gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter by 3Q6h300

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									Fundamentaltheologie                  Prof. Riße                      11.04.05


Zunächst teilte Herr Prof. mit, welcher Stoff Prüfungsrelevant ist.
Er bezog sich dabei auf das Inhaltsverzeichnis seines Skriptes:
Lerne I und II (außer 3abcd)
III (außer 2)
IV 1-2, 4 und
VI 1,2
über die Ferien sollen wir dann dieses Skript durcharbeiten und den Waidenfels „Kontextuelle
Fundamentaltheologie“.


Wir gehen noch mal auf Christof Luxemberg ein. Hier geht es Herrn Prof. vor allem um den
wichtigen Hinweis, dass der Koran ebenfalls mit der historisch-kritischen Methode untersucht
werden muss und der Islam dies selbst angehen müsste. Der Koran ist auch seinem Kontext
zuzuordnen und wurde durch Menschen verändert. Es ist also nicht uninterpretiertes Wort
Gottes. (Es finden sich christliche Einflüsse in der 3. Sure).
aus: http://www.fontaene.de/archiv/nr-15/jesus-im-koran01.htm
                                      Jesus im Koran
                                     - Dr. Martin Bauschke -
                                         Seite 1 von 5




15 Suren des Koran erwähnen Jesus oder beziehen sich auf ihn in etwa 108 Versen: in
sechs mekkanischen sowie in neun medini-schen Suren. Îsâ ist der arabische Name für
Jesus im Koran. Elfmal wird Jesus als »der Messias« (al-masîh) bezeichnet. Man muss
sich freilich grundsätzlich klar darüber sein: Wenn zwei die gleichen Begriffe gebrauchen,
müssen sie noch lange nicht dasselbe damit meinen. Der Koran hat das heilsgeschichtliche
Problem der Messianität Jesu in dem Sinne, wie es kontrovers zwischen Juden und Christen
diskutiert wurde und wird, nirgendwo vor Augen. An seinen eigenen theologischen
Voraussetzungen gemessen, impliziert diese Bezeichnung für Jesus im Koran keinerlei wie
auch immer verstandene göttliche Würde. Das gilt auch für andere Titel Jesu, die sich zwar
der christlichen Tradition verdanken, im Kontext des Koran jedoch anders und neu
verstanden werden. Bei derlei Bezeichnungen Jesu darf keine irgendwie christlich-
dogmatische Deutung etwa im Sinne der Präexistenz- oder Zweinaturenlehre unterstellt
bzw. in den Korantext hineingelesen werden, wie das christliche Theologen schon seit den
Tagen eines Johannes von Damaskus immer wieder getan haben. So meint auch »der
Messias« im Koran nach Auffassung islamischer Ausleger etwa: Jesus ist der Wandernde,
der Salbende, der von jeglicher Sünde Gereinigte oder der Gesegnete.

(1) Zweimal und ausführlich wie nirgends sonst erzählt der Koran von der Ankündigung der
Geburt Jesu und seiner Empfängnis in Maria: in Sure 19:16-22 und in Sure 3:42-47. Aus
der besonderen Rolle Gabriels, den der Koran hier »Geist« nennt, und der Art, in der Maria
Jesus empfängt, resultiert ein zweiter Titel Jesu: »Geist von Gott« (rûh min Allâh, Sure
4:171). Diese Ehrenbezeichnung kommt Jesus zu, weil Maria ihn durch ein Hauchen des
Geistes jungfräulich empfangen hat (vgl. Sure 21:91; 66:12). Jesus verdankt sein Dasein
ausschließlich einem göttlichen Schöpfungsakt, ganz so, wie Gott auch Adam bei dessen
Erschaffung seinen Geist eingehaucht hat. Die Benennung als »Geist« bringt mithin nicht
nur die jungfräuliche Empfängnis Jesu in Maria, sondern die reine Geschöpflich-keit des
Menschen Jesus zum Ausdruck. Exakt derselben theologischen Intention dient die dritte

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Titulierung Jesu als ein »Wort von Gott« (kalimah min Allâh, Sure 3:39,45; 4:171). Auch
hier geht es nicht um eine (womöglich gott-gleiche) Präexistenz Jesu als des ewigen Logos,
sondern allein um Gottes Schöpfertum, das für Jesus wie auch für die Schöpfung insgesamt
gilt. Sure 3:59 benennt den Vergleich zwischen Jesus und Adam ausdrücklich: »Jesus ist vor
Gott gleich wie Adam. Den erschuf er aus Erde. Hierauf sagte er zu ihm nur: sei!, da war
er.« Der Koran hat christlich vorgeprägten Begriffen in der Regel einen neuen, nämlich
theozentrischen Sinn gegeben. Alle Jesus-Titel preisen im Grunde die schöpferische
Allmacht Gottes und zielen nicht auf Spekulationen über das Wesen Jesu ab.


Sure 19:23-34 schildert die Geburt Jesu und ihre Umstände. Dabei fällt auf, dass
Jesus nicht wie in der christlichen Tradition in einem Stall (Lukas), einem Haus
(Matthäus) oder einer Höhle (Protevangelium des Jakobus) geboren wird, sondern in
der Wüste, unter freiem Himmel. Maria, die offensichtlich bei der Geburt, ebenfalls im
Unterschied zur christlichen Überlieferung, ganz alleine ist, wird lediglich von einer Palme
beschattet. Die Geburtsgeschichte ist durch eindrückliche Kontraste gekennzeichnet. Dem
Wunsch Marias, völlig vergessen zu werden, entspricht das fürsorgliche sich an sie Erinnern
Gottes durch ein Wunder. Marias Todessehnsucht steht das lebendige Quellwasser, das ihr
geschenkt wird, gegenüber. Die Bitterkeit ihrer Schmerzen bei der Geburt kontrastiert mit
der wundersamen Labung durch süße Datteln. Dem Schweigegelübde der Erwachsenen
entspricht das zweimalige Reden des neugeborenen Jesus - ein Wunder, das die christliche
Evangelientradition nur ganz am Rande und in anderem Zusammenhang kennt. Der Titel
»Sohn Marias« ist im Koran nicht nur Indiz für die Überzeugung von der Jungfrauengeburt
Jesu, sondern darüber hinaus eine pointierte Antithese zur christlichen Bezeichnung Jesu als
»Sohn Gottes«. Îsâ ibn Maryam - das heißt: Jesus ist der Vaterlose schlecht-hin. Er hat
weder einen irdischen noch einen himmlischen Vater. Umso höher ist daher die
Wertschätzung Marias, umso bestimmter ist die enge Verbindung Jesu mit Maria im Koran.

(2) Wie das Judenchristentum, so vertritt auch der Koran eine prophetisch akzentuierte
Christologie. Jesus ist allein zu den dem Irrtum und Unglauben anheim gefallenen Juden als
deren letzter Prophet gesandt, um sie, in prinzipieller Übereinstimmung mit der Thora
Moses, zum ungeteilten Glauben an den Einen und Einzigen Gott zurückzuführen. In diesem
Zusammenhang findet sich das erste der beiden Ich-bin-Worte Jesu im Koran: »Und als
Jesus, der Sohn Marias, sagte: ‚O Kinder Israels, ich bin der Gesandte Gottes an euch, um
zu bestätigen, was von der Tora vor mir vorhanden war'« (Sure 61:6; vgl. 3:50; 5:46; der
Vers erinnert auffallend deutlich an Römer 15,8!). Jesu Botschaft ist auch innovativ: er klärt
strittige Fragen seiner Zeitgenossen (Sure 43:63). Seine Verkündigung ist von
Weitherzigkeit und Milde geprägt: er bringt den Juden auch einige Erleichterungen
von den Vorschriften der Thora (Sure 3:50; vgl. 57:27).

Mehrfach nennt der Koran Jesus »Prophet« (nabî). In Sure 19:30 stellt er sich selbst mit
diesem Titel vor. Es ist das andere der beiden Ich-bin-Worte Jesu im Koran: »Ich bin der
Diener Gottes. Er ließ mir das Buch zukommen und machte mich zu einem Propheten.«
Dass Jesus dies schon als Kind von sich sagen kann, zeigt, dass das Prophetenamt dem
Koran zufolge keine menschliche Eigenschaft oder Fähigkeit darstellt, sondern sich allein
göttlicher Berufung und Befähigung verdankt. Häufiger noch wird Jesus der Titel
»Gesandter« (rasûl) beigelegt (z.B. Sure 3:49; 4:171; 5:75; 57:27; 61:6). Die
Christologie ist mithin eingebettet in die umgreifende koranische Prophetologie. Jesus steht
in einer langen Tradition. Zweimal wird im Koran ausdrücklich die gleiche Würde aller
Propheten und Gesandten betont (Sure 2:136 = 3:84). Die Offenbarung, die Jesus von Gott
- in Buchform (Sure 19:30) - empfängt, um sie den Juden zu bringen, ist »das Evangelium«
(al-indschîl). Seine Grundstruktur steht in großer Nähe zur Verkündigung Jesu, wie
insbesondere die synopti-schen Evangelien sie wiedergeben. Auch dem Koran zufolge ist es
eine theozentrische Botschaft, die Jesus bringt. Er verkündigt nicht sich selbst, sondern Gott
als den Einen und Einzigen Herrn aller Menschen, dem allein die Anbetung gebührt. Der
Kern der Botschaft Jesu, den der Koran öfters wiederholt, lautet (Sure 3:51):

»Gott ist mein Herr und euer Herr, so dienet Ihm. Das ist ein gerader Weg.«
Dementsprechend werden die namentlich unerwähnt bleibenden Jünger Jesu im Koran nicht
nur als seine Nachfolger, sondern auch und zuerst als seine »Helfer zu Gott« bezeichnet
(Sure 3:52, f). Zum Wesen der Sendung Jesu gehört auch, der unmittelbare Vorläufer

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Muhammads zu sein. Daher gehört es zu seiner Botschaft, dessen Kommen anzukündigen
(Sure 61:6): »Und als Jesus, der Sohn Marias, sagte: O Kinder Israels, ich bin der Gesandte
Gottes an euch, um (...) einen Gesandten zu verkünden, der nach mir kommt: sein Name
ist Ahmad.« Ahmad bedeutet »der Gepriesene, der Hochgelobte« und hat in der Wurzel
dieselben drei Konsonanten (h-m-d) wie Muhammad. Daher wird dieser Vers von
islamischen Auslegern durchweg als Anspielung auf das »Siegel der Propheten« (Sure
33:40) verstanden. In jedem Fall lässt sich beobachten: Wie das Neue Testament den
jüdischen Propheten Johannes den Täufer als Vorläufer Jesu betrachtet bzw.
instrumentalisiert, so wird Jesus seinerseits im Koran als Vorläufer Muhammads in Anspruch
genommen. Sure 61:6 dient mithin als Hinweis auf die Einheit und Kontinuität der göttlichen
Offenbarungs- als Prophetengeschichte.

(3) Jesu Wunder werden im Koran »Beweise«, manchmal auch »Zeichen« genannt. Jesus
vollbringt sie auf Grund einer doppelten Voraussetzung. Zum einen hat Gott ihn von Geburt
an gestärkt mit dem »Geist der Heiligkeit«. Zum anderen kann Jesus seine Taten allein »mit
Gottes Erlaubnis« tun. Beides kommt in folgender Beschreibung der Wunder Jesu zum
Ausdruck, in der Gott selbst Jesus anredet (Sure 5:110). Die Auflistung erinnert an die
Summarien der Synoptiker: »O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu
deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte, sodass du zu den Menschen
in der Wiege und als Erwachsener sprachst; und als Ich dich das Buch, die Weisheit, die
Tora und das Evangelium lehrte; und als du aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt mit meiner
Erlaubnis schufest und dann hineinbliesest und es mit meiner Erlaubnis zu einem Vogel
wurde; und als du Blinde und Aussätzige mit meiner Erlaubnis heiltest und Tote mit meiner
Erlaubnis herauskommen ließest«.

Drei Taten Jesu werden im Koran besonders gewürdigt: das Wiegen-, das Vogel- und das
Speisetischwunder. Beim Wiegenwunder (Sure 3:46; 5:110; 19:29-33) spricht Jesus
bereits als Kind zweimal zu den Menschen: zunächst tröstend zu seiner Mutter, sodann auf
dem Arm Marias zu den Menschen. Mit seiner Rede nimmt Jesus nicht nur Maria vor den
Verdächtigungen und Verleumdungen ihrer Angehörigen in Schutz, sondern stellt sich selber
als »Gottes Diener« vor und beschreibt seinen göttlichen Auftrag. Eine weitere Tat Jesu ist
das Vogelwunder, das eine gewisse Verwandtschaft zeigt mit einem Wunderbericht im
apokryphen Kindheitsevangelium des Thomas (Kap. 2), gleichwohl aber signifikante
Unterschiede zu diesem aufweist. Denn das Vogelwunder Jesu dient dem Erweis der
Schöpfermacht Gottes, der Menschen durch Wort und Tat daran teilhaben lässt, wann und
wie es Ihm gefällt, nicht aber der Verherrlichung eines göttlichen Wunderknaben. Am
ausführlichsten von allen Wundern Jesu wird das mit der Speise, die (auf einem Tisch)
vom Himmel kommt, beschrieben (Sure 5:112-115). Möglicherweise ist dieser Bericht ein
Reflex der Speisewunder, von denen die Evangelien berichten, oder der Vision des Petrus in
Joppe (Apostelgeschichte 10,9-16), vielleicht aber auch der (gnostischen) Tradition vom
Himmelsbrot (vgl. Johannes 6,30-35) oder einfach der Praxis der christlichen Mahlfeiern am
»Tisch des Herrn« (1 Korinther 10,21), also der Worte zur Einsetzung des Abendmahls.

(4) Ein letzter gewichtiger Titel Jesu im Koran ist »Diener Gottes« (abd Allâh). Diese
Bezeichnung ist kein exklusiver Titel für Jesus, sie ist vielmehr die grundsätzliche Be-
stimmung des Menschseins als solchen. Der Anthropologie des Koran zufolge besitzt der
Mensch eine abd-Struktur (vgl. Sure 51:56; 7:194; 13:15, f; 21:26). Der Mensch als
»Diener« ist, was er ist, in seiner Verwiesenheit und seinem Angewiesensein auf Gott als
seinem alleinigen »Herrn« (rabb). Jesu Bezeichnung als abd ist von dieser Herr-Diener-
Relation bestimmt. Solches abd-Sein des Menschen bedeutet nicht die blinde Unterwerfung
eines unmündigen Sklaven, sondern »die Entfaltung des eigentlichen Kerns seines
Daseins«, wie der muslimische Theologe Abdoldjavad Falaturi betont. Mit dem aus der
jüdisch-christlichen Tradition stammenden Titel des »Gottesknechts« soll ebenso wie mit
der Bezeichnung »Sohn Marias« gesagt werden, dass Jesus nicht der »Sohn Gottes« ist. Die
Behauptung einer Gottessohnschaft Jesu kann sich dem Koran zufolge nicht auf Jesus
berufen - mehr noch: sie steht geradewegs im Widerspruch zu seinem Selbstzeugnis. Gott
ist nicht sein Vater, sondern sein Herr. Genauso wenig wie die Engel, die in der
unmittelbaren Gegenwart Gottes leben, ist Jesus zu stolz dafür, sich dem Einen und
Einzigen Gott als sein Geschöpf unterzuordnen, wie Sure 4:172 betont: »Der Messias wird
es sicher nicht aus Widerwillen ablehnen, Diener Gottes zu sein, und auch nicht die in die


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Nähe (Gottes) zugelassenen Engel. Wenn einer es aus Widerwillen ablehnt, Ihm zu dienen,
und sich hochmütig zeigt, so wird Gott doch sie allesamt zu sich versammeln.«

Der Koran lehnt eine Gottessohnschaft Jesu letztlich aus denselben beiden Gründen ab, wie
er auch die polytheisti-sche Auffassung der Gegner Muhammads in Mekka zurückweist. Gott
duldet als der Eine und Einzige keinen Teilhaber an Seiner Seite. Wer das nicht beachtet,
macht sich der Sünde der »Beigesellung« (shirk) schuldig. Und: Gott ist erhaben darüber,
eine Gefährtin zu haben, mit der er Kinder zeugen würde. Gott hat weder Töchter noch
Söhne. Derlei Behauptungen, die suggerieren, Gott sei ein irgendwie geschlechtlich
spezifizierbares Wesen, sind menschlich-allzumenschliche Fantasien (vgl. Sure 6:100-101;
17:111; 23:91, f; 72:3). Die Juden werden dem Koran zufolge Jesus nicht gerecht, indem
sie ihn in seiner Stellung herabsetzen und unterschätzen, da sie ihn für ein illegitimes Kind
Marias halten. Die Christen hingegen gehen zu weit, indem sie ihn überschätzen und ihn gar
für einen Gott halten. Der Koran bewertet solche Übertreibung in Sure 5:17, 72 als
»Unglauben« (kufr). Man muss historisch freilich berücksichtigen: Dieser Vorwurf richtete
sich konkret gegen monophysitische Christen. In ihren Gottesdiensten war und ist es bis
heute selbstverständlich, Christus mit »unser Gott« oder sogar mit »allmächtiger Gott«
anzurufen! Demgemäß ist er in ihren Augen auch über die selbstverständlichsten
menschlichen Bedürfnisse erhaben gewesen. Auch die massiven Tendenzen im (damaligen)
orientalischen Christentum zur Vergottung Jesu und Marias verurteilt der Koran aufs
Schärfste (Sure 5:73, 116). Die Kunde von den tritheistischen und christologischen
Streitigkeiten der Christen war bis nach Arabien und zu Muhammad gedrungen, wie der
Koran mehrfach erkennen lässt, wenn er von der christlichen »Uneinigkeit« spricht. Der
Koran lehnt nicht nur einen familiären Tritheismus, sondern wohl auch - wie schon das
Judenchristentum - jede mögliche Form eines trinitarischen Gottesbildes ab, gelte sie
christlicherseits nun als orthodox oder als häretisch.

(5) Wiederholt erwähnt der Koran, dass Menschen immer wieder versucht haben, die zu
ihnen gesandten Propheten zu Tode zu bringen. Auch Jesus hat die Feindschaft derjenigen
jüdischen Zeitgenossen, die ihm keinen Glauben schenkten, zu spüren bekommen. Jesus
wurde auf Grund seiner Wundertaten von den Juden sogar der »Zauberei« beschuldigt
(Sure 5:110). Mehr noch, die Juden haben eine ungeheure Behauptung aufgestellt, die mit
folgenden Worten wiedergegeben wird (Sure 4:157): »Wir haben den Messias Jesus, den
Sohn Marias, den Gesandten Gottes, getötet.« Menschlicher Frevel gegen Gott geht in den
Augen des Koran so weit, dass man sogar vor dem Mord an seinem Gesandten nicht
zurückschreckt. Doch Gott weiß Jesus vor den mörderischen Absichten seiner Gegner zu
bewahren. Denn Seine Bewahrung ist größer als die Bedrohung durch Menschen. Deshalb
widerspricht der Koran den Juden entschieden: »Sie haben ihn aber nicht getötet, und sie
haben ihn nicht gekreuzigt« (Sure 4:157). Ein Gesandter Gottes steht mehr noch als der
Prophet unter Gottes besonderem Schutz, der ihn zwar nicht schlechthin vor der Möglichkeit
der Ermordung schützt. Doch wird auch sonst von keinem namentlich im Koran erwähnten
Gesandten berichtet, er sei durch Menschenhand getötet worden.

Das Dass der Bewahrung Jesu vor einem gewaltsamen Tod durch Menschenhand ist
unmissverständlich (Sure 5:110), doch das Wie der göttlichen Intervention ist nicht
eindeutig zu erklären. Sure 4:157-158 sagt weiter: »Sie haben ihn aber nicht getötet, und
sie haben ihn nicht gekreuzigt, sondern es erschien ihnen eine ihm ähnliche Gestalt.
Diejenigen, die über ihn uneins sind, sind im Zweifel über ihn. Sie haben kein Wissen über
ihn, außer dass sie Vermutungen folgen. Und sie haben ihn nicht mit Gewissheit getötet,
sondern Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.«

Dieser Vers ist islamischerseits wie auch christlicherseits sehr unterschiedlich ausgelegt
worden. Bei weitem die meisten Kommentatoren stimmen jedoch darin überein, dass der
Koran nicht das historische Ereignis einer Kreuzigung als solcher verneint, wohl aber die
Kreuzigung Jesu. Vielmehr sei ein anderer an Jesu statt gekreuzigt worden. Wie Gott letzten
Endes Jesus vom Kreuz bewahrt und errettet hat, bleibt allein Sein Geheimnis. Der Kontext
von Sure 4:157, f macht so viel deutlich: der Koran thematisiert »das Kreuz« zwar faktisch
im Widerspruch zur christlichen Überzeugung von einer Kreuzigung Jesu; das koranische
Nein zur Kreuzigung Jesu bezweckt keine Ablehnung der christlich behaupteten,
soteriologisch wie auch immer beschriebenen Kreuzestheologie. Die eigentliche Zielrichtung
des Kreuzigungsverses im Koran ist nicht antichristlicher, sondern antijüdischer Natur, wie

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der polemische Kontext zeigt (Vers 155, f). Die Pointe der Bestreitung der Kreuzigung Jesu
ist mithin eine doppelte. Negativ-polemisch besteht sie darin, anmaßende jüdische
Behauptungen in Bezug auf Jesus zurückzuweisen. Gott lässt - genauso wenig wie schon bei
Abraham, Mose und bei Muhammad in Mekka - zu, dass seinem Gesandten Jesus auch nur
ein Haar gekrümmt werde. Die Pointe des Kreuzigungsverses besteht positiv-bestätigend
darin, das deus semper maior (Gott steht über allem) gegenüber jeder Form menschlicher
Opposition gegen Gott und seinen Gesandten zu erweisen.

(6) Der Koran enthält keine Angaben darüber, wo und wie, wann und in welchem
Alter Jesus stirbt. Deshalb und auf Grund ihrer Implikationen für die Eschatologie ist die
Frage nach Jesu Tod muslimischerseits höchst umstritten. Eindeutig ist der Koran nur
insofern, dass Jesus als Mensch sterblich ist. Denn Gott hat keinem Menschen
Unsterblichkeit verliehen (Sure 21:34, f). Die eindeutigste Aussage zum
selbstverständlichen Sterbenmüssen Jesu findet sich in Sure 19:33, wo Jesus von sich
selber sagt: »Friede sei über mir am Tag, da ich geboren wurde, und am Tag, da ich sterbe,
und am Tag, da ich wieder zum Leben erweckt werde.« An zwei anderen Stellen aus
medinischer Zeit ist nicht vom »Sterben« Jesu, sondern von seinem »Abberufenwerden« die
Rede (Sure 3:55; 5:117). Diese Wendung kann unterschiedlich verstanden werden. Ent-
weder so, dass Gott (den schlafenden) Jesus unmittelbar ergreift und von der Erde
wegnimmt, sodass Jesus lebend zu Gott erhöht wird, ohne vorher gestorben zu sein. Diese
klassisch islamische Deutung steht unter der dogmatischen Voraussetzung, dass Jesus
derzeit im Himmel weilt, um eines Tages wiederzukommen und erst nach Erfüllung seiner
endzeitlichen Mission zu sterben (worüber aber der Koran selber nichts Eindeutiges sagt).
Oder Jesus wird in dem Sinne »abberufen«, dass Gott Jesus aus der Todes-gefahr befreit
und ihn erst nach Ablauf seiner Lebensfrist eines natürlichen Todes sterben lässt, um
daraufhin allein seine Seele - wie die aller gläubig Gestorbenen - zu sich zu nehmen. Die
unbestreitbare Stärke dieser zweiten Inter-pretation ist, dass sie weder von dogmatischen
Voraus-setzungen noch vom Streben nach Harmonisierung mit christlichen Auffassungen
beeinflusst ist, sondern primär den koranischen Sprachgebrauch berücksichtigt. Der
Ausdruck »abberufen werden« meint sachlich nichts anderes als »sterben lassen«, aber so
verstanden, dass der Mensch nicht einfach stirbt, sondern Gott als der Herr über seine
Lebenszeit ihn sterben lässt und ihn in diesem Sinne zu sich abberuft. Dieser Deutung ist
zusammen mit zahlreichen zeitgenössischen islamischen Kommentatoren der Vorzug zu
geben. Jesu »Abberufung« und »Erhöhung« hat im Koran nichts mit Auferstehung,
Entrückung oder Himmelfahrt zu tun, sondern beschreibt lediglich, dass Jesus wie alle
übrigen Geschöpfe am Ende zu Gott, dem Ursprung des Lebens, zurückkehrt.

(8) Jesu Auferweckung geschieht dem Koran zufolge und anders als nach christlicher
Auffassung nicht schon in der Zeit, sondern erst am Ende der Zeiten, im Kontext des Tages
des Jüngsten Gerichts. Jesus kommt gleichwohl eine besondere Würde zu, nicht nur in der
irdischen, sondern auch in der himmlischen Welt. Er ist ein Angesehener, ein Herrlicher, ein
Geehrter in Gottes Nähe (Sure 3:45). Jesus ist dem Koran zufolge nicht etwa Richter zur
Rechten Gottes - eine Auffassung, die sicher auch der historische Jesus zurückgewiesen
hätte. Vielmehr ist er der eschatologische »Zeuge« (shahîd) Gottes in Bezug auf die
Christen, wie auch die anderen Glaubensgemeinschaften ihre eigenen Zeugen haben. Sure
4:159 sagt von Jesus: »Am Tag der Auferstehung wird er über sie Zeuge sein.« Darüber
hinaus gehört zur Prophetologie des Koran, dass Gott im Endgericht von seinen Gesandten
Rechenschaft fordert (Sure 33:7, f). Jesu Funktion im Endgericht wird bestimmt von seiner
Rechenschaftspflicht Gott gegenüber für sein Wirken als Dessen Gesandter. Davon handelt
Sure 5:116-119: ausführlich wird ein Gespräch Gottes mit Jesus, des Sendenden mit dem
Gesandten, zitiert, das sich im Zusammenhang des Endgerichts oder bereits unmittelbar
nach Jesu Tod abspielt. Es zeigt gewisse Ähnlichkeit mit Joh 17,1-8 (Abschiedsgebet Jesu)!
Die letzten Worte Jesu in diesem Dialog mit Gott sind ebenso wie die ersten Worte Jesu als
Kind eine Zusammenfassung seiner Botschaft. Diese ist wie die aller Propheten
ausschließlich auf Gott bezogen. Er und keiner sonst ist Herr und König, Mächtiger und
Weiser. Jesu Größe hängt nicht vom Erfolg seiner Sendung ab. Sie besteht in seiner
gehorsamen Treue gegenüber Gottes Auftrag und in der Wahrhaftigkeit, mit der er sich Ihm
unterordnet.
(9) Jesus ist ganz und gar der Mensch Gottes und als solcher in seinem Sein, Tun und
Reden ein Gotteszeichen. Man kann die theozentrische Christologie des Koran eine Zeichen
Christologie nennen. Als solche gehört sie in den größeren Kontext der koranischen

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Zeichen-Theologie, die für den Bereich der Natur derselben Intention folgt wie die
Prophetologie im Kontext der Geschichte, sind doch Natur und Geschichte dem Koran
zufolge gleichermaßen Bereiche der Offenbarung Gottes. Die Zeichen-Theologie besagt,
dass die gesamte Schöpfung voller »Zeichen« (âyât) ist, die auf Gottes Güte und Allmacht
verweisen. Alles, was ist, ist ein Fingerzeig auf Gott hin, damit der Sehende sehe, damit der
Hörende höre, damit der Verständige seine Vernunft gebrauche, damit der Mensch anhand
dieser Zeichen Glaube und Dankbarkeit lerne. Die koranische Christologie kann in diese
natürliche Zeichen-Theologie eingeordnet werden. Explizit wird Jesus dreimal ein göttliches
»Zeichen« (âya) für die Welt bzw. die Menschen genannt (Sure 19:21; 21:91; 23:50).
Jesus hat nicht nur Wunder als Zeichen der Allmacht und Güte Gottes vollbracht, sondern er
selbst in seiner ganzen Person ist ein Zeichen dieser Allmacht und Güte. Jesus ist ein
»Fingerzeig« Gottes. Aber eben Gottes! Jesus weist stets, wie es im Wesen des Zeichens
und auch des Gesandten begründet liegt, von sich selber weg, hin auf Gott. Jesus - der
Zeigefinger hin auf Gottes Güte und Allmacht, so möchte ich die Pointe der koranischen
Christologie zusammenfassen. Mit Rainer Maria Rilke zu sprechen (in: Der Brief des jungen
Arbeiters): »Da wäre ja sonst das Alte Testament noch besser dran, das voller Zeigefinger
ist auf Gott zu, wo man es aufschlägt, und immer fällt einer dort, wenn er schwer wird, so
grade hinein in Gottes Mitte. Und einmal habe ich den Koran zu lesen versucht, ich bin nicht
weit gekommen, aber so viel verstand ich, da ist wieder so ein mächtiger Zeigefinger, und
Gott steht am Ende seiner Richtung. (...) Christus hat sicher dasselbe gewollt. Zeigen.«




Auch Texte der apokryphen Evangelien finden sich im Koran. Herr Prof. fordert uns daher
nochmals auf das Thomas und das Jakobusevangelium zu lesen. Hier verweist er auf die
neuen Übersetzungen von Klaus Berger. Als apokryphe Schriften, oder Apokryphen (von griechisch
απόκρυφο, Plural απόκρυφα [βιβλια] - verborgen, hier zu verbergende Bücher, nicht zum Gottesdienstgebrauch
zugelassen) werden Schriften bezeichnet, die eine gewisse Ähnlichkeit mit biblischen Schriften aufweisen, die aber
(für viele der betroffenen Schriften im Konsens fast aller christlichen Konfessionen) nicht dem biblischen Kanon
zugerechnet werden. Es wird unterschieden zwischen Apokryphen des Alten Testaments und Apokryphen des
Neuen Testaments.


Liebe Brüder, an dieser Stelle mal ein Interview mit Klaus Berger, das für uns interessant ist, obwohl er
sich als Exil-Katholiken bezeichnen muß:
                           aus: Kath.net - Ihr Katholischer Nachrichtendienst
Weihnachten - ein \'Appetithappen\' auf das Heil Gottes
Das große Weihnachts-Interview mit Klaus Berger - Jetzt im vollen Wortlaut auf KATH.NET - Warum sich
die Kirche vor der modernen Theologie schützen muß
Es begab sich aber zu der Zeit ... beginnt die Weihnachtsgeschichte des Evangelisten Lukas. Bei vielen
Universitätstheologen haben Lukas und seine Kollegen allerdings keinen guten Ruf - weil ihre Berichte an
zahlreichen Stellen für Legenden gehalten werden. Eine Ausnahmeerscheinung unter den
Theologieprofessoren ist der Heidelberger Neutestamentler Klaus Berger. Er vertritt in seinem neuen
Jesus-Buch die Ansicht, daß es gute Gründe gibt, den biblischen Autoren zu vertrauen - gerade auch in
ihrer Überlieferung der Weihnachtsereignisse. idea-Reporter Marcus Mockler sprach mit Berger über den
Wahrheitsanspruch biblischer Autoren und über Irrtümer in modernen Jesus-Bildern.
idea: Herr Prof. Berger, in Ihrem neuen Jesus-Buch werben Sie dafür, die Fremdheit biblischer Texte
wieder ernstzunehmen und nicht alles als erfunden zu betrachten, was nicht in unser Verständnis paßt.
Weihnachten bietet genügend Fremdes, zum Beispiel die Geburt eines Kindes durch eine Jungfrau.
Glauben Sie an die Jungfrauengeburt?
Berger: Ja - ohne Wenn und Aber. Das unterscheidet mich total von meinen Fachkollegen. Die Kollegen
sagen fast ausnahmslos: Von der Verkündigung Mariens, daß sie ein Kind empfangen soll, über den
Engelschor in der Heiligen Nacht bis zum Kindermord in Bethlehem sei alles Legende; es sei nichts wahr.
Ich sage: Auf dem Hintergrund der judenchristlichen Überlieferung ist ein Bericht über Engel kein Indiz
dafür, daß ein Bericht nicht wahr ist.
idea: Von 100 Hochschultheologen in Deutschland halten wie viele die Weihnachtsgeschichte für wahr?
Berger: Vielleicht zwei.

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idea: Aber welcher Pfarrer möchte seiner Gemeinde an Heiligabend erzählen, daß fast nichts an dem
Bibeltext wahr ist, den er gerade vorgelesen hat?
Berger: In etwa so läuft es, wenn ein Theologiestudent nach dem ersten halben Semester zum Fest nach
Hause kommt und seiner Familie erklärt: Ich habe was Neues gelernt. Die Sache mit Bethlehem und mit
der Jungfrauengeburt stimmt gar nicht. Die Familie wird sagen: Du kannst Deine Weisheiten für Dich
behalten, wir wollen Weihnachten feiern. Die historisch-kritische Methode wird als destruktiv empfunden -
und seelsorgerlich bringt sie gar nichts. Und sie geht von einseitigen Voraussetzungen aus. Wenn man
im Studium lernt Engel gibt es nicht, dann ist das eine unzulässige Einschränkung der Wirklichkeit.
idea: Warum halten Sie die neutestamentliche Überlieferung für verläßlich?
Berger: Weil die Autoren der Bücher nicht für ihre eigenen Fiktionen in den Märtyrertod gegangen wären.
Das würde doch niemand machen - ein Martyrium auf sich nehmen für etwas, was man sich bloß
ausgedacht hat. Meiner Meinung nach erheben die Evangelien alle den Anspruch, vor Gericht belegbar
zu sein. Insbesondere das Johannes-Evangelium, dem man ja in der Wissenschaft am wenigsten zutraut.
Die moderne Theologie geht von einem Grundverdacht des Betruges aus, als stehe hinter den
Evangelien fast überall der Schreibtischtäter, der sich irgendwas ausdenkt. Die Situation der ersten
Gemeinden war ganz anders: Sie mußten damit rechnen, wegen der Botschaft vor Gericht zu stehen.
idea: Warum überzeugt Sie die Mehrheitsmeinung nicht, bei der Jungfrauengeburt handele es sich um
eine Legende?
Berger: Exegeten behaupten, die Jungfrauengeburt sei die Nachbildung eines Mythos aus der
griechischen Welt, wo Götter mit menschlichen Frauen Ehebruch begehen und dabei berühmte Männer
zeugen - etwa Alexander den Großen. Im Neuen Testament weht ein völlig anderer Geist, da ist von
solchen Betrugsmanövern nicht die Rede. Vielmehr steht die Entstehung Jesu durch den Heiligen Geist
im Zusammenhang mit der alttestamentlichen Tradition. Schon bei den Propheten heißt es, daß sie von
Mutterleib berufen sind; bei Johannes dem Täufer heißt es dann, daß er von Mutterleib mit dem Heiligen
Geist erfüllt ist (das ist schon mehr); und bei Jesus, daß er durch den Heiligen Geist entstanden ist.
Warum sollte die Gemeinde auf die Idee kommen, Jesus mit irgendwelchen Halbgöttern zu vergleichen?
idea: Wie sieht es mit dem Kindermord von Bethlehem aus? Kritiker sagen, es habe ihn nie gegeben, weil
keine außerbiblische Quelle darüber berichte.
Berger: Die traditionelle Auslegung (Exegese) setzt voraus, daß alles in der Bibel erlogen ist, zu dem es
keine außerbiblische Parallele gibt. Diese Grundvoraussetzung ist überaus anfechtbar. Es gehörte
damals zur Politik, sich auf diese Weise seiner Rivalen zu entledigen. Das ist gerade fürs erste
Jahrhundert belegt. Warum sollte Herodes, von dem auch sonst nichts Gutes berichtet wird, das nicht
gemacht haben? Die Berichte der Evangelien sind bis zum Beweis des Gegenteils für wahr anzusehen.
idea: Woher kommt dann dieses abgrundtiefe Mißtrauen sehr vieler Theologen, die den Wahrheitsgehalt
der Bibel noch niedriger ansetzen als den anderer historischer Texte?
Berger: Das ist die Grundannahme des Priesterbetruges, die bei uns seit dem Hamburger Philosophen
Hermann Samuel Reimarus (1694-1768) herrscht und behauptet: Jesus sei einfach ein guter Mensch
gewesen, alles andere hätten Kirchenleute hinzugedichtet. Seitdem kämpft die aufgeklärte Exegese
gegen die Kirche. Ziel ist zu zeigen: Die Priester (bzw. Kirchenvertreter) sind Lügner und Betrüger. Das
gipfelt nun in neuesten amerikanischen Forschungsthesen, die besagen: Vielleicht gibt es überhaupt kein
echtes Jesus-Wort. Solche Aussagen gelten als flott, sind aber völlig willkürlich.
idea: Was fasziniert Sie als Neutestamentler an Weihnachten?
Berger: Das, was schon Lukas fasziniert hat, der die Geburt Jesu beschreibt. Mit der Adressierung der
Botschaft an Hirten und andere einfache Menschen wird deutlich, daß Gottes Herrschaft ganz anders
kommt als sonst Herrschaft auf der Welt - nämlich auf eine friedvolle Weise, die bei Lukas schon Züge
einer Idylle hat. Es ist eine Art Vorwegnahme des Heiles - Appetithappen auf das, was Gott mit uns
vorhat.
idea: Populäre Jesus-Bilder gab es in den vergangen Jahrzehnten viele: Jesus, der wahre Pazifist; Jesus,
der neue Mann; Jesus, der Frauenversteher. Warum lehnen Sie diese Jesus-Bilder ab?
Berger: Weil man bei ihnen mit Händen greifen kann, daß es sich um bestimmte Modetrends handelt, die
Jesus angeblich in Vollkommenheit verkörpert hat. Solche Theologie ist mir grundsätzlich verdächtig, weil
sie meistens nur vom Menschen redet und nicht von Gott. Hier geht es um menschliche
Wunschvorstellungen, die den Evangelien nicht standhalten. Jesus war nicht nur Pazifist. Die Händler
vertreibt er mit Gewalt aus dem Tempel. Er ist auch nicht nur lieb, denn er redet vom Gericht, verflucht
den Feigenbaum, setzt Zeichen zur Bekämpfung des Bösen.
idea: Besonders unbequem ist ein Abschnitt in Ihrem Jesus-Buch, wo Sie schreiben, Jesus würde sich
heute vehement gegen Abtreibung aussprechen. Was macht Sie da so sicher?
Berger: Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Schöpfer, will bedingungslos das Leben, und er
begegnet den Menschen immer wieder als Arzt. Auch Jesus tut das. Es ist nicht Aufgabe eines Arztes,
Leben zu vernichten. Daß in einer Wohlstandsgesellschaft wie der unseren, die nachweislich die reichste
und verfressenste aller Jahrtausende ist, Argumente wie sozialer Härtefall zu hören sind, ist angesichts
der Bibel und der Armut der Menschen zu biblischen Zeiten ohnehin nicht zu rechtfertigen. Bei uns muß
niemand verhungern. Wem Gott das Häschen gibt, dem gibt er auch das Gräschen, sagt man in
Ostfriesland. Das ist eigentlich eine christliche Weisheit.
idea: Welche falschen Jesus-Bilder entdecken Sie in der evangelikalen Bewegung?
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Berger: Die Evangelikalen gibt es ja nicht. Neulich habe ich eine ganze Woche mit landeskirchlichen
Laienpredigern verbracht. Deren Offenheit für die Begegnung mit der Bibel hat mich so beeindruckt, daß
ich denen gesagt habe: Wenn das, was Sie vertreten, Pietismus ist, dann bin ich auch Pietist. Manche
theologisch Konservative scheitern daran, daß sie Bibelstellen aus dem Zusammenhang greifen. Wer nur
auf die Gerichtsaussagen des Neuen Testaments schaut, der hat Probleme, an die Barmherzigkeit zu
glauben. Bibelstellen ohne Sinn und Verstand zu isolieren und sie ihrem Zusammenhang zu entreißen,
erzeugt viele Probleme. Manchmal werden daraus auch Patentlösungen entwickelt, die zu einfach sind.
idea: Sie ziehen in Ihrer Arbeit immer wieder apokryphe Schriften hinzu. Antike Texte, die auch über
Jesus schreiben, von der Kirche aber nicht als Gottes Wort anerkannt wurden - etwa das Thomas-
Evangelium. Was fasziniert Sie an diesen Quellen?
Berger: Als Exeget sollte man die Apokryphen einfach kennen. Man darf das Neue Testament nicht
isolieren, sondern man muß fragen, was darüber hinaus in den ersten beiden Jahrhunderten entstanden
ist. Das kann sehr nützlich sein. Ich bin aber nicht dafür, den Kanon (Umfang) biblischer Bücher zu
erweitern.
idea: Umgekehrt wären Sie wohl auch nicht dafür, diesen Kanon einzuschränken und Bücher aus der
Bibel zu entfernen?
Berger: Nein, aber das geschieht fortwährend in der Theologie. Ich kenne keinen Exegeten, der den
Kanon des Neuen Testamentes wirklich ernst nimmt. Die Offenbarung des Johannes, der Hebräerbrief
und der Judasbrief stünden wohl ganz oben auf einer Streichliste moderner Neutestamentler. Auch das
Johannes-Evangelium hält man für historisch völlig unglaubwürdig. Meiner Meinung nach müssen wir um
jeden Preis den ganzen Kanon zusammenhalten. Und aus diesem Grund bin ich in Heidelberg der
einzige, der in den vergangenen 30 Jahren über alle neutestamentlichen Schriften Vorlesungen gehalten
hat.
idea: Für einen Theologieprofessor etwas ungewöhnlich werben Sie für eine Wiederentdeckung der
Mystik. Warum?
Berger: Zunächst: Mystik ist nicht Augenverdrehen, nicht abseitige Spekulation und nicht magische
Manipulation; sondern von der Seite des Menschen her ist es Beten, von der Seite des Himmels her, daß
wir gesegnet werden und das Eingreifen Gottes erleben. Die Wirklichkeit Gottes darf nicht zu bloßer
Humanität verdünnt werden.
idea: Wie sieht Mystik bei Ihnen praktisch aus?
Berger: Ich bete morgens, mittags und abends das Stundengebet der Zisterzienser, das ja ähnlich - nach
Augustinerregel - auch Martin Luther sein Leben lang vollzogen hat. Es ist eine Frage der eigenen
Glaubwürdigkeit, ob man nur über Gott redet oder auch mit ihm spricht. Ohne diesen
Lebenszusammenhang kommt das langweilige Theologengezänk heraus, das wir in der Wissenschaft
erleben.
idea: Ist die neutestamentliche Theologie an den Universitäten wirklich so langweilig?
Berger: Wenn meine Frau abends nicht einschlafen kann, frage ich sie nur: Soll ich Dir mal aus meiner
Dissertation vorlesen? Schon der bloße Gedanke daran läßt sie einschlummern. Meine in den 60er
Jahren entstandene Dissertation ist in der Weise klassischer Exegese geschrieben. Bei den meisten
Professoren geht es über Quellenfragen, Textunterscheidung, Behandlung der Einwände
wissenschaftlicher Gegner und Fußnoten nicht hinaus. Mich hat das unbefriedigt gelassen, denn die
Studenten haben mich immer wieder nach meinem eigenen Standpunkt befragt. Und meine Erfahrung ist,
daß das einzige, was die Studenten behalten, die persönliche Grundeinstellung ihres Professors zur Bibel
ist.
idea: Über Ihre Konfession ist immer wieder Verwirrendes zu hören. Es heißt, Sie seien der einzige
Katholik, der an einer evangelischen Fakultät lehren dürfe. Wo bezahlen Sie denn nun Ihre
Kirchensteuer?
Berger: Bei der evangelischen Kirche. Aber ich bin nicht freiwillig zur evangelischen Kirche gekommen,
sondern durch das Verhalten der katholischen Fakultät in München bei meiner Promotion. Man hat mir
damals falsche Lehren vorgeworfen - dabei sind genau diese Lehren seit 1991 Teil des katholischen
Weltkatechismus. Ich betrachte mich als Exil-Katholiken. Ich komme mir dabei aber viel lutherischer vor
als die meisten meiner Fakultätskollegen.
idea: Wobei Sie mit Ihren Ansichten sicher auch in der katholischen Theologie in Deutschland
keineswegs salonfähig wären ....
Berger: Ich hätte keine Chance, an eine katholische Fakultät berufen zu werden, weil ich für die zu
konservativ bin. Mein Jesus-Buch hat jetzt schon bei katholischen Professoren stürmischen Protest
hervorgerufen. Die meinen, sie müßten progressiver sein und die Protestanten links überholen. Und sie
behaupten, Berger habe vieles noch nicht kapiert. Dabei habe ich das längst hinter mir. So wie der breite
Strom der Exegeten habe ich früher auch einmal gedacht - aber das ist 40 Jahre her.
idea: Wenn heute Jesus Christus sichtbar vor Ihnen stünde - was würde der Neutestamentler Klaus
Berger ihn fragen?
Berger: Ich bin Jesus gegenüber nicht von Neugierde geplagt, dazu sind mir die Einzelheiten zu
unwichtig. Wenn ich Jesus begegne, werde ich nicht wissenschaftliche Fragen klären, sondern sagen:
Gott sei Dank, da bist Du!
idea: Wir danken für das Gespräch.
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Tipp: Das JESUS-BUCH von KLAUS BERGER - Der Bestellhit auf www.kath.net

Herr Prof. berichtet, dass Jesus im Koran nicht am Kreuz gestorben ist, sondern jemand der
ihm ähnlich war. Aber Jesus war auch hier schon der Sohn der Jungfrau Maria.
Josef taucht im Koran nicht auf.
Wir sollen hierzu die 5. Sure lesen. Ich verweise auf den obigen Text von Dr. Bauschke, der
sich hierzu auch äußert. Ich habe die Stelle fett markiert.
Der Koran verstand die Trinität falsch als:
Gott Vater             Gott Sohn               Gott Mutter
Bis ins 6. Jahrhundert n.Chr. gab es auf der arabischen Halbinsel (christliche) Sekten, die Maria
als Göttin verehrten. Von diesen muss Mohammed gewusst haben. Jesus sagt daher im Koran
an einer Stelle sinngemäß: Wer hat gesagt, mich und meine Mutter zu vergöttern?


Nach Islamischer Darstellung hat Gott sich vielfach offenbart:




dem Mose                               Jesus und                      Mohammed                Bahaj
daraus machten die Menschen
die 5 Bücher der Tora                  die 4 Evangelien               den einen Koran


                                                       für Christen gab es nach Jesus keine
                                                       weitere öffentliche Offenbarung mehr
                                                       (wohl private wie in Fatima und Lourdes)
Als Religionswissenschaftler (nicht als Christ oder Katholik) muß man sagen, dass die
Entwicklung/Entstehung der Offenbarungen noch nicht vollendet ist.


Wir erwähnen unseren Heiligmäßigen Papst Johannes Paul II, den Großen, wie er in Assisi
die Weltreligionen zum Friedensgebet versammelte und wie diese ihm auch die letzte Ehre
erwiesen. Herr Prof. sagt dazu, dies sei ein Nachweis, wie plural die katholische Kirche wirklich
ist! Unser Papst stützte sich auf das II. Vatikanum, wo es ja in Nostra aetate heißt:
                            Erklärung über das Verhältnis der Kirche
                              zu den nichtchristlichen Religionen
                                        "Nostra aetate"
2. Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse
Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen
Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkenntnis einer höchsten Gottheit oder
sogar eines Vaters. Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen
religiösen Sinn. Im Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Kultur suchen die Religionen mit
genaueren Begriffen und in einer mehr durchgebildeten Sprache Antwort auf die gleichen Fragen. So
erforschen im Hinduismus die Menschen das göttliche Geheimnis und bringen es in einem
unerschöpflichen Reichtum von Mythen und in tiefdringenden philosophischen Versuchen zum Ausdruck
und suchen durch aszetische Lebensformen oder tiefe Meditation oder liebend-vertrauende Zuflucht zu
Gott Befreiung von der Enge und Beschränktheit unserer Lage. In den verschiedenen Formen des
Buddhismus wird das radikale Ungenügen der veränderlichen Welt anerkannt und ein Weg
gelehrt, auf dem die Menschen mit frommem und vertrauendem Sinn entweder den Zustand
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vollkommener Befreiung zu erreichen oder - sei es durch eigene Bemühung, sei es vermittels höherer
Hilfe - zur höchsten Erleuchtung zu gelangen vermögen. So sind auch die übrigen in der ganzen Welt
verbreiteten Religionen bemüht, der Unruhe des menschlichen Herzens auf verschiedene Weise zu
begegnen, indem sie Wege weisen: Lehren und Lebensregeln sowie auch heilige Riten. Die
katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig
ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und
Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht
selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet. Unablässig aber
verkündet sie und muß sie verkündigen Christus, der ist "der Weg, die Wahrheit und das Leben" (Joh
14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt
   4
hat . Deshalb mahnt sie ihre Söhne, daß sie mit KIugheit und Liebe, durch Gespräch und
Zusammenarbeit mit den Bekennern anderer Religionen sowie durch ihr Zeugnis des christlichen
Glaubens und Lebens jene geistlichen und sittlichen Güter und auch die sozial-kulturellen Werte, die sich
bei ihnen finden, anerkennen, wahren und fördern.
3. Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den
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lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde ,
der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit
ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube
sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten,
und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen.


Herr Prof. sagt, der Mensch unterliegt einem Zwang zur Häresie (Zwang zur Entscheidung), da
er auf der Suche nach dem Heil nicht alle Religionen ausprobieren kann.
Er erwähnt den Autor Peter L. Berger.

Peter L. Berger (* 17. März 1929 in Wien) ist ein Soziologe.


Berger zog nach Ende des Zweiten Weltkrieges in die USA, wo er Soziologie und Philosophie studierte. In den 1950er Jahren an der
Evangelischen Akademie Bad Boll war er später war er an der Boston University tätig. Bekannnt wurde Berger durch seine gemeinsam mit
Thomas Luckmann verfasste wissenschaftsoziologische Arbeit Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Ein wichtiges Arbeitsfeld
Bergers war die Religionssoziologie
 [Bearbeiten]


         Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit (1966, zusammen mit Thomas Luckmann)

         The Capitalist Spirit. Towards a Religious Ethic of Wealth Creation. (1990)

         Sehnsucht nach Sinn. Glauben in einer Zeit der Leichtgläubigkeit. (1999)


siehe auch: Sozialkonstruktivismus



Unsere Geburt, dass heißt Ort und Land unserer Geburt bestimmen doch auch unsere Religion.
In jeder Religion muß Gott sich also verkündet haben. Dies nennt das II. Vatikanum Semina
verbi (Samen des Wortes, der sich in jeder Religion findet).
Peter zeichnete dazu folgende Darstellung: Die Suche nach dem Heil gleicht einem Fluß über
den wir schwimmen oder kommen müssen. Wer stark ist kann schwimmen. Andere bedienen
sich der Boote, die unterschiedlich groß sind. Dies sind die Religionen. Wer sich an die Regeln
hält, fällt nicht von Bord und kommt ans andere Ufer.


Wir kommen zum Buddhismus und dem Jesusbild dort:
Erscheint ein Gott in Menschengestalt, heißt dies im Hinduismus „Abatara“.
Herr Prof. zitiert und erinnert an das prophetische Wort von Romano Guardini ("Der Herr", S.
360): "Einen Einzigen gibt es, der den Gedanken eingeben könnte, ihn in die Nähe Jesu zu
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rücken: Buddha. Dieser Mann bildet ein großes Geheimnis. Er steht in einer erschreckenden,
fast übermenschlichen Freiheit; zugleich hat er dabei eine Güte, mächtig wie eine Weltkraft.
Vielleicht wird Buddha der letzte sein, mit dem das Christentum sich auseinanderzusetzen hat.
Was er christlich bedeutet, hat noch keiner gesagt. Vielleicht hat Christus nicht nur einen
Vorläufer aus dem alten Testament gehabt, Johannes, den letzten Propheten, sondern auch
einen aus dem Herzen der antiken Kultur, Sokrates, und einen dritten, der das letzte Wort
östlich-religiöser Erkenntnis und Überwindung gesprochen hat, Buddha."
(aus: http://home.vrweb.de/j.ku/zen-chri.htm )


Der gekreuzigte Jesus ist für die Christen kein Anblick. Mit dem 8-fachen Weg geht es nur um
die Überwindung des Leidens, während für den Christen Ostern nicht ohne Karfreitag zu
denken ist!


Buddha
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der Titel Buddha stammt aus dem Sanskrit und bedeutet soviel wie „Erleuchteter“ oder „Erwachter“. Von dem Wort
ist die Bezeichnung „Buddhismus“ abgeleitet.
Ein Buddha ist ein Wesen, welches aus eigener Kraft die Reinheit und Vollkommenheit seines Geistes erlangt hat
und somit eine grenzenlose Entfaltung aller „seiner“ Potentiale erlangt hat: vollkommene Weisheit und unendliches
Mitgefühl. Er ist ins Nirvana eingetreten. Von „seinem“ Geist kann man eigentlich gar nicht sprechen, denn diese
Erlangung ist von transzendenter Natur, mit dem Verstand nicht zu erfassen, „tief und unergründlich, wie der Ozean“.
Aufgrund des höchst individuellen Charakters dieser Erfahrung entzieht sich diese einer wissenschaftlichen Prüfung.
Die Qualität der Buddha-Erfahrung ist für Menschen, die diese Erfahrung nicht selbst gemacht haben, nicht
nachzuvollziehen. Der Glaube daran, dass einzelne Menschen eine solche Erfahrung tatsächlich erlebt haben, ist
religiöser Natur.
Eine Buddha-Erfahrung tritt sehr selten auf. Nach der buddhistischen Tradition ist ein Zeitalter, in dem ein Buddha
auftritt, ein „glückliches Zeitalter“, denn es gibt sehr viele Zeitalter, in denen kein Buddha auftritt und deshalb auch
keine Lehre der endgültigen Befreiung befolgt werden kann: ein „dunkles Zeitalter“.
Gemäß des Mahayana-Buddhismus hat jedes Zeitalter einen Buddha und der Buddha des nächsten Zeitalters ist
Maitreya. Im tantrischen Buddhismus gibt es eine Fülle von Buddhas, die auch transzendente Buddhas, Adibuddhas
oder Tathagatas genannt werden. Diese Urbuddhas sind nicht inkarnierte kosmische Wesen und stellen die Idee des
Buddha dar.
Buddha Shakyamuni (Siddhartha Gautama)

Der Buddha unseres Zeitalters lebte im 6. Jahrhundert v.Chr. (563-483 v.Chr.) in Nordindien. Sein Vater war
Herrscher des Königreichs Shakya (im heutigen Nepal). Seine Mutter war die Königin Maya. Sie nannten ihren Sohn
(in Pali) Siddhattha (Sanskrit: Siddhartha), was „der sein Ziel erreicht hat“ bedeutet. Der Beiname Shakyamuni
bezieht sich auf seine Herkunft und bedeutet „der Weise aus dem Geschlecht von Shakya“.
Er lebte in einem Palast wo ihm alles was zum Wohlleben gehörte zur Verfügung stand und den er kaum jemals
verließ. Eines Tages sah er sich aber doch der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit
gegenübergestellt und erkannte eine Sinnlosigkeit in seinem bisherigem Leben, die Legende berichtet von
Begegnungen mit einem Greis, einem Fieberkranken, einem verwesenden Leichnam und schließlich einem Mönch,
woraufhin er beschloß nach einem Weg aus dem allgemeinen Leid zu suchen. Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt
seines einzigen Sohnes Rahula, verließ er sein Kind, seine Frau Yasodhara und sein Königreich und wurde, auf der
Suche nach dieser Erlösung, ein Asket. Sechs Jahre lang wanderte der Asket Gotama durch das Tal des Ganges,
traf berühmte religiöse Lehrer, studierte und folgte ihren Systemen und Methoden und unterwarf sich selbst strengen

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asketischen Übungen. Da ihn all dies seinen Zielen nicht näher brachte, gab er die überlieferten Religionen und ihre
Methoden auf, suchte seinen eigenen Weg und übte sich dabei vor allem in der Meditation. Er nannte dies den
„Mittleren Weg“, weil er die Extreme anderer religiöser Lehrer meidet.

In diesem Bemühen um Erlösung erreichte Gotama in seinem 35. Lebensjahr die vollkommene Erleuchtung (Bodhi),
nach der er als der Buddha - der Erleuchtete, Erwachte - bekannt wurde. Das geschah am Ufer des Neranjara-
Flusses bei Gaya (nahe Bodhgaya im heutigen Bihar) unter einer Pappelfeige, die heute als Bodhi-Baum, "Baum der
Weisheit", verehrt wird.
Nach seinem Erwachen hielt Gotama, der Buddha, im Wildpark bei Isipatana (dem heutigen Sarnath) nahe Benares
vor einer Gruppe von fünf Asketen, seinen früheren Gefährten, seine erste Lehrrede. Diese fünf wurden damit die
ersten Mönche der buddhistischen Mönchsgemeinschaft ( Sangha). Von jenem Tage an lehrte und sprach er 45
Jahre lang vor Männern und Frauen aller Volksschichten, vor Königen und Bauern, Brahmanen und Ausgestoßenen,
Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern. Die bis heute in Indien bestehenden Unterscheidungen durch die
Kastenordnung und die Verschiedenheiten der sozialen Gruppierungen erkannte er nicht an. Der Weg, den er lehrte,
stand allen Männern und Frauen offen wenn sie dazu bereit waren ihn zu verstehen und zu gehen.
Im Alter von 80 Jahren verstarb Gotama in Kusinara (im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh) an Ruhr
nachdem er ein giftiges Pilzgericht verzehrt hatte.


Die ehtische Grundlegung im 8-fachen Pfad entspricht nach Prof. Risse unseren 10 Geboten.
Immer mehr Menschen sind dem Buddhismus zugetan und Glauben z.B. an die Reinkarnation.
Jesus verwandte 600 Jahre später ähnliche Gleichnisse, wie das des verlorenen Sohns.




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