Oper Claudio Monteverdi - L'Orfeo

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Oper Claudio Monteverdi - L'Orfeo Powered By Docstoc
					                            Fachdidaktisches Seminar 3,4, Dr. G. Eder
           Unterrichtsstunde, gehalten von Marlies Schöllauf am 21.3.2002, zum Thema:



               Claudio Monteverdi - Orfeo
Inhalt:



Protokoll der Stunde:
1) Personen und Inhalt der Oper werden erklärt mit Hilfe eines Tafelbildes.

2) Die Funktion der Toccata wird erklärt. Die Toccata wird dreimal in verschiedenen
Aufnahmen vorgespielt und verglichen. Die Teilnehmer sollen die Unterschiede zwischen den
drei Aufnahmen betreffend Instrumentation, Tempo, Tonhöhe, und Sonstiges herausarbeiten
und erhalten dafür 4 verschiedene Farben von Zetteln (pro Farbe eine Thematik, die zu
untersuchen ist), die dann auf eine Tafel aufgeklebt und verglichen werden. Interessantes
Ergebnis: Die Aufnahme von Jürgen Jürgens wird als schnellste empfunden, obwohl sie es
nicht ist, weil diese Aufnahme als einzige Schlagwerk verwendet.

3) Die Teilnehmer erhalten ein Arbeitsblatt, auf dem 11 Szenen in 1-2 Sätzen charakterisiert
sind. Dazu werden 5 Hörbeispiele vorgespielt, die den Szenen zugeordnet werden sollen. Die
Wahl soll beim Vergleichen auch begründet werden, sofern es verschiedene Meinungen gibt.

4) Szene: Orfeo holt Euridice aus der Unterwelt. Die Teilnehmer erhalten ein Arbeitsblatt, auf
dem Stichwörter aus der Arie des Orfeo und der nachfolgenden Arie der Euridice angegeben
sind (zur Orientierung). Die Szene wird nun vorgespielt, die Teilnehmer haben die Aufgabe,
festzustellen und anhand der angegebenen Textstellen zu notieren, an welcher Stelle die
Stimmlage des Orfeo den höchsten Punkt erreicht, welche Teile modulierend sind, wo sich die
Stimmung im Lauf des Stückes ändert, welche Generalbassinstrumente wo verwendet werden
und an welcher Stelle sich Orfeo zu Euridice umdreht. Die Ergebnisse werden danach
besprochen und ergänzt, das Stück wird noch einmal vorgespielt.

verwendete Aufnahmen:

Nigel Rogers, London Baroque, 1983
Nikolaus Harnoncourt, Capella antiqua München, Concentus musicus Wien
Jürgen Jürgens, 1974

Informationen zur Oper:
Orfeo ist als pastorales Drama konzipiert und ist einerseits die erste große Barockoper, in der
Monteverdi bereits alle Formen und Möglichkeiten vorausgeahnt hat, die in den Opern der
folgenden Jahrhunderte aufscheinen: Die charakterisierende Ouverture, die Arie, sogar mit da
capo, das Strophenlied, verschiedene Leitmotive, dramatisch motivierte Instrumentation und
natürlich das Rezitativ. Die neue Monodie wurde von Monteverdi im Rezitativ zu höchster
Ausdrucksintensität gesteigert, wobei er manche Tabus der Harmonielehre rücksichtslos
durchbrach.
Andererseits ist die Oper zugleich das letzte große Werk, in dem der Formenreichtum und die
reiche und bunte Palette der Renaissancemusik ausgebreitet wird: Das für den Orfeo
geforderte Orchester entspricht bis ins Detail dem Orchester der Intermedien, die Jahrzehnte
zuvor als Zwischenaktmusiken bei Theateraufführungen gespielt worden waren. Die
Hirtenszene des ersten und zweiten Aktes ist durchsetzt mit Formen der traditionellen
Pastoralmadrigale.
Monteverdis Librettist war Alessandro Striggio. Er war später ein enger Freund Monteverdis.
Das Libretto ist sehr sorgfältig ausgearbeitet. Sowohl Monteverdi als auch Striggio haben
offensichtlich die Rinuccini-Peri-Version des Stoffes genau studiert. Peri geht ausschließlich
vom Wort aus, Striggio räumt Monteverdi im Libretto mehr Möglichkeiten ein, die Wirkung
der Musik einzusetzen. Die Oper kehrt zum klassischen Schema der Griechen zurück. Die
Szenen werden durch Chöre getrennt, am Ende der Akte steht jeweils ein Intermedio, das sich
auf die vorausgegangene Handlung bezieht. So wurde die klare dramatische Struktur
unterstützt.
Der Orfeo-Stoff ist als "Griechendrama" geeignet für den neuen antikisierenden Stil und
zugleich programmatisch, die alles überwindende Macht der Musik besingend. Für Peri und
Monteverdi bestand der große Reiz darin, einen Sänger zur Hauptfigur ihrer Kompositionen
zu erheben, denn damit war die Rechtfertigung für Arien und Rezitative gegeben, ohne dass
man mit der gewählten dramatischen Konvention hätte brechen müssen. Ein weiterer Vorteil
bestand darin, Nymphen und Schäfer als Nebenrollen zu wählen, weil das Figuren waren, von
denen man glaubte, dass sie sich häufiger singend unterhielten als andere Menschen.
Monteverdi unterscheidet außerdem klar zwischen den Liedern des Orfeo und seinem
Sprechen.
Striggio hat mehr Text geliefert, als Monteverdi tatsächlich verwendet hat. Die wichtigste
Änderung findet sich am Schluss der Oper. Ursprünglich hat Striggio den eigentlichen Schluss
der Sage, nach dem Orfeo vom Gefolge des Bacchus zerfleischt wird, beibehalten, und
Monteverdi hat ihn auch vertont. Die Uraufführung fand in dieser Fassung statt, der Schluss
war damals aber scheinbar nicht gesellschaftsfähig, sodass Monteverdi sich schließlich dem
öffenlichen Druck beugte und den Schluss abänderte. Seither endet die Oper mit der Auffahrt
Orfeos in den Himmel. Die Wahl einer Moresca als Schlusstanz kann ein Überbleibsel der
Urfassung sein. Mit dem Moriskentanz und seinem Todes- und Auferstehungs-Symbolismus
verwandt, steht die Moresca dem Geist des Bacchus näher als dem des Apollo.
Ein wesentliches Problem bei der Aufführung des Orfeo besteht in der Besetzung. Monteverdi
gibt im Vorwort der Partitur eine Liste der benötigten Instrumente an. Im Verlauf der Oper
gibt er nur an einigen für ihn wichtigen Stellen die genaue Besetzung an, die übrigen Teile
überlässt er dem Interpreten. Außerdem werden Instrumente verlangt, die in der Liste des
Vorwortes nicht angeführt sind. Damals wurde die Besetzungsfrage vermutlich je nach
Örtlichkeit der Aufführung und deren Möglichkeiten gelöst. War ein großes Orchester
vorhanden, kamen mehr Instrumente zum Einsatz, sonst musste man eben mit weniger
auskommen. Prinzipiell sind die Instrumente im Orfeo geteilt in "Fundament-" und
"Ornamentinstrumente" (entspricht Continuo- und Melodieinstrumenten). Außerdem werden
die zwei verschiedenen Klangkörper der Oper charakterisiert: Flöten, Streicher und
Zupfinstrumente für die Hirtenwelt, Zinken, Posaunen und Regal für die Unterwelt. Die
Trompeten kommen nur in der Toccata vor, die der eigentlichen Oper vorangestellt ist, und
eigentlich eine Hymne für den Herzog darstellt. Die Fanfare ist in C notiert, wird aber in D
gespielt, weil die erste Stimme von einem D-Clarino gespielt wird, die Unterstimmen aber
von gedämpften C-Clarinos, die durch den Dämpfer einen Ganzton höher klingen. Die
übrigen Instrumente müssen transponieren.
Im Orfeo dürfte eher wenig zusätzlich verziert worden sein, weil Monteverdi die
Verzierungen z.T. schon selbst notiert hat. Im 3. Akt in der Arie, in der Orfeo den Caronte
besingt, hat Monteverdi neben der unverzierten Version eine Version geschrieben, in der die
reichen Verzierungen ausgeschrieben wurden.

Claudio Monteverdi - Kurzbiographie

geboren 15.5.1567 in Cremona, gestorben 29.11.1643 in Venedig. Er war der älteste Sohn
eines Apothekers, Krankenpflegers und Arztes und Kompositionsschüler von Marc' Antonio
Ingegneri, dem maestro di capella der Kathedrale Cremonas. Wahrscheinlich hatte
Monteverdi auch Gesangsunterricht, da er später selber Gesang unterrichtete. Außerdem hatte
er Unterricht auf der Viola und der Viola da braccio.
1587 erschien sein erstes Madrigalbuch. 1590 bekam er eine Stelle bei Vincenzo I Gonzaga,
dem Herzog von Mantua. Der Herzog hatte eine Kapelle von Musikern, die von Giaches de
Wert geleitet wurde. Er und die musikalische Umgebung in Mantua hatte großen Einfluss auf
Monteverdis Werk.
1599 heiratete Monteverdi die Sängerin Claudia Cattaneo, die Tochter eines Kollegen im
Streichensemble. Monteverdis Ruf wuchs. Wahrscheinlich war er unter den Musikern, die
1600 den Fürsten nach Florenz zu den Hochzeitsfeierlichkeiten von Maria de' Medici und
Henri IV begleiteten, bei denen Jacopo Peris Oper Euridice aufgeführt wurde.
Monteverdi plante ein theorietisches Werk zu schreiben namens Seconda prattica, overo
Perfettione della moderna musica. Monteverdi war kein Theoretiker, doch wollte er auf zwei
verschiedene Ansichten der Zeit reagieren: Die eine sah die Musik als Diener des Wortes
(seconda prattica), die andere das Wort als Diener der Musik (prima prattica). Die Akzeptanz
der Existenz dieser zwei Praktiken sollte die Streitigkeiten mindern.
Nach dem Tod Pallavicinos 1601 wurde Monteverdi zum maestro della musica des Fürsten
ernannt. 1607 wurde er zur Cremoneser Academia degli Animosi zugelassen. Im selben Jahr
starb seine Frau und ließ ihn mit drei Kindern allein.
Orfeo war ein wichtiges Werk der Mantuer Zeit, sowie auch eine weitere Oper, Arianna
(Librettist Ottavio Rinuccini). Das Lamento der Arianna ist der einzige noch erhaltene Teil
der Oper. Weiters schrieb er in Mantua das 2.-5. Madrigalbuch. In Mantua prägte sich auch
sein klassischer Madrigalstil aus. Monteverdis Opern wurden von Zeitgenossen hochgeachtet
wegen ihrer Fähigkeit, die Gemüter in einem Ausmaß zu bewegen, das bisher keine andere
Unterhaltung vermocht hatte, und dieser psychologische Aspekt war der Grund für die
Komposition vieler späterer Opern.
1610 wurde Monteverdi aufgrund von Meinungsverschiedenheiten und einer Intrige in
Mantua entlassen. Nach dem Tod von Giulio Cesare Martinengo 1613 folgte ihm Monteverdi
als maestro von San Marco in Venedig nach. Monteverdi organisierte die capella neu,
erweiterte die Bibliothek und engagierte neue Musiker. Er war in Venedig respektiert und
wurde gut behandelt. Zu den kirchlichen Festen und zu Staatsbanketten musste Monteverdi
die musikalische Unrahmung leiten, z.T. auch in anderen Kirchen, und oft auch neue Werke
dafür komponieren. Der Herzog von Mantua schien langsam zu bedauern, einen Komponisten
wie Monteverdi verloren zu haben. Er versuchte, ihn wieder zurückzubekommen und gab
auch bis 1628 noch regelmäßig Musik bei ihm in Auftrag.
Monteverdi unterhielt auch Kontakte zu anderen Orten Italiens. Seine Publikationen wurden
nun weniger, da er es nicht mehr notwendig hatte, sich durch Drucke seiner Werke einen
Namen zu machen. Interessanterweise veröffentlichte Monteverdi keine umfangreichen
geistlichen Sammlungen bis zur Selva morale e spirituale 1640/41. Viel von seiner geistlichen
Musik ist auch verlorengegangen.
Während seiner Zeit in Venedig unterhielt er auch Kontakte zu den Habsburgern, und zwar
seit den frühen 1630ern oder noch früher. Die Kontakte schlugen sich vor allem im 8.
Madrigalbuch nieder. Man weiß nicht genau, ob das Manuskript der Oper Il ritorno d'Ulisse
in patria, das sich derzeit in Wien befindet, auch ein Zeichen der damaligen Verbindungen ist.
Seine zweite venezianische Oper Le nozze d'Enea in Lavinia ist verschollen. Die dritte Oper
war L'incoronazione di Poppea (1942/3). In Il ritorno d'Ulisse in patria wie auch in
L'incoronazione di Poppea verbindet Monteverdi verschiedene ästhetische und technische
Ideale früherer Werke, das Grundgerüst ist nicht mehr rezitativisch wie Orfeo, Arien werden
wichtiger, die Oper besteht eher aus geschlossenen Formen. Der Librettist ist Badoaro. In
dieser Oper werden nach wie vor übertriebene Emotionen verarbeitet. L'incoronazione di
Poppea war Monteverdis letzte Oper (1642/43). Sie wird oft aus sein größtes Meisterwerk
angesehen.
Monteverdi starb am 29.November 1643 in Venedig.
Monteverdi scheint in seinen letzten Jahren kein einfacher Mensch gewesen zu sein. Briefe
zeigen, dass er sowohl schwierig als auch stolz war. Andererseits hatte er offensichtlich
durchaus Geist und Humor, was sich nicht zuletzt in seiner Musik manifestiert. Er hatte sich
zweifelsohne einen professionellen Stand erarbeitet. Das zeigt auch die ungewöhnlich hohe
Anzahl an posthumen Veröffentlichungen. Seine Werke waren in ganz Europa bekannt und
sein Einfluss auf das spätere Barock ist unbestritten.
Monteverdi hatte trotz allen Widersprüchen den Ruf eines modernen Komponisten, eines
Regelbrechers, gegen die Alten. Ihm selbst war es egal, ob er den Ruf eines Revolutionärs
oder eines Konservativen hatte. Er verwendete im Lauf seines Schaffens ein breites Spektrum
an Techniken, Gattungen und Stilen. Er schrieb sowohl gute moderne Werke, als auch solche
im stile antico. Er vereint Elemente der Renaissance mit Elementen des Barock. Als
besondere Leistung kann man die Tatsache nennen, dass er in bisher ungekannter Weise
menschliche Gefühle in die Musik projezierte, sowohl in der Oper als auch in der
Kammermusik.
Arbeitsblatt 1:

Ordne jedem der folgenden 5 Musikbeispiele die passende Szene zu:

A) Orfeo hat Charon mit seinem Gesang eingeschläfert, er besteigt den Nachen, um in die
Unterwelt zu gelangen, und bittet die Götter, ihm seine Liebe zurückzugeben.


B) Der Chor besingt die Auffahrt Orfeos in den Himmel.


C) Orfeo beklagt den Tod Euridices, nachdem ihm die Botin die Nachricht überbracht hat.


D) Tanz der Nymphen in der Natur


E) Der Chor besingt den vorläufigen Triumph Orfeos in der Unterwelt, nachdem Pluto ihm
erlaubt hat, hinabzusteigen.


F) Orfeo besingt sein Glück mit Euridice vor der bevorstehenden Hochzeit.


G) Charon sagt Orfeo, dass er als Lebender nicht in die Unterwelt darf.


H) Orfeo preist nach seiner Niederlage in der Unterwelt seine Euridice und schwört anderen
Frauen ab.


I) Moresca - Schlusstanz


J) Der Chor besingt die bevorstehende Hochzeit Orfeos und Euridices.


K) Pluto gibt der Bitte der Proserpina nach, Orfeo in die Unterwelt einzulassen, um Euridice
zu holen, mit der Einschränkung, dass er sich nicht zu ihr umdrehen darf.
Arbeitsblatt 2:

An welcher Stelle erreicht die Stimmlage des Orfeo den höchsten Punkt?
Welche Teile bleiben eher in einer Tonart, welche Teile sind eher bzw. stark modulierend?
Ändert sich die Stimmung im Lauf des Stückes? Wenn ja, wo?
Welche Generalbassinstrumente werden verwendet bzw. wo ändern sie sich?
An welcher Stelle dreht sich Orfeo zu Euridice um?
Notiere auch, was dir sonst noch auffällt!




Qual honor....


Luogo avrai....


Io per te....


Me mentre io....


Forse d'invidia....


Ma che temi.....


Ma che odo....


O dolcissimi....


Ma qual eclissi....


Rott'hai la legge....


Ahi, vista troppo...


Et io, misera...


E di luce....

				
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