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crescendo-2006-06

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crescendo-2006-06 Powered By Docstoc
					    September / Oktober 2006 www.crescendo-magazin.de
B47837 Jahrgang 9 – 06/2006




                              Der Pop entdeckt eine neue Welt

                              DJ-Klassik
                              Beiträge von:
                              Sting, Claudia Roth,
                              Moritz von Uslar
                              Meisterkurs bei Thomas Quasthoff
                              Harte Arbeit
                              an der Stimme
                              Großer Rezensionsteil:
                              Die besten
                              CDs und DVDs
                              plus regional
                              Theater Erfurt
                              Kulturachse Ost
                              Intendant Guy Montavons
                              überraschende Opernsaison




                                                          mit Beihefter
                                                          CLASS aktuell
                                                 Daniel Hope: Echo Klassikpreisträger 2006

                                                                                                         Daniel Hope
www.warnerclassics.de . www.warnerclassics.com
                                                 • GEIGER DES JAHRES


                                                                                                           GEIGER DES JAHRES

                                                                                                           »LIVE«
                                                                                                         am 22.10.06
                                                                                                             ZDF
                                                                                                      ECHO KLASSIK GALA



                                                                                                      ab 20.10.06 im Handel erhältlich




                                                                                  J.S.Bach
                                                  - Violin Concertos in E major & A minor                                               NEU
                                                                   - Concerto for 2 Violins
                                                             - Brandenburg Concerto No.5
                                                             Chamber Orchestra of Europe



                                                 Daniel Barenboim wurde mit diesem Projekt als zweifacher Echo Klassikpreisträger 2006 ausgezeichnet!
                                                 • DIRIGENT DES JAHRES • DVD PRODUKTION DES JAHRES


                                                              Daniel Barenboim
                                                                     & The West-Eastern Divan Orchestra
                                                                                                           DAS KONZERT-EREIGNIS
                                                                                                          DES JAHRES JETZT AUF CD


                                                                                                     »LIVE IN BERLIN«
                                                                                                         WEST-EASTERN DIVAN ORCHESTRA

                                                                                                                                    Daniel Barenboim
                                                                                                                                    •   Angela Denoke
                                                                                                                         NEU        •   René Pape
                                                                                                                                    •   Burkhard Fritz
                                                                                                                                    •   Waltraud Meier
                                                                                                                                    Chor
                                                                                                                                    der Deutschen
                                                                                                                                    Staatsoper Berlin

                                                                             BEETHOVEN SYMPHONY NO.9 »CHORAL«
                                                                             NEU: Die CD ist ab Ende Sept. 06 im Handel erhältlich !
                                                                            www.west-easter n-divan.org • www.war nerclassics.de • www.war nerclassics.com
                                                                                                                         crescendo 06 2006 | 3 editorial



Grenzüberschreitung?                                                          inhalt
Ja bitte!

                                                                                     Inspiration Klassik 4
In der letzten crescendo-Ausgabe ging es um Klassik und Politik. Darum,               Sting und Paul McCartney
wie die Musik Deutschland und seine Repräsentanten langsam erobert:                               auf Abwegen
Papst Benedikt, Angela Merkel oder Claudia Roth. Letztere ist nicht nur
                                                                                                                8 Meisterkurs bei Quasthoff
konsequente Bayreuth-Pilgerin, sondern auch ehemalige Managerin der                                                Wer Sänger werden will,
Rock-Band „Ton Steine Scherben“ um Rio Reiser. Für dieses Heft hat sich                                            muss sich Kritik gefallen lassen
die Grünen-Politikerin Zeit genommen, um nachzudenken, wie sich die                         Claudia Roth 12
                                                                                         Die Grünen-Politikerin
                             Grenzen zwischen E- und U-Musik in den
                                                                                          über E- und U-Musik
                             letzten Jahren verschoben haben.
                                                                                                               14 Der Tod des Pop
                              Sicher ist: Es hat sich etwas getan im                                               Gespräch mit dem Popliteraten
                                                                                                                   Moritz von Uslar
                              Verhältnis zwischen Klassik und Pop. Zum
                              einen hat die Klassik aus der Krise heraus
                              auf die Mechanismen des Pop gesetzt und                                          20 Rezension
                                                                                                                   Die besten CDs und
                              mit erheblichem Werbeaufwand Stars wie
                                                                                                                   DVDs des Monats
                              Lang Lang oder Anna Netrebko geboren.
Auf der anderen Seite ist es umso erfreulicher, dass Pop-Legenden wie                       Ton Koopman 28
Sting oder Paul McCartney sich nun ausgerechnet von der Klassik neue                   Der Dirigent entdeckt den
                                                                                        Komponisten Buxtehude
Impulse für den Pop erhoffen. McCartney indem er stilvolle Oratorien
komponiert, Sting, indem er den elisabethanischen Komponisten John
Dowland und die Laute entdeckt hat. Auch von Sting lesen Sie in diesem         Das müssen Sie sehen 30
crescendo einen Bericht. Dass die Verbindungen zwischen der neuen                       Die zehn wichtigsten
                                                                                 Opernpremieren der Spielzeit
Musikszene und der Technomusik längst ausgeprägt sind, beweist unser                                          32 Mozart
Autor Thomas Lindemann, wenn er sich auf die Suche nach intelligenten                                            und Gott
Formen des modernen Klanges macht.                                                                                Ein Zwie-
                                                                                                                  gespräch über den Wolken

Während der Produktion dieses Heftes haben wir gemerkt, dass die
Grenzen zwischen Pop und Klassik nicht nur in der Musik liegen,
sondern in einer grundlegenden Ästhetik. Wir standen vor den ferti-                                            34 DJ-Klassik
                                                                                                                   Wie Techno und Klassik sich ergänzen
gen Seiten und haben uns gefragt, ob wir mit den Bildern von Paul
McCartney oder DJ Tenor das Klassik-Publikum schockieren. Allein diese
Frage zeigt, dass die Grenzen in unseren Köpfen noch bestehen. Wir                                             39 Essay
                                                                                                                   Dieter Oehms über den
sollten sie abbauen! Die Klassik kann sich Souveränität leisten. Denn
                                                                                                                   Plattenmarkt
Künstler wie Thomas Quasthoff oder Ton Koopman, die wir in dieser
Ausgabe ebenfalls porträtieren, stehen durch ihre Ernsthaftigkeit für die          crescendo premium 40
Unvergänglichkeit des Genres. Ihre akribische Arbeit macht die Klassik                   Große Umfrage und
                                                                                               Gewinnspiel
zu dem, was sie ist und was sie so spannend macht: zu einer Kunst mit
Tradition und Zukunft.                                                                                         42 Hifi
                                                                                                                   Brauchen Klassik-Fans
Es kann nicht um billige Crossover gehen und auch nicht um das                                                     einen iPod?

Anbiedern der Klassik an ein großes Publikum – so wie die ARD es                                           Reise 44
kürzlich tat, als sie die Übertragung von Mozarts „Figaro“ aus Salzburg         Mit den Berliner Philharmonikern
mit einem Porträt über Hera Lind und einem albernen Harald Schmidt                                     in Amerika
aufpeppte. Modern und trotzdem ernsthaft über die Musik sprechen, das
ist die Aufgabe, die sich der Popliterat Moritz von Uslar stellt. Lesen Sie                                    46 Regional
ein Interview mit ihm.                                                                                             Das Theater Erfurt
                                                                                                                   entdeckt die Kulturachse Ost
Zum Schluss möchte ich Sie für unsere neue Serie begeistern. Meine
Kollegin Michaela Wurstbauer hatte die Idee, eine Reihe auf den                                                48 Termine
Reiseseiten zu starten. Wir begleiten Orchester auf ihren Tourneen. Den                                            Die wichtigsten Veranstaltungen
Anfang macht ein historischer Bericht des ehemaligen Solo-Bassisten der                                            in Ihrer Region

Berliner Philharmoniker. Friedrich Witt schreibt über die erste US-Reise
mit Herbert von Karajan – auch eine Grenzüberschreitung.                                                       50 Lieto fine
                                                                                                                   Ist Rolando Villazón der
                                                                                                                   neue Fritz Wunderlich?
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr
Axel Brüggemann
DJ-klassik 4 | crescendo 06 2006




                                                                   Paul McCartney
                                                             bei den Aufnahmen zu
                                                           seinem neuen Requiem.




Die Neuerfindung des Pop:


Wie Klassik
inspiriert
Seit Jahrzehnten bestimmen Sting und Paul McCartney die
Pop-Szene. Sie waren immer auf der Suche nach etwas
Neuem. Nun haben sie es gefunden: ausgerechnet in der
klassischen Musik. Von Frank-Peter Felderlin.



Es liegt ein strenger Geruch von Blüten und Räucherstäbchen in                       sik kann man ganz bei sich sein.“ Wenn der britische Rock-Musiker über Klassik
der Luft. Egal, wo Sting gerade auftritt, in London, Aarhaus oder                    spricht, meint er keinen Crossover, und das unterscheidet ihn von Kollegen wie Elton
Mailand: In seiner Garderobe riecht es immer gleich. Und sie ist                     John. Der spielt gern mit dem Klischee der Klassik und installiert sich ein bisschen
auch überall gleich eingerichtet: weißes Sofa, weiße Deckchen und,                   größenwahnsinnig als Nachfolger Verdis, wenn er „Aida“ zu einem belanglosen
eben, Blumen. Ein Stück Heimat auf der Tournee durch die Fremde.                     Musical ummodelt, so wie es derzeit in Berlin gegeben wird.
Auf seinen Reisen hat der Popstar in den letzten Jahren auch einen                       Ganz anders als Elton John ist da auch Paul McCartney, der bereits in den Chor-
neuen Begleiter: Eine Laute.                                                         Kompositionen „Liverpool Oratorio“ und „Standing Stone“ bewiesen hat, dass er die
                                                                                     klassische Form Händels mit leichten gegenwärtigen Einsprengseln opulent beleben
    Bevor der Ex-„Police“-Sänger auf die Bühne geht und vor 40.000 Fans seine        kann. Nun kommt sein neues Klassik-Werk heraus: das Oratorium „Ecce Cor Meum“.
Klassiker wie „Roxane“, „Fields of Gold“ oder „All this Time“ singt, hockt er sich       Die Grenzgänge zwischen Pop und Klassik haben eine lange Tradition. Legendär
allein auf sein Sofa, nimmt die Laute, schlägt ein Buch mit Renaissance-Noten auf    war die Zusammenarbeit des Sängers von „Queen“, Freddy Mercury, mit der So-
und beginnt zu spielen – unplugged, natürlich. Und ganz bei sich. „Die Besinnung     pranistin Montserrat Caballé, die in ihrem Album „Barcelona“ ein kluges Crossover
auf die Formen der klassischen Musik ist unglaublich“, sagt Sting, „bei dieser Mu-   vorstellten. Steve Hackett von „Genesis“ hat mit seinem Album „A Midsummer
                                                                                                                                   crescendo 06 2006 | 5 DJ-klassik




                                                                                                Die 5 besten
                                                                                                Pop-Klassiker
                                                                                           1. Freddy Mercury
                                                                                                „Barcelona“
                                                                                           2. Sting
                                                                                                „Songs from the Labyrinth“
                                                                                           3. Billy Joel
                                                                                                „Fantasies and Delusions“
                                                                                           4. Steve Hackett
                                                                                                (Genesis)
                                                                                                „A Midsummer Night‘s
                                                                                                Dream“
                                                                                           5. Jon Lord
                                                                                                (Deep Purple)
                                                                                                „Pictured Within“




Night´s Dream“ versucht, den Pop in die Klassik zu überführen, Jon Lord von „Deep
Purple“ in „Pictured Within“. Billy Joel hat ebenfalls Orchesterwerke komponiert.
Und dann ist da noch „Pink Floyd“: „The Wall“ war vielleicht die erste wirklich
große Rockoper.
    Sting und McCartney interessieren sich nicht für derartige Verrenkungen. Sie
spielen wie selbstverständlich auf beiden Seiten der Musik- und in jeder spielen sie
anders. Für Sting ist sowohl der Rock als auch die Klassik eine Form der E-Musik,
also der ernsthaften Musik. Und er versucht in jeder Auseinandersetzung mit den
Noten so etwas wie den authentischen Ton zu treffen. Sting unterscheidet nur in
den Kategorien „gute Musik“ und „schlechte Musik“.
                                                                                                                                                                         Fotos: Universal, EMI




    Schon vor einigen Jahren hat er sich die Werke von Bach auf der Gitarre zusam-
mengezupft und versucht, dabei den Originalcharakter zu erreichen. Wenn er Pop
macht, ist davon so gut wie gar nichts zu hören. Dann ist Sting ein perfekter Rocker.
                                                                                        Zwei Klassiker: Elton John (li.) am Klavier und Paul McCartney an der Gitarre.
DJ-klassik 6 | crescendo 06 2006




                     Sting hat den elisabethanischen
                   Komponisten John Dowland entdeckt –
                hier erklärt er wie.
                                                                                 Die beiden Genres sind für den Sänger und Bassisten zwei getrennte Kosmen. Er
   „Die Musik verfolgt mich“                                                     betritt sie mit unterschiedlichen Ansprüchen – aber in seinem Kopf inspirieren sich
   Über die letzten 20 Jahre haben mich die Lieder von John Dowland              die Einflüsse letztlich doch gegenseitig.
   unaufdringlich verfolgt. 1982 bin ich im Drury Lane Theatre in Covent             Fast ein viertel Jahrhundert hat sich Sting mit den Liedern des englischen Dich-
   Garden aufgetreten. Nachdem ich mit einem meiner Songs aufgetreten
                                                                                 ters und Komponisten John Dowland beschäftigt. Er war so etwas wie der erste
   bin, kam der Schauspieler John Bird auf mich zu, um mir seine Aner-
                                                                                 Pop-Sänger Europas. Seine Liederbücher gingen in Druck, und wurden bis ins ferne
                                                                                 Amerika nachgesungen. Trotzdem gelang Dowland sein eigentliches Ziel nicht:
   kennung auszusprechen. Bei der Gelegenheit fragte er mich, ob ich die
                                                                                 Gern wäre er Hofkomponist bei der englischen Königin Elisabeth I. geworden. Doch
   Lieder von John Dowland kennen würde. Ich war gezwungen zuzugeben,
                                                                                 dazu war der Künstler zu tief verwickelt in die Intrigen seiner Zeit.
                                                                                     Seine Lieder sind geblieben, und wenn man nun hört, wie Sting sie gemeinsam
                                                                                 mit dem Lautenspieler Edin Karamazov interpretiert, tut er das ganz ohne Ver-
                                                                                 renkungen. Er bläst seine Stimme nicht auf, sondern singt, wie damals gesungen
                                                                                 wurde, in einer Art Sprechgesang – in manchen Songs erinnert das an die Balladen-
                                                                                 kultur des Pop – gleichzeitig sind Dowlands Kompositionen aber voll exzentrischer
                                                                                 Innigkeit und emotionaler Explosionen – all das wird zusammengehalten durch
                                                                                 die Form, und der scheint Sting in seiner Interpretation besonders zu vertrauen. „In
                                                                                 der Form dieser Kompositionen liegt ihr eigentlicher Inhalt. Das kann man von der
                                                                                 klassischen Musik lernen: Es muss nicht immer darum gehen, die Gitarre auf der
                                                                                 Bühne zu zerbrechen, sondern Musik ist in ihrer Form genug Aussage und steht erst
                                                                                 in der Strenge im Spannungsfeld zu den Emotionen, von denen sie erzählt.“
                                                                                     Für einige ist Paul McCartney als Ex-„Beatle“ schon selbst ein Klassiker. Und
                                                                                 tatsächlich ist der Ruhm der frühen Jahre auch ein Fluch. Wie soll sich ein Popstar,
                                                                                 der alles erlebt hat, neu erfinden. Wie Sting, der dauernd nach neuen Klängen und
                                                                                 Inspirationen sucht, ist auch McCartney in der Klassik fündig geworden. Seine neue
                                                                                 Komposition versteht sich in der Tradition von Händels „Messiah“; ein volltönendes,
                                                                                 zuweilen bombastisches Chorwerk mit viel Blech, Rhythmus und Geigen. Pathe-
                                                                                 tisch, aber so aufgeblasen groß, dass man es nicht kleinreden kann.
                                                                                     Der Titel „Ecce Cor Meum“ („Siehe mein Herz“) begegnete ihm in der New
   dass ich den Namen wohl kannte und auch eine vage Ahnung hatte, dass          Yorker Kirche „St. Ignatius Loyola“ als Inschrift. Es ist ein Oratorium der Hoffnung
   Dowland ein Komponist aus der Zeit Elisabeths I. war, meine Kenntnisse        geworden, dem eine Autofahrt der „Beatles“ zu Grunde liegt. „Ich erinnere mich,
   aber damit endeten. Ich dankte Bird sehr für sein Kompliment und war          wie wir in einen Sturm gerieten und von der Fahrbahn abkamen“, sagt McCartney,
   am nächsten Tag noch so fasziniert, dass ich eine Zusammenstellung            „‚Was nun‘, fragte einer, und ein anderer sagte: ‚Es wird schon weitergehen.‘ Wir
   von Dowlands Liedern kaufen musste. Während ich die melancholische            wurden gerettet. Diese Zuversicht hat ‚Ecce Cor Meum‘ geformt.“
   Schönheit dieser Musik sehr schätzte, konnte ich mir nicht vorstellen,            Es ist schon interessant, dass seit einigen Jahren die Klassik-Krise ausgerufen
   wie sie in das Repertoire eines Rocksängers passen könnte.                    wird, dass der Klassik-Markt sich mit seinen Crossover-Projekten und seinen Marke-
   Es war mein langjähriger Freund und Kollege, der Gitarrist Dominic Mil-
                                                                                 tingstrategien heimlich am Popmarkt ausrichtet, und dass es nun ausgerechnet die
                                                                                                          erfolgreichsten Rock- und Popsänger unserer Zeit sind, die
   ler, der mein Interesse an Dowland vor einigen Jahren wieder aufleben
                                                                                                          eine Neuerfindung ihrer Musik gerade in der Klassik suchen.
   ließ. Freundlicherweise hatte er eine neunchörige Laute in Auftrag gege-
                                                                                                          Sting und Paul McCartney begegnen der Grenzüberschrei-
   ben, die als Geschenk für mich gedacht war. Gebaut von Klaus Jakobson,
                                                                                                          tung unterschiedlich, aber ihre Hoffnung ist die Gleiche. Aus
   ist sie einzigartig in ihrer Konstruktion. Die »Rose« in der Mitte des
                                                                                                          der Tradition alter, gewachsener Formen erhoffen sie sich
   Klangkörpers hat die Form eines Labyrinths.
                                                                                                          einen Aufbruch in die Welt der wirklich neuen Musik.
   Es war auch Dominic, der mich Edin Karamazov vorstellte. Edin ist einer der
   bedeutendsten Lautenisten Europas. Vor einem Auftritt in Frankfurt kam
                                                                                                         Sting begibt sich in seinem neuen Album „Songs from the
   er zu uns. In dieser Nacht öffneten wir Dowlands „First Book of Songs“,                               Labyrinth“ auf die Spuren des Renaissance-Komponisten
   und ich begann meine Ausbildung, mein Eintauchen in der Musik.                                        John Dowland. An der Laute wird er dabei begleitet von Edin
                                                                                                         Karamazov (Deutsche Grammophon).
   Das Bild einer Gruppe von Musikern und Sängern des 16. Jahrhunderts,                                  John Dowland als klassisches Original mit Laute ist gerade
   die um einen Tisch sitzen, deutet an, dass die Auftritte damals nicht                                 herausgekommen, mit Nigel North: „Fancyes, Dreams and
                                                                                                         Spirits“ (Naxos).
   in großen Salons oder gar in Konzertsälen gegeben wurden, sondern in
                                                                                                         Paul McCartneys neues Oratorium unter dem Titel „Ecce
   kleinen, privaten Wohnzimmern. Ich empfinde eine Intimität dieser Musik,                              Cor Meum“ erscheint im Oktober und wird interpretiert von
   der der geringe Abstand und die wispernde Nähe des modernen Mikro-                                    der Academy of St Martin in the Fields und den Chören
   fons gut bekommt. Ich fühlte wenig Grund dafür, diese Lieder besonders                                des King‘s College und des Magdalen College. Es singt die
                                                                                                         Sopranistin Kate Royal (EMI).
   volltönend vorzutragen. Sie zu sprechen scheint mir bereits genug.

                                                                                        Mehr Sting und Dowland auf der crescendo-premium-CD
LANG
LANG
Dragon Songs
Das China Album
Unbestrittener Höhepunkt des Albums Dragon Songs ist das glanzvolle Yellow River
Concerto für Klavier und großes Orchester, in dem Lang Lang alle seine Trümpfe
ausspielen kann: Virtuosität, Expressivität und technische Bravour.




                                                                                                                                                                      Foto: Kasskara / DG
»Lang Lang ist ein moderner Romantiker mit pianistischer Brillanz – ein
Gefühlsmusiker par excellence.« Süddeutsche Zeitung




                                  Limited
                                 CD-Edition
                                           s-
                                inkl. Bonu
                                     D VD
DRAGON SONGS                                               DRAGON SONGS-DVD
Yellow River Concerto · Solostücke für Klavier             Dragon Songs-Dokumentation · Musik und Interviews
Lang Lang, Klavier · China Philharmonic                    Lang Lang in China · Yellow River Concerto
Orchestra · Dirigent: Long Yu                              Solostücke für Klavier · Lang Lang, Klavier
DGG 477 6490                                               China Philharmonic Orchestra · Dirigent: Long Yu
Erscheint am 29. September                                 DGG 073 4191 · Erscheint am 29. September

Tourtermine 2006 / 2007
26. & 27.10 München / 30.11. Stuttgart / 02.12. Baden-Baden                TV-Termin                           Die Lang Lang Geschenkedition!
07., 08., 09.12. Berlin / 15.12. Hamburg / 16.12. Bremen                                                       Dragon Songs-Buch inkl. CD und Dragon Songs-DVD
17.12. Lübeck / 18.12. Hannover / 19.12. Essen / 21. & 22.12. Leipzig
                                                                           Lang Lang bei
                                                                                                               CD & DVD · DGG 477 6517 · Erscheint am 29. September
LANG LANG Open Air im Juni 2007: u. a. in Stuttgart, Hanau, Wien           »WETTEN, DASS..?«
und Köln. Weitere Informationen unter www.deag.de                          am 30. September!
                                                                                                               Videos und Hörproben auf www.dragon-songs.de
www.klassikakzente.de
reportage 8 | crescendo 06 2006


                                   Ein Meisterkurs mit Thomas Quasthoff


                                  „Lernen Sie einen anderen
                                   Hart aber herzlich. Wer nach Verbier kommt, um beim Bassbariton den
                                   Feinschliff für die Stimme zu bekommen, der muss sich warm anziehen.
                                   Denn gute Lehrer sind schonungslos ehrlich. Von Nike Luber.
                                                                                                       crescendo 06 2006 | 9 reportage




Beruf“

                               Thomas Quasthoff mit der
                               Sopranistin Susanna Andersson bei
                               der Meisterklasse in Verbier.




                               So ein Meisterkurs ist kein Vergnügen, nicht              kurses abgefeuerten Philippika herrscht denn auch
                               einmal dann, wenn er auf gut über 1.200                   Ruhe, damit die Meister sich den angehenden Sän-
                               Metern Höhe in den Walliser Bergen statt-                 gern ungestört zuwenden können.
                               findet. Susanna Andersson, eine der acht                      So wie Susanna haben auch die anderen bereits
                               ausgewählten Teilnehmerinnen des Ge-                      ihr Studium abgeschlossen, erste Konzert- und Büh-
                               sangs-Meisterkurses von José van Dam und                  nenerfahrungen gesammelt. Es sollte also um den
                               Thomas Quasthoff während des Festivals                    Feinschliff gehen. Und doch ist in diesem Kurs längst
                               in Verbier, reiste mit zehn Arien von Mozart              nicht jeder Teilnehmer technisch perfekt. Was tun?
                               und anderen Komponisten sowie sieben                      Grundlegende technische oder persönliche Probleme
                               Liedern von Schumann bis Strauss an.                      spreche er im Meisterkurs nicht an, sagt Quasthoff.
                                                                                             Der bekannte Bassbariton unterrichtet leiden-
                                    Vor ihrer Tournee will sie in Verbier das Programm   schaftlich gern, er hat eine Professur an der Hanns
                               durcharbeiten, für das Nobel-Sportresort bleibt wenig     Eisler-Musikhochschule Berlin, gibt dort Meister-
                               Zeit. Morgens nimmt sie die Seilbahn hinauf zum           kurse, und seit fünf Jahren arbeitet er in Verbier mit
                               Gipfel und läuft zwei Stunden, Höhenluft tut auch der     jungen Sängern. Was ihm viel Spaß mache, wie er
                               Stimme gut. Abends besucht sie die Festivalkonzer-        sagt. Allerdings ist es von Vorteil, den Ansprüchen
                               te, zu denen sie freien Eintritt hat. Dazwischen liegt    Quasthoffs zu genügen: „Ich gebe doch keinen Meis-
                               Arbeit für die junge schwedische Koloratursopranis-       terkurs, um nett zu sein“.
                               tin. Zum Einsingen stellt die Verbier Academy keine           Klingt etwas schroff, aber was er damit meint, ist
                               Räume zur Verfügung, jeder Teilnehmer muss sehen,         durchaus richtig. In der kurzen Zeit müssen sich die
                               wo er seine Stimme aufwärmt. Susanna Andersson            jungen Sänger auf den Lehrer einstellen, und dessen
                               hat das Glück, privat bei einer Familie zu wohnen,        Unterricht soll etwas bringen. Billig sind die Meister-
                               da kann sie sämtliche Türen schließen und sich in         kurse in Verbier nämlich nicht.
                               ihrem Zimmer einsingen.
                                    Das mitgebrachte Repertoire wird in der winzi-       Hauptsache Ausdruck
                               gen protestantischen Kapelle mit einem Pianisten          Susanna Andersson sieht das ganz genauso. Sie will
                               geübt, allerdings nur eine halbe Stunde lang, dann        keinen freundlichen, aber nichtssagenden Meister-
                               ist der nächste an der Reihe. Am frühen Nachmittag        kurs, sie will sich auf ihre Tournee vorbereiten und
                               beginnt der Kurs, der wie jedes Jahr als Publikums-       wartet nur darauf, dass jemand sich auch mit ihrer
                               magnet wirkt. In dem putzig als Chalet verpackten         Gesangstechnik beschäftigt. Die kam aus ihrer Sicht
                               Kongresszentrum Le Hameau drängen sich die Festi-         während des Studiums an der Guildhall School in
                               valbesucher, doch wehe dem, der auf quietschenden         London zu kurz. Susanna hat eine Naturstimme, was
                               Sohlen auf der Suche nach dem letzten Platz durch         Lehrer oft dazu verführt, nur an den künstlerischen
                               den Raum pirscht oder sich gar unterhält.                 Aspekten zu arbeiten, die Spaß machen.
                                    Das stört, und Thomas Quasthoff macht diesen            Was aber, wenn man müde ist und die Stimme
         Fotos: Mark Shapiro




                               Umstand energisch und mit deutlichen Worten auch          nicht so anspricht wie sonst? Dafür braucht sie Tech-
                               jedem bewusst. Nach der regelmäßig jedes Jahr,            nik, meint Susanna und vergleicht das mit einem
                               vermutlich sogar jeden Tag während dieses Meister-        Werkzeugkasten. Für jeden gewünschten Ausdruck
4.5.07 MANNHEIM Rosengarten | 5.5.07 FRANKFURT Alte Oper
 6.5.07 DÜSSELDORF Tonhalle | 7.5.07 LEIPZIG Gewandhaus
                                                                                                                                                                                         crescendo 06 2006 | 11 reportage




                              Erste Gesangsstunde:
                              Thomas Quasthoff mit
                                       seinem Vater.



und Effekt gibt es das passende technische Hilfsmit-
tel, man muss es nur kennen und anwenden. Da
ist sie bei Quasthoff in den richtigen Händen, er ist
durchaus bereit, auch technische Hilfestellung zu
geben. Hauptsache, die Sängerin will etwas ausdrü-
cken. Reiner Schöngesang interessiere ihn nicht, gibt
er zu Protokoll, schließlich gehe es bei Musik darum,
etwas zu sagen, Gefühle zu vermitteln.

Hauptsache Ausdruck
Und mit der für ihn charakteristischen, unverblüm-
ten Offenheit erklärt er, schlechte Sänger bräuchten




                                                                                                                                                                                                                                       Foto: privat
keine andere Technik, sondern einen anderen Beruf.
Einen ganz anderen Beruf, wohlgemerkt, denn aus
schlechten Sängern würden logischerweise schlechte
                                                        Zwei Fragen an den Bariton und Lehrer Thomas Quasthoff
Gesangslehrer, die wiederum eine neue Generation
schlechter Sänger hervorbrächten. Nicht nett, aber      crescendo: Herr Quasthoff, gerade haben Sie eine                                                                   crescendo: Das sagt ein ernsthafter Sänger?
oft genug zutreffend.                                   Ihrer Schülerinnen verabschiedet. Worum geht es                                                                   Quasthoff: Ich verstehe nicht, warum die Leute beim
    Quasthoff arbeitet sehr intensiv, nimmt je-         Ihnen beim Unterrichten?                                                                                          Wort „Unterhaltung“ gleich aufschreien. Wieso sie
den Satz, jede Phrase auseinander. Welches ist das      Quasthoff: Es geht um eine Rückbesinnung auf das                                                                  sofort den Verrat am Schönen und Hehren wittern
Schlüsselwort? Welche Empfindungen stecken da-          Wesentliche. Mit anderen Worten: Es geht darum, ein                                                               und den Untergang des Abendlandes. Wir leben in
hinter? Wie bringe ich sie mit meiner Stimme zum        Verständnis zu schaffen, warum wir hier überhaupt                                                                 einer Zeit der allgemeinen Verflachung. Unterhaltung
Ausdruck? Dass ein Sänger weiß, was er singt, ist die   stehen und singen. Es geht um das Bewusstsein,                                                                    ist zu Unrecht ein Unwort geworden. Unterhaltung
Grundvoraussetzung.                                     dass der Sänger dazu da ist, die Menschen zu
                                                         crescendo ab Mai 2006 31.08.2006
                                                                                                                                                                          bedeutet für mich, die Menschen zu berühren – und
                                                                                                                                                                       15:41 Uhr Seite 1
                                                        unterhalten.                                                                                                      darum muss es auch im Gesang gehen.
Vorbereitung ist alles
Der mexikanische Tenor, der ohne Deutschkenntnisse

                                                                                                                                                                                      B
                                                                                                   R O M A N KO F M A N




mit Quasthoff ein deutsches Lied erarbeiten wollte,
                                                                                                                          KO N Z E RT E D E R B U N D E S STA DT B O N N




fand sich beim Meisterkurs im letzten Jahr schnell                                                                                                                                                           EETHOVEN
auf seinem Sitzplatz wieder. Auch in diesem Jahr
                                                                                                                                                                                     ORCHESTER
                                                                                                                                                                                      B
wird der Bassbariton in Verbier wieder bittere Pillen
verteilen. Susanna sei eine gute Sängern, sagt er und                                                                                                                                                        ONN
meint damit ihre Lebendigkeit, ihren Gestaltungswil-
len. Eine andere Kursteilnehmerin jedoch ist seiner
Ansicht nach gar keine Sängerin, und ein Meisterkurs
bekanntlich nicht dazu da, nett zu sein.
                                                                                                                                                                           Dirigentenwerkstatt
                      Thomas Quasthoff hat gerade
                      mit seinem Bruder das Buch
                                                                                                                                                                           mit Prof. Roman Kofman
                      „Thomas Quasthoff“ herausge-
                      geben, in dem es um Eindrücke
                                                                                                                                                                           27. bis 30. Januar 2007
                      aus dem Privatleben und um
                      die Kunst geht (Henschel).                                                                                                                                                             27. bis 29. Januar 2007
                                                                                                                                                                                Informationen:               1. Arbeitsphase mit
                      Außerdem erscheint am                                                                                                                                     Julia von Schubert
                      13. Oktober die neueste CD                                                                                                                                                             zwei Pianistinnen
                                                                                                                                                                                (0228) 45 49 315
                      des Baritons. Unter dem Titel
                      „Betrachte meine Seel“ singt                                                                                                                              Bewerbungen                  30. Januar 2007
                      Thomas Quasthoff geistliche                                                                                                                               (incl. Lebenslauf,           2. Arbeitsphase mit dem
                      Arien von Bach, Haydn und                                                                                                                                 Empfehlungsschreiben,
                                                                                                                                                                                                             Beethoven Orchester Bonn
                      Mendelssohn-Bartholdy (DG).                                                                                                                               Zeugnisse)
                                                                                                                                                                                bitte senden an:             Beethovenhalle, Bonn
                                                                                                                                                                                BOB
       Mehr Quasthoff                                                                                                                                                           Wachsbleiche 1
       auf der crescendo-premium-CD                                                                                                                                             53111 Bonn

                                                                                                                                                                                www.beethoven-orchester.de   Bewerbungsschluss:
                                                                                                                                                                                                             15. November 2006 !
DJ-klassik 12 | crescendo 06 2006




Die Unterscheidung zwischen „U“- und „E“
markierte über lange Jahre eine kaum
überwindbare Grenze in der Kultur. Man
hörte entweder „ernste“ oder „unterhal-
tende“ Musik. Dem entsprachen Quali-
tätszuschreibungen: Man war entweder
Anhänger einer „hohen“ oder einer „po-
pulären“ Kultur. Oft war auch noch eine
soziale Unterscheidung impliziert: E stand
auch für „Elite“ – und war von U wie „Un-
ten“ abgegrenzt.

    Grenzgänge waren kaum vorgesehen. Und wo                Wer heute in einem Sinfonieorchester spielt, hat in
sie unternommen wurden, hatten sie oft etwas Ge-        aller Regel Erfahrungen mit sehr unterschiedlichen        Die Grünen-Politikerin Clau


                                                                                                                  Chancen und
zwungenes: Rockbands, die sich einen sinfonischen       Musikstilen gemacht. Viele Bläser und Schlagwerker
Klangteppich zulegten, Opernsänger, die sich in         sind mit Jazz- und Rockbands groß geworden – und
Fernsehunterhaltung versuchten, Musiklehrer, die als    zum Teil dort immer noch aktiv. Und für Pop- und



                                                                                                                  Grenzübersch
Zugeständnis an die Schülerschaft auch einmal ein       Jazzmusiker gibt es heute eigene Studienangebote, oder
Popstück analysierten – all das waren meist Begeg-      sie haben direkt eine klassische Ausbildung durch-
nungen zweier kultureller Welten, die nicht wirklich    laufen. Und es gibt einen untergründigen Brücken-
zusammen kamen.                                         bau. Die dynamische Musikauffassung der histori-
    Dabei sind die Unterscheidungen durchaus kei-       schen Aufführungspraxis hat doch überraschend viel
ne naturgegebenen. Shakespeares Stücke erfüllen         mit dem „drive“ zu tun, den wir aus guter Jazz- und       Sie ist gelernte Dramaturgin, war Managerin der
allerhöchste Standards und waren für alle Stände        Rockmusik kennen. Und wenn mit Simon Rattle ein           gast bei den Bayreuther Festspielen. Claudia Roth
gemacht, Kirchenmusik ist ernst und erbaute die         gelernter Perkussionist zu den ersten Dirigenten in       Rock. Exklusiv für crescendo schreibt sie über ihre
ganze Christenheit, die Arien der italienischen Oper    der Welt gehört, dann ist auch das ein Zeichen für die
wurden auf der Straße gesungen und auch Bertolt         Bedeutung, die Dynamik, Puls und „Schlagkraft“ in
Brecht ging in der Zusammenarbeit mit Weill, Des-       der Musik heute insgesamt haben.                          turgieassistentin – mit der Ästhetik von Brecht und
sau und Eisler einen ästhetisch gültigen Weg jenseits       In meinem eigenen „musikalischen Werdegang“           Dario Fo im Rücken – mitmachte, bei den ziemlich
dieser Dichotomien.                                     bin ich schon früh in diese neue Konstellation hinein-    lustvollen Grenzüberschreitungen zwischen „hoch“
                                                        gewachsen. Mein Großvater war Kirchenmusiker              und „tief“. Bei der Theaterarbeit lernte ich Rio Reiser
Am Anfang war die Platte                                und Chorleiter. Auf seinem Schoß sitzend, habe ich        kennen, den Sänger und Songwriter von „Ton Steine
Ich bin froh, dass in den letzten Jahren und Jahr-      die Welt der weißen und schwarzen Klaviertasten           Scherben“, der auch viel Musik für das Theater
zehnten die Entgegensetzungen rund um U und E           kennen gelernt. Mit Großer Oper kam ich über die          schrieb. Die frühen 80er Jahre waren dann meine
um Vieles durchlässiger geworden sind. „Crossover“      Schallplattensammlung meiner Eltern in Kontakt.           intensivste Zeit mit Musik, als Managerin der „Scher-
ist auch hier ein Gebot der Stunde. Wenn das Kronos-    Und Chanson war für mich ein Weg, Französisch             ben“, die mit ihrer herben Poesie ja Entwicklungen
Quartett Jimi Hendrix spielt oder Frank Zappa das       zu lernen. Rock und Pop standen spätestens dann           irgendwo zwischen Punk, Agitprop und arte povera
Ensemble Modern als seine „letzte Band“ bezeichnete,    auf der Tagesordnung, als ich in meinem Zimmer            vorwegnahmen bzw. nachvollzogen.
dann sind das keine gekünstelten Gesprächsversuche,     die Poster von Winnetou und seiner Schwester gegen            Der Umstand, dass die Grenzen zwischen E und U
sondern hochspannende Unternehmungen mit über-          Poster von Jim Morrison, dem Sänger der „Doors“,          durchlässiger geworden sind, hat zu neuen künstleri-
raschend unverkrampften Ergebnissen. Es hat sich        austauschte.                                              schen Ausdrucksmöglichkeiten geführt – und einen
etwas verändert bei den Produzenten – und bei den           Das „Crossover“ kündigte sich in den 70er Jahren      neuen Raum der Ansprache gerade auch für Oper
Rezipienten von Musik.                                  machtvoll an – auch im Theater, wo ich als Drama-         und Theater geschaffen, was für die Zukunft dieser
                                                                                                                                                    crescendo 06 2006 | 13 DJ-klassik



                                                                                Claudia Roth (2. von links)
                                                                                im Kreise der Band
                                                                                „Ton Steine Scherben“.




                                                                                                                                           Zur Person: Claudia Roth
                                                                                                                                                                • Rio Reiser und
                                                                                                                                                                der „Ring“
                                                                                                                                                                Claudia Roth ist aus-
                                                                                                                                                                gebildete Dramaturgin,
                                                                                                                                                                hat am Landestheater
                                                                Fotos: privat




                                                                                                                                                                Schwaben gearbeitet
                                                                                                                                                                und anschließend an
                                                                                                                                                                den Städtischen Büh-
                                                                                                                                           nen in Dortmund und am Hoffmanns Comic
                                                                                Gelungene Beispiele hierfür gibt es viele. Ich denke
dia Roth über das U und E                                                       an das Education-Programm der Berliner Philhar-            Theater in Unna. 1982 wurde sie Managerin




Risiken einer
                                                                                moniker, an das Ensemble Modern, das Zappa spielt,         der Rock-Band „Ton Steine Scherben“ um
                                                                                an Kooperationen zwischen öffentlichen Theatern            Rio Reiser. Heute ist sie Stammgast bei den
                                                                                und der freien Szene, an zahlreiche Tanzkompag-            Bayreuther Festspielen (siehe Foto).




reitung
                                                                                nien, die in den letzten Jahren zu regelrechten Labo-      • Politisches und Privates
                                                                                ratorien für neue, interkulturelle Ausdrucksmöglich-       Am 26.9. erscheint Claudia Roths neues
                                                                                keiten geworden sind. Solche Initiativen brauchen          Buch „Das Politische ist Privat. Erinne-
                                                                                wir – gerade in einer Zeit, in der der Rotstift auch       rungen für die Zukunft“ im Aufbau-Verlag,
                                                                                in der Kulturpolitik regiert. Es geht um Qualität und      19.90 Euro.
Band „Ton Steine Scherben“ und ist Stamm-                                       Innovation – aber auch um Legitimation im harten
ist eine Grenzgängerin zwischen Klassik und                                     Kampf um den Erhalt unserer Kulturlandschaft.
musikalischen Visionen.                                                             Die Grenzziehung zwischen E und U war in            finde ich es dagegen, wenn die Unterscheidung von
                                                                                vielem, aber nicht in allem antiquiert. Es ist ganz     U und E im Sinne der alten „Distinktionskultur“
                                                                                klar, dass qualitativ gute Kultureinrichtungen Geld     wieder hervorgehoben wird. Wir brauchen kein neues
        Institutionen von größter Bedeutung ist. Wenn wir die                   kosten. Es ist klar, dass es für Komponisten von        Naserümpfen auf seiten der „Hochkultur“, so wie es
        einzigartig dichte Theater- und Orchesterlandschaft                     zeitgenössischer klassischer Musik schwerer ist, von    in den manchmal etwas gezwungenen Diskussionen
        in Deutschland erhalten wollen, dann müssen wir                         ihrer Arbeit zu leben, als für Musiker, die für einen   um eine „neue Bürgerlichkeit“ zu beobachten ist.
        gerade diese neuen Möglichkeiten nutzen. Es gilt,                       seichten Schlagermarkt produzieren. Dem müssen          „U“ sollte nicht wieder zu einer Chiffre der Abgren-
        Menschen mit einzubeziehen, die nicht zu den re-                        wir Rechnung tragen. Gute Kunst kostet Geld und         zung gegen „Unten“ werden. Wer in die Rezeption
        gelmäßigen Theatergängern zählen, die nicht schon                       sie hat einen Anspruch darauf, dass sie vom Gemein-     von Kunst und Kultur wieder die Geste sozialer Über-
        von klein auf Zugang gefunden haben zu den Insti-                       wesen gefördert und nicht einem ruinösen Wettbe-        legenheit hineinkonstruiert, der fällt in ein altes und
        tutionen der „hohen“ und „ernsten“ Kultur. Es gilt,                     werb anheimgegeben wird.                                überholtes Muster zurück. Ähnlich wie in der leidigen
        junge Menschen für Oper, Konzert, Sprechbühne und                                                                               Debatte um „Deutsche Leitkultur“, würde Kultur da-
        Ballett zu begeistern – und zwar ohne Anbiederung                       Kultur der Öffnung                                      bei zum Mittel der Abwertung einer „Zweitkultur“.
        und künstlerischen Niveauverlust, aber doch so, dass                    Interessant finde ich auch Entwicklungen, in denen      Eine „neue Bürgerlichkeit“, die sich in dieser Weise
        sie sich mit ihren Erfahrungen wiederfinden.                            „klassische“ Standards in neuer Weise wieder auf-       distinguiert, wäre eine schlechte und illusorische
            Kunst, die viele Menschen anspricht, muss nicht                     genommen werden, zum Beispiel bei Musikern wie          Wiederholung, die an dem vorbeigeht, was in der
        „platt“ sein, sie kann spannend und unterhaltsam                        Sting, die über die klassische Musik einen Ausweg aus   globalen und pluralen Welt von heute nötig ist – eine
        sein, kann neue Wege erkunden, Vertrautes verfrem-                      der Verflachung popkultureller Codes suchen. Ich bin    Kultur der Öffnung, der wechselseitigen Anerkennung
        den, Klassisches auf zeitgemäße Weise präsentieren.                     gespannt, was sich daraus ergibt. Weniger interessant   und des Dialogs.
Moritz von Uslar

Klassik oder Der
To d d e s Pop
am 22. August
20 0 6        I nte r v iew


             Wenn Popliteraten Klassik
             entdecken – ein Gespräch mit
             Axel Brüggemann
                                                                                                                        crescendo 06 2006 | 15 DJ-klassik




In Moritz von Uslars Roman „Waldstein                   pathetischen Oberfläche des Pops, der ebenfalls                               Moritz
oder Der Tod des Walter Gieseking am                    auf einfache Strukturen setzt, um tief zu be-                                 von Uslar
6. Juni 2005“ geht es um Klassik. Woher                 rühren.
rührt die Sehnsucht der Popliteraten nach               von Uslar: Ich befürchte, dass du da einem mas-                                Die Zeitschrift „Tempo“
Beethoven und Verdi? Was ist schön und                  siven Missverständnis aufsitzt. Du unterschätzt die                            hat in den 80er Jahren
was ist klug? Und wie gegenwärtig ist die               aktuelle Musik mit dem typischen Snobismus der                                 einen neuen Journa-
vergangene Kunst? Am 22. August 2006                    Klassik-Szene. Wenn man wirklich genau hinhört,                                lismus geprägt – den
debattierten Uslar und Axel Brüggemann                  in die tiefen und komplexen Strukturen zum Beispiel      Pop-Journalismus. Zu dieser Zeit war Mo-
diese Fragen bei einem Toast Hawaii in                  der avantgardistischen Techno-Musik, dann kommt          ritz von Uslar, 36, Volontär. Das „Tempo“
Hamburg.                                                einem dieses Waldstein-Thema auf einmal unglaub-         war sein Sprungbrett in den Journalismus.
                                                        lich lapidar vor.                                        Seit Februar 2006 arbeitet Uslar als Redak-
Moritz, in Deinem Roman „Waldstein oder Der                                                                      teur für den „Spiegel“.
Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005“ spielt        Und trotzdem ist die klassische Musik besonders          Von 1992 bis 2004 war er als Redakteur
die klassische Musik eine der Hauptrollen. Für          bei euch Popliteraten inzwischen absolut hoffä-          beim Magazin der „Süddeutschen Zeitung“
mich hat sie dabei zwei Komponenten: zum                hig geworden. Du stellst deinem Roman Verdis             beschäftigt. Dort hat er sich besonders
einen verkörpert sie die Welt des Wissens, der          Requiem voran, Ulf Poschardt hat früher über             durch seine Interviews einen Namen ge-
Klugheit und der strengen Form...                       die „DJ Culture“ geschrieben und lobt heute das          macht. Er stellte Prominenten 100 Fragen,
von Uslar: ... Du meinst die Welt des Joachim Kaiser-   RBB Kulturradio. Er mietet sich einen Pianis-            in denen es darum ging, möglichst spontan
tums! Dieser Eminenz des Musikfeuilletons, die eine     ten von der „Yellow Lounge“ und lädt Freunde             zu antworten. von Uslar fragte Dinge, die
unglaublich gemütliche und gleichzeitig kritische       zur Hausmusik mit Wein aus Plastikbechern                keinem anderen vorher eingefallen sind
Kulturbeflissenheit zur Schau stellt. Da wird die Mu-                                                            und zeigte so unerwartete Facetten seiner
sik zum Schatz des Wissens erhoben, der Bildung, für                                                             Gesprächspartner.
                                                               Wenn man die komplexen
den man nur das passende Handwerkszeug braucht,                                                                  Gemeinsam mit Rebecca Casati veröffent-
                                                           Strukturen der Techno-Musik hört,
um ihn zu bergen.                                                                                                lichte er 1999 die gesammelten Kolumnen
                                                           kommt einem das Waldstein-Thema
                                                                                                                 „Wie sehen Sie denn aus? Eine Stilkritik“.
                                                                      lapidar vor.
Ja, und auf der anderen Seite steht sie bei Dir                                                                  Außerdem schreibt von Uslar Kurzgeschich-
aber auch für die Naturverbundenheit. Dann                                                                       ten, etwa „Davos“, die 1999 in dem von
scheint die Klassik einer der letzten Orte zu sein,     in seinen Keller. Ich frage mich, woher dieses           Chris-tian Kracht herausgegebenen Sam-
um so etwas wie Wahrhaftigkeit empfinden zu             neue Interesse an der Musik kommt. Oder ist              melband „Mesopotamia“ erschien.
können. Plötzlich wird das Gekünstelte durch            es ganz normal, dass die Generation Pop über             Einige Zeit lang war er auch als Theater-
die romantische Archaik ersetzt.                        den Umweg Bildende Kunst nun in der Klassik              autor tätig. Er hat die Stücke „Freunde“
von Uslar: Darin liegt doch der wirkliche Reiz der      ankommt?                                                 (2000), „Freunde 2“ (2001) und „Abso-
Musik: im Unvermittelten, im Geraden und Direk-         von Uslar: Bei mir ist das erst einmal ganz allein auf   fuckin-lutely. The Best of Lulu“ (2004) ge-
ten. Mir fällt spontan eine Melodie aus der „Wald-      meine Erziehung zurückzuführen. Aber natürlich ist       schrieben. Nun erschien gerade sein erster
steinsonate“ ein: Anfang Dritter Satz. Eigentlich       die Klassik für einige auch spannend, weil mit ihr       Roman: „Waldstein oder Der Tod des Wal-
ein lächerlich simples Motiv, das uns aber zutiefst     gratis ein neubürgerliches Image zu haben ist.           ter Gieseking am 6. Juni 2005“, in dem es
ergreift. In wenigen Noten zeigt uns Beethoven die                                                               um Klassik und Pop geht.
ganze Zweischneidigkeit der Musik und entlarvt den      Das scheint vielen Popliteraten derzeit be-              In crescendo debattiert Moritz von Uslar
tiefen Schrecken über die Einfachheit des Schönen.      sonders wichtig zu sein: Florian Illies schreibt         die klassische Musik mit Chefredakteur
Wir haben dauernd diese Ahnung, dass dieses Motiv       über die Entschleunigung in der Provinz, und             Axel Brüggemann, 34. Die beiden haben
stumpf und platt ist – und trotzdem geben wir uns       Poschardt feiert seine Bürgerlichkeit, wo er             sich zum ersten Mal vor drei Jahren getrof-
hemmungslos hin.                                        nur kann.                                                fen, als sie gemeinsam Luciano Pavarotti
                                                        von Uslar: Dabei kann die Klassik natürlich zum          in seiner Villa in Pesaro besuchten. Schon
Sind das nicht genau die Stellen, in denen sich         Instrument der zur Schau gestellten Bürgerlichkeit       damals ging es darum, in welcher Weise
Klassik und Pop ähneln? Das ist Pathos in Rein-         werden – so wie es eine Zeit lang toll war, Kunst        ihre Generation Klassik debattiert – lesen
form! Gibt es da nicht eine Verwandtschaft zur          zu sammeln. Sie erfüllt dann einen ganz anderen          Sie hier die Fortsetzung.
DJ-klassik 16 | crescendo 06 2006




Zweck. Sich zur Klassik zu bekennen ist in diesem        jenseits dieser bürgerlichen Ordnung der Musik einen               Es ist doch wahnsinnig und fast
Fall, als würde man sagen: „Schaut, bei mir ist die      privaten Zwang gibt, diese Stücke weiter zu hören.                schon unverschämt, eine Form wie
Kunst zu Hause.“                                                                                                            den Sonatenhauptsatz in unsere
                                                         Es hat also eine individuelle Befreiung vom bür-                     Zeit zu stellen – sie ist eine
Aber gleichzeitig auch: „Schaut, ich bin bereit,         gerlichen Musikkanon stattgefunden?                                     unglaublich sexy Form.
mich in Musik ganz aufzulösen!“ Aber irgendwie           von Uslar: Ich habe irgendwann erkannt, dass ich,
nimmt man den Leuten gerade das nicht ab.                wie das in den meisten bürgerlichen Familien der Fall
von Uslar: Deshalb ödet mich diese Okkupation der        ist, zwar in einem musikbegeisterten Umfeld aufge-            Die klassische Musik lockt also mit der Einfach-
Klassik auch an. Denn eines ist doch klar: Sobald        wachsen bin, aber gleichzeitig war das Musikhören             heit und verweigert sich gleichzeitig der Ein-
man eine Sache feiert, ist man gar nicht mehr in der     unanalytisch, weil es kein Umfeld des Musikkenner-            gängigkeit?
Lage, sie wirklich mit Haut und Haaren zu durch-         tums gab. Wie war das denn bei dir?                           von Uslar: Ich glaube, dass viele sogar ein schlech-
dringen. Wenn die Klassik Teil der Inszenierung wird,                                                                  tes Gewissen beim Hören haben: Man genießt etwas,
bleibt man auch bei ihr an der Oberfläche stecken.       Genauso. Mein Vater hatte eine unglaubliche                   ohne es zu verstehen. Man findet etwas schön, aber
                                                         Plattensammlung, konnte aber keine Noten                      dauernd sagt einem jemand, dass man es, wenn man
Aber Moritz, was ist bei dir denn anders? Du insze-      lesen. Irgendwann habe ich daraus die Konse-                  es nicht durchschaut, gar nicht schön finden darf.
nierst doch auch Beethoven in Deinem Buch.               quenz gezogen und Musikwissenschaft studiert
von Uslar: Eigentlich geht es aber nicht um Beet-        – weil ich mehr wissen wollte ...                             Es ist doch auch nicht von der Hand zu weisen,
hoven, sondern um Beethoven als Anlass zur Be-           von Uslar: Du hast Dir eben ziemlich schnell das nö-          dass Musik noch mehr Spaß macht, wenn man
schäftigung mit sich selbst, einer Sehnsucht, die in     tige Besteck geholt. Und genau an dieser Stelle fängt         Noten lesen und das System verstehen kann.
                                                         ja auch meine Kaiser-Bewunderung an. Ich erinnere             von Uslar: Aber man kann auch ganz einfach hören,
                                                         mich an die Geschichten meiner Verwandten, die in             hören und hören! Das ist vielleicht ein zeitaufwändi-
                                                         Bayreuth standen, und dann kam dieser Ostpreuße               ger Weg, aber er führt ebenfalls zu Erkenntnissen.
   Ich glaube, dass viele ein schlechtes                 an und wollte sich dazustellen. Er ist ja letztlich auch      Natürlich könnte ich mich auch in die Harmonieleh-
       Gewissen beim Hören haben:                        ein Poschardt, ein Urposchardt sozusagen: Sohn eines          re vertiefen, sie ist am Ende auch nur niedere Mathe-
           Man genießt etwas,                            kleinen preußischen Arztes, der durch seine Beflissen-        matik. Aber in letzter Zeit habe ich mir zu Hause die
          ohne es zu verstehen.                          heit und sein angelerntes Kennertum hofft, die höheren        „Hammerklaviersonate“ angehört, wieder und im-
                                                         Weihen der Bürgerlichkeit zu bekommen. Auf der einen          mer wieder – und ich höre immer mehr. Eigentlich
                                                         Seite ist das zutiefst trostlos – auf der anderen Seite ist   ist das genau wie mit der Bildenden Kunst. Rainald
                                                         es aber auch unglaublich rührend. Kaiser ist in seinem        Goetz hat mich eine Zeit lang gezwungen, mit ihm in
der Musik liegt und die Selbstreflexionen, die man       Ehrgeiz so piefig und so wunderbar zugleich.                  Ausstellungen zu gehen, und er hat immer wieder ge-
hat, wenn man sie hört. Da ist einer, der kommt aus                                                                    sagt: „Schau, schau, schau – lass die Arme baumeln
dem Pop, ist frustriert und erhofft sich von irgend      Wenn man das so sieht, ist Kaiser eine typische               und schau einfach weiter.“ Und plötzlich haben sich
etwas Anderem eine Art Erlösung.                         Thomas Mann Figur. Was ihn dabei von den                      die Sachen in meinem Kopf vernetzt.
                                                         Mode-Klassik-Fans unterscheidet, ist, dass er
So geht es deinem Romanhelden Walter Giese-              einen großen Vorbehalt dagegen hat, die Musik                 Ich glaube ja, dass gerade die Form der klassi-
king. Welche Rolle hat die Klassik denn bei dir          einfach zu genießen.                                          schen Musik in der Ära nach der Postmoderne
zu Hause gespielt?                                       von Uslar: Ich finde, er baut gerade damit Grenzen            wieder besonders spannend ist. Plötzlich ent-
von Uslar: Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen.        auf, die das Elitäre der Klassik unterstreichen und           decken wir in der Klassik, dass es doch noch
Eigentlich bin ich in einer Struktur groß geworden,      diese Welt so begehrenswert machen. Aber eigentlich           Zusammenhänge gibt, die größer sind als das
in der die Klassik schon mit ganz vielen Daten besetzt   gibt es dieses Elitäre in der Musik auch gar nicht. Leute     eklektizistische Weltbild, an das sich unsere Ge-
war. Es gab bei uns einen strengen Kanon: Bruckner       wie Joachim Kaiser suggerieren, dass man Klassik              neration gewöhnt hat.
fand man blöde, Wagner quälte uns, aber es war wich-     nur genießen kann, wenn man die Partitur kennt                von Uslar: Es ist doch wahnsinnig und fast schon
tig, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Die Musik war     und die harmonischen Vorgänge. Aber das wirklich              unverschämt, eine Form wie den Sonatenhauptsatz
ein System dessen, was geht – und was nicht. Für         Geile an der Musik ist doch, dass sie uns von sich aus        in das Chaos unserer Zeit zu stellen – sie ist eine un-
mich war das erst einmal faszinierend. Aber schon        anschreit: „Lern mich besser kennen! Durchschau               glaublich sexy Form! Und wenn man sich dann ein-
als ich im Internat war, habe ich gemerkt, dass es       mich! Hör mich, bis du mich verstehst!“                       mal anschaut, wie Beethoven die Welt durchdekliniert
                                                                                                                             crescendo 06 2006 | 17 DJ-klassik




hat, ist das in jedem Kapitel der eigenen Biographie    was passiert dann? Plötzlich lässt du deinen Ro-          fordert vielleicht die größte Ressource, die wir
immer wieder eine neue Beschäftigung wert. Aber         manhelden in der Musik ankommen, wenn er                  heute noch haben. Und das macht die Musik
ich muss sagen, dass ich von deiner These über die      sich seinen Lebenstraum erfüllt und die „Wald-            zum wirklichen Luxus, zum Luxus der Ent-
Popularisierung der Klassik noch immer nicht ganz       steinsonate“ spielt.                                      schleunigung – vier Stunden in der Oper sind
überzeugt bin. Ich habe seit meiner Internatszeit die   von Uslar: Er bewegt sich in einem Haus, in dem           mehr wert als eine neue Rolex.
Erfahrung gemacht, dass ich mit meiner Begeiste-        er eigentlich gar nicht beheimatet ist. Er möchte an
rung für die Musik weitgehend allein bin. Ich wurde     diesem Ort der Klassik sein, schaut auf seine Pop-
immer nur als Sonderling abgetan.                       Sozialisation und sucht seine eigentliche Identität.           Es gab bei uns einen strengen
                                                        Er vermutet sie in der Klassik, aber die scheint un-         Kanon: Bruckner fand man blöde,
Aber das ändert sich doch gerade! Die Zeit der          erreichbar.                                                   Wagner quälte uns – aber es war
Bilder wird durch die Zeit des Klanges abgelöst.                                                                     wichtig, sich mit ihm auseinander-
Schröder war der letzte Bilderkanzler, Angela           Dabei sind wir heute überall von Klassik umge-                             zusetzen.
Merkel ist die neue Tonkanzlerin. Klassik wird          ben, in der Werbung, und selbst im Taxi, wenn
selbst in Life-Style-Magazinen wieder Titelsei-         Klassik-Radio läuft.
tenfähig, und sogar die Sponsoren kommen zu             von Uslar: Aber das ist doch eine falsche Heimat.         von Uslar: Ich erlebe das besonders in Bayreuth. Die
den Festspielen und Konzerthäusern.                     Klassik-Radio tut nichts anderes als uns eine Heimat      Arbeit an der Musik wird hier so besonders deutlich.
von Uslar: Gut, nehmen wir mal an, du hast Recht.       vorzulügen. Du kannst keine Mozart-Sinfonie zu dei-       Die Überwindung, dass du zu dir kommst, ist so pla-
Woran liegt das?                                        nen Mohnsemmeln hören. Die spielen da Filmmusik,          kativ. Durch die langen Zeiten, die du da sitzt, durch
                                                        aber suggerieren uns unsere eigenen Erinnerungen          die Unbequemlichkeit. Und am Ende ist es doch eine
Weil die Musik einlösen kann, was wir uns dau-          an eine Zeit, in der wir noch nicht für uns selber sor-   unfassbare Anmaßung gegen die vermeintlichen An-
ernd erhoffen: Wir haben bei ihr kein Gegen-            gen mussten, als unsere Eltern für uns gesorgt haben      forderungen der Welt, beim „Ring“ sechs Tage lang
über wie in der Malerei, um die Welt zu begrei-         – und die haben ähnliche Musik gehört.                    ganz in Bayreuth, ganz in Oper, zu sein. Das ist ein
fen, sondern sind wieder ganz auf uns zurück-                                                                     gigantischer Fuck-Finger gegen die Welt. Für mich
geworfen. Mit allen existenziellen Ekeln, die           Bei Klassik-Radio ist Musik eigentlich nur ein            gibt es in keiner anderen Kunst eine vergleichbare
auch dein Romanheld durchlebt.                          akustischer Einrichtungsgegenstand.                       Konzentration.
von Uslar: Du meinst, die Musik ist so etwas wie ein    von Uslar: Ja, so wie Mutterns Küchenschrank! Aber
neues Heimatgefühl?                                     um diese Heimat geht es ja auch nicht, sondern, so        Geht es Dir eigentlich auch so, dass es Dir vor
                                                        wie du sagst, um die Heimat in uns selbst. In dieser      dem CD-Player viel schwerer fällt, diese Erfah-
                                                        Heimat gibt es keine Äußerlichkeit, und alle Klischees    rung zu machen?
   Wir brauchen den öffentlichen Ort                    der Klassik gelten da nicht: das Klischee der Ruhe,       von Uslar: Ey, Axel, ich sag dir was: Vergiss doch
     für die Musik, um unsere Ausei-                    der Entspannung, der Schönheit. Wer das von der           die scheiß CDs. Weg mit der Scheiße! Wir brauchen
  nandersetzung mit ihr erträglich zu                   Klassik erwartet, wird sie nie als Heimat entdecken.      den öffentlichen Ort für die Musik, um unsere Aus-
    machen. Die Direktheit der Musik                    Klassik fordert keine Entspannung oder Ruhe, son-         einandersetzung mit ihr erträglich zu machen. Die
  ist manchmal zutiefst unappetitlich.                  dern höchste Konzentration, um eine beglückende           Direktheit der Musik ist manchmal zutiefst unerträg-
                                                        Art herzustellen, sich mit sich selbst zu beschäftigen.   lich und unappetitlich. Es ist doch eine lachhafte Si-
                                                        Wenn ich das jetzt alles so sage, merke ich, wie platt    tuation, vor dem CD-Player zu sitzen und sich gehen
Natürlich. Eine Heimat, nach der wir uns seh-           es ist, wenn mein Held am Ende des Buches dieses          zu lassen.
nen: Eine Heimat jenseits der Dinglichkeit.             Stück spielt. Fast schon peinlich platt.
Wenn ich deinen Roman lese, lese ich doch                                                                         Das ist ein bisschen wie Onanie. Oder so wie
auch, wie du die Welt längst in all ihren Mecha-        Na ja, das ist eben literarischer Pop, der mit der        die Geschichte mit dem weißen Elefanten. Der
nismen erkannt hast – alles funktioniert nach           Klassik spielt!                                           Maharadscha sagt: „Du kriegst all meine Schät-
Plan. Und manchmal habe ich das Gefühl, ihr             von Uslar: Die Grundidee ist ja, dass die Musik ver-      ze, wenn du nicht an weiße Elefanten denkst.“
Popliteraten sitzt abends zu Hause und lacht            langt, dass du dich ihr zur Verfügung stellst.            Von diesem Punkt an ist es gar nicht mehr
euch tot. Ihr habt aus jeder Subkultur, in der ihr                                                                möglich, nicht an weiße Elefanten zu denken.
rumgeturnt seid, eine Massenkultur gemacht.             Sie fordert unverschämt viel Zeit, in der wir die         So ist das auch allein vor dem CD-Player. Man
Aber trotzdem kommt ihr nirgendwo an. Und               Welt verlassen: Kein Handy, kein nichts. Klassik          denkt dauernd: „Komm, Klassik, schenk mir
DJ-klassik 18 | crescendo 06 2006




   Du kannst nicht vor dem CD-Player
    sitzen und dich selbst anschauen.
         Dann bist du einfach ein                         dann abzuheben. Du kannst erst in die Luft, wenn du         sik, oder das Ende der Sinfonik. Sondern es kommt
             Jammerlappen.                                Kontakt aufnimmst. Erst dann hebt es dich weg.              die schlechte Scheißmusik, bei der man sagt: „Das?
                                                                                                                      Ehrlich? Warum findest du das denn gut?“
                                                          So, oder so: das Ziel bleibt, wegzufliegen. Übri-
ein Stück Besinnung.“ Und dann klappt’s schon             gens, CDs haben schon einen Vorteil: Sie geben              Aber das liegt doch in der Natur der Sache.
gar nicht.                                                dir die Möglichkeit zu hören, was nicht in deiner           Wir haben es in der Klassik und der Popmusik
von Uslar: Und wenn sie dann trotzdem kommt,              Nähe gespielt wird.                                         mit komplett anderen Ideen zu tun und mit
wird sie scheußlich, weil das Zusichkommen ein            von Uslar: Klar, die ganze Mahler-Rezeption hat             unterschiedlichen harmonischen Ansprüchen.
unansehnlicher Vorgang ist. Weil man dabei auf            mit der Schallplatte begonnen – plötzlich haben             Der Klassik liegt noch immer eine in Jahr-
jede Form verzichtet. Man ist als Mensch nicht so         das Zeug alle gehört. Aber inzwischen entzieht die          hunderten entwickelte Dur-Moll-Harmonik
gedacht: Die Erkenntnis ist eine zivilisatorische Leis-   zeitgenössische Klassik sich mit ihren Klanginstalla-       zu Grunde, im Pop gibt es meist nur wenige
tung – und die sollte man mit anderen teilen. An          tionen auch wieder dem Wohnzimmer und der CD.               Akkorde. Aber das spielt auch keine Rolle, weil
einem öffentlichen Ort benimmt man sich anders.           Ich finde das super: Man muss sich wieder zur Musik         es ja darum geht, von der Oberfläche her zu
Der Nachbar im Konzert zwingt einen zur Form, zur         hinbewegen.                                                 begeistern – weil es um das Schema der Wald-
Haltung. Weil das Gehenlassen obszön ist, weil man                                                                    stein-Melodie geht.
eigentlich nicht so in sich zurücksinken darf, wie die    Ist das bei der Popmusik eigentlich auch so?                von Uslar: Das ist sicherlich richtig, aber es ist doch
Musik das verlangt. Und erst in dieser Spannung, in       von Uslar: Auf jeden Fall bei der Club-Musik, die           verblüffend, dass gerade die neue klassische Musik
der der Körper sich beherrscht, findet ja auch das ei-    funktioniert nicht zu Hause. Aber sie hat ein geheimes      sich ausgerechnet von dieser Tradition entfernt hat.
gentliche Kopfkino statt.                                 Fenster: beim Autofahren geht sie. Es ist aber auch so,     Und darin liegt auch mein großer Frust: Es ist doch
                                                          dass niemand, der sich die neuen „Rolling Stones“ in        so, dass die zeitgenössische Musik unentwegt aus-
Als ich mich einmal von einer Frau getrennt               den CD-Player legt und durchs Wohnzimmer hüpft,             schließt. Das finde ich absolut Scheiße.
habe, bin ich zum CD-Player gegangen, habe                wissen wird, was die „Stones“ wirklich sind!
Massenets „Werther“ aufgelegt und ein Messer                                                                          Aber die alte klassische Musik wird umso mehr
neben den Lehnsessel gelegt. Das war eine wun-            Hast du den Eindruck, dass die neue klassische              in den aktuellen Kontext gestellt. Klassik hat ja
derbare Selbstinszenierung an der Grenze zum              Musik sich an der Popmusik orientiert?                      den Vorteil, dass es sie eigentlich als Kunstwerk
Tode.                                                     von Uslar: Vor kurzem habe ich Pierre Boulez ge-            nicht gibt. Es gibt eine alte Partitur – aber die
von Uslar: Aber so kommst du natürlich nie zu dir.        troffen. Und ich habe nicht verstanden, wie es sein         kannst du dir nicht ans Ohr halten. Sie muss
Man kommt nur zu sich über dritte Dinge. Du kannst        kann, dass man höchst avancierte Kompositionen              immer wieder im Jetzt zum Leben erweckt
nicht vor dem CD-Player sitzen und dich selbst an-        schreibt, ein Forschertum der elektronischen Musik          werden.
schauen. Dann bist du einfach ein Jammerlappen.           für sich in Anspruch nimmt und gleichzeitig die gan-        von Uslar: Das ist wahrscheinlich auch der wirkliche
                                                          ze Popmusik ausblendet. Boulez’ Pop-Sozialisation           Kick der Klassik. Goetz hat einmal über das Hören
Aber irgendwie ist das auch romantisch.                   hört schon bei Zappa auf. Ist das nicht rührend? Was        einer Jimmy Hendrix-Platte geschrieben, dass er
von Uslar: Zum romantischen Ideal gehört für mich         ist nicht alles nach Zappa in der elektronischen Mu-        zwar mitkriegt, wie es da abgeht, aber für ihn klang
aber auch, in den Wald zu gehen: Man geht irgendwo        sik passiert! Aber genau das ist auch symptomatisch.        es am Ende eben doch nur alt. Das ist wie 20 Jahre
hin und kommt zu sich. Mir geht es beim Musik-            Die klassischen Neutöner entwickeln sich komplett           alte Butter essen. Musik muss frisch sein. Und Klas-
hören um den Moment des sich lebendig Fühlens, der        parallel zu der durchaus auch avantgardistischen            sik ist geilerweise immer wieder frisch. Weil sich da
Verbundenheit mit Materie, Welt und Gegenwart.            Popmusik.                                                   ein Musiker hinsetzt und Gas gibt. Wenn ein Brendel
                                                                                                                      sich noch einmal etwas erarbeitet hat, dann ist das
Das ist bei mir ganz anders. Bei mir geht es um           Für Leute wie Stockhausen gilt das aber nicht.              Gegenwart pur. Dann ist das lebende Klassik.
die Welt des Transzendenten. Um die Erfahrung             von Uslar: Drehen wir es einmal anders herum.
auf dem Weg zum Tod, um eine Welt, die Hei-               Frag doch einmal einen avancierten Popmusiker, in
degger mit dem Sein beschrieben hat, einen                welcher Ecke der Klassik er sich inspirieren lässt. Es                         Moritz von Uslar hat gerade
Ausbruch aus dem Seienden.                                ist zuverlässig die drunterste Musik, die du dir vorstel-                      seinen Debüt-Roman „Waldstein
                                                                                                                                         oder Der Tod des Walter
von Uslar: Aber das ist doch dasselbe. Ich meine das      len kannst. Da kommt immer: „Rachmaninow hat
                                                                                                                                         Gieseking am 6. Juni 2005“
Überirdisch-irdische. Die Helikopter-Perspektive. Das     ein paar abgefahrene Sachen geschrieben“. Aber es                              vorgestellt.
Urtranszendentale ist ja das Versinken in die Welt, um    kommt halt nicht Schostakowitsch, die Wiener Klas-                             KiWi, 17.90 Euro.
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                                                               rezension 20 | crescendo 06 2006
                               PRÄSENTIERT
                                                                                                                   Mechanisches Klavier
             Deborah Voigts                                                                                            von Nancarrow.
                gefeiertes Debüt!
                              Amilcare Ponchielli

                              LA GIOCONDA                                    Mechanische Musik
                               Gran Teatre del Liceu


                                                               Kein Mann
                                Barcelona, 2005

                                Deborah Voigt

                                                                am Klavier
                               Elisabetta Fiorillo
                               Ewa Podle´ s
                               Carlo Colombara
                                 Richard Margison
                                  Carlo Guelfi                 Bei Conlon Nancarrow ging es irgenwie                     Instrument konnte er einfach
                              Orquestra Simfònica              immer um Millimeter. Bei seinem akurat                    nicht in den Griff bekommen:
                              i Cor del Gran Teatre            zurechtgestutzten Bart oder wenn er in                    das Klavier. Vielleicht war er aus
                              del Liceu                        seine Werkstatt ging, einen gigantischen                  diesem Grund der Meinung, dass Ma-
                              DANIELE CALLEGARI                Raum mit noch gigantischeren Maschinen,                   schinen die besseren Pianisten wären.
                              Inszenierung: Pier Luigi Pizzi   und seine Löcher in die Notenrollen schlug                    Zu Beginn seiner kompositorischen Tätigkeit
                              DVWW-OPGIOC (2 DVDs)             – dann war das wieder Millimeterarbeit.                   schrieb Nancarrow noch für menschliche Interpre-
                                                                                                                         ten. Diese Werke konnte er allerdings nach langer
                                                                   Ein Stückchen zu viel nach links, ein Stück zu weit   Arbeit mit den Player Pianos selbst nicht mehr ernst
                                                               nach rechts, und die ganze Mühe wäre vergebens. Der       nehmen: „Welchen Wert meine (frühen) Stücke auch
                                                               Pedant aus den USA hatte einen Spleen, und der galt       haben mögen – die Player Piano-Kompositionen sind
                           Wolfgang Amadeus Mozart             einer eigenwilligen Form der Komposition: mit einer       sicherlich zehnmal bedeutender als die Vor-Player
                           LA FINTA GIARDINIERA                Handstanz-Maschine Löcher in eine Notenrolle zu           Piano-Stücke“, sagte der Komponist – und behielt
                           Opernhaus Zürich, 2006              stanzen. Nancarrow hat ein opulentes musikalisches        Recht.
                           Eva Mei                             Werk hinterlassen. Nicht auf Notenpapier, sondern             Aber Nancarrow war nicht nur ein begeisterter
                           Isabel Rey · Liliana Nikiteanu
                           Rudolf Schasching                   auf metallenen Rollen. Nicht für Menschen, sondern        Musiker. Er war auch politisch engagiert. Wie Ernest
                           Christoph Strehl                    für mechanische Klaviere.                                 Hemmingway und andere amerikanische Künstler
                           Orchestra “La Scintilla”
                           der Oper Zürich
                                                                   Heute kennt man diese Instrumente höchstens           zog er voller Überzeugung in den spanischen Bür-
                           NIKOLAUS HARNONCOURT                noch aus Jazzbars oder Hotellobbys – dort spielen sie     gerkrieg. Doch als er in die USA zurückgekehrt war,
                           Inszenierung: Tobias Moretti        allein vor sich hin, die Tasten bewegen sich wie von      wurde er aufgrund seiner politischen Aktivitäten zur
                           DVWW-OPFINT                         Geisterhand. Zur puren Unterhaltung. Für Nancar-          „persona non grata“ erklärt und wanderte nach Me-
                                                               row war es eine der höchsten Künste.                      xiko aus. Dort lebte er über 30 Jahre als Einsiedler
                                                                   Der Mensch hat zwei Hände. Und an jeder Hand          und stanzte in mühevoller Kleinarbeit von Hand Lö-
                           Wolfgang Amadeus Mozart             zehn Finger. Das ist die naturgegebene Grenze für         cher in seine Notenrollen.
                           REQUIEM                             jeden Pianisten – mehr als zehn Töne gleichzeitig             Obwohl seine Werke weitgehend ungehört blieben,
                           Musikverein Wien, 1981
                                                               kann er nicht anschlagen.                                 oft belächelt wurden und es kaum Aufführungen
                           Rachel Yakar · Ortrun Wenkel
                           Kurt Equiluz · Robert Holl              Bei einem Player Piano dagegen werden die             gab, änderte das nichts an der Beharrlichkeit und
                                                               Tasten durch eine komplexe Mechanik im Klavier            Ausdauer des Komponisten.
                           Concentus Musicus Wien
                           Konzertvereinigung Wiener           bedient: Über ein System von Rädern, Walzen und               Inzwischen wird Nancarrow als einer der bedeu-
                           Staatsopernchor                     Drähten werden die Hämmer im Instrument an-               tendsten Wegbereiter der zeitgenössischen Musik ge-
                           NIKOLAUS HARNONCOURT                gehoben. Jedes Loch auf der Notenrolle bedeutet
                           DVWW-COMREQ                         einen anderen Ton. Eine lose Ansammlung von
                                                               Löchern Staccato, eine dichte Reihe einen längeren
                                                               Legato-Ton.
                                                                   Mit diesem Mechanismus sind dem Komponisten
                           GÜNTER WAND                         keinerlei Grenzen mehr gesetzt – er ist auf keinen
                           dirigiert Schubert                  Pianisten mehr angewiesen. Wenn dem Tonsetzer
                           und Brahms                          danach ist, können alle Tasten gleichzeitig gespielt
                           Schleswig-Holstein Musik            werden oder Töne in Intervallen, die unmöglich für
                           Festival, 1997
                           Schubert: Symphonie Nr. 5
                                                               die Physiologie der Hand wären, erklingen.
                           Beethoven: Symphonie Nr. 1              Conlon Nancarrow beschäftigte sich sein ganzes
                                                               Leben lang mit Kompositionen für dieses außerge-
                           NDR SINFONIEORCHESTER
                                                               wöhnliche Instrument. Der Amerikaner bewies schon
                                                                                                                                                                                Fotos: Dabringhaus




                           GÜNTER WAND
                                                               in früher Kindheit musikalisches Talent. Als 19jähri-
                           DVWW-COWAND7                        ger begann er das Studium der Trompete und spielte
                                                               in verschiedenen Jazz- und Tanzkapellen. Nur ein
                                                                                                                         Der Komponist Conlon Nancarrow
Vertrieb in Deutschland:
                              www.tdk-music.com
                                                                     crescendo 06 2006 | 21 rezension




                                                                                                                    Die neue
                                                                                                                    CD-Edition




feiert.
Der kürz-
lich verstorbene
Neutöner György Li-                                                                                                 Rafael Frühbeck de Burgos
geti hielt ihn sogar für                                                                                            Dresdner Philharmonie
„den bedeutendsten Kom-
ponisten der zweiten Hälfte                                                                                         Richard Strauss
unseres Jahrhunderts“.                                                                                              Eine Alpensinfonie
     Die Kompositionen klingen teil-                                                                                Rosenkavalier-Suite
weise so, als wäre es das Ziel von Musik,
möglichst viele Töne in komplizierten Rhythmen
auf engen Raum zu verpacken und das Gehör der
Zuhörer zu fordern – und manchmal zu überfordern.          wie er es einst komponierte – ebenfalls mit Hilfe des
Denn Nancarrows Werke machen den Eindruck, ei-             Computers. „Nancarrows Musik war eigentlich vom
nen Wettbewerb gewinnen zu müssen: Wie schnell             Aussterben bedroht, da von jeder Komposition nur
und virtuos kann ein Stück sein, wieviele Töne in          eine Rolle existierte“, sagt Werner Dabringhaus. Der
absurden Abständen hintereinander angeordnet               Label-Chef wurde durch einen Sammler von Selbst-
werden. Durch die oft eintönige Dynamik wird man           spiel-Instrumenten auf Nancarrow aufmerksam. Der
von manchen Kompositionen wie von einer Flutwelle          Chemiker Jürgen Hocker reiste für seinen Spleen um
überrollt. Diese Musik ist kein „easy listening“, ob-      die ganze Welt – und er verehrte Nancarrow.
wohl Anleihen an den Jazz unverkennbar sind. Sie               Hocker besuchte den Einsiedler in Mexiko und
fasziniert durch ihre Maßlosigkeit, bleibt allerdings      machte sich daran, dessen Kompositionen zu Hau-
nur in Maßen hörbar.                                       se nachzustanzen. Er kopierte die Notenrollen und
     Bislang gab es vereinzelte Aufnahmen der Kompo-       konnte so das Werk des Komponisten nachbilden
sitionen, aber im vergangen Jahr haben Dabringhaus         – natürlich auf den Millimeter genau.                                      Weitere Aufnahmen sind in Vorbereitung.

& Grimm (MDG) diese außergewöhnliche Musik für                 Auch für einen CD-Produzenten wie Dabringhaus                          Der legendäre
Player Piano neu aufgenommen. Das Unternehmen              ist die Aufnahme von Stücken für Player Piano ein                          sächsische Klang –
war gigantisch: In fünf Folgen wurden alle Nancar-         nicht alltäglicher Vorgang: „Für mich als Tonmeis-                         wir pflegen ihn!
row-Kompositionen für mechanisches Klavier auf             ter war es ungewohnt, mich um nichts kümmern zu                            Seit 1870.
den beiden originalen Ampico-Flügeln eingespielt.          müssen, außer um die Tatsache, dass die Rolle gut
     Die Neuaufnahmen sind auch deshalb spannend,          läuft.“ Nancarrow hat eben so komponiert, dass die
weil die technischen Möglichkeiten besser geworden         Menschen weitgehend überflüssig werden – nur als
sind. Obwohl die Zeiten des Player Pianos eigentlich                                 Hörer bleiben sie gefordert.
lange vorbei sind, ist es ein verblüffend fortschritt-                                          Michaela Danner
liches Instrument. Heute können Stücke für Player
Piano direkt am Computer komponiert werden. Bei                                                      Nancarrow:
Nancorrows Werk für zwei Player Pianos ist es sogar                                        „Player Piano“ (MDG)
erst seit einiger Zeit möglich, es so exakt abzuspielen,                                                              www.dresdnerphilharmonie.de

       Mehr Nancarrow auf der crescendo-premium-CD                                                                  Erschienen bei:
                                                                                                                    Deutschlandvertrieb:

                                                                                                                        Bestellnummer GEN 86074
                                                                   rezension 22 | crescendo 06 2006
Klassik-Charts:
Die Bestseller                      Die Besten

                                                                   „Des Knaben Wunderhorn“                               Kleibers „Freischütz“
                                                                   Fatalistische                                         Eiskaltes
1    Netrebko, Quasthoff,          1     René Jacobs               Seelen                                                Märchen
     Terfel                              Mozart:
     Das Mozart-Album                    „La Clemenza di Tito“     Realismus ohne Botschaft. Warum hat sich Phi-         Vergangenes Highlight. Archive sind wunder-
     (Deutsche Grammophon)               (Harmonia Mundi)          lippe Herreweghe gemeinsam mit dem Orchestre          bare Orte – weil man in ihnen ausgraben kann,
2    Netrebko, Villazón            2     Fritz Wunderlich          des Champs-Élysées ausgerechnet Mahlers „Des          was früher einmal Gang und Gäbe war. Zum Bei-
     Violetta – Arien und                Leben und Legende
     Duette aus „La Traviata“                                      Knaben Wunderhorn“ als CD-Projekt ausgesucht?         spiel im gigantischen Archiv des WDR, der 1955
                                         (Deutsche Grammophon)
     (Deutsche Grammophon)                                         Vielleicht, weil Mahlers Beschäftigung mit den        in Köln die Aufführung des „Freischütz“ mitge-
                                   Diese DVD zeigt
3    Netrebko, Abbado:             den Familien-                   Texten Achim von Arnims und Clemens Brenta-           schnitten hat.
     Sempre libera                 menschen hinter
     (Deutsche Grammophon)                                         nos heute besonders aktuell scheint: Miniaturen       Erich Kleiber dirigierte damals das Rundfunk Sinfo-
                                   der Stimme. Zum
                                   Weinen schön.                   über das menschliche Sein in einer aufgewühlten       nieorchester mit einer unglaublich nahen Auffas-
4    Netrebko, Noseda,
     Wiener Philharm.                                              Gegenwart. Aber Herreweghes Grundton ist der          sung von dem, was Romantik ist. Perspektivisch
     Opera Arias                   3     Sting
                                         Songs from the            eines musikalischen Rationalisten, der um das         dringt er in Webers Mythenwald vor und erzählt
     (Deutsche Grammophon)
                                         Labyrinth                 Tschingderassabum der Welt weiß, ihm gleichzei-       dabei ein Märchen, das eiskalt und schauerlich ist.
        Annas Debüt,                     (Deutsche Grammophon)
        nicht so gut                                               tig durch melodische und epische Ruhepole ent-        Ohne Pathos, sondern mit tiefenpsychologischer
        gelungen wie ihre          4     Schäfer, Schneider
                                         Schubert:                 kommen will und dabei doch in biedermeierische        Direktheit. Und all das mit einer erstklassigen
        zweite Platte mit
        Abbaddo.                         „Die Winterreise“         Sujetbeschreibungen verfällt. Vortrefflich singt      Sängerbesetzung: Elisabeth Grümmer (Agathe),
                                         (Onyx)
                                                                   der Bariton Dietrich Henschel, dessen lyrischer       Rita Streich (Ännchen), Hans Hopf (Max) und Kurt
5    Villazón, Plasson             5     Fritz Wunderlich
     Opern-Recital                       Wunderlich Privat         Schmelz und Legatokultur es schaffen, die Zeit        Böhme (Samiel) singen in einem Weltklasse-En-
     (Virgin Classics)                   (Deutsche Grammophon)     für einige Augenblicke lang stehen zu lassen. Der     semble. Früher war so etwas Radio-Alltag. Heute
6    Mutter, Bashmet               6     Von Guttenberg            Mezzo von Sarah Connolly besticht durch Weiche,       ist man froh, dass dieses Stück Vergangenheit im
     Mozart:                             Mozart: „Requiem“
     Die Violinkonzerte/                                           doch leider bleibt sie oft wortunverständlich.        Archiv des WDR lag und entdeckt werden konnte.
                                         (Farao)
     Sinfonia Concertante
     (Deutsche Grammophon)         Ein Todestanz
                                   mit unvergleich-                                      Gustav Mahler: „Des Knaben                             Carl Maria von Weber:
7    Plácido Domingo               licher Bitternis
     Moments of Passion                                                                  Wunderhorn“. Herreweghe,                               „Der Freischütz“. Kleiber
                                   und großem Got-
     (Sony Classical)                                                                    Connolly, Henschel (Harmonia                           (Capriccio).
                                   teszweifel.
8    Bartoli, Minkowski:                                                                 Mundi).
     Opera Proibita                7     Harnoncourt,
     (Decca)                             Concentus Musicus
9    Domingo, Kohn                       Mozart: „Zaide“
     Italia Ti Amo                       (Deutsche-Harmonia
     (Deutsche Grammophon)               Mundi)                    Karajan dirigiert Schumann                            Chéreaus „Cosi“
10 Lang Lang
                                   8     Harding, Cheréau
                                         Mozart:
                                                                   Tyrannei des                                          Tableaus
   Memory
   (Deutsche Grammophon)
                                         „Le Nozze di Figaro“      Wissens                                               der Herzen
                                         (Virgin)
        Verträumte Musik,                                          Der perfekte Klang. So wie der Mann am Pult           Mozart ernst genommen. Bei „Cosi fan Tutte“
        sicherlich, aber           9     Gulda, Zawinul
                                         Music for Two Pianos      der Wiener Symphoniker sitzt, ist sofort eines        muss man Positionen beziehen – ist das Wirrwarr
        zuweilen leider
        auch erbärmlich                  (Capriccio)               klar: Herbert von Karajan war eine Ikone seiner       der Paare Spiel oder Ernst, und wer betrügt hier
        belanglos.                 10 Eckart Runge                 Zeit. Um ihn herum die Hornbrillen und Nassfri-       überhaupt wen? Die letzte gültige, und von Feuil-
                                      Cello Tango
                                      (Edition Musikat)            suren der 60er Jahre – und er ein Beau, der auch      letons bejubelte Inszenierung hat Patrice Chéreau
11 Fritz Wunderlich
   Wunderlich privat                                               in unsere Gegenwart passen würde. In diesem           bei den Festspielen in Aix en Provence hingelegt.
   (Deutsche Grammophon)           11 Kofman
                                      Dmitri Schostakowitsch:      Film-Dokument, den Proben zu Schumanns vier-          Sein Geheimnis ist einfach: Er nimmt Mozart ernst.
12 12 Cellisten                       „Sinfonie Nr. 13“            ter Sinfonie, offenbart sich aber auch ein anderes    Vor einer Mauer und in Kostümen lässt er ein in-
   Angel Dances                       (MDG)
   (Edition Musikat)                                               Geheimnis: die Perfektion des Dirigenten. Karajan     neres Seelendrama ablaufen, schafft Tableaus mit
                                   Ein akustisches
13 Schäfer, Schneider              Weltbild-                       kommt, verliert keine Worte, beginnt und unter-       Menschen, die gleichzeitig Positionsbestimmun-
   Schubert:                       panoptikum.                     bricht schon nach zwei Noten. Seine Anweisun-         gen der Herzen sind. Einziger Nachteil ist das Diri-
   „Die Winterreise“
   (Onyx)                          12 Skrowaczewski
                                                                   gen für das Orchester: Sie sind wie Bedienungs-       gat von Daniel Harding. Er setzt auf Klang-Effekte,
14 Mutter, Previn                     Beethoven:                   anleitungen für eine Maschine, präzise, technisch     hinter denen sich allerdings nur selten ein tieferer
   Mozart: Klavier Trios              1. und 4. Sinfonie
                                      (Oehms Classics)
                                                                   und allwissend. Er duldet keine Wahrheiten außer      Sinn verbirgt. Und trotzdem, mit den Sängern Erin
   (Deutsche Grammophon)
                                   13 Netrebko, Villazón
                                                                   seinen eigenen. Die Wiener Symphoniker erdulden                          ˇ
                                                                                                                         Wal, Elína Garanc a, Stéphane Degout, Shawn
        Einer der span-
        nendsten Teile                Verdi: „La Traviata“                                die Tyrannei des Wissens                              Mathey, Barbara Bonney
        von Mutters Mo-               (Deutsche Grammophon)
                                                                                          mit Hingabe. Außerdem                                 und Ruggero Raimondi ist
        zart-Projekt im            14 Lera Auerbach
        Jubeljahr.                    Preludes and Dreams
                                                                                          auf der DVD: Beethovens                               dieses die bislang beste
                                      (BIS)                                               „Fünfte“ mit den Berliner                             audiovisuelle Aufnahme
15 Rattle,                         15 Runnicles                                           Philharmonikern.                                      der „Cosi“.
   Berliner Philharm.                 Wagner:
   „The Planets“                      „Tristan und Isolde“
   (EMI Classics)                     (Warner)                                           von Karajan: „In Rehersal and                          Mozart: „Cosi fan Tutte“. Har-
                                                                                         Performance“ (Unitel).                                 ding, Chéreau (Virgin).
Die Klassik-Charts wurden         Die crescendo Klassik-Charts
ermittelt durch Mediacontrol im   werden in der Redaktion
Auftrag des Bundesverbandes       ermittelt. Zu Grunde liegen
der phonographischen Wirt-        Einspielungen der letzten fünf
schaft e.V.                       Monate.
                                                                                                                                        crescendo 06 2006 | 23 rezension




                                                                                                                            Vokale Mozart-Vielfalt

                                                                                                                            Das Jahr 1999 brachte den Durchbruch für die
                                                                                                                            Sopranistin Anja Harteros: Da gewann sie den
                                                                                                                            Cardiff Singer of the World-Wettbewerb der BBC
                                                                                                                            und der Welsh National Opera.
                                                                                                                            Inzwischen gehört sie zu den wichtigsten Sopra-
                                                                                                                            nen der Opernszene. Was sie auszeichnet ist ihre
                                                                                                                            Vielfältigkeit. Harteros ist eine Allzweckstimme,
                                                                                                                            verkörpert Verdis „Traviata“ an der Grenze zum
                                                                                                                            Tode und singt, wie nun, auf ihrem neuen Album,
                                                                                                                            luftig und leicht durch die Arienwelten Mozarts
                                                                                                                            und Haydns.
                                                                                                                            „Bella Voce“ ist der Titel der CD. Und ihre schöne
                                                                                                                            Stimme lässt Harteros durch die Arien von „Idome-
                                                                                                                            neo“, „Figaro“ und „Cosi“ flattern, zuweilen ernst-
                                                                                                                            haft schwer, dann wieder spielerisch beschwingt.
                                                                                                                            Quasi als Zugabe gibt es Haydns „Scena di Bere-
                                                                                                                            nice“ – eine lustvollte und abgründige Vorstellung
                                                                                                                            der vielseitigen Vokalkunst.
                                                                                                                            Pinchas Steinberg führt die Wiener Symphoniker
                                                                                                                            mit großer Mozart-Weisheit durch die Partituren,
                                                                                                                            und das unbekümmert aufspielende Orchester
                                                                                                                            steht oft in passender Spannung zu Harteros
                                                                                                           Foto: Sony BMG   ernsthaftem Gesangsstil.




                                                                                                                              Anja Harteros: „Bella Voce“
                                                                                                                                             (Sony BMG).


       Mehr Harteros auf der crescendo-premium-CD


„Traviata“ mit Mehta                                  Liszt komplett                                                        Lera Auerbach
Anja ist Annas                                        Opulente                                                              Traumhafte
ältere Schwester                                      Orgelwerke                                                            Klangwelten
Hörenswerte Alternative. Entweder sind die            Vollständig und spannend. Franz Liszt ist heu-                        Eine Aufnahme, die alte Zöpfe abschneidet.
Leute von „Farao“ wahnsinnig oder schlau. Aber        te besonders als Meister des Klavieres bekannt                        Für die russische Pianistin und Komponistin Lera
auf die Idee, nach der Deutschen Grammophon           – seine Orgelwerke sind zum Teil in Vergessenheit                     Auerbach ist der Klang ein wichtiges Mittel der
und nach Anna Netrebko noch eine „Traviata“ auf       geraten. Dabei zieht er in ihnen alle orchestralen                    Kommunikation. Er entsteht aus einer Welt, die
den Markt zu bringen, ist erst einmal: beachtlich!    Register, behandelt das Instrument als Grenze zwi-                    in ihr entstanden ist und trifft auf Zuhörer, von
Und das Ergebnis ist es auch. Zubin Mehta diri-       schen Klavier und Ensemble. Der Organist Martin                       denen sie nicht mehr fordert, als neugierig zu sein.
giert Verdi mit Schmackes, mit Lust und Leiden.       Haselböck hat sich nun drangemacht, alle Werke                        Nun ist eine CD mit ihren eigenen Kompositionen
Das Klangbild ist transparent und durchhörbar bis     auf CD einzuspielen. Herausgekommen ist eine                          herausgekommen. Die Pianistin eröffnet in „24
in die letzte Stimme. Anja Harteros singt die Lebe-   opulente Sammlung mit fünf CDs und einer DVD.                         Perludes for Piano“ Klangwelten, die unterschied-
dame Violetta nicht kindlich naiv wie Netrebko,       Auf den Ladegast-Orgeln in Merseburg, Köhten,                         licher nicht sein können, wie Bach hangelt sie sich
sondern ernsthaft leidend – sie ist im Geiste                              Schwerin und Hohenmölsen                         dabei durch alle Tonarten. Noch transzendenta-
locker 20 Jahre älter als Ihre Konkurrentin. Die                           spielt sich Haselböck durch                      ler geht es bei ihrem Stück „10 Dreams“ zu: eine
                       Leute von Farao beweisen,                           das vielfältige geistige und                                            musikalische Welt, die in
                       dass Wahnsinn klug sein                             weltliche Werk.                                                         Erinnerung bleibt.
                       kann.
                       .                                                  Franz Liszt: Die Orgelwerke,                                              Lera Auerbach: „Preludes and
                       Verdi: „La Traviata“. Mehta,                       Haselböck (NCA).                                                          Dreams“ (BIS).
                       Harteros (Farao).


      Mehr Traviata auf der crescendo-premium-CD                                                                                   Mehr Auerbach auf der crescendo-premium-CD
rezension 24 | crescendo 06 2006



                                                                                                            Lang Langs Klänge aus China
                                                                                                            Der
                                                                                                            Kulturrevolutionär
                                                                                                            In der chinesischen Kulturrevolution war alles
                                                                                                            Westliche suspekt – auch die klassische Musik.
                                                                                                            Nur das Klavier überlebte die künstlerischen Säu-
                                                                                                            berungsaktionen. Und das hat bis heute Konse-
                                                                                                            quenzen. In keinem anderen Land der Welt steht
                                                                                                            das Piano so sehr für sozialen Aufstieg, für eine
                                                                                                            positiv besetzte Bürgerlichkeit und für eine Kul-
                                                                                                            turtradition wie in China. Dort wurde sogar die
                                                                                                            heimliche Hymne des Landes, das Lied „Yellow
                                                                                                            River“ zu einem offiziellen Klavierkonzert umge-
                                                                                                            schrieben. Chinesische Kultur und westliche Klas-
                                                                                                            sik fanden einander.
                                                                                                            Lang Lang wandelt leichtfüßig auf den Grenzen
                                                                                                            der Kulturen. Im Dezember 2005 kehrte er zurück
                                                                                                            in seine Heimat und gab einige Konzerte in China.
                                                                                                            Unter dem Titel „Dragon Songs“ entdeckte er tra-
                                                                                                            ditionelle chinesische Musik auf dem Klavier neu,
                                                                                                            spielte gemeinsam mit Freunden seiner Studien-
                                                                                                            zeit und hat dabei das Repertoire für sein neues
                                                                                                            Album erarbeitet. Ein spannender „Clash of cul-
                                                                                                            tures“ zwischen Fernost
                                                                                                            und Europa.

                                                                                                              Lang Lang: „Dragon Songs“
            Mehr Lang Lang auf der crescendo-premium-CD                                                        (Deutsche Grammophon) .




Andsnes´ „Horizons“                                    Rattle und Kožená: Arien                             Gulda und Zawinul
Miniaturen in die                                      Mozarts solide                                       Wiener
Unendlichkeit                                          Seite                                                Seelensuche
Kleine Grenzerweiterungen. Manchmal ist                Traumpaar ohne Träumereien. Nun haben sie            Tempo als Mittel des ungestümen Ausdru-
Klavierspielen einfach auch nur eine Frage der         es endlich gemacht, mit allerhand öffentlichem       ckes. Schon der Anfang ist Legende: „Ich begrü-
Lust. Und die steht im Vordergrund von Leif Ove        Tam-Tam. Video-Clips bei den Aufnahmen, und          ße mit besonderer Freude Joe Zawinul, meinen al-
Andsnes neuem Album.                                   dann wurde das Paar noch getrennt voneinander        ten Spezi. Und wir sind in Wien aus dem gleichen
Unter dem Titel „Horizons“ kümmert er sich um          befragt. Die Eheleute Rattle und Kožená, der Diri-   musikalischen Mutterboden entsprungen und von
die kleinen Werke der Pianoliteratur – die meisten     gent und die Sopranistin, antworteten einmütig:      daraus werden wir in unsere musikalische Ver-
sind bekannte Zugabenstücke. Andsnes spielt sie        Es ginge um die Musik, das sei doch klar. Und die    wandschaft hinabsteigen.“ So empfing Friedrich
mit Leichtigkeit und luftiger Phantasie. Viele klei-   Zusammenarbeit zutiefst professionell. Was aber      Gulda seinen Klavier-Kollegen am 20. Mai 1988 in
ne Erinnerungen seiner bisherigen Laufbahn. Das        herausgekommen ist, ist – nun ja – befriedigend.     Köln. Und dann spielten die beiden sich durch ihre
Programm besteht aus persönlichen Piano-Mini-          Die Mozart-Arien singt Kožená mit zuweilen über-     eigenen Kompositionen für zwei Klaviere: träume-
aturen, zum Beispiel Iberts „Le petit âne blanc“,      triebener Inbrunst, vieles, wie das „Voi che sa-     rische, in endlose Weiten führende Melodien und
Sibelius’ „Etude“, dem ersten Chopin „Impromptu“       pete“ aus „Figaro“ klingt aufgesetzt. Höhepunkt      Assoziationen. Neben den Stücken „Variationen
und Liszts „Liebestraum“ – viele dieser Stücke         sicherlich die vokal flackernde „Idomeneo“-Arie      für zwei Klaviere und Band“ von Gulda und Zawi-
haben den Beginn der Karriere des Klavierspielers      „Quando avran fine omai“. Rattle dirigiert das Or-   nuls „Volcano for Hire“ interpretieren sie auch Jo-
begleitet. Außerdem gibt es noch kleine Trouvail-      chestra of the Age of Enlightenment solide – aber    hannes Brahms‘ „Variationen über ein Thema von
len, auf die Andsnes im Laufe seiner Karriere ge-      auch nicht mehr. Seinem Mozart ist die Leich-        Joseph Haydn“. Eine ernsthaftige Wiener Gaudi,
stoßen ist, Werke von Antheil, Schostakowitsch         tigkeit, die Selbstverständlichkeit nicht wirklich   wie alles in Wien irgendwo zwischen Leben und
                        und, natürlich von seinem                             anzuhören.                                           Tod musiziert.
                        Landsmann Grieg.
                                                                             Mozart: „Arias“, Rattle,                              Gulda, Zawinul: „Music for
                       Leif Ove Andsnes: „Horizons“                          Kožená (Archiv).                                      Two Pianos“ (Capriccio).
                       (EMI).
            crescendo 06 2006 | 25 rezension
                                                      PERLEN FINDET MAN IN SCHLEIMIGEN
Zwei Mal Holsts „Planeten“                            MUSCHELN. GOLD IM FLUSSSCHLAMM.
Rattles Raumfahrt
Musik nach wissenschaftlicher Erkennt-
                                                      TEURE PILZE WACHSEN AM BESTEN AUF
nis. Im Jahre 1926 waren die Sterne noch nicht
zum Greifen nahe, und jede Mission ins All glich
                                                      KUHMIST. DOCH DAS SIND ALLES KEINE
Science-Fiction. Doch das Unbekannte regt die
Phantasie bekanntlich mehr an, als jede felsen-
                                                      GRÜNDE DAFÜR, WARUM DIE GRÖSSTEN
feste Erkenntnis. Wie das Wetter am 2. und 22. Juli
                                                      STARS DER KLASSISCHEN MUSIK DORT-
des Jahres 1926 in London gewesen ist, wissen
wir nicht mehr – aber von dem, was zu hören ist,      MUND SO SEHR LIEBEN. DENN DORTMUND
könnte ein leichter Wolkenschleier in der Luft
gehangen haben. Vielleicht war das Strahlen der       SELBST IST DIE PERLE, DAS GOLD, DIE
Sterne nur als Lichtschatten zu erahnen. Auf jeden
Fall ging es ziemlich düster, dunkel und neblig zu,   EDLE ZUTAT. NICHT UMSONST HEISST ES:
als der Komponist und Dirigent Vaughan Williams
das London Symphony Orchestra an diesen Tagen         SO KLINGT NUR DORTMUND. NIRGENDWO
durch die Komposition seines Kollegen dirigierte,
durch Holsts „Die Planeten“.                          AUF DER WELT LÄSST SICH MUSIK SO
In dieser Aufnahme klingt das Weltall als große
unbekannte Welt voller Gefahren. Williams sto-        GENIESSEN WIE BEI UNS, IM KONZERTHAUS
chert mit dem Dirigierstab in die Finsternis und
erkundet die Planeten mit romantisch verträumter      DORTMUND, DER PHILHARMONIE FÜR
Aufregung. Die Größe des Unternehmens, sich im
Sonnensystem voranzubeamen, ist schon im fast         WESTFALEN. UND DAS GILT FÜR DIE
walkürenhaften, nervösen Streicher-Beginn zu
hören. Williams „Mars“ kennt noch keine Mars-         MUSIKER WIE FÜR SIE, DEN ZUHÖRER. ALSO
Mission, sondern scheint irgendwo hinter dickem
Klang-Gestrüpp zu liegen.                             ÜBERLASSEN SIE DIE PERLEN LIEBER DEN
Heute, 80 Jahre später, ist das Weltall erforscht.
Und das ist auch in der musikalischen Wandlung        TAUCHERN IN DER SÜDSEE, TAUSCHEN
von Holsts „Planeten“ zu hören. Bei Simon Ratt-
le und den Berliner Philharmonikern steht kein        SIE DAS GOLDSUCHERSIEB GEGEN EINEN
Wölkchen mehr am Himmel, sie musizieren aus
einer sternenklaren Nacht und haben das beste         ANZUG UND DAS PILZKÖRBCHEN GEGEN
optische Gerät zur Verfügung, um die Planeten
auf Tuchfühlung heranzuzoomen, sie scheinen den       KONZERTKARTEN. UND NOCH EIN TIPP:
Weltraum mit Ultraschall, GPS und Lasertechnik
zu erkunden. Dabei führen sie das Gestirn glasklar    NEHMEN SIE IHRE PERLE, IHR GOLDSTÜCK,
vor Ohren, und während in Williams Interpretation
noch die vage Vorstellung und die Projektion der
                                                      IHREN SCHATZ ODER ALLE DREI GLEICH
romantischen Raumphantasien zu hören waren,
scheint bei Rattle inzwischen jeder Winkel des
                                                      MIT. ZU EINEM UNVERGESSLICHEN ABEND
Universums ausgeleuchtet.
Williams Weltall-Musik von 1926 steckt noch voller
                                                      IN DAS KONZERTHAUS DORTMUND. ALLE
Geheimnisse, im Rattle-Kosmos von 2006 gibt es
hauptsächlich Antworten. Die Aufnahme wird durch
                                                      INFOS ZUR SAISON 06/07 UNTER WWW.POP-
                        Auf tragskompositionen
                        ergänzt: Kaija Saariaho,
                                                      ABO.DE I WWW.KONZERTHAUS-DORTMUND.DE
                        Matthias Pintscher, Mark-
                        Anthony Turnage und Brett
                        Dean haben die Asteroide
                        komponiert.

                       Holst: „Die Planeten“.
                       Vaughan Williams
                       (Naxos Historical) und
                       Simon Rattle (EMI).



      Mehr Holst auf der crescendo-premium-CD
rezension 26 | crescendo 06 2006



Runnicles´ „Tristan“                                    Dokumentation des Pianisten                            Rostro spielt Haydn
Der endlose                                             Der Gouldene                                           Der alte Mann
Bogen                                                   Mond                                                   und das Cello
Klar und deutlich. Der letzte große „Tristan“           Der außerirdische Pianist. Da steht ein Mond           Hayden im Rausch der Schönheit. Er hat die
war ein gigantischer Erfolg – mehr kann Oper auf        am Himmel und da sitzt ein Mann am Klavier. Und        Renaissance des Cellos begründet: Mstislaw
CD nicht erreichen als die Einspielung mit Plácido      schon diese erste Einstellung zeigt: In diesem Film    Rostropowitsch ist der Peter Ustinov der Musik
Domingo unter dem Dirigat von Pappano bei EMI.          geht es um unsere Erde und um das Außerirdi-           – ein alter, weiser Herr des Klanges. Inzwischen
Nun hat Warner gekontert und ebenfalls einen            sche der Musik. Regisseur Bruno Monsaingeon            hat er sich zurückgezogen, widmet sich der Nach-
neuen „Tristan“ herausgebracht. Donald Runnicles        hat sich auf die Spuren von Glenn Gould gemacht,       wuchsförderung und dirigiert. Dass er das kann
dirigiert das BBC Symphony Orchestra. Er gehört         seine Wirkungsstätten aufgesucht, mit Menschen         ist nun auf einer DVD zu sehen, auf der Rostro-
zu den Dirigenten, die sich im Maestro-Jet-Set          gesprochen, die ihn gekannt haben, die in seinen       powitsch Haydns Cello-Konzerte spielt. Natürlich
eher in der zweiten Reihe bewegen. Dabei ist er         Konzerten waren, die mit ihm gearbeitet haben –        dirigiert er – en passant – die Academy of St
besonders bei Wagner ein alter Haudegen. Und            so ist eine Dokumentation entstanden, die selbst       Martin in the Fields. Die Aufnahme ist eine Doku-
daraus schlägt er nun Kapital. Runnicles dirigiert      wie eine große Fuge ist. Ausgangs- und Endpunkt        mentation des perfekten alten Klanges. Es ging
mit erfrischender Klarheit, verkrümelt sich nie in      ist die Heimat des Klavierspielers: Toronto. Und im    in dieser Zeit, die Aufnahmen stammen aus dem
romantischen Nebelwelten, sondern bringt Licht,         Hintergrund spricht immer der Meister selbst und       Jahre 1975, noch nicht wirklich um die Erkennt-
selbst in die Schattenseiten der Liebe. Grundidee       erinnert sich an sein Leben.                           nisse der historischen Aufführungspraxis, sondern
seines „Tristan“ scheint die endlose Melodie de-        Originalbilder aus Konzerten werden geschnitten        viel eher um die Suche nach dem Schönen. Hinter
ren Bogen er tatsächlich über alle vier CDs spannt.     mit einem modernen Publikum vor einem CD-Player        einer technisch polierten Oberfläche ohne Makel
Christine Brewers Isolde legt die Partie mit gro-       in dem die Klavier-Legende spielt. Highlights des      lässt er musikalische Innigkeit hören. Eine Ästhe-
ßem lyrischem Atem und abgründigen Tiefen in            Filmes sind natürlich die Konzertmitschnitte, in de-   tik, in der es nichts Störendes gibt. Aus der histo-
ihrem Sopran an, John Trewleavens Tristan-Tenor                                 nen Gould von Chopin über                               rischen Distanz klingt das
ist besonders in den sanften Passagen samtig                                    Beethoven bis Wagner fast                               fast ein bisschen zu schön
                       weich, kämpft allerdings in                              alles spielt und die Inter-                             – aber damals war die Welt
                       den finalen Höhen.                                       views mit dem Pianisten.                                ja auch noch in Ordnung.

                        Richard Wagner: „Tristan und                            Monsaingeon: „Glenn Gould                             Joseph Haydn: „Cello Konzer-
                        Isolde“. Runnicles (Warner).                           Hereafter“ (Ideale Audience).                          te“, Rostropowitsch (Unitel).




Álvarez-Quartett mit Strauss                            Die Serie „Great Composers“                            Henzes Kammermusik
Die Innigkeit                                           Mozart                                                 Worte
tiefer Trauer                                           für alle                                               ohne Worte
Kammermusikalische Erinnerung. Auf dem                  Ende der Mythen. Zu Mozarts Geburtstag                 Klang der Bilder. Sprache ohne Worte zeich-
Doppel-CD-Album „In memoriam Bodo Hersen“               ist in der Reihe der BBC und NVC Arts „Great           net die Kammermusik Hans Werner Henzes aus.
spielt das Quartett zwei Stücke in c- Moll von          Composers“ eine sehenswerte Dokumentation              Henze hat mit Dichtern wie Bachmann und Bond
Wilhelm Petersen, op. 42, und Richard Strauss,          erschienen. In zwölf Kapiteln wird mit Hilfe von       zusammengearbeitet. Und das blieb nicht ohne
op. 13. Die Aufnahme entstand 2002 und wurde            Wissenschaftlern, Opernsängern und Historikern         Einfluss auf sein kompositorisches Denken. Eine
Bodo Hersen gewidmet, der 2004 verstarb. Hersen         auf musikwissenschaftlichem Niveau mit großer          außergewöhnliche Beziehung von Sprache und
war der Bratscher des Álvarez-Quartetts, zu dem         Leidenschaft ein Panoptikum eröffnet. Es wird mit      Musik findet sich in den „Neuen Volksliedern und
noch Carmen Piazzini (Piano), Werner Grobholz           alten Mythen aufgeräumt, der Saga vom „Wunder-         Hirtengesängen“, in denen Henze ein textiertes
(Geige) und Peter Wolf (Cello) gehörten. Die            kind“, über das Zerwürfnis mit seinem Vater, der       Vokalwerk in eine Instrumentalkomposition um-
melancholische Musik fügt sich in ihrer innigen         Heirat mit seiner Frau Constanze bis hin zu seiner     wandelt.
Empfindsamkeit in die herbstliche Stimmung. Au-         plötzlichen schweren Krankheit mit Todesfolge er-      Entstanden ist eine leise und eindringliche Musik,
ßerdem: Vier kleine Kompositionen für Klavier-          zählt. Das London Symphony Orchestra steuert die       die ein melancholisches Landschaftsbild erzeugen
quartett aus der Feder Richard Strauss‘, der sich der   Musik bei, in Auszügen von Streichkonzerten und        möchte, das einem Traum oder einer schmerzli-
Gattung in jungen Jahren widmete. Wilhelm Pe-           namhaften Opern. Die Dokumentation eignet sich         chen Erinnerung gleichkommt. Die Musik zu „Der
tersens „Klavierquartett c-Moll“, op. 42, liegt auf     für Laien ebenso wie für Fachleute. Und Mozart         junge Törless“ wurde von Henze für den Film von
diesem Album erstmals auf CD vor. Es ist eine Um-                             ist nur eine Folge von vielen    Volker Schlöndorff komponiert. Die hohen spiel-
arbeitung einer Sonate für Violine und Klavier, op.                           „Composer“-Porträts.             technischen Anforderungen der Kompositionen
                        6, die 1921/22 komponiert                                                                                     bewältigt das Ensemble
                        und uraufgeführt wurde.                               „Great Composers: Mozart“,                              Villa Musica virtuos.
                                                                              BBC series (NVC Arts).
                        Álvarez-Quartett :                                                                                            Hans Werner Henze: „Cham-
                        „In memoriam Bodo Hersen“                                                                                     ber Music, Vol. 2“, Ensemble
                        (editionhera).                                                                                                Villa Musica (MDG Gold)
                                                                                                                                                                         crescendo 06 2006 | 27 rezension



                                                                                                                                                              Schostakowitschs Nr. 13
                                                                                Debüt des Monats                                                              Um das eigene
                                                                                Die Pianistin Evgenia Rubinova
                                                                                                                                                              Leben singen
                                                                                                                                                              Tiefgreifende Häppchen aus sechs Jahrhun-
                                                                                Nach dem sensationellen Gewinn der Silbermedaille beim Interna-               derten. Es war noch einmal eine große Kraftan-
                                                                                tionalen Klavierwettbewerb in Leeds 2003 begann die Karriere der              strengung, die Dmitri Schostakowitsch mit seiner
                                                                                Pianistin Evgenia Rubinova. Nun stellt sie bei EMI ihre erste CD mit          13. Sinfonie angenommen hat: Ein Werk über das
                                                                                Werken von Schumann, Chopin und Brahms vor.                                   Böse im Menschen, die Vernichtung der Juden –
                                                                                                                                                              aber auch musikalische Plakat-Propaganda für die
                                                                                                                                                              Sowjetunion. Das ganze, zerrissene Spannungs-
                                               1. Der Anfang:                                                                                                 feld des Komponisten tut sich in dieser Sinfonie
                                                    Ich spiele mein Instrument, weil ...
                                                                                                                                                              auf, die Roman Kofman nun mit dem Beethoven-
                                               ...Musik eine Sprache ist, die keine Übersetzung braucht. So kann ich mich grenzenlos ausdrücken.
                                                                                                                                                              orchester Bonn eingespielt hat. Damit setzt er ei-
                                               2. Der Aufbau:                                                                                                 nen der eigenwilligsten Schostakowitsch-Zyklen
                                                    Der wichigste Satz in meiner Ausbildung war ...                                                           fort. Auch in der 13. Sinfonie kracht es wieder,
                                               ...der, dass die Sätze, die man für wahr hält, beständig hinterfragt werden müssen. So gibt es für             wird es archaisch, um dann in die lyrischen und
                                               jede Phase des Lebens verschiedene Sätze, die einen weiterbringen.
                                                                                                                                                              epischen Extreme zu verfallen. Eine Gewaltmu-
                                               3. Die Parallelen:                                                                                             sik, über die Joseph Brodsky einmal sagte: „In
                                                    Vorbilder sind wichtig, weil sie ...                                                                      dieser Tragödie ist es nicht der Held, der stirbt,
                                               ...wie Wegweiser eine Richtung zeigen, die man selbst aber meist nicht einschlägt.                             sondern der Chor.“ Und das ist in diesem Fall der
Mehr Rubinova auf der crescendo-premium-CD




                                                                                                                                                              um Leib und Seele singende Czech Philharmonic
                                               4. Das Heute:
                                                    Mein größter Erfolg war ...                                                                                                     Choir Brno.
                                               ... das Finale im Leeds-Klavierwettbewerb mit Mark Elder, das über das Konzert mit dem London
                                               Philarmonic Orchestra in der Royal Festival Hall zu meinem Vertrag mit EMI geführt hat.                                              Dmitri Schostakowitsch:
                                                                                                                                                                                    „Sinfonie Nr. 13“. Kofman
                                               5. Das Morgen:                                                                                                                       (MDG).
                                                    In meinem Leben will ich noch unbedingt...
                                               ...etwas Bleibendes zur Musik beitragen.

                                               6. Das Letzte:
                                                    Wenn Sie mich in zehn Jahren fragen, werde ich ...
                                               ... hm, darüber werde ich in zehn Jahren gerne mit Ihnen sprechen.

                                                         Evgenia Rubinova: „Fantasien“ von Chopin, Schumann und Brahms (EMI)



                                             Orchester Mobius: Villa-Lobos                          „The Berlin Philharmonic“
                                             Karibik für                                            Tradition eines
                                             Kammerorchester                                        Orchesters
                                             Lauscht man den Kompositionen Villa-Lobos´, as-        Musik in der Metropole. Nur der Anfang dieses
                                             soziiert man karibische und lateinamerikanische        Filmes über die Berliner Philharmoniker ist etwas
                                             Bilder. Dies mag mit Villa-Lobos´ brasilianischer      verwirrend. Dort wird dauernd von der Hoffnung
                                             Herkunft zusammenhängen und mit seinen Rei-            auf den Aufbruch geredet, und davon, dass es
                                             sen durch die Karibik. In seinem Leben entstanden      das Wichtigste sei, den alten, guten und schönen
                                             zwölf Sinfonien und siebzehn Streichquartette          Klang nicht zu verlieren. „The Berlin Philharmonic
                                             und die „Bachianas brasilieras“. Seine nicht immer     Story“ wurde kurz nach dem Amtsantritt Simon
                                             charakteristischen Kammermusikwerke erreichten         Rattles aufgenommen. Und der Film ist eine Lehr-
                                             große Raffinesse. Das 1950 entstandene „Asso-          stunde in Sachen Tradition. Und darin, wie Musik
                                             bio a Játo“ ist ein Beispiel für die späte Kammer-     und die politische und gesellschaftliche Wirklich-
                                             musik Villa-Lobos´. Eines seiner letzten Werke         keit Berlins ineinander verzahnt sind. Eine Doku-
                                             ist das „Quintette instrumental“. Anspruchsvoll                              mentation über Furtwängler,
                                             eingespielt wurde die Musik für Geige, Bratsche,                             Karajan, Abbado und ihre
                                                                     Harfe, Cello und Flöte vom                           Vorgänger. Ein Film, der in
                                                                     Orchester Mobius.                                    die Vergangenheit schaut,
                                                                                                                          um in die Zukunft zu führen.
                                                                   Villa-Lobos:
                                                                   „Chamber Music“,                                       „The Berlin Philharmonic
                                                                   Orchester Mobius (Naxos).                              Story“, Günter Atteln (Euroarts)




                                                                                                                                                     Unbenannt-1 1                                    30.08.2006 13:48:48
rezension 28 | crescendo 06 2006




                                                                                                                                               Von

Früher hat Ton Koopman in Konzertpau-                   wichtigsten Erkenntnisse in meinem Leben.“ Er hat        seinem Orchester, das er 1979 gegründet hat. „Wir
sen Briefe von Amnesty International vor-               eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen und das          wissen alle, dass es bei jedem Auftritt um alles geht,
lesen lassen. Früher war Ton Koopman ein                Vorhaben unter eigenem Namen zu Ende geführt.            und dass wir versuchen müssen, die Tradition, mit
Musik-Revoluzzer, ein eingefleischter Ver-                  Inzwischen gelten die Einspielungen der Bach-        der wir angetreten sind auf der einen Seite zu be-
fechter der historischen Aufführungspra-                kantaten als Referenzaufnahmen, Koopman hat die          wahren, und sie auf der anderen Seite an die neue
xis. Früher war Ton Koopman ein enfant                  besten Sänger zusammengetrommelt, und immer,             Zeit anzupassen.“ Früher war das Amsterdamer Ba-
terrible des Klassik-Establishments. Heu-               wenn er selbst das Continuo spielt, wird es wirklich     rockorchester ein Haufen wilder Musiker, die auf his-
te ist er einer der wichtigsten Dirigenten              spannend: dann flackert es, dann sorgen seine Im-        torischen Instrumenten experimentiert haben. Heute
für Alte Musik und das Barock. Und heute                provisationen für Reibungen, dann gibt er einen oft      sind sie ein musikalisch erstklassiger Verein und ein
sagt Ton Koopman, ohne mit der Wimper                   eigenwilligen Takt an. Und das Amsterdamer Ba-           wirtschaftliches Erfolgsmodell.
zu zucken, dass er früher „ein Linker“ ge-              rockorchester folgt ihm bei jeder Verrücktheit.
wesen sei – das klingt sogar ein bisschen                   Die Hypothek ist zwar immer noch nicht abge-         Von Bach zu Buxtehude
stolz. Und es schwingt da dieser Unterton               stottert, aber die Investition hat eine neue Erkennt-    „Jeder im Orchester weiß um den Weg, den wir ge-
mit, der sagt: „Das war schon richtig und               nis gebracht: „Wenn man wirklich von einer Sache         meinsam gegangen sind. Und jeder von uns ist stän-
wichtig damals. Aber heute müssen wir das               überzeugt ist, dann kann man sie auch machen. Die        dig auf der Suche nach Mitgliedern, die zu unserem
alles nicht mehr ganz so ernst sehen.“                  Grenzen liegen immer nur im Kopf.“                       Klang passen“, sagt Koopman. Viele Gäste kommen
                                                                                                                 nicht wegen des Geldes, sondern weil sie mit dem
    Ton Koopmann sitzt in einem Berliner Café und       Musik als Vorbild                                        Amsterdamer Barockorchester auf eine Gruppe spiel-
trinkt Tee. Irgendwann zwischen früher und heute        Dieses Ereignis war der Grund dafür, dass aus dem        freudiger Menschen treffen. „Dieses Prinzip funktio-
war er schon einmal angekommen, im ganz großen          Koopman von früher der Koopman von heute ge-             niert natürlich auch andersherum“, erklärt Koop-
Klassikgeschäft. Damals, 1995, hat das Plattenlabel     worden ist. Er ist kein „alter Linker“, kein Ideologe    man. „Wir hatten einmal einen Geiger bei uns, der
„Erato“ ihm ein gigantisches Projekt zugesagt: die      mehr, für den das Musikalische die politische Welt       wurde gepriesen, war einer der Besten seines Faches,
Gesamtaufnahme der Bach-Kantaten. Aber nach der         bewegen soll. Seine Formel ist eine andere: Wenn es      aber schon nach einigen Konzerten merkten wir, dass
zwölften CD ist die Plattenfirma aus dem Projekt aus-   in der Musik um die Sache geht, dann kann man in         die Chemie nicht stimmt. Man hört das menschliche
gestiegen. „Das war für mich ein großer Schock“, sagt   ihr politische, soziale und wirtschaftliche Strukturen   Miteinander in der Musik – es kommt nicht immer
Koopman, „plötzlich stand ich vor dem Nichts. Erst      neu erfinden.                                            auf die Perfektion des Spieles an.“
einmal ging es gar nicht um das Geld, sondern um das        Die Finanzierung opulenter Plattenprojekte ist           Das Bach-Projekt dauerte zehn Jahre. Aber eine
Ende eines Traumes. Aber dann habe ich gemerkt,         nur ein neuer Weg, den der Dirigent gegangen ist.        Pause gönnt sich Koopman nicht. Nach dem Super-
dass Lamentieren nichts hilft – und das war eine der    Wie ein Unternehmen funktioniert, zeigt er auch an       star des Barock hat er nun dessen Vorgänger entdeckt
                                                                                                                                                               RE.FORM
                                                                     crescendo 06 2006 | 29 rezension




                                                                                                                                                                                                 Pa r t n e r f ü r

                                                                                                                                                                     ungewöhnliche
                                                                                                                                                                        Chorprojekte
   Der Musik-Revoluzzer                                                                                                                                                                                       Simple Gifts
                                                                                                                                                                                                              In Kompositionen aus der Zeit

    Ton Koopman                                                                                                                                                                                               um 1940 von Aaron Copland,
                                                                                                                                                                                                              Samuel Barber, Randall Thomp-




Bach zu
                                                                                                                                                                                                              son, Michael Tippett und Ben-




                                                                                                            Fotos: Sunny Moon, Challenge, Collage: crescendo
                                                                                                                                                                                                              jamin Britten reichen die In-
                                                                                                                                                                                                              spirationsquellen von mittelal-
                                                                                                                                                                                                              terlichen Balladen über die




 Buxtehude
                                                                                                                                                                                                              englische Renaissance-Poly-
                                                                                                                                                                                                              phonie bis zu Seemannsliedern
                                                                                                                                                                                                              und Spirituals. Der Rundfunk-
                                                                                                                                                                                                              chor zeigt die faszinierende
                                                                                                                                                                         COV 40611                            Vielfalt dieser innerhalb weni-
                                                                                                                                                                         ab Oktober 2006                      ger Jahre entstandenen Werke.

                                                                                                                                                                         Christian Jost – Angst
                                                                                                                                                                         LIVE RECORDING
                                                                                                                                                                         Mit der Uraufführung der Chor-
                                                                                                                                                                         oper von Christian Jost unter-
                                                                                                                                                                         nimmt der Rundfunkchor „Eine
– und einen in der Musikgeschichte weitgehend ver-                                                                                                                       Reise ins Innere der Angst“. Wo
gessenen Komponisten: Dietrich Buxtehude. Der            Zur Person: Ton Koopman                                                                                         kommt sie her? Was sind ihre
                                                                                                                                                                         Beweggründe? 5 Pforten der
Protagonist der Norddeutschen Orgelschule war eine       Der Dirigent ist ein Tausendsassa: Tagsüber                                                                     Angst ist keine klassische Hand-
Ikone seiner Zeit. Johann Sebastian Bach legte 300       arbeitet er als Cembaloprofessor am Konser-                                                                     lungsoper – vielmehr wird hier
                                                                                                                                                                         statt einzelner Figuren der Chor                         COV 60609
Kilometer zu Fuß zurück, um sein musikalisches           vatorium von Den Haag und als Professor für                                                                     zur treibenden Kraft.
Vorbild in Lübeck zu hören. Vermutlich nahm Bach         Musikwissenschaft an der Universität von
1705 auch Unterricht bei Buxtehude. Der Aufenthalt       Leiden. Zu Hause ein passionierter Sammler                                                                                                           Rodion Shchedrin
in Lübeck bedeutete für Bach so viel, dass er seinen     von Drucken, Büchern und Grafiken aus dem                                                                                                            Der versiegelte Engel
Aufenthalt ohne Absprache zu Hause verlängerte und       18. Jahrhundert.                                                                                                                                     Erst in der Zeit der Öffnung
seine Stellung als Organist aufs Spiel setzte.           1944 wurde Koopman im niederländischen                                                                                                               sowjetischer Kulturpolitik unter
                                                                                                                                                                                                              Michail Gorbatschow erfüllte
    Wenn Koopman eigenhändig Buxtehude spielt,           Zwolle geboren, studierte Musik in Amsterdam                                                                                                         sich Rodion Shchedrin den lange
wie zum Beispiel auf der ersten CD mit Cembalokon-       und gründete 1979 das Amsterdam Baroque                                                                                                              gehegten Traum, eine orthodo-
                                                                                                                                                                                                              xe Liturgie in der Tradition der
zerten, dann wird aus dem oft langweilig gescholte-      Orchestra und 1992 den Amsterdam Baroque                                                                                                             Vespern Tschaikowskis und Rach-
nen Komponisten plötzlich ein Abenteurer, ein früher     Choir. Das Orchester spielt auf alten Instrumen-                                                                                                     maninows zu schreiben. Der ver-
                                                                                                                                                                                                              siegelte Engel feiert in leuch-
Grenzgänger am Rande der strengen Form. 25 weitere       ten. Aber während Koopman früher ein Hardli-                                                                    COV 60504                            tenden Farben die Widerstands-
Platten sollen folgen.                                   ner der historischen Aufführungspraxis war, ist                                                                                                      kraft des Menschen.

    Es gab schon einmal einen Dirigenten und Exper-      er inzwischen auch offen für Orchester auf neu-                                                                 True Light
ten für Alte Musik, der einen vergessenen Komponis-      en Instrumenten. Er tritt als Gastdirigent beim
                                                                                                                                                                         LIVE RECORDING
ten bekannt gemacht und in das gängige Repertoire        Bayerischen Rundfunk, dem Tonhalle-Orchester
                                                                                                                                                                         Weihnachtsmusik aus verschie-
gehoben hat: Nikolaus Harnoncourt ist das mit Monte-                            Zürich und dem Chicago                                                                   densten Epochen und Kulturen
verdi gelungen.                                                                 Symphony Orchestra auf.                                                                  klingt oft ganz anders, als wir
                                                                                                                                                                         uns „weihnachtlich“ vorstellen.
    Und das ist der große Traum Koopmans: „Wäre                                                                                                                          Die Entdeckungsreise beginnt
es nicht wunderbar, wenn Lübeck irgendwann nicht                                Von Ton Koopman sind                                                                     mit einem mittelalterlichen Hym-
                                                                                                                                                                         nus und führt über die italieni-
mehr nur mit Thomas Mann in Verbindung gebracht                                 gerade erschienen: Bux-                                                                  sche Renaissance bis ins 20. Jahr-
wird, sondern auch mit Dietrich Buxtehude?“, fragt                              tehudes Cembalowerke                                                                     hundert. Die überwältigende
                                                                                (Challenge) und von Bach                                                                 Akustik des Berliner Domes er-                           COV 50508
er und rührt wieder in seinem Tee. Er lächelt dabei,                                                                                                                     möglicht auf dieser Surround-
                                                                                die Kaffeekantate (Sunny                                                                 SACD ein einzigartiges Hörer-
so wie der Ton Koopman von früher. Aber inzwischen
                                                                                Moon). Diese CD gibt                                                                     lebnis.
scheint er auch noch an seine eigenen Ideale und                                es für neue crescendo
Revolutionen zu glauben.                Moritz Meinken                          premium-Kunden als Be-                                                                                      COVIELLO CLASSICS
                                                                                grüßungsgeschenk.                                                                                   Mielke Bergfeld Musikproduktion KG
       Mehr Koopman auf der crescendo-premium-CD                                                                                                                                           www.CovielloClassics.de
                                                                                                                                                                                        www.Rundfunkchor-Berlin.de
                                                                                                                                                                               Im Vertrieb von                     www.Note-1.de
spielplan 30 | crescendo 06 2006




                                                                         Das müssen Sie gese


                                                                    München:
                                                                    Kent Nagano.
                                                                                                       Die 10
                                                                                                         Die neue Spielzeit beginnt. Und crescendo
                                                                                                         stellt ihnen die zehn Orte vor, an denen Sie in
                                                                                                         dieser Saison unbedingt gewesen sein sollten.



                                                                                       1       Paris: La Bastille
                                                                                        Er hat so ungefähr das gesamte Opern-Europa umgekrempelt. Nun
                                                                                        hockt Gérard Mortier im vielleicht schwerfälligsten Operndampfer, dort
                                                                                        wo die letzte Revolution im 18. Jahrhundert stattgefunden hat – an der
                                                                                        Bastille in Paris. Der Intendant vertraut alten Rezepten und Freunden.
                                                                                        Aber das macht seinen Spielplan nicht uninteressanter. Der Grand-
                                                                                        seigneur der Theaterregie, Luc Bondy, wird bei ihm Mozarts „Idome-
                                                                                        neo“ inszenieren – dirigiert von Thomas Hengelbrock (30.11.) und be-
                                                                                sonders gespannt darf man auf Christoph Marthalers Lesart der „La Traviata“
                                                                                sein (16.6.07).

                                                                                2       New York: MET
                                                                                Wer sagt eigentlich, dass die New Yorker Oper ein Museum der Tonkunst ist?
                                                                                Klar, es mufft ein bisschen im Repertoire. Aber die Überraschungen sind umso
                                                                                prickelnder. Zum Beispiel die Uraufführung einer Tan Dun Oper. Der Chinese

3
                                                                                stellt sein Werk „The First Emperor“ vor – und dirigiert selbst (21.12.).
       Berlin: Komische Oper
Lange hat Intendant Andreas Homoki nach einem eigenen Profil gesucht – und
die enttäuschendsten Opernabende an der Komischen Oper gab es, wenn er
selbst inszeniert hat. Homoki versucht in der Krise der Berliner Opernhäuser
neues Publikum zu gewinnen – meist mit anbiedernden Projekten. Aber
diese Spielzeit hat er die interessantesten Gäste an sein Haus geladen:
Höhepunkt der Saison wird sicherlich die „Zauberflöte“ von Hans Neu-
enfels (25.11.). Mit seinen Inszenierungen an der Komischen Oper ist er
im letzten Jahr zum „Regisseur des Jahres“ gewählt worden. Außerdem
interessant: Willy Dekkers „Hoffmanns Erzählungen“ (4.2.07) und Peter
Konwitschnys „Land des Lächelns“ (1.7.07).



                                      4      London:
                                      Covent Garden
                                      Es wird die Rückkehr des verlorenen
                                      Sohnes sein, wenn Simon Rattle am
                                      Royal Opera House Covent Garden
                                      Debussys „Pelleas“ dirigiert (29.4.07)
                                      – seine Interpretation mit den Berliner
                                      Philharmonikern bei den Salzburger
                                      Osterfestspielen war umstritten. Nun
                                      wird er aus dem Graben versuchen,
                                      der Regie von Stanislas Nordey Leben
                                      einzuhauchen.
London: Simon Rattle.
                                                                     Berlin:
                                                            Andreas Homoki.
                                                                                                                                                                                                                                              crescendo 06 2006 | 31 spielplan




    hen haben



                                                                                                                   Besten                                                                                                               Paris: Gérard Mortier.




                                                                                                                   5      Dresden: Semperoper                                                       9        Stuttgart: Staatsoper
                                                                                                                   Die Dresdner Semperoper praktiziert seit einigen Jahren erfolgreich den Spa-     In Stuttgart beginnt eine neue Ära. In Hannover musste Intendant Albrecht
                                                                                                                   gat zwischen Repräsentationsoper und der Erneuerung des Genres – das ging        Puhlmann viel Prügel einstecken. Nun übernimmt er ein großes Erbe. Klaus Ze-
                                                                                                                   mal glimpflich ab, als Philipp Himmelmann Verdis „Macbeth“ inszenierte und       helein hat sich zurückgezogen. Er war der Vater des Regietheaters. Puhlmann
                                                                                                                                                                 endete im Skandal als Sebas-       tritt in seine Fußstapfen. Er setzt auf Altbekannte wie Jossi Wielers „Pelleas“
                                                                                                                                                                 tian Baumgarten Bergs „Woz-        (29.4.07) und auf David Aldens „Jenufa“ (14.1.07).

                                                                                                                                                                                                    10
                                                                                                                                                                 zeck“ in den Baumarkt verleg-
                                                                                                                                                                 te. Die junge Regisseurin Vera                  Mailand: La Scala
                                                                                                                                                                 Nemirova ist eine Konwitsch-       Das Hick-Hack der letzten Jahre war riesengroß. So groß, dass Dirigentenstar
                                                                                                                                                                 ny-Schülerin. Sie hat an kleine-   Riccardo Muti das Handtuch geworfen hat. Einige Mailänder glaubten, dass
                                                                                                                                                                 ren Häusern für Aufsehen ge-       es ohne ihn nicht weitergehen würde. Nun können sie sich auf die künstleri-
                                                                                                                                                                 sorgt, an der Deutschen Oper       sche Konsolidierung des legendären Opernhauses freuen. Der Tausendsassa
                                                                                                                                                                 Puccinis „Mädchen aus dem          Stéphane Lissner hat als neuer Intendant schon alle internationalen Strippen
                                                                                                                                                                 goldenen Westen“ inszeniert.       gezogen. Die engsten Bande verbinden ihn mit der Staatsoper in Berlin. Der
                                                                                                                                                                 In Dresden wird sie sich Verdis    dortige Dirigent, Daniel Barenboim wird Principal Guest Conductor in Mailand
                                                                                                                                                                 Helden „Otello“ vorknöpfen         – und Staatsopern-Intendant Peter Mussbach wird die Saisoneröffnung in-
                                                                                                                                                                 (14.10.). Wer das verpasst,        szenieren (10.10.): Mozarts „Don Giovanni“ unter der musikalischen Leitung
                                                                                                                                                                 kann sich die Regisseurin auch     des neuen Klassik-Shooting-Stars aus Venezuela: Gustavo Dudamel. Außer-
                                                                                                                                                                 noch einmal in Frankfurt an-       dem sollte man sich nicht den „Lohengrin“ in der Inszenierung von Nikolaus
                                                                                                                                                                 schauen. Dort inszeniert sie       Lehnhoff und Daniele Gattis Dirigat entgehen lassen (17.1.07).
                                                                                                                    Dresden: Vera Nemirova.
                                                                                                                                                                 „Tannhäuser“.

                                                                                                                   6      Amsterdam:
Fotos: Theresia Linke, Komische Oper, Semperoper, Bastille, Universal, Bayerische Staatsoper, Wilfried Hösl, EMI




                                                                                                                   De Nederlandse Opera
                                                                                                                   Gibt es irgend etwas, was man im Mozart-Jahr noch nicht gesehen
                                                                                                                   hat? Ha! Wem die Salzburger Mozartkugeln noch nicht schwer im
                                                                                                                   Bauch liegen, der sollte sich drei Tage frei nehmen und nach Ams-
                                                                                                                   terdam fliegen. Dort inszeniert Jossi Wieler Mozart und Ingo Metz-
                                                                                                                   macher dirigiert: „Cosi“, „Giovanni“ und „Figaro“ (17., 18., 19.11.).

                                                                                                                   7      München: Bayerische Staatsoper
                                                                                                                   Es ist nicht wirklich abzusehen, was wird, wenn die neue Ära beginnt. Zubin
                                                                                                                   Mehta ist gegangen und wird durch Kent Nagano ersetzt. Nach Christian Thie-
                                                                                                                   lemann der zweite Bayern-Import aus Berlin. Nagano eröffnet die Spielzeit mit
                                                                                                                   der Uraufführung von Wolfgang Rihms neuem Werk „Das Gehege“ (27.10.)

                                                                                                                   8      Wien: Staatsoper
                                                                                                                   Intendant Ion Holender ist ein schlauer Fuchs. Er setzt auf Stimmen, auf Ne-
                                                                                                                   trebko und Villazón. Aber er lockt auch mit Spannendem. Zum Beispiel mit
                                                                                                                   Christine Mielitz´ „Otello“ (25.10.) und besonders mit der „Arabella“ unter
                                                                                                                   Welser-Möst und in der Regie von Sven-Eric Bechtolf (9.12.).

                                                                                                                                                                                         Mailand:
                                                                                                                                                                                 Gustavo Dudamel.
dramolet 32 | crescendo 06 2006




Ein Dramolet über die Musik und die Menschen


Mozart und Gott im Himmel
Bei den Salzburger Festspielen wurde behauptet, dass Mozarts Musik göttlich sei. Die Wahrheit ist:
Seit Jahren beobachtet der Komponist die Welt für seinen Herren und liefert ihm jeden Abend eine
Oper. Ein Disput über den Wolken.

Vor 250 Jahren hat Gott eines seiner Kinder             dem habt Ihr die Welt doch selbst so erfunden. Ich       wirklich, dass in der Oper dauernd auf der goldenen
auf die Welt geschickt, um zu sehen, wie es             habe damit nichts zu tun – ich gieße sie in Noten,       Harfe gezupft wird?
dort so geht und steht: den Komponisten                 so wie sie ist. Ihr, Gott, habt die Sünde ins Paradies   Gott: Mein Gott, das wäre schön!
Wolfgang Amadeus Mozart. Er fand auf der                gepflanzt. Es war eben ein Konstruktionsfehler, den      Mozart: Und warum habt Ihr dann den alten Bach
Erde die Hölle und dachte, im Paradies zu               Baum der Versuchung aufzustellen. Schaut doch            als „Ohr Gottes“ auf die Hartz IV-Wolke verbannt?
sein. Gottes Sohn frönte dem Glücksspiel,               mal nach Bayreuth: Ihr habt nichts von Wotan ge-         Gott: Bei Bach war die Welt wenigstens noch in
der Lust und brach so ziemlich alle Gebote.             lernt. Der hat einen Goldklumpen in den idyllischen      Ordnung, da war Dur noch Dur und Moll noch
Grund genug, für den alten Herren, sein                 Rhein gelegt und damit meinem Kollegen Richard           Moll. Ach, Mozart, wie ich sein „Wohltemperier-
Kind schon nach 35 Jahren in die Wolken                 den Grund für den „Ring“ gegeben.                        tes Klavier“ vermisse. Schließlich habe ich den
zurückzuholen. Dort tut Mozart seither als              Gott: Der Baum war eine Prüfung für die                  Menschen die Musik gegeben, damit sie meine
„Ohr Gottes“ seinen Dienst, beobachtet die              Menschen.                                                Existenz erkennen können. Beethoven statt Ba-
Welt und liefert Abend für Abend eine Oper              Mozart: Die Menschen, die Sie selbst geschaffen ha-      bel. Musik ist das Paradies auf Erden!
über das Tagesgeschehen ab.                             ben, Lieber Gott? Seid doch nicht immer so moralisch,
                                                        Herr. Was habt Ihr denn von Eva erwartet? Dass sie
Gott: Das war aber wieder ein fürchterlicher Tag,       einfach so vorbeigeht? Ich habe es doch komponiert:                                            Der ganze Mozart
lieber Mozart. Lernen die Menschen denn gar             „Frauen wissen wenig, aber plappern viel.“                                                     auf DVD
nichts dazu?                                            Gott: ... die „Zauberflöte“, ich weiß.                                                          Bei den Salzburger Fest-
                                                                                                                  Foto: Salzburger Festspiele




Mozart: Doch, mein Herr, sie lernen jeden Tag           Mozart: Und wenn die Menschen wüßten, dass Sie                                                  spielen wurden sämtli-
– immer wieder das Selbe. Glauben, lieben, hoffen...    sich jeden Sonntag zum Poker mit Luzifer treffen und                                            che Mozartopern aufge-
Ni-na-nüchtern und besoffen...                          um die arme Seele Wagners zocken...                                                             führt. Schon im Oktober
Gott: Mozart, reißt Euch zusammen. Hört auf             Gott: Ihr habt es doch keinem verraten, oder?
                                                                                                                                                        erscheint „Mozart 22“
mit diesem Schabernack.                                 Mozart: Grämt Euch nicht, Gott. Erst mit diesen
                                                                                                                            als DVD-Box bei Unitel/DG. Eines der größten audio-
Mozart: Aber mein Herr, ist es nicht so, dass Kinder,   kleinen Fehlern ist Eure Welt ein echtes Kunstwerk
                                                                                                                            visuellen Projekte im Mozartjahr. Mit dabei: Anna
Verrückte und Trinker die Wahrheit sagen? Außer-        geworden. Das Gute braucht das Böse. Oder wollt Ihr
                                                                                                                            Netrebko (Bild), Nikolaus Harnoncourt u.v.a.
                                                                       crescendo 06 2006 | 33 dramolet




                                                                                                                       Jutta Speidel
                                                                                                                             Bruno Maccallini

                                                                                                                         Das     Hohelied
                                                                                                                                der Liebe
                                                                                                                    Eine poetische Klangreise in
                                                                                                                    die 2500 Jahre alte Liebeslyrik
Mozart: Papperlapapp. Nun werdet mal nicht grö-           Gott: Ihr meint, die Menschen sehnen sich nicht           des Alten Testaments.
ßenwahnsinnig. Musik schwitzt. Musik stinkt. Mu-          mehr nach Erlösung? Aber warum hören dann                 Eine Araberin liebt einen Juden
sik ist Fleisch. Musik lässt die Zeit stehen. Musik hat   all Eure Opern im Guten auf?
                                                                                                                    – damals wie heute eine über-
Puls und Blutdruck, sie ist das EKG Eurer Welt. Musik     Mozart: Ist Euch wirklich nie aufgefallen, Herr, dass
kommt nicht aus dem Himmel. Sie wird mit beiden           meine besten Opern nicht von Euch reden, nie von          menschliche Herausforderung
Füßen auf der Welt gemessen. Noten sind nackte            der Welt im Himmel, sondern von der auf Erden? Seid       an das stärkste aller Gefühle.
Menschen. Wusstet Ihr überhaupt, dass man Euch            Ihr denn wirklich so weltfremd wie die sogenannten        Acht Liebesgedichte verwan-
auf der Erde längst für tot erklärt hat?                  Politiker?
                                                                                                                    deln sich in Oasen magischer
Gott: Das war dieser verdammte Nietzsche!                 Gott: Mozart, Ihr macht mir Angst.
– Jetzt brodelt er mit Wagner in der Hölle und            Mozart: Weil Ihr ein verdammter Perfektionist seid,       Malereien aus Sprache.
tauscht Seidenunterwäsche. Ich habe gehört,               Gott. Aber die Menschen lieben Euch nicht wegen Eu-
dass sie auf der Erde schon schreiben, dass               rer Unfehlbarkeit. Sie wissen, dass die besten Götter
Ihr der neue Gott seid, Mozart. Sie haben Euch            Menschen sind und Fehler machen. Die Sünden, die
Tempel gebaut, fressen goldene Schokokugeln               Liebe, der Tod, das Unvollkommene, das sind die bes-
als Mozart-Hostien, und zu Eurem Geburtstag               ten Gottesbeweise. Das ist der Stoff der Musik.
spielen sie jetzt vollkommen verrückt, ganz               Gott: Vielleicht habt Ihr Recht, Mozart. Vielleicht
Salzburg steht Kopf!                                      ist es Zeit für mich, endlich abzutreten. Ich habe
Mozart: Meine Herren...                                   da eine Idee. Wollt Ihr nicht...
Gott: Mozart, Ihr sollt keine anderen Götter ne-          Mozart: Oh nein, mein Lieber Gott. Nein, nein, nein.
ben mir haben.                                            Vielen Dank. Ich habe schon auf der Erde keinem
Mozart: Verzeiht, Herr, aber das mit dem Himmel           Herren gehören wollen – und nie, nie wollte ich sel-
und dem Paradies kommt da unten eben nicht mehr           ber ein Herr sein.
so gut an. Das müssen Sie doch einsehen.                  Gott: Aber dann könntet Ihr die Welt in das ver-
Gott: Aber woran glauben die Menschen denn?               wandeln, was sie sein sollte: in Musik.                  CD 82876 87733 2      Ab 6.10.2006 im Handel
Auf was hoffen sie?                                       Mozart: Lieber Gott, Deine Welt ist längst eine Sinfo-                            Text
Mozart: Sie haben sich den Himmel längst auf Erden        nie. Ich bleibe lieber hier auf meiner rosa Wolke sit-             Das Hohelied Salomos
geholt. Glaubt Ihr, dass Wagner in seinem Liebestod       zen und schreibe die Töne auf. Ich will nicht richten,            aus dem Alten Testament
noch an Euch gedacht hat? Meint Ihr im Ernst, dass        nicht bewerten, nicht verbessern. Ich bin doch nur ein                         Musik von
Tristan und Isolde sterben, um sich auf einer Wolke       Komponist, Herr, und kein Gott.                                       Enjott Schneider &
unter Euren sittsamen Augen wiederzutreffen? Die          Gott: Wir sehen uns morgen, Mozart. A dieu.                           Marco Hertenstein
Liebe ist der neue Gott der Menschen, die Lust – und
                                                                                                                   Live-Lesung am 21. Oktober 2006, 20 Uhr
das war sie eigentlich schon immer.                                   Das Gespräch belauschte Axel Brüggemann
                                                                                                                          München, Allerheiligenkirche
                                                                                                                             Karten über www. muenchenticket.de
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DJ-klassik 34 | crescendo 06 2006
                                                                                                                                                    crescendo 06 2006 | 35 DJ-klassik


                     Jimi Tenor ist durch
                     verwirrende „Remixes“
                     von Klassik des 20.
                     Jahrhunderts bekannt
                     geworden.




                     Rundgang durch die aktuelle Musikszene


                     Kluger Pop ist die
                     Klassik von morgen
                     Die Masse liebt Pop, die Gebildeten wollen Klassik – und ein kleiner akademischer Zirkel hört
                     Neue Musik. In dieser Konstellation verlieren die Klassik-Neutöner allmählich Hoheit über die
                     Avantgarde. Das behauptet zumindest unser Autor Thomas Lindemann.

                     Vor 25 Jahren fuhr der berühmte Musik-                    ist Musikprofessor in Hamburg und sagt, er mache          des Rock mit der Klassik verbinden. „Ich wollte im-
                     kritiker Heinz-Klaus Metzger einmal Fahr-                 „Ü-Musik“, zwischen U und E. Und der finnische            mer Musik machen, die die Leute zum Tanzen an-
                     stuhl. Später schrieb er darüber. Spontan                 Jazz-Absolvent Jimi Tenor hat einige verwirrende          regt“, sagt der Mann aus Miami. Seine Plattenfirma
                     hatte er sich geärgert über die typische                  „Remixes“ von Klassik des 20. Jahrhunderts aufge-         untergliedert sein Schaffen in die Rubriken „Oper“,
                     Weichspüler-Musik, so genannte Muzac,                     nommen.                                                   „Orchester“, „Kammermusik“, „Dance“.
                     die wohl auf der ganzen Welt in Aufzügen                      In der Neuen Musik schien sich lange nichts zu             Ähnlich locker gehen die 20 Instrumentalisten
                     läuft. Im nächsten Moment packte ihn Ent-                 tun. Ihr Marktanteil liegt weit unter einem Prozent.      von „Alarm will sound“ mit der Tradition um. Das
                     setzen: Als ihm auffiel, dass dort in Wirk-               Das allgemeine Publikum war fern. Dabei hatte sie         Ensemble, eines der aufregendsten neuen Projekte
                     lichkeit gerade „Jeux“ lief, das revolutio-               doch einen bedeutenden Auftrag. Sie sollte die Kunst-     zwischen Klassik und Pop, spielt Stücke von Edgar
                     näre Ballett von Debussy, ein Urknall der                 form voranbringen, egal was die Sparten der Kultur-       Varèse, György Ligeti oder dem britischen Drum-
                     Moderne von 1913. „Dass ich diese Kom-                    industrie verlangen. Gute Stücke sollten ständig mit      and-Bass-DJ Aphex Twin in der gleichen Komplexität.
                     position auch nur einen Augenblick lang                   Hörerwartungen genau wie mit dem musikalischen            „Dies ist die Zukunft der klassischen Musik“, schrieb
                     mit Muzac verwechseln konnte,“ schrieb                    Material innovativ spielen. „Der Mittelweg“, lautet ein   die „New York Times“.
                     Metzger, „belehrte mich über die Chancen                  berühmter Ausspruch von Arnold Schönberg, „ist der             Auch wenn das Prinzip Zitat – oder neu ausge-
                     nicht-ideologischer Musik heute. Sie sind                 einzige, der nicht nach Rom führt.“                       drückt: „Remix“ – beliebt ist, in dieser Szene, ist es
                     gleich null.“                                                                                                       nicht ihr einziger Weg. Matthew Herbert wurde be-
                                                                               Die Generation                                            kannt als DJ und Produzent von House-Projekten wie
                         So weit hatte sich die musikalische Moderne vom       der klugen DJs                                            der Band „Moloko“. Seine eigene Musik aber steckt
                     Alltag entfernt, dass sie nicht einmal ein Experte        Sicherlich gab es schon seit einigen Jahren Versuche,     seltsam zwischen Clubszene, Neuer Musik und Ak-
                     erkannte. Beinahe bis jetzt blieb es dabei. Die zeitge-   elektronische Clubmusik zu mehr zu erheben. Es            tionskunst: Zuletzt arbeitete er nur mit Klängen, die
                     nössischen Komponisten ziehen sich in akademische         gab Terre Thaemlitz, die kleine Plattenfirma „Mille       er in einer Legebatterie gesammelt hatte oder mit
                     Zirkel zurück. Und draußen in der wirklichen Welt         Plateaux“ und eine Handvoll Musiker um die Com-           einem Fast-Food-Menü erzeugt hatte. Jeder Klang
                     gibt es nur eins: Pop, Pop, Pop.                          bo „Notwist“. Doch das alles war bemüht. Mitunter         ist, per Computer in irgendeine Tonhöhe gezogen,
                         Heute lohnt es sich, noch einmal neu über die         schaltete einfach nur einer ein kaputtes Effektgerät      für Musik brauchbar. Herberts Werk gilt als politisch-
                     Lage nachzudenken. Es gibt, nachdem der Graben            ein und ließ es laufen.                                   vegetarische Protestmusik, es wurde allenthalben als
                     zwischen Kunst- und Gebrauchsmusik lange als unü-             Nun ist die nächste Generation der klugen DJs         „experimentell“ abgestempelt.
                     berwindbar galt, wieder Berührungspunkte zwischen         und Clubmusiker da. Da stampft es und klickt,                  Dass er aber ein direkter Erbe von Karlheinz
                     der Sphäre des Populären und der Neuen Musik. Doch        etwa bei Michael Gordon: Seine Musik klingt nach          Stockhausen ist, wurde kaum bemerkt. Stockhau-
                     sie kommen nicht aus der akademischen Welt, son-          Techno, in das verhallte Schagzeug mischen sich           sen hatte Anfang der 50er in seinem Kölner Studio
                     dern von unten – von DJs und aus der Clubszene.           ploppende, perkussive Klänge vom Synthesizer. Und         stundenlang auf Felle oder Leder geklopft, seine Ton-
                         Jedenfalls macht sich im Pop-Feuilleton in letzter    dann plötzlich: Celli. Eine weiche, kurze Figur, die      bänder um ein Vielfaches beschleunigt und in der
                     Zeit auffallend häufig Ratlosigkeit breit. Was tun mit    durch mehrere Tonarten gleitet. Noch die simpelste        neuen Frequenzlage fremdartiges Surren und Pfeifen
                     Musik, die irgendwie zum Tanzen geeignet ist, in der      Techno-Nummer ist bei Gordon streng mit Mittelteil        entdeckt. Herbert geht gleich den einfacheren Weg
Foto: Guido Möbius




                     aber noch mehr steckt? Der Brite Matthew Herbert          und Reprise organisiert. Der Amerikaner studierte in      mit Hilfe des Computers, ist aber nach dem Selben
                     macht „Musik aus Nahrung“. Die Band „Between“             den 80ern in Yale und spielte parallel in New Yorker      auf der Suche: Den Grenzen im Dreiländereck von
                     wird nach 30 Jahren wieder entdeckt, ihr Gründer          Underground-Bands. Danach wollte er die Energie           Musik, Sound und Krach.
DJ-klassik 36 | crescendo 06 2006




                                   Das audiovisuelle
                               Duo „Eats Tapes“ aus
                           Kalifornien (groß) auf der
                          Transmediale. Die Lounge,
                               DJ Kodi und Publikum
                                   (rechts von oben).




     Wenn Herbert die Finte der politischen Aussage
anwendet, um in der Diskussion zu bleiben, stiehlt
er der Bildenden Kunst ein erfolgreiches Modell. Der
Trick, den die abstrakte moderne Kunst fand, um sich
vor der Bedeutungslosigkeit zu retten, war kapitalis-
tisch: Sie ist über ihren hohen Marktwert Teil der Ge-
sellschaft. Weil und indem sie an der Warenwirtschaft
teilnimmt, existiert sie weiter, auch da, wo sie sich
ästhetisch genauso entzieht wie die atonale Musik. In
einer Gesellschaft, die das Zweckfremde kaum duldet,
ist das immerhin einiges wert.
     Neue Musik hat nur einen einzigen ähnlichen
Trick gefunden: Die Filmmusik. Kein Kinozuschauer
ist zufrieden mit der Ansammlung Popsongs, die spä-
ter als Soundtrack verkauft wird. Für das emotionale
Auf und Ab eines Films braucht er den sogenannten
Score, die durchkomponierte Filmmusik. Sie ist fast
immer der Moderne verpflichtet, sie wird kaum be-
wusst wahrgenommen. Fehlte sie aber, funktionierte
kein Film.
     Matthew Herbert versucht nun quasi, über            die genau zwischen E- und U-Musik spielte, waren         beanspruchten Free-Jazz-Exzesse genauso ihren
die Clubs seine intelligente Musik in die Gesell-        lange vergriffen und werden gerade jetzt bei Intuition   Platz wie Beat-Hymnen.“ Solche Lyrik des Popjourna-
schaft einzuschmuggeln. Und er tut das sehr bewusst:     neu aufgelegt.                                           lismus verdeckt eine Lüge: Pop ist notwendigerweise
Er verfasste sogar ein 16-Punkte-Manifest darüber,           Das Interesse an Musik, die Grenzen überschrei-      schematisch und kann solche Versprechen gar nicht
was aufrichtige elektronische Musik dürfe und was        tet und Erwartungen gekonnt missachtet, ist also         einhalten. Offenbar wird das, liest man die angeblich
nicht. „Benutze niemals vorgefertigte Klänge“, steht     vorhanden. Es wurde nur jahrelang von den aka-           progressiven Werke einmal auf Notenpapier. Struktu-
darin etwa.                                              demischen Komponisten ignoriert. Bei den Donau-          rell tut sich wenig außer dem Diktat des Vierviertel-
                                                         eschinger Musiktagen und den Darmstädter Ferien-         takts, der Kargheit der drei Harmonien und der sturen
Celibidaches Schüler                                     kursen hört man Extrem-Musik, die sich möglichst         Arbeitsteilung der Band. Bleibt das Popidiom in sei-
pendelt zwischen E und U                                 weit von Pop fernhält. Wer heute in ein Konzert mit      nem Dunstkreis, ist Avantgarde praktisch unmöglich.
Seine Thesen sind ein einziger großer Versuch, die       akademischer Neuer Musik gerät, versteht nichts,         Vielleicht ist sie ja auch nicht nötig. „Ich liebe billige
Technik gegen den Strich zu benutzen. Sie erinnern       eines aber sofort: Er soll hier nicht folgen können.     Musik“, soll schon Anton Bruckner gesagt haben, als
beinahe an den vor genau zehn Jahren verstorbe-          Das Hermetische gehört zum Konzept. Daher wenden         man ihn auf Salon- und Walzerkünste ansprach.
nen Dirigenten Sergiu Celibidache, der bekanntlich       auch intelligente Hörer sich anderem zu, Jazz oder           Hundert Jahre später wollen Teile der Gebrauchs-
Technik so sehr verachtete, dass es von ihm praktisch    gehobenem Pop.                                           musik selbst ausbrechen. Dass ausgerechnet aus der
keine Tonaufnahmen gibt. „Celi“ wiederum hatte in            Und sie tappen damit in alle Fallen, die die Un-     Clubmusik gerade Bewegung kommt, ist nicht einmal
den 70ern einen Schüler, der heute als Kompositions-     terhaltungsindustrie bereithält. Als im Juli der „Pink   abwegig. Eine gewisse Radikalität hatte ja selbst der
professor in Hamburg arbeitet: Peter Michael Hamel.      Floyd“-Gründer Syd Barret starb, war sie in deutschen    Techno von Anfang an: Wo jeder einzelne Beat mit
Der Münchner ging damals von der Minimal Music           Feuilletons wieder zu hören, die alte Rede von der       voller Wucht betont wird, dekonstruiert das Prinzip
Steve Reichs aus und verband sie mit Einflüssen in-      Avantgarde innerhalb des Pop. Eine Berliner Tages-       Groove sich von selbst. Jeder Schlag ist die Eins, der
discher Klassik. Die Platten seiner Band „Between“,      zeitung schrieb: „In diesem psychedelischen Kosmos       Rhythmus verliert in einer dialektischen Volte seinen
                                                                                                                                                               crescendo 06 2006 | 37 DJ-klassik




                                                                                                                                                       Soundcheck
                                                                                                                                                       Geigerin Michaela Danner über
                                                                                                                                                       ihre Auftritte mit Popstar Nevio

                                                                                                                                                       2000 erwartungsvolle Augenpaare beobach-
                                                                                                                                                       ten die Bühne, schreien und klatschen. Bei
                                                                                                                                                       Konzerten, auf denen Mozart oder Beethoven
                                                                                                                                                       gespielt werden, habe ich solche Reaktionen
                                                                                                                                                       nie erlebt. Liegt‘s am Altersdurchschnitt der
                                                                                                                                                       Zuhörer? Oder ist es der charmante Sänger,
                                                                                                                                                       der die Herzen der weiblichen Zuhörer höher
                                                                                                                                                       schlagen lässt?
                                                                                                                                                       Seit einem halben Jahr spiele ich nicht nur
                                                                                                                                                       als Geigerin in klassischen Orchestern, son-
                                                                                                                                                       dern auch in der Band des Sängers Nevio
                                                                                                                                                       Passaro.
                                                                                                                                                       Eine Geigerin für eine Pop-Band zu engagie-
                                                                                                                                                       ren scheint im ersten Moment nicht beson-
                                                                                                                                                       ders naheliegend, aber Nevio träumte davon,
                                                                                                                                                       mit einem großen Orchester auf der Bühne zu
                                                                                                                                                       stehen – jetzt hat er mich.
                                                                                                                                                       Neben den unterschiedlichen Publikums-
                                                                                                                                                       reaktionen ist man mit einem akustischen
                                                                                                                                                       Instrument völlig anders gefordert als in
                                                                                                                                                       einem klassischen Ensemble. Die Gefahr ist
                                                                                                                                                       groß, dass die Geige im Geräuschpegel aus
                                                         Foto: Marco Microbi, Özgür Albayrak




                                                                                                                                                       E-Gitarren, Keyboard, Bass und Schlagzeug
                                                                                                                                                       untergeht. Also muss ein Tonabnehmer her.
                                                                                                                                                       Der sorgt dafür, dass auch die Geige aufge-
                                                                                                                                                       dreht werden kann. Während in der Klassik
                                                                                                                                                       Noten vorhanden sind, müssen Geigenstim-
                                                                                                                                                       men für Pop-Songs aus Aufnahmen heraus-
                                                                                                                                                       gehört oder in der Probe entwickelt werden.
                                                                                                                                                       Und auch vor dem Konzert ist alles anders:
Stellenwert. Die Neue Musik des frühen 20. Jahrhun-                                            posed“ vorstellt, seine umkomponierten Versionen        Statt der Anspielprobe – Soundcheck. Statt
derts ist nicht anders an das musikalische Material                                            einiger Klassiker der Moderne, wird es Anlass zum       Noten zu sortieren und den Notenständer
herangetreten.                                                                                 Staunen geben.                                          festzuschrauben, werden Tonabnehmer und
                                                                                                   Tenor lässt in einem Stück von Varese immer         Inears überprüft.
Gutgelaunte DJs                                                                                wieder das gefällige Schlagzeug gegen die atmo-         Beides hat seinen Reiz: In einer großen Or-
beleben die Musik                                                                              sphärische Musik anrennen, einen rasanten Boulez        chester-Besetzung klassische Musik einzu-
Europas große Bands haben das leidige Spartenwesen                                             verbreitert er im Stil opulenter Filmmusik und ruft     studieren oder mit einer Band voller begabter
längst überholt. Den als Erneuerer des Jazz gefeierten                                         einfach mal „Ha!“ hinein. So hält er die Moderne        Musiker an Pop-Songs zu feilen und vor einem
schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson mag man                                                lebendig und regt zum Nachdenken an: Was kann           Publikum zu stehen, das feiert und jubelt.
in der Tradition von Keith Jarrett sehen, genauso nahe                                         Musik, wie löst sie Gefühle aus, wie nahe steht uns
aber steht seine Musik dem Lied ohne Worte Mendels-                                            die Moderne noch? Dass man dazu mit einem Drink
sohns. Hier ist Jazz eine willkürliche Marke. Und der                                          an der Theke lehnen kann und darf, tut der Kunst
Komponist Heiner Goebbels bewegt sich mit seiner                                               nicht weh.
Kunst schon lange irgendwo zwischen Neuer Musik,                                                   Für die Komponisten der akademischen Neuen
Happening und Hörspiel. In seiner Oper „Shadow“                                                Musik, die es sich bequem als verkannte Genies ein-
hat er auch Hip-Hop eingesetzt. Natürlich entzieht                                             gerichtet haben, droht eine zweite herbe Beleidigung.
sich solche Musik oft doch dem Prinzip Dancefloor.                                             Zuerst ignorierte die Welt ihre Werke. Nun nehmen
                                                                                                                                                                                                       Foto: privat




Das ist kein Fehler der Musik, sondern eher einer der                                          gutgelaunte, entspannte DJs und Bandmusiker ih-
rigorosen Verhaltensmuster in Clubs. Doch auch die                                             nen weg, was ihr eigentlicher Auftrag war: Die Musik
kann man aufbrechen. Wenn der finnische Jazzer                                                 hier und heute zum Leben zu erwecken. Intelligent,      Klassik meets Pop: Nevio Passaro an der
und DJ Jimi Tenor im Oktober seine CD „Recom-                                                  kritsch, und mitten in der Gesellschaft.                Gitarre und Michaela Danner an der Geige.
musikerlebnis
                                                                                                           von links: Hansjörg Albrecht, Andreas Scholl, Giuliano Carmignola, Hannelore Elsner, András Adorján




Mo, 25.09.06                  Prinzregententheater 20 Uhr        Sa, 25.11.06                   Prinzregententheater 20 Uhr                               Do, 21.12.06                         Prinzregententheater 20 Uhr

Maria Farantouri Eine kleine                                                                                                                              The New York
                 Lachmusik
Henning Schmiedt Klavier
„Mit dem Musen singen –
Ein Jahrhundert griechischer Songs“
                                                                                                                                                          Voices
                                                                 Ein kabarettistisches Ständchen mit                                                      A Swinging Christmas
                                                                 Mitgliedern der Berliner Philharmoniker
IN MEMORIAM KARL RICHTER ZUM 80. GEBURTSTAG
                                                                                                                                                          Di, 13.02.07                       Philharmonie 20 Uhr
Fr, 13.10.06                                                     Mi, 06.12.06
                                                                                                                                                          András Adorján
                            St. Markus 20 Uhr                                                   Philharmonie 20 Uhr

Festliches                                                       Andreas Scholl                                                                                                                                                             Flöte



Konzert
                                                                                                                                                          Radio-Sinfonieorchester Prag · Vladimir Valek Ltg.
                                                                 Accademia Bizantina · Ottavio Dantone Leitung                                            Mozart Flötenkonzert G-Dur Beethoven Symphonie Nr. 5
                                                                 Werke von Händel und Bach
Münchener Bach-Chor · Bach Collegium München                                                                                                              Fr, 23.02.07                      Prinzregententheater 20 Uhr

                                                                                                                                                          In the Mood:
                                                                 In Kooperation mit dem Istituto Italiano di Cultura München
Hansjörg Albrecht Leitung Werke von J.S. Bach
                                                                 Do, 07.12.06                    Herkulessaal 20 Uhr
Sa, 21.10.06
The Hilliard
                             Prinzregententheater 20 Uhr
                                                                 Orchestre des                                                                            Glenn Miller
Ensemble                                                         Champs-Elysées                                                                           Eine Hommage an Glenn Miller mit der
                                                                                                                                                          Original Swingtime BigBand
                                                                 Philippe Herreweghe Leitung
Werke von Cipriano de Rore, Clément Janequin u.a.                                                                                                         So, 04.03.07                        Prinzregententheater 20 Uhr

                                Anthony &
                                                                 Schumann „Frühlingssymphonie“, „Rheinische“ u.a.

Mo, 23.10.06                   Philharmonie 20 Uhr               Fr, 08.12.06                 Prinzregententheater 20 Uhr

Mozart:Requiem Hannelore Elsner Joseph Paratore                                                                                                           Werke für Klavier zu vier Händen
Christina Landshamer · Sigrid Horvath · Colin Balzer ·           Sebastian Knauer Klavier „Mozart und die Frauen“
Thomas E. Bauer Solisten Münchener Bach-Chor                                                                                                              von Schubert, Brahms, Bolling und Gershwin
Bach Collegium München · Hansjörg Albrecht Leitung               Do, 14.12.06                   Philharmonie 20 Uhr
                                                                                                                                                          Do, 22.03.07
                                                                 Francisco Araiza Tom Gäbel
Mozart Freimaurer-Kantate, KV 623                                                                                                                                                              Muffathalle 20 Uhr
Symphonie C-Dur, KV 425 „Linzer“ · Requiem, KV 626

Fr, 10.11.06               Prinzregententheater 20 Uhr           Ensemble Sayari-Pankara · Cäcilienchor Frankfurt

Collegium                                                        Ariel Ramirez: Misa Criolla                                                              & Bigband live in concert

                                                                 Fr, 15.12.06                                                                             So, 25.03.07                        Herkulessaal 20 Uhr

Vocale Gent                                                                                                                                               The King’s
                                                                                              Prinzregententheater 20 Uhr

                                                                 Emma Kirkby
                                                                                                                                                          Singers
                                                                                                                                    Sopran
Philippe Herreweghe Leitung
Kantaten von J.S. Bach und J. Schelle                            London Baroque Werke von J.S. Bach, A. Scarlatti,                                                                                       & Ensemble Sarband
                                                                 Händel, Corelli, Carissimi, Boddecker u.a.
                                                                                                                                                          Christliche, jüdische und muslimische Psalmvertonungen
Di, 14.11.06 Philharmonie 20 Uhr                                 So, 17.12.06                                                                             des 16. und 17. Jahrhunderts

Giuliano
                                                                                                Philharmonie 18 + 20.30 Uhr

                                                                 Bach: Weih-     Fr, 06.04.07                                                                                                Philharmonie 14 Uhr

Carmignola                                           Violine
                                                                 nachtsoratorium Bach:Matthäus-
Orchestra di Padova e del Veneto
Mozart Divertimento F-Dur, KV 138
                                                                                 Passion
                                                                 Simone Nold · Anna Zander · Martin Petzold ·
                                                                 Thomas E. Bauer Solisten Münchener Bach-Chor ·
Violinkonzert A-Dur, KV 219 & G-Dur, KV 216                      Bach Collegium München · Hansjörg Albrecht Ltg.                                          Münchener Bach-Chor · Bach Collegium München
Symphonie A-Dur, KV 201                                                                                                                                   Hansjörg Albrecht Orgel und Leitung
In Zusammenarbeit mit dem Istituto Italiano di Cultura München   In der Pause: Einführung mit Hansjörg Albrecht und weiteren Mitwirkenden                 13 Uhr: Einführung mit Hansjörg Albrecht und weiteren Mitwirkenden




Tickets: Tel.0800-5454455 www.musikerlebnis.de                                                             Copyrights: G.Carmignola (@ Kasskara), A. Adorján (@ Ankerfoto), Hannelore Elsner (@ Esther Haase), Andreas Scholl (@ Decca/Sarah Dunn)
                                                                                                                                           crescendo 06 2006 | 39 essay




                                   Dieter Oehms betreibt ein kleines Label:


                        Mainstream und Musik?
                               In Deutschland gibt es rund 80 Opernhäuser, aber nur rund 50 Einzelhändler mit
                                nennenswertem Klassik-Angebot. Ein Markt, auf dem es ambitionierte Labels
                               schwer haben, sich gegen die Werbekampagnen der „Majors“ durchzusetzen.
                                       In seinem Essay formuliert Dieter Oehms Wege aus der Misere.



V
       or ungefähr anderthalb Jahren besuchte ich den Klavierabend eines jungen, Klassik-Angebot führen! Und die großen Elektro-Märkte, die neben Staubsaugern,
       mir bis dahin unbekannten Pianisten. Ich war begeistert von der Musikalität, Digitalkameras und Flachbildschirmen auch Musik verkaufen: Sie bieten meist
       von den technischen Fähigkeiten und von der Ausstrahlung dieses jungen nur ein Minimal-Programm an – die Mega-Stars der Klassik, die Mediengesichter,
Künstlers. Gerade hatte er zwei große internationale Klavierwettbewerbe gewonnen, die Event-Künstler.
doch Konzertveranstalter hatten ihn noch nicht für sich entdeckt. Ich war sicher,           Und daran sind sie noch nicht einmal schuld: Die global operierenden Platten-
dies würde sich bald ändern.                                                            konzerne vermarkten eine Handvoll Superstars mit einem Werbe- und Vertriebsbud-
    Der Name des Pianisten: Herbert Schuch. Mein Entschluss stand fest, diesem get, das kein Einkäufer ablehnen kann, wenn er sich noch vor seinem Controller
Künstler beim Aufbau einer Karriere zu helfen und ihm zu einer Präsenz auf dem sehen lassen möchte. Auch der Großteil der Medien spielt mit und widmet sich
Plattenmarkt zu verhelfen.                                                                                      fast ausschließlich der strassfunkelnden Spitze der Klas-
    Spontan und konsequent handeln, Projekte im Markt                                                           sikszene.
durchsetzen, Künstler fördern, das Konzertleben mitgestal-                                                          Und die ganze übrige faszinierende Welt der klassischen
ten, das ist es, was mich nach über 40 Jahren Tätigkeit                                                         Musik bleibt außen vor – im Musterkoffer des Vertriebs-
im Musikbusiness bei großen Plattenfirmen noch immer                                                            repräsentanten, der sich bei seinen Besuchen den Mund
reizt und weshalb ich mich vor drei Jahren entschloss, ein                                                      fusselig redet, um dann zu hören: Leider kein Platz! – Wie
eigenes kleines CD-Label zu Gründen.                                                                            schade.
    Als Labelverantwortlicher eines global operierenden                                                             Das Interesse einer Hörerschaft, die täglich millionen-
Plattenkonzerns, eines „Majors“, hätte ich mein sponta-                                                         fach ein breites Musikprogramm mit einer unendlichen
nes Gefühl, meine Begeisterung für den jungen Pianisten                                                         Vielfalt in Oper, Konzert oder Rundfunk verfolgt, bleibt
gegen eine Vielzahl wirtschaftlicher, politischer und per-                                                      unberücksichtigt.
sönlicher Argumente verteidigen müssen, möglicherweise                                                              Aber: Ein Stück weit haben wir es in der Hand. Liebe
ohne Erfolg.                                                                                                    Musikhörer, liebe Musikfreunde, schauen Sie ins Bran-
    In einer Gruppe einigt man sich meist zwangsläufig                                                          chenbuch, gehen Sie zu einem Fachhändler, der sich um
auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, man könnte ihn                                                            ein vielseitiges Sortiment bemüht, unterstützen Sie eine
                                                                     Wie schade. Das Interesse einer
auch „Mainstream“ nennen. Mainstream und Kunst?                                                                 Struktur, die zu einem lebendigen Musikmarkt beiträgt.
                                                                   Hörerschaft, die täglich millionen-
Mainstream als Kriterium in der Musik? Nein, danke.                 fach ein breites Musikprogramm                  Mir macht es auch nach hunderten von Musikpro-
    Ich bin glücklich, mit OehmsClassics ein lebendiges,             verfolgt, bleibt im Einzelhandel           duktionen immer wieder Spaß, mich mit neuen Interpre-
junges Label zu führen, das im Interesse der Sache, näm-                     unberücksichtigt.                  tationen, selten zu hörender Musik und neuen Talenten
lich der Musik, handelt – unabhängig von den Launen                                                             auseinanderzusetzen.
eines Multis und der ständig wechselnden Besetzung der Entscheiderpositionen.               Übrigens: Nach dem Konzert des Pianisten Herbert Schuch kamen wir ins Ge-
    Die klassische Musik lebt: In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ spräch, wurden uns einig, und bald erschien seine erste CD in der Serie Oehms-
las ich neulich, dass Jahr für Jahr mehr Menschen Opern und Konzerte besuchen Classics Debut. Seine zweite CD ist gerade in Vorbereitung, weitere Projekte sind
als Spiele der Fußball-Bundesliga! Wer sich allerdings in seiner Heimatstadt auf den in Planung. Inzwischen konnte Herbert Schuch einen weiteren Wettbewerbs-Sieg
Weg macht, um eine Klassik-CD zu kaufen, erlebt nicht selten ein Fiasko.                verbuchen: beim Internationalen Beethoven-Klavierwettbewerb in Wien.
    Entweder: Er findet überhaupt kein CD-Geschäft. Oder: Die einzige verfügbare            Seine Debut-CD erhielt in der Presse begeisterte Kritiken. Die Zeitschrift Gramo-
Quelle für Klassik-CDs ist die Tonträgerabteilung eines Kaufhauses, eines Elektro- phone zeichnete sie mit dem begehrten „Editor’s Choice“ aus. Gerade hat Herbert
geräte- oder Drogeriemarktes.                                                           Schuch sein Konzertdebüt in New York gegeben.
    Fast paradiesische Verhältnisse genießt dagegen derjenige, der in seiner Stadt
noch einen Händler findet, bei dem er fachkundig beraten wird, wo er eine reich-                       Dieter Oehms, geboren 1941 in der Eifel, stieg 1965 bei der Deutschen
haltige Auswahl auch abseitiger Repertoirebereiche findet, wo der Verkäufer selbst            Grammophon ins Musikgeschäft ein. Von 1985 bis 1989 war er Geschäftsführer
Begeisterung für diesen oder jenen Künstler spüren lässt und in seinem Musikge-                   der Polygram Deutschland (Deutsche Grammophon, Decca, Philips). 1990
dächtnis kramt, wenn ich ihm den Melodiefetzen eines Musikstücks vorsumme,                   übernahm er als Geschäftsführer der Philips GmbH Deutschland die Leitung des
das mich einfach nicht mehr loslässt. Stellen Sie sich vor: In Deutschland gibt              Bereichs Consumer Electronics. 1995 gründete er das Label ARTE NOVA als Joint
es rund 80 Opernhäuser, aber nur ca. 50 Einzelhändler, die ein nennenswertes              Venture mit BMG. 2003 gründete er das Label OehmsClassics mit Sitz in München.
  umfrage 40 | crescendo 06 2006


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sowie 50 Klassik-CDs – alles für Ihren ungestörten Hörgenuß!                                                                Vielen Dank! Ihr crescendo-Team

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Interessiert mich   ganz besonders        auch, aber nicht so sehr    gar nicht
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 Wie viele CDs...?
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                                                                   n z be s                                                                                     so viel
Welche Aussage über die                                      ich ga er nicht so s t    Für welche Dinge sind Sie bereit in den                          r nicht
                                                      siert m uch, ab               h                                                             h, abe gar nichts
unten genannten Bereiche trifft zu:           Interes         a              gar nic   nächsten 12 Monaten Geld auszugeben? viel               auc
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Unterhaltungsmedien (TV, MP3, Video etc.)                                              Unterhaltungsmedien (TV, MP3, Video etc.)
Telekommunikation                                                                      Telekommunikation
Internet, Online-Angebote                                                              Internet, Online-Angebote
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Kosmetik, Parfum                                                                       Kosmetik, Parfum

Der Kauf von Markenartikeln               lohnt sich meistens  lohnt sich meistens nicht  bin ich unentschieden
Werbung als Information in Zeitschriften  Interessiert mich       ganz besonders           nicht so sehr      gar nicht
Geschlecht:  männlich  weiblich            Alter:  bis 29 Jahre  30 bis 39      40 bis 49  50 bis 59  60 Jahre und älter
In meinem Haushalt leben:  1 Person  2 Personen  3 Personen  4 und mehr Personen
Ich habe folgende Schulbildung:  keinen Abschluss  Haupt-/Volksschule  Realschulabschluss  Hochschulreife  abgeschlossenes Studium
Sind Sie zur Zeit berufstätig?
 Vollzeit berufstätig  Teilzeit berufstätig  Geringfügig beschäftigt             Erziehungszeit/sonstige Freistellung     Hausfrau/Hausmann
 Rentner  Schüler/Student  Nichts davon trifft auf mich zu
Welchem Berufskreis können Sie sich zuordnen:
   Facharbeiter         Sonstiger Arbeiter     Leitender Angestellter       Nichtleitender Angestellter        Beamter des höheren, oder gehobenen Dienst
   Beamter des mittleren oder einfachen Dienst      Freier Beruf        Inhaber / Geschäftsführer          Selbständiger Handwerker
Wie groß etwa ist das Netto-Einkommen aller Personen in Ihrem Haushalt zusammen im Monat:
 Unter 1500 Euro  1500 bis 1999 Euro    2000 bis 2499 Euro  2500 bis 2999 Euro  mehr als 3000 Euro

  Bitte faxen Sie den Fragebogen an: 089/74 15 09-11, oder schicken Sie ihn per Post an den Verlag.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           crescendo 06 2006 | 41 premium



Es lohnt sich, unseren Fragebogen                                                                    Werden Sie premium-Abonnent
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                                                                                                      für die Ohren
Sony-Kopfhörer MDR-SA 1000                                                                           crescendo gibt es nun auch auf CD. 20 Tracks zu den Themen dieses Heftes. Darunter die Neu-
Diese letzte Kopfhörer-Generation der Firma Sony ist                                                 erscheinungen vom Plattenmarkt. Als Bonus: Vor Veröffentlichung können sie den ersten
besonders gut geeignet für die Widergabe von SACDs                                                   Track der Sting-CD hören! Wenn Sie premium-Abonnent werden, schicken wir Ihnen jedes
und zukünftigen Tonträgerformaten mit großem                                                         crescendo nach Hause. Jeweils mit der neuesten CD. Weiterer Vorteil für Sie: Angebote
Frequenzumfang. Genießen Sie Klassik in Zukunft der                                                  bei Konzertbesuchen und ein Willkommensgeschenk. Diesen Monat Bachs „Kaffee-
Technik.
                                                                                                     kantaten“ von Ton Koopman, erschienen bei Challenge Records.

                                                                                                                                                               Hören Sie, worüber wir schreiben: Zunächst entführen wir
                                                                             �����
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                                                                                                                            ���������������
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                                                                                                                                                                 �����������
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                                                                                                                                            ���
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                                                                                           �������




                                                                                                                         ���
                                                                                                                                    �������������




                                                                                                                   ��������������������������������
                                                                                                                                                                                                       ����������������������������
                                                                                                                                                                                  Grammophon), zum Vergleich hören Sie
                                                                                                       �������������� �� ���
                                                                                                                                �� �
                                                                                                                   �
                                                                                                        �����
                                                                                                              ����
                                                                                                                   ������ ����������
                                                                                                                         � ��� �                                                   eine Lauteninterpretation von Nigel
                                                                                                                   � ������
                                                                                                                ���� � ���
                                                                                                                      �
                                                                                                                     ����
                                                                                                                                ���
                                                                                                                                 �
                                                                                                                            ������
                                                                                                                                                    ���
                                                                                                                                                        ���


                                                                                                         ��������� ���������� ��������������������������������
                                                                                                            ��      ����������� ������
                                                                                                                      ��
                                                                                                                                        ��                                          North (Naxos). Überhaupt will die
                                                                                                                     �� � ������ � ����������
                                                                                                          �                     ��� �
                                                                                                                    ����������������
                                                                                                                            ��� �
                                                                                                                                  �     ������
                                                                                                                      � �         ������


                                                                                                             �� �
                                                                                                                  ��� ��� ����
                                                                                                            ��� �����
                                                                                                                           ������
                                                                                                                                      �������������
                                                                                                                                          ������������
                                                                                                                                                      �
                                                                                                                                          ������������ ���                          crescendo premium-CD Sie verlo-
                                                                                                                                      ���������������������              ���������

                                                                                                                      ��   ������ ��
                                                                                                                       ���� ��
                                                                                                                                  ���
                                                                                                                                      ����
                                                                                                                                      ����������������
                                                                                                                                                              ����������

                                                                                                                                                             ������
                                                                                                                                                                                    cken, Ihr Ohr zu schulen. Vergleichen
                                                                                                                                                    �������

                                                                                                                                                                                   Sie den „Merkur“ aus Holsts „Plane-
                                                                                                                                                                ���             ���
                                                                                                                                                     ������ ������������
                                                                                                                                                      �������������������� ������
                                                                                                                                                         �����                ��    ��� ��������������������������������
                                                                                                                                                       ��           ������ ��� ���
                                                                                                                                                                      ���� ���� ��� �
                                                                                                                                      �������������     ������
                                                                                                                                                               ������ ��������
                                                                                                                                                                                             �������

                                                                                                                                                                                ten“ von Simon Rattle (EMI) mit der his-
                                                                                                                                                                     ������
                                                                                                                                                                 ���
                                                                                                                                                         ������� �����
                                                                                                                                                                                 ������������ ����
                                                                                                                                                                                 �
                                                                                                                                      ��������������                   �����������
                                                                                                                                                                                    ����������
                                                                                                                                                                                               �����
                                                                                                                                                                                                    ������
                                                                                                                                                                                         ���������
                                                                                                                                                                       �������������� �����������
                                                                                                                                                                                    �����
                                                                                                                                                                        ������������                                                  ����������������������                     1:47




                                                                                                                                                                           torischen Aufnahme unter Vaughan Williams
                                                                                                                                                                                                                                                                         06 10:3
                                                                                                                                                                                                                                                                 20.06.20
                                                                                                                                                                            �
                                                                                                                                      �����������
                                                                                                                                      ������������

                                                                                                                                      ��������������                       (Naxos). Außerdem hören Sie die neuesten
                                                                                                                                                                        �������
                                                                                                                                                                                        ��
                                                                                                                                                                                                                                      ���������������������


                                                                                                                                      ����������������                                        _U4.indd
                                                                                                                                                                                                                          1




                                                                                                                                                                           Veröffentlichungen vom Plattenmarkt: Zubin
                                                                                                                                                                                     _U2_U3                                                                                                   10:40:43
                                                                                                                                                                         itel_sued                                                                                               20.06.2006
                                                                                                                                                                     06_T
                                                                                                                                                              C04_




                                                                                                                                                                           Mehtas „Traviata“ (Farao), Anja Harteros
                                                                                                                                                                                     Titel_sue
                                                                                                                                                                                                 d_2.indd
                                                                                                                                                                                                                                 1    �������������
                                                                                                                                                                        C05_06_

                                                                                                                                      �������������


Focal Boxen: Chorus 800V                                                                                                                                                   (RCA), sowie Ton Koopmans Buxtehude (Chal-
                                                                                                                                                                                                      C06_06_Titel_sued_U2_U3_U4_mw.indd 1                                                               04.09.2006 17:22:03




Die Chorus 800 V sind mit das Beste, was man sich ins                                                lenge). Mit dabei: Lera Auerbach, (BIS), Lang Lang (DG), Evgenia Rubinovas Debüt (EMI) und
Regal stellen kann. Das Paar ist nicht nur Lautsprecher,                                             Thomas Quasthoffs Album mit geistlichen Liedern (DG) .
sondern Luxusgut. Die dritte Generation dieser Boxen
setzt auf technische Innovationen gepaart mit moder-                                                 Konzerte für premium-Abonnenten
nem Design. Die einzelnen Komponenten werden von
den jeweiligen Experten hergestellt und harmonisch                                                   Wo immer Sie in diesem Heft das crescendo premium-Logo
miteinander verbunden. So entsteht vollendete High-                                                  sehen, lohnt es sich. Im plus regional-Teil bedeutet es: Wir hal-
End-Ästhetik in Klang und Look.                                                                      ten Freikarten für Sie bereit. premium-Abonnenten bekommen einen Bestell-Coupon, auf dem sie
                                                                                                     ihre Wünsche ankreuzen können. crescendo lädt premium-Abonnenten zu ausgewählten Veran-
                                                                                                     staltungen ein. Sie können an Künstlerpräsentationen und VIP-Veranstaltungen teilnehmen oder
                                                                                                     haben die Chance auf signierte CDs oder Bücher. Lassen Sie sich überraschen.

                                                                                                     Und so geht‘s
                                                                                                     Für 34,- Euro im Jahr erhalten Sie sechs Mal crescendo, den festspiel-
                                                                                                     guide und alle premium-Leistungen. Wenn Sie sich bis zum 15. November
                                                                                                     entscheiden, erhalten Sie zusätzlich die CD mit Bachs „Kaffeekantaten“
                                                                                                     von Ton Koopman.




                                                                           Ja, ich möchte für 34,- EUR pro Jahr die Vorteile von                                                                                                                                                                                               Bitte buchen Sie den Betrag von diesem Konto ab:
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                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Konto-Nr.
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                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Bank/BLZ
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                                                                           Vorname/ Name                                                                                                                                                                                                                                       Bearbeitungsgebühr an.
dem derzeitigen Repertoire aller Labels.
                                                                           Straße
Sie können sich diesen Fragebogen auch auf unserer Homepage                PLZ/ Ort                                                                                                                                                                                                                                            Ort, Datum, Unterschrift
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ausgefüllten Fragebogen an: Portmedia, Leserbefragung 2006,                Tel./ Fax                                                                                                                                                                                                                                           Schicken Sie diesen Coupon an:
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hifi 42 | crescendo 06 2006




                                                         Marius Dittert
                                           beantwortet Ihre HiFi-Fragen


                     Brauchen Klassik-
                      Fans einen iPod?
                  Er hat sich im Pop längst durchgesetzt. Der iPod ist ein moderner
                             Walkman: klein, mobil und mit gigantischem Speicher.
                     Aber was nützt dem Klassik-Fan dieses Gerät? Soll er es sich
                 überhaupt anschaffen? Und wenn ja, welches? Wird der iPod die
                  CD ablösen? Und was passiert dann mit der Plattensammlung?




MP3-Files sind platzsparender als CDs,                  Menschen erst ab einem gewissen Min-
wesentlich flexibler und zumeist auch                   destunterschied der Tonhöhe zwei Töne
noch günstiger. Außerdem fehlt der Com-                 eindeutig voneinander unterscheiden.
pact Disc, deren prominentester Vorreiter                   Ein weiterer Effekt ist, dass vor oder
einst Stardirigent Herbert von Karajan                  nach sehr lauten Geräuschen für kurze
war, der lässige Retro-Charme einer Vinyl-              Zeit leisere nur schlecht oder gar nicht
Schallplatte. Es scheint: CD war gestern,               wahrgenommen werden können. MP3
MP3 ist heute.                                          braucht das Ursprungssignal somit
                                                        nicht exakt abzuspeichern, es reichen
    Ganz so einfach ist das alles dann aber doch        die Signalanteile, die das menschli-
nicht. Seriöse Marktforscher gehen davon aus, dass      che Gehör wahrnehmen kann.
die Compact Disc noch auf viele Jahre hinaus eine           Letztlich geht es bei MP3 oder des-
wichtige Rolle spielen wird, gerade als hochwertiger    sen Weiterentwicklungen, wie etwa dem von Apple              stunden-
Musikdatenträger. Eine CD bietet eine höhere Klang-     verwendeten AAC-Format stets darum, das Musik-               lang, ohne Unterbrechung,
Auflösung als ein MP3-File – und das ist auch hörbar,   signal so aufzuarbeiten, dass es möglichst wenig             Bandsalat und lästiges CD-Wechseln seine Lieblings-
selbst wenn Sound-Ingenieure die Datenkompression       Speicherplatz benötigt, für menschliche Ohren aber           komponisten genießen.
bei MP3-Nachfolgeformaten, wie etwa AAC und AAC+        genauso gut wie das Original tönt.
verfeinern. Für ambitionierte Musikhörer, die Musik                                                                  Was ist ein iPod?
nicht als bloße Hintergrundbeschallung verstehen        Ist MP3 für Klassikhörer                                     Er ist der legitime Nachfolger des Walkman. Aller-
– und dazu gehören Liebhaber klassischer Musik –,       attraktiv?                                                   dings stammt der iPod nicht von Sony, sondern von
führt nach wie vor kein Weg an den Silberscheiben       Haben Sie schon immer davon geträumt, ihre Lieb-             Computer-Hersteller Apple. Dem US-Unternehmen ge-
vorbei. Die Dämme sind allerdings gebrochen – und       lingswerke mit in den Urlaub nehmen zu können?               lang mit dem kleinen, zumeist weißfarbenen Music-
selbst die Musikbranche, die sich mit dem Vertriebs-    Ein MP3-Player macht’s möglich: Auf die kleinen Ab-          player der absolute Mega-Coup. Den Einstieg in die
kanal Internet lange schwer tat, bietet ihre Ware in-   spielgeräte, die oft nicht viel größer als ein Lippenstift   illustere iPod-Range markiert der iPod shuffle, der
zwischen „always online“ an.                            oder Feuerzeug sind, passen locker mehrere hundert           in der günstigsten Variante mit 512 Megabyte (MB)
                                                        oder gar tausend Musikstücke, die sich obendrein zu          Speicherplatz (reicht für 120 Songs) zumeist schon
Wofür steht MP3?                                        beliebigen Wiedergabelisten sortieren lassen – egal,         für knapp 70 Euro zu haben ist. Der iPod shuffle
                                                                                                                                                                              Foto: Apple, Universal




MP3 steht für Datenkompression. Entwickelt wurde        ob diese via Internet heruntergeladen, oder von der          ist etwa so groß wie ein Päckchen Kaugummi und
das Format unter anderem vom Fraunhofer-Institut.       eigenen CD-Sammlung überspielt wurden. Obendrein             wiegt lediglich 22 Gramm. Dafür kann der kleinste
Damit die Kompression möglichst wenig hörbar ist,       kann man MP3-Player heutzutage ganz leicht ans               iPod mit einem Display leider nicht aufwarten, was
nutzt MP3 psychoakustische Elemente: So können          Autoradio anschließen und so auf der Urlaubsfahrt            dazu führt, dass seine Besitzer eigentlich nie wissen,
                                                                                                         crescendo 06 2006 | 43 hifi



                                                           crescendo-Händlerliste
                                                           An welche Anlage schließe ich mei-
                                                           nen iPod am besten an? Wie stelle ich
                                                           meine Boxen optimal auf? Wie kann
                                                           ich den Klang meiner Anlage verbes-
                                                           sern? crescendo hat die besten HiFi-
                                                           Händler in Ihrer Nähe gefunden. Hier
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                                                           voice@hifi-im-hinterhof.de
                                                           Hifi Keller, Herr Keller,
                                                           Gottlieb-Daimler-Str. 37, 71711 Murr,
     welcher Song sie als nächstes erwartet. Diese         Tel. 07144-209019,
     Art der Wiedergabe nennt sich shuffle und ist für     webmaster@hifikeller.de
    Klassikfans mit Sicherheit sehr ungeeignet, denn       Hifi Studio Belzer, Herr Belzer,
    wer will schon die Höllenfahrt des Don Giovanni        Handwerkstr. 2, 66740 Saarlouis,
                                                           Tel. 06831-122280, info@hifibelzer.de
   vor der Registerarie des Leporello hören?
                                                           Hifi Treffpunkt München, Herr Heisig,
                                                           Albert-Roßhaupter-Str. 40,
 Welcher iPod eignet sich
                                                           81369 München, Tel. 089-7693323,
 für Klassikliebhaber?
                                                           gheisig@hifitreffpunkt.de
 Wer sich für klassische Musik interessiert, wer folg-     Knopf Hifi Technik, Herr Knopf,
lich Übersicht braucht, der benötigt einen iPod mit        Aachener Str. 5, 40223 Düsseldorf,
Display. Über selbiges verfügen der iPod nano und          Tel. 0211-331776, info@knopfhifi.de
der große iPod (video). Der iPod nano – der mit Ab-        LINE High-Fidelity, H.Wolf,
stand flachste iPod, den Apple jemals im Programm          Friedrich-Ebert-Str. 157, 34119 Kassel,
hatte – ist durch eine neuartige Speichertechnologie       Tel. 0561-104727, www.linehifi.de
auch während der Musikwiedergabe gegen Erschüt-            Loftsound, Herr Kampschulte,
terungen resistent. Apple offeriert den iPod nano in       Kantstr. 20, 59755 Arnsberg,
                                                           Tel. 02932-81846
Schwarz und Weiß, mit einer Speicherkapazität von
1, 2, oder 4 Gigabyte (GB), was im Schnitt 240, 500,       MT Hifi Tonstudio, Herr Cnyrim,
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oder 1000 Songs Platz bietet. Die Preise liegen bei 149,
                                                           Tel. 0621-101353, info@mt-hifi.de
199 und 249 Euro. Wenn Sie Ihre über Jahrzehnte
                                                           Musikinsel-Hifi, Herr Haslinger,
angehäufte, umfangreiche Klassiksammlung spei-
                                                           Milchstr. 14, 85049 Ingolstadt,
chern möchten, wählen Sie am besten den großen             Tel. 0841-35526
iPod. Diesen gibt es bereits in der fünften Generation.    Phonosophie I., Hansen Vertriebs GmbH,
Neben Musik kann man damit auch Fotos und Videos           Herr Hansen, Luruper Hauptstr. 204,
speichern und wiedergeben.                                 22547 Hamburg, Tel. 040-837077,
    Dieser iPod verfügt wie der iPod nano über einen       support@phonosophie.de
kleinen Farbbildschirm – wer Lust hat, kann damit          Die Steiner Box, Herr Götz,
auch Netrebko-Videos in der Hängematte genießen.           Luitpoldstr. 30, 91052 Erlangen,
Den großen iPod gibt es ebenfalls in Schwarz und Weiß      Tel. 09131-27792, info@steinerbox.de
und mit einer Speicherkapazität von 30 oder 60 GB. Die     Studio 45, Herr Arlinghaus,
Preise liegen aktuell bei 319, respektive 429 Euro.        Breitenweg 57-59, 28195 Bremen,
                                                           Tel. 0421-14757, info@hifi-studio45.de
                                                   reise 44 | crescendo 06 2006
               HotelMusik
               von Uli Schirmer

                                                   Erstes US-Gastspiel der Berliner

Elisabeth
Schwarzkopf                                        Feldzug statt
Der Tod von Elisabeth Schwarzkopf
vor wenigen Wochen war ein weiterer
Schritt zum Ende einer Ära. Einer Ära,
in der man den Stimmen noch verfallen
konnte, weil sie charakteristisch waren,
                                                   Konzertreise
                                                   Neue crescendo-Serie: Orchester erzählen von ihren
wahrhaftig und überzeugend. Inzwischen
fällt mir das immer schwerer. In den               Konzertreisen. Am Anfang ein historischer Rückblick. Wie
letzten Jahren begeistern mich eher die            die Berliner Philharmoniker gemeinsam mit Herbert von
jungen Instrumentalisten als die jungen
                                                   Karajan die USA eroberten. Von Friedrich Witt.
Stimmen. Bei ihnen fehlt mir die Über-
zeugungskraft, die Echtheit – so wie sie
                                                   Für das Frühjahr 1955 war von den Berli-                                   sen: „Die Berliner Philharmoniker sind der Rolls
Elisabeth Schwarzkopf verkörperte.
                                                   ner Philharmonikern die erste Amerika-                                     Royce unter den Orchestern.“
   Zum ersten Mal habe ich die Grande Dame         reise geplant. Wilhelm Furtwängler sollte                                      Was dann folgte, war nicht mehr als Konzert-
des Gesangs bei der „Singschule“ getroffen,        die Konzerte dirigieren. Aber er starb                                     reise, sondern eher als Feldzug zu bezeichen: In
die August Ewerding ins Leben gerufen hat-         überraschend im Herbst 1954. Karajan soll                                  28 Tagen spielten wir 24 Konzerte. Und diese so
te – er war damals schon verstorben. Es war        damals zu seinem Sekretär gesagt haben:                                    gut wie immer in einer anderen Stadt. Unser Trans-
nur eine kurze Begegnung, aber Elisabeth           „Jetzt kommt unsere Stunde oder nie.“                                      portmittel waren ausschließlich Busse, aber nicht
Schwarzkopf gegenüberzustehen, hat mich                                                                                       die modernen „Grey Hound“-Busse, sondern alte,
vollends erfüllt.                                       Es war für das Orchester sofort klar, dass nur                        die an der Decke kleine Schlitze hatten, aus denen
   Zu ihrem 90. Geburtstag, hat sie zur „Schu-     Karajan den Platz Furtwänglers ausfüllen konnte.                           man herausgucken konnte. Die Sitze in diesen alten
bertiade“ geladen. Damals rief sie bei Matthias    Und auch für diese Amerikareise gab es nur einen                           Bussen waren durchgesessen. Es waren sicherlich die
Goerne an. Er ist ein guter Bekannter von mir,     Dirigenten, der in Frage kam. Und das war Karajan.                         billigsten Fahrzeuge, die man auftreiben konnte. In
und ich halte ihn für einen der besten Baritone,   Wir kannten ihn sehr gut. Er hat das Orchester oft                         ihnen rollten wir fast 10.000 Kilometer durch die USA.
die derzeit singen. „Kennen Sie Hugo Wolf?“        dirigiert und dabei seine herausragende Persönlich-                        Jeden Morgen begann gegen zehn Uhr die Busfahrt,
wollte die Schwarzkopf von ihm wissen, „Ja,        keit bewiesen.                                                             die meist gegen fünf Uhr Nachmittags endete.
natürlich“, antwortete Goerne. „Und mit wem            Als Karajan nun vom Orchester für diese Reise                              Mittags hielten die Busse in einer der unbeschreib-
haben sie ihn einstudiert?“ – „Mit Ihnen, Frau     berufen wurde, tat er etwas Wunderbares: Er ließ al-                       lichen amerikanischen Kleinstädte an, wenn man so
Schwarzkopf.“ - „Ach so.“                          les, wie es geplant war. Stellte das Programm nicht                        einen Ort überhaupt als Stadt beschreiben kann. Wir
   Da nun sicher gestellt war, dass Goerne         um und unternahm kaum Proben. Wenn er im Kopf                              machten eine Stunde Pause. Anfangs versuchten wir
eine gute Lehrerin hatte, durfte er auf der        hatte, wie er das Orchester verändern wollte, so wuss-
„Schubertiade“ singen. Natürlich wollte ich        te er genau, dass auf der Amerikareise die falsche Zeit
mir dieses Ereignis nicht entgehen lassen          dafür gewesen wäre. Also, Karajan setzte sich in die
und kam ebenfalls.                                 Kommandokapsel dieser feurigen Rakete „Berliner
   Eher zufällig traf ich Elisabeth Schwarz-       Philharmoniker“ und der Startschuss war der Auf-
kopf wieder. Sie saß in der Lounge hinter          bruch nach New York.
der Bühne, mitten in einem Ambiente aus                Draußen vor der Carnegy-Hall wurde gegen Kara-
„Ikea“-Möbeln, in das sie so gar nicht pas-        jan demonstriert – wegen seiner NS-Vergangenheit.
sen wollte. „Frau Kammersängerin“, sagte           Polizisten hoch zu Pferde sorgten für Ordnung. Es lag
ich, „was für eine Ehre.“ – „Kennen wir            eine gewisse Spannung in der Luft. Drinnen im Saal
uns?“, fragte sie mit der ihr eigenen Stren-       wurden Tauben losgelassen, um das Konzert zu stö-
ge. Und dann musste sie auch schon wieder          ren. Aber das irritierte weder Karajan noch uns. Wir
weg. Die Vorstellung begann.                       eröffneten den Abend mit Wagners „Tristanvorspiel“.
   Goerne sang wunderschön. Als er fertig              Die Musik begann unter Karajans Händen so zart,
war bedankte sich die Schwarzkopf bei ihm          so wehmütig und so betörend – endlos dehnten sich
und zeigte noch einmal ihre bissige Seite:         die Töne. Die Musik Wagners erfüllte in atemloser
„Das war sehr schön, auch in der Farbe             Endlosigkeit den Raum. Karajan und das Orchester
– selbst wenn es nur eine war. Da müssen           vereinten sich in absoluter Bereitschaft, und sie gaben
wir noch einmal ran.“ Aus dem Mund der             gemeinsam alles für die Musik.
Schwarzkopf gibt es kein liebevolleres Lob.            Wir spielten wie in einem Rausch, und der über-
                                                                                                             Fotos: Friedrich Witt




Wir werden ihre Direktheit vermissen.              trug sich auch auf das Publikum. Selbst die Tauben
                                                   hörten auf zu fliegen. Ob auch sie verzaubert waren?
Uli Schirmer ist Musik-Fan und Direktor des        In den amerikanischen Zeitungen war später zu le-
Fünf-Sterne Hotels „München-Palace“.
                                                                                                                                        crescendo 06 2006 | 45 reise


                                                                                                                                                  SERIE
                                                                                                                                                          IT
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                                                                                                                                     den Berliner Philharmonikern




                                                                                meinen Koffer auspacke.“          auch nicht das Äußerste seiner Gestaltungsmöglich-
                                                                                 Als ich diesem Befehl ge-        keiten ab. Am Ende eines solchen Konzertes wurde
                                                                                 folgt war und er seinen          von einem Geiger der legendärer Satz geprägt: „Zum
                                                                                  Koffer auspackte, kamen         Weltruhm reicht’s.“
                                                                                  merkwürdige Dinge zum               Manchmal fuhren wir noch nach dem Konzert
                                                                                  Vorschein: Ein Paar Han-        mit dem Bus weiter in eine noch hässlichere Stadt,
                                                                                   teln und ein Expander.         weil das Hotel dort noch billiger war. Wir bekamen
                                                                                   – Herr Täubner war sehr        damals pro Tag 12,50 Dollar Spesen, wobei uns aber
                                                                                    kräftig und legte großen      bis zu acht Dollar für das Hotel abgezogen wurden.
                                                                                    wert darauf, dass es so       Wir haben auch nicht, wie die Wiener Philharmo-
                                                                                     blieb. – Dann kamen          niker, Extragagen für diese Konzerte bekommen.
                                                                                     aus dem Koffer noch al-      Und wenn auf dem Plan einmal stand „Free day“, so
                                                                                      lerhand Bürsten hervor,     bedeutete das lediglich, dass wir besonders lange im
                                                                                      für die Schuhe, für die     Bus sitzen mussten.
                                                                                       Kleider, für den Körper.       Am Ende der Reise machte sich eine Heiterkeit
                                                                                       Zu meiner größten          und Lustigkeit breit, die man von übermüdeten Kin-
                                                                                        Überraschung holte        dern oder überstrapazierten Menschen kennt. Das
                                                                       Herr Täubner einen Hammer aus              habe ich auch im Krieg erlebt. Als wir Nacht für Nacht
                auszuschwärmen, um in einer der        dem Gepäck und schlug einen Nagel, den er ebenfalls        im Bunker saßen, um das Inferno der Bombennäch-
Snackbars etwas Essbares aufzutreiben. Aber wer        mitgebracht hatte, in die Wand und hängte an diesen        te zu überleben – da habe ich schon einmal diese
einmal eines dieser unglaublich verkohlten Holz-       Nagel ein ziemlich großes Barometer auf: „Kleener,         aufgedrehte, lustige und ausgelassene Stimmung
            fällersteaks genossen hatte, zog es vor,   ich muss wissen, in welcher Höhenlage über dem             erlebt. Es waren zermürbende Nächten voller Angst
            sich eine Tüte mit eigener Verpflegung     Meeresspiegel ich mich befinde, und wie hoch der           und Ermüdung.
            mitzunehmen. Die Fahrer waren auch         Luftdruck ist.“                                                Der Rückflug aus den USA, in den engen Propel-
            nicht dazu zu bewegen, ihre Diesel-            In dieser Zeit, in der er sich häuslich einrich-       lermaschinen des Types DC4, gestaltete sich letztlich
            Motoren auszuschalten. Also saßen wir      tete, durfte ich nur zugucken – alles andere hätte         als exzessives Rausch- und Trinkgelage.
            immer in einer Abgaswolke.                 ihn gestört. Dann verteilte er eine Sammlung von               Wir flogen damals mit der SAS, und diese Flug-
                Unsere Hotels waren immer von ein-     Waschzeug und Seifen im Zimmer und verschwand              gesellschaft bot noch einen erstklassigen Service an.
            fachster Art. Die jungen Kollegen waren    mit Socken und Hemden im Bad. Ich hörte ihn nur            Natürlich mit unbegrenztem Alkoholangebot der Ex-
            in Doppelzimmern untergebracht. Ich        noch singen, schnauben und schnaufen. Irgendwann           traklasse. Es waren ausgelassene 24 Stunden.
            war damals ja noch im Probejahr. Der       kamen Dampfwolken aus den Türritzen, und auch                  Spätnachmittag kamen wir in Berlin an. Am
            Bassist Herr Täubner hatte eine Berliner   Wasser lief unter der Tür hervor. Als er prustend und      nächsten Tag begann schon am Mittag um elf Uhr
            Schnauze – und mit ihm teilte ich ein      triefend aus dem Bad herauskam, war mir klar, dass         das nächste Konzert mit Karajan. Im „Titaniapalast“
            Zimmer. Dieses Gemeischaftserlebnis        es für mich zu spät war, dieses heute noch zu betre-       spielten wir unser Paradestück „Till Eulenspiegel“.
            möchte ich nun schildern.                  ten. Als Herr Täubner meinen etwas hilflosen Blick         Aber es ging so ziemlich alles schief, was schief gehen
                Nach einer langen Autobusfahrt         sah, sagte er: „Wa, Kleener, dir gefällt das doch auch     konnte. Das Orchester war total erschöpft. Aber wir
            kamen wir in einem Motel an. Irgend-       hier mit mir, oder?“                                       hatten in Amerika die Grundlage einer neuen Ära
            wann hatten wir den Schlüssel für un-          In der Provinz fanden die Konzerte oft in großen       gelegt – der Ära Karajan.
            ser Zimmer. Dieses lag, wie es in einem    Sporthallen statt. Da hatten die Leute dann ein Abon-
            „Drive Inn“ üblich ist, auf ebener Erde.   nement für ein Rugby-Spiel, Radrennen und eben                                 Friedrich Witt war Solobassist
            Angekommen, sagte Herr Täubner zu          auch ein Konzert. Und das gaben wir.                                           der Berliner Philharmoniker und
            mir: „Kleener, lass mal die Rolläden           Da kam es schon mal vor, dass eine Mutter in der                           spielte unter Furtwängler, Karajan
                                                                                                                                      und Abbado. Seine Geschichten
            herunter – die blöden Musikanten           ersten Reihe ihr Kind stillte. Karajan öffnete in sol-                         sind auch per Podcast zu hören:
            brauchen ja nicht zugucken, wie ich        chen Fällen nicht einmal die Augen, rang sich aber                             www.friedrich-witt.de
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            Wie Guy Montavon Erfurt belebt

Oper als Teil der
neuen Wirklichkeit
                                                                                                                          crescendo 06 2006 | 47 plus regional nord-mitte




                                                         Guy Montavon:
                                                      Intendant in Erfurt




                        Es ist schon ein bisschen lustig, wenn man                                                                    allein mit Gehältern. Ein Familienvater fragt sich
                        die Internetseite des Theaters in Erfurt an-                                                                  schon: ‚Was kann ich denn machen, wenn ich nach
                        klickt, sich zum Ensemble vorarbeitet und                                                                     der Arbeit nach Hause komme. Und wie ist das
                        das Profil des Intendanten anschaut. Dort                                                                     kulturelle Angebot?‘“
                        steht nämlich nicht nur, dass Guy Montavon                                                                        Überhaupt gibt es für einen Intendanten wie
                        in Genf geboren wurde, dass er Diplomfa-                                                                      Guy Montavon keine Grenzen zwischen Politik,
                        gottist ist, das Musiktheater der Gegenwart                                                                   Wirtschaft und Kultur. Vor Kurzem war der Globe-
                        pflegt und seine Spielzeiten mit Uraufführun-                                                                 trotter in Kuba. Dort hat er sich mit dem deutschen
                        gen eröffnet. Sondern dort ist auch zu lesen:                                                                 Botschafter unterhalten – und beide waren sich
                        „Er beherrscht die Sprachen Französisch,                                                                      einig, das die Marke „Made in Germany“ auf vielen
                        Deutsch, Englisch und Italienisch in Wort                                                                     Ebenen an Reiz verloren hat – nicht aber in der Kul-
                        und Schrift.“                                                                                                 tur. „Wir haben ein sehr effizientes System, kluge
                                                                                                                                      Konzepte und denken oft in die Tiefen der Dinge“,
                            So etwas steht normalerweise in Bewerbungs-                                                               sagt Montavon. „Und das macht uns international
                        schreiben von Sparkassen-Azubis. Aber Guy Mon-                                                                so erfolgreich.“
                        tavon hat Bewerbungen nicht nötig. Ihm geht es nicht um das zur Schau stellen         Das Erfurter Theater ist längst ein Exportschlager geworden. Die Produk-
                        des Polyglotten, sondern um einen Teil seines kosmopoliten Weltbildes. Als der    tionen des eher kleinen Hauses sind weltweit gefragt. Die Erfurter Urauffüh-
                        Schweizer 2002 seinen neuen Job antrat, kam er in einer unbekannten Welt an.      rung von Phillip Glass‘ „Waiting for the Babarians“ läuft in Amsterdam, andere
                        Aber er hat die thüringische Metropole mit ihrem funkelnagelneuen 800-Plätze-     Aufführungen wandern nach Austin Texas, oder an die New York City Opera.
                        Haus schnell in das heimliche Zentrum des Musiktheaters verwandelt.                   Das Erfolgsgeheimnis des Intendanten ist seine Offenheit. Und die ist nicht
                            Montavon glaubte lange an die westliche Kulturachse, suchte die Tradition     nur geographisch und sprachlich ausgeprägt. Montavon versteht das Musik-
                        des Musiktheaters in München, Österreich, in Italien und zuweilen in Spanien.     theater nicht als hermetischen Raum, sondern als Ort, an dem Themen vorge-
                        Aber plötzlich fand er sich in einem neuen Koordinatensystem wieder. In der       stellt werden, um diskutiert zu werden. Musik ist für ihn wie eine Möglichkeit
                        Geburtsstadt Max Webers fand er einen Kulturraum, dessen Spuren von Wei-          über alles reden zu können, wonach wir uns sehnen, was im Alltag aber oft
                        mar über Erfurt, Dresden, Leipzig, quer durch Polen oder Tschechien bis nach      viel zu profan ist, um zum Thema zu werden.
                        St. Petersburg führen. Hier war das Land der Dichter und Denker zu Hause,             Eine der größten Erfolgsgeschichten des Erfurter Theaters war die „Hänsel
                        das Land Wagners, Bachs, Luthers, Goethes und Schillers. Und die meisten          und Gretel“-Inszenierung des Regisseurs Mario del Monaco. Es gab einen
                        schauten nicht nur nach Süden, nach München oder Italien, sondern immer           Abend für Erwachsene, an dem die Märchenoper in soziale Schräglage ge-
                        auch nach Osten.                                                                  raten ist und eine jugendfreie Version. Ein Coup, der nicht nur in deutschen
                            „Das Problem ist, dass diese Achse lange in Vergessenheit geraten war“,       Feuilletons für Aufsehen sorgte. In der übernächsten Spielzeit will Montavon
                        sagt Montavon, „selbst in der ehemaligen DDR, von der gesagt wird, dass           sich um Literaturopern kümmern, hat bereits Auftragswerke vergeben: Flavio
                        sie ihre Tradition pflegte, wurde das eigene Erbe nicht mit wirklichem Stolz      Testis komponiert Lorcas „Mariana Pineda“, Franz Hummel Dürrenmatts „Der
                        gepflegt.“ Um seine neue Heimat kennenzulernen setzt sich Guy Montavon            Richter und sein Henker“. Und diese Saison wurde gerade erfolgreich mit der
                        gern ins Auto und fährt durch die Landschaft, natürlich auch über die Grenzen     Uraufführung „Wut“ von Lorenzo Scartazzini eröffnet. Im kommenden Jahr
                        hinaus. „Was ich da jeden Tag sehe, das ist die Zukunft Europas“, sagt er. „Wir   kann sich Montavon dann wieder neu orientieren – dann steht die Spielzeit
                        entdecken unsere alte Kultur wieder, und wir sehen an allen Ecken und Kanten      unter dem Motto Italien.                                         Axel Brüggemann
                        die Zeichen der wirtschaftlichen Veränderung. Die Lufthansa will zum Beispiel
                        in Arnstadt bei Erfurt ein Werk für die Wartung von Turbinen bauen.“
                            Montavon ist ein Optimist. Wenn er redet, sieht er bereits die Knospen           Premieren in Erfurt
                        jener einst versprochenen blühenden Landschaften, an die schon keiner mehr           Wolfgang Amadeus Mozart: Die Zauberflöte (Wiederaufnahme, 7.10.); Engelbert
                        glaubte. „Ich schwöre“, sagt er, „dass diese Region schon in wenigen Jahren          Humperdinck: Hänsel und Gretel – Nur für Erwachsene (13.10.); Richard Heuberger: Der
                        wichtiger sein wird als das gesamte Ruhrgebiet.“ Er glaubt, dass die wirt-           Opernball (4.11.); Alexan-
                        schaftlichen Unternehmungen vor allen Dingen nach einem verlangen: nach              der Zemlinsky: Der Zwerg,
                        einer kulturellen Identität. Und deshalb ist er da.                                  Der Geburtstag der Infantin
                            „Besonders im Osten haben wir es doch derzeit mit einer Abwanderung              (2.12.); Richard Strauss:
                        vieler Menschen zu tun. Die Kultur kann sie dazu verführen, zu bleiben. Und es       Der Rosenkavalier (15.12.);
                        sind die Opern-, Konzert- und Schauspielhäuser, die Museen und Festivals, die        Antonín Dvorˇ ák: Rusalka
Fotos: Theater Erfurt




                        ihnen dabei helfen.“ Für Montavon ist jede Investition, auch eine Investition        (3.2.07), Tel. 0361-22330,
                        in die Kultur, eine Investition in den Standort Neue Länder. „Es ist doch klar,      www.theater-erfurt.de
                        dass die Lufthansa die besten Leute haben will. Aber die locken sie nicht
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                                                                                                         Hamburg:
                                                                                                         Junges Musiktheater
Diese Termine sollten                                                                                    Das Junge Musiktheater Hamburg inszeniert Oper unkonven-
                                                                                                         tionell für „Kinder, Erwachsene, Opernfans und solche, die es
Sie nicht versäumen:                                                                                     werden wollen“. Am 10. September eröffnet das Theater seine
                                                                                                         erste Spielzeit mit eigener Bühne. Auf dem Programm steht
                                                                                                         „Die Zauberflöte für Kinder“ und „Opera4friends“, bei dem die
                                                                                                         Höhepunkte der kommenden Saison vorgestellt werden.
Weitere Termine                                    Hamburg:                                              10.9., Tel. 01805-4470 (12 Ct/Min) ,

Düsseldorfer Altstadtherbst
                                                   Stipendiaten-Konzert                                  www.junges-musiktheater.com
13. September - 1. Oktober, Düsseldorf             Drei Stipendiaten, die Geigerin Ve-
www.altstadtherbst.de                              ronika Eberle, der Cellist Claudius                                             Hamburg
                                                   Popp und der Trompeter Giuliano
Minguet Quartett
17. September, Philharmonie Berlin                 Sommerhalder, der „Deutschen Stif-
www.berliner-philharmoniker.de                     tung Musikleben“ spielen am 17.

Der Zigeunerbaron (Premiere)
                                                   September erstmals als Solisten mit                      Braunschweiger Land:
                                                   dem NDR Sinfonieorchester der                            Feste Alter Musik
17. September, Stadthalle Zwickau
                                                   Hamburger Laeiszhalle.
www.kultourz.de                                                                                             Auf eine musikalische Reise durch das Kirchenjahr laden
                                                   17.9., Tel. 0180-1787980,
Koblenzer Mendelssohn-Tage                                                                                  die „Feste Alter Musik“ ihreBesucher ein. Unter dem
                                                   www.deutsche-stiftung-musikleben.de
22. September, Rheinische Philharmonie                                                                                    Motto „Soli Deo Gloria“ steht Sir John
www.rheinische-philharmonie.de                                                                                            Eliot Gardiner mit vielennamhaften Künst-
                                                                                                                          lern auf dem Programm.
Das Pferd in der Nacht (Premiere)
22. September, Staatstheater Braunschweig                                                                                 15. bis 22.12.,Tel. 0180-5544888 (12 Ct/Min.) ,
www.staatstheater-braunschweig.de                                                                                         www.soli-deo-gloria.info
Julian Rachlin – Itamar Golan
23. September, Konzerthaus Dortmund
www.konzerthaus-dortmund.de                        Essen: 12 Cellisten
                                                   Die 12 Cellisten der Berliner                                                     Braunschweig
Hoffmanns Erzählungen (Premiere)
23. September, Theater am Goetheplatz              Philharmoniker präsentieren
www.bremertheater.com                              am 30. September zusammen
                                                   m i t M ar ku s S t ock hau s en
Kronberg Academy Cello Meisterkurs
                                                   (Trompete, Flügelhorn) den
                                                                                               Kassel: Musiktage
24. September, Stadthalle Kronberg                                                             Die Besucher der Kasseler Musiktage erwartet in diesem
www.kronbergacademy.de                             Konzertabend „Dance of the
                                                   Angel – Dance of the World“ in              Jahr unter der künstlerischen Leitung von Dieter Rexroth
Chamber Orchestra of Europe                        der Philharmonie Essen.                     ein besonders großes Programm. Das Festival beschäf-
25. September, Philharmonie Luxembourg                                                         tigt sich mit der Suche vom „Göttlichen im Alltäglichen“
www.philharmonie.lu                                30.9., Tel. 01805-959598 (12 Ct/Min) ,
                                                                                               und will sich in Form von Konzerten, Lesungen und Ge-
                                                   www.philharmonie-essen.de
Saarbrücker Kompositionstage                                                                   sprächsrunden (mit Elke Heidenreich) diesem Thema
6. Oktober, Sendesaal auf dem Halberg                                                          nähern. Besonderes Highlight: Zehn junge Komponisten
www.sr-online.de/rso                                                                           präsentieren die Uraufführung ihrer Auftragskompositionen. Als musi-
Das Rheingold (Premiere)                                                                       kalische Gäste sind das hr-Sinfonieorchester und das Ensemble Mo-
7. Oktober, Opernhaus Halle                                                                    dern aus Frankfurt geladen.
www.opernhaus-halle.de                                                                         27.10. bis 5.11., Tel. 0561-9883930, www.kasseler-musiktage.de
                                                   Essen
Mozart-Konzert
11. Oktober, Petrus-Kirche Kiel                                                                                       Kassel
www.theater-kiel.de
Deutsche Börse Jazznights
14. Oktober, Theater am Aegi Hannover       Köln                                                                                                                THÜRINGEN
                                                                                                         Köln: Digitale Oper
www.karsten-jahnke.de
                                                                                                           Im Museum für Angewandte Kunst Köln ist von 15. bis
Romance de Barrio (Premiere)
                                                                                                           17. September eine absolute Neuheit zu sehen: Auf Ba-
14. Oktober, Staatstheater Cottbus
www.staatstheater-cottbus.de                                                                               sis des Librettos von Glucks „Orpheus und Eurydike“
                                                                                                           haben die Studenten der Kunsthochschule für Medien
Yuri-Bashmet-Festival                                                                                      (Ilic, Choutov und Tyminko) eine digitale Oper geschaf-
19. Oktober, Konzerthaus Dortmund                                                                          fen: „Beguiling Orpheus“. Zeitgenössische elektroni-
www.konzerthaus-dortmund.de
                                                                                                           sche Musik von Gleb Choutov und die klassische
Ballett: Ein Sommernachtstraum                                                                             Opernstimme der Sängerin Alexandra Thomas (Raika
21. Oktober, Theater Hagen                                                                      Simone Maier) bilden die musikalische Grundlage. Für ihre Pro-
www.theater.hagen.de                                                                            jektidee erhielten sie den Förderpreis NRW 2004 im Rahmen des
                                                                     Wiesbaden
Last Night of the Proms                                                                         „Nam June Paik Award“.
31. Oktober, Festhalle Frankfurt/Main                                                           15. bis 17.9., Tel. 0221-22123860,
www.messefrankfurt.com/festhalle                                                                www.museenkoeln.de/museum-fuer-angewandte-kunst
Jerome-Robbins-Ballettabend
4. November, Staatsoper Berlin
www. staatsoper-berlin.de                                                      Wiesbaden: Mozartnacht
Renée Fleming                                                                  „Von der kleinen Nachtmusik bis zur Zauberflöte“ ist die Divise der Mozartnacht der
28. November, Philharmonie Berlin                                              Wiesbadener Kurhaus-Konzerte. Das Ensemble von Gerinczy präsentiert mit dem Tenor
www.berliner-philharmoniker.de                                                 Tobias Haaks, dem Bariton Jens Hamann und der Sopranistin Susann Hagel am 24.
                                                                               November einen Querschnitt aus Mozarts Werk.
Otello (Premiere)
14. Oktober, Semperoper Dresden                                                24.11., Tel. 089-55968613, www.kulturgipfel.de
www.semperoper.de
                crescendo 06 2006 49 | plus regional nord-mitte
                                          Sonderveröffentlichung/Anzeigen




                             Berlin: Tenso Days
                             Die Tenso Days verfolgen das Ziel, den pro-
                             fessionellen Chorgesang in all seinen Fa-
                             cetten einer breiten Öffentlichkeit zu prä-
                             sentieren und näher zu bringen. Ein beson-
                             deres Augenmerk legen die Veranstalter
                             der Tenso Days, unter anderem der ROC -
                             RIAS-Kammerchor, auf Ur- oder deutsche
                             Erstaufführungen, die speziell für die auf-




                             tretenden Ensembles geschrieben wurden.
                             Stattfinden werden die Tenso Days von 3.-5.
              Berlin         November im neu eröffneten Radialsystem.
                             3. bis 5.11., Tel. 030-20298725,
                             www.tenso-days.com




                                          Dresden:
                                          Philharmonie
                                          Am 21. September gastiert die „Jun-
                                          ge Deutsche Philharmonie“ in der
                                          Dresdner Philharmonie. Es stehen
                                          Schumann, Strauss und Reimann
                                          unter dem Motto „freakquency –
                                          Musik hautnah“ auf dem Programm.
                                          21.9., Tel. 0351-4866866,
      Leipzig                             www.dresdnerphilharmonie.de
                                                                                Fotos: Silke Heyer, Sheila Rock, Matthias Heyde, Wiesbadener Kushauskonzerte, Maxim Tyminko, DEAG, Kasseler Musiktage, Thüringer Jazzmeile




                                           Dresden                                                                                                                                                                            �����������������
Leipzig:                                                                                                                                                                                                                     ��������
Classical Spectacular
Klassische Werke eingebettet in eine
fulminante Laser-Show erwarten die Zu-
schauer von „Classical Spectacular“ am
                                                                                                                                                                                                                             ������������
9. Dezember in Leipzig. Das Royal Phil-                                                                                                                                                                                       ����������������������������������������������������
harmonic Orchestra präsentiert bekannte                                                                                                                                                                                       ����������������������������������������������������
Werke der großen Meister zusammen mit
einem 120-Mann starken Chor.
                                                                                                                                                                                                                                                                                  �
                                                                                                                                                                                                                              ������������ ���� ����������������� ����� ������ ����
9.12., Tel. 0341-2341100,                                                                                                                                                                                                     �����������������������������������������������������
www.arena-leipzig.de                                                                                                                                                                                                          �������������������������������
                                                                                                                                                                                                                              ���� ����� ���������� ��������������� ����� ���
                                                                                                                                                                                                                              ����������������������������������������������
                                                                                                                                                                                                                              ���� ������������� ������� ��� ���� �������   �
                                                                                                                                                                                                                              �����������������
                   Thüringen: Jazzmeile
                                                                                                                                                                                                                              �����������������������������������������������
                   Von 30. September - 29. November kommen Jazzfans auf
                   ihre Kosten: Die Jazzmeile Thüringen öffnet ihre Pforten.                                                                                                                                                  ������������������������������������������������
                   In diesem Jahr ist Frankreich der Länderschwerpunkt
                   des überregionalen Jazzfestivals.
                                                                                                                                                                                                                              ����������������������������������������������������
                   30.9. bis 29.11, Tel. 03641-602678, www.jazzmeile.org                                                                                                                                                      ����������������������������������������������
       lieto fine 50 | crescendo 06 2006
                                                                                                                               Die Frisur
                                                                                                                               Schwarze Locken – bei Villazón Zeichen
                                                                                                                               des Latin Lovers, bei Wunderlich oft dem
                                                                                                                               Zeitgeist entsprechend gestriegelt.
                                                                             Augen und Ohren
                                                                             Rolando Villazón ist als „Mr. Bean“
                                                                             der Oper bekannt: große Ohren, lus-
                                                                             tige Augenbrauen – und dauernd am
                                                                             Zappeln. Wunderlich war eleganter,
                                                                             aber nicht ruhiger. Für beide ist Singen
                                                                             zwanghaft.

                                                                                              Der Mund
                                                                                              Schon Mal „Granada“ von
                                                                                              Fritz Wunderlich gehört?
                                                                                              Aus diesem Mund kommen
                                                                                              nicht nur Töne, sondern
                                                                                              Landschaften! Bei Villazón
                                                                                              strömt Musik als pure
                                                                                              Lebensfreude.

                                                Das Outfit
                                                Tenöre müssen nicht immer                                                                                Das Herz
                                                Dandys sein. Wunderlich liebte
                                                Wanderschuhe und Holzfällerhemd                                                                          Die DVD „Fritz Wunderlich – Leben
                                                mehr als Anzug und Smoking – und                                                                         und Legende“ ist taschentuchtaugli-
                                                auch Villazón liebt es eher lässig:                                                                      cher als „vom Winde verweht“. Eine
                                                Hawaiihemden und Schlabberjeans.                                                                         Lehrstunde, dass großer Erfolg erst
                                                Sänger, die aus dem Alltag kommen,                                                                       wirklich schön mit einer großarti-
                                                um Kunst zu machen.                                                                                      gen Familie ist. Bei Wunderlich und
                                                                                                                                                         Villazón schlägt das Herz so rührend
                                                                                                                                                         für Kind und Kegel.



Ist Villazón wirklich der neue
      Wunderlich?                  Für Rolando Villazón ist Fritz Wunderlich der Größte – auf seiner letzten CD
                                   singt er dessen Repertoire. Und das gar nicht mal so schlecht.
Fotos: privat, EMI



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Verlag:                                plus regional:                            Auftragsmanagement:                            Erscheinungsweise:                           Beilage
Port Media GmbH                        Projektleitung: Liselotte Richter-Lux     Petra Lettenmeier (verantwortlich)             crescendo erscheint mit sechs                Diese Ausgabe enthält eine Beilage der
Senefelderstraße 14, 80336 München     email: richter-lux@portmedia.de           email: lettenmeier@portmedia.de                Ausgaben pro Jahr und zusätzlichen           Firma Bechstein.
Telefon: +49-89-741509-0, Fax: -11     Schlussredaktion:                         Michaela Wurstbauer                            crescendo-themenspecials.                    Abonnement-Preis:
email: info@portmedia.de               Michaela Wurstbauer                       email: wurstbauer@portmedia.de                 crescendo ist bei Opern- und Konzert-        crescendo premium inklusive sechs
www.portmedia.de                                                                                                                häusern, im Kartenvorkauf und im Hifi-       premium-CDs:
                                       Autoren dieser Ausgabe:                   Verlagsrepräsentanten:                         und Tonträgerhandel erhältlich.
Herausgeber:                           Axel Brüggemann, Michaela Danner          Petra Lettenmeier                                                                           Inland:
Winfried Hanuschik                     (Volontärin), Marius Dittert, Frank-      email: lettenmeier@portmedia.de                Copyright für alle Beiträge bei Port Media   EUR 34,- pro Jahr inkl. 7% MwSt. Bei
email: hanuschik@portmedia.de          Peter Felderlin, Klaus-Peter Gernwald,                                                   GmbH. Namentlich gekennzeichnete Bei-        Zahlung per Rechnung fallen zusätzlich
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Chefredakteur:                         Winfried Hanuschik, Thomas Linde-         L. Richter-Lux
Axel Brüggemann (verantwortlich)       mann, Nike Luber, Klaus-Peter Maas,                                                      nicht unbedingt die der Redaktion wieder.    Europäisches Ausland:
                                                                                 email: richter-lux@portmedia.de                Nachdruck und Vervielfältigung, auch         zzgl. EUR 10,- Bank-/ Portospesen
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                                       Oehms, Claudia Roth, Frederike Sandner,   Nicola Kremer                                  auszugsweise, nur mit schriftlicher Ge-      Kündigung: vier Wochen zum Ende des
Artdirector:                                                                     email: kremer@portmedia.de                     nehmigung des Verlags. Für unverlangt        Kalenderjahres
Stefan Steitz (verantwortlich)         Uli Schirmer, Sting, Friedrich Witt.
                                                                                 Gültige Anzeigenpreisliste: Nr. 8 v. 1.1.06    eingesandte Manuskripte und Fotos            Verbreitete Auflage:
email: crescendo-layout@portmedia.de   Grafik und Zeichnungen:                                                                  wird keine Gewähr übernommen.
                                       Titelseite: Universal, EMI, Collage:      Druck:                                                                                      103.841
Redaktion:                                                                                                                      Angabe d. Beteiligungsverhältnisse:          (laut IVW-Meldung II/06)
Marius Dittert (Hifi)                  Stefan Steitz, Nord: Theater Erfurt.      Westermann Druck GmbH
                                                                                 Georg-Westermann-Allee 66,                     Gesellschafter der Port Media GmbH:          ISSN: 1436-5529          geprüfte Auflage
email: hifi@portmedia.de               Produktionsmanagement:                                                                   100 % Winfried Hanuschik (Werbekauf-
Michaela Wurstbauer                    Michaela Wurstbauer                       38104 Braunschweig
                                                                                                                                mann), München
Das nächste crescendo erscheint am 17. November 2006
     Aktuelle
     Neuerscheinungen auf
     Deutsche Grammophon
   W. A. Mozart: Violinsonaten (Gesamtaufnahme)                     W. A. Mozart: Arias                                             Hilary Hahn spielt Paganini und Spohr
                                    Anne-Sophie Mutter,                                             Magdalena Koz  ˇená,                                           Paganini:
                                    Violine                                                         Mezzosopran                                                    Violinkonzert Nr. 1
                                    Lambert Orkis, Klavier                                          Orchestra of the Age of                                        Spohr:
                                    DG 477 6318 (4CDs)                                              Enlightenment                                                  Violinkonzert Nr. 8
                                                                                                    Dirigent: Sir Simon                                            Hilary Hahn, Violine
                                                                                                    Rattle                                                         Schwedisches Radio
                                                                                                    Archiv Produktion                                              Symphonie Orchester
                                                                                                    477 6272                                                       Dirigent: Eiji Oue
                                                                                                                                                                   DG 477 6232



Zum Abschluss des großen Mozart Projekts von Anne Sophie         Lang erwartet, püntklich zum Mozart-Jahr: das erste gemein-     Hilary Hahn, „diese Königin apollinischer Klarheit und
Mutter – Mozarts Violinsonaten komplett.                         same Album von Magdalena Koz  ˇená und Sir Simon Rattle.        bezwingender Konzentration“ *, zeigt erneut ihr Talent für
„Furiose Deutlichkeit und Pointierung… berührende Ruhe                                                                           ungewöhnliche und überzeugende Programme, indem sie
des Gesangs.“ Süddeutsche Zeitung                                                                                                Violinkonzerte von Paganini und Spohr gegenüberstellt.
                                                                                                                                 * Süddeutsche Zeitung


   W. A. Mozart: Klavierkonzerte                                    Golijov: Ainadamar – Brunnen der Tränen                         Schostakowitsch: Lieder und Walzer für Orchester
                                    Klavierkonzert Nr. 17                                           Dawn Upshaw / Kelley                                           Sergei Leiferkus,
                                    G-dur KV 453 und                                                O’Connor / Jessica                                             Bariton
                                    Nr. 21 C-dur KV 467                                             Rivera / Jesus                                                 Russisches Philharmo-
                                    Wiener Philharmoniker                                           Montoya · Atlanta                                              nisches Orchester
                                    Maurizio Pollini,                                               Symphony Orchester                                             Dirigent:
                                    Klavier und Leitung                                             Dirigent: Robert Spano                                         Thomas Sanderling
                                    DG 477 5795                                                     DG 477 6165                                                    DG 477 6111
                                                                                                    Ab 22.09.06!




Dies ist das erste Mal, dass Maestro Pollini selbst dirigiert!   Golijovs faszinierendes Opern-Debüt mit Dawn Upshaw in          Zum Schostakowitsch Jubiläum: exklusive Orchestrierungen
Respekt, beidseitiges Verständnis und Zuneigung prägen           der Titelrolle. Für die Briten ist er »Amerikas sensationell-   und Weltersteinspielungen von Thomas Sanderling und dem
die Zusammenarbeit mit den Wiener Philharmonikern. Das           ster Komponist« (Daily Telegraph). Die New York Times feiert    berühmten russischen Bariton Sergei Leiferkus.
Ergebnis: ein außergewöhnlicher Mozart!                          ihn als »Befreier der populären Musik«




                                                                         Albrecht Mayer – New Seasons
                                                                   Händel für Oboe und Orchester · Albrecht Mayer, Oboe · Sinfonia Varsovia · DG 476 5681

                                                                   Albrecht Mayer spielt Händel: vier neue Konzerte, zusammengestellt aus
                                                                   Arien von Händels Opern und Oratorien, erstmals arrangiert für Oboe und
                                                                   Orchester. Nikolaus Harnoncourt über dieses Album: „Man staunt, was in den
                                                                   Opern für konzertantes Material schlummert. Diese ‚Konzerte’ werden von den
                                                                   Oboisten und der Hörerwelt begierig verschlungen und sie verdienen es.“
                                                                   Aktuelle Konzerttermine:
                                                                   26.09. Nürnberg; 27.09. Berlin, Passionskirche; 28.09. München
                                                                   Tickets erhältlich unter: www.albrechtmayer.com




                                                       Hören Sie rein auf www.klassikakzente.de!
                                                       Wöchentlich top-aktuell: Klassik-News, CD-Neuer-
                                                       scheinungen, Konzert- und TV-Daten und vieles mehr
Great Recordings
        of the Century

                            Ein spektakulärer Schatz an bedeutenden Aufnahmen:
                                               Great Recordings of the Century
                             mit Referenz-Einspielungen aus dem 20. Jahrhundert.

                       Albéniz: Iberia / Granados: Goyescas · de Larrocha · 2 CDs 3 61514 2
      Beethoven: Klavierkonzerte / Chorfantasie · Barenboim · Klemperer · 3 CDs 3 61525 2
                   Chopin: Préludes / Impromptus / Barcarolle u.a. · Cortot · CD 3 61541 2
               Kern: Showboat · von Stade · Stratas · Hadley · McGlinn u.a. · 3 CDs 3 61543 2
                                Khatchaturian: Violinkonzert u.a. · Oistrach · CD 3 61570 2
               Mahler: Sinfonien Nr.4 & 8 · Popp · Connell · Tennstedt u.a. · 2 CDs 3 61572 2
                    Schubert: Streichquartette Nr.14 & 15 · Busch Quartett · CD 3 61588 2
              Sibelius / Tschaikowsky / Glasunow: Violinkonzerte · Heifetz · CD 3 61590 2
        Szymanowski: Stabat Mater / Sinfonie Nr.3 u.a. · Smytka · Rattle u.a. · CD 3 61592 2
Wagner / Brahms: Wesendonck-Lieder / Altrhapsodie u.a. · Ludwig · Klemperer · CD 361594 2

                                     Lady Macbeth · 2 CDs & Bonus-DVD 3 71234 2
                                     Schostakowitschs Oper Lady Macbeth von Mzensk ist
                                     eines der berühmtesten Werke des 20. Jahrhunderts.
                                     Diese Einspielung entstand im Jahre 1978 unter der
                                     Leitung von Mstislaw Rostropowitsch. Jetzt kommt
                                     diese Interpretation, mit Rostropowitschs Ehefrau
                                     Galina Wischnewskaja in der Titelrolle, neu heraus - als
                                     besonderes Juwel zum Schostakowitsch-Jahr 2006.
                                     Die Doppel-CD enthält außerdem ein exklusives
                                     Video-Interview mit Rostropowitsch.

                                      CDs im Handel erhältlich oder unter www.emiclassics.de

				
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