Liebe Kinder

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					Brief 1

Liebe Kinder

Es ist etwas ganz Dummes passiert. Ich habe mich deswegen sehr geärgert und am liebsten wäre mir, wenn es
dieses Jahr gar keine Weihnachten gäbe. Ich könnte vor Scham in den Boden versinken, ich könnte mir alle meine
Haare ausreißen, ich könnte nur noch jammern und klagen; aber wie mir alle sagen: das nützt gar nichts und ich
solle jetzt endlich vernünftig werden und etwas tun. Und so muss ich in den sauren Apfel beißen und zugeben, dass
eigentlich alles meine Schuld ist.

Oh, ihr wisst ja noch gar nicht, was passiert ist und warum ich euch einen Brief schreibe. Auf diese Idee hat mich
Tim gebracht und das war eine gute Idee. Ihr kennt Tim nicht? Ihr werdet ihn kennenlernen. Doch alles schön der
Reihe nach.

Es war so: Mit Schrecken sah ich auf dem Kalender, dass es nur noch 10 Wochen bis Weihnachten sind und in
diesem Jahr spürte ich mein Rheuma und meine alten Beine ganz besonders. Ich hatte noch gar nicht angefangen
mit all den vielen Weihnachtsvorbereitungen und wusste doch schon, wie schwer mir dieses Jahr die viele Arbeit
werden würde. Natürlich habe ich ein paar Helfer, na ja, wie es so ist, die meiste Arbeit muss ich ja doch selber tun.
Da dachte ich, wenn doch so viele Kinder diese Rolldinger haben, diese In ... In ... Kater, na ja, ihr wisst schon,
Rollschuhe hieß das früher und mit denen sie so wunderbar schnell hin- und hersausen können, da könnte ich doch
auch blitzschnell, ohne meine müden Füße groß anzustrengen, von Ort zu Ort kommen.

Dabei war mir schon klar, dass man zuerst tüchtig üben muss, bis man richtig gut fahren kann. Aber warum sollte
ich das nicht lernen können, Schlittenfahren kann ich ja auch und als ich noch ein Junge war, hatte ich auch
Schlittschuhe. Also habe ich mir richtig gute In ... Inland-Kater gekauft. Die sind zwar leider ziemlich teuer, aber ich
leiste mir ja sonst nicht viel und lebe sehr bescheiden - und schließlich brauchte ich sie nicht zum Vergnügen,
sondern für meine Arbeit.

Richtig gefreut habe ich mich auf meinen ersten Versuch und etwas aufgeregt war ich natürlich auch.
Wahrscheinlich zu aufgeregt, denn kaum stand ich auf den Rollen und wollte losfahren, da lachte Tim und meinte,
das sehe aber wirklich echt originell aus - der Weihnachtsmann auf Inland-Katern! Und ich dachte, na, dir werde ich
schon zeigen, wie originell ich bin und sauste los, den Hügel hinunter.

Das hätte ich lieber nicht tun sollen, denn kaum hatte ich das gedacht, knallte ich mit voller Wucht gegen einen
Tannenbaum, fiel mit Karacho mit verdrehten Beinen auf den Rücken und lag da wie ein umgedrehter Käfer und
konnte mich nicht mehr bewegen. Mein Gesicht war total zerkratzt und blutete, der linke Arm war aufgeschürft und
das rechte Bein gebrochen. Und eine Gehirnerschütterung hatte ich auch noch. Überall tat es mir weh. Meine
blauen Flecken kann ich gar nicht zählen und der Arzt hat nur das Gesicht verzogen und gesagt: „Aber, Herr
Weihnachtsmann, ich hätte Sie wirklich für vernünftiger gehalten. Mit Tempo 100 sollte man nicht gleich anfangen.
Nun können sie sich schön ins Bett legen und sehen, wie Sie das mit Weihnachten regeln. Sie jedenfalls können für
einige Zeit gar nichts mehr tun. Und die Rechnung wird auch nicht ganz billig. Fünf Kilo Gips habe ich alleine für
das Bein gebraucht.“

Ja, liebe Kinder, so war das. Und da liege ich nun mit meinem Gipsbein im Bett und kann nichts tun. Es geht mir
einigermaßen, denn Frau Swanje, meine Haushälterin, sorgt für mich. Auch Paulchen, ihr kleiner Sohn, hilft mir - ja
und Tim. Tim ist ein richtig netter Kerl, lieb und hilfsbereit und eines der wenigen Kinder, die mir nicht nur einen
Wunschzettel schicken, sondern nach Weihnachten auch einen Dankesbrief. Ich mag ihn sehr - obwohl, bei ihm
muss man gute Nerven haben. Er hat eigentlich einen falschen Namen, er müsste „Hans“ heißen, wie „Hans-Guck-
in-die-Luft“, denn so ist er ein bisschen, ein „Tim-Guck-in-die-Luft“. Man weiß nie, was er als Nächstes anstellt.

Und dieser Tim meinte nun, es gäbe schließlich genug Kinder, die jedes Jahr zu Weihnachten verwöhnt und
beschenkt worden sind. „Die haben bestimmt Verständnis für dich und begreifen, dass sie dieses Jahr viele
Weihnachtsarbeiten selber erledigen müssen“, sagte er.

Und damit hat er sicher Recht und so frage ich euch denn, ob ihr mir dieses Jahr helfen könnt. Das wäre wirklich
lieb von euch. Ich werde euch schreiben, was zu tun ist und so können wir dann zusammenarbeiten. Als kleinen
Dank erzähle ich euch dann auch immer, was hier im Weihnachtsdorf so alles passiert. Lesen und schreiben, das
kann ich ja im Bett ganz gut und dann ist mir auch nicht so langweilig.

Ich grüße euch ganz herzlich und warte auf Antwort.

Euer Weihnachtsmann

PS: Es muss natürlich schnell gehen, denn wir haben nicht mehr viel Zeit. Eure Lehrerin kann mich anrufen.
Brief 2

Liebe Kinder

Dass ihr bereit seid mitzuhelfen, damit es dieses Jahr wieder ein schönes Weihnachtsfest gibt, auch wenn der
Weihnachtsmann mit einem Gipsbein im Bett liegt, das ist ganz großartig. Ich danke euch dafür.

Klassenbezug, etwa wie folgt:
Mit eurer Lehrerin Frau ... habe ich besprochen, dass es wohl am besten ist, wenn ihr mal anfangt, ....... (Vorschlag:
Dekorationsarbeiten). Das wird sicher sehr schön.

Heute ging es mir leider nicht so gut. Ich hatte Schmerzen und konnte die ganze Nacht nicht richtig schlafen.
Aufstehen konnte ich auch nicht und so langweilte ich mich fast den ganzen Tag. Zum Glück gibt es nun
Abendbrot. Frau Swanje ist hier und gerade eben hat sie mir einen himmlischen Tee gebracht, mit viel Zimt und
Nelken drin, das duftet und schmeckt wie Weihnachten. Nun muss ich nur noch Tim sagen, wie er Rudolf füttern
muss und dass er ja nicht vergessen darf, die Stalltür abzuschließen. Denn mein gutes Rentier hat auch so seine
lieben Angewohnheiten, die einen in Aufregung versetzen können. Und dann hoffe ich auf einen guten Schlaf.

Diesen guten Schlaf hatte ich. Doch als ich am Morgen aufwachte und zum Fenster schaute, was sah ich da:
Meinen lieben guten alten Rudolf, der ängstlich zu mir ins Zimmer guckte. Er stieß mit der Schnauze an die Scheibe
und zitterte ganz schlimm. Zu dumm, dass ich nicht aus dem Bett herauskonnte, am liebsten hätte ich meinen
lieben alten Rudolf umarmt. Denn ich wusste natürlich sofort, was passiert war.

Tim hatte doch tatsächlich vergessen, die Stalltür abzuschließen und Rudolf war weggelaufen. Nun weiß ich nicht,
warum Rudolf weggelaufen ist. Wollte er nur mal den Wald und die Natur genießen, - dabei ist doch das in der
Nacht wirklich nicht so schön - oder wollte Rudolf zu mir, seinem lieben alten Weihnachtsmann, und schauen, wie
es mir geht? Jedenfalls rannte mein Rentier in den Wald und verirrte sich irgendwie. Ein Schutzengel und sein guter
Instinkt haben ihm dann den Weg zurückgezeigt - und da stand er nun vor meinem Fenster.

Ich war sehr gerührt und konnte Tim nicht böse sein, denn ich freute mich riesig, Rudolf zu sehen. Ich rief ganz laut
nach Tim, aber der war mal wieder nicht da. Nur Frau Swanje hatte mich gehört und kam ganz schnell angelaufen.
„Was ist passiert, was ist passiert?“, rief sie. „Ach, nichts - nur schauen sie doch mal zum Fenster raus.“

Frau Swanje blieb vor Staunen der Mund offen. „Das glaub ich nicht, der Rudolf, so ein liebes Tier“, und sie öffnete
das Fenster und streckte die Hand nach Rudolf aus. Der kam auch gleich und leckte ihr die Hand und dann
streckte er doch ganz einfach den Kopf zum Fenster rein und schaute mich vergnügt an, als wollte er sagen:
„Siehst du, ich habe dich gefunden und ich freue mich, dass es dir gutgeht.“

Trotzdem, mit Tim muss ich ein ernstes Wörtchen reden, auch wenn er mir mit seiner Unachtsamkeit ungewollt
eine große Freude bereitet hat. Was wäre gewesen, wenn Rudolf nachts im Wald zu Schaden gekommen wäre?
Und was wäre, wenn Rudolf sich auch ein Bein gebrochen hätte? Womöglich hätte Tim am Morgen gar nicht
gemerkt, dass Rudolf nicht im Stall ist. Und Rudolf hätte ja erfrieren können, nachts allein im Wald mit einem
gebrochenen Bein. Und niemand hätte nach ihm gesucht. Oh Tim, was haben wir doch für ein Glück gehabt.

Viele liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 3

Liebe Kinder

Stellt euch vor, mir geht es schon viel besser. Es ist so schön hier bei uns. Die Sonne scheint, es hat die ganze
Nacht zum ersten Mal in diesem Jahr geschneit und so sieht alles aus wie im Wintermärchen: die Landschaft weiß
eingehüllt mit einem goldenen Schimmer, den die Sonnenstrahlen schicken. So ein Wetter wäre das richtige
Weihnachtswetter, dann könntet ihr Schlittenfahren oder Schlittschuhlaufen, na ja und auch Schneeballschlachten
schlagen. Obwohl - ich bin ja ein friedlicher Weihnachtsmann und wenn ich die Worte Schlacht und Krieg und
Kampf und so höre, wird mir übel. Ich will Frieden für die Menschen und darum geht es ja auch an Weihnachten.
Eure Lehrerin wird euch sicher schon davon erzählt haben. In allen Weihnachtsgeschichten geht es um Frieden,
das könnt ihr mir glauben.

Und so habe ich auch ganz friedlich mit Tim gesprochen, obwohl ich zuerst schimpfen wollte wegen Rudolf, dem
doch etwas hätte passieren können in der kalten Nacht draußen im Wald. Dann habe ich Tim aber ganz ruhig
erklärt, warum er immer gut aufpassen muss. Und er hat das richtig gut verstanden. Und so hatte ich auch gar
keine Angst, Tim wieder mit einem Auftrag für mich loszuschicken. Der Schnee ist ja wirklich schön, aber der Weg
zu meinem Haus muss freigeschaufelt werden. Wie soll sonst der Postbote, der mir die vielen, vielen Wunschbriefe
bringt, den Weg finden? Er hat schwer zu tragen und kann nicht noch durch hohen Schnee stapfen. Er könnte sich
ja auch noch ein Bein brechen oder auch nur hinfallen und Briefe verlieren. Das wäre nun gar nicht wieder
gutzumachen. Das hat Tim auch so gesehen und hat mir darum versprochen, den Weg so sauber zu putzen wie
noch nie.

Nach zwei Stunden kam Tim wieder zurück und erzählte mir mit strahlenden Augen, was er mit Hilfe von Paulchen
gemacht hat. Ja, und hört euch das an! Die beiden haben den ganzen Schnee weggeschaufelt und die
Schneereste, die sie mit der Schaufel nicht wegbekamen, hat Tim mit heißem Wasser weggespritzt. Der Weg sei
ganz sauber, meinte er stolz. Er hat zudem heißen Tee gekocht und auf den Postboten gewartet. Als der dann mit
der schweren Tasche aus dem Schlitten stieg und auf den Weg zu meinem Haus zuging, lief ihm Tim entgegen mit
dem heißen Tee und rief: „Hallo, Herr Postbote, ich nehme die Post für den Weihnachtsmann in Empfang. Er hatte
einen Unfall und liegt im Bett.“ Ja, und so kamen der Postbote und Tim zu mir und brachten mir die Post. Das hat
Tim gut gemacht. Und vor allen Dingen: Er hat kein Wort gesagt, wie denn der Unfall passiert ist. Das war lieb von
ihm; ich hätte mich zu sehr geschämt. Trotzdem bin ich nicht sicher, ob der Postbote nicht doch irgendwie erfahren
hat, was passiert ist, denn er hat so listig mit den Augen gezwinkert und hat sehr verschmitzt gelacht und gesagt:
„Na, dann werde ich die Post wohl lieber jeden Tag ins Schlafzimmer bringen. Das sieht ja so aus, als müssten Sie
noch länger das Bett hüten.“ Und da hat er leider Recht.

Etwas später war ich dann nicht mehr so zufrieden mit Tim. Den Schnee hat er zwar gut weggeschaufelt, aber dass
er nicht an das Glatteis gedacht hat! Er hätte doch den Weg mit Sand bestreuen sollen, nachdem er ihn mit Wasser
abgespritzt hatte. Aber nein, er machte daraus eine Rutschbahn und vergnügte sich mit Paulchen und als dieser
ausrutschte und seine Hose zerriss, da lachten die zwei. Das Lachen verging ihnen, als auch Frau Kentener
ausrutschte und sich – nein, nicht die Hose zerriss - , oh nein: Sie brach sich ein Bein. Nun haben wir die
Bescherung und der Arzt meinte später nur, es mache ja nichts aus, ob er wegen eines oder zweier Patienten jeden
Tag herkomme. Das Bein heilt ja bestimmt, aber was uns sehr erschreckte, war: Paulchen lief weg, um sich
irgendwo zu verstecken, wohl weil er ein schlechtes Gewissen hatte. Wir alle suchen ihn und bis jetzt haben wir ihn
noch nicht gefunden. Natürlich sind alle sehr aufgeregt, aber ich behalte die Ruhe. Paulchen ist klug, der macht
schon keine dummen Dinge und er ist zuverlässig und umsichtig, so wie ihr. Ich muss sagen, über eure Arbeit freue
ich mich sehr.

Klassenbezug (1-3 Kinder der Klasse werden namentlich gelobt).

Das wars für heute. Vorhin war Tim noch bei mir, ganz kleinlaut murmelte er etwas, was sich wie „Tschuldigung“
anhörte. Hinterher merkt er immer, was er mal wieder falsch gemacht hat und dann fällt es ihm natürlich schwer,
sich richtig zu entschuldigen und zu versprechen, dass er das nächste Mal aber wirklich besser aufpassen wird.
Aber er ist ja noch nicht so groß, das kann er noch lernen.

Ich wünsche euch einen schönen Tag

Euer Weihnachtsmann
Brief 4

Liebe Kinder

Was soll ich nur mit Tim machen? Zwar hat er sich ja gestern entschuldigt, denn er merkt immer, wenn er etwas
verbockt hat. Doch er sollte vorher überlegen. Sogar wenn man ihm alles dreimal sagt, klappt es nicht immer. Ich
weiß gar nicht, wo der manchmal mit seinen Gedanken ist. Da bin ich nur froh, dass ihr, liebe Kinder, eure Pflichten
besser erfüllt. Wie ihr wisst, kann der Weihnachtsmann, wenn er will, alles sehen und hören, was Kinder so
machen. Natürlich will ich gar nicht alles wissen, im Grunde interessieren mich nur gute Nachrichten, schlechte
verderben mir echt die Laune - und weil das so ist, freue ich mich sehr über

Klassenbezug ( 1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Nun warte ich auf Tim. Der hat sich heute noch nicht blicken lassen. Wahrscheinlich hat er immer noch ein
schlechtes Gewissen. Das soll er ruhig ein bisschen haben, dann passt er das nächste Mal vielleicht besser auf.
Andererseits hat er mich gestern auch total überrascht. Denkt nur: Wenn Tim nicht gewesen wäre, hätten die
Kinder jetzt keine Adventskalender und könnten keine Türchen aufmachen. Das haben sie Tim zu verdanken.

Vor lauter Beinbruch hatte ich nämlich überhaupt nicht mehr an die Adventskalender gedacht. Dabei müssen diese
ja schon anfangs Dezember ausgeliefert werden. Aber Tim hatte daran gedacht. Am Morgen sah ich Tim mit dem
Briefträger tuscheln und wie er ihm eine ganze Menge dicke Briefumschläge gab, ihm dann die Hand schüttelte und
auch noch nachwinkte. Das war schon recht ungewöhnlich. Eigentlich bin ich ja nicht neugierig, aber schließlich bin
ich der Chef und muss doch wissen, was vor sich geht. Also, da habe ich Tim einfach direkt gefragt: „Was hast du
denn dem Postboten mitgegeben? Ich habe dir doch gar keinen Auftrag für den Postboten gegeben.“ Aber Tim lief
einfach davon. Meine Güte, war ich wütend.

Kurz darauf kam Tim wieder zurück und legte mir etwas auf die Bettdecke. Als ich sah, was es war, konnte ich nur
tief durchatmen. Wisst ihr, was Tim gemacht hatte? Er hatte die Adventskalender alle schön eingepackt und
abgeschickt. Ich hatte sie glatt vergessen. Natürlich bedankte ich mich ganz herzlich bei Tim und lobte ihn sehr, er
war der Held des Tages. Paulchen bewunderte ihn auch sehr und ging den ganzen Tag mit glücklichem Gesicht im
Haus herum und sagte immer wieder: „Tim ist mein Freund und Tim ist ein Held.“

Nun, das stimmt zwar nicht so ganz, denn ein richtiger Held ist etwas anderes. Trotzdem ist es gut, wenn Paulchen
sich die guten Eigenschaften von Tim zum Vorbild nimmt, seine Hilfsbereitschaft, seinen Fleiß, seine Freigebigkeit,
seine freundliche Art usw. Auch der Postbote staunte sehr, als ich ihm erzählte, dass Tim bei den Kalendern
selbstständig und klug gehandelt hätte, weil ich sie total vergessen hatte. „Ich nenne die Adventskalender in Zukunft
anders, damit das niemals mehr passiert. Ich nenne sie Tim-Kalender.“ Das fand der Postbote eine gute Idee. Und
Tim? Der freute sich ganz außerordentlich.

Viele liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 5

Liebe Kinder

War das ein aufregender Tag heute und nun ist es schon spät und eigentlich wollte ich gar keinen Brief mehr
schreiben, so müde bin ich. Paulchen ist wieder aufgetaucht und Frau Kentener ist auch nicht sooo schlecht dran,
wie wir zuerst dachten. Das Bein ist nicht gebrochen, sie hat sich nur den Fuß verstaucht. Aber auch das ist
schlimm genug und sehr schmerzhaft und hinderlich. Irgendwie sind wir vom Pech verfolgt, denn es ist schon
wieder etwas passiert, sodass ich euch gar nicht versprechen kann, dass ihr zu Weihnachten hübsche Lebkuchen
bekommen könnt. Das hat natürlich einen Grund: Es war schon längst Zeit, mit dem Backen der Lebkuchen
anzufangen und da Tim ja schon letztes und vorletztes Jahr dabei geholfen hat, wusste er wie das geht. Frau
Swanje hat den Teig gemacht. Frau Swanje ist überhaupt die beste Lebkuchenbäckerin, die es gibt. Aber Frau
Swanje muss sich ja auch noch um Paulchen kümmern und so braucht sie Hilfe beim Lebkuchenbacken und da hat
ihr Tim geholfen. Er hat fleißig die Herzen geformt und aufs Kuchenblech gesetzt. Viele, viele hundert Stück. Ich
habe einen sehr großen Backofen, aber alle Lebkuchen kann man darin auch nicht auf einmal backen. Und weil
Paulchen gestern verschwunden war, wollte Frau Swanje ihr Kind nicht zu lange allein lassen und so hat sie zu Tim
gesagt, er soll gut aufpassen, nach einer halben Stunde sind die Herzen fertig gebacken und dann muss er die
Bleche herausnehmen und neue in den Ofen schieben, die dann auch wieder eine halbe Stunde backen müssen.

Das hat Tim auch versprochen und gesagt: „Ist gut, Frau Swanje, gehen Sie nur zu Paulchen nach Hause, damit er
nicht so lange alleine ist und Angst bekommt. Ich mach das schon. Ich kenne ja die Uhr.“

Ja, und was passiert? Beim ersten Blech hat Tim gut auf die Uhr geschaut, die Lebkuchenherzen sind prima
geworden. Beim zweiten Blech war es Tim schon ein wenig langweilig, so dazusitzen und auf die Uhr zu starren.
Aber es hat dann doch geklappt und auch das zweite Blech mit Lebkuchen war gut geraten. Aber beim dritten Blech
- da war Tim leicht eingenickt und die Lebkuchen waren schon etwas angebrannt. Die konnte man unmöglich in
einen bunten Teller legen. Das hat Tim auch gleich gesehen und so wollte er dann wirklich besser aufpassen. Und
damit er nicht wieder einschläft, hat er sich ein Comic-Heft genommen und angefangen zu lesen. Das muss eine
spannende Geschichte gewesen sein, jedenfalls hat er dabei die Uhrzeit total vergessen. Erst als es aus dem
Backofen qualmte und ein fürchterlicher Gestank die ganze Backstube durchzog, schmiss Tim erschrocken das
Heft weg und rannte wie besessen aus dem Haus und schrie und brüllte: „Frau Swanje! Frau Swanje!“

Aber Frau Swanje war ja gar nicht da und so rannte Tim - und das war wirklich gut - wieder zurück und stellte den
Backofen aus und öffnete alle Fenster und die Tür. Aber diese Lebkuchen waren nun völlig verbrannt. „Was nun?“,
dachte Tim und da fand er, er mache halt noch einmal Teig und backt noch einmal ein Blech voll Lebkuchen. Das
war ja keine schlechte Idee, aber Tim hatte Zucker und Salz verwechselt und als er mir dann stolz seine eigenen
Lebkuchen zum Probieren brachte - na ja, ich spuckte und Tim hat sich furchtbar erschreckt und ich habe gar
nichts mehr sagen müssen. Tim fluchte. Und ich habe beschlossen, nun endlich ein verschließbares Salzfass und
einen neuen Backofen mit Weckuhr anzuschaffen.

Über Tim mache ich mir viele Gedanken. Wie ist der wohl in der Schule? Von euch weiß ich ja, wie das ist und bin
sehr zufrieden mit ... (Klassenbezug).

Aber wie gesagt, über Tim mache ich mir Gedanken. Wie sollen wir das schaffen, jetzt noch für alle Kinder
Lebkuchen zu backen? Ich weiß es nicht. Ich habe kein Mehl mehr, keinen Zucker, keinen Honig, keine Gewürze,
keine Eier. Alles müsste ich neu einkaufen und von hier bis zum Lebensmittelhändler ist es weit - mit einem
Gipsbein sowieso - und ich weiß auch nicht, ob der Lebensmittelhändler noch genug Zutaten hat. Darum muss ich
mich gleich morgen früh kümmern.

Bis bald und recht herzliche Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 6

Liebe Kinder

Heute war der Arzt da. Er ist eigentlich ganz zufrieden mit mir. Nur soll ich mich nicht mehr so aufregen, das ist
nicht gut wegen der Gehirnerschütterung, meint er, und überhaupt schaden Aufregung und Ärger der Gesundheit.
Aber der hat gut reden. Denn es ist doch tatsächlich schon wieder etwas passiert und ich habe mich aufgeregt wie
nie. Und das kam so.

Ihr kennt doch sicher alle die zarten Christbaumkugeln, mit denen der Weihnachtsbaum geschmückt wird. Jedes
Jahr denke ich mir neue hübsche Muster aus und dann lasse ich die Kugeln in der Werkstatt von Herrn Swanje
bemalen oder bekleben, je nachdem wie sie aussehen sollen. Da habe ich jedes Jahr mit Herrn Swanje lange
Diskussionen, denn er meint immer: „Nein, also, das kann ich so nicht machen, das geht nicht.“ Und ich sage:
„Doch das geht schon, wir probieren das erst mal aus. Dann werden wir schon sehen.“

In diesem Jahr hatte ich mir etwas ganz besonders Schönes ausgedacht: Kugeln, auf denen kleine Engel fliegen;
alles in Silber und Weiß - wunderschön! Ich hatte ja gehofft, ich könnte beim Transport der Kugeln mit dabei sein,
aber der Arzt hatte mir strengstens verboten, das Bett zu verlassen. Und so sollte Tim die rohen Kugeln aus dem
Lager holen, auf den Schlitten von Rudolf packen und in die Werkstatt von Herrn Swanje bringen. Rudolf ist jedes
Jahr immer ganz aufgeregt, wenn es Zeit ist, die Kugeln zu fahren. Denn er darf dann auch ein wenig zuschauen,
wie Herr Swanje die Kugeln zu Christbaumkugeln macht und dann weiß Rudolf endlich, wie sie in diesem Jahr
aussehen werden. Das ist nämlich jedes Jahr ein großes Geheimnis.

Sonst war es immer so, dass ich Rudolf am Zaumzeug gehalten habe, nett mit ihm sprach und ihn tätschelte,
während Herr Swanje ganz vorsichtig die vielen Schachteln mit den Kugeln auf den Schlitten packte. Da blieb
Rudolf schön ruhig, hielt ganz still und Herr Swanje konnte in aller Ruhe die Schachteln auf dem Schlitten
festbinden.

Dieses Jahr nun musste Tim allein mit Rudolf klarkommen, denn nicht genug damit, dass ich ein Gipsbein habe,
auch Herr Swanje konnte das Haus nicht verlassen, er leidet an einer starken Erkältung mit Schnupfen und
Halsweh und Husten - ihr kennt das ja auch.

Zuerst hatte ich Bedenken, ob Tim und Rudolf das schaffen würden, aber beide versprachen mir, dass sie keinen
Unsinn machen würden. Also holte Tim Schachtel um Schachtel und Rudolf wartete brav. Tim ist ja wirklich ein
lieber Kerl und auch sehr fleißig, aber er war eben auch aufgeregt und neugierig: Wie würden die Kugeln in diesem
Jahr wohl aussehen? Er fragte Rudolf: „Was meinst du, wie die Kugeln bemalt werden? Rot, blau, gold oder silber?
Vielleicht lässt der Weihnachtsmann ja endlich einmal eines meiner Muster auf die Kugeln malen.“ Und auf einmal
hampelte er herum und wurde immer lauter und hopste vor Rudolf und rief: „Eines Tages mache ich die
allerschönsten Weihnachtskugeln von der Welt.“ Ihr müsst nämlich wissen, dass Tim meint, wenn ich pensioniert
werde und er alt ist, dann wird er der Weihnachtsmann. Aber Rudolf begann zu lachen und zu trampeln und
schüttelte sich und rief: „Das glaub ich nicht, das glaub ich nicht, der Weihnachtsmann macht die schönsten Kugeln
auf der Welt.“

Doch das wollte Tim nicht hören. Er sagte: „Das ist jetzt alles nicht so wichtig, wir müssen uns beeilen und den
Schlitten beladen. Halt still, ich hole jetzt die letzten Schachteln.“ Durch das viele Gerede hatten sie Zeit verloren
und so nahm Tim immer zwei Schachteln auf einmal. Und weil das klappte, dachte er, er könne auch drei
Schachteln gleichzeitig tragen, dann müsste er weniger laufen. Und dabei passierte es: Tim stolperte und fiel mit
seinen drei Schachteln in den Schnee. Man hörte nur noch ein Klirren und Knistern und von Rudolf und Tim hörte
man gar nichts mehr. Drei Schachteln waren zu Bruch gegangen. Und da soll ich mich nicht aufregen?

Zum Glück muss ich mich über euch nicht aufregen, ihr arbeitet ganz toll.

Klassenbezug ( 1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Mit neuen Weihnachtskugeln wird es nun dieses Jahr wohl nichts. Aber die alten sind ja auch ganz schön.

Liebe Grüße von eurem immer noch etwas aufgeregten Weihnachtsmann.
Brief 7

Liebe Kinder

Erinnert ihr euch noch, dass ich geschrieben habe, dass uns viele Tiere bei den Weihnachtsvorbereitungen helfen?
Besonders die Eichhörnchen, welche für uns Nüsse einsammeln. Den ganzen Herbst, wenn die Nüsse von den
Bäumen und Büschen fallen, sind die Eichhörnchen fleißig und sammeln und sammeln - viele viele Säcke voll.
Anschließend fahre ich dann mit Rudolf von Eichhörnchenfamilie zu Eichhörnchenfamilie und lade die Nüsse auf
den Schlitten. Natürlich behalten die Eichhörnchen genügend Nüsse für ihre Familien, damit sie den Winter gut
überstehen und nicht hungern müssen. Und sie wissen alle, dass sie, wenn sie nichts mehr zu essen haben, zu mir
kommen können, denn ich bewahre immer noch einen Sack in meinem Haus auf für meine lieben Helfer.

Die Nüsse hatte ich mit Rudolf schon vor meinem Unfall abgeholt. Nun mussten aber die Nüsse noch verteilt
werden für die bunten Teller und den Nikolaustag. Und weil Tim im Rechnen wirklich gut ist in der Schule, dachte
ich, Tim kann ja die Nüsse wiegen und abzählen, denn ich - na ihr wisst ja schon - ich kann eigentlich gar nichts tun
- außer schauen, dass alle Arbeiten richtig angepackt werden.

Tim war Feuer und Flamme. Endlich konnte er beweisen, wie gut er war. Aber wie er dann die vielen Säcke sah,
wurde ihm doch ein wenig mulmig und er bekam Angst, dass er die viele Arbeit nicht alleine schaffen würde. Nun,
was kam ihm da in den Sinn? Richtig, die Eichhörnchen sollten mithelfen, die kannten sich mit Nüssen ja aus.

Aber dass Eichhörnchen nicht rechnen können, daran dachte er überhaupt nicht. Als nun die Eichhörnchen die
vielen, vielen Nüsse sahen, flippten sie total aus. Das war ein Hin- und Hergerenne und ein Auf und Ab und ein
Gewühle. Sie schleppten die Nüsse hierhin und dahin und am Schluss waren die Säcke leer und die Nüsse waren
in Haus und Garten verstreut und eingegraben, sodass Tim überhaupt nicht mehr wusste, was er tun sollte. Dabei
hätten die Eichhörnchen doch nur immer 10 Haselnüsse und 10 Walnüsse in ein kleines Tütchen packen sollen.

Da war Tim nun auf die Eichhörnchen richtig böse und sie böse auf ihn, denn er hat sie mit einem Stock aus dem
Haus gejagt und sie ausgeschimpft. Das hat mir alles eine alte Eichhörnchenfrau erzählt und sie war immer noch
empört, wie schlecht Tim sie behandelt hat. Ich hatte große Mühe, sie zu beruhigen. Ich versprach, dafür zu sorgen,
dass sie in diesem Jahr zwei Säcke Nüsse von mir zu Weihnachten geschenkt bekommen. Aber eigentlich haben
die Eichhörnchen ja auch etwas Schuld an diesem Ärger. Schließlich haben sie doch gewusst, dass sie nicht zählen
können und was noch wichtiger gewesen wäre, dass sie für eine solche Arbeit nun wirklich nicht die richtige Hilfe
sind, wenn sie den Kopf verlieren beim Anblick von so vielen Nüssen.

Aber offenbar hat auch Tim wegen der Nüsse den Kopf verloren. Er wollte wenigstens ein paar Nüsse zum
Dekorieren haben und so lief er schnell nach Himmelspforten und holte welche. Auf dem Rückweg traf er drei
kleine, junge Eichhörnchen. Die bettelten um Nüsse - und Tim konnte nicht „Nein!“ sagen.

Nun ist er wieder zu Hause, aber Nüsse haben wir keine. Was soll man dazu nur sagen? Gut rechnen können ist
gewiss wichtig, aber man sollte den Kopf auch sonst noch brauchen, meint ihr nicht auch? Ihr seid ja zum Glück
nicht so gedankenlos,

Klassenbezug (1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Ob es dieses Jahr zu Weihnachten Nüsse geben wird, weiß ich noch nicht. Ich habe mit Herrn Swanje gesprochen,
was wir da machen könnten, aber er leidet immer noch an seiner Erkältung, darf das Haus nicht verlassen, ich bin
eh ans Bett gefesselt, Tim will ich nicht mehr mit Nüssen beauftragen - und ob Paulchen mit Rudolf allein Nüsse
holen kann, das glaub ich nicht, das muss ich mir noch überlegen.

Ich grüße euch herzlich

Euer Weihnachtsmann
Brief 8

Liebe Kinder

Frau Swanje ist heute damit fertig geworden, die Wunschzettel der Kinder zu sortieren. Das geht bei uns nämlich
nach dem Alter. Zuerst kommen die jüngsten Kinder an die Reihe, denn ihre Wünsche sind manchmal recht schwer
zu erfüllen: Sie glauben, der Weihnachtsmann kann alles. So habe ich beispielsweise schon einmal auf einem
Wunschzettel gelesen: „Bitte, lieber Weihnachtsmann, bring mir doch einen Vater!“ Und dann war da noch
aufgeschrieben, wie der Vater sein sollte. Ich glaube, auf der ganzen Welt hätte ich einen solchen Vater nicht finden
können. Ja, das ist manchmal wirklich schwer, Kinderwünsche zu erfüllen. Die großen Kinder wünschen sich
meistens teure Geschenke, sodass es mir häufig schwerfällt zu glauben, dass ihre Eltern soviel Geld haben, denn
bei den Wünschen der großen Kinder kann ich nicht alles selber bezahlen. So reich bin ich leider nicht. Ihr seht, es
ist nicht einfach, der Weihnachtsmann zu sein.

Also gut, Frau Swanje hatte mir die Briefe der jüngsten Kinder ans Bett gebracht und ich hatte mich gerade -
natürlich mit Lesebrille - daran gemacht, einen Brief nach dem anderen sorgfältig zu lesen und zu notieren, welche
Wünsche erfüllt werden können, da kam Tim auf Besuch. „Oh“, sagte er, „bist du schon bei den Wunschzetteln,
lieber Weihnachtsmann? Die wollte ich ja immer schon einmal lesen.“

Nun ist das aber so mit den Briefen: Die darf niemand außer dem Weihnachtsmann lesen. Tim weiß das natürlich
auch. Aber jedes Jahr fragt er, ob er auch bitte, bitte einen lesen darf. Und immer sage ich: „Nein, das geht nicht,
die Kinder schreiben an den Weihnachtsmann und nicht an dich. Schau doch, hier steht: An den Weihnachtsmann.“
Das gefällt Tim natürlich nicht und er meckert jedesmal herum.

Ich las ruhig weiter und Tim setzte sich auf die Fensterbank und schaute den Vögeln zu, die draußen von Zweig zu
Zweig flogen und nach Futter suchten. „Die armen Vögel“, sagte Tim, „im Moment finden sie wieder so wenig zu
fressen.“ Und er machte das Fenster auf und rief den Vögeln zu: „Wartet, ich bringe euch gleich ein paar
Samenkörner.“ Und dann knallte er das Fenster wieder zu. Das gab nun einen solchen Luftzug, dass die Briefe
durcheinandergerieten und viele im Zimmer herumwirbelten und irgendwo auf den Boden flatterten.

Das war mal wieder typisch Tim. Er guckte ganz bedeppert. Ich schaute ihn nur energisch an und da wusste er
schon, was er zu tun hatte. Also kroch er überall im Zimmer herum und sammelte alle Briefe wieder auf. Aber auf
einmal lachte er so komisch. Da murmelte ich so nebenbei, denn ich war ja mit dem Lesen der Briefe beschäftigt:
„Was gibt es denn da zu lachen?“ Und Tim sagte: „Also, hier steht wirklich, hihi, haha, ,Lieber Weihnachtsmann, ich
will dich besuchen und selber nachschauen, ob es dich wirklich gibt. Meine große Schwester sagt, das ist alles
Unsinn, es gibt keinen Weihnachtsmann, und mein Vater redet immer so drumherum und ich werde nicht schlau
daraus. Ja und meine Mutter meint und dabei lächelt sie so ungewöhnlich: Wenn man daran glaubt, dann gibt es
den Weihnachtsmann’.“

Als ich das hörte, war ich natürlich sehr überrascht und vergaß voll, Tim auszuschimpfen. Denn der hatte doch
tatsächlich die Gelegenheit benutzt, um einen Brief zu lesen. Das war nun wirklich schlimm, einerseits.
Andererseits: Wenn Tim eines Tages der Weihnachtsmann sein wird, dann kann er ja die Briefe auch alle lesen.
Als ich mir das überlegt hatte und es Tim erklären wollte, war der aber schon weg. Er hatte wohl ein schlechtes
Gewissen. „Mit seinem Gewissen muss er selber klar kommen“, dachte ich und kehrte zu meiner Arbeit zurück.
Und so kam es, dass ich nicht merkte, dass wegen des Durchzugs einige Wunschzettel in den Kamin geweht
waren und verbrannten. Oh je. Da wird es nun einige Kinder geben, die an Weihnachten eine Enttäuschung erleben
und denken, der Weihnachtsmann hätte sie vergessen. Das ist aber nicht so und ihr wisst auch warum. Es wäre
nett, wenn ihr euren Freunden davon berichten könntet, damit sie nicht enttäuscht sind, wenn ihre
Weihnachtswünsche nicht erfüllt werden. Ihr könnt das bestimmt gut erklären, denn ihr seid auch sonst in vielen
Dingen gut.

Klassenbezug (1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Übrigens, wisst ihr, wie ich gemerkt habe, warum einige Briefe verloren waren? In Klein-Farbdorf wohnen meine
Neffen und ich möchte natürlich immer gleich erfahren, was sie sich wünschen - doch diesen Brief fand ich nicht.
Dabei wusste ich, sie haben geschrieben, denn sie schreiben immer. Da habe ich nun wirklich ein Problem. Habt ihr
vielleicht eine Idee, was ich da tun könnte?

Liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 9

Liebe Kinder

Meine Gesundheit ist eigentlich schon ganz gut. Jeden Tag darf ich für eine Stunde das Bett verlassen und kann
dann die wichtigsten Dinge erledigen. Nachher bin ich aber immer sehr müde und bin froh, wieder von Frau Swanje
umsorgt zu werden. Sie sorgt wirklich gut für mich und die Arbeit, die ich nicht tun kann, erledigt ja Tim.

Eigentlich geht alles viel besser als ich erwartet habe. Nur Rudolf macht mir etwas Kummer, ihm ist es langweilig.
Er muss warten, bis alle Geschenke fertig sind und er dann endlich mit mir auf die lange Reise zu den Kindern
gehen kann. Rudolf ist auch eifersüchtig auf Tim, denn der darf dieses Jahr soviel helfen und hat immer viel zu tun.
Immer wenn Tim ihm das Futter in den Stall gebracht hat, hat Rudolf gemeckert: „Ich will mein Futter selber holen,
ich will auch was tun, mir ist langweilig, ich halt das nicht aus, immer machst du alles, das finde ich nicht richtig.“

Na, Tim hat das gut verstehen können und gesagt: „Ich will mal überlegen, ob es nicht auch für dich etwas zu tun
gibt.“ Und Tim hatte mal wieder einen schlauen Einfall. „Also, Rudolf“, hat Tim gesagt, „du kannst dieses Jahr
draußen im Wald die Weihnachtsbäume aussuchen. Das hast du ja jedes Jahr zusammen mit dem
Weihnachtsmann gemacht und da wirst du noch wissen, wie das geht und wo die Bäumchen stehen.“ Da hat
Rudolf sich echt gefreut. Eine wirklich verantwortungsvolle Aufgabe, und die durfte er ganz allein bewältigen. Er war
glücklich.

Und so trottete er dann am nächsten Morgen vergnügt los. Rudolf war schon lange nicht mehr alleine im Wald
gewesen. Das war ein großartiges Gefühl und er genoss es sehr. Und wen er alles unterwegs traf, alte Freunde
und Bekannte. Alle hatten schon gehört, dass der Weihnachtsmann einen Unfall hatte und machten sich Sorgen,
wie es denn dieses Jahr mit dem Weihnachtsfest werden würde. Da war Rudolf natürlich die richtige
Auskunftsperson, er wusste ja alles ganz genau. Und so erzählte er hier dem Schneehasen die ganze Geschichte
und dort dem Schneefuchs und den Schneegänsen und ehe er sich versah, war es dunkel und tiefe, schwarze
Nacht. Der Weg in den Stall war viel zu weit und den hätte er in der dunklen Nacht auch nicht so leicht gefunden,
außerdem hatte er inzwischen großen Hunger. Ja, und die Weihnachtsbäume? Die hatte er noch gar nicht
gesehen. Da konnte er doch unmöglich nach Hause gehen. Und so blieb er einfach die ganze Nacht im Wald.

Als Tim nun am Abend in den Stall ging, war Rudolf natürlich nicht da. „Nicht schon wieder“, dachte ich und stellte
mir alle möglichen schlimmen Dinge vor, die Rudolf passiert sein konnten. Ich überlegte hin und her, was ich tun
könnte. Doch dann fand ich, Rudolf ist ja alt genug und vor ein paar Tagen, als er auch verschwunden war, hat er
den Heimweg ganz alleine wieder gefunden.

In dieser Nacht schlief ich schlecht und kaum wurde es draußen ein wenig hell, humpelte ich ans Fenster und hielt
Ausschau. Und was sah ich da? Da trottete Rudolf ganz gemächlich über den Hof und hatte einen großen
Christstollen im Maul. Er wackelte mit dem Geweih und meinte: „Oh, wie schön ist es im Wald, ich hatte das schon
ganz vergessen. Auch wenn es sehr kalt war, bin ich doch sehr glücklich in meiner alten Heimat gewesen. Und die
Weihnachtsbäumchen sind dieses Jahr prächtig gewachsen.“ Ich wollte eigentlich mit ihm schimpfen, aber wie er
so vergnügt war und offensichtlich auch heil, sagte ich nur: „Ich bin froh, dass es dir gut geht. Doch sag, woher hast
du denn diesen Christstollen?“

„Ach, den verdanke ich Tim“, meinte er großartig und verschwand dann in seinem Stall. Ich dachte natürlich, Tim
hätte ihm diesen Christstollen gegeben - auf den Schrecken der Nacht im Wald, doch leider war es nicht so. Ich will
gar nicht mehr davon reden, ich sage nur: Tim! Und daher bin ich schon froh, dass man mit euch, liebe Kinder,
weniger Probleme hat.

Klassenbezug (1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 10

Liebe Kinder

Endlich ist es soweit und ich darf länger aus dem Bett heraus, leider nur jeden Tag zwei Stunden, eine vormittags
und eine nachmittags. Der Arzt ist ganz zufrieden mit meinen Fortschritten. Aber er hat gemeint, ich dürfe mich
noch nicht anstrengen. Während der zwei Stunden soll ich probieren, ein bisschen zu gehen. Mit dem Gipsbein
geht das natürlich nicht so gut, aber ich freue mich, endlich mal wieder an die frische Luft zu kommen. Ich habe
eine Krücke, auf die ich mich mit dem rechten Arm stützen kann. Tim wird mir helfen und Frau Swanje auch.

Als erstes wollte ich natürlich in meine Weihnachtswerkstatt gehen und schauen, wie es dort aussieht. Tim hatte
gesagt: „Es ist alles in Ordnung, Weihnachtsmann.“ Das will ich auch hoffen, trotzdem schaue ich gerne mal selber
nach. Ich muss auch endlich kontrollieren, ob Tim das Geschenkpapier richtig zugeschnitten hat und ob er auch die
Schleifen schön nach Farben sortiert hat. Das hätte er eigentlich schon lange fertig haben sollen. Für die großen
Pakete müssen die Bogen 100 x 100 cm sein und für die kleinen Pakete 50 x 50 cm. Das ist ja nicht so schwer,
hatte ich gedacht, das wird Tim bestimmt richtig machen.

Liebe Kinder, ihr ahnt es vielleicht. Ich erlebte mal wieder eine unangenehme Überraschung. Die kleinen Bogen 50
x 50 cm waren schief geschnitten, maßen nicht 50 cm und hatten total ausgefranste Kanten - keiner war sauber
abgeschnitten. Ich wusste wirklich nicht, was passiert war. Ich rief laut nach Tim. Aber es kam keine Antwort. Nur
Paulchen rief mit zarter Stimme: „Tim ist nicht da.“

Nanu, dachte ich, was macht Paulchen denn hier so ganz alleine in meiner Werkstatt? „Komm her Paulchen“, rief
ich, „wo steckst du?“ Trippel, trippel, hörte ich Paulchen vorsichtig die Treppe herunterkommen und er hatte auch
noch eine Schere in der Hand. Bin ich erschrocken. Paulchen und eine Schere, du meine Güte, wie gefährlich!

„Paulchen, du weißt doch, wie gefährlich Scheren sind. Damit darfst du doch nicht einfach so herumlaufen.“ „Doch,
doch“, sagte Paulchen. „Tim hat gesagt, ich bin groß genug für eine Schere und schneiden darf ich auch damit.
Habe ich die Geschenkpapiere nicht schön geschnitten?“

Mir blieb der Mund offen, das war also des Rätsels Lösung. Paulchen hatte die Bogen geschnitten.

Eigentlich wollte ich furchtbar wütend werden, denn nun musste man ja alle Kanten noch einmal sauber
abschneiden und dann würde das Papier sogar für unsere kleinsten Geschenke zu klein sein. Aber wie Paulchen
so stolz darauf war, dass er schon so groß war, dass er richtiges Weihnachtsgeschenkpapier für richtige
Weihnachtspäckchen hatte schneiden können, mochte ich ihm diese Freude nicht verderben.

Darum sagte ich: „Ja, ganz toll hast du das gemacht, Paulchen. So wie du das Papier geschnitten hast, bringst du
mich auf eine gute Idee. Mit diesem Papier kann man ganz besonders schöne Scherenschnitte herstellen. Darum
verschenken wir dieses Papier jetzt und die Kinder haben daran Freude. Und nächstes Jahr zeige ich dir dann, wie
man Papier gerade abschneidet. Es sieht schöner aus ohne Zacken und die Kinder freuen sich viel mehr, wenn sie
richtig schön eingepackte Geschenke bekommen. Und dann zeige ich dir auch, wie man Schleifen bindet, denn das
kriegt sogar Tim nicht besonders gut hin.“ Da strahlte Paulchen und sagte ganz spontan und herzlich: „Du bist der
beste Weihnachtsmann, den es gibt.“

Ob das so stimmt, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass man mit Kindern geduldig sein muss. Sie sind ja noch am
Lernen und können nicht alles schon so gut wie Erwachsene. Ja, und wenn man nett ist mit Kindern, dann sind sie
auch nett - so wie ihr...

... (Klassenbezug).

Paulchen, und das möchte ich noch erzählen, hat dann gleich angefangen, Scherenschnitte zu machen. Eigentlich
war er ja noch zu klein für eine Schere, aber da er damit schon lange am Geschenkpapier herumgeschnitten hatte,
dachte ich mir, es wird schon nichts passieren. Er hat ja jetzt Erfahrung und Übung mit der Schere gesammelt.
Paulchen schnitt und schnitt und dachte sich viele Formen aus, vor allem Fantasiemuster, aber auch ein paar
Tannenbäume kriegte er hin und damit habe ich nun eine Girlande gemacht und sie in der Werkstatt oben am
Fensterrahmen aufgehängt. Es sieht hübsch aus und Paulchen ist riesig stolz.

Ich schicke euch viele liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 11

Liebe Kinder

Heute geht es mir wirklich sehr gut und ich freue mich schon darauf, wieder ganz gesund zu sein. Und von Inline-
Skatern will ich gar nichts mehr wissen, die werde ich mir zur Erinnerung an die Wand hängen, damit ich nicht
vergesse, wie dumm ein Mensch, selbst wenn es der Weihnachtsmann ist, sein kann. Und Paulchen werde ich eine
Schachtel mit Wunderkerzen über das Bett hängen, damit er auch etwas nicht vergisst. Denn Paulchen hat eine
Gedächtnisstütze nötig. Stellt euch vor, was der mit Wunderkerzen angestellt hat:

Letztes Jahr an Weihnachten war Paulchen ja noch richtig klein. Als wir an unserem Baum draußen im Wald die
Wunderkerzen angezündet hatten und die Funken nur so sprühten und spritzten, war Paulchen restlos begeistert.
Frau Swanje hatte die größte Mühe, ihn festzuhalten. Er wollte unbedingt in die blitzenden Sternchen der
Wunderkerzen greifen und zappelte auf ihrem Arm so sehr, dass Frau Swanje fast umgefallen wäre. Die
Wunderkerzen waren für Paulchen wirklich wie ein Wunder.

Daran konnte er sich noch erinnern und er fragte mich fast jeden Tag: „Gibt es dieses Jahr wieder Wunderkerzen?“
Und ich sagte: „Natürlich, die gibt es doch jedes Jahr, sonst ist ein Weihnachtsbaum doch gar kein richtiger
Weihnachtsbaum.“ Und dann wollte Paulchen immer wissen, woher die Wunderkerzen kommen und wo ich die
aufbewahre. Aber das wollte ich Paulchen nicht sagen, denn wer weiß, was er wohl mit denen angestellt hätte. Und
so sagte ich ihm daher: „Die habe ich noch gar nicht im Haus, die werden erst einen Tag vor Weihnachten
geliefert.“

Leider stimmt das gar nicht. Ich hatte Paulchen angelogen. Aber was sollte ich denn tun. Ich bin immer noch viel im
Bett und kann nicht aufpassen, Frau Swanje und Tim haben auch so viel zu tun, da können sie auch nicht immer
auf Paulchen Acht geben. Also diese Lüge müsst ihr mir verzeihen. Aber wie das so ist mit dem Lügen. Genützt hat
es gar nichts.

Paulchen hat ganz zufällig die Wunderkerzen entdeckt. Dabei hatte ich sie so gut im Keller hinter den Weinflaschen
versteckt. Da lagern sie nämlich kühl und trocken und es kann nichts passieren. Dachte ich.

Gestern Abend kam Herr Swanje auf einen Sprung vorbei. Seine Erkältung ist am Abklingen und so konnte er mir
erzählen, wie weit er schon ist mit den neuen Weihnachtsbaumkugeln. Es war so nett, mit ihm zu plaudern, dass
ich Tim rief und ihn bat, uns doch eine Flasche Wein aus dem Keller zu holen, damit Herr Swanje und ich mit einem
kleinen Gläschen gutem Roten feiern könnten.

Tim ging, doch denkt euch: Er hatte ein klein bisschen Angst, alleine in den Keller zu gehen. Und so nahm er
Paulchen mit. Na, was Paulchen da entdeckte, könnt ihr euch denken. Er sah doch tatsächlich die Wunderkerzen.
Tim hat er natürlich nichts gesagt, denn der hätte ja gewusst, dass Paulchen unter keinen Umständen alleine
Wunderkerzen in die Hand bekommen darf.

Ja, und nun wisst ihr sicher schon, was Paulchen gemacht hat. Er hat sich heimlich eine Schachtel Wunderkerzen
genommen, sich aus der Küche noch Streichhölzer geschnappt und weg war er - draußen im Dunkeln im Garten.

Dort wollte Paulchen die Wunderkerzen anzünden, aber er kam mit den beiden kleinen Händchen ganz
durcheinander. Mit einer Hand die Streichhölzer anreißen, mit der anderen die Wunderkerze halten - irgendwie ging
das nicht richtig, also kurz und gut, ihm fielen alle Wunderkerzen in den Schnee. Und da war es aus mit dem
Wunderfeuer. Die Kerzen waren feucht geworden und brannten natürlich nicht mehr. Paulchen war unglaublich
enttäuscht. Er hatte sich so auf das kleine Feuerwerk gefreut. Was konnte er jetzt tun?

Da hatte Paulchen eine Idee. Er musste die Wunderkerzen wieder trocknen, dann würden die Sterne wieder blitzen
und zischen. Also schlich er in die Küche und legte die nassen Kerzen zum Trocknen auf den Herd. Und nun
geschah, was geschehen musste.

Auf einmal hörten wir ein lautes Gebrüll und erschraken ganz fürchterlich. Das kam doch aus der Küche. Irgend
etwas musste mit Paulchen passiert sein. Herr Swanje stürzte aus dem Zimmer und nahm auch gleich noch den
Besen mit, denn er dachte wohl, jemand würde Paulchen verprügeln. Dem hätte er dann heimgeleuchtet mit dem
Besen. Doch es war alles ganz anders. Paulchen stolperte aufgeregt ins Zimmer, Tränen flossen ihm über die
Backen, vor lauter Angst - und einem schlechten Gewissen! Er konnte nicht mehr richtig sprechen und fuchtelte mit
seinen Ärmchen immer nur in Richtung Küche. Dort war schon Herr Swanje. Es brannte. Eine Gardine hatte Feuer
gefangen und auch ein Handtuch, das über dem Herd zum Trocknen hing. Mit dem Besen schlug Herr Swanje auf
die Flammen ein und mit einem Eimer Wasser war der Brand gelöscht. Größerer Schaden war nicht entstanden.
Wir kamen mit dem Schrecken davon.

So nun wisst ihr also, warum Paulchen von mir eine leere Schachtel Wunderkerzen über das Bett gehängt
bekommt. Zum Glück macht ihr ja nicht so dumme, unüberlegte Dinge.

Klassenbezug (1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).
Ich schicke euch ganz viele, ganz liebe Grüße - und denkt daran: Mit Wunderkerzen und überhaupt mit Feuerwerk
muss man sorgfältig umgehen!

Euer Weihnachtsmann
Brief 12

Liebe Kinder

Heute Morgen musste ich ins Krankenhaus zum Röntgen. Es war nur eine Kontrolluntersuchung, aber es ist
wichtig, dass der gebrochene Knochen richtig zusammenwächst. Und damit ich nicht so alleine bin und Paulchen
auch nicht, hat er mich begleitet. Ich musste ihm natürlich Geschichten erzählen. Paulchen hört sehr gerne
Geschichten und kann gar nicht genug bekommen. Am liebsten mag er Geschichten von Tieren, aber von Tieren
aus fremden Ländern, von wilden Tieren; denn die Tiere hier im Wald kennt er ja alle und sie kennen ihn. Ihr müsst
nämlich wissen, dass uns auch die Tiere - nicht nur Rudolf - helfen und wir uns alle sehr mögen. Besonders die
Eichhörnchen sind unsere Freunde. Ihr wisst schon - wegen der Nüsse.

Also, ich habe ein schönes Tierbuch mitgenommen und wie wir nun im Wartezimmer sitzen und ich Paulchen die
erste Geschichte vorlesen will, geht das nicht. Da ich ja nicht mehr der Jüngste bin, brauche ich zum Lesen eine
Brille und als ich nun das Brillenetui öffne, ist keine Brille da. Wo ist meine Brille? Ohne Brille kann ich Paulchen
nichts vorlesen, doch Paulchen bettelte: „Dann erzähl mir doch eine Geschichte.“ Aber mein Kopf brummte und ich
wusste nun wirklich nicht, was ich mir alles mit wilden Tieren ausdenken sollte, denn ich hatte meine Gedanken
doch bei all den vielen Dingen, die noch bis Weihnachten zu erledigen sind. Und so sagte ich: „Nee, Paulchen das
geht nicht. Ich brauche meine Brille. Wo steckt sie? Hast du sie vielleicht aus dem Etui genommen?“

Paulchen fing an zu weinen und ich wurde ärgerlich. „Hör auf zu weinen, ich glaub dir ja, dass du nichts mit meiner
Brille zu tun hast. Aber wo ist sie?“ Und da fiel mir ein, dass Tim sich immer gern die Brille aufsetzt und dann meint:
Wenn ich mal Weihnachtsmann bin, dann habe ich auch so eine Brille und dann kann ich prima lesen.

Da hat er natürlich etwas verwechselt, denn Tim hat in der Schule einige Probleme mit dem Lesen und nun meint er
doch tatsächlich, mit einer Lesebrille würde das besser klappen. Natürlich stimmt das nicht, aber Tim ist eben ein
Junge, der sich die verrücktesten Dinge ausdenkt. Gut lesen kann man doch nur, wenn man viel liest und immer
mehr liest, aber Tim schaut lieber Fernsehen und liest lieber Comic-Hefte. Da kann man natürlich nicht so gut lesen
lernen. Also, mir kam Tim in den Sinn. Sicher hatte er mal wieder heimlich die Lesebrille geholt und sie dann
irgendwo vergessen. Was nun? Die Brille brauchte ich doch unbedingt.

Paulchen musste telefonieren. Aber Paulchen hatte noch nie richtig telefoniert. „Komm, Paulchen“, sagte ich, „das
kriegst du hin.“ Und dann sagte ich ihm genau, was er tun muss. Zum Glück habe ich eine ganz einfache
Telefonnummer, aber die verrate ich hier nicht, die Nummer ist geheim. Jedenfalls hat es geklappt und Tim nahm
den Hörer ab und sagte großartig: „Hallo, hier beim Weihnachtsmann, ich heiße Tim.“ Da brüllte Paulchen ins
Telefon: „Bring sofort die Lesebrille her oder es passiert was!“ So wütend war er.

Aber das ging natürlich nicht. Er hätte probieren wollen, entschuldigte er sich, ob er mit der Brille seine
Schularbeiten besser machen könnte. Mit den Schularbeiten war das nämlich so: Damit Tim mir helfen kann, muss
er nicht in die Schule, aber Hausaufgaben muss er trotzdem machen. Bei diesen Aufgaben musste er genau
hinschauen, mit der Brille ging das aber noch schlechter als ohne - und dann ließ er Hausarbeiten Hausarbeiten
sein. Er malte statt dessen prächtige Christbaumkugeln und verzierte süße Plätzchen. Das hat er sehr gut gemacht,
schließlich will er ja, wenn ich mal pensioniert werde, mein Nachfolger sein. Aber trotzdem, man darf doch das
Lernen nicht so vernachlässigen. Der Weihnachtsmann kann gut lesen, schreiben und rechnen und noch vieles
mehr. Ihr wisst das, liebe Kinder, und ihr arbeitet ja auch zuverlässig und fleißig in der Schule.

Klassenbezug (1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Nun höre ich auf für heute. Paulchen, das könnt ihr euch ja denken, musste auf seine Geschichte verzichten, aber
aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wichtig war, dass die Brille wieder aufgetaucht ist und dass das Röntgenbild
okay war. Das Bein wächst gut zusammen.

Viele Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 13

Liebe Kinder

Jedes Jahr habe ich ein großes Problem. Wir machen hier im Weihnachtsland so viele Geschenke und so viele
Weihnachtsarbeiten und Weihnachtsvorbereitungen, dass ich beinahe jedes Jahr vergesse, für Frau Swanje und
Herrn Swanje, für Tim, Paulchen und die anderen Kinder hier und überhaupt alle meine Freunde eine
Überraschung auszudenken. Denn für sie alle ist es ja auch Weihnachten. Und Rudolf darf ich auch nicht
vergessen. Und alle dürfen gar nicht merken, womit ich sie beschenken möchte. Das ist gar nicht so einfach.

Da es mir ja von Tag zu Tag besser geht und ich auch keine Kopfschmerzen mehr habe, habe ich - wenn ich so im
Bett liege - Zeit, mir Gedanken zu machen. Nur - jetzt, da ich Zeit hätte zum Überlegen, da will und will mir nichts
einfallen.

Letztes Jahr haben wir hier ein richtiges schönes Fest gefeiert - nach Weihnachten, nachdem wir alle Arbeiten
erledigt hatten. Das Fest hat drei Tage gedauert mit gutem Essen und Trinken, mit Singen und Tanzen und
Geschichten erzählen. Am lustigsten ist Herr Swanje gewesen, er hat sich mit den übriggebliebenen
Weihnachtskugeln geschmückt und Rudolf hat sich Lametta übers Geweih gehängt und versucht, Weihnachtslieder
zu singen. Da mussten wir natürlich alle fürchterlich lachen. Und dieses schöne Fest war mein
Weihnachtsgeschenk an meine lieben Freunde und Helfer.

Aber in diesem Jahr möchte ich doch etwas ganz Besonderes schenken, denn in diesem Jahr mussten sie ja alle
alles alleine machen, da haben sie wirklich ein schönes Geschenk verdient. Ich habe schon überlegt, dass wir alle
zusammen verreisen könnten, in die Sonne, ans Meer, wo es so schön warm ist und wo es Palmen gibt. Eben mal
was anderes als Tannenbäume und Schnee. Nur, was mache ich mit Rudolf, der möchte doch bestimmt nicht im
Sand am Meer herumlaufen. Alleine zu Hause lassen kann ich ihn natürlich auch nicht. Also das muss ich mir noch
überlegen. Aber eine schöne Überraschung muss es sein, nicht zuletzt wegen der Kinder, die mir so viel geholfen
haben, nicht nur Tim und Paulchen, wenngleich die schon am allermeisten. Es sind ja einfach tolle Kinder, so wie
ihr... (Klassenbezug).

Nun suche ich immer noch eine Überraschung für meine Freunde. Vielleicht habt ihr ja eine Idee für mich, denn
jetzt habe ich keine Zeit mehr zum Überlegen, ich höre nämlich gerade, wie sich die Kinder draußen auf dem Hof
herumstreiten. Ausgerechnet jetzt. Eben fand ich noch, es seien nette, liebe Kinder - und jetzt streiten sie sich. So
was mag ich nun gar nicht. Aber sie hören nicht auf und wie ich nach draußen gucke, da schreien sie sich an und
prügeln sich beinahe.

„Was ist denn da los?“, rufe ich. Und Pia schreit: „Tim ist ein Betrüger!“ Das war nun eine schwere Anschuldigung
und ich wollte wissen, was los ist.

Nun, Tim war kein Betrüger, aber er war wieder mal unkonzentriert gewesen. Weil mir nämlich alle Kinder brav
geholfen hatten, habe ich allen zur Belohnung einen bunten Teller geschenkt. Tim sollte die Teller
zusammenstellen - alle genau gleich. Doch irgendwie stimmte da etwas nicht, die einen Kinder bekamen mehr und
die anderen weniger.

Das geht ja nun nicht, das ist nicht gerecht. Und ich konnte schon verstehen, dass Pia dachte, Tim sei ein Betrüger.
Doch wie gesagt, das war er nicht, denn Betrüger denken ja immer nur an ihren eigenen Vorteil. „Deswegen
braucht ihr aber doch nicht zu streiten“, sagte ich ernst. „Könnt ihr nicht einfach richtig teilen und alles friedlich
regeln?“ Und das machten sie dann auch, denn es sind vernünftige Kinder.

Ich schicke euch herzliche Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 14

Liebe Kinder

Heute war schönes Wetter und ich fühle mich richtig gut und gesund. Tim war fleißig und Paulchen war den ganzen
Tag lieb und brav. So müsste es immer sein. Doch leider - ihr kennt das ja - bleibt es nicht immer so und prompt
gab es doch noch ein Ärgernis.

Wenn alle Weihnachtsvorbereitungen fertig sind, schaue ich auf meine Landkarte, wie ich am besten mit Rudolf
fahre, damit die Geschenke rechtzeitig bei den Kindern sind. Umwege und falsche Straßen dürfen wir nicht fahren,
sonst schaffen wir es nicht, die Geschenke im richtigen Haus abzuliefern. Da habe ich mir ein gutes System
ausgedacht. Ich mache mir einen Plan und gebe allen Häusern eine Nummer, immer der Reihe nach, wie ich sie
besuchen muss. Dann fange ich bei Nummer eins an, dann Nummer zwei usw. Das ist ja ganz einfach. Aber man
muss gut aufpassen, dass alles stimmt und dass es das richtige Haus ist. Deshalb schreibe ich die Nummern mit
Farbstiften auf. Die roten Zahlen sind die Häuser mit kleinen Kindern, die ein kleines Päckchen bekommen, die
blauen Zahlen sind die Häuser mit großen Kindern, die große Päckchen bekommen. Die gelben Zahlen sind
Häuser, wo kleine Kinder wohnen, die aber große Päckchen bekommen und die grünen Zahlen sind die Häuser, wo
große Kinder wohnen, die aber kleine Päckchen bekommen. Natürlich stehen auch noch die Namen auf den
Päckchen, aber es ist einfacher, wenn man gleich sehen kann, ob ein großes oder kleines Päckchen abgegeben
werden muss.

Wenn der Plan gemacht ist, kann ich den Schlitten packen, und zwar so, dass ganz unten die Päckchen verladen
werden, die am Schluss verteilt werden, und ganz oben sind die Päckchen, die wir zuerst abliefern. So muss ich
nicht lange suchen oder Päckchen hin- und herschieben, bis ich die finde, die ich brauche.

Nun, dieses Jahr kann ich ja den Schlitten nicht selber beladen. Ich habe Tim alles genau erklärt und er hat
gemeint, das sei kein Problem für ihn, es sei ja alles klar. Und tatsächlich, nachdem der Vormittag vorbei war, klopft
Tim an mein Fenster und wie ich hinausschaue, steht Rudolf mit dem vollbeladenen Schlitten da.

„Ach Tim“, musste ich da denken, „fleißig bist du ja, aber deinen Kopf, wo hast du den gelassen?“ Ihr könnt euch
sicher schon denken, was geschehen war. Tim hatte alle Päckchen ordentlich verladen, schön der Reihe nach,
ganz unten die Nummer 1, dann die Nummer 2 usw. und ganz zuoberst war das letzte Päckchen. Als ich nichts
sagte, nur den Mund verzog und die Stirn runzelte, da bemerkte er seinen Irrtum. „Oh!“, machte er. Und nach einer
Weile sagte er: „Das ist ja nicht so schlimm, wir fahren einfach den Weg rückwärts.“

Im Prinzip wäre das möglich gewesen, wenn die Päckchen genau umgekehrt geladen gewesen wären. Aber das
stimmte auch nicht. Ich sah nämlich, dass viele Päckchen, die eine rote Nummer hätten haben sollen, eine grüne
hatten und umgekehrt. Zuerst dachte ich, Tim muss farbenblind geworden sein. Nur - auch wenn das die Erklärung
gewesen wäre, es hätte an der Sache nichts geändert. Der Schlitten musste neu verladen werden. Ich musste mich
warm anziehen und mit der Krücke nach draußen humpeln.

Es war schon dunkel als wir endlich fertig waren, ich war müde und mein Bein schmerzte. Das einzige, was mir an
diesem Abend noch Freude bereitete, wart ihr. Eure Arbeit gefällt mir.

Klassenbezug (1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich gelobt).

Viele liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann
Brief 15

Liebe Kinder

Heute schreibe ich euch den letzten Brief. Denn morgen darf ich endlich wieder normal leben - ich muss nicht mehr
im Bett liegen. Ich habe einen schönen leichten Gehgips bekommen, da kann ich prima - allerdings mit Krücke -
umherlaufen. Die Gehirnerschütterung ist weg und die vielen blauen Flecken tun mir überhaupt nicht mehr weh. Sie
sind auch nicht mehr blau oder grün, inzwischen sind sie gelblich. Nun kann ich wieder ordentlich arbeiten und das
wird ja auch Zeit, denn übermorgen geht es auf die große Reise mit Rudolf, dem Schlitten und den vielen
Geschenken. Tim muss natürlich mitkommen. Mit meinen Krücken kann ich ja nicht jedesmal aus dem Schlitten
steigen und die Päckchen und Pakete im richtigen Haus abliefern.

Tim war noch nie auf einer so weiten Reise und seine Mutter ist eigentlich gar nicht begeistert davon. Sie kennt ja
ihren Tim. Er hat eben manchmal die verrücktesten Ideen und es kann immer etwas passieren, wenn Tim dabei ist.

Doch glaube ich nicht, dass etwas passiert. Denn Tim hat sich wirklich gebessert. Andererseits jedoch überrascht
er mich auch immer wieder. Stellt euch vor, gestern hat sich herausgestellt, dass er die Geschichte von der Geburt
des Christkindes - die Weihnachtsgeschichte – nicht kennt. Und so einer will Weihnachtsmann werden!!!

Zum Glück habe ich das gemerkt: Paulchen kam irgendwie auf das Christkind zu sprechen und wollte von Tim
wissen, wer eigentlich die Mama vom Christkind sei. Doch Tim wusste keine Antwort, er hatte keine Ahnung. Da
nahm ich am Abend - und weil ja nun alle Arbeit getan ist - die beiden in meine große Stube, sie bekamen heiße
Schokolade und die besten Anisplätzchen von Frau Swanje und dann habe ich ihnen alles von Josef und Maria
und dem Stall mit der Krippe und den Hirten und den heiligen 3 Königen und dem Stern von Bethlehem erzählt. Ihr,
liebe Kinder, kennt ja diese Geschichte - und wenn nicht, dann wird die Lehrerin/der Lehrer sie euch auch erzählen.
Paulchen und Tim hat die Geschichte gut gefallen. Tim war tief beeindruckt. So denke ich mir: Wahrscheinlich wird
er ein guter Weihnachtsmann, wenn ich pensioniert werde. Er hat mir zwar einigen Ärger bereitet, weil er zuweilen
gedankenlos ist, aber trotzdem - ohne ihn wäre es ja nichts geworden, dieses Jahr, mit Weihnachten. Ich danke
ihm, so wie ich auch euch ganz herzlich danken möchte. Ihr habt ...

Klassenbezug (heißt, 1-3 Kinder aus der Klasse werden namentlich für konkret aufgeführte Leistungen gelobt).

Dies ist nun mein letzter Brief. Ich wünsche euch und euren Familien wunderschöne Weihnachtstage. Ich wünsche
mir und hoffe, dass ihr auch nächstes Jahr liebe und fröhliche und fleißige Kinder seid. Sicher werden wir wieder
einmal miteinander zu tun haben. Und ... bevor ich es vergesse, denkt daran, wenn ihr irgendwo einen
Adventskalender seht, dass wir hier im Weihnachtsdorf ihn nur noch Tim-Kalender nennen. Das hat Tim doch
sicher verdient!

Viele liebe Grüße

Euer Weihnachtsmann

				
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