Ringvorlesung �Einf�hrung in die Methoden der empirischen

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					Philosophische Fakultät Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung




Ringvorlesung
„Einführung in die Methoden der empirischen
Sozialforschung I“




Dresden, 8. und 15. Dezember 2009
Philosophische Fakultät Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung



       Der Inhalt der nächsten Vorlesungen:



             Auswahlverfahren: Stichproben I und II
             Untersuchungsformen und –techniken im Überblick
             Skalierung und Skalierungsverfahren
             Herkömmliche und kognitive Durchführung von PRE-Test-Strategien
             Theorien der Befragung




        TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                             Folie 2
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              Stichproben I:
              Begriffe und theoretische Grundlagen



              Literatur
              Häder, Michael (2009): Empirische Sozialforschung. Eine Einführung. 2. Auflage, VS
              Verlag für Sozialwissenschaften, S. 143-188.




        TU Dresden, 04.03.2012                                   Stichproben I                            Folie 3
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      USA 1936:                        - Wahlstudie mit 10.000.000 Probestimmzetteln
                                       - Quelle: Telefonverzeichnis und Liste der Kfz-Besitzer,
                                                            davon 2.400.000 Rücklauf
                                       - Ergebnis: 19%-Punkte daneben


      Probleme:                        1) geringer Rücklauf
                                       2) falscher Auswahlrahmen (Frame)

      Aber:                            Quotenstichprobe mit n=1.500 stimmte, Roosevelt gewann
                                       die Wahl  GALLUP




      Merke (1):                       Kleinere Stichproben können besser sein als große,
                                       n alleine sagt nichts über die Qualität der Stichprobe.



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Begriffe

 Stichprobe: Auswahl von Elementen der Grundgesamtheit, n

 Erhebungseinheit: Elemente, auf die sich die Auswahl beziehen kann

 Stichprobenumfang: Zahl der ausgewählten Elemente

 Grundgesamtheit: Alle Elemente, über die eine Aussage getroffen werden soll;
                 Menge, die auf Grund einer bestimmten Eigenschaft für den
                 Forscher von Interesse ist; N

 Totalerhebung:                Alle Elemente der Grundgesamtheit werden in die Erhebung
                               einbezogen

 Frame:        Auswahlrahmen, Ziehungsgrundlage (z.B. Listen, Zettelkasten usw.;
               Voraussetzungen beachten!)

 Undercoverage: Nicht alle Elemente der Grundgesamtheit sind im Frame vertreten

 Overcoverage: Elemente der Grundgesamtheit sind im Frame mehrfach vertreten


  TU Dresden, 04.03.2012                                 Stichproben I                                      Folie 5
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Stichprobe oder Totalerhebung?

      Volkszählung 1987: mehr als 1.000.000.000 DM = (relativ) teuer
      Blutuntersuchungen, Weinproben…  Grundgesamtheit würde zerstört

Beispiel: Bürgerbefragung zum Haushalt einer Stadt, ein
(fehlgeschlagener) Versuch einer Totalerhebung
Verteilung der Fragebögen über Stadtverteiler, auch als download und per
Telefon bestellbar
 Von 27.100 Bögen kamen nur 2.096 zurück

Probleme:
 Geringer Rücklauf der Bögen (7,7% von allen), geringe Akzeptanz
 begrenzte Mittel beim Veranstalter
 keine ausreichende Kontrolle der Rekrutierung
 Ergebnis: völlig sinnlose Daten
(www.neustadt-weinstrasse.de/burgerhaushalt/Download/download.html)

    Oft bieten Stichproben die einzige Alternative.

    TU Dresden, 04.03.2012                              Stichproben I                                     Folie 6
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Weshalb kann man annehmen, dass man aufgrund einer Auswahl nur
relativ weniger Elemente Aussagen (Prognosen) über die
Grundgesamtheit treffen kann?

Überlegung:
 Urne mit N=1.000 Elementen der Grundgesamtheit (Kugeln); 100 weiße und
   900 schwarze
 Stichprobe von n=100 Elementen (Kugeln) wird gezogen
Mögliche Ergebnisse:
 Alle gezogenen Kugeln sind weiß
 Oder: 99 Kugeln sind weiß, 1 ist schwarz
 Oder: alle Kugeln sind schwarz
 Oder: …
Merke (2): Das Ziehen von Stichproben liefert unsichere Ergebnisse.

Wiederholung der Ziehung: ändert prinzipiell nichts

Merke (3): Das Ziehen von Stichproben liefert stets unsichere Ergebnisse.


  TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 7
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           Mögliche Ergebnisvarianten beim viermaligen Wurf einer Münze
                                                           Variante
 Wurf      1      2      3     4      5     6       7     8    9 10           11     12    13     14     15      16   K = Kopf
                                                                                                                      Z = Zahl
   1       K      K      K      K     K     K       K      K      Z      Z      Z     Z      Z     Z         Z   Z
   2       K      K      K      K     Z     Z       Z      Z      K      K      K     K      Z     Z         Z   Z
   3       K      K      Z      Z     K     K       Z      Z      K      K      Z     Z      K     K         Z   Z
   4       K      Z      K      Z     K     Z       K      Z      K      Z      K     Z      K     Z         K   Z



Wahrscheinlichkeit für ein kein-, ein-, zwei, drei- und viermaliges
Auftreten des Ereignisses „Zahl“ (Z) beim viermaligen Wurf einer Münze

Ereignis       Häufigkeit           Quotient       Prozentwert
 Z (0)           1x                  1 / 16           6.25
 Z (1)           4x                  4 / 16          25.00
 Z (2)           6x                  6 / 16          37.50
 Z (3)           4x                  4 / 16          25.00
 Z (4)           1x                  1 / 16           6.25

Z (0): das Ereignis „Zahl“ tritt nicht ein, Z (1): das Ereignis „Zahl“ tritt ein Mal ein ...




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      Ergebnisse des viermaligen Münzwurfs und Normalverteilungskurve

                                7




                                6




                                5
                   Häufigkeit




                                4




                                3




                                2




                                1
                                                                                            Mean = 3,00
                                                                                            Std. Dev. = 1,0328
                                                                                            N = 16
                                0
                                    1,00   2,00          3,00         4,00         5,00
                                                       Wurf




TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                            Folie 9
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                                                     Merke (4):

Man weiß immer noch nicht, was passiert (s.o.), aber man kann nun die
          Wahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse berechnen.

                                  Gilt nur für Zufallsstichproben




TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 10
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Der Stichprobenfehler e (error)


      Überlegung:
      Grundgesamtheit (N=1.000 Kugeln) mit bestimmten Parametern (= Farbe
      einer Kugel) mit einer bestimmten Häufigkeit (10% aller Kugeln sind weiß)

            Man kann nicht erwarten, dass bei einer beliebigen Ziehung exakt zehn
             Prozent aller gezogenen Kugeln weiß sind!
            Mal werden mehr und mal weniger Kugeln dieser Farbe gezogen werden.




  Merke (5):

  Die Differenz zwischen der Ausprägung eines Parameters in der
  Grundgesamtheit und dessen Ausprägung in der Stichprobe wird
  als Stichprobenfehler bezeichnet.



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Das Konfidenz- bzw. Vertrauensintervall

     Der Stichprobenfehler ist – bei Zufallsstichproben und bei ausreichend vielen
     Wiederholungen – normalverteilt!

    Das bedeutet: 95% der Werte liegen im Bereich von ± 1,96
     Standardabweichungen, diesen Bereich nennt man das 95%-
     Kofidenzintervall.

    Bei 100 gezogenen Stichproben liegt in 95 Fällen der gefundene Wert im
     Bereich von ± 1,96 Standardabweichungen, dementsprechend in 5 Fällen
     außerhalb dieses Bereiches.

    Lässt sich ein solches Konfidenzintervall angeben, so sprechen wir auch von
     repräsentativen Stichproben.




TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 12
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     Berechnung des Vertrauensintervalls:

     I1,2 = p ± zw √ p (1-p) / n                    Mit:

     I1,2: Vertrauensintervall
     p:    Der Schätzwert aus der Stichprobe (hier z.B. 0.5 bzw. 50 Prozent)
     zw: Die Grenzen der Normalverteilung (bei 95 Prozent: 1.96; bei 99 Prozent:
         2.58)
     n: Stichprobengröße (hier 1.000).

     I1,2 = 0,5 ± 1,96 √ 0,5 (1 – 0,5) / 1.000
         = 0,5 ± 1,96 * 0,0158
         = 0,5 ± 0,031


Interpretation:
50% der 1.000 Befragten Wahlberechtigten gaben z.B. an, mit der Regierung zufrieden zu
sein. Der wirkliche Wert liegt danach (mit einer Wahrscheinlichkeit von 95%) zwischen
46,9% und 53,1%.


     TU Dresden, 04.03.2012                                 Stichproben I                                      Folie 13
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Bestimmung der Stichprobengröße



Beispiel: Stichprobenuntersuchung, Grundgesamtheit 33.000 Studierende der
   TU Dresden, Problem: Zufriedenheit mit dem Mensaessen.

1) Sicherheit bestimmen, hier: Wir wollen uns um maximal 3 Prozent irren.

2) Vermutung, p = 50 Prozent sind mit dem Mensaessen zufrieden, deshalb
    konservative Schätzung vornehmen

3) Größe der Grundgesamtheit berücksichtigen

4) Konsultation entsprechender Tabellen




TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 14
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Bestimmung der Stichprobengröße

Minimaler Stichprobenumfang für gegebenen absoluten Stichprobenfehler e,
bei Irrtumswahrscheinlichkeit  = 0.05 für Anteile p = 0.05 und p = 0.08 (oder p
= 0.02)

(nach Borg 2003: 188)




TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 15
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Bestimmung der Stichprobengröße
Minimaler Stichprobenumfang für gegebenen absoluten Stichprobenfehler e,
bei Irrtumswahrscheinlichkeit  = 0.05 für Anteile p = 0.05 und p = 0.08 (oder p = 0.02)
(nach Borg 2003:188)


     p = 50 Prozent                                                         p = 80 Prozent (oder 20 Prozent)
   N            e = 0.03                      e = 0.05                    N         e = 0.03      e = 0.05
   200             168                          132                         200       155            110
   300             234                          168                         300       208            135
   400             291                          196                         400       252            152
   500             340                          217                         500       289            165
   750             440                          254                         750       357            185
   1.000           516                           278                      1.000        406           197
   3.000           787                           341                      3.000        556           227
   7.500           934                           365                      7.500        626           238
   10.000          964                           370                     10.000        639           240
   50.000        1.045                           381                     50.000        674           245
   100.000       1.056                           383                    100.000        678           245


TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                      Folie 16
     Philosophische Fakultät Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung

Wechsel der Sichtweise:
Wo liegt das Vertrauensintervall bei verschiedenen Stichprobengrößen?
           = Frage nach der Repräsentativität

Anteilwerte in der Stichprobe (in Prozent)


n = ... 1 / 99        5 / 95 10 / 90             15 / 8       20 / 80       25 / 75        30 / 70       35 / 65   40 / 60        50
100      -              -      -                  7.3           8.2           8.8           9.4           9.7       10.0         10.2
300      -              -      3.5                4.2          4.7           5.0            5.3           5.6        5.7          5.8
500      -             2.0    2.7                3.2           3.6           3.9            4.1           4.3        4.4          4.5
700      -             1.7    2.3                2.7           3.0           3.3            3.5           3.6        3.7           3.8
1.000    -             1.4    1.9                2.3           2.5           2.7            2.9           3.0        3.1           3.2
1.300    -             1.2    1.7                2.0           2.2           2.4            2.6           2.7        2.7           2.8
1.500    -             1.1    1.6                1.9           2.1           2.2            2.4           2.5        2.5           2.6
1.700    .5            1.1    1.5                1.7           1.9           2.1           2.2           2.3         2.4          2.4
2.000    .4            1.0    1.3                1.6           1.8           1.9           2.1           2.1         2.2          2.2
2.500    .4             .9    1.2                1.4           1.6           1.7           1.8           1.9         2.0          2.0
3.000    .4             .8    1.1                1.3           1.5           1.6           1.7           1.7         1.8          1.8
5.000    .3             .6      .9               1.0           1.1           1.2           1.3           1.4         1.4          1.4
10.000 .2               .4      .6                .7            .8            .9             .9          1.0         1.0          1.0

                                                                                                           Quelle: ADM 1999:150
      TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                                  Folie 17
Weitere Literatur (Auswahl):

ADM, Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (1999) (Hrsg.):
   Stichproben-Verfahren in der Umfrageforschung. Eine Darstellung für die Praxis. Opladen:
   Leske + Budrich.
Albers, Ines (1997): Einwohnermelderegister-Stichproben in der Praxis. Ein Erfahrungsbericht.
    In: Gabler, Siegfried /Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen H.P. (Hrsg.): Stichproben in der
    Umfragepraxis. Opladen: Westdeutscher Verlag, S. 117-126.
Borg, Ingwer (2003): Führungsinstrument Mitarbeiterbefragung. Theorien, Tools und
    Praxiserfahrungen. Göttingen Bern: Hogrefe.
Gabler, Siegfried/ Hoffmeyer-Zlotnik, Jürgen H.P./ Krebs, Dagmar (Hrsg.) (1994): Gewichtung
    in der Umfragepraxis. Opladen: Westdeutscher Verlag.
Gabler, Siegfried/ Häder, Sabine (2002) (Hrsg.): Telefonstichproben. Methodische
    Innovationen und Anwendungen in Deutschland. Münster New York München: Waxmann.
Koch, Achim (1995): Gefälschte Interviews: Ergebnisse der Interviewerkontrolle beim ALLBUS
    1994. In: ZUMA-Nachrichten Heft 36, S. 89-105.
Koch, Achim (2002): 20 Jahre Feldarbeit im ALLBUS: Ein Blick in die Blackbox. In: ZUMA-
    Nachrichten Heft 51, S. 9-37.




TU Dresden, 04.03.2012                  Stichproben I                                     Folie 18
Stichproben in der Praxis II:

Übersicht und Beispiele




TU Dresden, 04.03.2012   Stichproben I   Folie 19
 Philosophische Fakultät Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung




1. Wahrscheinlichkeitsauswahl (= Zufallsauswahl = Random Sample):
   Jedes Element hat eine angebare und von Null verschiedene
   Wahrscheinlichkeit in die Stichprobe aufgenommen zu werden.

2. Bewusste Auswahl (Quoten-Verfahren, typische Fälle)

3. Willkürliche Auswahl (Stichprobenziehung wird nicht kontrolliert)




   Merke (6): Wenn Parameter der Grundgesamtheit zu schätzen
   sind, kommt eine willkürliche Auswahl nicht in Frage.




 TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 20
    Philosophische Fakultät Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung




    Arten von Wahrscheinlichkeitsauswahlen

   Einfache Zufallsauswahl: Einstufige Auswahl, alle Elemente haben die gleiche
    Chance, Voraussetzung: Liste mit allen Elementen (Frame), Zugang

    - Realisierung?

   Mehrstufige Zufallsauswahl: Auswahl über mehrere Ebenen

   Klumpenstichprobe: z.B. Schulklassen, Spezialfall einer mehrstufigen Auswahl
    (PISA-Studie)

   Geschichtete Zufallsauswahl: Auswahl erfolgt zufällig nach bestimmten Kriterien




Frage: Kann eine Auswahl von 100 Personen (aus ca. 64.000.000) repräsentativ sein?

    TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 21
Philosophische Fakultät Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Methoden der empirischen Sozialforschung

Stichprobestrategien in der Umfragepraxis:
• ADM-Designs
     Klumpenstichproben
     Registerstichproben
     Telefonstichproben
     Stichproben für interkulturelle Studien
     Acess-Panels
     Stichproben bei Beobachtungen und Inhaltsanalysen
     Stichproben für Befragungen im Internet
     Quotenstichproben
     Berücksichtung spezieller Populationen


      Probleme:
      Non-Response
      Postalische Befragungen ?
      Gewichtungen



TU Dresden, 04.03.2012                                  Stichproben I                                     Folie 22
                Das mehrstufige und geschichtete ADM-Design für persönlich-mündliche
                Befragungen




1. Schritt: Auswahl einer
   Fläche

Basis: flächendeckend
  vorliegende Geocodierung
  des Straßennetzes der
  Bundesrepublik




     TU Dresden, 04.03.2012                 Stichproben I                              Folie 23
  - BRD: 53.000 Flächen, Sampling Points (kleine Gemeinden / Stadtteile / aus
  Straßenabschnitten gebildete Flächen)
  - Verwendung kleinster administrativer Flächeneinheiten bis auf Baublockebene
  Straßenverzeichnisse der Gemeinden und generiertes Straßenverzeichnis aus dem
  Tel.-Adressbestand und Straßenabschnittskoordinaten aus dem NavTech-Bestand
               (http://www.worldofppc.com/HWTests/navtech.htm)


Für jede Fläche gibt es:

     - Definition der Straßen und Straßenabschnitte zur Abgrenzung
       Geokoordinaten
     - Anzahl der Einwohner (oder der Wahlberechtigten) und (wo vorhanden) Zahl der
        Haushalte aus der amtlichen Statistiken

     Sind Flächen für Sampling-Points zu groß, werden sie auf Basis der
         Telefoneinträge über Geokoordinaten aufgeteilt
     Sind Flächen für Sampling-Points zu klein, werden sie auf Basis der
         Geokoordinaten zusammen gelegt
     Kriterien: räumliche Nähe und Einwohnerzahl



   TU Dresden, 04.03.2012                     Stichproben I                 Folie 24
 Politische Gemeindegrößenklasse in der BRD



Anzahl HH pro Point, 31.12.2001

          bis unter   2.000 -   5.000 -   20.000-      50.000-      100.000-   500.000+    Gesamt
          2.000       4.999     19.999    49.999       99.999       499.999    Einwohner

Anzahl
Sample-
Points 4.146          5.078     13.244      9.641       4.655        8.636     7.495       52.895

Maximum
Anz. HH 1.143         1.243      1.325      1.349       1.345         1.388    1.592         1.592

Mittel-
wert       592        649        684        695         718           770      829            713

Minimum
Anz. HH 50             230        70         65          82            49       54             49




 TU Dresden, 04.03.2012                             Stichproben I                                    Folie 25
2. Schritt: zufällige Auswahl von Haushalten in den Sample-Points,
          Bestimmung von Zielhaushalten über Startadressen


     - Random Route mit Startadresse, Adressenauflistungsblatt,
       Begehungsvorschriften, Ziehung des HH bei einer vorgegebenen Anzahl
       von Kontaktversuchen

     - Qualität: 1) Adressvorlauf, 2) Vorgabe des Brutto, 3) Vorgabe des Netto

     - dazu Informationen über die Bevölkerung aus dem MZ

     -   210 (West) und 48 (Ost) Sample Points entsprechen einem „Netz“ =
         1.000 Interviews




TU Dresden, 04.03.2012             Stichproben I                             Folie 26
3. Schritt: Zufällige Auswahl der Zielperson innerhalb der Haushalte



      Auflistung aller Haushaltsmitglieder

      Zufallsauswahl (Schwedenschlüssel = Kish-Table oder Geburtstagsmethode
       o.ä.)




    TU Dresden, 04.03.2012             Stichproben I                        Folie 27
Beispiel: Im Haushalt leben 4 Personen im Befragungsalter:
          Der 49jährige Vater, die 46jährige Mutter sowie ein 19jähriger und
          ein 16jähriger Sohn

Personen im Befragungsalter: ab 14 Jahren
Männlich:
1) 49
2) 19
3) 16
4) --
Weiblich:
5) 46
6) --
7) --
8) --

Zufallszahlen (aufgedruckt):


8   6   3   2   5   1    4   7


TU Dresden, 04.03.2012             Stichproben I                               Folie 28
Fehlerquellen / Probleme beim ADM-Design


Zunächst: Bei ordnungsgemäßer Handhabung gelingt eine fehlerfreie Zufallsauswahl


Aber:
            Leicht erreichbare Personen sind überrepräsentiert (wichtig: Zahl der
              Kontaktversuche)
            Non-Response
            Klumpung  Design Effekte
            Spielraum für die Interviewer (Honorartätigkeit) ist sehr groß
            Möglichkeiten für Kontrollen sind beschränkt (Postkartenmethode)
            Unterschiedliche Inklusionswahrscheinlichkeiten (je nach HH-Größe)




          Ständige Überarbeitung / Aktualisierung durch den ADM



TU Dresden, 04.03.2012                Stichproben I                           Folie 29
 Alternative: Einwohnermeldeamtstichproben (Beispiel ALLBUS 1994, 1996,
 2000ff.)

1. Schritt:
         Auswahl von Gemeinden (geschichtet nach Bundesländern,
          Regierungsbezirken und Kreisen) – fungieren als Sample-Points
         111 Sample-Points im Westen (in 103 Gemeinden) und 51 Sample-Points
          im Osten (= 45 Gemeinden) = 1 Netz = 1.000 Interviews


2. Schritt:

     - Auswahl der Zielpersonen aus den Melderegistern
     - Je 52 Adressen (+ 28 für neutrale Ausfälle) ziehen
     - Zusätzlich: Informationen über Alter, Geschlecht, Nationalität – wichtig für die
     Kontrolle der Interviewer
     - sehr teuer, sehr großer Aufwand – nur bei öffentlichem Interesse
     - Spielraum für die Interviewer eingeschränkt




  TU Dresden, 04.03.2012              Stichproben I                               Folie 30
Quotenauswahl (Bewusste Auswahl)

   Wird preisgünstiger angeboten (- 25%)
   Feldarbeit geht schneller (- 40%)
   Es wird nach vorgegebenen Regeln gezogen, nicht zufällig
   Vorwissen über die Grundgesamtheit und den zu erhebenden Sachverhalt sind nötig
   Zumeist kombinierte Quoten (Alter, Geschlecht und Bildung)

   Stichproben gelten dann als „repräsentativ“(???)

   Bei geringem Entscheidungsspielraum für die Interviewer ergibt sich eine Annäherung

    an die Zufallsauswahl,

   Korrelation der Quotenmerkmale mit den interessierenden Merkmalen wird

    vorausgesetzt
   Sehr umstritten (Normalverteilung des Stichprobenfehlers nur bei Zufallsauswahlen)

Probleme (u.a.):
    - Interviewer suchen sich Freunde und Bekannte sowie gut erreichbare Personen
    - Fälschungen leichter möglich, weil Kontrolle noch schwieriger

      TU Dresden, 04.03.2012             Stichproben I                            Folie 31
Zur Kontroverse Quota vs. Random

Interviewereinstufung:
Der /die Befragte ist nach meinem Eindruck                            Quote          Random
-   Mir persönlich sympathisch                                        78%            79%
-   Mittel sympathisch                                                10%            11%
-   Eher unsympathisch                                                12%            10%

Falls das Interview in der Wohnung des Befragten stattfand:
Wo wohnte der Befragte?
Keller                                                                1%             1%
Erdgeschoss                                                           35%            34%
1. OG                                                                 26%            26%
2. OG                                                                 13%            8%
3. OG                                                                 5%             4%
4. OG                                                                 2%             3%
5. OG oder höher                                                      1%             2%
Dachwohnung, Mansarde                                                 1%             1%
Ganzes Haus                                                           16%            21%

                                                              Quelle: Schneller (1997:14f.)




  TU Dresden, 04.03.2012                  Stichproben I                                       Folie 32
        Netto-Random, Brutto-Random, Adressvorlauf, Register vs. Mikrozensus


Untersuchung            18-24J.    25-34J.   35-44J.     45-59J.   60+J.   ledig     verh.    gesch.    erw.

ALLBUS 1992
    (Netto)             -1.6       -0.5      +3.9        +3.9      -5.7    -3.8     +10.0      -0.6     -5.5

SoWiBus 1995
    (Brutto)            -1.8       -1.2      +1.3        +0.9      +0.8    -2.6       +5.3      -1.4    -1.3

ALLBUS 1994
    (Register)          -0.9       -1.5      +1.1        +1.8      -0.7    -3.0       +3.4      +0.4    -1.0

Leben Ostdeutl. 1996
    (Adressvorlauf)     -3.2       -3.8      +1.9        +1.4      +3.7    -2.4       +3.7      -1.0    -0.3




                                                                            Quelle Häder (1997:55)




          TU Dresden, 04.03.2012                Stichproben I                                Folie 33
        Das Non-Response-Problem – ALLBUS 2006 (Registerstichprobe)

                                                            West     Ost
Bruttostichprobe                                            6.419   2.884

Neutrale Ausfälle, darunter:                                 704     264
falsche Adresse, ZP verstorben oder verzogen u.ä.

Systematische Ausfälle
Netto-Stichprobe ( = 100 %)                                 5.715   2.620
Im HH niemand angetroffen                                   4.2%    3.5%
ZP nicht angetroffen                                        2.4%    2.4%
ZP nicht befragungsfähig                                    2.9%    3.3%
ZP verweigert telefonisch bei Infratest-Projektleitung      0.5%    1.0%
ZP nicht bereit (Zeitgründe)                                4.6%    4.3%
ZP nicht bereit (generell)                                  41.4%   41.2%
ZP spricht nicht deutsch                                    2.1%    0.4%
Adresse nicht abschließend bearbeitet                       0.5%    0.6%
Interview als (Teil-)Fälschung identifiziert                1.3%    0.7%
Ausfälle insgesamt                                          59.8%   57.2%

Auswertbare Interviews Response Rate                        40.2%   42.8%

        TU Dresden, 04.03.2012              Stichproben I                   Folie 34
         Ausschöpfung, Feldzeit und Preise in Bevölkerungsumfragen

Studie     Ausschöpfung           Feldzeit              Fallpreis      Stichprobenverfahren

ALLBUS
2000          49.1%               28 Wochen             250 DM               Register

ALLBUS
1996           54.2%              18 Wochen             180 DM               Register

Wohlfahrtssurvey
1998         56.1%                8 Wochen              125 DM                ADM

Sozialwissenschaften Bus
1997         68.6%                4 Wochen              115 DM                ADM




                                                                    Quelle: Koch (2002:33)


         TU Dresden, 04.03.2012               Stichproben I                                  Folie 35
Telefonstichproben

Per RDD, RLD und Telefonbuch

Probleme:
     Nichteingetragene Personen
     Nicht vergebene Nummern, Fax- und Geschäftsanschlüsse,
       Anrufbeantworter, Mehrfachanschlüsse ( höhere
       Inklusionswahrscheinlichkeiten), Gatekeeper usw.
     Handys
     keine Ankündigungsschreiben, Incentives
     Lösung: Erstellung von 100er Blöcken mit mindestens einer eingetragenen
       Nummer, zufällige Generierung von Nummernfolgen in diesen Blöcken

      Aber (positiv!): geringe Klumpung




TU Dresden, 04.03.2012           Stichproben I                          Folie 36
CATI (= Steuerung durch Computer)
   Terminverwaltung, Verwaltung der Anrufzeiten
   Personenauswahl in der kritischen Phase des Interviews zumeist mittels
    Geburtstagsmethode
   Positive Wirkung von Ankündigungsschreiben nur bei Telefonbuchauswahl
   Möglichkeit des Rückrufs
   Supervisor gewährleistet permanente Kontrolle
   Hinzuspielen von Hintergrundvariablen




Vgl. ADM Richtlinien für Telefonische Befragungen: http://www.adm-ev.de/pdf/R04_D.pdf




TU Dresden, 04.03.2012                Stichproben I                                     Folie 37
Stichproben für Access-Panels und Stichproben im Internet


   Selbstrekrutierung (Incentives-Jäger, Schnäppchenjäger, Profibefragte oder
    Heavy User)
   Zufallsstichprobe (mittels Screenings) (ADM: der einzig richtige Weg !!!)
   Beachte Ziel der Befragung!




Bestimmung der Grundgesamtheit kann zum Problem werden.

- Für Befragungen der Allgemeinbevölkerung (noch) ungeeignet.
- Für bestimmte Populationen (Studenten, Firmenmitarbeiter usw.) aber als
Alternative denkbar




TU Dresden, 04.03.2012            Stichproben I                             Folie 38
     Gewichtungen

      Elemente (z.B. Personen) erhalten unterschiedliche Bedeutungen
      Ohne Gewichtung: jeder ist 1
      Einfache Umsetzung (SPSS)

Gewichtungsmethoden:
- Designgewichtung (z.B. Haushaltsgröße, Ausgleich des Oversamplings beim
     ALLBUS im Osten)
- Redressment (Zellgewichtung) nach bekannter Struktur (Mikrozensus)
- Nach der Recallfrage zur letzten Wahlentscheidung


Gewichtungsfaktor (west)       = n / nw * Nw / N

n    Stichprobenumfang
nw   Stichprobenumfang west
Nw    Anteil west im Mikrozensus
N    Stichprobenumfang Mikrozensus


     TU Dresden, 04.03.2012            Stichproben I                        Folie 39
Stichproben für spezielle Populationen

Schneeballverfahren (z.B. Homosexuelle, Drogenkonsumenten, Experten usw.
   = relativ kleine und/oder schwer erreichbare Personengruppen)
 ein Teilnehmer (Element) gibt an seinen Bekanntenkreis die Fragebögen
   weiter
 Netzwerk wird vorausgesetzt
 Kein Auswahlrahmen
 Verallgemeinerbarkeit ???


Capture-Recapture-Verfahren (z.B. Benutzer von Spielautomaten)

-   Zufällige Erhebung eines Panels
-   Wiederholungen der Erhebung
-   Ermittlung identischer Personen
-   Schätzung des Umfangs der Zielpopulation




TU Dresden, 04.03.2012             Stichproben I                      Folie 40
Stichproben für kulturell vergleichende Studien

 Jedes Land verfügt über unterschiedliche Voraussetzungen (Frames) für die
Ziehung von Stichproben



Der European Social Survey


   Stets Zufallsauswahlen
   Gesamte Population abdecken
   Hohe Response-Rate sichern
   Systematische Ausfälle nicht ersetzen
   Auftretende Design-Effekte gering halten
   Gleiche minimale effektive Stichprobengröße realisieren


www.europeansocialsurvey.org



TU Dresden, 04.03.2012            Stichproben I                               Folie 41
Weitere Literatur (Überblick):



Biernacki, Patrick/ Waldorf, Dan (1981): Snowball sampling: Problems and techniques of chain
    referral sampling. In: Sociological Methods and Research (10), S. 141-163.
Bosnjak, Michael (2001): Teilnahmeverhalten bei Web-Befragungen. Nonresponse und
    Selbstselektion. In: Theobald, Axel/ Dreyer, Marcus/ Starsetzki, Thomas (Hrsg.): Online-
    Marktforschung. Wiesbaden: Gabler, S. 79-95.
Gabler, Siegfried (1992): Schneeballverfahren und verwandte Stichprobendesigns. In: ZUMA-
    Nachrichten Heft 31, S. 47-69.
Groves, Robert M./ Fowler, Floyd J.Jr./ Couper, Mick P./ Lepkowski, James M./ Singer, Eleanor/
    Tourangeau, Roger (2004): Survey Methodology. New Jersey: Wiley Hoboken.
Heckel, Christiane (2003): online gewonnene Stichproben – Möglichkeiten und Grenzen. In:
    ADM Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V.,
    Arbeitsgemeinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute e.V. (ASI) und Statistisches
    Bundesamt, Wiesbaden (Hrsg.): Online-Erhebungen 5. Wissenschaftliche Tagung.
    Sozialwissenschaftlicher Tagungsband 7. Bonn, S. 83-94




TU Dresden, 04.03.2012                  Stichproben I                                    Folie 42

				
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