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4 Prolog im Himmel

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4 Prolog im Himmel
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2/11/2012
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Goethe: Faust Prolog im Himmel



Thesen zur Figur des Mephistopheles (Konzeption des Bösen)

1. Verhältnis zum Herrn

 Mephisto gehört zum Gesinde des Herrn; er kann nur im Rahmen dessen handeln, was der Herr ihm

zugesteht. Das „Böse“ bildet also nicht (wie im Faust-Buch von 1587) einen autonomen Gegenpol.

274; 313 ff., 323

 Mephisto ist andererseits kein bloßer Befehlsempfänger, sondern hat einen Entscheidungsspielraum

und handelt aus eigenem Antrieb. 325 f., 332; 271 ff., 350 ff.

 Die „persönliche“ Beziehung der beiden ist gekennzeichnet durch gegenseitige Akzeptanz der

Beziehungsdefinitionen (Superiorität des Herrn, freie Rede des Knechts) und eine gewisse

Sympathie. passim: der ganze „Umgangston“

2. Motivation

Daß Mephisto zu den „Geistern“ gehört, die „verneinen“, heißt zweierlei:

 Er ist Kritiker und Pessimist, speziell was den Menschen angeht. Er möchte (gegenüber dem

Herrn) Recht behalten, er will etwas beweisen. 280 ff., 293 ff.; 332 ff.

 Andererseits ist er „böse“ insofern, als das „Plagen“ offenbar sein täglich Brot und Vergnügen

ist.* 298, 318 ff.; 344

3. Funktion

Indem Mephisto als Böser und gemäß seiner eigenen Motivation handelt, spielt er eine (ihm vom Herrn

zugewiesene) positive Rolle im göttlichen Schöpfungsplan: die des „Versuchers“, der den Menschen

„reizt“ und ihn dadurch in seiner Evolution voranbringt. 340 ff.

Das Fazit aus alledem formuliert Mephistopheles selbst, wenn er sich (an späterer Stelle) Faust gegenüber so

definiert: „Ein Teil von jener Kraft,/Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ (1335 f.)

*Genaueres kann an dieser Stelle noch nicht gesagt werden. Später (1338 ff.) wird Mephisto wesentlich

deutlicher.

Goethe: Faust



Prolog im Himmel

 Klausur (A4), Text Kalberlah A4, Thesen, Kladde (A5)

1. Analyse der Mephistopheles-Figur; Aspekte:

 Verhältnis zum Herrn

 Motivation und Selbstverständnis

 Funktion innerhalb der göttlichen Weltordnung

2. Vergleich mit der literarischen Vorlage:

 Analyse: Gemeinsamkeiten und Abweichungen

 Interpretation: Wahl der Vorlage, Gemeinsamkeiten, Abweichungen

3. Produktive Rezeption: „Statt eines Prologs im Himmel“ (Konzept: Kalberlah)

 Analyse Kalberlah oder:

 eigene Texte verfassen

 Möglichkeiten, den Prolog strukturell zu verändern:

 Der „dienstbare Geist“ Mephisto wendet sich resignierend von der Menschenwelt ab, weil

diese alle seine eigenen Vorstellungen vom Negativen bei weitem übertrifft.

 Mephisto macht sich zum Anwalt der gequälten Menschheit und provoziert den „Herrn“ zu

einer Antwort.

 Mephisto triumphiert als „Gegenpol“ des Herrn wegen des Nihilismus auf Erden

Goethe: Faust Prolog im Himmel



Vergleich mit der Rahmenerzählung des Buches Hiob (Kladde)

Hiob Prolog im Himmel

Figurenkonstellation  Gott

 der Teufel als Teil des göttlichen „Hauses“

 ein Mensch (als Repräsentant der Menschheit und

Prüfexemplar für die Qualität der Schöpfung?)

Situation  Gott und Teufel verabreden die Prüfung eines Menschen.

 Gott hat den Prüfling als Musterexemplar der Gattung

„Mensch“ ausgewählt.

 Der Teufel übernimmt die Rolle des Prüfers und erhält eine

entsprechende Lizenz..

Gegenstand der Prüfung  Gottesfurcht, Gehorsam  Authentizität

 Menschenbild  Evolutionsfähigkeit

Goethe: Faust Prolog im Himmel Gh



Das Buch Hiob (Rahmenerzählung)



Hiobs Frömmigkeit und Glück

Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen,

gottesfürchtig und mied das Böse. Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter, und

er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Rinder und

5 fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, und er war reicher als alle, die im Osten

wohnten. Und seine Söhne gingen hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem

Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit

ihnen zu essen und zu trinken. Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob

hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach

10 ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt

haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.



Hiob bewährt sich in schwerer Prüfung

Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN

traten, kam auch der Satan unter ihnen. Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo

15 kommst du her? Der Satan antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin

und her durchzogen. Der HERR sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen

Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschaffen,

gottesfürchtig und meidet das Böse. Der Satan antwortete dem HERRN und sprach:

Meinst du, daß Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles,

20 was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein

Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an,

was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen! Der HERR sprach zum

Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand

nicht. Da ging der Satan hinaus von dem HERRN.

25 [...]



Hiobs gesegnetes Ende

Und der HERR wandte das Geschick Hiobs, als er für seine Freunde Fürbitte tat. Und

der HERR gab Hiob doppelt soviel, wie er gehabt hatte. Und es kamen zu ihm alle

seine alle seine Brüder und alle seine Schwestern und alle, die ihn früher gekannt

30 hatten, und aßen mit ihm in seinem Hause und sprachen ihm zu und trösteten ihn über

alles Unglück, das der HERR über ihn hatte kommen lassen. Und ein jeder gab ihm

ein Goldstück und einen goldenen Ring. Und der HERR segnete Hiob fortan mehr als

einst, so daß er vierzehntausend Schafe kriegte und sechstausend Kamele und tausend

Joch Rinder und tausend Eselinnen. Und er bekam sieben Söhne und drei Töchter und

35 nannte die erste Jemima, die zweite Kezia und die dritte Keren-Happuch. Und es gab

keine so schönen Frauen im ganzen Lande wie die Töchter Hiobs. Und ihr Vater gab

ihnen Erbteil unter ihren Brüdern.

Und Hiob lebte danach hundertundvierzig Jahre und sah Kinder und Kindeskinder bis

in das vierte Glied. Und Hiob starb alt und lebenssatt.

40

Goethe: Faust Prolog im Himmel: Klausur Gh



Das Buch Hiob (Rahmenerzählung)



Hiobs Frömmigkeit und Glück

Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig

und mied das Böse. Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter, und er besaß siebentausend

Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde,

und er war reicher als alle, die im Osten wohnten. Und seine Söhne gingen hin und machten ein

Festmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei

Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. Und wenn die Tage des Mahles um waren,

sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer

nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt

haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit.



Hiob bewährt sich in schwerer Prüfung

Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den HERRN traten, kam auch

der Satan unter ihnen. Der HERR aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan

antwortete dem HERRN und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. Der HERR

sprach zum Satan: Hast du achtgehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht

auf Erden, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse. Der Satan antwortete

dem HERRN und sprach: Meinst du, daß Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus

und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein

Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat:

was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen! Der HERR sprach zum Satan: Siehe, alles, was er

hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von

dem HERRN.

Aufgabe:

1. Textanalyse („Prolog im Himmel“)

Wie wird die Figur des Mephistopheles durch sich selbst und durch die Figur des „Herrn“ charakterisiert? Werte

die einschlägigen Textstellen aus (Kladde!) und formuliere Thesen über:

 das Selbstverständnis Mephistos und seine (subjektiven) Zielvorstellungen;

 sein Verhältnis zum „Herrn“ und seine Funktion innerhalb der göttlichen Weltordnung.

Belege Deine Thesen am Text!

(Hinweis: Deine Thesen gewinnen an Schärfe, wenn Du gleich eine Abgrenzung einarbeitest zu einer Konzeption

des „Bösen“, wie sie im „Faustbuch“ von 1587 greifbar ist.)

2. Textvergleich

a) Goethes „Prolog im Himmel“ (entstanden um 1800) ist eine produktive Rezeption der Rahmenerzählung

des Buches Hiob im AT. Vergleiche die beiden Texte genau: Inwiefern (in welcher Hinsicht) hält sich

Goethe an seine Vorlage, inwiefern (in welcher Hinsicht) weicht er von ihr ab? Fasse Deine Ergebnisse zu

Thesen zusammen und belege diese Thesen am Text!

b) Zu P. G. Kalberlah: „Statt eines Prologs im Himmel“ (s. Anlage)

Vergleiche diesen Text mit seiner literarischen Vorlage und entwickle aus diesem

Vergleich heraus das Verhältnis des Autors zu Goethes Intention!

GOETHE: "FAUST" Prolog im Himmel

Statt eines ´Prologs im Himmel´ (P. G. Kalberlah)

In der Zentrale für biogenetische Mutierung. Das Gremium zur Evolutionierung der

Anthropozoiden ist im Institut versammelt.

1. Experte:

Ich schlage ein Experiment zur Entwicklung der dynamischen Persönlichkeit vor.

2. Experte:

Was nennst du dynamisch?

3. Experte:

Was soll ´Persönlichkeit´ heißen?

1. Experte:

Die dynamische Persönlichkeit löst den bisherigen statischen Typus der Anthropozoiden ab, falls

wir experimentell zu guten Ergebnissen mit ihr kommen.

2. Experte:

Ich finde, du solltest das noch weiter verdeutlichen. Kannst du mir ´Statik´ und ´Dynamik´ in Bezug

auf die menschliche Spezies so kontrastieren, daß ich verstehe, was du meinst?

1. Experte:

Ja, kann ich versuchen. - Zunächst einmal Danke! für deine Gegenfrage, die mir erlaubt, mir selber

klarzuwerden. - Statisch nenne ich diejenige Sorte von Menschen, die in einem Weltbild oder

Deutungssystem ruht, das gesteuert wird dadurch, daß unhinterfragte Autoritäten in Geltung sind.

Dynamisch dagegen wäre eine neue Sorte, die in Weltbildfragen flexibel ausgelegt wäre: Jedes

Exemplar wäre gewissermaßen sein eigenes Deutungssystem, es gäbe so viele Systeme wie

Exemplare. Die Ordnung innerhalb der Gattung würde nicht mehr unter Berufung auf traditionelle

Autoritäten hergestellt, sondern selbstregulativ.

3. Experte:

Ich ahne, was dein Terminus ´dynamische Persönlichkeit´ beinhaltet! Du willst ein Experiment

machen mit freigesetzter, selbstregulativer Produktivität?

1. Experte:

Genau das möchte ich vorschlagen!

4. Experte:

Dann wollen wir uns mal die nötige Konditionierung ansehen. M. E. müßte die kognitive und die

motivationale Disposition des bisherigen Typs mutiert werden.

1. Experte:

Ob wir - im strengen Sinne - mutieren müssen, sollte vielleicht ein erstes Experiment erweisen: Es

könnte ja auch sein, daß wir den neuen Typ aus dem alten entwickeln könnten, ohne einen

biogenetischen Sprung.

4. Experte:

Das enttäuscht mich und kommt mir vor wie ein fauler Kompromiß. Ich finde, wir sollten keine

halben Sachen machen!

2. Experte:

Unsere Nr. 1 sollte erst noch einmal sagen, auf welche Weise der dynamische Typ entstehen kann,

wenn nicht durch einen biogenetischen Sprung.

1. Experte:

Danke! Ich sehe das so: Wir nehmen zunächst einmal - um mit den geringsten Mitteln zum größten

Effekt zu kommen - ein Exemplar der bisherigen Sorte Mensch. Dieses Exemplar sollte kognitiv auf

der Höhe seiner Zeit sein und über die Grenze des Zeitalters hinaus verlangen. Dieses Exemplar

statten wir aus mit neuartigen Produktivkräften - und warten mal ab!


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