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									         Diskussionsbeiträge
               für die
Aufgaben des Rechts und der Ökonomie
              in einem
        Europa der Regionen




   The Third International Forum
    of Investment and Innovation




      01.-03. Juni 2006, Odessa, Ukraine




                                           1
Inhaltsverzeichnis

I. Prof. Dr. Peter-Alexis Albrecht
Die Herrschaft des Rechts in einem Europa der Regionen ...................................................... 1
The Rule of Law in a Europe of regions ..................................................................................... 3

II. Dr. Michael Arndt, Regionspräsident Hannover
Grundzüge und neue Tendenzen kommunaler Selbstverwaltung in Deutschland ................ 5

III. Henning Schapper, Staatssekretär a.D.
Zur inneren Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland ................................................... 7

IV. Rolf Wedemeier, Steuerberater
Grundzüge eines Steuersystems .................................................................................................. 10


V. Gernot Lorenz, Rechtsanwalt und Notar
Aufbau und Organisation der Rechtsanwaltschaft und des Notariats
in der Bundesrepublik Deutschland ........................................................................................... 15


VI. Dr. Paul Helmut Schmitz, Vorstand a.D. Sparkasse Hannover
Sparkasse: Kommunale Finanzierung ....................................................................................... 20

VII. Dipl.-Ing. Mike Schrobsdorff, Bauunternehmer
Öffentliche Private Partnerschaft (ÖPP) ................................................................................... 23
Public Private Partnership (PPP) ............................................................................................... 31

VIII. Dipl.- Ing. Hansjörg Tonscheidt, Immobilienwirtschaft
Interessen privater Immobilienanleger ...................................................................................... 40

IX. Anhang: Kontaktadressen der deutschen Autoren und
Teilnehmer des Symposiums ........................................................................................................... 45




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                                           Prof. Dr. Peter-Alexis Albrecht


                            Die Herrschaft des Rechts in einem Europa der Regionen

                                                    - Grußwort-

      Namens der deutschen Delegation - Experten aus Wirtschaft, innerer Sicherheit und Rechtswissenschaft -
begrüße ich die Repräsentanten, Organisatoren und Teilnehmer des Dritten Internationalen Forums für
Investment und Innovationen und danke für die Einladung.
      Die Nationale Marine-Universität von Odessa - speziell das Institut für deutsches Recht und europäische
Entwicklung, geleitet von Herrn Professor Moschak, hat diese Einladung initiiert. Diese Einrichtung der
Universität versteht sich als Schaltstelle für die wirtschaftlichen und rechtlichen Entwicklungen zwischen der
Ukraine und europäischen Regionen. Das Institut will Möglichkeiten der Kommunikation, der Vermittlung und
des Austausches realisieren.
      Die Wissenschaft, ist sie nicht nur Ausbildungsstätte und Bühne der Theorie, hat auch wichtige
Vermittlungsfunktionen für die politische, soziale und ökonomische Entwicklung der Regionen Europas. Eine
Botschaft hierfür ist die unverzichtbare Funktion des Rechts, die so haben wir aus der unheilvollen Geschichte
des 20. Jahrhunderts lernen müssen der Politik und der Macht unverrückbare und unübersteigbare Grenzen
setzen muß.
      Nur wenn das Recht in der Lage ist, Allen (d. h. den Bürgern und dem Staat) deutliche Handlungsgrenzen
verbindlich vorzuschreiben und vor allem umzusetzen und durch unabhängige Gewalten (d. h. Legislative,
Exekutive und Judikative) zu garantieren, kann sich die Ökonomie demokratisch eingegrenzt und
sozialverträglich entfalten.
      Aber auch die Ökonomie braucht den Schutzraum des Rechts. Gleichheit und soziale Verträglichkeit sind
neben der Entwicklung der Privatautonomie bedeutende Flanken, die die wirtschaftlichen Kräfte kontrollieren
und konturieren müssen. Bürgerinnen und Bürger leben nicht nur für die Ökonomie, sondern von ihr und auch
geschützt vor ihr. Erst am Horizont zeichnet sich dann so etwas wie soziale Gerechtigkeit ab.
      Dieses komplizierte Gleichgewicht demokratisch herzustellen und zu sichern ist die dringendste Aufgabe
des Rechts in allen europäischen Regionen. Den Ungeduldigen mag sich das wie der Gang einer Schnecke
darstellen. Aber es gibt nirgendwo auf der Welt ein anderes als das demokratische Modell, um friedliche
Gestaltungen zu ermöglichen. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine Alternative zur Herrschaft des Rechts. Das
müssen selbst die ältesten Demokratien der Welt immer wieder aufs Neue lernen.
      Die Ukraine steht mit am Anfang einer Macht begrenzenden und Unrecht eingrenzenden
Rechtsentwicklung. Die Bürgerinnen und Bürger der Ukraine haben das eindrucksvoll aller Welt gezeigt. Wir
wünschen diesem prächtigen Land des europäischen Kontinents einer bedeutenden Schaltstelle zwischen
Europa und Asien eine Rechtsentwicklung kraftvoller und schützender Gewaltenteilung zum Wohle des
Friedens, der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und des Glückes der Menschen. Insofern möge das Third
International Forum of Investment and Innovation hierzu einen guten Beitrag leisten. Das Institut für deutsches
Recht und europäische Entwicklungen an der Nationalen Marine-Universität Odessa steht auch für diese
Aufgabe dauerhaft bereit.


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                                     The Rule of Law in an “Europe of regions”


                                                  - Opening Address -



       On behalf of the German delegation - experts from the fields of economy, domestic security and
jurisprudence - I wish to greet the representatives, organisations and participants of the Third International
Forum of Investment and Innovation and express my gratitude for the invitation.
       The National Maritime University of Odessa - in particular the Ukraine Institute of German Law and
European Development headed by Professor Moschak, - initiated the invitation. This university institute sees
itself as a meeting point of economic and legal development between the Ukraine and the regions of Europe.
The institute wishes to create opportunities for communication, negotiation and exchange.
       Science, if it is not only to serve education and be a stage for the presentation of theories, also has an
important role to play as a negotiator for the political, social and economic development in the various European
regions. One important message, a message which we were forced to learn from the fateful history of the
twentieth century, is the indispensable function of law, which must set immovable and insurmountable
boundaries for politics and power.
       Only when law is in a position to set clear and binding boundaries for everyone (i.e. citizens and the state)
and above all to put them into practise and to guarantee them through independent powers (i.e. legislative,
executive, judiciary), can the economy develop democratically and in a socially just manner.
       But economy, too, needs the protection of law. Equality and social justice as well as the development of
private autonomy are important bulwarks which must control and shape the economic forces. Citizens do not
only live for the economy, but also by it and protected from it as well. Only then can we make out the
outlines of something like social justice on the horizon.
       It is the most urgent task of law in all the regions of Europe to produce and secure this complicated
balance in a democratic way. For the impatient, this process may seem to move at a snail�s pace. But in the
whole world, only the model of democracy makes peaceful development possible. Nowhere in the world is there
an alternative to the rule of law. Even the oldest democracies in the world have to learn this again and again.
      Ukraine stands at the beginning of a development of its legal system that will limit power of the state as
well as core wrongth between the individuals. The citizens of Ukraine have shown this to the whole world in a
very impressive manner. We wish this magnificent country on the continent of Europe - an important meeting
point between Asia and Europe - that its legal system may create a strong and protective separation of powers
which will benefit peace, economic cooperation and the happiness of the people. May the Third International
Forum of Investment and Innovation make a fruitful contribution to this process. The Ukraine Institute of
German Law and European Development at the National Maritime University of Odessa will always be
prepared to contribute to this task.




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                                                  II.


                            Dr. Michael Arndt, Regionspräsident Hannover


          Grundzüge und neue Tendenzen kommunaler Selbstverwaltung in Deutschland




1. Die Bundesrepublik Deutschland ist ein föderal ausgerichteter Staat mit 16 Bundesländern.


2. Die unterste und damit den Bürgern nächste Ebene ist die Kommune. Man unterscheidet
zwischen kreisangehörigen Gemeinden und kreisfreien Gemeinden. Für die ersteren erledigt der
Landkreis viele Aufgaben mit (Abfallentsorgung, Naturschutz, Verkehr, Finanzierung der
Soziallasten und der höheren Schulen). Die kreisfreien Städte haben auch die Aufgaben wie die
Landkreise.
3. Die Gemeinden und Landkreise nehmen Aufgaben wahr, die ihnen vom Bund und Land
übertragen sind oder die sie in eigener politischer Verantwortung ausüben.
Bei den übertragenen Aufgaben (verlängerter Arm des Staates) haben die Kommunen nur relativ geringe
Gestaltungsmöglichkeiten. Sie unterliegen insoweit der Rechts- und Fachaufsicht durch den Staat. In
diesem Bereich entscheidet grundsätzlich der Bürgermeister. Die eigenen Angelegenheiten sind die
politisch interessanten (Verkehr, Theater, Museen, Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten). Die
Kommune ist hier relativ eigenständig. Die wichtigen Entscheidungen fallen im Parlament. Der Staat übt
nur die Rechtsaufsicht aus.

4. Die Finanzierung der Gemeinden erfolgt durch
- Steuereinnahmen (Gewerbe-, Grundsteuer, Anteil an Einkommensteuer, Getränkesteuer, Hundesteuer,
Jagdsteuer)
- staatliche Zuweisungen (z.B. für Aufgabenerledigungen im übertragenen Bereich; Ausgleichszahlungen)
-   Gebühren  und    Beiträge     (Straßenbenutzungsbeiträge,       Müllgebühren,     Gebühren     für
Schwimmbadbenutzung, Museen etc.)

5. Die handelnden Organe der Kommunen gehen aus freien und geheimen Wahlen hervor. Die Gewählten
sind Repräsentanten bestimmter Parteien oder Gruppierungen (repräsentative Demokratie�). Es gibt nur
wenig plebiszitäre Elemente in der Kommunalverfassung.

Die Organe: Stadtrat/Kreistag - Verwaltungsausschuss/Kreisausschuss - Bürgermeister/Landrat.
Bürgermeister und Landrat werden unmittelbar gewählt. Die Abgeordnetenwahl erfolgt nach Listen durch
Verhältniswahlrecht, wobei die Reihenfolge der Kandidaten verändert werden kann. Der Bürgermeister
hat eine starke Stellung.




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6. Es gibt in Westeuropa (Deutschland) immer stärkere Tendenzen, sich in Regionen zu organisieren. Ziel
ist es dabei, sich besser zu positionieren und Aufgaben effektiver und ressourcenschonender
wahrzunehmen. Häufig schließen sich kommunale Einheiten zu Planungsverbänden oder
Zweckverbänden (Abfall, Schule) zusammen, um bestimmte Aufgaben gemeinsam zu erledigen. Häufig
kommt es insoweit auch zu vertraglichen Vereinbarungen zur Erledigung einzelner überregionaler
Aufgaben.

Einen besonderen Weg sind wir in der Region Hannover gegangen, wo wir eine in Deutschland bisher
einmalige Verwaltungseinheit geschaffen haben, die für 1,2 Mio. Menschen alle für die Entwicklung des
Raumes Hannover wichtigen Aufgaben plant und vollzieht. Diese Einheit ist durch Gesetz des
niedersächsischen Landtages entstanden und umfaßt die Stadt Hannover und das Umland, also ein Gebiet
etwa von der Größe des Saarlandes.
Ziel der Regionsbildung im Raum Hannover ist eine �Politik aus einer Hand� für den Gesamtraum
Hannover. Dazu gehören der Öffentliche Personennahverkehr (Busse, Straßenbahnen, U-Bahnen), das
Gesundheitswesen einschließlich der 13 Krankenhäuser, die regionale Wirtschaftsförderung, die 15
Berufsschulen mit ca. 35.000 Auszubildenden, der Umweltbereich einschließlich Abfallentsorgung,
Naturschutz, Gewässerschutz und Immissionsschutz sowie der gesamte Sozialbereich mit seiner
Verantwortung für Langzeitarbeitslose, Behinderte, alte Menschen und Jugendliche.
Die Region Hannover wurde 2001 gegründet und hat in den ersten 5 Jahren ihres Bestehens zahlreiche
bedeutende Beweise ihrer erfolgreichen Arbeit geliefert, so daß in Deutschland und dem benachbarten
Ausland vielfach die Absicht besteht, dieses oder ein ähnliches Modell für kommunale Ballungsräume
gleichfalls einzuführen.




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                                                         III.


                                      Henning Schapper, Staatssekretär a.D.


                           Zur inneren Sicherheit in der Bundesrepublik Deutschland




     Einleitung

      Wenn Sie verstehen wollen, wie in Deutschland innere Sicherheit hergestellt wird, wie die
Sicherheitsbehörden arbeiten und wie sie kooperieren, müssen Sie Zweierlei vor Augen haben:

     1.Deutschland ist ein Bundesstaat, in dem die Staatsaufgaben auf zwei Ebenen verteilt sind: die
Bundesebene und die Länderebene.

      2. Deutschland ist ein Rechtsstaat, in dem - um nur einen Aspekt herauszugreifen - die Zuständigkeiten
der einzelnen Sicherheitsbehörden klar gegeneinander abgegrenzt sind.



     I.     Bundesstaat

     1.1 Polizei ist grundsätzlich Länderangelegenheit

      Das Bundeskriminalamt - als eine von zwei Bundespolizeibehörden - hat mit Gefahrenabwehr nichts zu
tun. Auf dem Gebiet der Strafverfolgung gibt es nur einige, insbesondere Staatsschutzdelikte, für die die
Ermittlungen dem BKA übertragen werden können. Das BKA ist Zentralstelle, die Informationen sammelt und
weitergibt, Kriminaltechniken entwickelt und die Länder berät.
      Die zweite Bundespolizeibehörde, - die heute Bundespolizei heißt - bis vor einigen Monaten hatte sie den
Namen „Bundesgrenzschutz“ -, ist die deutsche Grenzpolizei. Im Inland hat sie die Aufgabe der Bahnpolizei und
hat die obersten Bundesorgane zu schützen (Personenschutz, Objektschutz). Da im Westen Grenzkontrollen
praktisch weggefallen sind und im Osten in absehbarer Zeit wegfallen werden, ist die Bundespolizei auf der
Suche nach neuen Aufgaben im Inland.

      Bei Großeinsätzen sind die einzelnen Länder auf die Unterstützung der anderen Länder und des Bundes
angewiesen. Zur Begleitung einzelner Großereignisse - zum Beispiel jetzt der Fußballweltmeisterschaft -
müssen tausende Beamte der Bundespolizei und der Länder zusammengezogen werden. Diese Zusammenarbeit
klappt mittlerweile sehr gut.

     1.2 Die Tätigkeit der Inlandsnachrichtendienste bezeichnet man in Deutschland als Verfassungsschutz.
Für den Verfassungsschutz sind der Bund und die Länder nebeneinander zuständig, so dass es neben dem
Bundesamt für Verfassungsschutz 16 Länderverfassungsschutzbehörden gibt. Da jede dieser Behörden ihre


                                                                                                            7
Quellen schützen und ihre Informationen für sich behalten will, gibt es bei der Zusammenarbeit, insbesondere
beim Datenaustausch, erhebliche Probleme.



      II.   Rechtsstaat

      2.1 Die Verfassungsschutzbehörden haben ausschließlich die Aufgabe, Informationen zu sammeln, zu
bewerten und an ihre Regierung weiterzugeben. Sie haben keinerlei exekutive Zuständigkeiten. Im Verhältnis
zwischen Polizei und Verfassungsschutz gilt das Trennungsgebot. Das heißt, Polizei und Verfassungsschutz
dürfen organisatorisch nicht zusammengefaßt werden. Welche inhaltliche Bedeutung dem Trennungsgebot
zukommt, war umstritten. Seit dem Volkszählungsurteil des Bundesverfassungsgerichts (1983) ist nicht mehr
umstritten, dass Polizei und Verfassungsschutz Daten nur für eigene Zwecke erheben und nur unter sehr engen,
durch den Gesetzgeber geschaffenen Voraussetzungen austauschen dürfen, wenn dies für die Aufgabenerfüllung
des Empfängers unverzichtbar ist.

      Hierdurch wird die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Verfassungsschutz nicht gerade erleichtert.

      2.2 Im Volkszählungsurteil hat das Bundesverfassungsgericht das so genannte Recht auf informationelle
Selbstbestimmung entwickelt. Grundsätzlich muß der Bürger Einschränkungen seines Rechts nur im
überwiegenden Allgemeininteresse hinnehmen. Diese Beschränkungen bedürfen der gesetzlichen Grundlage,
aus der sich ihre Voraussetzungen und ihr Umfang klar ergeben. Dabei hat der Gesetzgeber den Grundsatz der
Verhältnismäßigkeit zu beachten. Mit anderen Worten: der Bürger ist vor staatlichen Eingriffen in sein Recht
auf informationelle Selbstbestimmung besser geschützt als vor Beschränkungen seiner körperlichen
Unversehrtheit. Meines Erachtens hat sich hier das Bundesverfassungsgericht bei der Güterabwehr zwischen
Freiheit und Sicherheit klar zugunsten der Freiheit entschieden.

      Mit einem Ende Mai diesen Jahres verkündeten Urteil hat das Bundesverfassungsgericht diese
Wertentscheidung nochmals bestätigt. Es hat die Rasterfahndung nur dann für zulässig erklärt, wenn bereits eine
konkrete Gefahr vorliegt. Rasterfahndung ist der Abgleich von vorhandenen Daten, die in verschiedenen
Dateien gespeichert sind, um etwa eine bislang nicht bekannte Terroristengruppe aufzuspüren. Rasterfahndung
ist also ein Instrument der Gefahrenermittlung. Wenn eine konkrete Gefahr bereits vorliegt, ist dieses
Instrument überflüssig. Praktisch ist die Rasterfahndung damit verboten.

      2.3 Für die Gewährleistung der äußeren Sicherheit haben wir die Bundeswehr. Im Inland hat sie keinerlei
polizeiliche Aufgaben. Nach dem Grundgesetz darf die Bundeswehr nur zur Hilfe bei einer Naturkatastrophe
oder bei einem besonders schweren Unglücksfall angefordert werden. Wie das Bundesverfassungsgericht
ebenfalls vor wenigen Wochen entschieden hat, ist eine solche Lage nicht gegeben, wenn etwa ein von
Terroristen gesteuertes Flugzeug über Berlin kreist und das Bundeskanzleramt bedroht. Nach der jetzigen
Verfassungslage dürfte kein Jagdflugzeug der Bundeswehr aufsteigen und die Maschine der Terroristen
abdrängen.

     Mit dieser Entscheidung hat sich eine zuvor geführte Diskussion über die Frage erledigt, ob die
Bundeswehr zur Entlastung der Polizei bei den Fußballweltmeisterschaften eingesetzt werden dürfte.



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      III.   Schlussbemerkung

    Aus meinen Ausführungen ist sicherlich deutlich geworden, dass es die Polizei unter den
Rahmenbedingungen des Bundesstaates und des Rechtsstaates nicht immer leicht hat, ihre Aufgaben zu erfüllen
und die innere Sicherheit zu gewährleisten. Aber sie hat gelernt, mit den Beschränkungen� umzugehen, die
sich aus den Vorgaben des Rechtsstaats ergeben. Unsere Polizei arbeitet erfolgreich, und Deutschland ist eines
der sichersten Länder der Welt. Wie die jüngste Kriminalstatistik zeigt, ist die ohnehin relativ niedrige Zahl der
Straftaten in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen und die Zahl der aufgeklärten Straftaten ist
gleichzeitig auf nahezu 60% gestiegen. Ich möchte Sie also ermuntern, dem deutschen Vorbild zu folgen, Ihren
Rechtsstaat auszubauen und Ihre Polizei einzubeziehen. Das ist übrigens auch eine Voraussetzung, um Mitglied
der EU zu werden.




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                                                       IV.


                                          Rolf Wedemeier, Steuerberater

                                        Grundzüge eines Steuersystems




     Seit etwa 15 Jahren beschäftigen sich in Deutschland Steuerrechtstheoretiker intensiv mit� einer
grundsätzlichen Modernisierung des Steuersystems. In diesem Zusammenhang erteilte das Bundesministerium
der Finanzen dem Lehrstuhl für Steuerrecht der Universität Köln den Auftrag, ein Mustersteuergesetz
auszuarbeiten.

     Hintergrund dieser Arbeiten war einerseits die Erkenntnis, dass das deutsche Steuerrecht einer
grundsätzlichen Reform bedarf und andererseits auch die Erweiterung der Europäischen Union. Dabei sollten
die deutschen Steuergesetze auf ihre wesentlichen Grundstrukturen zurückgeführt, alternative
Unternehmensformen und neutrale Besteuerungsmöglichkeiten aufgezeigt werden und als Hauptziele verfolgt
werden:



     - Die Rechtsstaatlichkeit der Besteuerung
     - Die Einfachheit und administrative Effizienz der Besteuerung
     - Die Fiskalische Ergiebigkeit der Besteuerung
     - Die Konformität der Besteuerung mit dem europäischen Gemeinschaftsrecht
     - Die Investitions-, Spar- und zugleich Umweltfreundlichkeit der Besteuerung

     Die genannten Hauptziele möchte ich im Folgenden erläutern:

     Die Rechtsstaatlichkeit der Besteuerung
     - bedeutet demokratisch legitimierte Gesetzmäßigkeit der Besteuerung
     - bedeutet Gleichmäßigkeit der Besteuerung für alle Bürger und Steuerrechtsfälle
     - bedeutet das Verbot einer Übermaßbesteuerung
     - die Existenz eines umfassenden Steuergeheimnisses
     - Rechtssicherheit und Vertrauensschutz für den Bürger sowie
     - Rechtsschutz für den Bürger gegenüber den Finanzbehörden.



      Die Forderung nach Einfachheit und administrativer Effizienz der Besteuerung gründet sich
insbesondere auf die These "Mehr Steuergerechtigkeit durch Steuervereinfachung". Es soll auf alle
gerechtigkeitsschädlichen Differenzierungen im Bereich der Besteuerung durch unterschiedliche Besteuerung
von Einkunftsarten verzichtet werden.
      Ausgehend vom deutschen Recht sollen zunächst bestehende Regelungen des deutschen Steuerrechts
aufgenommen werden, die sich in der Steuerpraxis bewährten, dass heißt von Bürgern und Behörden

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gleichermaßen akzeptiert wurden und keine Rechtsbehelfsflut ausgelöst haben. Hingegen sollten Regelungen
geringer Akzeptanz möglichst vermieden werden. Allgemein ist nämlich zu beobachten, dass Kompliziertheit
der Besteuerung wesentlich durch den Steuerwiderstand der Bürger bedingt ist.

     Also geht es im Wesentlichen darum, Ursachen für den Steuerwiderstand zu erkennen und zu beseitigen
und Anreize für die Deklaration steuererheblicher Tatsachen zu schaffen.

      Besonders im Bereich der Besteuerung von Einkommen sind die Probleme der Selbstdeklaration
international nicht befriedigend gelöst. In vielen Ländern sind Einkünfte aus Privatvermögen, insbesondere
Zinseinkünfte und Veräußerungseinkünfte, nicht nur aus technischen Gründen lückenhaft besteuert, die
Besteuerung dieser Einkünfte ist von zahlreichen Ausnahmen und Vergünstigungen durchsetzt. Das Bild
lückenhafter Besteuerung ist Resultat des Widerstands gegen eine Besteuerungsform, welche in Zeiten höherer
Geldentwertung zur Übermaßbesteuerung tendiert.

      Im Bereich der Besteuerung von Einkommen besteht der größte Bedarf, da nach den derzeitigen
steuerrechtlichen Regelungen dort der höchste Anteil von Regelungen auszumachen ist, die für die
Kompliziertheit und administrative Ineffizienz der Besteuerung ursächlich sind.

     Soweit mit dem Ziel der Einfachheit und administrativen Effizienz der Besteuerung vereinbar, ist bei der
Ausarbeitung eines des Entwurfs für ein modernes Steuersystem auf deutsche Steuergesetze zurückgegriffen
worden.

     Freilich zeigt nicht nur der Blick in deutsche Steuergesetze sondern auch der Blick in ausländische
Gesetzbücher, wie z. B. in den "International Revenue Code" der Vereinigten Staaten von Amerika, das
Besteuerung nicht wirklich einfach gestaltet werden kann. Vielmehr schlägt sich die Kompliziertheit
ökonomischer Verhältnisse notwendigerweise auch in der Besteuerung nieder. Insofern sind dem Ziel der
Vereinfachung Grenzen gesetzt.

       Die Forderung nach fiskalischer Ergiebigkeit der Besteuerung hat ihre Grenzen in dem Wissen darum,
dass ein Aufschwung der Wirtschaft unter drückenden Steuerlasten nicht möglich ist. Es ist heute allgemein
anerkannt und bewiesen, dass eine hohe Staatsquote das wirksamste Mittel gegen wirtschaftliches Wachstum
ist. Es ist dringend anzuraten, das Steuersystem von Anfang an auf Grundstrukturen zu beschränken und damit
vor Fällen steuerlicher Privilegierung zu bewahren.

       Nur Staaten mit hoher wirtschaftlicher Prosperität können sich wachstumsfeindliche Steuersysteme
leisten. In anderen Fällen müssen zunächst einmal die privatwirtschaftlichen Kräfte entfaltet und der private
Wohlstand gefördert werden. Hierzu ist es unerlässlich, dass sich der Staat bei der Besteuerung zurückhält.

       Überhöhte Erwartungen des Fiskus sind nicht nur Gift für die Wirtschaft, sie würden auch nicht zu
realisieren sein. Die Finanzverwaltung würde bereits in den Anfängen überfordert werden, der
Schattenwirtschaft nicht Herr werden und in der Bevölkerung auf Unverständnis stoßen.




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     Zur Intaktheit eines Steuersystems gehört auch ein positives Image der Finanzbeamten. Die Bevölkerung
sollte Finanzbeamte als Vertreter des Fiskus erkennen, die den rechtsstaatlichen Auftrag der Finanzverwaltung
umsetzen.

      Ein modernes Steuersystem verzichtet auf jedwede Art steuerlicher Privilegierung, z. B. wird auf
Steuerprivilegien wegen Gemeinnützigkeit verzichtet. In Deutschland ist das Gemeinnützigkeits- und
Spendenrecht nach gültigem Steuerrecht so entartet, dass Beiträge zu Karnevalsvereinen und Aufwendungen für
die Tierzucht steuerlich besser behandelt werden, als Kindesunterhalt.

      Die Forderung nach Konformität der Besteuerung mit den Richtlinien der europäischen
Gemeinschaft ist wichtig, um den Beitritt zur EG ohne weiteres zu ermöglichen bzw. den Erhalt der
Mitgliedschaft zu sichern.

      Die Investitions-, Spar- und zugleich Umweltfreundlichkeit der Besteuerung ist schließlich
unabdingbar für eine Gesellschaft, die rasch einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung leisten und sich
zugleich den zunehmenden Probleme der Umweltzerstörung stellen will.

      Um eine Diskriminierung des Sparens gegenüber dem Konsum zu verhindern, wird die Zukunftsvorsorge
der natürlichen Person einkommensteuerlich einheitlich geregelt, indem Ersparnisse, Beiträge zu Renten- und
Lebensversicherungen und andere Vorsorgeaufwendungen aus dem aktuellen Einkommen abgezogen werden
können; dabei müssen die späteren Versorgungsleistungen bei ihrem Zufluss versteuert werden.

     Die Sonderbelastung umweltschädlichen Konsums durch besondere Ökosteuern ist unverzichtbar.

     Die Investitions- und Sparfreundlichkeit eines Steuersystems ist zielidentisch mit seiner
Umweltfreundlichkeit. Sparen und Investieren ist einerseits mit Verzicht auf Konsum und Verbrauch von
Ressourcen verknüpft; andererseits wird gewaltige Kapitalkraft benötigt, um die fortschreitende Zerstörung der
Umwelt durch die Menschheit aufzuhalten.

      Die Lenkung des Hauptaugenmerks auf die Erfüllung dieser 5 Ziele führt bei allen Überlegungen
zwangsläufig dazu, dass es nur ein Steuergesetzbuch, das die Rechtsordnung transparent macht, geben kann und
darf.

     In Deutschland gibt es bisher kein das gesamte Steuerrecht umfassendes Steuergesetzbuch, wie etwa in
Frankreich oder in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dass das System in Deutschland grundsätzlich
reformbedürftig ist, zeigt ein Blick in das Bundesgesetzblatt. Es gibt in Deutschland kein Rechtsgebiet, das
mehr Gesetzesänderungen zu erleiden hat als das Steuerrecht.
      Auch die theoretischen Auseinandersetzungen mit dem Thema durch Steuerrechtsexperten wie Paul
Kirchhoff, Joachim Lang, Klaus Tipke, Ludwig Schmidt u. a. zeigt, dass eine grundsätzliche Novellierung des
Steuerrechts erforderlich ist.

     In den vergangenen 25 Jahren haben sich im deutschen Einkommensteuergesetz 925 mal Vorschriften
geändert. Kam der Gesetzgeber in der Bundesrepublik Deutschland vor einem Vierteljahrhundert im



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Einkommensteuergesetzt mit 58.000 Wörtern aus, sind es 2006 bereits 103.000 Worte, die den Bürger davon
überzeugen soll, dass es ehrenvoll ist, Steuern zu zahlen.

      Die teilweise chaotische Entwicklung des Steuerrechts darf aber nicht zu der Annahme verleiten, dass das
Steuerrecht als solches ordnungs- und strukturunfähig sei. Das Rechtsgebiet muß abgesichert werden gegen
Entwicklungen, die sich vornehmlich aus dem Verteilungskampf der verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen
ergeben.

      Es muß von allen Normen entlastet werden, die bestimmte soziale Gruppen benachteiligen oder
bevorzugen. Es muß befreit werden vom Ballast solcher Normen, die den Gruppenegoismus stimulieren und
damit die geschilderte chaotische Entwicklung des Steuerrechts in Gang setzen.

      Ausgegangen wurde dabei von einer 3-stufig aufgebauten Finanzverwaltung

      1. dem Finanzminister
      2. die Finanzdirektionen und Rechenzentren als Regionalbehörden
      3. die Finanz- und Zollämter als örtliche Behörden

      Der Entwurf schlägt die nachstehend genannten Steuern vor:

             - Eine Einkommensteuer und an Stelle der Körperschaftsteuer eine rechtsformneutrale und auf
      die Einkommensteuer anrechenbare Unternehmenssteuer. Das Steueraufkommen dieser beiden Steuern
      soll dem Staat mit 90 % und den Kommunen mit 10 % zustehen.



           - Eine Umsatzsteuer, die mit dem europäisch harmonisierten Mehrwertsteuersystem in
      Übereinstimung ist. Das Steueraufkommen soll wie bei der Einkommen- und Unternehmensteuer verteilt
      werden. Das deutsche Umsatzsteuergesetz wurde im Wesentlichen übernommen, da es das harmonisierte
      Mehrwertsteuersystem der europäischen Gemeinschaft beinhaltet, allerdings wurde das
      Umsatzsteuergesetz vom historischen Ballast der Privilegien und Ausnahmen befreit.

            - Spezielle und im Rahmen der europäischen Harmonisierung zugelassene Verbrauchssteuern,
      wie z. B. Mineralöl-, Alkohol- und Tabaksteuer. Das Steueraufkommen soll alleine dem Staat zustehen.

            -   Schließlich als Gemeindesteuern die Grundsteuer, die Grunderwerbsteuer sowie örtliche
      Verbrauchsteuern in Gestalt von Steuern zum Schutze der Umwelt; diesen sog. Ökosteuern werden
      insbesondere die Kraftfahrzeugsteuer auch zugeordnet.

        Dabei ist das Steuergesetzbuch in 8 Teile gegliedert.

      Im 1. Teil allgemeine Vorschriften und Regelungen nach dem Steuerbegriff und der Geltung des
Steuergesetzbuches, Anwendung der Steuergesetze und Steuerrechtsverhältnisse.




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     Im 2. Teil (Allgemeines Steuerschuldrecht) das materielle für mehrere Steuerarten geltende Steuerrecht.
Hier wurde ganz wesentlich auf den 2. Teil der deutschen Abgabenordnung zurückgegriffen.

     Im 3. Teil (Besonderes Steuerschuldrecht) sind die einzelnen vorgenannten Steuerarten geregelt.

      Der 4. Teil (Allgemeine Verfahrensvorschriften) enthält das formelle für mehrere Steuerarten geltende
Steuerrecht. Auch hier wurden im Wesentlichen die bewährten Vorschriften der deutschen Abgabenordnung
übernommen.

     Der 5. Teil (Verfahrensvorschriften) für alle Steuerarten enthält das Steuerart spezifische Verfahrensrecht.

      Der 6. Teil ist im Wesentlich auch unverändert aus der Abgabenordnung entnommen. Regelt
Sicherheitsleistung und Vollstreckung, also das Steueraufkommen.

     Der 7. Teil regelt Rechtsbehelfsverfahren und Grundvorschriften zum Gerichtsverfahren.

     Und der 8. Teil schließlich die Steuerstrafen und Bußgelder.

     "Dumme lernen aus der eigenen Erfahrung, Kluge aus der Erfahrungen anderer". Dieser Satz von Arthur
Schopenhauer gewinnt besondere Bedeutung, wenn ein Steuerrechtssystem neu gestaltet wird und dabei eine
Entwicklung in wenigen Jahren zu leisten ist, für die andere Jahrzehnte benötigt haben.

      Die Erfahrungen im Steuerwesen mit der Demokratie sind nicht durchweg positiv, in allen westlichen
Demokratien gibt es eine starke Lobby, die für Durchlöcherung der Besteuerung und Steuerprivilegien sorgt.
Das Steuerwesen hat im besonderen Maß unter diesen Gruppeninteressen zu leiden. Deshalb wird für ein
Steuersystem zur stabilen Kodifikation des Steuerrechts ein Steuergesetzbuch in Zukunft unabdingbar sein, das
auf jedwede steuerrechtliche Privilegierung verzichtet.




                                                                                                              14
                                                          V.


                                       Gernot Lorenz, Rechtsanwalt und Notar


                       Aufbau und Organisation der Rechtsanwaltschaft und des Notariats
                                     in der Bundesrepublik Deutschland




      Der demokratische Rechtsstatt beruht im Wesentlichen auf drei Säulen, nämlich der gesetzgebenden
Gewalt (Legislative), der ausführenden Gewalt (Exekutive) und der unabhängigen Rechtspflege (Judikative).
Bei der Judikative unterscheiden wir zwischen streitentscheidender Rechtspflege und so genannter vorsorgender
Rechtspflege. Zur vorsorgenden Rechtspflege gehören insbesondere das Handelsregister, Grundbuchsachen,
Nachlasssachen und Vormundschaftssachen.

      Eine unabhängige Rechtspflege setzt eine starke und schlagkräftige Rechtsanwaltschaft und ein
unabhängiges Notariat voraus. Angesichts der immer größer werdenden Gesetzesflut kann sich der Bürger ohne
qualifizierte Beratung und Betreuung in rechtlichen Fragen nicht mehr zurechtfinden. Der Rechtsanwalt wird
also nicht nur zur Geltendmachung der Rechte des Bürgers gegenüber dem Staat und zur Verteidigung seiner
Freiheitsrechte benötigt, sondern auch im Rahmen des Rechtsverkehrs zwischen juristischen und privaten
Personen.

     Im Bereich der vorsorgenden Rechtspflege sind den Notaren vom Gesetzgeber zahlreiche hoheitliche
Aufgabe übertragen worden. Gerade im Bereich des Gesellschaftsrechtes und im Bereich des Grundbuchrechtes
(Grundstücksgeschäfte) kommt den Notaren eine zentrale Bedeutung bei der Wahrung der Rechte des Einzelnen
zu. Der Notar muss durch seine Vertragsgestaltung dafür Sorge tragen, dass Grundstücksgeschäfte für Käufer
und Verkäufer risikolos ablaufen und bei Gesellschaftsgründungen die für die jeweils Beteiligten optimale
Rechtsform gefunden wird.

      Nach dem Gesetz sind Rechtsanwälte und Notare unabhängige Organe der Rechtspflege. Der
Gesetzgeber� überträgt Rechtsanwälten und Notaren also eine besondere Rechtsstellung, die es ihnen
ermöglicht, mit den Gerichten und den staatlichen Stellen auf gleicher Augenhöhe zu verhandeln. Mit dieser
besonderen Stellung der Rechtsanwälte und Notare sind besondere Privilegien (z. B. ein
Zeugnisverweigerungsrecht) und damit korrespondierend auch besondere Pflichten (z. B. die
Verschwiegenheitsverpflichtung) verbunden.

      Der Rechtsanwalt hat in erster Linie einseitige Interessen wahrzunehmen, während der Notar im Rahmen
der vorbeugenden Rechtspflege die Interessen aller Beteiligten, also aller an einem Vertrag beteiligten Personen,
zu wahren und zu respektieren hat.

     In fast allen Ländern der Welt sind die Bereiche Rechtsanwaltschaft und Notariat streng getrennt. Man
kann entweder nur Rechtsanwalt oder nur Notar sein. In der Bundesrepublik Deutschland haben wir eine


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Besonderheit. In etwa einem Drittel der Bundesrepublik Deutschland kann ein Rechtsanwalt auch zum Notar
berufen werden. Bei Zurzeit ca. 138.000 Rechtsanwälten gibt es 7.200 Rechtsanwälte, die auch gleichzeitig
Notare sind. Der Anwaltsnotar übt seinen Beruf neben dem Beruf des Rechtsanwaltes aus. Daneben gibt es in
etwa zwei Dritteln der Bundesrepublik Deutschland ebenfalls die scharfe Trennung zwischen
Rechtsanwaltschaft und Notariat. In diesem Bereich sind ca. 1.600 so genannte Nurnotare tätig.

       Die Verbindung des Rechtsanwaltsberufes mit der Notartätigkeit hat durchaus beachtliche Vorteile.
Erfahrungen, die der Rechtsanwalt in gerichtlichen und außergerichtlichen Auseinandersetzungen macht, kann
er bei seiner notariellen Tätigkeit, insbesondere bei Vertragsgestaltungen, die letztlich der Vermeidung von
Streitigkeiten dienen sollen, berücksichtigen.

      Die Zahl der Notare wird staatlich reglementiert. In zwei Dritteln der Bundesrepublik Deutschland, in
denen es Nurnotare gibt, sind 1.600 Notare tätig. Das ist angesichts der im restlichen Drittel der Bundesrepublik
Deutschland tätigen 7.200 Anwaltsnotare eine relative geringe Zahl. Das hat seinen Grund darin, dass der Staat
den Notaren alle entgeltlichen Nebentätigkeiten untersagt und deshalb dafür Sorge tragen muss, dass durch die
Zahl der Beurkundungen - die Gebühren aus den Beurkundungen fließen den Notaren zu - der Notar
wirtschaftlich unabhängig sein kann.

      Im Bereich der Anwaltsnotare gibt es zwar auch eine zahlenmäßige Beschränkung. Es wird immer nur
dann eine neue Anwaltsnotarstelle bewilligt, wenn die durchschnittliche Zahl der Beurkundungen bei den
tätigen Anwaltsnotaren 450 im Jahr übersteigt. In den Bereichen des Nurnotariats liegt die Zahl der
durchschnittlichen Beurkundungen bei über 2500 im Jahr.

     Rechtsanwälte und Notare gehören zu den so genannten Freiberuflern. Sie üben kein Gewerbe aus und
haben damit auch das Privileg, keine Gewerbesteuer zahlen zu müssen. Ob dieses Privileg auf Dauer bestand
haben wird, ist zweifelhaft. Sowohl Rechtsanwälte als auch Notare sind zwangsweise durch Gesetz in
Rechtsanwaltskammern bzw. Notarkammern organisiert. Das gleiche gilt für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer,
Handwerker und die Industrie.

      Diese Kammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts und Teil der staatlichen Verwaltung. Sie
üben jeweils in ihrem Bereich die Aufsicht für die Rechtsanwälte bzw. Notare aus. Da die Vorstände der
Kammern von den beteiligten Berufsgruppen selbst gewählt werden, besteht ein gewisses
Selbstverwaltungsrecht. Die Kammern unterliegen jedoch der Rechtsaufsicht durch die zuständigen
Justizminister.

      Die Aufgaben der Kammern bestehen in erster Linie in der Mitwirkung bei der Zulassung von
Rechtsanwälten und Notaren, bei der Überwachung der Einhaltung vom Berufsrecht und der Förderung der
Fortbildung. Gerade der Fortbildung wird in letzter Zeit zunehmende Aufmerksamkeit gewidmet. Angesichts
der großen Gesetzesfülle und der immer schwerer zu überschauenden Rechtsgebiete sind zwischenzeitlich bei
den Rechtsanwälten 18 so genannte Fachanwaltschaften zugelassen worden. Es gibt z. B. Fachanwälte für
Immobilienrecht, Erbrecht, Handels- und Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht, Steuerrecht, Verwaltungsrecht,
Strafrecht. Die Fachanwaltsbezeichnung darf nur geführt werden, wenn eine umfangreiche theoretische
Zusatzausbildung absolviert wird und die erfolgreiche Teilnahme an dieser Zusatzausbildung durch
entsprechende Klausurergebnisse nachgewiesen wird. Daneben setzt die Zuerkennung eines Fachanwaltes

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erhebliche praktische Erfahrung voraus. Die Bewerber müssen eine gewisse Anzahl von Fällen aus
verschiedenen Bereichen des Fachgebietes bearbeitet haben. Jeder Fachanwalt muss nach seiner Zulassung
jährlich Fortbildungsveranstaltungen besuchen und den Besuch der Anwaltskammer nachweisen. Anderenfalls
wird ihm der Fachanwaltstitel aberkannt.

     Daneben sind die Kammern auch bei der Vermittlung von Streitigkeiten mit Mandanten tätig.

     Sämtliche Anwälte und Notare sind zwangsweise Mitglied einer Rechtsanwaltskammer und einer
Notarkammer.

      Neben diesen Zwangsmitgliedschaften in den Körperschaften des öffentlichen Rechts gibt es freiwillige
Zusammenschlüsse der Rechtsanwälte und Notare. So ist etwa die Hälfte der Rechtsanwälte in der
Bundesrepublik Deutschland im Deutschen Anwaltsverein organisiert. Der Anwaltsverein versteht sich als
Interessenvertreter der Mitglieder und ist insbesondere auch auf dem Bereich der Fortbildung tätig. In letzter
Zeit gibt es zunehmend Spannungen zwischen den Anwaltskammern und dem Deutschen Anwaltsverein. Das
hat seine Ursachen in erster Linie in der teilweisen unscharfen Kompetenzabgrenzung zwischen Kammern und
Interessenverbänden.

      Ein weiterer wesentlicher Aufgabenbereich der Anwalts- und Notarkammern und auch des
Anwaltsvereins ist die Beratung des Gesetzgebers im Gesetzgebungsverfahren. Praktisch bei allen
Gesetzgebungsvorhaben werden im Vorfeld Stellungnahmen der Anwälte und Notare eingeholt, um von
vornherein sicher zu stellen, dass die Gesetze auch einen konkreten Praxisbezug haben und Erfahrungen aus der
Praxis auch in den Gesetzen ihren Niederschlag finden.

       Die wirtschaftliche Situation von Rechtsanwälten und Notaren ist unterschiedlich. Aufgrund der sehr
restriktiven Zulassungspraxis für die Nurnotare haben die Nurnotare jährlich eine relativ hohe Anzahl von
Beurkundungen. Alle Notare sind bei ihren amtlichen Tätigkeiten auf den jeweiligen Amtsgerichtsbezirk, in
dem sie ihren Dienstsitz haben, beschränkt. Sie dürfen also nur innerhalb ihres Amtsgerichtsbezirkes
Beurkundungen vornehmen. Die Rechtsgeschäfte, die beurkundet werden dürfen, sind jedoch nicht auf die
Region des Amtsgerichtsbezirks beschränkt. Ein Notar in Bayern kann auch einen Kaufvertrag über ein
Grundstück in Hamburg oder Berlin beurkunden. Entscheidend ist lediglich, dass die Beurkundung in seinem
Bezirk stattfinden. Die Beteiligten müssten also zu ihm anreisen. Umsatz und Einkommen der Nurnotare ist im
Allgemeinen recht erfreulich. Eine Ausnahme gilt für etwa 7 % der Nurnotare in den neuen Bundesländern.
Dort sind nach der Wiedervereinigung relativ viele Notare neu zugelassen worden, um den Arbeitsanfall auf
dem Gebiet des Grundbuchwesens und der Handelsregistersachen zu bewältigen. Zwischenzeitlich ist in den
neuen Bundesländern der Nachholbedarf jedoch gedeckt, so dass 7 % der Nurnotare in den neuen
Bundesländern von den dortigen Notarkammern finanziell unterstützt werden.

       Die wirtschaftliche Situation bei den Rechtsanwälten hat sich durch den großen Zustrom von Anwälten in
den letzten Jahren erheblich verändert. Seit 1992 hat sich die Zahl der Rechtsanwälte in der Bundesrepublik
Deutschland von 68.000 auf jetzt rund 138.000 mehr als verdoppelt. Als der Referent 1968 Anwalt wurde, gab
es in der Bundesrepublik ganze 22.000 Anwälte. Wir haben in den letzten Jahren jährliche Zuwachsraten bei der
Anwaltschaft von 6 - 10 % p.a.



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      Dieser ungebremste Zustrom zur Anwaltschaft beruht in erster Linie darauf, dass der Zugang zum
Jurastudium weitgehend nicht beschränkt ist und auf der anderen Seite die Justiz und die Verwaltung immer
weniger Juristen einstellen. In der Ziviljustiz ist der Bedarf von Richtern durch Änderungen in der
Prozessordnung drastisch reduziert worden. Früher waren bei den Landgerichten und bei den
Oberlandesgerichten regelmäßig in den Kammern bzw. Senaten drei Richter tätig, die einen Fall verhandelten.
Heute gibt es bei den Landgerichten und bei den Oberlandesgerichten überwiegend nur noch den Einzelrichter.
Es entscheidet also nicht mehr die Kammer oder Senat bestehend aus drei Richtern sondern der Einzelrichter.
Dadurch hat sich die Leistungskapazität der Gerichte drastisch erhöht.

       Auch in der Wirtschaft ist der Bedarf an Juristen zurückgegangen, weil in den großen Betrieben häufig
Juristen nur noch für rein juristische Fragen eingesetzt werden, während früher Juristen als fast für alles tauglich
angesehen und eingesetzt wurden.

       Die Berufsausichten junger Juristen in der Anwaltschaft sind aufgrund des großen Konkurrenzdruckes
relativ schlecht. Gute Aussichten haben im Grunde nur die jungen Juristen, die besonders gute Examen
absolviert haben und weit über dem Durchschnitt liegende andere Qualifikationen, wie Sprachkenntnisse und
sonstige spezielle Kenntnisse, aufweisen können. In der Bundesrepublik Deutschland machen allerdings die
meisten Juristen nur sehr mäßige Examen. Allenfalls 30 % der Juristen können im 1. und 2. Examen Prädikate
aufweisen.

      Die Tendenz zur Spezialisierung und die Begrenzung von Fachanwaltsbezeichnungen auf jeweils zwei
Gebieten für einen Anwalt führt dazu, dass sich immer mehr Anwälte zur gemeinsamen Berufsausübung
zusammenschließen, damit in einer Praxis verschiedene Rechtsgebiete durch Spezialisten angeboten werden
können. Gleichwohl sind zurzeit und zwar insbesondere im ländlichen Bereich noch 40 % der Anwälte in
Einzelkanzleien tätig. Das wird sich jedoch in den nächsten Jahren weiter erheblich verändern. Der früher
überwiegend allein tätige Einzelanwalt, der auf allen Rechtsgebieten tätig ist, ist am aussterben.

      Die Vergütung der Notare durch die jeweiligen Auftraggeber ist streng in einer Kostenordnung
reglementiert. Auch für die Vergütung der Rechtsanwälte gibt es gesetzliche Vorgaben. Bis zum 01.07.2006
war sowohl für gerichtliche als auch außergerichtliche Tätigkeiten eines Anwaltes eine feste Gebührenordnung
vorgegeben, an die sich die Anwälte nach dem Standesrecht weitestgehend halten mussten. Für den gesamten
Bereich der außergerichtlichen Vertretung gilt ab 01.07.2006 das Prinzip der freien Honorarvereinbarung.
Welche Auswirkungen das im Einzelfall auf die wirtschaftliche Lage der Anwälte haben wird, ist noch offen.
Etablierte Kanzleien werden damit sicherlich keine Probleme haben. Bei jungen Anwälten und auch bei einigen
bereits überbesetzten Fachanwaltschaften (z. B. Familienrecht, Arbeitsrecht und Verkehrsrecht) wird allgemein
angenommen, dass in diesen Kreisen versucht wird, mit Dumping-Preisen Mandanten zu akquirieren.
Allgemein wird allerdings angenommen, dass sich in der Bevölkerung herumsprechen wird, dass der billigste
Anwalt nicht der Beste sein muss. Entscheidend für die Auswahl eines Anwalts wird weniger der Preis als die
Qualität seiner Arbeit sein. Wichtig ist dabei, dass die Anwälte weiterhin wirtschaftlich so unabhängig sind,
dass sie tatsächlich - wie vom Gesetzgeber vorgesehen - unabhängige Organe der Rechtspflege sein können.
Unabhängiges Organ der Rechtspflege kann nur ein Anwalt sein, der auch wirtschaftlich in gesicherter Position
ist. Unabhängigkeit bedeutet nämlich nicht nur Unabhängigkeit vom Staat, sondern auch eine gewisse
Unabhängigkeit von den Wünschen des Mandanten. Der Anwalt, der seinen Beruf richtig versteht, wird auch in
Zukunft nicht uneingeschränkt die Wünsche und Ziele des Mandanten mit allen Mitteln verfolgen können,

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sondern er muss das Wohl des Ganzen und das Prinzip der Gerechtigkeit, das nicht immer mit dem Interesse des
Mandanten übereinstimmt, trotz der gebotenen Interessenwahrnehmung im Auge haben. Das gleiche gilt
verstärkt für den Notar.




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                                                              VI.


                             Dr. Paul Helmut Schmitz, Vorstand a.D. Sparkasse Hannover


                                         Sparkasse: Kommunale Finanzierung
                  - Art, Umfang und Bedeutung der kommunalen Finanzierung durch die Sparkassen in Deutschland -




      Zum besseren Verständnis ist es notwendig, einige Ausführungen zur Bankenlandschaft in Deutschland
zu machen. Die Bankenlandschaft ist geprägt von dem sogenannten �Drei-Säulen-Modell�. Was heißt das?
Es gibt in Deutschland drei Gruppen von Kreditinstituten mit unterschiedlicher geschäftspolitischer
Ausrichtung.

      Da sind zum einen die meist überregional tätigen Geschäftsbanken. Sie wurden überwiegend in der
Rechtsform der Aktiengesellschaft geführt und ihre geschäftspolitische Zielsetzung ist eine möglichst hohe
Gewinnerzielung im Interesse ihrer Aktionäre - also der shareholder value. Die zweite Gruppe sind die
Genossenschaftsbanken. Dieses sind meist kleinere, regional tätige Institute. Ihre Zahl liegt bei weit über 1.000;
jedoch ist seit Jahren ein starker Konzentrationsprozess zu beobachten. Ihre Geschäftspolitik beruht auf der
genossenschaftlichen Idee, d.h. vereinfacht ausgedrückt, nicht unbedingt hohe Gewinnerzielung, sondern
möglichst hoher Nutzen für ihre Mitglieder. Die dritte und größte Gruppe in der Bankenlandschaft mit einem
Marktanteil von etwa 50% bildet die Sparkassenorganisation, bestehend vor allem aus rund 600 Sparkassen
sowie den Landesbanken, Landesbausparkassen und anderen mehr. Die Sparkassen sind selbständige Anstalten
des öffentlichen Rechts und sie sind ihrem öffentlichen Auftrag verpflichtet.

      Ein wesentlicher Bestandteil dieses öffentlichen Auftrages ist es, die ausreichende kreditwirtschaftliche
Leistung in ihrem Geschäftsgebiet sicherzustellen. Historisch und rechtlich bestehen enge Verbindungen
zwischen den Sparkassen und den jeweiligen kommunalen Körperschaften. Die Sparkassen unterliegen
grundsätzlich dem Regionalprinzip, d.h. dass sie grundsätzlich nur in ihrem Geschäftsgebiet Geschäfte tätigen
dürfen.

      Alle drei von mir aufgeführten Kreditinstitute, also die Geschäftsbanken, die Genossenschaften und die
Sparkassen, sind als Universalbanken tätig, d.h. sie bieten allen Kundengruppen, also den Privaten, den
Unternehmen, der öffentlichen Hand, die ganze Palette der bankwirtschaftlichen Leistungen an, einschl.
Kontoführung und Zahlungsverkehr, das Einlagengeschäft und die Kreditvergabe. Die Bankengruppen stehen
untereinander in einem starken Wettbewerb. Das Drei-Säulen-Modell wird überwiegend als wichtiger Faktor
der stabilen Kreditwirtschaft in Deutschland angesehen. Wobei von Seiten des privaten Bankgewerbes die
Berechtigung des öffentlich-rechtlichen Sektors angegriffen wird. Kein Wunder, die privaten Banken würden
sich natürlich gerne die hohen Marktanteile der Sparkassen einverleiben.
      Soweit ein paar Ausführungen zur Bankenstruktur in Deutschland. Ich wende mich nun den Kommunen
zu. Die Kommunen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts auf gebietlicher Grundlage
(Gebietskörperschaften). Sie sind im Verhältnis zum Bund und den Ländern mit eigenen Rechten ausgestattet.


                                                                                                                  20
Sie haben die im Grundgesetz - also der Verfassung - garantierte Befugnis, alle Angelegenheiten der örtlichen
Gemeinschaft im Rahmen           der   Gesetze    selbstständig   und    eigenverantwortlich   wahrzunehmen
(Selbstverwaltungsgarantie).

     In der Bundesrepublik Deutschland gibt es über 13.000 selbstständige Gemeinden, ganz unterschiedlicher
Größenordnungen. Es gibt einige wenige (insg. 217), die weniger als 100 Einwohner zählen. Die meisten, fast
11.000, entfallen auf Größenordnungen zwischen 200 und 10.000 Einwohner. Knapp 700 Gemeinden haben
mehr als 20.000 Einwohner.

      Über 20% der gesamten öffentlichen Ausgaben - also von Bund, Ländern und Kommunen - entfallen auf
die Gemeindeebene. Dabei verteilen sich die Ausgaben auf sehr viele Aufgabenbereiche, sei es z.B. der Betrieb
eines Kindergartens oder eines Schwimmbades, Schulen, Müllabfuhr, öffentliche Ordnung usw.

      Die Bedeutung der Gemeinden bei den Sachinvestitionen der öffentlichen Hand ist sehr groß, deutlich
größer als ihr Anteil an den gesamten öffentlichen Ausgaben; er liegt bei fast 2/3.

      Wie finanzieren nun die Kommunen ihre Ausgaben? Zum einen haben die Gemeinden eigene Steuern (zu
nennen sind Grundsteuern und Gewerbesteuern), die aber nur einen geringen Teil der Einnahmen ausmachen.
Darüber hinaus haben sie Anspruch auf Anteile an bestimmten Bundes- und Ländersteuern. Insgesamt entfallen
darauf etwas über 30% der Einnahmen. Ein weiterer wichtiger Einnahmeposten sind Gebühren, also Preise für
erbrachte Leistungen (13%). Die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinden sind jedoch inzwischen die
Zuweisungen aus Bund und Ländern (etwa 1/3 der Einnahmen).

     Wenn wir nun diese Einnahmequellen zusammenrechnen, so bleibt eine Lücke von etwa 15%. Und damit
wären wir beim eigentlichen Thema meines Statements, nämlich dem Kommunalkredit.

      Auch hier zunächst ein paar grundsätzliche Aussagen. Die Verschuldungsmöglichkeiten der Kommunen
sind begrenzt. Zum einen gibt es Grenzen bei der Aufnahme kurzfristiger Kredite, der sog. Kassenkredite. Diese
dienen im wesentlichen dazu, unterjährige Liquiditätsengpässe, dadurch dass die Einnahmen später als die
Ausgaben anfallen, zu überbrücken.

      Im übrigen ist es den Kommunen aber nur erlaubt, Kredite zur Finanzierung von Investitionen und
Investitionsfördermaßnahmen aufzunehmen. Darüber hinaus gibt es eine weitere einschränkende Maßnahme.
Die jährliche Neuverschuldung bedarf der Genehmigung durch die kommunale Aufsichtsbehörde. Diese prüft,
ob die Verpflichtungen aus der früheren und der geplanten Kreditaufnahme nicht zu einer Gefährdung der
dauerhaften Leistungsfähigkeit der Gemeinde führen.

       Das gesamt Kreditvolumen der Gemeinden - also der Bestand - beläuft sich zur Zeit auf rund 160 Mrd.
Euro. Also eine beachtliche Größenordnung. Der Marktanteil der Sparkassenorganisation daran liegt bei über
50%. Er ist allerdings seit Jahren rückläufig. In den Nachkriegsjahren , also die 50er und 60er Jahre - war der
Kommunalkredit fast eine ausschließliche Domäne der Sparkassen. Der Aufbau der zerstörten Städte, der
Wohnungen, Schulen, Straßen usw. ist, soweit die Kommunen hier tätig wurden und dies geschah in größerem
Maße z.B. im sozialen Wohnungsbau, vor allem von den Sparkassen finanziert worden. Dies ergab sich aus
ihrer engen Bindung an die Gemeinden, aber auch aus ihrem öffentlichen Auftrag.

                                                                                                            21
      In den letzten Jahren haben die Geschäftsbanken die Kommunen auch als eine interessante Zielgruppe
entdeckt. Die Folge ist ein starker Konditionenwettbewerb.

     Soweit der Versuch, in aller Kürze einen Einblick in die kommunale Finanzierung zu geben.




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                                                 VII.


                              Dipl.-Ing. Mike Schrobsdorff, Bauunternehmer


                                Öffentliche Private Partnerschaft (ÖPP)




1. Inhaltsverzeichnis


        1. Inhaltsverzeichnis

        2. Einleitung

        3. Definition und Begriffsverständnis

                4. Verschiedene PPP-Modelle

        5. Lebenszyklusansatz

        6. Grundstruktur und Ablauf

                7. Grundschema der Projektbeteiligten einer Projektfinanzierung

        8. Finanzinvestoren

        9. Ziele und Vorteile

        10. Chancen für deutsche Bauunternehmen

        11. Literaturverzeichnis




                                                                                  23
     2. Einleitung:

      Im Rahmen von PPP wird ein privater Auftragnehmer mit der Planung, Errichtung, dem Betrieb und der
Finanzierung eines Vorhabens über den gesamten Projektlebenszyklus beauftragt und somit sowohl privates
Know-how als auch privates Kapital zur Behebung des bestehenden Investitions- und Sanierungsstaus
mobilisiert. Obwohl die Finanzierung lediglich einen Bestandteil des insgesamt zu erbringenden
Leistungsbündels darstellt, kommt ihr angesichts der politischen Relevanz sowie der Auswirkungen auf die
Lebenszykluskosten, die Risikostruktur und die (effektive) Risikoverteilung eine nicht zu vernachlässigende
Bedeutung bei der Strukturierung von PPP-Projekten zu.
      Für die Finanzierung von PPP-Projekten existiert in Deutschland bislang kein Standardkonzept. Die der
Finanzierung zu Grunde liegenden Finanzierungsalternativen, bspw. eine Projektfinanzierung oder eine
Forfaitierung (Forfaitierung ist der Ankauf einer Forderung unter Verzicht auf einen Rückgriff gegen den
Verkäufer bei Zahlungsausfall (à forfait = im Bausch und Bogen ohne Regress)), sind auf die spezifischen
Projektrahmenbedingungen und -anforderungen abzustimmen. Hinsichtlich der konkreten Strukturierung der
Finanzierung sowie möglicher Auswirkungen auf andere Projektparameter, bspw. die Risiko- und/oder
Anreizstruktur des Projektes, bestehen bei den PPP-Akteuren allerdings noch Unsicherheiten.



     3. Definition und Begriffsverständnis:

      PPP bezeichnet die langfristige, vertraglich geregelte Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und
Privatwirtschaft bei der Erfüllung öffentlicher Aufgaben. Die für die Verwirklichung von Vorhaben
erforderlichen Ressourcen werden in einen gemeinsamen Organisationszusammenhang (�Projekt�)
eingestellt und vorhandene Projektrisiken entsprechend der Risikomanagementkompetenz der Projektpartner
kostenoptimal verteilt. Projektrisiken werden von demjenigen getragen, der diese am effizientesten tragen und
managen kann. Im Zentrum von PPP-Vorhaben stehen
      häufig die erstmalige Bereitstellung (Neubau) oder die Absicherung (Sanierung, Erweiterung und/oder
Modernisierung) einer Infrastrukturleistung des Staates, bspw. einer Schule, eines Verwaltungsgebäudes oder
einer Justizvollzugsanstalt. Kennzeichnend für PPP-Projekte ist dabei, dass nicht mehr die öffentliche Hand,
sondern ein Privater die dazu erforderlichen Planungs-, Bau-, Finanzierungs- und Betreiberleistungen
übernimmt und seine Bereitstellungsverantwortung über den gesamten Projektlebenszyklus (Nutzungsdauer)
hinweg erfüllt (so genannter Lebenszyklusansatz).
      Je nach Anforderung des öffentlichen Vorhabensträgers erbringt der Private darüber hinaus ggf. auch
weitergehende Serviceleistungen, wie z. B. Verpflegungsleistungen (Catering) und/oder Sicherheitsdienste. Im
Unterschied zur konventionellen Eigenrealisierung erfolgt im Rahmen von PPP-Projekten keine separate bzw.
losweise Ausschreibung der einzelnen Teilleistungen, sondern der öffentliche Vorhabensträger tritt als
Abnehmer einer �Gesamtheit� von Leistungen auf. Die Finanzierung des Projektes stellt dementsprechend
nur einen Bestandteil des durch den Privaten insgesamt zu erbringenden Leistungsbündels, nicht aber den
�primären Zweck� einer PPP dar. In diesem Sinne handelt es sich bei PPP nicht um ein bloßes
Finanzierungsmodell, sondern vielmehr um einen umfassenden Organisations- bzw. Beschaffungsansatz zur
nachhaltigen Gewährleistung öffentlicher Aufgaben unter Einbindung privaten Kapitals und Know-hows. Die
Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Privatwirtschaft im Rahmen einer PPP kann in der Praxis


                                                                                                          24
unterschiedlich ausgestaltet sein. Die jeweiligen Rechte und Pflichten der Vertragsparteien sind in einem
komplexen Vertragswerk geregelt. Die konkrete vertragliche Ausgestaltung wird insbesondere von den
individuellen Interessen und wirtschaftlichen Zielsetzungen der involvierten Akteure bestimmt. Vor diesem
Hintergrund lässt sich eine allgemeingültige Vertrags- und Organisationsstruktur nicht definieren. Tragfähige
Projektstrukturen sind vielmehr unter Berücksichtigung des konkreten Projektsachverhalts zu entwickeln
(�Projektstrukturierung�).
      Die Orientierung an einem konkreten Projektsachverhalt schließt jedoch nicht aus, gewisse
Standardisierungen im Bereich des Vertragswerks sowie der Abläufe und Verfahren bei der Strukturierung und
Entwicklung einer PPP vorzunehmen. Durch Minimierung der Transaktionskosten können PPP-Ansätze in
gewissem Umfang auch für kleinere Projekte erschlossen werden.
      Eine Standardisierung von Verfahren (Projektentwicklung, Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, Vergabe)
und Strukturen (Risikoverteilung, Vertragsmuster) ist daher, soweit möglich, zu empfehlen.



     4. Verschiedene PPP-Modelle

             - Erwerbermodell
       Die öffentliche Hand zahlt dem privaten Investor über einen Zeitraum von ca. 20 - 30 Jahren
       regelmäßig ein fortlaufendes Entgelt, mit dem die Kosten für Planung, Bau, Finanzierung, Betrieb und
       sonstige Aufwendungen im Rahmen des FM abgegolten werden. Nach Ablauf der Frist geht das
       Eigentum am Gebäude auf die öffentliche Hand über.

             - Leasingmodell
       Hier ist entgegen dem Erwerbermodell der Eigentumserwerb nicht vertraglich vereinbart. Der
       öffentlichen Hand ist jedoch eine Kaufoption eingeräumt. Sie zahlt zunächst nur Nutzungsentgelt, das
       auch die Annuität abdeckt. Der Erwerb ist nicht nur gesondert zu vergüten, über ihn ist auch am Ende
       des PPP-Vertrages zu entscheiden.

             -Vermietungsmodell
       Hier wird die langfristige Anmietung des Gebäudes vereinbart.

             -Inhabermodell
            Nach dem Inhabermodell errichtet, saniert und betreibt der private Partner ein Gebäude.
       Eigentümer und Nutzer ist die öffentliche Hand. Sie vergütet seine Leistungen durch regelmäßige
       Zahlungen.



             -Contractingmodell
            Im Contractingmodell übernimmt der private Partner bestimmte Leistungen (z. B.
       Energieversorgung) gegen laufendes Entgelt. Die dafür erforderlichen Anlagen hat er einzubauen, zu
       warten und zu modernisieren. Das Gebäude selbst steht im Eigentum der öffentlichen Hand.


             -   Konzessionsmodell


                                                                                                            25
             Hier verpflichtet sich der private Partner ein Gebäude für die öffentliche Hand zu planen und zu
       errichten (Baukonzession) und bestimmte Dienstleistungen gegenüber den Nutzern zu erbringen
       (Dienstleistungskonzession). Er finanziert sich unmittelbar bei den Nutzern.

             Gesellschaftsmodell
             -

            Nach dem Gesellschaftsmodell errichten und betreiben öffentliche Hand und privater Partner ein
       Gebäude über eine gemeinsame Gesellschaft.



     5. Lebenszyklusansatz

      Investitionskosten stellen in vielen Fällen nur 25 bis 30% der Gesamtkosten eine Immobilie über die
gesamte Nutzungsdauer dar. Es besteht ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Funktionalität des
Bauwerkes sowie der Qualität des Bauens und den späteren Bauunterhalts-, Betriebs- und
Bewirtschaftungskosten. Es liegt auf der Hand, dass durch die Berücksichtigung der späteren Nutzungskosten
bereits in der Planungsphase das wirtschaftlichste Verhältnis zwischen Errichtungs- und Betriebskosten
gefunden werden muss. Ein existenzielles Interesse daran, diese wirtschaftlichste Lösung zu finden, hat
derjenige, der die Gesamtkosten und -risiken einer Immobilieninvestition zu tragen hat. Insofern stellt der
Lebenszyklusansatz ein entsprechendes Anreizsystem für den privaten Anbieter dar. Dieser Erkenntnis wird
z.B. bei PPP-Projekten in Großbritannien Rechnung getragen. Der private Auftragnehmer ist für die Planung,
den Bau, die Finanzierung und den Betrieb verantwortlich und trägt die daraus resultierenden Risiken über die
gesamte Nutzungsdauer. Hier sorgt die Lebenszyklusbetrachtung für eine bessere Planungs- und Bauqualität
und garantiert einen besseren Standard hinsichtlich Bauunterhalt und zusätzlicher Serviceleistungen in der
Betriebsphase. Auch die Privatwirtschaft in Deutschland nutzt für bei Immobilieninvestitionen den
Lebenszyklusansatz, um Effizienzgewinne über die Gesamtnutzungsdauer zu erzielen und ein besseres
Kostenmanagement zu etablieren. Aktuell werden umfassenden PPP-Modelle durch die öffentliche Hand auch
in Deutschland verstärkt nachgefragt und es entwickeln sich die notwendigen Markstrukturen, damit der Betrieb
der Immobilien effizient angeboten werden kann. Wenn sich ein Projekt grundsätzlich dafür eignet, spricht
vieles dafür, Leistungen aus der Betriebsphase in die� Ausschreibungen aufzunehmen.



     6. Grundstruktur und Ablauf

     Projektfinanzierung stellen eine komplexe Struktur mit diversen Projektbeteiligten,
     die jeweils individuelle Zielsetzungen und Motive mit ihrem Engagement verfolgen, dar.

    Die nachfolgende Abbildung zeigt das Grundschema der Projektbeteiligten einer Projektfinanzierung im
Rahmen von PPP-Projekten.



     7. Grundschema der Projektbeteiligten einer Projektfinanzierung




                                                                                                          26
                                            Öffentlicher
                                            Auftraggeber




                                          PPP-Projektvertrag



 Sponsoren


                                       Projektgesellschaft                      Fremdkapitalgeber

 Finanzinvestoren




                Bauunternehmen                                        Betreiber/
                                                                     Dienstleister


      8. Finanzinvestoren

      Bei Finanzinvestoren handelt es sich regelmäßig um Kapitalanlage-/ bzw. Investmentgesellschaften,
Versicherungsunternehmen, Pensionsfonds, „Private Equity-Gesellschaften“ oder sonstige finanzstarke
Investoren, die Risikokapital, d. h. haftendes Eigenkapital, in eine Projektgesellschaft einbringen.
      Der Kreis potenzieller Finanzinvestoren muss sich dabei keineswegs auf nationale Investoren
beschränken. Gerade bei großvolumigen PPP-Maßnahmen kann auch internationalen Finanzinvestoren eine
große Bedeutung im Rahmen der Bereitstellung des erforderlichen Eigenkapitals zukommen. Vor diesem
Hintergrund sollte seitens des öffentlichen Vorhabensträgers grundsätzlich darauf geachtet werden, dass
internationale Standards bei der Projektentwicklung und Strukturierung der Finanzierung angemessen
berücksichtigt werden.
      Finanzinvestoren verfolgen mit ihrem Engagement die Zielsetzung, eine angemessene Rendite auf das
eingesetzte Kapital zu erwirtschaften. Vor dem Hintergrund der Haftungsfunktion des Risikokapitals stellen
Finanzinvestoren bei ihrer Investitionsentscheidung primär auf ein tragfähiges Geschäftsmodell sowie die
langfristige Werthaltigkeit des Vorhabens ab und führen im Vorfeld ihrer Investitionsentscheidung
umfangreiche Analysen der technischen und rechtlichen Realisierbarkeit sowie der finanziellen und
wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projektes und der relevanten Märkte durch. Eine zentrale Bedeutung kommt
hierbei der Projektstruktur, insbesondere der Verteilung der Projektrisiken, der Nachhaltigkeit und Stabilität der
prognostizierten Projekt-Cash Flows sowie ggf. steuerlichen Effekte, etwa durch die Zuweisung von

                                                                                                               27
Ergebnissen im Rahmen einer Mitunternehmerschaft oder Organschaft, zu. Vor dem Hintergrund ihrer
regelmäßig umfassenden Projektevaluierungstätigkeiten können Finanzinvestoren - ähnlich wie auch die
Fremdkapitalgeber - als �natürliche� Partner des öffentlichen Vorhabensträgers fungieren und in gewissem
Maße zur Sicherstellung der Markt- und Finanzierungsfähigkeit des Projektes beitragen. Finanzinvestoren
halten ihre Kapitalbeteiligung tendenziell nicht über die gesamte Projektlaufzeit. Insofern ist es für das
Engagement von Finanzinvestoren förderlich, wenn diese die Möglichkeit haben, ihre Beteiligung nach einer
gewissen Projektlaufzeit zu veräußern. Eine entsprechende Veräußerung setzt allerdings voraus, dass die
Handelbarkeit derartiger Kapitalbeteiligungen gegeben ist und ein funktionierender Sekundärmarkt existiert.
Aus Projektsicht kann die - zumindest temporäre - Einbindung von Finanzinvestoren insbesondere deshalb
einen zielführenden Ansatz darstellen, weil diese das Projekt in der risikobehafteten Start-/Anlaufphase mit
haftendem Eigenkapital ausstatten. Ob und inwieweit die Einbindung von Finanzinvestoren einen zielführenden
Ansatz darstellt, ist im konkreten Projekteinzelfall zu überprüfen. So ist die Einbindung von Finanzinvestoren
im Rahmen einer Forfaitierung mit Einrede und Einwendungsverzicht auf Grund des zumeist sehr geringen
Eigenkapitalanteils, grundsätzlich wenig zielführend. Wird die Einbindung von Finanzinvestoren dennoch
angestrebt, ist zu überlegen, ob und inwieweit eine Strukturierung der Finanzierung als Forfaitierung mit
Einredeverzichtserklärung die Einbindung internationaler Finanzinvestoren erschwert oder gar verhindert.
Während sich international und teilweise auch im europäischen Ausland bereits etablierte Strukturen für die
Finanzierung von PPP-Projekten unter Einbindung von Finanzinvestoren herausgebildet haben, steckt dieser
Markt in Deutschland noch in der Frühphase seiner Entwicklung. Gespräche mit potenziellen Finanzinvestoren
haben jedoch ergeben, dass diese - trotz der geringen Reife des deutschen PPP-Marktes - bereits heute durchaus
willens sind, gewisse Teile - in Abhängigkeit von der Projektstruktur sogar bis zu 100% - des erforderlichen
Eigenkapitals zu unterschreiben.



     9. Ziele und Vorteile:

      a) aus Sicht öffentlicher Partner (Auftraggeber):
      Langfristige Erzielung von Effizienzgewinnen zur Entlastung der öffentlichen Haushalte bei
gleichzeitiger sofortiger Infrastruktur- und Leistungsverbesserung. Die öffentlichen Auftraggeber sind daran
interessiert, die jeweilige Mindestzuführungsrate zu entlasten und die vereinbarten PPP-Raten gleich
imVermögenshaushalt auszuweisen.

      b) aus Sicht des privaten Partners (Auftragnehmer):
      Beleben      der    Bauwirtschaft     und    Sichern   von   langfristigen,    konjunkturunabhängigen
Aufträgen/Arbeitsplätzen.
      Die privaten Unternehmer sehen vorrangig die langfristig angelegte Gewinnerzielung bei gleichzeitiger
Risikominimierung als Nutzen von PPP-Projekten. Dem Privaten erschließen sich neue Kunden, seine
Dienstleistungen und Produkte werden einem sonst schwer zugänglichen Markt angeboten. Die privaten
Unternehmer können am lokalen Fortschritt teilhaben, wettbewerbsfähig bleiben und expandieren. Durch
langfristige Vertragsbindungen rechnet der Investor mit langfristigen Erträgen, er hofft bei erfolgreicher
Zusammenarbeit auf Erweiterungs- und Folgeaufträge. Nicht zuletzt spielt der Imagegewinn des beteiligten
Privatunternehmens eine große Rolle, da oft PPP-Projekte mit hohem öffentlichen Interesse verfolgt werden.

     c) Vorteile sowohl für öffentliche als auch privater Hand:
                                                                                                           28
     Durch den ganzheitlichen Ansatz über den Lebenszyklus von Immobilien können private Anbieter
Synergieeffekte   nutzen     und     kalkulatorisch     an    öffentliche      Auftraggeber      weitergeben.
Kosteneinsparungspotenziale werden so schon in der Planungsphase erkannt.

      Es entsteht ein Optimum aus dem Verhältnis von Baukosten und den späteren Betriebs- und
Bewirtschaftungskosten. Der private Anbieter hat die Gesamtkosten im Blick. Die von der öffentlichen Hand
nicht erreichbaren Kosteneinsparungen in Bau und Betrieb von Immobilien (nach Erhebungen in England und
Deutschland ca. 20%) entstehen durch größeren Optimierungsspielraum des Privaten Eigeninteresse des
Privaten an optimierten Kosten (Ausgestaltung der Umsetzung funktionaler Leistungsbeschreibungen)
Privatwirtschaftliche Leistungsbeschaffung.



     10. Chancen für deutsche Bauunternehmen



      In diesem Zusammenhang ergeben sich für die deutsche Bauwirtschaft vielfältige
Kooperationsmöglichkeiten. Der Aufbau, bzw. die Modernisierung der ukrainischen Produktion von
energiesparenden Baustoffen bzw. Wärmeversorgungstechniken ist nicht zuletzt aus Gründen der
Kostensenkung geboten. Für deutsche Partner ergibt sich die Chance, sich an diesem Prozess zu beteiligen und
ihn selbst mit voranzubringen. Von großer Bedeutung ist auch die Verbesserung der Qualität der
Bauausführung. Deutsche Anbieter, deren Produkte aufgrund hoher Qualität einen sehr guten Ruf besitzen,
sehen eine wichtige Aufgabe darin, einen hohen Ausbildungsstand der mit ihnen kooperierenden Installateure
zu erreichen.

       Allem voran geht aber die Rechtssicherheit für internationale/nationale Investoren. Das ukrainische
Institut für deutsches Recht und europäische Entwicklung an der Marine Universität von Odessa kann hierzu
wichtige Orientierungshilfen geben.




     11. Literaturverzeichnis

     Verwaltungsvorschriften, Arbeitsanleitungen etc.:
     Europäische Investitionsbank: Der Projektlebenszyklus in der Europäischen
     Investitionsbank, 2001



     Buchbeiträge, Aufsätze, Monographien:
     Beratergruppe „PPP im öffentlichen Hochbau“: PPP im öffentlichen Hochbau,
     2003

     Bundesverband deutscher Banken: Daten, Fakten, Argumente - Public Private
     Partnership - Chancen für die Modernisierung von Infrastruktur und Verwaltung,
     Berlin, 2004



                                                                                                             29
Public Private Partnership-Initiative NRW/Bauhaus-Universität Weimar: Public
Private Partnership im öffentlichen Hochbau - Leitfaden Wirtschaftlichkeitsvergleich,
Düsseldorf, 2003

Siebel, Ulf R.: Handbuch Projekte und Projektfinanzierung, München, 2001


www.ppp.nrw.de
www.ibl.uni-stuttgart.de/05forschung/ppp/index.php
www.gtz.de/ppp
www.spdfraktion.de/rs_datei/0,,4471,00.pdf
www.duefinance.de/ppp.htm
www.ppp-bund.de
www.ppp.niedersachsen.de




                                                                                        30
                                Public Private Partnership (PPP)




Contents


       1. Introduction of Schrobsdorff Bau AG

       2. Preamble

       3. Definition and understanding of the concept

              4. Different PPP models

       5. Life cycle approach

       6. Basic structure and process of PPP

              7. Basic scheme of participants in project funding

       8. Financial investors

       9. Objectives and advantages of PPP

       10. Opportunities for German building companies

       11. Bibliography




                                                                   31
      1. Introduction of Schrobsdorff Bau AG:

      Legal form:
      Public limited company

      Year of foundation:
      1989

      Office:
      Berlin, Germany

      Turnover in the last three years:
      30m

      Employees:
      Around 60

      Chairman:
      Michael Schrobsdorff

      Supervisory Board:
      Nikolaos Hatzijordanou
      Rainer Schofer
      Rainer Pietschmann




      Schrobsdorff Bau AG is a medium-sized enterprise working on the regional market and mainly provides
services for refurbishment and turn-key construction.

       As an innovative service provider we handle construction services both competently and efficiently and
are also able to develop tailor-made and flexible solutions for our costumers.
       We are convinced that the combination of traditional values - high professional competences and rich
experience - and our ability to adapt to dynamic market developments will bring satisfaction to our costumers as
well as our own future success.



      2. Preamble:

      In the framework of a PPP a private contractor is charged with planning, establishing, operating and
funding a project during its entire life cycle.
      Thus both private know-how and private capital are mobilized to break the holdup of investment and
redevelopment.



                                                                                                             32
      Although the funding is only one part of a bundle of services provided for the entire project, its role in
structuring PPP projects is substantial in terms of political relevance as well as the effects on the life cycle costs,
the risk structure and the (efficient) distribution of risks.
       At this point in time, no standard concept regarding the funding of PPP projects is available in Germany.
       The different possibilities of funding, for instance a project funding or a forfaiting (forfaiting is the
purchase of trade receivables without recourse to the seller in the event of a default (à forfait = lock, stock and
barrel without recourse), will be coordinated within the specific parameters and requirements of a project.

      However the PPP players are still not one hundred percent sure about the concrete structuring of the
funding as well as possible repercussions on other project parameters, for instance the risk and/or incentive
structure of a project.



      3. Definition and understanding of the concept:

      PPP means long-term cooperation between the public and the private sector, which are regulated by
contract and deal with the fulfilment of public tasks. The resources that are required to realize projects are put in
a joint organizational context (“project”) and existing project risks are distributed at optimal cost and in
accordance with the project partners capacities regarding risk management. Project risks are borne by those who
are in a position to bear and manage them most efficiently.

       The initial provision (new construction) or the securing (redevelopment, extension and/or modernization)
of an infrastructural service by the public sector, for example of a school, an administrative building or a
correctional facility, often take center stage in PPP projects.
       In this context it is characteristic of PPP projects that it is not the public sector, but rather a private
business that takes on the required planning, building, funding and operating services, and fulfil the
responsibilities of provisions during the entire life cycle of a project (useful life) (the so-called life cycle
approach).
       If requested by the responsible public body, the private business will also provide services that go beyond
that, such as catering services and/or security services.

       Unlike the conventional self-procurement, sub-services in the scope of PPP projects are not advertised for
bids separately or by lots, but the responsible public body acts as the buyer of an entirety of services.
       Accordingly, the funding of the project only represents part of the bundle of services to be provided by the
private business, and not the primary purpose of a PPP. Thus a PPP is not merely a funding model, but in fact it
is a comprehensive approach regarding organization and procurement in order to ensure the sustainable
fulfilment of public tasks by involving private capital and know-how.
       Cooperation between the public and the private sector within the scope of a PPP can take different forms.
The respective rights and obligations of the contractual parties are stipulated in a complex agreement.
       The specific contractual form is particularly determined by the individual interests and economic
objectives of the players involved. Against this background it is not possible to define a generally valid structure
of contracts and organization.
       Sustainable project structures are rather to be developed in consideration of the specific project matter
(project structuring).
                                                                                                                    33
     Orienting by specific project matters, however, does not exclude the introduction of certain standards to
the agreement as well as the processes and procedures regarding the structuring and development of a PPP. By
minimizing the transaction costs it is also possible to a certain extent to open up PPP approaches to smaller
projects.
      A standardization, if possible, of procedures, such as project development, analyses of profitability,
assignment of contracts and of structures, such as risk distribution, contract templates, is therefore
recommended.



     4. Different PPP models

             - Purchaser model
             The public sector consecutively and regularly pays the private investor a sum to satisfy the costs
       of planning, building, funding, operating and other expenses in the scope of the facility management
       over a period of approx. 20 - 30 years. When this period expires the ownership of the building is
       transferred to the public sector.


             - Leasing model
             Unlike in the purchaser model, here, the acquisition of ownership is not agreed in a contract. The
       public sector however is granted a purchase option. Initially the public sector only pays a compensation
       fee, which also covers the annuity. Apart from the requirement to remunerate the purchase separately, a
       decision on the purchase itself takes place at the end of the PPP agreement.


             - Letting model
             In the letting model the long-term lease of the building is agreed.


             -Holder model
             According to the holder model the private partner builds, redevelops and operates a building. The
       public sector is owner and user. It remunerates the private partner�s services through regular payments.



             -Contracting model
            According to the contracting model the private partner provides defined services, for example
       energy supply, against the payment of a current fee. The private partner has to install, maintain and
       modernize the required facilities. The building itself is owned by the public sector.


             - Concession model
              Here the private partner undertakes to plan and erect a building on behalf of the public sector
       (building concession) and to provide certain services to the users (service concession). It is financed
       directly by the users of the building. For example; public restrooms in which one is charged for their
       use.



                                                                                                            34
              -   Partnership model
              The partnership model means that the public sector and the private partner build and operate a
        building by means of a partnership.



      5. Life cycle approach

      In many cases only 25 to 30% of the total costs of real estate over its entire useful life account for
investment costs.
      There is a direct connection between the functionality of a building as well the quality of construction and
the subsequent costs of construction, operating and leasing. It is obvious that as early as the planning stage the
economic relation between construction and operating costs has to be found in consideration of subsequent costs
of use. He who has to bear the total costs and risks of an investment in real estate has a substantial interest in
finding the most economical solution.

       In this respect, the life cycle approach presents a system of incentives for the private supplier. PPP
projects in Great Britain, for instance, take this conclusion into account.
       The private contractor is responsible for the planning, building, funding and operating and bears the risks
that result from it over the entire useful life. Here, the consideration of the life cycle allows for a better quality
of planning and building and guarantees a better standard regarding construction maintenance and additional
services in the operating stage.
       The German private economy also applies the life cycle approach to real estate investments, in order to
achieve more efficiency over the entire useful life and to establish better cost management.
       There is currently a stronger demand from the public sector for comprehensive PPP models, including in
Germany, and the necessary market structures are developing, so efficient operation of real estate can be
offered. If a project basically qualifies for this, there are many reasons for including services in the call for bids
from the operating stage.




      6. Basic structure and process

      Project funding has a complex structure with several different project participants who follow each of
their own individual objectives and motivations.

      The picture below shows the basic scheme of participants in project funding in the scope of PPP projects.



      7. Basic scheme of participants in project funding




                                                                                                                   35
                                                         Public
                                                         Client



                                                      PPP Project
                                                      Agreement
Sponsors
                               company                                            credit
                               agreement     Project Company                      agreement   Capital Lender


Financial

Investors
                                           building/planning   service/operator
                                                agreement         agreement



                  Building                                                           Operater/
                                                                                  Service Provider
                  Companies



        8. Financial investors

         As a rule, financial investors are capital investment or investment companies, insurance companies,
  pension funds, private equity companies or other financially strong investors, who bring in risk capital, i.e.
  liable equity, in a project company.
         The circle of potential financial investors is not necessarily restricted to national investors.
         When it comes to large volume PPP measures in particular, international financial investors can have an
  important role in providing the required equity. Against this background the responsible public body should
  strictly ensure that international standards are reasonably taken into account regarding the project development
  and structuring of funding.

        The financial investors commitment aims at achieving proper profits from the capital input. Against the
  background of the liability of risk capital the financial investors primarily base on a sustainable business model
  in their investment decision as well as on the long-term recoverability of the project. In the run-up to their
  investment decision they comprehensively analyse the technical and legal feasibility as well as the financial and
  economical sustainability of the project and the relevant markets.

        Here a central importance is placed on the project structure, in particular the distribution of project risks,
  the sustainability and stability of the calculated project cashflow as well as, if applicable, fiscal effects, for
  instance by allocating results in the scope of a co-entrepreneurship or affiliation.

        Against the background of their regular extensive activities of project evaluations financial investors -
  similar to capital lenders - can have the function of natural partner to the public body that is responsible for the
  project and to a certain extent contribute to ensuring the marketability and financial feasibility of the project.

                                                                                                                   36
      Financial investors tend not to keep their equity stake over the entire project period. In this respect the
possibility of disposing of their stake after a certain project period promotes the financial investors�
commitment. However, a disposal requires that such equity stakes are tradable and that there is a functioning
secondary market.
      From the project perspective the involvement - at least a temporary one - of financial investors can be a
successful approach, particularly because they provide the project with liable equity in the risky start-up stage.
      If and to what extent the involvement of financial investors is a successful approach will have to be
examined in specific individual projects.

       For example, within the scope of a forfaiting with defence and waiver of defence due to the share of
equity being very low most of the time, the involvement of financial investors is basically not very effective. If
nevertheless financial investors are to be involved, it should be considered whether and to what extent a
structuring of the funding as forfaiting with declaration of a waiver of defence complicates or even prevents the
involvement of international financial investors.
       While internationally and also partially in European countries other than Germany, established structures
have been developed for the funding of PPP projects by involving financial investors, this market is still in the
early stages of development in Germany.

      However, conversations with potential financial investors have revealed that - regardless of the low stage
of development of the German PPP market - they are already absolutely willing to sign certain parts, depending
on the project structure, even up to 100% - of the required equity.



      9. Objectives and Advantages:

      a) from the public partners (the clients) perspective:
      Achieving greater efficiency in the long run to relieve the public budgets and at the same time
immediately improving infrastructure and services. Clients from the public sector are interested in relieving the
respective minimum supply rate and to indicate the agreed PPP rates directly in the capital account.

       b) from the private partners (the contractors) perspective:
       Stimulating the building business and ensuring long-term assignments/employment that do not depend on
the economic cycle.
       The private contractors see the primary use of PPP projects in the long-term planned achievement of
profits while at the same time risks are minimized. The private contractor gets access to new customers, its
services and products are offered to a market that is otherwise difficult to access. Private contractors can take
part in the local progress, remain competitive and expand.

      The investor expects long-term amounts due to long-term contractual bindings and successful cooperation
raises hopes for extended and follow-up assignments. Last, but not least, the corporate image benefits of the
contracted private company play an important role, since the public is highly interested in PPP projects.

      c) Advantages for both the public and the private sector:


                                                                                                               37
      Due to the holistic approach via the life cycle of real estates private businesses can use synergetic effects
and forward them to public clients. In doing so, potential cost savings are already detected in the planning stage.

      The relation of building costs and the subsequent operating and leasing costs is optimized. The private
business has an overview of the total costs. Cost savings in the construction and operating of real estate, which
are not achievable by the public sector (according to surveys approx. 20% in Great Britain and in Germany), can
be achieved by a bigger leeway of optimization due to the private contractor�s interest in optimizing costs
(development of the implementation of functional service catalogues) and to procurement of services from the
private sector.



      10. Opportunities for German building companies



       In this context various cooperation opportunities arise for the German building sector. The development
or modernization of the Ukrainian energy saving production of building materials or technologies of heat supply
is recommended last, but not least, for reasons of cost reduction.

      German partners get the opportunity to participate in this process and to take part in its further
development. It is also of great importance to improve the quality of the execution of a construction project.
German companies, whose products have a good reputation due to their high quality, consider it important to
work with highly qualified technicians. However, legal security for international/national investors is of the
highest priority.
      The Ukrainian Institute for German Law and European Development at the Odessa Marine University
provides significant guidelines on this matter.
      11. Bibliography

      administrative regulations, work guidelines, etc.:
      Europäische Investitionsbank: Der Projektlebenszyklus in der Europäischen
      Investitionsbank, 2001
      [European Investment bank: The life cycle of a project in the Europeam investment bank, 2001]

      book contributions, essays, monographs, world wide web:
      Beratergruppe PPP im öffentlichen Hochbau: PPP im öffentlichen Hochbau,
      2003
      [Group of consultants PPP in public building construction: PPP in public building construction, 2003]

      Bundesverband deutscher Banken: Daten, Fakten, Argumente - Public Private
      Partnership - Chancen für die Modernisierung von Infrastruktur und Verwaltung,
      Berlin, 2004

       [Federal association of German banks: Data, facts, arguments - Public private partnership - opportunities
for the modernization of infrastructure and administration, Berlin, 2004]


                                                                                                                38
     Public Private Partnership-Initiative NRW/Bauhaus-Universität Weimar: Public
      Private Partnership im öffentlichen Hochbau - Leitfaden Wirtschaftlichkeitsvergleich,
      Düsseldorf, 2003
      [Public Private Partnership Initiative Northrhine Westphalia, Bauhaus University of Weimar: Public
private partnership in public building construction - Guidelines for a comparison of cost effectiveness,
Düsseldorf, 2003]

     Siebel, Ulf R.: Handbuch Projekte und Projektfinanzierung, München, 2001
     [Siebel, Ulf R.: Manual of projects and project fundings, Munich, 2001]


     www.ppp.nrw.de
     www.ibl.uni-stuttgart.de/05forschung/ppp/index.php
     www.gtz.de/ppp
     www.spdfraktion.de/rs_datei/0,,4471,00.pdf
     www.duefinance.de/ppp.htm
     www.ppp-bund.de
     www.ppp.niedersachsen.de




                                                                                                     39
                                                       VIII.


                               Dipl.- Ing. Hansjörg Tonscheidt, Immobilienwirtschaft


                                      Interessen privater Immobilienanleger




     Zunächst möchte ich Ihnen kurz schildern, was sich in den letzten beiden Jahren auf dem
Immobilienmarkt in Deutschland ereignet hat um daraus abzuleiten, welche Parameter die Investoren für ihr
Engagement voraussetzen.

     Bisher waren Immobilienkäufe in Deutschland durch Ausländer eher die Ausnahme.
     Die Renditen deutscher Immobilien wiesen über Jahrzehnte hinweg Renditen auf, die um 1,5 bis 2,5
Prozent unter denen vergleichbarer Objekte im Ausland lagen.

      Das hat sich grundlegend geändert.

      Im Ausland sind die Immobilienpreise nach und nach sehr gestiegen, während in Deutschland seit dem
Jahre 2001 sinkende Mieten zu Wertverlusten führten. Damit wurden deutsche Immobilien vergleichsweise
preiswert.

      Durch eine extensive Bereitstellung von Fremdmitteln, historisch niedrige Zinsen und die Bereitschaft der
Banken, Immobilien in Einzelfällen bis annähernd 95% ihrer Werte zu beleihen, sind die Immobilienrenditen so
hoch, wie in kaum einem anderen Markt im Ausland.

      Im Übrigen entwickelt sich die deutsche Wirtschaft durch Anpassung wichtiger Rahmenbedingungen
positiv, so dass der deutsche Immobilienmarkt in das Blickfeld internationaler Investoren rückte.

      Von 19 Milliarden Euro, die im Jahre 2005 in deutsche Gewerbeimmobilien geflossen sind, entfielen 57%
auf ausländische Adressen, in den Jahren zuvor waren es nur 5-10%.

     Bereits im 1. Quartal 2006 wurde ein Investitionsvolumen von 10 Milliarden Euro erreicht. Inzwischen
wird von einem Capital Hurricane gesprochen, der über Deutschlands Gewerbe- und Wohnimmobilien
hinwegfegt.



      Wie für den Großteil der institutionellen Investoren gelten auch für Privatinvestoren gewisse
Grundvoraussetzungen die das Land, in dem� das Investment erfolgen soll, erfüllen muss.


     Diese Grundvoraussetzungen will ich nachfolgend aus der Sicht eines aus der westlichen, d.h.
marktwirtschaftlich geprägten Hemisphäre kommenden privaten Investors, näher darstellen.


                                                                                                            40
     An allgemeinen Voraussetzungen müssen vorhanden sein:



              Freier Kapitalverkehr und eine stabile konvertierbare Währung.
             Der Investor muss sicher sein, sein Kapital ohne bürokratische Hindernisse
             frei ein- und wieder ausführen zu können.


              Es muss ein transparenter, offener Markt vorhanden sein, mit einer Vielzahl
             von Angeboten, unter denen der Investor frei auswählen kann.


              Im Land sollte politische Stabilität herrschen, die einen freien Markt
             dauerhaft garantiert erscheinen lässt.


              Für den Investor ist Rechtssicherheit eine unabdingbare Voraussetzung. Er muss vor
       willkürlicher Enteignung geschützt sein, steuerliche Aspekte müssen
             überschaubar sein.


              Die Eigentumsverhältnisse müssen verbindlich und klar geregelt sein.
             Das deutsche Grundbuch, das beim Amtsgericht geführt wird, wäre hierfür
             ein Beispiel, es gibt sicher aber auch andere.



     Selbst wenn diese Voraussetzungen alle gegeben sind und das sind sie in Deutschland über Jahrzehnte
hinweg, kommt kein Investor, wenn die Rendite nicht stimmt.

     Dabei ist zu unterscheiden zwischen dem Investor, der Immobilien erstellt und demjenigen, der
vorhandene Immobilien erwerben will.



     Beide Investoren werden eine Bedarfsanalyse erstellen mit zu erwartenden Vermietungspreisen.

      Danach wird zu entscheiden sein, ob in Gewerbliche- oder Wohnimmobilien zu investieren ist oder ob
neu zu erstellende oder vorhandene erworben werden sollen.



      Der Investor als Bauherr wird -neben der Ermittlung von Grundstückspreisen- zu entscheiden haben, ob er
mit heimischen Arbeitskräften und Materialien baut oder diese aus dem Ausland importiert werden. Hier ist eine
genaue Kostenanalyse geboten.




                                                                                                           41
     Der Käufer vorhandener Bausubstanz wird ein Qualitätsgutachten benötigen, wie auch Kenntnisse über
das im Land herrschende Mietrecht, Mieterhöhungs- und Kündigungsmöglichkeiten und Informationen über
bestehende Wohnraumbewirtschaftungsvorschriften oder ähnliches.



      Für beide privaten Investoren ist die steuerliche Situation, sind Hypothekenbedingungen und die zu
erwartende wirtschaftliche Entwicklung des Landes und damit eine zu erwartende, akzeptable Rendite des
Objektes von alles entscheidender Bedeutung.



      Wie Sie sehen, meine Damen und Herren, bedarf es um für Investoren ein interessanter Markt zu sein,
einer Vielzahl von Voraussetzungen die vielleicht noch nicht alle momentan in ihrem Land vorliegen aber -und
da bin ich sicher- sie werden mit Erfolg daran arbeiten.

     Vielleicht wird es ja auch einmal ein Capital Hurricane in ihrem Land geben.




                                                                                                         42
      Welche Voraussetzungen müssen für einen privaten Investor vorliegen, um sich auf dem
                                 Immobilienmarkt zu engagieren?




Allgemeine Voraussetzungen:


 Freier Kapitalverkehr und stabile Währung


 Transparenter, offener Markt


 Politische Stabilität


 Rechtssicherheit



Spezielle Voraussetzungen:


 Auslandsinvestitionen sind erwünscht


 Staatliche Unterstützung, Subventionen


 Günstige Grundstücks- bzw. Gebäudepreise


 Sichere Mieten, faire Mietgesetze


 Gute Infrastruktur


 Prosperierende Wirtschaft


 Langfristig gute Rendite




                                                                                             43
         What kind of preconditions must exist for a private investor to invest in real estate?




General preconditions:


 Free flow of capital and stable currency


 Transparent and open market


 Political stability


 Certainty about one´s legal position



Special preconditions:


 Foreign investments are encouraged


 Governmental support


 Subsidies


 Reasonable prices of plots and buildings


 Stable rents, fair rent laws


 Favorable infrastructure


 Prosperous economy


 Favorable long term yields




                                                                                                  44
                                                       IX.


                                               Anhang:
                 Kontaktadressen der deutschen Autoren und Teilnehmer des Symposiums



Prof. Dr. jur. Peter-Alexis Albrecht, Universitätsprofessor:

Vorsitzender des Kuratoriums des Ukrainischen   Tel.: 069 798 22436
Instituts für deutsches Recht und europäische Fax: 069 798 28430
Entwicklung an der Nationalen nbsp e-mail: P.A. Albrecht@jur.uni-frankfurt.de
Marineuniversität Odessa
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Senckenberganlage 31
60054 Frankfurt am Main

                                     ------------------------------------------

Dr. Michael Arndt, Regionspräsident Hannover:

Hildesheimer Str. 20nbsp      Tel.: 0511 616 221 82
30169 Hannover Fax: 0511 616 225 99
e-mail: Dr.Michael.Arndt@region-hannover.de

                                     ------------------------------------------
Boris Binkowski, Vorstand a.D. der Expo-Bank Hannover:

Eichendorffstraße 10 Tel.: 0511 3888507
30175 Hannover      Fax: 0511 3746681
e-mail: peterbinkowski@t-online.de
                                 ------------------------------------------

Dr. Gunter Dunkel, Vorstand der Norddeutschen Landesbank

Friedrichswall 10  Tel.: 0511 361 2204
30159 Hannover
e-mail: Gunter.Dunkel@nordlb.de

                                     ------------------------------------------


Gernot Lorenz , Rechtsanwalt und Notar:
Alexanderstraße 2      Tel.: 0511 327 138
30159 Hannover    Fax: 0511 321 668

                                                                                       45
email: Gernot-Lorenz@lorenzpartner.de



                                  ------------------------------------------
Henning Schapper, Staatssekretär a.D.:

Mainzer Straße 21    Tel: 0511 886 330
30173 Hannover      Fax: 0511 3745652

                                  ------------------------------------------


Dr. Paul Helmut Schmitz , Vorstand a.D. Sparkasse Hannover:

Linzer Straße 5       Tel.: 0511 836 152
30519 Hannover      Fax: 0511 836 156
e-mail: paul-helmut.schmitz@gmx.de

                                  ------------------------------------------


Dipl.-Ing. Mike Schrobsdorff, Bauunternehmer:

Cicerostr. 37/38    Tel.: 030 89 666 111
10709 Berlin     Fax: 030 89 666 111
e-mail: Schrobsdorff@sb-bau.de



                                  ------------------------------------------



Dipl.-Ing. Hansjörg Tonscheidt, Immobilienwirtschaft:

Papenstieg 3   Tel.:    0511 855 905
30171 Hannover       e-mail: Toni_Tonscheidt@web.de
nbsp

                                  ------------------------------------------



Rolf Wedemeier, Steuerberater:

Leisewitzstraße 28nbsp Tel.: 0511 856 36 24
30175 Hannover        Fax: 0511 856 36 30
e-mail: rolf-heinrich-wedemeier@wedemeier-kollegen.de



                                                                               46

								
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