Das Spiel fand am Samstag

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Das Spiel fand am Samstag Powered By Docstoc
					Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien
            Bericht 2007
INHALT
Dodge Vikings – Charity .................................................................................................................................. 2
Impressum ......................................................................................................................................................... 3
elf / 18 Studie ................................................................................................................................................... 4

Jugend ohne Netz ........................................................................................................................................... 21
„gemma’s an!“ ................................................................................................................................................ 34
Kinderrechte in die Bundesverfassung ........................................................................................................ 44
Kinder haben Rechte - Kindertheater .......................................................................................................... 47

Bundesjugendwohlfahrtsgesetz ...................................................................................................................... 48
Kinderbeistand ............................................................................................................................................... 49
Gastartikel Kinderbeistand ........................................................................................................................... 50
Konsensuskonferenz umF ............................................................................................................................... 52
Kinder- und Jugendgesundheit ..................................................................................................................... 57
Übergriffe im Bereich Freizeitpädagogik ................................................................................................... 62

Praxisbeispiel Soforthilfe ............................................................................................................................. 64
Kooperation Männerberatung - Gastartikel ................................................................................................ 65

Prozessbegleitung 2007 + Statistik .............................................................................................................. 67
gerichtliche Befragungspraxis ...................................................................................................................... 70
Abteilung für Kinder – und Jugendpsychiatrie .......................................................................................... 73
Psychotherapie ............................................................................................................................................... 75
Außerfamiliäre Betreuung aus systemischer Sicht ...................................................................................... 77
Jugendschutz und Alkohol ............................................................................................................................ 83

Jugendschutz und Computerspiele ............................................................................................................... 90
Berichterstattung über Kinder und Jugendliche ......................................................................................... 93
Bildungszentrum ............................................................................................................................................ 95
Gewalt gegen Kinder ist vielfältig ............................................................................................................... 98

Junge Erwachsene .......................................................................................................................................... 99
Was (noch immer) zu verändern wäre .......................................................................................................101
Statistik .........................................................................................................................................................102
Benefiz im U4 ..............................................................................................................................................104
                         IX. RAIFFEISEN - CHARITY – BOWL 2007
                         DER DODGE VIKINGS

  Auch im Jahr 2007 hat das beste American Footballteam Österreichs – die DODGE VIKINGS - ihre
  Charity-Bowl zugunsten der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien veranstaltet.
Die Charity Bowl ist die größte karitative American Football Veranstaltung Österreichs. Die Dodge
Vikings treten schon
                         traditionell gegen ein attraktives, ausländisches Team an. Im Vorjahr war
                         es eine Auswahl College Spieler - Team USA, heuer war es ein Team vom
                         College AUGUSTANA.

                         Die Veranstaltung stand unter dem Motto: „STARKE HELFEN SCHWA-
                         CHEN“. Ein typischer American Day mit buntem Showprogramm für die
                         ganze Familie sowie das Spiel zwischen den Dodge Vikings und dem College
                         AUGUSTANA, unterhielten die ca. 5.000 Besucher bis in den späten
                         Abend.


                         Das Spiel fand am Samstag, dem 2. Juni, um 15.00 Uhr, im Stadion Hohe
                         Warte statt. Endstand 14:41 (7:34) für das Team des Augustana Colleges.


                                                         Insgesamt wurden uns 16.000,- Euro
                                                         gespendet.
                                                         Das Geld wird für die direkte Unterstüt-
                                                         zung (Therapie, Patenprojekt etc.) für Ver-
                                                         nachlässigte und von Gewalt betroffenen
                                                         Kindern und Jugendlichen eingesetzt.

                                                         Wir bedanken uns besonders bei den
                                                         DODGE – VIKINGS, aber auch bei zahlrei-
                                                         chen anderen Spendern, wie z.B. beim
                                                         Juwelier Lampe, der 1 .500.- Euro gespen-
                                                         det hat und bei allen anderen Sponsoren,
                                                         die dieses wunderbare Sportfest durch
                                                         Sponsoring oder unentgeltlicher Mitarbeit
                                                         ermöglicht haben.

         Scheckübergabe von Vikings-Präsident Wurm an
                JugendanwältInnen Pinterits und Schmid
DAS TEAM DER KJA




von rechts: Mag. Monika Korber, Dipl.SozPäd Peter Wanke,
Jugendanwältin DSA Monika Pinterits, DSA Martina Saygili, Sabine Polak,
Martina Thalhammer, Jugendanwalt Dr. Anton Schmid




Impressum: Kinder- & Jugendanwaltschaft Wien. F.d.I.v.: DSA Monika Pinterits, Dr. Anton Schmid.
Alle: 1090 Wien, Alserbachstraße 18. Produktion: Paul Lechner. Druck: Walla, 1050 Wien.
                  ELF – 18
                  DIE JUGENDSTUDIE

Auswertung Wien   Das Institut für Jugendkulturforschung hat im Jahre 2007 ihre Basisstudie
                  Elf – 1 8 (Welle 2) herausgebracht und wir haben eine Sonderauswertung für
                  die Stadt Wien in Auftrag gegeben.

                   Im Folgenden sind die Ergebnisse zusammengefasst.

                  Die Inhalte der Studie versuchen einen Überblick zu geben über die Ein -
                  stellungen und Vorlieben der Jugendlichen zu den Themen:

                     Jugendkultur/Szenen
                     Musikpräferenzen
                     Defizite im Freizeitbereich
                     Musikpräferenzen
                     Generationenbeziehung
                     Internet-Nutzung
                     Sympathie für gesellschaftliche Institutionen
                     Einstellung zu österreichisch-türkischen Jugendlichen
                     Sprachkulturen in den Herkunftsfamilien
                     Einschätzung der Qualifikationserfordernisse am Arbeitsmarkt

                  Der Terminus „Total“ in der Statistik bezieht sich auf Gesamt – Österreich
 KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                               5




Studien-Steckbrief


elf/18 – die Jugendstudie 2007:      Eigenstudie des Instituts für
                                     Jugendkulturforschung – Welle 2

Standardisierte Befragung:           face-to-face



Quotenstichprobe:

                                     n=880, Wien=215, repräsentativ für 1
                                     1 - bis 1 8-jährige Jugendliche
                                     (quotiert nach Alter, Geschlecht,
                                     Bildung, Ortsgröße)
                                     Anteil „MigrantInnen mit
                                     icht-deutscher Muttersprache“: 7,5%
Fragebogen:
                                     9 geschlossene Fragen,
                                     3 offene Fragen
Die Themen:
                                     Jugendkultur/Szenen – Musikpräferen-
                                     zen – Defizite im Freizeitbereich (offene
                                     Frage) – Musikpräferenzen – Gene-
                                     rationenbeziehung (offene Frage) –
                                     Internet-Nutzung – Sympathie für
                                     gesellschaftliche Institutionen – Ein-
                                     stellung zu österreichisch-türkischen
                                     Jugendlichen – Sprachkulturen in den
                                     Herkunftsfamilien – Einschätzung der
                                     Qualifikationserfordernisse           am
                                     Arbeitsmarkt (offene Frage)

Befragungszeitraum:                  Oktober – November 2006

Studienleitung:                      Dr. Beate Großegger
Feldleitung:                         Martina Ambüchler
Statistik:                           MMag. Manfred Zentner
1 1 - bi s 18-jährige J uge n dl i c h e g e s a mt , A ng ab e n i n P r oz e nt
Frage: Es gibt verschiedene Jugendkulturen und Jugendszenen. Bitte sag
mir, zu welchen der folgenden Szenen du dich zugehörig fühlst? (Mehr -
fachnennungen möglich)
1 1 - bi s 18-jährige J uge n dl i c h e g e s a mt , A ng ab e n i n P r oz e nt
Frage: Welche der folgenden Musikstile hörst DU PERSÖNLICH derzeit am
liebsten? (Mehrfachnennungen möglich)
11- bis 1 8 - j ä h r i g e Jugendliche gesamt, Angaben in Prozent
Frage: Wenn du dich mit deinen Freunden triffst, über was redet ihr da
hauptsächlich? (Mehrfachnennungen)

Wir reden über ...
11- bis 18-jährige Internet-User, Angaben in Prozent
Frage: E - m a i l s verschicken und Surfen zählen zu den Standardanwendun-
gen bei den I n t e r n e t - N u t z e r n . Es gibt aber noch viele andere Möglichkeiten,
wie man das Internet nutzen kann. Wir haben hier eine Liste mit Möglich -
keiten zusammengestellt. Bitte sag mir, welche dieser Möglichkeiten und
Angebote DU SELBST nutzt. (Mehrfachnennungen)

Nutze/mache Folgendes ...
Basis: U s e r – 1 1- bis 1 8 - J ä h r i g e , die das Internet nutzen, Angaben in
Prozent
Frage: Bitte sag mir, welche der folgenden Anwendungen und Angebote, die
du NICHT nutzt, du gerne nutzen würdest, wenn du die Möglichkeit dazu
hättest. (Mehrfachnennungen)
Basis: N o n - U s e r – 11- bis 1 8 - J ä h r i g e , die das Internet nicht nutzen,
Angaben in Prozent
Frage: Bitte sag mir, welche der folgenden Anwendungen und Angebote, die
du NICHT nutzt, du gerne nutzen würdest, wenn du die Möglichkeit dazu
hättest. (Mehrfachnennungen)
1 1- bis 1 8 - j ä h r i g e Jugendliche gesamt, Angaben in Prozent
Frage: Wir haben hier eine Liste mit verschiedenen Organisationen und
Vereinen zusammengestellt. Bitte sag mir für jede Organisation, ob sie dir
(eher) sympathisch ist oder (eher) unsympathisch oder weder noch.

Finde (eher) sympathisch ...
11- bis 1 8 - j ä h r i g e Jugendliche gesamt, Angaben in Prozent
Frage: Wir haben hier eine Liste mit verschiedenen Organisationen und
Vereinen zusammengestellt. Bitte sag mir für jede Organisation, ob sie dir
(eher) sympathisch ist oder (eher) unsympathisch oder weder noch.

Finde (eher) unsympathisch ...
1 1 - bi s 18-jährige J uge n dl i c h e Wi e n, A ng ab e n i n P r oz e nt
Frage: Wir haben hier eine Liste mit verschiedenen Organisationen und
Vereinen zusammengestellt.
Bitte sag mir für jede Organisation, ob sie dir (eher) sympathisch ist oder
(eher) unsympathisch oder weder noch.
1 1 - bi s 18-jährige J uge n dl i c h e g e s a mt , A ng ab e n i n P r oz e nt

Frage: Ich lese dir jetzt eine Liste vor. Bitte sag du mir, bei welchen Berei -
chen DU glaubst, dass türkische Jugendliche, die in Österreich leben und
auch schon hier geboren sind, ANDERS sind als österreichische Jugend -
liche.
Basis: 1 1 bis 1 8 - J ä h r i g e , die angeben, dass türkische Jugendliche
anders sind, Angaben in Prozent
Frage: Bitte sag mir bei den Bereichen, wo du glaubst, dass türkische
Jugendliche anders sind, dann auch noch, ob sich die türkischen Jugendli -
chen DEINER MEINUNG NACH anpassen sollten oder ob sie ihre Art zu
leben und zu denken behalten sollten.




Differenz auf 100%: weiß
n i c h t / k e i n e Angabe
1 1 - bi s 18-jährige J uge n dl i c h e g e s a mt , A ng ab e n i n P r oz e nt

Frage: Wie wird bei dir z u h a u s e in der Familie eigentlich hauptsächlich
gesprochen: Hochdeutsch, Umgangssprache bzw. Dialekt aus deiner Region
oder eine andere Sprache? Bitte entscheide dich für eine Antwortmög -
lichkeit!
                                                 1 1 - bi s 18-jährige J uge n dl i c h e g e s a mt , A ng ab e n i n P r oz e nt

                                                 Frage: Was glaubst du, sind die wichtigsten Eigenschaften und Vorausset -
                                                 zungen, damit du später einmal einen fixen Job finden wirst? Bitte nenne
                                                 maximal 3 E i g e n s c h a f t e n / V o r a u s s e t z u n g e n . (Offene Frage ausgewertet
                                                 nach Kategorien)




Be zi e h u n g e n / C o n n e ct i o n s z u d e n " r i c h t i g e n " L e u t e n
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                  21




JUGEND OHNE NETZ – BERÜHRPUNKT
Eine multimediale Wanderausstellung der Österreichischen
Kinder- und Jugendanwaltschaften


Eventaward 2 0 0 7 - Goldauszeichnung

Die von currycom für die Kinder- und Jugendanwaltschaften konzipierte und strategisch begleitete
interaktive Ausstellung „BERÜHRPUNKT – Jugend ohne Netz“, die das Thema der hohen Kinder-
und Jugendarmutsquote in Österreich zum Inhalt hatte, wurde von einer zehnköpfigen Fach-Jury mit
dem Event Award in Gold ausgezeichnet. Aus 124 Einreichungen in zehn Kategorien wurden
insgesamt zehn Preisträger mit Gold geehrt.


Die Jury argumentierte ihre Entscheidung wie folgt: „Das sozial schwierige Thema „Jugendarmut“
wurde in diesem Projekt sehr gut erlebbar dargestellt und bewusst gemacht. Aufgrund der konkreten
Beispiele ist es gelungen, einen ergreifenden Eindruck der Problematik zu


erhalten. Durch den tiefen Einblick in das Leben dieser Personen, wurden die Gäste des Events
emotional stark berührt. Fachlich betrachtet: ein stringentes Konzept bezüglich Drucksorten, Plakate und
Layout, eine äußerst professionelle Umsetzung und ein durchgängiges Kommunikationskonzept
berücksichtigten den nachhaltigen Ansatz in besonderer Weise. Mit diesem Projekt“, so die Jury, „ist
es gelungen, ein schwieriges Tabu-Thema eindrucksvoll und anschaulich einer breiteren Öffentlichkeit
näher-zubringen und gleichzeitig gezieltes Lobbying für die Verbesserung der Rechtslage zu
betreiben. Das Projekt überzeugte durch die Originalität des Ansatzes, die gelungene Vernetzung aller
Akteure und die erfolgreiche Einbindung strategischer Partner. Nachhaltigkeit und professionelles
Fundraising sind weitere positive Merkmale.“




Staatspreis für Public Relations 2007

Bei diesem Staatspreis schaffte das Projekt zwar nicht die
höchste Auszeichnung, dennoch waren wir als Nominierung
unter den besten Projekten.
                            Ausgangspunkt:
                            1 13.000 Kinder und Jugendliche leben in Österreich unter der Armutsgren -
                            ze (dies ist ein Anstieg von über 20.000 gegenüber 2002). Zu viele sind von
                               materieller Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht. Die in der UN-Kin-
                               derrechtskonvention festgehaltenen Artikel zur Schützung der Grundrech-
          K i n d e r a r m u t te für Kinder und Jugendliche sollen laut Regierungserklärung von Mitte
                             Jänner 2007 bald in die Bundesverfassung aufgenommen werden. Die Aus -
                                  stellung „Berührpunkt“, auf Initiative der österreichischen Kinder- und
                               Jugendanwaltschaften, will alle ÖsterreicherInnen für das Thema sensibi-
                               lisieren und auf die Dringlichkeit dieser Umsetzung aufmerksam machen.


                       Wanderausstellung:
                       Vom 22. März bis 27. Juni 2007 tourte die multimediale Ausstellung zum
                       Thema Kinder- und Jugendarmut unter dem Namen „Berührpunkt“ durch
                       alle Landeshauptstädte Österreichs. Auftakt war in Wien, wo die Ausstel-
                       lung bis zum 8. April zu Gast war. Jugendliche ab 14 Jahren, Eltern, Lehrer-
                       Innen, PädagogInnen sowie MeinungsbildnerInnen und Entscheidungsträ-
                       gerInnen aus Politik und Wirtschaft sollten in der Ausstellung durch das
                       Prinzip der „Identifikation durch Interaktion“ mit der Situation betroffener
                       Kinder und Jugendlicher konfrontiert werden.



                       Identifikation durch I nteraktion
                        Im Rahmen eines Containerparcours sollte dem Besucher durch das sinn-
        interaktive   lich erfahrbare Nachempfinden realer Lebensschicksale die Möglichkeit
Wanderausstellung gegeben werden, hinter die Fassade der Statistik zu blicken und auf diese
                   Weise das Schicksal einzelner Jugendlicher wirklich nachvollziehen und
                   für sich bewusst machen zu können. Alle weiteren Informationen s ind auch
                   auf unserer eigenen Website www.beruehrpunkt.at. zu finden. Über diese
                   Website gab es auch die Online-Möglichkeit der Anmeldung für Schulen
                   und alle anderen Formen von Gruppen ab 10 Personen.

                       Die Standorte waren:
                       Wien, Platz zwischen Burgtheater und Café Landtmann           22.3.-8.4.2007
                       St. Pölten, Regierungsviertel beim Klangturm                  11.4.-16.4.2007
                       Linz, Bahnhofsvorplatz                                        20.4.-27.4.2007
                       Salzburg, Mozartplatz                                         2.5.-7.5.2007
                                                                                     11.5.-17.5.2007
                       Dornbirn, Kulturhauspark
                                                                                     21.5.-26.5.2007
                       Innsbruck, Marktplatz
                                                                                     29.5.-4.6.2007
                       Klagenfurt, Landhaushof                                       8.6.-17.6.2007
                       Graz, Tummelplatz                                             20.6.-25.6.2007
                       Eisenstadt, Fußgängerzone

                              Ausstellungsgestalter und Management:
                              Nach einem Hearing erhielt die Firma currycom den Auftrag zur Ausstel-
      F a . c u r r y c o m lungsgestaltung:

                 Für die gesamte Kreation der Ausstellungsinhalte und deren Umsetzung sowi e die
                                  Abwicklung aller Kommunikationsmaßnahmen war die Agentur
currycom verantwortlich, die sich auf der Basis von pro bono–Leistungen
über ein Jahr lang der Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung
gewidmet hat.
        currycom communications
        1060, Mariahilferstraße 99 / 5.Stock
        Tel.: 59950-0 cw@currycom.com


Resümee
„Jugend ohne Netz - Berührpunkt“ ist angekommen – in den Herzen und
Gedanken von rund 15.000 BesucherInnen, die die Ausstellung in den ver-
gangenen drei Monaten in allen neun österreichischen Bundesländern
besucht haben. „Berührpunkt“ ist aber auch dort angekommen, wo er seinen
eigentlichen Zielpunkt haben sollte – im Herzen des Landes und damit bei
den verantwortlichen Meinungs- und Entscheidungsträgern im öster-
reichischen Parlament in Wien. Wichtigstes Ziel der Kampagne war neben

der Sensibilisierung und der Schaffung eines entsprechenden Bewusstseins 1 5 . 0 0 0 B e s u c h e r I n n e n
für das Problem der Kinder- und Jugendarmut vor allem die Darlegung eines 10-Punkte-
Forderungskatalogs. Dieser forderte als prioritären Punkt die verfassungsrechtliche Verankerung der
UN-Kinderrechtskonvention aus dem Jahre 1989. Erst diese würde die gesetzliche Basis zu einer
praktischen Umsetzung dieser Rechte im Alltag von Österreichs Kindern und Jugendlichen legen
und wurde bereits auch Anfang dieses Jahres in der neuen Regierungs erklärung angesprochen.


„Berührpunkt“ wollte und will auf diese zentrale Forderung nochmals kon -
kret hinweisen, indem die Petition mit den 10 konkreten Forderungen an
Frau Nationalratspräsidentin Maga Barbara Prammer sowie Briefe mit
demselben inhaltlichen Anliegen an alle Nationalrats- und Bundesratsab- A b s c h l u s s v o r d e m
geordneten übergeben wurden. Durch ihr großes Engagement und die P a r l a m e n t
gemeinschaftliche Idee zur Umsetzung dieser österreichweiten Kampagne haben die
österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften bewiesen, dass diese wichtige Thematik ein
zentrales Anliegen für die Zukunft Österreichs sein sollte.



Ehrenschutz

„Berührpunkt“ stand unter dem Ehrenschutz von Bundespräsidentengattin
und Erstunterzeichnerin Margit Fischer, die sich sehr oft und besonders
gezielt in den Dienst benachteiligter Mitmenschen stellt. Auch Wiens Vize -
bürgermeisterin Grete Laska unterstrich bei der projekteinleitenden Start-
pressekonferenz im März 2007 die ganz besondere Bedeutung dieses Pro-
jekts für die Zukunft betroffener Kinder und Jugendlicher in Österreich. In
den einzelnen Bundesländern haben sich außerdem Landeshauptmann-
stellvertreterInnen sowie Landes- und Stadträtinnen sowohl als Podiums-
vertreter bei den einzelnen Pressekonferenzen als auch als repräsentative
BesucherInnen der Ausstellung mit den Inhalten der Ausstellung identifi -
ziert und diese zusätzlich bekräftigt.
24                                                                               KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




                            Medienresonanz/Publ ikumsresonanz:
                            Die ausstellungsbegleitende Website www.beruehrpunkt.at, die Hinter-
                            grundinformationen zur Thematik sowie zu allen Ausstellungsorten bietet
                            und die Arbeit der einzelnen Kinder- und Jugendanwaltschaften vorstellt,
                            kann von ihrem Launch am 1 9. Februar 2007 eine Gesamtzugriffstatistik
                            von über 20.000 Visits verzeichnen.


Die Medienresonanz war enorm hoch und erreichte im Gesamten eine Auf lage von über 4,4 Millionen
                                                                Reichweite alleine im Printbereich. Dazu kom-
     M e d i e n r ä s o n a n z men über 100 Online-Berichte und zahlreiche TV- und Hörfunkberichte, die
  4,4 Mio. Reichweite sich an den jeweiligen Eröffnungstagen in den einzelnen Bundesländern aus
                                  Anlass der Ausstellung „Berührpunkt“ sehr konkret des Problems der
                                  Kinder- und Jugendarmut in Österreich angenommen haben. Wir möchten
                                  uns an dieser Stelle bei all jenen Medien bedanken, die uns permanent
                                  unterstützt und Interesse an diesen wichtigen Inhalten gezeigt haben.


                            Auch die Publikumsresonanz war dementsprechend groß und zustimmend
                            und lässt daher auf einen durchwegs positiven Anklang in der Bevölkerung
                            schließen. Weiter unten ein Querschnitt über die Online – Einträge.


                            Das Patenprojekt als Fortsetzung von
                            „Jugend ohne Netz - Berührpunkt“


                        Das Patenprojekt der österreichischen Kinder- und Jugendanwaltschaften,
                        welches als Hauptsponsor von der Bank Austria Creditanstalt getragen
                        wird, soll die Ideen von „Berührpunkt“ im Laufe der nächsten Monate und
                        Jahre weiterhin im Bewusstsein der Menschen halten und außerdem ganz
       Patenprojekt für konkrete Hilfe für Betroffene anbieten. Die Zielgruppe umfasst sozial
         benachteiligte benachteiligte Jugendliche im Alter von 14 – 1 8 Jahren. Vorerst läuft das
           Jugendliche Patenprojekt in Wien und in Salzburg, es soll aber im Laufe der nächsten
                        Jahre auf alle Bundesländer ausgeweitet werden. Benachteiligte Jugendli -
                        che sind in ihrer Möglichkeit zur Lebensgestaltung eingeschränkt, da sie
                        aufgrund verschiedener Lebensumstände oder Ereignisse nicht die not -
                        wendige Unterstützung und Förderung erhalten haben. Junge Menschen
                        mit sozialen Benachteiligungen sind solche mit defizitärer Sozialisation in
                        Familie, Schule, Ausbildung, Berufsleben und sonstiger Umwelt.

                           Beim Patenprojekt soll die Kompensation der sozialen Benachteiligung der
                           Jugendlichen im Vordergrund stehen und der Aufbau einer freundschaftli -
                           chen Beziehung zwischen dem Jugendlichen und dem Paten ermöglicht
                           werden. Viele der Jugendlichen sind den zunehmend schwierigeren Anfor -
                           derungen des Alltags in Bezug auf Arbeit, Schule und Behörden nicht
                           gewachsen. Es bedarf seitens der Betreuer kompetenter Unterstützung, die
                           den Jugendlichen die Verantwortung für ihre Aufgaben nicht abnehmen
                           soll, sondern ihnen hilft, ihre Angelegenheiten in bestmöglicher Weise
                           selbständig wahrzunehmen. Den betreuten jungen Menschen soll Hilfe zur
                           Selbsthilfe angeboten werden – sie sollen die Möglichkeit haben, mit den
PatInnen schulische oder berufliche Perspektiven zu erarbeiten und bei der
Umsetzung dieser Ziele begleitet werden. Umfassende Informationen und
die Möglichkeit, sich selbst als PatIn zu bewerben bekommen Sie unter
www.beruehrpunkt.at.

Weitere Infos zum Wiener Patenprojekt „gemma’s an!“ gibt’s noch hier im
Jahresbericht.



Da nk e !

Bedanken möchten wir uns bei all jenen, ohne die das Zustandekommen
dieser Ausstellungskampagne niemals möglich gewesen wäre. Allen voran
unseren Partnern Bank Austria Creditanstalt AG und Rail Cargo Austria.
Letztere war für den Transport der Container durch ganz Österreich ver -
antwortlich. Danke unseren Sponsoren Wr. Städtische und Fernwärme
Wien. Jede Reihung wäre unfair und wir bitten die folgende Aufzählung
nicht als solche zu betrachten: Wir danken unseren Medienpartner n, dem
ORF, Rat auf Draht und der Mediaagentur Mediacom, unserem Sponso-
ringverantwortlichen Peter Melichar, designbuero wien, teamwork 4u, cube
S, 1001 grafik, mikefitsch, screen-o-delics, Plakativ, plecher planen,
Sattler, T-Mobile, Mediakultur, Fotostudio Huger, Statistik Austria, den
lokalen und freiwilligen Feuerwehren aller Bundesländer, allen hilfsberei -
ten Menschen aus den Magistraten, allen Medien, die unsere Ausstellungs -
ankündigung kostenlos geschalten haben sowie allen Vereinen und NGO´s,
die uns über die Bewerbung auf Ihren Websites und Ihre Ankündigungen
unterstützt haben. Danke!



Last but not least ein herzliches Danke der Firma currycom, die das Projekt
als pro bono Beitrag auch weiterhin betreuen.
Im Folgenden ein kurzer Auszug aus den Online – Eintragungen der
BesucherInnen




Name             Eintrag
bad candy        Geschrieben am: Mi 30 Mai 2007 12:09:21 CEST
                wir fanden die austellung voll supi
                war voll interessant!



                angi, nati, anna & pristina
mausi
                Geschrieben am: Mi 30 Mai 2007 12:08:54 CEST
                ich finde die ausstellung sehr gut.es sollte mehr davon
                geben! und es sollte mehr werbung für solche veranstaltun-
                gen geben!
                   weiter so!!!!

melanie t        Geschrieben am: Mi 30 Mai 2007 12:02:13 CEST
                Ich finde das die Ausstellung sehr informationsreich und
                aufkärend war!!!!!
                Armut gehört VERBOTEN und geht uns alllle an!!!!!!

                meli und carini

PTS Wörgl        Geschrieben am: Mi 23 Mai 2007 1 1 :24:23 CEST
                tolle Ausstellung und super Führer-Team
                solche Informationen sollte es öfter geben....

                 stimmt sehr nachdenklich


Kamila          Geschrieben am: Di 22 Mai 2007 07:26:29 CEST
                Good job! Your site is great!


hubert          Geschrieben am: So 06 Mai 2007 15:28:53 CEST
                tolle austellung der kija... regt zum nachdenken anund zeigt
                sehr nachdrücklich wieviele kinder und jugendliche in öster-
                reich hilfe benötigen!

matse           Geschrieben am: So 06 Mai 2007 09:44:23 CEST
                ja, das glaubt man gar nicht, dass in einem land wie öster-
                reich so viele kinder und jugendliche sozial benachteiligt sind
                und nicht - wie andere - am gesellschaftlichen leben
                (ausbildung, gesundheitsversorgung, soziale kontakte, uvm.)
                teilnehmen können um ihre lebensperspektiven entscheidend
                zu verbessern. ich hoffe, dass die ausstellung verantwortliche
                dazu anregt, dieses problem nicht nur ernst zu nehmen
                sondern auch entsprechend zu handeln.

evchen          Geschrieben am: So 06 Mai 2007 08:01:36 CEST
                der ideale sonntag um in die austellung zu kommen!
Eva            Geschrieben am: Do 12 Apr 2007 12:16:09 CEST
              Lieber unwissender!
              Unter Ausstellungsinfo findest du alle Informationen zum
              Aufbau und Inhalt der Ausstellung!


unwissender    Geschrieben am: Do 12 Apr 2007 06:58:37 CEST
                  wieso steht da nirgends, was auf dieser Ausstellung
              Hm...
              überhaupt gezeigt wird?! Oder wird da tagtäglich gebrake-
              danced?!

Catgirl        Geschrieben am: Mi 04 Apr 2007 15:05:59 CEST
              Es ist wirklich „oarg“ Das es so viele arme Kinder + Jugend-
              liche gibt! Ich find es gut, dass es diese Ausstellung gibt.

Trey Price     Geschrieben am: So 01 Apr 2007 14:12:22 CEST
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              they\’ll find your project interesting too.Thanks for this site!

Sanatan        Geschrieben am: Fr 30 Mär 2007 14:03:52 CEST
              Ich finde die Sache auch sehr gut nd freue mich wenn sich
              wirklich mal was ändert, das nicht immer wieder die reichsten
              Menschen den Ärmsten das letzte wecknehmen und man den
              Armen noch die Schuld in die Schuhe schiebt. Mit Parolen :
              wer Arbeiten will kann sich eh a Wohnung leisten, wo
              sogenante Beträuungskosten auf Jahre vorraus alles Geld
              verschluckt ....
Angelika L.    Geschrieben am: Mi 28 Mär 2007 13:09:41 CEST
              Ich habe heute mit meiner Klasse die Ausstellung besucht. Wir
              waren sehr beeindruckt. Es ist Ihnen sehr gut gelungen, das
              komplexe Problem so aufzubereiten, dass es wirklich berührt.
              Man wird auch nicht mit Informationen überfrachtet, sondern
              erhält en passant einen tiefen Einblick in die Problematik.
              Ich wünsche Ihnen noch viel Erfolg mit dieser Ausstellung
              und bedanke mich für diese Gelegenheit.

ally           Geschrieben am: Mi 28 Mär 2007 10:08:20 CEST
              hab viel gelernt

b. k.          Geschrieben am: Mi 28 Mär 2007 09:34:10 CEST
              eine sehr inormative und betroffen machende Ausstellung -
              schade,dass sie nicht länger in wien station macht ......
              b. k. mit der 4HKC aus der HLTW 13,Bergheidengasse 519

Silvia
              Geschrieben am: Di 13 Mär 2007 22:55:09 CET
              Warum nicht in den Bezirken,wo diese armen Kinder mit
              ihren Familien wohnen?z.b. 1 5. 1 6. 1 7.2.20.Bezirk,oder
              die Bahnhöfe in Wien. Der 1 .Bezirk ist einfach zu reich
              dafür.Die Idee ist hervorragend..
              Admin Kommentar: Die Ausstellung wurde ganz bewusst in den Zentren der Städte
              gesetzt, damit auch die Menschen, die das Problem nicht betrifft, nicht daran
              vorbeigehen, sondern damit konfrontiert werden!
DANKE!
Wir bedanken uns an dieser Stelle bei allen Partnern und Sponsoren, ohne
deren Mitwirken und finanzielle Unterstützung das Zustandekommen der
interaktiven Ausstellung „ B e r ü h r p u n k t “ nicht zustande gekommen wäre!
Durch Ihr soziales Engagement und Eintreten für unser Anliegen und für
alle betroffenen Kinder und Jugendlichen in Österreich können wir der
Umsetzung der in der U N - K i n d e r r e c h t s k o n v e n t i o n geforderten Rechte und
der Verbesserung der Lebensbedingungen dieser Menschen um einen
wichtigen Schritt näher kommen.


WIR DANKEN UNSEREN PARTNERN:
WIR DANKEN UNSEREN KOMMUNIKATIONSPARTNERN:
30                                                                   KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




                                    FOTOS DER AUSSTELLUNG:




                                                  Aufbau vor dem Burgtheater……




                                                  Pressekonferenz mit Frau
                                                  Vizebürgermeisterin Grete Laska




                                                  Schirmherrin Frau Margot Fischer
                                                  mit Frau Vizebürgermeisterin Grete L a s k a
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                  31
  Eindruck aus dem Inneren….




Abschluss vor dem Parlament…




    … mit Frau NR-Präsidentin
        Mag a Barbara Prammer
      und den Österreichischen
Kinder- und JugendanwältInnen
32                                                                                   KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




                               DER FORDERUNGSKATALOG
                              der Österreichischen Kinder - und JugendanwältInnen:

                              Die österreichischen Kinder- und JugendanwältInnen haben einen Forderungs-
                              katalog erstellt, der sich an der ganz konkreten Umsetzung der Artikel der UN-
                              Kinderrechtekonvention orientiert. Dafür wurden 10 Punkte ausgearbeitet, wel-
                              che die grundlegende Lebensbasis für alle Kinder und Jugendlichen Österreichs
                              ohne Diskriminierung und Ausgrenzung ermöglichen und die Gewährleistung
                              aller in der UN-Konvention genannten Rechte garantieren sollen.


         Verankerung 1. die Verankerung der UN-Kinderrechtekonvention in der österreichischen
     Bundesverfassung          Bundesverfassung
             (Artikel 4 K i n d e r r e c h t e k o n v e n t i o n (KRK)– Durchsetzung der Rechte durch den Staat)

     Armutsforschung 2. eine Datenerhebung über Auswirkungen von Armut und anderen Fakto ren
                          auf die Entwicklung junger Menschen sowie Einführung österreich weit
                          gültiger   Monitoring-Instrumente   (auf  Bundes-,    Landes-    und
                          Gemeindeebene) und eine alljährliche Parlamentarische Diskussion der
                          Monitoring-Ergebnisse
               (Artikel 26 KRK – soziale Sicherheit, Artikel 27 KRK – angemessener Lebensstandard)

        Kinder- und 3. Einführung einer Kinder- und Jugendgerechtigkeitsprüfung bei allen Vor-
Jugendgerechtigkeits-  haben sowie eine Politik der ausgleichenden Gerechtigkeit zwischen Land
            prüfung    und Stadt, Berg und Tal, jung und alt, arm und reich, nah und fern, lokal
                       und global, österreichisch und anderssprachig, gesund und krank, fremd
                       und bekannt, schwarz und weiß, im Sinne des Nationalen Aktionsplans.
                        (Artikel 2 KRK– Diskriminierungsverbot, Artikel 3 KRK- Kindeswohl)

     Kinderbetreuung 4. eine an den Bedürfnissen der Kinder orientierte Kinderbetreuung, die
                         wissenschaftliche Erkenntnisse der Frühpädagogik sowie die OECD-
                         Empfehlungen über Rahmenbedingungen (wie Gruppengröße, Betreu-
                         ungsschlüssel etc.) berücksichtigt
                                     (Artikel 18 KRK- Kinderbetreuung, Artikel 3/3 KRK– Kindeswohl)

                  Schule 5. ein österreichisches Schulwesen, das Lernen mit Freude ermöglicht,
                             „Schule als Lebensraum“, die Lernerfolge bietet, die zeitgemäßen Anfor -
                             derungen entspricht, pädagogisch-didaktisch auf der Höhe der Zeit ist,
                             allen Kindern/Jugendlichen durch Bildung mehr Chancen als Selektion
                             bietet und Kindern/Jugendlichen Selbstständigkeit, Respekt und Verant-
                             wortungsbewusstsein im sozialen Kontext lehrt (Ausbau von Sozialem
                             Lernen, Schulmediation, Sucht- und Gewaltprävention, Schulsozialar-
                             beit, Beratungslehrern und Zusammenarbeit mit außerschulischer
                             Jugendarbeit, Förderkurse zur Erreichung des HS-Abschlusses für Kin-
                             der nicht deutscher Muttersprache u.v.m.)

                                                 (Artikel 28+29 KRK – Recht auf Bildung, Bildungsziele)
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                    33




6. gelebte Inklusion – überall dort wo Unterschiede spürbar sind, werden I n k l u s i o n
   diese Unterschiede als Quelle für Inspiration und Innovation genützt. Kinder mit
   besonderen Bedürfnissen haben das Recht auf besondere För derung und Teilhabe in
   sämtlichen Bereichen (Pflichtschule, höhere Schulen, Ausbildung, Arbeitsmark,
   Freizeit…). Zur Verwirklichung dieses Grundsatzes werden vermehrte Ressourcen
   zur Verfügung gestellt (Artikel 23 KRK – Soziale Integration von Kindern mit
   Behinderung)


7. ein österreichisches Gesundheitswesen, das mehr als die Abwesenheit Gesundheit
   von Krankheit kennt, das bio-psycho-soziale Wohlbefinden zum Ziel seiner
   Aktivitäten setzt und Kindern/Jugendlichen die Chance bietet körperlich, geistig und
   seelisch fit für das 21. Jahrhundert zu sein. (Verstärkung der
   Gesundheitspräventionsangebote, verstärkte Unterstützung für Kinder und Jugendliche
   mit Behinderung, Ausbau der kinderund jugendpsychiatrischen Versorgung, Ausbau
   der ländlichen Gesundheitsversorgung)

                                    (Artikel 24 KRK – Recht auf Gesundheit)

8. ein österreichisches Sozialwesen, das Eltern in der Erziehung ihrer Kin - Sozialpolitik
   der finanziell und praktisch unterstützt und Kindern/Jugendlichen das vielfältige
   familiäre Zusammenleben so leicht wie möglich macht. Sollte das Aufwachsen im
   ursprünglichen familiären Zusammenhang nicht möglich sein, muss der Staat für den
   bestmöglichen Schutz und für die optimale Versorgung von Kindern oder Jugendlichen
   vollumfänglich aufkommen. (Personell und finanziell bessere Aussta ttung der Jugend-
   wohlfahrt, verstärkte ambulante Familienhilfe, Ausbau von Streetwork sowie eines
   leicht erreichbaren, bedarfsdeckenden und nieder-schwelligen Beratungsnetzes für
   Kinder und Jugendliche, Etablierung eines Kinderbeistands als externe
   Vertrauensperson u.v.m.)

                                      (Artikel 1 0 KRK – Familienzusammenführung, Artikel 20 KRK –
                                            Schutz und Beistand bei Lösung aus dem Familienverband,
                                        Artikel 27 KRK – Recht auf angemessenen Lebensstandard und
                                                       staatliche Sicherung eines Existenzminimums )

9. Ausbildungs- und Lehrplätze für jede junge Frau und jeden jungen Mann, Berufsausbildung
   denn Arbeit und Einkommen stellt für einen guten Start ins erwachsene Leben und für die
   soziale Position des Einzelnen in unserer Gesellschaft eine der zentralen Säulen der Ident ität
   dar.
     (Artikel 28 KRK – Recht auf Bildung, Schule und Berufsausbildung)

10.    ein Grundeinkommen für Kinder und Jugendliche, das Sozialversiche-
  Grundeinkommen rung, Unfallversicherung, Pflegegeld, Behindertenhilfe ohne jegliche
  Diskriminierung von Kindern nicht österreichischer Staatsbürgerschaft inkludiert sowie eine
  längst fällige und grundlegende Reformierung des Unterhaltsvorschuss-Systems
                 (Artikel 27 KRK - Recht auf Unterhalt, Artikel 26 KRK - Recht auf soziale Sicherheit)
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                            „GEMMA’S AN!“
                            Das Wiener Patenprojekt


                            1 . Ausgangssituation des Modellprojektes

     Jugendliche ohne Die Kinder- und Jugendanwaltschaft (KJA) Wien wurde in den letzten Jah-
       U n t e r s t ü t z u n g ren immer öfter mit Anfragen von Jugendlichen konfrontiert, die sich den
                                   zunehmend schwierigeren Anforderungen des Alltags in Bezug auf Schule,
                                   Arbeit und Behörden nicht mehr gewachsen sehen. Oftmals finden sich die -
                                   se Jugendlichen auch in Beziehungen mit Gleichaltrigen oder Erwachsenen
                                   nicht mehr zurecht. Viele von ihnen haben - aus unterschiedlichsten Grün-
                                   den - nicht die nötige Unterstützung von Seiten ihres Elternhauses.


                            Die notwendige Begleitung dieser Jugendlichen kann durch die personelle
                            Kapazität der Kinder- und Jugendanwaltschaft nicht mehr ausreichend
                            geleistet werden, auch die freien Jugendwohlfahrtsträger und das Jugend-
                            amt haben für diese Zielgruppe nicht genug Angebote. Auf Grund dieser
                            Situation entstand die Idee, diese sozial benachteiligten Jugendlich en
                            durch ehrenamtliche BetreuerInnen, in Folge auch Pate und Patin genannt,
                            zu begleiten und zu stärken.


                            In Wien leben zu diesem Zeitpunkt etwa 70.000 junge Menschen zwischen
                            14 und 18 Jahren. Vielen von ihnen wird - meist mit Unterstützung des
                            Elternhauses - eine Zukunftsperspektive ermöglicht: sie besuchen weiter-
                            führende Schulen, absolvieren eine Lehre oder werden zumindest in diver -
                            sen AMS-Kursmaßnahmen darauf vorbereitet, ihr Erwachsenenleben
                            selbständig und verantwortungsvoll zu beginnen.


                            Allerdings steigt die Zahl der sozial benachteiligten Jugendlichen, die kei -
                            nen Pflichtschulabschluss vorweisen können, keine Lehrstelle finden und
                            oft nicht einmal in einem Kurs mit geregelter Tagesstruktur unterkommen.

     1.200 Jugendliche
     ohne P f l i c h t s c h u l - Ca. 1.200 Jugendliche pro Jahr beenden ihre Schulzeit in Wien ohne
                 abschluss
                                    Pflichtschulabschluss.
                                    “Laut EU-Daten hat sich die Zahl der Arbeitslosigkeit zwischen 15 und 24
                                    Jahren in Wien seit 2000 verdreifacht, die Quote klettert über die 15-
                                    ProzentMarke. Auch Lehrstellen sind Mangelware, 18 Bewerber reißen sich um
                                    einen freien Platz.“

                            Obwohl die Zugänge zu den einzelnen Behörden und ihren Angeboten vor -
                            dergründig transparenter und leichter zugänglich gemacht wurden, ist die
                            Hemmschwelle, diese Angebote auch anzunehmen, für die Jugendlichen
                            trotzdem nicht gesunken. Mit Hilfe von engagierten Erwachsenen sollen
                            den jungen Menschen Zukunftsperspektiven ermöglicht und vermehrt eige -
                            ne Ressourcen erschlossen werden.
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                        35




Seit Jänner 2006 werden in einem ehrenamtlichen Patenschaftsprojekt 30
Wiener Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren aus sozial benachteiligtem
Milieu bei einem Teil ihres Weges in die Gesellschaft von Erwachsenen
unterstützt. Dies basiert auf Begleitung durch ehrenamtliche PatInnen der
Kinder- und Jugendanwaltschaft. Ein/e Pate/in steht jeweils einem
Jugendlichen zur Seite.


Diese Einzelbetreuung erfolgt ergänzend zu den Angeboten des jeweiligen
Elternhauses und soll keine Konkurrenz zu Mutter oder Vater der Jugend -
lichen darstellen.

Die Intensität der Betreuung bildet sich im Rahmen des persönlichen Kon- E i n z e l b e t r e u u n g
taktes zwischen Jugendlichen und Erwachsenen heraus. Es soll von beiden d u r c h P a t I n
Seiten die grundsätzliche Bereitschaft bestehen, eine kontinuierliche und
tragfähige Beziehung aufzubauen.


Den Jugendlichen wird sowohl durch pragmatische Hilfeleistung (z.B.
Begleitung zum AMS,…) aber auch durch die inhaltliche Auseinanderset-
zung mit den Standpunkten der PatInnen ermöglicht, ihre sozialen Kompe-
tenzen zu erhöhen und ihren Mangel an persönlichen Ressourcen zu kom-
pensieren.




Projektidee

Die Idee, ein Patenschaftsprogramm in Wien zu etablieren, resultiert einer -
seits aus den oben genannten Erfahrungen und basiert auf Fallgeschichten
von Jugendlichen im Rahmen der Arbeit der Kinder - und Jugendanwalt-
schaft in Wien. Für diese Menschen wäre eine Betreuung über den institu -
tionellen Rahmen hinaus hilfreich und notwendig.
Das vorliegende Patenschaftsmodell „gemma´s an!“ sieht eine Begleitung
von sozial benachteiligten Jugendlichen durch PatInnen vor. Diese Zusam-
menarbeit soll den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, ihre sozialen Kom -
petenzen zu stärken und Bewältigungsstrategien zur Lösung ihrer Proble-
me im Sinne einer Ressourcenorientierung zu entwickeln. Die Ressourcen
können sinnvoll gebündelt und durch fachliche Unterstützung der Mitar-
beiterInnen sowie durch Coaching effektiver eingesetzt werden.
Die Kooperation zwischen den Jugendlichen und den PatInnen kann zudem
folgende Aspekte fördern und ermöglichen:
• PatInnen begleiten Jugendliche in ihrer Entwicklung: engagierte
    erwachsene Menschen, die neugierig auf Jüngere sind, die ihre eigene Brückenschlag
    Jugendzeit noch nicht vergessen haben, widmen ihre Zeit der Begleitung z w i s c h e n
    von sozial benachteiligten Jugendlichen, um an deren Entwicklung teil - G e n e r a t i o n e n
    nehmen zu können. Diese Kooperation fördert u. a. auch den Brücken -
    schlag zwischen den Generationen, da Jugendliche und Erwa chsene
    bzw. ältere Menschen gemeinsam an diesem Projekt beteiligt sind.
  •       Den Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren wird eine Begleitung
        und Unterstützung zur Entfaltung ihrer Interessen und Potentiale zur
                                                                      Orien-
                        tierung oder in schwierigen Lebenslagen ermöglicht. Gegenseitige Wert -
                        schätzung und Vertrauen sind dabei zentrale Elemente, weil gerade sozi al
                        benachteiligte Jugendliche im Rahmen ihrer Lebensumstände diesbe -
                        züglich benachteiligt sind.
                       Intergenerationales Lernen: den Jugendlichen und Erwachsenen, vor
                        allem auch älteren PatInnen wird ermöglicht, sich aktiv am gesell-
                        schaftlichen Leben zu beteiligen. Die Jugendlichen haben die Möglich -
                        keit, sich im Gespräch mit den vielleicht oftmals traditionelleren Werten
                        der erwachsenen Patinnen und Paten auseinanderzusetzen.
                       Unsere Gesellschaft wird mehr und mehr geteilt. Jede der jetzt lebenden
                        Generationen benötigt dringend Kontakt und Dialog mit den anderen.
                        Durch die Teilnahme an diesem Projekt, in dem Jung und Alt gleichwer -
                        tige PartnerInnen sind, entsteht die Möglichkeit, voneinander und mit -
                        einander zu lernen.
sozialer Mehrwert • Dieses Projekt soll in den sozialen Mehrwert der Gesellschaft investieren
                      und die soziale Kompetenz fördern: sozial bewusstes Kommunizieren,
                      Werte bedenken und nachhaltig verantwortlich handeln.



                      3 . Zielgruppen

                   Jugendliche
  zwischen 14 und Die Zielgruppe umfasst sozial benachteiligte Jugendliche im Alter von 14 -

         18 Jahren 18 Jahren aus Wien. Benachteiligte Jugendliche sind in ihrer Möglichkeit zur
                    Lebensgestaltung eingeschränkt, da sie aufgrund verschiedener Lebens-
                    umstände oder Ereignisse nicht die notwendige Unterstützung und Förde -
                    rung erhalten haben. Junge Menschen mit sozialen Benachteiligungen sind
                    solche mit defizitärer Sozialisation in Familie, Schule und Ausbildung,
                    Berufsleben und sonstiger Umwelt. Soziale Benachteiligungen liegen dann
                    vor, wenn die altersgemäße gesellschaftliche Integration nicht wenigstens
                    durchschnittlich gelungen ist. Hinweise dafür zeigen sich bei Hauptschü-
                    lerInnen ohne Schulabschluss, AusbildungsabbrecherInnen, Langzeitar-
                    beitslosen und bei durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen benachtei -
                    ligten Jugendlichen. Durch das gewählte Alter der zu betreuenden Jugend-
                    lichen mit mindestens 1 4 Jahren ist eine etwaige schriftliche Zustimmung
                    der Obsorgeberechtigten nicht nötig.


                    Erwachsene – P a t I n n e n
                    Mit der Diskussion um die Einbeziehung von Freiwilligenarbeit in die Sozi-
                    alarbeit, kommt es u.a. zu einer Mobilisierung der Ressourcen von (älteren)
                    Menschen zum Nutzen junger Menschen in ihrem Umfeld.
                    Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Partizipation im jeweiligen
                    Lebensumfeld sind die Eckpfeiler für jeden Menschen in einer humanitären
 soziale Kompetenz Gesellschaft.
          notwendig Soziale Kompetenz bedeutet – auch wenn verschiedene Einschränkungen
                    bestehen – soziale Kontakte mit anderen Menschen aufzunehmen, auf -
                    rechtzuerhalten, zu beenden oder neue Kontakte knüpfen zu können. Aus
                    diesen Gründen wird in der Diskussion über das freiwillige soziale
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                       37




Engagement inzwischen davon ausgegangen, dass dieses in jeder Phase des
Lebens persönliche Weiterentwicklung ermöglicht. Wohlbefinden kann
aufrechterhalten werden, auch wenn es z.B. altersbedingte Gründe gäbe,
sich schlecht zu fühlen.

Darüber hinaus wurden z.B. zum Thema Autonomie sehr klar die Wünsche
und Bedürfnisse von älteren Menschen erforscht und erklärt, wie diesen
Rechnung getragen werden soll.
Nach diesen Erkenntnissen fordern ältere Menschen einen partizipativen, den
Alterungsprozessen angepassten Umgang mit ihnen ein, in welchem sie ihr
Wissen und ihre Erfahrungen an andere Generationen weitergeben können.
Die folgende Auflistung beschreibt zusätzliche Aspekte, die in diesem Pro -
jekt umgesetzt werden:
•       Umgang der Generationen miteinander neu überdenken                  zusätzliche Aspekte
• die Welt aus der Sicht der Jugendlichen neu betrachten, Einblicke in
  deren Probleme bekommen
• Einblicke in funktionierende bzw. nicht funktionierende Sozialsysteme
  geben
• eigene Wertvorstellungen als Diskussionsgrundlage darlegen und
  erklären
•       Umgangsmöglichkeiten mit Krisen aufzeigen
• sich in Toleranz und Offenheit mit den Lebenswelten und Problemen der
  Jugendlichen auseinandersetzen
•       Sinn im sozialen Engagement finden, u.v.m.




4 . Ziele des Projektes

Im Projekt „gemma´s an!“ soll die Kompensation der sozialen Benachteili-
gung der Jugendlichen im Vordergrund stehen.
Viele Jugendliche sind den zunehmend schwierigeren Anforderungen des
Alltags in Bezug auf Arbeit, Schule und Behörden nicht gewachsen. Es
bedarf seitens der PatInnen kompetenter Unterstützung, die den Jugendli-
chen die Verantwortung für ihre Aufgaben nicht abnehmen soll, sondern
ihnen helfen, ihre Angelegenheiten in bestmöglicher Weise selbständig H i l f e z u r S e l b s t h i l f e
wahrzunehmen. Den betreuten jungen Menschen soll Hilfe zur Selbsthilfe angeboten werden - sie
sollen die Möglichkeit haben, mit den PatInnen schulische oder berufliche Perspektiven zu
erarbeiten und bei der Umsetzung dieser Ziele begleitet werden. Manchmal wird es nötig sein, diese
„Begleitung“ auch tatsächlich anzubieten, z.B. auf eine Behörde mitzuge hen, Ansprechpersonen
ausfindig zu machen oder Termine zu vereinbaren. In den meisten Fällen sollte es aber genügen, die
Jugendlichen anzuleiten, sich den alltäglichen Aufgaben selbst zu stellen. Das Projekt soll unter -
stützend wirken und den Jugendlichen ermöglichen, ihr Leben eigenstän dig in die Hand zu nehmen.

Die Jugendlichen durchleben in diesem Alter die Pubertät und sind mit
Veränderungen konfrontiert, denen sie nicht immer gewachsen sind. Viele
Eltern erkennen die Überforderung ihrer Kinder nicht und zeigen dafür
                         wenig Verständnis, sie versuchen, Konflikten aus dem Weg zu gehen
                         anstatt sich damit auseinanderzusetzen. Konstruktive Gespräche im
                         Elternhaus kommen dabei oft zu kurz.
                            Oftmals haben Jugendliche nicht gelernt, sich adäquat verbal auszu -
                           drücken oder finden keine/n Ansprechpartner/in. Folglich werden von
      Prävention gegen ihnen andere Konfliktlösungsmöglichkeiten gesucht, die sich mitunter in
    Sucht und Gewalt massivem Alkoholkonsum oder hoher Gewaltbereitschaft ausdrücken. Des -
                      halb haben Patenschaften auch das Ziel, den Jugendlichen die Möglichkeit
                       zu geben, eine neue Art der Konfliktkultur kennen zu lernen und prophy -
                     laktisch etwaigem Suchtverhalten und einer Delinquenz entgegenzuwirken.



                         5. Bedeutung des Projektes für die Zielgruppen
                         Bedeutung für die Jugendlichen
                         Jugendliche nehmen sehr deutlich die Herausforderungen der modernen
                         Gesellschaft, in der sie leben, wahr. Die Anstrengungen, die deren Meiste -
                         rung erfordert; die Leistungsbereitschaft, die abverlangt wird; die Beharr -
                         lichkeit und Ausdauer, ohne die man die zuversichtlich gesetzten Ziele
                         nicht erreichen kann. Gut vorbereitet auf künftige Entwicklungen fühlen
                         sich diejenigen, die über gute Voraussetzungen (Bildung, Unterstützung
                         durch die Eltern, klare Lebensplanung und Persönlichkeitsressourcen wie
                         Selbstvertrauen) verfügen.

     pesssimistische Entsprechend der Shell Studie 2002 finden wir pessimistische Einstellun-
      Einstellung der gen bei Jugendlichen, die schlechte soziale Bedingungen haben. Hierzu
        Jugendlichen gehören u.a. Jugendliche mit migrationsspezifischem Hintergrund.
                       Gerade in dieser Gruppe kann man beobachten, dass die Kinder und
                       Jugendlichen nicht ausreichend durch ihre Eltern unterstützt werden kön -
                       nen. Sei es, weil den Eltern das österreichische Schul - und Ausbildungssy-
                       stem nicht vertraut ist; sei es, weil die Eltern durch schulische Erfolge der
                       Kinder die Entfremdung von der eigenen Kultur befürchten.
                         So werden die Kinder und Jugendlichen oftmals nicht ausreichend geför -
                         dert und gefordert. Sie wissen aber um die Mannigfaltigkeit d er Möglich-
                         keiten der Bildung, zu denen sie theoretisch offenen Zugang haben. Sie ste -
                         hen dieser aber eher mit einer hilflosen Orientierungslosigkeit gegenüber.
       Orientierungs- Diesen Kindern und Jugendlichen müssen Hilfen zur Seite gestellt werden.
losigkeit überwinden Es werden Navigatoren benötigt, die durch den Dschungel der Möglichkei ten
                       begleiten und bei der Entwicklung persönlicher Werte unterstützend
                       wirken. Insbesondere MigrantInnengruppen, deren hohe Kompetenzen und
                       mitgebrachtes kulturelles Kapital kaum transferierbar sind, leben in zwei
                       Welten, die miteinander, auch durch den Integrationswillen der öster -
                       reichischen Gesellschaft, verknüpft werden könnten. Durch die so genann te
                       Transmigration - reflektiert leben auf transnationalen Ebenen - hätten
                       Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund die Chance,
                       Synergien und Ressourcen für sich nutzbar zu machen.


 Kinder und Jugendliche müssen heute das Handwerkszeug erhalten, um sich für die Zukunft rüsten
                                                   zu können. Das Handwerkszeug erhalten sie
einerseits über ihre Eltern, Schulen und Ausbildung, andererseits über
außerschulische Angebote, da der Trend zu verzeichnen ist, einen Großteil
der Erziehung in die Verantwortung von Institutionen zu geben. Die Arbeit
mit Jugendlichen in einem Patenschaftsmodell sollte also ein Ort sein, wo
die Entwicklung einer „subjektiven Zukunftskompetenz“, d.h. die Fähigkeit,
den Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein, egal wie diese aus -
sehen mag, gefördert wird.


Alle, die Interesse haben, mit Jugendlichen zu arbeiten, müssen den Ver- subjektive
such unternehmen, die „subjektive Zukunftskompetenz“ der Jugendlichen Zukunftskompetenz
weiter zu entwickeln und zu stärken. Und wer kann das besser als Er wachsene, die schon auf einen
reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen und die trotz der vielen Umbrüche doch hier und dort
Muster erkennen und den Jugendlichen bei der Bewältigung der Anforderungen an sie behilflich
sein können.
Aufgrund des partizipativen Ansatzes haben die jungen Menschen die Mög-
lichkeit, sich aktiv in die Kooperation bzw. Begleitung einzubringen. Sie erle-
ben diese Begegnungen als einen Ort, wo ihre Anliegen und Sorgen von Ande-
ren ernst genommen werden. Die Jugendlichen machen die Erfahrung, dass
es Sinn macht, sich für die eigene Sache zu engagieren und einzusetzen.


Bedeutung für die P a t I n n e n
Mit der Diskussion um die Nutzung der Ressourcen erwachsener Menschen
wird nicht nur die Autonomie, sondern die Frage um die Mitgestaltung und
das freiwillige Engagement der Erwachsenen zunehmend diskutiert. Der
Mobilisierung der Ressourcen von erwachsenen Menschen zum Nutzen
junger Menschen in ihrem Umfeld ist in Österreich bisher noch wenig bis
keine Beachtung geschenkt worden.

Erwachsene bzw. ältere Menschen fordern einen partizipativen, den Alte- soziale Integration
rungsprozessen angepassten Umgang mit ihnen ein, in welchem sie ihr Wissen und ihre Erfahrung
an andere Generationen weitergeben können. Das Projekt „gemma´s an!“ gewinnt seine Bedeutung
auch durch den Schwerpunkt der sozialen Integration, denn es ermöglicht nicht nur die
Kommunikation zwischen den Generationen, sondern auch jene zwischen unterschiedlichen
Kulturen.


Für Jugendliche und P a t I n n e n
                                                                           Förderung der
Das Projekt stärkt bei den PatInnen/Erwachsenen und bei den Jugendlichen
                                                                           Ressourcen der
ihre Potentiale: was sie mitbringen, betrachten wir nicht unter dem
                                                                           Jugendlichen
Blickwinkel des Defizitären, sondern das Augenmerk liegt beim Können.
Das Projekt legt den Schwerpunkt auf Partizipation, d.h. wir vermeiden
bewusst, Weltbilder „überzustülpen“. Wichtig ist uns, dass das Projekt die
sichtbaren und noch unsichtbaren Ressourcen der am Projekt beteiligten
Menschen bündelt und zu einem guten Miteinander führt und Jugendliche
in der Entwicklung ihres Selbstbewusstseins stärkt, um selbständig ihr
Leben zu meistern.
                  6 . Projektablauf

                  Organisation
                  Gezielte Öffentlichkeitsarbeit soll das Projekt präsentieren und Personen
                  dazu motivieren, sich als ehrenamtliche PatInnen bei den Einrichtungen zu
                  bewerben. Voraussetzung ist eine schriftliche Bewerbung, die einen
                  Lebenslauf und eine nähere Beschreibung der eigenen Motivation für die
                  Teilnahme an diesem Projekt beinhaltet.
 Auswahl der Die der Einrichtung geeignet erscheinenden BewerberInnen werden zu
    P a t I n n e n einem Einführungsabend eingeladen. Dort erhalten sie nähere Informatio nen
                     über das Projekt und die an sie gestellten Erwartungen. Der nächste Schrit t
                     ist ein ausführliches persönliches Gespräch mit hauptamtlichen
                     MitarbeiterInnen des Projekts.
              Es liegt in der Verantwortung der Kinder- und Jugendanwaltschaft auf die
              sozialen Kompetenzen und die psychische Belastbarkeit bei der Auswahl
              der zukünftigen PatInnen besonders zu achten.
 Einschulung Weiters wird die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses verlangt.
              Danach beginnt die Einschulung der PatInnen, die fünf Abende zu je ca. 3
              Stunden umfasst und folgende Themen beinhaltet: Kinder- und Jugend-
              psychologie, soziales Netz für junge Menschen, Gesprächstechniken, recht -
              liche Informationen und die Auseinandersetzung mit der eigenen Motiva -
              tion bzw. den eigenen Grenzen der Belastbarkeit.

                  Danach wird eine Entscheidung über die weitere Teilnahme am Projekt von
                  beiden Seiten getroffen. In Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Kinder-
                  und Jugendarbeit, den Regionalstellen des Amtes für Jugend und Familie,
                  dem Arbeitsmarktservice sowie weiteren jugendrelevanten Institutionen
                  werden die Jugendlichen über das Projekt informiert. Es wird darauf
                  geachtet, Doppelbetreuungen zu vermeiden (z. B. Bewährungshilfe, Intensiv-
                  betreuung). Offensichtliches massives Suchtverhalten bzw. psychiatrische
                  Auffälligkeiten stellen Ausschließungsgründe dar.


               Den Jugendlichen steht es frei, das Angebot einer Patenschaft anzuneh -
               men, es findet keine „Zwangsbeglückung“ statt. Ein grundsätzliches Inter -
 keine Zwangs- esse, mit Erwachsenen in Kontakt zu treten, soll vorhanden sein. Die
beglückung für Vermittlung von PatInnen und Jugendlichen erfolgt gezielt durch die
   Jugendliche Kinder- und Jugendanwaltschaft. Es wird darauf geachtet, dass die Res -
               sourcen und Potentiale der PatInnen auf die Interessen und Bedürfnisse
               des Jugendlichen abgestimmt werden.
               Die PatInnen sind zur Verschwiegenheit verpflichtet.
               Zwischen den PatInnen der Institution und den Jugendlichen wird eine
               mündliche Arbeitsvereinbarung getroffen. Nach Definition der individuel -
               len Problemsituation in der sich der Jugendliche befindet, wird ge meinsam
               ein lösungsorientierter, schriftlicher Arbeitsplan erstellt.
               Darüber hinaus erhalten alle PatInnen einen Nachweis der Kinder- und
               Jugendanwaltschaft, den er bei Bedarf den Behörden vorlegen kann. Der
               Name und persönliche Daten sind darin ersichtlich. Weiters wird der Name
               des betreuten Jugendlichen und einer Ansprechperson der Kinder- und
               Jugendanwaltschaft angeführt. Diese Bestätigung ist zeitlich befristet.
Damit soll den Behörden einerseits garantiert werden, dass die PatInnen
tatsächlich in Zusammenarbeit mit diesen Organisationen handeln und ande -
rerseits sollen damit eventuell notwenige Rückfragen erleichtert werden.

In regelmäßigen Abständen und bei aktuellen Anlässen findet ein gemein -
sames vertrauliches Gespräch zwischen dem/der Paten/in, dem Jugendli-
chen und einem/r Mitarbeiter/in des Projektes statt, das dem Informati-
onsaustausch dient und Raum gibt, eventuelle Probleme zwischen dem/der
Paten/in und dem Jugendlichen anzusprechen.
Ebenfalls regelmäßig treffen sich die PatInnen bei einer, von der Kinder-
und Jugendanwaltschaft organisierten Intervisionsgruppe zum gegenseiti-
gen Erfahrungsaustausch. Hierbei können je nach Themenvorschlägen der
PatInnen GastreferentInnen eingeladen werden, die über wichtige fachli-
che Gesichtspunkte von Problemstellungen im Jugendalter referieren, sich
der Diskussion mit den PatInnen stellen und gegebenenfalls mit Rat und
Tat zur Seite stehen.

Die Betreuung endet wünschenswerterweise mit einem Abschlussgespräch, A b s c h l u s s g e s p r ä c h
das sowohl eine kurze Reflexion der erarbeiteten Schritte beinhaltet, als auch die Verabschiedung
zwischen PatInnen und Jugendlichen ermöglichen soll.
Die Patenschaft ist beendet: u.a. wenn der Jugendliche durch sein Verhal -
ten zeigt, dass er an einer Fortführung der Patenschaft nicht mehr interes-
siert ist – in dem er zu den Treffen nicht mehr kommt, das Handy nicht
mehr abhebt, sich aus der Beziehung (unausgesprochen) zurückzieht.
Im besten Fall endet eine Betreuung mit dem guten Gefühl bei allen Betei-
ligten, dass sich die Situation des Jugendlichen stabilisiert hat, er sein
Leben im Griff hat und von nun an selbständig meistern kann – geplant ist in
jedem Fall ein Abschlussgespräch, um Resümee zu ziehen über den
gemeinsam gegangenen Weg und eventuell noch lose Folgekontakte zu ver -
einbaren, wenn dies von beiden Seiten gewünscht wird. Von Seiten der
PatInnen kann es auch unterschiedliche Gründe für eine vorzeitige Beendi-
gung geben: private Krisen, berufliche Überforderung, gesundheitliche Pro-
bleme – eine vorzeitige Verabschiedung sollte aber vor allem für den
Jugendlichen transparent ablaufen und begründet werden, um in ihm/ihr
nicht das Gefühl entstehen zu lassen, wieder einmal einfach verlassen und
enttäuscht worden zu sein.



Voraussetzung für PatInnen: polizeiliches Führungszeugnis, grundsätzlich
keine strikten Altersgrenzen, persönliche Reife, Toleranz gegenüber dem
anderen, Bereitschaft zum Dialog, Neugier und Offenheit, Lebenserfah -
rung, Reflexionsfähigkeit, Bereitschaft, die Lebenswelten und Probleme
der Jugendlichen zu verstehen, Minimum von ca. zwei bis fünf Stunden pro
Woche an Zeitressourcen, Bereitschaft, am regelmäßigen inhaltlichen Aus -
tausch der PatInnen und den angebotenen Fortbildungen teilzunehmen.


Ausbildung von PatInnen
Ein wesentlicher Bestandteil zur Qualitätssicherung des Projektes ist die
Ausbildung der PatInnen:
                   Einführung: Kinder- und Jugendpsychologie:
                   Vorgesehen ist ein Vortrag aus dem Bereich der Entwicklungspsycholo-
                   gie. Auf diesem Weg soll den TeilnehmerInnen die Möglichkeit gegeben
                   werden, Einblicke in die Thematik zu erfahren, um Jugendliche in dieser
                   schwierigen Lebensphase bestmöglich verstehen und unterstützen zu
                   können.
Lerninhalte der    Der Vortrag sollte folgende Fragestellungen behandeln:
    Ausbildung     Die Lebensphase der Pubertät und Adoleszenz
                   Was versteht man unter „sozial benachteiligten Jugendlichen“?
                   Mögliche Ursachen der sozialen Benachteiligung?
                   Welche Verhaltensweisen/Defizite sind erkennbar?
                   Welche Auswirkungen hat dies auf die Beziehung
                   von PatIn - Jugendlicher?
                   Jugendliche und ihr soziales Umfeld
                   Wie sieht die heutige Lebenswelt der Jugendlichen aus?
                   Wo halten sie sich gerne auf, welche „locations“ sind angesagt,
                   was ist „in“?
                   Wie viele von ihnen geben vor „cool“ zu sein, aber wie sieht es mit der
                   Selbstsicherheit tatsächlich aus?
                   Welche Ressourcen gibt es in Wien bei Problemen mit Gewalt, Alkohol,
                   Drogen,…?
                   …ein Versuch hinter die „Kulissen“ zu blicken
                   Gesprächstechniken - Kommunikation
                   Reflektieren eigener Gesprächstechniken.
                   Welche Gesprächskultur haben Jugendliche?
                   Mögliche Alternativen, die eingefahrene Muster durchbrechen helfen.
                   Eigene Grenzen & Belastbarkeit
                   Die Bereitschaft, eine reflexiv-kritische Distanz zum eigenen Handeln,
                   Erleben und Bewerten einzunehmen, wird als wichtige Voraussetzung
                   gesehen. Aus den Evaluationsberichten des „biffy“-Projektes geht hervor,
                   dass die Auseinandersetzung mit eigenen Erwartungen und Befürchtun -
                   gen sehr wesentlich und ausschlaggebend für den weiteren Verlauf der
                   Betreuung ist.
                   Mögliche Fragestellungen diesbezüglich sind:
                   Was motiviert mich an einer Betreuung eines Jugendlichen?
                   Worin sehe ich meine Aufgabe?
                   Wie sehe ich meine eigene Rolle?
                   Welche Funktionen haben Konflikte, wo könnten Konflikte auftreten?
                   Wie interpretiere ich Äußerungen und Rückmeldungen von Jugendli -
                   chen?
                   Wie groß ist meine Belastbarkeit? Kenne ich meine Grenzen? Kann ich
                   Überforderung rechtzeitig artikulieren?
                   Juristische Informationen und rechtliche Grundlagen
                   Wr. Jugendschutzgesetz, AußStrG, Aufsichtspflicht,
                   Fragen der Haftung, etc.
Kontaktaufnahme mit etablierten R e s s o u r c e n s y s t e m e n
für Jugendliche
Die Bedeutung des Projektes liegt auch im innovativen Ansatz der Zusam-
menarbeit von möglichen FördergeberInnen, verschiedenen Organisationen
und haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen.
Es entsteht eine partizipative Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Stel-
len, Hauptverantwortlichen und freiwilligen MitarbeiterInnen. Die Struktur
des Projektes baut bewusst den möglichen aufkeimenden kritischen Fragen
und Tendenzen von Arbeitsplatzverlust oder Kontrollfunktion der
freiwilligen MitarbeiterInnen vor.
Das Projekt ist eine Chance, konkrete Netzwerkarbeit auf „gleicher Augen-
höhe“ aller Beteiligten umzusetzen.



7. Entwicklungsperspektiven des Projektes

Wie bereits erwähnt, sollen durch dieses Projektmodell die sozialen Kom-
petenzen benachteiligter junger Menschen gestärkt werden.
Die PatInnen unterstützen die jungen Menschen dabei, eigene Bewälti- baldige Übergabe
gungsstrategien zur Lösung ihrer Probleme zu entwickeln. Dadurch können des Projektes
Risikofaktoren selbstschädigender Art reduziert bzw. vermieden und ande re Sichtweisen und
Ausblicke ermöglicht werden.
Langfristig wird das Ziel verfolgt, dass die Jugendlichen ein selbständiges
und selbstbestimmtes Leben führen können.
Um dieses Projekt am selben Standort Wien nach der Pilotphase weiterzu-
führen, ist es notwendig, dass die verantwortlichen Stellen den Erfolg die ser
Arbeit bestätigen und bereit sind, die notwendigen finanziellen Mittel dafür
zur Verfügung zu stellen.



8. Kurzstatistik

Momentan werden im Projekt 25 Jugendliche von 29 PatInnen betreut. Da
die Nachfrage sehr groß ist, werden derzeit wieder ca 10 PatInnen ausge-
bildet.
                       KINDERRECHTE
                       IN DIE BUNDESVERFASSUNG

                       Bereits im Jahr 2004 hat die Ständige Konferenz der Österreichischen Kin-
                       der- und JugendanwältInnen anlässlich des Österreich – Konventes ein
                       Grundsatzpapier vorgelegt, das die wichtigsten Punkte zur Übernahme der
                       Kinderrechtskonvention in die Bundesverfassung beinhaltet.

                       Nun hat die National Coalition (NC) – Das Netzwerk Kinderrechte Öster-
                       reich - das damalige Papier auf den aktuellsten Stand gebracht und als
                       Grundsatzpapier beschlossen.

                         Auch die Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs sind ja Mitglied
                        des Netzwerks Kinderrechte und vertreten somit die Inhalte dieses Papieres:

                                                      NETZWERK KINDERRECHTE ÖSTERREICH
                                                            N A T I O N A L C O A L I T I O N (NC)

                                                             www.kinderhaben rechte.at




                       Positionspapier (2007): Kinderrechte in die Verfassung!
                       Grundsätzliche Überlegungen zum Thema

UN-Konvention (KRK) Kinderrechte und Grundrechte
    über die Rechte Die UNO-Konvention über die Rechte des Kindes (KRK) aus dem Jahr 1989
         des Kindes ist der zentrale internationale Menschenrechtsvertrag, der spezifische
                    Grundversorgungs-, Schutz- und Partizipationsrechte für Kinder und
                    Jugendliche (bis 1 8 Jahre) festlegt. Diese Kinderrechtskonvention wurde
                    von Österreich im Jahr 1992 ratifiziert, allerdings nicht im Verfassungs -
                    rang und nur mit einem so genannten Erfüllungsvorbehalt versehen, der
                    eine unmittelbare Anwendbarkeit der Konvention vor Gerichten und Behör -
                    den verhindert.


                       Evident ist, dass Kinder/Jugendliche im Vergleich zu Erwachsenen einen
                       erhöhten Anspruch auf Schutz durch die Verfassung besitzen sollen. Grund-
                       rechte, die explizit für alle Menschen in der Verfassung garantiert werden,
                       sind nicht „automatisch“ auch für Kinder/Jugendliche, die in unterschied-
                       lichsten Abhängigkeitsverhältnissen leben, wirksam. Und                Kin-
                       der/Jugendliche unterliegen bis zur Volljährigkeit generell der Obsorge
                       ihrer gesetzlichen Vertreter und verfügen daher nur eingeschränkt über
                       rechtliche Autonomie. Laut KRK gelten Kinder/Jugendliche aber grundsätz-
                       lich als gleichwertige Menschen mit demselben Anspruch auf Beachtung
                       ihrer Menschenwürde wie Erwachsene und sind als eigenständige Träger
                       von Rechten anerkannt. Die sich aus dieser Situation oftmals ergebende
Widersprüchlichkeit zwischen verfassungsmäßig garantierten Rechten für
alle Menschen und für Kinder/Jugendliche in der Praxis soll durch eigen-
ständige Kinderrechte in der Verfassung gelöst werden.
Eine entsprechende Verankerung in der Verfassung hätte zur Folge, dass
kinderrechtswidrige Rechtsakte in letzter Instanz beim Verfassungsge -
richtshof als Hüter der Verfassung angefochten werden könnten. Außer -
dem bietet sie die Grundlage einer grundsätzlichen „Kinderverträglichkeits-
prüfung“, die vorab verhindern soll, dass kinderrechtswidrige Gesetze und
Verordnungen erlassen werden. Schließlich käme den Prinzipien der KRK
als allgemeine Leitlinie und Auslegungsmaxime für den gesamten Bereich
der Gesetzgebung und Vollziehung – als Basis eines Kinderrechte-Main-
streamings, das dem Querschnittcharakter der Materie Rechnung trägt -
eine nunmehr zentrale Bedeutung zu. Die Verankerung in der Verfassung
löst nicht schlagartig alle Probleme, setzt aber einen Meilenstein für einen
verbesserten Rechtsschutz junger Menschen in Österreich.

Die hier vorgeschlagenen Artikel orientieren sich an der KRK, berücksich -
tigen aber auch die relevanten Bestimmungen der Charta der Grundrechte
der Europäischen Union vom Dezember 2000, sowie die Vorschläge der
BIM-Studie von 1 998 zur „Verfassungsrechtlichen Verankerung der UN-
Kinderrechtskonvention in Österreich“ (im Auftrag der Kinder- und Jugend-
anwaltschaften und des Bundesministeriums für Umwelt, Jugend und
Familie) sowie die Ergebnisse des Österreich-Konvents 2005.


                          Das Netzwerk Kinderrechte Österreich
                                         fordert
         die Verankerung der Kinderrechte in der österreichischen Bundesverfassun g
                       auf Basis der UNO -Kinderrechtskonvention!

Kerninhalte für eine Verankerung von Kinderrechten                             Recht auf...
in der Verfassung

1. Jedes/er Kind/Jugendliche hat das Recht auf Anerkennung als Rechts- ... persönliche
   persönlichkeit, das Recht auf Schutz der persönlichen Identität sowie Identität das
   Recht auf den Schutz der Privatsphäre. Jedes/er Kind/Jugendliche hat das Recht auf
   Schutz vor jedweder Form von Diskriminierung. Kinder/Jugendliche haben das
   Recht, die verfassungsgesetzlich gewähr-leisteten Rechte selbständig auszuüben und
   selbst oder im Wege angemessener Vertretung durch ihre Eltern, andere gesetzliche
   Vertreter und geeignete Einrichtungen durchzusetzen.

2. Das Wohl des Kindes/Jugendlichen muss bei allen sie betreffenden --- Wohl des Kindes
   Maßnahmen seitens Gesetzgebungsorganen, Verwaltungsbehörden, Gerichten oder öffentlichen
   und privaten Einrichtungen der sozialen Fürsorge eine vorrangige Bedeutung haben.

3. Jedes/er Kind/Jugendliche hat das Recht auf Partizipation in allen sie ... Partizipation
   betreffenden Angelegenheiten, einschließlich des Rechts sich zu infor mieren, die Meinung
   frei zu äußern und diese dem Alter und der Entwicklung angemessen berücksichtigt zu
   finden. Der Staat hat Partizipationsmöglichkeiten für Kinder/Jugendliche zu fördern und
   den Zugang
                          zu entsprechenden Informations- und Beratungseinrichtungen zu
                          gewährleisten.
     ... Sicherheit, 4. Jedes/er Kind/Jugendliche hat Anspruch auf Schutz und Fürsorge
Gesundheit, Bildung sowie bestmögliche körperliche, geistige, seelische, soziale und sittliche
                          Entwicklung und Entfaltung. Dazu gehören: Recht auf angemessenen
                          Lebensstandard, Recht auf soziale Sicherheit, Gesundheit, Bildung
                          und Recht auf Freizeit und Spiel. Jedes/er Kind/Jugendliche mit Behin-
                          derung hat das Recht auf aktive und integrierte Teilnahme am Leben
                          der Gemeinschaft, sowie Anspruch auf Bildung, Gesundheit und Rehabi -
                          litation, Vorbereitung auf das Berufsleben und auf Erholung.
      ... Schutz und 5. Verantwortlich für Obsorge und Entwicklung der Kinder/Jugendlichen
Beistand des Staates sind die Eltern in gemeinsamer Weise oder andere gesetzliche Vertreter,
                         entsprechend den sich entwickelnden Fähigkeiten von Kin-
                         dern/Jugendlichen und der Achtung ihres Wohles. Der Staat hat die
                         Eltern oder andere gesetzliche Vertreter bei der Wahrung dieser Verant -
                         wortung angemessen zu unterstützen. Jedes/er Kind/Jugendlicher hat
                         das Recht auf familiäre und soziale Beziehungen und hat Anspruch
                         auf regelmäßige persönliche Beziehungen zu beiden Elternteilen, es sei
                         denn, dies steht dem Wohl des Kindes/Jugendlichen entgegen. Kin-
                         der/Jugendliche, die dauernd oder vorübergehend aus ihrer familiären
                         Umgebung herausgelöst sind, haben Anspruch auf besonderen Schutz
                         und Beistand des Staates.

      ... gewaltfreie 6. Jedes/er Kind/Jugendliche hat das Recht auf gewaltfreie Erziehung.
           Erziehung Körperliche Bestrafung, die Zufügung seelischen Leides, sexuelle Gewalt
                           und jedwede andere Form von Misshandlungen sind verboten. Jedes/er
                           Kind/Jugendliche hat das Recht auf Schutz vor wirtschaftlicher und
                           sexueller Ausbeutung, einschließlich vor Kinderarbeit, Kinderprostitu-
           ... Schutz  tion, Kinderpornografie und Kinderhandel. Kinder/Jugendliche als Opfer
vor wirtschaftlicher   von Gewalt oder Ausbeutung haben ein Recht auf Rehabilitation. Alle
        Ausbeutung begleiteten oder unbegleiteten Kinder/Jugendlichen als Flüchtlinge haben
                      ein Recht auf Schutz und angemessene Hilfe. Alle sie betreffenden
                      Verfahren sind fair und rasch unter der Berücksichtigung ihrer beson-
                      deren Schutzbedürftigkeit und individuellen Bedürfnisse zu gestalten.
... m e n s c h w ü r d i g e r 7. Gesetzgebung, Gericht und Vollziehung haben Sorge zu tragen, dass Ver-
      F r e i h e i t s e n t z u g fahren gegen Kinder/Jugendliche, die einer Verletzung der Strafgesetze
                                       verdächtigt werden, in einer Weise geführt werden, die ihre Würde ach-
                                       ten und ihr Alter und ihre Entwicklung besonders berücksichtigen.
                                       Jedes/er Kind/Jugendliche, die in ihrer persönlichen Freiheit
                                       beschränkt sind, haben das Recht auf menschliche und besonders scho-
                                       nende Behandlung.


                          Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs – Österreichische Bundesjugendvertretung –
                          Österreichisches Komitee für UNICEF – Österreichische Kinderfreunde/Rote Falken – SOS Kin-
                          derdorf Österreich – Kinderbüro Steiermark – Kath. Jungschar Österreich – Pro Juventute –
                          Akzente Salzburg – Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs – Kuratorium Kinderstimme –
                          Rat auf Draht – Welt der Kinder – Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (BIM) – asy-
                          lkoordination Österreich – FICE Austria/Kinderrechtebüro Österreich –
                          Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (Stand 2007).
                          Kontakt: office@kinderhabenrechte.at - www.kinderhabenrechte.at
KINDER HABEN RECHTE – ODER?

Eine wichtige Aufgabe von uns ist es die Kinderrechte auch bei Kindern „ T r a u m f ä n g e r “
bekannt zu machen. Viele Kinder und insbesondere sehr junge Kinder wis sen kaum oder zu
wenig über ihre Rechte Bescheid. Um dieses Defizit etwas auszugleichen nahmen wir mit
der Gruppe „Traumfänger“ die uns vorge schlagen hatte, ihr pädagogisches Kinder und
Jugendmusiktheater zum Thema Kinderrechte auch in Wien aufzuführen, Kontakt auf.
Kindgerecht, unterhaltsam und liebevoll werden Kinder über ihre Rechte informiert.


Das Stück handelt von dem Mädchen Lena die mit
ihren Eltern in eine andere Stadt zieht. Lena hat aus
ihrer ehemaligen Schule einen Kinderrechte Koffer
mitgenommen. Ihre Mitschüler in ihrer neuen Schule
sind neugierig welches Geheimnis diese Lena
umgibt.
Als es zu Streitigkeiten zwischen ihren MitschülerIn-
nen kommt greift Lena ein. Sie lässt es nicht zu, dass
auf einem Mitschüler herumgetrampelt wird.
So werden auch die anderen Kinder in ihrer Klasse
neugierig was es mit den Kinderrechten so auf sich
hat.


Rechte wie „Recht auf Schutz vor Gewalt“, Recht auf Spiel und Freizeit, Recht auf Wahrung der
Privatsphäre und anderen Rechte werden den Kindern so nahe gebracht.

Aufgrund unserer finanziellen Gegebenheiten war es uns nur möglich eine Aufführung zu
finanzieren – mit dem Ziel – andere Institutionen zu animieren das Musical für „ihre“ Kinder zu
buchen.


  Erfreulicherweise haben die Musikschulen Wien Interesse gezeigt dieses Kinderrechte Musical für
ihre Schulen zu buchen und damit ihren Beitrag zu leisten, Kinderrechte
den Kindern nahe zu bringen.

Als kleines Präsent hat jedes Kind Kinderrechte Postkarten erhalten. Sollte
Interesse an weiteren Aufführungen bestehen – die Homepage der Gruppe
„Traumfänger“: www.traumfaenger.at
                     BUNDESJUGENDWOHLFAHRTSGESETZ

                     Das Bundesjugendwohlfahrtsgesetz wurde zuletzt 1989 umfassender
                     novelliert.
veraltetes Bundes-   Inzwischen sind also bereits 18 Jahre ins Land gezogen und das Gesetz ist
jugendwohlfahrts-    damit volljährig geworden – Zeit, sich wieder einmal genauer mit diesem
            gesetz   Gesetz zu beschäftigen.

                     Die seit dem Jahr 1989 stattgefundenen Veränderungen im gesellschaftli -
                     chen Bereich zeigen weitreichende Auswirkungen auf Kinder und Jugend-
                     liche.
                     Diese geänderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erfordern eine
                     dementsprechende Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingun -
                     gen, um in Zukunft effektive und sinnvolle Arbeit im Bereich der Jugend -
                     wohlfahrt (JWF) sicherzustellen und so dem Wohl von Kindern und
                     Jugendlichen gerecht werden zu können.
                     Umfassende Adaptierungen wurden bereits von mehreren Institutionen
                     angedacht.

                     Es existiert bereits eine grundsätzliche Überarbeitung und Modernisierung
                     des Bundesjugendwohlfahrtsgesetzes mit dem Titel „Chancengesetz“ oder
                     „Kinderrechtegesetz“.
    Überarbeitung    Wir möchten hier nur einige Bereiche anführen die im Rahmen einer voll -
        notwendig    ständigen Überarbeitung des Bundesjugendwohlfahrtsgesetzes diskutiert
                     werden sollten:
                      Rechtsanspruch auf Leistungen der JWF – dieser Rechtsanspruch sollte
                       bereits durch eine andere Namensgebung des Gesetzes erkennbar sein.
                       Kinder und Jugendliche sollen das Recht haben sich an die JWF zu wen-
                       den und dort die bestmöglichste Beratung und falls notwendig die best-
                       möglichste Intervention erhalten.
                       Das Gesetz sollte auch so geschrieben werden, dass es für Kin-
                       der/Jugendliche gut lesbar ist und sie sich über ihre Rechte auch infor -
                       mieren können.
                       Wenn Entscheidungen getroffen werden sollen diese auch überprüfbar
                       gestaltet werden.
                       Momentan ist der Ermessensspielraum nicht einheitlich gestaltet und ist
                       nicht immer am Kinder-, Jugendlichen- bzw. jungen Erwachsenenwohl
                       orientiert.
                      Präzisierung bzw. Verstärkung des gesetzlichen Präventionsauftrages
                       der JWF
                      Begrifflichkeiten sind zu überdenken – kindgerechte Durchführungsbe-
                       stimmungen
                       Das Gesetz ist neu und kinderfreundlich zu überarbeiten (z.B. Wörter
                       wie: Jugendwohlfahrtsträger, Fremdunterbringung, Pflegeplätze, Über-
                       nahme von Minderjährigen u.a.)
                      Ausbau der Partizipationsrechte von Kindern und Jugendlichen
                      Standardisierte und vergleichbare Evaluationsprogramme zu Leistungen
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                       49




  und Budgetrahmen der einzelnen Bundesländer
 Parteienrechte für Kinder/Jugendliche, externe Vertrauenspersonen für
  alle Kinder die „fremduntergebracht“ werden (sich in „voller Erziehung“
  befinden)
  Auswahl bzw. Ablehnung einer Einrichtung, Recht auf Kontinuität bei
  der Betreuung
 Unterstützung von jungen Erwachsenen durch die JWF


u.v.m.
                                                                          gleiche Standards
Österreichweit sollen gleiche Standards, die bereits unter der Einbezie -
hung von Jugendlichen erarbeitet wurden, für den Bereich der „Fremdun - ö s t e r r r e i c h w e i t
terbringung“ gelten (Quality4children).                                   notwendig
Viel Vorarbeit wurde bereits von den unterschiedlichsten Institutionen
geleistet – wie ein neu zu gestaltendes Gesetz aussehen könnte.

Was fehlt ist der Auftrag eine ExpertInnengruppe einzusetzen – natürlich
unter der Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen.




KINDERBEISTAND

Aktuelle Situation:

Das Projekt Kinderbeistand – wir berichteten darüber bereits in früheren
Jahresberichten – wird in Wien sehr gut angenommen.

Nach einem anfänglich zögerlichen Start und der damit verbundenen Ver-
längerung der Projektphase bis Juni 2008, ist unser Kontingent für Wien
bereits ausgeschöpft.

Viele RichterInnen sehen, wie wir auch, die Notwendigkeit Kindern in zivil-
rechtlichen Verfahren eine Vertrauensperson zur Seite zu stellen.

Das Pilotprojekt wird durch eine vierzehntägig stattfindende Supervision
von Herrn Doz. Dr. Figdor fachlich begleitet.

Ohne der Evaluierung vorgreifen zu wollen, wird in der Supervision deut - Position des Kindes
lich, wie wichtig es ist, die Position der Kinder in den Verfahren zu stärken. stärken bei
                                                                                 Trennung/Scheidung
Etwas problematisch ist die derzeitige rechtliche Verankerung, da der Kin -
derbeistand als Kollisionskurator bestellt wird.


So gab es bereits Rekurse, wobei die Instanz dem Rekurs nicht stattgege-
ben hat, da es ja nur gut für die betroffenen Kinder ist, eine Begleitung in
dieser schwierigen Phase zu haben.
                 In Wien bemühen wir uns nun um die Ausweitung der Kontingentplätze, da
                 es schade ist, Kindern bis zum Frühsommer nächsten Jahres keinen Kin -
                 derbeistand mehr anbieten zu können. In einem Fall wurde nur dem jünge -
                 ren Kind ein Kinderbeistand zur Seite gestellt – da sich der ältere Bruder
                 benachteiligt fühlte, stellte er einen Antrag auch einen Kinderbeistand zu
                 bekommen.




                 KINDERBEISTAND – DIE ERSTE HILFE AUS
                 EINER VERFAHRENEN SITUATION
                 Am Beispiel der Familie Z.

                 Mag. Bettina Kern
                 Beratungsstelle T A M A R




 Praxisbeispiel In der Beratungsstelle TAMAR – für sexuell missbrauchte Kinder, Mädchen
Kinderbeistand und Frauen – arbeiten wir immer wieder mit Familien, in denen - nach
                Scheidung oder Trennung der Mutter vom leiblichen Vater bzw. Stiefvater
                - die Kinder von sexuellen Missbrauchshandlungen durch diesen berichten.
                Daraus ergibt sich oftmals die schwierige Situation, dass die betreffende
                Mutter die Kinder vor weiteren Besuchskontakten schützen möchte. Häufig
                wird ein Strafverfahren eingeleitet und im Pflegschaftsverfahren um die
                Aussetzung des Besuchsrechtes gestritten.


                 Beim Pflegschaftsgericht äußert die Mutter dann, dass sie es nicht verant-
                 worten kann, die Kinder dem Vater für Besuchskontakte zu überlassen, und
                 dass dies auch die Angst der Kinder sei. Der Vater hingegen bestreitet die
                 Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und äußert die Vermutung, dass die
                 Kinder von der Mutter beeinflusst werden.


                 Die Kinder sollten gleichzeitig möglichst geschont, herausgehalten, also
                 nicht mehrmals von Ämtern, Behörden und Gerichten befragt werden. Dies
                 ergibt eine schwierige Situation einerseits für die betroffene Familie,
                 andererseits für das Strafgericht, das den Auftrag hat, herauszufinden,
                 was genau geschehen ist - aber auch für das Pflegschaftsgericht, das ent-
                 scheiden soll, ob die Einschränkung der Besuchskontakte die väterlichen
                 Rechte zu Unrecht beschneidet, und ob Kontakte mit dem Vater bzw. Stief -
                 vater den Kindern mehr schaden als helfen werden.



                 Mit dem Initiieren des „Kinderbeistandes“ wurde eine Möglichkeit geschaf-
                 fen, eine neutrale Person für die Belange der Kinder bereitzustellen, die
                 nicht entscheidet was stattgefunden hat oder was die Wahrheit ist. Dieser
                 hat vielmehr die Aufgabe, eine Vertrauensbasis aufzubauen, die es den Kin -
                 dern ermöglicht, sich frei und unbefangen über ihre ganz eigenen Wünsche,
Befürchtungen und ihren Willen bezüglich eines Besuchskontaktes mit
dem Vater zu äußern. Diese Wünsche werden vom Kinderbeistand an das
Gericht herangetragen.
Beide Elternteile müssen der Bestellung des Beistandes uneingeschränkt
zustimmen, sich mit dem möglichen Ergebnis einverstanden zeigen, um
diesen überhaupt einsetzen zu können.

Am Beispiel der Familie Z. 1 möchte ich nun beschreiben, wie der Kinder -
beistand neue Wege für schwierige Pflegschaftsverfahren aus einer
langjährigen, verfahrenen Situation ermöglicht.

Seit vier Jahren bereits werden Frau Z. und ihre Tochter Anna (8 Jahre) in
unserer Beratungsstelle TAMAR in unterschiedlichen Kontexten unter-
stützt und beraten (Prozessbegleitung und anschließende Psychotherapie).

Nach der Trennung und der darauf folgenden Scheidung der Eltern erzähl te
Anna über den sexuellen Missbrauch durch den leiblichen Vater. Ein
Strafverfahren wurde eingeleitet und nach Monaten eingestellt - der Ver-
dacht, dass es wirklich zu sexuellen Übergriffen und Drohungen gekommen
sei, blieb jedoch bestehen.


Frau Z. fürchtete nach den Erzählungen der Tochter um deren Wohl bei den
vom Vater beantragten Besuchskontakten und wehrte diese durchgehend
ab. Beim Pflegschaftsgericht wurden die Beschlüsse aufgeschoben, solange
Anna in Therapie sei, was für Anna, jedoch nicht für die anderen Betei-
ligten eine Verschnaufpause brachte. Wenn ein Beschluss „drohte“, fingen
beide Elternteil an, stärker zu kämpfen und sich gegenseitig zu beschuldi-
gen.

Beide Elternteile konnten aufgrund der erhobenen Vorwürfe nicht mehr
miteinander kommunizieren, was die Situation zusätzlich erschwerte. Die
Sozialarbeiterin des Amtes für Jugend und Familie versuchte durch mehr -
malige Gespräche mit beiden Elternteilen einen Weg zu finden, was eben -
falls kläglich scheiterte und eher die Fronten verhärtete.



Es wurde mit Gesprächen in der KJA begonnen, an denen die Eltern erst-
mals nach langer Zeit wieder an einem Tisch miteinander saß en und vor-
sichtige, aber auch vorwurfsvolle Annäherungen in ihrer Kommunikation
machten. Aber auch der neu gewonnene, für beide Elternteile „neutrale Ort“
in der KJA, bei dem ein gangbarer Weg im Sinne des Kindes gefunden wer -
den sollte, schien die Neutralität und Konstruktivität zu verlieren: Frau Z.
sah ihre Tochter weiterhin durch den sexuellen Missbrauch bei möglichen
Besuchskontakten durch den Vater bedroht. Herr Z. bestand ebenfalls wei -
terhin darauf, dass alles eine Verleumdung war und wollte sein Kind sehen.
Anna wurde mit dem Auftrag des Gerichtes auch von der Mutter zu ihrer
Meinung und ihren Gefühlen dem Vater gegenüber befragt. Die Mutter gab
an, dass Anna Angst vor ihm habe, was natürlich neuerlich zum Vorwurf
der Beeinflussung durch die Mutter führte.
                           Das Projekt Kinderbeistand wurde initiiert und auch beiden Elternteilen
                           vorgestellt. Sie waren jedoch sehr skeptisch, ob dies eine Lösung bringen
                           könnte. In einer folgenden Gesprächsrunde stellte sich die Fachfrau vor,
                           die – wenn beide Elternteile ihre Zustimmung geben – mit Anna reden wür-
                           de, was diese ganz persönlich gegenüber einer neutralen Person über das
                           Thema Besuchskontakte zum Vater sagen würden. Nach einigen Fragen der
                           Eltern gaben beide uneingeschränkt ihre Zusti mmung.

                           Nach einigen Monaten ließ Anna durch den Kinderbeistand dem Gericht
                           ausrichten, dass sie den Vater derzeit nicht sehen möchte.
                           Das Pflegschaftsgericht, mittlerweile mit der vierten Richterin, fasste erst-
                           mals seit Jahren einen Beschluss: Annas Wunsch solle respektiert werden,
                           sonst käme es zu einer neuerlichen Traumatisierung. Der Vater akzeptierte
                           den Beschluss des Gerichtes.

                           Aus unserer Sicht ist der Kinderbeistand in seiner fachlichen Funktion als
                           „neutraler Übermittler des Kindeswunsches“ eine wertvolle Unterstützung
                           auch in unserer Arbeit. Natürlich werden auch wir immer wieder von
                           Gerichten zu den Wünschen, Bedürfnissen und Ängsten der Kinder befragt,
                           die bei uns in Psychotherapie oder Prozessbegleitung sind. Wir werden
                           jedoch in unserer Funktion als „parteiliche Opferschutzeinrichtung“ oft-
                           mals nicht als „neutrale Stelle“ gesehen. Auch die üblichen Begutachtungen
                           bei Gericht werden von den betroffenen Parteien oft angefochten und
                           führen zu einer neuerlichen Verhärtung der Pflegschaftsverfahren. Im Ini-
                           tiieren eines Kinderbeistandes entsteht nun eine neue Chance, Kindern auf
                           psychologisch fundierte Art und Weise eine Möglichkeit zu geben, sich in
                           schonender und kindgerechter Umgebung zu äußern und erfahren mögli-
                           cher Weise erstmals, dass ihr Wille auch vom Gericht ernst genommen
                           wird.




                            KONSENSUSKONFERENZ ZU
                           ALTERSFESTSTELLUNG BEI umF

u n b e g l e i t e t e m i n d e r - Bereits im Jahr 2000 fand zum Thema Altersfestellungen und umF (unbe-
j ä h r i g e F l ü c h t l i n g e gleitete minderjährige Flüchtlinge) die erste Konsensuskonferenz aufgrund
                           einer Initiative des Vereines Kinderstimme statt.

                           Anlass dieser Konferenz war damals ein Gutachter, der Altersfeststellun -
                           gen durchführte und dazu mehr als problematische Methoden verwendete.
                           Der Output der damaligen hochkarätig besetzten (Kinderpsychiater,
                           Anthropologen, Rechtswissenschafter) Konferenz war, dass es eigentlich
                           keine wirklich tauglichen Instrumentarien gibt, die eine exakte Altersfest -
                           stellung gewährleisten.
Inzwischen sind sieben Jahre vergangen. Da auch weiterhin Altersfeststel-
lungen Thema sind, erachteten wir es als wichtig und notwendig das The -
ma noch einmal aufzugreifen.

Die Konsensuskonferenz wurde von den Kinder- und Jugendanwaltschaf-
ten Österreichs in Wien gemeinsam mit der Kinde rstimme organisiert und
stand unter der Patronanz von UNHCR und UNICEF.

Das Interesse an der Veranstaltung war sehr groß, was wiederum zeigt,
dass dieses Thema auch weiterhin „unter den Nägeln“ brennt.
Die TeilnehmerInnen kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen wie
Ministerien, FlüchtlingshelferInnen, Polizei, etc.

Hier kurz einige Auszüge aus den jeweiligen Referaten:

ReferentInnen:

Mag. Martha M i k l i n von UNICEF – Kinderrechte und Altersfeststellung

Frau Mag. Miklin beruft sich auf die Kinderrechtekonvention die auf vier
fundamentalen Prinzipien basiert.
Recht des Kindes vor jeder Form der Diskriminierung, das beste Interesse
des Kindeswohls, das in jeder Angelegenheit, die das Kind betrifft Priorität Recht auf
hat.                                                                         bestmöglichste
Das Recht des Kindes auf Leben bzw. Überleben und bestmögliche Ent -         Entwicklung
wicklung und als vierte Säule das Recht auf freie Meinungsäußerung. Vor
allem was Asyl suchende Kinder- und Jugendliche bzw. Kinderflüchtlinge
betrifft, sind diese vier Prinzipien ganz fundamental und in jedem
Verfahren, in jedem Prozess müssen sie richtungsgebend sein.


Dr. Christoph P i n t e r - UNHCR – UNHCR Position zu Altersfeststellung

Für das UN-Flüchtlingshochkommissariat sind asylsuchende unbegleitete
Kinder/Jugendliche schon seit Jahrzehnten einer der Tätigkeitsschwer -
punkte – und zwar nicht nur in Österreich oder Europa, sondern global
betrachtet.
                                                                          Altersschätzung
Vor diesem Hintergrund wurden vor etwas mehr als zehn Jahren - im muss menschen-
Februar 1 997 - „Richtlinien über allgemeine Grundsätze und Verfahren zur würdig sein
Behandlung asylsuchender Minderjähriger“ erlassen, die neben vielen
anderen Fragestellungen auch das Thema „Einschät zung des Alters“
behandeln.
Diesbezüglich enthalten diese Richtlinien folgende drei Grundsätze:
 Bei der Einschätzung des Alters ist nicht nur das körperliche Erschei -
  nungsbild des Kindes heranzuziehen, sondern auch seine psychische
  Reife.
 Die angewandten wissenschaftlichen Methoden zur Altersfeststellung
  müssen menschenwürdig und verlässlich sein, es müssen also auch
  gewisse Genauigkeitstoleranzen zulässig sein.
                     -Im Zweifelsfall sollte zugunsten des Kindes entschieden werde n, wenn
                       das genaue Alter ungewiss ist.
                     Weiters wies Herr Dr. Pinter auf auch auf die „Allgemeinen Bemerkungen
                     Nr. 6“ des UN-Ausschusses hin, die besagen, dass die Untersuchung in
                     einer Art und Weise durchzuführen sei, die wissenschaftlich fundiert,
                     sicher, kindgerecht, vorurteilslos und dem Geschlecht des Kindes ange -
                     messen ist, jedes Risiko für die körperliche und seelische Unversehrtheit
                     des Kindes meidet, die Würde des Menschen gebührend achtet, und, im Fall
                     verbleibender Zweifel, zugunsten des Betreffenden entscheidet, dass, wann
                     immer die Möglichkeit besteht, es sich um ein Kind handeln könnte, er oder
                     sie als solches zu behandeln ist.

                     Herr Dr. Pinter wünschte sich, dass in der österreichischen Praxis auch
                     diese Grundsätze Berücksichtigung finden.

                     Univ. Ass. Mag. Dr. Reinhard K l a u s h o f e r - Menschenrechtskommission
                     Sbg/OÖ – Altersfeststellung und Fremdenrecht

                     Herr Mag. Dr. Klaushofer machte den Vorschlag, dass nicht die Frage
                     gestellt werden soll wie alt jemand sei, sondern ob auszuschließen ist, dass
                     sie/er so und so viele Jahre alt ist.
                     Es sollte eine Feststellung duch ein interdisziplinäres Team erfolgen beste-
                     hend aus Physiologen, Psychologen, Pädagogen und SozialarbeiterInnen. Es
                     sollte die Begutachtungsdauer erheblich verändert werden, es soll nicht
                     bloß zu punktuellen Gutachten kommen.
                     In der Praxis ist beobachtbar, dass fünfminütige Gutachten über die
                     Altersfeststellung erstellt werden, dass ließe sich belegen über entspre -
                     chende Aktenbestandteile.
Aufnahme in eine Es sollte eine Aufnahme in einer Clearingsstelle erfolgen wo man in einem
   Clearingstelle strukturierten Verfahren, sowohl aus dem fremdenrechtlichen, wie auch aus
                     dem asylrechtlichen Bereich heraus die Jugendlichen oder das festzuellende
                     Alter dorthin zuweisen kann und über eine gewisse Dauer beurtei len soll,
                     wie alt eine Person tatsächlich ist.
                     Im Zweifel ist jedoch „für den Angeklagten“ zu entscheiden, wenn sich nicht
                     eindeutig ausschließen lässt, dass jemand jugendlich ist.
                     Es wird auch auf ein VvGh – Erkenntnis hingewiesen, das heißt, auch die
                     verwaltungsgerichtliche Judikatur ist der Meinung, dass hier das Kindes -
                     wohl absoluten Vorrang hat und diesen Grundsatz noch einmal betont.

                     Mag. Georg B ü r s t m a y r Netzwerkwerk AsylAnwalt – Altersfeststellung im
                     Asylverfahren

                     Es entspräche nicht dem Gleichheitsgesetz, dass unbegleitete minder -
                     jährige Asylwerber im Fremdenrecht im Alter zwischen 16 und 18 Jahren
                     zwar asylrechtlich, aber nicht fremdenrechtlich vom Jugendwohlfahrtsträger
                     gesetzlich zu vertreten sind – trotz der mit dem Fremdenrechtspaket 2005
                     eingetretenen Verzahnung.
 Nach einer Definition wer nun unbegleiteter minderjähriger Asylwerber sei, wird auf die in der
                                                  Praxis relevanteste Gruppe, Asylwerber, die
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                  55




behaupten unter 18 zu sein und die keine gesetzliche Vertretung haben,
näher eingegangen.
Laut Verwaltungsgerichtshof braucht es für eine korrekte Altersfeststel -
lung, in der Regel eine Untersuchung und Beurteilung durch geeignete –
zumeist wohl medizinische – Sachverständige.
Mit der Wendung „Untersuchung und Beurteilung“ wird auf die in seiner
Judikatur entwickelten Anforderungen an ein Sachverständigengutachten
hingewiesen (Trennung im Befund und Gutachten im engeren Sinn nebst
Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen für die gezogenen Schlüsse).
Mit dieser Aussage lässt uns der Verwaltungsgerichtshof aber jetzt allein,
nicht ohne uns noch zwei Dinge sozusagen im Umdrehen zuzurufen, was
unter Juristen ein obiter dictum genannt wird:

Erstens die Weigerung gegenüber einem medizinischen Sachverständigen an Im Zweifel für die

der Feststellung der Fluchtgeschichte, der Glaubwürdigkeit oder sonstiger Minderjährigkeit!
Tatsachen mitzuwirken, stellt nicht unbedingt eine Tatsache dar, die uns dazu berechtigen würde
als Behörde das Alter frei zu würdigen und zweitens – bleiben Zweifel, dann heißt es: im Zweifel
für die Minderjährigkeit. Nicht jedermann bekannte oder ohne weiteres erkennbare Tatsachen
sind nicht den Regeln der Rechtswissenschaft, sondern nach naturwissen schaftlichen Regeln
festzustellen.


Univ. Prof. Dr. Ernst Berger - Kinderstimme u. Abteilung f. Jugendpsy-
chiatrie d. PSD Wien
Zur Problematik der Altersbestimmung aus medizinisch-wissenschaftli-
cher Perspektive Psychosoziale Aspekte der Altersbestimmung

Aus Sicht des Kinder- und Jugendpsychiaters können die, vom Verwal-
tungsgerichtshof so ins Zentrum gestellten, medizinischen Sachverst ändi-
gengutachten generell zum fraglichen Zeitraum der Großjährigkeit keine
eindeutigen Aussagen treffen – welche Methoden man auch immer anwen-
det.
Es wurde versucht zu diesem Thema einen anderen Weg zu wählen, näm- Bedürfnisdiagnostik
lich Bedürfnisdiagnostik und nicht Altersdiagnostik zu betreiben.         versus
                                                                          Altersdiagnostik
Was braucht der Mensch und wie kann seinen Bedürfnissen entsprechend
administrativ Rahmenbedingungen geschaffen werden? Im Interesse der
Betroffenen und im Sinn der Sache ist es mäßig einsichtig, warum man
einen riesengroßen Aufwand betreibt etwas festzustellen, das eigentlich
keine brauchbare Handlungsanleitung für die weiteren Handlungsperspek-
tiven eröffnet.

Die Gründe für Altersfeststellung sind:
-       Missbrauch vorzubeugen
-       Die altersadäquate Betreuung und Unterstützung sicherzustellen
-       Eine korrekte Bestrafung von Kinderhändlern sicherzustellen
-       Die Prozeduren der Rückkehr zu erleichtern, der willentlichen,
freiwilli-
  gen Rückkehr von Personen in ihre Herkunftsländer – es ist hier auf die
  freiwillige Rückkehr Bezug genommen.
                         Es gibt seit dem Jahr 1997 die UNHCR-Standards, internationale Stan-
                         dards des Age-Assessment. In diesem Kontext gibt es fünf verschiedene
                         Methoden die zur Altersfeststellung grundsätzlich zur Verfügung stehen.
                         Die Erste ist die Inspektion - die Betrachtung, eine Methode, die ohne wei-
                         tere Eingriffe etc. durchgeführt werden kann.
                         Die Zweite sind Interview-Techniken. Die Dritte ist die körperliche Unter-
                         suchung. Die Vierte ist die zahnärztliche Untersuchung und die Fünfte ist
                         die Röntgen-Untersuchung.

                         Es ist allgemein akzeptiert und bekannt, dass für verschiedene Altersstu fen
                         auch unterschiedliche Schätzdiskrepanzen existieren.

                         Für das Alter 9 - 18 gibt es Schätzdiskrepanzen, die bei diesen Methoden
                         bis 24 Monate beträgt. Allein daraus ist ersichtlich, dass eine eindeutige
                         Aussage in diesem Alter nicht getroffen werden kann.
                         Im Folgenden geht Herr Prof. Berger auf die psychosozialen Aspekte der
                         Altersbestimmung ein und auf Fragen, die in diesem Rahmen beantwortet
                         werden konnten.
                         Mit all den Methoden kann jedoch kein wesentlich relevanter Beitrag für
                         die Differenzierung des Alters in den relevanten Zeitraum von 1 8 Jahren
                         geleistet werden.

                         DSA Gerhard Wallner -     Diakonie
                         Überprüfung der Altersangabe durch sozialpädagogische Beobachtung und
                         Exploration des Lebenslaufes

                         Herr Wallner berichtet darüber, dass er bereits mit den unterschiedlich -
                         sten Methoden konfrontiert war.
                         Auch heute gibt es keine einheitlichen Standards.
                         Herr Wallner berichtet von Gutachten in dem Kontext die problematisch
                         sind.
                         Es gab auch einen Gutachter, der meinte, Schwankungsbreiten von weni -
                         gen Monaten festzustellen.
                         Auch Herr Wallner ist der Meinung, sollten tatsächlich Zweifel an der
                         Altersangabe bestehen, sollte - analog den Vorstellungen von Herrn Prof.
                         Berger – eine Beobachtung des Sozialverhaltens der Jugendlichen in einer
                         Clearingstelle erfolgen.
multiprofessionelles   Es müsste dort auf die verschiedenen Aspekte geachtet werden , die dann
          Gutachten    in einem multiprofessionellen Gutachten eine Aussage ermöglicht.
                         Er weist nochmals auf die Unterschiede der einzelnen Jugendlichen je nach
                         ihrer Herkunft hin.
                         Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Personen aus dem arabischen
                         oder osteuropäischen Raum oder aus Afrika häufig älter eingeschätzt wer -
                         den.
                         Während Personen, die etwa aus dem südosttasiatischen, mongolischen
                         oder chinesischen Raum kommen, für jünger gehalten werden. Allein
                         daran kann man erkennen, dass die derzeit praktizierten Met hoden der
                         Asylbehörden am Beginn eines Interviews - alleine anhand des Erschei-
nungsbildes – eine Altersschätzung vorzunehmen, eine äußerst unzulängli -
che Methode ist.
Wallner sprach von der Notwendigkeit die persönliche Reife des Betroffe-
nen anhand seines Verhaltens im Alltag zu prüfen, da sich Erwachsene
erfahrungsgemäß anders als Jugendliche verhalten.

Bei Interesse sind sämtliche Referate über die Kinder - und Jugendanwalt-
schaft zu bestellen.




VISIONEN ZUR VERBESSERUNG DER
KINDER- UND JUGENDGESUNDHEIT
IN WIEN
Strategien einer zukunftsorientierten Kinder- und
Jugendgesundheitsversorgung
„Eine Gesellschaft, die zukunftsfähig sein will, ist auf die
Gesundheit ihrer Kinder dringend angewiesen. Bestmögliche
Förderung der Gesundheit von Anfang an gehört zu den
 Grundrechten aller Kinder.“
                Aus: „Ein guter Start ins Leben“, Berlin im Mai 2006.


Kindergesundheitspolitik ist Zukunftspolitik
In der auch von Österreich ratifizierten Kinderrechtskonvention der Ver-
einten Nationen wurde das Recht von Kindern und Jugendlichen auf ein
Höchstmaß an möglicher Gesundheit formal festgeschrieben (Art. 24, Abs.
1 UN-Kinderrechtskonvention). Dieses Recht wurde durch die WHO im
August 2007 neuerlich als „the right to health“ bestätigt und formuliert
(Joint fact sheet/OHCHR/232), wobei Gesundheit i.S. einer gesunden und
erfüllten Lebensgestaltung mehr als lediglich die Abwesenheit von Krank -
heit bedeutet.

Diese Formulierungen sind neben dem persönlich-individuellen Recht auf Recht auf
Gesundheit aber noch viel mehr Ausdruck für die Bedeutung, welche die Gesundheit
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen für unser aller Zukunft hat. Ganz unabhängig
davon sind Kinder und Jugendliche in besonderer Weise schutzbedürftig und die
Verantwortung ihnen gegenüber besonders groß.


Gesundheits - Risken    und Gefährdungen haben sich geändert
Eine moderne Versorgungsstruktur muss auf gesellschaftliche Verände -
rungen mit angemessen Konzepten so rasch als möglich reagieren. Im
Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit sind an Stelle der klassischen
Infektions- und Mangelerkrankungen der Vergangenheit neue Risken und
Gefährdungen für Gesundheit und Entwicklungschancen von Kindern und
                     Jugendlichen getreten. International zu beobachten ist eine stete Zunahme
                     von Lebensstilerkrankungen, zu Chronifizierung neigenden Entwicklungs-
                     beeinträchtigungen und -bedrohungen sowie psychosozialen Integrations-
                     und Regulationsstörungen 2.

                     Komplexe Störungen und Probleme sind die Ursache
                     Es handelt sich um komplexe Erkrankungen sowie Entwicklungs-, Bezie-
                     hungs- und Erziehungsprobleme, die gleichermaßen Körper, Seele und sozia-
                     le Beziehungen beeinträchtigen. Frühe Warnzeichen für spätere Störungen
                     werden oft nicht erkannt, hoch belastete Kinder häufig nicht erreicht.
                     Kennzeichnend ist auch, dass die notwendigen Hilfen nicht einfach entlang
                     der traditionellen Berufsgruppen verlaufen. Angehörige medizinischer
                     Berufsgruppen sehen sich zunehmend mit entwicklungspsychologischen,
                     pädagogischen und sozialen Fragen konfrontiert, wohin gegen von Mitar -
                     beitern sozial - pädagogischer Dienste und Einrichtungen wiederum mehr
                     und mehr Antworten auf Fragen der körperlichen, seelischen und geistigen
                     Gesundheit eingefordert werden.


                     Benachteiligungen sind deutlich
  Gemeinsam ist diesen Gefährdungen, dass sie häufig durch ein ungünsti ges Zusammenspiel von
                                                konstitutionellen Faktoren des Kindes bzw. der
regionale und soziale Familie, gesundheitlichem Fehlverhalten, mangelnder Information und
  Benachteiligung unzureichende Ressourcen der Eltern sowie belastenden Lebensverhältnis -
                     sen verursacht und aufrecht erhalten werden. Nach wie vor besteht eine
                     deutliche gesundheitliche Benachteiligung nach regionalen und sozialen
                     Faktoren.
                     Besonders betroffen sind Kinder, welche in Armut aufwachsen, ein bil -
                     dungsfernes soziales Umfeld haben, in entlegenen ländlichen Gebieten oder
                     städtischen Ballungszentren leben, sowie Kinder aus Migrantenfamilien.


                    Es gibt viele Einrichtungen
                    Eine Vielzahl von Versorgungseinrichtungen in Wien - wie etwa niederge-
      Versorgungs- lassene FachärztInnen, Ambulatorien, Einrichtungen der MA 1 5, MA 1 1,
      erfordernisse MA 10, des KAV, Mutter-Kind-Zentren, Erziehungshilfeinstitute, uvam., lei-
                    sten im Rahmen ihrer Möglichkeiten weitgehend gute und oftmals hervor -
                    ragende Arbeit. Die realen Versorgungserfordernisse von Kindern und
                    Jugendlichen in einer Welt- und Millionenstadt wie Wien können jedoch
                    trotz dieser Angebote derzeit weder in ausreichender Kapazität noch in
                    ihrer Organisationsform zufrieden stellend erfüllt werden.
                     2 Exemplarische klinische Bilder hierzu wären etwa Alkohol und Nikotinkonsum in der
                       Schwangerschaft, Bindungs- und Beziehungsstörungen z.T. gefolgt von seelischer und kör-
                       perlicher Vernachlässigung oder Misshandlung, Erziehungsunsicherheit und Inkonsistenz des
                       Erziehungsverhaltens, chronische Erkrankungen, Entwicklungsverzögerungen und
                       Behinderungen, psychosomatisch und umweltmitbedingte Krankheiten, Bewegungsmangel,
                       Haltungsschäden, Fehlernährung sowie Verhaltensstörungen wie ADHS, u.ä.
Fachleute und auch die Gesundheits- und Jugendhilfepolitik beginnen neue
zunehmend die neuen Herausforderungen zu erkennen und haben dies z.T. Herausforderungen
auch in den vergangenen Jahren schon getan. An vielen Orten sind Verän derungen zu beobachten
und es existieren lokale und regionale Beispiele guter Praxis und engagier ter Projekte.

Vernetzung und Koordination ist wichtig
Trotz dieser ermutigenden Zeichen besteht jedoch weiterhin erheblicher
Verbesserungsbedarf. Entwicklungsnotwendigkeit besteht z.B. im Aufbau
einer strukturierten Kooperation der vorhandenen Angebote, welche die
Potentiale für Synergie erschließt und eine Optimierung im Zusammenwir-
ken vorhandener Teillösungen bewirken kann. Dies darf nicht dem Zufall Vernetzungsstruktur
oder privatem Engagement von Einzelpersonen überlassen werden. Eine notwendig professionelle
und effiziente Vernetzungsstruktur einer Großstadtversor gung muss aus einer übergeordneten
Perspektive mit Plan und Strategie eingerichtet werden und bedarf einer entsprechenden
Koordination, um im Bedarfsfall von Versorgern und Patienten leicht und rasch in Anspruch
genommen werden zu können. Hierzu gibt es eine Menge Wissen und die internationale
Übereinstimmung, dass gut funktionierende Netzwerkstrukturen ohne Zweifel die
Versorgungskonzepte der Zukunft sind.




Wie kommen wir aber dazu und welche Schritte wären nötig?

Wir brauchen Gesundheitsdaten unserer Kinder und Jugendlichen
Um gesundheitspolitische Entscheidungen und Planungen zielorientiert
vorzunehmen, wäre es dringend notwendig, Kindergesundheitsdaten stan-
dardisiert zu erheben. Nur so lassen sich Gesundheitsrisken und deren
Auswirkungen identifizieren und Gesundheitsziele formulieren. Diese wür -
den einerseits als Basis zur Bedarfsplanung im Gesundheitsbereich dienen,
zusätzlich v.a. aber als Indikator für die Wirksamkeit von gesetzten Maß-
nahmen. Sie sind Ausgangspunkt für die weiteren Beobachtungen der
gesundheitlichen Entwicklungen.

Die derzeitigen Datenquellen in Wien (z.B. LKF–System, HBSC–Studie,
Gesundheitsbericht Wien 2004) repräsentieren nur einzelne , sehr eng mehr Gesundheits-
umschriebene Teile des gesamten Feldes von Kindergesundheit und sind f o r s c h u n g für einen
differenzierten Überblick völlig unzureichend.
Die umfassende Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland (KIGGS-Studie) des Robert Koch Instituts mit ihren bewährten
Untersuchungsinstrumenten könnte grundsätzlich als Vorbild dienen.

Koordinationsbüro für Kinder- u. Jugendgesundheit
Gesundheit ist in die Gesamtheit der Lebensumstände eingebettet. Kinder-
und Jugendgesundheit ist daher eine explizite Querschnittsmaterie, welche
die „willkürlichen“ Ressortgrenzen zwischen Bildungs-, Sozial- und Gesund-
heitswesen ständig überschreitet. Um den oben formulierten Auftrag erfül len
und umsetzen zu können bedarf es innerhalb der gesundheitspolitischen
Organisation eines klaren und ressortübergreifenden Auftrags.
                        Ein eigenständiges und übergeordnetes „Kinder- und Jugend - Gesundheits -
                        Koordinationsbüro Wien“ wäre eine schlüssige und notwendige Organi -
                        sationsform. Neben dem politischen Willen und den finanziellen Ressour -
                        cen müsste eine gemeinsame Zieldefinition mit den im Feld tätigen Versor -
                        ger und Fachgesellschaften erarbeitet werden. Für die späteren Aufgaben
                        sollte neben der übergeordneten Koordination der Angebote und Erarbei-
                        tung von Modellen auch die Organisation von interdisziplinären Fort - u.
                        Weiterbildungsangeboten und die Pflege internationaler Kontakte nicht
                        vergessen werden.


     patientennahe Patientennahe regionale Kinder- und J u g e n d - G e s u n d h e i t s n e t z w e r k e
       Versorgung Für PatientInnen und deren Familien ist aber v.a. die mögliche Inan -
                   spruchnahme, die leichte Zugänglichkeit und nahe Verfügbarkeit wesent -
                   lich. Aus dieser Bedarfsorientierung und aus dem Wissen um die verän -
                   derten Krankheitsbilder heraus braucht es als weiteren Schritt die Schaf -
                   fung von patientennahen, regionalen und multiprofessionellen Netzwerk -
                   strukturen.


                        Hieraus entsteht in Folge genau jene Veränderung, welcher die Entwick -
                        lung sinnvoller weise auch folgen muss, nämlich von den eindimensionalen
                        Behandlungsangeboten einzelner Berufsgruppen hin zu einer multidis -
                        ziplinären Teamarbeit mit wohl geordneter und gebahnter Kommunikation,
                        Koordination und Kooperation.
                        Auch wenn es im Einzelfall oft nur einzelner Teile des Netzwerks b edarf,
                        muss es grundsätzlich umfassend sowie mit Plan und Strategie eingerich tet
                        werden, damit es im Bedarfsfall prompt und regelhaft abrufbar ist.

                        Das Netzwerk ist mehr als die Summe seiner Teile!

    Prävention bei „Frühe Förderung“ und Prävention
Kindern und Eltern Beinahe alle „neuzeitlichen“ Krankheitsbilder haben die Wurzel ihrer Ent -
                   stehung in einem sehr frühen Lebensalter. Es folgt daraus die Notwendig -
                   keit einer Orientierung und Schwerpunktsetzung auf sehr frühzeitige Inter -
                   ventionen im Sinne von niederschwelliger aber hochwertiger Diagnostik
                   und spezifischer Therapie und Förderung. Hand in Hand hiermit sollte eine
                   frühe Möglichkeit zur Elternarbeit und Elternhilfe gehen (Empowerment-
                   Ansatz, „Elternschaft stärken“). Präventive und therapeutische Be mühun-
                   gen, welche alleine beim Kind ansetzen, sind häufig ineffizient und wenig
                   erfolgreich. Eltern haben eine Schlüsselfunktion für die Gesundheitsent -
                   wicklung ihrer Kinder. Zahlreiche Beispiele hierzu sind im deutschsprachi -
                   gen Umfeld (z.B. in den SAFE – Projekten der Stadt München), zu finden.


                        Qualität und Kostenbewusstsein ist erforderlich
                        Um gesundheitsökonomischen Prinzipien und Notwendigkeiten des
                        Gesundheitswesens gerecht zu werden, müsste eine zeitgemäße Dokumen -
                        tation zur Verhinderung von Doppelgleisigkeit oder unerwünschter Mehr-
                        fachbetreuung erfolgen.
                         Alle Maßnahmen müssten auf ihre Effizienz und ihren Erfolg hin evaluiert
                          werden. Dies bedeutet die Einrichtung einer angemessene Qualitätssiche-
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                        61




rung und Begleitforschung. Last but not least müssten neue Formen der
Prävention entwickelt und die Nahtstellen zur Gesundheitsförderung
gesucht werden.

Rahmenbedingung: Kinder- u. Jugendgesundheit muss politisch
p r i o r i s i e r t werden
Laut einer EU–Studie von Health Consumer Powerhouse 2007 liegt Öster-
reich im Vergleich der europäischen Gesundheitssysteme erfreulicherwei -
se an erster Stelle. Gleichzeitig wurde aber aus einer aktuellen OECD–Stu-
die bekannt, dass dies im Wesentlichen für die Versorgung der Bevölkerung
ab dem 45. Lebensjahr aufwärts gilt. Wenn man hingegen die
Gesundheitsausgaben für das Lebensalter 5 – 15jähriger Kinder und fast Schlusslicht bei
Jugendlicher betrachtet, nimmt Österreich von 2 1 europäischen Ländern Versorgung der
nur den vor-letzten, nämlich Platz 20 ein.                                 5 bis 1 5 - j ä h r i g e n
Dieses Ungleichgewicht sollte so rasch als möglich überdacht und ausge -
glichen werden. Dies (z.B. ausreichend kostenfreie Therapieangebote für
das Kindes- u. Jugendalter) ist gleichsam ein politischer Auftrag für eine
„gesamtgesellschaftliche Gesundheitsvorsorge“.
Da Kindergesundheit eine Querschnittsmaterie ist, bedarf es für eine poli-
tisch sinnvolle Bearbeitung der Materie einer Bündelung von Ressourcen,
Verantwortung und Wissen aus dem Gesundheits-, Sozial- und Bildungs-
wesen sowie den befassten Rechts- und Humanwissenschaften. Kinder-
und Jugendgesundheitspolitik ist im positivsten Sinn Generationenpolitik
und daher eine unabdingbare Public Health Aufgabe mit nachhaltiger Ver-
antwortung.
Die Aufgaben sollten nicht auf Basis von Lobbying oder Ideologie, sondern
basierend auf wissenschaftlicher Forschung und vorliegenden Gesund -
heitsdaten bearbeitet und entschieden werden.



Einordnung ins System
Die abgestufte Versorgungsstruktur im Sinne Primär- Sekundär und Ter-
tiärversorgung ist in ihrer Grundstruktur sinnvoll und ökonomisch
gewachsen und sollte nicht verändert werden. Netzwerkbildungen sind
aber wesentliche strukturelle Ergänzung und Optimierung.
   Genauer definiert werden sollte der von vielen Berufsgruppen bereits aus-geführte, aber dennoch
                                                   undefinierte Bereich der aufsuchenden und Vor-
Ort-Angebote (Frühförderung, mobile Hebammen, mobile Säuglings - und aufsuchende und
Kinder-Gesundheits- und Krankenpflegepersonen, Kindergarten-, v o r o r t -         Angebote
SchulärztInnen etc.).

Resümee:
Netzwerke sind die innovative Antwort auf die veränderten komplexen
Anforderungen. Viele der Netzwerkteile sind bereits vorhanden. Was aber
fehlt, ist die strukturierte effiziente Kommunikation und Kooperatio n. Ver-
netzung muss einem Ziel und einer klaren Planung folgen und darf nicht
dem Zufall überlassen werden. Netzwerke sind sowohl für die Anbieter als
auch für die Konsumenten nachhaltig gesundheitsfördernd!
                        Wien könnte – entsprechend seiner langen Tradition im Sozial- und
                        Gesundheitswesen – für das Thema Kinder- und Jugendgesundheit wieder
                        Modellregion für Österreich werden.



                        Für die Österreichische Liga für Kinder- u. Jugendgesundheit
                        Klaus V A V R I K
                        L i l l y DAMM

                        Prim. Dr. Klaus VAVRIK
                        klaus@vavrik.at
                         Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde und für Neuropsychiatrie des Kindes u.
                           Jugendalters
                         Vorstandsmitglied der Öst. Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
                         Obmann des Zentrums für angewandte Epidemiologie u. Gesundheitspolitik Wien


                        Dr. Lilly DAMM
                        lilly.damm@meduniwien.ac.at
                         Ärztin für Allgemeinmedizin
                         ao. Mitglied der AG Sozial- und Entwicklungspädiatrie der Öst. Gesellschaft für Kinder- und
                            Jugendheilkunde
                         Projektmanagement, PR, Teambildung, Moderatorentraining, Medienarbeit




                        SEXUELLE ÜBERGRIFFE IM BEREICH DER
                        FREIZEITPÄDAGOGIK

                             In den letzten Jahren vermehren sich die Anfragen und Beschwerden aus
                             dem außerschulischen Bereich.
sexuelle Übergriffe in Kinder und Jugendliche, die sich in Vereinen oder anderen Freizeiteinrich-
           V e r e i n e n tungen einschreiben, machen leider immer wieder die Erfahrung, dort auf
                             männliche Erwachsene zu treffen, die ihre Intimsphäre verletzen, verbal
                             und/oder tätlich übergriffig werden und/oder massive und damit strafbare
                             sexuelle Handlungen setzen.
                        Diese Erwachsenen sind nicht Teilnehmer oder Begleiter, sondern Funk -
                        tionäre, stellen formal Autoritätspersonen dar und sind als Trainer, Grup -
                        penleiter, Animateure oder Betreiber für die Kinder, verantwortlich. Und
                        – aufgrund der bei uns eingehenden Meldungen – betrifft es aus-
                        schließlich Männer. Auch wenn es in solchen Funktionen übergriffige Frau -
                        en gibt, wird aufgrund des mehrheitlich Männer betreffenden Problems
                        auch weiterhin die männliche Form gewählt.


 andere gesetzliche Bedauerlicher Weise gelten jedoch im Freizeitbereich andere Gesetze als
         Regelungen bei Mitarbeitern aus öffentlichen Einrichtungen, wo Landes - oder Bundes-
                      bedienstete tätig sind, Schulen, Kindergärten, Heime oder auch Lehrberufe
                      betroffen sind, und dort Kinder und/oder Jugendliche zur Obhut übergeben
                      werden.
Verhält sich z.B. eine Lehrperson übergriffig und verlangt von einer Schü -
lerin, dass sie zu berichten hat, wenn die Regelblutung eingesetzt hat oder
fasst ihr zwecks der besseren Haltung an Brust oder Gesäß, so nutzt diese
Person das Autoritätsverhältnis aus.
Dieselbe Handlung im Freizeitbereich wird weit weniger geahndet, da
die/der Minderjährige sich lt. Gesetz nicht in einem Abhängigkeitsverhält -
nis befindet.

Den Landes- und Bundesverbänden der diversen Vereine muss zugute
gehalten werden, dass sie sehr ernsthaft und verantwortlich mit unseren
Beanstandungen und Aufforderungen um konsequente Intervention rea -
giert haben.
Jedoch mit folgenden Einschränkungen:
 Familien oder betroffene Minderjährige müssen sich zuerst an uns als
  Organisation wenden. Immer wieder hören wir, dass private Melder
  nicht ernst genommen werden oder die Probleme bagatellisiert werden.
  In allen bei uns vorgebrachten Vorfällen reagierten die Organisationen
  erst als wir als offizielle Stelle intervenierten.
 Meistens war die erste Reaktion: es nicht wahrhaben wollen und anzu- o f t a n f a n g s B l o c k a d e
  weifeln. Dadurch blieb es den Betroffenen manchmal nicht erspart, dass sie Landes - und
  Bundesverantwortlichen in einem vertrauten Rahmen und mit unserer Unterstützung nochmals
  über die Übergriffe berichten mussten.

 Und vereinzelt reagierten die Herren erst mit der „Rute im Fenster“ sei -
  tens der Kinder- und Jugendanwaltschaft: Bei Ignoranz des Problemes
  und fehlender eigener Intervention würde die KJA sich genötigt sehen,
  die Öffentlichkeit von den Vorkommnissen in Kenntnis zu setzen. Leider
  mussten wir auch erst drohen, den Eltern davon abzuraten, ihre Kinder in
  den Vereinen zu belassen, da dort Minderjährige gefährdet wären.

Forderungen, die sich aus diesen Erfahrungen ableiten:                     Forderungen
• bessere gesetzliche Handhabung, um solche Organisationen mehr in die
   Pflicht nehmen zu können.
• qualifizierte Aus- und Fortbildung für MitarbeiterInnen und Funktionäre,
   um sensibler und respektvoller mit den anvertrauten Kindern und
   Jugendlichen umzugehen.
•       Übergriffe besser zu erkennen und richtig und erfolgreich zu
intervenieren.
•       Zuspruch um mit mehr Zivilcourage in solchen Fäl len zu agieren.
                 Im Folgenden ein konkreter Vorfall aus einem Sportverein:

                 Warum es so wichtig ist schnell zu helfen, aber auch ein
                 langer Weg ist, ans Ziel zu kommen

                 Bericht um einen Vorfall in einer Sportvereinigung


Praxisbeispiel Zwei mal wöchentlich gingen meine Töchter, 8 und 1 5 Jahre, zum Sport in
                einen Verein. Inzwischen hatten sich auch noch einige Freundinnen und
                Freunde der Trainingsgruppe angeschlossen, sodass wir Eltern uns auch
                organisatorisch gut unterstützen konnten – wer bringt die Kinder hin, wer
                holt sie ab, etc. Zudem, dass es den Kindern Spaß machte, hatten wir Eltern
                auch noch das Gefühl ihnen etwas bieten zu können, das ihnen neben Spaß
                auch Bewegung und außerdem noch gemeinsame Interessen bringt. Alles
                hatte sich sehr gut eingependelt und lief wie von selbst.


                 Bis eines Tages plötzlich meine 1 5 Jährige weinend vor mir stand und mir
                 erzählte, dass der Trainer eine sexuelle Beziehung mit ihr wolle, von der
                 die Eltern „nichts wissen müssten“.
                 Diese Nachricht war wie ein Schlag ins Gesicht. Eine Flut von Gefühlen
                 brach über mich herein: Zorn, Wut, Trauer, Entsetzen, Scham aber auch
                 Ohnmacht. Wie sollte ich reagieren, was sollte ich zu meiner Tochter
                 sagen? Eine Welt brach zusammen. Genau das, was man in den Medien so
                 hört, betraf uns plötzlich selbst. Ein Schock! Und die große Frage, was war
                 tatsächlich passiert, welche Ausmaße hatte das Ganze?
                 Da waren wir nun konfrontiert mit einer Situation die uns in Wirklichkeit
                 total überforderte. Selbst fühlte ich mich als Opfer und musste meine 1 5 -
                 J ä h r i g e trösten und der Jüngeren erklären, warum sie ab sofort nicht mehr
                 zum Sport in den Verein gehen dürfe, was ja bis gerade eben eine tol le
                 Sache war. Sie hörte erst auf zu fragen, als wir ihr klipp und klar erklär t
                 hatten, was tatsächlich passiert war – und das erzählte sie auch ihren
                 Freundinnen.


                 Als erste Reaktion war klar, dass meine Kinder an diesem Training nicht
                 mehr teilnehmen sollten. Als zweites informierte ich die Eltern der
                 befreundeten Kinder – niemand sollte in eine derartige Situation geraten.
                 Und weiter? Irgendwie hatte ich von der Kinder- und Jugendanwaltschaft
                 gehört und setzte mich am nächsten Tag mir ihr in Verbindung. Wie ein
                 Rettungsanker erschien mir dieses erste Telefonat – eine Hilfe in Richtung:
                 habe ich richtig reagiert? Wie erkläre ich das alles meinen Kindern? Und
                 anderen? Was kann ich noch tun? Aber auch, was kann man unternehmen,
                 damit der Trainer nie mehr Gelegenheit hat, Kinder oder Mädchen zu miss -
                 brauchen.



                 Dazu musste meine 1 5 jährige Tochter eine Aussage machen, was sie auch
                 tat. Im Zuge der Recherchen tauchten noch weitere Opfer auf. Es war nicht
                 leicht für uns diesen Weg in aller Konsequenz zu gehen. Meine Tochter
musste immer wieder die Geschehnisse Revue passieren lassen und auch
fremden Menschen (Landes- und Bundesverantwortlichen des Sportverei-
nes) davon erzählen. Wir Eltern versuchten sie zu unterstützen so gut wir
konnten. Die Jüngere hatte in der Folge nicht mehr viel darüber gespro-
chen, lehnte aber bisher jedes weitere Angebot einer Sportausübung dezi -
diert ab. Auch im Freundes- und Bekanntenkreis hatten wir offen über die-
sen Schicksalsschlag gesprochen. Dabei wurde uns bewusst, dass Mädchen
leider noch immer sehr schnell in der Rolle der Schuldigen gesehen werden.
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft setzte sich dafür ein, dass der Täter
keine Kinder und Jugendlichen mehr trainieren darf, was sie letztendlich
auch erreichte. Dafür und für die sofortige Hilfe in der Notsituation wollen
wir uns sehr herzlich bedanken und wünschen allen viel Kraft für ihre
unverzichtbare Arbeit! Vielen Dank!



                                                    Ein betroffener Vater




DIE KOOPERATION ZWISCHEN DER KJA
UND DER MÄNNERBERATUNG UND
INFORMATIONSSTELLE FÜR MÄNNER
im Bereich der Prozessbegleitung


Ich habe im November 2006 die Aufgabe übernommen, den Bereich Prozess-
begleitung ( P B ) für Buben und Burschen an der Männerberatung Wien neu
aufzubauen. Dabei konnte ich auch an die bisher stattgefundene enge
Zusammenarbeit zwischen der Männerberatung Wien und der Kinder- und
Jugendanwaltschaft Wien ( K J A ) anschließen.
Worin bestand die Kooperation der beiden Institutionen bis dahin?
Gemeinsam mit anderen beteiligten Stellen wurden schon 2005 Grundlagen
für die Prozessbegleitung von männlichen Kindern und Jugendlichen erar-


beitet. Aufbauend auf diesen Erfahrungen der Zusammenarbeit wurden gemeinsame von
Dezember 2006 bis September 2007 acht P B – Fälle gemeinsam betreut. Betreuung In
einigen dieser Fälle ist die P B noch nicht abgeschlossen. Bei den insgesamt acht Fällen
waren fünf Kinder- und Jugendliche von sexueller u n d / o d e r physischer Gewalt und
weitere acht Kinder- und Jugendliche von physischer Gewalt (Raubüberfälle,
Körperverletzung, ...) betroffen. Nahezu alle Betroffenen wurden gemeinsam mit ihren
Bezugspersonen betreut. Da bis September 2007 an der Männerberatung Wien nur ich als
P B zur Verfügung stand, war die Durchführung von P B im Tandem mit Peter Wanke von
der Kinder- und Jugendanwaltschaft eine sehr vernünftige und hilfreiche Zwischenlösung.
Seine und die Expertise der K J A generell stellten dabei einen wertvollen unterstützenden
Faktor dar. Persönlich konnte ich meine Kompetenzen in der P B durch die Reflexion
gemeinsamer Fälle schnell a u s -
                      bauen und festigen. Durch gemeinsame Überlegungen zu den Rahmenbe -
                      dingungen der P B für männliche Kinder- und Jugendliche ergaben sich
                      auch viele positive Effekte für den inhaltlichen Aufbau der P B an der
                      Männerberatung Wien.
                      Im Juli 2007 wurden an der Männerberatung Wien vier neue M i t a r b e i t e r -
                      I n n e n für den Bereich P B aufgenommen. Es war notwendig, für diese eine
                      Einschulung hinsichtlich der Besonderheiten in der Begleitung von männ -
                      lichen Kindern und Jugendlichen zu organisieren. Herr Peter Wanke hat
                      sich bereit erklärt, einen Teil der Schulung zu übernehmen und konnte die -
                      se auch im Rahmen seiner Dienstzeit anbieten. Der Männerberatung Wien
                      sind dadurch keine weiteren Kosten entstanden, wofür der K J A herzlich
                      gedankt sei.

                      Ein weiterer hilfreicher Faktor, der sich aus der gemeinsamen Prozessbe -
                      gleitung von betroffenen Kindern und Jugendlichen ergeben hat, waren die
                      bestehenden Netzwerke der K J A mit anderen Stellen und Personen. Auf die-
                      se konnte bei Bedarf zurückgegriffen werden. Durch das kontinuierlich
                      stattfindende J o u r Fixe der K J A sowie den von ihr initiierten Arbeitskrei-
                      sen zu ganz bestimmten Themen in Zusammenhang mit sexueller, physi -
                      scher oder psychischer Gewalt, konnte ich auch selbst schnell Kontakte
                      aufbauen und Teil des Netzwerkes werden.


                      Besonderheiten der gemeinsam betreuten Fälle:
                      Auffallend und damit typisch für die P B bei Buben und Burschen war, dass
                      häufig die Väter der Betroffenen sehr präsent waren, viele Fragen hatten
                      und es teilweise notwendig war, sie in ihrem Aktionismus zu bremsen.
                      Dass in den begleiteten Fällen die Täter fast ausschließlich Fremde oder
                      Bekannte außerhalb der Familie waren, ist ebenso etwas Typisches für die -
                      se Opfergruppe.



hohe Belastung der Der Belastungsgrad der Betroffenen selbst war sehr unterschiedlich; dem -
       Betroffenen entsprechend reichte das Spektrum an Symptomen von Angst, Depression,
                   Wut, über Aggression, unangepasstem sexuellen Verhalten bis hin zu
                   Hilflosigkeit, Ohnmacht, einer allgemeinen Nervosität und extremer
                   Zurückgezogenheit. Für einige Betroffene wurde versucht, nach Abschluss
                   der Prozessbegleitung eine weiterführende Therapie zu finden. In zwei Fäl -
                   len ist dies auch gelungen; ein Betroffener hat aber nach der ersten Thera -
                   piestunde abgebrochen, nur einer hat sich gut in der Therapie eingefunden.
                   Für einen weiteren von sexueller Gewalt betroffenen Jungen läuft die Vor -
                   bereitung auf die Therapie noch. Die Bereitschaft, sich nach Abschluss
                   eines Strafverfahrens im Sinne einer Heilung noch weiter therapeutische
                   Angebote in Anspruch zu nehmen, ist bei Buben und Burschen allgemein
                   sehr gering. Unsere Erfahrungen bestätigen diesen ungünstigen Umstand.
                   Was den Ausgang der acht begleiteten Strafverfahren betrifft, kam es in
                   zwei Fällen mit sexuellem Missbrauch als Tathintergrund und in zwei Fäl -
                   len mit Körperverletzung zu einer Verurteilung. Dadurch kamen neun
                   Betroffene zu ihrem Recht. Teilweise wurden sie hinsichtlich der Auszah -
                   lung der – meist symbolhaften - Schadensersatzleistungen aber auf den
                   Zivilrechtsweg verwiesen. Eines der begleiteten Strafverfahren (sexueller
                   Missbrauch) wurde eingestellt. Drei Fälle sind noch offen.
In einem anderen Strafverfahren mit dem Tathintergrund Raub und Kör -
perverletzung hat sich bei der Hauptverhandlung herausgestellt, dass ins -
gesamt 20 Personen betroffen waren. Nur drei davon haben PB in Anspruch
genommen – nämlich diese, die von uns begleitet wurden. Über die Gründe,
warum die anderen Betroffenen nicht begleitet ware n, wissen wir zwar
nichts, plausibel sind aber generell mangelnde Informationen über das
Angebot an PB für Buben und Burschen und eine allgemein Hemmung, Hil-
fe in Anspruch zu nehmen. Dieses Beispiel zeigt deutlich, dass viele Betrof -
fene den Zugang zur Prozessbegleitung nicht finden, obwohl sie ein
Anrecht darauf haben. Hier gilt es noch, auch für die Männerberatung
Wien, vermehrt Informations- und Öffentlichkeitsarbeit zu leisten.


                                                                              Mag. Hubert S t e g e r
                                                           Klinischer- und Gesundheitspsychologe
                                                            Leiter des Bereichs Prozessbegleitung
                                       der Männerberatung und Informationsstelle für Männer Wien




PROZESSBEGLEITUNG 2007

Wie auch in den letzten Jahren, wurde seitens der KJA auch heuer wieder
Prozessbegleitung vermittelt, angeboten und durchgeführt.
Zur Erinnerung:
Seit 2006 ist gesetzlich verankert, dass alle Opfer von Gewalt Anspruch auf
Begleitung und Unterstützung für das Strafverfahren haben, bei dem sie
als Zeugen aussagen sollen.
Aufgrund dieser Veränderung haben in Wien vier Opfereinrichtungen einen V e r t r ä g e m i t
Vertrag mit dem Bundesministerium für Justiz abgeschlossen, um die Auf - d e m B M J
wendungen für die Prozessbegleitung, heißt psychosoziale Unterstützung der
minderjährigen Opfer und deren Bezugspersonen, aber auch die juristi sche Vertretung,
abgegolten zu bekommen.


Diese Einrichtungen sind:
 Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und junge Frauen
 Beratungsstelle Tamar
 Möwe – Kinderschutzzentrum
 Männerberatungsstelle - Wien

Die Begleitungen, bei denen die Kinder- und Jugendanwaltschaft noch als
Koordinationsstelle beigetragen hat, wurden aufgrund des obsoleten Über -
einkommens mit der Anwaltskammer nun mit dem Weissen Ring abge -
rechnet, der einen Vertrag mit dem Justizminister ium hat.
Wie aufmerksame Leser der letzten Jahresberichte sicher mitverfolgt
haben, war in den vorausgegangenen Jahren eine schwerpunktmäßige Ver -
schiebung bei unseren Gerichtsbegleitungen zu beobachten.
                       Einerseits wurden die Begleitungen für Mädchen und junge Frauen durch
                       die oben genannten Opfereinrichtungen sehr umfassend und fachlich erst -
                       klassig abgedeckt, sodass es nicht notwendig war, generelle Angebote für
                       diese Personengruppen aufrechtzuerhalten.
   PB für sehr junge
                       Es wurden daher nur mehr sehr junge Mädchen begleitet, da diese Gruppe
         M ä d c h e n aus der Sicht der Kinder- und Jugendanwaltschaft eine spezielle Befragung
                       von Seiten der Gerichte bräuchte, da sie aufgrund ihres jungen Alters nicht
                       die nötige Aussagefähigkeit besitzen, die für das Gericht von Nöten wäre und
                       es daher meist zu Einstellungen oder Freisprüchen im Zweifel kommt. Auch
                       wurden Mädchen dann begleitet, wenn eine Weitervermittlung nicht verant-
                       wortbar war oder es sich um größere Kontexte gehandelt hat, z.B. weil sie in
                       stationären Einrichtungen untergebracht waren oder die Verdächtigungen
                       im Kontext mit größeren Organisationen in Verbindung standen.
                       Andererseits hat sich, wie schon ausführlich in anderen Jahresberichten
                       dargestellt, die Begleitung bei uns dahingehend entwickelt, dass wir über-
                       proportional mit Buben und Burschen als kindliche Zeugen befasst waren.
                       Auch heuer waren es mehr als 50 % Burschen.


PB für Buben und     Aus dieser Gegebenheit und den damit verbundenen gesammelten Erfah-
       Burschen     rungen in der Begleitung von männlichen kindlichen Zeugen entstand ein
                     Arbeitskreis und in weiterer Folge wurde gemeinsam mit der Männerbera -
                     tungsstelle der Schwerpunkt „Buben- und Burschenprozessbegleitung“
                     installiert.

                     Erfreulich ist, dass nunmehr auch die Männerberatungsstelle einen Vertrag
                     mit dem Justizministerium erhielt, der die Abrechnung der Aufwen dungen
                     möglich macht.
                     Somit wird sich auch dieser Schwerpunkt mehr und mehr dorthin verlagern
                     und die Kinder- und Jugendanwaltschaft wird nur mehr für Spezialfälle
                     zuständig sein.

                     Wie bisher haben wir uns auch heuer sehr für die Weiterentwicklung von
                     notwendigen fachlichen Standards stark gemacht und auch unsere tatkräf -
                     tige Unterstützung angeboten, z.B. bei den kontinuierlichen Treffen der
                     RechtsanwältInnen und psychosozialen ProzessbegleiterInnen, wir haben
                     Fortbildungen und Fachtagungen angeboten und organisiert.


                     Eine neue Entwicklung, die auch durch die Statistik deutlich wird, möch ten
                     wir nicht unerwähnt lassen: Wir haben heuer doppelt so viele Burschen
                     begleitet, die von physischer Gewalt betroffen waren. Hauptsächlich wur -
                     den sie Opfer von Überfällen durch andere Jugendliche, einerseits im Zuge
                     von Handyraub, andererseits aber auch einfach „Spaß halber“ niederge -
                     schlagen.

                     Diese männlichen Opfer sind in der allgemeinen Opferstatistik der Krimi -
                     nalpolizei nicht unbedeutend, jedoch finden sie selten zur Prozessbeglei -
                     tung.
Da wir in der konkreten Begleitung beobachten, dass diese Burschen oft O p f e r s i n d stark
t r a u m a t i s i e r t und eingeschüchtert sind, ist es sicher wichtig, das t r a u m a t i s i e r t Angebot
Prozessbegleitung noch auszubauen. Andererseits muss aber auch stärkere und zielgerichtete
Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden, für die Problematik der vielen unbeg leiteten, auch oft
nicht einmal zur Anzeige gebrachten Vorfälle.
Dieser Punkt betrifft den heiklen Bereich, dass B u b e n / B u r s c h e n ein spezi-
elles E m p o w e r m e n t brauchen, um mit Aggression anders umzugehen und
bei Opfererfahrungen auch den Mut und die Zivilcourage zu haben, diese
Vorfälle zu melden.

Zum Abschluss bedankt sich die Kinder - und Jugendanwaltschaft bei
all unseren KooperationspartnerInnen, namentlich den zum Glück
nicht mehr ehrenamtlich tätigen RechtsanwältInnen:
Frau Dr. Günther, Frau Dr. Iro, Frau Mag. Plaz, Frau Mag. Scheed,
Frau Mag. Schrenk, Frau Mag. Vana Kowarzik, Frau Mag. Witt-Petsch,
Herr Dr. Graupner, Herr Dr. Harrich, Herr Mag. Lang,
Herr Dr. Prohaska,
vertretend für den Weissen Ring: Frau Mag. Gammer und
Herr Prof. Dr. Jesionek
STATISTIK PROZESSBEGLEITUNG 2007
             Fälle:                                        20


                                   davon unter 7 Jahren 4


                                   Gewalt sexuell                                   15 1
             Betroffene:           psychisch              8
                                                          24
                                   physisch
                                                          11
              - davon eine Mehrfachnennung                13
                                                            4
                                                           19




             Verfahrensstand:



                                   Verurteilung             9
                                   Freispruch               0
                                   Einstellung              6
                                   offen (laufend)          3




                                   innerhalb d. F a m       4
                                   außerhalb d. F a m       17




             NOTWENDIGE VERÄNDERUNG DER
             GERICHTLICHEN BEFRAGUNGSPRAXIS
             für kleine Kinder beim Verdacht des sexuellen Kindesmissbrauchs

             Im Rahmen der Tätigkeit in der Soforthilfe der Kinder - und Jugendanwalt-
             schaft und der Prozessbegleitung fällt auf, dass bei unter 6jährigen kindli -
             chen Z e u g I n n e n fast alle Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem
             Verdacht des sexuellen Kindesmissbrauchs eingestellt werden. Zahlreiche
             Einrichtungen sowohl in Wien als auch im gesamten Bundesgebiet berich-
             ten von ähnlichen Beobachtungen.


              Diese Tatsache verlangt nach einer differenzierten Auseinandersetzung mit
              dem Thema und der damit verbundenen Vernehmung im Zusammenhang
mit besonders jungen kindlichen ZeugInnen bei der gerichtlichen Klärung
der Frage, ob ein Kind von sexuellen Übergriffen betroffen gewesen ist oder
nicht.
Frau Mag. Monika Korber hat sich mit dieser komplexen Problematik
befasst und ein Konzept entwickelt, das eine Änderung der Befragungspraxis
für sehr junge kindliche ZeugInnen im Rahmen von Gerichtsverfahren
vorsieht.

Zur Problematik muss festgehalten werden, dass das geringe Alter und die
damit verbundene verbal eingeschränkte Ausdrucksfähigkeit per se keinen
Ausschluss eines kleinen Kindes als Zeuge in einem Gerichtsverfahren dar-
stellen können. Zu diesem Ergebnis kommen auch zahlreiche ExpertInnen
(vgl. Vortrag von Lamers-Winkelman im Justizministerium, 2005).


Nun, die überwiegende Mehrheit der Gutachten über kleine Kinder, die von Problem:
österreichischen Gerichten in Auftrag gegeben werden, kommen jedoch zu Aussageglaub-
der Schlussfolgerung, dass die Aussagetüchtigkeit und die Aussageglaub - würdigkeit
würdigkeit des/der kindlichen ZeugIn nicht gegeben sei. In fast allen Fällen
folgt die richterliche Entscheidung dem Gutachten und stellt das Ver fahren
ein.
Verkürzt und überspitzt heißt dies: Signale, Symptome, verbale und non-
verbale Versuche von kleinen Kindern ihre diesbezüglichen Erfahrungen
auszudrücken, auf Grund ihres jungen Alters werden nicht ernst genom-
men. In weiterer Folge bedeutet dies, dass sexuelle Übergriffe auf kleine
Kinder rechtlich ohne entsprechende Konsequenzen bleiben.


Die derzeitigen Befragungsbedingungen bei Gericht wurden zwar durch die nicht nur verbale
kontradiktorische Befragung bereits stark verbessert, ist jedoch für kleine Aussagen der K I n d e r
Kinder noch nicht angemessen. Die nötigen Voraussetzungen sind dringend berücksichtigen
zu schaffen, wenn kleinen Kinder überhaupt erst ermöglicht wer-den soll,
eine Aussage zu treffen (Lamers-Winkelman, 2007).
Zudem bedarf die Einvernahme von jungen Kindern und die Beurteilung
ihrer Aussagen dafür besonders geeigneter Persönlichkeiten. Sie sollen
neben den theoretischen Kenntnissen vor allem praktische berufliche
Erfahrung im Umgang mit jungen Kindern haben.
Diese geeignete Persönlichkeit hat nach William Stern (bereits 1931!) fol-
gende Voraussetzungen mitzubringen (in Lamers-Winkelman, 2007, S.39):

   solle gut ausgebildet sein                                                  Sachverständige(r)
   viel praktische Erfahrung mit jungen Kindern haben                          sollte:
   mitten in der (Kinder-)Praxis stehen
   sie solle die Besonderheiten der Entwicklung von Kindern beurteilen
    können
   ausführliche Kenntnis in Bezug auf die Literatur über Kinder als Opfer
    und Zeugen haben
   sie soll gelernt haben, auch die forensischen Aspekte im Auge zu behalten
   Verständnis für das Seelenleben des Kindes haben
   und ein besonderes Maß an Geschicklichkeit und Takt besitzen
72                                                                                          KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




                        Im Folgenden sind die von Frau Dr. Lamers-Winkelman ihrem Vortrag
                        (2005) empfohlenen Kriterien für eine qualifizierte und sorgfältige Einver -
                        nahme von Kleinkindern angeführt:

        Kritierienzur •         Fernhalten allen überflüssigen Formalismus
         Einvernahme •          individualisiertes Eingehen auf die Eigenheit des Kindes
                         •      Ermunterung zu spontanen Berichten
                         •      bewusste Vermeidung suggestiver Einflüsse und Fragestellungen
                         •      in einer ungezwungenen, nicht beängstigenden Situation
                                   •       möglichst bald nach dem Erlebnis / den
                                                                      Erlebnissen
                         •      keine Drohungen oder Versprechungen
                        • kein Fragezwang: unter Fragezwang entstehen oft Ja- und Nein-Antwor-
                           ten, die möglicherweise Konstatierungen vortäuschen, aber in Wirklich-
                           keit nur der Ausdruck von Wünschen und Ängsten, Abwehr, Geistesab -
                           wesenheit oder Gleichgültigkeit sein können
                        • Niemals mehrere Fragen zugleich stellen: man weiß dann nicht, auf wel -
                           che Fragen das Kind antwortet
                         •      Falls der Vernehmende (Gutachter) ein Kind einer Lüge überführt
                         hat, so
                           darf er nicht alles, was das Kind gesagt hat, für unwahr ansehen
                         •      Die positiven Leistungen wie die Mängel und Grenzen der
                         kindlichen
                            Erinnerungsfähigkeit soll durch eine hierzu besonders geeignete Persön-
                           lichkeit erfolgen (s.o.)
                        • Das forensische oder klinische Interview soll immer auf Video aufge -
                           nommen werden

                      Sie betont auch:
  „Da also von einem Mangel anderer gerichtlicher Beweise ausge gangen werden muss, ist
                                               die kindliche Aussage bzw. das Verstehen
     internationaler der vom Kind ausgehenden ( n o n v e r b a l e n ) Signale zur Annäherung
Erfahrungsaustausch an die Wahrheit unabdingbar.“

                        Ausblick: Die konkrete Umsetzung des oben erwähnten Konzepts wurde
                        bereits mit ExpertInnen aus dem Bereich der Justiz erörtert und soll so bald
                        wie möglich im Sinne des Rechtes kleiner Kinder auf Schutz realisiert
                        werden.

                        Recherche und professioneller Austausch mit ExpertInnen auf internatio-
                        naler Ebene (u.a. England, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Polen)
                        haben dazu hilfreiche Anregungen gegeben. Der besondere Dank dafür gilt
                        Frau Dr. Lamers-Winkelman vom Traumazentrum in Haarlem in den Nie-
                        derlanden sowie an Frau Dr. Dekens und Herrn Mulder, Polizei Dienst Cen-
                        trale in Amsterdam und Frau Dr. Eggler aus der Schweiz für Beratung und
                        Unterstützung!

                        Korber, M. (2007). Scheidung und sexueller Missbrauch, Gutachten aus psychotherapeutischer
                        Sicht. In: Begutachtung von Kindern nach sexueller Misshandlung. Schriftenreihe des Bun -
                        desministeriums für Justiz – Band 130. n w v . S. 67-74
                        L a m e r s - W i n k e l m a n , F (2007). Kleine Kinder: Prinzipien und praktische Probleme in der Ver-
                        dachtsbeurteilung. In: Begutachtung von Kindern nach sexueller Misshandlung. Schriftenrei he
                        des Bundesministeriums für Justiz – Band 130. n w v . S. 37-49
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                 73




ABTEILUNG FÜR KINDER- UND
JUGENDLICHENPSYCHOTHERAPIE

An der Sigmund Freud Privat-Universität besteht ein Schwerpunkt für Kin- Sigmund Freud
der- und Jugendlichenpsychotherapie, der sich einerseits aus einem spezi- Universität
ellen Betreuungsangebot in Form einer Ambulanz zusammensetzt, anderer seits aus einem
Weiterbildungsangebot für Angehörige verschiedener Pro fessionen, die mit Kindern
arbeiten. Den dritten Teil des Schwerpunktes bildet die wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit aktuellen Themen.



  Die psychotherapeutische Ambulanz für Kinder und Jugendliche
Aktuellen Untersuchungen zufolge leiden mehr als zehn Prozent der Kinder
im Volksschulalter an psychischen Problemen, geht jeder fünfte Jugendli -
che während seiner Pubertät durch eine psychische Krise.
Medien melden einen heftigen Anstieg von Schulängsten, Lehrer geraten in
die Überforderungsfalle in der Erfüllung ihres Bildungsauftra gs ob der
zunehmenden Zahl der „verhaltenskreativen“ Kinder. Der Arbeitsplatz des
Kindes, die Schule, unterliegt einem enormen Wandel. Seit PISA steht die      Arbeitsplatz
Schule unter einem vermehrten internationalen Konkurrenzdruck. Lern - und     „Schule“ hat sich
Verhaltensstörungen von Kindern sind der häufigste Grund, warum Eltern        geändert
professionelle Hilfe suchen. Die psychotherapeutische Versorgung von
Kindern und Jugendlichen und deren Eltern hinkt jedoch dem Bedarf weit
nach. Die psychotherapeutische Ambulanz der SFU ist mittlerweile die
größte Psychotherapie-Ambulanz in Wien. In der Ambulanz für Kinder-
und Jugendlichenpsychotherapie, die im Herbst 2006 ihren Betrieb              psychotherapeu-
aufnahm, werden junge Menschen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr             tische Ambulanz
psychodiagnostisch untersucht und psychotherapeutisch behandelt. Die          notwendig
Vorstellungsgründe sind vielfältig: Ängste, Depressionen, Zwänge,
psychosomatische     Beschwerden, Störungen des           Sozialverhaltens,
Aufmerksamkeitsstörungen,       Süchte,     Essstörungen,      Schulangst,
Schulversagen, selbstverletzendes Verhalten waren die häufigsten
Vorstellungsgründe im vergangenen Jahr.


Die Ambulanz bietet sowohl klinisch-psychologische Diagnostik als auch
Psychotherapie an. Da in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie die
klinisch-psychologische Diagnostik Voraussetzung für die Kostenübernah-
me oder Teilrefundierung der psychotherapeutischen Behandlung ist, wird Diagnostik jedes
Kind/jeder Jugendliche zuerst klinisch-psychologisch untersucht. Je und Therapie nach
Vorstellungsgrund werden dazu nach der Anamneseerhebung Leistungstests, Intelligenztest,
Untersuchung auf Teilleistungsschwächen, Persönlichkeits- und projektive Tests durchgeführt.
Je nach Untersuchungsergebnis wird im Anschluss daran die entsprechende Hilfestellung
angeboten.

  Es ist Ziel der Ambulanz sowohl die Lebenswelt und die Probleme der Kin -der und Jugendlichen zu
                                                    erfassen und psychotherapeutische Behandlung
                                                                   Psychotherapie:

                                                                       -     des Kindes
                                                                       -     der Eltern
                                                                     -
                                         klinisch-                 Beratung
                                          klinisch-
                                psychologische
                                     psychologische
    Zuweisung                                                      Psychoedukation
                                    Diagnostik
                                         Diagnostik

Kinderarzt                                                         ……
K i n d er-
psych iater
                                                                  Psychotherapeut
Psych iater
                      bewilligungsfrei


Neurologe
Internist                                                             anzubieten, als auch das System, in
                                                                      dem     das     Kind    lebt,   mit
                                       Arzt für                       einzubeziehen. Es ergeben sie
                  bewilligungs         A l l g e m e i n m e d i zi n daraus                 verschiedene
                    p flicht ig
                                                                      Arbeitssettings,   die    von    der
                     Einzelarbeit mit dem Kind oder der/dem Jugendlichen mit begleitender
                     Beratung der Bezugspersonen, über Familientherapie, Einzelarbeit mit
                     den        Eltern     bzw.            nahen      Bezugspersonen,        Paartherapie,
                     Gruppenpsychotherapie bis zur Erziehungsberatung reichen.
                      Im Ambulanzteam arbeiten Angehörige verschiedener psychotherapeuti -
                      scher Schulen.
                      Durch die Mitarbeit der Studierenden höherer Semester, die ihre Praxis-
                      stunden unter fachlicher Begleitung an der Ambulanz absolvieren, kann die
                      Versorgungskapazität laufend beträchtlich erweitert werden.

                      Die SFU-Ambulanz ist zudem eine vom Gesundheitsministerium anerkann -
                      te Praktikumseinrichtung sowohl für das Psychotherapeutische Propädeu-
                      tikum als auch für das Psychotherapeutische Fachspezifikum.



                      Das Weiterbildungsangebot


     Vertiefung bei   Das Angebot richtet sich mit einem Masterlehrgang für Kinder- und
   Fragestellungen    Jugendlichenpsychotherapie und einem Weiterbildungslehrgang für Säug-
                      lingspsychotherapie einerseits speziell an PsychotherapeutInnen, anderer-
                      seits mit Diplomkursen für Baby Care, für Beratung von Kindern, Jugend-
                      lichen und Eltern, für Kinderschutz und für Beratung zur kognitiven Ent-
                      wicklungsförderung auch an andere Professionen, die Interesse an der
                      Vertiefung in speziellen Fragestellungen haben.
,Forschung

Für Kinder und Jugendliche, die mit der Verdachtsdiagnose: Aufmerksam-
keitsstörung/ Hyperaktivität (ADS bzw. ADHS) vorgestellt werden, steht
eine eigene Forschungsambulanz zur Verfügung, die in Kooperation mit der
Universitätsklinik für Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters Wien, der
interdisziplinären kinderpsychiatrischen und psychosomatischen Tages-
klinik in Wien und der kinderpsychiatrischen Abteilung des Klinikum
Mostviertel – Amstetten-Mauer geführt wird.

Eine Untersuchung zum Thema Betreuung von Kleinkindern bis zu drei
Jahren „Kinderkrippe“ läuft gerade – eine Frage, die derzeit auch politisch
diskutiert wird.

Dr. Brigitte Sindelar, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie Dr.
Jutta Fiegl, Vizerektorin
Sigmund Freud PrivatUniversität Wien, 1030 Wien, Schnirchgasse 9a
www.sfu.ac.at;




PSYCHOTHERAPIE

Psychotherapie ist eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin und
Behandlungsmethode und in Österreich seit 1 99 1 durch eine im internatio-
nalen Vergleich vorbildhafte Gesetzgebung verankert.

Psychische Leidenszustände und Verhaltensstörungen können mit Hilfe von
Psychotherapie behandelt, gelindert bzw. geheilt werden. Für alle Versi -
cherten, insbesondere jedoch für von Gewalt betroffene und/oder traumati-
sierte Kinder und Jugendliche sollte kostenlose psychotherapeutische Hilfe
bei Bedarf möglich sein. In einigen Bundesländern wie beispielsweise in
Wien wurde diesbezüglich durch hohes Engagement von Verantwortlichen
erfreulicherweise bereits viel für die psychische gesellschaftliche Gesund heit
erreicht. Eine bundesweite Versorgung aller, die einer psychotherapeu -
tischen Behandlung bedürfen, wird jedoch weiter anzustreben sein.


In Einzelfällen ist es der Kinder- und Jugendanwaltschaft im Ausmaß der
vorhandenen Spendengelder möglich, Psychotherapien für von Gewalt
betroffene Kinder und Jugendliche bei niedergelassenen Psychotherapeu-
tInnen zu organisieren und finanzieren.

Die Statistik wurde anhand folgender Kriterien erstellt:                                   Statistik
 weibliche Betroffene
 Betroffene
 Gewalt
 sexuelle Gewalt
 psychische Gewalt
 Alter
Im vergangenen Berichtsjahr konnten von der Soforthilfe der Kinder - und
Jugendanwaltschaft insgesamt für 14 Kinder und Jugendliche eine psy -
chotherapeutische Behandlung bei frei niedergelassenen und in die Liste
des Gesundheitsministeriums eingetragenen PsychotherapeutInnen orga-
nisiert und finanziert werden.

Geschlecht:  8 Mädchen 6              57 % 43
            Buben                          %

            Gewaltformen:

Es fällt auf, dass im Vergleich zu den vorhergehenden Berichtszeiträumen
weniger Kinder an sexueller Gewalt litten. Allerdings können daraus keine
Schlussfolgerungen abgeleitet werden, weil in der Statistik lediglich jene
Gewaltform aufscheint, der das betroffene Kind überwiegend ausgesetzt
war. Einige Kinder mussten alle drei Gewaltformen erleiden.
physische Gewalt              14 %
sexuelle Gewalt               22 %
psychische Gewalt             64 %

Alter:
Die Altersstruktur der betroffenen Kinder sieht wie folgt aus:


Kinder:                                                          36 % 64 %
Jugendliche

An dieser Stelle sei besonders allen SpenderInnen herzlich gedankt, und
auch den engagierten PsychotherapeutInnen, SozialarbeiterInnen und -
pädagogInnen und anderen Professionen des Helfersystems, die besonders
bei multidimensionalen Problemen der Kinder und Jugendlichen viel Zeit
in Kooperation und Organisation investiert haben.
AUßERFAMILIÄRE BETREUUNG VON
KINDERN UND JUGENDLICHEN AUS EINEM
PSYCHOTHERAPEUTISCHEN
SYSTEMISCHEN BLICKWINKEL
M a g a Monika Korber
(Vortrag vom 4. Nov. 2006 im Rahmen der 8. wissenschaftliche Tagung der Österreichischen
Gesellschaft für interdisziplinäre Familienforschung: Erstveröffentlichung im gleichnamigen
Bericht zur Tagung)



Adäquate außerfamiliäre Betreuungsformen für Kinder und Jugendliche
sind eine komplexe Angelegenheit. Es geht um nichts weniger als um
Lebensqualität von jungen Menschen, die bereits psychisch und/oder phy-
sisch Gewalt erlitten haben und oft auch traumatisiert wurden.


Dabei stehen folgende zentrale handlungsleitende Fragen im Vordergrund,
die ebenfalls im Tagungsprogramm der ÖGIF – promente gestellt werden:
  „Wie kann für die Kinder in einem ganzheitlichen Sinn gesorgt werden?
 Wie kann das Verhalten von Kindern und Jugendlichen angemessen
  interpretiert werden und welche Schlussfolgerungen werden daraus
  gezogen?
 Entscheidungen und Maßnahmen helfen den Kindern, die ohnehin kri -
  senhaften Lebenssituationen zu überwinden?

Vorerst eine Begriffsklärung: Der Begriff „System“ hat zahlreiche unter - B e g r i f f „ S y s t e m “
schiedliche Definitionen erfahren. Was genau im Einzelfall als System angesehen wird und wo
dann dementsprechend die Grenze zur Umwelt gezogen wird, ist ebenfalls eine Frage der
Definition (Stierlin, Simon). In diesem Vortrag wird unter systemischer Betrachtungsweise in
erster Linie darauf fokussiert, dass Kinder und Jugendliche und deren Problema tiken und
Verhalten nicht losgelöst von dem jeweiligen Kontext gesehen und darau s Schlüsse abgeleitet
werden können. Dies würde zwangsläufig zu Fehlinterpretationen führen.


Nun sollen ein paar Gedanken, die sich an internationalen Theoretikern und
Praktikern orientieren, einen kurzen Eindruck über „Systemische
Denkweisen“ vermitteln:

 Luhmann stellt die Gesellschaft als soziales System dem biologischen
  System (Leben) und dem psychischen System (Bewusstsein) gegenüber.
 Maturana sieht autopoietische (selbsterzeugende) Systeme trotz der
  Annahme ihrer operationalen Abgeschlossenheit nicht von ihrer Umwelt
  und deren Struktur unabhängig, sondern in deiner strukturellen Koppe -
  lung mit ihr (Kriz).
                  Ludewig versteht Systeme als kommunikative Konstrukte und gibt
                  sozialen Phänomenen und der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit
                  viel Raum. Das bedeutet, dass Sinn, Sprache und Dialog dabei besondere
                  Bedeutung erlangen. Unter diesen Gesichtspunkten wird die Frage nach
                  dem Wie eines problematisierten Handlungsablaufes wichtiger als die
                  Frage nach dem Warum.


              Systemisches Denken und Handeln zielt auch auf Veränderung von Kom-
              munikationsstrukturen ab und betrachtet das Problem im Hinblick auf
              Lösungsstrategien aus einem anderen Blickwinkel.

              Ein Beispiel aus der Praxis soll dies veranschaulichen: Wenn über die
              Eltern bzw. über das Familiensystem eines Kindes in einer sozialpädagogi-
              schen Einrichtung im Team einer Wohngemeinschaft bei der wöchentli chen
              Sitzung gesprochen wird, geschieht dies häufig defizitorientiert. Hier könnte
              jedoch wertschätzend, auf eine Weise diskutiert werden, als ob die
              Betreffenden anwesend wären, ohne dabei die Schwächen und Realitäten
              des betroffenen Familiensystems zu verharmlosen.


              Ein anderes Beispiel: Eine Mutter, die täglich in der Wohngemeinschaft
              anruft, um sich über ihr Kind zu erkundigen und die betreffende Sozial-
              pädagogin als Konkurrenz erlebt, kann als lästige nervende Person, aber
              auch als besonders interessierte Mutter gesehen werden, die versucht einen
              Teil der Verantwortung ihrer Rolle wieder zu übernehmen. Wenn die zweite
              hier angeführte Variante, das sogenannte Reframing, ernsthaft in das
              Telefongespräch und in die innere Haltung der Sozialpädagogin mit
              einfließt, könnten konkrete positive Auswirkungen in der Kommunikation
              und im Miteinander zwischen Mutter und Wohngemeinschaft für alle
              Beteiligten spürbar werden.


              A
 Merkmale In der Folge werden einige wenige spezifische Merkmale, die Systeme
für Systeme aufweisen, angeführt:

              1. Allgemein sind Systeme charakterisiert durch geordnete Strukturen
                 und Prozesse.
              2. Die Ganzheit: Aus systemischer Sicht bestimmt die Dynamik des
                Ganzen die Eigenschaften der Teile. Das Ganze ist primär. Die Teile sind
                so mit-einander verbunden, dass eine Änderung in einem Teil, eine
                Änderung in allen Teilen und damit dem ganzen System bedingt:

     Praxis Dies soll wiederum ein Beispiel aus der Praxis veranschaulichen:
              In einer Wohngemeinschaft kann die sozialpädagogische Betreuung von
              teilweise sich sehr aggressiv verhaltenden Kindern im Alter von 7 bis 1 3
              Jahren, die aus schwierigsten von Gewalt geprägten Lebenssituationen
              kommen, von den SozialpädagogInnen im Wechseldienst mit engagiertem
              Einsatz gerade noch bewältigt werden. Es haben auch gewaltsame Über -
              griffe unter den Kindern stattgefunden. Die entstandene Gruppendynamik
bringt die SozialpädagogInnen an ihre professionellen und persönlichen
Grenzen.
Nun erkrankt in dieser bereits angespannten Situation ein Sozialpädago ge,
ein anderer hat gekündigt, weil die beruflichen Belastungen seiner
Gesundheit zu sehr schaden. Außerdem will/muss er verständlicherweise
den Urlaubsrückstand konsumieren. Weiters sollten bereits seit über einem
Jahr notwendige Fortbildungen zum Umgang mit sexuellen Über -griffen
unter Kindern besucht werden. Die nötige fachliche Weiterbildung wird auf
Grund des Personalmangels ein weiteres Mal verschoben. Die
körperlichen und psychischen Belastungen für die einzelnen Sozial -
pädagoginnen und die gesamte Wohngemeinschaft nehmen aufgrund per -
soneller Unterbesetzung zu.


Nun würde die Änderung eines Teiles dieses beschriebenen Systems, zB
mehr zur Verfügung gestellte Personalressourcen, eine Auswirkung auf
alle Teile bewirken und die angespannte Situationen merklich entlasten.
Dies hätte einen positiven Einfluss auf die Psychohygiene der professio -
nellen Betreuerinnen. Die individuelle Befassung mit den Problematiken
der außerfamiliär betreuten Kinder und Jugendlichen könnte mehr Raum
einnehmen. Dies wiederum würde sich auf die gesamte Gruppendynamik
der sozialpädagogischen Einrichtung konstruktiv auswirken.


3. D i e R e g u l i e r u n g e n :
 Positive Feedbacks zielen auf eine Veränderung des Systems.
 Negative Feedbacks zielen auf eine Stabilisierung des Systems.

Tägliche Weckrituale in Sozialpädagogischen Einrichtungen, haben sinn -
vollerweise meist das Ziel, Jugendlichen das morgendliche Aufstehen für
einen regelmäßigen Schulbesuch, Arbeit, Arbeitssuche etc. zu erleichtern.
Wenn das Ziel „früh-aufstehen“ nicht erreicht wird, zeigt sich oft eine
Stabilisierung des Systems in seiner Ohnmacht, das subjektive Hilflosig-
keitsgefühl der BetreuerInnen verstärkt sich. Diese unerwünschte Stabili-
sierung wird oft durch ein„mehr-vom-selben“-Handeln hervorgerufen und
bedingt eine negative Feedbackschleife (zB öfter Wecken, früher mit dem
Wecken beginnen, lauter, etc.).


„Systemisch“ könnte in diesem Zusammenhang auch bedeuten: Angemes-
sen ungewöhnlich zu denken, kommunizieren und handeln. Nach dem
Motto „Versuche was anderes, statt mehr vom selben“.


Positives Feedback kann sich beispielsweise so auswirken: Im Team
berichtet eine Sozialpädagogin den KollegInnen, dass der vergangene Tag in
der Wohngemeinschaft ausnahmsweise mit der ansonsten alle Regeln
sprengenden Laura besonders angenehm war. Die Jugendliche habe über
sehr Persönliches gesprochen, wäre für Perspektiven zugänglich gewesen.
Die Arbeit mit dem Mädchen wäre so richtig schön und berührend gewe -
sen. Diese Rückmeldung gibt wiederum den anderen SozialpädagogInnen
Hoffnung und auch Motivation in Bezug auf die betreffende Jugendliche.
                         B
systemisches   Denken Nun möchte ich zwei von zahlreichen s y s t e m i s c h orientierten psycho-
                       therapeutischen Ansätzen erwähnen, die auf Gregory Batesons Erkennt-
                       nissen gründen. Bateson wird ein großer Anteil am Paradigmenwechsel -
                       vom geradlinigen Ursache-Wirkungs-Denken zum systemischen Denken –
                       zugeschrieben.


                         1. Der Ansatz des Mental Research Institutes (Watzlawick u.a., Weak-
                           land, Fisch):
                           Er fokussiert das Problem und die es aufrecht erhaltenden Muster des
                           Denkens, Fühlens und Handelns.
                           Anhand des folgenden Beispiels soll dies verständlicher werden:
                           Es geht um die Aufnahme eines besonders auffällligen gewaltbereiten
                           Jugendlichen in eine Kriseneinrichtung. Ein Teil der Lebensgeschichte
                           wird der Einrichtung notwendiger- und sinnvollerweise in standardi-
                           sierter Form übermittelt bzw. wird von den BetreuerInnen aktiv erhoben.
                           Schriftliche Berichte, Gutachten, teilweise mündliche Informationen,
                           Stichworte am Telefon u.v.m. Die betreuende Sozialpädagogin begegnet
                           dem „neuen“ Jugendlichen beim ersten Zusammentreffen mit einer
                           bestimmten Vorstellung, die in ihr aufgrund der Vorinformationen ent-
                           standen ist.

                             Hier ist nun besondere Professionalität und Differenzierung angebracht,
                             um nicht durch Vorinformation, ev. Fehlannahmen, ein Verhalten zeigen
                             und so zur Problemerhaltung bei den Kindern und Jugendlichen beizu -
                             tragen. Es macht für die Qualität der Begegnung und der in der Folge ev.
                             entstehenden Beziehung zwischen BetreuerIn und Jugendlichen einen
                             Unterschied, ob dem Jugendliche ohne hinderliche Vorurteile begegnet
                             werden kann, ohne dabei jedoch notwendige Maßnahmen zu vernachläs -
                             sigen.


                         2. Einen weiteren systemischen psychotherapeutischen Ansatz stellt das
                           M i l w a u k e e Modell dar:
                           Dieses ist konsequent lösungsorientiert. Ein Ziel wird konkretisiert und
                           „Ausnahmen“ bzw. problemfreie Zeiten, Kontexte erfragt. Bereits vor -
                           handene Erfahrungen von Veränderung werden als Lösungsansatz
                           genutzt.
                             Dazu wiederum ein Beispiel: Anna, 15 Jahre alt, zeigt sich gegen Betreue-
                             rInnen und jugendliche MitbewohnerInnen sehr aggressiv. Dabei fällt
                             auf, dass sie die verbale und körperliche Gewaltbereitschaft besonders
                             stark auslebt, jedes Mal nachdem sie bei ihrer Mutter zu Besuch war.
                             Wenn sie hingegen am Wochenende bei der Großmutter übernachtet,
                             wirkt sie am darauffolgenden Tag meist ausgeglichener. Diese Beobach -
                             tung leiten die SozialpädagogInnen der die Jugendliche behandelnden
                             Psychotherapeutin weiter, damit in der Therapie damit gearbeitet wer -
                             den kann.


                         3. In der systemischen Therapie können Beziehungssysteme um Bedeu-
                           tungssysteme, erweitert werden, zB um
   das Problemsystem: Dazu zählen jene Personen, die miteinander ein
  Problem haben, das sie verändern wollen.

 In einer therapeutische Einheit kann dann versucht werden, den Res -
 sourcen auf die Spur zu gehen und Potentiale zu finden, um passende
 Lösungen zu entwickeln. Dabei handelt es sich dann um
  ein Ressourcensystem und
  ein Zielsystem.

Der Gewinn der oben angeführten Denk- und Handlungsweise liegt darin,
dass das Einbeziehen anderer Systemmitglieder eine Erweiterung des
Problem- und Lösungssystems ermöglicht, weil diese durch hypothetische,
zirkuläre Fragen u.a. aktiv und konstruktiv am Prozess beteiligt w erden.
Das bedeutet, es werden Sichtweisen von Jugendlichen und
Bezugspersonen eingeholt, die das Lösungssystem erweitern können. Viel -
leicht findet sich dabei eine Information für HelferInnen, wie beispiels-
weise die Folgende: „Bitte nicht auf diese Weise helfen, es ist so schon
schwer genug.“


Die Gratwanderung in diesem Spannungsverhältnis zwischen Nähe und
Distanz ist im beschriebenen helfenden Prozess besonders relevant, da
die Hilfe bei der außerfamiliären Betreuung von Kindern und Jugendli-
chen weitreichend in das Privatleben der KlientInnen eingreift.
Die SozialpädagogInnen befinden sich zwischen dem eigenen Anspruch an S y s t e m „ F a m i l i e “
die Familie des betroffenen Kindes, sich zu ändern und den Verände -
rungsvorstellungen der Eltern, wie diese sich die Zukunft der Familie vor -
stellen, über welche Ressourcen sie verfügen oder eben nicht verfügen.
Auch eine Vereinnahmung der SozialpädagogInnen durch die Familie ist
nicht selten der Fall.


Eine respektvolle Haltung gegenüber den KlientInnen, eine ressourcenori-
entierte Sichtweise, ohne zu verharmlosen und Zutrauen in die eigenen
professionellen und persönlichen Kräfte, in diesen Faktoren sieht auch die
deutsche Wissenschafterin und Praktikerin Marie-Luise Conen ein Mittel
gegen zunehmende Unzufriedenheit im sozialpädagogischen Feld



Eine adäquate qualifizierte Ausbildung der SozialpädagogInnen sowie
vorbildliche Standards für sozialpädagogische Einrichtungen sind selbst -
verständlich wichtige Bestandteile im Zusammenhang mit der außerfami-
liären Betreuung von Kindern und Jugendlichen. Es bedarf meines Erach-
tens jedoch auch eines klaren Konzeptes, um angemessene, individuelle
Betreuungen der bedürftigen, manchmal traumatisierten Kinder zu sichern.
Allerdings können auch hervorragende Konzepte Platz- und Per-
sonalmängel nicht kompensieren. Zudem muss angemerkt werden, dass die
ausgesprochen niedrige Entlohnung für SozialpädagogInnen der großen
Verantwortung dieser Profession nicht gerecht wird und sich län gerfristig
auch demotivierend auswirken kann. Die damit verbundenen
Konsequenzen müssen auch die außerfamiliär betreuten Kinder tragen.
                    Es ist nicht nur in Fachkreisen bekannt, dass eine gesunde stabile Bin -
                    dung zwischen Kind und Bezugsperson(en), für das Kind wichtig ist, um
                    schwierige Lebenssituationen zu überwinden und zu bewältigen. Diese
                    stabile Bindung zwischen Kind und SozialpädagogIn kann sich in vielen
Bindungsqualität sozialpädagogischen Einrichtungen aufgrund teilweise sehr belastender

     entscheidet Arbeitsbedingungen meist nicht ausreichend entwickeln. Wenn dann ein zelne
                   Kinder/Jugendliche, mit besonders ausgeprägtem defizitärem Sozi-
                   alverhalten und einer hohen Gewaltbereitschaft, in eine Wohngemein -
                   schaft bzw. Kriseneinrichtung kommen, verschlimmert sich die Gruppen-
                   situation. Gerade auf Grund der problematischen Vorgeschichten der
                   betreuten Kinder und Jugendlichen kommt es in diesem Kontext dann
                   häufig zu Eskalationen.

                    Bei der außerfamiliären Betreuung von Kindern und Jugendlichen geht es
                    um junge Menschen, die durch ihre schwierigen oft gewaltvollen Leben -
                    sumstände besondere Zuwendung brauchen und Zukunftsperspektiven
                    benötigen. Wenn die Investitionen dafür aufgrund von kurzfristigen öko -
                    nomischen Überlegungen nicht getätigt werden, könnten langfristig gese -
                    hen, gesellschaftliche Konsequenzen die Folge sein, die mit hohen Kosten
                    verbunden sind. Um diese gesellschaftspolitischen Fragen zu konfrontie ren
                    und manche vorherrschenden Paradigmen in Frage zu stellen, ist jedoch
                    Engagement und zumindest teilweise systemisches Denken und Handeln
                    von allen Verantwortlichen gefordert. Weiters ist dazu ein koor diniertes
                    Miteinander von politisch und fachlich Verantwortlichen not -wendig.

   Mut zu neuem Da die Systemische Theorie oft auf Humberto Maturana zurückgreift,
         Denken schließe ich die Ausführungen sinngemäß mit einer seiner Anregungen:
                Er fordert Menschen auf, sich neue Denkgewohnheiten anzueignen – den
                Mut und die Offenheit zu haben, von alten hinderlichen Denkmustern
                Abschied zu nehmen und neue Methoden zu entwickeln.


                    Hierin liegt mE viel Potential für Verbesserungen, für die Realisierung
                    sinnvoller neuer Konzepte sowie für den Ausbau bereits bestehender
                    funktionierender Wege für die außerfamiliäre Betreuung von Kindern und
                    Jugendlichen. Dies wäre eine wertvolle gesellschaftspolitische Inve -
                    stition.

                    Literatur:
                     Bateson G (1994): Ökologie des Geistes. Suhrkamp: Frankfurt am Main
                     Graßl W, Romer R, Vierzigmann (2000): Mit Struktur und Geborgenheit. In: Sozialpädagogi-
                       sches Institut im SOS-Kinderdorf (Hg). Heimerziehung aus Kindersicht. Eigenverlag. Mün-
                       chen. (S. 40-61)
                     Hagmann T, Simmen R (Hg) (1994): Systemisches Denken und die Heilpädagogik.
                       SZH/SPC:Zürich
                     Kernstock-Redl H (2005): Heilsame Kindergeschichten: öbv & hpt: Wien
                     Kierein, M, Pritz A, Sonneck G (1991): Psychologengesetz, Psychotherapiegesetz. Wien: Orac
                     Klammer G, Klar S (2000) in: Pritz A, Stumm G (2000): Wörterbuch der Psychotherapie: Sprin-
                       ger. Wien. S. 690-691
                     Luhmann N (1984) Soziale Systeme. Suhrkamp. Frankfurt/M.
                     Ludewig K (1992) Sytmeische Therapie. Grundlagen klinischer Theorie und Praxis. Klett-
                       Cotta. Stuttgart
                     Stierlin H, Simon F (1992) Die Sprache der Familientherapie. Klett-Cotta.Stuttgart
JUGENDSCHUTZ - ALKOHOL

Im Berichtszeitraum wurde besonders intensiv – in der Öffentlichkeit und M e d i e n h y p e in
privaten Diskussionen – die Situation von Alkohol konsumierenden Kindern und
Jugendlichen diskutiert.
Nachdem in Deutschland ein Jugendlicher ca. 50 Tequila getrunken hatte
und leider daraufhin gestorben ist, hat sich die Diskussion in Österreich
massiv ausgebreitet. Besonders in den Medien wurde jeder Vorfall von
Jugendlichen berichtet, die sich bis zur Bewusstlosigkeit betrunken haben.


Alle wirklichen und selbsternannten Fachkräfte wurden von den Journali -
sten befragt, wieso und warum bereits Kinder (ab ca. 1 1 – 1 2 Jahren) sich
mittels Alkohol ins Koma trinken.

Es war eine Diskussion, die viele Tatsachen endlich aufgezeigt hat und
auch einige notwendige Lösungsansätze zu Tage gebracht hat. Einerseits
war die Diskussion also notwendig und positiv, andererseits wurde jedoch
oftmals in der Berichterstattung der Eindruck erweckt, dass nun alle 1 2
jährigen aufwärts ausschließlich komatrinken und unbegrenzt Alkohol in
sich hineinschütten.
Insofern war es also nicht einfach von unserer Seite auf die unbefriedigen -
de Situation besonders in Gaststätten (Happy Hours, Kübeltrinkaktionen, 1
Euro Partys etc.) hinzuweisen und andererseits doch klarzustellen, dass
unsere Kinder und Jugendliche nicht überwiegend KomatrinkerInnen sind.

Wie bei so breit diskutierten Themen üblich wurden natü rlich mehrere einzelne oft gehörte
Faktoren miteinander vermischt und in der Darstellung der Situation bzw. Argumente der
Bedingungen vermischt:

 Kinder und Jugendliche trinken immer früher

Tatsächlich wird bestätigt, dass das durchschnittliche Einstiegsalter zum E i n s t i e g s a l t e r
Alkoholkonsum sich vorverlegt hat:
Das Einstiegsalter liegt bei 1 1,9 Jahren

 Jugendliche trinken immer öfter

Einige Zahlen:
 5 % der über 1 6 jährigen (330.000 Personen) in Österreich sind Alkoholiker Mengenkonsum
 Jedes zehnte Kind hat im Alter von 1 1 - 1 3 Jahren bereits Erfahrung
   mit Alkohol
 14 % der 1 3 bis 14 jährigen trinken regelmäßig Alkohol
 mehr als ein Drittel der 16 bis 19jährigen sind pro Woche einmal
  zumindest leicht berauscht
 Nur jeder fünfte Jugendliche trinkt nie Alkohol
                      Aus der Praxis gibt es immer wieder widersprüchliche Meldungen bezüg -
                      lich des Alters: Angefangen von „So arg war es noch nie!“ bis hin zu „Das
                      hat es immer schon gegeben“.
                      Polizei, Sanität, Krankenhäuser wurden befragt und lieferten immer wieder
                      unterschiedliche Berichte.

                       Jugendliche trinken immer mehr und bis zur Bewusstlosigkeit

                    Tatsache ist dass im Jahr 2006 über 1300 Kinder und Jugendliche mit Alko -
                    holvergiftung ins Spital eingeliefert wurden.
        oft falsche Auch hier sind sich ExpertInnen und verschiedene Berufgruppen nicht
       Botschaften einig, ob diese Form des „Bingedrinking“ immer schon verbreitet war oder
                    eine neue Entwicklung darstellt.
                    Es gab Medienberichte mit der Botschaft, bereits jeder vierte Jugendliche
                    sei ein Kampftrinker, was absoluter Schwachsinn ist. Statistiken, wie
                    jede/r dritte Jugendliche hat schon zumindest einmal bis zum Umfallen
                    getrunken sind nichtssagend, da ein Unterschied bes teht zwischen regel-
                    mäßigen Exzessivkonsum und einmaligem Alkoholmissbrauch.


                       Gastwirte schenken ohne Kontrollen aus und sind nur am Geld-
                      verdienen interessiert

                    Skupellose Gastwirte und UnternehmerInnen haben jahrelang an der
                    Situation viel Gelsd verdient, dass Jugendliche die Tendenz haben, wenn es
                    billigen Alkohol gibt, in der Gruppe über die Grenzen zu gehen. Dieses über
     Schwachsinn: die Grenzen gehen ist ein Ausdruck des Jugendalters und ist nicht zu ver -
 Flate Rate-Partys, hindern. Aber UnternehmerInnen aber Jugendlichen durch dies FlateRate-
     1 Euro-Partys Partys, ein Euro Partys etc. die Verfügbarkeit von billigem Alkohol zu leicht
                    gemacht und tragen an dieser Entwicklung eine Hauptschuld. Derzeit sind
                    aber diese Veranstaltungen aufgrund des schlechten Image, das durch den
                    Medienhype aufgebaut wurde, sehr stark zurückgegangen.

                      Auch hat sich die Wirtschaftskammer letztendlich für den Jugendschutz
                      stark gemacht und hat ihre Betriebe unter Druck gesetzt.

                       Eltern kümmern sich immer weniger um den Alkoholkonsum der
                      Kinder



                     Man benötigt keine wissenschaftlichen Daten um zu wissen: Die Zeitspan -
                           ne, die Eltern mit Gesprächen und Aktivitäten mit ihren Kindern und
                      Jugendlichen verbringen, ist kürzer geworden. Diese Entwickl ung zu ana-
Eltern sind gefordert lysieren ist eine enorm wichtige Herausforderung und natürlich auch mit -
                             schuldig an der Entwicklung der Freizeitgestaltung der Kinder und
                     Jugendlichen. Noch nie gab es ein derart vielfältiges Angebot im Freizeit -
                     bereich, aber viele Jugendliche ignorieren diese Veranstaltungen und wen -
                       den sich dem Alkoholkonsum bei ihren Freizeitaktivitäten zu. Die Eltern
                        sind erst dann schockiert, wenn das Kind oder der Jugendliche sturzbe -
                       trunken aufgelesen wird. In der Regel hilft dieser einmalige Zustand der
                    Bewusstlosigkeit um auf einen halbwegs normalen Umgang mit Alkohol zu
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                               85




schwenken, auch mit Unterstützung der Eltern. Jene Eltern die den Alko -
holkonsum zu Hause erlauben bzw. sogar fördern sollten sich bewusst
sein, dass dies wohl ein fataler Fehler in der Suchterziehung ihrer Kinder
und Jugendlichen ist.


 Die Jugendschutzgesetze sind schlecht und uneinheitlich


Österreichweit gelten völlig unterschiedliche Jugendschutzbestimmungen,
die sich besonders darin unterscheiden welche Jugendliche ab welchem
Alter welche harten Alkoholika getrunken werden dürfen.

Frau BM Kdolsky hat immer wieder angekündigt, sie wolle die Jugend- Jugendschutz-
schutzgesetze vereinheitlichen. Sie musste erst am Anfang ihrer Zeit als gesetze
Ministerin die Erfahrung machen, dass Länderkompetenzen (wie die des harmonisieren
Jugendschutzes) von den Ländern entschieden werden und nicht vom
Bund. Immer wieder hat es „Runde Tische“ und Gespräche mit
Ländervertretern gegeben, doch die Bundesländer sind sich in den Details
uneinig, so dass damit zu rechnen ist, dass noch lange keine einheitlichen
Jugendschutzgesetze vorliegen werden.

•         mehr Kontrollen und Strafen für alle Beteiligten


Richtig ist, dass zuwenig Kontrollen von Gaststätten stattgefunden haben.
Das hat sich nun geändert (man wird sehen, ob das Kontrollniveau gleich
bleibt). Jugendliche zu bestrafen ist nur dann sinnvoll (wenn überhaupt),
wenn in keinerlei Weise von den Jugendlichen Einsicht gezeigt wird und es Kontrolle notwendig
immer wieder zu Gesetzesüberschreitungen kommt. Auch die Bestrafung von Eltern ist nur
teilweise sinnvoll, da viele Eltern gar nicht wissen, dass ihre Kinder – besonders wenn diese nicht
zu Hause übernachten – welchen Alkoholkonsum ihre Kinder haben. Aufklärung und Information
sind hier wesentlich angebrachter.


Es gab zahlreiche Vorschläge, die zwar gut gemeint waren, aber aus ver -
schiedenen Gründen nicht verwirklichbar sind:

 BM Kdolsky schlug farblich verschiedene Jugendausweise vor, damit in den Discos etc.
  die Kontrollorgane anhand der Farben es leichter haben, das Alter zu erkennen. Natürlich
  ist es sinnvoll für alle Jugendlichen Österreichs einheitliche, fälschungssichere
  Personalausweise zu produzieren. Jugendliche mit Personalausweisen auszustatten ist sehr
  sinn-voll und hebt auch das Selbstwertgefühl der Jugendlichen, die Idee mit
  Jugendausweis

    den Farben ist zwar gut gemeint, bringt aber höchstens dann ein „Klas -
    sendenken“ mit Diskriminierungen unter den verschiedenen Altersgrup -
    pen. Seitens der KJA wurden einheitliche Ausweise mit groß aufge -
    drucktem Geburtsjahr vorgeschlagen. Diese Variante ist nicht nur
    wesentlich billiger (kein ständiges Austauschen nach Wechsel in ein e
    andere Altersgruppe), sondern verhindert auch die Diskriminierungsten -
    denzen bezüglich Farbzugehörigkeit unter den Jugendlichen.
                          •   in einigen Bundesländern wurde auch für unter 1 6-jährige nicht nur der
                              Konsum, sondern auch der Besitz von Alkohol unter Strafe gestellt.
      Auswüchse der
                              Außer der so schwer definierbaren Klärung des Wortes „Besitz“ in die -
      Jugendschutz-           sem Zusammenhang (ist „besitzen“ gleichzusetzen mit „mit sich
            gesetze
                              führen“???? etc.) ist diese Strafausweitung völlig sinnlos, da diese Rege-
                              lung auch keine präventive Wirkung erzielt. Niemand lässt sich davon
                              abhalten Alkohol zu transportieren, nur weil es verboten wird. Abgese -
                              hen davon, dass es für die Polizei fast aussichtslos ist, diese Bestim -
                              mung zu kontrollieren und rechtlich zu klären.


                                     Der Vorschlag von Brüsseler „Jugendschützer“, dass alkoholische
                                      Getränke von Jugendlichen erst ab dem 18. Geburtstag konsumiert wer -
                                      den zu dürfen, ist mehr als realitätsfremd: Einzig und allein die Erzeu-
A l t e r s a n h e b u n g ist        ger alkoholischer Getränke werden sich dann freuen, denn der dann ent-
    k o n t r a p r o d u k t i v stehende Schwarzmarkt, der sich blitzartig unter den Jugendlichen auf -bauen
                                      würde, wäre ein enormes Geschäft für die Getränkeindustrie. Auch wenn
                                      sie sich jetzt noch zieren und sich vorerst auch gegen den Vorschlag aus
                                      Brüssel wehren. Zahlreiche andere Geschäftemacher würden den
                                      Schwarzmarkt ebenso als neue Verdienstquelle ausnützen.


                          Wer nur ein wenig Ahnung von Jugendkulturen und der Lebensweise der
                          Jugendlichen besitzt weiß, dass ein solches Verbot nur oben geschilderte
                          Konsequenzen mit sich bringen würden.

        Kampagnen Letztendlich sind einige Kampagnen verwirklicht worden und erste Ansät ze
                   einer Verbesserung der Situation haben sich gezeigt:

                           unabhängige Prominentenplattform „fit statt fett“ mit der Aktion „fetter
                            spruch“
                           Aktion „Think before you Drink“ – Bädertour 2007 des Bundesministeri-
                            ums für Gesundheit, Familie und Jugend
                           Aktion „Nachdenken statt Nachschenken“ eine Aktion des Fonds Gesun -
                            des Österreichs, des BMGFJ und des ORF
                           Nach den intensiven Kontrollen der Wiener Polizei im Juni und Juli 2007
                            (also nach dem Medienhype) hat sich gezeigt, dass auf den Straßen und
                            Plätzen keine betrunkenen Jugendlichen in größerer Zahl angetroffen
                            wurden und besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass bei den
                            Kontrollen der Gastronomie (laut Polizei) keine Verstöße gegen das
                            Jugendschutzgesetz entdeckt wurden. Es hat sich vielleicht wirklich so
                            etwas wie eine präventive Wirkung der allgemeinen Diskussion gezeigt.
                            Auch in Burgenland wurde ein ähnliches Ergebnis erreicht

                           Die Internetseite: www.billig-saufen.com wurde eingestellt
                           Änderung der Gewerbeordnung: Begrüßenswert war die Vorlage einer
                            Änderung der Gewerbeordnung, in der geregelt wird, dass auch in Han -
                            del der Verkauf von Alkohol an Jugendliche verboten ist. Obwohl dies
                            natürlich auch schon in allen Jugendschutzgesetzen geregelt ist, finden
                            wir die „Verdopplung“ auch in der Gewerbeordnung begrüßenswert.
                            Leider wurde – bisher – verabsäumt, auch strengere Strafen bei wieder-
  holtem Übertreten der Gewerbeordnung zu erlassen. So wäre es sinnvoll
  neben dem drohenden Verlust der Gewerbeberechtigung auch eine Ent -
  zug der Betriebsstättengenehmigung aufzunehmen, um dadurch noch
  mehr die Einhaltung der Regelungen zu unterstreichen.
 Teilweise Einführung von automatische Alterskontrollen bei Kassen in
  Supermärkten
 In einzelnen Gemeinden wurde eine Alkoholverbotszone eingerichtet.
  Dazu wurden kaum Auswirkungen darüber berichtet.
  In Wien befanden Jugendliche derartige Zonen höchstens als einen amü -
  santer Beitrag zur laufenden Debatte in den Medien.

Wien: Das Institut für Suchtprävention startete Präventionsaktivitäten

Im Folgenden noch ein Überblick über die Verurteilungsstatistik 2005 nach
dem Wr. Jugendschutzgesetz:

Anzeigen nach dem Wiener Jugendschutzgesetz 2002 im Jahr 2005

 Anzahl der Anzeigen:                                                286 Statistik Wiener
 Verhängte Geldstrafen:                                              1 7 1 Jugendschutzgesetz
 davon:
 1. Strafen gegen Erziehungsberechtigte und Begleitpersonen:
 Verletzung der Ausgehzeiten (§ 8):                                      11
 Besuch verbotener Lokale/Betriebsräumlichkeiten (§ 9):                  1 5
 Verstoß gegen Alkohol- und Tabakbestimmungen (§ 1 1):                   9
 Tatbestände von MBA´s nicht ausgeführt:

 2. Strafen gegen Unternehmer:
 Verstoß gegen Einwirkungspflicht, dass junge Menschen
 verbotene Lokale nicht betreten (§ 6 Abs.1):                            19

 Verstoß gegen Hinweispflicht, dass der Besuch des Betriebes
 oder der Veranstaltung jungen Menschen nach diesem Gesetz
 untersagt ist (§ 6 Abs. 2):

 Abgabe von jugendgefährdenden Gegenständen (§ 10):
 Verletzung des Alkoholausschankverbotes
 an junge Menschen (§ 11):

 3. Strafen gegen Dritte, die Handlungen oder Unterlassungen
 begangen haben, welche die Gefahr von Verwahrlosung oder
 Entwicklungsstörungen bei jungen Menschen herbeiführen
 könnten (§ 7):
                                                                         3

 4. Strafen gegen junge Menschen:
 Besitz von jugendgefährdenden Medien,
 Datenträgern und Gegenständen (§ 10 Abs. 2):                             1
                   Konsum von Alkohol und Tabakwaren
                   in der Öffentlichkeit (§ 1 1):                                             1

                   Beratungs- und Informationsgespräche von jungen Menschen
                   beim Jugendwohlfahrtsträger wegen Verstoß gegen
                   das Wiener Jugendschutzgesetz 2002:                                      55


Presseaussendung Eine der (vielen) Presseaussendung der KJA zu diesem Thema vom K J A
            27.2.2007:
                   K o m a t r i n k e n von Jugendlichen – W r . Jugendanwalt fordert effekti-
                   ve Kontrolle des Jugendschutzes durch Kontrollteams

                   Die Jugendgefährdung durch das exzessive Trinken von Jugendlichen ist
                   unumstritten.
                   Mehrere Gründe erleichtern es Jugendlichen, so Schmid, vermehrt dies er
                   gefährlichen Freizeitgestaltung nachzugehen:
                    der Gruppendruck unter Kinder/Jugendlichen wächst, denn die peer-
                     group ist immer mehr der eigentliche Erzieher, die Rolle der Familiener -
                     ziehung gilt nicht mehr in dem Ausmaß wie früher
                    Kinder/Jugendliche haben genügend Geld in der Gruppe zur Verfügung
                     um billige Alkoholika zu erwerben
                    Kinder werden entwicklungspsychologisch immer früher zu
                     Jugendlichen
                    die Zeit der Eltern sich mit ihren Kindern intensiv auseinanderzusetzen
                     um über dieses und andere Probleme zu sprechen ist beängstigend
                     gering geworden
                    das Tempo der Gesellschaft wird schneller und schneller, daher auch
                      das Tempo des Trinkens, Genuss ist kein Thema mehr

                   Der größte Anreiz aber für Kinder/Jugendliche ist es, die Sonderaktionen
                   der Gastronomie anzunehmen und aus den oben erwähnten Gründen sich
                   sinnlos zu betrinken.

                   „Wir alle tun wirklich viel dazu, um unseren Kindern und Jugendlichen die -
                   ses exzessive Verhalten zu ermöglichen, aber die Tatsache, dass mit
                   Kampftrinken von Jugendlichen viel Geld in der Gastronomie verdient
                   wird, gehört raschest abgestellt“, so Jugendanwalt Schmid.

                   Das Jugendschutzgesetz sieht in allen Bundesländern das Alkoholverbot
                   für Jugendliche unter 1 6 Jahren vor. Aber bei der Kontrolle der Best im-
                   mungen in den Gastronomiebetrieben wird meist ein Auge zugedrückt.

                   Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien fordert daher: Verdeckte, aber
                   effektive Kontrollen durch Kontrollteams aus Polizei, Jugendarbeit, Wirt-
                   schaft(skammer) und Jugendlichen selbst.
                   Diese Teams sollten in kurzen, unregelmäßigen Abständen undercover an
                   den neuralgischen Brennpunkten der Jugendszene die Einhaltung der
                   Jugendschutzbestimmung achten und dem Profit durch Billigaktionen in
Discos, Szenelokalen etc. einen Riegel vorzuschieben. Im gestrigen Wr.
Jugendschutzbeirat wurde vorsichtige Zustimmung seitens der Wirt-
schaftskammer Wien signalisiert.

„Wenn die Gastronomie ihre schwarzen Schafe wirklich zur Verantwortung
ziehen will, ist sie aufgefordert die Kontrollteams zu unterstützen. Der
Jugendschutz muss auch für die Gastronomie im Bereich des Alkoholkon -
sums so selbstverständlich werden wie er jetzt schon z.B. für Trafikanten,
Glückspielhallenbesitzer, Buchmachern und Sexshopunternehmern in
anderen Jugendschutzbereichen ist “. so Schmid abschließend.


Abschließend lassen sich folgende Punkte zusammenzufassen:

Alkohol ist eine legale Droge und daher müssen Jugendliche den vernünf -
tigen Umgang damit lernen.
Besonders Jugendliche, die in dieser Zeit auch Grenzen lernen müssen,
indem sie manchmal über Grenzen hinweggehen, sind gerade in der Puber tät
sehr anfällig, hie und da auch zuviel Alkohol zu konsumieren.
Eltern, Erziehungsberechtigte und die gesamte Gesellschaft mu ss darauf
achten, dass diese Zeit ohne Schaden für die Jugendlichen abläuft.

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen erschweren diese Verantwortung
der Eltern:
 leicht verfügbarer Alkohol,
 Profitdenken bei UnternehmerInnen,
 massiver Leistungsdruck und Stress der Jugendlichen in Beruf und
   Schule,
 Kultur des Saufens: viele Erwachsene als „Vorbilder“, die zu viel
   Alkohol konsumieren –
 geringer Stellenwert der Jugendlichen in der Gesellschaft, der ein nied -
   riges Selbstwertgefühl bei Jugendlichen auslöst,
 kaum Aufklärung der Jugendlichen über Alkohol als falscher Sorgenbrecher,
 den Jugendlichen steht mehr Geld zur Verfügung als früher, Alkohol ist
   leichter zu finanzieren,
 zu wenig Beachtung der Jugendschutzregelungen, diese werden nur
   leicht belächelt,
 die peer-group hat an immensen Einfluss gewonnen und wenn Alkohol
  „in“ ist in der peer-group wird es schwer für Eltern dagegen anzukämpfen,
 das frühere Heranreifen von Kindern zu Jugendlichen (Akzeleration) hat
  das Einstiegsalter verschoben
 Verbote im gesetzlichen und gesellschaftlichen Bereich erhöhen den
   Herausforderung der Jugendlichen, diese Grenzen zu überschreiten


Jugendliche müssen lernen ein Problembewusstsein zu entwickeln, was das
Risiko eines übermäßigen Alkoholkonsums bedeutet. Nur dieser Weg führt
zu jungen Menschen, die verantwortlich mit Alkohol, dem Suchtverhalten
und Problemlösungsstrategien umgehen.
90                                                                        KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




                       JUGENDSCHUTZ - COMPUTERSPIELE

     Gewaltspielee    Jugendschutzgedanken Gewaltspiele betreffend werden immer dann aktuell,
                       wenn eine spektakuläre Gräueltat von jungen Erwachsenen oder
                       Jugendlichen durchgeführt wird.

                       Ob es Amokläufe in Schulen sind oder Konflikte unter Jugendlichen, die
                       dann leider tödlich enden: Nach dem ersten Schock wird mit sicherer
                       Regelmäßigkeit die Frage gestellt, ob Gewaltspiele für PC etc. nicht verbo -
                       ten gehören.


                       ExpertInnen versuchen daraufhin medial klar zu stellen, dass nicht nur
                       allein ein noch so aggressives PC-Spiel Auslöser für einen Amoklauf sein
                       kann, aber diese Spiele sind ein Baustein in einem sozialen Umfeld, das
                       letztlich zu einer solchen Wahnsinnstat führen kann.

                       Langfristig gibt es noch keine Befunde darüber, ob PC-Spiele für aggressive
                       Persönlichkeiten bei Kinder und Jugendliche verantwortlich sind. Hin-
                       gegen ist die kurzfristige Aggressionssteigerung nach dem Exzessivkonsum
                       von brutalen PC - Spielen längst nachgewiesen.


                       Thilo Hartmann, ein deutscher Aggressionsforscher, hat in einem Vortrag
                       auf der Internationalen Konferenz „Clash of Realities. Computerspiele und
                       soziale Wirklichkeit“ im März 2006 an der Fachhochschule Köln die Gene -
                       ral Aggression Spirale über mögliche langfristige Auswirkungen vorge -
                       stellt:

       Aggressions-
         forschung
                       „… führt die wiederholte Zuwendung zu gewalthaltigen Computerspielen zur
                       Verfestigung von aggressiven Vorstellungen, aggressiven Erwar-
                       tungsschemata, aggressive Skripte werden besser erlernt und besser
                       zugänglich gemacht und deshalb können sie im Alltag wahrschei nlich
                       auch besser abgerufen werden als andere Skripte. Und wir finden den
                       Effekt von einer Desensibilisierung, das heißt diese Erregung – eigentlich auf
                       Aggression reagiert man häufig mit einer gewissen Bedrückung – dieses
                       Erleben nimmt sozusagen ab. Das alles kann zu einem Zuwachs einer
                       aggressiven Personalität führen, zu einem aggressiven Charakter führen. Und
                       darüber hinaus kann sich so eine Art Spiral-Prozess in Gang setzen, dass
                       Nutzer durch die wiederholte Zuwendung zu gewalthaltigen Computerspielen
                       aggressiver werden und sich das sozusagen aufschaukelt, weil sie durch
                       diese aggressivere Neigung auch wieder mehr gewalthaltige
                       Computerspiele nutzen.“ (aus: mediacult online – Mai 2006)

                       Daher erscheint es klar, dass solche Spiele zwar nicht verboten ge hören,
                       aber seitens des Jugendschutzes doch Maßnahmen zu treffen sind, dass
                       eine gewisse Zugangsbeschränkung bei in der Entwicklung befindlichen
                       Kindern und Jugendlichen vorgenommen wird.
Im Wiener Landtag wurde im Jahr 2007 folgender Vierparteienantrag ein-
stimmig verabschiedet:

Beschlussantrag                                                         einstimmiger
der Landtagsabgeordneten Jürgen Wutzlhofer, Dr. Franz-Ferdinand Wolf, Landtagsbeschluss
Claudia Smolik und Mag. Johann Gudenus

eingebracht in der Sitzung des Wiener Landtages am 30.03.2007
...betreffend die Schaffung eines bundesweit einheitlichen Gesetzes zum
Schutz von Kindern und Jugendlichen hinsichtlich möglicher Gefährdung
durch Gewalthandlungen in Computerspielen.
In Österreich wurde in den letzten Monaten die Diskussion darüber ver -
stärkt geführt, inwiefern bestimmte Computerspiele ein Gefahrpotenzial für
Jugendliche darstellen. Die politischen VertreterInnen der Stadt Wien sind
der Ansicht, dass Aufklärung, Positivprädikatisierung für empfehlenswerte
Spieletitel sowie die Stärkung der Medienkompetenz möglichst breiter Ziel -
gruppen der zentrale Baustein im Umgang mit dem Thema sind. Aber auch
die gesetzlichen Grundlagen zum Kinder- und Jugendschutz sollen an die
sich verändernden Lebens- und Medienumwelten angepasst werden.

Im Wiener Jugendschutzgesetz, das mit Niederösterreich und dem Burgen -
land akkordiert ist, ist es nach der derzeitigen Rechtslage (§ 10 WrJSchG
2002) verboten, Videospiele an junge Menschen weiterzugeben, wenn diese
ihre Entwicklung gefährden könnten, insbesondere wenn sie Aggressionen
und Gewalt fördern, kriminelle Handlungen von menschenverachtender
Brutalität oder Gewaltdarstellungen verherrlichen oder verharmlosen.
Fast alle österreichischen Bundesländer haben hinsichtlich Videospiele
eine ähnliche Bestimmung wie Wien. Lediglich in Salzburg und Kärnten
gibt es weitergehende Vorschriften, in denen auf die USK-Klassifizierung
aus Deutschland Bezug genommen wird.
Da es sich bei Computerspielen um einen Aspekt handelt, der über die Wie-
ner Landesgrenzen hinaus Relevanz hat, ist der Bund, der 2005 die Bun -
desstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspie-
len ins Leben gerufen hat, ein wichtiger Partner.
Gleichzeitig ist es wichtig, im europäischen Kontext zu denken und die Ent-
wicklungen in anderen Ländern der EU zu berücksichtigen, die sich eben -
falls mit dem Thema beschäftigt. So hat sich die Computerspielindustrie in
vielen Ländern im Rahmen des PEGI-Modells zu einer freiwilligen Alter-
skennzeichnung bei Computerspielen entschlossen – zuletzt wurde das
PEGI-Rating in Finnland in das Jugendmedienschutzrecht integriert. Das
PEGI-Modell weist darüber hinaus durch zusätzliche Symbole problemati-
sche Spielinhalte wie Gewalt, Drogen, Diskriminierung etc. explizit aus.


Der Wiener Landtag spricht sich für die Schaffung einer österreichweit ein -
heitlichen Regelung aus, die an das gängige EU-Niveau anschließen soll.

Antrag:
            Der Wiener Landtag beauftragt das zuständige Mitglied der Wiener Lan desregierung eine
                                           Gesetzesnovelle für das Wiener Jugendschutzgesetz aus-
                   zuarbeiten und in die Landesregierung einzubringen. Darüber hinaus sol len
                   Verhandlungen aufgenommen werden, die darauf abzielen, eine öster-
                   reichweit einheitliche, den europäischen Standards angepasste Regelung,
                   im Hinblick auf eine Vereinheitlichung des Jugendschutzes im Zusammen -
                   hang mit Computerspielen, in den Jugendschutzgesetzen der einzelnen
                   Bundesländer zu erreichen.



                   Unter der Federführung von Abgeordneten Jürgen Wutzlhofer und Mag.
                   Johannes Köhler, Leiter des Rechtsdezernates der MAG 1 1, wurde nach
                   mehreren Besprechungen und mit Zustimmung von Frau Vizebürgermei -
                   sterin Grete Laska und mit Zustimmung des Wr. Jugendschutzbeirates fol-
                   gende Änderung des Wr. Jugendschutzgesetzes dem Landtag empfohlen:



letzte Fasssung vor  § 10 Abs.   3
     lautet: dem Beschluss
                   „Wer selbstständig und regelmäßig Medien, Datenträger, Gegenstände
                   oder Veranstaltungen im Sinne des Abs. 1 anbietet, weitergibt oder
                   sonst zugänglich macht, hat durch geeignete Vorkehrungen, insbeson
                   dere durch rä umliche Abgrenzungen, zeitliche Beschränkungen, A
                   ufschriften oder Bea ufsich tigung sicherzustelen, dass junge Menschen
                   da von a usgeschlossen sin d. Insbesondere Datenträger, die
                   Computerspiele beinhalten, dürfen an junge Menschen eines
                   bestimmten Alters gewerblich nur abgegeben werden, wenn
                   aufgrund einer klar sichtbaren PEGI (Pan-European Game
                   Information) Kennzeichnung ersichtlich ist, dass sie für junge
                   Menschen dieses Alters geeignet sind. Wenn auf einem Datenträger,
                   der ein Computerspiel beinhaltet, keine PEGI Kennzeichnung
                   angebracht ist, ist bis 1.1.2010 auch die USK (Unterhaltungssoftware
                   Selbstkontrole) Klassifizierung als Eignungsgrundlage für die
                   Abgabe ausreichend.


                   Keine PEGI- oder USK Kennzeichnungspflicht besteht für
                   Computerspiele zu Informations-, Instruktions- oder
                   Lehrzwecken, die als Informations-, Instruktions- oder Lehr-
                   programm gekennzeichnet sind und junge Menschen in ihrer
                   Entwicklung nicht gefährden.“



                   Die KJA glaubt, dass mit dieser Novelle des Wiener Jugendschutzgesetzes in
                   Österreich eine einheitliche Zielrichtung vorgegeben werden konnte, eine
                   europaweite Harmonisierung ist freilich noch lange nicht in Sicht.
BERICHTERSTATTUNG ÜBER
KINDER UND JUGENDLICHE

Seit längerer Zeit ist die Berichterstattung über t r a u m a t i s i e r t e Kinder und
Jugendliche Thema innerhalb der Kinder- und Jugendanwaltschaft.
Insbesondere ein prominenter „Fall“ bewog uns nun doch mit dieser The -
matik enger zu befassen. So stellten wir eine Anfrage an das Bundesmini -
sterium für Justiz, wie einerseits die rechtlichen Rahmenbedingungen sei -
en und ob diese auch ausreichen, um den Schutz der Kinder und Jugendli-
chen zu sichern. Andererseits regten wir ein Enquete zu dieser Thematik
an, da wir der Meinung sind, dass diese gesetzlichen Verankerungen eine
Überarbeitung bedürfen.

Hier Auszüge aus der Antwort des Ministeriums zum Status Quo:                  Antwort des BMJ
„Das Ziel d es Mediengesetzes (BGBl. 314/1981 idF BGBl. I Nr. 49/2005) ist die
Herstellung einer vernünftigen und verfassungskonformen Balance zwi -
schen der verfassungsgesetzlich garantierten Medienfreiheit und dem Per - F r a g e a n d a s B M J
sönlichkeitsschutz des Einzelnen; die Medienfreiheit kann nicht schran -
kenlos sein und muss ihre Grenzen dort finden, wo Persönlichkeitsrechte
verletzt werden.
Im Rahmen der Berichterstattung über Strafverfahren oder andere
gerichtliche Verfahren können immer wieder gravierende Eingriffe in die
Persönlichkeitsrechte der von der Berichterstattung Betroffenen gesche -
hen. Dabei können schon durch die bloße Namensnennung, die bildliche
Darstellung oder durch die Veröffentlichung sonstiger Angaben zur Per -
son berechtigte Interessen der Opfer einer strafbaren Handlung in einer
Weise berührt werden, die die Zuerkennung einer Entschädigung nach
den § § 7 ff. Mediengesetz rechtfertigt. Die präventive Wirkung, die von
der Statuierung eines solchen Entschädigungsanspruches ausgeht, soll
verhindern, dass Opfer einer strafbaren Handlung nach der Tat noch ein
zweites Mal Opfer einer ausufernden (Persönlichkeitsrechte verletzenden)
Berichterstattung werden.
Im Einzelfall kann wegen Verletzungen dieser Bestimmungen ein Ent-
schädigungsbetrag bis zu € 20.000,— gewährt werden. Erst mit der
Mediengesetznovelle 2005 (BGBl. I Nr. 49/2005) wurden die Entschädi-
gungsbeträge um rund 36 % erhöht. Im Zusammenhang mit der darüber
hinaus möglichen Veröffentlichung von Gerichtsentscheidungen können
die im Mediengesetz vorgesehenen Sanktionen und Rechtsfolgen daher
wohl nicht schlichtweg als zahnlos bezeichnet werden.
Im Regierungsprogramm für die XXIII. Gesetzgebungsperiode ist die Ein-
setzung einer Arbeitsgruppe vorgesehen, die die Weiterentwicklung dieses
Rechtsbereichs insbesondere zur Verbesserung der Zielerreichung des
Medienrechts prüfen soll. Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe könnten die
derzeitigen Haftungshöchstgrenzen allenfalls neuerlich diskutiert wer -
den.
Darüber hinaus wäre auch auf die am 1 . 1 .2008 in Kraft tretende Bestim-
mung des § 54 StPO idF BGBl. I Nr. 19/2004 (Verbot der Veröffentlichung)
hinzuweisen, wonach der Beschuldigte und sein Ver teidiger Informatio-
nen, die sie im Verfahren in nicht öffentlicher Verhandlung, im Zuge einer
nicht öffentlichen Beweisaufnahme oder durch Akteneinsicht erlangt
haben, im Interesse der Verteidigung und anderer überwiegender Interes-
sen nur dann verwerten dürfen, wenn dadurch überwiegende
schutzwürdige Geheimhaltungsinteressen (§§ 1 Abs. 1, 8 und 9 DSG 2000)
anderer Beteiligter des Verfahrens oder Dritter, die gegenüber dem öffent -
lichen Informationsinteresse überwiegen, nicht verl etzt würden. Eine
Absicherung dieses Verbotes ist durch die Erweiterung der Strafbestim -
mung des § 301 StGB (Verbotene Veröffentlichung) geplant.
Auch der geltende § 47a Abs. 1 Z 1 StPO verpflichtet alle in Strafverfah-
ren tätigen Behörden, auf die Rechte und Interessen der durch eine straf-
bare Handlung verletzten Person angemessen Bedacht zu nehmen. Abs. 1 Z
3 dieser Bestimmung sieht die Verpflichtung vor, durch eine strafbare
Handlung verletzte Personen während des Verfahrens mit Achtung ihrer
persönlichen Würde zu behandeln und bei Ihren Amtshandlungen wie
auch bei der Auskunftserteilung gegenüber Dritten deren berechtigte
Interessen an der Wahrung ihres höchstpersönlichen Lebensbereiches zu
beachten.
Genannt werden kann in diesem Zusammenhang auch das Privatankla-
gedelikt der Verletzung von Berufsgeheimnissen nach § 121 StGB.
Danach macht sich strafbar, wer in Ausübung eines gesetzlich geregelten
Gesundheitsberufs (zB Psychotherapeuten, Psychologen) oder bei berufs-
mäßiger Beschäftigung mit Aufgaben der Sozialversicherung Geheimnisse
über den Gesundheitszustand einer Person offenbart oder verwertet (§ 121
Abs. 1 StGB) oder als von einem Gericht oder anderen Behörde bestellter
Sachverständiger Geheimnisse offenbart oder verwertet (§ 121 Abs. 3 StGB)
und dies geeignet ist, berechtigte Interessen der Person zu verletzen. Auf
Grund der besonderen Schutzwürdigkeit Jugendlicher wird dies wohl
regelmäßig zu bejahen sein.
Zur Vollständigkeit sei in diesem Zusammenhang auch noch auf die
gerichtliche Strafbestimmung des § 31 Zivilrechts-Mediations-Gesetz
hingewiesen, wonach das Offenbaren und Verwerten von Tatsachen ent -
gegen der Pflicht des Mediators zur Verschwiegenheit und Vertraulichkeit
(§ 1 8 leg. cit.) unter Strafe gestellt ist, wenn dadurch ein berechtigtes Inter-
esse einer Person verletzt wird.
Aus zivilrechtlicher Sicht schützt weiters die Regelung des § 140 Abs. 2
AußStrG die Vertraulichkeit von Tatsachen des Privat- und Familienle-
bens, die aus Pflegschaftsverfahren stammen; diese Bestimmung enthält
ebenfalls eine gerichtliche Strafdrohung.
Nach § 78 UrhG (Bildnisschutz) ist weiters die Veröffentlichung des Bild-
nisses einer Person verboten, wenn dadurch berechtigte Interessen des
Abgebildeten verletzt würden. Bei Verstößen sind als Sanktionen die Klage
auf Unterlassung, Urteilsveröffentlichung, Beseitigung von Vervielfälti -
gungsstücken und auf Schadenersatz einschließlich des immateriellen
Schadens vorgesehen. Der Unterlassungsanspruch besteht auch vorbeu -
gend, nämlich dann, wenn eine Verletzung des § 78 UrhG nur droht; er
kann im Wege der einstweiligen Verfügung auch rasch durchgesetzt wer -
den.
Wenngleich es seit der faktischen Auflösung des Presserates an einem
(durchaus wünschenswerten) selbstregulierenden Mechanismus für Jour-
nalisten fehlt, der journalistische Sorgfalt, Unparteilichkeit und Qualität
der Inhalte (von vornherein) gewährleisten kann, stellt die österreichische
Rechtsordnung insgesamt ein doch recht breitgefächertes Instrumentari um
zum Schutz der Privat- und Intimsphäre zur Verfügung; dieses dürfte
Ihnen jedoch ohnehin hinlänglich bekannt sein.“


Es existieren also eine Reihe von gesetzlich verankerten Schutzmechanis -
men für den Schutz der Persönlichkeitsrechte.
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                 95




Nur stellt die Frage, ob diese Mechanismen auch tatsächlich ausreichen.          Fragen über Fragen
Warum gibt es keinen Ehrenkodex?
Reichen die Strafen, wenn Persönlichkeitsrechte missachtet und verletzt
werden tatsächlich aus?
Warum existiert kein Presserat ?
Was Kindern und Jugendlichen in der öffentlichen Berichterstattung scha -
det ist:
 die Sensationslust bestimmter B o u l e v a r d m e d i e n
 die Missachtung ihrer Persönlichkeitsrechte, sowie
 Missachtung ihrer akuten H i l f s b e d ü r f t i g k e t .


Kinder und Jugendliche haben das Recht auf Privatsphäre und das Recht
vor Stigmatisierung von höchstpersönlichen Details aus ihrem Privat - und
Familienleben.

Wir meinen, dass diese Thematik von öffentlicher Seite aufzugreifen ist –
vielleicht braucht es geeignetere Mittel zur Selbstkontrolle der Medien und
zum Schutz der betroffenen Kinder.




BILDUNGSZENTRUM FÜR
WIENER JUGENDLICHE

In der Jugendplattform – dem Vernetzungstreffen der Wiener Jugendarbeit
– entstand die Idee, eine Arbeitsgruppe zu bilden, die die Situation der Ver -
bindung von außerschulischer und schulischer Jugendarbeit durchleuch -
ten sollte.
Bald wurde in dem Arbeitskreis klar, dass eines der Hauptprobleme die
Situation der „herumhängenden“ Jugendlichen darstellt, die nach der
Schulpflicht keine Arbeit finden und aufgrund von Geldmangel und
fehlen-der Motivation (freizeitpädagogische Angebote in Anspruch zu
nehmen) nicht wissen, was sie tun sollen. Bald sind Kriminalität und
Gewalt teil ihres Alltages.

So hat sich die Arbeitsgruppe darum bemüht ein Konzept zu finden, wie Bildungskonzept für
diesen Jugendlichen eine sinnvolle Perspektive gegeben werden kann. Jugendliche ohne
Unsere Überlegungen waren geleitet von der Überzeugung, dass nur dann Zukunftsperspektive
eine Integration am Arbeitsmarkt gefunden werden kann, wenn die
Jugendlichen grundlegende Kompetenzen erlernen (durch Theorie und Pra -
xis) und diese Vermittlung eines neuen Weges bedarf.
Im Folgenden eine Präsentation des Grundkonzeptes, das es zu diskuti eren
gilt.
Vorüberlegungen

                        Die derzeitige Situation:

                         •
                         Viele Jugendliche im Alter von 1 5 bis 25 Jahren haben keine Arbeit, sind
                         auf den Arbeitsmarkt orientierungslos, bzw. finden keinen Arbeitsplatz,
                         der für sie geeignet ist
                       • Es gibt einzelne Projekte, aber keine begleitende Bildungsunterstützung
                         für die Zielgruppe
   Ausblidung nach wie • Unisono wird über „Lebenslanges Lernen“ gesprochen, darüber, dass das
   vor: nur für 1 Beruf zukünftige Arbeitsleben aus mehreren als bloß einem Beruf bestehen
                         wird. Dennoch werden Jugendliche nach wie vor für einen Beruf ausge -
                         bildet


                        Die EU definiert folgende Bildungsbegriffe:
                         formal education = Schule/Ausbildung
                         nonformal education = außerschulische Jugendarbeit
                         informal education = Bildung der Sozialisation

                        Die Interdependenz aller drei Kategorien zu einem ganzheitlichen
                        Angebot ist Grundlage des Bildungszentrums



                        Das Bildungszentrum

                            ist ein modulares Bildungsangebot
                            deckt die verschiedenen Bildungsbereiche ab
                            vermittelt persönlichkeitsfördernde und fachliche Kompetenzen
                            ermöglicht gleichzeitiges Arbeiten und Lernen

                        Es verfügt über
                         eine Trägerorganisation
                         ein eigenes Haus mit der notwendigen Infrastruktur
                         das notwendige pädagogische und administrative Personal
                         Kooperationspartner aus Sozial- und Wirtschaftsbereich

          Zielgruppe Zielgruppe sind 15 bis 25-jährige WienerInnen
                       unabhängig von Nationalität, Religion und Geschlecht
                       ohne Pflichtschulabschluss
                       mit Pflichtschulabschluss, jedoch arbeitslos
                       WeiterbildungsabbrecherInnen
                       basierend auf Freiwilligkeit

         Tätigkeiten TeilnehmerInnen im Bildungszentrum…
                        sollen in modularen Kursen praktische und kognitive Kompetenzen
                          erlangen
                        betätigen sich in 20-Wochenstundenjobs
                        können Freizeiteinrichtungen/-angebote nutzen/gestalten
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                  97




   sollen zertifizierte und anerkannte Qualifikationen erhalten
   werden Bildungsinhalte und Arbeitsfelder zugeteilt
   erklären sich zur Systempartizipation bereit
   nehmen Coaching, Selbstreflexion, Feedback in Anspruch
   schließen einen Ausbildungsvertrag ab
   haben Anspruch auf 6 Wochen Urlaub / Jahr
   sind sozialversichert
   erhalten eine Grundsicherung (ca. EUR 600/Monat)

Die Steuerungsgruppe
 sind AusbildungsträgerInnen und ExpertInnen
 arbeitet zu inhaltlichen und organisatorischen Belangen
 veranlasst Maßnahmen (Evaluation, Weiterentwicklung,…)


Das Bildungszentrum
98                                                                       KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




                       GEWALT GEGEN KINDER IST VIELFÄLTIG

                       Gewalt hat in unserer Gesellschaft eine lange Tradition. Erst im Jahr 1 974
                       wurde in Österreich die körperliche Züchtigung in der Schule verboten und
                       schließlich auch das seit 1 8 1 1 bestehende Züchtigungsrecht der Eltern und
                       schließlich 1 989 die generelle Anwendung psychischer und körperlicher
                       Gewalt in der Erziehung.
                       Die UN-Charta für Kinderrechte wurde 1992 vom österreichischen Natio -
                       nalrat ratifiziert – einer der Punkte dieser Kinderrechtskonvention ist das
                       Recht des Kindes auf Schutz vor Gewalt.

                       Dennoch wird körperliche Gewalt von Eltern nicht selten angewendet. Der
                       Bogen der Gewalt, der Kindern angetan wird, reicht von physischer, psy -
                       chischer, sexueller, struktureller (institutioneller) Gewalt bis hin zur Ver -
                       nachlässigung von Kindern. Die Ursachen und Hintergründe von Kindes-
                       misshandlung sind vielfältig, meist können mehrere Faktoren eine Rolle
                       spielen wie z.B.
       Ursachen und  mangelnde Erziehungs- und Konfliktlösungskompetenzen (z.B. Bezie-
       Hintergründe    hungsprobleme, Überforderung),
     für Kindesmiss-
                      sozioökonomische Problem wie z.B. eine soziale Isolation der Familien,
         handlungen
                      Armut,
                      Arbeitslosigkeit,
                      Sucht,
                      Akzeptanz körperlicher Züchtigung,
                      Unkenntnis über Pflege,
                      Erziehung und Entwicklung von Kindern,
                      psychische Erkrankungen der Eltern,
                      Gewalt in der Partnerschaft und vieles mehr.


                       Wobei diese Risikofaktoren keineswegs unbedingt zu einer Misshandlung
                       führen müssen. Kindesmisshandlung kann eine Vielzahl von schweren Fol-
                       gen für das betroffene Kind haben wie z.B.
                       Entwicklungsverzögerungen, Gehirnblutungen, Knochenbrüche, Verwun -
                       dungen, posttraumatische Belastungsstörungen, Anpassungs- und Bin-
                       dungsstörungen.
                       In erster Linie ist der Schutz der Kinder die Aufgabe der Eltern, doch wenn
                       diese nicht dazu in der Lage sind, müssen wir als Gesellschaft die Verant -
                       wortung übernehmen - denn Kindesmisshandlung und sexuelle Gewalt an
                       Kindern betrifft die gesamte Gesellschaft, den Staat und jeden Einzelnen.

     Was ist zu tun? Was können nun wir als Gesellschaft machen damit das Recht der Kinder
                     auf eine gewaltfreie Erziehung auch tatsächlich durchsetzbar ist?
                      • Gewalt darf in keinem Fall mehr gesellschaftlich legitimiert werden
                        (Glaube dass Schläge gegen Kinder notwendig und für die Entwicklung
                        gut ist) – die so genannte gesunde Watsche ist nicht gesund sondern
                        demütigend und schädlich (Implementierung der Kinderrechtskonvention
                        in die Verfassung)
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                                                    99




 Stressfaktoren wie Armut, Arbeitslosigkeit etc. gehören bekämpft
 Genügende Hilfsangebote und Unterstützungsmöglichkeiten zum Erler -
  nen der Elternrolle, Umgang mit Stress sowie der Verbesserung der emo -
  tionalen Bindung zwischen Eltern und Kind
 P r ä v e n t i o n s - und Aufklärungsprogramme in den Schulen
 Information über Hilfsangebote

Wenn nun Eltern aus den unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage
sind für ihr Kind adäquat zu sorgen, oder wenn ein Verdacht auf Kindes -
misshandlung besteht, sollten in jedem Fall die Rechte und der Schutz der
Kinder im Vordergrund sämtlicher Überlegungen stehen.


Da ist die soziale Kontrollfunktion des Staates gefragt und es müssen genü -
gend Ressourcen zu Verfügung stehen, um einerseits die betroffenen Kin -
der zu schützen, andererseits die Erziehungskompetenz der Eltern dahin -
gehend zu fördern, dass Gewalt als Erziehungsmittel keinen Raum mehr
einnehmen darf – denn Gewalt ist ein Ausdruck von Hilflosigkeit und Kin-
der haben das Recht auf gewaltlose Erziehung von ihren El tern.




JUNGE ERWACHSENE
                                                                                  Wer kümmert sich

In der K J A meldet sich eine A H S mit folgender Problematik:                 um      junge
Eine bereits 1 8-jährige junge Frau wird von ihren Eltern eingesperrt – sie    Erwachsene?
hat den Wunsch geäußert, von zu Hause zu flüchten, hat aber furchtbare
Angst, dass die Eltern im Vorfeld etwas merken könnten.
Es wird angefragt, da M. keine andere Möglichkeit hat mit jemandem zu
reden, ob ein Schulbesuch möglich wäre.
Nach einem Gespräch mit der jungen Frau wird deutlich, dass M´s Eltern
keinerlei Außenkontakte dulden. Sie darf nicht weggehen, ihr einziger
sozialer Kontakt mit der Außenwelt läuft über die Schule.
M. ist eine sehr stille, in sich gekehrte junge Frau die wesentlich jünger und
sehr eingeschüchtert wirkt.
M. plant ihre „Flucht“ bereits seit einem Jahr.
Dieser Versuch - von ihrer Familie zu flüchten - ist nicht ihr erster.
Bereits vor einem Jahr versuchte sie es – diesmal will sie es besser machen,
denn in diesem Jahr erhielt sie vom Vater besonders viele Schläge.

In Gesprächen wurden mit M. ihre Möglichkeiten abgeklärt.
Obwohl sie bereits erwachsen ist und die Eltern keine rechtlichen Mög -
lichkeiten mehr haben, ist sie - aufgrund ihrer Angst und ihrer erlebten
Gewalterfahrung - auf Hilfe und Unterstützung angewiesen, sie war nicht
fähig in der Situation eine Beratungsstelle aufzusuchen.

  M. ist sich sicher , dass sie die Eltern verlassen will und wird in ein Frau-
 enhaus begleitet, wo sich gleich eine Mitarbeiterin liebevoll um sie k ü m -
1 00                                                       KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




       mert     und sie dabei unterstützt „auf eigene (erwachsene) Beine“ zu kommen.
       3 Wochen später ist M. kaum mehr zu erkennen – natürlich schmerzt ihr
       der völlige Kontaktabbruch zu den Eltern, aber sie ist in dieser kurzen Zeit
       eine lebensfrohe, junge Frau geworden, die es genießt, ihr eigenes Leben zu
       leben und die sich zu Beginn in Wien – wie sie es ausdrückte – fast wie eine
       Touristin vorgekommen ist - da sie ja Wien aufgrund ihres E i n g e s p e r r t -
       s e i n s gar nicht kannte.



       So wie M. gibt es einige junge Erwachsene die eine besondere Art der Bera -
       tung und Betreuung bedürfen.
       Gefragt ist eine aufsuchende Hilfe, die in der notwendigen Form zu r Zeit
       nicht existiert.
       Es müsste überlegt werden, inwieweit Zuständigkeiten nicht ausgeweitet
       werden sollten, denn diese jungen Erwachsenen sind selber aus den unter -
       schiedlichsten Gründen noch nicht in der Lage ihr Leben selbst zu gestal -
       ten. Sie benötigen jemanden – der sie an der Hand nimmt, denn das wollen
       sie – und sie in sämtlichen Belangen unterstützt und berät.
KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN                                          12




WAS (IMMER NOCH) ZU VERÄNDERN WÄRE:
 Jugendschutzgesetze in Österreich harmonisieren

 Mobile Kinder- und Jugendschutzgruppen, die in Akutfällen nach 15 Uhr
  30 bei Polizeieinsätzen als Ressource zum Schutz von Kindern und
  Jugendlichen eingesetzt werden können.

 UN- Kinderrechtekonvention in den Verfassungsrang (Bund und Länder)

 Berücksichtigung und Anpassung der Landesgesetzgebung an die UN-
  Kinderrechtskonvention

 Wiener Ausschuss für die Rechte der Kinder und Jugendlichen in Wien
  mit dem Auftrag einer Kinder- und Jugendfreundlichkeitsprüfung

 Spezielle Therapieeinrichtungen für minderjährige Sexualstraftäter

 Weisungsfreie Kontrollstelle für Polizeiübergriffe an Kindern und
  Jugendlichen

 Recht auf Familienzusammenführung ohne Altersgrenze

 Novellierung der Fremdenrechte/ Staatsbürgerschaftsrecht..

 Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes mittels eigenem Abschnitt für
  Kinder und Jugendliche

 Rechtsanspruch auf ein Grundeinkommen für Kinder und Jugendliche

 Unterhaltsvorschuss für alle Kinder und Jugendlichen

 Kinderarmut beseitigen

 Verbesserungen bei Institutionen, die mit Gewalt an Kindern konfron -
  tiert sind (Harmonisierung/einheitliche Standards etc. Jugendwohlfahrt
  neu)

 effektives Monitoring Nationaler Aktionsplan

 Verwirklichung von kinder- und jugendfreundlichem Planen, Bauen und
  Verwalten

 Verwirklichung von Jugendgerichtshöfen österreichweit

 Besondere Berücksichtigung von Kindern und Jugendlichen im
  Polizeisicherheitsgesetz
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 Vergleich Jugendliche KlientInnen




 Vergleich Beratung - Infogespräch
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K a t e g o r i e n J ul i 2 0 0 6 - J u ni 2 0 0 7
gesamt: 3.684
5 04                                                                       KINDER- & JUGENDANWALTSCHAFT WIEN




BENEFIZ IM U-4
Auch heuer gab es wieder einen Benefiz-Abend, der von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien
organisiert und veranstaltet wurde. Diesmal im U4 – einer legendären und in Wien sehr bekannten
Disco.


Programmpunkte waren:
 Falco Darsteller – Michael Patrik Simoner
 Fashion Show – eine Vorführung von Kreationen aus der Modeschule Herbststraße präsentiert
durch die Schülerinnen und die Lehrerin Frau Sattler
die angekündigte Jazz Gitti musste leider krankheitsbedingt absagen, statt dessen sprangen Imi tatoren
von „die 3“ (Ambros, Danzer, Fendrich) und Chris Kaye ein
durch den Abend führte Günther Laha
durch großzügige Sachspenden konnte auch eine Tombola mit attraktiven Preisen veranstaltet
werden

Für diesen lustigen und gelungenen Abend möchten wir einigen wichtigen HelferInnen nochmals
danken:
 Markus Platzer – Geschäftsführer U 4
 Brigitte Kokeisl – „gute Seele“ aus dem Gasthaus „Brigitte“
 den Künstlern, sowie deren Managern
 den Schülerinnen und Schulverantwortlichen der Modeschule Herbststraße
 und den vielen Firmen, die für die Sachspenden verantwortlich waren, wie:
  BA-CA, Bäckerei Groissböck, Bäckerei Trimmel, Blumenstube Dagi, Catering Simmering,
  Herrn Fidi, Hutfabrik Wanke, Metro,
  Weinbau Seidl

                                                Danke den vielen beitragenden UnterstützerInnen.
                                                Der Reinerlös ist wieder Kindern und Jugendlichen
                                                zugute gekommen, die aufgrund Gewalterfahrungen
                                                Therapiebedarf haben.
Kinder-&Jugendanwalt
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        www.kja.at

				
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posted:2/11/2012
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