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kurt luger sibiu ohne pics

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2/11/2012
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Kurt Luger, Fachbereich

Kommunikationswissenschaft

Kurt Luger, Fachbereich

Kommunikationswissenschaft,

Universität Salzburg









Bewegliche Horizonte

Transkulturalität aus

kommunikationswissenschaftlicher Perspektive

1.Kommunikation

2.Kultur

3.Transkulturalität

4.Globalisierung

1 - Kommunikation



Information

Führt zur Verringerung von Unwissen oder

Reduktion von Ungewissheit beim

Empfänger

Information spielt sich beim Empfänger ab

oder wird durch ihn erst konstruiert



Kommunikation

• Ziel der Verständigung

• Ziel der Durchsetzung von Interessen

• Allgemeines und spezielles Interesse

Kommunikation ist die intentionale

Informationsabgabe, d.h. ein Signal muss

zum Zwecke der Mitteilung bzw. Verständigung

absichtlich produziert und gesendet werden



Interaktion – Handlungsablauf sozialer

Beziehungen

Kommunikation – Verständigung, inhaltliche

Bedeutungsproduktion



Kommunikation ist Interaktion

mittels Zeichen und Symbolen

Kommunikation ist soziales Handeln



Trennung in Verhalten und Handeln, welches

intentionales, zielgerichtetes Verhalten ist.

Es ist nicht möglich, sich nicht zu verhalten.



Verhalten hat eine informative Komponente –

Kleidung, Haartracht, Körperhaltung, Sprache etc.



Rückbezüglichkeit ist wichtiges Merkmal von

Kommunikation

Reflexion von Prozessen in der Kommunikation,

eingehen auf den/die Partner

Menschliche Kommunikation liegt dann vor, wenn Individuen ihre

kommunikativen Handlungen nicht nur wechselseitig

aufeinander richten, sondern darüber hinaus auch die

allgemeine Absicht ihrer Handlungen (d.h. Bedeutungsinhalte

miteinander zu teilen) verwirklichen können und das konstante

Ziel (Verständigung) jeder kommunikativen Aktivität erreichen.



Erst dieser wechselseitig stattfindende Prozess der

Bedeutungsvermittlung kann Kommunikation

genannt werden.

Das handelnde Subjekt ist nicht nur abhängig von

externen Faktoren wie Sozialisation, Kultur, persön-

lichen Strukturmerkmalen, sondern auch ein

Individuum, das selbst Bedeutungszuweisungen

vornimmt und Handlungsweisen durch Interaktion

mit anderen bestimmt.

Voraussetzung: ein mehr oder weniger „gemeinsa-

mer“ Zeichenvorrat (Code).

Menschliche Wesen

agieren auf Grundlage der

Bedeutungen, die Dinge

für sie haben

Bedeutungen werden

ausgehandelt, entstehen

in der Interaktion mit

anderen Menschen



Bedeutungen werden

benutzt und modifiziert



Theorie des Symbolischen

Interaktionismus

Unsere

Wahrnehmungen und

unser Verhalten sind

geprägt von

• zu „Landkarten“

verdichteten

Symbolenwelten

• von Filtern, die helfen

die Außenwelt zu

vereinfachen und zu

verstehen.

Sie basieren auf Werten

und Glaubenssätzen,

auf Normen

vernünftigen Handelns,

die sich als Kultur

ausdrücken.

Kultur – Landkarten der

Bedeutung, die „Software“ der

Gesellschaft



Ein Netz von Bedeutungsstrukturen,

die Wegmarkierungen der Ordnung,

die gelebten Praktiken und Traditio-

nen, Lebensstile, Konventionen.

Ein stets in Bewegung befindliches

Orientierungssystem, ein Rahmen, in

dem Zugehörigkeit als Identität erlebt

wird.

Kultur ist ein Modell für Verhalten

Menschen benutzen Kultur, um ihre

Aktivitäten zu organisieren und zu

normalisieren. Elemente von Kultur

werden verwendet, bewahrt, modifiziert,

verworfen, je nach dem, wie nützlich sie

bei der Organisation von Realität sind.

Somit ist Kultur ein „Programm“, dessen

Anwendung unter bestimmten sozio-

historischen Bedingungen das hervor-

bringt, was wir als kulturelle Phänomene

bezeichnen (etwa Mythen, Riten,

Erziehungsstile, Vergnügungspraktiken).

„Culture is a design for living", mit ihr

"findet die Gesellschaft zu ihren Formen"

(Georg Simmel).

In den Industriegesellschaften hat die Medien- und Kultur-

industrie die Rolle übernommen, neue Themen, Ideen,

Lebens- und Modernisierungsentwürfe in die Gesellschaft zu

implantieren, bislang „fremde“ Positionen zu vermitteln und

damit auch kulturelle Wandlungsprozesse zu initiieren.

Kultur, das Formenprogramm einer Gesellschaft, wird durch

Kommunikation gesteuert, Bedeutungen und Sinn werden

kommunikativ – interpersonell und/oder durch technische Medien

– ausgehandelt bzw. angeeignet. Nachdem kulturelle Systeme als

prinzipiell offene und wandlungsfähige Systeme gesehen werden,

sind auch die Individuen als handelnde Akteure zu begreifen, die

auf ihr gesellschaftliches Umfeld reagieren. Sie nehmen Einfluss,

arrangieren sich mit neuen Positionen, leisten Widerstand,

vertreten ihre Interessen, bilden Konsumgewohnheiten oder auch

einen „Eigensinn“.

Sie formen somit Lebensstile, entwickeln ihre Kultur als

Lebensweise, die sie immer wieder modifizieren. Kultur

schlägt sich daher in Symbolen, Überzeugungen, Werten,

Geschmacksurteilen, Normen, Lebensentwürfen usw.

nieder, die der Erhaltung und Reproduktion der Gesell-

schaft dienen und durch ihre Dynamiken auch deren

Wandel herbeiführen. Raum-zeitliches Neben- und

Durcheinander, Entgrenzung, Verschmelzung und lokale

Aneignung globaler Trends kennzeichnet die Welt.

Grenzüberschreitung Gegenstand jeglicher Kulturforschung

– Ethnologie spricht z.B. von der Transgression, der

Überschreitung der Alltagsvernunft

Alfred Schütz versteht die Fremdwahrnehmung – damit auch

Infragestellung der eigenen Sinnproduktion – als

Kommunikationsvoraussetzung

Kultur heißt immer auch kulturelle Differenz, im Prinzip

Paradoxie statt Orthodoxie, deswegen lehnen wir

Fundamentalismus auch ab, weil sie dem Recht auf

Andersheit widerspricht

Unesco Universal Declaration on Cultural

Diversity

Article 1

Cultural Diversity: the common heritage of

humanity



Culture takes diverse forms across time and

space. This diversity is embodied in the

uniqueness and plurality of the identities of the

groups and societies making up humankind. As a

source of exchange, innovation and creativity,

cultural diversity is as necessary for humankind

as biodiversity is for nature.

3 - Transkulturalität

Alle heutigen Kulturen

sind längst voneinander

durchdrungen, die

Lebensstile sind

multiethnisch und

multikulturell.



Denn: Kultur ist kein

hermetisches Konzept,

sondern ermöglicht

Außeneinflüsse. Es

kommt zur permanenten

Überschreitung

bisheriger kultureller

Grenzen, zu

Vermischung und

Hybridisierung.

Transkulturalität heißt, von

Denkweisen sauberer Trennung

des Eigenen vom Fremden

abzugehen und zu Denkformen

des Gewebes, der Verflechtung,

des Flusses zu kommen.



Denkfiguren der TK sind der

„Übergang“, „dritte Kulturen“,

„Verkreuzungen“, d.h. kreo-

lische Formen von temporärer

Gültigkeit.



Es gibt kein strikt Fremdes und

kein strikt Eigenes mehr,

sondern Durchdringungen –

transversale Identitäten.

Tourismus und globale

Kulturindustrie heben

die Separiertheit und

Besonderheit von

Kulturen tendenziell auf.



Transkulturalität ist

daher ein Prozess, bei

dem die neuen

Lebensformen und Stile

den Kulturbegriff im

Sinne von abgegrenzten

und homogenen

kulturellen Ordnungen

oder von Nationalkultur

längst durchdrungen

haben.

„Es geht längst nicht mehr um Echtheit, Ursprung oder

innere Kohärenz. Alle Kulturen sind zusammengestückelt;

vom Standpunkt des Ethnopuritaners passt nichts mehr

zusammen: Auf den strohgedeckten Kegeldächern stehen

Fernsehantennen, auf unseren maschinell hergestellten

Textilien erscheinen „Ethnomuster“, Büromenschen

beschäftigen sich in der Freizeit mit Yoga und Buddhismus.

Wenn es keine Reinheit mehr gibt, braucht man auch nicht

mehr über Synkretismus zu sprechen. Alles ist Aura,

atmosphärischer Nebel, den die Menschen benötigen wie die

Luft zum Atmen.“ (Bernhard Streck, Fröhliche Wissenschaft Ethnologie)

Im Zentrum steht nicht die Frage nach dem Eigenen

oder Fremden, sondern nach der neuen Qualität und

Besonderheit des transkulturell Neuen, Gemeinsa-

men oder auch Trennenden.

Im Zeitalter der Globalisierung ist anstelle der klaren Trennung

zwischen Vertrautem innen und dem Fremden draußen eine

allgemeine Vertrautheit, aber auch eine globale Selbstentfremdung

getreten. Alles wird gewissermaßen gleich vertraut wie fremd,

Zentrum und Peripherie laufen durcheinander.

Die Vielfalt von Sichtweisen, Kostümen, sozialen Strömungen und

moralischen Konventionen erzeugt aber auch Angst und Konflikt,

weitet Gräben unter Umständen und führt zu Fragmentierungen,

Rückzug – zur Erschütterung der Horizonte.

Transkulturalität impliziert den Verzicht auf Klarheit, Eindeutigkeit

und Wahrheit – die Wahrheit ist so endlos wie die Schönheit.

In der vernetzten, globalisier-

ten Welt formen deterritorial

agierende Medienkonzerne

geo- und transkulturelle

Märkte.



Verdichtungen erfolgen in

globalen Medienstädten zu

Hybridkulturen, dort findet

man aber auch den

Widerspruch:

In der Praxis wird die Über-

schreitung von nationalen

wie kulturellen Zugehörig-

keitsgrenzen sanktioniert,

ökonomische Konflikte

werden kulturalisiert.

Der globale komplexe und zielgerichtete Transformations-

prozess zwingt kulturelle Ordnungssysteme zu Anpassun-

gen. Entwicklungsländer des Südens und die Staaten

Osteuropas davon stark betroffen – kulturelle Geografie

erlebt einen beschleunigten Wandel.

Konfliktzone zwischen dem „verlässlichen Eigenen im

inneren Kreis“ und den antagonistischen Einflüssen von

außen. Absorbierungspotenzial von Kulturen erheblich.

4 - Globalisierung

Globalisierung bezeichnet eine Transformation der

institutionellen Strukturen der Moderne: der

Nationalstaaten, der kapitalistischen Weltwirtschaft, der

internationalen Arbeitsteilung und der militärischen

Weltordnung.

A. Giddens spricht von einer Intensivierung weltweiter

Verbindungen und auch von einer „kulturellen

Globalisierung“, die zu einem scharfen Kontrast

zwischen Moderne und Tradition geführt hat.

Durch Globalisierungsprozesse werden Nationalstaaten

und ihre Souveränität durch transnationale Akteure, ihre

Machtchancen, Orientierungen, Identitäten und

Netzwerke unterlaufen und querverbunden. Dieser

Prozess wurde durch den Neoliberalismus und die

Technikentwicklung massiv beschleunigt.

Globalisierung aus kulturwissenschaftlicher Perspektive



Prozesse, die grenzübergreifend bzw. weltweit wirksam sind

und Gesellschaften über Raum und Zeit in Verbindung setzen

Ethnoscapes

Flüchtlings-, Migranten- und

Gastarbeiterströme erzeugen

im ethnischen Bereich

Vermischungen und damit

globalisierende Tendenzen.



Technoscapes

Technologietransfer verän-

dert Arbeitsformen und

Berufsbilder; ähnliche

Berufsbilder haben letztlich

auch ähnliche Denkweisen

zur Folge.



Financescapes

weltweit agierende Wirt-

schaftsimperien, Geldtrans-

aktionen, Börsen und

Aktienhandel haben auch

weltweite Auswirkungen.

Mediascapes

transnationale Informations-

und Unterhaltungsindustrien

sorgen für den weltweiten

Vertrieb von

Medienprodukten.



Ideoscapes

die Propagierung von

bestimmten Werthaltungen,

Lebensformen (z.B. American

Way of Life), Vorstellungen

von Demokratie,

Menschenrechte, die

Verbreitung von Religionen

(etwa Islamisierung, Transfer

asiatischer Lehren in

Managementseminare etc.).

Alle diese Einflussfaktoren können

Auslöser von kulturellem Wandel

sein oder diesen behindern. Die

weltweite Interdependenz ist am

besten im ökologischen Bereich

erkennbar. Atomare Bedrohung,

Treibhauseffekt und Ozonloch

stellen Bedrohungen dar, die

nationalstaatliche Denkweisen oder

derartige Lösungsvorschläge

obsolet machen, da diese

Bedrohungen nicht vor nationalen

Grenzen halt machen.

=> C a t a s t r o s c a p e s



Globale Einflussgrößen und

globale Bedrohungslagen (z.B.

Terrorismus, Seuchen) verlangen

daher auch Maßnahmen, die global

wirken. Neue Strategien in

Richtung „gobal governance“

müssen entwickelt werden.

Theoriedis-

kurse im

Kontext von

Transkultu-

ralität und

Globalisie-

rung

Weltkultur –

Glokalisierung der Welt

Globale Monokultur oder Welt der Verschiedenheit?

„McWorld“ oder Erneuerung nationaler bzw. kultureller

Identitäten und Schutz der Rechte indigener Kulturen?

Weltkultur als

Supermarkt?





Weltweite Angebun-

denheit (Konnektivität)

führt zu Integration

oder neuem

Kulturimperialismus?





Konsumerismus als

Kulturideologie des

globalen

Netzwerkkapitalismus

Deterritorialisierung



Produkte haben keine

nationale Beschränkung,

Esskultur global und

pluralistisch, nicht

homogen.

Kauf von alltäglichen

Gütern zeigt kosmopoli-

tane Entwicklung, wir

leben in lokalen wie

globalen Kontexten zur

gleichen Zeit.

Kontrast dazu:

Rückzugskulturen

Kulturelle Diversität

Anerkennung auch im

globalen Zeitalter

(Unesco Declaration

on Cultural Diversity)



Weltkultur produziert

Differenz in der

Praxis und enthält

Differenz im Prinzip



Indigene Kulturen

benötigen Schutz und

die Globalisierung ein

„menschliches

Antlitz“

Weltkultur als Folge europäischer Zivilisation?

Imperialismus & Kolonialismus; Logik und Aufklärung;

Freiheit - Gleichheit – Brüderlichkeit oder Lernen von Asien?

Hochkulturen der archaischen Gesellschaft und Subsistenz

der Stammeskultur – globale ökologische Verantwortung?

Die transkulturelle Kommunikationswissenschaft versucht,

den ineinander verschlungenen Ketten theoretischer wie

empirischer Erklärungszusammenhänge auf die Spur zu

kommen. Das System wird aber immer komplexer – etwa

durch neue Technologien. Die Erkenntnis hängt den beweg-

lichen Horizonten notgedrungen hinterher.

Um Transkulturalität zu

analysieren bedarf es einer

entgrenzten Kommunika-

tionswissenschaft als

Methodologie, denn es geht

nicht nur um die Zeichen

selbst.

Was nützte uns die Elek-

trizität ohne die Erfindung

des Lichtschalters?

Edisons Genialität brachte

der Welt eine neue Form von

Energie. Erst durch den

Schalter aber wird es im

Raum hell und man sieht

sein Gegenüber.


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