Medizinische Psychologie

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Kurs: Medizinische Psychologie PD Dr. Dipl.-Psych. Volkhard Fischer Referat Studium und Lehre, OE 9103 Medizinische Hochschule Hannover Vorbemerkungen 1. 2. 3. 4. Die Laienerwartung: Inhaltliche Verknüpfungen Implizite und explizite Persönlichkeitstheorien Wir sollten uns mit mehreren Ansätzen befassen Der Psychologe sollte sich selbst in seine Aussagen mit einbeziehen 5. Es ist für die Persönlichkeitspsychologie keine sinnvolle Forderung, sich auf wertfreie Aussagen zu beschränken; aber es ist notwendig, sich zu bemühen, implizite Wertungen explizit zu machen 6. Realistische Erwartungen zwischen Euphorie und Verzweiflung Nach: Sader, 1980, S. 18ff Aufgaben und Funktionen der psychologischer Disziplinen 1. 2. 3. 4. Begriffe für die Benennung von Phänomen Begriffssysteme für kognitive Ordnungen Persönlichkeitspsychologie als Thematisierung von Fragestellungen Erklären = Hilfen anbieten für ein paar Schritte weiter in Richtung auf Erhellung von Zusammenhängen Wahrscheinlichkeitsaussagen über Abhängigkeiten von Variablen Vorhersage eigenen und fremden Handelns Bezugssysteme für psychische Sachverhalte Heuristiken für Handeln 5. 6. 7. 8. Nach: Sader, 1980, S. 28ff Begriffe Verhaltenseigenschaften sind weder stabil noch konsistent, Individuelle Reaktionen auf Stimuli (vollständig beobachtbar). Sind stabil über die Zeit, gelernte Verbindungen zwischen Reizmustern und Reaktionen, nur das Verhalten ist beobachtbnar, nicht die vorausgehende gelernte Disposition. Sind relativ breite und zeitlich stabile Dispositionen zu bestimmten Verhaltensweisen, die konsistent in verschiedenen Situationen auftreten, auch die Verknüpfung über die Situationen hinweg ist erschlossen, nicht beobachtet. Gewohnheiten oder Habits Persönlichkeitseigenschaften oder Traits Eine Klassifikation empirischer Untersuchungen Trennung UV - AV ? ja Sequenz UV - AV? nein ja Randomisierung unsicher nein ja nein AV gegeben UV gesucht daher K• 2 K• 2 K=1 Labor Feld Labor Feld Ex-post-facto-Studie Korrelationsstudie vorexperimentelle Anordnung (Labor-) FeldExperiment experiment Quasiexperiment Feldstudie Modell I Zuerst wird der Sachverhalt “Persönlichkeit” in seiner “Natur”, seinem “Wesen”, erkannt; dann wird der erkannte Sachverhalt genauer erforscht. Modell II Zum Zwecke der Lösung von Forschungsproblemen und aufgrund von Vorannahmen beobachtet und mißt der Psychologe empirische Gegebenheiten (Phänomene) und “erfindet” bzw. entwickelt (u.a.) zur beschreibenden Bestimmung und zur Erklärung (Varianzaufklärung) der empirischen Gegebenheiten hypothetische Konstrukte, die laufend am Leitfaden neuerlicher Beobachtungen und Messungen präzisiert werden. Die Konstruktentwicklung und der Gewinn empirischer Information sind zwar unterscheidbare, nicht aber als voneinander unabhängig zu beurteilende Komponenten der empirischen Persönlichkeitsforschung. – Persönlichkeit ist ein – wenn auch sehr allgemeines und zur Zeit wenig präzisiertes – Konstrukt. Fragestellungen psychologischer Disziplinen universell Allgemeine Psychologie Persönlichkeitspsychologie speziell differentiell + – (+) + – + Sozialpsychologie Entwicklungspsychologie Rehabilitationspsychologie + + – + + + + + + Verändert nach: Asendorpf, 1995, S. 235f Ein einfaches Modell handlungsrelevanter Kognitionen Situation Handlung Erge bnis Wirksamkeitserw artung Ergebniserw artung Nach: Bandura, 1977, S.79 Theoretische Wurzeln und Perspektiven von Meßinstrumenten zur Krankheitsverarbeitung Abwehr Klinische Bewertung von Abwehrmechanismen Coping Biographischdeskriptive Daseinstechniken Fremdeinschätzung Life Style Index Selbsteinschätzung StreßverarbeitungsFragebogen Nach: Muthny, 1987, S. 338ff Ein einfaches Modell der Krankheitsverarbeitung Nach: Muthny, 1987, S. 339 Krankheitsverarbeitung Die globalen Ätiologie-Konzepte von Patientinnen unterscheiden sich in der Auftretenshäufigkeit bei verschiedenen Erkrankungen. (Muthny, Bechtel & Spaete, 1992) Das Ziel einer angemessenen Krankheitsverarbeitung ist aus der Sicht von Ärzten und Patienten unterschiedlich. (Muthny, 1988) Gesunde geben seltener seelische Faktoren als Ursachen von Krebs und Herzinfarkt an als Kranke. (Lerch et al., 1993) Ein differenziertes ErwartungsWert-Modell VERTRAUEN WERTORIENTIERUNGEN Situations-ErgebnisErwartung Valenzen UND INTERESSEN Valenzen HOFFNUNGSLOSIGKEIT Situation Handlung Ergebnis Folgen Kompetenzerwartung Kontrollerwartung Instrumentalität S ELBSTKONZEPT EIGENER FÄHIGKEITEN K ONTROLLÜBER ZEUGUNGEN KONZEPTUALISIERUNGS NIVEAU Nach: Krampen, 1987 Trias-Modell des Substanzmißbrauchs Zubereitungsform physikalische Merkmale chemische Merkmale Droge psychische Merkmale kulturelle Faktoren Person Umw elt somatische Merkmale personelle Faktoren soziale Faktoren Theorie des Problemverhaltens Persönlichkeitssystem Sozi odem ographi sche Struktur *Motivationale Drangstruktur *Struktur der persönlichen Überzeugungen *persönliche Kontrollstruktur Verhaltenssystem Struktur der *Problemverhaltensweisen *Normverhaltensweisen Sozi alisationseinfl üsse System der wahrgenom m enen Um welt *Distale Struktur *Proximale Struktur Prozeßmodell gesundheitlichen Handelns I Prozeßmodell gesundheitlichen Handelns II Kompetenzerwartung Volitionaler Prozeß Intention Handlungsplanung Handlungskontrolle Handlung subjektiv objektiv Situative Barrieren, Ressourcen sozialer Rückhalt Droge (1) Für den medizinischen Drogenbegriff ist die Funktion der psychotropen Wirkung fundierend. Die Klassifikation erfolgt mittels ICD-10 Kapitel F1. Erfasst werden also nur Abhängigkeiten gegenüber Stoffen. Andere Abhängigkeiten müssen über Verhaltensauffälligkeiten in Verbindung mit körperlichen Störungen und Faktoren (F5) sowie Persönlichkeits- oder Verhaltensstörungen (F6) abgedeckt werden. Droge (2) Der juristische Drogenbegriff basiert auf dem Gesetz über den Verkehr mit Betäubungsmitteln. Er unterscheidet verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel, verkehrs-, aber nicht verschreibungsfähige Betäubungsmittel und nicht verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel. Ein erweiterter Drogenbegriff geht nicht von der Droge, sondern von der Disposition zur Sucht aus, die sich ihr Mittel sucht. Ökonomische Rahmendaten (2000) Alkoholkonsum pro Kopf 10,5 Liter Einnahmen aus Alkoholsteuern 6,8 Mrd. DM Werbeausgaben für alkoholische Getränke 1,167 Mrd. DM Verbrauch an Zigaretten 140 Mrd. Stück Einnahmen aus Tabaksteuer 22,4 Mrd. DM Werbeausgaben für Tabak 123 Mio. DM Epidemiologie (Hauptdiagnosen) Diagnosegruppe Alkohol Opiate Cannabis ambulant 69,5 % 14,4 % 6,3 % stationär 81,8 % 7,9 % 1,0 % Kokain Stimulantien Halluzinogene Sedativa/Hypnotika Ess-Störungen Pathologisches Spielen 1,6 % 1,8 % 0,2 % 0,9 % 2,3 % 1,8 % 0,7 % 0,6 % 0,1 % 0,6 % 0,2 % 0,3 % Epidemiologie (Einzeldiagnosen) Diagnosegruppe Alkohol Heroin Methadon ambulant 62,5 % 13,6 % 4,9 % stationär 78,2 % 12,1 % 4,2 % Codein-Präparate Cannabis Kokain Stimulantien Sedativa/Hypnotika Tabak 2,3 % 16,9 % 9,1 % 9,1 % 6,8 % 20,6 % 3,4 % 15,3 % 10,9 % 11,1 % 11,1 % 49,8 % Phasenfolge der Modelle von Sigmund Freud 1886-1887: Modell des psychischen Apparates im Sinne des Affekt-TraumaModells (Verführungstheorie) 1897-1923: Topisches Modell 1923-1926: Strukturelles Modell Grundhypothesen der Psychoanalyse Existenz eines psychischen Apparates Psychische Anpassung Psychische Energie Determiniertheit des psychischen Geschehens Unbewußtes seelisches Geschehen Psychoanalyse ist Psychologie des gestörten und gesunden Seelenlebens Freuds Triebkonzept Charakteristische Merkmale eines Triebes: Quelle, Ziel, Objekt und Drang Eros (Liebestrieb) und Todestrieb (Destruktionstrieb) Zusammenfassung I: Stärken ud Schwächen der psychoanalytischenTheorie Sorgt für die Entdeckung und Erforschung vieler interessanter Phänomene. Entwickelt Techniken für Forschung und Therapie (freie Assoziation, Traumdeutung, Übertragungssituation). Die Komplexität des menschlichen Verhaltens kommt voll zur Geltung. Schließt eine große Vielzahl von Phänomenen ein. Vermeidet es, die Konzepte klar und eindeutig zu formulieren. Die empirische Überprüfung ist schwierig, teilweise unmöglich. Unterstützt die strittige Auffassung, daß der Mensch ein Energiesystem sei. Toleriert die Ablehnung eines Teils des Berufs-zweiges gegenüber empirischer Forschung und Veränderungen der Theorie. Die Sedimentationshypothese geht u. a. auf Klages (1926) und R. A. Cattell (1943) zurück wird auch als „fundamental lexical hypothesis“ bezeichnet  The variety of individual differences is nearly boundless, yet most of these differences are insignificant in people’s daily interactions with others and have remained largely unnoticed. Sir Francis Galton may have been among the first scientists to recognize explicitly the fundamental lexical hypothesis — namely that the most important differences in human transactions will come to be encoded as single terms in some or all of the world’s languages. (Goldberg, 1990, S. 1216) besagt, daß alle Aspekte individueller Differenzen, welche bedeutsam sind oder waren, in die Sprache Eingang gefunden haben impliziert, daß solche in Lexika aufgeführten Begriffe, welche sich zur Beschreibung individueller Unterschiede eignen, das Universum aller bedeutenden individuellen Unterschiede abdecken Erfaßte Merkmalsbereiche Nach Borkenau & Ostendorf (1993, S. 5):   Probanden mit hohenWerten in Neurotizismus neigen dazu, nervös, ängstlich, traurig und verlegen zu sein und sich Sorgen um ihre Gesundheit zu machen. Sie neigen zu unrealistischen Ideen und sind weniger in der Lage, ihre Bedürfnisse zu kontrollieren und auf Streßsituationen angemessen zu reagieren. Probanden mit hohen Werten in Extraversion sind gesellig, aktiv, gesprächig, Personen-orientiert, herzlich, optimistisch und heiter. Sie mögen Anregungen und Aufregungen.    Probanden mit hohen Werten bezüglich Offenheit für Erfahrung zeichnen sich durch eine hohe Wertschätzung für neue Erfahrungen aus, bevorzugen Abwechslung, sind wißbegierig, kreativ, phantasievoll und unabhängig in ihrem Urteil. Sie haben vielfältige kulturelle Interessen und interessieren sich für öffentliche Ereignisse. Probanden mit hohen Werten in der Skala Verträglichkeit (agreeableness) sind altruistisch, mitfühlend, verständnisvoll und wohlwollend. Sie neigen zu zwischenmenschlichem Vertrauen, zur Kooperation, zur Nachgiebigkeit, und sie haben ein starkes Harmoniebedürfnis. Die Skala Gewissenhaftigkeit schließlich unterscheidet ordentliche, zuverlässige, hart arbeitende, disziplinierte, pünktliche, penible, ehrgeizige und systematische von nachlässigen und gleichgültigen Personen. Zusammenfassung II: Stärken und Schächen der Persönlichleitswesenszugtheorie Sie untersucht die Beziehungen zwischen vielen Variablen oder Charakteristika. Sie verwendet verschiedene Arten der Forschung und Daten: aus dem Labor, aus Feldstudien und Fragebogen-Daten. Entwickelt Persönlichkeitsfragebögen. Bezugspunkte zur Biologie. Vernachlässigt systema-tische Untersuchung der Beziehung von Situationen gegenüber Persönlichkeits-wesenszügen. Verläßt sich zuweilen im Übermaß auf die Faktorenanalyse und auf Fragebögen. Verwendet statistische Konzepte und vernachlässigt damit dynamische Prozesse. Traitkonzept mal zur Verhaltensbeschreibung, mal zur -erklärung genutzt. Unterscheidung implizite (subjektive) und quasi-implizite (objektive) Theorien Modelle müssen zwischen den impliziten Annahmen des Forschers und denen der untersuchten Individuen trennen Die impliziten Annahmen des Forschers schlagen sich in den eingesetzten Methoden nieder Bei der Modellbildung sind ein empirisches und ein numerisches System zu unterscheiden Die Art und Weise der Konstruktion des empirischen Systems erzeugt unterschiedliche Typen impliziter Theorien Typen impliziter Theorien BedeutungstrŠ (Elemente) ger nicht durch den Forscher vorbestimmt, individuell ermittelt nicht durch den Forscher Bedeutungskomponenten vorbestimmt, individuell ermittelt (Konstrukte) durch den Forscher vorbestimmt und vorgegeben implizite Theorie Š ber einen interpersonalen Bereich quasi-implizite Theorie (eingeschrŠ auf nkt vorgegebene Konstrukte) durch den Forscher vorbestimmt und vorgegeben quasi-implizite Theorie (eingeschrŠ auf nkt vorgegebene Elemente) quasi-implizite Theorie (eingeschrŠ auf nkt vorgegebene Elemente und Konstrukte) Informationsquellen Fisseni, H.-J. (1991). Persönlichkeits-psychologie. Göttingen: Hogrefe. Herrmann, T. (1991). Lehrbuch der empirischen Persönlichkeitspsychologie. Göttingen: Hogrefe. Pervin, L. A. (1993). Personality. New York: Wiley. Rattner, J. (1990). Klassiker der Tiefen-psychologie. München: Psychologie Verlags Union. Gesellschaftliche Erwartungen und Arztrolle Zuständig für alle (Universalismus) Uneigennützig (Kollektivitätsorientierung) Gerecht (affektive Neutralität) Fachlich kompetent (funktionale Spezifität) Patientenrolle Zugestandene Rechte Erwartete Pflichten Kommunikationsstrukturen Symmetrische Beziehungen   Asymmetrische Beziehungen    Direktivität Positive Wertschätzung Echtheit Empathie Transparenz Stereotype und Beurteilungsfehler Autostereotyp Heterostereotyp Vermutetes Autostereotyp Vermutetes Heterostereotyp Halo-Effekt Hawthorne-Effekt Rosenthal-Effekt Kontrast-Effekt Projektion Milde-Effekt Zentrale Tendenz Fragetechniken Geschlossene Entscheidungsfragen Halbstrukturierte Fragen (W-Fragen) Offene, nicht strukturierte Fragen Sondierungsfragen Konfrontationsfragen Reflexionsfragen Interpretationsfragen Suggestivfragen Doppelfragen Überfallfragen Fangfragen Neugierfragen Sokratische Fragen Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

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