




Mediation – Die Vermittlung in Konflikten durch unparteiische Dritte (Gastvortrag von
Mag S. Schabernig):



Mediation
Folie 4: Geschichtliche Entwicklung
Umweltmediation, Schulmediation (Peer-Mediation), Wirtschaftsmediation, Mediationen im
Bildungsbereich

Folie 5: Rechtliche Situation in Österreich

Folie 6: Philosophie der Mediation:
Gefahr
                      → Krise
Chance

Analog der sookratisch-platonischen Mäentik
Zur Lösung hinführen, nicht vorgeben!
Konflikte lösen sich nachhaltiger

Lösung von einer kontradiktorischen Vorgehensweise: z.B. 2 Parteien, Positionen verhärtet
Mediation – Versuch die Interessen zu finden, Bedürfnisse auszusprechen, Prozess
durchzubrechen, Positionen zu bewegen

Ziel: win-win-Situation
Beide Gewinner, keine Verlierer

Folie 7:
Prinzipien der Mediation
-) Autonomie (Mediatoren sind für den Prozess verantwortlich, nicht für die Lösung!)
-) Win-win
-) außergerichtlich (! Nicht nach außen getragen! Verschwiegenheit)
-) Neutralität (Mediator allbeteiligt, neutral)
-) positives Konfliktverständnis (Konflikte sind normal, jeder hat Konflikte)
-) freiwillig (Interesse muss von den Parteien kommen, jederzeit Abbruch möglich)
-) zukunftsorientiert (Analyse des Ist Zustandes und fokussiert auf die Zukunft)




                                                                                            44
Folie 8: Orangen - Beispiel:
2 Schwestern streiten um eine Orange
Warum wollt ihr die Orange unbedingt haben?
Eine braucht Schale für Kuchen; andere braucht Orange für Saft

Wichtig:
Wie man von verhärteten Positionen zu darunter stehenden Interessen kommt

      Positionen: konkurrierende, sich oft gegenseitig ausschließende Standpunkte der
       Parteien im Konflikt
      Interessen: die hinter dem Standpunkten verborgenen Ziele, Bedürfnisse, Wünsche,
       Erwartungen, aber auch Emotionen

Folie 9: Rolle von Mediatoren:
     Vermitteln zwischen den Parteien
     Bewerten oder urteilen nicht
     Nehmen alle Standpunkte ernst
     Leiten und strukturieren den Lösungsprozess (roter Faden)
     Schlagen keine Lösungen vor
     Verhindern unrealistische unethische Lösungen
     Gehen vertraulich mit dem Gehörten um
     Sind neutral (kulturspezifisch) (Autonomie, Individualität)
     Helfen den Beteiligten, sich über ihre Gefühle und Interessen klar zu werden
     Achten auf das Einhalten von Kommunikationsregeln
     gleichen Machtungleichgewichte aus (gleich viele Leute, von jeder Partei einen
        Vertreter)


   F.10. Recht – Macht – Interessen




                                                                   Interessen
                  Interessen
                                                                     Recht
                    Recht
                                                                     Macht
                    Macht



                   Üblich                                        Inter-Mediation




                                                                                          45
F.11. Konfliktpyramide




                                      Sachkonflikt




                                    Werte, Gefühle,
                                   Missverständnisse,
                              intrapersonelle Probleme
                             Positionen, Beziehungsprobleme




F.11. Kommunikationsprozess
  -   2 Parteien
  -   Jeder stellt seine Sichtweise dem Mediator vor
  -   Kommunikation über Mediator
  -   Dann reden sie miteinander in Gegenwart des Mediators
  -   Dann miteinander ohne Mediator


F.12. Interventionen in der Mediation

   Aktives Zuhören: Empathie, Interesse an anderen, beiden gleich zuwenden
   Spiegeln: entweder spiegeln der Aussage, wie ich das richtig verstanden haben oder
    als Filter ( positive hervorheben, negative weglassen); zur anderen Seite weitergeben
   Zusammenfassen: was bisher schon erreicht wurde, Fortschritte, visualisieren
   Fragenstellen (roten Faden führen):
        o Eröffnungsfragen: Was war der Anlass?
        o Informationsfragen: Wer lebt im Haus? Wie alt sind die Kinder?
        o Klärende Fragen: Was wünschen Sie sich? Was bedeutet es für Sie
             Verantwortung zu übernehmen?
        o Hypothetische Fragen: Wie sieht eine ideale WG aus? Wenn Sie das Drehbuch
             schreiben könnten, wie würde es aussehen? (Brainstorming)
     am Beginn offene Fragen, am Ende geschlossene
   Normalisieren: „Es ist verständlich und normal, dass es im täglichen Leben Konflikte
    gibt!“

                                                                                       46
         Zukunftsorientierte Gesprächsführung: Was muss sich ändern, damit es funktioniert?
         Positiv Umdeuten: Ich habe den Eindruck, sie sind sehr fürsorglich?


Gutes Buch dazu: Christof Besema: „Mediation“


F12. Kreativität 1 Foto

Beide stehen auf den gegenüberliegenden Ufern

   -      Begrenzte Sichtweisen korrigieren
   -      denken in Alternativen
   -      Beispiele für kreative Techniken
             o Brainstorming
             o Analogietechniken

F13. Vorraussetzungen Foto

   -      Motivation zur Mediation - Freiwilligkeit
   -      Eigenverantwortlichkeit (jeder kann für sich sprechen)
   -      Bereitschaft Konflikte und Sachlagen offen zu legen
   -      Aussetzung bereits laufender Verfahren (vor Gericht)

F14. Umgangsregeln

   -      andere Seite ausreden lassen
   -      zuhören können
   -      keine beleidigende Sprache
   -      keine Übergriffe

F15. Phasenmodell

   I.        Einleitung
   II.       Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien
   III.      Konflikterhellung
   IV.       Problemlösung
   V.        Vereinbarung

Ad I. Einleitung
   - Ziel der Mediation verdeutlichen (was ist Mediation? , Ziel des Mediators?)
   - Rollenverständnis von M. vermitteln
   - Regeln vereinbaren (Mediationsvereinbarung)

Ad II. Sichtweise der Konfliktparteien
   - Parteien tragen Standpunkte vor
   - Mediatorin: spiegeln, zusammenfassen, positiv umdeuten
   - Themen aufschreiben (Flipchart)
Meist zu zweit, einfacher, besser

Ad III. Konflikterhellung

                                                                                           47
   -     Wünsche und Interessen herausarbeiten
   -     Mediatorin: nachfragen, klären
   -     Wechselseitigkeit

Ad IV. Problemlösung
   - Brainstorming
   - Vorschläge auswählen und prüfen
   - Heranziehen von Sachinformationen

Ad V. Vereinbarung
   - Einigung auf die beste Lösung
   - Unterzeichnung der Vereinbarung
   - Abschluss/ Geste


Nachfolgetreffen

-> Nachhaltigkeit?

Folie weiters -> Abgrenzungen

   -     Therapie (Psychoanalyse)
            o Interpersonelle Konflikte
            o Eine Partei (in der Regel)
            o Lösung treffen
            o Persönlichkeitsprobleme

versus

   -     Mediation
           o Interpersonelle Konflikte
           o Mehrere Parteien
           o Lösung des aktuellen Problems



Rechtsweg:
    Parteilichkeit
    Interessensvertretung
    Ergebnisverantwortung
    Anspruchsdenken

VS.

Mediation:
   Neutralität
   Interessensforschung
   Prozessverantwortung




                                                 48
PEERMEDIATION
                                    (auf Schülerebene)

      ein Baustein zur Friedenserziehung, Gewaltprävention und alternativer
       Konflikthaltung an Schulen
      Konfliktmediation zwischen Jugendlichen durch jugendliche MediatorInnen

! Modelllernen: Personen mit Ansehen!

Peermediatoren – Schüler der Oberstufenschule

Folie: Peermediation

                                 Peergroup Mediation
Faktoren für eine erfolgreiche Realisierung:
   1. Akzeptanz (Lehrer, Schüler, Direktor, Eltern)
   2. Prozesshaftigkeit (1 – 2 Jahre bis es zum Laufen kommt)
   3. Mediation als Teil der Schulentwicklung
   4. Kooperation mit externen Fachkräften
   5. Finanzierung



Wichtig für die Prüfung:
           - Folie von Mediatoren
           - Welche Interventionen
           - Prinzipien
           - Wie läuft die Mediation, als Peermediation (Studie auf homepage)
           - Kapitel 2.5, 2.6
           - Kapitel 5.1, 5.2


Die Adresse wo die Studie mit den wichtigen Kapitel ist:
Studie:
Peer-Mediation: Kooperative Konfliktbewältigung an österreichischen Schulen. Strukturen –
Wirksamkeit – Entwicklungschancen“.
http://www.bmukk.gv.at/schulen/unterricht/ba/peer-mediation.xml
Prüfungsimmanent: Kap. 2.5; 2.6; 5.1; 5.2




                                                                                        49
Psychologische Behandlung von (Kopf-)Schmerzpatienten (Gastvortrag: Mag.Dorothea
König)




Schmerzformen:

                                                        1. Schmerz
                           Oberflächenschmerz                            Haut
                                                        2. Schmerz
                                  Somatischer Schmerz
                                                        Muskeln
                           Tiefenschmerz    ---------   Bindegewebe      Kopfschmerz          !
                                                        Knochen


                                                        Aus den
Viszeraler Schmerz         dumpfer Schmerz              Eigenweiden      (innere Organe)
                                                        übertragen



Psychologische Aspekte des Schmerzes:

                                     Epidemiologie
    73 %  Kopfschmerzen
    56 %  Rückenschmerzen
    53 %  Muskelschmerzen
    51 %  Gelenksschmerzen
    12,8 %  chronische Schmerzen (länger als 6 Monate)
   D: Prävalenz chronischer Schmerzen 5 – 10 %
   Ö: chronische Schmerzen bei 400 000 – 800 000 P.


Unterscheidung:
    vorübergehende Schmerzen
    akuter Schmerz (z.B. Schnitt in den Finger, heilt wieder)
    chronischer intermittierender Schmerz (z.B. Migräne, Schmerzen nicht ganzes Jahr)
    chronischer persistenter Schmerz (permanenter Schmerz mit Schwankungen)




                                                                                         50
                  Unterscheidungsmerkmale akuter und chronischer Schmerzen


                                   Akute Schmerzen              Chronische Schmerzen
Dauer                                    Nur kurz                   Lang andauernd
                                                               6 Monate bzw. wiederkehrend
                                                               Unbekannt und vielschichtig
                                Bekannt und gegebenenfalls
Ursache                                                          Oder bekannt und nicht
                                 therapierbar (Verletzung,
                                                                      therapierbar
                                       Entzündung)
                                                                  (Wirbeldegeneration)

           Funktion             Warnfunktion (Herdplatte)          Keine Warnfunktion

                                                                          Abbau
                                                                 schmerzunterstützender
                                Schonung, Behandlung der
                                                                Faktoren (Lebenswandel)
          Intervention         Schmerzursachen, analytische
                                                                    Veränderung von
                                      Behandlung
                                                                    katastrophierender
                                                                      Verarbeitung
                                                                Linderung der Schmerzen,
    Behandlungsziele                                              besserer Umgang mit
                                      Schmerzfreiheit
                                                                 Schmerz, Minderung der
                                                                     Beeinträchtigung

        Psychologische            Hoffnung auf Erfolg der              Resignation,
                                       Behandlung,                 Hoffnungslosigkeit,
        Konsequenzen               Kontrollüberzeugung          Hilflosigkeit, Depressivität


Chronische Schmerzen  häufig verbunden mit:
    Depression
    Irritierbarkeit
    Hilflosigkeit
    Beeinträchtigungen (Familie, Arbeitsplatz, Aktivitäten)



Schmerzpersönlichkeit?


    schmerzspezifische Persönlichkeit ≠ identifiziert werden
    erhöhte Ausprägung in Neurotizismus, Depressivität und Ängstlichkeit
    meist durch chronische Krankheit bedingt, (eher) nicht prädispositionell  depressiv
      eher mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit  klinischer Hinweis

generell  chronische Krankheit = Auslöser von Depressionen, Ängsten,…

ABER: bestimmte Formen der Krankheitsverabeitung (Katastrophieren) und
Krankheitsbewältigung beeinflussen in großem Ausmaß den Grad der Beeinträchtigung.
                                                                                           51
Krankheitsverständnis

Bio – Psycho – Sozial

Multidimensionales Modell der Schmerzen

Schmerzkomponenten:
    sensorische: spüre wo der Schmerz lokalisiert ist; wie stark er ist; neurophysiologisch
    vegetative: Herz schlägt schneller
    motorische: Fluchtreflex (Schmerzfunktion  Hand  Herdplatte  wegziehen)

+
     affektive Komponenten (unangenehme Empfindung)
     kognitive Komponenten (Bewertung des Schmerzes)
     verhaltensbezogenen und soziale Komponenten (z.B. nimmt gleich ein Schmerzmittel;
      wie geht Familie mit Schmerzen um? Läuft zum Arzt? Sensibilität vorhanden?)

 verschiedene Aspekte bedingen individuelles Schmerzerleben

Arztbesuch                                                                 Verzweiflung
Vermeidung                   Verhalten               Emotionen
Körperliche Aktivität
                                     Schmerzerleben
                             (Intensität, Qualität, Ort, Zeit)


                             Biologische Prozesse            Kognitionen
Muskelverspannung                                                          Katastrophieren
                                                                           Schonmythen
                                                                           Überzeugung der
                                                                           Nicht-Beeinfluss=
                                                                           barkei




Somatoforme Schmerzstörungen

ICD-10: andauernde Schmerzen die nicht direkt oder vollständig durch organische Ursache
erklärbar sind.

          Rückenschmerzen
          Rheumatische Erkrankungen                               ! ärztliche Abklärung
          Bauchschmerzen                                                   unerlässlich!
          Verschieden Formen von Kopfschmerzen



                                                                                            52
Formen von Kopfschmerzen:

      Spannungskopfschmerz
      Migräne
      Medikamenteninduzierter Kopfschmerz
      Cluster-Kopfschmerz


* Klassifiktationssytem der Internationalen Headache Society (IHS) : tension type headache
* frühere Bezeichnungen: Muskelkontraktions  Stresskopfschmerz

      Episodischer KST
      Chronischer KST



Episodischer Kopfschmerz (Spannungskopfschmerz)
    Wiederkehrende, Minuten bis Tage dauernde Kopfschmerzepisoden
    Schmerzqualität: drückend, spannend
    Schmerzintensität: schwach bis mittel; bei körperlicher Aktivität nicht verstärkt.
    Lokalisation: bilateral
    Begleitsymptome: Licht- oder Lärmempfindlichkeit möglich; keine Übelkeit

Chronischer Kopfschmerz
Chronische Tage mit Kopfschmerzen überwiegen; Übelkeit kann auftreten

Ursachen (nach IHS)
    oromandibuläre Dysfunktion zB Bruxismus (Zähneknirschen)
    psychosozialer Stress
    Angststörungen
    Depressive Erkrankung
    Überbeanspruchung der Muskulatur (Arbeitshaltung, Mangel an Schlaf/Ruhe,
      Muskelverspannungen)
    Übermäßige Einnahme von Drogen (auch zuviel Aspirin)
    Aktueller Lebenswandel

Migräne
    Idiopathischer Kopfschmerz (selbständiges Krankheitsbild)
    Medikamentenklasse Triptane (greifen speziell in Attackenmechnanismen ein)
    Neurologische Funktionsströrung

Die Aspekte der Lebensführung können in der Zeit zwischen den Attacken Einfluss auf die
Attackenfrequenz nehmen (Trigger  psychologische Seite) zB unregelmäßiger Schlaf

Charakteristik:
    Wiederkehrende Attacken von 4-72 Stunden; 1-6x im Monat
    Schmerzqualität: pulsierend, pochend, klopfend, hämmernd, stechend
    Schmerzintensität: mittel-stark; bei körperlicher Aktivität verstärkt
    Lokalisation: meist einseitig auftretend (okzipital oder frontal)
    Begleitsymptome (müssen nicht immer auftreten):
          o Übelkeit und/oder Erbrechen
          o Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
                                                                                             53
Aura (Teil des Patienten)
= Neurologischer Reiz und Ausfallsymptome
    Visuell (Lichtblitze, Gesichtsfeldausfälle)
    Sprech- und Sprachstörungen
    Sensibilitätsstörungen

Aurasymptomatik entwickelt sich über einen Zeitraum von 5-20 Minuten und dauert bis zu
einer Stunde an.

Phasen:
    Prodromalphase: Veränderung der Stimmung, des Antriebs, des Appetits 
      Hyperaktivität
                 Reizbarkeit, Heißhunger, Konzentrationsstörungen
    Auraphase: nur bei einem Teil
    Schmerzphase: pochende Schmerzen mit hoher Intensität
    Postdromalphase: (bis zu 2 Tage; oft Erschöpfung)

Psychologische Intervention ist wichtig; aber auch Medikamente nötig ( individuelle
Einstellung; schon bei der Prodromalphase nehmen)

Ursachen:
    Genetik
    Serotonin
    Persönlichkeitszüge (Leistungsorientierung, zwanghaftorientiert)
    Diathese-Stress-Modell (Zusammenspiel verschiedener Faktoren)
    Triggerfaktoren als Auslöser (Schlaf)

Aufgaben der Psychologie bei Kopfschmerzen
    Beschreibung und Analyse des Schmerzerlebens und –empfindens und des
      Schmerzausdruckes (neurologische/medizinische Befunde einsehen)
    Erfassung von Zusammenhängen zwischen Schmerzerleben und verschiedenen
      Formen, psychische Beeinträchtigung
    Bewältigung von Schmerzen und schmerzbezogenen psychischen Beeinträchtigungen
      und Störungen

Schmerzanamnese
    Aktuelle Beschwerden
    Krankheitsentwicklung (Zeitachse), Chronologie (KH, OP´s, Unfälle)
    Einflussfaktoren und Bedingungen (wie reagiert die Umwelt)
    Lebenssituation (Trigger)

Steht das Auftreten der Schmerzen im Zusammenhang mit zB Arbeitsplatzwechsel, famil.
Trauer, …

    Persönlichkeit ……

    Persönlichkeit (wie schätzt Person sich ein? wie sehen ihn andere Personen?)
    Familien-Anamnese/Biographie (Krankheits-Häufung, Erziehungs-Stil, Thema
       Schmerz in der Familie)

                                                                                         54
     Subjektives Krankheits-Konzept (kogn./emot. -> Krankheit, selber beeinflussen
       kann,..)

                                  Ansätze der Schmerzdiagnostik
   Schmerzerleben bzw- empfinden
   Schmerzverhalten
   Schmerzbewältigung
   Schmerzbedingte psychische Beeinträchtigugen
-> Subjektivität des Schmerzes!

                                        Schmerzverhalten
Anhand von Verhaltensbeobachtung und Selbstauskünften
 Verbaler Schmerzausdruck (Klagen, Beschwerden)
   paraverbaler Schmerzausdruck (Stöhnen, Gestik, Mimik, Körperhaltung)
   Rückzugs- und Schonverhalten
   Medikamentengebrauch
   Inanspruchnahme des Gesundheitsversorgungssystems (wie oft gehe ich zum Arzt?)

                                        Schmerzintensität
Visuelle Analogskala (VAS): kein Schmerz bis stärkster vorstellbarer Schmerz
Differenzierte Antwort möglich (2 Gegenpole)
Schmerzlokalisation: Bilder zeigen, so versuchen zu eruieren wo Schmerz liegt

                         Beispiele für Instrumente zur Schmerzerfassung
   Schmerzempfindungs-Skala (SES)
   Fragebogen zur Erfassung der Schmerzverarbeitung (FESV)
    -> auch Coping erfassen
   Coping Strategies Questionnaire (CSQ)
   Multidimensionaler Schmerzfragebogen (MPI-D)
   Schmerztagebücher bzw –kalender
    -> hilfreich um Auslöser (Trigger) festzustellen
    -> hilfreich für psychologische Interventionsansätze (kognitive Umstrukturierung)

                      Erfassung schmerzassoziierter psychologischer Aspekte
   Befindlichkeit
   Depression
   Angst (STAI)


                                                                                        55
                       Psychologische Verfahren zur Schmerzbehandlung
   Entspannungstechniken (progressive Muskelentspannung)
   Biofeedback
   Schmerzbewältigungstraining
   Streßbewältigungstraining
   Kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansatz

                                Progressive Muskelentspannung
   Wahrnehmung muskulärer Anspannung
   Diskriminierung von Spannungszuständen
   Willentliche Reduktion von Spannung einzelner Muskelgruppen
   Anspannung – Entspannung
   16 Muskelgruppen
   Reduktion auf 7 bzw 4 Muskelgruppen bis zur „Vergegenwärtigung“ von Anspannung

                                         Biofeedback
   Körperfunktionen werden über PC-Bildschirm zurückgemeldet, zB optisch oder akustisch
   Positive Änderungen der Körperfunktionen werden verstärkt
   Man kann lernen, Körperfunktionen zu beeinflussen
   Körperfunktionen (Hautleitwert, Körpertemperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz,
    Muskelspannung)

                            Biofeedback bei Spannungskopfschmerz
   EMG Elektromyogramm und Muskelentspannung
    - Trapezmuskel
    - Stirnmuskel
   Über Bauchatmung zu entspannen

                                    Biofeedback bei Migräne
   EMG: Reduktion der Stirn- und Nackenanspannung
   Temperatur – Handwärmungstraining (Sonne)
    - Steigerung der Durchblutung
    - Wichtig für Intervallprophylaxe



                                                                                      56
   Vasokonstriktionstraining (VRT)
    - Spezielle Sensoren messen Blutfluß in der Schläfenpartie
    - Über Biofeedback wird gelernt, die Gefäße willentlich zu erweitern (Hintergrund: bei
    Migräne kommt es zu einer Entgleisung des Gefäßes)

                                  Schmerzbewältigungstraining
1. Von Schmerzen ablenken
     -> Ressourcenorientierung, gesunde Teile herausarbeiten
    -> Konzentration weg vom Schmerz (zB Gedankenreise & Biofeedback)
2. Schmerzen verarbeiten
    -> sich selbst wichtig nehmen
    -> besserer Umgang mit sich selbst
    -> auf eigene Bedürfnisse achten
3. Schmerzen annehmen
    -> Transfer in den Alltag (Schmerz akzeptieren und intergrieren)




                                       Kognitive Methoden


Schmerzbewältigungstraining:
1.Schritt:
                   -   von Schmerzen ablenken können
                   -   gesunde Teile herausarbeiten  Ressourcen
                   -   konzentriert weg vom Schmerz z.B. durch Gedankenreise
2.Schritt:
                   -   Schmerzen verarbeiten dürfen
                   -   Sich selbst wichtig nehmen
                   -   Besserer Umgang mit sich selbst
                   -   Auf Bedürfnisse achten
                   -   Diskrepanz in Wertvorstellung z.B. Beruf/Familie
3.Schritt:
                   -   Schmerzen annehmen: Transfer in den Alltag (man kann Schmerzen nicht
                       immer vollständig zum Verschwinden bringen)



       Patient soll mittels Training interne und externe stressauslösende Bedingungen wahrnehmen

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      Sowie darauf achten, mit angepassten Verhaltensweisen reagieren können




      Trainingsschritte:
                   -    Stressanalyse
                   -    Entspannungstechniken erlernen
                   -    Gegenkonditionierung durch systematische Stressinduktion
                   -    Transfer in den Alltag


Kognitive Therapie:
      Grundannahme:
                   -    Alle Schmerzen werden einer kognitiven Bewertung unterzogen
                   -    Patient erlebt sich hilflos
                   -    Glaubt keine Kontrolle über den Schmerz zu haben
      Primäre Ziele:
                   -    Förderung der Selbstkontrolle
                   -    Aufbau von Kompetenzverhalten
                   -    Unerstützung der Eigenverantwortung
      Schmerzwahrnehmung wird auf 3 Komponenten aufgeteilt:
                   -    sensorisch
                   -    emotional
                   -    kognitiv
      individuelles Schmerzmodell hinterfragen und auf die 3 Komponenten auflösen
      Funktionsniveau des Patienten soll sich verbessern, Bewältigungsstrategien vermittelt,
       Selbsteffizienz erhöht werden


Kognitive Ansätze in der psychologischen Behandlung (Gastvortrag: Mag. Barbara
Gegenhuber):
Der ganze Vorlesungsinhalt befindet sich auf PPTFolien.
!Folien WebCity! Diese werden im Psychoforum zusätzlich zur Verfügung gestellt.




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