Qualifizierungspass, Bildungspass, Kompetenzausweis im Kontext von by dV4D3c3b

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									Qualifizierungspass,
Bildungspass,
Kompetenzausweis
im Kontext von
europäischen Ansätzen
zur Ermittlung und
Bewertung von
erworbenen
Kenntnissen
und Kompetenzen




Oktober 1999
FREUDENBERG STIFTUNG GmbH
Freudenbergstr. 2
69469 Weinheim
Tel. 06201-17498
Fax 06201-13262
email info@freudenbergstiftung.de
Ansprechpartnerin: Pia Gerber




                                    2
INHALTSVERZEICHNIS


                                                             Seite

1.   Vorbemerkung: Europäische Entwicklungslinien
     zwischen EuroPass und Personal Skills Card               3


2.   Ausgewählte Blicke über den deutschen Tellerrand auf
     europäische Systeme zur Ermittlung und Anerkennung
     informell erworbener Kompetenzen                         4-6


3.   Modellhafte Ansätze in der Bundesrepublik Deutschland    6-8


4.   Qualipass der Regionalen Jugendinitiative Badische
     Bergstraße für mehr Arbeitsmarktchancen junger
     Menschen durch Dokumentation ihrer Fähigkeiten           8-9


5.   Das Ausgangsmodell für einen Qualipass                  10 - 14


6.   Literatur                                                    15




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1.    Vorbemerkung: Europäische Entwicklungslinien zwischen EuroPass und
      Personal Skills Card

Mit dem EU-Ministerratsbeschluss vom Dezember 1998 wurde die Einführung eines
sogenannten EuroPasses ab 1. Januar 2000 beschlossen, der die Ableistung von
Auslandsaufenthalten in anerkannten Ausbildungsbetrieben sowie deren
wechselseitige Anerkennung dokumentieren soll. Für Auszubildende wird damit die
Möglichkeit geschaffen, ausgewählte Teile der Lehre in einem europäischen
Nachbarland zu machen. Konkrete Kooperationsprojekte in der Bundesrepublik
veranstalten z.B. die Handwerkskammer Aachen mit den Niederlanden, die
Handwerkskammer München mit Irland sowie das Kultusministerium des Saarlandes
mit Luxemburg und Frankreich.

Demgegenüber wird mit der Entwicklung der Personal Skills Card (PSC) ein
europäisches System zur Anerkennung von Fähigkeiten beabsichtigt,        unabhängig
davon, an welchem Lernort diese Fähigkeiten erworben wurden. Gedacht ist an eine
standardisierbare Vorlage, in die Kernwissensbereiche, berufliche und
fachspezifische Kenntnisse sowie Schlüsselfähigkeiten eingetragen werden können.
Die Absicht, eine PSC einzuführen, wird derzeit mit über 30 transnationalen
Projekten der EU-Kommission verfolgt.

Diese Spannweite ist symptomatisch für die Ausprägung unterschiedlicher Kenntnis-
bzw. Fähigkeitsnachweissysteme: Von der Dokumentation und Anerkennung
berufslaufbahnrelevanter Bausteine bis hin zur Bewertung und Dokumentation
informell erworbener Kompetenzbereiche. Beiden Polen zugrunde liegt jedoch eine
Aufweichung eingleisiger Wege ins und durchs Arbeits-/ Berufsleben, die positiv
betrachtet mit der Devise "Umwege erweitern die Berufskenntnisse" sowie der
europäischen Perspektivenerweiterung und negativ mit "Krise der Arbeitsgesellschaft
sowie traditioneller Berufsbildung" zusammenhängen.




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2.   Ausgewählte Blicke über den deutschen Tellerrand auf europäische
     Systeme zur Ermittlung und Anerkennung informell erworbener
     Kompetenzen


     Land         Einführungsjahr/   Hauptmerkmale
                  Veränderungen

     Australien   1990               - Einführung eines nationalen
                  1995 - 1996        Ausbildungsausschusses, der für
                                     einheitliche nationale Kompetenz-
                                     standards zuständig ist

                                     - Systeme zur Anerkennung von
                                     früher erworbenen Kenntnissen
                                     und Bewertung von Lernen
                                     durch Erfahrung


     Frankreich   1985               - Seit 1985 Gesetzesgrundlage zur
                  1991               Anerkennung von früher erworbenen
                  1992               Kenntnissen auf der Basis einer seit
                                     1963 bestehenden Tradition anrechen-
                                     barer Lerneinheiten: Modulare Nach-
                                     qualifizierung zur Erreichung eines
                                     Diploms möglich, d.h. individueller
                                     Entwicklungsplan

                                     - 1991 Einführung des bilan de compétence
                                     mit Bildungsurlaub hierfür sowie der centres
                                     de bilan

                                     - drei Niveaus des bilan de compétence:
                                     1. bilan des position für SchulabgängerInnen
                                        als Dokumentation ihrer Wissensbestände
                                     2. bilan d'orientation als Berufsfindungshilfe
                                     3. bilan d'orientation et d'education als eine
                                        Art Assessment unter Einschluss eines
                                        individuellen arbeitsmarktbezogenen
                                        Entwicklungsprojektes




                                                                                      5
                               - zentraler Funktionszusammenhang der Bilanz:
                               Für den gelingenden Berufseinstieg werden für
                               Firmen auf deren Fragestellungen und
                               Kompetenzbedarf hin spezifische Kompetenz-
                               profile mit jungen Menschen erstellt. Grund-
                               gedanke: Die Entwicklung eines Bildungsprofils
                               ist ein Pozess und muss dialogorientiert sein,
                               d.h. die Angebots- und Nachfrageseite
                               miteinbeziehen

                               - Anrechnungsfähigkeit von Praxisleistungen
                               auf ein Diplom bei mindestens fünfjähriger
                               Arbeitspraxis


Irland           1993 – 1994   - Modellprojekt 1992 – 1994 zur software-
                               gestützten Methodik für die Anerkennung
                               bisherigen Lernens (Recognition of prior
                               learning/RPL)

                               - Stand 1997: Existenz einer nationalen
                               gesetzlichen Zertifizierungsbehörde.
                               Anerkennung mit der Wirtschaft abgestimmter
                               Qualifizierungsmodule mit Hilfe von zwei
                               Methoden: Erstellung von Kompetenzportfolios
                               und formale Prüfungen. Derzeitige Erprobung
                               in verschiedenen Sektoren: Einzelhandel,
                               Baubranche, Elektronik- und Transportgewerbe

                               - Rahmen: Erstellung nationaler Qualifikations-
                               anforderungen, die zwischen den Sozial-
                               partnern/Sozialpartnerinnen ausgehandelt
                               wurden und als legitim betrachtet werden


Großbritannien   1986          - Einführung eines Systems nationaler
                 1991          beruflicher Befähigungsnachweise mit
                               standardisierten Kompetenzanforderungen
                               (National Vocational Qualifications)

                               - Zwei Hauptstufen:
                               1. Phase: Verfahren zur Identifikation vor-
                               handener Fähigkeiten einschließlich der
                               Erstellung eines individuellen Entwicklungs-
                               plans




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                                       2. Phase: Accreditation of Prior Learning
                                       (APL) umfasst den Erwerb der formalen
                                       Anerkennung einzelner Module in Form eines
                                       Zertifikats, die für einen Diplomerwerb
                                       anrechnungsfähig sind. Voraussetzung der
                                       Anerkennung außerberuflicher Qualifikationen
                                       ist eine mindestens fünfjährige Berufs-
                                       erfahrung. Keine eigene Gesetzgebung im
                                       Unterschied zu Frankreich.


Zusammenfassende These von BBJ Servis gGmbH, Berlin:

Die verlässliche Anerkennung früherer - meist informell erworbener – berufs-
relevanter Kenntnisse gelingt insbesondere dann, wenn

    nationale Rahmenstandards, transparente Berufsbilder und Anforderungsprofile
     existieren
    alle SozialpartnerInnen beteiligt sind (Gewerkschaften, Kammern...)
    eine Verzahnung der Verfahren zur Identifikation vorhandener Kompetenzen,
     Beratung zur individuellen Weiterentwicklung und Zuordnung zu bestehenden
     Berufsbildern besteht.




3.      Modellhafte Ansätze in der Bundesrepublik Deutschland

Die Diskussion um den Bildungspass ist bereits 25 Jahre alt. Schon 1974 wurde über
die Einführung eines Portfolios nachgedacht zu der Zeit, als die Externen-prüfung
sowie die Sonderbegabtenprüfung in das westdeutsche Berufsbildungs-system
eingeführt wurden. Als frühe Dokumentation von erworbenen Kompetenzen -
allerdings auf die Berufspraxis bezogen - könnten auch die Reisehandbücher der
Zimmerfachleute betrachtet werden. Die nicht orts-gebundenen Mitglieder der
einzelnen Schächte führ(t)en eine Art Reisetagebuch, in der der jeweilige
Arbeitgeber die Dauer der Beschäftigung und seine Zufriedenheit mit dem Mitarbeiter
einträgt.

Aktuell wird in unterschiedlichen Formen über die Dokumentation informell
erworbener Kompetenzen nachgedacht. Repräsentativ für spezifische
Entwicklungsstränge werden ausgewählte Modellprojekte hier exemplarisch in aller
Kürze vorgestellt.




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a) Deutsches Jugendinstitut München (DJI)

Das DJI arbeitet an einem Forschungsprojekt Familienkompetenzen als innovative
Personalpolitik. Dabei geht es um die Identifikation von Kompetenzen, die durch
Familienmanagement und Erziehungsprozessgestaltung erworben wurden.
Einbezogen in dieses Projekt mit dem Ziel der Erstellung einer Expertise sind
Kammern, TarifpartnerInnen etc. Auf der Basis von Arbeitsplatz-beschreibungen
werden Anforderungsprofile für potentielle ArbeitnehmerInnen erstellt. Aus diesen
Anforderungsprofilen wiederum soll eine Vorlage für einen Kompetenzpass erarbeitet
werden.

Angeregt wurde die Arbeit des DJI durch ein Praxisbeispiel aus der Schweiz im
Schwerpunkt Sozialkompetenzen von Frauen durch Familienarbeit der Schweizer
Modulzentrale, die Teil der Schweizerischen Gesellschaft für angewandte Berufs-
bildungsforschung ist.


b) Kooperation zwischen Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) und BBJ
   SERVIS gGmbH

Die BBJ Serivs gGmbH hat in Zusammenarbeit mit dem BIBB ein Modell für einen
Qualifizierungspass entwickelt, der als Zertifizierungsinstrument im Rahmen der
modularen Nachqualifizierung zur Bürokauffrau/zum Bürokaufmann vorgesehen ist.
Es geht hier um die Dokumentation erfolgreich abgeschlossener Einzelmodule zur
Erlangung eines anerkannten Berufsabschlusses zur Bürofachkraft via
Externenprüfung.

Angedacht als Instanz zur Kontrolle und Registrierung der Module ist die BBJ
Service gGmbH, wobei zugleich ein Vorschlag zur Einrichtung einer bundesweiten
Modulagentur vorliegt, die von den relevanten Partnern wie Kammern, Tarifparteien,
Fachverwaltungen für Schulen, Berufs- und Weiterbildung getragen werden soll. Der
Pass selbst ist als Dokument zum persönlichen Verbleib nach Abschluss der
individuellen Qualifizierungslaufbahn vorgesehen.

Bisherige Inhalte des Qualifizierungspasses:

   Daten zur Person der InhaberIn
   Qualifizierungsinhalte des jeweiligen Moduls
   erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten.




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Zentral daran ist die Anerkennungsfähigkeit von exakt definierten Nach-
qualifizierungsmodulen im Rahmen eines bestehenden Berufsbildes. Neu ist dabei
die offene Auflistung von erworbenen Zusatzqualifikationen.


c) Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in der Diözese Mainz

Im Vorlauf der Entwicklung eines Nachweisheftes für ehrenamtliches Engagement
hat der BDKJ Mainz bei 70 Unternehmen eine Befragung durch- geführt, die der
Erhebung von ausschlaggebenden Kriterien in deren Einstellungs- verfahren diente.
Das Ergebnis war die Veröffentlichung einer Firmenhitliste von
Schlüsselqualifikationen, zu denen vor allem Teamfähigkeit, Eigeninitiative,
Verantwortungsbewußtsein, Kommunikationsfähigkeit etc. gehören. Nach den
Erfahrungen der JugendverbandsmitarbeiterInnen sind die genannten Fähigkeiten für
Jugendliche gerade im Rahmen von ehrenamtlichem Engagement zu erwerben.
Deshalb hat der BDKJ Textbausteine zur Beschreibung, zum Kompetenzerwerb und
zur Laufbahnempfehlung entwickelt. Ein vergleichbares bundesweites
Dokumentationsverfahren für Freiwilligenarbeit wurde gemeinsam von zahlreichen
gemeinnützigen Verbänden vorgelegt. Trägerorganisationen sind u.a. die
Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, der Deutsche Caritas Verband, die
Evangelische Frauenarbeit in Deutschland sowie der Deutsche Kinderschutzbund.



4.    Qualipass der Regionalen Jugendinitiative Badische Bergstraße für mehr
      Arbeitsmarktchancen junger Menschen durch die Dokumentation ihrer
      Fähigkeiten

Ursprungsidee und Ausgangsfragen:
Was kann eine Jugendliche oder ein Jugendlicher? Was weiß sie/er? Wo hat sie/er
ihre/seine besonderen Stärken? Was könnte er/sie noch dazulernen? Schätzt sie/er
sich und seine Arbeitsmarktchancen realistisch ein?

Bisheriges Konzept:
Der Qualipass soll die verschiedenen Lernorte und Lernprozesse, die ein Mensch
außerhalb von Schule und Beruf durchläuft, dokumentieren. Gemeint sind
Erfahrungen durch ehrenamtliche Vereinstätigkeiten, Mitwirkung in Initiativen,
Schülerzeitungen, Jugendclubs, aber auch Ferien- und Honorarjobs, Praktika,
Aushilfstätigkeiten, Auslandsaufenthalte, Seminare, Weiterbildungen usw. Damit
dokumentiert der Qualipass fortlaufend Fähigkeiten und Kenntnisse als Ergebnisse
der verschiedenen Lernstationen. Er kann darüber Auskunft geben, was jemand zu
einem bestimmten Zeitpunkt kann, was sie oder er weiß und auch mit welcher
Haltung jemand an eine Sache herangeht.




                                                                                   9
Der Qualipass soll den Inhaberinnen/Inhabern dabei helfen, die eigenen Stärken und
Entwicklungsmöglichkeiten durch ein kontinuierliches Feedback besser einschätzen
zu können.

Sinn und Zweck ist die Erweiterung der Vermittlungschancen in eine       geeignete
Ausbildung, Arbeit, Existenzgründung oder eine gezielte    Weiterbildung. Das
Schulzeugnis allein sagt nicht genug darüber aus, in welchen Bereichen Jugendliche
praktische oder soziale Kompetenzen haben und welche Tätigkeit zu ihnen passen
könnten. Arbeitgeber sowie Aus- und Weiterbildungsträger können durch den
Qualipass klarer erkennen, ob ein Bewerber dem eigenen Anforderungsprofil
entspricht oder zunächst noch eine begleitete Praxisphase 'einschieben' sollte.

Für junge Menschen können sich Praktika, Ferienjobs, das Auskennen in mehreren
Kulturen, Freiwilligenarbeit usw. auf neue Weise lohnen. Das
Erfahrene und Gelernte kann nun im Qualipass beschrieben und zertifiziert
werden. Um die Selbsteinschätzung zu schärfen, sollte bei jeder Fremd-bewertung
auch eine Eigenbewertung durch die Qualipassinhaberin/den
Qualipassinhaber selbst vorgenommen werden.

Haben Jugendliche genügend Qualifikationen gesammelt, können sie an einem
Assessment teilnehmen und dadurch erfahren, welche Wege sie auf dem
Berufsbildungs- und Arbeitsmarkt nun gehen können.

Verwaltet wird der Qualipass in Weinheim bei JobCentral und wird auch dort
hinterlegt. Die Praxisstellen im Raum Badische Bergstraße werden ebenso bei
JobCentral gesammelt.




                                                                                10
5.    Das Ausgangsmodell für einen Qualipass

Qualipass
Dokumentation der persönlichen und fachlichen Kompetenzen




                        Inhaber/in:




                                                            11
Dieser Qualipass gehört:



Name:          ...................................................................

Vorname:                 ....................................................................

Geburtsdatum:            ....................................................................

Anschrift:               ....................................................................

                         ....................................................................

Telefon:                 ....................................................................



***************************************************


Zertifikat


Praxisstelle/Betrieb:

Anschrift:

Dauer des Praktikums:

Tägliche bzw. wöchentliche Arbeitszeit:

Tätigkeitsschwerpunkte:



Ort und Datum:

Praxisbetreuer/in:

Stempel der Praxisstelle:




                                                                                                12
a) Beschreibung aus Sicht der Praxisleitung

Frage:

Was konnte und wusste Frau/Herr...
zu Beginn des Praktikums?

Welche Fähigkeiten und Fertigkeiten
konnte sie/er während des Praktikums
erwerben?

Ihren/seinen Schwerpunkt legte Frau/Herr...
auf folgende Bereiche:

In den nachfolgenden Bereichen konnte
Frau/Herr... eigene Fähigkeiten am stärksten
einbringen:


b) Einschätzung durch die Praxisbegleitung

Bereich1                                     Was schätze ich                   Wo sehe ich
                                             an Frau/Herrn...                  Entwicklungs-
                                                                               möglichkeiten?
Motivation, Engagement
Leistungsbereitschaft

Persönliche Schlüssel-
fähigkeiten

soziale Fähigkeiten

Fachliche Fähigkeiten und
Kenntnisse zu Beginn des
Praktikums

Durch das Praktikum
erworbene fachliche Fähig-
keiten und Kenntnisse

außergewöhnliche
Fähigkeiten Specials
1
    Beispiele zu den genannten Fähigkeitsbereichen finden sich im Anhang unter Glossar




                                                                                                13
c) Selbsteinschätzung der Qualipassinhaberin/des Qualipassinhabers


Am meisten Spass gemacht hat mir...




Mein größter Lernerfolg war...




Am wenigsten kam ich zurecht mit...




Daraus habe ich für mich die
Konsequenz gezogen, dass....




                                                                     14
6.    Glossar zum Qualipass

Motivation meint die Bereitschaft, sich einzubringen, mit dem was jede und jeder
kann. Im Idealfall meint Motivation die Bereitschaft, das Beste zu geben und an den
Aufgaben im Praxisfeld zu wachsen.

Schlüsselfähigkeiten sind Fähigkeiten, die einen Menschen unabhängig vom
konkreten Praxisfeld auszeichnen und wie Schlüssel die Türen zu neuen Bereichen
öffnen. Dazu gehören Kompetenzen wie Selbständigkeit, Zuverlässig-keit,
Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit, Ausdauer, Fähigkeit zum
einfallsreichen Problemlösen, Kritisierbarkeit, Verbindlichkeit, Lernbereitschaft, das
sich Bewegen können in mehreren Kulturen...

Soziale Fähigkeiten bezeichnen Fähigkeiten, die sich auf das konstruktive
Miteinander in einer Gruppe, einem Team, in einer Organisation, einem Betrieb
beziehen. Dazu gehören Kompetenzen wie Zuhören können, sich in ein Team oder
eine Gruppe einbringen können, ohne andere zu verdrängen, mit Meinungs-
verschiedenheiten und Unterschieden in einer Gruppe gut umgehen können, sich
nicht zurückziehen, wenn es Konflikte gibt und fair streiten können...

Fachliche Fähigkeiten und Kenntnisse umfassen das spezielle Know-How, das für
einen bestimmten Arbeitsbereich nötig ist. Im Bereich der Altenhilfe z.B. wären
Kenntnisse über den Umgang mit älteren Menschen, die spezifische Lebens-
situation von alten Menschen usw. An einer Praxisstelle im Metallbereich wird
Wissen erworben im Umgang mit verschiedenen Materialien, deren Bearbeitung,
Schweißen, Löten o.ä.

Außergewöhnliche Fähigkeiten oder Specials hat jeder Mensch, denn jeder ist ein
bisschen anders. Diese außergewöhnlichen Fähigkeiten lassen sich vielleicht nicht
auf den ersten Blick erkennen und lassen sich auch nicht so leicht einordnen und
doch können sie für die passende Berufsfindungeine entscheidende Quelle sein.

Der größte Lernerfolg meint das Highlight an der Praxisstelle, die Erfahrung, von der
jemand am meisten profitiert hat. Das kann eine neue Erkenntnis sein, eine Einsicht
in eigene Fähigkeiten und Grenzen, aber auch eine ganz konkrete Technik oder
Verfahrensweise, die sich jemand in einer Praxisstelle aneignen konnte.

Mit Praxisanleitung ist die Person gemeint, die an der jeweiligen Praxisstelle eine Art
Vorgesetztenfunktion hat, also berät, als Ansprechpartnerin oder -partner zur
Verfügung steht und die Leistungen und Fähigkeiten im Qualipass beschreibt und
bewertet.




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7.    Literatur

BBJ SERVIS gGmbH Berlin (1997), Der Qualifizierungspaß, Zertifizierungs-
instrument für modulare Nachqualifizierungssysteme

Bund der Katholischen Jugend im Bistum Mainz, Referat Jugendverbands-initiative
(Juni 1998), Nachweis für ehrenamtliches Engagement

Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen
und Gesundheit München (November 1997), Familienkompetenzen in der
betrieblichen Praxis

CEDEFOP – Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung
Thessaloniki (September 1997), Ermittlung und Validierung von früher bzw. nicht
formell erworbenen Kenntnisses

CEDEFOP (April 1998), Ausbildung im gesellschaftlichen Wandel, Ein Bericht zum
aktuellen Stand der Berufsbildungsforschung, v.a. S. 223ff

Dede, Ioanna (1999), Qualifizierungspass: Eine Chance für Un- und Angelernte in:
Durchblick 2/99, Zeitschrift für Ausbildung, Weiterbildung und berufliche Integration
der Heidelberger Instituts Beruf und Arbeit




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