Betreuung � Erziehung � Bildung

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					Betreuung – Erziehung – Bildung


 Vortrag im Rahmen des Studientages
 »Beobachtung und Dokumentation« -
  Anforderungen und Aufgaben einer
       »Pädagogik der Kindheit«
              Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835)

                »Die Anregung aller Kräfte eines
                Menschen, damit diese sich über die
                Aneignung        der       Welt    in
                wechselseitiger        Ver-      und
                Beschränkung              harmonisch-
                proportionierlich entfalten«


              Wilhelm von Humboldt (1767-1835) über Bildung


Dezember 11                    KLAUS KRAIMER                  Folie 2
              Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835)




Dezember 11               KLAUS KRAIMER            Folie 3
              Der Auftrag

                            These 1      (Der Auftrag)


                   Als öffentliche Institution hat die
                    Vorschulerziehung einen Bildungs-
                    und Integrationsauftrag.

                   Aufgefordert   ist  die  Profession
                    (Pädagogik) und das Recht (Kinder- u.
                    Jugendhilfegesetz KJHG) durch den
                    Staat.

Dezember 11                   KLAUS KRAIMER               Folie 4
              Der Auftrag
                              These 1      (Der Auftrag)


                   Beide Aufgaben bedingen einander wechselseitig,
                    wobei drei Grundbegriffe zentral sind:


                   Betreuung (mhd. »betriuwen«): »in
                    Treue halten«, »schützen«.
                   Erziehung       (mhd.      »irziohan«)
                    »herausziehen«.
                   Bildung        (mhd.       »bildunge«)
                    »Schöpfung«, »Bildnis«, »Gestalt«.

Dezember 11                     KLAUS KRAIMER                    Folie 5
              Aneignung der Welt

                       These 2   (Mensch und Umwelt)


                   Die    ›Aneignung    der   Welt‹     ist
                    individuell einmalig. Die Institutionen
                    des Erziehungs- und Bildungswesens
                    müssen wandlungsfähig und beständig
                    zugleich sein.




Dezember 11                   KLAUS KRAIMER               Folie 6
              Aneignung der Welt

                   These 3   (Pädagogik und Wissenschaft)


                   Die Ausgestaltung der institutionellen
                    Erziehung obliegt der pädagogischen
                    Profession und Disziplin.




Dezember 11                   KLAUS KRAIMER                  Folie 7
              Aneignung der Welt

                          These 4    (Curriculum vitae)


                   Wenn beides aufeinander abgestimmt
                    wird greift ein pädagogisches Modell,
                    das als Pädagogik der Lebensalter auf
                    Bildung zielt.
                   Dies mit »Kopf, Herz und Hand«
                    (Pestalozzi) und Erziehern, die selbst
                    erzogen sind (Kant).


Dezember 11                   KLAUS KRAIMER                Folie 8
              Johann Heinrich Pestalozzi
              (1746 – 1827)



      Die Elementarbildung der Kinder
      bildet  sein     pädagogisches
      Lebenswerk




Dezember 11                      KLAUS KRAIMER   Folie 9
              Pädagogischer Kernsatz

               Die Erziehung hat die Aufgabe,
               jeden Menschen zur Erfüllung
               seiner je eigenen Bestimmung zu
               führen, indem sie ihm hilft, seine
               Grundkräfte zu entwickeln.




Dezember 11              KLAUS KRAIMER         Folie 10
              Immanuel Kant (*1724 - †1804)
               »Der Mensch ist das einzige Geschöpf,
               das erzogen werden muß.
               Unter Erziehung verstehen wir die
               Wartung     (Verpflegung,   Unterhaltung)
               Disziplin (Zucht) und Unterweisung nebst
               der Bildung. Dem zufolge ist der Mensch
               Säugling,     Zögling    und    Lehrling«

                             »Über Pädagogik« 697.

               Weitere Hinweise zu Kant im Modul 10


Dezember 11                    KLAUS KRAIMER          Folie 11
              Wandlungsfähigkeit des
              Bildungswesens

                       These 5   (Entwicklungstatsache)


                   Reifung     (angeborene    individuelle
                    Anlagen) und frühes Lernen greifen
                    ineinander
                   der                     entscheidende
                    Entwicklungsfaktor        ist      die
                    Anregungsumwelt, die pädagogisch
                    beeinflussbar ist.


Dezember 11                   KLAUS KRAIMER                Folie 12
              Wandlungsfähigkeit des
              Bildungswesens

                          These 6    (Allseitige Bildung)


                   Fröbel und Montessori geben Beispiele.
                    Kinder allseitig fördern.




Dezember 11                   KLAUS KRAIMER                  Folie 13
              Wandlungsfähigkeit des
              Bildungswesens

              Friedrich Wilhelm August Fröbel
              1782 in Oberweißbach/Thüringen -
              1852 in Marienthal/Thüringen




              Weitere Informationen:
              Pestalozzi/Fröbel Verband Berlin:
              http://www.pfv-berlin.de




Dezember 11                      KLAUS KRAIMER    Folie 14
              Fröbel 1826

              Dies: denkend tätig sein


              Dies: denkend tätig machen


              Ist der Quellpunkt aller produktiven Erziehung




Dezember 11                   KLAUS KRAIMER                    Folie 15
              Die Aneignung der Welt
                          These 7      (Modelle ins Leben rufen)


                      Die Entwicklungsstufen des Selbst
                       sind von der Art der ästhetischen und
                          moralischen Erziehung abhängig.




                 Modelle: Ästhetische Erziehung; Moralische Erziehung.



Dezember 11                         KLAUS KRAIMER                         Folie 16
              Ästhetische Erziehung

               Hentig, H. v. (1987): Ergötzen, Belehren,
               Befreien. Schriften zur      ästhetischen
               Erziehung. Frankfurt am Main.




Dezember 11                KLAUS KRAIMER              Folie 17
              Ästhetik

               Der Begriff ›Ästhetik‹     vom gr. Wort
               ›aisthesis‹

               für ›Wahrnehmung‹ auch
               ›Wissenschaft vom Schönen‹
               oder Schönheit



Dezember 11               KLAUS KRAIMER             Folie 18
              Anästhetik

               bezeichnet nicht ›das Hässliche‹, sondern
               das ›schleichend Halbschöne‹
               Betont die Bedingungen und Grenzen der
               Ästhetik.
               Ist der Gegenbegriff zur Ästhetik.

               Welsch, W. (1986): Grenzgänge der Ästhetik. Stuttgart




Dezember 11                       KLAUS KRAIMER                        Folie 19
              Friedrich Schiller (1759-1805)

                                 Seine Briefe über die ästhetische
                                 Erziehung des Menschen (1795)
                                 gehören zu den grundlegenden
                                 und     international  bekannten
                                 Texten der deutschen Pädagogik.




                                   Weitere Hinweise zu
                                   Schiller in Modul 5




Dezember 11               KLAUS KRAIMER                       Folie 20
              Friedrich Schiller (1759-1805)

               Die Kunst ist eine »Tochter der
               Freiheit«, das »Schöne« der Weg
               zur Freiheit.
               Es gibt keinen anderen Weg einen
               sinnlichen Menschen vernünftig zu
               machen, als dass man ihn zuerst
               ästhetisch macht.



Dezember 11               KLAUS KRAIMER        Folie 21
              Friedrich Schiller (1759-1805)
                   Ausgangspunkt:        Grundtriebe      des
                   Menschen
              1.   Sinnlicher Trieb (»physisches Dasein«,
                   sinnliche  Natur     und    Zustand    der
                   Empfindung),
              2.   Formtrieb      (»absolutes        Dasein«,
                   vernünftige Natur und Drang, den
                   Menschen in Freiheit zu versetzen)
                   Aufgabe der Vernunft ist es,    ein   Passungsverhältnis
                   zwischen beiden herzustellen.


Dezember 11                     KLAUS KRAIMER                         Folie 22
              Friedrich Schiller (1759-1805)
               Der Spieltrieb verbindet die Grundtriebe und
               setzt den Menschen in physische und
               moralische Freiheit.
               Unter allen Zuständen macht das Spiel
                    den Menschen vollständig.

               »Denn,      um    es   endlich    auf  einmal
               herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in
               voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er
               ist nur da ganz Mensch, wo er spielt«

Dezember 11                 KLAUS KRAIMER                  Folie 23
              Hartmut von Hentig (1925)
                                            Aufgabe der Pädagogik:
                                            Zum      Wahren,     Guten,
                                              Schönen erziehen.
                                            Sie muss helfen, Schönheit
                                            zu verstehen, zu ertragen,
                                            zu genießen, sich mit ihr zu
                                            rüsten, ihre Wirkungen zu
                                                   durchschauen.

                                            Schönheit ist Macht, weil sie
                                            ohne Willen wirkt.


              Eine Erziehung zur Mündigkeit kann von dieser Macht nicht
              absehen.


Dezember 11                      KLAUS KRAIMER                          Folie 24
              Hartmut von Hentig (1925)

                     Ästhetische Erziehung

               ist Ausrüstung und Übung      des
               Menschen    mit   und   in    der
               Wahrnehmung     elementar     und
               allgemein.




Dezember 11              KLAUS KRAIMER        Folie 25
              Lawrence Kohlberg (1927-1987)

                                     Die Theorie
                                   der moralischen
                                   Entwicklung.




Dezember 11             KLAUS KRAIMER                Folie 26
              Moral

               Die Erziehung im Vorschulalter bildet die
               Grundlage der moralischen Entwicklung, die sich
               nach einer universal gültigen Logik vollzieht

               Den Kern der Moral (von lat. »moris«, Sitte,
               Gewohnheit, Charakter) bilden Gerechtigkeit
               und die Achtung vor dem Menschen




Dezember 11                  KLAUS KRAIMER                  Folie 27
              »Goldene Regel« nach Kant


                »Handle nach der Maxime, die sich
                 selbst zugleich zum allgemeinen
                      Gesetz machen kann«



                        Kinder als »Moralphilosophen«




Dezember 11               KLAUS KRAIMER                 Folie 28
              Stufentheorie
                             1. Vorkonventionelles Niveau

                Stufe 1: Orientierung an Strafe und Gehorsam; »moralisch gut«
                                 sein bedeutet gut gehorchen.

                Stufe 2: Orientierung an Austausch (Wie du mir, so ich dir)

                                  2. Konventionelles Niveau

                        Stufe 3: Orientierung an Familie und Freunde

                Stufe 4: Orientierung an der Erhaltung des sozialen Systems

                             3. Nachkonventionelles Niveau

                             Stufe 5: Orientierung am Sozialvertrag

                   Stufe 6: Orientierung an universellen Menschenrechten




Dezember 11                        KLAUS KRAIMER                              Folie 29
              Lawrence Kohlberg
               »Der erste Schritt in der
               Erziehung eines moralischen
               Kindes    ist,  das    Kind
               moralisch zu behandeln«




Dezember 11            KLAUS KRAIMER    Folie 30
              Grundsätze der Moralerziehung

              1.   Erfahrungsräume öffnen
              2.   Verantwortung übergeben
              3.   Zutrauen haben
              4.   Beispiele aufzeigen
              5.   Autonomie ermöglichen
              6.   Diskurse führen



Dezember 11                KLAUS KRAIMER      Folie 31
              Ästhetische Erziehung

                 These 8     (Beobachtung zur ästhetischen Erziehung)


                     Aufgabe ist es, zum Wahren, Guten,
                             Schönen zu erziehen

                      vgl. v. Hentig 1987




Dezember 11                     KLAUS KRAIMER                      Folie 32
              Erziehung zur Mündigkeit

                 These 9     (Beobachtung zur moralischen Erziehung)


                     Moral lässt sich nicht einfach lehren,
                      sondern     kann    auf     sokratisch-
                      maieutische Weise vermittelt werden




Dezember 11                     KLAUS KRAIMER                     Folie 33
              Erziehung zur Mündigkeit nach
              Korczak

                 These 10       (Beobachtung eines Arztpädagogen)


                     Erzieher sollen das Kind sorgfältig
                      beobachten. Nicht wichtig ist, wie ein
                      Kind sein sollte, sondern wie ein Kind
                                        ist.

                      Im Anschluss an die Beobachtung sollte
                      ein  behutsames     Reflektieren  von
                      Handlungsmöglichkeiten erfolgen.


Dezember 11                    KLAUS KRAIMER                   Folie 34
              Erziehung zur Mündigkeit
                          These 11      (Beobachtung)


                   »Die     absichtliche   aufmerksam-
                    selektive Art des Wahrnehmens ...
                    von einer Suchhaltung bestimmt ...
                    auf die Möglichkeit der Auswertung ...
                    im Sinne der übergreifenden Absicht
                    gerichtet«[1]




Dezember 11                   KLAUS KRAIMER              Folie 35
              Beobachtung

                               These 12          (Schluss)


                  Die Wahrnehmung konzentrieren:
                       Betreuung, Erziehung, Bildung
                  Selektive Suchhaltung:
                       Mündigkeit
                  Übergreifender Anspruch:
                       Bildung



Dezember 11                       KLAUS KRAIMER               Folie 36
          »Let the children have their way.
               Let the children play.«


              Santana: »Let The Children Play«




Dezember 11              KLAUS KRAIMER           Folie 37
Betreuung – Erziehung -
Bildung

 Vortrag im Rahmen des Studientages
 »Beobachtung und Dokumentation« -
  Anforderungen und Aufgaben einer
       »Pädagogik der Kindheit«

				
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posted:12/4/2011
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