Poster-DOEAK-2007b_070807

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					            HIV oder HIV-Therapie?
Geschlechtsunterschiede in der Kausalattribution
 von Symptomen und Therapienebenwirkungen
                  Kremer H.1, Sonnenberg-Schwan U.1, Arendt G.1, Brockmeyer N.2, Ulmer A.3, Gräfe K.4, Starke W.5,
                                               für das Kompetenznetz HIV/AIDS

 1All   Around Women Special, Deutsche AIDS Gesellschaft, Bochum, 2Klinik für Dermatologie und Allergologie, Ruhr-Universität
Bochum, 3Praxis Ulmer/Frietsch/Müller, Stuttgart, 4ifi - Institute für Interdisciplinäre Medizin, Hamburg, 5Praxis Starke, Wiesbaden




                         Einleitung                                                                                         Ergebnisse

 Ob Menschen mit HIV ihre Symptome oder Beschwerden                   Frauen und Männer unterschieden sich nicht in ihren Angaben über die
 auf HIV oder auf die HIV-Therapie zurückführen, kann                 durchschnittliche Häufigkeit (26,25 ±14,06 vs. 28,97 ±15,67, n.s.) und den mittleren
 einen entscheidenden Einfluss auf die Therapiemotivation             Schweregrad von körperlichen Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen (1.96
 haben.1                                                              ±1,27 vs. 1.68 ±1,04, n.s.; Skala von 0 = gar nicht bis 3 = stark).

 Geschlechtsunterschiede in der Kausalattribution von                 Das häufigste Symptom bei Frauen und Männern war Müdigkeit (82% vs. 78%, n.s.).
 Symptomen und Therapienebenwirkungen wurden bisher                   Müdigkeit war bei Frauen und Männern gleich stark ausgeprägt
 nicht systematisch untersucht. Allerdings gibt es Hinweise,          (1.67 ±1,27 vs. 1.68 ±1,04, n.s.).
 dass Frauen ihre HIV-Therapie häufiger wegen
 unerwünschten Nebenwirkungen abbrechen als Männer. 2                                            Es gab einen Geschlechtsunterschied in der Kausalattribution von
                                                                                                 Müdigkeit (Chi2 = 13,59, df 3, p < 0,01).
            Klagen Frauen mit HIV häufiger und verstärkt
            über Symptome und                                                                                                            Männer (44%) führten ihre Müdigkeit
            Befindlichkeitsstörungen als Männer?                                                                                         eher auf HIV zurück als Frauen (25%).

            Führen Frauen ihre Beschwerden und                                                   Frauen (30%) sahen die Ursache ihrer Müdigkeit
            Laborwertveränderungen eher auf die HIV                                              eher in der HIV-Therapie als Männer (15%).
            Therapie zurück als Männer?
                                                                    60%

            Gibt es Unterschiede zwischen Männern und
                                                                    50%
            Frauen, die in der ärztlichen Praxis eine                                                                                  Mit Ausnahme der Müdigkeit führten
            besondere Beachtung finden sollten?                     40%
                                                                                                                                                     Frauen ihre Symptome
                                                                      insgesamt nicht
                                                                    30%                                                     Frauen
                                                                                                                                                     häufiger auf die HIV-
 Diese multizentrische Studie untersucht Unterschiede                 Therapie zurück als                                   Maenner
                                                                                                                                                                       Männer.
 zwischen Männern und Frauen in körperlichen                          Allerdings führten Männer ihre
                                                                    20%


 Beschwerden und Befindlichkeitsstörungen, dem                        Beschwerden eher auf HIV zurück (p=0,01),
                                                                    10%
 Schweregrad der Symptome und der Kausalattribution der               während Frauen die Ursachen eher auf
 Symptome auf die HIV-Infektion, die HIV-Therapie oder               0%
                                                                             HIV           andere oder unbekannte Faktoren
                                                                                         HIV-Therapie   Andere/ Unbekannt

 andere Ursachen.                                                                                          attribuierten (p = 0,02) (Abbildung 1).

                                                                      Abbildung 1: Geschlechtsunterschiede in der Kausalattribution von Symptomen und
                         Methode                                      Therapienebenwirkungen

                                                                      Frauen führten abnorme Laborwerte häufiger auf die HIV-Therapie zurück als
 163 Menschen mit HIV (55% Männer, 45% Frauen) die in
                                                                      Männer (p = 0,04). Allerdings wurden nur 5% bis 30% der im Labor festgestellten
 5 verschieden Zentren (Unikliniken, Arztpraxen) behandelt
                                                                      Veränderungen von den PatientInnen in den Fragebögen angegeben.
 wurden, nahmen an dieser Studie teil. Die Fragebögen
                                                                      Insgesamt gab keine Geschlechtsunterschiede in der Aufklärung über
 erfassten Angaben zur HIV-Therapie, eine umfassende
                                                                      Laborwertveränderungen, außer dass
 Checkliste zu körperlichen Beschwerden, dem
 Schweregrad der Beschwerden und der Ursache, auf
                                                                                   • Frauen besser über erhöhte Kreatininwerte aufgeklärt waren als Männer
 welche die Beschwerden am wahrscheinlichsten
                                                                                   (p = 0,02) und dementsprechend häufiger ihre Therapie umgestellt hatten um
 zurückzuführen sind: HIV, HIV-Therapie, oder
                                                                                   diese unerwünschten Nebenwirkungen zu vermeiden (p = 0,02).
 andere/unbekannte Ursachen. Ferner wurden die
                                                                                   • Männer häufiger Kaletra einnahmen als Frauen (p < 0,01) und erhöhte
 Angaben von PatientInnen über Laborabnormalitäten mit
                                                                                   Triglyceride hatten (p = 0,01) , während Frauen Kaletra häufiger wegen der
 den Laborberichten der BehandlerInnen verglichen.
                                                                                   erhöhten Triglyceridspiegel abgesetzt hatten (p = 0,03) .

                                                                  Schlussfolgerungen

   •     Erfreulicherweise führten Frauen und Männer mit HIV etwa die Hälfte ihrer Beschwerden weder auf HIV noch auf die HIV-Therapie zurück.
   •     Das Ergebnis, dass Männer im Vergleich zu Frauen ihre körperlichen Symptome und Befindlichkeitsstörungen eher als die HIV-Infektion zurückführen,
         mag sich auf ihre Therapiemotivation auswirken, indem Männer eher eine HIV-Therapie fortsetzen, selbst wenn Nebenwirkungen und
         Laborwertveränderungen auftreten.
   •     Frauen scheinen Nebenwirkungen der HIV-Therapie eher durch Therapieumstellungen vorzubeugen, vorausgesetzt dass sie über Laborwert-
         Veränderungen aufgeklärt sind.
   •     Hervorzuheben ist die große Diskrepanz zwischen ärztlich diagnostizierten Laborwertveränderungen und den Angaben in der Frauen und Männer in den
         Fragebögen. Diese Ergebnisse sollten in weiteren Studien überprüft werden. Falls wirklich ein großer Teil der relevanten Laborwertveränderungen den
         PatientInnen unbekannt sein sollte, gibt es Verbesserungsbedarf in der Kommunikation zwischen ÄrztInnen und PatientInnen.
   •     Geschlechtsunterschiede in der Kausalattribution von Symptomen und Therapienebenwirkungen haben klinische Relevanz.


                            Dank                                                                                                     Literatur
                                                                   1. Johnson MO, Stallworth T, Neilands TB. The drugs or the disease? Causal attributions of symptoms held by HIV-positive adults
  Diese Studie wurde im Rahmen des Kompetenznetzwerks                 on HAART. AIDS.Behav. 2003 Jun;7(2):109-117.
  HIV/AIDS vom BMBF gefördert.                                     2. Currier JS, Spino C, Grimes J, et al. Differences between women and men in adverse events and CD4+ responses to
                                                                      nucleoside analogue therapy for HIV infection. J.Acquir.Immune Defic.Syndr. 2000 Aug 1;24(4):316-324.

				
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posted:1/1/2012
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