Studium des Wahlpflichtbereichs 2 �angewandte Sprachwissenschaft

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Studium des Wahlpflichtbereichs 2 �angewandte Sprachwissenschaft Powered By Docstoc
					Jürgen Cholewa                                                 Stand: 26.11.08
Barbara Bogner

Hinweise zum Studium des Wahlpflichtbereichs Sprachwissenschaft

Die nachfolgend gegebenen Hinweise und Erläuterungen zum Studium des
Wahlpflichtbereichs Sprachwissenschaft sind formal nicht bindend. Die verbindlichen
Studien- und Prüfungsbedingungen entnehmen Sie bitte der entsprechenden
Prüfungsordnung (SPO I) sowie der darauf aufbauenden Studienordnung.


Ziele und Inhalte des Studiums:

Die moderne Sprachwissenschaft (= Linguistik) beschäftigt sich mit vielfältigen
theoretischen und angewandten Fragestellungen bezüglich Sprache(n) und hat
Berührungspunkte       zu    vielen   unterschiedlichen    geistes-,  sozial-    und
naturwissenschaftlichen Disziplinen (z.B. Psychologie, Neurobiologie, Philosophie,
Computerwissenschaften, Soziologie). Wenn Sie sich einen sehr gut lesbaren,
anschaulichen und kompetenten Überblick über die immense Vielfalt
sprachwissenschaftlicher Themen und Fragestellungen verschaffen wollen (und zum
Einstieg in Ihr Studium des Wahlpflichtbereichs „Sprachwissenschaft“ wäre das sicher
kein Fehler!), dann empfehlen wir Ihnen die „Cambridge Enzyklopädie der Sprache“
des englischen Psycholinguisten David Crystal (Crystal 1995). Dieses Buch finden Sie
auch in der PH-Bibliothek in der Keplerstraße. Crystal gilt als eine herausragende
Forscherpersönlichkeit der modernen Linguistik, und er versteht es meisterhaft, die
Faszination von Sprache als Gegenstand der wissenschaftlichen Betrachtung bei
„Nicht-Eingeweihten“ (und das sind Sie ja zum gegenwärtigen Zeitpunkt
wahrscheinlich noch) zu wecken.
Wenn Sie das Buch durchblättern, dann wird Ihnen sicher schnell klar, dass Sie sich
im Rahmen Ihres Studiums des Wahlpflichtbereichs „Sprachwissenschaft“ nur mit
einigen wenigen ausgewählten Themen dieses Gebietes beschäftigen können,
natürlich mit solchen, die in irgendeinem sinnvollen Bezug zu Ihrer zukünftigen
Tätigkeit als Sonderpädagogen stehen. Die hoch komplizierten Details moderner
Grammatikmodelle sind für Sie aus beruflicher Sicht sicher ebenso wenig von Belang,
wie ein historischer Vergleich von Mittel- und Neuhochdeutsch oder neue Ansätze in
der maschinellen Sprachübersetzung. Wichtig für den Umgang mit sprachbehinderten
und / oder hörgeschädigten Menschen sind aber zum Beispiel die folgenden Fragen:

   -   Wie funktioniert eigentlich im Prinzip eine „natürliche Sprache“ wie
       beispielsweise das Deutsche oder die Deutsche Gebärdensprache (DGS) und
       aus welchen Elementen sind Sprachen aufgebaut?

   -   Was passiert in unseren Köpfen, wenn wir Äußerungen in unserer
       Muttersprache produzieren oder verstehen?

   -   Wie funktioniert der Sprechvorgang? Welche Organe, Gewebe und Strukturen
       sind daran beteiligt und wie wird „Gesprochenes“ vom Hörsystem
       wahrgenommen?

   -   Was weiß man heute über die Prozesse, die dem Erwerb einer Muttersprache
       zugrunde liegen? Lernen kleine Kinder Sprache, so wie man z.B. in der

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       Grundschule rechnen lernt? Und ab wann beginnt eigentlich die
       Sprachentwicklung? (Soviel können wir Ihnen ja schon mal verraten: die
       allerersten Anfänge der Sprachentwicklung beginnen wahrscheinlich bereits im
       Mutterleib, d.h. pränatal)

   -   Was passiert eigentlich in den Köpfen von Kindern, wenn sie eine sog.
       alphabetische Schriftsprache (wie das deutsche Schriftsystem) erwerben?
       Funktioniert Schriftspracherwerb genauso wie der Erwerb einer gesprochenen
       Muttersprache?

   -   Wie beschreibt, erklärt, unterscheidet und untersucht man sprachliche (auch
       schriftsprachliche) und sprechmotorische Auffälligkeiten bei Kindern und
       Jugendlichen?

   -   Mit welchen Methoden kann man die Entwicklung (man sagt in der Linguistik
       auch „den Strukturaufbau“) einer gesprochenen oder geschriebenen Sprache
       unterstützen und welchen praktischen Nutzen kann man hierbei aus
       linguistischem Wissen ziehen?

Wie Sie an dieser (unvollständigen) Auflistung erkennen, werden sich natürlich oft
auch Überschneidungen mit Inhalten der von Ihnen studierten sonderpädagogischen
Fachrichtungen ergeben. Ihre Ausbildung in Sprachwissenschaft verfolgt im
Wesentlichen zwei Ziele:

1. Es soll ein Beitrag zur Entwicklung Ihrer sonderpädagogischen
Handlungskompetenzen geleistet werden. Schließlich haben Sie sich für eine
sonderpädagogische Fachrichtung entschieden, in der der Aufbau bzw. die Förderung
sprachlicher Kompetenzen einen besonders wichtigen Schwerpunkt darstellt. Sie
stellen dabei für die Ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen gleichermaßen ein
zentrales Sprachmodell und eine sprachliche Norminstanz dar. Ihre Art und Weise, auf
die Beeinträchtigungen der Kinder angemessen einzugehen, birgt Chancen für deren
sprachliche und kommunikative Entwicklung. Ihr sonderpädagogisches Handeln sollte
– sofern es auf eine sprachliche Förderung abzielt - auf einem Grundverständnis dafür
aufbauen, was eine Sprache eigentlich ist und in welchem Bedingungsgefüge sie
normalerweise erworben werden kann. Außerdem sollten sie verschiedene linguistisch
basierte Verfahren zur Sprachdiagnostik, -förderung und -therapie kennen und einmal
gründlich über sprachliches Modellverhalten nachgedacht haben.

2. Es soll ein Beitrag zu Ihrer wissenschaftlichen Grundausbildung geleistet
werden. Dieses Ziel mag Ihnen vielleicht etwas hochgesteckt erscheinen. Schließlich
wollen Sie ja in der Regel Sonderschullehrer und keine Wissenschaftler werden
(wobei wir die wissenschaftlich besonders Interessierten, die sich unter Ihnen
zweifellos auch befinden, durchaus ermutigen würden, diesen alternativen Berufsweg
ins Auge zu fassen. Schließlich studieren Sie ja an einer wissenschaftlichen
Hochschule und der Weg zur Promotion steht Ihnen grundsätzlich durchaus offen).
Wissenschaftliche Grundausbildung bedeutet aber zunächst nichts anderes, als dass
Sie lernen, sonderpädagogisches Handeln selbstständig und (selbst-)kritisch zu
reflektieren und zwar so gut wie möglich auf dem jeweils aktuellen Forschungsstand.
Sie sollen sich dadurch insbesondere angeregt und in die Lage versetzt fühlen, die
vielfältigen Vorschläge für sonderpädagogisches Handeln, die Ihnen im
hochschulischen und schulischen Umfeld so angeboten werden, immer nach für Sie


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nachvollziehbaren (und    möglichst     auch           empirisch     untermauerten)
Begründungszusammenhängen zu hinterfragen.


Formale Struktur des Studiums:

Nach der aktuellen Prüfungsordnung (SPO I) müssen Sie im Rahmen des Studiums
der Sonderpädagogik (das heißt konkret in Ihrem zweiten, viersemestrigen
Studienabschnitt) auch zwei sog. Wahlpflichtbereiche studieren, wobei Sie in der
Regel aus einer Palette unterschiedlicher Themenbereiche je nach Ihren persönlichen
Interessenschwerpunkten wählen können. Diese Wahlfreiheit ist allerdings dann
eingeschränkt, wenn Sie als erste oder zweite sonderpädagogische Fachrichtung
Sprachbehindertenpädagogik oder Hörgeschädigtenpädagogik studieren. In
diesen Fällen können Sie nur einen der beiden Wahlpflichtbereiche frei auswählen,
während das Studium des Wahlpflichtbereichs Sprachwissenschaft dann für Sie
verpflichtend ist. Die besondere Notwendigkeit für eine Auseinandersetzung mit
sprachwissenschaftlichen Fragestellungen ergibt sich für diese beiden Fachrichtungen
wie gesagt daraus, dass bei sprachbehinderten bzw. hörgeschädigten Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen spezifische Probleme beim Erwerb von mündlichen
und/oder schriftlichen Sprachsystemen (bzw. bei deren Verwendung) bestehen und
dass die sprachliche Kommunikationsfähigkeit in der sonderpädagogischen
Diagnostik, Förderung bzw. Therapie hier einen besonders wichtigen Stellenwert hat.
Für Studierende anderer sonderpädagogischer Fachrichtungen ist das Studium
dieses Wahlpflichtbereiches ebenfalls möglich aber nicht verpflichtend. Probleme
beim Aufbau von Sprachsystemen spielen beispielsweise auch in der
sonderpädagogischen Betreuung von Menschen mit geistiger oder psychischer
Behinderung (z.B. Down-Syndrom, Autismus) oder bei Kindern und Jugendlichen mit
Lernschwierigkeiten (z.B. Legasthenie) eine Rolle, so dass auch hier eine
Auseinandersetzung mit sprachwissenschaftlichen Fragestellungen als sinnvoll
erachtet werden kann.

Idealerweise umfasst das Studium eines Wahlpflichtbereichs einen Zeitraum von 1,5
bis maximal 2 Jahren (2. Studienabschnitt, 5.- einschließlich 7. bzw. 8.
Fachsemester). In diesem Zeitraum müssen insgesamt 8 SWS studiert werden, wobei
gemäß Studienordnung 4 SWS auf den Inhaltsbereich (IB) 1 (in der Regel
Veranstaltungen für sprachwissenschaftliche Studienanfänger) und weitere 4 SWS
auf die Inhaltsbereiche 2 bis 4 (in der Regel Hauptseminare, Kolloquien bzw. Übungen
für sprachwissenschaftlich Fortgeschrittene) entfallen. Diese interne Gliederung des
Wahlpflichtbereiches soll es ermöglichen, sprachwissenschaftlichen Studienanfängern
und       fortgeschrittenen       Studierenden      jeweils    das      angemessene
Lehrveranstaltungsniveau anbieten zu können. In den Basisveranstaltungen des
Inhaltsbereichs 1 werden i.d.R. keine spezifischen sprachwissenschaftlichen
Grundkenntnisse vorausgesetzt. In den Aufbauveranstaltungen der Inhaltsbereiche 2
bis 4 werden linguistische Grundkenntnisse, wie sie in den Basisveranstaltungen
erworben werden können, vorausgesetzt (bzw. die Bereitschaft, sich diese
Grundkenntnisse selbstständig anzueignen).
Natürlich können (und sollten) Sie aus inhaltlichem Interesse auch noch weitere
Veranstaltungen des Wahlpflichtbereiches besuchen. Je intensiver Sie
Sprachwissenschaft studieren, umso umfassender ist natürlich auch Ihre
sprachwissenschaftliche Grundausbildung. Bedenken Sie dabei aber bitte, dass die
Intensität der Ausbildung nicht allein von der Zahl der besuchten Lehrveranstaltungen
abhängt. Vielmehr ist es generell, insbesondere aber in Aufbauveranstaltungen

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       erforderlich, dass Sie zusätzlich Zeiten zur Vor- bzw. Nachbereitung des
       Seminarinhalte einplanen!!! Mit der Teilnahme an einer Veranstaltung sollten Sie
       (unabhängig vom Scheinerwerb) auch die Bereitschaft verknüpfen, intensiv in dem
       Seminar mitzuarbeiten, evtl. auch durch die Übernahme eines Referates. Weiterhin
       gehen wir grundsätzlich davon aus, dass Sie zumindest Vor- und Nachbereitungszeit
       im selben zeitlichen Umfang wie für die Teilnahme an der Lehrveranstaltung selbst
       einplanen (bei einer Lehrveranstaltung mit 2 SWS also 1,5 Zeitstunden pro
       Semesterwoche, wobei dieser Zeitrahmen im Einzelfall auch durchaus mal deutlich
       überschritten werden kann). Nur durch Ihre Mitarbeit während des Seminars und
       seminarbegleitend kann ein optimales Niveau der Lehrveranstaltungen
       gewährleistet werden!
       In jedem Wahlpflichtbereich (und so auch im Wahlpflichtbereich Sprachwissenschaft
       ist ein benoteter Hauptseminarschein zu erwerben. Dieser ist Teil der
       Akademischen Teilprüfung. Er kann gemäß Studienordnung frühestens in der
       dritten zweistündigen Lehrveranstaltung zu diesem Wahlpflichtbereich erworben
       werden. Dabei ist es allerdings formal auch gestattet, dass Sie Teilnahmescheine und
       benotete     Hauptseminarscheine       im   selben      Semester     erwerben.   Der
       Hauptseminarschein ist gemäß Studienordnung spätestens ein Semester vor
       Antragstellung auf Zulassung zur ersten Staatsprüfung für das Lehramt an
       Sonderschulen zu erbringen. Die Anforderungen an den Scheinerwerb werden vom
       jeweiligen Seminarleiter festgelegt.


       Inhaltliche Struktur des Studiums

       Die folgende Abbildung skizziert einen aus inhaltlicher Sicht idealtypischen
       Studienverlauf im Wahlpflichtbereich Sprachwissenschaft, der allerdings mit dem in
       der Prüfungsordnung vorgeschriebenen minimalen Studienvolumen von 8 SWS nicht
       realisiert werden kann, sondern einen Studienumfang von mindestens 12 SWS
       erfordert.


                 weiterführende Veranstaltungen mit wechselnder Thematik: z.B.

                    -   Spracherwerb und Sprachförderung bei CI (Bog) ** IB 2 u. 3
                    -   Prosodieerwerb (N.N.) IB 2
                    -   Die Rolle des Inputs im Morphosyntaxerwerb (Cho) IB 2
                    -   Wortverarbeitung und Wortschatzerwerb (N.N.; Cho) IB 2
                    -   Dyslexie und Dysgraphie (Cho) IB 2 u. 3
                    -   Artikulation mit Hörgeschädigten (N.N.) ** IB 3 u. 4

                 wechselnde Anforderungen an den Scheinerwerb

IV (Cho)                V (Cho)                        VI (Bog)**                    VII (Cho)
Spontansprach-          Linguistisch kontrolliertes    Angewandte Phonetik           Graphematische
analyse                 Diagnostik- u.                 für die Hörgeschädig-         Fehleranalysen
                        Therapiematerial               tenpädagogik
IB* 2 u. 3              IB 4                           IB 3                          IB 2 u. 3
SS (Klausur)            SS (kein Scheinerwerb)         WS (Klausur)                  WS (Klausur)




                                                                                                      4
I (Cho)                             II (Cho)                          III (Cho)
Grammatische Basiskenntnisse für    Artikulatorische Phonetik         Schriftsystem und
Sonderpädagogen                                                       Schriftspracherwerb im
                                                                      Deutschen
IB 1 u. 3                           IB 1 u. 3
  * (Klausur)
WS Inhaltsbereich  gemäß Studienordnung zur SPO I (vgl. Homepage der PH)
                                   SS (Klausur)                  IB 1 u. 2
  ** nur für Studierende der Hörgeschädigtenpädagogik geöffnet   WS (Klausur)



  Die Basisausbildung in sprachwissenschaftlichen Grundlagen können Sie durch
  die Teilnahme an den Lehrveranstaltungen I – III erwerben, in denen grundlegende
  phonetische, grammatische und graphematische Struktureigenschaften von
  natürlichen Sprachen unter besonderer Berücksichtigung des Deutschen vermittelt
  werden. Diese Lehrveranstaltungen sind insbesondere dann für Sie wichtig, wenn Sie
  sich im ersten Studienabschnitt mit den entsprechenden Inhalten nicht oder nicht
  gründlich genug befasst haben. Auch wenn Sie Lehrveranstaltungen mit
  vergleichbarer Thematik bereits anderweitig besucht haben, kann eine Teilnahme
  sinnvoll sein, da die Inhalte hier besonders im Hinblick auf sonderpädagogische
  Anwendungen der Sprachwissenschaft ausgewählt sind und nicht in erster Linie auf
  fachdidaktische Kompetenzen abzielen, wie sie von DeutschlehrerInnen benötigt
  werden.

  Sonderpädagogische Anwendungsbezüge der Sprachwissenschaft in den
  Bereichen Diagnostik und Therapieplanung werden dann vor allem in den
  weiterführenden Lehrveranstaltungen IV - VII vermittelt. Beachten Sie bitte, dass
  eine qualifizierte Teilnahme an diesen Lehrveranstaltungen Grundkenntnisse
  voraussetzt, wie Sie sie in den Lehrveranstaltungen I bis III erwerben können. Die
  Pfeile geben dabei jeweils an, welche Grundlagenveranstaltung inhaltlich mit welcher
  weiterführenden Veranstaltung in besonders enger Beziehung steht. Eine weitere
  Besonderheit ist, dass die Lehrveranstaltung VI (Angewandte Phonetik für die
  Hörgeschädigtenpädagogik) nur für Studierende der Hörgeschädigtenpädagogik
  geöffnet ist, da die dort vermittelten Inhalte auf diese Hörergruppe zugeschnitten sind.


  Außerdem werden in jedem Semester weiterführende Lehrveranstaltungen mit
  wechselnder Thematik angeboten, durch die Sie zusätzlich zur Teilnahme an den
  Lehrveranstaltungen I – VI Ihr Studium des WPB Sprachwissenschaft optional
  vertiefen bzw. abrunden können.

  Aus inhaltlicher Sicht muss aber insbesondere der Erwerb von Kenntnissen und
  Fähigkeiten, wie sie in den Lehrveranstaltungen I bis IV bzw. VII vermittelt werden,
  allen Studierenden der Fachrichtungen Sprachbehindertenpädagogik oder
  Hörgeschädigtenpädagogik empfohlen werden. Der Erwerb eines benoteten HS-
  Scheins ist in jeder dieser Veranstaltungen (mit Ausnahme von V) durch die
  Teilnahme an einer zweistündigen Klausur möglich.

  Die Inhalte der Lehrveranstaltungen I bis VII im Einzelnen sowie entsprechende
  Basisliteratur sind auf den folgenden Seiten skizziert.




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I Grammatische Basiskenntnisse für Sonderpädagogen (HS)

In dieser Veranstaltung können Basiskenntnisse zur Grammatik (insbesondere des
Deutschen) in Kleingruppen- bzw. Einzelübungen aufgefrischt und vertieft werden. Auf
den Ebenen Wortstruktur und Satzstruktur werden insbesondere solche
sprachstrukturellen Phänomene bearbeitet, für die ein sprach- bzw.
hörbehindertenpädagogischer Bezug besteht (z.B. bei der linguistischen Analyse freier
Sprachproben oder bei der Erstellung von linguistisch kontrolliertem Diagnostik- und
Therapiematerial).


1.    Einführung
2.    Wortarten
3.
4.    Satzglieder
5.
6.    Satzarten
7.
8.
9.    Wortstruktur I
10.
11.
12.   Wortstruktur II
13.
14.   Abschlussbesprechung
15.   Klausur

Literatur:

Cholewa, J. u. Mantey, S. (2006) Grammatische Grundlagen für die Sprachtherapie.
München: Urban u. Fischer.

Clement, D. (1996) Linguistisches Grundwissen. Opladen: Westdeutscher Verlag.

Helbig, G. u. Buscha, J. (1988) Deutsche Grammatik. Leipzig: VEB-Verlag.

Linke, A.; Nussbaumer, M. u. Portmann, P.R. (1996) Studienbuch Linguistik.
Tübingen: Niemeyer.




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II Artikulatorische Phonetik (HS)

In diesem Hauptseminar wird in die folgenden grundlegenden Aspekte der
artikulatorischen Phonetik eingeführt:

      -    Gegenstandsbereiche der Phonetik und Einordnung innerhalb der Sprach- bzw.
           Kommunikationswissenschaft

      -    Aufbau und phonetische Funktion der am Sprechvorgang beteiligten Strukturen
           und Organsysteme

      -    Phonetische Beschreibung und Kategorisierung des deutschen Lautinventars
           (Vokale und Konsonanten) unter artikulatorischen Gesichtspunkten

      -    Aspekte des Sprechvorganges (Luftstromerzeugung, Stimmgebung,
           Artikulation, Prosodie, Koartikulation, Silbenstruktur)

      -    phonetische Transkription

Die Seminarteilnehmer erhalten Gelegenheit, phonetisches Basiswissen in Übungen
z.B. zur Einzellautbeschreibung und zur Transkription anzuwenden.



1.        Einführung
2.        Phoneminventar
3.
4.        funktionelle Anatomie des
5.        Sprechapparates
          (Pfingstwoche)
6.        Konsonantenschema
7.
8.        Vokalschema
9.
10.       Transkription
11.
12.       Koartikulation und Prosodie
13.       Phonologie
14.       Repetitorium
15.       Klausur

Literatur:

Pétursson, M. u. Neppert, I. (1996) Elementarbuch der Phonetik. Hamburg: Buske

Ladefoged, P. (1993) A course in phonetics. 3. Auflage, San Diego: Harcourt, Brace,
Jovanivic.




                                                                                      7
III Schriftsystem und Schriftspracherwerb im Deutschen (HS)

In dieser Veranstaltung werden linguistische und psycholinguistische Aspekte des
Themas Schriftsprache und Schriftspracherwerb erörtert, die grundlegend für ein
Verständnis von Lese- und Rechtschreibschwäche sind. Im ersten Teil wird zunächst
in die Relationen zwischen Laut- und Schriftsprache in alphabetischen Schriftkulturen
eingeführt, wobei besonders auch auf das orthographische System im Deutschen
eingegangen wird. Im zweiten Teil werden Informationsverarbeitungsmodelle
besprochen, in denen die kognitiven Vorgänge beim Lesen und Schreiben bzw. beim
normalen Lese- und Schreiberwerb dargestellt sind. Im dritten Teil schließlich werden
Modelle des Schriftspracherwerbs diskutiert.


1.    Einführung
2.    Schriftsystem
3.
4.
5.
6.    Schriftspracheverarbeitung
7.
8.
9.
10.   Schriftspracherwerb
11.
12.
13.
14.   Abschlussbesprechung
15.   Klausur

Literatur:

Klicpera, C. u. Gasteiger-Klicpera, B. (1998) Psychologie der Lese- und
Schreibschwierigkeiten. Weinheim: Beltz

Jackson, N. u. Coltheart, M. (2001) Routes to reading success and failure. Hove: Psychol-
ogy Press




                                                                                    8
IV Spontansprachanalyse (HS)

Die psycholinguistische Analyse von sog. „Proben freier oder gelenkter
Spontansprache“ stellt einen wichtigen Ausgangspunkt für die Untersuchung und
Bewertung von Sprachentwicklungsverläufen dar. Durch Spontansprachanalysen
können expressive Auffälligkeiten u.a. auf den Ebenen Phonetik-Phonologie,
Wortfindung sowie Morphologie und Syntax erfasst und ggf. einer weiterführenden
spezifischen Untersuchung zugeführt werden. Allerdings stellt die sachgemäße
Durchführung von Spontansprachanalysen vergleichsweise hohe Anforderungen an
die linguistischen und psycholinguistischen Grundkenntnisse der UntersucherInnen. In
dem Hauptseminar wird in den Umgang mit diesem wichtigen Diagnostikinstrument
anhand von konkreten Fallbeispielen eingeführt. Im Mittelpunkt steht dabei die
Einarbeitung in die Spontansprachanalyse in enger Anlehnung an das Verfahren
ASAS (Aachener Screeningverfahren zur Analyse von Spontansprache; vgl. Schrey-
Dern 2006).
Voraussetzung für die Teilnahme an dem Hauptseminar sind Grundkenntnisse in den
Bereichen Grammatik und Phonetik/Phonologie oder die Bereitschaft, sich diese
Grundkenntnisse seminarbegleitend selbständig zu erarbeiten.

1.    Videobeispiel; Einführung; Kriterien zur Erhebung
2.    repräsentativer Sprachstichproben; Transkription
3.    Transkriptbereinigung und quantitative Analyse
4.    Phonologieerwerb
5.    ASAS-Analysebogen 1: Phonetik u. Phonologie

6.    Wortarten u. Morphosyntaxerwerb

7.    ASAS-Analysebogen 2: Wortarten
8.
9.    ASAS-Analysebogen 3-5: Morphologie u. Syntax
10.
11.
12.   Wortfindungsstörungen
13.
14.   Abschlussbesprechung
15.   Klausur


Literatur:

Schrey-Dern, D. (2006) Sprachentwicklungsstörungen: Logopädische Diagnostik und
 Therapieplanung




                                                                                   9
V Linguistisch kontrolliertes Diagnostik- und Therapiematerial (Übung)


Für den kompetenten Sprecher/Hörer enthält der sprachliche Kode eine Vielzahl von
Informationen auf verschiedenen linguistischen Ebenen (z.B. Phonologie,
Morphologie, Wortschatz, Syntax, Graphematik usw.). Bei Beeinträchtigungen der
Sprachenentwicklung (z.B. aufgrund von spezifischen Sprachentwicklungsstörungen
oder von Hörstörungen) können je nach Einzelfall spezifische dieser linguistischen
Informationen nicht adäquat verarbeitet (kodiert bzw. dekodiert) werden.
Voraussetzung für eine differenzierte Diagnostik sowie für eine individualisierte
Förderung des sprachlichen Strukturaufbaues ist es, dass durch die gezielte Auswahl
von linguistischen Aufgabenstellungen und Stimulusmaterialien die Anforderungen an
das sprachliche Strukturwissen und Verarbeitungssystem kontrolliert und variiert
werden können. In der Übung sollen exemplarisch Materialien und
Aufgabenstellungen unter Beachtung der jeweils relevanten linguistischen und
psycholinguistischen Aspekte von den Studierenden in Kleingruppen erarbeitet und
diskutiert werden. Voraussetzung für die Teilnahme an der Übung sind
Grundkenntnisse in allgemeiner Linguistik (Phonologie, Morphologie, Syntax,
Semantik) oder die Bereitschaft, sich die entsprechenden Kenntnisse
seminarbegleitend selbständig zu erarbeiten.

Literatur:
Kauschke, C. u. Siegmüller, J. (2002) Patholinguistische Diagnostik bei
Sprachentwicklungsstörungen. München: Urban & Fischer.




                                                                                 10
VI Angewandte Phonetik für die Hörgeschädigtenpädagogik (HS)

In diesem Seminar sollen Basiskenntnisse im Bereich der artikulatorischen und
auditiven Phonetik aufgefrischt und vertieft werden. Anwendungsbezüge für die Hör-
und Sprachförderung bei Hörgeschädigten werden hergestellt und Materialien und
Übungssequenzen entwickelt.

Als Voraussetzung für die Teilnahme wird der Besuch der Veranstaltung
"Artikulatorische Phonetik" von Prof. Cholewa empfohlen.

Scheinerwerb: Teilnahme an Abschlussklausur

1.    Gegenstandsbereiche der Phonetik

2.    Grundlagen der auditiven Phonetik

3.    Grundlagen der artikulatorischen Phonetik
4.
5.
6.    Artikulationstherapie
7.    Phonembestimmtes Manualsystem
8.    Absehen
9.
10.   Phonetische Transkription
11.
12.   Hörtraining - Lernprogramme
13.
14.   Abschlusskolloquium

15.   Klausur


Literatur:

Breiner, H.L. (2000) Lautsprachliche Kommunikation und ihre Beeinträchtigungen –
   Praxis der Hör-Sprechbefähigung Gehörloser und Schwerhöriger. Frankenthal:
   Silanus
Jussen, H., Kloster-Jensen, M., Wisotzki, K.-H. (19943) Lautbildung bei
   Hörgeschädigten Berlin: Edition Marhold
Pétursson, M. u. Neppert, I. (1996) Elementarbuch der Phonetik. Hamburg: Buske.
Schulte, K. (1974) Phonembestimmtes Manualsystem (PMS). Villingen-
   Schwenningen: Neckar Verlag.




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VII Graphematische Fehleranalysen (HS)

Zur Untersuchung schriftsprachlicher Leistungen, insbesondere zur Differential- bzw.
Förderdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit LRS kann neben der Durchführung
standardisierter Tests und Screenings auch eine qualitative Analyse graphematischer
Fehler beim Schreiben nach Diktat bzw. beim spontanen Schreiben hilfreich sein. In
dem Hauptseminar werden verschiedene Analyseverfahren und Fehlertaxonomien
besprochen, die in der deutschsprachigen Literatur - teilweise auch als ergänzende
Bestandteile von standardisierten Testverfahren - vorgeschlagen wurden (z.B. HSP,
DRT, SLRT, AFRA, DORA). Die verschiedenen fehleranalytischen Ansätze werden
auf der Grundlage psycholinguistischer Modellvorstellungen zur Verarbeitung bzw.
zum Erwerb von Schriftsprache kritisch diskutiert und gegenübergestellt. Außerdem
erhalten die Seminarteilnehmer Gelegenheit, anhand von Schriftsprachproben den
Umgang mit den verschiedenen Verfahren zu üben. Voraussetzung für die Teilnahme
an der Veranstaltung sind Grundkenntnisse zum deutschen Schriftsystem, zum
Schriftspracherwerb sowie zum Routenmodell des Schreibens.

Literatur:

Hernè, K.L. (2004) Diagnose der Rechtschreibfähigkeiten. Osnabrücker Beiträge zur
      Sprachtheorie: Diagnose und Schrift.
Hernè, K.L. u. Naumann, C.L. (2002) Aachener Förderdiagnostische
      Rechtschreibfehler-Analyse (AFRA) 4. überarbeitete Auflage: Aachen.
Cholewa, J. (2004) Analyse von Schreibfehlern auf psycholinguistischer Grundlage.
      Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie, 66 Diagnose und Schrift.
Löffler, I. u. Meyer-Schepers, U. (1992) DoRA: Dortmunder Rechtschreibfehler-
      Analyse zur Ermittlung des Schriftsprachestatus rechtschreibschwacher Schüler.
      Dortmund.




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