Kirchen Lieder

Document Sample
Kirchen Lieder Powered By Docstoc
					 Heiliger Klang




Kirchen - Melodie
Heiliger Klang
Die schönsten alten Kirchenlieder




            Zusammengestellt
       und mit Bildern und Texten
      zu einigen herrlichen Kirchen
                 versehen
                   von
              Arnim Jülicher
Inhalt                                       Seite
Einführung                                    7

Die Kirchen                                    9
1. Aachener Dom                               9
2. Gladbacher Münster                        14
3. St. Marienkirche Berlin                   19
4. Fuldaer Dom                               22
5. Regensburger Dom                          25
6. Marienkirche Neubrandenburg               29
7. Bamberger Dom                              32
8. Domkirche St. Eberhard Stuttgart          39
 9. Wieskirche                               42
10. Dom zu Paderborn                         46
11. St. Martin in Amberg                     50
12. Russisch-Orthodoxe Kirche in Wiesbaden   53
13. Nikolaikirche zu Leipzig                 58
14. Frauenkirche in München                  62
15. St. Michaelis – Kirche Hamburg           69
 16. Kölner Dom                              74
Die Lieder:
a. Lobe den Herren                           13
b. Deinem Heiland, deinem Lehrer             18
c. Maria, breit den Mantel aus               21
d. Auf, gläubige Seelen                      24
e. Ehre sei Gott in der Höhe                 28
 f. Meerstern, ich dich grüße                31
g.O Haupt voll Blut und Wunden              38
h. Tauet, Himmel, den Gerechten             41
i. Liebster Jesu, wir sind hier             45
j. Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn   49
k. Zu Bethlehem geboren                     52
l. Auf, gläubige Seelen                     57
m. Wer nur den lieben Gott lässt walten     61
n. Maria, Himmelkönigin                     68
o. Ein feste Burg ist unser Gott           73
p. Nun danket all und bringet Ehr          78

Nachtgebet                                 79
Einführung

Sprache und Gesang haben eine enge Bindung. Oft findet die Sprache
erst in der Form des Singens ihren vollendeten Ausdruck. Das Wort und
der diesem zugrunde liegende geistige Gehalt verdanken dem Gesang in
seiner Gesamtheit, nämlich dem Rhythmus (griechisch: Ryth-
mos>gleich schönes Verhältnis der Teile, Ebenmaß), den einzelnen
Tönen und ihrer Abfolge, der Melodie (griechisch: Melodia>
gleich Lied) im gefühlvollen Tempo und in inniger Beschwingtheit oft
die Erwachung zum Leben.

Auch Kirche und Gesang sind einander unlösbar verbunden. In der
Kirche, die stets eine singende Kirche war, denken wir nur
beispielshalber an die herrlichen und bewegenden Gospels der
schwarzamerikanischen Christen, war das Lied immer ein Symbol liebe-
und gehaltvoller Kommunikation.

Bereits in der Zeit von 1000 bis 500 vor Christus bildeten die Psalmen
(griechisch: Psalmoi> gleich Saitenspiel, Gesang), die im
Alten Testament zum Psalter zusammengefassten 150 religiösen Lieder
Israels einen unerschöpflichen Reichtum geistlicher Lyrik. In der Hymne
(griechisch: Hymnos>gleich Lied) wird die Herrlichkeit Gottes
in Schöpfung und Geschichte gepriesen, im Klagelied fleht der leidende
Mensch um Hilfe und Erlösung, das Danklied begleitet die Darbietung
der Opfergaben und das Wallfahrtslied erklingt bei der Wanderung zu
den heiligen Stätten.

In frühchristlicher Zeit, ab dem 3. Jahrhundert, beteiligten sich die
Gläubigen am liturgischen Gottesdienst mit refrainartigen
Wechselgesängen. Diese stammten aus dem Stundengebet, das den
Grundstock aller Gesänge der christlichen Eucharistiefeier bildete.

Seit dem frühen Mittelalter dienten die aus dem Lateinischen inzwischen
auch in die einzelnen Volkssprachen übersetzten Psalmen als Vorlagen
für eigenständige Kirchenlieder. Die älteste Form des deutschen
geistlichen Liedes bilden die so genannten „Leisen“. Die Bezeichnung
leitet sich von dem in Litaneien häufig verwendeten griechischen Bittruf
„“ <Kyrie eleison> (gleich „Herr erbarme dich“) ab, mit
dem dann auch zahlreiche der neuen deutschsprachigen Lieder
abgeschlossen wurden.

                                                                        -7-
Daraus entwickelte sich im Hohen Mittelalter eine sprachlich reiche
religiöse Strophenlyrik, die sich oft zum Volkslied wandelte. Doch auch
der umgekehrte Weg wurde beschritten, indem weltliche Lieder in
kirchliche Bitt-, Lob- oder Dankgesänge umgedichtet wurden.

Die große Blütezeit der protestantischen Kirchenlieder begann im
sechzehnten Jahrhundert und dauerte bis in die Zeit der Aufklärung Ende
des siebzehnten Jahrhunderts. Ihr Protagonist war Martin Luther, der
nicht nur als Dichter, Komponist und Übersetzer einer großen Anzahl
von Kirchenliedern fungierte, sondern 1524 auch zum Schöpfer des
ersten deutschen Gesangsbuchs wurde.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte sich zunächst wieder das über-
lieferte Liedgut durch, bis in der Neuzeit zahlreiche Neuschöpfungen mit
eher volkstümlichem Charakter die alten lateinischen Gesänge ersetzten.

Die Pflege des deutschsprachigen Liedgutes widmet sich seit den
sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts einer überkonfessionellen
Zusammenarbeit. In diesem Sinne enthält das vorliegende Gesangsbuch
Lieder aus dem traditionellen Liedgut der katholischen und dem der
evangelischen Kirche, aber auch solche Stücke, die aus dem
gemeinsamen Liederschatz aller deutschsprachigen Christen stammen.

So mag dieses Büchlein eine Hilfe darstellen, wenn wir uns darauf
besinnen, nicht alle durcheinander sprechen zu wollen, sondern lieber
miteinander ein Lied anzustimmen.

                          Mönchengladbach-Neuwerk, im Februar 2007
                                                    Arnim Jülicher




                                                                   -8-
Aachener Dom




               -9-
Aachener Dom

Der Aachener Dom ist eher als Aachener Münster bekannt. Es
ist die ehemalige Pfalzkapelle Karls des Großen und sein
Mausoleum. Für die deutschen Könige war der Dom die
Krönungskirche und seit Friedrich I. von Hohenstaufen die
„Hauptkirche des Reiches“.

Die Kirche wurde zwischen 790 und 800 als liturgisches
Herzstück der karolingischen Kaiserpfalz errichtet. Der älteste
Teil und das Haupt des Doms ist die Pfalzkapelle, ein
architektonisches Konglomerat aus den verschiedensten
Perioden christlicher Baukunst. Sie ist ein Polygonalbau mit
innerem überkuppeltem Oktogon, das eine Höhe von 31m und
etwa 32m Durchmesser besitzt. Vorbild für die Kapelle waren
oströmische Kaiserkirchen in Byzanz und im Mittelmeerraum,
vor allem die Kirche San Vitale in Ravenna (538-545), die Karl
den Großen in besonderem Maße beeindruckt hat. So
repräsentiert der karolingische Teil des Aachener Münsters
Karls Auffassung seiner Herrschaft als Synthese des
Kaisertums Westroms, der Ostgoten und der Byzantiner.




Grundriss des Aachener Doms
                                                        - 10 –
Querschnitte d. Doms                Domeingang

                         Besonders wirkungsvoll ist die
                         Harmonie des Gebäudes. Sie beruht
                         in erster Linie auf der Einhaltung
                         biblischer Maßzahlen (50, 100 und
                         12 x 12 = 144) und der
                         Zugrundelegung der
                         Architekturtheorie Vitruv mit
                         seinem Maßsystem, durch das dieses
                         Kirchengebäude in seiner Gleichheit
                         von Höhe, Länge und Breite in
                         besonderer Weise zu einem Bild des
                         Zeltes Gottes unter den Menschen
und des himmlischen Jerusalem wird.
Aachener Pfalzkapelle

Der Bau des karolingischen Oktogons wurde in den neunziger
Jahren des 8. Jahrhunderts nach byzantinischen Mustern
begonnen. Baumeister war der Franke Bodo von Metz, aber
auch zahlreiche römische und byzantinische Handwerker
wirkten an dem Bau mit. Die Pfalzkapelle war über 200 Jahre
lang nördlich der Alpen in seiner Höhe unübertroffen.




    Zentralbau                      Königsthron
                                                       - 11 -
Karl der Große und Otto III. sind im Aachener Dom beigesetzt.
Im Jahre 1165 ließ Friedrich Barbarossa die Gebeine Karls
exhumieren. Dessen bevorstehende Heiligsprechung erforderte
für die Aufbewahrung der Reliquien die Anfertigung eines
monumentalen Schreins, des Karlsschreins, der eines der
Hauptwerke rheinisch-maasländischer Goldschmiedekunst der
Spätromantik (1182-1215) darstellt. Das Werk befindet sich
heute in der gotischen Chorhalle.

Seit 1238 findet die Aachener Heiligtumsfahrt statt, eine
Wallfahrt, bei der die ursprünglichen Reliquien des Doms von
den Pilgern besichtigt werden können. Diese Reliquien
befinden sich im Marienschrein, der im vorderen Teil der
Chorhalle aufgestellt ist. Bei den Reliquien soll es sich um eine
Windel und das Lendentuch Christi, ein Marienkleid und das
Ent-hauptungstuch Johannes des Täufers handeln. Seit 1349
findet diese Wallfahrt in einem Turnus von sieben Jahren statt.
Durch den enormen Andrang der Pilger wurden in der Gotik
Umbauten notwendig, so bei der 1414 eingeweihten Chorhalle.




  Altarraum               Turm            Auge der Vorsehung

1976 wurde der Aachener Dom mit seinem Kunstschatz als er-
stes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkultur-
erbes aufgenommen. Aber schon im Mittelalter wurde der Dom
als hervorragendes Kulturdenkmal bewundert und nachgeahmt.

                                                            - 12 -
Lobe den Herren




 2. Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,
 der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,
 der dich erhält, wie es dir selber gefällt.
 Hast du nicht dieses verspüret?

  3. Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
  der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
   In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott
   über die Flügel gebreitet?

  4. Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet,
  der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe gesegnet.
  Denke daran, was der Allmächtige kann,
  der dir mit Liebe begegnet.

   5. Lobe den Herren, was in mir ist, lobe den Namen,
   Alles, was Odem hat, lobe mit Abrahams Samen.
   Er ist dein Licht, Seele, vergiss es ja nicht,
   lobend beschließe mit Amen!

Weise zuerst in Stralsund 1665; Text: Joachim Neander


                                                              - 13 -
Gladbacher Münster




                     - 14 -
Gladbacher Münster

Die Geburtsstunde des Mönchengladbacher Münsters liegt
vermutlich hunderte von Jahren vor dem angenommenen
Datum der Gründung durch den Kölner Erzbischof Gero, dem
die Begründung der Abtei und des Münsters zugeschrieben
wird. Erste gesicherte Erkenntnisse über eine Besiedlung des
Abteiberges ergeben sich aus einem Bericht der im späten 11.
Jahrhundert vermutlich im Skriptorium des Klosters entstanden
ist. In einer reich ausgeschmückten Erzählung wird „ein
gewisser Balderich, Vornehmer des Reiches,“ erwähnt, der
bereits lange vor der Gründung der Abtei auf dem Hügel eine
Kirche errichtet habe, die aber im Jahre 954 von den Ungarn
zerstört worden sei.

Einem Mönch aus dem 11. Jahrhundert war es auch
vorbehalten, die Legende von der Gründung der Abtei
aufzuzeichnen.
Danach hatte Erzbischof Gero von Köln in einer Vision den
Auftrag erhalten, „auf einem waldbedeckten Hügel an
vorüberfließendem Bache“ eine neue Abtei zu gründen. Dem
göttlichen Befehl folgend zog Gero, nachdem er den frommen
Mönch Sandradus aus der blühenden Abtei Maximins bei Trier,
den Beichtvater der Kaiserin Adelheid, zu seiner Begleitung
auserkoren hatte, los, um mit diesem gemeinsam die
gottgewollte und geeignete Stelle zur Gründung des Klosters
ausfindig zu machen. Nach einer ersten, indes erfolglosen Reise
ins Sächsische kamen die geistlichen Kundschafter in die
Gegend von Leichlingen. Als sie dort einen Rundgang machten,
glaubten sie, in der Nähe der vorbei fließenden Wupper den Ort
gefunden zu haben, welcher der göttlichen Eingebung
entsprach. Dankbar sangen sie dem Herrn ein Loblied und
begannen sofort, den Platz für das Kloster und seine
Wirtschaftsgebäude zu roden und einzufrieden. Doch der
allmächtige Gott gab ihnen alsbald zu verstehen, dassdies doch
nicht der richtige Ort sei, den er dem frommen Bischof
gewiesen habe. An einem
                                                            - 15 -
Herbsttag im Jahre 973 nämlich, als das Werk schon begonnen
war und täglich sichtbare Fortschritte machte, erschienen zwei
Boten, der eine ein Geistlicher, der andere Laie, die von Kaiser
Otto II. geschickt waren, der damals nach dem Tode seines
Vaters gerade die Herrschaft übernommen hatte. Der Bischof
nahm die königlichen Boten freundlich auf und ließ ihnen zur
Ehre ein festliches Mahl richten, bei dem er unter anderem die
Leber eines frisch erlegten Hirsches servierte. Alle sprachen
tüchtig dem köstlich zubereiteten Essen zu. Jedes Mal indes,
wenn der Laiengast sich ein Stück von der Leber absäbelte,
nahm es ihm der Geistliche mit einem schnellen Griff vom
Teller und verzehrte es selbst. Das schaute sich der Laie eine
Zeitlang an, bis er plötzlich, um den Geistlichen auf seine
Ungehörigkeit aufmerksam zu machen, diesem mit seinem
Messer leicht ins Knie stach und ihm dabei eine kaum sichtbare
Wunde zufügte. Doch zu aller Erstaunen – es waren nur einige
Tropfen Blut geflossen – trat nach wenigen Minuten der Tod
des Geistlichen ein. Diese Entweihung des für den Klosterbau
ausgewählten Platzes war für den Bischof und Sandradus ein
Wink des Himmels, ihre Arbeiten hier sofort einzustellen und
ihre Suche erneut aufzunehmen. Sie machten sich also auf den
Weg und beschlossen, nun diesseits des Rheins die Gegend zu
erkunden. Nach langer, mühseliger Wanderung über das Gebiet
des Kölner Sprengels hinaus gelangten sie an die Grenzen des
Mülgaus. Dort fanden sie auf einen unbewohnten Hügel,
beschattet von den dichten Kronen üppiger Buchen und Eichen
die Trümmer einer alten Kirche. Am Fuße des Hügels
schlängelte sich ein klarer, glänzender Bach, der später der
Stadt den Namen geben sollte. Als der Mönch Sandrad das
Flüsschen entdeckt und erkannt hatte, dass die Gegend wegen
der zahlreichen Quellen zum Anlegen von Fischteichen äußerst
geeignet war, begab er sich sogleich zu Erzbischof Gero, um
ihn vom Ergebnis seiner Erkundungen zu unterrichten.
Zusammen malten sie sich aus, dass diese langersehnte Stätte
mit dem Bild aus der Vision so sehr übereinstimmte. Sie
beschlossen, drei Tage
zu fasten, riefen Gottes Gnade an und baten ihn, durch ein deut-

                                                               - 16 -
liches Zeichen kundzutun, ob er den Bau der Abtei an dieser
Stelle billige. Als sie den dritten Tag gefastete hatten, hörten sie
um den Hahnenschrei an der Stelle, wo jetzt die Kapelle des
heiligen Vitus steht, himmlische Chöre mit Engelszungen
jubilieren. Der heilige Märtyrer Vitus, unversehrt vom Feuer,
sang: „Du hast mich geprüft, Herr; wie das Gold hast du mich
im Feuer geläutert und keine Unlauterkeit in mir gefunden.“
Dieses Zeichen bestärkte sie in ihrer Gewissheit, dass sie den
Gott genehmen und vorausgesagten Platz für ihre Kirche
gefunden hatten. Als sie dann nach den ersten Spatenstichen an
der Stelle, an der sie die himmlischen Hymnen vernommen
hatten, auch noch auf einen ausgehöhlten Stein mit den
Reliquien der heiligen Märtyrer Vitus, Cornelius, Cyprianus,
Chrysanthus und der heiligen Barbara stießen, den die vorderen
Gläubigen offenbar dort vor den marodierenden Ungarn in
Sicherheit gebracht hatten, fielen sie sich überglücklich in die
Arme und dankten Gott für seine unermessliche Gnade. In
seiner Verpflichtung, Gott gewidmete Dinge nicht länger als
unbedingt nötig ruhen zu lassen, berief der Oberhirte
unverzüglich von allen Seiten gottesfürchtige Brüder herbei, die
in Gebet und Dienst des Herrn geübt waren und stellte ihnen
den bewährten Sandrad als Abt an die Spitze.
Der Beginn des Kirchenbaus ließ dann nicht lange auf sich
warten. Zunächst wurde den Ausgrabungsfunden von Professor
Hugo Borger zufolge ein lang gestreckter saalartiger Raum
errichtet, dem sich im Osten vermutlich ein kleiner
quadratischer Chorraum und im Westen eine schmale,
dreigeteilte Vorhalle anschlossen. Im 11. Jahrhundert wurde die
Anlage um einen Westturm erweitert, über dessen Gestaltung
Erkenntnisse nicht vorliegen. Im Laufe der Jahrhunderte erhielt
das Münster die heutige Gestalt. Wie die meisten großen
Kirchenbauten ist auch das Münster in ständiger Renovierung
begriffen, für die ein Ende nicht absehbar ist.
                                                 - 17 -
Deinem Heiland, deinem Lehrer




   2. Dieses Buch sollst du erheben,
   welches lebt und gibt das Leben,
   das man heut dem Christen weist;
   dieses Brot, mit dem im Saale
   Christus bei dem Abendmahle
   die zwölf Jünger selbst gespeist.

   3. Unser Lob soll laut erschallen
    und das Herz vor Freude wallen,
    denn der Tag hat sich genaht,
    da der Herr zum Tisch der Gnaden
    uns zum ersten Mal geladen
    und dies Brot geopfert hat.

Weise von Joseph Mohr (1792-1848); Worte (nach dem
„Lauda Sion“ von Franz X. Riedel 1773
                          - 18 -




St. Marienkirche Berlin
                                                            - 19 -
St. Marienkirche Berlin

Die St. Marienkirche wurde im 13. Jahrhundert erbaut. Über
den Grundmauern aus Feldsteinen und Granit wurde eine
Hallenkirche aus leuchtend roten Ziegeln im Stil der so
genannten Backsteingotik errichtet.

1292 wird sie erstmals urkundlich als zweite Pfarrkirche von
Berlin erwähnt, neben der Nikolaikirche. Während die
Nikolaikirche für die Altstadt zuständig war, diente die
Marienkirche der „Neustadt“. Die Kirche liegt in der Nähe des
heutigen Alexanderplatzes in Sichtweite des Roten Rathauses
an der Karl-Liebknecht-Straße, dort, wo sich früher der Neue
Markt befand.

Sie ist eine der ältesten Kirchen der Stadt mit einer über 750-
jährigen Geschichte und eine der ehemals sechs
mittelalterlichen Kirchengebäude im alten Zentrum der
Doppelstadt Berlin-Cölln.

Seit 1938 ist die Marienkirche Predigtstätte auch für die
Nikolaikirche, die seitdem der Stadt als „Musikdom“ dient. Sie
ist die Hauskirche des Bischofs der Landeskirche Berlin-
Brandenburg.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude nur leicht beschädigt
und nach Kriegsende umgehend repariert.

Eines der bedeutendsten mittelalterlichen Kunstwerke in der
Stadt ist das Totentanzfresko in der Turmhalle. Das Wandbild
zeigt einen Reigen aus geistlichen und weltlichen
Ständevertretern, die sich im Schreittanz mit jeweils einer
Todesgestalt bewegen, und stammt vermutlich aus dem Pestjahr
1484. Die geistlichen und weltlichen Ständevertreter sind durch
eine Kreuzigungsszene im Zentrum getrennt. In Textversen,
welche die älteste Berliner Dichtung darstellen, beklagen sie ihr
Leid und bitten den Tod um einen Aufschub.

                                                           - 20 -
 Maria, breit den Mantel aus




   2. Dein Mantel ist sehr weit und breit,
   Er deckt die ganze Christenheit,
   er deckt die weite, weite Welt,
   ist aller Zuflucht und Gezelt.

   3. Maria, hilf der Christenheit,
   dein´ Hilf´ erzeig uns allezeit.
   Komm uns zu Hilf´ in allem Streit,
   verjag die Feind all von uns weit!

   4. O Mutter der Barmherzigkeit,
   den Mantel über uns ausbreit,
   uns all darunter wohl bewahr,
   zu jeder Zeit, in aller Gefahr!

Weise und Text zuerst in Innsbruck 1640
              - 21 -




Fuldaer Dom
                                                           - 22 -
Fuldaer Dom

Der Dom St. Salvator und Bonifatius zu Fulda, im Volksmund:
Hoher Dom zu Fulda, ist die Kathedralkirche des Bistums
Fulda und bildet den Mittelpunkt des Fuldaer Barockviertels.

Die Pläne des Doms wurden im Jahr 1700 vom Maurer und
Steinmetzen Johann Dientzenhofer (1663-1726), der aufgrund
einer Studienreise nach Rom vom Papst als Baumeister
empfohlen wurde, angefertigt. Da sie dem Landesfürsten, Abt
Adalbert von Schleifras gefielen, erhielt Dientzenhofer auch
den Auftrag zum Bau der neuen Kirche. Die zuvor dort
befindliche Ratgarbasilika, einst größte Basilika nördlich der
Alpen, wurde abgerissen und ihre Grundmauern dienten dem
Neubau, der 1704 in Angriff genommen wurde, als
Fundamente.

1707 wurde der Rohbau fertig gestellt, 1708 wurde eingedeckt
und bis 1712 gestaltete man den Innenausbau. Die Einweihung
fand am 15. August 1712 statt.

Während des Bonifatiusfestes des Jahres 1905 hätte der Dom
fast sein Ende gefunden. Höhepunkt des Festes sollte ein
Feuerwerk werden, mit dessen Durchführung vermutlich aus
Sparsamkeitsgründen ein ortsansässiger Apotheker betraut
wurde. Da jener mit dem Feuerwerkerhandwerk nicht
ausreichend vertraut war, unterliefen ihm erhebliche Fehler, die
zu einem Brand führten, bei dem der Nordturm des Domes
stark beschädigt wurde.

Wie schon die Ratgarbasilika und auch sein bauliches Vorbild,
der Petersdom in Rom, ist der Dom, im Gegensatz zur großen
Mehrheit europäischer Kirchen, nach Westen ausgerichtet. Die
Hauptfassade zum Domplatz ist demnach die Ostfassade,
während sich der Chor im Westen des Kirchenschiffs befindet.
Auf einen zweiten Chorraum im Osten hat man verzichtet.

                                                           - 23 -
Auf, gläubige Seelen




  2. Oh sehet, die Hirten eilen von den Herden
  und suchen das Kind nach des Engels Wort.
  Gehen wir mit ihnen, Friede soll uns werden.
  Kommt lasset uns anbeten unsern Herrn!

   3. Der Abglanz des Vaters, Herr der Herren alle,
   ist heute erschienen in unserem Fleisch,
   Gott, der in Windeln liegt im kalten Stalle.
   Kommt lasset uns anbeten unsern Herrn!

    4. Schaut, wie er in Armut liegt auf Stroh gebettet,
    o schenken wir Liebe für Liebe ihm!
    Jesus, das Kindlein, das uns all errettet;
    kommt lasset uns anbeten unsern Herrn!
Weise von John Reading 17. Jh. ; Text (nach dem „Adeste
fideles“ des Abbé Borderies um 1790): J. Mohr (1792-1848)
                                                     - 24 -
Regensburger Dom

                                                    - 25 -
Regensburger Dom

Zwischen dem Ende des 7. Jahrhunderts und Anfang des 11.
Jahrhunderts wurde der Vorgänger des heutigen Bauwerks
errichtet, der in den Jahren 1156 und 1172 jeweils einer
Feuersbrunst zum Opfer fiel, aber stets wieder aufgerichtet
wurde, bis er um 1250 durch einen erneuten Brand völlig
zerstört wurde.

Ende des 13. Jahrhunderts wird der Hochgotische Neubau
geplant. Um 1320 stehen die drei Chöre des neuen Doms den
Gläubigen zur Verfügung. Der alte Dom wird abgebrochen.
Zwischen 1385 und 1415 wird das aufwändige Hauptportal im
Westen vollendet. Im Jahre 1442 wird der Dachstuhl über dem
Mittelschiff errichtet, bis die Bauarbeiten um 1520 zumindest
ihr vorläufiges Ende finden.




    Westfront des Doms           Dom St. Peter (Südfront)

Im 16., 17. und 18. Jahrhundert werden weitere
Umgestaltungen vorgenommen, bis 1828 auf Anordnung König
Ludwig I. eine Regotisierung in Angriff genommen wird. Dabei
werden auch die barocken Fresken entfernt und die Kuppel
durch ein

                                                          - 26 -
Kreuzrippengewöbe ersetzt. Die Restaurierungsarbeiten dauern
bis in unsere Zeit an. 2006 wird zum Besuch Papst Benedikt
XVI. die Erneuerung des Westportals abgeschlossen.

Der Regensburger Dom ist die Bischofs- und Hauptkirche des
Bistums Regensburg. Sie ist auch die Heimat des
traditionsreichen Domchores, der Regensburger Domspatzen.
Das Bauwerk gilt als das bedeutendste der süddeutschen Gotik.
Der Dom ist die einzige gotische Kathedrale nach
französischem Vorbild östlich des Rheins.

Der Dom ist die Ruhestätte einiger bedeutender Bischöfe. Im
Mittelschiff steht das Bronzedenkmal des Fürstbischofs
Kardinal Philipp Wilhelm, des Bruders von Herzog Maximilian
I. von Bayern.




Zwei kunstvoll gestaltete Fenster     Blick von der Altstadt




Blick über Innenstadt und Dom       Goldener Turm und Dom

                                                        - 27 -
Ehre sei Gott in der Höhe




„Gloria“ der „Deutschen Messe“; Weise: Franz Schubert
1826; Text: Johann Philipp Neu,ann




                                                   - 28 -
Marienkirche Neubrandenburg




                              - 29 -
Marienkirche Neubrandenburg

Mit dem Bau der St. Marienkirche wurde bald nach der
Stadtgründung im Jahre 1248 begonnen. Der Hauptaltar wurde
1298 durch den Bischof von Havelberg geweiht. Die anfangs
katholische Kirche wurde nach dem Wechsel Pommerns (1545)
und Mecklenburgs (1549) zum Protestantismus als
evangelische Kirche genutzt. Die Gemeinde besaß bis zu 5
Pfarrstellen, von denen indes meist nur 2 bis 3 besetzt waren.
Bis 1765 war Neubrandenburg zugleich Sitz des
Superintendenten des Kirchenkreises Stargard.

Die Marienkirche Neubrandenburg ist ein imposantes Zeugnis
norddeutscher Backsteinbauweise. Der Ostgiebel gilt als ein
architektonisch vollendet gestalteter Höhepunkt der
Backsteingotik. Ihr heutiges Aussehen stammt aus den Jahren
nach 1872 und beruht auf umfangreichen neugestalterischen
Bauarbeiten unter der Leitung des Baumeisters Friedrich
Wilhelm Buttel.

In der wechselvollen 700-jährigen Geschichte der Marienkirche
spielen kaiserliche Truppen im Dreißigjährigen Krieg eine
unrühmliche Rolle, als sie dort 1631 ein fürchterliches Blutbad
anrichten. Bei mehreren Großbränden erlitt die Kirche jeweils
erheblichen Schaden, bis sie im Zweiten Weltkrieg nach einem
Bombenangriff bis auf die Außenmauern ausbrannte.

Der wegen Geldmangels immer wieder hinausgeschobene, nach
dem Erwerb des Gebäudes durch die Stadt Brandenburg im Jahr
1975 begonnene Wiederaufbau, wurde erst nach der Wiederver-
einigung von dem finnischen Architekten Pekka Salminen im
Jahre 2001 abgeschlossen.

In diesem Jahr wurde die Kirche als Konzertkirche
Neubrandenburg mit glanzvollen Musikfestspielen wieder
eröffnet und dient seither der Neubrandenburger Philharmonie
als Spielort.
                                                         - 30 -
Meerstern, ich dich grüße




 2. Rose ohne Dornen, du von Gott Erkor´ne.

 3. Lilie ohnegleichen, dir selbst Engel weichen.

 4. Quelle aller Freuden, Trösterin der Leiden.

 5. Hoch auf deinem Throne, aller Jungfrau´n Krone.

 6. Gib ein reines Leben, sich´re Reis´ daneben!

 7. Dich als Mutter zeige, gnädig uns zuneige!

 8. Nimm uns an die Hände, uns das Licht zuwende!

 9. Hilf uns Christum flehen, fröhlich vor ihm stehen!

Altes fränkisches Wallfahrtslied, aufgezeichnet 1850
                - 31 –




Bamberger Dom
                                                           - 32 -
Bamberger Dom
Der Bamberger Dom St. Peter und St. Georg gehört zu den
deutschen Kaiserdomen und ist mit seinen vier Türmen das
beherrschende Bauwerk der Bamberger Altstadt. In seinem
Innern befindet sich das Grab des einzigen heilig gesprochenen
Kaiserpaares des Heiligen Römischen Reiches und das einzige
offiziell anerkannte Papstgrab auf deutschem Boden.

Zu den Patronen des Doms gehört der heilige Petrus, der erste
der zwölf Apostel Jesu, der Fels, auf den er seine Kirche gebaut
hat, und damit sein Nachfolger auf Erden, der erste Papst also.
Ihm zur Seite steht der heilige Georg, Leitbild der
byzantinischen Kirche. Er ist Märtyrer und während der
Christenverfolgung durch den römischen Kaiser Diokletian
getötet worden. Georg wurde vor allem in den Ostkirchen zum
beliebtesten Heiligen. Seine Drachentöter-Legende ist
weltberühmt.
Auch die Gottesmutter Maria ist Patronin des Domes. Sie steht
für das Übergreifende der beiden deutschen Krchen.
Domgründer sind der spätere Kaiser Heinrich II. und seine Ge-
Heinrich II. und Kunigunde (rechts mit einem Dommodell)

                                                          - 33 -
mahlin Kunigunde. Heinrich wurde als Fünfjähriger in die
Obhut des Bischofs von Freising gegeben und besuchte später
die renommierte Domschule von Hildesheim. Seine weitere
Erziehung übernahm der Bischof von Regensburg, der heilige
Wolfgang. Danach hatte Heinrich einen Bildungsstand, der dem
der meisten der damaligen Herrscher, von denen viele nicht
einmal schreiben und lesen konnten, weit überlegen war. Er
konnte sich durchaus mit den meisten Geistlichen messen, die
in jener Zeit in der Regel hervorragend geschult waren.

Als sein Vater im Jahr 995 starb, wurde Heinrich Herzog von
Bayern. Den Königstitel erschwindelte er sich im Jahre 1002,
indem er den Leichenzug Ottos III., der auf einer Italienreise
ohne Erben gestorben war, auf seinem Zug durch Bayern
anhielt und die Reichsinsignien an sich brachte. Der Mainzer
Erzbischof Willigis salbte ihn heimlich zum König. Im Jahr
1014 wurden Heinrich und seine Gattin, die er in Paderborn zur
Königin hatte krönen lassen, in Rom zu Kaisern gekrönt. Ihre
Ehe blieb kinderlos. Heinrich II. starb 1024 in der Pfalz Grone
bei Göttingen. Im Jahr 1146 wurde er für die Christianisierung
der Westslawen und die Gründung des Bistums Bamberg von
Papst Eugen III. heilig gesprochen. Die Heiligsprechung von
Kunigunde folgte im Jahr 1200. Sie zog sich nach dem Tod
ihres Mannes in ein Kloster zurück.

Ein Vorgänger des heutigen Doms, der so genannte
Heinrichsdom wurde im Jahre 1004 von – zu der Zeit noch –
König Heinrich in Auftrag gegeben und am 6. Mai 1012, dem
Geburtstag des Königs in Gegenwart von 45 Bischöfen, der
größten Zahl, die je bei einer Domweihe des Mittelalters
anwesend war, eingeweiht. Von diesem Bauwerk, einer
dreischiffigen Säulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor,
sind heute, nachdem es bei zwei Bränden in den Jahren 1081
und 1082 bis auf die Grundmauern abgebrannt ist, nur noch die
Grabgelage der Bischöfe erhalten.
Die Neuerrichtung ist im Wesentlichen dem Bischof Otto – da-

                                                         - 34 -
her der Name: Otto-Dom – zuzuschreiben, der bereits den
Umbau des Speyerer Doms geleitet und dadurch neben großen
Verdiensten auch ein hohes Maß an Erfahrung im Bauwesen
erworben hatte. Sein Werk musste indes nach einem erneuten
Großfeuer im Jahr 1185 abgerissen werden.
Erst 1215 konnte auf Veranlassung von Bischof Eckbert von
Andechs-Meranien, dem Bruder der heiligen Hedwig von
Andechs, mit der Neuerrichtung begonnen werden. Der jetzt
erbaute dritte größere Dom wurde wie der Heinrichsdom am
Geburtstag von Heinrich II., diesmal im Jahr 1237, feierlich
geweiht. Wie sehr diese Weihe im Vergleich zu der von 1012
an Bedeutung verloren hatte, lässt sich allein an der
Anwesenheit von Bischöfen ablesen. Wohnten der ersten
Weihe noch 45 Patriarchen, Erzbischöfe und Bischöfe bei, sind
in der zeitgenössischen Quelle, den Erfurter Jahrbüchern, für
das Jahr 1237 als höchste Würdenträger der Kirche nur
folgende Bischöfe erwähnt: der Würzburger, der Eichstätter,
                          der vom Naumburger und jener vom
                          Merseburger Dom.
                          Nach dem Dreißigjährigen Krieg
                          erfolgte im Zuge der vom Konzil von
                          Trier ausgehenden Erneuerung der
                          Katholischen Kirche unter Führung
                          von Fürstbischof Melchior Otto Voit
                          von Salzburg die Umsetzung der
                          Domarchitektur in den Barockstil.
                          Das Bamberger Domkapitel war
                          zunächst nur zögerlich zu der
                          Wandlung in die neue Kunstrichtung
                          bereit, doch im Jahre 1678 waren
                          fast alle 30 Altäre barockisiert.
                          Letzter Rest der Barockaustattung ist
                          heute der vergoldete Kreuzaltar des
                          flämischen Künstlers Justus Gesker
im Westchor.
Bamberger Dom im Barockstil

                                                           - 35 -
Der bayerische König Ludwig I. war der Ansicht, dass die
ehemals als byzantinische bezeichnete romanische Baukunst,
aber auch die gotische Architektur eine deutsche Kunstform
und daher besonders geeignet sei, die nationale Identität zu
fördern. Dazu schrieb er im
Jahr 1826 dem Bamberger
Erzbischof u. a. folgendes: „Es
ist mir schon früher bey dem
Besuche der erzbischöflichen
Metropolitan-Kirche zu
Bamberg unangenehm
aufgefallen, dass dieses
herrliche große Denkmal des
teutschen Baustyles einige
Verunstaltungen erhalten hat,
welche dem Kunstsinne
widerstreben. Um den
ungestörten Anblick dieses
erhabenen Tempels in dem
Geiste des reinen Styles wieder
                    Innenraum des Bamberger Doms um 1837
herzustellen, ist es Mein Wunsch, dass der weiße Anstrich der
Kirche bis auf die Spur abgerieben werde.“ Diese und andere
Maßnahmen sollten dazu dienen, den Dom, den man für den
Originalbau Heinrich II. hielt, in den mittelalterlichen Zustand
zurück zu versetzen. Die Restaurierung entsprach dem
romantischen Geist der Zeit, der sich für das so genannte
„reine“ Mittelalter – ohne jeden Zusatz nachfolgender
Stilepochen – begei-sterte. Sie trug aber auch zu einer
„Verarmung“ der Architektur bei, da seine Historizität auf ein
idealisiertes Mittelalter reduziert wurde. Domdekan Friedrich
Brenner beschrieb im Jahr 1837 den purifizierten Dom als „gar
zu kalt, frostig einförmig und der Pracht des katholischen
Gottesdienstes wenig entsprechend.“
Eine neue Anpassung an die Liturgie des katholischen
Gottesdienstes, hier die Wiederbelebung der Konzelebration
(gemein-

                                                             - 36 -
same Leitung einer kirchlichen Liturgie durch mehrere Priester)
erfuhr die Ausstattung des Doms nach dem zweiten Vaticanum,
dem zweiten Vatikanischen Konzil (11. Oktober 1962 bis zum
8. Dezember 1965). Die Vielzahl von Altären, an denen jeder
Priester für sich allein zelebrierte, war überflüssig geworden,
wodurch sich die Anzahl der Altäre im Dom drastisch
verringerte. Auch im Bamberger Dom befindet sich der
Hauptaltar den Vorstellungen von Papst Johannes XXIII. und
Papst Paul VI. entsprechend jetzt dort, wo der Priester mit dem
Gesicht zur Gemeinde die Eucharistiefeier halten kann.
                                                           - 37 -
O Haupt voll Blut und Wunden




 2. Du edles Angesichte, davor sonst schrickt und scheut,
das große Weltgewichte, wie bist du so bespeit,
wie bist du so erbleichet! Wer hat dein Angesichte,
dem sonst kein Licht nicht gleichet, so schändlich zugericht´?

 3. Die Farbe deiner Wangen, der roten Lippen Pracht
 ist hin und ganz vergangen, des blassen Todes Macht
 hat alles hingenommen, hat alles hingerafft,
 und daher bist du kommen von deines Leibes Kraft.

 4. Nun, was du, Herr, erduldet, ist alles meine Last;
 ich hab es selbst verschuldet, was du getragen hast.
 Schau her, hier steh ich Armer, der Zorn verdienet hat.
 Gib mir, o mein Erbarmer, den Anblick deiner Gnad.

  5. Erkenne mich, mein Hüter, mein Hirte, nimm mich an.
  Von dir, Quell aller Güter, ist mir viel Gut´s getan;
   Dein Mund hat mich gelabet mit Milch und süßer Kost,
   dein Geist hat mich begabet mit mancher Himmelslust.

Weise: Hans Leo Hassler 1601; Text: Paul Gerhard 1656
                                                    - 38 -
     Domkirche St. Eberhard Stuttgart



                                                        - 39 -
Domkirche St. Eberhard Stuttgart

Die ursprüngliche Form der Kirche entsprach naturgemäß der
bei Schloss Solitude abgebrochenen evangelischen Kirche,
deren Rekonstruktion sie darstellt. Die evangelische Kirche
wurde 1808 sorgfältig abgetragen, an den neuen Bauplatz an
der Königstraße überführt und dort wieder aufgebaut. Von
dieser Vorgängerkirche sind nach der vollständigen Zerstörung
durch zwei Bombenangriffe im Jahr 1944 nur noch der
Grundriss und das die Fassade kennzeichnende Türmchen mit
der Spitzkuppel erhalten. Der Wiederaufbau durch Hugo
Schlösser war 1955 abgeschlossen.
Die Beschlüsse des zweiten vatikanischen Konzils sowie die
Erhebung der Kirche zur Konkathedrale machten bauliche
Veränderungen erforderlich, denen 1990/91 durch eine
tiefgreifende Umgestaltung des Innenraums nach Plänen des
Architekten Bert Perlias entsprochen wurde, durch welche die
Eberhardskir-che ihre heutige Gestalt erhielt.

Die Kirche war am 1. Oktober 1811 durch den Weihbischof
von Augsburg, Fürst Karl von Hohenlohe geweiht und auf
Anweisung Friedrich I. nach dessen legendärem Vorfahren,
dem Grafen Eberhard im Bart benannt worden. Diese
Patronatszuweisung war kirchenrechtlich indes problematisch,
da Eberhard im Bart in keinem Heiligenkalender geführt wurde
und daher als Kirchenpatron auch nicht in Frage kam. Um sich
aber das Wohlwollen des Königs nicht durch eine
Umbenennung zu verscherzen, wurde als offizieller Patron der
Heilige Eberhard I., Erzbischof von Salzburg, bestimmt,
obwohl der zwar im Heiligenregister der Diözese Salzburg,
nicht aber in dem der Katholischen Kirche verzeichnet ist.
Nachdem zwischenzeitlich dann der Selige Eberhard von
Nellenburg als Patron genannt wurde, beendete Bischof Carl
Joseph Leiprecht die Patronatsdiskussion bei der Konsekration
der nach dem 2. Weltkrieg wiedererbauten
Kirche, indem er beide in Betracht gezogenen Patrone in das
Patrozinium aufnahm.
                                                         - 40 -
 Tauet, Himmel, den Gerechten




2. Gott der Vater ließ sich rühren, dass er uns zu retten sann,
und den Ratschluss auszuführen, trug der Sohn sich selber an.
Schnell flog Gottes Engel nieder, brachte diese Antwort wieder:
„Sieh, ich bin des Herren Magd; mir gescheh, wie du gesagt.“

3. Dein Gehorsam ist uns Leben, Jungfrau, demütig und keusch
als das Jawort du gegeben, ward das Wort des Vaters Fleisch.
Erde, jauchze auf in Wonne bei dem Strahl der neuen Sonne;
Fern bis hin zum Niedergang, werde alles Lobgesang.

Weise: Norbert Hauner 1777; Text: Michael Denis 1774

                                                       - 41 -




Wieskirche
                                                       - 42 -
Wieskirche

Die Wieskirche ist eine äußerst prächtige, im Rokokostil
ausgestaltete Wallfahrtskirche in Wies, Gemeinde Steingaden,
im so genannten Pfaffenwinkel in Bayern. Von 1745 bis 1754
wurde sie erbaut von den Brüdern Johann Baptist und
Dominikus Zimmermann unter der Leitung von Abt Marinus II.
Mayer. Das berühmte Altarbild stammt von dem Münchner
Hofmaler Balthasar August Albrecht. Die vier Gestalten der
großen Theologen des Abendlandes - Hieronymus, Ambrosius,
Augustinus und Gregor der Große – sind ein reifes Alterswerk
des Tiroler Bildhauers Anton Sturm. Die 1957 von Schmid,
Kaufbeuren, erstellte Orgel erstrahlt im historischen Umbau
von Johann Georg Hörterich.

Die Statue des gegeißelten
Heilands, dem die
Wallfahrtskirche gewidmet
ist, schufen Pater Magnus
Staub und Frater Lukas
Schweiger im Jahr 1730 im
oberbayerischen Kloster
Steingaden. In dieser Figur
ist auch der Ursprung der
Wallfahrt begründet,
nachdem die Bauernfamilie
Lory in den Augen einer ihr
übergebenen Nachbildung
der Statue Tränen erblickt
hat. An den großen
Hauptfesten der Wieskirche
pilgern seitdem ungezählte Gläubige dorthin, um die Gnade
Jesu zu erflehen und an diesem Ort zu beten, der trotz aller
Touristen- ströme stets eine Stätte der Ruhe und Erbauung
geblieben ist.

                                                          - 43 -




Altarraum                         Eingangshalle
                       Kuppelfresko

                                                         - 44 -
Liebster Jesu, wir sind hier




2. Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllet,
wo nicht deines Geistes Hand uns mit hellem Licht erfüllet.
Gutes denken, tun und dichten musst du dann in uns verrichten.
3. O du Glanz der Herrlichkeit, lichtes Licht, aus Gott geboren,
mach uns allesamt bereit, öffne Herzen, Mund und Ohren;
unser Bitten, Flehn und Singen lass, Herr Jesu, wohl gelingen.

Weise: Johannes Rudolf Ahle 1664 und Wolfgang Karl
Briegel 1687; Text: Tobias Clausnitzer 1663




                                                           - 45 -
 Dom zu Paderborn




                                                          - 46 -
Dom zu Paderborn

Die Geschichte des Doms, dessen Patrone die Hl. Maria, der
Hl. Kilian und der Hl. Liborius von Le Mans sind, geht in das
12. Jahrhundert zurück. Er stellt sich als dreischiffige
Hallenkirche dar und besitzt eine Doppelchoranlage mit der
Folge, dass es ihm an der sonst üblichen großzügig gestalteten
Fassade mit einem üppig ausgestatteten Eingangsbereich
mangelt.

                               Besonders eindrucksvoll ist der
                               93 m hohe romanische
                               Westturm, der zu den ältesten
                               Teilen des Bauwerks zählt,
                               ebenso die Krypta, in der die
                               Gebeine des Hl. Liborius ihre
                               letzte Ruhestätte gefunden
                               haben.
                               Spätere Umbauten des Doms
                               haben, abgesehen vielleicht von
                               der Barockisiering nach der
                               Plünderung im Dreißigjährigen
                               Krieg, am Gesamteindruck des
                               Bauwerks Wesentliches nicht
                               geändert.
                               Den Mangel eines
                               repräsentativen
                               Eingangsbereichs hat man auf
                               der Südseite durch eine
                               Eingangshalle mit einem
                               aufwändigen Figurenportal
ausgeglichen. Die Statuengruppe stammt nach neueren
Forschungserkenntnis-
Der mächtige Westturm
sen aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts. In der Mitte der
Anordnung steht die Muttergottes als Himmelskönigin, eine der
frühesten stehenden Madonnen in Deutschland. Das Jesuskind
wendet sich mit einer Armbewegung in einer einfühlsamen

                                                          - 47 -
Geste der Mutter Maria zu. Rechts und links von der Madonna,
über den Eingangstüren stehen die älteren, wohl noch aus dem
12. Jahrhundert stammenden Figuren der beiden weiteren
Dompatrone Liborius und Kilian.
Das romanische Säulenportal ist, wie die Unstimmigkeiten im
Aufbau beweisen, ersichtlich nicht nach einem einheitlichen
Plan ausgeführt. Das zunächst als reine Säulenhalle geplante
Portal wurde erst unter dem Einfluss der französischen
Kathedralgotik als Figurenportal vollendet.

Die Plastiken der Figuren sind nicht alle zu identifizieren.
Neben Maria und den Dompatronen sind an dem seit
Jahrhunderten festliegenden Kopftypus der Hl. Petrus und an
dem Wahrzeichen der Pilgermuschel der Apostel Jakobus, der
Ältere, auszumachen. Unmittelbar neben Maria steht wohl
Paulus, der bartlose Jünger wird vermutlich Johannes sein. An
der rechten Außenseite ist die Hl. Katharina zu erkennen, die
mit ihren Füßen den heidnischen Kaiser Maxenius niedertritt,
gegen den sie mit einer Disputation das Christentum erfolgreich
verteidigt hat.

Mit großem
Aufwand sind auch
die Säulenkapitelle
gestaltet. Die Kerne
sind mit üppigem
Blattmuster belegt,
die darüber
liegenden Zonen
weisen die im
Mittelalter häufigen
Muster aus
Pflanzenranken und
Fabelwesen auf.

                       Die Nordseite des Doms

                                                         - 48 -

Maria zu lieben ist allzeit mein Sinn
2. Maria, du milde, du süße Jungfrau !
Nimm auf meine Liebe, so wie ich vertrau!
Du bist ja die Mutter: dein Kind will ich sein,
im Lebern und Sterben dir einzig allein!

3. Gib, dass ich von Herzen dich liebe und preis´;
gib, dass ich viel Zeichen der Liebe erweis´.
von dir mich nichts scheidet, nicht Unglück noch Leid;
dich lieb´ ich auf ewig, dich lieb´ ich allzeit.

4. Ach, hätt´ ich der Herzen nur tausendmal mehr!
Dir tausend zu geben, das ist mein Begehr;
so oft mein Herz klopfet, befehl ich es dir;
so vielmal ich atme, verbind´ ich mich dir.

5. Du Trost der Betrübten, zur Hilf´ sei bereit;
du Stärke der Schwachen, beschütz mich im Streit;
wann wider mich kämpfen Fleisch, Hölle und Welt,
sei du mir als Zuflucht zur Seite gestellt!

Weise zuerst in Paderborn 1765; Worte aus dem Bruder-
schafsbüchlein des heiligen Johann von Nepomuk 1765

                                                         - 49 -
    St. Martin in Amberg


                           - 50 -
St. Martin in Amberg
Die Bürger der Stadt Amberg erbauten diese an der Südseite
des Marktplatzes gelegene Kirche in den 20er Jahren des 15.
Jahrhunderts. Das im gotischen Stil errichtete Gotteshaus
repräsentiert sich als dreischiffige Hallenkirche mit einem
gemeinsamen Dach. Die Kirchenhalle ist mit einem Kranz von
19 Kapellen umgeben, die durch eine gemeinsame Empore
nach oben abgeschlossen sind. St. Martin wurde bauliches
Vorbild für viele Kirchen im sächsischen Bergbaugebiet.

Bereits wenige Jahrzehnte nach ihrer Fertigstellung – in der
Reformationszeit - wurde die Kirche für protestantische
Gottesdienste genutzt. Auf Anordnung des Kurfürsten
Ottheinrich von der Pfalz betätigten sich 1557 die Calvinisten
als Bilderstürmer und beseitigten Nebenaltäre und wertvolle
Bildwerke. Wenig später räumten religiöse Fanatiker die Kirche
ganz aus und zerstörten sogar die unersetzlichen Fresken.

Nach der Gegenreformation erhielt die Kirche im Rahmen einer
Barockisierung einen neuen Hochaltar, der mit einem Gemälde
von Gaspar de Crayer, einem Rubens-Schüler, geschmückt war.
Nachdem das Gebäude durch Kanonenbeschuss während des
Spanischen Erbfolgekrieges im Jahre 1703 erheblich beschädigt
worden war, insbesondere die alten Glasfenster völlig zerstört
wurden, erhielt das Gebäude insgesamt eine neue kostbare
Barockausstattung. 1720 erhielt der Turm seine heutige Gestalt.
Die Fenster in der jetzigen neugotischen Form stammen aus
einer Renovierung zum Ende des 19. Jahrhunderts.

Wegen ihrer Bedeutung für die Region erhielt die Marienkirche
1980 durch Papst Johannes Paul II. den Rang einer Basilica
minor.



                                                         - 51 -
Zu Bethlehem geboren




2. In seine Lieb´ versenken will ich mich ganz hinab;
mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab´.
Eia, eia, und alles, was ich hab´.

3. O Kindelein, von Herzen will ich dich lieben sehr,
in Freuden und in Schmerzen je länger und je mehr,
eia, eia, je länger und je mehr.

4. Dich wahren Gott ich finde in meinem Fleisch und Blut;
darum ich fest mich binde an dich, mein höchstes Gut,
eia, eia, an dich, mein höchstes Gut.

5. Dazu dein Gnad´ willst geben, bitt ich aus Herzensgrund,
dass ich allein dir lebe, jetzt und zu aller Stund´,
eia, eia, jetzt und zu aller Stund´.

Weise zuerst in Paris 1599, geistlich im Kölner Psalter 1638;
Worte von Friedrich von Spee 1637

                                                           - 52 -
Russisch-Orthodoxe Kirche in Wiesbaden



                                         - 53 -
Russdisch-Orthodoxe Kirche in Wiesbaden

Anlass für die Erbauung der Kirche in Wiesbaden auf dem
Neroberg (1847 bis 1855) war der frühe Tod der Gemahlin von
Herzog Adolf von Nassau, der 19jährigen russischen Prinzessin
Jelisaweta Michailowna, Großfürstin von Russland und
Herzogin von Nassau (1826-1845). Prinzessin Jelisaweta war
die Tochter von Michail Romanow (1798-1849, dem jüngeren
Bruder der Zaren Alexander I. (Regierungszeit: 1801 bis 1825)
und Nikolaus I. (Regierungszeit: 1826 bis 1855). Sie hatte
Herzog Adolf 1844 geheiratet und war im darauf folgenden
Jahr bei der Geburt ihres ersten Kindes mit dem Neugeborenen
gestorben. Aus tiefer Trauer um den Tod seiner geliebten Frau
beschloss Herzog Adolf die Errichtung dieser Grabeskirche,
dessen Bau Zar Nikolaus finanziell aus der Mitgift der
Prinzessin unterstützte.

Mit der Planung und Errichtung des Gotteshauses wurde der
herzögliche Oberbaurat Philipp Hoffmann betraut, der, um der
Aufgabe gewachsen zu sein, eigens in Russland die russische
Kirchenbauweise studierte. Die Christus-Erlöser-Kathedrale in
Moskau wurde zum Vorbild für den Wiesbadener Bau, der am
28. Mai 1855 zu Ehren der Namenspatronin der verstorbenen
                                  Herzogin, der heiligen
                                  Elisabeth, der Mutter
                                  Johannes des Täufers,
                                  eingeweiht wurde. Wenig
                                  später wurde der Sarg mit
                                  den sterblichen Überresten
                                  der Prinzessin und des toten
                                  Säuglings von der
                                  Bonifaziuskirche, wo
sie zeitweilig aufbewahrt
Luftaufnahme der Kirche
Worden waren, mit einer Prozession in die Orthodoxe Kirche
überführt und dort in der Krypta beigesetzt.
                                                            - 54 -
Etwa 100 m nordöstlich der Kirche wurde ein kleines Pfarrhaus
gebaut und daneben ein russischer Friedhof angelegt. Die
russische orthodoxe Gemeinde, die schon vor dem Kirchenbau
existierte und vornehmlich aus russischen Gästen bestand, bei
de-
nen Wiesbaden im 19. Jahrhundert ein beliebter Kurort war,
nahm die Kirche als Heimat an, ebenso in den 20er Jahren des
vorigen Jahrhunderts die russischen Emigranten, die infolge der
Russischen Revolution und der Machtergreifung der
Kommunisten das Land verlassen mussten.
Auch Zar Nikolaus I. besuchte mit seiner frisch angetrauten
Gemahlin, der Zarin Alexandra Fjodorwna, während eines
Besuches in Deutschland die orthodoxe Kirche in Wiesbaden,
ein Ereignis, von dem die Inschrift einer Goldtafel kündet, die
im Innern angebracht ist.

In den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde der Innenraum,
von 2002 bis 2005 die Krypta renoviert.


Die Außenarchitektur zeigt die Kirche in einem Gewand aus
beigem harten Sandstein. Der Grundriss ist ein Quadrat mit
einem im Norden herausragenden Bogen. Der Bau wird von
fünf auf zylinderförmigen Türmen ruhenden feuervergoldeten
Kuppeln gekrönt, von denen die vier kleineren im Nordosten,
Nordwesten, Südosten und Südwesten die zentrale große
Kuppel umgeben. Die
Kuppeln haben die
besondere für russische
Kirchen typische
Zwiebelform. Alle
Kuppeln zieren
gleichfalls
feuervergoldete
orthodoxe Kreuze, die
nach Süden weisen. Der
Hauptturm ist im obersten Teil kurz unterhalb
                          Nahaufnahme der Kuppel

                                                         - 55 -
der Kuppel ringsherum vollständig mit Glasfenstern umkleidet,
durch die das Licht ungehindert in den Innenraum der Kirche
fallen und ihn erhellen kann. Die kleineren Türme haben eher
schmale Fenster, durch die das Licht nur ins Turminnere
dringen kann, weil sie zum Kirchenraum hin abgeschlossen
sind. Im Innern des nordöstlichen Turms führt eine
Wendeltreppe über die man bis in die Kuppel und von dort aus
durch ein Türchen auf das Dach der Kirche gelangen kann.

Man konnte die Kirche früher durch den Südeingang und den
Westeingang betreten.
Den Südeingang, der ursprünglich nur den Fürsten und
sonstigen Adeligen vorbehalten war, hat man nach dem Sturz
des letzten Zaren Nikolaus II. 1917 für immer verschließen
lassen.
Der Westeingang war und ist der Eingang für das einfache
Volk. Betritt man das Gotteshaus durch diesen Eingang, blickt
man direkt gegenüber, wie es in den meisten orthodoxen
Kirchen üblich ist, auf die Ikonostase. Über den Eingängen und
dem Fenster zum Altarraum befinden sich Medaillons der
Heiligen, die in besonderer Weise mit der Prinzessin, für
welche die Kirche errichtet wurde, Verbindung haben. Über
dem Westeingang ist dies das Medaillon der heiligen Helena,
der Schutzheiligen der Mutter der Großfürstin, über dem
Südeingang das Medaillon der heiligen Elisabeth, der
Namenspatronin von Herzogin Jelisaweta, und über dem
Fenster zum Altarraum das des Erzengels Michael, dem
Schutzpatron von Vater Michail.


                    In der Nacht wird die Russisch-Orthodoxe
                    Kirche auf dem Neroberg von zahlreichen
                    Scheinwerfern angestrahlt und leuchtet
                    weithin über die Häuser der Stadt
                    Wiesbaden.
Die Kirche bei Nacht

                                                    - 56 -
Auf, gläubige Seelen




 2. O sehet, die Hirten eilen von den Herden
 und suchen das Kind nach des Engels Wort.
 Gehen wir mit ihnen, Friede soll werden;
 Kommt lasset uns anbeten unsern Herrn!

 3. Der Abglanz des Vaters, Herr der Herren alle,
 ist heute erschienen in unserem Fleisch.
 Gott der in Windeln liegt im kalten Stalle;
 kommt lasset uns anbeten unsern Herrn!

 Weise von John Reading 17. Jahrhundert; Worte nach
 dem „Adeste fideles“ des Abbé Borderies (um 1790) von
 Joseph Mohr (1792-1848)



                           - 57 -




Nikolaikirche zu Leipzig
                                                         - 58 -
Nikolaikirche zu Leipzig

Die Nikolaikirche, neben der Thomaskirche die bekannteste
Kirche Leipzigs, wurde nach der Verleihung der Stadt- und
Marktrechte an Leipzig ab 1165 im romanischen Stil erbaut, der
indes heute nur noch an der Westseite erkennbar ist. Im 15. und
16. Jahrhundert erfolgten nämlich Erweiterungen des
Gotteshauses und der vollständige Umbau zur spätgotischen
dreischiffigen Hallenkirche.

Im Jahre 1452 erhielt die Kirche ihre erste Glocke, die Osanna,
welche mit Darstellungen des gekreuzigten Heilands, der vier
Evangelisten, des Hl. Martin und des Hl. Nikolaus, des
Schutzpatrons der Kirche, reich verziert ist. Da im Turm der
Nikolaikirche noch bis zum Jahr 1916 die Feuerwache der Stadt
Leipzig untergebracht war, hatte die Glocke nicht nur die
Aufgabe, die Gottesdienste einzuläuten, sondern auch, im
Brandfall Feueralarm zu schlagen.

Ab 1784 bis ins Jahr 1797 hinein wurde der Innenraum des
Gotteshauses durch den Leipziger Stadtbaumeister Johann Carl
Friedrich Dauthe nach einem von den Architekturtheorien
Marc-Antoine Laugiers beeinflussten Gesamtkonzept
vollständig umgestaltet. Viele spätgotische Stilelemente wurden
in klassische Formen korrigiert. Die gotischen Kreuzgewölbe
wurden durch Anbringung von Stuckmänteln und
Palmenkapitellen an den Säulen kaschiert. Im Chor wurde das
mittelalterliche Gewölbe durch ein untergezogenes hölzernes
Tonnengewölbe verborgen.
Die letzten baulichen Veränderungen an der Außenfassade von
1901 bis 1902 ließen das spätgotische Aussehen dankenswerter
Weise unberührt.
Die berühmte Orgel geht auf ein von Friedrich Ladegast 1862

                                                        - 59 -
gebautes Instrument zurück, das damals die größte
Kirchenorgel Sachsens war und die romantische Interpretation
der Orgelkompositionen Johann Sebastian Bachs in der zweiten
Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt hat.




Innenraum der Nikolai-          Deckengemälde von Adam
kirche                          Friedrich Oeser

 Das Gotteshaus war Schauplatz mehrerer geschichtlicher
Ereignisse von hohem Rang:
Am 25. Mai 1539 wurde durch die Predigten der Reformatoren
Justus Jonas des Älteren und Martin Luthers in Leipzig die
Reformation eingeläutet.
Aus den Montagsgebeten, die in der Nikolaikirche bereits seit
Beginn der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts stattfanden,
entwickelten sich Ende der 80er des vorigen Jahrhunderts die
Montagsdemonstrationen gegen das damalige DDR-Regime, an
denen allwöchentlich Zehntausende, manches Mal sogar 100
000 Menschen teilnahmen, um für Demokratie, Reisefreiheit
und die Einheit Deutschlands zu demonstrieren. Diese
Massendemonstrationen waren Ausgangspunkt und
bewegendes Element der Wiedervereinigung Deutschlands und
den Fall der Berliner Mauer am 9. Oktober 1989.

                                                    - 60 -

Wer nur den lieben Gott lässt walten




  2. Was helfen uns die schweren Sorgen,
  was hilft uns unser Weh und Ach?
  Was hilft es, dass wir alle morgen
  beseufzen unser Ungemach?
  Wir machen unser Kreuz und Leid
  nur größer durch die Traurigkeit.

  3. Man halte nur ein wenig stille
  und seid doch in sich selbst vergnügt,
  wie unseres Gottes Gnadenwille,
  wie sein´ Allwissenheit es fügt;
  Gott, der sich uns hat auserwählt,
  der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt.

  4. Er kennt die rechten Freudenstunden,
  er weiß wohl, wann es nützlich sei;
  wenn er uns nur hat treu erfunden
  und merket keine Heuchelei,
  so kommt Gott, eh wir´s uns versehn
  und lässt uns viel Gut´s geschehn.
  Weise und Worte von Georg Neumark 1641

                                           - 61 -




Frauenkirche in München
                                                         - 62 -
Frauenkirche in München

Der einfach nur als Frauenkirche bekannte Dom zu Unserer
Lieben Frau in München stellt sich als spätgotische
dreischiffige Hallenkirche mit fünfeckig gestaltetem Chor dar.
Das mächtige Bauwerk in der Münchner Altstadt ist die
Kathedralkirche des Erzbischofs von München und Freising
und das wohl bekannteste Wahrzeichen der bayerischen
Landeshauptstadt.
Der in sich geschlossene Backsteinbau wirkt mangels des bei
gotischen Kirchen ansonsten von außen sichtbaren Strebwerks,
das der Architekt Jörg von Halsbach nach innen verlegte, eher
schlicht.

Der Innenraum, der bei einer Einwohnerzahl Münchens zur
                                         Bauzeit von nur
                                         13000 erstaunlicher
                                         Weise etwa 20000
                                         Personen im Stehen
                                         Platz bieten könnte,
                                         wirkt trotz seiner
                                         Größe nicht
                                         erdrückend, weil er
                                         durch zwei Reihen
                                         von je elf
                                         achteckigen
                                         Pfeilern, die trotz
                                         durchgängigem
                                         Mauerwerk als von
                                         Licht durchbrochen
                                         scheinende
                                         Trennwände der
                                         zahlreichen
Seitenkapellen fungieren, untergliedert ist und locker wirkt.
Innenraum der Kirche um 1858

                                                            - 63 -




Blick in das Hauptschiff

Die beiden Türme mit ihren charakteristischen „welschen“
Hauben, die den First des Mittelschiffs deutlich überragen,
ziehen den Blick auf sich, zumal Baurichtlinien der Stadt dafür
sorgen, dass andere Gebäude in der Nähe sie in ihrer Höhe von
fast 100m nicht überragen dürfen. Die Hauben, die erst 1525
auf die im Übrigen bereits 1488 fertig gestellten Türme
aufgesetzt wurden, sind nach dem Vorbild des Felsendoms von
Jerusalem gestaltet und für die Gläubigen wie der Tempel
Salomons daher ein Symbol des Himmelreichs.

Das Hauptportal ist Maria, der Gebärerin des Heilands, und
dem Heilsbringer Christus gewidmet, Motive, die auch an allen
anderen Eingängen wiederkehren. Die Flügel am Hauptportal
wie die an allen anderen Türen ein Werk Ignaz Günthers von
1772 sind 1944 durch Bombeneinwirkug erheblich beschädigt

                                                        - 64 -




Der Haupteingang der Frauenkirche

und nach dem Krieg in vereinfachter Form rekonstruiert
worden. In einem Medaillon im oberen Teil der Tür ist Maria
im Relief als unbefleckt Empfangene und als apokalyptisches
Weib abgebildet.
                                         Erwähnenswert ist
                                         auch das so genannte
                                         Brautportal, das dem
                                         heiligen Donatus
                                         gewidmet ist. Als
                                         einziges der
                                         Kirchentüren weist
                                         es ein reich
                                         verziertes gotisches
Gewände auf, dessen kleinteiliger Figuren-
Der feingliedrige Figurenschmuck am Donatusportal

                                                            - 65 -
schmuck um 1480 entstanden und 1860 weiter ergänzt worden
ist.
Ein weiteres Portal ist dem Papst und Märtyrer Sixtus geweiht.
                                         Sixtus ist der Patron
                                         des Stifts Schliersee
                                         und seit dessen
                                         Gründung
                                         Nebenpatron der
                                         Frauenkirche. Links
                                         neben dem nach ihm
                                         benannten Portal
                                         befindet sich wie am
                                         Hauptportal ein
                                         Asylzeichen, das
Verfolgten Schutz signalisier-
 Das Asylzeichen am Sixtusportal
te. Die unter diesem Symbol geübte Praxis, Unterdrückten
Unterkunft zu gewähren, geriet lange Zeit in Vergessenheit, ist
aber in letzter Zeit durch die Aufnahme von Asylbewerbern, die
abgeschoben werden sollten, wieder belebt worden.

So wie das Äußere des Gotteshauses den Blick der Augen des
Betrachters auf sich zieht, kann sich das Ohr dem Wohlklang
des Geläuts nicht entziehen.
Die Münchner Frauenkirche besitzt zehn Glocken.
Als die 1451 gegossene, zwei Tonnen schwere „Winklerin“
nach einer Reparatur im Jahre 2004 am 30. März in den
Nordturm zurückgehängt wurde, erhielten drei neue in Passau
gegossene Glocken einen Platz im Südturm. Die größte dieser
Neuankömmlinge heißt „Cantabona“ und hat ein Gewicht von
850 Kilogramm. Die kleinere der beiden anderen trägt den
Namen „Michel“, wiegt 440 kg. Die dritte von ihnen mit einem
Gewicht von 540 kg heißt „Speciosa“.
Die „Salveglocke“, auch „Susanna“ genannt, gilt als eine der
klangschönsten Glocken des Mittelalters. Sie dient zum Läuten
des „Salve Regina“ und erklingt seit1994 wieder jeden
Sonntagabend zum Abschluss der Vesper sowie an höchsten
Feierta-

                                                        - 66 -
gen im Anschluss an das Abendläuten.




    Die Michaelsglocke (c´´)    Die Frühmessglocke (a´)
      aus dem Jahr 2003           aus dem Jahr 1442
                   Die Bennoglocke (d´)
                     aus dem Jahr 1617

Das historische Geläut ist eines der wertvollsten Deutschlands.


                                                          - 67 -



Maria, Himmelskönigin




  2. Freu dich, denn du bist ehrenreich,
  an Gnaden ist dir keine gleich.
  O bitt für uns bei deinem Sohn,
  auf dass er huldvoll uns verschon!

 Weise von Nikolaus Hermann 1562,
 Worte (nach dem „Ave Regina caelorum“ um 1100) im
 Rothenburger Gesangbuch 1867
- 68 -
     St.-Michaelis-Kirche Hamburg
                                    - 69 -
St.-Michaelis-Kirche Hamburg
Die in Backsteinbauweise errichtete, evangelische Hauptkirche
St. Michaelis, genannt „Michel“, ist das bekannteste Gotteshaus
Hamburgs und ein Wahrzeichen der Hansestadt, da sie von den
                                     Seeleuten auf einlaufenden
                                     Schiffen deutlich sichtbar
                                     ist. Die bedeutendste
                                     Barockkirche
                                     Norddeutschlands ist dem
                                     Erzengel Michael geweiht,
                                     der als große Bronzestatue
                                     über dem Hauptportal
                                     dargestellt ist.

                                     Das von den Architekten
                                     Ernst Georg Sonnin und
                                     Johann Leonhard Prey ge-
                                     staltete Gebäude mit dem
                                     charakteristischen 132
                                     hohen Westturm, dem
                                     zweithöchsten Turm
                                     Hamburgs,
                                     wurde im Jahre 1762 fertig
  gestellt.

Erzengel Michael über dem Portal
Der „Michel“ war schon in früher Zeit für die Seeleute auf den
elbaufwärts segelnden Schiffen eine Orientierungsmarke und
prägt als einer der höchsten Kirchtürme der Welt und
zweithöchstes Bauwerk der Hansestadt deren Silhouette.

Das Gotteshaus in seiner heutigen Gestalt ist bereits der dritte
Kirchenbau an dieser Stelle.
Der erste Bau, von Peter Marquardt und Christoph Corbinus
zwischen 1647 und 1669 errichtet, wurde zur Kirche der seit
1625 innerhalb der neuen Wallanlagen entstandenen Neustadt.

                                                            - 70 -
Der zweite 1687 zur Hauptkirche gekürte Michel wurde am 10.
März 1750 durch Blitzschlag völlig zerstört.




 Michel-Ruine um 1750

Der in der jetzigen Form bekannte Kirchenbau wurde 1786
vollendet. Der Turm dieses Gebäudes erlangte weltweite
Aufmerksamkeit durch die berühmt gewordenen Experimente
zum freien Fall durch den Physiker Johann Friedrich
Benzenberg im Jahre 1802.

1906 fing der Turm bei Bauarbeiten am Dachstuhl Feuer und
brannte mitsamt dem Kirchenschiff bis auf die Grundmauern
nieder.
Der in der alten Form wiedererrichtete Turm erhielt an Stelle
der früheren Holzkonstruktion ein modernes Stahlskelett. Der
Wiederaufbau konnte 1912 abgeschlossen werden. Am 19.
Oktober wurde der Michel feierlich wieder eröffnet.

Bei Bombenangriffen in den letzten Jahren des Zweiten Welt-
krieges wurde das Hauptschiff der Kirche getroffen und schwer

                                                          - 71 -
beschädigt. Der Wiederaufbau zog sich bis 1952 hin.
Seit 1983 wird der Michel kontinuierlich renoviert; zuletzt
wurden die Kupferdächer von Turm und Hauptschiff erneuert.




Der Michel im Sonnenuntergang




                                                       - 72 -
Ein feste Burg ist unser Gott




2. Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit´ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Sabaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Weise und Worte (nach Psalm 46) von Martin Luther 1528




                                                  - 73 -
Kölner Dom


             - 74 -
Kölner Dom

Der Kölner Dom, offizieller Name: Hohe Domkirche St. Peter
und Maria, steht in Köln neben dem Hauptbahnhof im Herzen
der Stadt und ist ein Wahrzeichen der Metropole am Rhein.

Der Dom ist nach der Kathedrale von Sevilla und dem
Mailänder Dom weltweit die drittgrößte Kathedrale im
gotischen Baustil. Kunsthistoriker sehen in dem Gotteshaus
eine vorzügliche Harmonisierung sämtlicher Bauelemente und
des Schmuckwerks im Stil mittelalterlich-gotischer Baukunst
verwirklicht. Nicht umsonst ist der „Dom ze Kölle“ die
populärste Sehenswürdigkeit Deutschlands.

Vermutlich seit dem 4. oder 5. Jahrhundert standen an gleicher
Stelle wie heute der Dom kirchlich genutzte Gebäude, die sich
bis ins erste Drittel des 9. Jahrhunderts zur Anlage des Alten
Doms entwickelten, der am 27. September 873 geweiht wurde.
Der Alte Dom bestand im Wesentlichen aus einem Langhaus,
das am Kopf- und Fußende mit
je einem Querhaus abschloss.

Im Jahre 1248 entschloss man
sich zum Neubau und
beabsichtigte, den Alten Dom
Stück für Stück nieder zu reißen
und zu ersetzen. Schon kurz
nach Beginn der Arbeiten geriet
bei dem
                                Der alte karolingische Dom
Versuch, nur den Ostchor durch Brandabbruch
niederzulegen,das Feuer außer Kontrolle und fast das gesamte
Kirchengebäude brannte ab. Noch im selben Jahr wurde mit
dem Bau des heutigen Kölner Doms begonnen.

Bereits 1164 hatte der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel
                                                          - 75 -
die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln
gebracht. Diese Reliquien hatten um 1225 den Plan zum Bau
eines neuen Doms reifen lassen, zumal die alte Kathedrale dem
ungeheuren Pilgerstrom längst nicht mehr gewachsen war.
Die Pläne für den gotischen Bau stammen von dem
Dombaumeister Gerhard von Rile.
Da das Baumaterial, das Trachyt, im Siebengebirge gewonnen
wurde und daher nicht von weit herangeschafft zu werden
brauchte, konnte der Bau zügig voranschreiten.
Nachdem Köln infolge der Schlacht bei Worringen freie
Reichsstadt geworden war, drohte zwar eine Unterbrechung der
Bauarbeiten, weil der Dom nur noch nominell der Sitz des
Erzbischofs war und dieser fortan seine Kathedrale nur noch
selten besuchte. Doch das Domkapitel als Bauherr führte die
Arbeiten unaufhaltsam mit Eifer weiter, sodass bereits 1322 das
Chor und 1410 im Südturm das zweite Obergeschoss fertig
gestellt wurden. Bald darauf konnten schon die ersten Glocken,
die Dreikönigenglocke (1418), die Pretuosa (1448) und die
Speciosa (1449) an ihren Plätzen aufgehängt werden.

                          1560 stellte das Domkapitel wegen
                         Geldmangels die Förderung des Baus
                         der Kathedrale ein und es dauerte fast
                         300 Jahre, bis am 4. September 1842
                         durch Preußenkönig Friedrich
                         Wilhelm IV. der Grundstein für den
                         Weiterbau gelegt wurde. 1880 – also
                         nach über 600 Jahren Bauzeit –
                         führten die langen Bemühungen zur
                         Vollendung des Doms. Am 15.
                         Oktober jenes Jahres wurde die
Fertigstellung mit einer
Kölner Dom kurz vor der Fertigstellung 1880
großen Feier begangen, der indes viele hochgestellte Bürger
fernblieben, weil der Erzbischof sich während des
Kulturkampfes in der Verbannung befand und ein Teil der
Bürgerschaft dem protestantischen Kaiser die Loyalität
verweigerten.

                                                         - 76 -
Während des Zweiten
Weltkriegs wurde der
Dom durch mindestens 70
Bombentreffer schwer
beschädigt. Noch während
der 700 Jahrfeier der
Grundsteinlegung im Jahr
1948 litten die Besucher
an der mangelnden
Funktionsfähig-

4. April 1945, kurz vor Kriegsende
keit des Kirchengebäudes, die erst 1956 in vollem Umfang
wieder hergestellt werden konnte.

Der Wert der Innenausstattung des Doms und seiner Schätze ist
unermesslich.




Innenraum         Dreikönigsschrein im Dom         Orgel

Heutzutage wird die Substanz des Bauwerks vor allem durch
Umwelteinflüsse wie Autoabgase und sauren Regen in
Mitleidenschaft gezogen. Die Dombaumeister wirken dem
Zerfall durch gezieltes Ersetzen schadhafter Teile entgegen.
Die visuelle Integrität des Doms und der einzigartigen Kölner
Stadtsilhouette ist vor allem durch die Hochhausplanungen auf
der dem Dom gegenüberliegenden Rheinseite bedroht. Dieser
Drohung versucht das Welterbekomitee der UNESCO durch
Aufnahme in die Rote Liste des Welterbes zu begegnen.
                                                      - 77 -

Nun danket all und bringet Ehr




  2. Ermuntert euch und singt mit Schall
  Gott, unserm höchsten Gut,
  der seine Wunder überall
  und große Dinge tut.

  3. Der uns vom Mutterleibe an
  frisch und gesund erhält
  und, wo kein Mensch nicht helfen kann,
  sich selbst zum Helfer stellt.

  4. Der, ob wir ihn gleich hoch betrübt,
  doch bleibt stets guten Muts,
  die Straf´ erlässt, die Schuld vergibt
  und tut uns alles Gut´s.

  5. Er gebe uns ein fröhlich Herz,
  erfrische Geist und Sinn
  und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz
  ins Meeres Tiefe hin.
Weise (nach Genf 1562)von Johann Crüger 1653;
Worte von Paul Gerhardt 1647
                                                             - 78 -
                         Nachtgebet
                      Guter lieber Gott,
                ich danke dir für diesen Tag,
                   der jetzt vergangen ist.
              Sicher, es war kein schöner Tag.
           Der Himmel war mit Nebel verhangen
    und schwere dunkle Wolken haben sich ausgeregnet.
              Doch es war ein glücklicher Tag.
   Denn hier und da kam die Sonne durch und ließ ahnen,
   wie viel schöner, lichter und bunter ein Tag sein kann.

                       Guter lieber Gott,
                 ich danke dir für diesen Tag,
                    der jetzt vergangen ist.
          Sicher war es auch nicht ein ruhiger Tag.
          Denn mein Chef hat mich laut gescholten
    für ein Missgeschick, das ich nicht verschuldet hatte.
            Trotzdem war es ein glücklicher Tag,
       weil er es eingesehen und sich entschuldigt hat.

                       Guter lieber Gott,
                 ich danke dir für diesen Tag,
                    der jetzt vergangen ist.
          Ganz bestimmt war es kein friedlicher Tag.
         Es gab Tote in Afrika, im Irak und anderswo,
     unschuldige Opfer von blinder, hasserfüllter Gewalt.
           Und dennoch war es ein glücklicher Tag,
                   weil ich glauben konnte,
                  dass alles, was passiert ist,
                 mit deinem Willen geschah;
                  weil ich dich lieben konnte,
            der du die Güte und Gnade selbst bist,
                  und weil ich hoffen konnte,
   dass es noch viele schönere, ruhigere und friedlichere Tage
geben wird auf dieser, deiner weiten und schönen Welt.
     Dafür danke ich dir, mein guter lieber Gott.

                 Arnim Jülicher, Neuwerk im Februar 2007

				
DOCUMENT INFO
Shared By:
Categories:
Tags:
Stats:
views:35
posted:3/2/2012
language:German
pages:81